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	<title>Kiel-Wiki - Benutzerbeiträge [de]</title>
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	<subtitle>Benutzerbeiträge</subtitle>
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		<id>https://kiel-wiki.de/index.php?title=Kieler_Arbeiter-_und_Soldatenr%C3%A4te&amp;diff=68980</id>
		<title>Kieler Arbeiter- und Soldatenräte</title>
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		<updated>2026-01-04T10:19:22Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Klaus Kuhl: /* Im November 1918 übernehmen die Räte die Kontrolle */ Ergänzung Adressen des Soldatenrats&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Obwohl der Begriff &#039;&#039;&#039;Arbeiter- und Soldatenrat&#039;&#039;&#039; auch in Kiel benutzt wurde, gab es hier streng genommen keine gemeinsame Räteorganisation der Arbeiterschaft und der Soldaten. Im Folgenden wird die Entwicklung der Kieler Räte beschrieben und – soweit bekannt – werden die Mitglieder vorgestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Arbeiterrat im Januar 1918 ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Lothar_popp_mid-1920s.jpg|thumb|Passfoto Lothar Popp, aufgenommen vermutlich Mitte der 1920er-Jahre, Hamburger Staasarchiv.]] Ein erster Arbeiterrat wurde anlässlich der reichsweiten Januarstreiks 1918 gegründet, die in Kiel ihren Anfang nahmen und auf die österreichischen Jännerstreiks folgten. [[Zeitzeugen_Matrosen%E2%80%93_und_Arbeiteraufstand_1918/1919#Lothar_Popp|Lothar Popp]] (USPD) wurde per Akklamation auf dem [[Wilhelmplatz]] in einer Versammlung der Streikenden zum Vorsitzenden bestimmt. Ziel war es, die deutsche Oberste Heeresleitung daran zu hindern, von Russland, das aus dem Krieg ausschied, große territoriale und finanzielle Zugeständnisse zu erpressen. Die Streikenden sahen dadurch den Friedensschluss gefährdet. In Kiel wurde eine entsprechende Resolution verabschiedet, die an die deutsche Regierung geschickt wurde. Popp schrieb: „Wir hatten auf dem Wilhelmplatz zunächst einmal als Grundstock des Arbeiterrates 10 Kollegen der Germania-Werft gewählt, die übrigen Betriebe sollten (was nachher auch geschah), die weiteren Wahlen unter sich vornehmen. Uns leitete der Gedanke, daß der Arbeiterrat […] geeignet erscheine, die Interessen der Arbeiter zu vertreten, ohne durch den Parteienstreit in seiner Tätigkeit beengt zu sein.“&amp;lt;ref&amp;gt;Lothar Popp unter Mitarbeit von Karl Artelt: &#039;&#039;Ursprung und Entwicklung der November-Revolution 1918. Wie die deutsche Republik entstand.&#039;&#039; Kiel 1918 (Reprint als Sonderveröffentlichung der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Band 15), S. III 1–30, hier S. III 7. Im Jahr 2020 leicht gekürzt und kommentiert veröffentlicht in: IG Metall Bezirksleitung Küste (Hrsg.): &#039;&#039;Matrosenaufstand und Novemberrevolution 1918.&#039;&#039; Hamburg 2020, S. 96–115.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist unklar, ob die Organisation längerfristig existierte, weil Popp und zwei weitere USPD-Führer (Heinrich Strunk und Emil Theil) verhaftet und zu teils mehrjährigen Gefängnisstrafen verurteilt wurden. Popp musste zwei Monate in Neumünster einsitzen.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Es gibt nur einen weiteren Hinweis, dass diese Räte länger Bestand gehabt haben könnten: Julius Bredenbeck, damals 11 Jahre alt, aber durch Vater und Onkel bereits gut über die Arbeiterbewegung orientiert, sagte in einem 1989 geführten Interview: „In einzelnen Betrieben gab es schon Arbeiterräte, die sich selbst gebildet hatten, ohne Rechtsgrundlage, einfach aufgrund der Stärke der Organisation. Die zum Teil also auch mit sehr großem revolutionärem Pathos an die Arbeit gingen. In anderen Betrieben waren auch Arbeiterräte, die aber mehr daran interessiert waren, notwendige Dinge, Schwierigkeiten in der Versorgung mit Lebensmitteln usw. weitgehend mit zu steuern. Man kann nicht sagen, dass es eine einheitliche Stimmung gab. Das wurde anders als damals die Matrosen Befehlsverweigerung machten. […] Da war eine allgemeine Solidarität in der gesamte Kieler Arbeiterschaft feststellbar“. Popp selbst gibt in einem Interview mit Dirk Dähnhardt an, der erste Arbeiterrat habe sich aufgelöst (vgl. Klaus Kuhl: &#039;&#039;Lothar Popp – Führer des Kieler Matrosenaufstands 1918 im Streitgespräch mit einem 68er. Interviews mit Lothar Popp.&#039;&#039; Kiel/Hamburg 1970–1978, S. 42. Online zugänglich (aufgerufen am 26. September 2024) unter: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:kuhl_streitgespraech-m-l-popp_1978_plus-weitere-interv-u-gespraeche.pdf]). Eventuell liegt bei Bredenbeck eine Verwechselung mit den Arbeiterausschüssen nach dem Hilfsdienstgesetz vom Dezember 1916 vor.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Im November 1918 übernehmen die Räte die Kontrolle ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Artelt and comrades Kiel-Wik 1914.jpg|mini|Karl Artelt ganz links als Angehöriger der I. Werft-Division, (Ausschnittsvergrößerung rechts), gemeinsam mit Kameraden der I. Torpedo-Division in Kiel-Wik, September 1914]]&lt;br /&gt;
Im Verlauf des Kieler Matrosenaufstands entstand dann zuerst im Kasernengelände der Wik am 4. November 1918 ein Soldatenrat, zu dessen Vorsitzenden Oberheizer [[Zeitzeugen_Matrosen%E2%80%93_und_Arbeiteraufstand_1918/1919#Karl_Artelt|Karl Artelt]] (USPD) gewählt wurde. In der Popp/Artelt Broschüre heißt es dazu: „Nachdem Kamerad Artelt und T[h]ümmel zur Wahl von Soldatenräten aufgefordert hatte, vollzog sich die Wahl kompagnieweise. Jede Kompagnie wählte vier Soldatenräte. […] Die erste Soldatenratssitzung in ganz Deutschland tagte im Speisesaal am Montag, den 4 November. Kamerad Artelt wurde als erster, Kamerad Ehle als zweiter Vorsitzender gewählt.“&amp;lt;ref&amp;gt;Popp/Artelt, Ursprung, S. III 16.&amp;lt;/ref&amp;gt; Als weitere Mitglieder konnten bisher festgestellt werden: [[Zeitzeugen_Matrosen%E2%80%93_und_Arbeiteraufstand_1918/1919#Fritz_Fischer|Matrose Fritz Fischer]], Heizer Schaaf – diese gehörten zur ersten Verhandlungsdelegation beim Gouverneur – und vermutlich noch Matrose Erich Thümmel&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;In der SHVZ Jahrgang 1957 (genaues Datum unbekannt) wurde ein Nachruf auf Thümmel veröffentlicht, nachdem dieser im Alter von 64 Jahren verstorben war. Dort heißt es u.&amp;amp;nbsp;a., dass beim Kieler Aufstand „…ein riesiger, schwarzhaariger Torpedobootmatrose mit buschigen Augenbrauen eine führende Rolle [spielte]. Oftmals stand er auf dem großen Kandelaber auf dem Wilhelmplatz und sprach zu den zahlreich versammelten. Schon bald bekam er den Spitznamen ‚Der rote Matrose’. … Bereits lange vor 1918 stand er im Vordergrund der revolutionären Bewegung und auch nach 1945 sah man ihn alljährlich bei der Kranzniederlegung an den Gräbern seiner gefallenen Kameraden der Revolution und des Abwehrkampfes gegen den Kapp-Putsch.“ Thümmel wurde Mitglied des Obersten Soldatenrats. Im Januar 1919 übte er vorsichtige Kritik am Verhalten der inzwischen von den Deckoffizieren dominierten Sicherheitstruppe des Soldatenrats gegenüber einer Arbeitslosenaktion vor und im Rathaus (vgl. OSR: Bekanntmachung. In: Republik, 17. Januar 1919). Im Jahr 1920 war er vermutlich bei der Sicherheitspolizei, wo er sich gegen den Kapp-Putsch engagierte (vgl. Bericht des Sipo-Leutnants Kemsies: Das Verhalten der Sicherheitspolizei Kiel gegenüber der Militärrevolte. 9. April 1920. LAS 301 4458. Online zugänglich (aufgerufen am 26. September 2024) unter: [http://www.kurkuhl.de/docs/sipo_kemsies_arbeiterwehr.pdf]). Von 1938 bis kurz vor seinem Tod war Thümmel Lagermeister des Hansa-Speichers der Schleswig-Holsteinischen landwirtschaftlichen Hauptgenossenschaft.&amp;lt;/ref&amp;gt;(SPD). Zu ihren Forderungen gehörte u.&amp;amp;nbsp;a.: Abdankung des Hohenzollernhauses und die Einführung des allgemeinen, gleichen und geheimen Wahlrechts für beide Geschlechter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kurz darauf entstanden in fast allen militärischen Einheiten ebenfalls Soldatenräte, ohne dass jedoch eine klare Struktur erkennbar gewesen wäre. Sie etablierten sich als direkte Machtorgane der Soldaten anstelle der Offiziere.&amp;lt;ref&amp;gt;Wolfram Wette: Interview von Klaus Kuhl und Kay Gerdes. Freiburg 2016. In: Klaus Kuhl und Kay Gerdes: Begleitheft für den Dokumentarfilm „In Kiel ist Revolution!“ Kiel 2018, S. 52–60, hier S. 54. Online zugänglich (aufgerufen am 31. August 2024) unter: [http://www.kurkuhl.de/docs/begleitheft_dokufilm-in-kiel-ist-revolution_gerdes-kuhl_2018.pdf].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur wenig später fanden sich Aktivisten der Soldaten im Gewerkschaftshaus zusammen und berieten über die weiteren Schritte. Dabei entstanden festere Gruppen, die sich insbesondere um eine Verteidigung der Stadt gegen von auswärts, zur Niederschlagung des Aufstands, entsandte Truppen kümmerten. So berichtete Popp, als er am frühen Morgen des 5. November von der Verhandlung beim Gouverneur ins Gewerkschaftshaus zurückkam, dass „… es schnell [gelang] eine gewisse Einteilung und ein bestimmtes Kommando zu schaffen. In einigen der Zimmer und Bureaus hatte sich der Soldatenrat niedergelassen, der unverzüglich seine Arbeit begann.“&amp;lt;ref&amp;gt;Popp/Artelt, Ursprung, S. III 19.&amp;lt;/ref&amp;gt; Es wurden Passierscheine ausgegeben, um die Bewegungsfreiheit der Offiziere einzuschränken. Flug-Obermaat Nikolaus Goßrau&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Goßrau entwickelte in den Folgetagen die ehrgeizige Idee, sich als rechte Hand Noskes über den Soldatenrat zu stellen. Er setzte sich damit zwischen alle Stühle und ließ sich am 14. November 1918 in ein Lazarett einweisen. Vgl. Klaus Kuhl: Die Ereignisse am 6. November 1918 in Kiel. Kiel 2010. Online zugänglich (aufgerufen am 14. September 2024) unter: [http://www.kurkuhl.de/docs/ereignisse_06-11-1918.pdf].&amp;lt;/ref&amp;gt; begann im Auftrag der Räte mit dem Aufbau eines zentral organisierten Sicherheitsdienstes.&amp;lt;ref&amp;gt;Martin Rackwitz: &#039;&#039;Kiel 1918. Revolution, Aufbruch zu Demokratie und Republik.&#039;&#039; Kiel 2018, S. 114.&amp;lt;/ref&amp;gt; In den Reihen dieser locker strukturierten Soldatenräte genoss Karl Artelt, wie Goßrau andeutet, eine besondere Autorität, weil er die Entwicklung im Militär maßgeblich und mutig vorangetrieben hatte.&amp;lt;ref&amp;gt;Flug-Obermaat Nikolaus Goßrau: Privatakten betr. Revolution 1918. BArch RM 8/1024, Bl. 22.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als weitere Mitglieder dieser frühen, sich im Gewerkschaftshaus zusammenfindenden Soldatenräte, nennt Goßrau sich selbst sowie die Kameraden Braune,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Auch Lothar Popp erwähnt Braune in späteren Interviews: In der entscheidenden Nacht hätten er und „ein gewisser Braune …, (der Braune lebt bei Kiel irgendwo)“ nachts im Stationsgebäude gesessen und Telefonanrufe beantwortet. „Da waren noch welche, wo ich geschwitzt habe dabei.“ Klaus Kuhl: Interviews mit Lothar Popp. Kiel/Hamburg 1970–1978, S. 20, 44 und 60. Online zugänglich (aufgerufen am 15. September 2024) unter: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:kuhl_streitgespraech-m-l-popp_1978_plus-weitere-interv-u-gespraeche.pdf PDF].&amp;lt;/ref&amp;gt; Starke, Hackmann, Falk (Hackmann und Falk konnten nach Aussagen Goßraus über die I., V. und XVII. Halbflottille verfügen), Oberheizer Ruffert,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;In den Popp-Interviews wird, ohne nähere Informationen, der Name Düffert mit Fragezeichen erwähnt. Eventuell handelt es sich hier um dieselbe Person. Vgl. Kuhl, Interviews Popp, S. 42.&amp;lt;/ref&amp;gt; Barghahn und den Matrosen Petersen (Theodor).&amp;lt;ref&amp;gt;Goßrau, Bericht, Bl. 22.&amp;lt;/ref&amp;gt; In einem Bericht des Kommandanten der &#039;&#039;Westfalen&#039;&#039;, Kapitän zur See Max Loesch, wird ein Obermaat Brandt erwähnt, der im Gewerkschaftshaus als Ansprechpartner für Schiffsbesatzungen fungiert habe.&amp;lt;ref&amp;gt;Max Loesch, Kapitän zur See: Vorgänge an Bord (Kiel). Handschriftlicher Bericht 4. und 5. November 1918. BArch RM 31/2373, Bl. 130–133.&amp;lt;/ref&amp;gt; In einem 1958 vermutlich auf Anforderung der SED erstellten Bericht, beschreibt der damalige Unteroffizier Paul Sahnwaldt, dass er dem Soldatenrat der Matrosen-Division angehört hätte.&amp;lt;ref&amp;gt;Paul Sahnwaldt: Der Matrosenaufstand in Kiel 1918. Typoskript 1957. Bundesarchiv, SAPMO, SgY 30/0797, S. 4–8.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Etwa zwei Stunden nach den Soldaten trafen sich auch die Obleute und Vertrauensleute der Betriebe in demselben Saal im Gewerkschaftshaus und beschlossen den Generalstreik zur Unterstützung der Bewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:14 Kieler Punkte.jpg|mini|Die 14 Kieler Punkte in der &#039;&#039;Schleswig-Holsteinischen Volkszeitung (SHVZ)&#039;&#039;]]&lt;br /&gt;
Um 22 Uhr fand eine nochmalige Beratung im Gewerkschaftshaus statt. Circa 40 Vertrauensleute verschiedener Schiffe und Formationen sowie sechs Arbeiter kamen zusammen und verabschiedeten schließlich die bekannten Kieler 14 Punkte, die vielen Räten in ganz Deutschland als Richtschnur dienten.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Popp/Artelt, Ursprung, S. III-21.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dänhardt sieht in der politischen Kurzsichtigkeit, die in diesem Katalog zum Ausdruck kommt, eine wesentliche Ursache, dass die Soldatenräte nach ca. sechs Monaten wieder abgeschafft werden konnten.&amp;lt;ref&amp;gt;Dirk Dähnhardt: &#039;&#039;Revolution in Kiel. Der Übergang vom Kaiserreich zur Weimarer Republik 1918/19.&#039;&#039; Neumünster 1978, S. 89–93.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:gustav_garbe.jpg|150px|mini|Foto Gustav Garbes aus dem Kieler Gewerkschaftshaus, aufgenommen vermutlich in den 1920er-Jahren.]] Am frühen Morgen des folgenden Tages (5. November 1918) bildete sich ein Arbeiterrat aus den Obleuten der Großbetriebe, vierzehn Vorstandsmitgliedern beider sozialdemokratischer Parteien und dem Vorsitzenden des Kieler Gewerkschaftskartells Garbe. Letzterer wurde zum Vorsitzenden gewählt.&amp;lt;ref&amp;gt;Popp/Artelt, Ursprung, S. III-21–23.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Untersuchungen Dirk Dähnhardts bestand der Arbeiterrat aus den folgenden Personen:&amp;lt;ref&amp;gt;Dirk Dähnhardt: Brief an Gundula. Freiburg, 18. Oktober 1975. Wissenschaftlicher Nachlass, StAK Sign. 65496. Die Charakterisierung als „Obleute“ wurde nicht von Dähnhardt vorgenommen, ergibt sich aber daraus, dass SPD und USPD nur jeweils sieben Personen entsandten. Bei der Feststellung der Parteizugehörigkeit wurde Dähnhardt von Gertrud Völcker und Heinrich Bohnsack unterstützt; vgl. Dähnhardt, Revolution, S. 92 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Obleute der Großbetriebe (15, von den meisten ist die Parteizugehörigkeit nicht bekannt, jedoch dürfte die Mehrheit der SPD zuzurechnen sein): Heinrich Bohnsack,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Bohnsack wurde 1893 geboren, war im Ersten Weltkrieg Soldat, war später DMV-Sekretär, kam während der Nazi-Zeit in das Vorläufer KZ Lichtenberg und emigrierte anschließend nach Schweden. Nach seiner Rückkehr war er 1950–1954 Bezirksleiter der IG-Metall Küste. Vgl. Thomas Pusch: &#039;&#039;Politisches Exil als Migrationsgeschichte. Schleswig-Holsteiner EmigrantInnen und das skandinavische Exil 1933–1960.&#039;&#039; Dissertation vorgelegt an der Universität Flensburg 2003. Online zugänglich (aufgerufen am 16. September 2024) unter: [https://www.zhb-flensburg.de/?id=16381].&amp;lt;/ref&amp;gt; Fiebig, Glup, Jatow, Kazda, Krause, Künzel, Küpel, Wilhelm Leopold,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Von 1920 bis 1933 Erster Bevollmächtigter des Kieler Metallarbeiterverbands (DMV).&amp;lt;/ref&amp;gt; Neumann, Rehle, Huß (SPD), Lintzel (SPD), Wiese (USPD), Eduard Wolke (SPD).&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Wolke stiftete später zusammen mit Karl Edler den Gedenkstein für die Revolutionsopfer auf dem Eichhof-Friedhof; vgl. Johannes Rosenplänter: &#039;&#039;Zur Entstehung der ‚Ruhestätte der Opfer der Revolution‘ auf dem Kieler Eichhoffriedhof 1918–1924. Ein Werk des Landschaftsarchitekten Leberecht Migge&#039;&#039;. In: Rolf Fischer (Hrsg.): Revolution und Revolutionsforschung – Beiträge aus dem Kieler Initiativkreis 1918/19. Kiel 2011, S. 101−110, hier S. 105.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Vorstandsmitglieder der SPD (7): Balleng, Beckmann, Bindemann, August Biskupek,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Autoren der SPD Geschichtswerkstatt: August Biskupek. SPD-Geschichtswerkstatt. Online zugänglich (Permanentlink aufgerufen am 16. September 2024) unter: [https://www.spd-geschichtswerkstatt.de/index.php?title=August_Biskupek&amp;amp;oldid=55089].&amp;lt;/ref&amp;gt; [[Zeitzeugen_Matrosen%E2%80%93_und_Arbeiteraufstand_1918/1919#Karl_Edler|Karl Edler]], Fröhlich, Peter Hillbrecht.&lt;br /&gt;
* Vorstandsmitglieder der USPD (7): J. Classen (auch Claßen), Cords, Krogmann, Max Spretke, Springer, Wiechert, Zinser.&lt;br /&gt;
* Vorsitzender des Gewerkschaftskartells: [[Zeitzeugen_Matrosen–_und_Arbeiteraufstand_1918/1919#Gustav_Garbe|Gustav Garbe]] (SPD). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem sich die Macht der Räte im Laufe des 5. November konsolidierte, richtete sich der Blick auch auf weitere drängende Fragen, wie Sicherung der Nahrungsmittelversorgung und Zahlung der Löhnung. Hier bot Gustav Noske, der sich seit dem Vorabend in Kiel befand und an den Verhandlungen teilgenommen hatte, Unterstützung für die Bewegung an, allerdings in der unausgesprochenen Absicht, ihre Ausbreitung zu verhindern. In einer Absprache mit den USPD-dominierten Aktivisten wurde Noskes Angebot angenommen. Dies geschah unter der Bedingung, dass es sich um eine vorläufige Maßnahme handele und dass erst dann weitere politische Entscheidungen getroffen würden, wenn ein mit Noske vergleichbares politisches Schwergewicht der USPD aus Berlin, etwa Hugo Haase&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Hugo Haase (1863–1919), Jurist, war von 1911 bis 1916 einer der beiden Vorsitzenden der SPD, und von 1912 bis 1916 einer der beiden Fraktionsvorsitzenden der SPD im Reichstag. Als Gegner der Kriegspolitik der Mehrheit des SPD-Vorstands aus Fraktion und Partei ausgeschlossen, gründete er 1917 die USPD und war deren Vorsitzender bis 1919. Im November/Dezember 1918 war er gleichberechtigter Vorsitzender mit Friedrich Ebert im Rat der Volksbeauftragten. Er starb im November 1919 an den Folgen eines Attentats.&amp;lt;/ref&amp;gt; eingetroffen wäre. Noske wurde dann per Akklamation auf einer großen Versammlung auf dem Wilhelmplatz zum vorläufigen Vorsitzen der Soldatenräte bestimmt. Seine Aufrufe wurden von Karl Artelt mitunterzeichnet. Anordnungen mussten neben Noskes Unterschrift auch die eines weiteren Soldatenrats-Mitglieds tragen. &lt;br /&gt;
[[Datei:Beschlüsse Soldatenrat Kiel 1918.jpg|mini|Beschlüsse des Soldatenrats vom 5. November 1918]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei wurde inzwischen auch vom Großen Soldatenrat gesprochen, die Zusammenfassung der Räte hatte Fortschritte gemacht, hatte allerdings nach wie vor keine autorisierte Basis, denn Noske wählte hier nach seinem Bekunden im Stationsgebäude nach Gutdünken einen sieben- oder neuenköpfigen Aktionsausschuss aus einer Schar von 50–60 Anwesenden von verschiedenen Schiffen oder Formationen. Von diesen hätte sich ein Großteil als „Versager“ entpuppt.&amp;lt;ref&amp;gt;Gustav Noske: &#039;&#039;Von Kiel bis Kapp. Zur Geschichte der deutschen Revolution.&#039;&#039; Berlin 1920, S. 19 ([https://portal.dnb.de/bookviewer/view/1131562372#page/n6/mode/1up Digitalisat]).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Arbeiterrat ging sofort daran, mittels so genannter Beigeordneter die Zivilverwaltung zu kontrollieren. Den Beigeordneten mussten alle wichtigen Vorgänge vorgelegt werden, und sie konnten in die Entscheidungen eingreifen.&amp;lt;ref&amp;gt;Eine Liste der Beigeordneten findet sich in der Schleswig-HolsteinischenVolks-Zeitung (SHVZ) vom 12. Dezember 1918 (hier nach einer handschriftlichen Aufzeichnung von Dirk Dähnhardt „Beigeordnete für amtliche Stellen“, in seinem wissenschaftlichen Nachlass (Akte 3, Hefter 1), StAK Sign. 65496.&amp;lt;/ref&amp;gt; Als erstes fertigte Garbe eine handgeschriebene Ernennungsurkunde für [[Eduard Adler]] aus. Adler wurde abgestellt, den erzkonservativen Oberbürgermeister [[Paul Lindemann]], der später auch den Kapp-Putsch unterstützte, zu kontrollieren. [[Datei:Garbe ernennung-beigeordneter-adler 1918.jpg|thumb|Ernennungsurkunde für den Beigeordneten Eduard Adler (Vorder- und Rückseite), Stadtarchiv Kiel, Sign. 21392.]] Am 11. November 1918 wurde Adler durch den Stadtverordneten August Biskupek (ebenfalls SPD) ersetzt (Letzterer wiederum wurde aufgrund von Krankheit am 13. Februar 1919 durch den Stadtverordneten Hermann Adam abgelöst).&amp;lt;ref&amp;gt;Rackwitz, Kiel 1918, S. 279 f. Zu Adam vgl.: Autoren der SPD Geschichtswerkstatt: Hermann Adam. In: SPD-Geschichtswerkstatt wiki. Online zugänglich (aufgerufen am 16. September 2024) unter: [https://www.spd-geschichtswerkstatt.de/wiki/Hermann_Adam]. &amp;lt;/ref&amp;gt; Adler wurde zusammen mit Paul Greß (auch Gress)&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Autoren der SPD-Geschichtswerkstatt: Paul Gress. In: SPD-Geschichtswerkstatt-Wiki. Online zugänglich (aufgerufen am 2. September 2024) unter: [https://www.spd-geschichtswerkstatt.de/wiki/Paul_Gress].&amp;lt;/ref&amp;gt; Beigeordneter beim Regierungspräsidenten in Schleswig. Auch der Oberpräsident für Schleswig-Holstein, der damals seinen Sitz in Kiel hatte, erhielt einen Beigeordneten des Arbeiterrats. Eingesetzt wurde Heinrich Kürbis (SPD).&amp;lt;ref&amp;gt;Wikipedia-AutorInnen: Heinrich Kürbis. In: Wikipedia – Die freie Enzyklopädie. Online zugänglich (aufgerufen am 3. September 2024) unter: [https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Heinrich_K%C3%BCrbis&amp;amp;oldid=215560106].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Polizeipräsidenten übernahmen Friedrich Brodthuhn (SPD)&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Autoren der SPD Geschichtswerkstatt: Sozialdemokratischer Verein Groß-Kiel - Stadtverordnete. In: SPD-Geschichtswerkstatt wiki. Online zugänglich (aufgerufen am 16. September 2024) unter: [https://www.spd-geschichtswerkstatt.de/wiki/Sozialdemokratischer_Verein_Gro%C3%9F-Kiel_-_Stadtverordnete].&amp;lt;/ref&amp;gt; und Wilhelm Schweizer (USPD, später SPD)&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Autoren der SPD Geschichtswerkstatt: Wilhelm Schweizer. In: SPD-Geschichtswerkstatt wiki. Online zugänglich (aufgerufen am 16. September 2024) unter: [https://www.spd-geschichtswerkstatt.de/wiki/Wilhelm_Schweizer].&amp;lt;/ref&amp;gt; die Kontrolle; bei der städtischen Polizei Wilhelm Leopold (SPD). Zum Post- und Telegraphenamt wurde der später von der SPD zur USPD übergetretene Postinspektor Bertold Brandt&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Rolf Fischer: &#039;&#039;Mit uns die neue Zeit! Kiels Sozialdemokratie im Kaiserreich und in der Revolution.&#039;&#039; Kiel 2013 (Geschichte der Kieler Sozialdemokratie Band 2), S. 187–190. Zum Übertritt zur USPD vgl. die USPD-Zeitung „Republik“ vom 3. April 1920.&amp;lt;/ref&amp;gt; abgeordnet. Das Provinzial-Schulkollegium wurde von Dr. Hermann Weller kontrolliert.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Studienrat Hermann Weller, später Stadtverordneter SPD, spielte eine herausgehobene Rolle neben Dr. Hermann Heller und Professor Gustav Radbruch beim Kapp-Putsch in Kiel. Vgl. Dirk Dähnhardt und Gerhard Granier (Hrsg.): &#039;&#039;Der Kapp-Putsch in Kiel. Eine Dokumentation zum 60. Jahrestag der Märzereignisse von 1920.&#039;&#039; Kiel 1980 (Mitteilungen der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Band 66), S. 148.&amp;lt;/ref&amp;gt; Weitere Beigeordnete waren für die Gewerbe-Inspektion: Jatow, und für den Landeshauptmann: Albert Billian.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Autoren der SPD Geschichtswerkstatt: Albert Billian. In: SPD-Geschichtswerkstatt wiki. Online zugänglich (aufgerufen am 16. September 2024) unter: [https://www.spd-geschichtswerkstatt.de/wiki/Albert_Billian]. In Preußen war der Landeshauptmann der vom Provinziallandtag gewählte höchste Beamte eines Provinzialverbands. Er leitete die provinziale Selbstverwaltung, während der vom König ernannte Oberpräsident die Vorbehaltsrechte der Zentralregierung wahrnahm.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Peter Hillbrecht (SPD), Metallarbeiter und nach Garbe Vorsitzender des Kieler Arbeiterrats und später des Volksrats für Schleswig-Holstein, sah in einer Rückschau einen großen Mangel darin, dass man es versäumt habe, Beigeordnete für die Justiz zu stellen. Dadurch hätte man „unendlich viel an reaktionären Bestrebungen [hintanhalten]“ können.&amp;lt;ref&amp;gt;Peter Hillbrecht: Der Volksrat von Schleswig-Holstein. In: Schleswig-Holsteinische Volks-Zeitung (SHVZ), 5. November 1918, S. 2 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Über Hillbrecht ist nur wenig bekannt. Sabine Roß schreibt in ihrem biografischen Handbuch der Reichsrätekongresse 1918/19 (Hillbrecht war ebenfalls Delegierter für Schleswig-Holstein): Hillbrecht wurde am 23. April 1884 in Spliedtsdorf bei Grimmen (Prov. Pommern) geboren, war von Beruf Torpedoschlosser und seit Juni 1921 Angestellter im Eisenbahnerverband. Im selben Jahr meldete er sich nach Köln ab. Sabine Roß (spätere Kuder): &#039;&#039;Biographisches Handbuch der Reichsrätekongresse 1918/19&#039;&#039;. Düsseldorf 2000 (Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien Bd. 11). Andreas Zimmer erwähnt einen Peter Hillbrecht (SPD) als Mitglied der Landesleitung des Kulturbunds zur demokratischen Erneuerung Deutschlands in der SBZ/DDR, bei dem es sich evtl. um den hier besprochenen Kieler Vertreter handeln könnte: Andreas Zimmer: Der Kulturbund in der SBZ und in der DDR. Eine Ostdeutsche Kulturvereinigung im Wandel der Zeit zwischen 1945 und 1990. 2013 an der Fakultät für Sozialwissenschaften und Philosophie der Universität Leipzig als Dissertation angenommen. Online zugänglich (aufgerufen am 14. Januar 2023) unter: [https://vdoc.pub/documents/der-kulturbund-in-der-sbz-und-in-der-ddr-eine-ostdeutsche-kulturvereinigung-im-wandel-der-zeit-zwischen-1945-und-1990-3n3pm0s03hdg].&amp;lt;/ref&amp;gt; Nach einer Meldung in der Schleswig-Holsteinischen Volks-Zeitung (SHVZ) vom 12. Dezember 1918 war jedoch Professor Otto Opet (1866–1941)&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Otto Opet lehrte seit 1900 als Privatdozent an der Kieler Universität, wo er 1930 zum Ordinarius berufen wurde. Er zählte zu den Wissenschaftlern, deren Abberufung die Kieler Studentenschaft 1933 kategorisch fordert, da er als Jude galt. Als Mitglied des Reichsbanners, der Liga für Menschenrechte und dem republikanischen Klub und der demokratischen (beziehungsweise radikaldemokratischen) Partei war er außerdem politisch engagiert. Unter dem massiven Druck der nationalsozialistischen Anfeindung lässt Opet sich im April 1933 auf &amp;quot;eigenen Antrag&amp;quot; im Alter von 67 Jahren in den Ruhestand versetzen. Vgl. Christian-Albrechts-Universität zu Kiel: Vertriebene Gelehrte. Online zugänglich (aufgerufen am 14. Juli 2024) unter: [https://www.uni-kiel.de/de/universitaet/profil/geschichte-der-universitaet/ns-aufarbeitung/vertriebene-gelehrte].&amp;lt;/ref&amp;gt; der Justiz als Beigeordneter vorgesetzt. Vielleicht lässt sich dieser Widerspruch dadurch erklären, dass Opet als Einzelperson gegenüber der Phalanx der reaktionären Beamtenschaft keinen Effekt erzielen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wegen der herausragenden Bedeutung setzte der Arbeiterrat „als erste Tätigkeit“, wie Hillbrecht später hervorhob, den Dreher Wilhelm Schulz, Vorsitzender des von dem Arbeiter- und dem Soldatenrat gebildeten Ernährungsauschusses, als „Lebensmitteldiktator für Zivil und Militär“ ein. Später wurde er als „Ernährungskommissar“ bezeichnet. Die Kontrolle des städtischen Ernährungsamts übernahmen die Beigeordneten Fiebig (auch Viebig) und Richter.&amp;lt;ref&amp;gt;Peter Hillbrecht: Bericht über den Arbeiterrat auf einer großen SPD-Versammlung in Kiel am 11. Dezember 1918. SHVZ vom 12. Dezember 1918.&amp;lt;/ref&amp;gt; Damit sicherte sich der Rat die Oberhoheit in der bisher vom Militär dominierten und höchst ineffizient organiserten Lebensmittelversorgung.&amp;lt;ref&amp;gt;Jean-Jacques Becker, Gerd Krumeich: Der große Krieg. Deutschland und Frankreich im Ersten Weltkrieg 1914–1918. Essen 2010, S. 118.&amp;lt;/ref&amp;gt; Seit den Hungerprotesten 1917 waren die Arbeiter bereits mit einer größeren Gruppe in der städtischen Lebensmittelkommission vertreten und hatten viel Erfahrung sammeln können. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur generellen Arbeit der Beigeordneten schreibt Dähnhardt: „Allein im Bereich der Lebensmittelversorgung, die von Anfang an im Mittelpunkt der Tätigkeit des Arbeiterrats stand, konnte dieser eine für die Bevölkerung sichtbare Bedeutung erlangen. Seit Anfang November bot die Lebensmittelversorgung in Kiel keinen Anlaß mehr zu Kritik. Auch Oberbürgermeister Lindemann […] bezeichnete die dem Lebensmittelamt zur Seite gestellten Beigeordneten [im Mai 1919] sogar als &#039;brauchbare Mitarbeiter&#039;, sicherlich ein hohes Lob, wenn man berücksichtigt, dass Lindemann […] ein konsequenter Gegner der Sozialdemokratie war.“&amp;lt;ref&amp;gt;Dähnhardt, Revolution, S. 149.&amp;lt;/ref&amp;gt; Martin Rackwitz kam in seiner umfassenden Darstellung des Kieler Aufstands zu dem Ergebnis, dass die erfahrenen sozialdemokratischen Politiker „ein hohes Maß an kommunalpolitischem Sachverstand“ einbrachten.&amp;lt;ref&amp;gt;Rackwitz, Kiel 1918, S. 190.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz der Konsolidierung des Aufstands in Kiel breitete sich jedoch am 6. November eine große Unsicherheit aus, denn Kiel schien isoliert zu bleiben. Noske unternahm jetzt einen gründlich vorbereiteten Versuch, den Kieler Aufstand zu beenden und damit die alten Verhältnisse wiederherzustellen. Nachmittags fand eine große Massenversammlung von etwa tausend Matrosen, an der auch Vertreter der Arbeiterschaft teilnahmen, im „Schloßhof“ statt, dem heutigen [[Metro-Kino im Schloßhof|metro-Kino]]. Noske hielt seine sorgfältig vorbereitete Rede und beschrieb die großen Schwierigkeiten, vor der die Bewegung stehe. Die Heranschaffung von Lebensmitteln und Geld mache große Probleme, denn Kiel sei isoliert und der Eisenbahnverkehr eingestellt. Er malte ein düsteres Bild und gab dann bekannt, was die Regierung anbieten würde, wenn der Aufstand abgebrochen würde: Straffreiheit für alle Aufständischen, Amnestie für die anlässlich der Marineunruhen 1917 Verurteilten, beschleunigte Herbeiführung des Waffenstillstandes, Beschleunigung der Abdankungsfrage sowie weitere Reformen und Demokratisierung des Staates. Der Vorsitzende des Arbeiterrats Garbe (SPD) und Popp (USPD) sprachen sich dagegen aus. Auch der Redakteur der SHVZ, Bernhard Rausch (SPD)&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Rausch (1887–1981) war Artillerieleutnant an der Westfront und wurde am 1. Oktober 1918 Redakteur der SHVZ in Kiel. Er folgte Noske nach Berlin und wurde dessen politischer Privatsekretär und Referent im Reichswehrministerium, schied 1920 kurz nach Noskes Rücktritt aus und wechselte später zur deutschnationalen Frontsoldaten-Organsation Stahlhelm; vgl. Wolfram Wette: &#039;&#039;Gustav Noske. Eine politische Biographie.&#039;&#039; Düsseldorf 1988, S. 865; sowie Christian Lübcke: &#039;&#039;Ein Versuch zur Demokratisierung der Reichswehr. Bernhard Rauschs Vorschläge für eine Staatsbürgerliche Unterrichtung, 1919-1920. &#039;&#039; In: Andreas Braune, Sebastian Elsbach, Ronny Noak, (Hrsg.): Bildung und Demokratie in der Weimarer Republik. Stuttgart 2022, S. 95-109.&amp;lt;/ref&amp;gt; argumentierte dagegen: Die Bewegung dürfte „… nie in dem Sinne abgebaut werden […], daß etwas von dem aufgegeben würde, was durch sie politisch erreichbar war.“&amp;lt;ref&amp;gt;Bernhard Rausch: &#039;&#039;Am Springquell der Revolution. Die Kieler Matrosenerhebung.&#039;&#039; Kiel 1918 (Reprint als Sonderveröffentlichung der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Bd. 15), S. II 1–31, hier S. II-25.&amp;lt;/ref&amp;gt; In dem Bericht der SHVZ über die Versammlung wurde dies näher erläutert: „Die gegenwärtige schicksalsschwere politische Situation gebietet, dass die entstandenen Machtverhältnisse restlos ausgenützt werden für den politischen und sozialen Fortschritt des Deutschen Reiches. Es gilt das, was im glorreichen Ansturm errungen ist, dauernd zu befestigen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Anonym: Die Lawine im Rollen. In: Schleswig-Holsteinische Volks-Zeitung vom 7. November 1918, S. 1.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noskes Vorschlag wurde nach Angaben Popps einstimmig abgelehnt. Außerdem wurde Popp auf der Versammlung, nachdem der von Berlin entsandte USPD-Vorsitzende Haase Schwierigkeiten hatte, nach Kiel zu gelangen, zum gleichberechtigten Vorsitzenden des Soldatenrats neben Noske bestimmt.&amp;lt;ref&amp;gt;Klaus Kuhl: &#039;&#039;Gustav Garbe – bedeutender Kieler Gewerkschaftsfunktionär, Vorsitzender des Kieler Arbeiterrats und zweimaliger Gouverneur. Mit Vorworten von Frank Hornschu, Geschäftsführer und Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes Kiel Region, und von Stephanie Schmoliner, 1. Bevollmächtigte der IG Metall Kiel-Neumünster.&#039;&#039; Kiel 2023, S. 29–32.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Versammlung verlief teilweise chaotisch, was offenbar mit einer immer noch bestehenden mangelnden Legitimation der Teilnehmer, aufgrund der spontan entstandenen Soldatenräte, zusammen hing. Popp organisierte daraufhin Wahlen von Vertrauensmännern in allen Einheiten, die dann den „Großen Soldatenrat“ wählten, der dann wiederum als Aktionsausschuss am folgenden Tag den Obersten Soldatenrat (OSR) bestimmte. Der OSR, dem auch Karl Artelt angehörte, wählte Lothar Popp zum Vorsitzenden. Ab jetzt residierte der Soldatenrat im Gebäude der Marinestation, Zimmer 49.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Sammlung Vizeadmiral Carl Hollweg: Fernsprüche, welche sich auf die Revolution [in Kiel] beziehen. BArch RM 3/11682, Bl. 345 ff. Nach einem Flugblatt des Soldatenrats vom 5. November 1918 wurde zunächst als Geschäftszimmer das Gewerkschaftshaus Zimmer 13 angegeben, dann hieß es in einer Meldung im  Abendblatt der Kieler Zeitung vom 5. November: &amp;quot;Der Soldatenrat, der bisher seine Räume im Gewerkschaftshaus hatte, ist nach der Maschinenbauschule übergesiedelt.&amp;quot;&amp;lt;/ref&amp;gt; Weitere Mitglieder des OSR waren Maschinistenmaat Ullrich (auch Ulrich),&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Ein &amp;quot;Ullrich vom Obersten Soldatenrat&amp;quot; wird erwähnt als Beobachter auf einem Flug über das Lockstedter Lager; vgl. Stefan Wendt: &#039;&#039;Luftkampf über Kiel. Das Nordmarksportfeld als Luftschiff-Detachment und Festungsflugstation der Kaiserlichen Marine in den Kriegsjahren 1914/18.&#039;&#039; In: Mitteilungen der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte. Band 89, Heft 6, Kiel 2018, S. 273–299, hier S. 296.&amp;lt;/ref&amp;gt; Obermaat Schrader (vom Friedrichsorter Soldatenrat)&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Dirk Dähnhardt gibt eine Äußerung Lothar Popps über Schrader in einem 1975 geführten Gespräch wie folgt wider: „Über die Zusammensetzung des Soldatenrates erinnerte sich Herr Popp nur noch an einen Mann namens Schrader, den er selbst vorgeschlagen hatte, der aber ein &amp;quot;Vollidiot&amp;quot; gewesen sei.“ Kuhl, Popp, S. 44 f. Dähnhardt weist dabei auf eine ähnliche Schilderung Noskes hin. Noske nennt allerdings keine Namen und bezieht sich auf einen Tag vorher. Vgl. Noske, Kiel bis Kapp, S. 19.&amp;lt;/ref&amp;gt; und Obermaat Koch.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Martin Rackwitz erwähnt einen Obermatrosen Koch vom Soldatenrat in Holtenau, der dort die Befehlsgewalt ausgeübt habe. Vgl. Rackwitz, Kiel 1918, S. 181 f. Es bleibt unklar, ob es sich um dieselbe Person handelt.&amp;lt;/ref&amp;gt; Gemäß einer vorher getroffenen Absprache zwischen SPD und USPD übernahm Noske daraufhin das Gouverneursamt von Admiral Wilhelm Souchon.&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhl, Garbe, S. 32.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bereits eine Woche später werden zwei neue Mitglieder des OSR erwähnt, nämlich Robert Pfaff (SPD)&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Pfaff (1881–1940) war außerdem Delegierter auf dem 1. Reichsrätekongress für den Wahlbezirk Schleswig-Holstein und wurde dort als Marinevertreter in den Zentralrat gewählt. Ab 1919 war er kommissarischer Landrat für Rendsburg und dort aktiv an der Niederschlagung des Kapp-Putsches beteiligt, dann Entbindung von diesem Amt. Ab 1924 Inhaber eines Immobiliengeschäfts in Neckargemünd. Vgl. Roß, Reichsrätekongresse. Zur Rolle Pfaffs während des Kapp-Putsches vgl. Klaus Kuhl: &#039;&#039;Abzug des Bataillons Claassen/Detachement Kiel nach dem Kapp-Putsch in Kiel 1920.&#039;&#039; In: Zeitschrift der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte, Band 146 (2021), S. 241–256.&amp;lt;/ref&amp;gt; und Max Hartig,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Hartig, geboren 1887, war Delegierter für den Wahlbezirk Marinestation zum 1. Reichsrätekongress und gehörte zur SPD-Fraktion. Als Wohnort gab er Chemnitz an, und als dortige bisherige Tätigkeit: Sektionsleitung der Modelltischler in Chemnitz. Vgl. Roß, Reichsrätekongresse.&amp;lt;/ref&amp;gt; während Schrader vermutlich ausgeschieden war.&amp;lt;ref&amp;gt;Dähnhardt, Revolution, S. 114 und 136. Schrader wird nur noch einmal von Stabschef Küsel als Teilnehmer bei den Verhandlungen über die Rolle der Offiziere am 8. November erwähnt. Vgl. Klaus Kuhl: &#039;&#039;Gefangen in Überheblichkeit und Engstirnigkeit: Die führenden Seeoffiziere und der Matrosen- und Arbeiteraufstand in Kiel 1918. Die Berichte der Chefs der Marinestation und Gouverneure von Kiel, Admiral Gustav Bachmann und Admiral Wilhelm Souchon sowie ihres Stabschefs Konteradmiral Hans Küsel.&#039;&#039; Kiel 2023, S. 180.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über die Mitglieder des Großen Soldatenrats, die den OSR zu wählen hatten, gibt es bisher nur wenige Informationen: Der Kapitänleutnant Peter Köhler schreibt einem zeitnahen Bericht, dass er selbst zum Soldatenrat auf seinem Wohnschiff &#039;&#039;Nixe&#039;&#039; gewählt wurde und damit Mitglied im Großen Soldatenrat war. Köhler diente bis September 1918 auf dem zum III. Geschwader gehörenden &#039;&#039;Großer Kurfürst&#039;&#039; und war dann dem Artillerieschulschiff &#039;&#039;Kaiserin Augusta&#039;&#039; in Kiel zugeteilt. Er trat für eine Sozialisierung ein, war aber kein Demokrat. Köhler erwähnt auch einen Oberschreiber Haas, der eine bestimmende Rolle im Soldatenrat der I. Werft-Division gespielt hätte.&amp;lt;ref&amp;gt;Kapitänleutnant Peter Köhler: Revolutionsereignisse in Kiel. Typoskript im Nachlass Carl/Karl Hollweg, BArch RM 3/11682, Bl. 198–226. Transkript online zugänglich (aufgerufen am 25. September 2024) unter: [http://www.kurkuhl.de/docs/ereignisse_06-11-1918.pdf].&amp;lt;/ref&amp;gt; Weitere, von Karl Artelt in späteren Berichten erwähnte Mitglieder des Großen Soldatenrats: Torpedobootmatrose Fritz Steinhoff, späterer Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen sowie der U-Bootfahrer Ernst Wollweber, der von 1953 bis 1957 das Staatssekretariat bzw. das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) in der DDR leitete.&amp;lt;ref&amp;gt;Karl Artelt: Zwei Briefe an das Institut für Marxismus-Leninismus beim Zentralkomitee der SED – Abteilung Geschichte der Partei und der deutschen Arbeiterbewegung. Nebra, 15. Dezember 1957 und 12. Februar 1957. Bundesarchiv, SAPMO, SGY 30/0022, Bl. 14–19, hier Bl. 15, 17 und 19.&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Lothar Popp erwähnt einen weiteren Vertreter des Soldatenrats namens Brocks, der morgens am 5. November einen Tätigkeitsbericht im Gewerkschaftshaus abgegeben habe (Ursprung, S. III-23) und dieser Name taucht ebenfalls am 5. November als Unterzeichner eines Aufrufs von Soldatenrat und Magistrat zur &amp;quot;geordneten Aufrechterhaltung der Lebensmittelversorgung&amp;quot; auf. In der Kieler Zeitung vom 8. November 1918 (M) wird eine Bekanntmachung des Soldatenrats zu Zeitungsausträgern ebenfalls von Brocks unterzeichnet. Damit könnte dieser eventuell ebenfalls dem Großen Soldatenrat angehört haben. Er wird von Christopher Andresen als Kriegsbeschädigter bezeichnet und hätte am 7. November eine nach Flensburg entsandte Delegation des Kieler Arbeiter- und Soldatenrates angeführt. Vgl. Christopher Andresen: Arbeiter- und Soldatenräte in Flensburg 1918/19. In: Demokratische Geschichte, Bd. 18, Malente 2007, S. 9–43. Online zugänglich (aufgerufen am 20. Mai 2025) unter: [https://www.beirat-fuer-geschichte.de/fileadmin/pdf/band_18/Demokratische_Geschichte_Band_18_Essay_2.pdf].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Regierung in Berlin (bis zum 9. November 1918 noch vom letzten Reichskanzler des Kaiserreichs, Max von Baden, geführt) bestätigte Noske als neuen Gouverneur. Während Popp den Gouverneur als ausführendes Organ des Soldatenrats ansah, mit dem dieser „den Verwaltungsapparat in Bewegung bringen“ könne, betrachtete Noske den Soldatenrat eher als ein Kontrollgremium. In seinem ersten Tagesbefehl, den er zusammen mit dem OSR noch am selben Abend erstellte, hieß es: „Ich bin […] zum Gouverneur gewählt worden […]. Mir zur Seite steht der ‚Oberste Soldatenrat des Befehlsbereichs der Ostseestation’“ &amp;lt;ref&amp;gt;Popp/Artelt, Ursprung, S. III-27 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der OSR schickte dann jeweils einen Vertrauensmann in alle wichtigen militärischen Stellen. Hierbei handelte es sich meistens um Feldwebel.&amp;lt;ref&amp;gt;Rackwitz, Kiel 2018, S. 139 f. Der so genannte Etatmäßige Feldwebel war in der Regel mit dem inneren Dienst und Verwaltungsaufgaben betraut.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die zukünftige Rolle der Offiziere blieb in der Schwebe. Nachdem sich in deren Reihen zunächst eine tiefe Resignation breit gemacht hatte, schöpften die Offiziere wieder Hoffnung, weil Noske signalisiert hatte, dass er auf sie nicht verzichten wollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Inzwischen trafen auch Nachrichten von der raschen Ausbreitung der Revolution ein. Noske kam nun zu der Überzeugung, dass „ein Lavieren nicht mehr am Platze sei, sondern es hieß die Zügel fest in die Hand zu nehmen.“ In einer kleinen Runde vereinbarte er mit einigen Kieler SPD-Führern die Ausrufung des Arbeiterrats als provisorische Regierung Schleswig-Holsteins. Der ebenfalls gewünschten Ausrufung der Republik Schleswig-Holstein widersetzte er sich.&amp;lt;ref&amp;gt;Noske, Kiel bis Kapp, S. 25.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Aufruf Kieler Arbeiter und Soldatenrat.jpg|mini|Gemeinsamer Aufruf des Arbeiter- und des Soldatenrats am 7. November 1918.]] Der OSR und der Arbeiterrat einigten sich auf einen gemeinsamen Aufruf, der als Flugblatt verteilt wurde. Die ersten drei Absätze lauteten: „Die politische Macht ist in unserer Hand. Es wird eine provisorische Provinzialregierung gebildet, die in Zusammenarbeit mit den bestehenden Behörden eine neue Ordnung aufrichtet. Unser Ziel ist die freie, soziale Volksrepublik.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bewegung stieß auch auf große Zustimmung in der Bevölkerung. Dies zeigte sich nicht nur in der überwältigenden Anteilnahme bei der Beerdigung der Revolutionsopfer am 10. November 1918, sondern auch in der raschen Verbreitung der Räteidee: In weiten Kreisen der Bevölkerung bis ins Bürgertum hinein wurden Räte gegründet. Es gab Beamten- und Angestelltenräte,&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. dazu etwa Klaus Kuhl: &#039;&#039;Kiel und die Revolution von 1918. Das Tagebuch eines Werftingenieurs, verfasst in den Jahren 1917–1919. Edition und Textanalyse.&#039;&#039; Berlin 2018, S. 57.&amp;lt;/ref&amp;gt; Studentenräte,&amp;lt;ref&amp;gt;Über Alfred Meusel wird berichtet, dass er Vorsitzender des ersten Studentenrats in Deutschland wurde. Alfred Meusel (1896-1960) besuchte die Oberrealschule in Kiel. Mit Beginn des Ersten Weltkriegs meldete er sich als Freiwilliger, ging an der Front aber bald auf Distanz zum Kaiserreich und kam dort erstmals mit sozialistischen Ideen in Berührung. Im Dezember 1917 wurde er an der Aisne verschüttet, schwer verletzt und behielt zeitlebens ein Nervenleiden als Spätfolge. Von 1918 bis 1922 studierte er in Kiel u. a. Nationalökonomie, Soziologie und Geschichtswissenschaft. Vgl. Mario Kesser und Detlef Siegfried: &#039;&#039;Alfred Meusel im Spannungsfeld von Wissenschaft und Politik&#039;&#039;. In: JahrBuch für Forschungen zur Geschichte der Arbeiterbewegung, Heft III/2010, S. 65–80, hier S. 66 f. Vgl. auch die von Jörg Becker veröffentlichten Berichte von Richard Sorge, der eine sozialistische Studentenorganisation aufbaute.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bauernräte&amp;lt;ref&amp;gt;Nach Gerhard Stoltenberg soll es bereits im Januar 1919 1700 örtliche Auschüsse [Bauernräte] in Schleswig-Holstein gegeben haben; vgl. Gerhard Stoltenberg: &#039;&#039;Politische Strömungen im schleswig-holsteinischen Landvolk 1918-1933.&#039;&#039; Düsseldorf 1962, S.29, Fußnote 4. Stoltenberg beruft sich auf eine Meldung der SHVZ vom 15. Januar 1919. Die Zeitung der USPD „Republik“ meldete am 19. Januar 1919, dass in Schleswig-Holstein ein provisorischer Oberster Bauernrat aus sechs Mitgliedern gebildet worden sei. Beigeordnet seien der Ernährungskommissar für Schleswig-Holstein sowie ein Beauftragter der Landwirtschaftskammer. Geschäftsführer sei vorläufig Max Mißfeld, Suchsdorf bei Kiel.&amp;lt;/ref&amp;gt; und sogar einen Rat des Kirchenchors der [[Nikolaikirche]].&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. den Bericht eines damals 13-jährigen Chorknabens in dem NDR-Film „Matrosen, Räte, Republiken“ von Hartmut Idzko und Jörg Knickrehm, der am 1. November 1978 ausgestrahlt wurde. Progressive Teile der evangelischen Kirche, darunter der Kieler Professor Otto Baumgarten, forderten die Einführung von &amp;quot;Volkskirchenräten&amp;quot;; vgl.: Rolf Fischer: &#039;&#039;Kiel, die Kirchen und die Revolution – Eine Standortbestimmung.&#039;&#039; In: Rolf Fischer (Hrsg.): &#039;&#039;Sehnsucht nach Demokratie.&#039;&#039; Kiel 2020, S. 57–72, hier S. 67.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In mehreren Verhandlungen wurde zwischen Vertretern der Offiziere und dem OSR eine Absprache über die Rolle der Offiziere getroffen. Diese sah vor, dass diejenigen Offiziere, die sich dem Soldatenrat unterstellten, im Amt bleiben durften. Wenn sie jedoch ein Kommando ausüben wollten, mussten sie das Vertrauen ihrer Untergebenen haben. Von den Mannschaften abgelehnte Offiziere mussten sich in der Marinestation zur Verfügung halten. Die große Mehrheit der Offiziere ließ sich darauf ein, wobei die Mitteilung, der Kaiser habe sie von ihrem Eid entbunden, eine wichtige Rolle gespielt haben dürfte. Die Ansätze für eine Militärreform wurden jedoch, wie Wolfram Wette schrieb, von Noske im Keim erstickt.&amp;lt;ref&amp;gt;Wolfram Wette: Als bei der Torpedo-Division der erste Soldatenrat gebildet wurde. In: Frankfurter Rundschau, 12. Dezember 1988.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Niedergang der Rätebewegung in Kiel ==&lt;br /&gt;
In Kiel begann dieses „Ersticken“ einer möglichen Militärreform damit, dass Noske den Räten gegenüber die Kompetenz der Seeoffiziere, besonders mit Blick auf die Überführung der Flotte nach England, als unverzichtbar darstellte. Kuhl schrieb, dies sei in der neueren Literatur ohne nähere Diskussion akzeptiert worden, aber ein genauerer Blick auf die Aufgaben der verschiedenen Dienstränge zeige, dass Deckoffiziere, Unteroffiziere und Mannschaften ohne größere Probleme in der Lage gewesen wären, ein Schiff zu manövrieren; Steuerleute, Navigationsoffiziere, Maschineningenieure, Funkentelegrafiemeister etc. konnten in ihren Bereichen selbstständig handeln. Die Seeoffiziere waren hauptsächlich dazu da, ein Schiff in der Schlacht zu befehligen. Für andere Aufgaben waren sie nicht unbedingt notwendig. Allerdings war ihre Autorität wichtig für die einigermaßen reibungslose Abfolge aller Arbeiten an Bord und an Land. Diese Autorität aber war stark erschüttert. Eine Auswahl nach demokratischen und republikanischen Kriterien wäre möglich gewesen. Ein entstehender Gruppendruck hätte dann eventuell auch eine Reihe der ehemals kaiserlichen Seeoffiziere zum Einlenken bewegen können. Immerhin war nach der Wahrnehmung des Stabschefs der Marinestation, Küsel, noch Mitte November 1918 „die Stimmung, was das jüngere Seeoffizierkorps anbetrifft, ganz links gerichtet“.&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhl, Überheblichkeit, S. 186.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dies wird auch bestätigt von Admiral Gustav Bachmann, dem Vorgänger Souchons als Gouverneur und Chef der Marinestation, der den Kapitänleutnant Thorwald v. Bothmer als einen der radikalsten bezeichnete („… pries die Republik, machte die Monarchie herunter …“).&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Klaus Franken (Hg.): &#039;&#039;Admiral Gustav Bachmann: Lebenserinnerungen und Tagebuch 1915.&#039;&#039; Paderborn 2022 (Schriften zur Marinegeschichte Band 3), S. 911 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Unter dem Einfluss des Korvettenkapitäns Wilfried von Loewenfeld (s.&amp;amp;nbsp;u.) schlug dies aber schnell wieder um.&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhl, Garbe, S. 38 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zuge der kurz nach dem Umsturz einsetzenden Demobilisierung wuchs der Einfluss der zurückbleibenden Berufssoldaten und hier besonders derjenige der Deckoffiziere. Diese hatten durchaus einen wichtigen Anteil an der erfolgreichen Durchsetzung des Aufstands, denn die standen in deutlicher Opposition zu den Seeoffizieren, von denen sie ebenfalls, wie die Mannschaften, als gesellschaftlich inakzeptable Parias behandelt wurden.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Holger H. Herwig: &#039;&#039;Das Elitekorps des Kaisers. Die Marineoffiziere im Wilhelminischen Deutschland.&#039;&#039; Hamburg 1977, S. 86.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Deckoffizierbund erkannte die neuen Verhältnisse an und erteilte Bestrebungen, diese zurückzudrehen, eine Absage. Die Seeoffiziere müssten dies ebenfalls anerkennen und es müsse eine Auswahl geben, um reaktionäre Absichten von Seiten der Offiziere auszuschließen. Allerdings wurde nicht erkennbar, welche Mechanismen und Garantien der Bund für eine effektive Auswahl anstrebte.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Klaus Kuhl: &#039;&#039;Analyse und Edition von: Paul Kässner, Oberdeckoffizier a. D.: Zur Geschichte der Deckoffizierbewegung, des Deckoffizierbundes und des Bundes der Deckoffiziere.&#039;&#039; Kiel 2022, 6 f. und 22. Online zugänglich (aufgerufen am 4. September 2024) unter: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Kuhl_analyse-edition-kaessner-deckoffizierbewegung_2022.pdf].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei: Kieler_Matrosenaufstand_(Kiel_68.297).jpg|mini|Das Foto zeigt eine Demonstration von Deck- und Unteroffizieren am 22. Dezember 1918 gegen den Beschluss des Reichsrätekongresses und für die Beibehaltung der Rangabzeichen. Dies kennzeichnet den gestiegenen Einfluss der Deckoffiziere.]] Ein Großteil der Deckoffiziere erwies sich auch später im Kapp-Putsch als Stütze der Weimarer Republik, sie hatten jedoch deutliche Vorbehalte gegenüber den Soldatenräten, vermutlich weil sie deren totalen Umsturz der militärischen Hierarchien ablehnten. Die Deckoffiziere bekamen einen großen Einfluss in der Sicherheitswehr des Soldatenrats und auch im OSR selbst. Ihre Vorbehalte führten dann vermutlich auch dazu, dass Lothar Popp am 10. Dezember 1918 als Vorsitzender des OSR zurücktrat; zumindest behauptet dies Noske in seiner 1920 erschienen und stark von Rechtfertigungen geprägten Schrift „Von Kiel bis Kapp“.&amp;lt;ref&amp;gt;Noske, Kiel bis Kapp, S. 52.&amp;lt;/ref&amp;gt; Popp selbst gab später an, er habe nach der Entscheidung für die Nationalversammlung keinen Sinn mehr in seiner Arbeit für den OSR gesehen. Allerdings fiel diese Entscheidung erst später auf der Reichsrätekonferenz 16.–21. Dezember 1918,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Auf dem ersten Reichsrätekongress wurde Kiel durch die folgenden Delegierten vertreten: Gustav Garbe und Peter Hillbrecht für den Arbeiterrat (Kurt Kaulfers, USPD und Bevollmächtigter des DMV Kiel, fiel bei der Mandatsprüfung durch), sowie Max Hartig und Robert Pfaff für den Soldatenrat. Alle bis auf Kaulfers gehörten der SPD an. Vgl. Dieter Braeg und Ralf Hoffrogge (Hrsg.): &#039;&#039;Allgemeiner Kongress der Arbeiter- und Soldatenräte Deutschlands. 16.–20. Dezember 1918 Berlin – Stenografische Berichte, Neuausgabe zum 100. Jahrestag&#039;&#039;. Berlin 2018, S. 561–602. Vgl. auch Roß, Reichsrätekongresse.&amp;lt;/ref&amp;gt; was eher Noskes Darstellung unterstützen würde. Es wäre aber auch denkbar, dass Popps Rücktritt bereits davon bestimmt war, dass keine USPD-Mitglieder aus Kiel zum Reichsrätekongress delegiert wurden. Karl Artelt übernahm nun den Vorsitz des inzwischen auf 14 Mitglieder erweiterten Gremiums, Stellvertreter wurde Robert Pfaff, Schriftführer wurde der Signalmeister und Deckoffizier Franz Riefstahl (SPD). Popp wurde nur noch als politischer Berater des Gremiums aufgeführt. Zum damaligen Zeitpunkt gehörten dem OSR, neben den Genannten, noch die folgenden Personen an: Rudolf Rannow, Erich Thümmel, Schmidtke, Max Hartig, Gräfenstein (auch Grävenstein), Rath, Klaus, Eggers, Rudolph, Widmaier (auch Widmeier) und Feill (insgesamt 14).&amp;lt;ref&amp;gt;Anonym: Sitzung des obersten Soldatenrates. In: Republik, 11. Dezember 1918.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Hartig und Thümmel wurden bereits oben beschrieben, Riefstahl und Rannow werden weiter unten als Vorsitzende des OSR beschrieben, zu den anderen Personen ist bisher nichts weiter bekannt.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die provisorische Regierung Schleswig-Holsteins hatte zunächst der Kieler Arbeiterrat übernommen. Auf einer Konferenz am 12. Dezember 1918 in Neumünster wurden nun auch die anderen Räte in der Provinz einbezogen. Die Konferenz wurde von Garbe eröffnet und zusammen mit Richter aus Neumünster und Schlüter aus Flensburg geleitet. Es herrschte Einigkeit darüber, dass in „nächster Zukunft […] Räterat und National-Versammlung nebeneinander bestehen bleiben und zusammen arbeiten [müssen].“&amp;lt;ref&amp;gt;Einleitendes Referat des Beigeordneten der Regierung in Schleswig Eduard Adlers auf der Konferenz. Protokoll der Konferenz der Arbeiter- und Soldatenräte Neumünster am 12. Dezember 1918. Manuskript. Archiv des Zentralrats der Deutschen Sozialistischen Republik; Sign. B-58. Online zugänglich (aufgerufen am 9. Januar 2023) unter: [https://search.iisg.amsterdam/Record/ARCH01676].&amp;lt;/ref&amp;gt; Die provisorische Regierung setzte sich nun aus Vertretern der Räte verschiedener Regionen zusammen. Sie bezeichnete sich später als „Volksrat“.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Kuhl, Garbe, S. 34.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 27. Dezember 1918, mit Beginn der Unruhen in Berlin, kehrte Noske dorthin zurück und übernahm im Rat der Volksbeauftragten, nach dem Rücktritt der USPD-Beauftragten, den Bereich „Heer und Marine“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit verstärkte sich der schleichende und im Laufe der Entwicklung immer offenere Prozess, in dem Noske – inzwischen Reichswehrminister – die Soldatenräte im Juni 1919 schließlich abschaffen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wichtige Stationen waren dabei:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Verkleinerung des 53er-Ausschusses, dem Zentralrat der Marine im Berliner Reichsmarineamt,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Dem Rat gehörten die folgenden Kieler Personen an: Bock, Hohmann, Klenke, Lebeck, Manschke, Rösler, Stock, Block und Schumann; vgl. Kriegsakten betreff Revolution 1918 und Märzwirren 1920. BArch RM 8/1013, Bl. 73 f. Im Mai 1919 wurde auch ein Verbandssoldatenrat, in dem die Soldatenräte sich überregional organisiert hatten, der aber offensichtlich keinen größere Bedeutung erlangt hat, erwähnt; vgl. Akten des Reichsmarineamts betreffend Arbeiter und Soldatenrat, Juni 1919–März 1922. BArch RM 20/13 Bl. 27.&amp;lt;/ref&amp;gt; auf sechs Personen. Der Rat wollte die neue Marine auf Völkerverständigung und eine reine Verteidigung festlegen. Dies stieß jedoch bei den weiter nach „Weltgeltung“ strebenden „Tirpitzianern“, zu denen die vorgesehenen Führer der Marine (insbesondere v. Trotha)&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Konteradmiral Adolf von Trotha (1868–1940), ab März 1919 Chef der Admiralität, im Oktober 1919 zum Vizeadmiral befördert, unterstützte den Kapp-Putsch und wurde später Propagandist für die NSDAP.&amp;lt;/ref&amp;gt; gehörten, sowie auch bei Noske selbst, auf großen Widerstand. Aufgrund von Noskes Kritik, der auf dem Reichsrätekongress eine Verschleppung von Entscheidungen bemängelte, wurde der Rat auf sechs Mitglieder verkleinert und damit in seinen Wirkungsmöglichkeiten (bei einem Amt mit etwa 1000 Beschäftigten) stark eingeschränkt. Der stellvertretende Vorsitzende des Kieler OSR, Robert Pfaff (SPD), der auch am Reichsrätekongress teilnahm, unterstützte Noske bei seinem Vorgehen. Wette vermutet, dass Noskes Beanstandungen eher auf die inzwischen USPD-nahe Programmatik des 53er Rats zurückgingen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Wette, Noske, S. 272–280.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Der Aufbau der 1. Marine-Brigade (inoffizielle Bezeichnung: Eiserne Brigade oder Eiserne Division) durch die Deckoffiziere auf Anforderung Noskes Anfang Januar 1919. Im OSR argumentierten die Deckoffiziere damit, dass die Truppe für die Grenzsicherung im Osten gebraucht würde. Sie wurde dann aber bei den Kämpfen in Berlin und danach auch in weiteren Städten, u.&amp;amp;nbsp;a. in Bremen eingesetzt. Dies führte am 6. Januar 1919 zum Rückzug Karl Artelts aus dem OSR. Den Vorsitz übernahm zunächst Max Hartig für 10 Tage dann der Signalmeister und Deckoffizier Franz Riefstahl,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Über Riefstahl ist ebenfalls nur wenig bekannt, obwohl er neben Popp und Artelt eine besonders wichtige Rolle in der Soldatenratsbewegung spielte: Riefstahl war zunächst wohl die zentrale Figur in dem nur bis zum 3. Dezember 1918 existierenden Generalobmannbüro. Neben Riefstahl waren hier noch der Oberheizer Klaus, der Ubootsmaschinistenmaat Tscharutke, der Schreiber Au und der Oberschreiber Rothenbacher tätig. Das Büro wurde parallel zum OSR eingerichtet und diente den Obmännern, wie die von den einzelnen Soldatenräten in den Großen Soldatenrat entsandten Delegierten genannt wurden, als Ansprechstelle. Mit Riefstahls Wahl in den OSR wurde es offenbar aufgelöst. Vgl. Dähnhardt, Revolution, S. 131. Riefstahl gehörte dem OSR von Anfang Dezember 1918 bis Ende März 1919 ununterbrochen an, und war mit 2 ½ Monaten der am längsten auf diesem Posten dienende Vorsitzende. Obwohl Riefstahl der SPD angehörte und deutlich moderater war  als Popp und Artelt, verfolgten ihn die Seeoffiziere mit großem Hass. So bezeichnete v. Loewenfeld ihn als „widerlichen, aufgeblasenen roten Gesellen und Offiziershasser“. Der Stabschef Konteradmiral Küsel schrieb über ihn, er habe sich dann besonders hervorgetan, wenn es galt die Seeoffiziere zu bekämpfen. Riefstahl war später Amtmann in Berlin und wird im „Vorwärts“ vom 15. Oktober 1919 (S. 4) unter den „Groß-Berliner Parteinachrichten“ erwähnt. In einer Versammlung für „Sozialdemokratische Beamte, Angestellte und Hülfskräfte der Gemeindebehörden Groß-Berlins“ referierte Riefstahl über „Revolution und Beamtenschaft.“ Das preußische Innenministerium unter Göring ließ 1934 Erkundigungen über Riefstahl einziehen, um ihn aus dem Beamtendienst zu entfernen. Dabei übermittelte Küsel die genannte Denunziation. Wette vermutet, dies habe ausgereicht, um den Stadtamtmann Riefstahl aus dem Beamtendienst zu entfernen. Vgl. Wette, Noske, S. 261 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; während Hartig sein Stellvertreter wurde. Hartig schied am 7. Februar aus, auf ihn folgte Bublat als Stellvertreter.&amp;lt;ref&amp;gt;Klaus Kuhl: &#039;&#039;Die Kieler Eiserne Division – ein besonderer Fall in der militärischen Landschaft der Weimarer Republik.&#039;&#039; In: Rolf Fischer (Hrsg.): Brennpunkte 1918. Orte der Revolution in Schleswig-Holstein. Kiel 2023, S. 113–132.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Neuordnung der Kommandogewalt. Diese hatte bisher weitgehend in den Händen der Soldatenräte gelegen. Gegen einen bekannt gewordenen Entwurf legte der Kieler OSR Protest ein. Dieser Protest wurde auch am 1. Februar 1919 von der Kieler SPD-Zeitung unterstützt. Man sah in Noskes Planungen den Versuch, die Zustände vor der Revolution wieder einzuführen.&amp;lt;ref&amp;gt;Anonym: Neuregelung der Kommandogewalt. In: SHVZ, 1. Februar 1919, S. 1.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Entwurf war Mitte Januar vom neuen Kriegsminister Oberst Walther Reinhardt vorgelegt, vom Zentralrat der Deutschen Sozialistischen Republik&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Ein vom Reichsrätekongress im Dezember 1918 eingerichtetes Gremium zur Überwachung und zur Kontrolle des Rats der Volksbeauftragten.&amp;lt;/ref&amp;gt; geringfügig geändert und dann von der Regierung angenommen worden. Das Verordnungswerk wurde am 19. Januar verabschiedet, gab die Kommandogewalt zurück an die Offiziere und schränkte die Befugnisse der Soldatenräte stark ein. Fronttruppen und Freikorps waren ausgenommen, dort hatten Soldatenräte sowieso einen schweren Stand oder wurden gar nicht geduldet.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Wette, Noske, S. 333–339.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Rahmen verschiedentlicher Proteste der Kieler Räte bei Noske fühlten sich die Delegationsmitglieder Riefstahl, Klaus, Rannow und Thümmel von Noske „wie Handwerksburschen“ behandelt.&amp;lt;ref&amp;gt;Wette, Noske, S. 260.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Der große Protest der Kieler Arbeiterschaft gegen Noskes kompromissloses militärisches Vorgehen gegen die Bremer Räterepublik Anfang Februar 1919; aufgrund der begeleitenden militanten Aktionen der KPD auch als Kieler „Spartakus-Putsch“ bezeichnet. Im Verlauf der bewaffneten Auseinandersetzungen erlaubte Noske dann die Aufstellung der 3. Marine-Brigade durch Wilfried von Loewenfeld, die dann die Sicherheitstruppe des Soldatenrats dominierte.&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhl, Garbe, S. 47 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Am 25. Februar erfolgte dann eine Neuwahl des OSR und der erneut zum Vorsitzenden gewählte Riefstahl verkleinerte den bereits auf 12 Mitglieder reduzierten OSR auf nunmehr neun Personen. Dabei handelte es sich neben Riefstahl um Bublat (Stellvertreter), Schlüter (Schriftführer), Klaus, Rannow, Rath, Widmaier, Thümmel und Dräger.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Rackwitz, Kiel 1918, S. 183; sowie Anonym: Neuwahl des Obersten Soldatenrates. In: Kieler Zeitung vom 1. März 1919, Morgenausgabe.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Einsetzung eines Seeoffiziers als Stationschef wurde von Noske gegen den Widerstand von OSR und Arbeiterrat nach verschiedenen Anläufen durchgesetzt. Dabei verlor Garbe als Noskes Nachfolger auf dem Posten des Kieler Gouverneurs seine militärische Befehlsgewalt und wurde zum „Zivilgouverneur“ herabgestuft. Der OSR wurde nun nur noch als Stationssoldatenrat bezeichnet. Am 10. März 1919 wurde Konteradmiral Meurer als Stationschef eingesetzt. Wenig später verlor Garbe auch seinen Titel als Zivilgouverneur. Am 31. März 1919 schieden Riefstahl, Klaus, Bublat und Thümmel aus dem OSR/Stationssoldatenrat aus. Neuer Vorsitzender wurde der Oberfeuerwerkermaat Rudolf Rannow (SPD),&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Rannow, geb. 25. Januar 1887 in Oramburg (Pommern), wird in dem Bericht des Kapitänleutnants Peter Köhler am 7. November 1918 als Obmann des Soldatenrats erwähnt; Köhler: Revolutionsereignisse, S. 14. Rannow war im April 1919 Delegierter für den 2. Reichsrätekongress, wo er den Wahlbezirk Ostseestation vertrat. Er organisierte im April 1919 den Zusammenschluss von Berufssoldaten, die sich zur SPD bekannten (im Hinblick auf eine zu gründende republikanische Volkswehr), beteiligte sich an der Abwehr des Kapp-Putsches in Kiel und wurde Kommandeur der gegen den Putsch aufgebauten Arbeiterwehr. In der Personalamtsakte „Wahlen von Stadträten und Bürgermeistern“ im Stadtarchiv Kiel (Sign. 31980) wird er ab 1920 als Stadtsekretär geführt. Im Jahr 1926 meldete er sich nach Lägerdorf ab. Vgl. Wette, Noske, S. 260 und 865; Roß, Reichsrätekongresse, S. 202; Dähnhardt/Granier, Kapp-Putsch in Kiel, S. 110 ff.; BArch 8/1022, Bl. 61 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt; sein Stellvertreter wurde der Feldwebel Paul Dräger.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Dräger war 1920 Führer im Reichswirtschaftsverband deutscher derzeitiger und ehemaliger Berufssoldaten (RdB, Vorläufer des Deutschen Bundeswehr Verbands) in Kiel. Er spielte eine aktive Rolle bei der Niederschlagung des Kapp-Putsches. Vgl. Dähnhardt/Granier, Kapp-Putsch in Kiel, S. 41, 72, 140.&amp;lt;/ref&amp;gt; Außerdem gehörte nach wie vor der Feldwebel Schlüter&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Nachdem Marinewaffen heimlich auf das Gut des Prinzen Heinrich in Hemmelmark verbracht worden waren, wurden dort im April 1919 Durchsuchungen vorgenommen, an denen Schlüter (stellvertretend für Rath) vom OSR, und Otto Eggerstedt vom Volksrat beteiligt waren. Es wurden 30 Gewehre mit Munition gefunden, die Heinrich von einem Seeoffizier geliefert worden waren. Bald darauf beschwerte sich der neue Stationschef Meurer in Berlin bei v. Trotha, dass der Soldatenrat wiederum gegen Vorschriften verstoßen habe, als er sich nach diesen Vorfällen bei weiteren Hausdurchsuchungen des Volksrats in Kitzeberg (Villenviertel auf dem Ostufer der Kieler Förde) beteiligte. Nach Aussagen des Stationssoldatenrats hatte Meurer die Beschwerde auf Anweisung Noskes verfasst. Vgl. Akten des Reichsmarineamts betreffend Arbeiter und Soldatenrat, Juni 1919–März 1922. BArch RM 20/13 Bl. 30–47.&amp;lt;/ref&amp;gt; dem Rat an. Am 12. Mai 1919 wurde das Mitglied im Stationsssoldatenrat, Rath, durch den Feldwebel und Marinefeuerwerker Adolf Schmalix&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Schmalix (1890–1956) gehörte zur 1. Marine-Division und beteiligte sich am Aufbau des Reichswirtschaftsverbands derzeitiger und ehemaliger Berufssoldaten und des Republikanischen Führerbunds. Er engagierte sich im Kampf gegen den Kapp-Putsch, setzte sich dabei für die Bewaffnung der Arbeiterschaft ein und wurde für mehrere Tage verhaftet. Zu einem von ihm zu verantwortenden Unterschlagungsfall in seiner Abteilung erklärte er, „infolge seines Kampfes mit den höchsten Behörden“ sei es ihm nicht möglich gewesen, den Fall zur Anzeige zu bringen. Er verließ Kiel, entwickelte sich zum „völkisch-antisemitischen Extremnationalisten“ und beteiligte sich am Hitler-Putsch. Ab 1924 lebte er in Erfurt, wo er Schriftleiter und Herausgeber des Wochenblattes &amp;quot;Echo Germania&amp;quot; wurde. In dem Blatt pöbelte er gegen prominente Bürger, mit Vorliebe gegen Juden, Ausländer oder Demokraten, denen er dann anbot, sich freizukaufen, um weiteren Schmähungen zu entgehen. Im Frühjahr 1928 rief er den &amp;quot;Großdeutschen Freiheitsbund&amp;quot; ins Leben, dessen Programm aus einem Sammelsurium gängiger nationalistisch-völkischer Ansichten und Feindbilder bestand. Bei der Kommunalwahl in Erfurt errang er in einer reichsweiten Sensation 10 von 52 Mandaten. Später trat der der NSDAP bei. Nach dem Zweiten Weltkrieg saß Schmalix noch 1956 im Kreistag im Landkreis Roding (Oberpfalz). Vgl. Dähnhardt/Granier, Kapp-Putsch in Kiel, S. 24 f. und 41; Anonym: Ein rehabilitierter Berufssoldat. In: Republik, 26. März 1920; Steffen Raßloff: &#039;&#039;Erfurt begeht moralischen Selbstmord. Adolf Schmalix und die Großdeutsche Freiheitsbewegung.&#039;&#039; In: Stadt und Geschichte. Zeitschrift für Erfurt. 13 (2001). S 28 f. Online zugänglich (aufgerufen am 25. Septrember 2024) unter: [http://www.erfurt-web.de/Adolf_Schmalix].&amp;lt;/ref&amp;gt; ersetzt. Zu diesem Zeitpunkt gehörten dem Rat neben den genannten Rannow, Dräger, Schmalix und Schlüter noch Widmaier und Arnold (Minensuchflottille) an.&amp;lt;ref&amp;gt;Station O: Akta betr. XI a (Soldatenrat). BArch RM 31/2375 Bl. 22.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits einige Tage vorher, am 6. März 1919, war das Gesetz über die vorläufige Reichswehr verkündet worden. Es war unter Führung des Kriegsministers von Offizieren erarbeitet worden. In der parlamentarischen Debatte machte Noske deutlich, dass sozialdemokratische Vorstellungen zurzeit zurückgestellt werden müssten, um Deutschland wieder wehrhaft zu machen. Mit dem verabschiedeten Gesetz wurden die Freikorps sanktioniert, republikanische Verbände und Soldatenräte wurden abgeschafft.&amp;lt;ref&amp;gt;Wette, Noske, S. 358–368.&amp;lt;/ref&amp;gt; Am 5. Juni 1919 wurde auch der Kieler Soldatenrat abgeschafft. Es gab jetzt nur noch Vertrauensleute mit Beschwerderechten, die ohne gesetzliche Fixierung lediglich gemäß Marine-Verordnungsblatt MVBl 17, S. 208 und 209 zu wählen waren.&amp;lt;ref&amp;gt;Wette, Noske, S. 368.&amp;lt;/ref&amp;gt; Schmalix und Widmaier werden noch im September 1919 als Vertrauensleute erwähnt, wobei sie sich über die ständig weiter eingeengte Bewegungsfreiheit beschweren.&amp;lt;ref&amp;gt;Akte Reichsmarineamt Juni 1919–März 1922. BArch RM 20/13 Bl. 129 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein weiterer Vertrauensmann war der, als bewährter Deckoffizier von Noske zum Leutnant zur See beförderte, Carl von Seydlitz. Seydlitz wurde nach dem Kapp-Putsch kurzzeitig Stationschef in Kiel, weil die Seeoffiziere wegen Putschbeteiligung suspendiert worden waren oder aus Solidarität den Dienst verlassen hatten.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Klaus Kuhl: &#039;&#039;Leutnant zur See Carl von Seydlitz. Der Kampf für die Demokratisierung der Reichsmarine.&#039;&#039; In: Rolf Fischer (Hrsg.): Sehnsucht nach Demokratie. Neue Aspekte der Kieler Revolution 1918. Kiel 2020, S. 23-35.&amp;lt;/ref&amp;gt; Demokratisch und republikanisch orientierte Soldaten und Offiziere wurden jetzt langsam aber stetig aus dem Militär gedrängt.&amp;lt;ref&amp;gt;Wette, Noske, S. 560, 697.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch Seydlitz gab 1923 auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Räteidee lebte aber im zivilen Bereich weiter. Garbe hatte den Vorsitz im Arbeiterrat mit seiner Ernennung zum Gouverneur abgegeben. Nachfolger wurde Peter Hillbrecht (SPD), zweiter oder gleichberechtigter Vorsitzender J. Claßen (auch Classen geschrieben) von der USPD. Der Rat gab seinen Anspruch, als provisorische Regierung der Provinz Schleswig-Holstein zu fungieren, an den neu gebildeten Volksrat ab. Diesem gehörten auch Vertreter anderer Räte aus Schleswig-Holstein sowie kurzzeitig ein Mitglied des OSR an.&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhl, Garbe, S. 48 f. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während der Soldatenrat als wichtigstes Ziel eine Demokratisierung des Militärs verfolgte, stand bei dem Arbeiterrat die Demokratisierung der Wirtschaft im Zentrum. Besonders die Führer der Werften gehörten meist der rechtsradikalen Deutschen Vaterlandspartei an. Sie besaßen einen großen politischen Einfluss. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitte März wurden Neuwahlen zu den Arbeiterräten durchgeführt. Die Parität mit der USPD wurde aufgegeben, damit konnte diese nur noch eine marginale Rolle in den Räten spielen. Die Beteiligung an den Wahlen war gering, was zu einem weiteren Bedeutungsverlust führte. Im neu konstituierten Arbeiterrat wurden Peter Hillbrecht zum ersten und Otto Eggerstedt&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Eggerstedt (1886–1933 im KZ Esterwegen ermordet) erlernte den Beruf des Bäckers und war Soldat im Ersten Weltkrieg. Er berichtete, wie er dazu beitrug, dass sich auf dem Rückmarsch von der Front Soldatenräte bildeten (Otto Eggerstedt: Die Revolution im Felde! In: SHVZ, 5. November 1919). Zurück in Kiel engagierte Eggerstedt sich stark bei Versuchen eine demokratische Einwohnerwehr aufzubauen und war während des Kapp-Putsches an führender Stelle am Aufbau der Arbeiterwehr beteiligt. Ab Juli 1919 war er Parteisekretär der SPD in Kiel und von 1919 bis 1924 Stadtverordneter von Kiel. Im März 1921 rückte er für Albert Billian in den Reichstag nach, dem er durchgehend bis 1933 angehörter. Ab 1927 war er in der preußischen Verwaltung tätig, ab April 1928 als Regierungsrat und Leiter des Polizeiamtes Wandsbek. Ab 1929 wurde er, das erste halbe Jahr kommissarisch, Polizeipräsident von Altona-Wandsbek mit Sitz in Altona. In seine Dienstzeit fiel der so genannte Altonaer Blutsonntag, der als Anlass für die Beseitigung der sozialdemokratischen preußischen Regierung, eines der letzten Bollwerke gegen die Machtübernahme durch die Nazis, herhalten musste. Vgl. Autoren der SPD-Geschichtswerkstatt: Otto Eggerstedt. Online zugänglich (aufgerufen am 25. September 2024) unter: [https://www.spd-geschichtswerkstatt.de/wiki/Otto_Eggerstedt].&amp;lt;/ref&amp;gt; zum zweiten Vorsitzenden gewählt. Weitere Mitglieder waren der Redakteur der SHVZ Bernhard Rausch und J. Classen (oder Claßen) für die USPD. Als Aufgaben des Rats wurde benannt: Den Räten sollte nicht die ganze politische Macht übertragen werden, sondern sie sollten „die denkbar wichtigsten wirtschaftlichen Aufgaben“ erhalten: die „Mitleitung der Fabrikbetriebe und die Sozialisierung“. Sie sollten politisch fortwirken, solange der Beamtenkörper nicht hinreichend demokratisch erneuert sei.&amp;lt;ref&amp;gt;Anonym: Der Kieler Arbeiterrat. In: SHVZ, 24. März 1919.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich musste der Arbeiterrat im September seine Arbeit einstellen, weil keine Gelder mehr bewilligt wurden. Im Zuge des reformierten – nunmehr demokratischen – Wahlrechts waren jedoch viele seiner Mitglieder und Beigeordneten in die entsprechenden Gremien gewählt worden und konnten so – anders als bei den Soldatenräten – weiter Einfluss ausüben. Für Garbe war diese Entwicklung folgerichtig. Er sagte in seiner Wahlkampfrede anlässlich seiner Kandidatur für die Kommunalwahl Anfang März in Kiel: „Ich bin kein großer Freund der Arbeiterräte, deren Zeit bald vorbei sein dürfte. […] Die Räte sollen im Rathaus sitzen. […] wo sie besser arbeiten können wie heute als Beiräte.“&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhl, Garbe, S. 49 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Räteidee war auch von der Nationalversammlung aufgenommen worden, insbesondere, um der in der Arbeiterbewegung weit verbreiteten, immer wieder vorgetragenen Forderung nach Sozialisierung und Demokratisierung der Wirtschaft entgegenzukommen. Eine Kombination von Parlamentarismus und Rätesystem war also durchaus denkbar.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. dazu Peter von Oertzen: &#039;&#039;Betriebsräte in der Novemberrevolution. Eine politikwissenschaftliche Untersuchung über Ideengehalt und Struktur der betrieblichen und wirtschaftlichen Arbeiterräte in der deutschen Revolution 1918/19.&#039;&#039; Düsseldorf 1963 (Beiträge zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien, Band 25), S. 57–67.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Gespräch waren etwa Wirtschaftsräte, doch erst 1930 wurde ein Entwurf für die Ausgestaltung des Reichswirtschaftsrats vorgelegt, der jedoch zu der Zeit keine Aussichten mehr auf Umsetzung hatte und nicht die notwendige Zweidrittelmehrheit erhielt. Übrig blieben schließlich nur noch die Betriebsräte. Im Februar 1920 wurde das Betriebsrätegesetz verabschiedet, das allerdings die Mitwirkungsmöglichkeiten nach ursprünglichen Forderungen einer weitgehenden Kontrollfunktion  nur noch auf soziale Belange beschränkte. Garbe, der vermutlich hinter der Aussage in der SHVZ stand, dass man den Arbeiterräten die „Mitleitung der Fabrikbetriebe“ übertragen wollte, äußerte sich in seinem Bericht im Jahr 1920 entsprechend enttäuscht über das Betriebsrätegesetz.&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhl, Garbe, S. 50.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
Damit war die Rätebewegung in Kiel, die die politische Demokratie erkämpft hatte, mit ihren weitergehenden Vorstellungen einer Demokratisierung von Militär und Wirtschaft gescheitert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellen und Literatur ==&lt;br /&gt;
* Lothar Popp, Karl Artelt: &#039;&#039;Ursprung und Entwicklung der November-Revolution 1918. Wie die deutsche Republik entstand.&#039;&#039; Kiel 1918. Reprint als Sonderveröffentlichung der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Band 15, S. III 1–30. Im Jahr 2020 leicht gekürzt und kommentiert veröffentlicht in: IG Metall Bezirksleitung Küste (Hrsg.): &#039;&#039;Matrosenaufstand und Novemberrevolution 1918.&#039;&#039; Hamburg 2020, S. 96–115, ISBN 978-3-96488-063-5.&lt;br /&gt;
* Gustav Noske: &#039;&#039;Von Kiel bis Kapp. Zur Geschichte der deutschen Revolution.&#039;&#039; Berlin 1920 ([https://portal.dnb.de/bookviewer/view/1131562372#page/n6/mode/1up Digitalisat]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Klaus Kuhl: &#039;&#039;Gustav Garbe – bedeutender Kieler Gewerkschaftsfunktionär, Vorsitzender des Kieler Arbeiterrats und zweimaliger Gouverneur. Mit Vorworten von Frank Hornschu, Geschäftsführer und Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes Kiel Region, und von Stephanie Schmoliner, 1. Bevollmächtigte der IG Metall Kiel-Neumünster.&#039;&#039; Kiel 2023.&lt;br /&gt;
* Martin Rackwitz: &#039;&#039;Kiel 1918. Revolution, Aufbruch zu Demokratie und Republik.&#039;&#039; Kiel 2018, ISBN 978-3-529-05174-6.&lt;br /&gt;
* Dirk Dähnhardt: &#039;&#039;Revolution in Kiel. Der Übergang vom Kaiserreich zur Weimarer Republik 1918/19.&#039;&#039; Karl Wachholtz, Neumünster 1978, ISBN 3-529-02636-0.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
* Wikipedia: Arbeiter- und Soldatenrat [https://de.wikipedia.org/wiki/Arbeiter-_und_Soldatenrat].&lt;br /&gt;
* [[Zeitzeugen_Matrosen%E2%80%93_und_Arbeiteraufstand_1918/1919|Zeitzeugen]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references group=&amp;quot;A&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:1911-1920]] [[Kategorie:Erster Weltkrieg]] [[Kategorie:Kieler Arbeiter- und Matrosenaufstand]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Klaus Kuhl</name></author>
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		<id>https://kiel-wiki.de/index.php?title=Kieler_14_Punkte&amp;diff=68875</id>
		<title>Kieler 14 Punkte</title>
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		<updated>2025-12-30T10:30:39Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Klaus Kuhl: /* Siehe auch */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Die Kieler 14 Punkte (vermutlich eine Anspielung auf die 14 Punkte des Friedensplans von Präsident Wilson) wurden in der Nacht vom 4. auf den 5. November 1918, nachdem sich der Matrosen- und Arbeiteraufstand erfolgreich durchgesetzt hatte, von Mitgliedern der sich bildenden Arbeiter- und Soldatenräte im Gewerkschaftshaus ausgiebig diskutiert und am frühen Morgen verabschiedet. Es handelte sich eher um einen Katalog von Sofortmaßnahmen als um ein klares politisches Programm. Damit konnte Geschlossenheit hergestellt werden. In der politischen Kurzsichtigkeit sieht Dirk Dähnhardt jedoch eine wesentliche Ursache, dass die Soldatenräte nach ca. sechs Monaten wieder aufgelöst werden konnten.&amp;lt;ref&amp;gt;Dirk Dähnhardt: Revolution in Kiel. Der Übergang vom Kaiserreich zur Weimarer Republik 1918/19. Neumünster 1978, S. 89–93.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Punkte wiesen jedoch, wie Wolfram Wette feststellte, „in die Richtung eines freiheitlichen, sozialen und demokratischen Staatswesens, in dem insbesondere der Militarismus vergangener Zeiten keinen Platz mehr haben sollte.“&amp;lt;ref&amp;gt;Wolfram Wette: Die Novemberrevolution. Kiel 1918. In: Carsten Fleischhauer und Guntram Turkowski (Hrsg.): Schleswig-holsteinische Erinnerungsorte. Heide 2006, S. 58-67, hier S. 62.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kieler 14 Punkte entwickelten sich schnell zu einer „Blaupause“ für die rasche Ausbreitung der Revolution über ganz Deutschland. Im Zuge des Sturzes der lokalen Autoritäten und der Bildung von Räten wurden sie in vielen anderen Orten als Richtschnur  übernommen.&amp;lt;ref&amp;gt;Knut-Hinrik Kollex: Blaupause für die Revolution. Die „Kieler 14 Punkte“. In: Sonja Kinzler, Doris Tillmann (Hrsg.): Die Stunde der Matrosen. Kiel und die deutsche Revolution 1918. Darmstadt 2018, S. 122–127, hier S. 124 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Kieler 14 Punkte==&lt;br /&gt;
[[Datei:14 Kieler Punkte.jpg|mini|Die 14 Kieler Punkte in der &#039;&#039;Schleswig-Holsteinischen Volkszeitung&#039;&#039;]]&lt;br /&gt;
Beschlüsse und Forderungen des Soldatenrates:&lt;br /&gt;
# Freilassung sämtlicher Inhaftierten und politischen Gefangener.&lt;br /&gt;
# Vollständige Rede- und Pressefreiheit.&lt;br /&gt;
# Aufhebung der Briefzensur.&lt;br /&gt;
# Sachgemäße Behandlung der Mannschaften durch Vorgesetzte.&lt;br /&gt;
# Straffreie Rückkehr sämtlicher Kameraden an Bord und in die Kasernen.&lt;br /&gt;
# Die Ausfahrt der Flotte hat unter allen Umständen zu unterbleiben.&lt;br /&gt;
# Jegliche Schutzmaßnahmen mit Blutvergießen haben zu unterbleiben.&lt;br /&gt;
# Zurückziehung sämtlicher nicht zur Garnison gehöriger Truppen.&lt;br /&gt;
# Alle Maßnahmen zum Schutze des Privateigentums werden sofort vom Soldatenrat festgesetzt.&lt;br /&gt;
# Es gibt außer Dienst keine Vorgesetzten mehr.&lt;br /&gt;
# Unbeschränkte persönliche Freiheit jedes Mannes von Beendigung des Dienstes bis zum Beginn des nächsten Dienstes.&lt;br /&gt;
# Offiziere, die sich mit den Maßnahmen des jetzt bestehenden Soldatenrates einverstanden erklären, begrüßen wir in unserer Mitte. Alles übrige hat ohne Anspruch auf Versorgung den Dienst zu quittieren.&lt;br /&gt;
# Jeder Angehörige des Soldatenrates ist von jeglichem Dienste zu befreien.&lt;br /&gt;
# Sämtliche in Zukunft zu treffenden Maßnahmen sind nur mit Zustimmung des Soldatenrates zu treffen.&lt;br /&gt;
Diese Forderungen sind für jede Militärperson Befehle des Soldatenrates.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Soldatenrat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Diskussion==&lt;br /&gt;
[[Datei:Flugblatt soldatenrat 5-nov-1918.jpg|thumb|Flugblatt des Kieler Soldatenrats vom 5. November 1918 (Stadtarchiv Kiel). In der Kieler Zeitung wurden die beiden letzten Absätze weggelassen und die 14 Punkte direkt darunter aufgeführt, so dass der Eindruck entstand, als handele es sich um ein einheitliches Dokument.]] Einige Historiker gaben an, dass die Punkte bereits im Laufes des 4. November 1918 verabschiedet worden seien und in den an diesem Tage stattfinden Verhandlungen zwischen den Aufständischen und der Marineführung in Kiel präsentiert worden seien. Sogar eine Annahme der Punkte im Verlauf der letzten Verhandlung am 4. November abends durch den Gouverneur Admiral Wilhelm Souchon wird beschrieben. Dagegen kommt Klaus Kuhl in seiner detaillierten Analyse zu dem Ergebnis, dass diese Darstellungen auf einer verkürzten Wiedergabe des nebenstehenden Flugblatts in der Abendausgabe der Kieler Zeitung vom 5. November 1918, sowie teilweise auf einer ungenauen Darstellung in der Schleswig-Holsteinischen Volks-Zeitung zurückgehen. Die Kieler Zeitung erweckte fälschlich den Eindruck, als wären die 14 Punkte Teil des Flugblatts gewesen. Die zeitnah verfassten Ergebnisberichte von Teilnehmern an den Verhandlungen am 4. November erwähnen jedoch die 14 Punkte nicht. Damit ist vielmehr die Darstellung von Lothar Popp richtig, dass die Punkte in der Nacht ausgiebig diskutiert wurden und erst am Morgen des 5. November verabschiedet wurden.&amp;lt;ref&amp;gt;Klaus Kuhl: Die Kieler 14 Punkte. Kiel 2011. Online zugänglich (aufgerufen am 29. Dezember 2025) unter: [http://www.kurkuhl.de/docs/kieler_14punkte.pdf].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und Literatur==&lt;br /&gt;
* Lothar Popp unter Mitarbeit von Karl Artelt: Ursprung und Entwicklung der November-Revolution 1918. Wie die deutsche Republik entstand. Kiel 1918 (Reprint als Sonderveröffentlichung der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Bd. 15), S. III 1-30.&lt;br /&gt;
* Bernhard Rausch: Am Springquell der Revolution. Die Kieler Matrosenerhebung. Kiel 1918 (Reprint als Sonderveröffentlichung der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Bd. 15), S. II 1–31.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Dirk Dähnhardt: Revolution in Kiel. Der Übergang vom Kaiserreich zur Weimarer Republik 1918/19. Neumünster 1978.&lt;br /&gt;
* Ernst Rudolf Huber: Deutsche Verfassungsgeschichte. Seit 1789. Band V, Weltkrieg, Revolution und Reichserneuerung 1914-1919. Stuttgart, Berlin, Köln, Mainz 1978, S. 653. Huber macht eine Reihe von Fehlern in wichtigen Details, vgl. Kuhl, 14 Punkte, S. 6.&lt;br /&gt;
* Knut-Hinrik Kollex: Blaupause für die Revolution. Die „Kieler 14 Punkte“. In: Sonja Kinzler, Doris Tillmann (Hrsg.): Die Stunde der Matrosen. Kiel und die deutsche Revolution 1918. Darmstadt 2018, S. 122–127.&lt;br /&gt;
* Klaus Kuhl: Die Kieler 14 Punkte. Kiel 2011. Online zugänglich (aufgerufen am 29. Dezember 2025) unter: [http://www.kurkuhl.de/docs/kieler_14punkte.pdf]&lt;br /&gt;
* Klaus Kuhl: Verhandlungen im Gouvernement Kiel am 4. November 1918, 21:00 – 0:15 Uhr zwischen dem Gouverneur und weiteren Offizieren, dem Soldatenrat, dem Arbeiterrat, Vertretern der sozialdemokratischen Parteien und den von Berlin entsandten Vertretern der Regierung Haußmann und Noske, sowie weiterer Personen. Kiel 2017. Online zugänglich (aufgerufen am 18. November 2025) unter: [http://www.kurkuhl.de/docs/verhandlungsprotokoll_181104.pdf].&lt;br /&gt;
* Martin Rackwitz: Kiel 1918. Revolution, Aufbruch zu Demokratie und Republik. Kiel 2018, S. 99.&lt;br /&gt;
* Wolfram Wette: Die Novemberrevolution. Kiel 1918. In: Carsten Fleischhauer und Guntram Turkowski (Hrsg.): Schleswig-holsteinische Erinnerungsorte. Heide 2006, S. 58-67.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Siehe auch ==&lt;br /&gt;
*[[Kieler Arbeiter- und Matrosenaufstand]]&lt;br /&gt;
*[[Zeitzeugen Matrosen– und Arbeiteraufstand 1918/1919]]&lt;br /&gt;
*[[Kieler Arbeiter- und Soldatenräte]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:1911-1920]] [[Kategorie:Erster Weltkrieg]] [[Kategorie:Kieler Arbeiter- und Matrosenaufstand]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Klaus Kuhl</name></author>
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		<title>Kieler 14 Punkte</title>
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		<updated>2025-12-30T09:20:55Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Klaus Kuhl: /* Die Kieler 14 Punkte */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Die Kieler 14 Punkte (vermutlich eine Anspielung auf die 14 Punkte des Friedensplans von Präsident Wilson) wurden in der Nacht vom 4. auf den 5. November 1918, nachdem sich der Matrosen- und Arbeiteraufstand erfolgreich durchgesetzt hatte, von Mitgliedern der sich bildenden Arbeiter- und Soldatenräte im Gewerkschaftshaus ausgiebig diskutiert und am frühen Morgen verabschiedet. Es handelte sich eher um einen Katalog von Sofortmaßnahmen als um ein klares politisches Programm. Damit konnte Geschlossenheit hergestellt werden. In der politischen Kurzsichtigkeit sieht Dirk Dähnhardt jedoch eine wesentliche Ursache, dass die Soldatenräte nach ca. sechs Monaten wieder aufgelöst werden konnten.&amp;lt;ref&amp;gt;Dirk Dähnhardt: Revolution in Kiel. Der Übergang vom Kaiserreich zur Weimarer Republik 1918/19. Neumünster 1978, S. 89–93.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Punkte wiesen jedoch, wie Wolfram Wette feststellte, „in die Richtung eines freiheitlichen, sozialen und demokratischen Staatswesens, in dem insbesondere der Militarismus vergangener Zeiten keinen Platz mehr haben sollte.“&amp;lt;ref&amp;gt;Wolfram Wette: Die Novemberrevolution. Kiel 1918. In: Carsten Fleischhauer und Guntram Turkowski (Hrsg.): Schleswig-holsteinische Erinnerungsorte. Heide 2006, S. 58-67, hier S. 62.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kieler 14 Punkte entwickelten sich schnell zu einer „Blaupause“ für die rasche Ausbreitung der Revolution über ganz Deutschland. Im Zuge des Sturzes der lokalen Autoritäten und der Bildung von Räten wurden sie in vielen anderen Orten als Richtschnur  übernommen.&amp;lt;ref&amp;gt;Knut-Hinrik Kollex: Blaupause für die Revolution. Die „Kieler 14 Punkte“. In: Sonja Kinzler, Doris Tillmann (Hrsg.): Die Stunde der Matrosen. Kiel und die deutsche Revolution 1918. Darmstadt 2018, S. 122–127, hier S. 124 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Kieler 14 Punkte==&lt;br /&gt;
[[Datei:14 Kieler Punkte.jpg|mini|Die 14 Kieler Punkte in der &#039;&#039;Schleswig-Holsteinischen Volkszeitung&#039;&#039;]]&lt;br /&gt;
Beschlüsse und Forderungen des Soldatenrates:&lt;br /&gt;
# Freilassung sämtlicher Inhaftierten und politischen Gefangener.&lt;br /&gt;
# Vollständige Rede- und Pressefreiheit.&lt;br /&gt;
# Aufhebung der Briefzensur.&lt;br /&gt;
# Sachgemäße Behandlung der Mannschaften durch Vorgesetzte.&lt;br /&gt;
# Straffreie Rückkehr sämtlicher Kameraden an Bord und in die Kasernen.&lt;br /&gt;
# Die Ausfahrt der Flotte hat unter allen Umständen zu unterbleiben.&lt;br /&gt;
# Jegliche Schutzmaßnahmen mit Blutvergießen haben zu unterbleiben.&lt;br /&gt;
# Zurückziehung sämtlicher nicht zur Garnison gehöriger Truppen.&lt;br /&gt;
# Alle Maßnahmen zum Schutze des Privateigentums werden sofort vom Soldatenrat festgesetzt.&lt;br /&gt;
# Es gibt außer Dienst keine Vorgesetzten mehr.&lt;br /&gt;
# Unbeschränkte persönliche Freiheit jedes Mannes von Beendigung des Dienstes bis zum Beginn des nächsten Dienstes.&lt;br /&gt;
# Offiziere, die sich mit den Maßnahmen des jetzt bestehenden Soldatenrates einverstanden erklären, begrüßen wir in unserer Mitte. Alles übrige hat ohne Anspruch auf Versorgung den Dienst zu quittieren.&lt;br /&gt;
# Jeder Angehörige des Soldatenrates ist von jeglichem Dienste zu befreien.&lt;br /&gt;
# Sämtliche in Zukunft zu treffenden Maßnahmen sind nur mit Zustimmung des Soldatenrates zu treffen.&lt;br /&gt;
Diese Forderungen sind für jede Militärperson Befehle des Soldatenrates.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Soldatenrat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Diskussion==&lt;br /&gt;
[[Datei:Flugblatt soldatenrat 5-nov-1918.jpg|thumb|Flugblatt des Kieler Soldatenrats vom 5. November 1918 (Stadtarchiv Kiel). In der Kieler Zeitung wurden die beiden letzten Absätze weggelassen und die 14 Punkte direkt darunter aufgeführt, so dass der Eindruck entstand, als handele es sich um ein einheitliches Dokument.]] Einige Historiker gaben an, dass die Punkte bereits im Laufes des 4. November 1918 verabschiedet worden seien und in den an diesem Tage stattfinden Verhandlungen zwischen den Aufständischen und der Marineführung in Kiel präsentiert worden seien. Sogar eine Annahme der Punkte im Verlauf der letzten Verhandlung am 4. November abends durch den Gouverneur Admiral Wilhelm Souchon wird beschrieben. Dagegen kommt Klaus Kuhl in seiner detaillierten Analyse zu dem Ergebnis, dass diese Darstellungen auf einer verkürzten Wiedergabe des nebenstehenden Flugblatts in der Abendausgabe der Kieler Zeitung vom 5. November 1918, sowie teilweise auf einer ungenauen Darstellung in der Schleswig-Holsteinischen Volks-Zeitung zurückgehen. Die Kieler Zeitung erweckte fälschlich den Eindruck, als wären die 14 Punkte Teil des Flugblatts gewesen. Die zeitnah verfassten Ergebnisberichte von Teilnehmern an den Verhandlungen am 4. November erwähnen jedoch die 14 Punkte nicht. Damit ist vielmehr die Darstellung von Lothar Popp richtig, dass die Punkte in der Nacht ausgiebig diskutiert wurden und erst am Morgen des 5. November verabschiedet wurden.&amp;lt;ref&amp;gt;Klaus Kuhl: Die Kieler 14 Punkte. Kiel 2011. Online zugänglich (aufgerufen am 29. Dezember 2025) unter: [http://www.kurkuhl.de/docs/kieler_14punkte.pdf].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und Literatur==&lt;br /&gt;
* Lothar Popp unter Mitarbeit von Karl Artelt: Ursprung und Entwicklung der November-Revolution 1918. Wie die deutsche Republik entstand. Kiel 1918 (Reprint als Sonderveröffentlichung der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Bd. 15), S. III 1-30.&lt;br /&gt;
* Bernhard Rausch: Am Springquell der Revolution. Die Kieler Matrosenerhebung. Kiel 1918 (Reprint als Sonderveröffentlichung der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Bd. 15), S. II 1–31.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Dirk Dähnhardt: Revolution in Kiel. Der Übergang vom Kaiserreich zur Weimarer Republik 1918/19. Neumünster 1978.&lt;br /&gt;
* Ernst Rudolf Huber: Deutsche Verfassungsgeschichte. Seit 1789. Band V, Weltkrieg, Revolution und Reichserneuerung 1914-1919. Stuttgart, Berlin, Köln, Mainz 1978, S. 653. Huber macht eine Reihe von Fehlern in wichtigen Details, vgl. Kuhl, 14 Punkte, S. 6.&lt;br /&gt;
* Knut-Hinrik Kollex: Blaupause für die Revolution. Die „Kieler 14 Punkte“. In: Sonja Kinzler, Doris Tillmann (Hrsg.): Die Stunde der Matrosen. Kiel und die deutsche Revolution 1918. Darmstadt 2018, S. 122–127.&lt;br /&gt;
* Klaus Kuhl: Die Kieler 14 Punkte. Kiel 2011. Online zugänglich (aufgerufen am 29. Dezember 2025) unter: [http://www.kurkuhl.de/docs/kieler_14punkte.pdf]&lt;br /&gt;
* Klaus Kuhl: Verhandlungen im Gouvernement Kiel am 4. November 1918, 21:00 – 0:15 Uhr zwischen dem Gouverneur und weiteren Offizieren, dem Soldatenrat, dem Arbeiterrat, Vertretern der sozialdemokratischen Parteien und den von Berlin entsandten Vertretern der Regierung Haußmann und Noske, sowie weiterer Personen. Kiel 2017. Online zugänglich (aufgerufen am 18. November 2025) unter: [http://www.kurkuhl.de/docs/verhandlungsprotokoll_181104.pdf].&lt;br /&gt;
* Martin Rackwitz: Kiel 1918. Revolution, Aufbruch zu Demokratie und Republik. Kiel 2018, S. 99.&lt;br /&gt;
* Wolfram Wette: Die Novemberrevolution. Kiel 1918. In: Carsten Fleischhauer und Guntram Turkowski (Hrsg.): Schleswig-holsteinische Erinnerungsorte. Heide 2006, S. 58-67.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Siehe auch ==&lt;br /&gt;
*[[Zeitzeugen Matrosen– und Arbeiteraufstand 1918/1919]]&lt;br /&gt;
*[[Kieler Arbeiter- und Soldatenräte]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:1911-1920]] [[Kategorie:Erster Weltkrieg]] [[Kategorie:Kieler Arbeiter- und Matrosenaufstand]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Klaus Kuhl</name></author>
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		<title>Kieler 14 Punkte</title>
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		<updated>2025-12-30T09:17:12Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Klaus Kuhl: Artikel erstellt&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Die Kieler 14 Punkte (vermutlich eine Anspielung auf die 14 Punkte des Friedensplans von Präsident Wilson) wurden in der Nacht vom 4. auf den 5. November 1918, nachdem sich der Matrosen- und Arbeiteraufstand erfolgreich durchgesetzt hatte, von Mitgliedern der sich bildenden Arbeiter- und Soldatenräte im Gewerkschaftshaus ausgiebig diskutiert und am frühen Morgen verabschiedet. Es handelte sich eher um einen Katalog von Sofortmaßnahmen als um ein klares politisches Programm. Damit konnte Geschlossenheit hergestellt werden. In der politischen Kurzsichtigkeit sieht Dirk Dähnhardt jedoch eine wesentliche Ursache, dass die Soldatenräte nach ca. sechs Monaten wieder aufgelöst werden konnten.&amp;lt;ref&amp;gt;Dirk Dähnhardt: Revolution in Kiel. Der Übergang vom Kaiserreich zur Weimarer Republik 1918/19. Neumünster 1978, S. 89–93.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Punkte wiesen jedoch, wie Wolfram Wette feststellte, „in die Richtung eines freiheitlichen, sozialen und demokratischen Staatswesens, in dem insbesondere der Militarismus vergangener Zeiten keinen Platz mehr haben sollte.“&amp;lt;ref&amp;gt;Wolfram Wette: Die Novemberrevolution. Kiel 1918. In: Carsten Fleischhauer und Guntram Turkowski (Hrsg.): Schleswig-holsteinische Erinnerungsorte. Heide 2006, S. 58-67, hier S. 62.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kieler 14 Punkte entwickelten sich schnell zu einer „Blaupause“ für die rasche Ausbreitung der Revolution über ganz Deutschland. Im Zuge des Sturzes der lokalen Autoritäten und der Bildung von Räten wurden sie in vielen anderen Orten als Richtschnur  übernommen.&amp;lt;ref&amp;gt;Knut-Hinrik Kollex: Blaupause für die Revolution. Die „Kieler 14 Punkte“. In: Sonja Kinzler, Doris Tillmann (Hrsg.): Die Stunde der Matrosen. Kiel und die deutsche Revolution 1918. Darmstadt 2018, S. 122–127, hier S. 124 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Kieler 14 Punkte==&lt;br /&gt;
[[Datei:14 Kieler Punkte.jpg|mini|Die 14 Kieler Punkte in der &#039;&#039;Schleswig-Holsteinischen Volkszeitung&#039;&#039;]]&lt;br /&gt;
Beschlüsse und Forderungen des Soldatenrates:&lt;br /&gt;
# Freilassung sämtlicher Inhaftierten und politischen Gefangener.&lt;br /&gt;
# Vollständige Rede- und Pressefreiheit.&lt;br /&gt;
# Aufhebung der Briefzensur.&lt;br /&gt;
# Sachgemäße Behandlung der Mannschaften durch Vorgesetzte.&lt;br /&gt;
# Straffreie Rückkehr sämtlicher Kameraden an Bord und in die Kasernen.&lt;br /&gt;
# Die Ausfahrt der Flotte hat unter allen Umständen zu unterbleiben.&lt;br /&gt;
# Jegliche Schutzmaßnahmen mit Blutvergießen haben zu unterbleiben.&lt;br /&gt;
# Zurückziehung sämtlicher nicht zur Garnison gehöriger Truppen.&lt;br /&gt;
# Alle Maßnahmen zum Schutze des Privateigentums werden sofort vom Soldatenrat festgesetzt.&lt;br /&gt;
# Es gibt außer Dienst keine Vorgesetzten mehr.&lt;br /&gt;
# Unbeschränkte persönliche Freiheit jedes Mannes von Beendigung des Dienstes bis zum Beginn des nächsten Dienstes.&lt;br /&gt;
# Offiziere, die sich mit den Maßnahmen des jetzt bestehenden Soldatenrates einverstanden erklären, begrüßen wir in unserer Mitte. Alles übrige hat ohne Anspruch auf Versorgung den Dienst zu quittieren.&lt;br /&gt;
# Jeder Angehörige des Soldatenrates ist von jeglichem Dienste zu befreien.&lt;br /&gt;
# Sämtliche in Zukunft zu treffenden Maßnahmen sind nur mit Zustimmung des Soldatenrates zu treffen.&lt;br /&gt;
Diese Forderungen sind für jede Militärperson Befehle des Soldatenrates.&lt;br /&gt;
Der Soldatenrat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Diskussion==&lt;br /&gt;
[[Datei:Flugblatt soldatenrat 5-nov-1918.jpg|thumb|Flugblatt des Kieler Soldatenrats vom 5. November 1918 (Stadtarchiv Kiel). In der Kieler Zeitung wurden die beiden letzten Absätze weggelassen und die 14 Punkte direkt darunter aufgeführt, so dass der Eindruck entstand, als handele es sich um ein einheitliches Dokument.]] Einige Historiker gaben an, dass die Punkte bereits im Laufes des 4. November 1918 verabschiedet worden seien und in den an diesem Tage stattfinden Verhandlungen zwischen den Aufständischen und der Marineführung in Kiel präsentiert worden seien. Sogar eine Annahme der Punkte im Verlauf der letzten Verhandlung am 4. November abends durch den Gouverneur Admiral Wilhelm Souchon wird beschrieben. Dagegen kommt Klaus Kuhl in seiner detaillierten Analyse zu dem Ergebnis, dass diese Darstellungen auf einer verkürzten Wiedergabe des nebenstehenden Flugblatts in der Abendausgabe der Kieler Zeitung vom 5. November 1918, sowie teilweise auf einer ungenauen Darstellung in der Schleswig-Holsteinischen Volks-Zeitung zurückgehen. Die Kieler Zeitung erweckte fälschlich den Eindruck, als wären die 14 Punkte Teil des Flugblatts gewesen. Die zeitnah verfassten Ergebnisberichte von Teilnehmern an den Verhandlungen am 4. November erwähnen jedoch die 14 Punkte nicht. Damit ist vielmehr die Darstellung von Lothar Popp richtig, dass die Punkte in der Nacht ausgiebig diskutiert wurden und erst am Morgen des 5. November verabschiedet wurden.&amp;lt;ref&amp;gt;Klaus Kuhl: Die Kieler 14 Punkte. Kiel 2011. Online zugänglich (aufgerufen am 29. Dezember 2025) unter: [http://www.kurkuhl.de/docs/kieler_14punkte.pdf].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen und Literatur==&lt;br /&gt;
* Lothar Popp unter Mitarbeit von Karl Artelt: Ursprung und Entwicklung der November-Revolution 1918. Wie die deutsche Republik entstand. Kiel 1918 (Reprint als Sonderveröffentlichung der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Bd. 15), S. III 1-30.&lt;br /&gt;
* Bernhard Rausch: Am Springquell der Revolution. Die Kieler Matrosenerhebung. Kiel 1918 (Reprint als Sonderveröffentlichung der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Bd. 15), S. II 1–31.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Dirk Dähnhardt: Revolution in Kiel. Der Übergang vom Kaiserreich zur Weimarer Republik 1918/19. Neumünster 1978.&lt;br /&gt;
* Ernst Rudolf Huber: Deutsche Verfassungsgeschichte. Seit 1789. Band V, Weltkrieg, Revolution und Reichserneuerung 1914-1919. Stuttgart, Berlin, Köln, Mainz 1978, S. 653. Huber macht eine Reihe von Fehlern in wichtigen Details, vgl. Kuhl, 14 Punkte, S. 6.&lt;br /&gt;
* Knut-Hinrik Kollex: Blaupause für die Revolution. Die „Kieler 14 Punkte“. In: Sonja Kinzler, Doris Tillmann (Hrsg.): Die Stunde der Matrosen. Kiel und die deutsche Revolution 1918. Darmstadt 2018, S. 122–127.&lt;br /&gt;
* Klaus Kuhl: Die Kieler 14 Punkte. Kiel 2011. Online zugänglich (aufgerufen am 29. Dezember 2025) unter: [http://www.kurkuhl.de/docs/kieler_14punkte.pdf]&lt;br /&gt;
* Klaus Kuhl: Verhandlungen im Gouvernement Kiel am 4. November 1918, 21:00 – 0:15 Uhr zwischen dem Gouverneur und weiteren Offizieren, dem Soldatenrat, dem Arbeiterrat, Vertretern der sozialdemokratischen Parteien und den von Berlin entsandten Vertretern der Regierung Haußmann und Noske, sowie weiterer Personen. Kiel 2017. Online zugänglich (aufgerufen am 18. November 2025) unter: [http://www.kurkuhl.de/docs/verhandlungsprotokoll_181104.pdf].&lt;br /&gt;
* Martin Rackwitz: Kiel 1918. Revolution, Aufbruch zu Demokratie und Republik. Kiel 2018, S. 99.&lt;br /&gt;
* Wolfram Wette: Die Novemberrevolution. Kiel 1918. In: Carsten Fleischhauer und Guntram Turkowski (Hrsg.): Schleswig-holsteinische Erinnerungsorte. Heide 2006, S. 58-67.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Siehe auch ==&lt;br /&gt;
*[[Zeitzeugen Matrosen– und Arbeiteraufstand 1918/1919]]&lt;br /&gt;
*[[Kieler Arbeiter- und Soldatenräte]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:1911-1920]] [[Kategorie:Erster Weltkrieg]] [[Kategorie:Kieler Arbeiter- und Matrosenaufstand]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Klaus Kuhl</name></author>
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		<id>https://kiel-wiki.de/index.php?title=Kieler_Arbeiter-_und_Soldatenr%C3%A4te&amp;diff=68458</id>
		<title>Kieler Arbeiter- und Soldatenräte</title>
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		<updated>2025-12-17T10:36:00Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Klaus Kuhl: /* Im November 1918 übernehmen die Räte die Kontrolle */ Ergänzung betr. Brocks&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Obwohl der Begriff &#039;&#039;&#039;Arbeiter- und Soldatenrat&#039;&#039;&#039; auch in Kiel benutzt wurde, gab es hier streng genommen keine gemeinsame Räteorganisation der Arbeiterschaft und der Soldaten. Im Folgenden wird die Entwicklung der Kieler Räte beschrieben und – soweit bekannt – werden die Mitglieder vorgestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Arbeiterrat im Januar 1918 ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Lothar_popp_mid-1920s.jpg|thumb|Passfoto Lothar Popp, aufgenommen vermutlich Mitte der 1920er-Jahre, Hamburger Staasarchiv.]] Ein erster Arbeiterrat wurde anlässlich der reichsweiten Januarstreiks 1918 gegründet, die in Kiel ihren Anfang nahmen und auf die österreichischen Jännerstreiks folgten. [[Zeitzeugen_Matrosen%E2%80%93_und_Arbeiteraufstand_1918/1919#Lothar_Popp|Lothar Popp]] (USPD) wurde per Akklamation auf dem [[Wilhelmplatz]] in einer Versammlung der Streikenden zum Vorsitzenden bestimmt. Ziel war es, die deutsche Oberste Heeresleitung daran zu hindern, von Russland, das aus dem Krieg ausschied, große territoriale und finanzielle Zugeständnisse zu erpressen. Die Streikenden sahen dadurch den Friedensschluss gefährdet. In Kiel wurde eine entsprechende Resolution verabschiedet, die an die deutsche Regierung geschickt wurde. Popp schrieb: „Wir hatten auf dem Wilhelmplatz zunächst einmal als Grundstock des Arbeiterrates 10 Kollegen der Germania-Werft gewählt, die übrigen Betriebe sollten (was nachher auch geschah), die weiteren Wahlen unter sich vornehmen. Uns leitete der Gedanke, daß der Arbeiterrat […] geeignet erscheine, die Interessen der Arbeiter zu vertreten, ohne durch den Parteienstreit in seiner Tätigkeit beengt zu sein.“&amp;lt;ref&amp;gt;Lothar Popp unter Mitarbeit von Karl Artelt: &#039;&#039;Ursprung und Entwicklung der November-Revolution 1918. Wie die deutsche Republik entstand.&#039;&#039; Kiel 1918 (Reprint als Sonderveröffentlichung der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Band 15), S. III 1–30, hier S. III 7. Im Jahr 2020 leicht gekürzt und kommentiert veröffentlicht in: IG Metall Bezirksleitung Küste (Hrsg.): &#039;&#039;Matrosenaufstand und Novemberrevolution 1918.&#039;&#039; Hamburg 2020, S. 96–115.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist unklar, ob die Organisation längerfristig existierte, weil Popp und zwei weitere USPD-Führer (Heinrich Strunk und Emil Theil) verhaftet und zu teils mehrjährigen Gefängnisstrafen verurteilt wurden. Popp musste zwei Monate in Neumünster einsitzen.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Es gibt nur einen weiteren Hinweis, dass diese Räte länger Bestand gehabt haben könnten: Julius Bredenbeck, damals 11 Jahre alt, aber durch Vater und Onkel bereits gut über die Arbeiterbewegung orientiert, sagte in einem 1989 geführten Interview: „In einzelnen Betrieben gab es schon Arbeiterräte, die sich selbst gebildet hatten, ohne Rechtsgrundlage, einfach aufgrund der Stärke der Organisation. Die zum Teil also auch mit sehr großem revolutionärem Pathos an die Arbeit gingen. In anderen Betrieben waren auch Arbeiterräte, die aber mehr daran interessiert waren, notwendige Dinge, Schwierigkeiten in der Versorgung mit Lebensmitteln usw. weitgehend mit zu steuern. Man kann nicht sagen, dass es eine einheitliche Stimmung gab. Das wurde anders als damals die Matrosen Befehlsverweigerung machten. […] Da war eine allgemeine Solidarität in der gesamte Kieler Arbeiterschaft feststellbar“. Popp selbst gibt in einem Interview mit Dirk Dähnhardt an, der erste Arbeiterrat habe sich aufgelöst (vgl. Klaus Kuhl: &#039;&#039;Lothar Popp – Führer des Kieler Matrosenaufstands 1918 im Streitgespräch mit einem 68er. Interviews mit Lothar Popp.&#039;&#039; Kiel/Hamburg 1970–1978, S. 42. Online zugänglich (aufgerufen am 26. September 2024) unter: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:kuhl_streitgespraech-m-l-popp_1978_plus-weitere-interv-u-gespraeche.pdf]). Eventuell liegt bei Bredenbeck eine Verwechselung mit den Arbeiterausschüssen nach dem Hilfsdienstgesetz vom Dezember 1916 vor.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Im November 1918 übernehmen die Räte die Kontrolle ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Artelt and comrades Kiel-Wik 1914.jpg|mini|Karl Artelt ganz links als Angehöriger der I. Werft-Division, (Ausschnittsvergrößerung rechts), gemeinsam mit Kameraden der I. Torpedo-Division in Kiel-Wik, September 1914]]&lt;br /&gt;
Im Verlauf des Kieler Matrosenaufstands entstand dann zuerst im Kasernengelände der Wik am 4. November 1918 ein Soldatenrat, zu dessen Vorsitzenden Oberheizer [[Zeitzeugen_Matrosen%E2%80%93_und_Arbeiteraufstand_1918/1919#Karl_Artelt|Karl Artelt]] (USPD) gewählt wurde. In der Popp/Artelt Broschüre heißt es dazu: „Nachdem Kamerad Artelt und T[h]ümmel zur Wahl von Soldatenräten aufgefordert hatte, vollzog sich die Wahl kompagnieweise. Jede Kompagnie wählte vier Soldatenräte. […] Die erste Soldatenratssitzung in ganz Deutschland tagte im Speisesaal am Montag, den 4 November. Kamerad Artelt wurde als erster, Kamerad Ehle als zweiter Vorsitzender gewählt.“&amp;lt;ref&amp;gt;Popp/Artelt, Ursprung, S. III 16.&amp;lt;/ref&amp;gt; Als weitere Mitglieder konnten bisher festgestellt werden: [[Zeitzeugen_Matrosen%E2%80%93_und_Arbeiteraufstand_1918/1919#Fritz_Fischer|Matrose Fritz Fischer]], Heizer Schaaf – diese gehörten zur ersten Verhandlungsdelegation beim Gouverneur – und vermutlich noch Matrose Erich Thümmel&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;In der SHVZ Jahrgang 1957 (genaues Datum unbekannt) wurde ein Nachruf auf Thümmel veröffentlicht, nachdem dieser im Alter von 64 Jahren verstorben war. Dort heißt es u.&amp;amp;nbsp;a., dass beim Kieler Aufstand „…ein riesiger, schwarzhaariger Torpedobootmatrose mit buschigen Augenbrauen eine führende Rolle [spielte]. Oftmals stand er auf dem großen Kandelaber auf dem Wilhelmplatz und sprach zu den zahlreich versammelten. Schon bald bekam er den Spitznamen ‚Der rote Matrose’. … Bereits lange vor 1918 stand er im Vordergrund der revolutionären Bewegung und auch nach 1945 sah man ihn alljährlich bei der Kranzniederlegung an den Gräbern seiner gefallenen Kameraden der Revolution und des Abwehrkampfes gegen den Kapp-Putsch.“ Thümmel wurde Mitglied des Obersten Soldatenrats. Im Januar 1919 übte er vorsichtige Kritik am Verhalten der inzwischen von den Deckoffizieren dominierten Sicherheitstruppe des Soldatenrats gegenüber einer Arbeitslosenaktion vor und im Rathaus (vgl. OSR: Bekanntmachung. In: Republik, 17. Januar 1919). Im Jahr 1920 war er vermutlich bei der Sicherheitspolizei, wo er sich gegen den Kapp-Putsch engagierte (vgl. Bericht des Sipo-Leutnants Kemsies: Das Verhalten der Sicherheitspolizei Kiel gegenüber der Militärrevolte. 9. April 1920. LAS 301 4458. Online zugänglich (aufgerufen am 26. September 2024) unter: [http://www.kurkuhl.de/docs/sipo_kemsies_arbeiterwehr.pdf]). Von 1938 bis kurz vor seinem Tod war Thümmel Lagermeister des Hansa-Speichers der Schleswig-Holsteinischen landwirtschaftlichen Hauptgenossenschaft.&amp;lt;/ref&amp;gt;(SPD). Zu ihren Forderungen gehörte u.&amp;amp;nbsp;a.: Abdankung des Hohenzollernhauses und die Einführung des allgemeinen, gleichen und geheimen Wahlrechts für beide Geschlechter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kurz darauf entstanden in fast allen militärischen Einheiten ebenfalls Soldatenräte, ohne dass jedoch eine klare Struktur erkennbar gewesen wäre. Sie etablierten sich als direkte Machtorgane der Soldaten anstelle der Offiziere.&amp;lt;ref&amp;gt;Wolfram Wette: Interview von Klaus Kuhl und Kay Gerdes. Freiburg 2016. In: Klaus Kuhl und Kay Gerdes: Begleitheft für den Dokumentarfilm „In Kiel ist Revolution!“ Kiel 2018, S. 52–60, hier S. 54. Online zugänglich (aufgerufen am 31. August 2024) unter: [http://www.kurkuhl.de/docs/begleitheft_dokufilm-in-kiel-ist-revolution_gerdes-kuhl_2018.pdf].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur wenig später fanden sich Aktivisten der Soldaten im Gewerkschaftshaus zusammen und berieten über die weiteren Schritte. Dabei entstanden festere Gruppen, die sich insbesondere um eine Verteidigung der Stadt gegen von auswärts, zur Niederschlagung des Aufstands, entsandte Truppen kümmerten. So berichtete Popp, als er am frühen Morgen des 5. November von der Verhandlung beim Gouverneur ins Gewerkschaftshaus zurückkam, dass „… es schnell [gelang] eine gewisse Einteilung und ein bestimmtes Kommando zu schaffen. In einigen der Zimmer und Bureaus hatte sich der Soldatenrat niedergelassen, der unverzüglich seine Arbeit begann.“&amp;lt;ref&amp;gt;Popp/Artelt, Ursprung, S. III 19.&amp;lt;/ref&amp;gt; Es wurden Passierscheine ausgegeben, um die Bewegungsfreiheit der Offiziere einzuschränken. Flug-Obermaat Nikolaus Goßrau&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Goßrau entwickelte in den Folgetagen die ehrgeizige Idee, sich als rechte Hand Noskes über den Soldatenrat zu stellen. Er setzte sich damit zwischen alle Stühle und ließ sich am 14. November 1918 in ein Lazarett einweisen. Vgl. Klaus Kuhl: Die Ereignisse am 6. November 1918 in Kiel. Kiel 2010. Online zugänglich (aufgerufen am 14. September 2024) unter: [http://www.kurkuhl.de/docs/ereignisse_06-11-1918.pdf].&amp;lt;/ref&amp;gt; begann im Auftrag der Räte mit dem Aufbau eines zentral organisierten Sicherheitsdienstes.&amp;lt;ref&amp;gt;Martin Rackwitz: &#039;&#039;Kiel 1918. Revolution, Aufbruch zu Demokratie und Republik.&#039;&#039; Kiel 2018, S. 114.&amp;lt;/ref&amp;gt; In den Reihen dieser locker strukturierten Soldatenräte genoss Karl Artelt, wie Goßrau andeutet, eine besondere Autorität, weil er die Entwicklung im Militär maßgeblich und mutig vorangetrieben hatte.&amp;lt;ref&amp;gt;Flug-Obermaat Nikolaus Goßrau: Privatakten betr. Revolution 1918. BArch RM 8/1024, Bl. 22.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als weitere Mitglieder dieser frühen, sich im Gewerkschaftshaus zusammenfindenden Soldatenräte, nennt Goßrau sich selbst sowie die Kameraden Braune,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Auch Lothar Popp erwähnt Braune in späteren Interviews: In der entscheidenden Nacht hätten er und „ein gewisser Braune …, (der Braune lebt bei Kiel irgendwo)“ nachts im Stationsgebäude gesessen und Telefonanrufe beantwortet. „Da waren noch welche, wo ich geschwitzt habe dabei.“ Klaus Kuhl: Interviews mit Lothar Popp. Kiel/Hamburg 1970–1978, S. 20, 44 und 60. Online zugänglich (aufgerufen am 15. September 2024) unter: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:kuhl_streitgespraech-m-l-popp_1978_plus-weitere-interv-u-gespraeche.pdf PDF].&amp;lt;/ref&amp;gt; Starke, Hackmann, Falk (Hackmann und Falk konnten nach Aussagen Goßraus über die I., V. und XVII. Halbflottille verfügen), Oberheizer Ruffert,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;In den Popp-Interviews wird, ohne nähere Informationen, der Name Düffert mit Fragezeichen erwähnt. Eventuell handelt es sich hier um dieselbe Person. Vgl. Kuhl, Interviews Popp, S. 42.&amp;lt;/ref&amp;gt; Barghahn und den Matrosen Petersen (Theodor).&amp;lt;ref&amp;gt;Goßrau, Bericht, Bl. 22.&amp;lt;/ref&amp;gt; In einem Bericht des Kommandanten der &#039;&#039;Westfalen&#039;&#039;, Kapitän zur See Max Loesch, wird ein Obermaat Brandt erwähnt, der im Gewerkschaftshaus als Ansprechpartner für Schiffsbesatzungen fungiert habe.&amp;lt;ref&amp;gt;Max Loesch, Kapitän zur See: Vorgänge an Bord (Kiel). Handschriftlicher Bericht 4. und 5. November 1918. BArch RM 31/2373, Bl. 130–133.&amp;lt;/ref&amp;gt; In einem 1958 vermutlich auf Anforderung der SED erstellten Bericht, beschreibt der damalige Unteroffizier Paul Sahnwaldt, dass er dem Soldatenrat der Matrosen-Division angehört hätte.&amp;lt;ref&amp;gt;Paul Sahnwaldt: Der Matrosenaufstand in Kiel 1918. Typoskript 1957. Bundesarchiv, SAPMO, SgY 30/0797, S. 4–8.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Etwa zwei Stunden nach den Soldaten trafen sich auch die Obleute und Vertrauensleute der Betriebe in demselben Saal im Gewerkschaftshaus und beschlossen den Generalstreik zur Unterstützung der Bewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:14 Kieler Punkte.jpg|mini|Die 14 Kieler Punkte in der &#039;&#039;Schleswig-Holsteinischen Volkszeitung (SHVZ)&#039;&#039;]]&lt;br /&gt;
Um 22 Uhr fand eine nochmalige Beratung im Gewerkschaftshaus statt. Circa 40 Vertrauensleute verschiedener Schiffe und Formationen sowie sechs Arbeiter kamen zusammen und verabschiedeten schließlich die bekannten Kieler 14 Punkte, die vielen Räten in ganz Deutschland als Richtschnur dienten.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Popp/Artelt, Ursprung, S. III-21.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dänhardt sieht in der politischen Kurzsichtigkeit, die in diesem Katalog zum Ausdruck kommt, eine wesentliche Ursache, dass die Soldatenräte nach ca. sechs Monaten wieder abgeschafft werden konnten.&amp;lt;ref&amp;gt;Dirk Dähnhardt: &#039;&#039;Revolution in Kiel. Der Übergang vom Kaiserreich zur Weimarer Republik 1918/19.&#039;&#039; Neumünster 1978, S. 89–93.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:gustav_garbe.jpg|150px|mini|Foto Gustav Garbes aus dem Kieler Gewerkschaftshaus, aufgenommen vermutlich in den 1920er-Jahren.]] Am frühen Morgen des folgenden Tages (5. November 1918) bildete sich ein Arbeiterrat aus den Obleuten der Großbetriebe, vierzehn Vorstandsmitgliedern beider sozialdemokratischer Parteien und dem Vorsitzenden des Kieler Gewerkschaftskartells Garbe. Letzterer wurde zum Vorsitzenden gewählt.&amp;lt;ref&amp;gt;Popp/Artelt, Ursprung, S. III-21–23.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Untersuchungen Dirk Dähnhardts bestand der Arbeiterrat aus den folgenden Personen:&amp;lt;ref&amp;gt;Dirk Dähnhardt: Brief an Gundula. Freiburg, 18. Oktober 1975. Wissenschaftlicher Nachlass, StAK Sign. 65496. Die Charakterisierung als „Obleute“ wurde nicht von Dähnhardt vorgenommen, ergibt sich aber daraus, dass SPD und USPD nur jeweils sieben Personen entsandten. Bei der Feststellung der Parteizugehörigkeit wurde Dähnhardt von Gertrud Völcker und Heinrich Bohnsack unterstützt; vgl. Dähnhardt, Revolution, S. 92 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Obleute der Großbetriebe (15, von den meisten ist die Parteizugehörigkeit nicht bekannt, jedoch dürfte die Mehrheit der SPD zuzurechnen sein): Heinrich Bohnsack,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Bohnsack wurde 1893 geboren, war im Ersten Weltkrieg Soldat, war später DMV-Sekretär, kam während der Nazi-Zeit in das Vorläufer KZ Lichtenberg und emigrierte anschließend nach Schweden. Nach seiner Rückkehr war er 1950–1954 Bezirksleiter der IG-Metall Küste. Vgl. Thomas Pusch: &#039;&#039;Politisches Exil als Migrationsgeschichte. Schleswig-Holsteiner EmigrantInnen und das skandinavische Exil 1933–1960.&#039;&#039; Dissertation vorgelegt an der Universität Flensburg 2003. Online zugänglich (aufgerufen am 16. September 2024) unter: [https://www.zhb-flensburg.de/?id=16381].&amp;lt;/ref&amp;gt; Fiebig, Glup, Jatow, Kazda, Krause, Künzel, Küpel, Wilhelm Leopold,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Von 1920 bis 1933 Erster Bevollmächtigter des Kieler Metallarbeiterverbands (DMV).&amp;lt;/ref&amp;gt; Neumann, Rehle, Huß (SPD), Lintzel (SPD), Wiese (USPD), Eduard Wolke (SPD).&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Wolke stiftete später zusammen mit Karl Edler den Gedenkstein für die Revolutionsopfer auf dem Eichhof-Friedhof; vgl. Johannes Rosenplänter: &#039;&#039;Zur Entstehung der ‚Ruhestätte der Opfer der Revolution‘ auf dem Kieler Eichhoffriedhof 1918–1924. Ein Werk des Landschaftsarchitekten Leberecht Migge&#039;&#039;. In: Rolf Fischer (Hrsg.): Revolution und Revolutionsforschung – Beiträge aus dem Kieler Initiativkreis 1918/19. Kiel 2011, S. 101−110, hier S. 105.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Vorstandsmitglieder der SPD (7): Balleng, Beckmann, Bindemann, August Biskupek,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Autoren der SPD Geschichtswerkstatt: August Biskupek. SPD-Geschichtswerkstatt. Online zugänglich (Permanentlink aufgerufen am 16. September 2024) unter: [https://www.spd-geschichtswerkstatt.de/index.php?title=August_Biskupek&amp;amp;oldid=55089].&amp;lt;/ref&amp;gt; [[Zeitzeugen_Matrosen%E2%80%93_und_Arbeiteraufstand_1918/1919#Karl_Edler|Karl Edler]], Fröhlich, Peter Hillbrecht.&lt;br /&gt;
* Vorstandsmitglieder der USPD (7): J. Classen (auch Claßen), Cords, Krogmann, Max Spretke, Springer, Wiechert, Zinser.&lt;br /&gt;
* Vorsitzender des Gewerkschaftskartells: [[Zeitzeugen_Matrosen–_und_Arbeiteraufstand_1918/1919#Gustav_Garbe|Gustav Garbe]] (SPD). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem sich die Macht der Räte im Laufe des 5. November konsolidierte, richtete sich der Blick auch auf weitere drängende Fragen, wie Sicherung der Nahrungsmittelversorgung und Zahlung der Löhnung. Hier bot Gustav Noske, der sich seit dem Vorabend in Kiel befand und an den Verhandlungen teilgenommen hatte, Unterstützung für die Bewegung an, allerdings in der unausgesprochenen Absicht, ihre Ausbreitung zu verhindern. In einer Absprache mit den USPD-dominierten Aktivisten wurde Noskes Angebot angenommen. Dies geschah unter der Bedingung, dass es sich um eine vorläufige Maßnahme handele und dass erst dann weitere politische Entscheidungen getroffen würden, wenn ein mit Noske vergleichbares politisches Schwergewicht der USPD aus Berlin, etwa Hugo Haase&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Hugo Haase (1863–1919), Jurist, war von 1911 bis 1916 einer der beiden Vorsitzenden der SPD, und von 1912 bis 1916 einer der beiden Fraktionsvorsitzenden der SPD im Reichstag. Als Gegner der Kriegspolitik der Mehrheit des SPD-Vorstands aus Fraktion und Partei ausgeschlossen, gründete er 1917 die USPD und war deren Vorsitzender bis 1919. Im November/Dezember 1918 war er gleichberechtigter Vorsitzender mit Friedrich Ebert im Rat der Volksbeauftragten. Er starb im November 1919 an den Folgen eines Attentats.&amp;lt;/ref&amp;gt; eingetroffen wäre. Noske wurde dann per Akklamation auf einer großen Versammlung auf dem Wilhelmplatz zum vorläufigen Vorsitzen der Soldatenräte bestimmt. Seine Aufrufe wurden von Karl Artelt mitunterzeichnet. Anordnungen mussten neben Noskes Unterschrift auch die eines weiteren Soldatenrats-Mitglieds tragen. &lt;br /&gt;
[[Datei:Beschlüsse Soldatenrat Kiel 1918.jpg|mini|Beschlüsse des Soldatenrats vom 5. November 1918]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei wurde inzwischen auch vom Großen Soldatenrat gesprochen, die Zusammenfassung der Räte hatte Fortschritte gemacht, hatte allerdings nach wie vor keine autorisierte Basis, denn Noske wählte hier nach seinem Bekunden im Stationsgebäude nach Gutdünken einen sieben- oder neuenköpfigen Aktionsausschuss aus einer Schar von 50–60 Anwesenden von verschiedenen Schiffen oder Formationen. Von diesen hätte sich ein Großteil als „Versager“ entpuppt.&amp;lt;ref&amp;gt;Gustav Noske: &#039;&#039;Von Kiel bis Kapp. Zur Geschichte der deutschen Revolution.&#039;&#039; Berlin 1920, S. 19 ([https://portal.dnb.de/bookviewer/view/1131562372#page/n6/mode/1up Digitalisat]).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Arbeiterrat ging sofort daran, mittels so genannter Beigeordneter die Zivilverwaltung zu kontrollieren. Den Beigeordneten mussten alle wichtigen Vorgänge vorgelegt werden, und sie konnten in die Entscheidungen eingreifen.&amp;lt;ref&amp;gt;Eine Liste der Beigeordneten findet sich in der Schleswig-HolsteinischenVolks-Zeitung (SHVZ) vom 12. Dezember 1918 (hier nach einer handschriftlichen Aufzeichnung von Dirk Dähnhardt „Beigeordnete für amtliche Stellen“, in seinem wissenschaftlichen Nachlass (Akte 3, Hefter 1), StAK Sign. 65496.&amp;lt;/ref&amp;gt; Als erstes fertigte Garbe eine handgeschriebene Ernennungsurkunde für [[Eduard Adler]] aus. Adler wurde abgestellt, den erzkonservativen Oberbürgermeister [[Paul Lindemann]], der später auch den Kapp-Putsch unterstützte, zu kontrollieren. [[Datei:Garbe ernennung-beigeordneter-adler 1918.jpg|thumb|Ernennungsurkunde für den Beigeordneten Eduard Adler (Vorder- und Rückseite), Stadtarchiv Kiel, Sign. 21392.]] Am 11. November 1918 wurde Adler durch den Stadtverordneten August Biskupek (ebenfalls SPD) ersetzt (Letzterer wiederum wurde aufgrund von Krankheit am 13. Februar 1919 durch den Stadtverordneten Hermann Adam abgelöst).&amp;lt;ref&amp;gt;Rackwitz, Kiel 1918, S. 279 f. Zu Adam vgl.: Autoren der SPD Geschichtswerkstatt: Hermann Adam. In: SPD-Geschichtswerkstatt wiki. Online zugänglich (aufgerufen am 16. September 2024) unter: [https://www.spd-geschichtswerkstatt.de/wiki/Hermann_Adam]. &amp;lt;/ref&amp;gt; Adler wurde zusammen mit Paul Greß (auch Gress)&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Autoren der SPD-Geschichtswerkstatt: Paul Gress. In: SPD-Geschichtswerkstatt-Wiki. Online zugänglich (aufgerufen am 2. September 2024) unter: [https://www.spd-geschichtswerkstatt.de/wiki/Paul_Gress].&amp;lt;/ref&amp;gt; Beigeordneter beim Regierungspräsidenten in Schleswig. Auch der Oberpräsident für Schleswig-Holstein, der damals seinen Sitz in Kiel hatte, erhielt einen Beigeordneten des Arbeiterrats. Eingesetzt wurde Heinrich Kürbis (SPD).&amp;lt;ref&amp;gt;Wikipedia-AutorInnen: Heinrich Kürbis. In: Wikipedia – Die freie Enzyklopädie. Online zugänglich (aufgerufen am 3. September 2024) unter: [https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Heinrich_K%C3%BCrbis&amp;amp;oldid=215560106].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Polizeipräsidenten übernahmen Friedrich Brodthuhn (SPD)&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Autoren der SPD Geschichtswerkstatt: Sozialdemokratischer Verein Groß-Kiel - Stadtverordnete. In: SPD-Geschichtswerkstatt wiki. Online zugänglich (aufgerufen am 16. September 2024) unter: [https://www.spd-geschichtswerkstatt.de/wiki/Sozialdemokratischer_Verein_Gro%C3%9F-Kiel_-_Stadtverordnete].&amp;lt;/ref&amp;gt; und Wilhelm Schweizer (USPD, später SPD)&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Autoren der SPD Geschichtswerkstatt: Wilhelm Schweizer. In: SPD-Geschichtswerkstatt wiki. Online zugänglich (aufgerufen am 16. September 2024) unter: [https://www.spd-geschichtswerkstatt.de/wiki/Wilhelm_Schweizer].&amp;lt;/ref&amp;gt; die Kontrolle; bei der städtischen Polizei Wilhelm Leopold (SPD). Zum Post- und Telegraphenamt wurde der später von der SPD zur USPD übergetretene Postinspektor Bertold Brandt&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Rolf Fischer: &#039;&#039;Mit uns die neue Zeit! Kiels Sozialdemokratie im Kaiserreich und in der Revolution.&#039;&#039; Kiel 2013 (Geschichte der Kieler Sozialdemokratie Band 2), S. 187–190. Zum Übertritt zur USPD vgl. die USPD-Zeitung „Republik“ vom 3. April 1920.&amp;lt;/ref&amp;gt; abgeordnet. Das Provinzial-Schulkollegium wurde von Dr. Hermann Weller kontrolliert.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Studienrat Hermann Weller, später Stadtverordneter SPD, spielte eine herausgehobene Rolle neben Dr. Hermann Heller und Professor Gustav Radbruch beim Kapp-Putsch in Kiel. Vgl. Dirk Dähnhardt und Gerhard Granier (Hrsg.): &#039;&#039;Der Kapp-Putsch in Kiel. Eine Dokumentation zum 60. Jahrestag der Märzereignisse von 1920.&#039;&#039; Kiel 1980 (Mitteilungen der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Band 66), S. 148.&amp;lt;/ref&amp;gt; Weitere Beigeordnete waren für die Gewerbe-Inspektion: Jatow, und für den Landeshauptmann: Albert Billian.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Autoren der SPD Geschichtswerkstatt: Albert Billian. In: SPD-Geschichtswerkstatt wiki. Online zugänglich (aufgerufen am 16. September 2024) unter: [https://www.spd-geschichtswerkstatt.de/wiki/Albert_Billian]. In Preußen war der Landeshauptmann der vom Provinziallandtag gewählte höchste Beamte eines Provinzialverbands. Er leitete die provinziale Selbstverwaltung, während der vom König ernannte Oberpräsident die Vorbehaltsrechte der Zentralregierung wahrnahm.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Peter Hillbrecht (SPD), Metallarbeiter und nach Garbe Vorsitzender des Kieler Arbeiterrats und später des Volksrats für Schleswig-Holstein, sah in einer Rückschau einen großen Mangel darin, dass man es versäumt habe, Beigeordnete für die Justiz zu stellen. Dadurch hätte man „unendlich viel an reaktionären Bestrebungen [hintanhalten]“ können.&amp;lt;ref&amp;gt;Peter Hillbrecht: Der Volksrat von Schleswig-Holstein. In: Schleswig-Holsteinische Volks-Zeitung (SHVZ), 5. November 1918, S. 2 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Über Hillbrecht ist nur wenig bekannt. Sabine Roß schreibt in ihrem biografischen Handbuch der Reichsrätekongresse 1918/19 (Hillbrecht war ebenfalls Delegierter für Schleswig-Holstein): Hillbrecht wurde am 23. April 1884 in Spliedtsdorf bei Grimmen (Prov. Pommern) geboren, war von Beruf Torpedoschlosser und seit Juni 1921 Angestellter im Eisenbahnerverband. Im selben Jahr meldete er sich nach Köln ab. Sabine Roß (spätere Kuder): &#039;&#039;Biographisches Handbuch der Reichsrätekongresse 1918/19&#039;&#039;. Düsseldorf 2000 (Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien Bd. 11). Andreas Zimmer erwähnt einen Peter Hillbrecht (SPD) als Mitglied der Landesleitung des Kulturbunds zur demokratischen Erneuerung Deutschlands in der SBZ/DDR, bei dem es sich evtl. um den hier besprochenen Kieler Vertreter handeln könnte: Andreas Zimmer: Der Kulturbund in der SBZ und in der DDR. Eine Ostdeutsche Kulturvereinigung im Wandel der Zeit zwischen 1945 und 1990. 2013 an der Fakultät für Sozialwissenschaften und Philosophie der Universität Leipzig als Dissertation angenommen. Online zugänglich (aufgerufen am 14. Januar 2023) unter: [https://vdoc.pub/documents/der-kulturbund-in-der-sbz-und-in-der-ddr-eine-ostdeutsche-kulturvereinigung-im-wandel-der-zeit-zwischen-1945-und-1990-3n3pm0s03hdg].&amp;lt;/ref&amp;gt; Nach einer Meldung in der Schleswig-Holsteinischen Volks-Zeitung (SHVZ) vom 12. Dezember 1918 war jedoch Professor Otto Opet (1866–1941)&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Otto Opet lehrte seit 1900 als Privatdozent an der Kieler Universität, wo er 1930 zum Ordinarius berufen wurde. Er zählte zu den Wissenschaftlern, deren Abberufung die Kieler Studentenschaft 1933 kategorisch fordert, da er als Jude galt. Als Mitglied des Reichsbanners, der Liga für Menschenrechte und dem republikanischen Klub und der demokratischen (beziehungsweise radikaldemokratischen) Partei war er außerdem politisch engagiert. Unter dem massiven Druck der nationalsozialistischen Anfeindung lässt Opet sich im April 1933 auf &amp;quot;eigenen Antrag&amp;quot; im Alter von 67 Jahren in den Ruhestand versetzen. Vgl. Christian-Albrechts-Universität zu Kiel: Vertriebene Gelehrte. Online zugänglich (aufgerufen am 14. Juli 2024) unter: [https://www.uni-kiel.de/de/universitaet/profil/geschichte-der-universitaet/ns-aufarbeitung/vertriebene-gelehrte].&amp;lt;/ref&amp;gt; der Justiz als Beigeordneter vorgesetzt. Vielleicht lässt sich dieser Widerspruch dadurch erklären, dass Opet als Einzelperson gegenüber der Phalanx der reaktionären Beamtenschaft keinen Effekt erzielen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wegen der herausragenden Bedeutung setzte der Arbeiterrat „als erste Tätigkeit“, wie Hillbrecht später hervorhob, den Dreher Wilhelm Schulz, Vorsitzender des von dem Arbeiter- und dem Soldatenrat gebildeten Ernährungsauschusses, als „Lebensmitteldiktator für Zivil und Militär“ ein. Später wurde er als „Ernährungskommissar“ bezeichnet. Die Kontrolle des städtischen Ernährungsamts übernahmen die Beigeordneten Fiebig (auch Viebig) und Richter.&amp;lt;ref&amp;gt;Peter Hillbrecht: Bericht über den Arbeiterrat auf einer großen SPD-Versammlung in Kiel am 11. Dezember 1918. SHVZ vom 12. Dezember 1918.&amp;lt;/ref&amp;gt; Damit sicherte sich der Rat die Oberhoheit in der bisher vom Militär dominierten und höchst ineffizient organiserten Lebensmittelversorgung.&amp;lt;ref&amp;gt;Jean-Jacques Becker, Gerd Krumeich: Der große Krieg. Deutschland und Frankreich im Ersten Weltkrieg 1914–1918. Essen 2010, S. 118.&amp;lt;/ref&amp;gt; Seit den Hungerprotesten 1917 waren die Arbeiter bereits mit einer größeren Gruppe in der städtischen Lebensmittelkommission vertreten und hatten viel Erfahrung sammeln können. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur generellen Arbeit der Beigeordneten schreibt Dähnhardt: „Allein im Bereich der Lebensmittelversorgung, die von Anfang an im Mittelpunkt der Tätigkeit des Arbeiterrats stand, konnte dieser eine für die Bevölkerung sichtbare Bedeutung erlangen. Seit Anfang November bot die Lebensmittelversorgung in Kiel keinen Anlaß mehr zu Kritik. Auch Oberbürgermeister Lindemann […] bezeichnete die dem Lebensmittelamt zur Seite gestellten Beigeordneten [im Mai 1919] sogar als &#039;brauchbare Mitarbeiter&#039;, sicherlich ein hohes Lob, wenn man berücksichtigt, dass Lindemann […] ein konsequenter Gegner der Sozialdemokratie war.“&amp;lt;ref&amp;gt;Dähnhardt, Revolution, S. 149.&amp;lt;/ref&amp;gt; Martin Rackwitz kam in seiner umfassenden Darstellung des Kieler Aufstands zu dem Ergebnis, dass die erfahrenen sozialdemokratischen Politiker „ein hohes Maß an kommunalpolitischem Sachverstand“ einbrachten.&amp;lt;ref&amp;gt;Rackwitz, Kiel 1918, S. 190.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz der Konsolidierung des Aufstands in Kiel breitete sich jedoch am 6. November eine große Unsicherheit aus, denn Kiel schien isoliert zu bleiben. Noske unternahm jetzt einen gründlich vorbereiteten Versuch, den Kieler Aufstand zu beenden und damit die alten Verhältnisse wiederherzustellen. Nachmittags fand eine große Massenversammlung von etwa tausend Matrosen, an der auch Vertreter der Arbeiterschaft teilnahmen, im „Schloßhof“ statt, dem heutigen [[Metro-Kino im Schloßhof|metro-Kino]]. Noske hielt seine sorgfältig vorbereitete Rede und beschrieb die großen Schwierigkeiten, vor der die Bewegung stehe. Die Heranschaffung von Lebensmitteln und Geld mache große Probleme, denn Kiel sei isoliert und der Eisenbahnverkehr eingestellt. Er malte ein düsteres Bild und gab dann bekannt, was die Regierung anbieten würde, wenn der Aufstand abgebrochen würde: Straffreiheit für alle Aufständischen, Amnestie für die anlässlich der Marineunruhen 1917 Verurteilten, beschleunigte Herbeiführung des Waffenstillstandes, Beschleunigung der Abdankungsfrage sowie weitere Reformen und Demokratisierung des Staates. Der Vorsitzende des Arbeiterrats Garbe (SPD) und Popp (USPD) sprachen sich dagegen aus. Auch der Redakteur der SHVZ, Bernhard Rausch (SPD)&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Rausch (1887–1981) war Artillerieleutnant an der Westfront und wurde am 1. Oktober 1918 Redakteur der SHVZ in Kiel. Er folgte Noske nach Berlin und wurde dessen politischer Privatsekretär und Referent im Reichswehrministerium, schied 1920 kurz nach Noskes Rücktritt aus und wechselte später zur deutschnationalen Frontsoldaten-Organsation Stahlhelm; vgl. Wolfram Wette: &#039;&#039;Gustav Noske. Eine politische Biographie.&#039;&#039; Düsseldorf 1988, S. 865; sowie Christian Lübcke: &#039;&#039;Ein Versuch zur Demokratisierung der Reichswehr. Bernhard Rauschs Vorschläge für eine Staatsbürgerliche Unterrichtung, 1919-1920. &#039;&#039; In: Andreas Braune, Sebastian Elsbach, Ronny Noak, (Hrsg.): Bildung und Demokratie in der Weimarer Republik. Stuttgart 2022, S. 95-109.&amp;lt;/ref&amp;gt; argumentierte dagegen: Die Bewegung dürfte „… nie in dem Sinne abgebaut werden […], daß etwas von dem aufgegeben würde, was durch sie politisch erreichbar war.“&amp;lt;ref&amp;gt;Bernhard Rausch: &#039;&#039;Am Springquell der Revolution. Die Kieler Matrosenerhebung.&#039;&#039; Kiel 1918 (Reprint als Sonderveröffentlichung der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Bd. 15), S. II 1–31, hier S. II-25.&amp;lt;/ref&amp;gt; In dem Bericht der SHVZ über die Versammlung wurde dies näher erläutert: „Die gegenwärtige schicksalsschwere politische Situation gebietet, dass die entstandenen Machtverhältnisse restlos ausgenützt werden für den politischen und sozialen Fortschritt des Deutschen Reiches. Es gilt das, was im glorreichen Ansturm errungen ist, dauernd zu befestigen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Anonym: Die Lawine im Rollen. In: Schleswig-Holsteinische Volks-Zeitung vom 7. November 1918, S. 1.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noskes Vorschlag wurde nach Angaben Popps einstimmig abgelehnt. Außerdem wurde Popp auf der Versammlung, nachdem der von Berlin entsandte USPD-Vorsitzende Haase Schwierigkeiten hatte, nach Kiel zu gelangen, zum gleichberechtigten Vorsitzenden des Soldatenrats neben Noske bestimmt.&amp;lt;ref&amp;gt;Klaus Kuhl: &#039;&#039;Gustav Garbe – bedeutender Kieler Gewerkschaftsfunktionär, Vorsitzender des Kieler Arbeiterrats und zweimaliger Gouverneur. Mit Vorworten von Frank Hornschu, Geschäftsführer und Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes Kiel Region, und von Stephanie Schmoliner, 1. Bevollmächtigte der IG Metall Kiel-Neumünster.&#039;&#039; Kiel 2023, S. 29–32.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Versammlung verlief teilweise chaotisch, was offenbar mit einer immer noch bestehenden mangelnden Legitimation der Teilnehmer, aufgrund der spontan entstandenen Soldatenräte, zusammen hing. Popp organisierte daraufhin Wahlen von Vertrauensmännern in allen Einheiten, die dann den „Großen Soldatenrat“ wählten, der dann wiederum als Aktionsausschuss am folgenden Tag den Obersten Soldatenrat (OSR) bestimmte. Der OSR, dem auch Karl Artelt angehörte, wählte Lothar Popp zum Vorsitzenden. Ab jetzt residierte der Soldatenrat im Gebäude der Marinestation, Zimmer 49.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Sammlung Vizeadmiral Carl Hollweg: Fernsprüche, welche sich auf die Revolution [in Kiel] beziehen. BArch RM 3/11682, Bl. 345 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt; Weitere Mitglieder des OSR waren Maschinistenmaat Ullrich (auch Ulrich),&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Ein &amp;quot;Ullrich vom Obersten Soldatenrat&amp;quot; wird erwähnt als Beobachter auf einem Flug über das Lockstedter Lager; vgl. Stefan Wendt: &#039;&#039;Luftkampf über Kiel. Das Nordmarksportfeld als Luftschiff-Detachment und Festungsflugstation der Kaiserlichen Marine in den Kriegsjahren 1914/18.&#039;&#039; In: Mitteilungen der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte. Band 89, Heft 6, Kiel 2018, S. 273–299, hier S. 296.&amp;lt;/ref&amp;gt; Obermaat Schrader (vom Friedrichsorter Soldatenrat)&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Dirk Dähnhardt gibt eine Äußerung Lothar Popps über Schrader in einem 1975 geführten Gespräch wie folgt wider: „Über die Zusammensetzung des Soldatenrates erinnerte sich Herr Popp nur noch an einen Mann namens Schrader, den er selbst vorgeschlagen hatte, der aber ein &amp;quot;Vollidiot&amp;quot; gewesen sei.“ Kuhl, Popp, S. 44 f. Dähnhardt weist dabei auf eine ähnliche Schilderung Noskes hin. Noske nennt allerdings keine Namen und bezieht sich auf einen Tag vorher. Vgl. Noske, Kiel bis Kapp, S. 19.&amp;lt;/ref&amp;gt; und Obermaat Koch.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Martin Rackwitz erwähnt einen Obermatrosen Koch vom Soldatenrat in Holtenau, der dort die Befehlsgewalt ausgeübt habe. Vgl. Rackwitz, Kiel 1918, S. 181 f. Es bleibt unklar, ob es sich um dieselbe Person handelt.&amp;lt;/ref&amp;gt; Gemäß einer vorher getroffenen Absprache zwischen SPD und USPD übernahm Noske daraufhin das Gouverneursamt von Admiral Wilhelm Souchon.&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhl, Garbe, S. 32.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bereits eine Woche später werden zwei neue Mitglieder des OSR erwähnt, nämlich Robert Pfaff (SPD)&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Pfaff (1881–1940) war außerdem Delegierter auf dem 1. Reichsrätekongress für den Wahlbezirk Schleswig-Holstein und wurde dort als Marinevertreter in den Zentralrat gewählt. Ab 1919 war er kommissarischer Landrat für Rendsburg und dort aktiv an der Niederschlagung des Kapp-Putsches beteiligt, dann Entbindung von diesem Amt. Ab 1924 Inhaber eines Immobiliengeschäfts in Neckargemünd. Vgl. Roß, Reichsrätekongresse. Zur Rolle Pfaffs während des Kapp-Putsches vgl. Klaus Kuhl: &#039;&#039;Abzug des Bataillons Claassen/Detachement Kiel nach dem Kapp-Putsch in Kiel 1920.&#039;&#039; In: Zeitschrift der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte, Band 146 (2021), S. 241–256.&amp;lt;/ref&amp;gt; und Max Hartig,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Hartig, geboren 1887, war Delegierter für den Wahlbezirk Marinestation zum 1. Reichsrätekongress und gehörte zur SPD-Fraktion. Als Wohnort gab er Chemnitz an, und als dortige bisherige Tätigkeit: Sektionsleitung der Modelltischler in Chemnitz. Vgl. Roß, Reichsrätekongresse.&amp;lt;/ref&amp;gt; während Schrader vermutlich ausgeschieden war.&amp;lt;ref&amp;gt;Dähnhardt, Revolution, S. 114 und 136. Schrader wird nur noch einmal von Stabschef Küsel als Teilnehmer bei den Verhandlungen über die Rolle der Offiziere am 8. November erwähnt. Vgl. Klaus Kuhl: &#039;&#039;Gefangen in Überheblichkeit und Engstirnigkeit: Die führenden Seeoffiziere und der Matrosen- und Arbeiteraufstand in Kiel 1918. Die Berichte der Chefs der Marinestation und Gouverneure von Kiel, Admiral Gustav Bachmann und Admiral Wilhelm Souchon sowie ihres Stabschefs Konteradmiral Hans Küsel.&#039;&#039; Kiel 2023, S. 180.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über die Mitglieder des Großen Soldatenrats, die den OSR zu wählen hatten, gibt es bisher nur wenige Informationen: Der Kapitänleutnant Peter Köhler schreibt einem zeitnahen Bericht, dass er selbst zum Soldatenrat auf seinem Wohnschiff &#039;&#039;Nixe&#039;&#039; gewählt wurde und damit Mitglied im Großen Soldatenrat war. Köhler diente bis September 1918 auf dem zum III. Geschwader gehörenden &#039;&#039;Großer Kurfürst&#039;&#039; und war dann dem Artillerieschulschiff &#039;&#039;Kaiserin Augusta&#039;&#039; in Kiel zugeteilt. Er trat für eine Sozialisierung ein, war aber kein Demokrat. Köhler erwähnt auch einen Oberschreiber Haas, der eine bestimmende Rolle im Soldatenrat der I. Werft-Division gespielt hätte.&amp;lt;ref&amp;gt;Kapitänleutnant Peter Köhler: Revolutionsereignisse in Kiel. Typoskript im Nachlass Carl/Karl Hollweg, BArch RM 3/11682, Bl. 198–226. Transkript online zugänglich (aufgerufen am 25. September 2024) unter: [http://www.kurkuhl.de/docs/ereignisse_06-11-1918.pdf].&amp;lt;/ref&amp;gt; Weitere, von Karl Artelt in späteren Berichten erwähnte Mitglieder des Großen Soldatenrats: Torpedobootmatrose Fritz Steinhoff, späterer Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen sowie der U-Bootfahrer Ernst Wollweber, der von 1953 bis 1957 das Staatssekretariat bzw. das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) in der DDR leitete.&amp;lt;ref&amp;gt;Karl Artelt: Zwei Briefe an das Institut für Marxismus-Leninismus beim Zentralkomitee der SED – Abteilung Geschichte der Partei und der deutschen Arbeiterbewegung. Nebra, 15. Dezember 1957 und 12. Februar 1957. Bundesarchiv, SAPMO, SGY 30/0022, Bl. 14–19, hier Bl. 15, 17 und 19.&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Lothar Popp erwähnt einen weiteren Vertreter des Soldatenrats namens Brocks, der morgens am 5. November einen Tätigkeitsbericht im Gewerkschaftshaus abgegeben habe (Ursprung, S. III-23) und dieser Name taucht ebenfalls am 5. November als Unterzeichner eines Aufrufs von Soldatenrat und Magistrat zur &amp;quot;geordneten Aufrechterhaltung der Lebensmittelversorgung&amp;quot; auf. In der Kieler Zeitung vom 8. November 1918 (M) wird eine Bekanntmachung des Soldatenrats zu Zeitungsausträgern ebenfalls von Brocks unterzeichnet. Damit könnte dieser eventuell ebenfalls dem Großen Soldatenrat angehört haben. Er wird von Christopher Andresen als Kriegsbeschädigter bezeichnet und hätte am 7. November eine nach Flensburg entsandte Delegation des Kieler Arbeiter- und Soldatenrates angeführt. Vgl. Christopher Andresen: Arbeiter- und Soldatenräte in Flensburg 1918/19. In: Demokratische Geschichte, Bd. 18, Malente 2007, S. 9–43. Online zugänglich (aufgerufen am 20. Mai 2025) unter: [https://www.beirat-fuer-geschichte.de/fileadmin/pdf/band_18/Demokratische_Geschichte_Band_18_Essay_2.pdf].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Regierung in Berlin (bis zum 9. November 1918 noch vom letzten Reichskanzler des Kaiserreichs, Max von Baden, geführt) bestätigte Noske als neuen Gouverneur. Während Popp den Gouverneur als ausführendes Organ des Soldatenrats ansah, mit dem dieser „den Verwaltungsapparat in Bewegung bringen“ könne, betrachtete Noske den Soldatenrat eher als ein Kontrollgremium. In seinem ersten Tagesbefehl, den er zusammen mit dem OSR noch am selben Abend erstellte, hieß es: „Ich bin […] zum Gouverneur gewählt worden […]. Mir zur Seite steht der ‚Oberste Soldatenrat des Befehlsbereichs der Ostseestation’“ &amp;lt;ref&amp;gt;Popp/Artelt, Ursprung, S. III-27 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der OSR schickte dann jeweils einen Vertrauensmann in alle wichtigen militärischen Stellen. Hierbei handelte es sich meistens um Feldwebel.&amp;lt;ref&amp;gt;Rackwitz, Kiel 2018, S. 139 f. Der so genannte Etatmäßige Feldwebel war in der Regel mit dem inneren Dienst und Verwaltungsaufgaben betraut.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die zukünftige Rolle der Offiziere blieb in der Schwebe. Nachdem sich in deren Reihen zunächst eine tiefe Resignation breit gemacht hatte, schöpften die Offiziere wieder Hoffnung, weil Noske signalisiert hatte, dass er auf sie nicht verzichten wollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Inzwischen trafen auch Nachrichten von der raschen Ausbreitung der Revolution ein. Noske kam nun zu der Überzeugung, dass „ein Lavieren nicht mehr am Platze sei, sondern es hieß die Zügel fest in die Hand zu nehmen.“ In einer kleinen Runde vereinbarte er mit einigen Kieler SPD-Führern die Ausrufung des Arbeiterrats als provisorische Regierung Schleswig-Holsteins. Der ebenfalls gewünschten Ausrufung der Republik Schleswig-Holstein widersetzte er sich.&amp;lt;ref&amp;gt;Noske, Kiel bis Kapp, S. 25.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Aufruf Kieler Arbeiter und Soldatenrat.jpg|mini|Gemeinsamer Aufruf des Arbeiter- und des Soldatenrats am 7. November 1918.]] Der OSR und der Arbeiterrat einigten sich auf einen gemeinsamen Aufruf, der als Flugblatt verteilt wurde. Die ersten drei Absätze lauteten: „Die politische Macht ist in unserer Hand. Es wird eine provisorische Provinzialregierung gebildet, die in Zusammenarbeit mit den bestehenden Behörden eine neue Ordnung aufrichtet. Unser Ziel ist die freie, soziale Volksrepublik.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bewegung stieß auch auf große Zustimmung in der Bevölkerung. Dies zeigte sich nicht nur in der überwältigenden Anteilnahme bei der Beerdigung der Revolutionsopfer am 10. November 1918, sondern auch in der raschen Verbreitung der Räteidee: In weiten Kreisen der Bevölkerung bis ins Bürgertum hinein wurden Räte gegründet. Es gab Beamten- und Angestelltenräte,&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. dazu etwa Klaus Kuhl: &#039;&#039;Kiel und die Revolution von 1918. Das Tagebuch eines Werftingenieurs, verfasst in den Jahren 1917–1919. Edition und Textanalyse.&#039;&#039; Berlin 2018, S. 57.&amp;lt;/ref&amp;gt; Studentenräte,&amp;lt;ref&amp;gt;Über Alfred Meusel wird berichtet, dass er Vorsitzender des ersten Studentenrats in Deutschland wurde. Alfred Meusel (1896-1960) besuchte die Oberrealschule in Kiel. Mit Beginn des Ersten Weltkriegs meldete er sich als Freiwilliger, ging an der Front aber bald auf Distanz zum Kaiserreich und kam dort erstmals mit sozialistischen Ideen in Berührung. Im Dezember 1917 wurde er an der Aisne verschüttet, schwer verletzt und behielt zeitlebens ein Nervenleiden als Spätfolge. Von 1918 bis 1922 studierte er in Kiel u. a. Nationalökonomie, Soziologie und Geschichtswissenschaft. Vgl. Mario Kesser und Detlef Siegfried: &#039;&#039;Alfred Meusel im Spannungsfeld von Wissenschaft und Politik&#039;&#039;. In: JahrBuch für Forschungen zur Geschichte der Arbeiterbewegung, Heft III/2010, S. 65–80, hier S. 66 f. Vgl. auch die von Jörg Becker veröffentlichten Berichte von Richard Sorge, der eine sozialistische Studentenorganisation aufbaute.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bauernräte&amp;lt;ref&amp;gt;Nach Gerhard Stoltenberg soll es bereits im Januar 1919 1700 örtliche Auschüsse [Bauernräte] in Schleswig-Holstein gegeben haben; vgl. Gerhard Stoltenberg: &#039;&#039;Politische Strömungen im schleswig-holsteinischen Landvolk 1918-1933.&#039;&#039; Düsseldorf 1962, S.29, Fußnote 4. Stoltenberg beruft sich auf eine Meldung der SHVZ vom 15. Januar 1919. Die Zeitung der USPD „Republik“ meldete am 19. Januar 1919, dass in Schleswig-Holstein ein provisorischer Oberster Bauernrat aus sechs Mitgliedern gebildet worden sei. Beigeordnet seien der Ernährungskommissar für Schleswig-Holstein sowie ein Beauftragter der Landwirtschaftskammer. Geschäftsführer sei vorläufig Max Mißfeld, Suchsdorf bei Kiel.&amp;lt;/ref&amp;gt; und sogar einen Rat des Kirchenchors der [[Nikolaikirche]].&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. den Bericht eines damals 13-jährigen Chorknabens in dem NDR-Film „Matrosen, Räte, Republiken“ von Hartmut Idzko und Jörg Knickrehm, der am 1. November 1978 ausgestrahlt wurde. Progressive Teile der evangelischen Kirche, darunter der Kieler Professor Otto Baumgarten, forderten die Einführung von &amp;quot;Volkskirchenräten&amp;quot;; vgl.: Rolf Fischer: &#039;&#039;Kiel, die Kirchen und die Revolution – Eine Standortbestimmung.&#039;&#039; In: Rolf Fischer (Hrsg.): &#039;&#039;Sehnsucht nach Demokratie.&#039;&#039; Kiel 2020, S. 57–72, hier S. 67.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In mehreren Verhandlungen wurde zwischen Vertretern der Offiziere und dem OSR eine Absprache über die Rolle der Offiziere getroffen. Diese sah vor, dass diejenigen Offiziere, die sich dem Soldatenrat unterstellten, im Amt bleiben durften. Wenn sie jedoch ein Kommando ausüben wollten, mussten sie das Vertrauen ihrer Untergebenen haben. Von den Mannschaften abgelehnte Offiziere mussten sich in der Marinestation zur Verfügung halten. Die große Mehrheit der Offiziere ließ sich darauf ein, wobei die Mitteilung, der Kaiser habe sie von ihrem Eid entbunden, eine wichtige Rolle gespielt haben dürfte. Die Ansätze für eine Militärreform wurden jedoch, wie Wolfram Wette schrieb, von Noske im Keim erstickt.&amp;lt;ref&amp;gt;Wolfram Wette: Als bei der Torpedo-Division der erste Soldatenrat gebildet wurde. In: Frankfurter Rundschau, 12. Dezember 1988.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Niedergang der Rätebewegung in Kiel ==&lt;br /&gt;
In Kiel begann dieses „Ersticken“ einer möglichen Militärreform damit, dass Noske den Räten gegenüber die Kompetenz der Seeoffiziere, besonders mit Blick auf die Überführung der Flotte nach England, als unverzichtbar darstellte. Kuhl schrieb, dies sei in der neueren Literatur ohne nähere Diskussion akzeptiert worden, aber ein genauerer Blick auf die Aufgaben der verschiedenen Dienstränge zeige, dass Deckoffiziere, Unteroffiziere und Mannschaften ohne größere Probleme in der Lage gewesen wären, ein Schiff zu manövrieren; Steuerleute, Navigationsoffiziere, Maschineningenieure, Funkentelegrafiemeister etc. konnten in ihren Bereichen selbstständig handeln. Die Seeoffiziere waren hauptsächlich dazu da, ein Schiff in der Schlacht zu befehligen. Für andere Aufgaben waren sie nicht unbedingt notwendig. Allerdings war ihre Autorität wichtig für die einigermaßen reibungslose Abfolge aller Arbeiten an Bord und an Land. Diese Autorität aber war stark erschüttert. Eine Auswahl nach demokratischen und republikanischen Kriterien wäre möglich gewesen. Ein entstehender Gruppendruck hätte dann eventuell auch eine Reihe der ehemals kaiserlichen Seeoffiziere zum Einlenken bewegen können. Immerhin war nach der Wahrnehmung des Stabschefs der Marinestation, Küsel, noch Mitte November 1918 „die Stimmung, was das jüngere Seeoffizierkorps anbetrifft, ganz links gerichtet“.&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhl, Überheblichkeit, S. 186.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dies wird auch bestätigt von Admiral Gustav Bachmann, dem Vorgänger Souchons als Gouverneur und Chef der Marinestation, der den Kapitänleutnant Thorwald v. Bothmer als einen der radikalsten bezeichnete („… pries die Republik, machte die Monarchie herunter …“).&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Klaus Franken (Hg.): &#039;&#039;Admiral Gustav Bachmann: Lebenserinnerungen und Tagebuch 1915.&#039;&#039; Paderborn 2022 (Schriften zur Marinegeschichte Band 3), S. 911 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Unter dem Einfluss des Korvettenkapitäns Wilfried von Loewenfeld (s.&amp;amp;nbsp;u.) schlug dies aber schnell wieder um.&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhl, Garbe, S. 38 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zuge der kurz nach dem Umsturz einsetzenden Demobilisierung wuchs der Einfluss der zurückbleibenden Berufssoldaten und hier besonders derjenige der Deckoffiziere. Diese hatten durchaus einen wichtigen Anteil an der erfolgreichen Durchsetzung des Aufstands, denn die standen in deutlicher Opposition zu den Seeoffizieren, von denen sie ebenfalls, wie die Mannschaften, als gesellschaftlich inakzeptable Parias behandelt wurden.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Holger H. Herwig: &#039;&#039;Das Elitekorps des Kaisers. Die Marineoffiziere im Wilhelminischen Deutschland.&#039;&#039; Hamburg 1977, S. 86.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Deckoffizierbund erkannte die neuen Verhältnisse an und erteilte Bestrebungen, diese zurückzudrehen, eine Absage. Die Seeoffiziere müssten dies ebenfalls anerkennen und es müsse eine Auswahl geben, um reaktionäre Absichten von Seiten der Offiziere auszuschließen. Allerdings wurde nicht erkennbar, welche Mechanismen und Garantien der Bund für eine effektive Auswahl anstrebte.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Klaus Kuhl: &#039;&#039;Analyse und Edition von: Paul Kässner, Oberdeckoffizier a. D.: Zur Geschichte der Deckoffizierbewegung, des Deckoffizierbundes und des Bundes der Deckoffiziere.&#039;&#039; Kiel 2022, 6 f. und 22. Online zugänglich (aufgerufen am 4. September 2024) unter: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Kuhl_analyse-edition-kaessner-deckoffizierbewegung_2022.pdf].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei: Kieler_Matrosenaufstand_(Kiel_68.297).jpg|mini|Das Foto zeigt eine Demonstration von Deck- und Unteroffizieren am 22. Dezember 1918 gegen den Beschluss des Reichsrätekongresses und für die Beibehaltung der Rangabzeichen. Dies kennzeichnet den gestiegenen Einfluss der Deckoffiziere.]] Ein Großteil der Deckoffiziere erwies sich auch später im Kapp-Putsch als Stütze der Weimarer Republik, sie hatten jedoch deutliche Vorbehalte gegenüber den Soldatenräten, vermutlich weil sie deren totalen Umsturz der militärischen Hierarchien ablehnten. Die Deckoffiziere bekamen einen großen Einfluss in der Sicherheitswehr des Soldatenrats und auch im OSR selbst. Ihre Vorbehalte führten dann vermutlich auch dazu, dass Lothar Popp am 10. Dezember 1918 als Vorsitzender des OSR zurücktrat; zumindest behauptet dies Noske in seiner 1920 erschienen und stark von Rechtfertigungen geprägten Schrift „Von Kiel bis Kapp“.&amp;lt;ref&amp;gt;Noske, Kiel bis Kapp, S. 52.&amp;lt;/ref&amp;gt; Popp selbst gab später an, er habe nach der Entscheidung für die Nationalversammlung keinen Sinn mehr in seiner Arbeit für den OSR gesehen. Allerdings fiel diese Entscheidung erst später auf der Reichsrätekonferenz 16.–21. Dezember 1918,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Auf dem ersten Reichsrätekongress wurde Kiel durch die folgenden Delegierten vertreten: Gustav Garbe und Peter Hillbrecht für den Arbeiterrat (Kurt Kaulfers, USPD und Bevollmächtigter des DMV Kiel, fiel bei der Mandatsprüfung durch), sowie Max Hartig und Robert Pfaff für den Soldatenrat. Alle bis auf Kaulfers gehörten der SPD an. Vgl. Dieter Braeg und Ralf Hoffrogge (Hrsg.): &#039;&#039;Allgemeiner Kongress der Arbeiter- und Soldatenräte Deutschlands. 16.–20. Dezember 1918 Berlin – Stenografische Berichte, Neuausgabe zum 100. Jahrestag&#039;&#039;. Berlin 2018, S. 561–602. Vgl. auch Roß, Reichsrätekongresse.&amp;lt;/ref&amp;gt; was eher Noskes Darstellung unterstützen würde. Es wäre aber auch denkbar, dass Popps Rücktritt bereits davon bestimmt war, dass keine USPD-Mitglieder aus Kiel zum Reichsrätekongress delegiert wurden. Karl Artelt übernahm nun den Vorsitz des inzwischen auf 14 Mitglieder erweiterten Gremiums, Stellvertreter wurde Robert Pfaff, Schriftführer wurde der Signalmeister und Deckoffizier Franz Riefstahl (SPD). Popp wurde nur noch als politischer Berater des Gremiums aufgeführt. Zum damaligen Zeitpunkt gehörten dem OSR, neben den Genannten, noch die folgenden Personen an: Rudolf Rannow, Erich Thümmel, Schmidtke, Max Hartig, Gräfenstein (auch Grävenstein), Rath, Klaus, Eggers, Rudolph, Widmaier (auch Widmeier) und Feill (insgesamt 14).&amp;lt;ref&amp;gt;Anonym: Sitzung des obersten Soldatenrates. In: Republik, 11. Dezember 1918.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Hartig und Thümmel wurden bereits oben beschrieben, Riefstahl und Rannow werden weiter unten als Vorsitzende des OSR beschrieben, zu den anderen Personen ist bisher nichts weiter bekannt.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die provisorische Regierung Schleswig-Holsteins hatte zunächst der Kieler Arbeiterrat übernommen. Auf einer Konferenz am 12. Dezember 1918 in Neumünster wurden nun auch die anderen Räte in der Provinz einbezogen. Die Konferenz wurde von Garbe eröffnet und zusammen mit Richter aus Neumünster und Schlüter aus Flensburg geleitet. Es herrschte Einigkeit darüber, dass in „nächster Zukunft […] Räterat und National-Versammlung nebeneinander bestehen bleiben und zusammen arbeiten [müssen].“&amp;lt;ref&amp;gt;Einleitendes Referat des Beigeordneten der Regierung in Schleswig Eduard Adlers auf der Konferenz. Protokoll der Konferenz der Arbeiter- und Soldatenräte Neumünster am 12. Dezember 1918. Manuskript. Archiv des Zentralrats der Deutschen Sozialistischen Republik; Sign. B-58. Online zugänglich (aufgerufen am 9. Januar 2023) unter: [https://search.iisg.amsterdam/Record/ARCH01676].&amp;lt;/ref&amp;gt; Die provisorische Regierung setzte sich nun aus Vertretern der Räte verschiedener Regionen zusammen. Sie bezeichnete sich später als „Volksrat“.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Kuhl, Garbe, S. 34.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 27. Dezember 1918, mit Beginn der Unruhen in Berlin, kehrte Noske dorthin zurück und übernahm im Rat der Volksbeauftragten, nach dem Rücktritt der USPD-Beauftragten, den Bereich „Heer und Marine“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit verstärkte sich der schleichende und im Laufe der Entwicklung immer offenere Prozess, in dem Noske – inzwischen Reichswehrminister – die Soldatenräte im Juni 1919 schließlich abschaffen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wichtige Stationen waren dabei:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Verkleinerung des 53er-Ausschusses, dem Zentralrat der Marine im Berliner Reichsmarineamt,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Dem Rat gehörten die folgenden Kieler Personen an: Bock, Hohmann, Klenke, Lebeck, Manschke, Rösler, Stock, Block und Schumann; vgl. Kriegsakten betreff Revolution 1918 und Märzwirren 1920. BArch RM 8/1013, Bl. 73 f. Im Mai 1919 wurde auch ein Verbandssoldatenrat, in dem die Soldatenräte sich überregional organisiert hatten, der aber offensichtlich keinen größere Bedeutung erlangt hat, erwähnt; vgl. Akten des Reichsmarineamts betreffend Arbeiter und Soldatenrat, Juni 1919–März 1922. BArch RM 20/13 Bl. 27.&amp;lt;/ref&amp;gt; auf sechs Personen. Der Rat wollte die neue Marine auf Völkerverständigung und eine reine Verteidigung festlegen. Dies stieß jedoch bei den weiter nach „Weltgeltung“ strebenden „Tirpitzianern“, zu denen die vorgesehenen Führer der Marine (insbesondere v. Trotha)&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Konteradmiral Adolf von Trotha (1868–1940), ab März 1919 Chef der Admiralität, im Oktober 1919 zum Vizeadmiral befördert, unterstützte den Kapp-Putsch und wurde später Propagandist für die NSDAP.&amp;lt;/ref&amp;gt; gehörten, sowie auch bei Noske selbst, auf großen Widerstand. Aufgrund von Noskes Kritik, der auf dem Reichsrätekongress eine Verschleppung von Entscheidungen bemängelte, wurde der Rat auf sechs Mitglieder verkleinert und damit in seinen Wirkungsmöglichkeiten (bei einem Amt mit etwa 1000 Beschäftigten) stark eingeschränkt. Der stellvertretende Vorsitzende des Kieler OSR, Robert Pfaff (SPD), der auch am Reichsrätekongress teilnahm, unterstützte Noske bei seinem Vorgehen. Wette vermutet, dass Noskes Beanstandungen eher auf die inzwischen USPD-nahe Programmatik des 53er Rats zurückgingen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Wette, Noske, S. 272–280.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Der Aufbau der 1. Marine-Brigade (inoffizielle Bezeichnung: Eiserne Brigade oder Eiserne Division) durch die Deckoffiziere auf Anforderung Noskes Anfang Januar 1919. Im OSR argumentierten die Deckoffiziere damit, dass die Truppe für die Grenzsicherung im Osten gebraucht würde. Sie wurde dann aber bei den Kämpfen in Berlin und danach auch in weiteren Städten, u.&amp;amp;nbsp;a. in Bremen eingesetzt. Dies führte am 6. Januar 1919 zum Rückzug Karl Artelts aus dem OSR. Den Vorsitz übernahm zunächst Max Hartig für 10 Tage dann der Signalmeister und Deckoffizier Franz Riefstahl,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Über Riefstahl ist ebenfalls nur wenig bekannt, obwohl er neben Popp und Artelt eine besonders wichtige Rolle in der Soldatenratsbewegung spielte: Riefstahl war zunächst wohl die zentrale Figur in dem nur bis zum 3. Dezember 1918 existierenden Generalobmannbüro. Neben Riefstahl waren hier noch der Oberheizer Klaus, der Ubootsmaschinistenmaat Tscharutke, der Schreiber Au und der Oberschreiber Rothenbacher tätig. Das Büro wurde parallel zum OSR eingerichtet und diente den Obmännern, wie die von den einzelnen Soldatenräten in den Großen Soldatenrat entsandten Delegierten genannt wurden, als Ansprechstelle. Mit Riefstahls Wahl in den OSR wurde es offenbar aufgelöst. Vgl. Dähnhardt, Revolution, S. 131. Riefstahl gehörte dem OSR von Anfang Dezember 1918 bis Ende März 1919 ununterbrochen an, und war mit 2 ½ Monaten der am längsten auf diesem Posten dienende Vorsitzende. Obwohl Riefstahl der SPD angehörte und deutlich moderater war  als Popp und Artelt, verfolgten ihn die Seeoffiziere mit großem Hass. So bezeichnete v. Loewenfeld ihn als „widerlichen, aufgeblasenen roten Gesellen und Offiziershasser“. Der Stabschef Konteradmiral Küsel schrieb über ihn, er habe sich dann besonders hervorgetan, wenn es galt die Seeoffiziere zu bekämpfen. Riefstahl war später Amtmann in Berlin und wird im „Vorwärts“ vom 15. Oktober 1919 (S. 4) unter den „Groß-Berliner Parteinachrichten“ erwähnt. In einer Versammlung für „Sozialdemokratische Beamte, Angestellte und Hülfskräfte der Gemeindebehörden Groß-Berlins“ referierte Riefstahl über „Revolution und Beamtenschaft.“ Das preußische Innenministerium unter Göring ließ 1934 Erkundigungen über Riefstahl einziehen, um ihn aus dem Beamtendienst zu entfernen. Dabei übermittelte Küsel die genannte Denunziation. Wette vermutet, dies habe ausgereicht, um den Stadtamtmann Riefstahl aus dem Beamtendienst zu entfernen. Vgl. Wette, Noske, S. 261 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; während Hartig sein Stellvertreter wurde. Hartig schied am 7. Februar aus, auf ihn folgte Bublat als Stellvertreter.&amp;lt;ref&amp;gt;Klaus Kuhl: &#039;&#039;Die Kieler Eiserne Division – ein besonderer Fall in der militärischen Landschaft der Weimarer Republik.&#039;&#039; In: Rolf Fischer (Hrsg.): Brennpunkte 1918. Orte der Revolution in Schleswig-Holstein. Kiel 2023, S. 113–132.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Neuordnung der Kommandogewalt. Diese hatte bisher weitgehend in den Händen der Soldatenräte gelegen. Gegen einen bekannt gewordenen Entwurf legte der Kieler OSR Protest ein. Dieser Protest wurde auch am 1. Februar 1919 von der Kieler SPD-Zeitung unterstützt. Man sah in Noskes Planungen den Versuch, die Zustände vor der Revolution wieder einzuführen.&amp;lt;ref&amp;gt;Anonym: Neuregelung der Kommandogewalt. In: SHVZ, 1. Februar 1919, S. 1.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Entwurf war Mitte Januar vom neuen Kriegsminister Oberst Walther Reinhardt vorgelegt, vom Zentralrat der Deutschen Sozialistischen Republik&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Ein vom Reichsrätekongress im Dezember 1918 eingerichtetes Gremium zur Überwachung und zur Kontrolle des Rats der Volksbeauftragten.&amp;lt;/ref&amp;gt; geringfügig geändert und dann von der Regierung angenommen worden. Das Verordnungswerk wurde am 19. Januar verabschiedet, gab die Kommandogewalt zurück an die Offiziere und schränkte die Befugnisse der Soldatenräte stark ein. Fronttruppen und Freikorps waren ausgenommen, dort hatten Soldatenräte sowieso einen schweren Stand oder wurden gar nicht geduldet.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Wette, Noske, S. 333–339.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Rahmen verschiedentlicher Proteste der Kieler Räte bei Noske fühlten sich die Delegationsmitglieder Riefstahl, Klaus, Rannow und Thümmel von Noske „wie Handwerksburschen“ behandelt.&amp;lt;ref&amp;gt;Wette, Noske, S. 260.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Der große Protest der Kieler Arbeiterschaft gegen Noskes kompromissloses militärisches Vorgehen gegen die Bremer Räterepublik Anfang Februar 1919; aufgrund der begeleitenden militanten Aktionen der KPD auch als Kieler „Spartakus-Putsch“ bezeichnet. Im Verlauf der bewaffneten Auseinandersetzungen erlaubte Noske dann die Aufstellung der 3. Marine-Brigade durch Wilfried von Loewenfeld, die dann die Sicherheitstruppe des Soldatenrats dominierte.&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhl, Garbe, S. 47 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Am 25. Februar erfolgte dann eine Neuwahl des OSR und der erneut zum Vorsitzenden gewählte Riefstahl verkleinerte den bereits auf 12 Mitglieder reduzierten OSR auf nunmehr neun Personen. Dabei handelte es sich neben Riefstahl um Bublat (Stellvertreter), Schlüter (Schriftführer), Klaus, Rannow, Rath, Widmaier, Thümmel und Dräger.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Rackwitz, Kiel 1918, S. 183; sowie Anonym: Neuwahl des Obersten Soldatenrates. In: Kieler Zeitung vom 1. März 1919, Morgenausgabe.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Einsetzung eines Seeoffiziers als Stationschef wurde von Noske gegen den Widerstand von OSR und Arbeiterrat nach verschiedenen Anläufen durchgesetzt. Dabei verlor Garbe als Noskes Nachfolger auf dem Posten des Kieler Gouverneurs seine militärische Befehlsgewalt und wurde zum „Zivilgouverneur“ herabgestuft. Der OSR wurde nun nur noch als Stationssoldatenrat bezeichnet. Am 10. März 1919 wurde Konteradmiral Meurer als Stationschef eingesetzt. Wenig später verlor Garbe auch seinen Titel als Zivilgouverneur. Am 31. März 1919 schieden Riefstahl, Klaus, Bublat und Thümmel aus dem OSR/Stationssoldatenrat aus. Neuer Vorsitzender wurde der Oberfeuerwerkermaat Rudolf Rannow (SPD),&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Rannow, geb. 25. Januar 1887 in Oramburg (Pommern), wird in dem Bericht des Kapitänleutnants Peter Köhler am 7. November 1918 als Obmann des Soldatenrats erwähnt; Köhler: Revolutionsereignisse, S. 14. Rannow war im April 1919 Delegierter für den 2. Reichsrätekongress, wo er den Wahlbezirk Ostseestation vertrat. Er organisierte im April 1919 den Zusammenschluss von Berufssoldaten, die sich zur SPD bekannten (im Hinblick auf eine zu gründende republikanische Volkswehr), beteiligte sich an der Abwehr des Kapp-Putsches in Kiel und wurde Kommandeur der gegen den Putsch aufgebauten Arbeiterwehr. In der Personalamtsakte „Wahlen von Stadträten und Bürgermeistern“ im Stadtarchiv Kiel (Sign. 31980) wird er ab 1920 als Stadtsekretär geführt. Im Jahr 1926 meldete er sich nach Lägerdorf ab. Vgl. Wette, Noske, S. 260 und 865; Roß, Reichsrätekongresse, S. 202; Dähnhardt/Granier, Kapp-Putsch in Kiel, S. 110 ff.; BArch 8/1022, Bl. 61 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt; sein Stellvertreter wurde der Feldwebel Paul Dräger.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Dräger war 1920 Führer im Reichswirtschaftsverband deutscher derzeitiger und ehemaliger Berufssoldaten (RdB, Vorläufer des Deutschen Bundeswehr Verbands) in Kiel. Er spielte eine aktive Rolle bei der Niederschlagung des Kapp-Putsches. Vgl. Dähnhardt/Granier, Kapp-Putsch in Kiel, S. 41, 72, 140.&amp;lt;/ref&amp;gt; Außerdem gehörte nach wie vor der Feldwebel Schlüter&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Nachdem Marinewaffen heimlich auf das Gut des Prinzen Heinrich in Hemmelmark verbracht worden waren, wurden dort im April 1919 Durchsuchungen vorgenommen, an denen Schlüter (stellvertretend für Rath) vom OSR, und Otto Eggerstedt vom Volksrat beteiligt waren. Es wurden 30 Gewehre mit Munition gefunden, die Heinrich von einem Seeoffizier geliefert worden waren. Bald darauf beschwerte sich der neue Stationschef Meurer in Berlin bei v. Trotha, dass der Soldatenrat wiederum gegen Vorschriften verstoßen habe, als er sich nach diesen Vorfällen bei weiteren Hausdurchsuchungen des Volksrats in Kitzeberg (Villenviertel auf dem Ostufer der Kieler Förde) beteiligte. Nach Aussagen des Stationssoldatenrats hatte Meurer die Beschwerde auf Anweisung Noskes verfasst. Vgl. Akten des Reichsmarineamts betreffend Arbeiter und Soldatenrat, Juni 1919–März 1922. BArch RM 20/13 Bl. 30–47.&amp;lt;/ref&amp;gt; dem Rat an. Am 12. Mai 1919 wurde das Mitglied im Stationsssoldatenrat, Rath, durch den Feldwebel und Marinefeuerwerker Adolf Schmalix&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Schmalix (1890–1956) gehörte zur 1. Marine-Division und beteiligte sich am Aufbau des Reichswirtschaftsverbands derzeitiger und ehemaliger Berufssoldaten und des Republikanischen Führerbunds. Er engagierte sich im Kampf gegen den Kapp-Putsch, setzte sich dabei für die Bewaffnung der Arbeiterschaft ein und wurde für mehrere Tage verhaftet. Zu einem von ihm zu verantwortenden Unterschlagungsfall in seiner Abteilung erklärte er, „infolge seines Kampfes mit den höchsten Behörden“ sei es ihm nicht möglich gewesen, den Fall zur Anzeige zu bringen. Er verließ Kiel, entwickelte sich zum „völkisch-antisemitischen Extremnationalisten“ und beteiligte sich am Hitler-Putsch. Ab 1924 lebte er in Erfurt, wo er Schriftleiter und Herausgeber des Wochenblattes &amp;quot;Echo Germania&amp;quot; wurde. In dem Blatt pöbelte er gegen prominente Bürger, mit Vorliebe gegen Juden, Ausländer oder Demokraten, denen er dann anbot, sich freizukaufen, um weiteren Schmähungen zu entgehen. Im Frühjahr 1928 rief er den &amp;quot;Großdeutschen Freiheitsbund&amp;quot; ins Leben, dessen Programm aus einem Sammelsurium gängiger nationalistisch-völkischer Ansichten und Feindbilder bestand. Bei der Kommunalwahl in Erfurt errang er in einer reichsweiten Sensation 10 von 52 Mandaten. Später trat der der NSDAP bei. Nach dem Zweiten Weltkrieg saß Schmalix noch 1956 im Kreistag im Landkreis Roding (Oberpfalz). Vgl. Dähnhardt/Granier, Kapp-Putsch in Kiel, S. 24 f. und 41; Anonym: Ein rehabilitierter Berufssoldat. In: Republik, 26. März 1920; Steffen Raßloff: &#039;&#039;Erfurt begeht moralischen Selbstmord. Adolf Schmalix und die Großdeutsche Freiheitsbewegung.&#039;&#039; In: Stadt und Geschichte. Zeitschrift für Erfurt. 13 (2001). S 28 f. Online zugänglich (aufgerufen am 25. Septrember 2024) unter: [http://www.erfurt-web.de/Adolf_Schmalix].&amp;lt;/ref&amp;gt; ersetzt. Zu diesem Zeitpunkt gehörten dem Rat neben den genannten Rannow, Dräger, Schmalix und Schlüter noch Widmaier und Arnold (Minensuchflottille) an.&amp;lt;ref&amp;gt;Station O: Akta betr. XI a (Soldatenrat). BArch RM 31/2375 Bl. 22.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits einige Tage vorher, am 6. März 1919, war das Gesetz über die vorläufige Reichswehr verkündet worden. Es war unter Führung des Kriegsministers von Offizieren erarbeitet worden. In der parlamentarischen Debatte machte Noske deutlich, dass sozialdemokratische Vorstellungen zurzeit zurückgestellt werden müssten, um Deutschland wieder wehrhaft zu machen. Mit dem verabschiedeten Gesetz wurden die Freikorps sanktioniert, republikanische Verbände und Soldatenräte wurden abgeschafft.&amp;lt;ref&amp;gt;Wette, Noske, S. 358–368.&amp;lt;/ref&amp;gt; Am 5. Juni 1919 wurde auch der Kieler Soldatenrat abgeschafft. Es gab jetzt nur noch Vertrauensleute mit Beschwerderechten, die ohne gesetzliche Fixierung lediglich gemäß Marine-Verordnungsblatt MVBl 17, S. 208 und 209 zu wählen waren.&amp;lt;ref&amp;gt;Wette, Noske, S. 368.&amp;lt;/ref&amp;gt; Schmalix und Widmaier werden noch im September 1919 als Vertrauensleute erwähnt, wobei sie sich über die ständig weiter eingeengte Bewegungsfreiheit beschweren.&amp;lt;ref&amp;gt;Akte Reichsmarineamt Juni 1919–März 1922. BArch RM 20/13 Bl. 129 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein weiterer Vertrauensmann war der, als bewährter Deckoffizier von Noske zum Leutnant zur See beförderte, Carl von Seydlitz. Seydlitz wurde nach dem Kapp-Putsch kurzzeitig Stationschef in Kiel, weil die Seeoffiziere wegen Putschbeteiligung suspendiert worden waren oder aus Solidarität den Dienst verlassen hatten.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Klaus Kuhl: &#039;&#039;Leutnant zur See Carl von Seydlitz. Der Kampf für die Demokratisierung der Reichsmarine.&#039;&#039; In: Rolf Fischer (Hrsg.): Sehnsucht nach Demokratie. Neue Aspekte der Kieler Revolution 1918. Kiel 2020, S. 23-35.&amp;lt;/ref&amp;gt; Demokratisch und republikanisch orientierte Soldaten und Offiziere wurden jetzt langsam aber stetig aus dem Militär gedrängt.&amp;lt;ref&amp;gt;Wette, Noske, S. 560, 697.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch Seydlitz gab 1923 auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Räteidee lebte aber im zivilen Bereich weiter. Garbe hatte den Vorsitz im Arbeiterrat mit seiner Ernennung zum Gouverneur abgegeben. Nachfolger wurde Peter Hillbrecht (SPD), zweiter oder gleichberechtigter Vorsitzender J. Claßen (auch Classen geschrieben) von der USPD. Der Rat gab seinen Anspruch, als provisorische Regierung der Provinz Schleswig-Holstein zu fungieren, an den neu gebildeten Volksrat ab. Diesem gehörten auch Vertreter anderer Räte aus Schleswig-Holstein sowie kurzzeitig ein Mitglied des OSR an.&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhl, Garbe, S. 48 f. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während der Soldatenrat als wichtigstes Ziel eine Demokratisierung des Militärs verfolgte, stand bei dem Arbeiterrat die Demokratisierung der Wirtschaft im Zentrum. Besonders die Führer der Werften gehörten meist der rechtsradikalen Deutschen Vaterlandspartei an. Sie besaßen einen großen politischen Einfluss. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitte März wurden Neuwahlen zu den Arbeiterräten durchgeführt. Die Parität mit der USPD wurde aufgegeben, damit konnte diese nur noch eine marginale Rolle in den Räten spielen. Die Beteiligung an den Wahlen war gering, was zu einem weiteren Bedeutungsverlust führte. Im neu konstituierten Arbeiterrat wurden Peter Hillbrecht zum ersten und Otto Eggerstedt&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Eggerstedt (1886–1933 im KZ Esterwegen ermordet) erlernte den Beruf des Bäckers und war Soldat im Ersten Weltkrieg. Er berichtete, wie er dazu beitrug, dass sich auf dem Rückmarsch von der Front Soldatenräte bildeten (Otto Eggerstedt: Die Revolution im Felde! In: SHVZ, 5. November 1919). Zurück in Kiel engagierte Eggerstedt sich stark bei Versuchen eine demokratische Einwohnerwehr aufzubauen und war während des Kapp-Putsches an führender Stelle am Aufbau der Arbeiterwehr beteiligt. Ab Juli 1919 war er Parteisekretär der SPD in Kiel und von 1919 bis 1924 Stadtverordneter von Kiel. Im März 1921 rückte er für Albert Billian in den Reichstag nach, dem er durchgehend bis 1933 angehörter. Ab 1927 war er in der preußischen Verwaltung tätig, ab April 1928 als Regierungsrat und Leiter des Polizeiamtes Wandsbek. Ab 1929 wurde er, das erste halbe Jahr kommissarisch, Polizeipräsident von Altona-Wandsbek mit Sitz in Altona. In seine Dienstzeit fiel der so genannte Altonaer Blutsonntag, der als Anlass für die Beseitigung der sozialdemokratischen preußischen Regierung, eines der letzten Bollwerke gegen die Machtübernahme durch die Nazis, herhalten musste. Vgl. Autoren der SPD-Geschichtswerkstatt: Otto Eggerstedt. Online zugänglich (aufgerufen am 25. September 2024) unter: [https://www.spd-geschichtswerkstatt.de/wiki/Otto_Eggerstedt].&amp;lt;/ref&amp;gt; zum zweiten Vorsitzenden gewählt. Weitere Mitglieder waren der Redakteur der SHVZ Bernhard Rausch und J. Classen (oder Claßen) für die USPD. Als Aufgaben des Rats wurde benannt: Den Räten sollte nicht die ganze politische Macht übertragen werden, sondern sie sollten „die denkbar wichtigsten wirtschaftlichen Aufgaben“ erhalten: die „Mitleitung der Fabrikbetriebe und die Sozialisierung“. Sie sollten politisch fortwirken, solange der Beamtenkörper nicht hinreichend demokratisch erneuert sei.&amp;lt;ref&amp;gt;Anonym: Der Kieler Arbeiterrat. In: SHVZ, 24. März 1919.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich musste der Arbeiterrat im September seine Arbeit einstellen, weil keine Gelder mehr bewilligt wurden. Im Zuge des reformierten – nunmehr demokratischen – Wahlrechts waren jedoch viele seiner Mitglieder und Beigeordneten in die entsprechenden Gremien gewählt worden und konnten so – anders als bei den Soldatenräten – weiter Einfluss ausüben. Für Garbe war diese Entwicklung folgerichtig. Er sagte in seiner Wahlkampfrede anlässlich seiner Kandidatur für die Kommunalwahl Anfang März in Kiel: „Ich bin kein großer Freund der Arbeiterräte, deren Zeit bald vorbei sein dürfte. […] Die Räte sollen im Rathaus sitzen. […] wo sie besser arbeiten können wie heute als Beiräte.“&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhl, Garbe, S. 49 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Räteidee war auch von der Nationalversammlung aufgenommen worden, insbesondere, um der in der Arbeiterbewegung weit verbreiteten, immer wieder vorgetragenen Forderung nach Sozialisierung und Demokratisierung der Wirtschaft entgegenzukommen. Eine Kombination von Parlamentarismus und Rätesystem war also durchaus denkbar.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. dazu Peter von Oertzen: &#039;&#039;Betriebsräte in der Novemberrevolution. Eine politikwissenschaftliche Untersuchung über Ideengehalt und Struktur der betrieblichen und wirtschaftlichen Arbeiterräte in der deutschen Revolution 1918/19.&#039;&#039; Düsseldorf 1963 (Beiträge zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien, Band 25), S. 57–67.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Gespräch waren etwa Wirtschaftsräte, doch erst 1930 wurde ein Entwurf für die Ausgestaltung des Reichswirtschaftsrats vorgelegt, der jedoch zu der Zeit keine Aussichten mehr auf Umsetzung hatte und nicht die notwendige Zweidrittelmehrheit erhielt. Übrig blieben schließlich nur noch die Betriebsräte. Im Februar 1920 wurde das Betriebsrätegesetz verabschiedet, das allerdings die Mitwirkungsmöglichkeiten nach ursprünglichen Forderungen einer weitgehenden Kontrollfunktion  nur noch auf soziale Belange beschränkte. Garbe, der vermutlich hinter der Aussage in der SHVZ stand, dass man den Arbeiterräten die „Mitleitung der Fabrikbetriebe“ übertragen wollte, äußerte sich in seinem Bericht im Jahr 1920 entsprechend enttäuscht über das Betriebsrätegesetz.&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhl, Garbe, S. 50.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
Damit war die Rätebewegung in Kiel, die die politische Demokratie erkämpft hatte, mit ihren weitergehenden Vorstellungen einer Demokratisierung von Militär und Wirtschaft gescheitert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellen und Literatur ==&lt;br /&gt;
* Lothar Popp, Karl Artelt: &#039;&#039;Ursprung und Entwicklung der November-Revolution 1918. Wie die deutsche Republik entstand.&#039;&#039; Kiel 1918. Reprint als Sonderveröffentlichung der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Band 15, S. III 1–30. Im Jahr 2020 leicht gekürzt und kommentiert veröffentlicht in: IG Metall Bezirksleitung Küste (Hrsg.): &#039;&#039;Matrosenaufstand und Novemberrevolution 1918.&#039;&#039; Hamburg 2020, S. 96–115, ISBN 978-3-96488-063-5.&lt;br /&gt;
* Gustav Noske: &#039;&#039;Von Kiel bis Kapp. Zur Geschichte der deutschen Revolution.&#039;&#039; Berlin 1920 ([https://portal.dnb.de/bookviewer/view/1131562372#page/n6/mode/1up Digitalisat]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Klaus Kuhl: &#039;&#039;Gustav Garbe – bedeutender Kieler Gewerkschaftsfunktionär, Vorsitzender des Kieler Arbeiterrats und zweimaliger Gouverneur. Mit Vorworten von Frank Hornschu, Geschäftsführer und Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes Kiel Region, und von Stephanie Schmoliner, 1. Bevollmächtigte der IG Metall Kiel-Neumünster.&#039;&#039; Kiel 2023.&lt;br /&gt;
* Martin Rackwitz: &#039;&#039;Kiel 1918. Revolution, Aufbruch zu Demokratie und Republik.&#039;&#039; Kiel 2018, ISBN 978-3-529-05174-6.&lt;br /&gt;
* Dirk Dähnhardt: &#039;&#039;Revolution in Kiel. Der Übergang vom Kaiserreich zur Weimarer Republik 1918/19.&#039;&#039; Karl Wachholtz, Neumünster 1978, ISBN 3-529-02636-0.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
* Wikipedia: Arbeiter- und Soldatenrat [https://de.wikipedia.org/wiki/Arbeiter-_und_Soldatenrat].&lt;br /&gt;
* [[Zeitzeugen_Matrosen%E2%80%93_und_Arbeiteraufstand_1918/1919|Zeitzeugen]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references group=&amp;quot;A&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:1911-1920]] [[Kategorie:Erster Weltkrieg]] [[Kategorie:Kieler Arbeiter- und Matrosenaufstand]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Klaus Kuhl</name></author>
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		<id>https://kiel-wiki.de/index.php?title=Kieler_Arbeiter-_und_Soldatenr%C3%A4te&amp;diff=68456</id>
		<title>Kieler Arbeiter- und Soldatenräte</title>
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		<updated>2025-12-17T10:04:56Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Klaus Kuhl: /* Im November 1918 übernehmen die Räte die Kontrolle */ Korrektur und Ergänzung Schulz Ernährungskommissar&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Obwohl der Begriff &#039;&#039;&#039;Arbeiter- und Soldatenrat&#039;&#039;&#039; auch in Kiel benutzt wurde, gab es hier streng genommen keine gemeinsame Räteorganisation der Arbeiterschaft und der Soldaten. Im Folgenden wird die Entwicklung der Kieler Räte beschrieben und – soweit bekannt – werden die Mitglieder vorgestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Arbeiterrat im Januar 1918 ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Lothar_popp_mid-1920s.jpg|thumb|Passfoto Lothar Popp, aufgenommen vermutlich Mitte der 1920er-Jahre, Hamburger Staasarchiv.]] Ein erster Arbeiterrat wurde anlässlich der reichsweiten Januarstreiks 1918 gegründet, die in Kiel ihren Anfang nahmen und auf die österreichischen Jännerstreiks folgten. [[Zeitzeugen_Matrosen%E2%80%93_und_Arbeiteraufstand_1918/1919#Lothar_Popp|Lothar Popp]] (USPD) wurde per Akklamation auf dem [[Wilhelmplatz]] in einer Versammlung der Streikenden zum Vorsitzenden bestimmt. Ziel war es, die deutsche Oberste Heeresleitung daran zu hindern, von Russland, das aus dem Krieg ausschied, große territoriale und finanzielle Zugeständnisse zu erpressen. Die Streikenden sahen dadurch den Friedensschluss gefährdet. In Kiel wurde eine entsprechende Resolution verabschiedet, die an die deutsche Regierung geschickt wurde. Popp schrieb: „Wir hatten auf dem Wilhelmplatz zunächst einmal als Grundstock des Arbeiterrates 10 Kollegen der Germania-Werft gewählt, die übrigen Betriebe sollten (was nachher auch geschah), die weiteren Wahlen unter sich vornehmen. Uns leitete der Gedanke, daß der Arbeiterrat […] geeignet erscheine, die Interessen der Arbeiter zu vertreten, ohne durch den Parteienstreit in seiner Tätigkeit beengt zu sein.“&amp;lt;ref&amp;gt;Lothar Popp unter Mitarbeit von Karl Artelt: &#039;&#039;Ursprung und Entwicklung der November-Revolution 1918. Wie die deutsche Republik entstand.&#039;&#039; Kiel 1918 (Reprint als Sonderveröffentlichung der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Band 15), S. III 1–30, hier S. III 7. Im Jahr 2020 leicht gekürzt und kommentiert veröffentlicht in: IG Metall Bezirksleitung Küste (Hrsg.): &#039;&#039;Matrosenaufstand und Novemberrevolution 1918.&#039;&#039; Hamburg 2020, S. 96–115.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist unklar, ob die Organisation längerfristig existierte, weil Popp und zwei weitere USPD-Führer (Heinrich Strunk und Emil Theil) verhaftet und zu teils mehrjährigen Gefängnisstrafen verurteilt wurden. Popp musste zwei Monate in Neumünster einsitzen.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Es gibt nur einen weiteren Hinweis, dass diese Räte länger Bestand gehabt haben könnten: Julius Bredenbeck, damals 11 Jahre alt, aber durch Vater und Onkel bereits gut über die Arbeiterbewegung orientiert, sagte in einem 1989 geführten Interview: „In einzelnen Betrieben gab es schon Arbeiterräte, die sich selbst gebildet hatten, ohne Rechtsgrundlage, einfach aufgrund der Stärke der Organisation. Die zum Teil also auch mit sehr großem revolutionärem Pathos an die Arbeit gingen. In anderen Betrieben waren auch Arbeiterräte, die aber mehr daran interessiert waren, notwendige Dinge, Schwierigkeiten in der Versorgung mit Lebensmitteln usw. weitgehend mit zu steuern. Man kann nicht sagen, dass es eine einheitliche Stimmung gab. Das wurde anders als damals die Matrosen Befehlsverweigerung machten. […] Da war eine allgemeine Solidarität in der gesamte Kieler Arbeiterschaft feststellbar“. Popp selbst gibt in einem Interview mit Dirk Dähnhardt an, der erste Arbeiterrat habe sich aufgelöst (vgl. Klaus Kuhl: &#039;&#039;Lothar Popp – Führer des Kieler Matrosenaufstands 1918 im Streitgespräch mit einem 68er. Interviews mit Lothar Popp.&#039;&#039; Kiel/Hamburg 1970–1978, S. 42. Online zugänglich (aufgerufen am 26. September 2024) unter: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:kuhl_streitgespraech-m-l-popp_1978_plus-weitere-interv-u-gespraeche.pdf]). Eventuell liegt bei Bredenbeck eine Verwechselung mit den Arbeiterausschüssen nach dem Hilfsdienstgesetz vom Dezember 1916 vor.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Im November 1918 übernehmen die Räte die Kontrolle ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Artelt and comrades Kiel-Wik 1914.jpg|mini|Karl Artelt ganz links als Angehöriger der I. Werft-Division, (Ausschnittsvergrößerung rechts), gemeinsam mit Kameraden der I. Torpedo-Division in Kiel-Wik, September 1914]]&lt;br /&gt;
Im Verlauf des Kieler Matrosenaufstands entstand dann zuerst im Kasernengelände der Wik am 4. November 1918 ein Soldatenrat, zu dessen Vorsitzenden Oberheizer [[Zeitzeugen_Matrosen%E2%80%93_und_Arbeiteraufstand_1918/1919#Karl_Artelt|Karl Artelt]] (USPD) gewählt wurde. In der Popp/Artelt Broschüre heißt es dazu: „Nachdem Kamerad Artelt und T[h]ümmel zur Wahl von Soldatenräten aufgefordert hatte, vollzog sich die Wahl kompagnieweise. Jede Kompagnie wählte vier Soldatenräte. […] Die erste Soldatenratssitzung in ganz Deutschland tagte im Speisesaal am Montag, den 4 November. Kamerad Artelt wurde als erster, Kamerad Ehle als zweiter Vorsitzender gewählt.“&amp;lt;ref&amp;gt;Popp/Artelt, Ursprung, S. III 16.&amp;lt;/ref&amp;gt; Als weitere Mitglieder konnten bisher festgestellt werden: [[Zeitzeugen_Matrosen%E2%80%93_und_Arbeiteraufstand_1918/1919#Fritz_Fischer|Matrose Fritz Fischer]], Heizer Schaaf – diese gehörten zur ersten Verhandlungsdelegation beim Gouverneur – und vermutlich noch Matrose Erich Thümmel&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;In der SHVZ Jahrgang 1957 (genaues Datum unbekannt) wurde ein Nachruf auf Thümmel veröffentlicht, nachdem dieser im Alter von 64 Jahren verstorben war. Dort heißt es u.&amp;amp;nbsp;a., dass beim Kieler Aufstand „…ein riesiger, schwarzhaariger Torpedobootmatrose mit buschigen Augenbrauen eine führende Rolle [spielte]. Oftmals stand er auf dem großen Kandelaber auf dem Wilhelmplatz und sprach zu den zahlreich versammelten. Schon bald bekam er den Spitznamen ‚Der rote Matrose’. … Bereits lange vor 1918 stand er im Vordergrund der revolutionären Bewegung und auch nach 1945 sah man ihn alljährlich bei der Kranzniederlegung an den Gräbern seiner gefallenen Kameraden der Revolution und des Abwehrkampfes gegen den Kapp-Putsch.“ Thümmel wurde Mitglied des Obersten Soldatenrats. Im Januar 1919 übte er vorsichtige Kritik am Verhalten der inzwischen von den Deckoffizieren dominierten Sicherheitstruppe des Soldatenrats gegenüber einer Arbeitslosenaktion vor und im Rathaus (vgl. OSR: Bekanntmachung. In: Republik, 17. Januar 1919). Im Jahr 1920 war er vermutlich bei der Sicherheitspolizei, wo er sich gegen den Kapp-Putsch engagierte (vgl. Bericht des Sipo-Leutnants Kemsies: Das Verhalten der Sicherheitspolizei Kiel gegenüber der Militärrevolte. 9. April 1920. LAS 301 4458. Online zugänglich (aufgerufen am 26. September 2024) unter: [http://www.kurkuhl.de/docs/sipo_kemsies_arbeiterwehr.pdf]). Von 1938 bis kurz vor seinem Tod war Thümmel Lagermeister des Hansa-Speichers der Schleswig-Holsteinischen landwirtschaftlichen Hauptgenossenschaft.&amp;lt;/ref&amp;gt;(SPD). Zu ihren Forderungen gehörte u.&amp;amp;nbsp;a.: Abdankung des Hohenzollernhauses und die Einführung des allgemeinen, gleichen und geheimen Wahlrechts für beide Geschlechter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kurz darauf entstanden in fast allen militärischen Einheiten ebenfalls Soldatenräte, ohne dass jedoch eine klare Struktur erkennbar gewesen wäre. Sie etablierten sich als direkte Machtorgane der Soldaten anstelle der Offiziere.&amp;lt;ref&amp;gt;Wolfram Wette: Interview von Klaus Kuhl und Kay Gerdes. Freiburg 2016. In: Klaus Kuhl und Kay Gerdes: Begleitheft für den Dokumentarfilm „In Kiel ist Revolution!“ Kiel 2018, S. 52–60, hier S. 54. Online zugänglich (aufgerufen am 31. August 2024) unter: [http://www.kurkuhl.de/docs/begleitheft_dokufilm-in-kiel-ist-revolution_gerdes-kuhl_2018.pdf].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur wenig später fanden sich Aktivisten der Soldaten im Gewerkschaftshaus zusammen und berieten über die weiteren Schritte. Dabei entstanden festere Gruppen, die sich insbesondere um eine Verteidigung der Stadt gegen von auswärts, zur Niederschlagung des Aufstands, entsandte Truppen kümmerten. So berichtete Popp, als er am frühen Morgen des 5. November von der Verhandlung beim Gouverneur ins Gewerkschaftshaus zurückkam, dass „… es schnell [gelang] eine gewisse Einteilung und ein bestimmtes Kommando zu schaffen. In einigen der Zimmer und Bureaus hatte sich der Soldatenrat niedergelassen, der unverzüglich seine Arbeit begann.“&amp;lt;ref&amp;gt;Popp/Artelt, Ursprung, S. III 19.&amp;lt;/ref&amp;gt; Es wurden Passierscheine ausgegeben, um die Bewegungsfreiheit der Offiziere einzuschränken. Flug-Obermaat Nikolaus Goßrau&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Goßrau entwickelte in den Folgetagen die ehrgeizige Idee, sich als rechte Hand Noskes über den Soldatenrat zu stellen. Er setzte sich damit zwischen alle Stühle und ließ sich am 14. November 1918 in ein Lazarett einweisen. Vgl. Klaus Kuhl: Die Ereignisse am 6. November 1918 in Kiel. Kiel 2010. Online zugänglich (aufgerufen am 14. September 2024) unter: [http://www.kurkuhl.de/docs/ereignisse_06-11-1918.pdf].&amp;lt;/ref&amp;gt; begann im Auftrag der Räte mit dem Aufbau eines zentral organisierten Sicherheitsdienstes.&amp;lt;ref&amp;gt;Martin Rackwitz: &#039;&#039;Kiel 1918. Revolution, Aufbruch zu Demokratie und Republik.&#039;&#039; Kiel 2018, S. 114.&amp;lt;/ref&amp;gt; In den Reihen dieser locker strukturierten Soldatenräte genoss Karl Artelt, wie Goßrau andeutet, eine besondere Autorität, weil er die Entwicklung im Militär maßgeblich und mutig vorangetrieben hatte.&amp;lt;ref&amp;gt;Flug-Obermaat Nikolaus Goßrau: Privatakten betr. Revolution 1918. BArch RM 8/1024, Bl. 22.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als weitere Mitglieder dieser frühen, sich im Gewerkschaftshaus zusammenfindenden Soldatenräte, nennt Goßrau sich selbst sowie die Kameraden Braune,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Auch Lothar Popp erwähnt Braune in späteren Interviews: In der entscheidenden Nacht hätten er und „ein gewisser Braune …, (der Braune lebt bei Kiel irgendwo)“ nachts im Stationsgebäude gesessen und Telefonanrufe beantwortet. „Da waren noch welche, wo ich geschwitzt habe dabei.“ Klaus Kuhl: Interviews mit Lothar Popp. Kiel/Hamburg 1970–1978, S. 20, 44 und 60. Online zugänglich (aufgerufen am 15. September 2024) unter: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:kuhl_streitgespraech-m-l-popp_1978_plus-weitere-interv-u-gespraeche.pdf PDF].&amp;lt;/ref&amp;gt; Starke, Hackmann, Falk (Hackmann und Falk konnten nach Aussagen Goßraus über die I., V. und XVII. Halbflottille verfügen), Oberheizer Ruffert,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;In den Popp-Interviews wird, ohne nähere Informationen, der Name Düffert mit Fragezeichen erwähnt. Eventuell handelt es sich hier um dieselbe Person. Vgl. Kuhl, Interviews Popp, S. 42.&amp;lt;/ref&amp;gt; Barghahn und den Matrosen Petersen (Theodor).&amp;lt;ref&amp;gt;Goßrau, Bericht, Bl. 22.&amp;lt;/ref&amp;gt; In einem Bericht des Kommandanten der &#039;&#039;Westfalen&#039;&#039;, Kapitän zur See Max Loesch, wird ein Obermaat Brandt erwähnt, der im Gewerkschaftshaus als Ansprechpartner für Schiffsbesatzungen fungiert habe.&amp;lt;ref&amp;gt;Max Loesch, Kapitän zur See: Vorgänge an Bord (Kiel). Handschriftlicher Bericht 4. und 5. November 1918. BArch RM 31/2373, Bl. 130–133.&amp;lt;/ref&amp;gt; In einem 1958 vermutlich auf Anforderung der SED erstellten Bericht, beschreibt der damalige Unteroffizier Paul Sahnwaldt, dass er dem Soldatenrat der Matrosen-Division angehört hätte.&amp;lt;ref&amp;gt;Paul Sahnwaldt: Der Matrosenaufstand in Kiel 1918. Typoskript 1957. Bundesarchiv, SAPMO, SgY 30/0797, S. 4–8.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Etwa zwei Stunden nach den Soldaten trafen sich auch die Obleute und Vertrauensleute der Betriebe in demselben Saal im Gewerkschaftshaus und beschlossen den Generalstreik zur Unterstützung der Bewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:14 Kieler Punkte.jpg|mini|Die 14 Kieler Punkte in der &#039;&#039;Schleswig-Holsteinischen Volkszeitung (SHVZ)&#039;&#039;]]&lt;br /&gt;
Um 22 Uhr fand eine nochmalige Beratung im Gewerkschaftshaus statt. Circa 40 Vertrauensleute verschiedener Schiffe und Formationen sowie sechs Arbeiter kamen zusammen und verabschiedeten schließlich die bekannten Kieler 14 Punkte, die vielen Räten in ganz Deutschland als Richtschnur dienten.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Popp/Artelt, Ursprung, S. III-21.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dänhardt sieht in der politischen Kurzsichtigkeit, die in diesem Katalog zum Ausdruck kommt, eine wesentliche Ursache, dass die Soldatenräte nach ca. sechs Monaten wieder abgeschafft werden konnten.&amp;lt;ref&amp;gt;Dirk Dähnhardt: &#039;&#039;Revolution in Kiel. Der Übergang vom Kaiserreich zur Weimarer Republik 1918/19.&#039;&#039; Neumünster 1978, S. 89–93.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:gustav_garbe.jpg|150px|mini|Foto Gustav Garbes aus dem Kieler Gewerkschaftshaus, aufgenommen vermutlich in den 1920er-Jahren.]] Am frühen Morgen des folgenden Tages (5. November 1918) bildete sich ein Arbeiterrat aus den Obleuten der Großbetriebe, vierzehn Vorstandsmitgliedern beider sozialdemokratischer Parteien und dem Vorsitzenden des Kieler Gewerkschaftskartells Garbe. Letzterer wurde zum Vorsitzenden gewählt.&amp;lt;ref&amp;gt;Popp/Artelt, Ursprung, S. III-21–23.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Untersuchungen Dirk Dähnhardts bestand der Arbeiterrat aus den folgenden Personen:&amp;lt;ref&amp;gt;Dirk Dähnhardt: Brief an Gundula. Freiburg, 18. Oktober 1975. Wissenschaftlicher Nachlass, StAK Sign. 65496. Die Charakterisierung als „Obleute“ wurde nicht von Dähnhardt vorgenommen, ergibt sich aber daraus, dass SPD und USPD nur jeweils sieben Personen entsandten. Bei der Feststellung der Parteizugehörigkeit wurde Dähnhardt von Gertrud Völcker und Heinrich Bohnsack unterstützt; vgl. Dähnhardt, Revolution, S. 92 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Obleute der Großbetriebe (15, von den meisten ist die Parteizugehörigkeit nicht bekannt, jedoch dürfte die Mehrheit der SPD zuzurechnen sein): Heinrich Bohnsack,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Bohnsack wurde 1893 geboren, war im Ersten Weltkrieg Soldat, war später DMV-Sekretär, kam während der Nazi-Zeit in das Vorläufer KZ Lichtenberg und emigrierte anschließend nach Schweden. Nach seiner Rückkehr war er 1950–1954 Bezirksleiter der IG-Metall Küste. Vgl. Thomas Pusch: &#039;&#039;Politisches Exil als Migrationsgeschichte. Schleswig-Holsteiner EmigrantInnen und das skandinavische Exil 1933–1960.&#039;&#039; Dissertation vorgelegt an der Universität Flensburg 2003. Online zugänglich (aufgerufen am 16. September 2024) unter: [https://www.zhb-flensburg.de/?id=16381].&amp;lt;/ref&amp;gt; Fiebig, Glup, Jatow, Kazda, Krause, Künzel, Küpel, Wilhelm Leopold,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Von 1920 bis 1933 Erster Bevollmächtigter des Kieler Metallarbeiterverbands (DMV).&amp;lt;/ref&amp;gt; Neumann, Rehle, Huß (SPD), Lintzel (SPD), Wiese (USPD), Eduard Wolke (SPD).&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Wolke stiftete später zusammen mit Karl Edler den Gedenkstein für die Revolutionsopfer auf dem Eichhof-Friedhof; vgl. Johannes Rosenplänter: &#039;&#039;Zur Entstehung der ‚Ruhestätte der Opfer der Revolution‘ auf dem Kieler Eichhoffriedhof 1918–1924. Ein Werk des Landschaftsarchitekten Leberecht Migge&#039;&#039;. In: Rolf Fischer (Hrsg.): Revolution und Revolutionsforschung – Beiträge aus dem Kieler Initiativkreis 1918/19. Kiel 2011, S. 101−110, hier S. 105.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Vorstandsmitglieder der SPD (7): Balleng, Beckmann, Bindemann, August Biskupek,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Autoren der SPD Geschichtswerkstatt: August Biskupek. SPD-Geschichtswerkstatt. Online zugänglich (Permanentlink aufgerufen am 16. September 2024) unter: [https://www.spd-geschichtswerkstatt.de/index.php?title=August_Biskupek&amp;amp;oldid=55089].&amp;lt;/ref&amp;gt; [[Zeitzeugen_Matrosen%E2%80%93_und_Arbeiteraufstand_1918/1919#Karl_Edler|Karl Edler]], Fröhlich, Peter Hillbrecht.&lt;br /&gt;
* Vorstandsmitglieder der USPD (7): J. Classen (auch Claßen), Cords, Krogmann, Max Spretke, Springer, Wiechert, Zinser.&lt;br /&gt;
* Vorsitzender des Gewerkschaftskartells: [[Zeitzeugen_Matrosen–_und_Arbeiteraufstand_1918/1919#Gustav_Garbe|Gustav Garbe]] (SPD). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem sich die Macht der Räte im Laufe des 5. November konsolidierte, richtete sich der Blick auch auf weitere drängende Fragen, wie Sicherung der Nahrungsmittelversorgung und Zahlung der Löhnung. Hier bot Gustav Noske, der sich seit dem Vorabend in Kiel befand und an den Verhandlungen teilgenommen hatte, Unterstützung für die Bewegung an, allerdings in der unausgesprochenen Absicht, ihre Ausbreitung zu verhindern. In einer Absprache mit den USPD-dominierten Aktivisten wurde Noskes Angebot angenommen. Dies geschah unter der Bedingung, dass es sich um eine vorläufige Maßnahme handele und dass erst dann weitere politische Entscheidungen getroffen würden, wenn ein mit Noske vergleichbares politisches Schwergewicht der USPD aus Berlin, etwa Hugo Haase&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Hugo Haase (1863–1919), Jurist, war von 1911 bis 1916 einer der beiden Vorsitzenden der SPD, und von 1912 bis 1916 einer der beiden Fraktionsvorsitzenden der SPD im Reichstag. Als Gegner der Kriegspolitik der Mehrheit des SPD-Vorstands aus Fraktion und Partei ausgeschlossen, gründete er 1917 die USPD und war deren Vorsitzender bis 1919. Im November/Dezember 1918 war er gleichberechtigter Vorsitzender mit Friedrich Ebert im Rat der Volksbeauftragten. Er starb im November 1919 an den Folgen eines Attentats.&amp;lt;/ref&amp;gt; eingetroffen wäre. Noske wurde dann per Akklamation auf einer großen Versammlung auf dem Wilhelmplatz zum vorläufigen Vorsitzen der Soldatenräte bestimmt. Seine Aufrufe wurden von Karl Artelt mitunterzeichnet. Anordnungen mussten neben Noskes Unterschrift auch die eines weiteren Soldatenrats-Mitglieds tragen. &lt;br /&gt;
[[Datei:Beschlüsse Soldatenrat Kiel 1918.jpg|mini|Beschlüsse des Soldatenrats vom 5. November 1918]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei wurde inzwischen auch vom Großen Soldatenrat gesprochen, die Zusammenfassung der Räte hatte Fortschritte gemacht, hatte allerdings nach wie vor keine autorisierte Basis, denn Noske wählte hier nach seinem Bekunden im Stationsgebäude nach Gutdünken einen sieben- oder neuenköpfigen Aktionsausschuss aus einer Schar von 50–60 Anwesenden von verschiedenen Schiffen oder Formationen. Von diesen hätte sich ein Großteil als „Versager“ entpuppt.&amp;lt;ref&amp;gt;Gustav Noske: &#039;&#039;Von Kiel bis Kapp. Zur Geschichte der deutschen Revolution.&#039;&#039; Berlin 1920, S. 19 ([https://portal.dnb.de/bookviewer/view/1131562372#page/n6/mode/1up Digitalisat]).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Arbeiterrat ging sofort daran, mittels so genannter Beigeordneter die Zivilverwaltung zu kontrollieren. Den Beigeordneten mussten alle wichtigen Vorgänge vorgelegt werden, und sie konnten in die Entscheidungen eingreifen.&amp;lt;ref&amp;gt;Eine Liste der Beigeordneten findet sich in der Schleswig-HolsteinischenVolks-Zeitung (SHVZ) vom 12. Dezember 1918 (hier nach einer handschriftlichen Aufzeichnung von Dirk Dähnhardt „Beigeordnete für amtliche Stellen“, in seinem wissenschaftlichen Nachlass (Akte 3, Hefter 1), StAK Sign. 65496.&amp;lt;/ref&amp;gt; Als erstes fertigte Garbe eine handgeschriebene Ernennungsurkunde für [[Eduard Adler]] aus. Adler wurde abgestellt, den erzkonservativen Oberbürgermeister [[Paul Lindemann]], der später auch den Kapp-Putsch unterstützte, zu kontrollieren. [[Datei:Garbe ernennung-beigeordneter-adler 1918.jpg|thumb|Ernennungsurkunde für den Beigeordneten Eduard Adler (Vorder- und Rückseite), Stadtarchiv Kiel, Sign. 21392.]] Am 11. November 1918 wurde Adler durch den Stadtverordneten August Biskupek (ebenfalls SPD) ersetzt (Letzterer wiederum wurde aufgrund von Krankheit am 13. Februar 1919 durch den Stadtverordneten Hermann Adam abgelöst).&amp;lt;ref&amp;gt;Rackwitz, Kiel 1918, S. 279 f. Zu Adam vgl.: Autoren der SPD Geschichtswerkstatt: Hermann Adam. In: SPD-Geschichtswerkstatt wiki. Online zugänglich (aufgerufen am 16. September 2024) unter: [https://www.spd-geschichtswerkstatt.de/wiki/Hermann_Adam]. &amp;lt;/ref&amp;gt; Adler wurde zusammen mit Paul Greß (auch Gress)&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Autoren der SPD-Geschichtswerkstatt: Paul Gress. In: SPD-Geschichtswerkstatt-Wiki. Online zugänglich (aufgerufen am 2. September 2024) unter: [https://www.spd-geschichtswerkstatt.de/wiki/Paul_Gress].&amp;lt;/ref&amp;gt; Beigeordneter beim Regierungspräsidenten in Schleswig. Auch der Oberpräsident für Schleswig-Holstein, der damals seinen Sitz in Kiel hatte, erhielt einen Beigeordneten des Arbeiterrats. Eingesetzt wurde Heinrich Kürbis (SPD).&amp;lt;ref&amp;gt;Wikipedia-AutorInnen: Heinrich Kürbis. In: Wikipedia – Die freie Enzyklopädie. Online zugänglich (aufgerufen am 3. September 2024) unter: [https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Heinrich_K%C3%BCrbis&amp;amp;oldid=215560106].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Polizeipräsidenten übernahmen Friedrich Brodthuhn (SPD)&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Autoren der SPD Geschichtswerkstatt: Sozialdemokratischer Verein Groß-Kiel - Stadtverordnete. In: SPD-Geschichtswerkstatt wiki. Online zugänglich (aufgerufen am 16. September 2024) unter: [https://www.spd-geschichtswerkstatt.de/wiki/Sozialdemokratischer_Verein_Gro%C3%9F-Kiel_-_Stadtverordnete].&amp;lt;/ref&amp;gt; und Wilhelm Schweizer (USPD, später SPD)&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Autoren der SPD Geschichtswerkstatt: Wilhelm Schweizer. In: SPD-Geschichtswerkstatt wiki. Online zugänglich (aufgerufen am 16. September 2024) unter: [https://www.spd-geschichtswerkstatt.de/wiki/Wilhelm_Schweizer].&amp;lt;/ref&amp;gt; die Kontrolle; bei der städtischen Polizei Wilhelm Leopold (SPD). Zum Post- und Telegraphenamt wurde der später von der SPD zur USPD übergetretene Postinspektor Bertold Brandt&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Rolf Fischer: &#039;&#039;Mit uns die neue Zeit! Kiels Sozialdemokratie im Kaiserreich und in der Revolution.&#039;&#039; Kiel 2013 (Geschichte der Kieler Sozialdemokratie Band 2), S. 187–190. Zum Übertritt zur USPD vgl. die USPD-Zeitung „Republik“ vom 3. April 1920.&amp;lt;/ref&amp;gt; abgeordnet. Das Provinzial-Schulkollegium wurde von Dr. Hermann Weller kontrolliert.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Studienrat Hermann Weller, später Stadtverordneter SPD, spielte eine herausgehobene Rolle neben Dr. Hermann Heller und Professor Gustav Radbruch beim Kapp-Putsch in Kiel. Vgl. Dirk Dähnhardt und Gerhard Granier (Hrsg.): &#039;&#039;Der Kapp-Putsch in Kiel. Eine Dokumentation zum 60. Jahrestag der Märzereignisse von 1920.&#039;&#039; Kiel 1980 (Mitteilungen der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Band 66), S. 148.&amp;lt;/ref&amp;gt; Weitere Beigeordnete waren für die Gewerbe-Inspektion: Jatow, und für den Landeshauptmann: Albert Billian.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Autoren der SPD Geschichtswerkstatt: Albert Billian. In: SPD-Geschichtswerkstatt wiki. Online zugänglich (aufgerufen am 16. September 2024) unter: [https://www.spd-geschichtswerkstatt.de/wiki/Albert_Billian]. In Preußen war der Landeshauptmann der vom Provinziallandtag gewählte höchste Beamte eines Provinzialverbands. Er leitete die provinziale Selbstverwaltung, während der vom König ernannte Oberpräsident die Vorbehaltsrechte der Zentralregierung wahrnahm.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Peter Hillbrecht (SPD), Metallarbeiter und nach Garbe Vorsitzender des Kieler Arbeiterrats und später des Volksrats für Schleswig-Holstein, sah in einer Rückschau einen großen Mangel darin, dass man es versäumt habe, Beigeordnete für die Justiz zu stellen. Dadurch hätte man „unendlich viel an reaktionären Bestrebungen [hintanhalten]“ können.&amp;lt;ref&amp;gt;Peter Hillbrecht: Der Volksrat von Schleswig-Holstein. In: Schleswig-Holsteinische Volks-Zeitung (SHVZ), 5. November 1918, S. 2 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Über Hillbrecht ist nur wenig bekannt. Sabine Roß schreibt in ihrem biografischen Handbuch der Reichsrätekongresse 1918/19 (Hillbrecht war ebenfalls Delegierter für Schleswig-Holstein): Hillbrecht wurde am 23. April 1884 in Spliedtsdorf bei Grimmen (Prov. Pommern) geboren, war von Beruf Torpedoschlosser und seit Juni 1921 Angestellter im Eisenbahnerverband. Im selben Jahr meldete er sich nach Köln ab. Sabine Roß (spätere Kuder): &#039;&#039;Biographisches Handbuch der Reichsrätekongresse 1918/19&#039;&#039;. Düsseldorf 2000 (Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien Bd. 11). Andreas Zimmer erwähnt einen Peter Hillbrecht (SPD) als Mitglied der Landesleitung des Kulturbunds zur demokratischen Erneuerung Deutschlands in der SBZ/DDR, bei dem es sich evtl. um den hier besprochenen Kieler Vertreter handeln könnte: Andreas Zimmer: Der Kulturbund in der SBZ und in der DDR. Eine Ostdeutsche Kulturvereinigung im Wandel der Zeit zwischen 1945 und 1990. 2013 an der Fakultät für Sozialwissenschaften und Philosophie der Universität Leipzig als Dissertation angenommen. Online zugänglich (aufgerufen am 14. Januar 2023) unter: [https://vdoc.pub/documents/der-kulturbund-in-der-sbz-und-in-der-ddr-eine-ostdeutsche-kulturvereinigung-im-wandel-der-zeit-zwischen-1945-und-1990-3n3pm0s03hdg].&amp;lt;/ref&amp;gt; Nach einer Meldung in der Schleswig-Holsteinischen Volks-Zeitung (SHVZ) vom 12. Dezember 1918 war jedoch Professor Otto Opet (1866–1941)&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Otto Opet lehrte seit 1900 als Privatdozent an der Kieler Universität, wo er 1930 zum Ordinarius berufen wurde. Er zählte zu den Wissenschaftlern, deren Abberufung die Kieler Studentenschaft 1933 kategorisch fordert, da er als Jude galt. Als Mitglied des Reichsbanners, der Liga für Menschenrechte und dem republikanischen Klub und der demokratischen (beziehungsweise radikaldemokratischen) Partei war er außerdem politisch engagiert. Unter dem massiven Druck der nationalsozialistischen Anfeindung lässt Opet sich im April 1933 auf &amp;quot;eigenen Antrag&amp;quot; im Alter von 67 Jahren in den Ruhestand versetzen. Vgl. Christian-Albrechts-Universität zu Kiel: Vertriebene Gelehrte. Online zugänglich (aufgerufen am 14. Juli 2024) unter: [https://www.uni-kiel.de/de/universitaet/profil/geschichte-der-universitaet/ns-aufarbeitung/vertriebene-gelehrte].&amp;lt;/ref&amp;gt; der Justiz als Beigeordneter vorgesetzt. Vielleicht lässt sich dieser Widerspruch dadurch erklären, dass Opet als Einzelperson gegenüber der Phalanx der reaktionären Beamtenschaft keinen Effekt erzielen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wegen der herausragenden Bedeutung setzte der Arbeiterrat „als erste Tätigkeit“, wie Hillbrecht später hervorhob, den Dreher Wilhelm Schulz, Vorsitzender des von dem Arbeiter- und dem Soldatenrat gebildeten Ernährungsauschusses, als „Lebensmitteldiktator für Zivil und Militär“ ein. Später wurde er als „Ernährungskommissar“ bezeichnet. Die Kontrolle des städtischen Ernährungsamts übernahmen die Beigeordneten Fiebig (auch Viebig) und Richter.&amp;lt;ref&amp;gt;Peter Hillbrecht: Bericht über den Arbeiterrat auf einer großen SPD-Versammlung in Kiel am 11. Dezember 1918. SHVZ vom 12. Dezember 1918.&amp;lt;/ref&amp;gt; Damit sicherte sich der Rat die Oberhoheit in der bisher vom Militär dominierten und höchst ineffizient organiserten Lebensmittelversorgung.&amp;lt;ref&amp;gt;Jean-Jacques Becker, Gerd Krumeich: Der große Krieg. Deutschland und Frankreich im Ersten Weltkrieg 1914–1918. Essen 2010, S. 118.&amp;lt;/ref&amp;gt; Seit den Hungerprotesten 1917 waren die Arbeiter bereits mit einer größeren Gruppe in der städtischen Lebensmittelkommission vertreten und hatten viel Erfahrung sammeln können. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur generellen Arbeit der Beigeordneten schreibt Dähnhardt: „Allein im Bereich der Lebensmittelversorgung, die von Anfang an im Mittelpunkt der Tätigkeit des Arbeiterrats stand, konnte dieser eine für die Bevölkerung sichtbare Bedeutung erlangen. Seit Anfang November bot die Lebensmittelversorgung in Kiel keinen Anlaß mehr zu Kritik. Auch Oberbürgermeister Lindemann […] bezeichnete die dem Lebensmittelamt zur Seite gestellten Beigeordneten [im Mai 1919] sogar als &#039;brauchbare Mitarbeiter&#039;, sicherlich ein hohes Lob, wenn man berücksichtigt, dass Lindemann […] ein konsequenter Gegner der Sozialdemokratie war.“&amp;lt;ref&amp;gt;Dähnhardt, Revolution, S. 149.&amp;lt;/ref&amp;gt; Martin Rackwitz kam in seiner umfassenden Darstellung des Kieler Aufstands zu dem Ergebnis, dass die erfahrenen sozialdemokratischen Politiker „ein hohes Maß an kommunalpolitischem Sachverstand“ einbrachten.&amp;lt;ref&amp;gt;Rackwitz, Kiel 1918, S. 190.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz der Konsolidierung des Aufstands in Kiel breitete sich jedoch am 6. November eine große Unsicherheit aus, denn Kiel schien isoliert zu bleiben. Noske unternahm jetzt einen gründlich vorbereiteten Versuch, den Kieler Aufstand zu beenden und damit die alten Verhältnisse wiederherzustellen. Nachmittags fand eine große Massenversammlung von etwa tausend Matrosen, an der auch Vertreter der Arbeiterschaft teilnahmen, im „Schloßhof“ statt, dem heutigen [[Metro-Kino im Schloßhof|metro-Kino]]. Noske hielt seine sorgfältig vorbereitete Rede und beschrieb die großen Schwierigkeiten, vor der die Bewegung stehe. Die Heranschaffung von Lebensmitteln und Geld mache große Probleme, denn Kiel sei isoliert und der Eisenbahnverkehr eingestellt. Er malte ein düsteres Bild und gab dann bekannt, was die Regierung anbieten würde, wenn der Aufstand abgebrochen würde: Straffreiheit für alle Aufständischen, Amnestie für die anlässlich der Marineunruhen 1917 Verurteilten, beschleunigte Herbeiführung des Waffenstillstandes, Beschleunigung der Abdankungsfrage sowie weitere Reformen und Demokratisierung des Staates. Der Vorsitzende des Arbeiterrats Garbe (SPD) und Popp (USPD) sprachen sich dagegen aus. Auch der Redakteur der SHVZ, Bernhard Rausch (SPD)&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Rausch (1887–1981) war Artillerieleutnant an der Westfront und wurde am 1. Oktober 1918 Redakteur der SHVZ in Kiel. Er folgte Noske nach Berlin und wurde dessen politischer Privatsekretär und Referent im Reichswehrministerium, schied 1920 kurz nach Noskes Rücktritt aus und wechselte später zur deutschnationalen Frontsoldaten-Organsation Stahlhelm; vgl. Wolfram Wette: &#039;&#039;Gustav Noske. Eine politische Biographie.&#039;&#039; Düsseldorf 1988, S. 865; sowie Christian Lübcke: &#039;&#039;Ein Versuch zur Demokratisierung der Reichswehr. Bernhard Rauschs Vorschläge für eine Staatsbürgerliche Unterrichtung, 1919-1920. &#039;&#039; In: Andreas Braune, Sebastian Elsbach, Ronny Noak, (Hrsg.): Bildung und Demokratie in der Weimarer Republik. Stuttgart 2022, S. 95-109.&amp;lt;/ref&amp;gt; argumentierte dagegen: Die Bewegung dürfte „… nie in dem Sinne abgebaut werden […], daß etwas von dem aufgegeben würde, was durch sie politisch erreichbar war.“&amp;lt;ref&amp;gt;Bernhard Rausch: &#039;&#039;Am Springquell der Revolution. Die Kieler Matrosenerhebung.&#039;&#039; Kiel 1918 (Reprint als Sonderveröffentlichung der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Bd. 15), S. II 1–31, hier S. II-25.&amp;lt;/ref&amp;gt; In dem Bericht der SHVZ über die Versammlung wurde dies näher erläutert: „Die gegenwärtige schicksalsschwere politische Situation gebietet, dass die entstandenen Machtverhältnisse restlos ausgenützt werden für den politischen und sozialen Fortschritt des Deutschen Reiches. Es gilt das, was im glorreichen Ansturm errungen ist, dauernd zu befestigen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Anonym: Die Lawine im Rollen. In: Schleswig-Holsteinische Volks-Zeitung vom 7. November 1918, S. 1.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noskes Vorschlag wurde nach Angaben Popps einstimmig abgelehnt. Außerdem wurde Popp auf der Versammlung, nachdem der von Berlin entsandte USPD-Vorsitzende Haase Schwierigkeiten hatte, nach Kiel zu gelangen, zum gleichberechtigten Vorsitzenden des Soldatenrats neben Noske bestimmt.&amp;lt;ref&amp;gt;Klaus Kuhl: &#039;&#039;Gustav Garbe – bedeutender Kieler Gewerkschaftsfunktionär, Vorsitzender des Kieler Arbeiterrats und zweimaliger Gouverneur. Mit Vorworten von Frank Hornschu, Geschäftsführer und Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes Kiel Region, und von Stephanie Schmoliner, 1. Bevollmächtigte der IG Metall Kiel-Neumünster.&#039;&#039; Kiel 2023, S. 29–32.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Versammlung verlief teilweise chaotisch, was offenbar mit einer immer noch bestehenden mangelnden Legitimation der Teilnehmer, aufgrund der spontan entstandenen Soldatenräte, zusammen hing. Popp organisierte daraufhin Wahlen von Vertrauensmännern in allen Einheiten, die dann den „Großen Soldatenrat“ wählten, der dann wiederum als Aktionsausschuss am folgenden Tag den Obersten Soldatenrat (OSR) bestimmte. Der OSR, dem auch Karl Artelt angehörte, wählte Lothar Popp zum Vorsitzenden. Ab jetzt residierte der Soldatenrat im Gebäude der Marinestation, Zimmer 49.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Sammlung Vizeadmiral Carl Hollweg: Fernsprüche, welche sich auf die Revolution [in Kiel] beziehen. BArch RM 3/11682, Bl. 345 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt; Weitere Mitglieder des OSR waren Maschinistenmaat Ullrich (auch Ulrich),&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Ein &amp;quot;Ullrich vom Obersten Soldatenrat&amp;quot; wird erwähnt als Beobachter auf einem Flug über das Lockstedter Lager; vgl. Stefan Wendt: &#039;&#039;Luftkampf über Kiel. Das Nordmarksportfeld als Luftschiff-Detachment und Festungsflugstation der Kaiserlichen Marine in den Kriegsjahren 1914/18.&#039;&#039; In: Mitteilungen der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte. Band 89, Heft 6, Kiel 2018, S. 273–299, hier S. 296.&amp;lt;/ref&amp;gt; Obermaat Schrader (vom Friedrichsorter Soldatenrat)&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Dirk Dähnhardt gibt eine Äußerung Lothar Popps über Schrader in einem 1975 geführten Gespräch wie folgt wider: „Über die Zusammensetzung des Soldatenrates erinnerte sich Herr Popp nur noch an einen Mann namens Schrader, den er selbst vorgeschlagen hatte, der aber ein &amp;quot;Vollidiot&amp;quot; gewesen sei.“ Kuhl, Popp, S. 44 f. Dähnhardt weist dabei auf eine ähnliche Schilderung Noskes hin. Noske nennt allerdings keine Namen und bezieht sich auf einen Tag vorher. Vgl. Noske, Kiel bis Kapp, S. 19.&amp;lt;/ref&amp;gt; und Obermaat Koch.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Martin Rackwitz erwähnt einen Obermatrosen Koch vom Soldatenrat in Holtenau, der dort die Befehlsgewalt ausgeübt habe. Vgl. Rackwitz, Kiel 1918, S. 181 f. Es bleibt unklar, ob es sich um dieselbe Person handelt.&amp;lt;/ref&amp;gt; Gemäß einer vorher getroffenen Absprache zwischen SPD und USPD übernahm Noske daraufhin das Gouverneursamt von Admiral Wilhelm Souchon.&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhl, Garbe, S. 32.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bereits eine Woche später werden zwei neue Mitglieder des OSR erwähnt, nämlich Robert Pfaff (SPD)&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Pfaff (1881–1940) war außerdem Delegierter auf dem 1. Reichsrätekongress für den Wahlbezirk Schleswig-Holstein und wurde dort als Marinevertreter in den Zentralrat gewählt. Ab 1919 war er kommissarischer Landrat für Rendsburg und dort aktiv an der Niederschlagung des Kapp-Putsches beteiligt, dann Entbindung von diesem Amt. Ab 1924 Inhaber eines Immobiliengeschäfts in Neckargemünd. Vgl. Roß, Reichsrätekongresse. Zur Rolle Pfaffs während des Kapp-Putsches vgl. Klaus Kuhl: &#039;&#039;Abzug des Bataillons Claassen/Detachement Kiel nach dem Kapp-Putsch in Kiel 1920.&#039;&#039; In: Zeitschrift der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte, Band 146 (2021), S. 241–256.&amp;lt;/ref&amp;gt; und Max Hartig,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Hartig, geboren 1887, war Delegierter für den Wahlbezirk Marinestation zum 1. Reichsrätekongress und gehörte zur SPD-Fraktion. Als Wohnort gab er Chemnitz an, und als dortige bisherige Tätigkeit: Sektionsleitung der Modelltischler in Chemnitz. Vgl. Roß, Reichsrätekongresse.&amp;lt;/ref&amp;gt; während Schrader vermutlich ausgeschieden war.&amp;lt;ref&amp;gt;Dähnhardt, Revolution, S. 114 und 136. Schrader wird nur noch einmal von Stabschef Küsel als Teilnehmer bei den Verhandlungen über die Rolle der Offiziere am 8. November erwähnt. Vgl. Klaus Kuhl: &#039;&#039;Gefangen in Überheblichkeit und Engstirnigkeit: Die führenden Seeoffiziere und der Matrosen- und Arbeiteraufstand in Kiel 1918. Die Berichte der Chefs der Marinestation und Gouverneure von Kiel, Admiral Gustav Bachmann und Admiral Wilhelm Souchon sowie ihres Stabschefs Konteradmiral Hans Küsel.&#039;&#039; Kiel 2023, S. 180.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über die Mitglieder des Großen Soldatenrats, die den OSR zu wählen hatten, gibt es bisher nur wenige Informationen: Der Kapitänleutnant Peter Köhler schreibt einem zeitnahen Bericht, dass er selbst zum Soldatenrat auf seinem Wohnschiff &#039;&#039;Nixe&#039;&#039; gewählt wurde und damit Mitglied im Großen Soldatenrat war. Köhler diente bis September 1918 auf dem zum III. Geschwader gehörenden &#039;&#039;Großer Kurfürst&#039;&#039; und war dann dem Artillerieschulschiff &#039;&#039;Kaiserin Augusta&#039;&#039; in Kiel zugeteilt. Er trat für eine Sozialisierung ein, war aber kein Demokrat. Köhler erwähnt auch einen Oberschreiber Haas, der eine bestimmende Rolle im Soldatenrat der I. Werft-Division gespielt hätte.&amp;lt;ref&amp;gt;Kapitänleutnant Peter Köhler: Revolutionsereignisse in Kiel. Typoskript im Nachlass Carl/Karl Hollweg, BArch RM 3/11682, Bl. 198–226. Transkript online zugänglich (aufgerufen am 25. September 2024) unter: [http://www.kurkuhl.de/docs/ereignisse_06-11-1918.pdf].&amp;lt;/ref&amp;gt; Weitere, von Karl Artelt in späteren Berichten erwähnte Mitglieder des Großen Soldatenrats: Torpedobootmatrose Fritz Steinhoff, späterer Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen sowie der U-Bootfahrer Ernst Wollweber, der von 1953 bis 1957 das Staatssekretariat bzw. das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) in der DDR leitete.&amp;lt;ref&amp;gt;Karl Artelt: Zwei Briefe an das Institut für Marxismus-Leninismus beim Zentralkomitee der SED – Abteilung Geschichte der Partei und der deutschen Arbeiterbewegung. Nebra, 15. Dezember 1957 und 12. Februar 1957. Bundesarchiv, SAPMO, SGY 30/0022, Bl. 14–19, hier Bl. 15, 17 und 19.&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Ein weiteres Soldatenrats-Mitglied wird in der Kieler Zeitung vom 8. November 1918 (M) erwähnt. Dort wird eine Bekanntmachung des Soldatenrats zu Zeitungsausträgern von Brocks unterzeichnet, der damit eventuell ebenfalls dem Großen Soldatenrat angehört haben könnte. Er wird von Christopher Andresen als Kriegsbeschädigter bezeichnet und hätte am 7. November eine nach Flensburg entsandte Delegation des Kieler Arbeiter- und Soldatenrates angeführt. Vgl. Christopher Andresen: Arbeiter- und Soldatenräte in Flensburg 1918/19. In: Demokratische Geschichte, Bd. 18, Malente 2007, S. 9–43. Online zugänglich (aufgerufen am 20. Mai 2025) unter: [https://www.beirat-fuer-geschichte.de/fileadmin/pdf/band_18/Demokratische_Geschichte_Band_18_Essay_2.pdf].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Regierung in Berlin (bis zum 9. November 1918 noch vom letzten Reichskanzler des Kaiserreichs, Max von Baden, geführt) bestätigte Noske als neuen Gouverneur. Während Popp den Gouverneur als ausführendes Organ des Soldatenrats ansah, mit dem dieser „den Verwaltungsapparat in Bewegung bringen“ könne, betrachtete Noske den Soldatenrat eher als ein Kontrollgremium. In seinem ersten Tagesbefehl, den er zusammen mit dem OSR noch am selben Abend erstellte, hieß es: „Ich bin […] zum Gouverneur gewählt worden […]. Mir zur Seite steht der ‚Oberste Soldatenrat des Befehlsbereichs der Ostseestation’“ &amp;lt;ref&amp;gt;Popp/Artelt, Ursprung, S. III-27 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der OSR schickte dann jeweils einen Vertrauensmann in alle wichtigen militärischen Stellen. Hierbei handelte es sich meistens um Feldwebel.&amp;lt;ref&amp;gt;Rackwitz, Kiel 2018, S. 139 f. Der so genannte Etatmäßige Feldwebel war in der Regel mit dem inneren Dienst und Verwaltungsaufgaben betraut.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die zukünftige Rolle der Offiziere blieb in der Schwebe. Nachdem sich in deren Reihen zunächst eine tiefe Resignation breit gemacht hatte, schöpften die Offiziere wieder Hoffnung, weil Noske signalisiert hatte, dass er auf sie nicht verzichten wollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Inzwischen trafen auch Nachrichten von der raschen Ausbreitung der Revolution ein. Noske kam nun zu der Überzeugung, dass „ein Lavieren nicht mehr am Platze sei, sondern es hieß die Zügel fest in die Hand zu nehmen.“ In einer kleinen Runde vereinbarte er mit einigen Kieler SPD-Führern die Ausrufung des Arbeiterrats als provisorische Regierung Schleswig-Holsteins. Der ebenfalls gewünschten Ausrufung der Republik Schleswig-Holstein widersetzte er sich.&amp;lt;ref&amp;gt;Noske, Kiel bis Kapp, S. 25.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Aufruf Kieler Arbeiter und Soldatenrat.jpg|mini|Gemeinsamer Aufruf des Arbeiter- und des Soldatenrats am 7. November 1918.]] Der OSR und der Arbeiterrat einigten sich auf einen gemeinsamen Aufruf, der als Flugblatt verteilt wurde. Die ersten drei Absätze lauteten: „Die politische Macht ist in unserer Hand. Es wird eine provisorische Provinzialregierung gebildet, die in Zusammenarbeit mit den bestehenden Behörden eine neue Ordnung aufrichtet. Unser Ziel ist die freie, soziale Volksrepublik.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bewegung stieß auch auf große Zustimmung in der Bevölkerung. Dies zeigte sich nicht nur in der überwältigenden Anteilnahme bei der Beerdigung der Revolutionsopfer am 10. November 1918, sondern auch in der raschen Verbreitung der Räteidee: In weiten Kreisen der Bevölkerung bis ins Bürgertum hinein wurden Räte gegründet. Es gab Beamten- und Angestelltenräte,&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. dazu etwa Klaus Kuhl: &#039;&#039;Kiel und die Revolution von 1918. Das Tagebuch eines Werftingenieurs, verfasst in den Jahren 1917–1919. Edition und Textanalyse.&#039;&#039; Berlin 2018, S. 57.&amp;lt;/ref&amp;gt; Studentenräte,&amp;lt;ref&amp;gt;Über Alfred Meusel wird berichtet, dass er Vorsitzender des ersten Studentenrats in Deutschland wurde. Alfred Meusel (1896-1960) besuchte die Oberrealschule in Kiel. Mit Beginn des Ersten Weltkriegs meldete er sich als Freiwilliger, ging an der Front aber bald auf Distanz zum Kaiserreich und kam dort erstmals mit sozialistischen Ideen in Berührung. Im Dezember 1917 wurde er an der Aisne verschüttet, schwer verletzt und behielt zeitlebens ein Nervenleiden als Spätfolge. Von 1918 bis 1922 studierte er in Kiel u. a. Nationalökonomie, Soziologie und Geschichtswissenschaft. Vgl. Mario Kesser und Detlef Siegfried: &#039;&#039;Alfred Meusel im Spannungsfeld von Wissenschaft und Politik&#039;&#039;. In: JahrBuch für Forschungen zur Geschichte der Arbeiterbewegung, Heft III/2010, S. 65–80, hier S. 66 f. Vgl. auch die von Jörg Becker veröffentlichten Berichte von Richard Sorge, der eine sozialistische Studentenorganisation aufbaute.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bauernräte&amp;lt;ref&amp;gt;Nach Gerhard Stoltenberg soll es bereits im Januar 1919 1700 örtliche Auschüsse [Bauernräte] in Schleswig-Holstein gegeben haben; vgl. Gerhard Stoltenberg: &#039;&#039;Politische Strömungen im schleswig-holsteinischen Landvolk 1918-1933.&#039;&#039; Düsseldorf 1962, S.29, Fußnote 4. Stoltenberg beruft sich auf eine Meldung der SHVZ vom 15. Januar 1919. Die Zeitung der USPD „Republik“ meldete am 19. Januar 1919, dass in Schleswig-Holstein ein provisorischer Oberster Bauernrat aus sechs Mitgliedern gebildet worden sei. Beigeordnet seien der Ernährungskommissar für Schleswig-Holstein sowie ein Beauftragter der Landwirtschaftskammer. Geschäftsführer sei vorläufig Max Mißfeld, Suchsdorf bei Kiel.&amp;lt;/ref&amp;gt; und sogar einen Rat des Kirchenchors der [[Nikolaikirche]].&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. den Bericht eines damals 13-jährigen Chorknabens in dem NDR-Film „Matrosen, Räte, Republiken“ von Hartmut Idzko und Jörg Knickrehm, der am 1. November 1978 ausgestrahlt wurde. Progressive Teile der evangelischen Kirche, darunter der Kieler Professor Otto Baumgarten, forderten die Einführung von &amp;quot;Volkskirchenräten&amp;quot;; vgl.: Rolf Fischer: &#039;&#039;Kiel, die Kirchen und die Revolution – Eine Standortbestimmung.&#039;&#039; In: Rolf Fischer (Hrsg.): &#039;&#039;Sehnsucht nach Demokratie.&#039;&#039; Kiel 2020, S. 57–72, hier S. 67.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In mehreren Verhandlungen wurde zwischen Vertretern der Offiziere und dem OSR eine Absprache über die Rolle der Offiziere getroffen. Diese sah vor, dass diejenigen Offiziere, die sich dem Soldatenrat unterstellten, im Amt bleiben durften. Wenn sie jedoch ein Kommando ausüben wollten, mussten sie das Vertrauen ihrer Untergebenen haben. Von den Mannschaften abgelehnte Offiziere mussten sich in der Marinestation zur Verfügung halten. Die große Mehrheit der Offiziere ließ sich darauf ein, wobei die Mitteilung, der Kaiser habe sie von ihrem Eid entbunden, eine wichtige Rolle gespielt haben dürfte. Die Ansätze für eine Militärreform wurden jedoch, wie Wolfram Wette schrieb, von Noske im Keim erstickt.&amp;lt;ref&amp;gt;Wolfram Wette: Als bei der Torpedo-Division der erste Soldatenrat gebildet wurde. In: Frankfurter Rundschau, 12. Dezember 1988.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Niedergang der Rätebewegung in Kiel ==&lt;br /&gt;
In Kiel begann dieses „Ersticken“ einer möglichen Militärreform damit, dass Noske den Räten gegenüber die Kompetenz der Seeoffiziere, besonders mit Blick auf die Überführung der Flotte nach England, als unverzichtbar darstellte. Kuhl schrieb, dies sei in der neueren Literatur ohne nähere Diskussion akzeptiert worden, aber ein genauerer Blick auf die Aufgaben der verschiedenen Dienstränge zeige, dass Deckoffiziere, Unteroffiziere und Mannschaften ohne größere Probleme in der Lage gewesen wären, ein Schiff zu manövrieren; Steuerleute, Navigationsoffiziere, Maschineningenieure, Funkentelegrafiemeister etc. konnten in ihren Bereichen selbstständig handeln. Die Seeoffiziere waren hauptsächlich dazu da, ein Schiff in der Schlacht zu befehligen. Für andere Aufgaben waren sie nicht unbedingt notwendig. Allerdings war ihre Autorität wichtig für die einigermaßen reibungslose Abfolge aller Arbeiten an Bord und an Land. Diese Autorität aber war stark erschüttert. Eine Auswahl nach demokratischen und republikanischen Kriterien wäre möglich gewesen. Ein entstehender Gruppendruck hätte dann eventuell auch eine Reihe der ehemals kaiserlichen Seeoffiziere zum Einlenken bewegen können. Immerhin war nach der Wahrnehmung des Stabschefs der Marinestation, Küsel, noch Mitte November 1918 „die Stimmung, was das jüngere Seeoffizierkorps anbetrifft, ganz links gerichtet“.&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhl, Überheblichkeit, S. 186.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dies wird auch bestätigt von Admiral Gustav Bachmann, dem Vorgänger Souchons als Gouverneur und Chef der Marinestation, der den Kapitänleutnant Thorwald v. Bothmer als einen der radikalsten bezeichnete („… pries die Republik, machte die Monarchie herunter …“).&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Klaus Franken (Hg.): &#039;&#039;Admiral Gustav Bachmann: Lebenserinnerungen und Tagebuch 1915.&#039;&#039; Paderborn 2022 (Schriften zur Marinegeschichte Band 3), S. 911 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Unter dem Einfluss des Korvettenkapitäns Wilfried von Loewenfeld (s.&amp;amp;nbsp;u.) schlug dies aber schnell wieder um.&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhl, Garbe, S. 38 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zuge der kurz nach dem Umsturz einsetzenden Demobilisierung wuchs der Einfluss der zurückbleibenden Berufssoldaten und hier besonders derjenige der Deckoffiziere. Diese hatten durchaus einen wichtigen Anteil an der erfolgreichen Durchsetzung des Aufstands, denn die standen in deutlicher Opposition zu den Seeoffizieren, von denen sie ebenfalls, wie die Mannschaften, als gesellschaftlich inakzeptable Parias behandelt wurden.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Holger H. Herwig: &#039;&#039;Das Elitekorps des Kaisers. Die Marineoffiziere im Wilhelminischen Deutschland.&#039;&#039; Hamburg 1977, S. 86.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Deckoffizierbund erkannte die neuen Verhältnisse an und erteilte Bestrebungen, diese zurückzudrehen, eine Absage. Die Seeoffiziere müssten dies ebenfalls anerkennen und es müsse eine Auswahl geben, um reaktionäre Absichten von Seiten der Offiziere auszuschließen. Allerdings wurde nicht erkennbar, welche Mechanismen und Garantien der Bund für eine effektive Auswahl anstrebte.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Klaus Kuhl: &#039;&#039;Analyse und Edition von: Paul Kässner, Oberdeckoffizier a. D.: Zur Geschichte der Deckoffizierbewegung, des Deckoffizierbundes und des Bundes der Deckoffiziere.&#039;&#039; Kiel 2022, 6 f. und 22. Online zugänglich (aufgerufen am 4. September 2024) unter: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Kuhl_analyse-edition-kaessner-deckoffizierbewegung_2022.pdf].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei: Kieler_Matrosenaufstand_(Kiel_68.297).jpg|mini|Das Foto zeigt eine Demonstration von Deck- und Unteroffizieren am 22. Dezember 1918 gegen den Beschluss des Reichsrätekongresses und für die Beibehaltung der Rangabzeichen. Dies kennzeichnet den gestiegenen Einfluss der Deckoffiziere.]] Ein Großteil der Deckoffiziere erwies sich auch später im Kapp-Putsch als Stütze der Weimarer Republik, sie hatten jedoch deutliche Vorbehalte gegenüber den Soldatenräten, vermutlich weil sie deren totalen Umsturz der militärischen Hierarchien ablehnten. Die Deckoffiziere bekamen einen großen Einfluss in der Sicherheitswehr des Soldatenrats und auch im OSR selbst. Ihre Vorbehalte führten dann vermutlich auch dazu, dass Lothar Popp am 10. Dezember 1918 als Vorsitzender des OSR zurücktrat; zumindest behauptet dies Noske in seiner 1920 erschienen und stark von Rechtfertigungen geprägten Schrift „Von Kiel bis Kapp“.&amp;lt;ref&amp;gt;Noske, Kiel bis Kapp, S. 52.&amp;lt;/ref&amp;gt; Popp selbst gab später an, er habe nach der Entscheidung für die Nationalversammlung keinen Sinn mehr in seiner Arbeit für den OSR gesehen. Allerdings fiel diese Entscheidung erst später auf der Reichsrätekonferenz 16.–21. Dezember 1918,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Auf dem ersten Reichsrätekongress wurde Kiel durch die folgenden Delegierten vertreten: Gustav Garbe und Peter Hillbrecht für den Arbeiterrat (Kurt Kaulfers, USPD und Bevollmächtigter des DMV Kiel, fiel bei der Mandatsprüfung durch), sowie Max Hartig und Robert Pfaff für den Soldatenrat. Alle bis auf Kaulfers gehörten der SPD an. Vgl. Dieter Braeg und Ralf Hoffrogge (Hrsg.): &#039;&#039;Allgemeiner Kongress der Arbeiter- und Soldatenräte Deutschlands. 16.–20. Dezember 1918 Berlin – Stenografische Berichte, Neuausgabe zum 100. Jahrestag&#039;&#039;. Berlin 2018, S. 561–602. Vgl. auch Roß, Reichsrätekongresse.&amp;lt;/ref&amp;gt; was eher Noskes Darstellung unterstützen würde. Es wäre aber auch denkbar, dass Popps Rücktritt bereits davon bestimmt war, dass keine USPD-Mitglieder aus Kiel zum Reichsrätekongress delegiert wurden. Karl Artelt übernahm nun den Vorsitz des inzwischen auf 14 Mitglieder erweiterten Gremiums, Stellvertreter wurde Robert Pfaff, Schriftführer wurde der Signalmeister und Deckoffizier Franz Riefstahl (SPD). Popp wurde nur noch als politischer Berater des Gremiums aufgeführt. Zum damaligen Zeitpunkt gehörten dem OSR, neben den Genannten, noch die folgenden Personen an: Rudolf Rannow, Erich Thümmel, Schmidtke, Max Hartig, Gräfenstein (auch Grävenstein), Rath, Klaus, Eggers, Rudolph, Widmaier (auch Widmeier) und Feill (insgesamt 14).&amp;lt;ref&amp;gt;Anonym: Sitzung des obersten Soldatenrates. In: Republik, 11. Dezember 1918.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Hartig und Thümmel wurden bereits oben beschrieben, Riefstahl und Rannow werden weiter unten als Vorsitzende des OSR beschrieben, zu den anderen Personen ist bisher nichts weiter bekannt.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die provisorische Regierung Schleswig-Holsteins hatte zunächst der Kieler Arbeiterrat übernommen. Auf einer Konferenz am 12. Dezember 1918 in Neumünster wurden nun auch die anderen Räte in der Provinz einbezogen. Die Konferenz wurde von Garbe eröffnet und zusammen mit Richter aus Neumünster und Schlüter aus Flensburg geleitet. Es herrschte Einigkeit darüber, dass in „nächster Zukunft […] Räterat und National-Versammlung nebeneinander bestehen bleiben und zusammen arbeiten [müssen].“&amp;lt;ref&amp;gt;Einleitendes Referat des Beigeordneten der Regierung in Schleswig Eduard Adlers auf der Konferenz. Protokoll der Konferenz der Arbeiter- und Soldatenräte Neumünster am 12. Dezember 1918. Manuskript. Archiv des Zentralrats der Deutschen Sozialistischen Republik; Sign. B-58. Online zugänglich (aufgerufen am 9. Januar 2023) unter: [https://search.iisg.amsterdam/Record/ARCH01676].&amp;lt;/ref&amp;gt; Die provisorische Regierung setzte sich nun aus Vertretern der Räte verschiedener Regionen zusammen. Sie bezeichnete sich später als „Volksrat“.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Kuhl, Garbe, S. 34.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 27. Dezember 1918, mit Beginn der Unruhen in Berlin, kehrte Noske dorthin zurück und übernahm im Rat der Volksbeauftragten, nach dem Rücktritt der USPD-Beauftragten, den Bereich „Heer und Marine“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit verstärkte sich der schleichende und im Laufe der Entwicklung immer offenere Prozess, in dem Noske – inzwischen Reichswehrminister – die Soldatenräte im Juni 1919 schließlich abschaffen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wichtige Stationen waren dabei:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Verkleinerung des 53er-Ausschusses, dem Zentralrat der Marine im Berliner Reichsmarineamt,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Dem Rat gehörten die folgenden Kieler Personen an: Bock, Hohmann, Klenke, Lebeck, Manschke, Rösler, Stock, Block und Schumann; vgl. Kriegsakten betreff Revolution 1918 und Märzwirren 1920. BArch RM 8/1013, Bl. 73 f. Im Mai 1919 wurde auch ein Verbandssoldatenrat, in dem die Soldatenräte sich überregional organisiert hatten, der aber offensichtlich keinen größere Bedeutung erlangt hat, erwähnt; vgl. Akten des Reichsmarineamts betreffend Arbeiter und Soldatenrat, Juni 1919–März 1922. BArch RM 20/13 Bl. 27.&amp;lt;/ref&amp;gt; auf sechs Personen. Der Rat wollte die neue Marine auf Völkerverständigung und eine reine Verteidigung festlegen. Dies stieß jedoch bei den weiter nach „Weltgeltung“ strebenden „Tirpitzianern“, zu denen die vorgesehenen Führer der Marine (insbesondere v. Trotha)&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Konteradmiral Adolf von Trotha (1868–1940), ab März 1919 Chef der Admiralität, im Oktober 1919 zum Vizeadmiral befördert, unterstützte den Kapp-Putsch und wurde später Propagandist für die NSDAP.&amp;lt;/ref&amp;gt; gehörten, sowie auch bei Noske selbst, auf großen Widerstand. Aufgrund von Noskes Kritik, der auf dem Reichsrätekongress eine Verschleppung von Entscheidungen bemängelte, wurde der Rat auf sechs Mitglieder verkleinert und damit in seinen Wirkungsmöglichkeiten (bei einem Amt mit etwa 1000 Beschäftigten) stark eingeschränkt. Der stellvertretende Vorsitzende des Kieler OSR, Robert Pfaff (SPD), der auch am Reichsrätekongress teilnahm, unterstützte Noske bei seinem Vorgehen. Wette vermutet, dass Noskes Beanstandungen eher auf die inzwischen USPD-nahe Programmatik des 53er Rats zurückgingen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Wette, Noske, S. 272–280.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Der Aufbau der 1. Marine-Brigade (inoffizielle Bezeichnung: Eiserne Brigade oder Eiserne Division) durch die Deckoffiziere auf Anforderung Noskes Anfang Januar 1919. Im OSR argumentierten die Deckoffiziere damit, dass die Truppe für die Grenzsicherung im Osten gebraucht würde. Sie wurde dann aber bei den Kämpfen in Berlin und danach auch in weiteren Städten, u.&amp;amp;nbsp;a. in Bremen eingesetzt. Dies führte am 6. Januar 1919 zum Rückzug Karl Artelts aus dem OSR. Den Vorsitz übernahm zunächst Max Hartig für 10 Tage dann der Signalmeister und Deckoffizier Franz Riefstahl,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Über Riefstahl ist ebenfalls nur wenig bekannt, obwohl er neben Popp und Artelt eine besonders wichtige Rolle in der Soldatenratsbewegung spielte: Riefstahl war zunächst wohl die zentrale Figur in dem nur bis zum 3. Dezember 1918 existierenden Generalobmannbüro. Neben Riefstahl waren hier noch der Oberheizer Klaus, der Ubootsmaschinistenmaat Tscharutke, der Schreiber Au und der Oberschreiber Rothenbacher tätig. Das Büro wurde parallel zum OSR eingerichtet und diente den Obmännern, wie die von den einzelnen Soldatenräten in den Großen Soldatenrat entsandten Delegierten genannt wurden, als Ansprechstelle. Mit Riefstahls Wahl in den OSR wurde es offenbar aufgelöst. Vgl. Dähnhardt, Revolution, S. 131. Riefstahl gehörte dem OSR von Anfang Dezember 1918 bis Ende März 1919 ununterbrochen an, und war mit 2 ½ Monaten der am längsten auf diesem Posten dienende Vorsitzende. Obwohl Riefstahl der SPD angehörte und deutlich moderater war  als Popp und Artelt, verfolgten ihn die Seeoffiziere mit großem Hass. So bezeichnete v. Loewenfeld ihn als „widerlichen, aufgeblasenen roten Gesellen und Offiziershasser“. Der Stabschef Konteradmiral Küsel schrieb über ihn, er habe sich dann besonders hervorgetan, wenn es galt die Seeoffiziere zu bekämpfen. Riefstahl war später Amtmann in Berlin und wird im „Vorwärts“ vom 15. Oktober 1919 (S. 4) unter den „Groß-Berliner Parteinachrichten“ erwähnt. In einer Versammlung für „Sozialdemokratische Beamte, Angestellte und Hülfskräfte der Gemeindebehörden Groß-Berlins“ referierte Riefstahl über „Revolution und Beamtenschaft.“ Das preußische Innenministerium unter Göring ließ 1934 Erkundigungen über Riefstahl einziehen, um ihn aus dem Beamtendienst zu entfernen. Dabei übermittelte Küsel die genannte Denunziation. Wette vermutet, dies habe ausgereicht, um den Stadtamtmann Riefstahl aus dem Beamtendienst zu entfernen. Vgl. Wette, Noske, S. 261 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; während Hartig sein Stellvertreter wurde. Hartig schied am 7. Februar aus, auf ihn folgte Bublat als Stellvertreter.&amp;lt;ref&amp;gt;Klaus Kuhl: &#039;&#039;Die Kieler Eiserne Division – ein besonderer Fall in der militärischen Landschaft der Weimarer Republik.&#039;&#039; In: Rolf Fischer (Hrsg.): Brennpunkte 1918. Orte der Revolution in Schleswig-Holstein. Kiel 2023, S. 113–132.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Neuordnung der Kommandogewalt. Diese hatte bisher weitgehend in den Händen der Soldatenräte gelegen. Gegen einen bekannt gewordenen Entwurf legte der Kieler OSR Protest ein. Dieser Protest wurde auch am 1. Februar 1919 von der Kieler SPD-Zeitung unterstützt. Man sah in Noskes Planungen den Versuch, die Zustände vor der Revolution wieder einzuführen.&amp;lt;ref&amp;gt;Anonym: Neuregelung der Kommandogewalt. In: SHVZ, 1. Februar 1919, S. 1.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Entwurf war Mitte Januar vom neuen Kriegsminister Oberst Walther Reinhardt vorgelegt, vom Zentralrat der Deutschen Sozialistischen Republik&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Ein vom Reichsrätekongress im Dezember 1918 eingerichtetes Gremium zur Überwachung und zur Kontrolle des Rats der Volksbeauftragten.&amp;lt;/ref&amp;gt; geringfügig geändert und dann von der Regierung angenommen worden. Das Verordnungswerk wurde am 19. Januar verabschiedet, gab die Kommandogewalt zurück an die Offiziere und schränkte die Befugnisse der Soldatenräte stark ein. Fronttruppen und Freikorps waren ausgenommen, dort hatten Soldatenräte sowieso einen schweren Stand oder wurden gar nicht geduldet.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Wette, Noske, S. 333–339.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Rahmen verschiedentlicher Proteste der Kieler Räte bei Noske fühlten sich die Delegationsmitglieder Riefstahl, Klaus, Rannow und Thümmel von Noske „wie Handwerksburschen“ behandelt.&amp;lt;ref&amp;gt;Wette, Noske, S. 260.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Der große Protest der Kieler Arbeiterschaft gegen Noskes kompromissloses militärisches Vorgehen gegen die Bremer Räterepublik Anfang Februar 1919; aufgrund der begeleitenden militanten Aktionen der KPD auch als Kieler „Spartakus-Putsch“ bezeichnet. Im Verlauf der bewaffneten Auseinandersetzungen erlaubte Noske dann die Aufstellung der 3. Marine-Brigade durch Wilfried von Loewenfeld, die dann die Sicherheitstruppe des Soldatenrats dominierte.&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhl, Garbe, S. 47 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Am 25. Februar erfolgte dann eine Neuwahl des OSR und der erneut zum Vorsitzenden gewählte Riefstahl verkleinerte den bereits auf 12 Mitglieder reduzierten OSR auf nunmehr neun Personen. Dabei handelte es sich neben Riefstahl um Bublat (Stellvertreter), Schlüter (Schriftführer), Klaus, Rannow, Rath, Widmaier, Thümmel und Dräger.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Rackwitz, Kiel 1918, S. 183; sowie Anonym: Neuwahl des Obersten Soldatenrates. In: Kieler Zeitung vom 1. März 1919, Morgenausgabe.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Einsetzung eines Seeoffiziers als Stationschef wurde von Noske gegen den Widerstand von OSR und Arbeiterrat nach verschiedenen Anläufen durchgesetzt. Dabei verlor Garbe als Noskes Nachfolger auf dem Posten des Kieler Gouverneurs seine militärische Befehlsgewalt und wurde zum „Zivilgouverneur“ herabgestuft. Der OSR wurde nun nur noch als Stationssoldatenrat bezeichnet. Am 10. März 1919 wurde Konteradmiral Meurer als Stationschef eingesetzt. Wenig später verlor Garbe auch seinen Titel als Zivilgouverneur. Am 31. März 1919 schieden Riefstahl, Klaus, Bublat und Thümmel aus dem OSR/Stationssoldatenrat aus. Neuer Vorsitzender wurde der Oberfeuerwerkermaat Rudolf Rannow (SPD),&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Rannow, geb. 25. Januar 1887 in Oramburg (Pommern), wird in dem Bericht des Kapitänleutnants Peter Köhler am 7. November 1918 als Obmann des Soldatenrats erwähnt; Köhler: Revolutionsereignisse, S. 14. Rannow war im April 1919 Delegierter für den 2. Reichsrätekongress, wo er den Wahlbezirk Ostseestation vertrat. Er organisierte im April 1919 den Zusammenschluss von Berufssoldaten, die sich zur SPD bekannten (im Hinblick auf eine zu gründende republikanische Volkswehr), beteiligte sich an der Abwehr des Kapp-Putsches in Kiel und wurde Kommandeur der gegen den Putsch aufgebauten Arbeiterwehr. In der Personalamtsakte „Wahlen von Stadträten und Bürgermeistern“ im Stadtarchiv Kiel (Sign. 31980) wird er ab 1920 als Stadtsekretär geführt. Im Jahr 1926 meldete er sich nach Lägerdorf ab. Vgl. Wette, Noske, S. 260 und 865; Roß, Reichsrätekongresse, S. 202; Dähnhardt/Granier, Kapp-Putsch in Kiel, S. 110 ff.; BArch 8/1022, Bl. 61 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt; sein Stellvertreter wurde der Feldwebel Paul Dräger.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Dräger war 1920 Führer im Reichswirtschaftsverband deutscher derzeitiger und ehemaliger Berufssoldaten (RdB, Vorläufer des Deutschen Bundeswehr Verbands) in Kiel. Er spielte eine aktive Rolle bei der Niederschlagung des Kapp-Putsches. Vgl. Dähnhardt/Granier, Kapp-Putsch in Kiel, S. 41, 72, 140.&amp;lt;/ref&amp;gt; Außerdem gehörte nach wie vor der Feldwebel Schlüter&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Nachdem Marinewaffen heimlich auf das Gut des Prinzen Heinrich in Hemmelmark verbracht worden waren, wurden dort im April 1919 Durchsuchungen vorgenommen, an denen Schlüter (stellvertretend für Rath) vom OSR, und Otto Eggerstedt vom Volksrat beteiligt waren. Es wurden 30 Gewehre mit Munition gefunden, die Heinrich von einem Seeoffizier geliefert worden waren. Bald darauf beschwerte sich der neue Stationschef Meurer in Berlin bei v. Trotha, dass der Soldatenrat wiederum gegen Vorschriften verstoßen habe, als er sich nach diesen Vorfällen bei weiteren Hausdurchsuchungen des Volksrats in Kitzeberg (Villenviertel auf dem Ostufer der Kieler Förde) beteiligte. Nach Aussagen des Stationssoldatenrats hatte Meurer die Beschwerde auf Anweisung Noskes verfasst. Vgl. Akten des Reichsmarineamts betreffend Arbeiter und Soldatenrat, Juni 1919–März 1922. BArch RM 20/13 Bl. 30–47.&amp;lt;/ref&amp;gt; dem Rat an. Am 12. Mai 1919 wurde das Mitglied im Stationsssoldatenrat, Rath, durch den Feldwebel und Marinefeuerwerker Adolf Schmalix&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Schmalix (1890–1956) gehörte zur 1. Marine-Division und beteiligte sich am Aufbau des Reichswirtschaftsverbands derzeitiger und ehemaliger Berufssoldaten und des Republikanischen Führerbunds. Er engagierte sich im Kampf gegen den Kapp-Putsch, setzte sich dabei für die Bewaffnung der Arbeiterschaft ein und wurde für mehrere Tage verhaftet. Zu einem von ihm zu verantwortenden Unterschlagungsfall in seiner Abteilung erklärte er, „infolge seines Kampfes mit den höchsten Behörden“ sei es ihm nicht möglich gewesen, den Fall zur Anzeige zu bringen. Er verließ Kiel, entwickelte sich zum „völkisch-antisemitischen Extremnationalisten“ und beteiligte sich am Hitler-Putsch. Ab 1924 lebte er in Erfurt, wo er Schriftleiter und Herausgeber des Wochenblattes &amp;quot;Echo Germania&amp;quot; wurde. In dem Blatt pöbelte er gegen prominente Bürger, mit Vorliebe gegen Juden, Ausländer oder Demokraten, denen er dann anbot, sich freizukaufen, um weiteren Schmähungen zu entgehen. Im Frühjahr 1928 rief er den &amp;quot;Großdeutschen Freiheitsbund&amp;quot; ins Leben, dessen Programm aus einem Sammelsurium gängiger nationalistisch-völkischer Ansichten und Feindbilder bestand. Bei der Kommunalwahl in Erfurt errang er in einer reichsweiten Sensation 10 von 52 Mandaten. Später trat der der NSDAP bei. Nach dem Zweiten Weltkrieg saß Schmalix noch 1956 im Kreistag im Landkreis Roding (Oberpfalz). Vgl. Dähnhardt/Granier, Kapp-Putsch in Kiel, S. 24 f. und 41; Anonym: Ein rehabilitierter Berufssoldat. In: Republik, 26. März 1920; Steffen Raßloff: &#039;&#039;Erfurt begeht moralischen Selbstmord. Adolf Schmalix und die Großdeutsche Freiheitsbewegung.&#039;&#039; In: Stadt und Geschichte. Zeitschrift für Erfurt. 13 (2001). S 28 f. Online zugänglich (aufgerufen am 25. Septrember 2024) unter: [http://www.erfurt-web.de/Adolf_Schmalix].&amp;lt;/ref&amp;gt; ersetzt. Zu diesem Zeitpunkt gehörten dem Rat neben den genannten Rannow, Dräger, Schmalix und Schlüter noch Widmaier und Arnold (Minensuchflottille) an.&amp;lt;ref&amp;gt;Station O: Akta betr. XI a (Soldatenrat). BArch RM 31/2375 Bl. 22.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits einige Tage vorher, am 6. März 1919, war das Gesetz über die vorläufige Reichswehr verkündet worden. Es war unter Führung des Kriegsministers von Offizieren erarbeitet worden. In der parlamentarischen Debatte machte Noske deutlich, dass sozialdemokratische Vorstellungen zurzeit zurückgestellt werden müssten, um Deutschland wieder wehrhaft zu machen. Mit dem verabschiedeten Gesetz wurden die Freikorps sanktioniert, republikanische Verbände und Soldatenräte wurden abgeschafft.&amp;lt;ref&amp;gt;Wette, Noske, S. 358–368.&amp;lt;/ref&amp;gt; Am 5. Juni 1919 wurde auch der Kieler Soldatenrat abgeschafft. Es gab jetzt nur noch Vertrauensleute mit Beschwerderechten, die ohne gesetzliche Fixierung lediglich gemäß Marine-Verordnungsblatt MVBl 17, S. 208 und 209 zu wählen waren.&amp;lt;ref&amp;gt;Wette, Noske, S. 368.&amp;lt;/ref&amp;gt; Schmalix und Widmaier werden noch im September 1919 als Vertrauensleute erwähnt, wobei sie sich über die ständig weiter eingeengte Bewegungsfreiheit beschweren.&amp;lt;ref&amp;gt;Akte Reichsmarineamt Juni 1919–März 1922. BArch RM 20/13 Bl. 129 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein weiterer Vertrauensmann war der, als bewährter Deckoffizier von Noske zum Leutnant zur See beförderte, Carl von Seydlitz. Seydlitz wurde nach dem Kapp-Putsch kurzzeitig Stationschef in Kiel, weil die Seeoffiziere wegen Putschbeteiligung suspendiert worden waren oder aus Solidarität den Dienst verlassen hatten.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Klaus Kuhl: &#039;&#039;Leutnant zur See Carl von Seydlitz. Der Kampf für die Demokratisierung der Reichsmarine.&#039;&#039; In: Rolf Fischer (Hrsg.): Sehnsucht nach Demokratie. Neue Aspekte der Kieler Revolution 1918. Kiel 2020, S. 23-35.&amp;lt;/ref&amp;gt; Demokratisch und republikanisch orientierte Soldaten und Offiziere wurden jetzt langsam aber stetig aus dem Militär gedrängt.&amp;lt;ref&amp;gt;Wette, Noske, S. 560, 697.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch Seydlitz gab 1923 auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Räteidee lebte aber im zivilen Bereich weiter. Garbe hatte den Vorsitz im Arbeiterrat mit seiner Ernennung zum Gouverneur abgegeben. Nachfolger wurde Peter Hillbrecht (SPD), zweiter oder gleichberechtigter Vorsitzender J. Claßen (auch Classen geschrieben) von der USPD. Der Rat gab seinen Anspruch, als provisorische Regierung der Provinz Schleswig-Holstein zu fungieren, an den neu gebildeten Volksrat ab. Diesem gehörten auch Vertreter anderer Räte aus Schleswig-Holstein sowie kurzzeitig ein Mitglied des OSR an.&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhl, Garbe, S. 48 f. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während der Soldatenrat als wichtigstes Ziel eine Demokratisierung des Militärs verfolgte, stand bei dem Arbeiterrat die Demokratisierung der Wirtschaft im Zentrum. Besonders die Führer der Werften gehörten meist der rechtsradikalen Deutschen Vaterlandspartei an. Sie besaßen einen großen politischen Einfluss. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitte März wurden Neuwahlen zu den Arbeiterräten durchgeführt. Die Parität mit der USPD wurde aufgegeben, damit konnte diese nur noch eine marginale Rolle in den Räten spielen. Die Beteiligung an den Wahlen war gering, was zu einem weiteren Bedeutungsverlust führte. Im neu konstituierten Arbeiterrat wurden Peter Hillbrecht zum ersten und Otto Eggerstedt&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Eggerstedt (1886–1933 im KZ Esterwegen ermordet) erlernte den Beruf des Bäckers und war Soldat im Ersten Weltkrieg. Er berichtete, wie er dazu beitrug, dass sich auf dem Rückmarsch von der Front Soldatenräte bildeten (Otto Eggerstedt: Die Revolution im Felde! In: SHVZ, 5. November 1919). Zurück in Kiel engagierte Eggerstedt sich stark bei Versuchen eine demokratische Einwohnerwehr aufzubauen und war während des Kapp-Putsches an führender Stelle am Aufbau der Arbeiterwehr beteiligt. Ab Juli 1919 war er Parteisekretär der SPD in Kiel und von 1919 bis 1924 Stadtverordneter von Kiel. Im März 1921 rückte er für Albert Billian in den Reichstag nach, dem er durchgehend bis 1933 angehörter. Ab 1927 war er in der preußischen Verwaltung tätig, ab April 1928 als Regierungsrat und Leiter des Polizeiamtes Wandsbek. Ab 1929 wurde er, das erste halbe Jahr kommissarisch, Polizeipräsident von Altona-Wandsbek mit Sitz in Altona. In seine Dienstzeit fiel der so genannte Altonaer Blutsonntag, der als Anlass für die Beseitigung der sozialdemokratischen preußischen Regierung, eines der letzten Bollwerke gegen die Machtübernahme durch die Nazis, herhalten musste. Vgl. Autoren der SPD-Geschichtswerkstatt: Otto Eggerstedt. Online zugänglich (aufgerufen am 25. September 2024) unter: [https://www.spd-geschichtswerkstatt.de/wiki/Otto_Eggerstedt].&amp;lt;/ref&amp;gt; zum zweiten Vorsitzenden gewählt. Weitere Mitglieder waren der Redakteur der SHVZ Bernhard Rausch und J. Classen (oder Claßen) für die USPD. Als Aufgaben des Rats wurde benannt: Den Räten sollte nicht die ganze politische Macht übertragen werden, sondern sie sollten „die denkbar wichtigsten wirtschaftlichen Aufgaben“ erhalten: die „Mitleitung der Fabrikbetriebe und die Sozialisierung“. Sie sollten politisch fortwirken, solange der Beamtenkörper nicht hinreichend demokratisch erneuert sei.&amp;lt;ref&amp;gt;Anonym: Der Kieler Arbeiterrat. In: SHVZ, 24. März 1919.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich musste der Arbeiterrat im September seine Arbeit einstellen, weil keine Gelder mehr bewilligt wurden. Im Zuge des reformierten – nunmehr demokratischen – Wahlrechts waren jedoch viele seiner Mitglieder und Beigeordneten in die entsprechenden Gremien gewählt worden und konnten so – anders als bei den Soldatenräten – weiter Einfluss ausüben. Für Garbe war diese Entwicklung folgerichtig. Er sagte in seiner Wahlkampfrede anlässlich seiner Kandidatur für die Kommunalwahl Anfang März in Kiel: „Ich bin kein großer Freund der Arbeiterräte, deren Zeit bald vorbei sein dürfte. […] Die Räte sollen im Rathaus sitzen. […] wo sie besser arbeiten können wie heute als Beiräte.“&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhl, Garbe, S. 49 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Räteidee war auch von der Nationalversammlung aufgenommen worden, insbesondere, um der in der Arbeiterbewegung weit verbreiteten, immer wieder vorgetragenen Forderung nach Sozialisierung und Demokratisierung der Wirtschaft entgegenzukommen. Eine Kombination von Parlamentarismus und Rätesystem war also durchaus denkbar.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. dazu Peter von Oertzen: &#039;&#039;Betriebsräte in der Novemberrevolution. Eine politikwissenschaftliche Untersuchung über Ideengehalt und Struktur der betrieblichen und wirtschaftlichen Arbeiterräte in der deutschen Revolution 1918/19.&#039;&#039; Düsseldorf 1963 (Beiträge zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien, Band 25), S. 57–67.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Gespräch waren etwa Wirtschaftsräte, doch erst 1930 wurde ein Entwurf für die Ausgestaltung des Reichswirtschaftsrats vorgelegt, der jedoch zu der Zeit keine Aussichten mehr auf Umsetzung hatte und nicht die notwendige Zweidrittelmehrheit erhielt. Übrig blieben schließlich nur noch die Betriebsräte. Im Februar 1920 wurde das Betriebsrätegesetz verabschiedet, das allerdings die Mitwirkungsmöglichkeiten nach ursprünglichen Forderungen einer weitgehenden Kontrollfunktion  nur noch auf soziale Belange beschränkte. Garbe, der vermutlich hinter der Aussage in der SHVZ stand, dass man den Arbeiterräten die „Mitleitung der Fabrikbetriebe“ übertragen wollte, äußerte sich in seinem Bericht im Jahr 1920 entsprechend enttäuscht über das Betriebsrätegesetz.&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhl, Garbe, S. 50.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
Damit war die Rätebewegung in Kiel, die die politische Demokratie erkämpft hatte, mit ihren weitergehenden Vorstellungen einer Demokratisierung von Militär und Wirtschaft gescheitert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellen und Literatur ==&lt;br /&gt;
* Lothar Popp, Karl Artelt: &#039;&#039;Ursprung und Entwicklung der November-Revolution 1918. Wie die deutsche Republik entstand.&#039;&#039; Kiel 1918. Reprint als Sonderveröffentlichung der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Band 15, S. III 1–30. Im Jahr 2020 leicht gekürzt und kommentiert veröffentlicht in: IG Metall Bezirksleitung Küste (Hrsg.): &#039;&#039;Matrosenaufstand und Novemberrevolution 1918.&#039;&#039; Hamburg 2020, S. 96–115, ISBN 978-3-96488-063-5.&lt;br /&gt;
* Gustav Noske: &#039;&#039;Von Kiel bis Kapp. Zur Geschichte der deutschen Revolution.&#039;&#039; Berlin 1920 ([https://portal.dnb.de/bookviewer/view/1131562372#page/n6/mode/1up Digitalisat]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Klaus Kuhl: &#039;&#039;Gustav Garbe – bedeutender Kieler Gewerkschaftsfunktionär, Vorsitzender des Kieler Arbeiterrats und zweimaliger Gouverneur. Mit Vorworten von Frank Hornschu, Geschäftsführer und Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes Kiel Region, und von Stephanie Schmoliner, 1. Bevollmächtigte der IG Metall Kiel-Neumünster.&#039;&#039; Kiel 2023.&lt;br /&gt;
* Martin Rackwitz: &#039;&#039;Kiel 1918. Revolution, Aufbruch zu Demokratie und Republik.&#039;&#039; Kiel 2018, ISBN 978-3-529-05174-6.&lt;br /&gt;
* Dirk Dähnhardt: &#039;&#039;Revolution in Kiel. Der Übergang vom Kaiserreich zur Weimarer Republik 1918/19.&#039;&#039; Karl Wachholtz, Neumünster 1978, ISBN 3-529-02636-0.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
* Wikipedia: Arbeiter- und Soldatenrat [https://de.wikipedia.org/wiki/Arbeiter-_und_Soldatenrat].&lt;br /&gt;
* [[Zeitzeugen_Matrosen%E2%80%93_und_Arbeiteraufstand_1918/1919|Zeitzeugen]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references group=&amp;quot;A&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:1911-1920]] [[Kategorie:Erster Weltkrieg]] [[Kategorie:Kieler Arbeiter- und Matrosenaufstand]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Klaus Kuhl</name></author>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Klaus Kuhl: Klaus Kuhl lud eine neue Version von Datei:Kuhl streitgespraech-m-l-popp 1978 plus-weitere-interv-u-gespraeche.pdf hoch&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Die Seite [[Zeitzeugen Matrosen– und Arbeiteraufstand 1918/1919]] verwendet die Datei.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Klaus Kuhl</name></author>
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		<title>Kieler Arbeiter- und Soldatenräte</title>
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		<updated>2025-10-01T11:47:19Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Klaus Kuhl: /* Im November 1918 übernehmen die Räte die Kontrolle */ Büro des OSR&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Obwohl der Begriff &#039;&#039;&#039;Arbeiter- und Soldatenrat&#039;&#039;&#039; auch in Kiel benutzt wurde, gab es hier streng genommen keine gemeinsame Räteorganisation der Arbeiterschaft und der Soldaten. Im Folgenden wird die Entwicklung der Kieler Räte beschrieben und – soweit bekannt – werden die Mitglieder vorgestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Arbeiterrat im Januar 1918 ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Lothar_popp_mid-1920s.jpg|thumb|Passfoto Lothar Popp, aufgenommen vermutlich Mitte der 1920er-Jahre, Hamburger Staasarchiv.]] Ein erster Arbeiterrat wurde anlässlich der reichsweiten Januarstreiks 1918 gegründet, die in Kiel ihren Anfang nahmen und auf die österreichischen Jännerstreiks folgten. [[Zeitzeugen_Matrosen%E2%80%93_und_Arbeiteraufstand_1918/1919#Lothar_Popp|Lothar Popp]] (USPD) wurde per Akklamation auf dem [[Wilhelmplatz]] in einer Versammlung der Streikenden zum Vorsitzenden bestimmt. Ziel war es, die deutsche Oberste Heeresleitung daran zu hindern, von Russland, das aus dem Krieg ausschied, große territoriale und finanzielle Zugeständnisse zu erpressen. Die Streikenden sahen dadurch den Friedensschluss gefährdet. In Kiel wurde eine entsprechende Resolution verabschiedet, die an die deutsche Regierung geschickt wurde. Popp schrieb: „Wir hatten auf dem Wilhelmplatz zunächst einmal als Grundstock des Arbeiterrates 10 Kollegen der Germania-Werft gewählt, die übrigen Betriebe sollten (was nachher auch geschah), die weiteren Wahlen unter sich vornehmen. Uns leitete der Gedanke, daß der Arbeiterrat […] geeignet erscheine, die Interessen der Arbeiter zu vertreten, ohne durch den Parteienstreit in seiner Tätigkeit beengt zu sein.“&amp;lt;ref&amp;gt;Lothar Popp unter Mitarbeit von Karl Artelt: &#039;&#039;Ursprung und Entwicklung der November-Revolution 1918. Wie die deutsche Republik entstand.&#039;&#039; Kiel 1918 (Reprint als Sonderveröffentlichung der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Band 15), S. III 1–30, hier S. III 7. Im Jahr 2020 leicht gekürzt und kommentiert veröffentlicht in: IG Metall Bezirksleitung Küste (Hrsg.): &#039;&#039;Matrosenaufstand und Novemberrevolution 1918.&#039;&#039; Hamburg 2020, S. 96–115.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist unklar, ob die Organisation längerfristig existierte, weil Popp und zwei weitere USPD-Führer (Heinrich Strunk und Emil Theil) verhaftet und zu teils mehrjährigen Gefängnisstrafen verurteilt wurden. Popp musste zwei Monate in Neumünster einsitzen.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Es gibt nur einen weiteren Hinweis, dass diese Räte länger Bestand gehabt haben könnten: Julius Bredenbeck, damals 11 Jahre alt, aber durch Vater und Onkel bereits gut über die Arbeiterbewegung orientiert, sagte in einem 1989 geführten Interview: „In einzelnen Betrieben gab es schon Arbeiterräte, die sich selbst gebildet hatten, ohne Rechtsgrundlage, einfach aufgrund der Stärke der Organisation. Die zum Teil also auch mit sehr großem revolutionärem Pathos an die Arbeit gingen. In anderen Betrieben waren auch Arbeiterräte, die aber mehr daran interessiert waren, notwendige Dinge, Schwierigkeiten in der Versorgung mit Lebensmitteln usw. weitgehend mit zu steuern. Man kann nicht sagen, dass es eine einheitliche Stimmung gab. Das wurde anders als damals die Matrosen Befehlsverweigerung machten. […] Da war eine allgemeine Solidarität in der gesamte Kieler Arbeiterschaft feststellbar“. Popp selbst gibt in einem Interview mit Dirk Dähnhardt an, der erste Arbeiterrat habe sich aufgelöst (vgl. Klaus Kuhl: &#039;&#039;Lothar Popp – Führer des Kieler Matrosenaufstands 1918 im Streitgespräch mit einem 68er. Interviews mit Lothar Popp.&#039;&#039; Kiel/Hamburg 1970–1978, S. 42. Online zugänglich (aufgerufen am 26. September 2024) unter: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:kuhl_streitgespraech-m-l-popp_1978_plus-weitere-interv-u-gespraeche.pdf]). Eventuell liegt bei Bredenbeck eine Verwechselung mit den Arbeiterausschüssen nach dem Hilfsdienstgesetz vom Dezember 1916 vor.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Im November 1918 übernehmen die Räte die Kontrolle ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Artelt and comrades Kiel-Wik 1914.jpg|mini|Karl Artelt ganz links als Angehöriger der I. Werft-Division, (Ausschnittsvergrößerung rechts), gemeinsam mit Kameraden der I. Torpedo-Division in Kiel-Wik, September 1914]]&lt;br /&gt;
Im Verlauf des Kieler Matrosenaufstands entstand dann zuerst im Kasernengelände der Wik am 4. November 1918 ein Soldatenrat, zu dessen Vorsitzenden Oberheizer [[Zeitzeugen_Matrosen%E2%80%93_und_Arbeiteraufstand_1918/1919#Karl_Artelt|Karl Artelt]] (USPD) gewählt wurde. In der Popp/Artelt Broschüre heißt es dazu: „Nachdem Kamerad Artelt und T[h]ümmel zur Wahl von Soldatenräten aufgefordert hatte, vollzog sich die Wahl kompagnieweise. Jede Kompagnie wählte vier Soldatenräte. […] Die erste Soldatenratssitzung in ganz Deutschland tagte im Speisesaal am Montag, den 4 November. Kamerad Artelt wurde als erster, Kamerad Ehle als zweiter Vorsitzender gewählt.“&amp;lt;ref&amp;gt;Popp/Artelt, Ursprung, S. III 16.&amp;lt;/ref&amp;gt; Als weitere Mitglieder konnten bisher festgestellt werden: [[Zeitzeugen_Matrosen%E2%80%93_und_Arbeiteraufstand_1918/1919#Fritz_Fischer|Matrose Fritz Fischer]], Heizer Schaaf – diese gehörten zur ersten Verhandlungsdelegation beim Gouverneur – und vermutlich noch Matrose Erich Thümmel&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;In der SHVZ Jahrgang 1957 (genaues Datum unbekannt) wurde ein Nachruf auf Thümmel veröffentlicht, nachdem dieser im Alter von 64 Jahren verstorben war. Dort heißt es u.&amp;amp;nbsp;a., dass beim Kieler Aufstand „…ein riesiger, schwarzhaariger Torpedobootmatrose mit buschigen Augenbrauen eine führende Rolle [spielte]. Oftmals stand er auf dem großen Kandelaber auf dem Wilhelmplatz und sprach zu den zahlreich versammelten. Schon bald bekam er den Spitznamen ‚Der rote Matrose’. … Bereits lange vor 1918 stand er im Vordergrund der revolutionären Bewegung und auch nach 1945 sah man ihn alljährlich bei der Kranzniederlegung an den Gräbern seiner gefallenen Kameraden der Revolution und des Abwehrkampfes gegen den Kapp-Putsch.“ Thümmel wurde Mitglied des Obersten Soldatenrats. Im Januar 1919 übte er vorsichtige Kritik am Verhalten der inzwischen von den Deckoffizieren dominierten Sicherheitstruppe des Soldatenrats gegenüber einer Arbeitslosenaktion vor und im Rathaus (vgl. OSR: Bekanntmachung. In: Republik, 17. Januar 1919). Im Jahr 1920 war er vermutlich bei der Sicherheitspolizei, wo er sich gegen den Kapp-Putsch engagierte (vgl. Bericht des Sipo-Leutnants Kemsies: Das Verhalten der Sicherheitspolizei Kiel gegenüber der Militärrevolte. 9. April 1920. LAS 301 4458. Online zugänglich (aufgerufen am 26. September 2024) unter: [http://www.kurkuhl.de/docs/sipo_kemsies_arbeiterwehr.pdf]). Von 1938 bis kurz vor seinem Tod war Thümmel Lagermeister des Hansa-Speichers der Schleswig-Holsteinischen landwirtschaftlichen Hauptgenossenschaft.&amp;lt;/ref&amp;gt;(SPD). Zu ihren Forderungen gehörte u.&amp;amp;nbsp;a.: Abdankung des Hohenzollernhauses und die Einführung des allgemeinen, gleichen und geheimen Wahlrechts für beide Geschlechter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kurz darauf entstanden in fast allen militärischen Einheiten ebenfalls Soldatenräte, ohne dass jedoch eine klare Struktur erkennbar gewesen wäre. Sie etablierten sich als direkte Machtorgane der Soldaten anstelle der Offiziere.&amp;lt;ref&amp;gt;Wolfram Wette: Interview von Klaus Kuhl und Kay Gerdes. Freiburg 2016. In: Klaus Kuhl und Kay Gerdes: Begleitheft für den Dokumentarfilm „In Kiel ist Revolution!“ Kiel 2018, S. 52–60, hier S. 54. Online zugänglich (aufgerufen am 31. August 2024) unter: [http://www.kurkuhl.de/docs/begleitheft_dokufilm-in-kiel-ist-revolution_gerdes-kuhl_2018.pdf].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur wenig später fanden sich Aktivisten der Soldaten im Gewerkschaftshaus zusammen und berieten über die weiteren Schritte. Dabei entstanden festere Gruppen, die sich insbesondere um eine Verteidigung der Stadt gegen von auswärts, zur Niederschlagung des Aufstands, entsandte Truppen kümmerten. So berichtete Popp, als er am frühen Morgen des 5. November von der Verhandlung beim Gouverneur ins Gewerkschaftshaus zurückkam, dass „… es schnell [gelang] eine gewisse Einteilung und ein bestimmtes Kommando zu schaffen. In einigen der Zimmer und Bureaus hatte sich der Soldatenrat niedergelassen, der unverzüglich seine Arbeit begann.“&amp;lt;ref&amp;gt;Popp/Artelt, Ursprung, S. III 19.&amp;lt;/ref&amp;gt; Es wurden Passierscheine ausgegeben, um die Bewegungsfreiheit der Offiziere einzuschränken. Flug-Obermaat Nikolaus Goßrau&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Goßrau entwickelte in den Folgetagen die ehrgeizige Idee, sich als rechte Hand Noskes über den Soldatenrat zu stellen. Er setzte sich damit zwischen alle Stühle und ließ sich am 14. November 1918 in ein Lazarett einweisen. Vgl. Klaus Kuhl: Die Ereignisse am 6. November 1918 in Kiel. Kiel 2010. Online zugänglich (aufgerufen am 14. September 2024) unter: [http://www.kurkuhl.de/docs/ereignisse_06-11-1918.pdf].&amp;lt;/ref&amp;gt; begann im Auftrag der Räte mit dem Aufbau eines zentral organisierten Sicherheitsdienstes.&amp;lt;ref&amp;gt;Martin Rackwitz: &#039;&#039;Kiel 1918. Revolution, Aufbruch zu Demokratie und Republik.&#039;&#039; Kiel 2018, S. 114.&amp;lt;/ref&amp;gt; In den Reihen dieser locker strukturierten Soldatenräte genoss Karl Artelt, wie Goßrau andeutet, eine besondere Autorität, weil er die Entwicklung im Militär maßgeblich und mutig vorangetrieben hatte.&amp;lt;ref&amp;gt;Flug-Obermaat Nikolaus Goßrau: Privatakten betr. Revolution 1918. BArch RM 8/1024, Bl. 22.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als weitere Mitglieder dieser frühen, sich im Gewerkschaftshaus zusammenfindenden Soldatenräte, nennt Goßrau sich selbst sowie die Kameraden Braune,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Auch Lothar Popp erwähnt Braune in späteren Interviews: In der entscheidenden Nacht hätten er und „ein gewisser Braune …, (der Braune lebt bei Kiel irgendwo)“ nachts im Stationsgebäude gesessen und Telefonanrufe beantwortet. „Da waren noch welche, wo ich geschwitzt habe dabei.“ Klaus Kuhl: Interviews mit Lothar Popp. Kiel/Hamburg 1970–1978, S. 20, 44 und 60. Online zugänglich (aufgerufen am 15. September 2024) unter: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:kuhl_streitgespraech-m-l-popp_1978_plus-weitere-interv-u-gespraeche.pdf PDF].&amp;lt;/ref&amp;gt; Starke, Hackmann, Falk (Hackmann und Falk konnten nach Aussagen Goßraus über die I., V. und XVII. Halbflottille verfügen), Oberheizer Ruffert,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;In den Popp-Interviews wird, ohne nähere Informationen, der Name Düffert mit Fragezeichen erwähnt. Eventuell handelt es sich hier um dieselbe Person. Vgl. Kuhl, Interviews Popp, S. 42.&amp;lt;/ref&amp;gt; Barghahn und den Matrosen Petersen (Theodor).&amp;lt;ref&amp;gt;Goßrau, Bericht, Bl. 22.&amp;lt;/ref&amp;gt; In einem Bericht des Kommandanten der &#039;&#039;Westfalen&#039;&#039;, Kapitän zur See Max Loesch, wird ein Obermaat Brandt erwähnt, der im Gewerkschaftshaus als Ansprechpartner für Schiffsbesatzungen fungiert habe.&amp;lt;ref&amp;gt;Max Loesch, Kapitän zur See: Vorgänge an Bord (Kiel). Handschriftlicher Bericht 4. und 5. November 1918. BArch RM 31/2373, Bl. 130–133.&amp;lt;/ref&amp;gt; In einem 1958 vermutlich auf Anforderung der SED erstellten Bericht, beschreibt der damalige Unteroffizier Paul Sahnwaldt, dass er dem Soldatenrat der Matrosen-Division angehört hätte.&amp;lt;ref&amp;gt;Paul Sahnwaldt: Der Matrosenaufstand in Kiel 1918. Typoskript 1957. Bundesarchiv, SAPMO, SgY 30/0797, S. 4–8.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Etwa zwei Stunden nach den Soldaten trafen sich auch die Obleute und Vertrauensleute der Betriebe in demselben Saal im Gewerkschaftshaus und beschlossen den Generalstreik zur Unterstützung der Bewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:14 Kieler Punkte.jpg|mini|Die 14 Kieler Punkte in der &#039;&#039;Schleswig-Holsteinischen Volkszeitung (SHVZ)&#039;&#039;]]&lt;br /&gt;
Um 22 Uhr fand eine nochmalige Beratung im Gewerkschaftshaus statt. Circa 40 Vertrauensleute verschiedener Schiffe und Formationen sowie sechs Arbeiter kamen zusammen und verabschiedeten schließlich die bekannten Kieler 14 Punkte, die vielen Räten in ganz Deutschland als Richtschnur dienten.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Popp/Artelt, Ursprung, S. III-21.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dänhardt sieht in der politischen Kurzsichtigkeit, die in diesem Katalog zum Ausdruck kommt, eine wesentliche Ursache, dass die Soldatenräte nach ca. sechs Monaten wieder abgeschafft werden konnten.&amp;lt;ref&amp;gt;Dirk Dähnhardt: &#039;&#039;Revolution in Kiel. Der Übergang vom Kaiserreich zur Weimarer Republik 1918/19.&#039;&#039; Neumünster 1978, S. 89–93.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:gustav_garbe.jpg|150px|mini|Foto Gustav Garbes aus dem Kieler Gewerkschaftshaus, aufgenommen vermutlich in den 1920er-Jahren.]] Am frühen Morgen des folgenden Tages (5. November 1918) bildete sich ein Arbeiterrat aus den Obleuten der Großbetriebe, vierzehn Vorstandsmitgliedern beider sozialdemokratischer Parteien und dem Vorsitzenden des Kieler Gewerkschaftskartells Garbe. Letzterer wurde zum Vorsitzenden gewählt.&amp;lt;ref&amp;gt;Popp/Artelt, Ursprung, S. III-21–23.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Untersuchungen Dirk Dähnhardts bestand der Arbeiterrat aus den folgenden Personen:&amp;lt;ref&amp;gt;Dirk Dähnhardt: Brief an Gundula. Freiburg, 18. Oktober 1975. Wissenschaftlicher Nachlass, StAK Sign. 65496. Die Charakterisierung als „Obleute“ wurde nicht von Dähnhardt vorgenommen, ergibt sich aber daraus, dass SPD und USPD nur jeweils sieben Personen entsandten. Bei der Feststellung der Parteizugehörigkeit wurde Dähnhardt von Gertrud Völcker und Heinrich Bohnsack unterstützt; vgl. Dähnhardt, Revolution, S. 92 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Obleute der Großbetriebe (15, von den meisten ist die Parteizugehörigkeit nicht bekannt, jedoch dürfte die Mehrheit der SPD zuzurechnen sein): Heinrich Bohnsack,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Bohnsack wurde 1893 geboren, war im Ersten Weltkrieg Soldat, war später DMV-Sekretär, kam während der Nazi-Zeit in das Vorläufer KZ Lichtenberg und emigrierte anschließend nach Schweden. Nach seiner Rückkehr war er 1950–1954 Bezirksleiter der IG-Metall Küste. Vgl. Thomas Pusch: &#039;&#039;Politisches Exil als Migrationsgeschichte. Schleswig-Holsteiner EmigrantInnen und das skandinavische Exil 1933–1960.&#039;&#039; Dissertation vorgelegt an der Universität Flensburg 2003. Online zugänglich (aufgerufen am 16. September 2024) unter: [https://www.zhb-flensburg.de/?id=16381].&amp;lt;/ref&amp;gt; Fiebig, Glup, Jatow, Kazda, Krause, Künzel, Küpel, Wilhelm Leopold,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Von 1920 bis 1933 Erster Bevollmächtigter des Kieler Metallarbeiterverbands (DMV).&amp;lt;/ref&amp;gt; Neumann, Rehle, Huß (SPD), Lintzel (SPD), Wiese (USPD), Eduard Wolke (SPD).&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Wolke stiftete später zusammen mit Karl Edler den Gedenkstein für die Revolutionsopfer auf dem Eichhof-Friedhof; vgl. Johannes Rosenplänter: &#039;&#039;Zur Entstehung der ‚Ruhestätte der Opfer der Revolution‘ auf dem Kieler Eichhoffriedhof 1918–1924. Ein Werk des Landschaftsarchitekten Leberecht Migge&#039;&#039;. In: Rolf Fischer (Hrsg.): Revolution und Revolutionsforschung – Beiträge aus dem Kieler Initiativkreis 1918/19. Kiel 2011, S. 101−110, hier S. 105.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Vorstandsmitglieder der SPD (7): Balleng, Beckmann, Bindemann, August Biskupek,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Autoren der SPD Geschichtswerkstatt: August Biskupek. SPD-Geschichtswerkstatt. Online zugänglich (Permanentlink aufgerufen am 16. September 2024) unter: [https://www.spd-geschichtswerkstatt.de/index.php?title=August_Biskupek&amp;amp;oldid=55089].&amp;lt;/ref&amp;gt; [[Zeitzeugen_Matrosen%E2%80%93_und_Arbeiteraufstand_1918/1919#Karl_Edler|Karl Edler]], Fröhlich, Peter Hillbrecht.&lt;br /&gt;
* Vorstandsmitglieder der USPD (7): J. Classen (auch Claßen), Cords, Krogmann, Max Spretke, Springer, Wiechert, Zinser.&lt;br /&gt;
* Vorsitzender des Gewerkschaftskartells: [[Zeitzeugen_Matrosen–_und_Arbeiteraufstand_1918/1919#Gustav_Garbe|Gustav Garbe]] (SPD). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem sich die Macht der Räte im Laufe des 5. November konsolidierte, richtete sich der Blick auch auf weitere drängende Fragen, wie Sicherung der Nahrungsmittelversorgung und Zahlung der Löhnung. Hier bot Gustav Noske, der sich seit dem Vorabend in Kiel befand und an den Verhandlungen teilgenommen hatte, Unterstützung für die Bewegung an, allerdings in der unausgesprochenen Absicht, ihre Ausbreitung zu verhindern. In einer Absprache mit den USPD-dominierten Aktivisten wurde Noskes Angebot angenommen. Dies geschah unter der Bedingung, dass es sich um eine vorläufige Maßnahme handele und dass erst dann weitere politische Entscheidungen getroffen würden, wenn ein mit Noske vergleichbares politisches Schwergewicht der USPD aus Berlin, etwa Hugo Haase&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Hugo Haase (1863–1919), Jurist, war von 1911 bis 1916 einer der beiden Vorsitzenden der SPD, und von 1912 bis 1916 einer der beiden Fraktionsvorsitzenden der SPD im Reichstag. Als Gegner der Kriegspolitik der Mehrheit des SPD-Vorstands aus Fraktion und Partei ausgeschlossen, gründete er 1917 die USPD und war deren Vorsitzender bis 1919. Im November/Dezember 1918 war er gleichberechtigter Vorsitzender mit Friedrich Ebert im Rat der Volksbeauftragten. Er starb im November 1919 an den Folgen eines Attentats.&amp;lt;/ref&amp;gt; eingetroffen wäre. Noske wurde dann per Akklamation auf einer großen Versammlung auf dem Wilhelmplatz zum vorläufigen Vorsitzen der Soldatenräte bestimmt. Seine Aufrufe wurden von Karl Artelt mitunterzeichnet. Anordnungen mussten neben Noskes Unterschrift auch die eines weiteren Soldatenrats-Mitglieds tragen. &lt;br /&gt;
[[Datei:Beschlüsse Soldatenrat Kiel 1918.jpg|mini|Beschlüsse des Soldatenrats vom 5. November 1918]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei wurde inzwischen auch vom Großen Soldatenrat gesprochen, die Zusammenfassung der Räte hatte Fortschritte gemacht, hatte allerdings nach wie vor keine autorisierte Basis, denn Noske wählte hier nach seinem Bekunden im Stationsgebäude nach Gutdünken einen sieben- oder neuenköpfigen Aktionsausschuss aus einer Schar von 50–60 Anwesenden von verschiedenen Schiffen oder Formationen. Von diesen hätte sich ein Großteil als „Versager“ entpuppt.&amp;lt;ref&amp;gt;Gustav Noske: &#039;&#039;Von Kiel bis Kapp. Zur Geschichte der deutschen Revolution.&#039;&#039; Berlin 1920, S. 19 ([https://portal.dnb.de/bookviewer/view/1131562372#page/n6/mode/1up Digitalisat]).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Arbeiterrat ging sofort daran, mittels so genannter Beigeordneter die Zivilverwaltung zu kontrollieren. Den Beigeordneten mussten alle wichtigen Vorgänge vorgelegt werden, und sie konnten in die Entscheidungen eingreifen.&amp;lt;ref&amp;gt;Eine Liste der Beigeordneten findet sich in der Schleswig-HolsteinischenVolks-Zeitung (SHVZ) vom 12. Dezember 1918 (hier nach einer handschriftlichen Aufzeichnung von Dirk Dähnhardt „Beigeordnete für amtliche Stellen“, in seinem wissenschaftlichen Nachlass (Akte 3, Hefter 1), StAK Sign. 65496.&amp;lt;/ref&amp;gt; Als erstes fertigte Garbe eine handgeschriebene Ernennungsurkunde für [[Eduard Adler]] aus. Adler wurde abgestellt, den erzkonservativen Oberbürgermeister [[Paul Lindemann]], der später auch den Kapp-Putsch unterstützte, zu kontrollieren. [[Datei:Garbe ernennung-beigeordneter-adler 1918.jpg|thumb|Ernennungsurkunde für den Beigeordneten Eduard Adler (Vorder- und Rückseite), Stadtarchiv Kiel, Sign. 21392.]] Am 11. November 1918 wurde Adler durch den Stadtverordneten August Biskupek (ebenfalls SPD) ersetzt (Letzterer wiederum wurde aufgrund von Krankheit am 13. Februar 1919 durch den Stadtverordneten Hermann Adam abgelöst).&amp;lt;ref&amp;gt;Rackwitz, Kiel 1918, S. 279 f. Zu Adam vgl.: Autoren der SPD Geschichtswerkstatt: Hermann Adam. In: SPD-Geschichtswerkstatt wiki. Online zugänglich (aufgerufen am 16. September 2024) unter: [https://www.spd-geschichtswerkstatt.de/wiki/Hermann_Adam]. &amp;lt;/ref&amp;gt; Adler wurde zusammen mit Paul Greß (auch Gress)&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Autoren der SPD-Geschichtswerkstatt: Paul Gress. In: SPD-Geschichtswerkstatt-Wiki. Online zugänglich (aufgerufen am 2. September 2024) unter: [https://www.spd-geschichtswerkstatt.de/wiki/Paul_Gress].&amp;lt;/ref&amp;gt; Beigeordneter beim Regierungspräsidenten in Schleswig. Auch der Oberpräsident für Schleswig-Holstein, der damals seinen Sitz in Kiel hatte, erhielt einen Beigeordneten des Arbeiterrats. Eingesetzt wurde Heinrich Kürbis (SPD).&amp;lt;ref&amp;gt;Wikipedia-AutorInnen: Heinrich Kürbis. In: Wikipedia – Die freie Enzyklopädie. Online zugänglich (aufgerufen am 3. September 2024) unter: [https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Heinrich_K%C3%BCrbis&amp;amp;oldid=215560106].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Polizeipräsidenten übernahmen Friedrich Brodthuhn (SPD)&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Autoren der SPD Geschichtswerkstatt: Sozialdemokratischer Verein Groß-Kiel - Stadtverordnete. In: SPD-Geschichtswerkstatt wiki. Online zugänglich (aufgerufen am 16. September 2024) unter: [https://www.spd-geschichtswerkstatt.de/wiki/Sozialdemokratischer_Verein_Gro%C3%9F-Kiel_-_Stadtverordnete].&amp;lt;/ref&amp;gt; und Wilhelm Schweizer (USPD, später SPD)&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Autoren der SPD Geschichtswerkstatt: Wilhelm Schweizer. In: SPD-Geschichtswerkstatt wiki. Online zugänglich (aufgerufen am 16. September 2024) unter: [https://www.spd-geschichtswerkstatt.de/wiki/Wilhelm_Schweizer].&amp;lt;/ref&amp;gt; die Kontrolle; bei der städtischen Polizei Wilhelm Leopold (SPD). Zum Post- und Telegraphenamt wurde der später von der SPD zur USPD übergetretene Postinspektor Bertold Brandt&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Rolf Fischer: &#039;&#039;Mit uns die neue Zeit! Kiels Sozialdemokratie im Kaiserreich und in der Revolution.&#039;&#039; Kiel 2013 (Geschichte der Kieler Sozialdemokratie Band 2), S. 187–190. Zum Übertritt zur USPD vgl. die USPD-Zeitung „Republik“ vom 3. April 1920.&amp;lt;/ref&amp;gt; abgeordnet. Das Provinzial-Schulkollegium wurde von Dr. Hermann Weller kontrolliert.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Studienrat Hermann Weller, später Stadtverordneter SPD, spielte eine herausgehobene Rolle neben Dr. Hermann Heller und Professor Gustav Radbruch beim Kapp-Putsch in Kiel. Vgl. Dirk Dähnhardt und Gerhard Granier (Hrsg.): &#039;&#039;Der Kapp-Putsch in Kiel. Eine Dokumentation zum 60. Jahrestag der Märzereignisse von 1920.&#039;&#039; Kiel 1980 (Mitteilungen der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Band 66), S. 148.&amp;lt;/ref&amp;gt; Weitere Beigeordnete waren für die Gewerbe-Inspektion: Jatow, und für den Landeshauptmann: Albert Billian.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Autoren der SPD Geschichtswerkstatt: Albert Billian. In: SPD-Geschichtswerkstatt wiki. Online zugänglich (aufgerufen am 16. September 2024) unter: [https://www.spd-geschichtswerkstatt.de/wiki/Albert_Billian]. In Preußen war der Landeshauptmann der vom Provinziallandtag gewählte höchste Beamte eines Provinzialverbands. Er leitete die provinziale Selbstverwaltung, während der vom König ernannte Oberpräsident die Vorbehaltsrechte der Zentralregierung wahrnahm.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Peter Hillbrecht (SPD), Metallarbeiter und nach Garbe Vorsitzender des Kieler Arbeiterrats und später des Volksrats für Schleswig-Holstein, sah in einer Rückschau einen großen Mangel darin, dass man es versäumt habe, Beigeordnete für die Justiz zu stellen. Dadurch hätte man „unendlich viel an reaktionären Bestrebungen [hintanhalten]“ können.&amp;lt;ref&amp;gt;Peter Hillbrecht: Der Volksrat von Schleswig-Holstein. In: Schleswig-Holsteinische Volks-Zeitung (SHVZ), 5. November 1918, S. 2 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Über Hillbrecht ist nur wenig bekannt. Sabine Roß schreibt in ihrem biografischen Handbuch der Reichsrätekongresse 1918/19 (Hillbrecht war ebenfalls Delegierter für Schleswig-Holstein): Hillbrecht wurde am 23. April 1884 in Spliedtsdorf bei Grimmen (Prov. Pommern) geboren, war von Beruf Torpedoschlosser und seit Juni 1921 Angestellter im Eisenbahnerverband. Im selben Jahr meldete er sich nach Köln ab. Sabine Roß (spätere Kuder): &#039;&#039;Biographisches Handbuch der Reichsrätekongresse 1918/19&#039;&#039;. Düsseldorf 2000 (Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien Bd. 11). Andreas Zimmer erwähnt einen Peter Hillbrecht (SPD) als Mitglied der Landesleitung des Kulturbunds zur demokratischen Erneuerung Deutschlands in der SBZ/DDR, bei dem es sich evtl. um den hier besprochenen Kieler Vertreter handeln könnte: Andreas Zimmer: Der Kulturbund in der SBZ und in der DDR. Eine Ostdeutsche Kulturvereinigung im Wandel der Zeit zwischen 1945 und 1990. 2013 an der Fakultät für Sozialwissenschaften und Philosophie der Universität Leipzig als Dissertation angenommen. Online zugänglich (aufgerufen am 14. Januar 2023) unter: [https://vdoc.pub/documents/der-kulturbund-in-der-sbz-und-in-der-ddr-eine-ostdeutsche-kulturvereinigung-im-wandel-der-zeit-zwischen-1945-und-1990-3n3pm0s03hdg].&amp;lt;/ref&amp;gt; Nach einer Meldung in der Schleswig-Holsteinischen Volks-Zeitung (SHVZ) vom 12. Dezember 1918 war jedoch Professor Otto Opet (1866–1941)&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Otto Opet lehrte seit 1900 als Privatdozent an der Kieler Universität, wo er 1930 zum Ordinarius berufen wurde. Er zählte zu den Wissenschaftlern, deren Abberufung die Kieler Studentenschaft 1933 kategorisch fordert, da er als Jude galt. Als Mitglied des Reichsbanners, der Liga für Menschenrechte und dem republikanischen Klub und der demokratischen (beziehungsweise radikaldemokratischen) Partei war er außerdem politisch engagiert. Unter dem massiven Druck der nationalsozialistischen Anfeindung lässt Opet sich im April 1933 auf &amp;quot;eigenen Antrag&amp;quot; im Alter von 67 Jahren in den Ruhestand versetzen. Vgl. Christian-Albrechts-Universität zu Kiel: Vertriebene Gelehrte. Online zugänglich (aufgerufen am 14. Juli 2024) unter: [https://www.uni-kiel.de/de/universitaet/profil/geschichte-der-universitaet/ns-aufarbeitung/vertriebene-gelehrte].&amp;lt;/ref&amp;gt; der Justiz als Beigeordneter vorgesetzt. Vielleicht lässt sich dieser Widerspruch dadurch erklären, dass Opet als Einzelperson gegenüber der Phalanx der reaktionären Beamtenschaft keinen Effekt erzielen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Ernährungsamt wurde wegen der herausragenden Bedeutung vom Arbeiterrat durch Fiebig und Richter selbst übernommen. Seit den Hungerprotesten 1917 waren die Arbeiter bereits mit einer größeren Gruppe in der städtischen Lebensmittelkommission vertreten und hatten viel Erfahrung sammeln können.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;In der Frühphase der Arbeit im Ernährungsamt erklärte der Dreher Wilhelm Schulz, zu der Zeit (6. November 1918) Vorsitzender des gemeinsamen Ernährungsausschusses von Arbeiter- und Soldatenrat und später als Ernährungskommissar (er war auch Beigeordneter für das Lebensmittellabor) bezeichnet: „Der Arbeiterrat hat einen Ernährungsausschuß in Gemeinschaft mit dem Soldatenrat eingesetzt, […]. Die Regelung der Lebensmittelversorgung der Zivilbevölkerung der Stadt Kiel verbleibt nach wie vor dem Magistrat. Der Ernährungsausschuß wird nur auf Ansuchen des Magistrats eingreifen.“ StAK Sign. 21392. Der „Ernährungskommissar Schulz – Kiel“ gab auf der Konferenz der schleswig-holsteinischen Arbeiter- Soldaten- und Bauern-Räte am 30. März 1919 in Neumünster einen Bericht über seine Tätigkeit; vgl. Anonym: Konferenz der schleswig-holsteinischen Arbeiter- Soldaten- und Bauern-Räte. In: SHVZ, 13. März 1919, S. 1 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur generellen Arbeit der Beigeordneten schreibt Dähnhardt: „Allein im Bereich der Lebensmittelversorgung, die von Anfang an im Mittelpunkt der Tätigkeit des Arbeiterrats stand, konnte dieser eine für die Bevölkerung sichtbare Bedeutung erlangen. Seit Anfang November bot die Lebensmittelversorgung in Kiel keinen Anlaß mehr zu Kritik. Auch Oberbürgermeister Lindemann […] bezeichnete die dem Lebensmittelamt zur Seite gestellten Beigeordneten [im Mai 1919] sogar als &#039;brauchbare Mitarbeiter&#039;, sicherlich ein hohes Lob, wenn man berücksichtigt, dass Lindemann […] ein konsequenter Gegner der Sozialdemokratie war.“&amp;lt;ref&amp;gt;Dähnhardt, Revolution, S. 149.&amp;lt;/ref&amp;gt; Martin Rackwitz kam in seiner umfassenden Darstellung des Kieler Aufstands zu dem Ergebnis, dass die erfahrenen sozialdemokratischen Politiker „ein hohes Maß an kommunalpolitischem Sachverstand“ einbrachten.&amp;lt;ref&amp;gt;Rackwitz, Kiel 1918, S. 190.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz der Konsolidierung des Aufstands in Kiel breitete sich jedoch am 6. November eine große Unsicherheit aus, denn Kiel schien isoliert zu bleiben. Noske unternahm jetzt einen gründlich vorbereiteten Versuch, den Kieler Aufstand zu beenden und damit die alten Verhältnisse wiederherzustellen. Nachmittags fand eine große Massenversammlung von etwa tausend Matrosen, an der auch Vertreter der Arbeiterschaft teilnahmen, im „Schloßhof“ statt, dem heutigen [[Metro-Kino im Schloßhof|metro-Kino]]. Noske hielt seine sorgfältig vorbereitete Rede und beschrieb die großen Schwierigkeiten, vor der die Bewegung stehe. Die Heranschaffung von Lebensmitteln und Geld mache große Probleme, denn Kiel sei isoliert und der Eisenbahnverkehr eingestellt. Er malte ein düsteres Bild und gab dann bekannt, was die Regierung anbieten würde, wenn der Aufstand abgebrochen würde: Straffreiheit für alle Aufständischen, Amnestie für die anlässlich der Marineunruhen 1917 Verurteilten, beschleunigte Herbeiführung des Waffenstillstandes, Beschleunigung der Abdankungsfrage sowie weitere Reformen und Demokratisierung des Staates. Der Vorsitzende des Arbeiterrats Garbe (SPD) und Popp (USPD) sprachen sich dagegen aus. Auch der Redakteur der SHVZ, Bernhard Rausch (SPD)&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Rausch (1887–1981) war Artillerieleutnant an der Westfront und wurde am 1. Oktober 1918 Redakteur der SHVZ in Kiel. Er folgte Noske nach Berlin und wurde dessen politischer Privatsekretär und Referent im Reichswehrministerium, schied 1920 kurz nach Noskes Rücktritt aus und wechselte später zur deutschnationalen Frontsoldaten-Organsation Stahlhelm; vgl. Wolfram Wette: &#039;&#039;Gustav Noske. Eine politische Biographie.&#039;&#039; Düsseldorf 1988, S. 865; sowie Christian Lübcke: &#039;&#039;Ein Versuch zur Demokratisierung der Reichswehr. Bernhard Rauschs Vorschläge für eine Staatsbürgerliche Unterrichtung, 1919-1920. &#039;&#039; In: Andreas Braune, Sebastian Elsbach, Ronny Noak, (Hrsg.): Bildung und Demokratie in der Weimarer Republik. Stuttgart 2022, S. 95-109.&amp;lt;/ref&amp;gt; argumentierte dagegen: Die Bewegung dürfte „… nie in dem Sinne abgebaut werden […], daß etwas von dem aufgegeben würde, was durch sie politisch erreichbar war.“&amp;lt;ref&amp;gt;Bernhard Rausch: &#039;&#039;Am Springquell der Revolution. Die Kieler Matrosenerhebung.&#039;&#039; Kiel 1918 (Reprint als Sonderveröffentlichung der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Bd. 15), S. II 1–31, hier S. II-25.&amp;lt;/ref&amp;gt; In dem Bericht der SHVZ über die Versammlung wurde dies näher erläutert: „Die gegenwärtige schicksalsschwere politische Situation gebietet, dass die entstandenen Machtverhältnisse restlos ausgenützt werden für den politischen und sozialen Fortschritt des Deutschen Reiches. Es gilt das, was im glorreichen Ansturm errungen ist, dauernd zu befestigen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Anonym: Die Lawine im Rollen. In: Schleswig-Holsteinische Volks-Zeitung vom 7. November 1918, S. 1.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noskes Vorschlag wurde nach Angaben Popps einstimmig abgelehnt. Außerdem wurde Popp auf der Versammlung, nachdem der von Berlin entsandte USPD-Vorsitzende Haase Schwierigkeiten hatte, nach Kiel zu gelangen, zum gleichberechtigten Vorsitzenden des Soldatenrats neben Noske bestimmt.&amp;lt;ref&amp;gt;Klaus Kuhl: &#039;&#039;Gustav Garbe – bedeutender Kieler Gewerkschaftsfunktionär, Vorsitzender des Kieler Arbeiterrats und zweimaliger Gouverneur. Mit Vorworten von Frank Hornschu, Geschäftsführer und Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes Kiel Region, und von Stephanie Schmoliner, 1. Bevollmächtigte der IG Metall Kiel-Neumünster.&#039;&#039; Kiel 2023, S. 29–32.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Versammlung verlief teilweise chaotisch, was offenbar mit einer immer noch bestehenden mangelnden Legitimation der Teilnehmer, aufgrund der spontan entstandenen Soldatenräte, zusammen hing. Popp organisierte daraufhin Wahlen von Vertrauensmännern in allen Einheiten, die dann den „Großen Soldatenrat“ wählten, der dann wiederum als Aktionsausschuss am folgenden Tag den Obersten Soldatenrat (OSR) bestimmte. Der OSR, dem auch Karl Artelt angehörte, wählte Lothar Popp zum Vorsitzenden. Ab jetzt residierte der Soldatenrat im Gebäude der Marinestation, Zimmer 49.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Sammlung Vizeadmiral Carl Hollweg: Fernsprüche, welche sich auf die Revolution [in Kiel] beziehen. BArch RM 3/11682, Bl. 345 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt; Weitere Mitglieder des OSR waren Maschinistenmaat Ullrich (auch Ulrich),&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Ein &amp;quot;Ullrich vom Obersten Soldatenrat&amp;quot; wird erwähnt als Beobachter auf einem Flug über das Lockstedter Lager; vgl. Stefan Wendt: &#039;&#039;Luftkampf über Kiel. Das Nordmarksportfeld als Luftschiff-Detachment und Festungsflugstation der Kaiserlichen Marine in den Kriegsjahren 1914/18.&#039;&#039; In: Mitteilungen der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte. Band 89, Heft 6, Kiel 2018, S. 273–299, hier S. 296.&amp;lt;/ref&amp;gt; Obermaat Schrader (vom Friedrichsorter Soldatenrat)&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Dirk Dähnhardt gibt eine Äußerung Lothar Popps über Schrader in einem 1975 geführten Gespräch wie folgt wider: „Über die Zusammensetzung des Soldatenrates erinnerte sich Herr Popp nur noch an einen Mann namens Schrader, den er selbst vorgeschlagen hatte, der aber ein &amp;quot;Vollidiot&amp;quot; gewesen sei.“ Kuhl, Popp, S. 44 f. Dähnhardt weist dabei auf eine ähnliche Schilderung Noskes hin. Noske nennt allerdings keine Namen und bezieht sich auf einen Tag vorher. Vgl. Noske, Kiel bis Kapp, S. 19.&amp;lt;/ref&amp;gt; und Obermaat Koch.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Martin Rackwitz erwähnt einen Obermatrosen Koch vom Soldatenrat in Holtenau, der dort die Befehlsgewalt ausgeübt habe. Vgl. Rackwitz, Kiel 1918, S. 181 f. Es bleibt unklar, ob es sich um dieselbe Person handelt.&amp;lt;/ref&amp;gt; Gemäß einer vorher getroffenen Absprache zwischen SPD und USPD übernahm Noske daraufhin das Gouverneursamt von Admiral Wilhelm Souchon.&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhl, Garbe, S. 32.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bereits eine Woche später werden zwei neue Mitglieder des OSR erwähnt, nämlich Robert Pfaff (SPD)&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Pfaff (1881–1940) war außerdem Delegierter auf dem 1. Reichsrätekongress für den Wahlbezirk Schleswig-Holstein und wurde dort als Marinevertreter in den Zentralrat gewählt. Ab 1919 war er kommissarischer Landrat für Rendsburg und dort aktiv an der Niederschlagung des Kapp-Putsches beteiligt, dann Entbindung von diesem Amt. Ab 1924 Inhaber eines Immobiliengeschäfts in Neckargemünd. Vgl. Roß, Reichsrätekongresse. Zur Rolle Pfaffs während des Kapp-Putsches vgl. Klaus Kuhl: &#039;&#039;Abzug des Bataillons Claassen/Detachement Kiel nach dem Kapp-Putsch in Kiel 1920.&#039;&#039; In: Zeitschrift der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte, Band 146 (2021), S. 241–256.&amp;lt;/ref&amp;gt; und Max Hartig,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Hartig, geboren 1887, war Delegierter für den Wahlbezirk Marinestation zum 1. Reichsrätekongress und gehörte zur SPD-Fraktion. Als Wohnort gab er Chemnitz an, und als dortige bisherige Tätigkeit: Sektionsleitung der Modelltischler in Chemnitz. Vgl. Roß, Reichsrätekongresse.&amp;lt;/ref&amp;gt; während Schrader vermutlich ausgeschieden war.&amp;lt;ref&amp;gt;Dähnhardt, Revolution, S. 114 und 136. Schrader wird nur noch einmal von Stabschef Küsel als Teilnehmer bei den Verhandlungen über die Rolle der Offiziere am 8. November erwähnt. Vgl. Klaus Kuhl: &#039;&#039;Gefangen in Überheblichkeit und Engstirnigkeit: Die führenden Seeoffiziere und der Matrosen- und Arbeiteraufstand in Kiel 1918. Die Berichte der Chefs der Marinestation und Gouverneure von Kiel, Admiral Gustav Bachmann und Admiral Wilhelm Souchon sowie ihres Stabschefs Konteradmiral Hans Küsel.&#039;&#039; Kiel 2023, S. 180.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über die Mitglieder des Großen Soldatenrats, die den OSR zu wählen hatten, gibt es bisher nur wenige Informationen: Der Kapitänleutnant Peter Köhler schreibt einem zeitnahen Bericht, dass er selbst zum Soldatenrat auf seinem Wohnschiff &#039;&#039;Nixe&#039;&#039; gewählt wurde und damit Mitglied im Großen Soldatenrat war. Köhler diente bis September 1918 auf dem zum III. Geschwader gehörenden &#039;&#039;Großer Kurfürst&#039;&#039; und war dann dem Artillerieschulschiff &#039;&#039;Kaiserin Augusta&#039;&#039; in Kiel zugeteilt. Er trat für eine Sozialisierung ein, war aber kein Demokrat. Köhler erwähnt auch einen Oberschreiber Haas, der eine bestimmende Rolle im Soldatenrat der I. Werft-Division gespielt hätte.&amp;lt;ref&amp;gt;Kapitänleutnant Peter Köhler: Revolutionsereignisse in Kiel. Typoskript im Nachlass Carl/Karl Hollweg, BArch RM 3/11682, Bl. 198–226. Transkript online zugänglich (aufgerufen am 25. September 2024) unter: [http://www.kurkuhl.de/docs/ereignisse_06-11-1918.pdf].&amp;lt;/ref&amp;gt; Weitere, von Karl Artelt in späteren Berichten erwähnte Mitglieder des Großen Soldatenrats: Torpedobootmatrose Fritz Steinhoff, späterer Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen sowie der U-Bootfahrer Ernst Wollweber, der von 1953 bis 1957 das Staatssekretariat bzw. das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) in der DDR leitete.&amp;lt;ref&amp;gt;Karl Artelt: Zwei Briefe an das Institut für Marxismus-Leninismus beim Zentralkomitee der SED – Abteilung Geschichte der Partei und der deutschen Arbeiterbewegung. Nebra, 15. Dezember 1957 und 12. Februar 1957. Bundesarchiv, SAPMO, SGY 30/0022, Bl. 14–19, hier Bl. 15, 17 und 19.&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Ein weiteres Soldatenrats-Mitglied wird in der Kieler Zeitung vom 8. November 1918 (M) erwähnt. Dort wird eine Bekanntmachung des Soldatenrats zu Zeitungsausträgern von Brocks unterzeichnet, der damit eventuell ebenfalls dem Großen Soldatenrat angehört haben könnte. Er wird von Christopher Andresen als Kriegsbeschädigter bezeichnet und hätte am 7. November eine nach Flensburg entsandte Delegation des Kieler Arbeiter- und Soldatenrates angeführt. Vgl. Christopher Andresen: Arbeiter- und Soldatenräte in Flensburg 1918/19. In: Demokratische Geschichte, Bd. 18, Malente 2007, S. 9–43. Online zugänglich (aufgerufen am 20. Mai 2025) unter: [https://www.beirat-fuer-geschichte.de/fileadmin/pdf/band_18/Demokratische_Geschichte_Band_18_Essay_2.pdf].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Regierung in Berlin (bis zum 9. November 1918 noch vom letzten Reichskanzler des Kaiserreichs, Max von Baden, geführt) bestätigte Noske als neuen Gouverneur. Während Popp den Gouverneur als ausführendes Organ des Soldatenrats ansah, mit dem dieser „den Verwaltungsapparat in Bewegung bringen“ könne, betrachtete Noske den Soldatenrat eher als ein Kontrollgremium. In seinem ersten Tagesbefehl, den er zusammen mit dem OSR noch am selben Abend erstellte, hieß es: „Ich bin […] zum Gouverneur gewählt worden […]. Mir zur Seite steht der ‚Oberste Soldatenrat des Befehlsbereichs der Ostseestation’“ &amp;lt;ref&amp;gt;Popp/Artelt, Ursprung, S. III-27 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der OSR schickte dann jeweils einen Vertrauensmann in alle wichtigen militärischen Stellen. Hierbei handelte es sich meistens um Feldwebel.&amp;lt;ref&amp;gt;Rackwitz, Kiel 2018, S. 139 f. Der so genannte Etatmäßige Feldwebel war in der Regel mit dem inneren Dienst und Verwaltungsaufgaben betraut.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die zukünftige Rolle der Offiziere blieb in der Schwebe. Nachdem sich in deren Reihen zunächst eine tiefe Resignation breit gemacht hatte, schöpften die Offiziere wieder Hoffnung, weil Noske signalisiert hatte, dass er auf sie nicht verzichten wollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Inzwischen trafen auch Nachrichten von der raschen Ausbreitung der Revolution ein. Noske kam nun zu der Überzeugung, dass „ein Lavieren nicht mehr am Platze sei, sondern es hieß die Zügel fest in die Hand zu nehmen.“ In einer kleinen Runde vereinbarte er mit einigen Kieler SPD-Führern die Ausrufung des Arbeiterrats als provisorische Regierung Schleswig-Holsteins. Der ebenfalls gewünschten Ausrufung der Republik Schleswig-Holstein widersetzte er sich.&amp;lt;ref&amp;gt;Noske, Kiel bis Kapp, S. 25.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Aufruf Kieler Arbeiter und Soldatenrat.jpg|mini|Gemeinsamer Aufruf des Arbeiter- und des Soldatenrats am 7. November 1918.]] Der OSR und der Arbeiterrat einigten sich auf einen gemeinsamen Aufruf, der als Flugblatt verteilt wurde. Die ersten drei Absätze lauteten: „Die politische Macht ist in unserer Hand. Es wird eine provisorische Provinzialregierung gebildet, die in Zusammenarbeit mit den bestehenden Behörden eine neue Ordnung aufrichtet. Unser Ziel ist die freie, soziale Volksrepublik.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bewegung stieß auch auf große Zustimmung in der Bevölkerung. Dies zeigte sich nicht nur in der überwältigenden Anteilnahme bei der Beerdigung der Revolutionsopfer am 10. November 1918, sondern auch in der raschen Verbreitung der Räteidee: In weiten Kreisen der Bevölkerung bis ins Bürgertum hinein wurden Räte gegründet. Es gab Beamten- und Angestelltenräte,&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. dazu etwa Klaus Kuhl: &#039;&#039;Kiel und die Revolution von 1918. Das Tagebuch eines Werftingenieurs, verfasst in den Jahren 1917–1919. Edition und Textanalyse.&#039;&#039; Berlin 2018, S. 57.&amp;lt;/ref&amp;gt; Studentenräte,&amp;lt;ref&amp;gt;Über Alfred Meusel wird berichtet, dass er Vorsitzender des ersten Studentenrats in Deutschland wurde. Alfred Meusel (1896-1960) besuchte die Oberrealschule in Kiel. Mit Beginn des Ersten Weltkriegs meldete er sich als Freiwilliger, ging an der Front aber bald auf Distanz zum Kaiserreich und kam dort erstmals mit sozialistischen Ideen in Berührung. Im Dezember 1917 wurde er an der Aisne verschüttet, schwer verletzt und behielt zeitlebens ein Nervenleiden als Spätfolge. Von 1918 bis 1922 studierte er in Kiel u. a. Nationalökonomie, Soziologie und Geschichtswissenschaft. Vgl. Mario Kesser und Detlef Siegfried: &#039;&#039;Alfred Meusel im Spannungsfeld von Wissenschaft und Politik&#039;&#039;. In: JahrBuch für Forschungen zur Geschichte der Arbeiterbewegung, Heft III/2010, S. 65–80, hier S. 66 f. Vgl. auch die von Jörg Becker veröffentlichten Berichte von Richard Sorge, der eine sozialistische Studentenorganisation aufbaute.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bauernräte&amp;lt;ref&amp;gt;Nach Gerhard Stoltenberg soll es bereits im Januar 1919 1700 örtliche Auschüsse [Bauernräte] in Schleswig-Holstein gegeben haben; vgl. Gerhard Stoltenberg: &#039;&#039;Politische Strömungen im schleswig-holsteinischen Landvolk 1918-1933.&#039;&#039; Düsseldorf 1962, S.29, Fußnote 4. Stoltenberg beruft sich auf eine Meldung der SHVZ vom 15. Januar 1919. Die Zeitung der USPD „Republik“ meldete am 19. Januar 1919, dass in Schleswig-Holstein ein provisorischer Oberster Bauernrat aus sechs Mitgliedern gebildet worden sei. Beigeordnet seien der Ernährungskommissar für Schleswig-Holstein sowie ein Beauftragter der Landwirtschaftskammer. Geschäftsführer sei vorläufig Max Mißfeld, Suchsdorf bei Kiel.&amp;lt;/ref&amp;gt; und sogar einen Rat des Kirchenchors der [[Nikolaikirche]].&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. den Bericht eines damals 13-jährigen Chorknabens in dem NDR-Film „Matrosen, Räte, Republiken“ von Hartmut Idzko und Jörg Knickrehm, der am 1. November 1978 ausgestrahlt wurde. Progressive Teile der evangelischen Kirche, darunter der Kieler Professor Otto Baumgarten, forderten die Einführung von &amp;quot;Volkskirchenräten&amp;quot;; vgl.: Rolf Fischer: &#039;&#039;Kiel, die Kirchen und die Revolution – Eine Standortbestimmung.&#039;&#039; In: Rolf Fischer (Hrsg.): &#039;&#039;Sehnsucht nach Demokratie.&#039;&#039; Kiel 2020, S. 57–72, hier S. 67.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In mehreren Verhandlungen wurde zwischen Vertretern der Offiziere und dem OSR eine Absprache über die Rolle der Offiziere getroffen. Diese sah vor, dass diejenigen Offiziere, die sich dem Soldatenrat unterstellten, im Amt bleiben durften. Wenn sie jedoch ein Kommando ausüben wollten, mussten sie das Vertrauen ihrer Untergebenen haben. Von den Mannschaften abgelehnte Offiziere mussten sich in der Marinestation zur Verfügung halten. Die große Mehrheit der Offiziere ließ sich darauf ein, wobei die Mitteilung, der Kaiser habe sie von ihrem Eid entbunden, eine wichtige Rolle gespielt haben dürfte. Die Ansätze für eine Militärreform wurden jedoch, wie Wolfram Wette schrieb, von Noske im Keim erstickt.&amp;lt;ref&amp;gt;Wolfram Wette: Als bei der Torpedo-Division der erste Soldatenrat gebildet wurde. In: Frankfurter Rundschau, 12. Dezember 1988.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Niedergang der Rätebewegung in Kiel ==&lt;br /&gt;
In Kiel begann dieses „Ersticken“ einer möglichen Militärreform damit, dass Noske den Räten gegenüber die Kompetenz der Seeoffiziere, besonders mit Blick auf die Überführung der Flotte nach England, als unverzichtbar darstellte. Kuhl schrieb, dies sei in der neueren Literatur ohne nähere Diskussion akzeptiert worden, aber ein genauerer Blick auf die Aufgaben der verschiedenen Dienstränge zeige, dass Deckoffiziere, Unteroffiziere und Mannschaften ohne größere Probleme in der Lage gewesen wären, ein Schiff zu manövrieren; Steuerleute, Navigationsoffiziere, Maschineningenieure, Funkentelegrafiemeister etc. konnten in ihren Bereichen selbstständig handeln. Die Seeoffiziere waren hauptsächlich dazu da, ein Schiff in der Schlacht zu befehligen. Für andere Aufgaben waren sie nicht unbedingt notwendig. Allerdings war ihre Autorität wichtig für die einigermaßen reibungslose Abfolge aller Arbeiten an Bord und an Land. Diese Autorität aber war stark erschüttert. Eine Auswahl nach demokratischen und republikanischen Kriterien wäre möglich gewesen. Ein entstehender Gruppendruck hätte dann eventuell auch eine Reihe der ehemals kaiserlichen Seeoffiziere zum Einlenken bewegen können. Immerhin war nach der Wahrnehmung des Stabschefs der Marinestation, Küsel, noch Mitte November 1918 „die Stimmung, was das jüngere Seeoffizierkorps anbetrifft, ganz links gerichtet“.&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhl, Überheblichkeit, S. 186.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dies wird auch bestätigt von Admiral Gustav Bachmann, dem Vorgänger Souchons als Gouverneur und Chef der Marinestation, der den Kapitänleutnant Thorwald v. Bothmer als einen der radikalsten bezeichnete („… pries die Republik, machte die Monarchie herunter …“).&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Klaus Franken (Hg.): &#039;&#039;Admiral Gustav Bachmann: Lebenserinnerungen und Tagebuch 1915.&#039;&#039; Paderborn 2022 (Schriften zur Marinegeschichte Band 3), S. 911 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Unter dem Einfluss des Korvettenkapitäns Wilfried von Loewenfeld (s.&amp;amp;nbsp;u.) schlug dies aber schnell wieder um.&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhl, Garbe, S. 38 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zuge der kurz nach dem Umsturz einsetzenden Demobilisierung wuchs der Einfluss der zurückbleibenden Berufssoldaten und hier besonders derjenige der Deckoffiziere. Diese hatten durchaus einen wichtigen Anteil an der erfolgreichen Durchsetzung des Aufstands, denn die standen in deutlicher Opposition zu den Seeoffizieren, von denen sie ebenfalls, wie die Mannschaften, als gesellschaftlich inakzeptable Parias behandelt wurden.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Holger H. Herwig: &#039;&#039;Das Elitekorps des Kaisers. Die Marineoffiziere im Wilhelminischen Deutschland.&#039;&#039; Hamburg 1977, S. 86.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Deckoffizierbund erkannte die neuen Verhältnisse an und erteilte Bestrebungen, diese zurückzudrehen, eine Absage. Die Seeoffiziere müssten dies ebenfalls anerkennen und es müsse eine Auswahl geben, um reaktionäre Absichten von Seiten der Offiziere auszuschließen. Allerdings wurde nicht erkennbar, welche Mechanismen und Garantien der Bund für eine effektive Auswahl anstrebte.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Klaus Kuhl: &#039;&#039;Analyse und Edition von: Paul Kässner, Oberdeckoffizier a. D.: Zur Geschichte der Deckoffizierbewegung, des Deckoffizierbundes und des Bundes der Deckoffiziere.&#039;&#039; Kiel 2022, 6 f. und 22. Online zugänglich (aufgerufen am 4. September 2024) unter: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Kuhl_analyse-edition-kaessner-deckoffizierbewegung_2022.pdf].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei: Kieler_Matrosenaufstand_(Kiel_68.297).jpg|mini|Das Foto zeigt eine Demonstration von Deck- und Unteroffizieren am 22. Dezember 1918 gegen den Beschluss des Reichsrätekongresses und für die Beibehaltung der Rangabzeichen. Dies kennzeichnet den gestiegenen Einfluss der Deckoffiziere.]] Ein Großteil der Deckoffiziere erwies sich auch später im Kapp-Putsch als Stütze der Weimarer Republik, sie hatten jedoch deutliche Vorbehalte gegenüber den Soldatenräten, vermutlich weil sie deren totalen Umsturz der militärischen Hierarchien ablehnten. Die Deckoffiziere bekamen einen großen Einfluss in der Sicherheitswehr des Soldatenrats und auch im OSR selbst. Ihre Vorbehalte führten dann vermutlich auch dazu, dass Lothar Popp am 10. Dezember 1918 als Vorsitzender des OSR zurücktrat; zumindest behauptet dies Noske in seiner 1920 erschienen und stark von Rechtfertigungen geprägten Schrift „Von Kiel bis Kapp“.&amp;lt;ref&amp;gt;Noske, Kiel bis Kapp, S. 52.&amp;lt;/ref&amp;gt; Popp selbst gab später an, er habe nach der Entscheidung für die Nationalversammlung keinen Sinn mehr in seiner Arbeit für den OSR gesehen. Allerdings fiel diese Entscheidung erst später auf der Reichsrätekonferenz 16.–21. Dezember 1918,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Auf dem ersten Reichsrätekongress wurde Kiel durch die folgenden Delegierten vertreten: Gustav Garbe und Peter Hillbrecht für den Arbeiterrat (Kurt Kaulfers, USPD und Bevollmächtigter des DMV Kiel, fiel bei der Mandatsprüfung durch), sowie Max Hartig und Robert Pfaff für den Soldatenrat. Alle bis auf Kaulfers gehörten der SPD an. Vgl. Dieter Braeg und Ralf Hoffrogge (Hrsg.): &#039;&#039;Allgemeiner Kongress der Arbeiter- und Soldatenräte Deutschlands. 16.–20. Dezember 1918 Berlin – Stenografische Berichte, Neuausgabe zum 100. Jahrestag&#039;&#039;. Berlin 2018, S. 561–602. Vgl. auch Roß, Reichsrätekongresse.&amp;lt;/ref&amp;gt; was eher Noskes Darstellung unterstützen würde. Es wäre aber auch denkbar, dass Popps Rücktritt bereits davon bestimmt war, dass keine USPD-Mitglieder aus Kiel zum Reichsrätekongress delegiert wurden. Karl Artelt übernahm nun den Vorsitz des inzwischen auf 14 Mitglieder erweiterten Gremiums, Stellvertreter wurde Robert Pfaff, Schriftführer wurde der Signalmeister und Deckoffizier Franz Riefstahl (SPD). Popp wurde nur noch als politischer Berater des Gremiums aufgeführt. Zum damaligen Zeitpunkt gehörten dem OSR, neben den Genannten, noch die folgenden Personen an: Rudolf Rannow, Erich Thümmel, Schmidtke, Max Hartig, Gräfenstein (auch Grävenstein), Rath, Klaus, Eggers, Rudolph, Widmaier (auch Widmeier) und Feill (insgesamt 14).&amp;lt;ref&amp;gt;Anonym: Sitzung des obersten Soldatenrates. In: Republik, 11. Dezember 1918.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Hartig und Thümmel wurden bereits oben beschrieben, Riefstahl und Rannow werden weiter unten als Vorsitzende des OSR beschrieben, zu den anderen Personen ist bisher nichts weiter bekannt.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die provisorische Regierung Schleswig-Holsteins hatte zunächst der Kieler Arbeiterrat übernommen. Auf einer Konferenz am 12. Dezember 1918 in Neumünster wurden nun auch die anderen Räte in der Provinz einbezogen. Die Konferenz wurde von Garbe eröffnet und zusammen mit Richter aus Neumünster und Schlüter aus Flensburg geleitet. Es herrschte Einigkeit darüber, dass in „nächster Zukunft […] Räterat und National-Versammlung nebeneinander bestehen bleiben und zusammen arbeiten [müssen].“&amp;lt;ref&amp;gt;Einleitendes Referat des Beigeordneten der Regierung in Schleswig Eduard Adlers auf der Konferenz. Protokoll der Konferenz der Arbeiter- und Soldatenräte Neumünster am 12. Dezember 1918. Manuskript. Archiv des Zentralrats der Deutschen Sozialistischen Republik; Sign. B-58. Online zugänglich (aufgerufen am 9. Januar 2023) unter: [https://search.iisg.amsterdam/Record/ARCH01676].&amp;lt;/ref&amp;gt; Die provisorische Regierung setzte sich nun aus Vertretern der Räte verschiedener Regionen zusammen. Sie bezeichnete sich später als „Volksrat“.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Kuhl, Garbe, S. 34.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 27. Dezember 1918, mit Beginn der Unruhen in Berlin, kehrte Noske dorthin zurück und übernahm im Rat der Volksbeauftragten, nach dem Rücktritt der USPD-Beauftragten, den Bereich „Heer und Marine“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit verstärkte sich der schleichende und im Laufe der Entwicklung immer offenere Prozess, in dem Noske – inzwischen Reichswehrminister – die Soldatenräte im Juni 1919 schließlich abschaffen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wichtige Stationen waren dabei:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Verkleinerung des 53er-Ausschusses, dem Zentralrat der Marine im Berliner Reichsmarineamt,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Dem Rat gehörten die folgenden Kieler Personen an: Bock, Hohmann, Klenke, Lebeck, Manschke, Rösler, Stock, Block und Schumann; vgl. Kriegsakten betreff Revolution 1918 und Märzwirren 1920. BArch RM 8/1013, Bl. 73 f. Im Mai 1919 wurde auch ein Verbandssoldatenrat, in dem die Soldatenräte sich überregional organisiert hatten, der aber offensichtlich keinen größere Bedeutung erlangt hat, erwähnt; vgl. Akten des Reichsmarineamts betreffend Arbeiter und Soldatenrat, Juni 1919–März 1922. BArch RM 20/13 Bl. 27.&amp;lt;/ref&amp;gt; auf sechs Personen. Der Rat wollte die neue Marine auf Völkerverständigung und eine reine Verteidigung festlegen. Dies stieß jedoch bei den weiter nach „Weltgeltung“ strebenden „Tirpitzianern“, zu denen die vorgesehenen Führer der Marine (insbesondere v. Trotha)&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Konteradmiral Adolf von Trotha (1868–1940), ab März 1919 Chef der Admiralität, im Oktober 1919 zum Vizeadmiral befördert, unterstützte den Kapp-Putsch und wurde später Propagandist für die NSDAP.&amp;lt;/ref&amp;gt; gehörten, sowie auch bei Noske selbst, auf großen Widerstand. Aufgrund von Noskes Kritik, der auf dem Reichsrätekongress eine Verschleppung von Entscheidungen bemängelte, wurde der Rat auf sechs Mitglieder verkleinert und damit in seinen Wirkungsmöglichkeiten (bei einem Amt mit etwa 1000 Beschäftigten) stark eingeschränkt. Der stellvertretende Vorsitzende des Kieler OSR, Robert Pfaff (SPD), der auch am Reichsrätekongress teilnahm, unterstützte Noske bei seinem Vorgehen. Wette vermutet, dass Noskes Beanstandungen eher auf die inzwischen USPD-nahe Programmatik des 53er Rats zurückgingen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Wette, Noske, S. 272–280.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Der Aufbau der 1. Marine-Brigade (inoffizielle Bezeichnung: Eiserne Brigade oder Eiserne Division) durch die Deckoffiziere auf Anforderung Noskes Anfang Januar 1919. Im OSR argumentierten die Deckoffiziere damit, dass die Truppe für die Grenzsicherung im Osten gebraucht würde. Sie wurde dann aber bei den Kämpfen in Berlin und danach auch in weiteren Städten, u.&amp;amp;nbsp;a. in Bremen eingesetzt. Dies führte am 6. Januar 1919 zum Rückzug Karl Artelts aus dem OSR. Den Vorsitz übernahm zunächst Max Hartig für 10 Tage dann der Signalmeister und Deckoffizier Franz Riefstahl,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Über Riefstahl ist ebenfalls nur wenig bekannt, obwohl er neben Popp und Artelt eine besonders wichtige Rolle in der Soldatenratsbewegung spielte: Riefstahl war zunächst wohl die zentrale Figur in dem nur bis zum 3. Dezember 1918 existierenden Generalobmannbüro. Neben Riefstahl waren hier noch der Oberheizer Klaus, der Ubootsmaschinistenmaat Tscharutke, der Schreiber Au und der Oberschreiber Rothenbacher tätig. Das Büro wurde parallel zum OSR eingerichtet und diente den Obmännern, wie die von den einzelnen Soldatenräten in den Großen Soldatenrat entsandten Delegierten genannt wurden, als Ansprechstelle. Mit Riefstahls Wahl in den OSR wurde es offenbar aufgelöst. Vgl. Dähnhardt, Revolution, S. 131. Riefstahl gehörte dem OSR von Anfang Dezember 1918 bis Ende März 1919 ununterbrochen an, und war mit 2 ½ Monaten der am längsten auf diesem Posten dienende Vorsitzende. Obwohl Riefstahl der SPD angehörte und deutlich moderater war  als Popp und Artelt, verfolgten ihn die Seeoffiziere mit großem Hass. So bezeichnete v. Loewenfeld ihn als „widerlichen, aufgeblasenen roten Gesellen und Offiziershasser“. Der Stabschef Konteradmiral Küsel schrieb über ihn, er habe sich dann besonders hervorgetan, wenn es galt die Seeoffiziere zu bekämpfen. Riefstahl war später Amtmann in Berlin und wird im „Vorwärts“ vom 15. Oktober 1919 (S. 4) unter den „Groß-Berliner Parteinachrichten“ erwähnt. In einer Versammlung für „Sozialdemokratische Beamte, Angestellte und Hülfskräfte der Gemeindebehörden Groß-Berlins“ referierte Riefstahl über „Revolution und Beamtenschaft.“ Das preußische Innenministerium unter Göring ließ 1934 Erkundigungen über Riefstahl einziehen, um ihn aus dem Beamtendienst zu entfernen. Dabei übermittelte Küsel die genannte Denunziation. Wette vermutet, dies habe ausgereicht, um den Stadtamtmann Riefstahl aus dem Beamtendienst zu entfernen. Vgl. Wette, Noske, S. 261 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; während Hartig sein Stellvertreter wurde. Hartig schied am 7. Februar aus, auf ihn folgte Bublat als Stellvertreter.&amp;lt;ref&amp;gt;Klaus Kuhl: &#039;&#039;Die Kieler Eiserne Division – ein besonderer Fall in der militärischen Landschaft der Weimarer Republik.&#039;&#039; In: Rolf Fischer (Hrsg.): Brennpunkte 1918. Orte der Revolution in Schleswig-Holstein. Kiel 2023, S. 113–132.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Neuordnung der Kommandogewalt. Diese hatte bisher weitgehend in den Händen der Soldatenräte gelegen. Gegen einen bekannt gewordenen Entwurf legte der Kieler OSR Protest ein. Dieser Protest wurde auch am 1. Februar 1919 von der Kieler SPD-Zeitung unterstützt. Man sah in Noskes Planungen den Versuch, die Zustände vor der Revolution wieder einzuführen.&amp;lt;ref&amp;gt;Anonym: Neuregelung der Kommandogewalt. In: SHVZ, 1. Februar 1919, S. 1.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Entwurf war Mitte Januar vom neuen Kriegsminister Oberst Walther Reinhardt vorgelegt, vom Zentralrat der Deutschen Sozialistischen Republik&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Ein vom Reichsrätekongress im Dezember 1918 eingerichtetes Gremium zur Überwachung und zur Kontrolle des Rats der Volksbeauftragten.&amp;lt;/ref&amp;gt; geringfügig geändert und dann von der Regierung angenommen worden. Das Verordnungswerk wurde am 19. Januar verabschiedet, gab die Kommandogewalt zurück an die Offiziere und schränkte die Befugnisse der Soldatenräte stark ein. Fronttruppen und Freikorps waren ausgenommen, dort hatten Soldatenräte sowieso einen schweren Stand oder wurden gar nicht geduldet.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Wette, Noske, S. 333–339.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Rahmen verschiedentlicher Proteste der Kieler Räte bei Noske fühlten sich die Delegationsmitglieder Riefstahl, Klaus, Rannow und Thümmel von Noske „wie Handwerksburschen“ behandelt.&amp;lt;ref&amp;gt;Wette, Noske, S. 260.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Der große Protest der Kieler Arbeiterschaft gegen Noskes kompromissloses militärisches Vorgehen gegen die Bremer Räterepublik Anfang Februar 1919; aufgrund der begeleitenden militanten Aktionen der KPD auch als Kieler „Spartakus-Putsch“ bezeichnet. Im Verlauf der bewaffneten Auseinandersetzungen erlaubte Noske dann die Aufstellung der 3. Marine-Brigade durch Wilfried von Loewenfeld, die dann die Sicherheitstruppe des Soldatenrats dominierte.&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhl, Garbe, S. 47 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Am 25. Februar erfolgte dann eine Neuwahl des OSR und der erneut zum Vorsitzenden gewählte Riefstahl verkleinerte den bereits auf 12 Mitglieder reduzierten OSR auf nunmehr neun Personen. Dabei handelte es sich neben Riefstahl um Bublat (Stellvertreter), Schlüter (Schriftführer), Klaus, Rannow, Rath, Widmaier, Thümmel und Dräger.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Rackwitz, Kiel 1918, S. 183; sowie Anonym: Neuwahl des Obersten Soldatenrates. In: Kieler Zeitung vom 1. März 1919, Morgenausgabe.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Einsetzung eines Seeoffiziers als Stationschef wurde von Noske gegen den Widerstand von OSR und Arbeiterrat nach verschiedenen Anläufen durchgesetzt. Dabei verlor Garbe als Noskes Nachfolger auf dem Posten des Kieler Gouverneurs seine militärische Befehlsgewalt und wurde zum „Zivilgouverneur“ herabgestuft. Der OSR wurde nun nur noch als Stationssoldatenrat bezeichnet. Am 10. März 1919 wurde Konteradmiral Meurer als Stationschef eingesetzt. Wenig später verlor Garbe auch seinen Titel als Zivilgouverneur. Am 31. März 1919 schieden Riefstahl, Klaus, Bublat und Thümmel aus dem OSR/Stationssoldatenrat aus. Neuer Vorsitzender wurde der Oberfeuerwerkermaat Rudolf Rannow (SPD),&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Rannow, geb. 25. Januar 1887 in Oramburg (Pommern), wird in dem Bericht des Kapitänleutnants Peter Köhler am 7. November 1918 als Obmann des Soldatenrats erwähnt; Köhler: Revolutionsereignisse, S. 14. Rannow war im April 1919 Delegierter für den 2. Reichsrätekongress, wo er den Wahlbezirk Ostseestation vertrat. Er organisierte im April 1919 den Zusammenschluss von Berufssoldaten, die sich zur SPD bekannten (im Hinblick auf eine zu gründende republikanische Volkswehr), beteiligte sich an der Abwehr des Kapp-Putsches in Kiel und wurde Kommandeur der gegen den Putsch aufgebauten Arbeiterwehr. In der Personalamtsakte „Wahlen von Stadträten und Bürgermeistern“ im Stadtarchiv Kiel (Sign. 31980) wird er ab 1920 als Stadtsekretär geführt. Im Jahr 1926 meldete er sich nach Lägerdorf ab. Vgl. Wette, Noske, S. 260 und 865; Roß, Reichsrätekongresse, S. 202; Dähnhardt/Granier, Kapp-Putsch in Kiel, S. 110 ff.; BArch 8/1022, Bl. 61 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt; sein Stellvertreter wurde der Feldwebel Paul Dräger.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Dräger war 1920 Führer im Reichswirtschaftsverband deutscher derzeitiger und ehemaliger Berufssoldaten (RdB, Vorläufer des Deutschen Bundeswehr Verbands) in Kiel. Er spielte eine aktive Rolle bei der Niederschlagung des Kapp-Putsches. Vgl. Dähnhardt/Granier, Kapp-Putsch in Kiel, S. 41, 72, 140.&amp;lt;/ref&amp;gt; Außerdem gehörte nach wie vor der Feldwebel Schlüter&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Nachdem Marinewaffen heimlich auf das Gut des Prinzen Heinrich in Hemmelmark verbracht worden waren, wurden dort im April 1919 Durchsuchungen vorgenommen, an denen Schlüter (stellvertretend für Rath) vom OSR, und Otto Eggerstedt vom Volksrat beteiligt waren. Es wurden 30 Gewehre mit Munition gefunden, die Heinrich von einem Seeoffizier geliefert worden waren. Bald darauf beschwerte sich der neue Stationschef Meurer in Berlin bei v. Trotha, dass der Soldatenrat wiederum gegen Vorschriften verstoßen habe, als er sich nach diesen Vorfällen bei weiteren Hausdurchsuchungen des Volksrats in Kitzeberg (Villenviertel auf dem Ostufer der Kieler Förde) beteiligte. Nach Aussagen des Stationssoldatenrats hatte Meurer die Beschwerde auf Anweisung Noskes verfasst. Vgl. Akten des Reichsmarineamts betreffend Arbeiter und Soldatenrat, Juni 1919–März 1922. BArch RM 20/13 Bl. 30–47.&amp;lt;/ref&amp;gt; dem Rat an. Am 12. Mai 1919 wurde das Mitglied im Stationsssoldatenrat, Rath, durch den Feldwebel und Marinefeuerwerker Adolf Schmalix&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Schmalix (1890–1956) gehörte zur 1. Marine-Division und beteiligte sich am Aufbau des Reichswirtschaftsverbands derzeitiger und ehemaliger Berufssoldaten und des Republikanischen Führerbunds. Er engagierte sich im Kampf gegen den Kapp-Putsch, setzte sich dabei für die Bewaffnung der Arbeiterschaft ein und wurde für mehrere Tage verhaftet. Zu einem von ihm zu verantwortenden Unterschlagungsfall in seiner Abteilung erklärte er, „infolge seines Kampfes mit den höchsten Behörden“ sei es ihm nicht möglich gewesen, den Fall zur Anzeige zu bringen. Er verließ Kiel, entwickelte sich zum „völkisch-antisemitischen Extremnationalisten“ und beteiligte sich am Hitler-Putsch. Ab 1924 lebte er in Erfurt, wo er Schriftleiter und Herausgeber des Wochenblattes &amp;quot;Echo Germania&amp;quot; wurde. In dem Blatt pöbelte er gegen prominente Bürger, mit Vorliebe gegen Juden, Ausländer oder Demokraten, denen er dann anbot, sich freizukaufen, um weiteren Schmähungen zu entgehen. Im Frühjahr 1928 rief er den &amp;quot;Großdeutschen Freiheitsbund&amp;quot; ins Leben, dessen Programm aus einem Sammelsurium gängiger nationalistisch-völkischer Ansichten und Feindbilder bestand. Bei der Kommunalwahl in Erfurt errang er in einer reichsweiten Sensation 10 von 52 Mandaten. Später trat der der NSDAP bei. Nach dem Zweiten Weltkrieg saß Schmalix noch 1956 im Kreistag im Landkreis Roding (Oberpfalz). Vgl. Dähnhardt/Granier, Kapp-Putsch in Kiel, S. 24 f. und 41; Anonym: Ein rehabilitierter Berufssoldat. In: Republik, 26. März 1920; Steffen Raßloff: &#039;&#039;Erfurt begeht moralischen Selbstmord. Adolf Schmalix und die Großdeutsche Freiheitsbewegung.&#039;&#039; In: Stadt und Geschichte. Zeitschrift für Erfurt. 13 (2001). S 28 f. Online zugänglich (aufgerufen am 25. Septrember 2024) unter: [http://www.erfurt-web.de/Adolf_Schmalix].&amp;lt;/ref&amp;gt; ersetzt. Zu diesem Zeitpunkt gehörten dem Rat neben den genannten Rannow, Dräger, Schmalix und Schlüter noch Widmaier und Arnold (Minensuchflottille) an.&amp;lt;ref&amp;gt;Station O: Akta betr. XI a (Soldatenrat). BArch RM 31/2375 Bl. 22.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits einige Tage vorher, am 6. März 1919, war das Gesetz über die vorläufige Reichswehr verkündet worden. Es war unter Führung des Kriegsministers von Offizieren erarbeitet worden. In der parlamentarischen Debatte machte Noske deutlich, dass sozialdemokratische Vorstellungen zurzeit zurückgestellt werden müssten, um Deutschland wieder wehrhaft zu machen. Mit dem verabschiedeten Gesetz wurden die Freikorps sanktioniert, republikanische Verbände und Soldatenräte wurden abgeschafft.&amp;lt;ref&amp;gt;Wette, Noske, S. 358–368.&amp;lt;/ref&amp;gt; Am 5. Juni 1919 wurde auch der Kieler Soldatenrat abgeschafft. Es gab jetzt nur noch Vertrauensleute mit Beschwerderechten, die ohne gesetzliche Fixierung lediglich gemäß Marine-Verordnungsblatt MVBl 17, S. 208 und 209 zu wählen waren.&amp;lt;ref&amp;gt;Wette, Noske, S. 368.&amp;lt;/ref&amp;gt; Schmalix und Widmaier werden noch im September 1919 als Vertrauensleute erwähnt, wobei sie sich über die ständig weiter eingeengte Bewegungsfreiheit beschweren.&amp;lt;ref&amp;gt;Akte Reichsmarineamt Juni 1919–März 1922. BArch RM 20/13 Bl. 129 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein weiterer Vertrauensmann war der, als bewährter Deckoffizier von Noske zum Leutnant zur See beförderte, Carl von Seydlitz. Seydlitz wurde nach dem Kapp-Putsch kurzzeitig Stationschef in Kiel, weil die Seeoffiziere wegen Putschbeteiligung suspendiert worden waren oder aus Solidarität den Dienst verlassen hatten.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Klaus Kuhl: &#039;&#039;Leutnant zur See Carl von Seydlitz. Der Kampf für die Demokratisierung der Reichsmarine.&#039;&#039; In: Rolf Fischer (Hrsg.): Sehnsucht nach Demokratie. Neue Aspekte der Kieler Revolution 1918. Kiel 2020, S. 23-35.&amp;lt;/ref&amp;gt; Demokratisch und republikanisch orientierte Soldaten und Offiziere wurden jetzt langsam aber stetig aus dem Militär gedrängt.&amp;lt;ref&amp;gt;Wette, Noske, S. 560, 697.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch Seydlitz gab 1923 auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Räteidee lebte aber im zivilen Bereich weiter. Garbe hatte den Vorsitz im Arbeiterrat mit seiner Ernennung zum Gouverneur abgegeben. Nachfolger wurde Peter Hillbrecht (SPD), zweiter oder gleichberechtigter Vorsitzender J. Claßen (auch Classen geschrieben) von der USPD. Der Rat gab seinen Anspruch, als provisorische Regierung der Provinz Schleswig-Holstein zu fungieren, an den neu gebildeten Volksrat ab. Diesem gehörten auch Vertreter anderer Räte aus Schleswig-Holstein sowie kurzzeitig ein Mitglied des OSR an.&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhl, Garbe, S. 48 f. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während der Soldatenrat als wichtigstes Ziel eine Demokratisierung des Militärs verfolgte, stand bei dem Arbeiterrat die Demokratisierung der Wirtschaft im Zentrum. Besonders die Führer der Werften gehörten meist der rechtsradikalen Deutschen Vaterlandspartei an. Sie besaßen einen großen politischen Einfluss. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitte März wurden Neuwahlen zu den Arbeiterräten durchgeführt. Die Parität mit der USPD wurde aufgegeben, damit konnte diese nur noch eine marginale Rolle in den Räten spielen. Die Beteiligung an den Wahlen war gering, was zu einem weiteren Bedeutungsverlust führte. Im neu konstituierten Arbeiterrat wurden Peter Hillbrecht zum ersten und Otto Eggerstedt&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Eggerstedt (1886–1933 im KZ Esterwegen ermordet) erlernte den Beruf des Bäckers und war Soldat im Ersten Weltkrieg. Er berichtete, wie er dazu beitrug, dass sich auf dem Rückmarsch von der Front Soldatenräte bildeten (Otto Eggerstedt: Die Revolution im Felde! In: SHVZ, 5. November 1919). Zurück in Kiel engagierte Eggerstedt sich stark bei Versuchen eine demokratische Einwohnerwehr aufzubauen und war während des Kapp-Putsches an führender Stelle am Aufbau der Arbeiterwehr beteiligt. Ab Juli 1919 war er Parteisekretär der SPD in Kiel und von 1919 bis 1924 Stadtverordneter von Kiel. Im März 1921 rückte er für Albert Billian in den Reichstag nach, dem er durchgehend bis 1933 angehörter. Ab 1927 war er in der preußischen Verwaltung tätig, ab April 1928 als Regierungsrat und Leiter des Polizeiamtes Wandsbek. Ab 1929 wurde er, das erste halbe Jahr kommissarisch, Polizeipräsident von Altona-Wandsbek mit Sitz in Altona. In seine Dienstzeit fiel der so genannte Altonaer Blutsonntag, der als Anlass für die Beseitigung der sozialdemokratischen preußischen Regierung, eines der letzten Bollwerke gegen die Machtübernahme durch die Nazis, herhalten musste. Vgl. Autoren der SPD-Geschichtswerkstatt: Otto Eggerstedt. Online zugänglich (aufgerufen am 25. September 2024) unter: [https://www.spd-geschichtswerkstatt.de/wiki/Otto_Eggerstedt].&amp;lt;/ref&amp;gt; zum zweiten Vorsitzenden gewählt. Weitere Mitglieder waren der Redakteur der SHVZ Bernhard Rausch und J. Classen (oder Claßen) für die USPD. Als Aufgaben des Rats wurde benannt: Den Räten sollte nicht die ganze politische Macht übertragen werden, sondern sie sollten „die denkbar wichtigsten wirtschaftlichen Aufgaben“ erhalten: die „Mitleitung der Fabrikbetriebe und die Sozialisierung“. Sie sollten politisch fortwirken, solange der Beamtenkörper nicht hinreichend demokratisch erneuert sei.&amp;lt;ref&amp;gt;Anonym: Der Kieler Arbeiterrat. In: SHVZ, 24. März 1919.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich musste der Arbeiterrat im September seine Arbeit einstellen, weil keine Gelder mehr bewilligt wurden. Im Zuge des reformierten – nunmehr demokratischen – Wahlrechts waren jedoch viele seiner Mitglieder und Beigeordneten in die entsprechenden Gremien gewählt worden und konnten so – anders als bei den Soldatenräten – weiter Einfluss ausüben. Für Garbe war diese Entwicklung folgerichtig. Er sagte in seiner Wahlkampfrede anlässlich seiner Kandidatur für die Kommunalwahl Anfang März in Kiel: „Ich bin kein großer Freund der Arbeiterräte, deren Zeit bald vorbei sein dürfte. […] Die Räte sollen im Rathaus sitzen. […] wo sie besser arbeiten können wie heute als Beiräte.“&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhl, Garbe, S. 49 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Räteidee war auch von der Nationalversammlung aufgenommen worden, insbesondere, um der in der Arbeiterbewegung weit verbreiteten, immer wieder vorgetragenen Forderung nach Sozialisierung und Demokratisierung der Wirtschaft entgegenzukommen. Eine Kombination von Parlamentarismus und Rätesystem war also durchaus denkbar.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. dazu Peter von Oertzen: &#039;&#039;Betriebsräte in der Novemberrevolution. Eine politikwissenschaftliche Untersuchung über Ideengehalt und Struktur der betrieblichen und wirtschaftlichen Arbeiterräte in der deutschen Revolution 1918/19.&#039;&#039; Düsseldorf 1963 (Beiträge zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien, Band 25), S. 57–67.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Gespräch waren etwa Wirtschaftsräte, doch erst 1930 wurde ein Entwurf für die Ausgestaltung des Reichswirtschaftsrats vorgelegt, der jedoch zu der Zeit keine Aussichten mehr auf Umsetzung hatte und nicht die notwendige Zweidrittelmehrheit erhielt. Übrig blieben schließlich nur noch die Betriebsräte. Im Februar 1920 wurde das Betriebsrätegesetz verabschiedet, das allerdings die Mitwirkungsmöglichkeiten nach ursprünglichen Forderungen einer weitgehenden Kontrollfunktion  nur noch auf soziale Belange beschränkte. Garbe, der vermutlich hinter der Aussage in der SHVZ stand, dass man den Arbeiterräten die „Mitleitung der Fabrikbetriebe“ übertragen wollte, äußerte sich in seinem Bericht im Jahr 1920 entsprechend enttäuscht über das Betriebsrätegesetz.&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhl, Garbe, S. 50.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
Damit war die Rätebewegung in Kiel, die die politische Demokratie erkämpft hatte, mit ihren weitergehenden Vorstellungen einer Demokratisierung von Militär und Wirtschaft gescheitert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellen und Literatur ==&lt;br /&gt;
* Lothar Popp, Karl Artelt: &#039;&#039;Ursprung und Entwicklung der November-Revolution 1918. Wie die deutsche Republik entstand.&#039;&#039; Kiel 1918. Reprint als Sonderveröffentlichung der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Band 15, S. III 1–30. Im Jahr 2020 leicht gekürzt und kommentiert veröffentlicht in: IG Metall Bezirksleitung Küste (Hrsg.): &#039;&#039;Matrosenaufstand und Novemberrevolution 1918.&#039;&#039; Hamburg 2020, S. 96–115, ISBN 978-3-96488-063-5.&lt;br /&gt;
* Gustav Noske: &#039;&#039;Von Kiel bis Kapp. Zur Geschichte der deutschen Revolution.&#039;&#039; Berlin 1920 ([https://portal.dnb.de/bookviewer/view/1131562372#page/n6/mode/1up Digitalisat]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Klaus Kuhl: &#039;&#039;Gustav Garbe – bedeutender Kieler Gewerkschaftsfunktionär, Vorsitzender des Kieler Arbeiterrats und zweimaliger Gouverneur. Mit Vorworten von Frank Hornschu, Geschäftsführer und Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes Kiel Region, und von Stephanie Schmoliner, 1. Bevollmächtigte der IG Metall Kiel-Neumünster.&#039;&#039; Kiel 2023.&lt;br /&gt;
* Martin Rackwitz: &#039;&#039;Kiel 1918. Revolution, Aufbruch zu Demokratie und Republik.&#039;&#039; Kiel 2018, ISBN 978-3-529-05174-6.&lt;br /&gt;
* Dirk Dähnhardt: &#039;&#039;Revolution in Kiel. Der Übergang vom Kaiserreich zur Weimarer Republik 1918/19.&#039;&#039; Karl Wachholtz, Neumünster 1978, ISBN 3-529-02636-0.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
* Wikipedia: Arbeiter- und Soldatenrat [https://de.wikipedia.org/wiki/Arbeiter-_und_Soldatenrat].&lt;br /&gt;
* [[Zeitzeugen_Matrosen%E2%80%93_und_Arbeiteraufstand_1918/1919|Zeitzeugen]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references group=&amp;quot;A&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:1911-1920]] [[Kategorie:Erster Weltkrieg]] [[Kategorie:Kieler Arbeiter- und Matrosenaufstand]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Klaus Kuhl</name></author>
	</entry>
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		<id>https://kiel-wiki.de/index.php?title=Kieler_Arbeiter-_und_Soldatenr%C3%A4te&amp;diff=67880</id>
		<title>Kieler Arbeiter- und Soldatenräte</title>
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		<updated>2025-09-09T14:12:12Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Klaus Kuhl: /* Im November 1918 übernehmen die Räte die Kontrolle */ Ergänzung zu Ullrich&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Obwohl der Begriff &#039;&#039;&#039;Arbeiter- und Soldatenrat&#039;&#039;&#039; auch in Kiel benutzt wurde, gab es hier streng genommen keine gemeinsame Räteorganisation der Arbeiterschaft und der Soldaten. Im Folgenden wird die Entwicklung der Kieler Räte beschrieben und – soweit bekannt – werden die Mitglieder vorgestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Arbeiterrat im Januar 1918 ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Lothar_popp_mid-1920s.jpg|thumb|Passfoto Lothar Popp, aufgenommen vermutlich Mitte der 1920er-Jahre, Hamburger Staasarchiv.]] Ein erster Arbeiterrat wurde anlässlich der reichsweiten Januarstreiks 1918 gegründet, die in Kiel ihren Anfang nahmen und auf die österreichischen Jännerstreiks folgten. [[Zeitzeugen_Matrosen%E2%80%93_und_Arbeiteraufstand_1918/1919#Lothar_Popp|Lothar Popp]] (USPD) wurde per Akklamation auf dem [[Wilhelmplatz]] in einer Versammlung der Streikenden zum Vorsitzenden bestimmt. Ziel war es, die deutsche Oberste Heeresleitung daran zu hindern, von Russland, das aus dem Krieg ausschied, große territoriale und finanzielle Zugeständnisse zu erpressen. Die Streikenden sahen dadurch den Friedensschluss gefährdet. In Kiel wurde eine entsprechende Resolution verabschiedet, die an die deutsche Regierung geschickt wurde. Popp schrieb: „Wir hatten auf dem Wilhelmplatz zunächst einmal als Grundstock des Arbeiterrates 10 Kollegen der Germania-Werft gewählt, die übrigen Betriebe sollten (was nachher auch geschah), die weiteren Wahlen unter sich vornehmen. Uns leitete der Gedanke, daß der Arbeiterrat […] geeignet erscheine, die Interessen der Arbeiter zu vertreten, ohne durch den Parteienstreit in seiner Tätigkeit beengt zu sein.“&amp;lt;ref&amp;gt;Lothar Popp unter Mitarbeit von Karl Artelt: &#039;&#039;Ursprung und Entwicklung der November-Revolution 1918. Wie die deutsche Republik entstand.&#039;&#039; Kiel 1918 (Reprint als Sonderveröffentlichung der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Band 15), S. III 1–30, hier S. III 7. Im Jahr 2020 leicht gekürzt und kommentiert veröffentlicht in: IG Metall Bezirksleitung Küste (Hrsg.): &#039;&#039;Matrosenaufstand und Novemberrevolution 1918.&#039;&#039; Hamburg 2020, S. 96–115.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist unklar, ob die Organisation längerfristig existierte, weil Popp und zwei weitere USPD-Führer (Heinrich Strunk und Emil Theil) verhaftet und zu teils mehrjährigen Gefängnisstrafen verurteilt wurden. Popp musste zwei Monate in Neumünster einsitzen.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Es gibt nur einen weiteren Hinweis, dass diese Räte länger Bestand gehabt haben könnten: Julius Bredenbeck, damals 11 Jahre alt, aber durch Vater und Onkel bereits gut über die Arbeiterbewegung orientiert, sagte in einem 1989 geführten Interview: „In einzelnen Betrieben gab es schon Arbeiterräte, die sich selbst gebildet hatten, ohne Rechtsgrundlage, einfach aufgrund der Stärke der Organisation. Die zum Teil also auch mit sehr großem revolutionärem Pathos an die Arbeit gingen. In anderen Betrieben waren auch Arbeiterräte, die aber mehr daran interessiert waren, notwendige Dinge, Schwierigkeiten in der Versorgung mit Lebensmitteln usw. weitgehend mit zu steuern. Man kann nicht sagen, dass es eine einheitliche Stimmung gab. Das wurde anders als damals die Matrosen Befehlsverweigerung machten. […] Da war eine allgemeine Solidarität in der gesamte Kieler Arbeiterschaft feststellbar“. Popp selbst gibt in einem Interview mit Dirk Dähnhardt an, der erste Arbeiterrat habe sich aufgelöst (vgl. Klaus Kuhl: &#039;&#039;Lothar Popp – Führer des Kieler Matrosenaufstands 1918 im Streitgespräch mit einem 68er. Interviews mit Lothar Popp.&#039;&#039; Kiel/Hamburg 1970–1978, S. 42. Online zugänglich (aufgerufen am 26. September 2024) unter: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:kuhl_streitgespraech-m-l-popp_1978_plus-weitere-interv-u-gespraeche.pdf]). Eventuell liegt bei Bredenbeck eine Verwechselung mit den Arbeiterausschüssen nach dem Hilfsdienstgesetz vom Dezember 1916 vor.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Im November 1918 übernehmen die Räte die Kontrolle ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Artelt and comrades Kiel-Wik 1914.jpg|mini|Karl Artelt ganz links als Angehöriger der I. Werft-Division, (Ausschnittsvergrößerung rechts), gemeinsam mit Kameraden der I. Torpedo-Division in Kiel-Wik, September 1914]]&lt;br /&gt;
Im Verlauf des Kieler Matrosenaufstands entstand dann zuerst im Kasernengelände der Wik am 4. November 1918 ein Soldatenrat, zu dessen Vorsitzenden Oberheizer [[Zeitzeugen_Matrosen%E2%80%93_und_Arbeiteraufstand_1918/1919#Karl_Artelt|Karl Artelt]] (USPD) gewählt wurde. In der Popp/Artelt Broschüre heißt es dazu: „Nachdem Kamerad Artelt und T[h]ümmel zur Wahl von Soldatenräten aufgefordert hatte, vollzog sich die Wahl kompagnieweise. Jede Kompagnie wählte vier Soldatenräte. […] Die erste Soldatenratssitzung in ganz Deutschland tagte im Speisesaal am Montag, den 4 November. Kamerad Artelt wurde als erster, Kamerad Ehle als zweiter Vorsitzender gewählt.“&amp;lt;ref&amp;gt;Popp/Artelt, Ursprung, S. III 16.&amp;lt;/ref&amp;gt; Als weitere Mitglieder konnten bisher festgestellt werden: [[Zeitzeugen_Matrosen%E2%80%93_und_Arbeiteraufstand_1918/1919#Fritz_Fischer|Matrose Fritz Fischer]], Heizer Schaaf – diese gehörten zur ersten Verhandlungsdelegation beim Gouverneur – und vermutlich noch Matrose Erich Thümmel&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;In der SHVZ Jahrgang 1957 (genaues Datum unbekannt) wurde ein Nachruf auf Thümmel veröffentlicht, nachdem dieser im Alter von 64 Jahren verstorben war. Dort heißt es u.&amp;amp;nbsp;a., dass beim Kieler Aufstand „…ein riesiger, schwarzhaariger Torpedobootmatrose mit buschigen Augenbrauen eine führende Rolle [spielte]. Oftmals stand er auf dem großen Kandelaber auf dem Wilhelmplatz und sprach zu den zahlreich versammelten. Schon bald bekam er den Spitznamen ‚Der rote Matrose’. … Bereits lange vor 1918 stand er im Vordergrund der revolutionären Bewegung und auch nach 1945 sah man ihn alljährlich bei der Kranzniederlegung an den Gräbern seiner gefallenen Kameraden der Revolution und des Abwehrkampfes gegen den Kapp-Putsch.“ Thümmel wurde Mitglied des Obersten Soldatenrats. Im Januar 1919 übte er vorsichtige Kritik am Verhalten der inzwischen von den Deckoffizieren dominierten Sicherheitstruppe des Soldatenrats gegenüber einer Arbeitslosenaktion vor und im Rathaus (vgl. OSR: Bekanntmachung. In: Republik, 17. Januar 1919). Im Jahr 1920 war er vermutlich bei der Sicherheitspolizei, wo er sich gegen den Kapp-Putsch engagierte (vgl. Bericht des Sipo-Leutnants Kemsies: Das Verhalten der Sicherheitspolizei Kiel gegenüber der Militärrevolte. 9. April 1920. LAS 301 4458. Online zugänglich (aufgerufen am 26. September 2024) unter: [http://www.kurkuhl.de/docs/sipo_kemsies_arbeiterwehr.pdf]). Von 1938 bis kurz vor seinem Tod war Thümmel Lagermeister des Hansa-Speichers der Schleswig-Holsteinischen landwirtschaftlichen Hauptgenossenschaft.&amp;lt;/ref&amp;gt;(SPD). Zu ihren Forderungen gehörte u.&amp;amp;nbsp;a.: Abdankung des Hohenzollernhauses und die Einführung des allgemeinen, gleichen und geheimen Wahlrechts für beide Geschlechter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kurz darauf entstanden in fast allen militärischen Einheiten ebenfalls Soldatenräte, ohne dass jedoch eine klare Struktur erkennbar gewesen wäre. Sie etablierten sich als direkte Machtorgane der Soldaten anstelle der Offiziere.&amp;lt;ref&amp;gt;Wolfram Wette: Interview von Klaus Kuhl und Kay Gerdes. Freiburg 2016. In: Klaus Kuhl und Kay Gerdes: Begleitheft für den Dokumentarfilm „In Kiel ist Revolution!“ Kiel 2018, S. 52–60, hier S. 54. Online zugänglich (aufgerufen am 31. August 2024) unter: [http://www.kurkuhl.de/docs/begleitheft_dokufilm-in-kiel-ist-revolution_gerdes-kuhl_2018.pdf].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur wenig später fanden sich Aktivisten der Soldaten im Gewerkschaftshaus zusammen und berieten über die weiteren Schritte. Dabei entstanden festere Gruppen, die sich insbesondere um eine Verteidigung der Stadt gegen von auswärts, zur Niederschlagung des Aufstands, entsandte Truppen kümmerten. So berichtete Popp, als er am frühen Morgen des 5. November von der Verhandlung beim Gouverneur ins Gewerkschaftshaus zurückkam, dass „… es schnell [gelang] eine gewisse Einteilung und ein bestimmtes Kommando zu schaffen. In einigen der Zimmer und Bureaus hatte sich der Soldatenrat niedergelassen, der unverzüglich seine Arbeit begann.“&amp;lt;ref&amp;gt;Popp/Artelt, Ursprung, S. III 19.&amp;lt;/ref&amp;gt; Es wurden Passierscheine ausgegeben, um die Bewegungsfreiheit der Offiziere einzuschränken. Flug-Obermaat Nikolaus Goßrau&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Goßrau entwickelte in den Folgetagen die ehrgeizige Idee, sich als rechte Hand Noskes über den Soldatenrat zu stellen. Er setzte sich damit zwischen alle Stühle und ließ sich am 14. November 1918 in ein Lazarett einweisen. Vgl. Klaus Kuhl: Die Ereignisse am 6. November 1918 in Kiel. Kiel 2010. Online zugänglich (aufgerufen am 14. September 2024) unter: [http://www.kurkuhl.de/docs/ereignisse_06-11-1918.pdf].&amp;lt;/ref&amp;gt; begann im Auftrag der Räte mit dem Aufbau eines zentral organisierten Sicherheitsdienstes.&amp;lt;ref&amp;gt;Martin Rackwitz: &#039;&#039;Kiel 1918. Revolution, Aufbruch zu Demokratie und Republik.&#039;&#039; Kiel 2018, S. 114.&amp;lt;/ref&amp;gt; In den Reihen dieser locker strukturierten Soldatenräte genoss Karl Artelt, wie Goßrau andeutet, eine besondere Autorität, weil er die Entwicklung im Militär maßgeblich und mutig vorangetrieben hatte.&amp;lt;ref&amp;gt;Flug-Obermaat Nikolaus Goßrau: Privatakten betr. Revolution 1918. BArch RM 8/1024, Bl. 22.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als weitere Mitglieder dieser frühen, sich im Gewerkschaftshaus zusammenfindenden Soldatenräte, nennt Goßrau sich selbst sowie die Kameraden Braune,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Auch Lothar Popp erwähnt Braune in späteren Interviews: In der entscheidenden Nacht hätten er und „ein gewisser Braune …, (der Braune lebt bei Kiel irgendwo)“ nachts im Stationsgebäude gesessen und Telefonanrufe beantwortet. „Da waren noch welche, wo ich geschwitzt habe dabei.“ Klaus Kuhl: Interviews mit Lothar Popp. Kiel/Hamburg 1970–1978, S. 20, 44 und 60. Online zugänglich (aufgerufen am 15. September 2024) unter: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:kuhl_streitgespraech-m-l-popp_1978_plus-weitere-interv-u-gespraeche.pdf PDF].&amp;lt;/ref&amp;gt; Starke, Hackmann, Falk (Hackmann und Falk konnten nach Aussagen Goßraus über die I., V. und XVII. Halbflottille verfügen), Oberheizer Ruffert,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;In den Popp-Interviews wird, ohne nähere Informationen, der Name Düffert mit Fragezeichen erwähnt. Eventuell handelt es sich hier um dieselbe Person. Vgl. Kuhl, Interviews Popp, S. 42.&amp;lt;/ref&amp;gt; Barghahn und den Matrosen Petersen (Theodor).&amp;lt;ref&amp;gt;Goßrau, Bericht, Bl. 22.&amp;lt;/ref&amp;gt; In einem Bericht des Kommandanten der &#039;&#039;Westfalen&#039;&#039;, Kapitän zur See Max Loesch, wird ein Obermaat Brandt erwähnt, der im Gewerkschaftshaus als Ansprechpartner für Schiffsbesatzungen fungiert habe.&amp;lt;ref&amp;gt;Max Loesch, Kapitän zur See: Vorgänge an Bord (Kiel). Handschriftlicher Bericht 4. und 5. November 1918. BArch RM 31/2373, Bl. 130–133.&amp;lt;/ref&amp;gt; In einem 1958 vermutlich auf Anforderung der SED erstellten Bericht, beschreibt der damalige Unteroffizier Paul Sahnwaldt, dass er dem Soldatenrat der Matrosen-Division angehört hätte.&amp;lt;ref&amp;gt;Paul Sahnwaldt: Der Matrosenaufstand in Kiel 1918. Typoskript 1957. Bundesarchiv, SAPMO, SgY 30/0797, S. 4–8.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Etwa zwei Stunden nach den Soldaten trafen sich auch die Obleute und Vertrauensleute der Betriebe in demselben Saal im Gewerkschaftshaus und beschlossen den Generalstreik zur Unterstützung der Bewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:14 Kieler Punkte.jpg|mini|Die 14 Kieler Punkte in der &#039;&#039;Schleswig-Holsteinischen Volkszeitung (SHVZ)&#039;&#039;]]&lt;br /&gt;
Um 22 Uhr fand eine nochmalige Beratung im Gewerkschaftshaus statt. Circa 40 Vertrauensleute verschiedener Schiffe und Formationen sowie sechs Arbeiter kamen zusammen und verabschiedeten schließlich die bekannten Kieler 14 Punkte, die vielen Räten in ganz Deutschland als Richtschnur dienten.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Popp/Artelt, Ursprung, S. III-21.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dänhardt sieht in der politischen Kurzsichtigkeit, die in diesem Katalog zum Ausdruck kommt, eine wesentliche Ursache, dass die Soldatenräte nach ca. sechs Monaten wieder abgeschafft werden konnten.&amp;lt;ref&amp;gt;Dirk Dähnhardt: &#039;&#039;Revolution in Kiel. Der Übergang vom Kaiserreich zur Weimarer Republik 1918/19.&#039;&#039; Neumünster 1978, S. 89–93.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:gustav_garbe.jpg|150px|mini|Foto Gustav Garbes aus dem Kieler Gewerkschaftshaus, aufgenommen vermutlich in den 1920er-Jahren.]] Am frühen Morgen des folgenden Tages (5. November 1918) bildete sich ein Arbeiterrat aus den Obleuten der Großbetriebe, vierzehn Vorstandsmitgliedern beider sozialdemokratischer Parteien und dem Vorsitzenden des Kieler Gewerkschaftskartells Garbe. Letzterer wurde zum Vorsitzenden gewählt.&amp;lt;ref&amp;gt;Popp/Artelt, Ursprung, S. III-21–23.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Untersuchungen Dirk Dähnhardts bestand der Arbeiterrat aus den folgenden Personen:&amp;lt;ref&amp;gt;Dirk Dähnhardt: Brief an Gundula. Freiburg, 18. Oktober 1975. Wissenschaftlicher Nachlass, StAK Sign. 65496. Die Charakterisierung als „Obleute“ wurde nicht von Dähnhardt vorgenommen, ergibt sich aber daraus, dass SPD und USPD nur jeweils sieben Personen entsandten. Bei der Feststellung der Parteizugehörigkeit wurde Dähnhardt von Gertrud Völcker und Heinrich Bohnsack unterstützt; vgl. Dähnhardt, Revolution, S. 92 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Obleute der Großbetriebe (15, von den meisten ist die Parteizugehörigkeit nicht bekannt, jedoch dürfte die Mehrheit der SPD zuzurechnen sein): Heinrich Bohnsack,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Bohnsack wurde 1893 geboren, war im Ersten Weltkrieg Soldat, war später DMV-Sekretär, kam während der Nazi-Zeit in das Vorläufer KZ Lichtenberg und emigrierte anschließend nach Schweden. Nach seiner Rückkehr war er 1950–1954 Bezirksleiter der IG-Metall Küste. Vgl. Thomas Pusch: &#039;&#039;Politisches Exil als Migrationsgeschichte. Schleswig-Holsteiner EmigrantInnen und das skandinavische Exil 1933–1960.&#039;&#039; Dissertation vorgelegt an der Universität Flensburg 2003. Online zugänglich (aufgerufen am 16. September 2024) unter: [https://www.zhb-flensburg.de/?id=16381].&amp;lt;/ref&amp;gt; Fiebig, Glup, Jatow, Kazda, Krause, Künzel, Küpel, Wilhelm Leopold,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Von 1920 bis 1933 Erster Bevollmächtigter des Kieler Metallarbeiterverbands (DMV).&amp;lt;/ref&amp;gt; Neumann, Rehle, Huß (SPD), Lintzel (SPD), Wiese (USPD), Eduard Wolke (SPD).&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Wolke stiftete später zusammen mit Karl Edler den Gedenkstein für die Revolutionsopfer auf dem Eichhof-Friedhof; vgl. Johannes Rosenplänter: &#039;&#039;Zur Entstehung der ‚Ruhestätte der Opfer der Revolution‘ auf dem Kieler Eichhoffriedhof 1918–1924. Ein Werk des Landschaftsarchitekten Leberecht Migge&#039;&#039;. In: Rolf Fischer (Hrsg.): Revolution und Revolutionsforschung – Beiträge aus dem Kieler Initiativkreis 1918/19. Kiel 2011, S. 101−110, hier S. 105.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Vorstandsmitglieder der SPD (7): Balleng, Beckmann, Bindemann, August Biskupek,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Autoren der SPD Geschichtswerkstatt: August Biskupek. SPD-Geschichtswerkstatt. Online zugänglich (Permanentlink aufgerufen am 16. September 2024) unter: [https://www.spd-geschichtswerkstatt.de/index.php?title=August_Biskupek&amp;amp;oldid=55089].&amp;lt;/ref&amp;gt; [[Zeitzeugen_Matrosen%E2%80%93_und_Arbeiteraufstand_1918/1919#Karl_Edler|Karl Edler]], Fröhlich, Peter Hillbrecht.&lt;br /&gt;
* Vorstandsmitglieder der USPD (7): J. Classen (auch Claßen), Cords, Krogmann, Max Spretke, Springer, Wiechert, Zinser.&lt;br /&gt;
* Vorsitzender des Gewerkschaftskartells: [[Zeitzeugen_Matrosen–_und_Arbeiteraufstand_1918/1919#Gustav_Garbe|Gustav Garbe]] (SPD). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem sich die Macht der Räte im Laufe des 5. November konsolidierte, richtete sich der Blick auch auf weitere drängende Fragen, wie Sicherung der Nahrungsmittelversorgung und Zahlung der Löhnung. Hier bot Gustav Noske, der sich seit dem Vorabend in Kiel befand und an den Verhandlungen teilgenommen hatte, Unterstützung für die Bewegung an, allerdings in der unausgesprochenen Absicht, ihre Ausbreitung zu verhindern. In einer Absprache mit den USPD-dominierten Aktivisten wurde Noskes Angebot angenommen. Dies geschah unter der Bedingung, dass es sich um eine vorläufige Maßnahme handele und dass erst dann weitere politische Entscheidungen getroffen würden, wenn ein mit Noske vergleichbares politisches Schwergewicht der USPD aus Berlin, etwa Hugo Haase&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Hugo Haase (1863–1919), Jurist, war von 1911 bis 1916 einer der beiden Vorsitzenden der SPD, und von 1912 bis 1916 einer der beiden Fraktionsvorsitzenden der SPD im Reichstag. Als Gegner der Kriegspolitik der Mehrheit des SPD-Vorstands aus Fraktion und Partei ausgeschlossen, gründete er 1917 die USPD und war deren Vorsitzender bis 1919. Im November/Dezember 1918 war er gleichberechtigter Vorsitzender mit Friedrich Ebert im Rat der Volksbeauftragten. Er starb im November 1919 an den Folgen eines Attentats.&amp;lt;/ref&amp;gt; eingetroffen wäre. Noske wurde dann per Akklamation auf einer großen Versammlung auf dem Wilhelmplatz zum vorläufigen Vorsitzen der Soldatenräte bestimmt. Seine Aufrufe wurden von Karl Artelt mitunterzeichnet. Anordnungen mussten neben Noskes Unterschrift auch die eines weiteren Soldatenrats-Mitglieds tragen. &lt;br /&gt;
[[Datei:Beschlüsse Soldatenrat Kiel 1918.jpg|mini|Beschlüsse des Soldatenrats vom 5. November 1918]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei wurde inzwischen auch vom Großen Soldatenrat gesprochen, die Zusammenfassung der Räte hatte Fortschritte gemacht, hatte allerdings nach wie vor keine autorisierte Basis, denn Noske wählte hier nach seinem Bekunden im Stationsgebäude nach Gutdünken einen sieben- oder neuenköpfigen Aktionsausschuss aus einer Schar von 50–60 Anwesenden von verschiedenen Schiffen oder Formationen. Von diesen hätte sich ein Großteil als „Versager“ entpuppt.&amp;lt;ref&amp;gt;Gustav Noske: &#039;&#039;Von Kiel bis Kapp. Zur Geschichte der deutschen Revolution.&#039;&#039; Berlin 1920, S. 19 ([https://portal.dnb.de/bookviewer/view/1131562372#page/n6/mode/1up Digitalisat]).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Arbeiterrat ging sofort daran, mittels so genannter Beigeordneter die Zivilverwaltung zu kontrollieren. Den Beigeordneten mussten alle wichtigen Vorgänge vorgelegt werden, und sie konnten in die Entscheidungen eingreifen.&amp;lt;ref&amp;gt;Eine Liste der Beigeordneten findet sich in der Schleswig-HolsteinischenVolks-Zeitung (SHVZ) vom 12. Dezember 1918 (hier nach einer handschriftlichen Aufzeichnung von Dirk Dähnhardt „Beigeordnete für amtliche Stellen“, in seinem wissenschaftlichen Nachlass (Akte 3, Hefter 1), StAK Sign. 65496.&amp;lt;/ref&amp;gt; Als erstes fertigte Garbe eine handgeschriebene Ernennungsurkunde für [[Eduard Adler]] aus. Adler wurde abgestellt, den erzkonservativen Oberbürgermeister [[Paul Lindemann]], der später auch den Kapp-Putsch unterstützte, zu kontrollieren. [[Datei:Garbe ernennung-beigeordneter-adler 1918.jpg|thumb|Ernennungsurkunde für den Beigeordneten Eduard Adler (Vorder- und Rückseite), Stadtarchiv Kiel, Sign. 21392.]] Am 11. November 1918 wurde Adler durch den Stadtverordneten August Biskupek (ebenfalls SPD) ersetzt (Letzterer wiederum wurde aufgrund von Krankheit am 13. Februar 1919 durch den Stadtverordneten Hermann Adam abgelöst).&amp;lt;ref&amp;gt;Rackwitz, Kiel 1918, S. 279 f. Zu Adam vgl.: Autoren der SPD Geschichtswerkstatt: Hermann Adam. In: SPD-Geschichtswerkstatt wiki. Online zugänglich (aufgerufen am 16. September 2024) unter: [https://www.spd-geschichtswerkstatt.de/wiki/Hermann_Adam]. &amp;lt;/ref&amp;gt; Adler wurde zusammen mit Paul Greß (auch Gress)&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Autoren der SPD-Geschichtswerkstatt: Paul Gress. In: SPD-Geschichtswerkstatt-Wiki. Online zugänglich (aufgerufen am 2. September 2024) unter: [https://www.spd-geschichtswerkstatt.de/wiki/Paul_Gress].&amp;lt;/ref&amp;gt; Beigeordneter beim Regierungspräsidenten in Schleswig. Auch der Oberpräsident für Schleswig-Holstein, der damals seinen Sitz in Kiel hatte, erhielt einen Beigeordneten des Arbeiterrats. Eingesetzt wurde Heinrich Kürbis (SPD).&amp;lt;ref&amp;gt;Wikipedia-AutorInnen: Heinrich Kürbis. In: Wikipedia – Die freie Enzyklopädie. Online zugänglich (aufgerufen am 3. September 2024) unter: [https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Heinrich_K%C3%BCrbis&amp;amp;oldid=215560106].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Polizeipräsidenten übernahmen Friedrich Brodthuhn (SPD)&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Autoren der SPD Geschichtswerkstatt: Sozialdemokratischer Verein Groß-Kiel - Stadtverordnete. In: SPD-Geschichtswerkstatt wiki. Online zugänglich (aufgerufen am 16. September 2024) unter: [https://www.spd-geschichtswerkstatt.de/wiki/Sozialdemokratischer_Verein_Gro%C3%9F-Kiel_-_Stadtverordnete].&amp;lt;/ref&amp;gt; und Wilhelm Schweizer (USPD, später SPD)&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Autoren der SPD Geschichtswerkstatt: Wilhelm Schweizer. In: SPD-Geschichtswerkstatt wiki. Online zugänglich (aufgerufen am 16. September 2024) unter: [https://www.spd-geschichtswerkstatt.de/wiki/Wilhelm_Schweizer].&amp;lt;/ref&amp;gt; die Kontrolle; bei der städtischen Polizei Wilhelm Leopold (SPD). Zum Post- und Telegraphenamt wurde der später von der SPD zur USPD übergetretene Postinspektor Bertold Brandt&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Rolf Fischer: &#039;&#039;Mit uns die neue Zeit! Kiels Sozialdemokratie im Kaiserreich und in der Revolution.&#039;&#039; Kiel 2013 (Geschichte der Kieler Sozialdemokratie Band 2), S. 187–190. Zum Übertritt zur USPD vgl. die USPD-Zeitung „Republik“ vom 3. April 1920.&amp;lt;/ref&amp;gt; abgeordnet. Das Provinzial-Schulkollegium wurde von Dr. Hermann Weller kontrolliert.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Studienrat Hermann Weller, später Stadtverordneter SPD, spielte eine herausgehobene Rolle neben Dr. Hermann Heller und Professor Gustav Radbruch beim Kapp-Putsch in Kiel. Vgl. Dirk Dähnhardt und Gerhard Granier (Hrsg.): &#039;&#039;Der Kapp-Putsch in Kiel. Eine Dokumentation zum 60. Jahrestag der Märzereignisse von 1920.&#039;&#039; Kiel 1980 (Mitteilungen der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Band 66), S. 148.&amp;lt;/ref&amp;gt; Weitere Beigeordnete waren für die Gewerbe-Inspektion: Jatow, und für den Landeshauptmann: Albert Billian.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Autoren der SPD Geschichtswerkstatt: Albert Billian. In: SPD-Geschichtswerkstatt wiki. Online zugänglich (aufgerufen am 16. September 2024) unter: [https://www.spd-geschichtswerkstatt.de/wiki/Albert_Billian]. In Preußen war der Landeshauptmann der vom Provinziallandtag gewählte höchste Beamte eines Provinzialverbands. Er leitete die provinziale Selbstverwaltung, während der vom König ernannte Oberpräsident die Vorbehaltsrechte der Zentralregierung wahrnahm.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Peter Hillbrecht (SPD), Metallarbeiter und nach Garbe Vorsitzender des Kieler Arbeiterrats und später des Volksrats für Schleswig-Holstein, sah in einer Rückschau einen großen Mangel darin, dass man es versäumt habe, Beigeordnete für die Justiz zu stellen. Dadurch hätte man „unendlich viel an reaktionären Bestrebungen [hintanhalten]“ können.&amp;lt;ref&amp;gt;Peter Hillbrecht: Der Volksrat von Schleswig-Holstein. In: Schleswig-Holsteinische Volks-Zeitung (SHVZ), 5. November 1918, S. 2 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Über Hillbrecht ist nur wenig bekannt. Sabine Roß schreibt in ihrem biografischen Handbuch der Reichsrätekongresse 1918/19 (Hillbrecht war ebenfalls Delegierter für Schleswig-Holstein): Hillbrecht wurde am 23. April 1884 in Spliedtsdorf bei Grimmen (Prov. Pommern) geboren, war von Beruf Torpedoschlosser und seit Juni 1921 Angestellter im Eisenbahnerverband. Im selben Jahr meldete er sich nach Köln ab. Sabine Roß (spätere Kuder): &#039;&#039;Biographisches Handbuch der Reichsrätekongresse 1918/19&#039;&#039;. Düsseldorf 2000 (Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien Bd. 11). Andreas Zimmer erwähnt einen Peter Hillbrecht (SPD) als Mitglied der Landesleitung des Kulturbunds zur demokratischen Erneuerung Deutschlands in der SBZ/DDR, bei dem es sich evtl. um den hier besprochenen Kieler Vertreter handeln könnte: Andreas Zimmer: Der Kulturbund in der SBZ und in der DDR. Eine Ostdeutsche Kulturvereinigung im Wandel der Zeit zwischen 1945 und 1990. 2013 an der Fakultät für Sozialwissenschaften und Philosophie der Universität Leipzig als Dissertation angenommen. Online zugänglich (aufgerufen am 14. Januar 2023) unter: [https://vdoc.pub/documents/der-kulturbund-in-der-sbz-und-in-der-ddr-eine-ostdeutsche-kulturvereinigung-im-wandel-der-zeit-zwischen-1945-und-1990-3n3pm0s03hdg].&amp;lt;/ref&amp;gt; Nach einer Meldung in der Schleswig-Holsteinischen Volks-Zeitung (SHVZ) vom 12. Dezember 1918 war jedoch Professor Otto Opet (1866–1941)&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Otto Opet lehrte seit 1900 als Privatdozent an der Kieler Universität, wo er 1930 zum Ordinarius berufen wurde. Er zählte zu den Wissenschaftlern, deren Abberufung die Kieler Studentenschaft 1933 kategorisch fordert, da er als Jude galt. Als Mitglied des Reichsbanners, der Liga für Menschenrechte und dem republikanischen Klub und der demokratischen (beziehungsweise radikaldemokratischen) Partei war er außerdem politisch engagiert. Unter dem massiven Druck der nationalsozialistischen Anfeindung lässt Opet sich im April 1933 auf &amp;quot;eigenen Antrag&amp;quot; im Alter von 67 Jahren in den Ruhestand versetzen. Vgl. Christian-Albrechts-Universität zu Kiel: Vertriebene Gelehrte. Online zugänglich (aufgerufen am 14. Juli 2024) unter: [https://www.uni-kiel.de/de/universitaet/profil/geschichte-der-universitaet/ns-aufarbeitung/vertriebene-gelehrte].&amp;lt;/ref&amp;gt; der Justiz als Beigeordneter vorgesetzt. Vielleicht lässt sich dieser Widerspruch dadurch erklären, dass Opet als Einzelperson gegenüber der Phalanx der reaktionären Beamtenschaft keinen Effekt erzielen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Ernährungsamt wurde wegen der herausragenden Bedeutung vom Arbeiterrat durch Fiebig und Richter selbst übernommen. Seit den Hungerprotesten 1917 waren die Arbeiter bereits mit einer größeren Gruppe in der städtischen Lebensmittelkommission vertreten und hatten viel Erfahrung sammeln können.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;In der Frühphase der Arbeit im Ernährungsamt erklärte der Dreher Wilhelm Schulz, zu der Zeit (6. November 1918) Vorsitzender des gemeinsamen Ernährungsausschusses von Arbeiter- und Soldatenrat und später als Ernährungskommissar (er war auch Beigeordneter für das Lebensmittellabor) bezeichnet: „Der Arbeiterrat hat einen Ernährungsausschuß in Gemeinschaft mit dem Soldatenrat eingesetzt, […]. Die Regelung der Lebensmittelversorgung der Zivilbevölkerung der Stadt Kiel verbleibt nach wie vor dem Magistrat. Der Ernährungsausschuß wird nur auf Ansuchen des Magistrats eingreifen.“ StAK Sign. 21392. Der „Ernährungskommissar Schulz – Kiel“ gab auf der Konferenz der schleswig-holsteinischen Arbeiter- Soldaten- und Bauern-Räte am 30. März 1919 in Neumünster einen Bericht über seine Tätigkeit; vgl. Anonym: Konferenz der schleswig-holsteinischen Arbeiter- Soldaten- und Bauern-Räte. In: SHVZ, 13. März 1919, S. 1 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur generellen Arbeit der Beigeordneten schreibt Dähnhardt: „Allein im Bereich der Lebensmittelversorgung, die von Anfang an im Mittelpunkt der Tätigkeit des Arbeiterrats stand, konnte dieser eine für die Bevölkerung sichtbare Bedeutung erlangen. Seit Anfang November bot die Lebensmittelversorgung in Kiel keinen Anlaß mehr zu Kritik. Auch Oberbürgermeister Lindemann […] bezeichnete die dem Lebensmittelamt zur Seite gestellten Beigeordneten [im Mai 1919] sogar als &#039;brauchbare Mitarbeiter&#039;, sicherlich ein hohes Lob, wenn man berücksichtigt, dass Lindemann […] ein konsequenter Gegner der Sozialdemokratie war.“&amp;lt;ref&amp;gt;Dähnhardt, Revolution, S. 149.&amp;lt;/ref&amp;gt; Martin Rackwitz kam in seiner umfassenden Darstellung des Kieler Aufstands zu dem Ergebnis, dass die erfahrenen sozialdemokratischen Politiker „ein hohes Maß an kommunalpolitischem Sachverstand“ einbrachten.&amp;lt;ref&amp;gt;Rackwitz, Kiel 1918, S. 190.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz der Konsolidierung des Aufstands in Kiel breitete sich jedoch am 6. November eine große Unsicherheit aus, denn Kiel schien isoliert zu bleiben. Noske unternahm jetzt einen gründlich vorbereiteten Versuch, den Kieler Aufstand zu beenden und damit die alten Verhältnisse wiederherzustellen. Nachmittags fand eine große Massenversammlung von etwa tausend Matrosen, an der auch Vertreter der Arbeiterschaft teilnahmen, im „Schloßhof“ statt, dem heutigen [[Metro-Kino im Schloßhof|metro-Kino]]. Noske hielt seine sorgfältig vorbereitete Rede und beschrieb die großen Schwierigkeiten, vor der die Bewegung stehe. Die Heranschaffung von Lebensmitteln und Geld mache große Probleme, denn Kiel sei isoliert und der Eisenbahnverkehr eingestellt. Er malte ein düsteres Bild und gab dann bekannt, was die Regierung anbieten würde, wenn der Aufstand abgebrochen würde: Straffreiheit für alle Aufständischen, Amnestie für die anlässlich der Marineunruhen 1917 Verurteilten, beschleunigte Herbeiführung des Waffenstillstandes, Beschleunigung der Abdankungsfrage sowie weitere Reformen und Demokratisierung des Staates. Der Vorsitzende des Arbeiterrats Garbe (SPD) und Popp (USPD) sprachen sich dagegen aus. Auch der Redakteur der SHVZ, Bernhard Rausch (SPD)&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Rausch (1887–1981) war Artillerieleutnant an der Westfront und wurde am 1. Oktober 1918 Redakteur der SHVZ in Kiel. Er folgte Noske nach Berlin und wurde dessen politischer Privatsekretär und Referent im Reichswehrministerium, schied 1920 kurz nach Noskes Rücktritt aus und wechselte später zur deutschnationalen Frontsoldaten-Organsation Stahlhelm; vgl. Wolfram Wette: &#039;&#039;Gustav Noske. Eine politische Biographie.&#039;&#039; Düsseldorf 1988, S. 865; sowie Christian Lübcke: &#039;&#039;Ein Versuch zur Demokratisierung der Reichswehr. Bernhard Rauschs Vorschläge für eine Staatsbürgerliche Unterrichtung, 1919-1920. &#039;&#039; In: Andreas Braune, Sebastian Elsbach, Ronny Noak, (Hrsg.): Bildung und Demokratie in der Weimarer Republik. Stuttgart 2022, S. 95-109.&amp;lt;/ref&amp;gt; argumentierte dagegen: Die Bewegung dürfte „… nie in dem Sinne abgebaut werden […], daß etwas von dem aufgegeben würde, was durch sie politisch erreichbar war.“&amp;lt;ref&amp;gt;Bernhard Rausch: &#039;&#039;Am Springquell der Revolution. Die Kieler Matrosenerhebung.&#039;&#039; Kiel 1918 (Reprint als Sonderveröffentlichung der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Bd. 15), S. II 1–31, hier S. II-25.&amp;lt;/ref&amp;gt; In dem Bericht der SHVZ über die Versammlung wurde dies näher erläutert: „Die gegenwärtige schicksalsschwere politische Situation gebietet, dass die entstandenen Machtverhältnisse restlos ausgenützt werden für den politischen und sozialen Fortschritt des Deutschen Reiches. Es gilt das, was im glorreichen Ansturm errungen ist, dauernd zu befestigen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Anonym: Die Lawine im Rollen. In: Schleswig-Holsteinische Volks-Zeitung vom 7. November 1918, S. 1.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noskes Vorschlag wurde nach Angaben Popps einstimmig abgelehnt. Außerdem wurde Popp auf der Versammlung, nachdem der von Berlin entsandte USPD-Vorsitzende Haase Schwierigkeiten hatte, nach Kiel zu gelangen, zum gleichberechtigten Vorsitzenden des Soldatenrats neben Noske bestimmt.&amp;lt;ref&amp;gt;Klaus Kuhl: &#039;&#039;Gustav Garbe – bedeutender Kieler Gewerkschaftsfunktionär, Vorsitzender des Kieler Arbeiterrats und zweimaliger Gouverneur. Mit Vorworten von Frank Hornschu, Geschäftsführer und Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes Kiel Region, und von Stephanie Schmoliner, 1. Bevollmächtigte der IG Metall Kiel-Neumünster.&#039;&#039; Kiel 2023, S. 29–32.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Versammlung verlief teilweise chaotisch, was offenbar mit einer immer noch bestehenden mangelnden Legitimation der Teilnehmer, aufgrund der spontan entstandenen Soldatenräte, zusammen hing. Popp organisierte daraufhin Wahlen von Vertrauensmännern in allen Einheiten, die dann den „Großen Soldatenrat“ wählten, der dann wiederum als Aktionsausschuss am folgenden Tag den Obersten Soldatenrat (OSR) bestimmte. Der OSR, dem auch Karl Artelt angehörte, wählte Lothar Popp zum Vorsitzenden. Weitere Mitglieder waren Maschinistenmaat Ullrich (auch Ulrich),&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Ein &amp;quot;Ullrich vom Obersten Soldatenrat&amp;quot; wird erwähnt als Beobachter auf einem Flug über das Lockstedter Lager; vgl. Stefan Wendt: &#039;&#039;Luftkampf über Kiel. Das Nordmarksportfeld als Luftschiff-Detachment und Festungsflugstation der Kaiserlichen Marine in den Kriegsjahren 1914/18.&#039;&#039; In: Mitteilungen der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte. Band 89, Heft 6, Kiel 2018, S. 273–299, hier S. 296.&amp;lt;/ref&amp;gt; Obermaat Schrader (vom Friedrichsorter Soldatenrat)&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Dirk Dähnhardt gibt eine Äußerung Lothar Popps über Schrader in einem 1975 geführten Gespräch wie folgt wider: „Über die Zusammensetzung des Soldatenrates erinnerte sich Herr Popp nur noch an einen Mann namens Schrader, den er selbst vorgeschlagen hatte, der aber ein &amp;quot;Vollidiot&amp;quot; gewesen sei.“ Kuhl, Popp, S. 44 f. Dähnhardt weist dabei auf eine ähnliche Schilderung Noskes hin. Noske nennt allerdings keine Namen und bezieht sich auf einen Tag vorher. Vgl. Noske, Kiel bis Kapp, S. 19.&amp;lt;/ref&amp;gt; und Obermaat Koch.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Martin Rackwitz erwähnt einen Obermatrosen Koch vom Soldatenrat in Holtenau, der dort die Befehlsgewalt ausgeübt habe. Vgl. Rackwitz, Kiel 1918, S. 181 f. Es bleibt unklar, ob es sich um dieselbe Person handelt.&amp;lt;/ref&amp;gt; Gemäß einer vorher getroffenen Absprache zwischen SPD und USPD übernahm Noske daraufhin das Gouverneursamt von Admiral Wilhelm Souchon.&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhl, Garbe, S. 32.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bereits eine Woche später werden zwei neue Mitglieder des OSR erwähnt, nämlich Robert Pfaff (SPD)&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Pfaff (1881–1940) war außerdem Delegierter auf dem 1. Reichsrätekongress für den Wahlbezirk Schleswig-Holstein und wurde dort als Marinevertreter in den Zentralrat gewählt. Ab 1919 war er kommissarischer Landrat für Rendsburg und dort aktiv an der Niederschlagung des Kapp-Putsches beteiligt, dann Entbindung von diesem Amt. Ab 1924 Inhaber eines Immobiliengeschäfts in Neckargemünd. Vgl. Roß, Reichsrätekongresse. Zur Rolle Pfaffs während des Kapp-Putsches vgl. Klaus Kuhl: &#039;&#039;Abzug des Bataillons Claassen/Detachement Kiel nach dem Kapp-Putsch in Kiel 1920.&#039;&#039; In: Zeitschrift der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte, Band 146 (2021), S. 241–256.&amp;lt;/ref&amp;gt; und Max Hartig,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Hartig, geboren 1887, war Delegierter für den Wahlbezirk Marinestation zum 1. Reichsrätekongress und gehörte zur SPD-Fraktion. Als Wohnort gab er Chemnitz an, und als dortige bisherige Tätigkeit: Sektionsleitung der Modelltischler in Chemnitz. Vgl. Roß, Reichsrätekongresse.&amp;lt;/ref&amp;gt; während Schrader vermutlich ausgeschieden war.&amp;lt;ref&amp;gt;Dähnhardt, Revolution, S. 114 und 136. Schrader wird nur noch einmal von Stabschef Küsel als Teilnehmer bei den Verhandlungen über die Rolle der Offiziere am 8. November erwähnt. Vgl. Klaus Kuhl: &#039;&#039;Gefangen in Überheblichkeit und Engstirnigkeit: Die führenden Seeoffiziere und der Matrosen- und Arbeiteraufstand in Kiel 1918. Die Berichte der Chefs der Marinestation und Gouverneure von Kiel, Admiral Gustav Bachmann und Admiral Wilhelm Souchon sowie ihres Stabschefs Konteradmiral Hans Küsel.&#039;&#039; Kiel 2023, S. 180.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über die Mitglieder des Großen Soldatenrats, die den OSR zu wählen hatten, gibt es bisher nur wenige Informationen: Der Kapitänleutnant Peter Köhler schreibt einem zeitnahen Bericht, dass er selbst zum Soldatenrat auf seinem Wohnschiff &#039;&#039;Nixe&#039;&#039; gewählt wurde und damit Mitglied im Großen Soldatenrat war. Köhler diente bis September 1918 auf dem zum III. Geschwader gehörenden &#039;&#039;Großer Kurfürst&#039;&#039; und war dann dem Artillerieschulschiff &#039;&#039;Kaiserin Augusta&#039;&#039; in Kiel zugeteilt. Er trat für eine Sozialisierung ein, war aber kein Demokrat. Köhler erwähnt auch einen Oberschreiber Haas, der eine bestimmende Rolle im Soldatenrat der I. Werft-Division gespielt hätte.&amp;lt;ref&amp;gt;Kapitänleutnant Peter Köhler: Revolutionsereignisse in Kiel. Typoskript im Nachlass Carl/Karl Hollweg, BArch RM 3/11682, Bl. 198–226. Transkript online zugänglich (aufgerufen am 25. September 2024) unter: [http://www.kurkuhl.de/docs/ereignisse_06-11-1918.pdf].&amp;lt;/ref&amp;gt; Weitere, von Karl Artelt in späteren Berichten erwähnte Mitglieder des Großen Soldatenrats: Torpedobootmatrose Fritz Steinhoff, späterer Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen sowie der U-Bootfahrer Ernst Wollweber, der von 1953 bis 1957 das Staatssekretariat bzw. das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) in der DDR leitete.&amp;lt;ref&amp;gt;Karl Artelt: Zwei Briefe an das Institut für Marxismus-Leninismus beim Zentralkomitee der SED – Abteilung Geschichte der Partei und der deutschen Arbeiterbewegung. Nebra, 15. Dezember 1957 und 12. Februar 1957. Bundesarchiv, SAPMO, SGY 30/0022, Bl. 14–19, hier Bl. 15, 17 und 19.&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Ein weiteres Soldatenrats-Mitglied wird in der Kieler Zeitung vom 8. November 1918 (M) erwähnt. Dort wird eine Bekanntmachung des Soldatenrats zu Zeitungsausträgern von Brocks unterzeichnet, der damit eventuell ebenfalls dem Großen Soldatenrat angehört haben könnte. Er wird von Christopher Andresen als Kriegsbeschädigter bezeichnet und hätte am 7. November eine nach Flensburg entsandte Delegation des Kieler Arbeiter- und Soldatenrates angeführt. Vgl. Christopher Andresen: Arbeiter- und Soldatenräte in Flensburg 1918/19. In: Demokratische Geschichte, Bd. 18, Malente 2007, S. 9–43. Online zugänglich (aufgerufen am 20. Mai 2025) unter: [https://www.beirat-fuer-geschichte.de/fileadmin/pdf/band_18/Demokratische_Geschichte_Band_18_Essay_2.pdf].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Regierung in Berlin (bis zum 9. November 1918 noch vom letzten Reichskanzler des Kaiserreichs, Max von Baden, geführt) bestätigte Noske als neuen Gouverneur. Während Popp den Gouverneur als ausführendes Organ des Soldatenrats ansah, mit dem dieser „den Verwaltungsapparat in Bewegung bringen“ könne, betrachtete Noske den Soldatenrat eher als ein Kontrollgremium. In seinem ersten Tagesbefehl, den er zusammen mit dem OSR noch am selben Abend erstellte, hieß es: „Ich bin […] zum Gouverneur gewählt worden […]. Mir zur Seite steht der ‚Oberste Soldatenrat des Befehlsbereichs der Ostseestation’“ &amp;lt;ref&amp;gt;Popp/Artelt, Ursprung, S. III-27 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der OSR schickte dann jeweils einen Vertrauensmann in alle wichtigen militärischen Stellen. Hierbei handelte es sich meistens um Feldwebel.&amp;lt;ref&amp;gt;Rackwitz, Kiel 2018, S. 139 f. Der so genannte Etatmäßige Feldwebel war in der Regel mit dem inneren Dienst und Verwaltungsaufgaben betraut.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die zukünftige Rolle der Offiziere blieb in der Schwebe. Nachdem sich in deren Reihen zunächst eine tiefe Resignation breit gemacht hatte, schöpften die Offiziere wieder Hoffnung, weil Noske signalisiert hatte, dass er auf sie nicht verzichten wollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Inzwischen trafen auch Nachrichten von der raschen Ausbreitung der Revolution ein. Noske kam nun zu der Überzeugung, dass „ein Lavieren nicht mehr am Platze sei, sondern es hieß die Zügel fest in die Hand zu nehmen.“ In einer kleinen Runde vereinbarte er mit einigen Kieler SPD-Führern die Ausrufung des Arbeiterrats als provisorische Regierung Schleswig-Holsteins. Der ebenfalls gewünschten Ausrufung der Republik Schleswig-Holstein widersetzte er sich.&amp;lt;ref&amp;gt;Noske, Kiel bis Kapp, S. 25.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Aufruf Kieler Arbeiter und Soldatenrat.jpg|mini|Gemeinsamer Aufruf des Arbeiter- und des Soldatenrats am 7. November 1918.]] Der OSR und der Arbeiterrat einigten sich auf einen gemeinsamen Aufruf, der als Flugblatt verteilt wurde. Die ersten drei Absätze lauteten: „Die politische Macht ist in unserer Hand. Es wird eine provisorische Provinzialregierung gebildet, die in Zusammenarbeit mit den bestehenden Behörden eine neue Ordnung aufrichtet. Unser Ziel ist die freie, soziale Volksrepublik.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bewegung stieß auch auf große Zustimmung in der Bevölkerung. Dies zeigte sich nicht nur in der überwältigenden Anteilnahme bei der Beerdigung der Revolutionsopfer am 10. November 1918, sondern auch in der raschen Verbreitung der Räteidee: In weiten Kreisen der Bevölkerung bis ins Bürgertum hinein wurden Räte gegründet. Es gab Beamten- und Angestelltenräte,&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. dazu etwa Klaus Kuhl: &#039;&#039;Kiel und die Revolution von 1918. Das Tagebuch eines Werftingenieurs, verfasst in den Jahren 1917–1919. Edition und Textanalyse.&#039;&#039; Berlin 2018, S. 57.&amp;lt;/ref&amp;gt; Studentenräte,&amp;lt;ref&amp;gt;Über Alfred Meusel wird berichtet, dass er Vorsitzender des ersten Studentenrats in Deutschland wurde. Alfred Meusel (1896-1960) besuchte die Oberrealschule in Kiel. Mit Beginn des Ersten Weltkriegs meldete er sich als Freiwilliger, ging an der Front aber bald auf Distanz zum Kaiserreich und kam dort erstmals mit sozialistischen Ideen in Berührung. Im Dezember 1917 wurde er an der Aisne verschüttet, schwer verletzt und behielt zeitlebens ein Nervenleiden als Spätfolge. Von 1918 bis 1922 studierte er in Kiel u. a. Nationalökonomie, Soziologie und Geschichtswissenschaft. Vgl. Mario Kesser und Detlef Siegfried: &#039;&#039;Alfred Meusel im Spannungsfeld von Wissenschaft und Politik&#039;&#039;. In: JahrBuch für Forschungen zur Geschichte der Arbeiterbewegung, Heft III/2010, S. 65–80, hier S. 66 f. Vgl. auch die von Jörg Becker veröffentlichten Berichte von Richard Sorge, der eine sozialistische Studentenorganisation aufbaute.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bauernräte&amp;lt;ref&amp;gt;Nach Gerhard Stoltenberg soll es bereits im Januar 1919 1700 örtliche Auschüsse [Bauernräte] in Schleswig-Holstein gegeben haben; vgl. Gerhard Stoltenberg: &#039;&#039;Politische Strömungen im schleswig-holsteinischen Landvolk 1918-1933.&#039;&#039; Düsseldorf 1962, S.29, Fußnote 4. Stoltenberg beruft sich auf eine Meldung der SHVZ vom 15. Januar 1919. Die Zeitung der USPD „Republik“ meldete am 19. Januar 1919, dass in Schleswig-Holstein ein provisorischer Oberster Bauernrat aus sechs Mitgliedern gebildet worden sei. Beigeordnet seien der Ernährungskommissar für Schleswig-Holstein sowie ein Beauftragter der Landwirtschaftskammer. Geschäftsführer sei vorläufig Max Mißfeld, Suchsdorf bei Kiel.&amp;lt;/ref&amp;gt; und sogar einen Rat des Kirchenchors der [[Nikolaikirche]].&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. den Bericht eines damals 13-jährigen Chorknabens in dem NDR-Film „Matrosen, Räte, Republiken“ von Hartmut Idzko und Jörg Knickrehm, der am 1. November 1978 ausgestrahlt wurde. Progressive Teile der evangelischen Kirche, darunter der Kieler Professor Otto Baumgarten, forderten die Einführung von &amp;quot;Volkskirchenräten&amp;quot;; vgl.: Rolf Fischer: &#039;&#039;Kiel, die Kirchen und die Revolution – Eine Standortbestimmung.&#039;&#039; In: Rolf Fischer (Hrsg.): &#039;&#039;Sehnsucht nach Demokratie.&#039;&#039; Kiel 2020, S. 57–72, hier S. 67.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In mehreren Verhandlungen wurde zwischen Vertretern der Offiziere und dem OSR eine Absprache über die Rolle der Offiziere getroffen. Diese sah vor, dass diejenigen Offiziere, die sich dem Soldatenrat unterstellten, im Amt bleiben durften. Wenn sie jedoch ein Kommando ausüben wollten, mussten sie das Vertrauen ihrer Untergebenen haben. Von den Mannschaften abgelehnte Offiziere mussten sich in der Marinestation zur Verfügung halten. Die große Mehrheit der Offiziere ließ sich darauf ein, wobei die Mitteilung, der Kaiser habe sie von ihrem Eid entbunden, eine wichtige Rolle gespielt haben dürfte. Die Ansätze für eine Militärreform wurden jedoch, wie Wolfram Wette schrieb, von Noske im Keim erstickt.&amp;lt;ref&amp;gt;Wolfram Wette: Als bei der Torpedo-Division der erste Soldatenrat gebildet wurde. In: Frankfurter Rundschau, 12. Dezember 1988.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Niedergang der Rätebewegung in Kiel ==&lt;br /&gt;
In Kiel begann dieses „Ersticken“ einer möglichen Militärreform damit, dass Noske den Räten gegenüber die Kompetenz der Seeoffiziere, besonders mit Blick auf die Überführung der Flotte nach England, als unverzichtbar darstellte. Kuhl schrieb, dies sei in der neueren Literatur ohne nähere Diskussion akzeptiert worden, aber ein genauerer Blick auf die Aufgaben der verschiedenen Dienstränge zeige, dass Deckoffiziere, Unteroffiziere und Mannschaften ohne größere Probleme in der Lage gewesen wären, ein Schiff zu manövrieren; Steuerleute, Navigationsoffiziere, Maschineningenieure, Funkentelegrafiemeister etc. konnten in ihren Bereichen selbstständig handeln. Die Seeoffiziere waren hauptsächlich dazu da, ein Schiff in der Schlacht zu befehligen. Für andere Aufgaben waren sie nicht unbedingt notwendig. Allerdings war ihre Autorität wichtig für die einigermaßen reibungslose Abfolge aller Arbeiten an Bord und an Land. Diese Autorität aber war stark erschüttert. Eine Auswahl nach demokratischen und republikanischen Kriterien wäre möglich gewesen. Ein entstehender Gruppendruck hätte dann eventuell auch eine Reihe der ehemals kaiserlichen Seeoffiziere zum Einlenken bewegen können. Immerhin war nach der Wahrnehmung des Stabschefs der Marinestation, Küsel, noch Mitte November 1918 „die Stimmung, was das jüngere Seeoffizierkorps anbetrifft, ganz links gerichtet“.&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhl, Überheblichkeit, S. 186.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dies wird auch bestätigt von Admiral Gustav Bachmann, dem Vorgänger Souchons als Gouverneur und Chef der Marinestation, der den Kapitänleutnant Thorwald v. Bothmer als einen der radikalsten bezeichnete („… pries die Republik, machte die Monarchie herunter …“).&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Klaus Franken (Hg.): &#039;&#039;Admiral Gustav Bachmann: Lebenserinnerungen und Tagebuch 1915.&#039;&#039; Paderborn 2022 (Schriften zur Marinegeschichte Band 3), S. 911 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Unter dem Einfluss des Korvettenkapitäns Wilfried von Loewenfeld (s.&amp;amp;nbsp;u.) schlug dies aber schnell wieder um.&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhl, Garbe, S. 38 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zuge der kurz nach dem Umsturz einsetzenden Demobilisierung wuchs der Einfluss der zurückbleibenden Berufssoldaten und hier besonders derjenige der Deckoffiziere. Diese hatten durchaus einen wichtigen Anteil an der erfolgreichen Durchsetzung des Aufstands, denn die standen in deutlicher Opposition zu den Seeoffizieren, von denen sie ebenfalls, wie die Mannschaften, als gesellschaftlich inakzeptable Parias behandelt wurden.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Holger H. Herwig: &#039;&#039;Das Elitekorps des Kaisers. Die Marineoffiziere im Wilhelminischen Deutschland.&#039;&#039; Hamburg 1977, S. 86.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Deckoffizierbund erkannte die neuen Verhältnisse an und erteilte Bestrebungen, diese zurückzudrehen, eine Absage. Die Seeoffiziere müssten dies ebenfalls anerkennen und es müsse eine Auswahl geben, um reaktionäre Absichten von Seiten der Offiziere auszuschließen. Allerdings wurde nicht erkennbar, welche Mechanismen und Garantien der Bund für eine effektive Auswahl anstrebte.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Klaus Kuhl: &#039;&#039;Analyse und Edition von: Paul Kässner, Oberdeckoffizier a. D.: Zur Geschichte der Deckoffizierbewegung, des Deckoffizierbundes und des Bundes der Deckoffiziere.&#039;&#039; Kiel 2022, 6 f. und 22. Online zugänglich (aufgerufen am 4. September 2024) unter: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Kuhl_analyse-edition-kaessner-deckoffizierbewegung_2022.pdf].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei: Kieler_Matrosenaufstand_(Kiel_68.297).jpg|mini|Das Foto zeigt eine Demonstration von Deck- und Unteroffizieren am 22. Dezember 1918 gegen den Beschluss des Reichsrätekongresses und für die Beibehaltung der Rangabzeichen. Dies kennzeichnet den gestiegenen Einfluss der Deckoffiziere.]] Ein Großteil der Deckoffiziere erwies sich auch später im Kapp-Putsch als Stütze der Weimarer Republik, sie hatten jedoch deutliche Vorbehalte gegenüber den Soldatenräten, vermutlich weil sie deren totalen Umsturz der militärischen Hierarchien ablehnten. Die Deckoffiziere bekamen einen großen Einfluss in der Sicherheitswehr des Soldatenrats und auch im OSR selbst. Ihre Vorbehalte führten dann vermutlich auch dazu, dass Lothar Popp am 10. Dezember 1918 als Vorsitzender des OSR zurücktrat; zumindest behauptet dies Noske in seiner 1920 erschienen und stark von Rechtfertigungen geprägten Schrift „Von Kiel bis Kapp“.&amp;lt;ref&amp;gt;Noske, Kiel bis Kapp, S. 52.&amp;lt;/ref&amp;gt; Popp selbst gab später an, er habe nach der Entscheidung für die Nationalversammlung keinen Sinn mehr in seiner Arbeit für den OSR gesehen. Allerdings fiel diese Entscheidung erst später auf der Reichsrätekonferenz 16.–21. Dezember 1918,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Auf dem ersten Reichsrätekongress wurde Kiel durch die folgenden Delegierten vertreten: Gustav Garbe und Peter Hillbrecht für den Arbeiterrat (Kurt Kaulfers, USPD und Bevollmächtigter des DMV Kiel, fiel bei der Mandatsprüfung durch), sowie Max Hartig und Robert Pfaff für den Soldatenrat. Alle bis auf Kaulfers gehörten der SPD an. Vgl. Dieter Braeg und Ralf Hoffrogge (Hrsg.): &#039;&#039;Allgemeiner Kongress der Arbeiter- und Soldatenräte Deutschlands. 16.–20. Dezember 1918 Berlin – Stenografische Berichte, Neuausgabe zum 100. Jahrestag&#039;&#039;. Berlin 2018, S. 561–602. Vgl. auch Roß, Reichsrätekongresse.&amp;lt;/ref&amp;gt; was eher Noskes Darstellung unterstützen würde. Es wäre aber auch denkbar, dass Popps Rücktritt bereits davon bestimmt war, dass keine USPD-Mitglieder aus Kiel zum Reichsrätekongress delegiert wurden. Karl Artelt übernahm nun den Vorsitz des inzwischen auf 14 Mitglieder erweiterten Gremiums, Stellvertreter wurde Robert Pfaff, Schriftführer wurde der Signalmeister und Deckoffizier Franz Riefstahl (SPD). Popp wurde nur noch als politischer Berater des Gremiums aufgeführt. Zum damaligen Zeitpunkt gehörten dem OSR, neben den Genannten, noch die folgenden Personen an: Rudolf Rannow, Erich Thümmel, Schmidtke, Max Hartig, Gräfenstein (auch Grävenstein), Rath, Klaus, Eggers, Rudolph, Widmaier (auch Widmeier) und Feill (insgesamt 14).&amp;lt;ref&amp;gt;Anonym: Sitzung des obersten Soldatenrates. In: Republik, 11. Dezember 1918.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Hartig und Thümmel wurden bereits oben beschrieben, Riefstahl und Rannow werden weiter unten als Vorsitzende des OSR beschrieben, zu den anderen Personen ist bisher nichts weiter bekannt.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die provisorische Regierung Schleswig-Holsteins hatte zunächst der Kieler Arbeiterrat übernommen. Auf einer Konferenz am 12. Dezember 1918 in Neumünster wurden nun auch die anderen Räte in der Provinz einbezogen. Die Konferenz wurde von Garbe eröffnet und zusammen mit Richter aus Neumünster und Schlüter aus Flensburg geleitet. Es herrschte Einigkeit darüber, dass in „nächster Zukunft […] Räterat und National-Versammlung nebeneinander bestehen bleiben und zusammen arbeiten [müssen].“&amp;lt;ref&amp;gt;Einleitendes Referat des Beigeordneten der Regierung in Schleswig Eduard Adlers auf der Konferenz. Protokoll der Konferenz der Arbeiter- und Soldatenräte Neumünster am 12. Dezember 1918. Manuskript. Archiv des Zentralrats der Deutschen Sozialistischen Republik; Sign. B-58. Online zugänglich (aufgerufen am 9. Januar 2023) unter: [https://search.iisg.amsterdam/Record/ARCH01676].&amp;lt;/ref&amp;gt; Die provisorische Regierung setzte sich nun aus Vertretern der Räte verschiedener Regionen zusammen. Sie bezeichnete sich später als „Volksrat“.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Kuhl, Garbe, S. 34.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 27. Dezember 1918, mit Beginn der Unruhen in Berlin, kehrte Noske dorthin zurück und übernahm im Rat der Volksbeauftragten, nach dem Rücktritt der USPD-Beauftragten, den Bereich „Heer und Marine“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit verstärkte sich der schleichende und im Laufe der Entwicklung immer offenere Prozess, in dem Noske – inzwischen Reichswehrminister – die Soldatenräte im Juni 1919 schließlich abschaffen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wichtige Stationen waren dabei:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Verkleinerung des 53er-Ausschusses, dem Zentralrat der Marine im Berliner Reichsmarineamt,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Dem Rat gehörten die folgenden Kieler Personen an: Bock, Hohmann, Klenke, Lebeck, Manschke, Rösler, Stock, Block und Schumann; vgl. Kriegsakten betreff Revolution 1918 und Märzwirren 1920. BArch RM 8/1013, Bl. 73 f. Im Mai 1919 wurde auch ein Verbandssoldatenrat, in dem die Soldatenräte sich überregional organisiert hatten, der aber offensichtlich keinen größere Bedeutung erlangt hat, erwähnt; vgl. Akten des Reichsmarineamts betreffend Arbeiter und Soldatenrat, Juni 1919–März 1922. BArch RM 20/13 Bl. 27.&amp;lt;/ref&amp;gt; auf sechs Personen. Der Rat wollte die neue Marine auf Völkerverständigung und eine reine Verteidigung festlegen. Dies stieß jedoch bei den weiter nach „Weltgeltung“ strebenden „Tirpitzianern“, zu denen die vorgesehenen Führer der Marine (insbesondere v. Trotha)&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Konteradmiral Adolf von Trotha (1868–1940), ab März 1919 Chef der Admiralität, im Oktober 1919 zum Vizeadmiral befördert, unterstützte den Kapp-Putsch und wurde später Propagandist für die NSDAP.&amp;lt;/ref&amp;gt; gehörten, sowie auch bei Noske selbst, auf großen Widerstand. Aufgrund von Noskes Kritik, der auf dem Reichsrätekongress eine Verschleppung von Entscheidungen bemängelte, wurde der Rat auf sechs Mitglieder verkleinert und damit in seinen Wirkungsmöglichkeiten (bei einem Amt mit etwa 1000 Beschäftigten) stark eingeschränkt. Der stellvertretende Vorsitzende des Kieler OSR, Robert Pfaff (SPD), der auch am Reichsrätekongress teilnahm, unterstützte Noske bei seinem Vorgehen. Wette vermutet, dass Noskes Beanstandungen eher auf die inzwischen USPD-nahe Programmatik des 53er Rats zurückgingen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Wette, Noske, S. 272–280.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Der Aufbau der 1. Marine-Brigade (inoffizielle Bezeichnung: Eiserne Brigade oder Eiserne Division) durch die Deckoffiziere auf Anforderung Noskes Anfang Januar 1919. Im OSR argumentierten die Deckoffiziere damit, dass die Truppe für die Grenzsicherung im Osten gebraucht würde. Sie wurde dann aber bei den Kämpfen in Berlin und danach auch in weiteren Städten, u.&amp;amp;nbsp;a. in Bremen eingesetzt. Dies führte am 6. Januar 1919 zum Rückzug Karl Artelts aus dem OSR. Den Vorsitz übernahm zunächst Max Hartig für 10 Tage dann der Signalmeister und Deckoffizier Franz Riefstahl,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Über Riefstahl ist ebenfalls nur wenig bekannt, obwohl er neben Popp und Artelt eine besonders wichtige Rolle in der Soldatenratsbewegung spielte: Riefstahl war zunächst wohl die zentrale Figur in dem nur bis zum 3. Dezember 1918 existierenden Generalobmannbüro. Neben Riefstahl waren hier noch der Oberheizer Klaus, der Ubootsmaschinistenmaat Tscharutke, der Schreiber Au und der Oberschreiber Rothenbacher tätig. Das Büro wurde parallel zum OSR eingerichtet und diente den Obmännern, wie die von den einzelnen Soldatenräten in den Großen Soldatenrat entsandten Delegierten genannt wurden, als Ansprechstelle. Mit Riefstahls Wahl in den OSR wurde es offenbar aufgelöst. Vgl. Dähnhardt, Revolution, S. 131. Riefstahl gehörte dem OSR von Anfang Dezember 1918 bis Ende März 1919 ununterbrochen an, und war mit 2 ½ Monaten der am längsten auf diesem Posten dienende Vorsitzende. Obwohl Riefstahl der SPD angehörte und deutlich moderater war  als Popp und Artelt, verfolgten ihn die Seeoffiziere mit großem Hass. So bezeichnete v. Loewenfeld ihn als „widerlichen, aufgeblasenen roten Gesellen und Offiziershasser“. Der Stabschef Konteradmiral Küsel schrieb über ihn, er habe sich dann besonders hervorgetan, wenn es galt die Seeoffiziere zu bekämpfen. Riefstahl war später Amtmann in Berlin und wird im „Vorwärts“ vom 15. Oktober 1919 (S. 4) unter den „Groß-Berliner Parteinachrichten“ erwähnt. In einer Versammlung für „Sozialdemokratische Beamte, Angestellte und Hülfskräfte der Gemeindebehörden Groß-Berlins“ referierte Riefstahl über „Revolution und Beamtenschaft.“ Das preußische Innenministerium unter Göring ließ 1934 Erkundigungen über Riefstahl einziehen, um ihn aus dem Beamtendienst zu entfernen. Dabei übermittelte Küsel die genannte Denunziation. Wette vermutet, dies habe ausgereicht, um den Stadtamtmann Riefstahl aus dem Beamtendienst zu entfernen. Vgl. Wette, Noske, S. 261 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; während Hartig sein Stellvertreter wurde. Hartig schied am 7. Februar aus, auf ihn folgte Bublat als Stellvertreter.&amp;lt;ref&amp;gt;Klaus Kuhl: &#039;&#039;Die Kieler Eiserne Division – ein besonderer Fall in der militärischen Landschaft der Weimarer Republik.&#039;&#039; In: Rolf Fischer (Hrsg.): Brennpunkte 1918. Orte der Revolution in Schleswig-Holstein. Kiel 2023, S. 113–132.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Neuordnung der Kommandogewalt. Diese hatte bisher weitgehend in den Händen der Soldatenräte gelegen. Gegen einen bekannt gewordenen Entwurf legte der Kieler OSR Protest ein. Dieser Protest wurde auch am 1. Februar 1919 von der Kieler SPD-Zeitung unterstützt. Man sah in Noskes Planungen den Versuch, die Zustände vor der Revolution wieder einzuführen.&amp;lt;ref&amp;gt;Anonym: Neuregelung der Kommandogewalt. In: SHVZ, 1. Februar 1919, S. 1.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Entwurf war Mitte Januar vom neuen Kriegsminister Oberst Walther Reinhardt vorgelegt, vom Zentralrat der Deutschen Sozialistischen Republik&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Ein vom Reichsrätekongress im Dezember 1918 eingerichtetes Gremium zur Überwachung und zur Kontrolle des Rats der Volksbeauftragten.&amp;lt;/ref&amp;gt; geringfügig geändert und dann von der Regierung angenommen worden. Das Verordnungswerk wurde am 19. Januar verabschiedet, gab die Kommandogewalt zurück an die Offiziere und schränkte die Befugnisse der Soldatenräte stark ein. Fronttruppen und Freikorps waren ausgenommen, dort hatten Soldatenräte sowieso einen schweren Stand oder wurden gar nicht geduldet.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Wette, Noske, S. 333–339.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Rahmen verschiedentlicher Proteste der Kieler Räte bei Noske fühlten sich die Delegationsmitglieder Riefstahl, Klaus, Rannow und Thümmel von Noske „wie Handwerksburschen“ behandelt.&amp;lt;ref&amp;gt;Wette, Noske, S. 260.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Der große Protest der Kieler Arbeiterschaft gegen Noskes kompromissloses militärisches Vorgehen gegen die Bremer Räterepublik Anfang Februar 1919; aufgrund der begeleitenden militanten Aktionen der KPD auch als Kieler „Spartakus-Putsch“ bezeichnet. Im Verlauf der bewaffneten Auseinandersetzungen erlaubte Noske dann die Aufstellung der 3. Marine-Brigade durch Wilfried von Loewenfeld, die dann die Sicherheitstruppe des Soldatenrats dominierte.&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhl, Garbe, S. 47 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Am 25. Februar erfolgte dann eine Neuwahl des OSR und der erneut zum Vorsitzenden gewählte Riefstahl verkleinerte den bereits auf 12 Mitglieder reduzierten OSR auf nunmehr neun Personen. Dabei handelte es sich neben Riefstahl um Bublat (Stellvertreter), Schlüter (Schriftführer), Klaus, Rannow, Rath, Widmaier, Thümmel und Dräger.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Rackwitz, Kiel 1918, S. 183; sowie Anonym: Neuwahl des Obersten Soldatenrates. In: Kieler Zeitung vom 1. März 1919, Morgenausgabe.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Einsetzung eines Seeoffiziers als Stationschef wurde von Noske gegen den Widerstand von OSR und Arbeiterrat nach verschiedenen Anläufen durchgesetzt. Dabei verlor Garbe als Noskes Nachfolger auf dem Posten des Kieler Gouverneurs seine militärische Befehlsgewalt und wurde zum „Zivilgouverneur“ herabgestuft. Der OSR wurde nun nur noch als Stationssoldatenrat bezeichnet. Am 10. März 1919 wurde Konteradmiral Meurer als Stationschef eingesetzt. Wenig später verlor Garbe auch seinen Titel als Zivilgouverneur. Am 31. März 1919 schieden Riefstahl, Klaus, Bublat und Thümmel aus dem OSR/Stationssoldatenrat aus. Neuer Vorsitzender wurde der Oberfeuerwerkermaat Rudolf Rannow (SPD),&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Rannow, geb. 25. Januar 1887 in Oramburg (Pommern), wird in dem Bericht des Kapitänleutnants Peter Köhler am 7. November 1918 als Obmann des Soldatenrats erwähnt; Köhler: Revolutionsereignisse, S. 14. Rannow war im April 1919 Delegierter für den 2. Reichsrätekongress, wo er den Wahlbezirk Ostseestation vertrat. Er organisierte im April 1919 den Zusammenschluss von Berufssoldaten, die sich zur SPD bekannten (im Hinblick auf eine zu gründende republikanische Volkswehr), beteiligte sich an der Abwehr des Kapp-Putsches in Kiel und wurde Kommandeur der gegen den Putsch aufgebauten Arbeiterwehr. In der Personalamtsakte „Wahlen von Stadträten und Bürgermeistern“ im Stadtarchiv Kiel (Sign. 31980) wird er ab 1920 als Stadtsekretär geführt. Im Jahr 1926 meldete er sich nach Lägerdorf ab. Vgl. Wette, Noske, S. 260 und 865; Roß, Reichsrätekongresse, S. 202; Dähnhardt/Granier, Kapp-Putsch in Kiel, S. 110 ff.; BArch 8/1022, Bl. 61 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt; sein Stellvertreter wurde der Feldwebel Paul Dräger.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Dräger war 1920 Führer im Reichswirtschaftsverband deutscher derzeitiger und ehemaliger Berufssoldaten (RdB, Vorläufer des Deutschen Bundeswehr Verbands) in Kiel. Er spielte eine aktive Rolle bei der Niederschlagung des Kapp-Putsches. Vgl. Dähnhardt/Granier, Kapp-Putsch in Kiel, S. 41, 72, 140.&amp;lt;/ref&amp;gt; Außerdem gehörte nach wie vor der Feldwebel Schlüter&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Nachdem Marinewaffen heimlich auf das Gut des Prinzen Heinrich in Hemmelmark verbracht worden waren, wurden dort im April 1919 Durchsuchungen vorgenommen, an denen Schlüter (stellvertretend für Rath) vom OSR, und Otto Eggerstedt vom Volksrat beteiligt waren. Es wurden 30 Gewehre mit Munition gefunden, die Heinrich von einem Seeoffizier geliefert worden waren. Bald darauf beschwerte sich der neue Stationschef Meurer in Berlin bei v. Trotha, dass der Soldatenrat wiederum gegen Vorschriften verstoßen habe, als er sich nach diesen Vorfällen bei weiteren Hausdurchsuchungen des Volksrats in Kitzeberg (Villenviertel auf dem Ostufer der Kieler Förde) beteiligte. Nach Aussagen des Stationssoldatenrats hatte Meurer die Beschwerde auf Anweisung Noskes verfasst. Vgl. Akten des Reichsmarineamts betreffend Arbeiter und Soldatenrat, Juni 1919–März 1922. BArch RM 20/13 Bl. 30–47.&amp;lt;/ref&amp;gt; dem Rat an. Am 12. Mai 1919 wurde das Mitglied im Stationsssoldatenrat, Rath, durch den Feldwebel und Marinefeuerwerker Adolf Schmalix&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Schmalix (1890–1956) gehörte zur 1. Marine-Division und beteiligte sich am Aufbau des Reichswirtschaftsverbands derzeitiger und ehemaliger Berufssoldaten und des Republikanischen Führerbunds. Er engagierte sich im Kampf gegen den Kapp-Putsch, setzte sich dabei für die Bewaffnung der Arbeiterschaft ein und wurde für mehrere Tage verhaftet. Zu einem von ihm zu verantwortenden Unterschlagungsfall in seiner Abteilung erklärte er, „infolge seines Kampfes mit den höchsten Behörden“ sei es ihm nicht möglich gewesen, den Fall zur Anzeige zu bringen. Er verließ Kiel, entwickelte sich zum „völkisch-antisemitischen Extremnationalisten“ und beteiligte sich am Hitler-Putsch. Ab 1924 lebte er in Erfurt, wo er Schriftleiter und Herausgeber des Wochenblattes &amp;quot;Echo Germania&amp;quot; wurde. In dem Blatt pöbelte er gegen prominente Bürger, mit Vorliebe gegen Juden, Ausländer oder Demokraten, denen er dann anbot, sich freizukaufen, um weiteren Schmähungen zu entgehen. Im Frühjahr 1928 rief er den &amp;quot;Großdeutschen Freiheitsbund&amp;quot; ins Leben, dessen Programm aus einem Sammelsurium gängiger nationalistisch-völkischer Ansichten und Feindbilder bestand. Bei der Kommunalwahl in Erfurt errang er in einer reichsweiten Sensation 10 von 52 Mandaten. Später trat der der NSDAP bei. Nach dem Zweiten Weltkrieg saß Schmalix noch 1956 im Kreistag im Landkreis Roding (Oberpfalz). Vgl. Dähnhardt/Granier, Kapp-Putsch in Kiel, S. 24 f. und 41; Anonym: Ein rehabilitierter Berufssoldat. In: Republik, 26. März 1920; Steffen Raßloff: &#039;&#039;Erfurt begeht moralischen Selbstmord. Adolf Schmalix und die Großdeutsche Freiheitsbewegung.&#039;&#039; In: Stadt und Geschichte. Zeitschrift für Erfurt. 13 (2001). S 28 f. Online zugänglich (aufgerufen am 25. Septrember 2024) unter: [http://www.erfurt-web.de/Adolf_Schmalix].&amp;lt;/ref&amp;gt; ersetzt. Zu diesem Zeitpunkt gehörten dem Rat neben den genannten Rannow, Dräger, Schmalix und Schlüter noch Widmaier und Arnold (Minensuchflottille) an.&amp;lt;ref&amp;gt;Station O: Akta betr. XI a (Soldatenrat). BArch RM 31/2375 Bl. 22.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits einige Tage vorher, am 6. März 1919, war das Gesetz über die vorläufige Reichswehr verkündet worden. Es war unter Führung des Kriegsministers von Offizieren erarbeitet worden. In der parlamentarischen Debatte machte Noske deutlich, dass sozialdemokratische Vorstellungen zurzeit zurückgestellt werden müssten, um Deutschland wieder wehrhaft zu machen. Mit dem verabschiedeten Gesetz wurden die Freikorps sanktioniert, republikanische Verbände und Soldatenräte wurden abgeschafft.&amp;lt;ref&amp;gt;Wette, Noske, S. 358–368.&amp;lt;/ref&amp;gt; Am 5. Juni 1919 wurde auch der Kieler Soldatenrat abgeschafft. Es gab jetzt nur noch Vertrauensleute mit Beschwerderechten, die ohne gesetzliche Fixierung lediglich gemäß Marine-Verordnungsblatt MVBl 17, S. 208 und 209 zu wählen waren.&amp;lt;ref&amp;gt;Wette, Noske, S. 368.&amp;lt;/ref&amp;gt; Schmalix und Widmaier werden noch im September 1919 als Vertrauensleute erwähnt, wobei sie sich über die ständig weiter eingeengte Bewegungsfreiheit beschweren.&amp;lt;ref&amp;gt;Akte Reichsmarineamt Juni 1919–März 1922. BArch RM 20/13 Bl. 129 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein weiterer Vertrauensmann war der, als bewährter Deckoffizier von Noske zum Leutnant zur See beförderte, Carl von Seydlitz. Seydlitz wurde nach dem Kapp-Putsch kurzzeitig Stationschef in Kiel, weil die Seeoffiziere wegen Putschbeteiligung suspendiert worden waren oder aus Solidarität den Dienst verlassen hatten.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Klaus Kuhl: &#039;&#039;Leutnant zur See Carl von Seydlitz. Der Kampf für die Demokratisierung der Reichsmarine.&#039;&#039; In: Rolf Fischer (Hrsg.): Sehnsucht nach Demokratie. Neue Aspekte der Kieler Revolution 1918. Kiel 2020, S. 23-35.&amp;lt;/ref&amp;gt; Demokratisch und republikanisch orientierte Soldaten und Offiziere wurden jetzt langsam aber stetig aus dem Militär gedrängt.&amp;lt;ref&amp;gt;Wette, Noske, S. 560, 697.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch Seydlitz gab 1923 auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Räteidee lebte aber im zivilen Bereich weiter. Garbe hatte den Vorsitz im Arbeiterrat mit seiner Ernennung zum Gouverneur abgegeben. Nachfolger wurde Peter Hillbrecht (SPD), zweiter oder gleichberechtigter Vorsitzender J. Claßen (auch Classen geschrieben) von der USPD. Der Rat gab seinen Anspruch, als provisorische Regierung der Provinz Schleswig-Holstein zu fungieren, an den neu gebildeten Volksrat ab. Diesem gehörten auch Vertreter anderer Räte aus Schleswig-Holstein sowie kurzzeitig ein Mitglied des OSR an.&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhl, Garbe, S. 48 f. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während der Soldatenrat als wichtigstes Ziel eine Demokratisierung des Militärs verfolgte, stand bei dem Arbeiterrat die Demokratisierung der Wirtschaft im Zentrum. Besonders die Führer der Werften gehörten meist der rechtsradikalen Deutschen Vaterlandspartei an. Sie besaßen einen großen politischen Einfluss. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitte März wurden Neuwahlen zu den Arbeiterräten durchgeführt. Die Parität mit der USPD wurde aufgegeben, damit konnte diese nur noch eine marginale Rolle in den Räten spielen. Die Beteiligung an den Wahlen war gering, was zu einem weiteren Bedeutungsverlust führte. Im neu konstituierten Arbeiterrat wurden Peter Hillbrecht zum ersten und Otto Eggerstedt&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Eggerstedt (1886–1933 im KZ Esterwegen ermordet) erlernte den Beruf des Bäckers und war Soldat im Ersten Weltkrieg. Er berichtete, wie er dazu beitrug, dass sich auf dem Rückmarsch von der Front Soldatenräte bildeten (Otto Eggerstedt: Die Revolution im Felde! In: SHVZ, 5. November 1919). Zurück in Kiel engagierte Eggerstedt sich stark bei Versuchen eine demokratische Einwohnerwehr aufzubauen und war während des Kapp-Putsches an führender Stelle am Aufbau der Arbeiterwehr beteiligt. Ab Juli 1919 war er Parteisekretär der SPD in Kiel und von 1919 bis 1924 Stadtverordneter von Kiel. Im März 1921 rückte er für Albert Billian in den Reichstag nach, dem er durchgehend bis 1933 angehörter. Ab 1927 war er in der preußischen Verwaltung tätig, ab April 1928 als Regierungsrat und Leiter des Polizeiamtes Wandsbek. Ab 1929 wurde er, das erste halbe Jahr kommissarisch, Polizeipräsident von Altona-Wandsbek mit Sitz in Altona. In seine Dienstzeit fiel der so genannte Altonaer Blutsonntag, der als Anlass für die Beseitigung der sozialdemokratischen preußischen Regierung, eines der letzten Bollwerke gegen die Machtübernahme durch die Nazis, herhalten musste. Vgl. Autoren der SPD-Geschichtswerkstatt: Otto Eggerstedt. Online zugänglich (aufgerufen am 25. September 2024) unter: [https://www.spd-geschichtswerkstatt.de/wiki/Otto_Eggerstedt].&amp;lt;/ref&amp;gt; zum zweiten Vorsitzenden gewählt. Weitere Mitglieder waren der Redakteur der SHVZ Bernhard Rausch und J. Classen (oder Claßen) für die USPD. Als Aufgaben des Rats wurde benannt: Den Räten sollte nicht die ganze politische Macht übertragen werden, sondern sie sollten „die denkbar wichtigsten wirtschaftlichen Aufgaben“ erhalten: die „Mitleitung der Fabrikbetriebe und die Sozialisierung“. Sie sollten politisch fortwirken, solange der Beamtenkörper nicht hinreichend demokratisch erneuert sei.&amp;lt;ref&amp;gt;Anonym: Der Kieler Arbeiterrat. In: SHVZ, 24. März 1919.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich musste der Arbeiterrat im September seine Arbeit einstellen, weil keine Gelder mehr bewilligt wurden. Im Zuge des reformierten – nunmehr demokratischen – Wahlrechts waren jedoch viele seiner Mitglieder und Beigeordneten in die entsprechenden Gremien gewählt worden und konnten so – anders als bei den Soldatenräten – weiter Einfluss ausüben. Für Garbe war diese Entwicklung folgerichtig. Er sagte in seiner Wahlkampfrede anlässlich seiner Kandidatur für die Kommunalwahl Anfang März in Kiel: „Ich bin kein großer Freund der Arbeiterräte, deren Zeit bald vorbei sein dürfte. […] Die Räte sollen im Rathaus sitzen. […] wo sie besser arbeiten können wie heute als Beiräte.“&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhl, Garbe, S. 49 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Räteidee war auch von der Nationalversammlung aufgenommen worden, insbesondere, um der in der Arbeiterbewegung weit verbreiteten, immer wieder vorgetragenen Forderung nach Sozialisierung und Demokratisierung der Wirtschaft entgegenzukommen. Eine Kombination von Parlamentarismus und Rätesystem war also durchaus denkbar.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. dazu Peter von Oertzen: &#039;&#039;Betriebsräte in der Novemberrevolution. Eine politikwissenschaftliche Untersuchung über Ideengehalt und Struktur der betrieblichen und wirtschaftlichen Arbeiterräte in der deutschen Revolution 1918/19.&#039;&#039; Düsseldorf 1963 (Beiträge zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien, Band 25), S. 57–67.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Gespräch waren etwa Wirtschaftsräte, doch erst 1930 wurde ein Entwurf für die Ausgestaltung des Reichswirtschaftsrats vorgelegt, der jedoch zu der Zeit keine Aussichten mehr auf Umsetzung hatte und nicht die notwendige Zweidrittelmehrheit erhielt. Übrig blieben schließlich nur noch die Betriebsräte. Im Februar 1920 wurde das Betriebsrätegesetz verabschiedet, das allerdings die Mitwirkungsmöglichkeiten nach ursprünglichen Forderungen einer weitgehenden Kontrollfunktion  nur noch auf soziale Belange beschränkte. Garbe, der vermutlich hinter der Aussage in der SHVZ stand, dass man den Arbeiterräten die „Mitleitung der Fabrikbetriebe“ übertragen wollte, äußerte sich in seinem Bericht im Jahr 1920 entsprechend enttäuscht über das Betriebsrätegesetz.&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhl, Garbe, S. 50.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
Damit war die Rätebewegung in Kiel, die die politische Demokratie erkämpft hatte, mit ihren weitergehenden Vorstellungen einer Demokratisierung von Militär und Wirtschaft gescheitert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellen und Literatur ==&lt;br /&gt;
* Lothar Popp, Karl Artelt: &#039;&#039;Ursprung und Entwicklung der November-Revolution 1918. Wie die deutsche Republik entstand.&#039;&#039; Kiel 1918. Reprint als Sonderveröffentlichung der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Band 15, S. III 1–30. Im Jahr 2020 leicht gekürzt und kommentiert veröffentlicht in: IG Metall Bezirksleitung Küste (Hrsg.): &#039;&#039;Matrosenaufstand und Novemberrevolution 1918.&#039;&#039; Hamburg 2020, S. 96–115, ISBN 978-3-96488-063-5.&lt;br /&gt;
* Gustav Noske: &#039;&#039;Von Kiel bis Kapp. Zur Geschichte der deutschen Revolution.&#039;&#039; Berlin 1920 ([https://portal.dnb.de/bookviewer/view/1131562372#page/n6/mode/1up Digitalisat]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Klaus Kuhl: &#039;&#039;Gustav Garbe – bedeutender Kieler Gewerkschaftsfunktionär, Vorsitzender des Kieler Arbeiterrats und zweimaliger Gouverneur. Mit Vorworten von Frank Hornschu, Geschäftsführer und Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes Kiel Region, und von Stephanie Schmoliner, 1. Bevollmächtigte der IG Metall Kiel-Neumünster.&#039;&#039; Kiel 2023.&lt;br /&gt;
* Martin Rackwitz: &#039;&#039;Kiel 1918. Revolution, Aufbruch zu Demokratie und Republik.&#039;&#039; Kiel 2018, ISBN 978-3-529-05174-6.&lt;br /&gt;
* Dirk Dähnhardt: &#039;&#039;Revolution in Kiel. Der Übergang vom Kaiserreich zur Weimarer Republik 1918/19.&#039;&#039; Karl Wachholtz, Neumünster 1978, ISBN 3-529-02636-0.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
* Wikipedia: Arbeiter- und Soldatenrat [https://de.wikipedia.org/wiki/Arbeiter-_und_Soldatenrat].&lt;br /&gt;
* [[Zeitzeugen_Matrosen%E2%80%93_und_Arbeiteraufstand_1918/1919|Zeitzeugen]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references group=&amp;quot;A&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:1911-1920]] [[Kategorie:Erster Weltkrieg]] [[Kategorie:Kieler Arbeiter- und Matrosenaufstand]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Klaus Kuhl</name></author>
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&lt;hr /&gt;
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		<author><name>Klaus Kuhl</name></author>
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		<title>Kieler Arbeiter- und Soldatenräte</title>
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		<updated>2025-05-22T12:41:18Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Klaus Kuhl: /* Im November 1918 übernehmen die Räte die Kontrolle */ Weiteres bekanntes SR-Mitglied: Brocks&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Obwohl der Begriff &#039;&#039;&#039;Arbeiter- und Soldatenrat&#039;&#039;&#039; auch in Kiel benutzt wurde, gab es hier streng genommen keine gemeinsame Räteorganisation der Arbeiterschaft und der Soldaten. Im Folgenden wird die Entwicklung der Kieler Räte beschrieben und – soweit bekannt – werden die Mitglieder vorgestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Arbeiterrat im Januar 1918 ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Lothar_popp_mid-1920s.jpg|thumb|Passfoto Lothar Popp, aufgenommen vermutlich Mitte der 1920er-Jahre, Hamburger Staasarchiv.]] Ein erster Arbeiterrat wurde anlässlich der reichsweiten Januarstreiks 1918 gegründet, die in Kiel ihren Anfang nahmen und auf die österreichischen Jännerstreiks folgten. [[Zeitzeugen_Matrosen%E2%80%93_und_Arbeiteraufstand_1918/1919#Lothar_Popp|Lothar Popp]] (USPD) wurde per Akklamation auf dem [[Wilhelmplatz]] in einer Versammlung der Streikenden zum Vorsitzenden bestimmt. Ziel war es, die deutsche Oberste Heeresleitung daran zu hindern, von Russland, das aus dem Krieg ausschied, große territoriale und finanzielle Zugeständnisse zu erpressen. Die Streikenden sahen dadurch den Friedensschluss gefährdet. In Kiel wurde eine entsprechende Resolution verabschiedet, die an die deutsche Regierung geschickt wurde. Popp schrieb: „Wir hatten auf dem Wilhelmplatz zunächst einmal als Grundstock des Arbeiterrates 10 Kollegen der Germania-Werft gewählt, die übrigen Betriebe sollten (was nachher auch geschah), die weiteren Wahlen unter sich vornehmen. Uns leitete der Gedanke, daß der Arbeiterrat […] geeignet erscheine, die Interessen der Arbeiter zu vertreten, ohne durch den Parteienstreit in seiner Tätigkeit beengt zu sein.“&amp;lt;ref&amp;gt;Lothar Popp unter Mitarbeit von Karl Artelt: &#039;&#039;Ursprung und Entwicklung der November-Revolution 1918. Wie die deutsche Republik entstand.&#039;&#039; Kiel 1918 (Reprint als Sonderveröffentlichung der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Band 15), S. III 1–30, hier S. III 7. Im Jahr 2020 leicht gekürzt und kommentiert veröffentlicht in: IG Metall Bezirksleitung Küste (Hrsg.): &#039;&#039;Matrosenaufstand und Novemberrevolution 1918.&#039;&#039; Hamburg 2020, S. 96–115.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist unklar, ob die Organisation längerfristig existierte, weil Popp und zwei weitere USPD-Führer (Heinrich Strunk und Emil Theil) verhaftet und zu teils mehrjährigen Gefängnisstrafen verurteilt wurden. Popp musste zwei Monate in Neumünster einsitzen.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Es gibt nur einen weiteren Hinweis, dass diese Räte länger Bestand gehabt haben könnten: Julius Bredenbeck, damals 11 Jahre alt, aber durch Vater und Onkel bereits gut über die Arbeiterbewegung orientiert, sagte in einem 1989 geführten Interview: „In einzelnen Betrieben gab es schon Arbeiterräte, die sich selbst gebildet hatten, ohne Rechtsgrundlage, einfach aufgrund der Stärke der Organisation. Die zum Teil also auch mit sehr großem revolutionärem Pathos an die Arbeit gingen. In anderen Betrieben waren auch Arbeiterräte, die aber mehr daran interessiert waren, notwendige Dinge, Schwierigkeiten in der Versorgung mit Lebensmitteln usw. weitgehend mit zu steuern. Man kann nicht sagen, dass es eine einheitliche Stimmung gab. Das wurde anders als damals die Matrosen Befehlsverweigerung machten. […] Da war eine allgemeine Solidarität in der gesamte Kieler Arbeiterschaft feststellbar“. Popp selbst gibt in einem Interview mit Dirk Dähnhardt an, der erste Arbeiterrat habe sich aufgelöst (vgl. Klaus Kuhl: &#039;&#039;Lothar Popp – Führer des Kieler Matrosenaufstands 1918 im Streitgespräch mit einem 68er. Interviews mit Lothar Popp.&#039;&#039; Kiel/Hamburg 1970–1978, S. 42. Online zugänglich (aufgerufen am 26. September 2024) unter: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:kuhl_streitgespraech-m-l-popp_1978_plus-weitere-interv-u-gespraeche.pdf]). Eventuell liegt bei Bredenbeck eine Verwechselung mit den Arbeiterausschüssen nach dem Hilfsdienstgesetz vom Dezember 1916 vor.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Im November 1918 übernehmen die Räte die Kontrolle ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Artelt and comrades Kiel-Wik 1914.jpg|mini|Karl Artelt ganz links als Angehöriger der I. Werft-Division, (Ausschnittsvergrößerung rechts), gemeinsam mit Kameraden der I. Torpedo-Division in Kiel-Wik, September 1914]]&lt;br /&gt;
Im Verlauf des Kieler Matrosenaufstands entstand dann zuerst im Kasernengelände der Wik am 4. November 1918 ein Soldatenrat, zu dessen Vorsitzenden Oberheizer [[Zeitzeugen_Matrosen%E2%80%93_und_Arbeiteraufstand_1918/1919#Karl_Artelt|Karl Artelt]] (USPD) gewählt wurde. In der Popp/Artelt Broschüre heißt es dazu: „Nachdem Kamerad Artelt und T[h]ümmel zur Wahl von Soldatenräten aufgefordert hatte, vollzog sich die Wahl kompagnieweise. Jede Kompagnie wählte vier Soldatenräte. […] Die erste Soldatenratssitzung in ganz Deutschland tagte im Speisesaal am Montag, den 4 November. Kamerad Artelt wurde als erster, Kamerad Ehle als zweiter Vorsitzender gewählt.“&amp;lt;ref&amp;gt;Popp/Artelt, Ursprung, S. III 16.&amp;lt;/ref&amp;gt; Als weitere Mitglieder konnten bisher festgestellt werden: [[Zeitzeugen_Matrosen%E2%80%93_und_Arbeiteraufstand_1918/1919#Fritz_Fischer|Matrose Fritz Fischer]], Heizer Schaaf – diese gehörten zur ersten Verhandlungsdelegation beim Gouverneur – und vermutlich noch Matrose Erich Thümmel&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;In der SHVZ Jahrgang 1957 (genaues Datum unbekannt) wurde ein Nachruf auf Thümmel veröffentlicht, nachdem dieser im Alter von 64 Jahren verstorben war. Dort heißt es u.&amp;amp;nbsp;a., dass beim Kieler Aufstand „…ein riesiger, schwarzhaariger Torpedobootmatrose mit buschigen Augenbrauen eine führende Rolle [spielte]. Oftmals stand er auf dem großen Kandelaber auf dem Wilhelmplatz und sprach zu den zahlreich versammelten. Schon bald bekam er den Spitznamen ‚Der rote Matrose’. … Bereits lange vor 1918 stand er im Vordergrund der revolutionären Bewegung und auch nach 1945 sah man ihn alljährlich bei der Kranzniederlegung an den Gräbern seiner gefallenen Kameraden der Revolution und des Abwehrkampfes gegen den Kapp-Putsch.“ Thümmel wurde Mitglied des Obersten Soldatenrats. Im Januar 1919 übte er vorsichtige Kritik am Verhalten der inzwischen von den Deckoffizieren dominierten Sicherheitstruppe des Soldatenrats gegenüber einer Arbeitslosenaktion vor und im Rathaus (vgl. OSR: Bekanntmachung. In: Republik, 17. Januar 1919). Im Jahr 1920 war er vermutlich bei der Sicherheitspolizei, wo er sich gegen den Kapp-Putsch engagierte (vgl. Bericht des Sipo-Leutnants Kemsies: Das Verhalten der Sicherheitspolizei Kiel gegenüber der Militärrevolte. 9. April 1920. LAS 301 4458. Online zugänglich (aufgerufen am 26. September 2024) unter: [http://www.kurkuhl.de/docs/sipo_kemsies_arbeiterwehr.pdf]). Von 1938 bis kurz vor seinem Tod war Thümmel Lagermeister des Hansa-Speichers der Schleswig-Holsteinischen landwirtschaftlichen Hauptgenossenschaft.&amp;lt;/ref&amp;gt;(SPD). Zu ihren Forderungen gehörte u.&amp;amp;nbsp;a.: Abdankung des Hohenzollernhauses und die Einführung des allgemeinen, gleichen und geheimen Wahlrechts für beide Geschlechter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kurz darauf entstanden in fast allen militärischen Einheiten ebenfalls Soldatenräte, ohne dass jedoch eine klare Struktur erkennbar gewesen wäre. Sie etablierten sich als direkte Machtorgane der Soldaten anstelle der Offiziere.&amp;lt;ref&amp;gt;Wolfram Wette: Interview von Klaus Kuhl und Kay Gerdes. Freiburg 2016. In: Klaus Kuhl und Kay Gerdes: Begleitheft für den Dokumentarfilm „In Kiel ist Revolution!“ Kiel 2018, S. 52–60, hier S. 54. Online zugänglich (aufgerufen am 31. August 2024) unter: [http://www.kurkuhl.de/docs/begleitheft_dokufilm-in-kiel-ist-revolution_gerdes-kuhl_2018.pdf].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur wenig später fanden sich Aktivisten der Soldaten im Gewerkschaftshaus zusammen und berieten über die weiteren Schritte. Dabei entstanden festere Gruppen, die sich insbesondere um eine Verteidigung der Stadt gegen von auswärts, zur Niederschlagung des Aufstands, entsandte Truppen kümmerten. So berichtete Popp, als er am frühen Morgen des 5. November von der Verhandlung beim Gouverneur ins Gewerkschaftshaus zurückkam, dass „… es schnell [gelang] eine gewisse Einteilung und ein bestimmtes Kommando zu schaffen. In einigen der Zimmer und Bureaus hatte sich der Soldatenrat niedergelassen, der unverzüglich seine Arbeit begann.“&amp;lt;ref&amp;gt;Popp/Artelt, Ursprung, S. III 19.&amp;lt;/ref&amp;gt; Es wurden Passierscheine ausgegeben, um die Bewegungsfreiheit der Offiziere einzuschränken. Flug-Obermaat Nikolaus Goßrau&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Goßrau entwickelte in den Folgetagen die ehrgeizige Idee, sich als rechte Hand Noskes über den Soldatenrat zu stellen. Er setzte sich damit zwischen alle Stühle und ließ sich am 14. November 1918 in ein Lazarett einweisen. Vgl. Klaus Kuhl: Die Ereignisse am 6. November 1918 in Kiel. Kiel 2010. Online zugänglich (aufgerufen am 14. September 2024) unter: [http://www.kurkuhl.de/docs/ereignisse_06-11-1918.pdf].&amp;lt;/ref&amp;gt; begann im Auftrag der Räte mit dem Aufbau eines zentral organisierten Sicherheitsdienstes.&amp;lt;ref&amp;gt;Martin Rackwitz: &#039;&#039;Kiel 1918. Revolution, Aufbruch zu Demokratie und Republik.&#039;&#039; Kiel 2018, S. 114.&amp;lt;/ref&amp;gt; In den Reihen dieser locker strukturierten Soldatenräte genoss Karl Artelt, wie Goßrau andeutet, eine besondere Autorität, weil er die Entwicklung im Militär maßgeblich und mutig vorangetrieben hatte.&amp;lt;ref&amp;gt;Flug-Obermaat Nikolaus Goßrau: Privatakten betr. Revolution 1918. BArch RM 8/1024, Bl. 22.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als weitere Mitglieder dieser frühen, sich im Gewerkschaftshaus zusammenfindenden Soldatenräte, nennt Goßrau sich selbst sowie die Kameraden Braune,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Auch Lothar Popp erwähnt Braune in späteren Interviews: In der entscheidenden Nacht hätten er und „ein gewisser Braune …, (der Braune lebt bei Kiel irgendwo)“ nachts im Stationsgebäude gesessen und Telefonanrufe beantwortet. „Da waren noch welche, wo ich geschwitzt habe dabei.“ Klaus Kuhl: Interviews mit Lothar Popp. Kiel/Hamburg 1970–1978, S. 20, 44 und 60. Online zugänglich (aufgerufen am 15. September 2024) unter: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:kuhl_streitgespraech-m-l-popp_1978_plus-weitere-interv-u-gespraeche.pdf PDF].&amp;lt;/ref&amp;gt; Starke, Hackmann, Falk (Hackmann und Falk konnten nach Aussagen Goßraus über die I., V. und XVII. Halbflottille verfügen), Oberheizer Ruffert,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;In den Popp-Interviews wird, ohne nähere Informationen, der Name Düffert mit Fragezeichen erwähnt. Eventuell handelt es sich hier um dieselbe Person. Vgl. Kuhl, Interviews Popp, S. 42.&amp;lt;/ref&amp;gt; Barghahn und den Matrosen Petersen (Theodor).&amp;lt;ref&amp;gt;Goßrau, Bericht, Bl. 22.&amp;lt;/ref&amp;gt; In einem Bericht des Kommandanten der &#039;&#039;Westfalen&#039;&#039;, Kapitän zur See Max Loesch, wird ein Obermaat Brandt erwähnt, der im Gewerkschaftshaus als Ansprechpartner für Schiffsbesatzungen fungiert habe.&amp;lt;ref&amp;gt;Max Loesch, Kapitän zur See: Vorgänge an Bord (Kiel). Handschriftlicher Bericht 4. und 5. November 1918. BArch RM 31/2373, Bl. 130–133.&amp;lt;/ref&amp;gt; In einem 1958 vermutlich auf Anforderung der SED erstellten Bericht, beschreibt der damalige Unteroffizier Paul Sahnwaldt, dass er dem Soldatenrat der Matrosen-Division angehört hätte.&amp;lt;ref&amp;gt;Paul Sahnwaldt: Der Matrosenaufstand in Kiel 1918. Typoskript 1957. Bundesarchiv, SAPMO, SgY 30/0797, S. 4–8.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Etwa zwei Stunden nach den Soldaten trafen sich auch die Obleute und Vertrauensleute der Betriebe in demselben Saal im Gewerkschaftshaus und beschlossen den Generalstreik zur Unterstützung der Bewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:14 Kieler Punkte.jpg|mini|Die 14 Kieler Punkte in der &#039;&#039;Schleswig-Holsteinischen Volkszeitung (SHVZ)&#039;&#039;]]&lt;br /&gt;
Um 22 Uhr fand eine nochmalige Beratung im Gewerkschaftshaus statt. Circa 40 Vertrauensleute verschiedener Schiffe und Formationen sowie sechs Arbeiter kamen zusammen und verabschiedeten schließlich die bekannten Kieler 14 Punkte, die vielen Räten in ganz Deutschland als Richtschnur dienten.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Popp/Artelt, Ursprung, S. III-21.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dänhardt sieht in der politischen Kurzsichtigkeit, die in diesem Katalog zum Ausdruck kommt, eine wesentliche Ursache, dass die Soldatenräte nach ca. sechs Monaten wieder abgeschafft werden konnten.&amp;lt;ref&amp;gt;Dirk Dähnhardt: &#039;&#039;Revolution in Kiel. Der Übergang vom Kaiserreich zur Weimarer Republik 1918/19.&#039;&#039; Neumünster 1978, S. 89–93.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:gustav_garbe.jpg|150px|mini|Foto Gustav Garbes aus dem Kieler Gewerkschaftshaus, aufgenommen vermutlich in den 1920er-Jahren.]] Am frühen Morgen des folgenden Tages (5. November 1918) bildete sich ein Arbeiterrat aus den Obleuten der Großbetriebe, vierzehn Vorstandsmitgliedern beider sozialdemokratischer Parteien und dem Vorsitzenden des Kieler Gewerkschaftskartells Garbe. Letzterer wurde zum Vorsitzenden gewählt.&amp;lt;ref&amp;gt;Popp/Artelt, Ursprung, S. III-21–23.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Untersuchungen Dirk Dähnhardts bestand der Arbeiterrat aus den folgenden Personen:&amp;lt;ref&amp;gt;Dirk Dähnhardt: Brief an Gundula. Freiburg, 18. Oktober 1975. Wissenschaftlicher Nachlass, StAK Sign. 65496. Die Charakterisierung als „Obleute“ wurde nicht von Dähnhardt vorgenommen, ergibt sich aber daraus, dass SPD und USPD nur jeweils sieben Personen entsandten. Bei der Feststellung der Parteizugehörigkeit wurde Dähnhardt von Gertrud Völcker und Heinrich Bohnsack unterstützt; vgl. Dähnhardt, Revolution, S. 92 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Obleute der Großbetriebe (15, von den meisten ist die Parteizugehörigkeit nicht bekannt, jedoch dürfte die Mehrheit der SPD zuzurechnen sein): Heinrich Bohnsack,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Bohnsack wurde 1893 geboren, war im Ersten Weltkrieg Soldat, war später DMV-Sekretär, kam während der Nazi-Zeit in das Vorläufer KZ Lichtenberg und emigrierte anschließend nach Schweden. Nach seiner Rückkehr war er 1950–1954 Bezirksleiter der IG-Metall Küste. Vgl. Thomas Pusch: &#039;&#039;Politisches Exil als Migrationsgeschichte. Schleswig-Holsteiner EmigrantInnen und das skandinavische Exil 1933–1960.&#039;&#039; Dissertation vorgelegt an der Universität Flensburg 2003. Online zugänglich (aufgerufen am 16. September 2024) unter: [https://www.zhb-flensburg.de/?id=16381].&amp;lt;/ref&amp;gt; Fiebig, Glup, Jatow, Kazda, Krause, Künzel, Küpel, Wilhelm Leopold,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Von 1920 bis 1933 Erster Bevollmächtigter des Kieler Metallarbeiterverbands (DMV).&amp;lt;/ref&amp;gt; Neumann, Rehle, Huß (SPD), Lintzel (SPD), Wiese (USPD), Eduard Wolke (SPD).&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Wolke stiftete später zusammen mit Karl Edler den Gedenkstein für die Revolutionsopfer auf dem Eichhof-Friedhof; vgl. Johannes Rosenplänter: &#039;&#039;Zur Entstehung der ‚Ruhestätte der Opfer der Revolution‘ auf dem Kieler Eichhoffriedhof 1918–1924. Ein Werk des Landschaftsarchitekten Leberecht Migge&#039;&#039;. In: Rolf Fischer (Hrsg.): Revolution und Revolutionsforschung – Beiträge aus dem Kieler Initiativkreis 1918/19. Kiel 2011, S. 101−110, hier S. 105.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Vorstandsmitglieder der SPD (7): Balleng, Beckmann, Bindemann, August Biskupek,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Autoren der SPD Geschichtswerkstatt: August Biskupek. SPD-Geschichtswerkstatt. Online zugänglich (Permanentlink aufgerufen am 16. September 2024) unter: [https://www.spd-geschichtswerkstatt.de/index.php?title=August_Biskupek&amp;amp;oldid=55089].&amp;lt;/ref&amp;gt; [[Zeitzeugen_Matrosen%E2%80%93_und_Arbeiteraufstand_1918/1919#Karl_Edler|Karl Edler]], Fröhlich, Peter Hillbrecht.&lt;br /&gt;
* Vorstandsmitglieder der USPD (7): J. Classen (auch Claßen), Cords, Krogmann, Max Spretke, Springer, Wiechert, Zinser.&lt;br /&gt;
* Vorsitzender des Gewerkschaftskartells: [[Zeitzeugen_Matrosen–_und_Arbeiteraufstand_1918/1919#Gustav_Garbe|Gustav Garbe]] (SPD). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem sich die Macht der Räte im Laufe des 5. November konsolidierte, richtete sich der Blick auch auf weitere drängende Fragen, wie Sicherung der Nahrungsmittelversorgung und Zahlung der Löhnung. Hier bot Gustav Noske, der sich seit dem Vorabend in Kiel befand und an den Verhandlungen teilgenommen hatte, Unterstützung für die Bewegung an, allerdings in der unausgesprochenen Absicht, ihre Ausbreitung zu verhindern. In einer Absprache mit den USPD-dominierten Aktivisten wurde Noskes Angebot angenommen. Dies geschah unter der Bedingung, dass es sich um eine vorläufige Maßnahme handele und dass erst dann weitere politische Entscheidungen getroffen würden, wenn ein mit Noske vergleichbares politisches Schwergewicht der USPD aus Berlin, etwa Hugo Haase&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Hugo Haase (1863–1919), Jurist, war von 1911 bis 1916 einer der beiden Vorsitzenden der SPD, und von 1912 bis 1916 einer der beiden Fraktionsvorsitzenden der SPD im Reichstag. Als Gegner der Kriegspolitik der Mehrheit des SPD-Vorstands aus Fraktion und Partei ausgeschlossen, gründete er 1917 die USPD und war deren Vorsitzender bis 1919. Im November/Dezember 1918 war er gleichberechtigter Vorsitzender mit Friedrich Ebert im Rat der Volksbeauftragten. Er starb im November 1919 an den Folgen eines Attentats.&amp;lt;/ref&amp;gt; eingetroffen wäre. Noske wurde dann per Akklamation auf einer großen Versammlung auf dem Wilhelmplatz zum vorläufigen Vorsitzen der Soldatenräte bestimmt. Seine Aufrufe wurden von Karl Artelt mitunterzeichnet. Anordnungen mussten neben Noskes Unterschrift auch die eines weiteren Soldatenrats-Mitglieds tragen. &lt;br /&gt;
[[Datei:Beschlüsse Soldatenrat Kiel 1918.jpg|mini|Beschlüsse des Soldatenrats vom 5. November 1918]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei wurde inzwischen auch vom Großen Soldatenrat gesprochen, die Zusammenfassung der Räte hatte Fortschritte gemacht, hatte allerdings nach wie vor keine autorisierte Basis, denn Noske wählte hier nach seinem Bekunden im Stationsgebäude nach Gutdünken einen sieben- oder neuenköpfigen Aktionsausschuss aus einer Schar von 50–60 Anwesenden von verschiedenen Schiffen oder Formationen. Von diesen hätte sich ein Großteil als „Versager“ entpuppt.&amp;lt;ref&amp;gt;Gustav Noske: &#039;&#039;Von Kiel bis Kapp. Zur Geschichte der deutschen Revolution.&#039;&#039; Berlin 1920, S. 19 ([https://portal.dnb.de/bookviewer/view/1131562372#page/n6/mode/1up Digitalisat]).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Arbeiterrat ging sofort daran, mittels so genannter Beigeordneter die Zivilverwaltung zu kontrollieren. Den Beigeordneten mussten alle wichtigen Vorgänge vorgelegt werden, und sie konnten in die Entscheidungen eingreifen.&amp;lt;ref&amp;gt;Eine Liste der Beigeordneten findet sich in der Schleswig-HolsteinischenVolks-Zeitung (SHVZ) vom 12. Dezember 1918 (hier nach einer handschriftlichen Aufzeichnung von Dirk Dähnhardt „Beigeordnete für amtliche Stellen“, in seinem wissenschaftlichen Nachlass (Akte 3, Hefter 1), StAK Sign. 65496.&amp;lt;/ref&amp;gt; Als erstes fertigte Garbe eine handgeschriebene Ernennungsurkunde für [[Eduard Adler]] aus. Adler wurde abgestellt, den erzkonservativen Oberbürgermeister [[Paul Lindemann]], der später auch den Kapp-Putsch unterstützte, zu kontrollieren. [[Datei:Garbe ernennung-beigeordneter-adler 1918.jpg|thumb|Ernennungsurkunde für den Beigeordneten Eduard Adler (Vorder- und Rückseite), Stadtarchiv Kiel, Sign. 21392.]] Am 11. November 1918 wurde Adler durch den Stadtverordneten August Biskupek (ebenfalls SPD) ersetzt (Letzterer wiederum wurde aufgrund von Krankheit am 13. Februar 1919 durch den Stadtverordneten Hermann Adam abgelöst).&amp;lt;ref&amp;gt;Rackwitz, Kiel 1918, S. 279 f. Zu Adam vgl.: Autoren der SPD Geschichtswerkstatt: Hermann Adam. In: SPD-Geschichtswerkstatt wiki. Online zugänglich (aufgerufen am 16. September 2024) unter: [https://www.spd-geschichtswerkstatt.de/wiki/Hermann_Adam]. &amp;lt;/ref&amp;gt; Adler wurde zusammen mit Paul Greß (auch Gress)&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Autoren der SPD-Geschichtswerkstatt: Paul Gress. In: SPD-Geschichtswerkstatt-Wiki. Online zugänglich (aufgerufen am 2. September 2024) unter: [https://www.spd-geschichtswerkstatt.de/wiki/Paul_Gress].&amp;lt;/ref&amp;gt; Beigeordneter beim Regierungspräsidenten in Schleswig. Auch der Oberpräsident für Schleswig-Holstein, der damals seinen Sitz in Kiel hatte, erhielt einen Beigeordneten des Arbeiterrats. Eingesetzt wurde Heinrich Kürbis (SPD).&amp;lt;ref&amp;gt;Wikipedia-AutorInnen: Heinrich Kürbis. In: Wikipedia – Die freie Enzyklopädie. Online zugänglich (aufgerufen am 3. September 2024) unter: [https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Heinrich_K%C3%BCrbis&amp;amp;oldid=215560106].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Polizeipräsidenten übernahmen Friedrich Brodthuhn (SPD)&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Autoren der SPD Geschichtswerkstatt: Sozialdemokratischer Verein Groß-Kiel - Stadtverordnete. In: SPD-Geschichtswerkstatt wiki. Online zugänglich (aufgerufen am 16. September 2024) unter: [https://www.spd-geschichtswerkstatt.de/wiki/Sozialdemokratischer_Verein_Gro%C3%9F-Kiel_-_Stadtverordnete].&amp;lt;/ref&amp;gt; und Wilhelm Schweizer (USPD, später SPD)&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Autoren der SPD Geschichtswerkstatt: Wilhelm Schweizer. In: SPD-Geschichtswerkstatt wiki. Online zugänglich (aufgerufen am 16. September 2024) unter: [https://www.spd-geschichtswerkstatt.de/wiki/Wilhelm_Schweizer].&amp;lt;/ref&amp;gt; die Kontrolle; bei der städtischen Polizei Wilhelm Leopold (SPD). Zum Post- und Telegraphenamt wurde der später von der SPD zur USPD übergetretene Postinspektor Bertold Brandt&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Rolf Fischer: &#039;&#039;Mit uns die neue Zeit! Kiels Sozialdemokratie im Kaiserreich und in der Revolution.&#039;&#039; Kiel 2013 (Geschichte der Kieler Sozialdemokratie Band 2), S. 187–190. Zum Übertritt zur USPD vgl. die USPD-Zeitung „Republik“ vom 3. April 1920.&amp;lt;/ref&amp;gt; abgeordnet. Das Provinzial-Schulkollegium wurde von Dr. Hermann Weller kontrolliert.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Studienrat Hermann Weller, später Stadtverordneter SPD, spielte eine herausgehobene Rolle neben Dr. Hermann Heller und Professor Gustav Radbruch beim Kapp-Putsch in Kiel. Vgl. Dirk Dähnhardt und Gerhard Granier (Hrsg.): &#039;&#039;Der Kapp-Putsch in Kiel. Eine Dokumentation zum 60. Jahrestag der Märzereignisse von 1920.&#039;&#039; Kiel 1980 (Mitteilungen der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Band 66), S. 148.&amp;lt;/ref&amp;gt; Weitere Beigeordnete waren für die Gewerbe-Inspektion: Jatow, und für den Landeshauptmann: Albert Billian.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Autoren der SPD Geschichtswerkstatt: Albert Billian. In: SPD-Geschichtswerkstatt wiki. Online zugänglich (aufgerufen am 16. September 2024) unter: [https://www.spd-geschichtswerkstatt.de/wiki/Albert_Billian]. In Preußen war der Landeshauptmann der vom Provinziallandtag gewählte höchste Beamte eines Provinzialverbands. Er leitete die provinziale Selbstverwaltung, während der vom König ernannte Oberpräsident die Vorbehaltsrechte der Zentralregierung wahrnahm.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Peter Hillbrecht (SPD), Metallarbeiter und nach Garbe Vorsitzender des Kieler Arbeiterrats und später des Volksrats für Schleswig-Holstein, sah in einer Rückschau einen großen Mangel darin, dass man es versäumt habe, Beigeordnete für die Justiz zu stellen. Dadurch hätte man „unendlich viel an reaktionären Bestrebungen [hintanhalten]“ können.&amp;lt;ref&amp;gt;Peter Hillbrecht: Der Volksrat von Schleswig-Holstein. In: Schleswig-Holsteinische Volks-Zeitung (SHVZ), 5. November 1918, S. 2 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Über Hillbrecht ist nur wenig bekannt. Sabine Roß schreibt in ihrem biografischen Handbuch der Reichsrätekongresse 1918/19 (Hillbrecht war ebenfalls Delegierter für Schleswig-Holstein): Hillbrecht wurde am 23. April 1884 in Spliedtsdorf bei Grimmen (Prov. Pommern) geboren, war von Beruf Torpedoschlosser und seit Juni 1921 Angestellter im Eisenbahnerverband. Im selben Jahr meldete er sich nach Köln ab. Sabine Roß (spätere Kuder): &#039;&#039;Biographisches Handbuch der Reichsrätekongresse 1918/19&#039;&#039;. Düsseldorf 2000 (Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien Bd. 11). Andreas Zimmer erwähnt einen Peter Hillbrecht (SPD) als Mitglied der Landesleitung des Kulturbunds zur demokratischen Erneuerung Deutschlands in der SBZ/DDR, bei dem es sich evtl. um den hier besprochenen Kieler Vertreter handeln könnte: Andreas Zimmer: Der Kulturbund in der SBZ und in der DDR. Eine Ostdeutsche Kulturvereinigung im Wandel der Zeit zwischen 1945 und 1990. 2013 an der Fakultät für Sozialwissenschaften und Philosophie der Universität Leipzig als Dissertation angenommen. Online zugänglich (aufgerufen am 14. Januar 2023) unter: [https://vdoc.pub/documents/der-kulturbund-in-der-sbz-und-in-der-ddr-eine-ostdeutsche-kulturvereinigung-im-wandel-der-zeit-zwischen-1945-und-1990-3n3pm0s03hdg].&amp;lt;/ref&amp;gt; Nach einer Meldung in der Schleswig-Holsteinischen Volks-Zeitung (SHVZ) vom 12. Dezember 1918 war jedoch Professor Otto Opet (1866–1941)&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Otto Opet lehrte seit 1900 als Privatdozent an der Kieler Universität, wo er 1930 zum Ordinarius berufen wurde. Er zählte zu den Wissenschaftlern, deren Abberufung die Kieler Studentenschaft 1933 kategorisch fordert, da er als Jude galt. Als Mitglied des Reichsbanners, der Liga für Menschenrechte und dem republikanischen Klub und der demokratischen (beziehungsweise radikaldemokratischen) Partei war er außerdem politisch engagiert. Unter dem massiven Druck der nationalsozialistischen Anfeindung lässt Opet sich im April 1933 auf &amp;quot;eigenen Antrag&amp;quot; im Alter von 67 Jahren in den Ruhestand versetzen. Vgl. Christian-Albrechts-Universität zu Kiel: Vertriebene Gelehrte. Online zugänglich (aufgerufen am 14. Juli 2024) unter: [https://www.uni-kiel.de/de/universitaet/profil/geschichte-der-universitaet/ns-aufarbeitung/vertriebene-gelehrte].&amp;lt;/ref&amp;gt; der Justiz als Beigeordneter vorgesetzt. Vielleicht lässt sich dieser Widerspruch dadurch erklären, dass Opet als Einzelperson gegenüber der Phalanx der reaktionären Beamtenschaft keinen Effekt erzielen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Ernährungsamt wurde wegen der herausragenden Bedeutung vom Arbeiterrat durch Fiebig und Richter selbst übernommen. Seit den Hungerprotesten 1917 waren die Arbeiter bereits mit einer größeren Gruppe in der städtischen Lebensmittelkommission vertreten und hatten viel Erfahrung sammeln können.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;In der Frühphase der Arbeit im Ernährungsamt erklärte der Dreher Wilhelm Schulz, zu der Zeit (6. November 1918) Vorsitzender des gemeinsamen Ernährungsausschusses von Arbeiter- und Soldatenrat und später als Ernährungskommissar (er war auch Beigeordneter für das Lebensmittellabor) bezeichnet: „Der Arbeiterrat hat einen Ernährungsausschuß in Gemeinschaft mit dem Soldatenrat eingesetzt, […]. Die Regelung der Lebensmittelversorgung der Zivilbevölkerung der Stadt Kiel verbleibt nach wie vor dem Magistrat. Der Ernährungsausschuß wird nur auf Ansuchen des Magistrats eingreifen.“ StAK Sign. 21392. Der „Ernährungskommissar Schulz – Kiel“ gab auf der Konferenz der schleswig-holsteinischen Arbeiter- Soldaten- und Bauern-Räte am 30. März 1919 in Neumünster einen Bericht über seine Tätigkeit; vgl. Anonym: Konferenz der schleswig-holsteinischen Arbeiter- Soldaten- und Bauern-Räte. In: SHVZ, 13. März 1919, S. 1 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur generellen Arbeit der Beigeordneten schreibt Dähnhardt: „Allein im Bereich der Lebensmittelversorgung, die von Anfang an im Mittelpunkt der Tätigkeit des Arbeiterrats stand, konnte dieser eine für die Bevölkerung sichtbare Bedeutung erlangen. Seit Anfang November bot die Lebensmittelversorgung in Kiel keinen Anlaß mehr zu Kritik. Auch Oberbürgermeister Lindemann […] bezeichnete die dem Lebensmittelamt zur Seite gestellten Beigeordneten [im Mai 1919] sogar als &#039;brauchbare Mitarbeiter&#039;, sicherlich ein hohes Lob, wenn man berücksichtigt, dass Lindemann […] ein konsequenter Gegner der Sozialdemokratie war.“&amp;lt;ref&amp;gt;Dähnhardt, Revolution, S. 149.&amp;lt;/ref&amp;gt; Martin Rackwitz kam in seiner umfassenden Darstellung des Kieler Aufstands zu dem Ergebnis, dass die erfahrenen sozialdemokratischen Politiker „ein hohes Maß an kommunalpolitischem Sachverstand“ einbrachten.&amp;lt;ref&amp;gt;Rackwitz, Kiel 1918, S. 190.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz der Konsolidierung des Aufstands in Kiel breitete sich jedoch am 6. November eine große Unsicherheit aus, denn Kiel schien isoliert zu bleiben. Noske unternahm jetzt einen gründlich vorbereiteten Versuch, den Kieler Aufstand zu beenden und damit die alten Verhältnisse wiederherzustellen. Nachmittags fand eine große Massenversammlung von etwa tausend Matrosen, an der auch Vertreter der Arbeiterschaft teilnahmen, im „Schloßhof“ statt, dem heutigen [[Metro-Kino im Schloßhof|metro-Kino]]. Noske hielt seine sorgfältig vorbereitete Rede und beschrieb die großen Schwierigkeiten, vor der die Bewegung stehe. Die Heranschaffung von Lebensmitteln und Geld mache große Probleme, denn Kiel sei isoliert und der Eisenbahnverkehr eingestellt. Er malte ein düsteres Bild und gab dann bekannt, was die Regierung anbieten würde, wenn der Aufstand abgebrochen würde: Straffreiheit für alle Aufständischen, Amnestie für die anlässlich der Marineunruhen 1917 Verurteilten, beschleunigte Herbeiführung des Waffenstillstandes, Beschleunigung der Abdankungsfrage sowie weitere Reformen und Demokratisierung des Staates. Der Vorsitzende des Arbeiterrats Garbe (SPD) und Popp (USPD) sprachen sich dagegen aus. Auch der Redakteur der SHVZ, Bernhard Rausch (SPD)&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Rausch (1887–1981) war Artillerieleutnant an der Westfront und wurde am 1. Oktober 1918 Redakteur der SHVZ in Kiel. Er folgte Noske nach Berlin und wurde dessen politischer Privatsekretär und Referent im Reichswehrministerium, schied 1920 kurz nach Noskes Rücktritt aus und wechselte später zur deutschnationalen Frontsoldaten-Organsation Stahlhelm; vgl. Wolfram Wette: &#039;&#039;Gustav Noske. Eine politische Biographie.&#039;&#039; Düsseldorf 1988, S. 865; sowie Christian Lübcke: &#039;&#039;Ein Versuch zur Demokratisierung der Reichswehr. Bernhard Rauschs Vorschläge für eine Staatsbürgerliche Unterrichtung, 1919-1920. &#039;&#039; In: Andreas Braune, Sebastian Elsbach, Ronny Noak, (Hrsg.): Bildung und Demokratie in der Weimarer Republik. Stuttgart 2022, S. 95-109.&amp;lt;/ref&amp;gt; argumentierte dagegen: Die Bewegung dürfte „… nie in dem Sinne abgebaut werden […], daß etwas von dem aufgegeben würde, was durch sie politisch erreichbar war.“&amp;lt;ref&amp;gt;Bernhard Rausch: &#039;&#039;Am Springquell der Revolution. Die Kieler Matrosenerhebung.&#039;&#039; Kiel 1918 (Reprint als Sonderveröffentlichung der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Bd. 15), S. II 1–31, hier S. II-25.&amp;lt;/ref&amp;gt; In dem Bericht der SHVZ über die Versammlung wurde dies näher erläutert: „Die gegenwärtige schicksalsschwere politische Situation gebietet, dass die entstandenen Machtverhältnisse restlos ausgenützt werden für den politischen und sozialen Fortschritt des Deutschen Reiches. Es gilt das, was im glorreichen Ansturm errungen ist, dauernd zu befestigen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Anonym: Die Lawine im Rollen. In: Schleswig-Holsteinische Volks-Zeitung vom 7. November 1918, S. 1.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noskes Vorschlag wurde nach Angaben Popps einstimmig abgelehnt. Außerdem wurde Popp auf der Versammlung, nachdem der von Berlin entsandte USPD-Vorsitzende Haase Schwierigkeiten hatte, nach Kiel zu gelangen, zum gleichberechtigten Vorsitzenden des Soldatenrats neben Noske bestimmt.&amp;lt;ref&amp;gt;Klaus Kuhl: &#039;&#039;Gustav Garbe – bedeutender Kieler Gewerkschaftsfunktionär, Vorsitzender des Kieler Arbeiterrats und zweimaliger Gouverneur. Mit Vorworten von Frank Hornschu, Geschäftsführer und Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes Kiel Region, und von Stephanie Schmoliner, 1. Bevollmächtigte der IG Metall Kiel-Neumünster.&#039;&#039; Kiel 2023, S. 29–32.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Versammlung verlief teilweise chaotisch, was offenbar mit einer immer noch bestehenden mangelnden Legitimation der Teilnehmer, aufgrund der spontan entstandenen Soldatenräte, zusammen hing. Popp organisierte daraufhin Wahlen von Vertrauensmännern in allen Einheiten, die dann den „Großen Soldatenrat“ wählten, der dann wiederum als Aktionsausschuss am folgenden Tag den Obersten Soldatenrat (OSR) bestimmte. Der OSR, dem auch Karl Artelt angehörte, wählte Lothar Popp zum Vorsitzenden. Weitere Mitglieder waren Maschinistenmaat Ullrich (auch Ulrich), Obermaat Schrader (vom Friedrichsorter Soldatenrat)&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Dirk Dähnhardt gibt eine Äußerung Lothar Popps über Schrader in einem 1975 geführten Gespräch wie folgt wider: „Über die Zusammensetzung des Soldatenrates erinnerte sich Herr Popp nur noch an einen Mann namens Schrader, den er selbst vorgeschlagen hatte, der aber ein &amp;quot;Vollidiot&amp;quot; gewesen sei.“ Kuhl, Popp, S. 44 f. Dähnhardt weist dabei auf eine ähnliche Schilderung Noskes hin. Noske nennt allerdings keine Namen und bezieht sich auf einen Tag vorher. Vgl. Noske, Kiel bis Kapp, S. 19.&amp;lt;/ref&amp;gt; und Obermaat Koch.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Martin Rackwitz erwähnt einen Obermatrosen Koch vom Soldatenrat in Holtenau, der dort die Befehlsgewalt ausgeübt habe. Vgl. Rackwitz, Kiel 1918, S. 181 f. Es bleibt unklar, ob es sich um dieselbe Person handelt.&amp;lt;/ref&amp;gt; Gemäß einer vorher getroffenen Absprache zwischen SPD und USPD übernahm Noske daraufhin das Gouverneursamt von Admiral Wilhelm Souchon.&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhl, Garbe, S. 32.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bereits eine Woche später werden zwei neue Mitglieder des OSR erwähnt, nämlich Robert Pfaff (SPD)&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Pfaff (1881–1940) war außerdem Delegierter auf dem 1. Reichsrätekongress für den Wahlbezirk Schleswig-Holstein und wurde dort als Marinevertreter in den Zentralrat gewählt. Ab 1919 war er kommissarischer Landrat für Rendsburg und dort aktiv an der Niederschlagung des Kapp-Putsches beteiligt, dann Entbindung von diesem Amt. Ab 1924 Inhaber eines Immobiliengeschäfts in Neckargemünd. Vgl. Roß, Reichsrätekongresse. Zur Rolle Pfaffs während des Kapp-Putsches vgl. Klaus Kuhl: &#039;&#039;Abzug des Bataillons Claassen/Detachement Kiel nach dem Kapp-Putsch in Kiel 1920.&#039;&#039; In: Zeitschrift der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte, Band 146 (2021), S. 241–256.&amp;lt;/ref&amp;gt; und Max Hartig,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Hartig, geboren 1887, war Delegierter für den Wahlbezirk Marinestation zum 1. Reichsrätekongress und gehörte zur SPD-Fraktion. Als Wohnort gab er Chemnitz an, und als dortige bisherige Tätigkeit: Sektionsleitung der Modelltischler in Chemnitz. Vgl. Roß, Reichsrätekongresse.&amp;lt;/ref&amp;gt; während Schrader vermutlich ausgeschieden war.&amp;lt;ref&amp;gt;Dähnhardt, Revolution, S. 114 und 136. Schrader wird nur noch einmal von Stabschef Küsel als Teilnehmer bei den Verhandlungen über die Rolle der Offiziere am 8. November erwähnt. Vgl. Klaus Kuhl: &#039;&#039;Gefangen in Überheblichkeit und Engstirnigkeit: Die führenden Seeoffiziere und der Matrosen- und Arbeiteraufstand in Kiel 1918. Die Berichte der Chefs der Marinestation und Gouverneure von Kiel, Admiral Gustav Bachmann und Admiral Wilhelm Souchon sowie ihres Stabschefs Konteradmiral Hans Küsel.&#039;&#039; Kiel 2023, S. 180.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über die Mitglieder des Großen Soldatenrats, die den OSR zu wählen hatten, gibt es bisher nur wenige Informationen: Der Kapitänleutnant Peter Köhler schreibt einem zeitnahen Bericht, dass er selbst zum Soldatenrat auf seinem Wohnschiff &#039;&#039;Nixe&#039;&#039; gewählt wurde und damit Mitglied im Großen Soldatenrat war. Köhler diente bis September 1918 auf dem zum III. Geschwader gehörenden &#039;&#039;Großer Kurfürst&#039;&#039; und war dann dem Artillerieschulschiff &#039;&#039;Kaiserin Augusta&#039;&#039; in Kiel zugeteilt. Er trat für eine Sozialisierung ein, war aber kein Demokrat. Köhler erwähnt auch einen Oberschreiber Haas, der eine bestimmende Rolle im Soldatenrat der I. Werft-Division gespielt hätte.&amp;lt;ref&amp;gt;Kapitänleutnant Peter Köhler: Revolutionsereignisse in Kiel. Typoskript im Nachlass Carl/Karl Hollweg, BArch RM 3/11682, Bl. 198–226. Transkript online zugänglich (aufgerufen am 25. September 2024) unter: [http://www.kurkuhl.de/docs/ereignisse_06-11-1918.pdf].&amp;lt;/ref&amp;gt; Weitere, von Karl Artelt in späteren Berichten erwähnte Mitglieder des Großen Soldatenrats: Torpedobootmatrose Fritz Steinhoff, späterer Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen sowie der U-Bootfahrer Ernst Wollweber, der von 1953 bis 1957 das Staatssekretariat bzw. das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) in der DDR leitete.&amp;lt;ref&amp;gt;Karl Artelt: Zwei Briefe an das Institut für Marxismus-Leninismus beim Zentralkomitee der SED – Abteilung Geschichte der Partei und der deutschen Arbeiterbewegung. Nebra, 15. Dezember 1957 und 12. Februar 1957. Bundesarchiv, SAPMO, SGY 30/0022, Bl. 14–19, hier Bl. 15, 17 und 19.&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Ein weiteres Soldatenrats-Mitglied wird in der Kieler Zeitung vom 8. November 1918 (M) erwähnt. Dort wird eine Bekanntmachung des Soldatenrats zu Zeitungsausträgern von Brocks unterzeichnet, der damit eventuell ebenfalls dem Großen Soldatenrat angehört haben könnte. Er wird von Christopher Andresen als Kriegsbeschädigter bezeichnet und hätte am 7. November eine nach Flensburg entsandte Delegation des Kieler Arbeiter- und Soldatenrates angeführt. Vgl. Christopher Andresen: Arbeiter- und Soldatenräte in Flensburg 1918/19. In: Demokratische Geschichte, Bd. 18, Malente 2007, S. 9–43. Online zugänglich (aufgerufen am 20. Mai 2025) unter: [https://www.beirat-fuer-geschichte.de/fileadmin/pdf/band_18/Demokratische_Geschichte_Band_18_Essay_2.pdf].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Regierung in Berlin (bis zum 9. November 1918 noch vom letzten Reichskanzler des Kaiserreichs, Max von Baden, geführt) bestätigte Noske als neuen Gouverneur. Während Popp den Gouverneur als ausführendes Organ des Soldatenrats ansah, mit dem dieser „den Verwaltungsapparat in Bewegung bringen“ könne, betrachtete Noske den Soldatenrat eher als ein Kontrollgremium. In seinem ersten Tagesbefehl, den er zusammen mit dem OSR noch am selben Abend erstellte, hieß es: „Ich bin […] zum Gouverneur gewählt worden […]. Mir zur Seite steht der ‚Oberste Soldatenrat des Befehlsbereichs der Ostseestation’“ &amp;lt;ref&amp;gt;Popp/Artelt, Ursprung, S. III-27 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der OSR schickte dann jeweils einen Vertrauensmann in alle wichtigen militärischen Stellen. Hierbei handelte es sich meistens um Feldwebel.&amp;lt;ref&amp;gt;Rackwitz, Kiel 2018, S. 139 f. Der so genannte Etatmäßige Feldwebel war in der Regel mit dem inneren Dienst und Verwaltungsaufgaben betraut.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die zukünftige Rolle der Offiziere blieb in der Schwebe. Nachdem sich in deren Reihen zunächst eine tiefe Resignation breit gemacht hatte, schöpften die Offiziere wieder Hoffnung, weil Noske signalisiert hatte, dass er auf sie nicht verzichten wollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Inzwischen trafen auch Nachrichten von der raschen Ausbreitung der Revolution ein. Noske kam nun zu der Überzeugung, dass „ein Lavieren nicht mehr am Platze sei, sondern es hieß die Zügel fest in die Hand zu nehmen.“ In einer kleinen Runde vereinbarte er mit einigen Kieler SPD-Führern die Ausrufung des Arbeiterrats als provisorische Regierung Schleswig-Holsteins. Der ebenfalls gewünschten Ausrufung der Republik Schleswig-Holstein widersetzte er sich.&amp;lt;ref&amp;gt;Noske, Kiel bis Kapp, S. 25.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Aufruf Kieler Arbeiter und Soldatenrat.jpg|mini|Gemeinsamer Aufruf des Arbeiter- und des Soldatenrats am 7. November 1918.]] Der OSR und der Arbeiterrat einigten sich auf einen gemeinsamen Aufruf, der als Flugblatt verteilt wurde. Die ersten drei Absätze lauteten: „Die politische Macht ist in unserer Hand. Es wird eine provisorische Provinzialregierung gebildet, die in Zusammenarbeit mit den bestehenden Behörden eine neue Ordnung aufrichtet. Unser Ziel ist die freie, soziale Volksrepublik.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bewegung stieß auch auf große Zustimmung in der Bevölkerung. Dies zeigte sich nicht nur in der überwältigenden Anteilnahme bei der Beerdigung der Revolutionsopfer am 10. November 1918, sondern auch in der raschen Verbreitung der Räteidee: In weiten Kreisen der Bevölkerung bis ins Bürgertum hinein wurden Räte gegründet. Es gab Beamten- und Angestelltenräte,&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. dazu etwa Klaus Kuhl: &#039;&#039;Kiel und die Revolution von 1918. Das Tagebuch eines Werftingenieurs, verfasst in den Jahren 1917–1919. Edition und Textanalyse.&#039;&#039; Berlin 2018, S. 57.&amp;lt;/ref&amp;gt; Studentenräte,&amp;lt;ref&amp;gt;Über Alfred Meusel wird berichtet, dass er Vorsitzender des ersten Studentenrats in Deutschland wurde. Alfred Meusel (1896-1960) besuchte die Oberrealschule in Kiel. Mit Beginn des Ersten Weltkriegs meldete er sich als Freiwilliger, ging an der Front aber bald auf Distanz zum Kaiserreich und kam dort erstmals mit sozialistischen Ideen in Berührung. Im Dezember 1917 wurde er an der Aisne verschüttet, schwer verletzt und behielt zeitlebens ein Nervenleiden als Spätfolge. Von 1918 bis 1922 studierte er in Kiel u. a. Nationalökonomie, Soziologie und Geschichtswissenschaft. Vgl. Mario Kesser und Detlef Siegfried: &#039;&#039;Alfred Meusel im Spannungsfeld von Wissenschaft und Politik&#039;&#039;. In: JahrBuch für Forschungen zur Geschichte der Arbeiterbewegung, Heft III/2010, S. 65–80, hier S. 66 f. Vgl. auch die von Jörg Becker veröffentlichten Berichte von Richard Sorge, der eine sozialistische Studentenorganisation aufbaute.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bauernräte&amp;lt;ref&amp;gt;Nach Gerhard Stoltenberg soll es bereits im Januar 1919 1700 örtliche Auschüsse [Bauernräte] in Schleswig-Holstein gegeben haben; vgl. Gerhard Stoltenberg: &#039;&#039;Politische Strömungen im schleswig-holsteinischen Landvolk 1918-1933.&#039;&#039; Düsseldorf 1962, S.29, Fußnote 4. Stoltenberg beruft sich auf eine Meldung der SHVZ vom 15. Januar 1919. Die Zeitung der USPD „Republik“ meldete am 19. Januar 1919, dass in Schleswig-Holstein ein provisorischer Oberster Bauernrat aus sechs Mitgliedern gebildet worden sei. Beigeordnet seien der Ernährungskommissar für Schleswig-Holstein sowie ein Beauftragter der Landwirtschaftskammer. Geschäftsführer sei vorläufig Max Mißfeld, Suchsdorf bei Kiel.&amp;lt;/ref&amp;gt; und sogar einen Rat des Kirchenchors der [[Nikolaikirche]].&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. den Bericht eines damals 13-jährigen Chorknabens in dem NDR-Film „Matrosen, Räte, Republiken“ von Hartmut Idzko und Jörg Knickrehm, der am 1. November 1978 ausgestrahlt wurde. Progressive Teile der evangelischen Kirche, darunter der Kieler Professor Otto Baumgarten, forderten die Einführung von &amp;quot;Volkskirchenräten&amp;quot;; vgl.: Rolf Fischer: &#039;&#039;Kiel, die Kirchen und die Revolution – Eine Standortbestimmung.&#039;&#039; In: Rolf Fischer (Hrsg.): &#039;&#039;Sehnsucht nach Demokratie.&#039;&#039; Kiel 2020, S. 57–72, hier S. 67.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In mehreren Verhandlungen wurde zwischen Vertretern der Offiziere und dem OSR eine Absprache über die Rolle der Offiziere getroffen. Diese sah vor, dass diejenigen Offiziere, die sich dem Soldatenrat unterstellten, im Amt bleiben durften. Wenn sie jedoch ein Kommando ausüben wollten, mussten sie das Vertrauen ihrer Untergebenen haben. Von den Mannschaften abgelehnte Offiziere mussten sich in der Marinestation zur Verfügung halten. Die große Mehrheit der Offiziere ließ sich darauf ein, wobei die Mitteilung, der Kaiser habe sie von ihrem Eid entbunden, eine wichtige Rolle gespielt haben dürfte. Die Ansätze für eine Militärreform wurden jedoch, wie Wolfram Wette schrieb, von Noske im Keim erstickt.&amp;lt;ref&amp;gt;Wolfram Wette: Als bei der Torpedo-Division der erste Soldatenrat gebildet wurde. In: Frankfurter Rundschau, 12. Dezember 1988.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Niedergang der Rätebewegung in Kiel ==&lt;br /&gt;
In Kiel begann dieses „Ersticken“ einer möglichen Militärreform damit, dass Noske den Räten gegenüber die Kompetenz der Seeoffiziere, besonders mit Blick auf die Überführung der Flotte nach England, als unverzichtbar darstellte. Kuhl schrieb, dies sei in der neueren Literatur ohne nähere Diskussion akzeptiert worden, aber ein genauerer Blick auf die Aufgaben der verschiedenen Dienstränge zeige, dass Deckoffiziere, Unteroffiziere und Mannschaften ohne größere Probleme in der Lage gewesen wären, ein Schiff zu manövrieren; Steuerleute, Navigationsoffiziere, Maschineningenieure, Funkentelegrafiemeister etc. konnten in ihren Bereichen selbstständig handeln. Die Seeoffiziere waren hauptsächlich dazu da, ein Schiff in der Schlacht zu befehligen. Für andere Aufgaben waren sie nicht unbedingt notwendig. Allerdings war ihre Autorität wichtig für die einigermaßen reibungslose Abfolge aller Arbeiten an Bord und an Land. Diese Autorität aber war stark erschüttert. Eine Auswahl nach demokratischen und republikanischen Kriterien wäre möglich gewesen. Ein entstehender Gruppendruck hätte dann eventuell auch eine Reihe der ehemals kaiserlichen Seeoffiziere zum Einlenken bewegen können. Immerhin war nach der Wahrnehmung des Stabschefs der Marinestation, Küsel, noch Mitte November 1918 „die Stimmung, was das jüngere Seeoffizierkorps anbetrifft, ganz links gerichtet“.&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhl, Überheblichkeit, S. 186.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dies wird auch bestätigt von Admiral Gustav Bachmann, dem Vorgänger Souchons als Gouverneur und Chef der Marinestation, der den Kapitänleutnant Thorwald v. Bothmer als einen der radikalsten bezeichnete („… pries die Republik, machte die Monarchie herunter …“).&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Klaus Franken (Hg.): &#039;&#039;Admiral Gustav Bachmann: Lebenserinnerungen und Tagebuch 1915.&#039;&#039; Paderborn 2022 (Schriften zur Marinegeschichte Band 3), S. 911 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Unter dem Einfluss des Korvettenkapitäns Wilfried von Loewenfeld (s.&amp;amp;nbsp;u.) schlug dies aber schnell wieder um.&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhl, Garbe, S. 38 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zuge der kurz nach dem Umsturz einsetzenden Demobilisierung wuchs der Einfluss der zurückbleibenden Berufssoldaten und hier besonders derjenige der Deckoffiziere. Diese hatten durchaus einen wichtigen Anteil an der erfolgreichen Durchsetzung des Aufstands, denn die standen in deutlicher Opposition zu den Seeoffizieren, von denen sie ebenfalls, wie die Mannschaften, als gesellschaftlich inakzeptable Parias behandelt wurden.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Holger H. Herwig: &#039;&#039;Das Elitekorps des Kaisers. Die Marineoffiziere im Wilhelminischen Deutschland.&#039;&#039; Hamburg 1977, S. 86.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Deckoffizierbund erkannte die neuen Verhältnisse an und erteilte Bestrebungen, diese zurückzudrehen, eine Absage. Die Seeoffiziere müssten dies ebenfalls anerkennen und es müsse eine Auswahl geben, um reaktionäre Absichten von Seiten der Offiziere auszuschließen. Allerdings wurde nicht erkennbar, welche Mechanismen und Garantien der Bund für eine effektive Auswahl anstrebte.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Klaus Kuhl: &#039;&#039;Analyse und Edition von: Paul Kässner, Oberdeckoffizier a. D.: Zur Geschichte der Deckoffizierbewegung, des Deckoffizierbundes und des Bundes der Deckoffiziere.&#039;&#039; Kiel 2022, 6 f. und 22. Online zugänglich (aufgerufen am 4. September 2024) unter: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Kuhl_analyse-edition-kaessner-deckoffizierbewegung_2022.pdf].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei: Kieler_Matrosenaufstand_(Kiel_68.297).jpg|mini|Das Foto zeigt eine Demonstration von Deck- und Unteroffizieren am 22. Dezember 1918 gegen den Beschluss des Reichsrätekongresses und für die Beibehaltung der Rangabzeichen. Dies kennzeichnet den gestiegenen Einfluss der Deckoffiziere.]] Ein Großteil der Deckoffiziere erwies sich auch später im Kapp-Putsch als Stütze der Weimarer Republik, sie hatten jedoch deutliche Vorbehalte gegenüber den Soldatenräten, vermutlich weil sie deren totalen Umsturz der militärischen Hierarchien ablehnten. Die Deckoffiziere bekamen einen großen Einfluss in der Sicherheitswehr des Soldatenrats und auch im OSR selbst. Ihre Vorbehalte führten dann vermutlich auch dazu, dass Lothar Popp am 10. Dezember 1918 als Vorsitzender des OSR zurücktrat; zumindest behauptet dies Noske in seiner 1920 erschienen und stark von Rechtfertigungen geprägten Schrift „Von Kiel bis Kapp“.&amp;lt;ref&amp;gt;Noske, Kiel bis Kapp, S. 52.&amp;lt;/ref&amp;gt; Popp selbst gab später an, er habe nach der Entscheidung für die Nationalversammlung keinen Sinn mehr in seiner Arbeit für den OSR gesehen. Allerdings fiel diese Entscheidung erst später auf der Reichsrätekonferenz 16.–21. Dezember 1918,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Auf dem ersten Reichsrätekongress wurde Kiel durch die folgenden Delegierten vertreten: Gustav Garbe und Peter Hillbrecht für den Arbeiterrat (Kurt Kaulfers, USPD und Bevollmächtigter des DMV Kiel, fiel bei der Mandatsprüfung durch), sowie Max Hartig und Robert Pfaff für den Soldatenrat. Alle bis auf Kaulfers gehörten der SPD an. Vgl. Dieter Braeg und Ralf Hoffrogge (Hrsg.): &#039;&#039;Allgemeiner Kongress der Arbeiter- und Soldatenräte Deutschlands. 16.–20. Dezember 1918 Berlin – Stenografische Berichte, Neuausgabe zum 100. Jahrestag&#039;&#039;. Berlin 2018, S. 561–602. Vgl. auch Roß, Reichsrätekongresse.&amp;lt;/ref&amp;gt; was eher Noskes Darstellung unterstützen würde. Es wäre aber auch denkbar, dass Popps Rücktritt bereits davon bestimmt war, dass keine USPD-Mitglieder aus Kiel zum Reichsrätekongress delegiert wurden. Karl Artelt übernahm nun den Vorsitz des inzwischen auf 14 Mitglieder erweiterten Gremiums, Stellvertreter wurde Robert Pfaff, Schriftführer wurde der Signalmeister und Deckoffizier Franz Riefstahl (SPD). Popp wurde nur noch als politischer Berater des Gremiums aufgeführt. Zum damaligen Zeitpunkt gehörten dem OSR, neben den Genannten, noch die folgenden Personen an: Rudolf Rannow, Erich Thümmel, Schmidtke, Max Hartig, Gräfenstein (auch Grävenstein), Rath, Klaus, Eggers, Rudolph, Widmaier (auch Widmeier) und Feill (insgesamt 14).&amp;lt;ref&amp;gt;Anonym: Sitzung des obersten Soldatenrates. In: Republik, 11. Dezember 1918.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Hartig und Thümmel wurden bereits oben beschrieben, Riefstahl und Rannow werden weiter unten als Vorsitzende des OSR beschrieben, zu den anderen Personen ist bisher nichts weiter bekannt.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die provisorische Regierung Schleswig-Holsteins hatte zunächst der Kieler Arbeiterrat übernommen. Auf einer Konferenz am 12. Dezember 1918 in Neumünster wurden nun auch die anderen Räte in der Provinz einbezogen. Die Konferenz wurde von Garbe eröffnet und zusammen mit Richter aus Neumünster und Schlüter aus Flensburg geleitet. Es herrschte Einigkeit darüber, dass in „nächster Zukunft […] Räterat und National-Versammlung nebeneinander bestehen bleiben und zusammen arbeiten [müssen].“&amp;lt;ref&amp;gt;Einleitendes Referat des Beigeordneten der Regierung in Schleswig Eduard Adlers auf der Konferenz. Protokoll der Konferenz der Arbeiter- und Soldatenräte Neumünster am 12. Dezember 1918. Manuskript. Archiv des Zentralrats der Deutschen Sozialistischen Republik; Sign. B-58. Online zugänglich (aufgerufen am 9. Januar 2023) unter: [https://search.iisg.amsterdam/Record/ARCH01676].&amp;lt;/ref&amp;gt; Die provisorische Regierung setzte sich nun aus Vertretern der Räte verschiedener Regionen zusammen. Sie bezeichnete sich später als „Volksrat“.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Kuhl, Garbe, S. 34.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 27. Dezember 1918, mit Beginn der Unruhen in Berlin, kehrte Noske dorthin zurück und übernahm im Rat der Volksbeauftragten, nach dem Rücktritt der USPD-Beauftragten, den Bereich „Heer und Marine“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit verstärkte sich der schleichende und im Laufe der Entwicklung immer offenere Prozess, in dem Noske – inzwischen Reichswehrminister – die Soldatenräte im Juni 1919 schließlich abschaffen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wichtige Stationen waren dabei:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Verkleinerung des 53er-Ausschusses, dem Zentralrat der Marine im Berliner Reichsmarineamt,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Dem Rat gehörten die folgenden Kieler Personen an: Bock, Hohmann, Klenke, Lebeck, Manschke, Rösler, Stock, Block und Schumann; vgl. Kriegsakten betreff Revolution 1918 und Märzwirren 1920. BArch RM 8/1013, Bl. 73 f. Im Mai 1919 wurde auch ein Verbandssoldatenrat, in dem die Soldatenräte sich überregional organisiert hatten, der aber offensichtlich keinen größere Bedeutung erlangt hat, erwähnt; vgl. Akten des Reichsmarineamts betreffend Arbeiter und Soldatenrat, Juni 1919–März 1922. BArch RM 20/13 Bl. 27.&amp;lt;/ref&amp;gt; auf sechs Personen. Der Rat wollte die neue Marine auf Völkerverständigung und eine reine Verteidigung festlegen. Dies stieß jedoch bei den weiter nach „Weltgeltung“ strebenden „Tirpitzianern“, zu denen die vorgesehenen Führer der Marine (insbesondere v. Trotha)&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Konteradmiral Adolf von Trotha (1868–1940), ab März 1919 Chef der Admiralität, im Oktober 1919 zum Vizeadmiral befördert, unterstützte den Kapp-Putsch und wurde später Propagandist für die NSDAP.&amp;lt;/ref&amp;gt; gehörten, sowie auch bei Noske selbst, auf großen Widerstand. Aufgrund von Noskes Kritik, der auf dem Reichsrätekongress eine Verschleppung von Entscheidungen bemängelte, wurde der Rat auf sechs Mitglieder verkleinert und damit in seinen Wirkungsmöglichkeiten (bei einem Amt mit etwa 1000 Beschäftigten) stark eingeschränkt. Der stellvertretende Vorsitzende des Kieler OSR, Robert Pfaff (SPD), der auch am Reichsrätekongress teilnahm, unterstützte Noske bei seinem Vorgehen. Wette vermutet, dass Noskes Beanstandungen eher auf die inzwischen USPD-nahe Programmatik des 53er Rats zurückgingen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Wette, Noske, S. 272–280.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Der Aufbau der 1. Marine-Brigade (inoffizielle Bezeichnung: Eiserne Brigade oder Eiserne Division) durch die Deckoffiziere auf Anforderung Noskes Anfang Januar 1919. Im OSR argumentierten die Deckoffiziere damit, dass die Truppe für die Grenzsicherung im Osten gebraucht würde. Sie wurde dann aber bei den Kämpfen in Berlin und danach auch in weiteren Städten, u.&amp;amp;nbsp;a. in Bremen eingesetzt. Dies führte am 6. Januar 1919 zum Rückzug Karl Artelts aus dem OSR. Den Vorsitz übernahm zunächst Max Hartig für 10 Tage dann der Signalmeister und Deckoffizier Franz Riefstahl,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Über Riefstahl ist ebenfalls nur wenig bekannt, obwohl er neben Popp und Artelt eine besonders wichtige Rolle in der Soldatenratsbewegung spielte: Riefstahl war zunächst wohl die zentrale Figur in dem nur bis zum 3. Dezember 1918 existierenden Generalobmannbüro. Neben Riefstahl waren hier noch der Oberheizer Klaus, der Ubootsmaschinistenmaat Tscharutke, der Schreiber Au und der Oberschreiber Rothenbacher tätig. Das Büro wurde parallel zum OSR eingerichtet und diente den Obmännern, wie die von den einzelnen Soldatenräten in den Großen Soldatenrat entsandten Delegierten genannt wurden, als Ansprechstelle. Mit Riefstahls Wahl in den OSR wurde es offenbar aufgelöst. Vgl. Dähnhardt, Revolution, S. 131. Riefstahl gehörte dem OSR von Anfang Dezember 1918 bis Ende März 1919 ununterbrochen an, und war mit 2 ½ Monaten der am längsten auf diesem Posten dienende Vorsitzende. Obwohl Riefstahl der SPD angehörte und deutlich moderater war  als Popp und Artelt, verfolgten ihn die Seeoffiziere mit großem Hass. So bezeichnete v. Loewenfeld ihn als „widerlichen, aufgeblasenen roten Gesellen und Offiziershasser“. Der Stabschef Konteradmiral Küsel schrieb über ihn, er habe sich dann besonders hervorgetan, wenn es galt die Seeoffiziere zu bekämpfen. Riefstahl war später Amtmann in Berlin und wird im „Vorwärts“ vom 15. Oktober 1919 (S. 4) unter den „Groß-Berliner Parteinachrichten“ erwähnt. In einer Versammlung für „Sozialdemokratische Beamte, Angestellte und Hülfskräfte der Gemeindebehörden Groß-Berlins“ referierte Riefstahl über „Revolution und Beamtenschaft.“ Das preußische Innenministerium unter Göring ließ 1934 Erkundigungen über Riefstahl einziehen, um ihn aus dem Beamtendienst zu entfernen. Dabei übermittelte Küsel die genannte Denunziation. Wette vermutet, dies habe ausgereicht, um den Stadtamtmann Riefstahl aus dem Beamtendienst zu entfernen. Vgl. Wette, Noske, S. 261 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; während Hartig sein Stellvertreter wurde. Hartig schied am 7. Februar aus, auf ihn folgte Bublat als Stellvertreter.&amp;lt;ref&amp;gt;Klaus Kuhl: &#039;&#039;Die Kieler Eiserne Division – ein besonderer Fall in der militärischen Landschaft der Weimarer Republik.&#039;&#039; In: Rolf Fischer (Hrsg.): Brennpunkte 1918. Orte der Revolution in Schleswig-Holstein. Kiel 2023, S. 113–132.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Neuordnung der Kommandogewalt. Diese hatte bisher weitgehend in den Händen der Soldatenräte gelegen. Gegen einen bekannt gewordenen Entwurf legte der Kieler OSR Protest ein. Dieser Protest wurde auch am 1. Februar 1919 von der Kieler SPD-Zeitung unterstützt. Man sah in Noskes Planungen den Versuch, die Zustände vor der Revolution wieder einzuführen.&amp;lt;ref&amp;gt;Anonym: Neuregelung der Kommandogewalt. In: SHVZ, 1. Februar 1919, S. 1.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Entwurf war Mitte Januar vom neuen Kriegsminister Oberst Walther Reinhardt vorgelegt, vom Zentralrat der Deutschen Sozialistischen Republik&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Ein vom Reichsrätekongress im Dezember 1918 eingerichtetes Gremium zur Überwachung und zur Kontrolle des Rats der Volksbeauftragten.&amp;lt;/ref&amp;gt; geringfügig geändert und dann von der Regierung angenommen worden. Das Verordnungswerk wurde am 19. Januar verabschiedet, gab die Kommandogewalt zurück an die Offiziere und schränkte die Befugnisse der Soldatenräte stark ein. Fronttruppen und Freikorps waren ausgenommen, dort hatten Soldatenräte sowieso einen schweren Stand oder wurden gar nicht geduldet.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Wette, Noske, S. 333–339.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Rahmen verschiedentlicher Proteste der Kieler Räte bei Noske fühlten sich die Delegationsmitglieder Riefstahl, Klaus, Rannow und Thümmel von Noske „wie Handwerksburschen“ behandelt.&amp;lt;ref&amp;gt;Wette, Noske, S. 260.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Der große Protest der Kieler Arbeiterschaft gegen Noskes kompromissloses militärisches Vorgehen gegen die Bremer Räterepublik Anfang Februar 1919; aufgrund der begeleitenden militanten Aktionen der KPD auch als Kieler „Spartakus-Putsch“ bezeichnet. Im Verlauf der bewaffneten Auseinandersetzungen erlaubte Noske dann die Aufstellung der 3. Marine-Brigade durch Wilfried von Loewenfeld, die dann die Sicherheitstruppe des Soldatenrats dominierte.&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhl, Garbe, S. 47 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Am 25. Februar erfolgte dann eine Neuwahl des OSR und der erneut zum Vorsitzenden gewählte Riefstahl verkleinerte den bereits auf 12 Mitglieder reduzierten OSR auf nunmehr neun Personen. Dabei handelte es sich neben Riefstahl um Bublat (Stellvertreter), Schlüter (Schriftführer), Klaus, Rannow, Rath, Widmaier, Thümmel und Dräger.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Rackwitz, Kiel 1918, S. 183; sowie Anonym: Neuwahl des Obersten Soldatenrates. In: Kieler Zeitung vom 1. März 1919, Morgenausgabe.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Einsetzung eines Seeoffiziers als Stationschef wurde von Noske gegen den Widerstand von OSR und Arbeiterrat nach verschiedenen Anläufen durchgesetzt. Dabei verlor Garbe als Noskes Nachfolger auf dem Posten des Kieler Gouverneurs seine militärische Befehlsgewalt und wurde zum „Zivilgouverneur“ herabgestuft. Der OSR wurde nun nur noch als Stationssoldatenrat bezeichnet. Am 10. März 1919 wurde Konteradmiral Meurer als Stationschef eingesetzt. Wenig später verlor Garbe auch seinen Titel als Zivilgouverneur. Am 31. März 1919 schieden Riefstahl, Klaus, Bublat und Thümmel aus dem OSR/Stationssoldatenrat aus. Neuer Vorsitzender wurde der Oberfeuerwerkermaat Rudolf Rannow (SPD),&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Rannow, geb. 25. Januar 1887 in Oramburg (Pommern), wird in dem Bericht des Kapitänleutnants Peter Köhler am 7. November 1918 als Obmann des Soldatenrats erwähnt; Köhler: Revolutionsereignisse, S. 14. Rannow war im April 1919 Delegierter für den 2. Reichsrätekongress, wo er den Wahlbezirk Ostseestation vertrat. Er organisierte im April 1919 den Zusammenschluss von Berufssoldaten, die sich zur SPD bekannten (im Hinblick auf eine zu gründende republikanische Volkswehr), beteiligte sich an der Abwehr des Kapp-Putsches in Kiel und wurde Kommandeur der gegen den Putsch aufgebauten Arbeiterwehr. In der Personalamtsakte „Wahlen von Stadträten und Bürgermeistern“ im Stadtarchiv Kiel (Sign. 31980) wird er ab 1920 als Stadtsekretär geführt. Im Jahr 1926 meldete er sich nach Lägerdorf ab. Vgl. Wette, Noske, S. 260 und 865; Roß, Reichsrätekongresse, S. 202; Dähnhardt/Granier, Kapp-Putsch in Kiel, S. 110 ff.; BArch 8/1022, Bl. 61 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt; sein Stellvertreter wurde der Feldwebel Paul Dräger.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Dräger war 1920 Führer im Reichswirtschaftsverband deutscher derzeitiger und ehemaliger Berufssoldaten (RdB, Vorläufer des Deutschen Bundeswehr Verbands) in Kiel. Er spielte eine aktive Rolle bei der Niederschlagung des Kapp-Putsches. Vgl. Dähnhardt/Granier, Kapp-Putsch in Kiel, S. 41, 72, 140.&amp;lt;/ref&amp;gt; Außerdem gehörte nach wie vor der Feldwebel Schlüter&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Nachdem Marinewaffen heimlich auf das Gut des Prinzen Heinrich in Hemmelmark verbracht worden waren, wurden dort im April 1919 Durchsuchungen vorgenommen, an denen Schlüter (stellvertretend für Rath) vom OSR, und Otto Eggerstedt vom Volksrat beteiligt waren. Es wurden 30 Gewehre mit Munition gefunden, die Heinrich von einem Seeoffizier geliefert worden waren. Bald darauf beschwerte sich der neue Stationschef Meurer in Berlin bei v. Trotha, dass der Soldatenrat wiederum gegen Vorschriften verstoßen habe, als er sich nach diesen Vorfällen bei weiteren Hausdurchsuchungen des Volksrats in Kitzeberg (Villenviertel auf dem Ostufer der Kieler Förde) beteiligte. Nach Aussagen des Stationssoldatenrats hatte Meurer die Beschwerde auf Anweisung Noskes verfasst. Vgl. Akten des Reichsmarineamts betreffend Arbeiter und Soldatenrat, Juni 1919–März 1922. BArch RM 20/13 Bl. 30–47.&amp;lt;/ref&amp;gt; dem Rat an. Am 12. Mai 1919 wurde das Mitglied im Stationsssoldatenrat, Rath, durch den Feldwebel und Marinefeuerwerker Adolf Schmalix&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Schmalix (1890–1956) gehörte zur 1. Marine-Division und beteiligte sich am Aufbau des Reichswirtschaftsverbands derzeitiger und ehemaliger Berufssoldaten und des Republikanischen Führerbunds. Er engagierte sich im Kampf gegen den Kapp-Putsch, setzte sich dabei für die Bewaffnung der Arbeiterschaft ein und wurde für mehrere Tage verhaftet. Zu einem von ihm zu verantwortenden Unterschlagungsfall in seiner Abteilung erklärte er, „infolge seines Kampfes mit den höchsten Behörden“ sei es ihm nicht möglich gewesen, den Fall zur Anzeige zu bringen. Er verließ Kiel, entwickelte sich zum „völkisch-antisemitischen Extremnationalisten“ und beteiligte sich am Hitler-Putsch. Ab 1924 lebte er in Erfurt, wo er Schriftleiter und Herausgeber des Wochenblattes &amp;quot;Echo Germania&amp;quot; wurde. In dem Blatt pöbelte er gegen prominente Bürger, mit Vorliebe gegen Juden, Ausländer oder Demokraten, denen er dann anbot, sich freizukaufen, um weiteren Schmähungen zu entgehen. Im Frühjahr 1928 rief er den &amp;quot;Großdeutschen Freiheitsbund&amp;quot; ins Leben, dessen Programm aus einem Sammelsurium gängiger nationalistisch-völkischer Ansichten und Feindbilder bestand. Bei der Kommunalwahl in Erfurt errang er in einer reichsweiten Sensation 10 von 52 Mandaten. Später trat der der NSDAP bei. Nach dem Zweiten Weltkrieg saß Schmalix noch 1956 im Kreistag im Landkreis Roding (Oberpfalz). Vgl. Dähnhardt/Granier, Kapp-Putsch in Kiel, S. 24 f. und 41; Anonym: Ein rehabilitierter Berufssoldat. In: Republik, 26. März 1920; Steffen Raßloff: &#039;&#039;Erfurt begeht moralischen Selbstmord. Adolf Schmalix und die Großdeutsche Freiheitsbewegung.&#039;&#039; In: Stadt und Geschichte. Zeitschrift für Erfurt. 13 (2001). S 28 f. Online zugänglich (aufgerufen am 25. Septrember 2024) unter: [http://www.erfurt-web.de/Adolf_Schmalix].&amp;lt;/ref&amp;gt; ersetzt. Zu diesem Zeitpunkt gehörten dem Rat neben den genannten Rannow, Dräger, Schmalix und Schlüter noch Widmaier und Arnold (Minensuchflottille) an.&amp;lt;ref&amp;gt;Station O: Akta betr. XI a (Soldatenrat). BArch RM 31/2375 Bl. 22.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits einige Tage vorher, am 6. März 1919, war das Gesetz über die vorläufige Reichswehr verkündet worden. Es war unter Führung des Kriegsministers von Offizieren erarbeitet worden. In der parlamentarischen Debatte machte Noske deutlich, dass sozialdemokratische Vorstellungen zurzeit zurückgestellt werden müssten, um Deutschland wieder wehrhaft zu machen. Mit dem verabschiedeten Gesetz wurden die Freikorps sanktioniert, republikanische Verbände und Soldatenräte wurden abgeschafft.&amp;lt;ref&amp;gt;Wette, Noske, S. 358–368.&amp;lt;/ref&amp;gt; Am 5. Juni 1919 wurde auch der Kieler Soldatenrat abgeschafft. Es gab jetzt nur noch Vertrauensleute mit Beschwerderechten, die ohne gesetzliche Fixierung lediglich gemäß Marine-Verordnungsblatt MVBl 17, S. 208 und 209 zu wählen waren.&amp;lt;ref&amp;gt;Wette, Noske, S. 368.&amp;lt;/ref&amp;gt; Schmalix und Widmaier werden noch im September 1919 als Vertrauensleute erwähnt, wobei sie sich über die ständig weiter eingeengte Bewegungsfreiheit beschweren.&amp;lt;ref&amp;gt;Akte Reichsmarineamt Juni 1919–März 1922. BArch RM 20/13 Bl. 129 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein weiterer Vertrauensmann war der, als bewährter Deckoffizier von Noske zum Leutnant zur See beförderte, Carl von Seydlitz. Seydlitz wurde nach dem Kapp-Putsch kurzzeitig Stationschef in Kiel, weil die Seeoffiziere wegen Putschbeteiligung suspendiert worden waren oder aus Solidarität den Dienst verlassen hatten.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Klaus Kuhl: &#039;&#039;Leutnant zur See Carl von Seydlitz. Der Kampf für die Demokratisierung der Reichsmarine.&#039;&#039; In: Rolf Fischer (Hrsg.): Sehnsucht nach Demokratie. Neue Aspekte der Kieler Revolution 1918. Kiel 2020, S. 23-35.&amp;lt;/ref&amp;gt; Demokratisch und republikanisch orientierte Soldaten und Offiziere wurden jetzt langsam aber stetig aus dem Militär gedrängt.&amp;lt;ref&amp;gt;Wette, Noske, S. 560, 697.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch Seydlitz gab 1923 auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Räteidee lebte aber im zivilen Bereich weiter. Garbe hatte den Vorsitz im Arbeiterrat mit seiner Ernennung zum Gouverneur abgegeben. Nachfolger wurde Peter Hillbrecht (SPD), zweiter oder gleichberechtigter Vorsitzender J. Claßen (auch Classen geschrieben) von der USPD. Der Rat gab seinen Anspruch, als provisorische Regierung der Provinz Schleswig-Holstein zu fungieren, an den neu gebildeten Volksrat ab. Diesem gehörten auch Vertreter anderer Räte aus Schleswig-Holstein sowie kurzzeitig ein Mitglied des OSR an.&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhl, Garbe, S. 48 f. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während der Soldatenrat als wichtigstes Ziel eine Demokratisierung des Militärs verfolgte, stand bei dem Arbeiterrat die Demokratisierung der Wirtschaft im Zentrum. Besonders die Führer der Werften gehörten meist der rechtsradikalen Deutschen Vaterlandspartei an. Sie besaßen einen großen politischen Einfluss. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitte März wurden Neuwahlen zu den Arbeiterräten durchgeführt. Die Parität mit der USPD wurde aufgegeben, damit konnte diese nur noch eine marginale Rolle in den Räten spielen. Die Beteiligung an den Wahlen war gering, was zu einem weiteren Bedeutungsverlust führte. Im neu konstituierten Arbeiterrat wurden Peter Hillbrecht zum ersten und Otto Eggerstedt&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Eggerstedt (1886–1933 im KZ Esterwegen ermordet) erlernte den Beruf des Bäckers und war Soldat im Ersten Weltkrieg. Er berichtete, wie er dazu beitrug, dass sich auf dem Rückmarsch von der Front Soldatenräte bildeten (Otto Eggerstedt: Die Revolution im Felde! In: SHVZ, 5. November 1919). Zurück in Kiel engagierte Eggerstedt sich stark bei Versuchen eine demokratische Einwohnerwehr aufzubauen und war während des Kapp-Putsches an führender Stelle am Aufbau der Arbeiterwehr beteiligt. Ab Juli 1919 war er Parteisekretär der SPD in Kiel und von 1919 bis 1924 Stadtverordneter von Kiel. Im März 1921 rückte er für Albert Billian in den Reichstag nach, dem er durchgehend bis 1933 angehörter. Ab 1927 war er in der preußischen Verwaltung tätig, ab April 1928 als Regierungsrat und Leiter des Polizeiamtes Wandsbek. Ab 1929 wurde er, das erste halbe Jahr kommissarisch, Polizeipräsident von Altona-Wandsbek mit Sitz in Altona. In seine Dienstzeit fiel der so genannte Altonaer Blutsonntag, der als Anlass für die Beseitigung der sozialdemokratischen preußischen Regierung, eines der letzten Bollwerke gegen die Machtübernahme durch die Nazis, herhalten musste. Vgl. Autoren der SPD-Geschichtswerkstatt: Otto Eggerstedt. Online zugänglich (aufgerufen am 25. September 2024) unter: [https://www.spd-geschichtswerkstatt.de/wiki/Otto_Eggerstedt].&amp;lt;/ref&amp;gt; zum zweiten Vorsitzenden gewählt. Weitere Mitglieder waren der Redakteur der SHVZ Bernhard Rausch und J. Classen (oder Claßen) für die USPD. Als Aufgaben des Rats wurde benannt: Den Räten sollte nicht die ganze politische Macht übertragen werden, sondern sie sollten „die denkbar wichtigsten wirtschaftlichen Aufgaben“ erhalten: die „Mitleitung der Fabrikbetriebe und die Sozialisierung“. Sie sollten politisch fortwirken, solange der Beamtenkörper nicht hinreichend demokratisch erneuert sei.&amp;lt;ref&amp;gt;Anonym: Der Kieler Arbeiterrat. In: SHVZ, 24. März 1919.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich musste der Arbeiterrat im September seine Arbeit einstellen, weil keine Gelder mehr bewilligt wurden. Im Zuge des reformierten – nunmehr demokratischen – Wahlrechts waren jedoch viele seiner Mitglieder und Beigeordneten in die entsprechenden Gremien gewählt worden und konnten so – anders als bei den Soldatenräten – weiter Einfluss ausüben. Für Garbe war diese Entwicklung folgerichtig. Er sagte in seiner Wahlkampfrede anlässlich seiner Kandidatur für die Kommunalwahl Anfang März in Kiel: „Ich bin kein großer Freund der Arbeiterräte, deren Zeit bald vorbei sein dürfte. […] Die Räte sollen im Rathaus sitzen. […] wo sie besser arbeiten können wie heute als Beiräte.“&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhl, Garbe, S. 49 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Räteidee war auch von der Nationalversammlung aufgenommen worden, insbesondere, um der in der Arbeiterbewegung weit verbreiteten, immer wieder vorgetragenen Forderung nach Sozialisierung und Demokratisierung der Wirtschaft entgegenzukommen. Eine Kombination von Parlamentarismus und Rätesystem war also durchaus denkbar.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. dazu Peter von Oertzen: &#039;&#039;Betriebsräte in der Novemberrevolution. Eine politikwissenschaftliche Untersuchung über Ideengehalt und Struktur der betrieblichen und wirtschaftlichen Arbeiterräte in der deutschen Revolution 1918/19.&#039;&#039; Düsseldorf 1963 (Beiträge zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien, Band 25), S. 57–67.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Gespräch waren etwa Wirtschaftsräte, doch erst 1930 wurde ein Entwurf für die Ausgestaltung des Reichswirtschaftsrats vorgelegt, der jedoch zu der Zeit keine Aussichten mehr auf Umsetzung hatte und nicht die notwendige Zweidrittelmehrheit erhielt. Übrig blieben schließlich nur noch die Betriebsräte. Im Februar 1920 wurde das Betriebsrätegesetz verabschiedet, das allerdings die Mitwirkungsmöglichkeiten nach ursprünglichen Forderungen einer weitgehenden Kontrollfunktion  nur noch auf soziale Belange beschränkte. Garbe, der vermutlich hinter der Aussage in der SHVZ stand, dass man den Arbeiterräten die „Mitleitung der Fabrikbetriebe“ übertragen wollte, äußerte sich in seinem Bericht im Jahr 1920 entsprechend enttäuscht über das Betriebsrätegesetz.&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhl, Garbe, S. 50.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
Damit war die Rätebewegung in Kiel, die die politische Demokratie erkämpft hatte, mit ihren weitergehenden Vorstellungen einer Demokratisierung von Militär und Wirtschaft gescheitert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellen und Literatur ==&lt;br /&gt;
* Lothar Popp, Karl Artelt: &#039;&#039;Ursprung und Entwicklung der November-Revolution 1918. Wie die deutsche Republik entstand.&#039;&#039; Kiel 1918. Reprint als Sonderveröffentlichung der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Band 15, S. III 1–30. Im Jahr 2020 leicht gekürzt und kommentiert veröffentlicht in: IG Metall Bezirksleitung Küste (Hrsg.): &#039;&#039;Matrosenaufstand und Novemberrevolution 1918.&#039;&#039; Hamburg 2020, S. 96–115, ISBN 978-3-96488-063-5.&lt;br /&gt;
* Gustav Noske: &#039;&#039;Von Kiel bis Kapp. Zur Geschichte der deutschen Revolution.&#039;&#039; Berlin 1920 ([https://portal.dnb.de/bookviewer/view/1131562372#page/n6/mode/1up Digitalisat]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Klaus Kuhl: &#039;&#039;Gustav Garbe – bedeutender Kieler Gewerkschaftsfunktionär, Vorsitzender des Kieler Arbeiterrats und zweimaliger Gouverneur. Mit Vorworten von Frank Hornschu, Geschäftsführer und Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes Kiel Region, und von Stephanie Schmoliner, 1. Bevollmächtigte der IG Metall Kiel-Neumünster.&#039;&#039; Kiel 2023.&lt;br /&gt;
* Martin Rackwitz: &#039;&#039;Kiel 1918. Revolution, Aufbruch zu Demokratie und Republik.&#039;&#039; Kiel 2018, ISBN 978-3-529-05174-6.&lt;br /&gt;
* Dirk Dähnhardt: &#039;&#039;Revolution in Kiel. Der Übergang vom Kaiserreich zur Weimarer Republik 1918/19.&#039;&#039; Karl Wachholtz, Neumünster 1978, ISBN 3-529-02636-0.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
* Wikipedia: Arbeiter- und Soldatenrat [https://de.wikipedia.org/wiki/Arbeiter-_und_Soldatenrat].&lt;br /&gt;
* [[Zeitzeugen_Matrosen%E2%80%93_und_Arbeiteraufstand_1918/1919|Zeitzeugen]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references group=&amp;quot;A&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:1911-1920]] [[Kategorie:Erster Weltkrieg]] [[Kategorie:Kieler Arbeiter- und Matrosenaufstand]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Klaus Kuhl</name></author>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Klaus Kuhl: Klaus Kuhl lud eine neue Version von Datei:Kuhl streitgespraech-m-l-popp 1978 plus-weitere-interv-u-gespraeche.pdf hoch&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Die Seite [[Zeitzeugen Matrosen– und Arbeiteraufstand 1918/1919]] verwendet die Datei.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Klaus Kuhl</name></author>
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		<title>Kieler Arbeiter- und Soldatenräte</title>
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		<updated>2025-03-22T15:42:28Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Klaus Kuhl: /* Im November 1918 übernehmen die Räte die Kontrolle */ Ergänzung Volkskirchenräte&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Obwohl der Begriff &#039;&#039;&#039;Arbeiter- und Soldatenrat&#039;&#039;&#039; auch in Kiel benutzt wurde, gab es hier streng genommen keine gemeinsame Räteorganisation der Arbeiterschaft und der Soldaten. Im Folgenden wird die Entwicklung der Kieler Räte beschrieben und – soweit bekannt – werden die Mitglieder vorgestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Arbeiterrat im Januar 1918 ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Lothar_popp_mid-1920s.jpg|thumb|Passfoto Lothar Popp, aufgenommen vermutlich Mitte der 1920er-Jahre, Hamburger Staasarchiv.]] Ein erster Arbeiterrat wurde anlässlich der reichsweiten Januarstreiks 1918 gegründet, die in Kiel ihren Anfang nahmen und auf die österreichischen Jännerstreiks folgten. [[Zeitzeugen_Matrosen%E2%80%93_und_Arbeiteraufstand_1918/1919#Lothar_Popp|Lothar Popp]] (USPD) wurde per Akklamation auf dem [[Wilhelmplatz]] in einer Versammlung der Streikenden zum Vorsitzenden bestimmt. Ziel war es, die deutsche Oberste Heeresleitung daran zu hindern, von Russland, das aus dem Krieg ausschied, große territoriale und finanzielle Zugeständnisse zu erpressen. Die Streikenden sahen dadurch den Friedensschluss gefährdet. In Kiel wurde eine entsprechende Resolution verabschiedet, die an die deutsche Regierung geschickt wurde. Popp schrieb: „Wir hatten auf dem Wilhelmplatz zunächst einmal als Grundstock des Arbeiterrates 10 Kollegen der Germania-Werft gewählt, die übrigen Betriebe sollten (was nachher auch geschah), die weiteren Wahlen unter sich vornehmen. Uns leitete der Gedanke, daß der Arbeiterrat […] geeignet erscheine, die Interessen der Arbeiter zu vertreten, ohne durch den Parteienstreit in seiner Tätigkeit beengt zu sein.“&amp;lt;ref&amp;gt;Lothar Popp unter Mitarbeit von Karl Artelt: &#039;&#039;Ursprung und Entwicklung der November-Revolution 1918. Wie die deutsche Republik entstand.&#039;&#039; Kiel 1918 (Reprint als Sonderveröffentlichung der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Band 15), S. III 1–30, hier S. III 7. Im Jahr 2020 leicht gekürzt und kommentiert veröffentlicht in: IG Metall Bezirksleitung Küste (Hrsg.): &#039;&#039;Matrosenaufstand und Novemberrevolution 1918.&#039;&#039; Hamburg 2020, S. 96–115.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist unklar, ob die Organisation längerfristig existierte, weil Popp und zwei weitere USPD-Führer (Heinrich Strunk und Emil Theil) verhaftet und zu teils mehrjährigen Gefängnisstrafen verurteilt wurden. Popp musste zwei Monate in Neumünster einsitzen.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Es gibt nur einen weiteren Hinweis, dass diese Räte länger Bestand gehabt haben könnten: Julius Bredenbeck, damals 11 Jahre alt, aber durch Vater und Onkel bereits gut über die Arbeiterbewegung orientiert, sagte in einem 1989 geführten Interview: „In einzelnen Betrieben gab es schon Arbeiterräte, die sich selbst gebildet hatten, ohne Rechtsgrundlage, einfach aufgrund der Stärke der Organisation. Die zum Teil also auch mit sehr großem revolutionärem Pathos an die Arbeit gingen. In anderen Betrieben waren auch Arbeiterräte, die aber mehr daran interessiert waren, notwendige Dinge, Schwierigkeiten in der Versorgung mit Lebensmitteln usw. weitgehend mit zu steuern. Man kann nicht sagen, dass es eine einheitliche Stimmung gab. Das wurde anders als damals die Matrosen Befehlsverweigerung machten. […] Da war eine allgemeine Solidarität in der gesamte Kieler Arbeiterschaft feststellbar“. Popp selbst gibt in einem Interview mit Dirk Dähnhardt an, der erste Arbeiterrat habe sich aufgelöst (vgl. Klaus Kuhl: &#039;&#039;Lothar Popp – Führer des Kieler Matrosenaufstands 1918 im Streitgespräch mit einem 68er. Interviews mit Lothar Popp.&#039;&#039; Kiel/Hamburg 1970–1978, S. 42. Online zugänglich (aufgerufen am 26. September 2024) unter: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:kuhl_streitgespraech-m-l-popp_1978_plus-weitere-interv-u-gespraeche.pdf]). Eventuell liegt bei Bredenbeck eine Verwechselung mit den Arbeiterausschüssen nach dem Hilfsdienstgesetz vom Dezember 1916 vor.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Im November 1918 übernehmen die Räte die Kontrolle ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Artelt and comrades Kiel-Wik 1914.jpg|mini|Karl Artelt ganz links als Angehöriger der I. Werft-Division, (Ausschnittsvergrößerung rechts), gemeinsam mit Kameraden der I. Torpedo-Division in Kiel-Wik, September 1914]]. Im Verlauf des Kieler Matrosenaufstands entstand dann zuerst im Kasernengelände der Wik am 4. November 1918 ein Soldatenrat, zu dessen Vorsitzenden Oberheizer [[Zeitzeugen_Matrosen%E2%80%93_und_Arbeiteraufstand_1918/1919#Karl_Artelt|Karl Artelt]] (USPD) gewählt wurde. In der Popp/Artelt Broschüre heißt es dazu: „Nachdem Kamerad Artelt und T[h]ümmel zur Wahl von Soldatenräten aufgefordert hatte, vollzog sich die Wahl kompagnieweise. Jede Kompagnie wählte vier Soldatenräte. […] Die erste Soldatenratssitzung in ganz Deutschland tagte im Speisesaal am Montag, den 4 November. Kamerad Artelt wurde als erster, Kamerad Ehle als zweiter Vorsitzender gewählt.“&amp;lt;ref&amp;gt;Popp/Artelt, Ursprung, S. III 16.&amp;lt;/ref&amp;gt; Als weitere Mitglieder konnten bisher festgestellt werden: [[Zeitzeugen_Matrosen%E2%80%93_und_Arbeiteraufstand_1918/1919#Fritz_Fischer|Matrose Fritz Fischer]], Heizer Schaaf – diese gehörten zur ersten Verhandlungsdelegation beim Gouverneur – und vermutlich noch Matrose Erich Thümmel&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;In der SHVZ Jahrgang 1957 (genaues Datum unbekannt) wurde ein Nachruf auf Thümmel veröffentlicht, nachdem dieser im Alter von 64 Jahren verstorben war. Dort heißt es u.&amp;amp;nbsp;a., dass beim Kieler Aufstand „…ein riesiger, schwarzhaariger Torpedobootmatrose mit buschigen Augenbrauen eine führende Rolle [spielte]. Oftmals stand er auf dem großen Kandelaber auf dem Wilhelmplatz und sprach zu den zahlreich versammelten. Schon bald bekam er den Spitznamen ‚Der rote Matrose’. … Bereits lange vor 1918 stand er im Vordergrund der revolutionären Bewegung und auch nach 1945 sah man ihn alljährlich bei der Kranzniederlegung an den Gräbern seiner gefallenen Kameraden der Revolution und des Abwehrkampfes gegen den Kapp-Putsch.“ Thümmel wurde Mitglied des Obersten Soldatenrats. Im Januar 1919 übte er vorsichtige Kritik am Verhalten der inzwischen von den Deckoffizieren dominierten Sicherheitstruppe des Soldatenrats gegenüber einer Arbeitslosenaktion vor und im Rathaus (vgl. OSR: Bekanntmachung. In: Republik, 17. Januar 1919). Im Jahr 1920 war er vermutlich bei der Sicherheitspolizei, wo er sich gegen den Kapp-Putsch engagierte (vgl. Bericht des Sipo-Leutnants Kemsies: Das Verhalten der Sicherheitspolizei Kiel gegenüber der Militärrevolte. 9. April 1920. LAS 301 4458. Online zugänglich (aufgerufen am 26. September 2024) unter: [http://www.kurkuhl.de/docs/sipo_kemsies_arbeiterwehr.pdf]). Von 1938 bis kurz vor seinem Tod war Thümmel Lagermeister des Hansa-Speichers der Schleswig-Holsteinischen landwirtschaftlichen Hauptgenossenschaft.&amp;lt;/ref&amp;gt;(SPD). Zu ihren Forderungen gehörte u.&amp;amp;nbsp;a.: Abdankung des Hohenzollernhauses und die Einführung des allgemeinen, gleichen und geheimen Wahlrechts für beide Geschlechter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kurz darauf entstanden in fast allen militärischen Einheiten ebenfalls Soldatenräte, ohne dass jedoch eine klare Struktur erkennbar gewesen wäre. Sie etablierten sich als direkte Machtorgane der Soldaten anstelle der Offiziere.&amp;lt;ref&amp;gt;Wolfram Wette: Interview von Klaus Kuhl und Kay Gerdes. Freiburg 2016. In: Klaus Kuhl und Kay Gerdes: Begleitheft für den Dokumentarfilm „In Kiel ist Revolution!“ Kiel 2018, S. 52–60, hier S. 54. Online zugänglich (aufgerufen am 31. August 2024) unter: [http://www.kurkuhl.de/docs/begleitheft_dokufilm-in-kiel-ist-revolution_gerdes-kuhl_2018.pdf].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur wenig später fanden sich Aktivisten der Soldaten im Gewerkschaftshaus zusammen und berieten über die weiteren Schritte. Dabei entstanden festere Gruppen, die sich insbesondere um eine Verteidigung der Stadt gegen von auswärts, zur Niederschlagung des Aufstands, entsandte Truppen kümmerten. So berichtete Popp, als er am frühen Morgen des 5. November von der Verhandlung beim Gouverneur ins Gewerkschaftshaus zurückkam, dass „… es schnell [gelang] eine gewisse Einteilung und ein bestimmtes Kommando zu schaffen. In einigen der Zimmer und Bureaus hatte sich der Soldatenrat niedergelassen, der unverzüglich seine Arbeit begann.“&amp;lt;ref&amp;gt;Popp/Artelt, Ursprung, S. III 19.&amp;lt;/ref&amp;gt; Es wurden Passierscheine ausgegeben, um die Bewegungsfreiheit der Offiziere einzuschränken. Flug-Obermaat Nikolaus Goßrau&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Goßrau entwickelte in den Folgetagen die ehrgeizige Idee, sich als rechte Hand Noskes über den Soldatenrat zu stellen. Er setzte sich damit zwischen alle Stühle und ließ sich am 14. November 1918 in ein Lazarett einweisen. Vgl. Klaus Kuhl: Die Ereignisse am 6. November 1918 in Kiel. Kiel 2010. Online zugänglich (aufgerufen am 14. September 2024) unter: [http://www.kurkuhl.de/docs/ereignisse_06-11-1918.pdf].&amp;lt;/ref&amp;gt; begann im Auftrag der Räte mit dem Aufbau eines zentral organisierten Sicherheitsdienstes.&amp;lt;ref&amp;gt;Martin Rackwitz: &#039;&#039;Kiel 1918. Revolution, Aufbruch zu Demokratie und Republik.&#039;&#039; Kiel 2018, S. 114.&amp;lt;/ref&amp;gt; In den Reihen dieser locker strukturierten Soldatenräte genoss Karl Artelt, wie Goßrau andeutet, eine besondere Autorität, weil er die Entwicklung im Militär maßgeblich und mutig vorangetrieben hatte.&amp;lt;ref&amp;gt;Flug-Obermaat Nikolaus Goßrau: Privatakten betr. Revolution 1918. BArch RM 8/1024, Bl. 22.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als weitere Mitglieder dieser frühen, sich im Gewerkschaftshaus zusammenfindenden Soldatenräte, nennt Goßrau sich selbst sowie die Kameraden Braune,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Auch Lothar Popp erwähnt Braune in späteren Interviews: In der entscheidenden Nacht hätten er und „ein gewisser Braune …, (der Braune lebt bei Kiel irgendwo)“ nachts im Stationsgebäude gesessen und Telefonanrufe beantwortet. „Da waren noch welche, wo ich geschwitzt habe dabei.“ Klaus Kuhl: Interviews mit Lothar Popp. Kiel/Hamburg 1970–1978, S. 20, 44 und 60. Online zugänglich (aufgerufen am 15. September 2024) unter: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:kuhl_streitgespraech-m-l-popp_1978_plus-weitere-interv-u-gespraeche.pdf PDF].&amp;lt;/ref&amp;gt; Starke, Hackmann, Falk (Hackmann und Falk konnten nach Aussagen Goßraus über die I., V. und XVII. Halbflottille verfügen), Oberheizer Ruffert,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;In den Popp-Interviews wird, ohne nähere Informationen, der Name Düffert mit Fragezeichen erwähnt. Eventuell handelt es sich hier um dieselbe Person. Vgl. Kuhl, Interviews Popp, S. 42.&amp;lt;/ref&amp;gt; Barghahn und den Matrosen Petersen (Theodor).&amp;lt;ref&amp;gt;Goßrau, Bericht, Bl. 22.&amp;lt;/ref&amp;gt; In einem Bericht des Kommandanten der &#039;&#039;Westfalen&#039;&#039;, Kapitän zur See Max Loesch, wird ein Obermaat Brandt erwähnt, der im Gewerkschaftshaus als Ansprechpartner für Schiffsbesatzungen fungiert habe.&amp;lt;ref&amp;gt;Max Loesch, Kapitän zur See: Vorgänge an Bord (Kiel). Handschriftlicher Bericht 4. und 5. November 1918. BArch RM 31/2373, Bl. 130–133.&amp;lt;/ref&amp;gt; In einem 1958 vermutlich auf Anforderung der SED erstellten Bericht, beschreibt der damalige Unteroffizier Paul Sahnwaldt, dass er dem Soldatenrat der Matrosen-Division angehört hätte.&amp;lt;ref&amp;gt;Paul Sahnwaldt: Der Matrosenaufstand in Kiel 1918. Typoskript 1957. Bundesarchiv, SAPMO, SgY 30/0797, S. 4–8.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Etwa zwei Stunden nach den Soldaten trafen sich auch die Obleute und Vertrauensleute der Betriebe in demselben Saal im Gewerkschaftshaus und beschlossen den Generalstreik zur Unterstützung der Bewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:14 Kieler Punkte.jpg|mini|Die 14 Kieler Punkte in der &#039;&#039;Schleswig-Holsteinischen Volkszeitung (SHVZ)&#039;&#039;]]&lt;br /&gt;
Um 22 Uhr fand eine nochmalige Beratung im Gewerkschaftshaus statt. Circa 40 Vertrauensleute verschiedener Schiffe und Formationen sowie sechs Arbeiter kamen zusammen und verabschiedeten schließlich die bekannten Kieler 14 Punkte, die vielen Räten in ganz Deutschland als Richtschnur dienten.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Popp/Artelt, Ursprung, S. III-21.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dänhardt sieht in der politischen Kurzsichtigkeit, die in diesem Katalog zum Ausdruck kommt, eine wesentliche Ursache, dass die Soldatenräte nach ca. sechs Monaten wieder abgeschafft werden konnten.&amp;lt;ref&amp;gt;Dirk Dähnhardt: &#039;&#039;Revolution in Kiel. Der Übergang vom Kaiserreich zur Weimarer Republik 1918/19.&#039;&#039; Neumünster 1978, S. 89–93.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:gustav_garbe.jpg|150px|mini|Foto Gustav Garbes aus dem Kieler Gewerkschaftshaus, aufgenommen vermutlich in den 1920er-Jahren.]] Am frühen Morgen des folgenden Tages (5. November 1918) bildete sich ein Arbeiterrat aus den Obleuten der Großbetriebe, vierzehn Vorstandsmitgliedern beider sozialdemokratischer Parteien und dem Vorsitzenden des Kieler Gewerkschaftskartells Garbe. Letzterer wurde zum Vorsitzenden gewählt.&amp;lt;ref&amp;gt;Popp/Artelt, Ursprung, S. III-21–23.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Untersuchungen Dirk Dähnhardts bestand der Arbeiterrat aus den folgenden Personen:&amp;lt;ref&amp;gt;Dirk Dähnhardt: Brief an Gundula. Freiburg, 18. Oktober 1975. Wissenschaftlicher Nachlass, StAK Sign. 65496. Die Charakterisierung als „Obleute“ wurde nicht von Dähnhardt vorgenommen, ergibt sich aber daraus, dass SPD und USPD nur jeweils sieben Personen entsandten. Bei der Feststellung der Parteizugehörigkeit wurde Dähnhardt von Gertrud Völcker und Heinrich Bohnsack unterstützt; vgl. Dähnhardt, Revolution, S. 92 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Obleute der Großbetriebe (15, von den meisten ist die Parteizugehörigkeit nicht bekannt, jedoch dürfte die Mehrheit der SPD zuzurechnen sein): Heinrich Bohnsack,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Bohnsack wurde 1893 geboren, war im Ersten Weltkrieg Soldat, war später DMV-Sekretär, kam während der Nazi-Zeit in das Vorläufer KZ Lichtenberg und emigrierte anschließend nach Schweden. Nach seiner Rückkehr war er 1950–1954 Bezirksleiter der IG-Metall Küste. Vgl. Thomas Pusch: &#039;&#039;Politisches Exil als Migrationsgeschichte. Schleswig-Holsteiner EmigrantInnen und das skandinavische Exil 1933–1960.&#039;&#039; Dissertation vorgelegt an der Universität Flensburg 2003. Online zugänglich (aufgerufen am 16. September 2024) unter: [https://www.zhb-flensburg.de/?id=16381].&amp;lt;/ref&amp;gt; Fiebig, Glup, Jatow, Kazda, Krause, Künzel, Küpel, Wilhelm Leopold,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Von 1920 bis 1933 Erster Bevollmächtigter des Kieler Metallarbeiterverbands (DMV).&amp;lt;/ref&amp;gt; Neumann, Rehle, Huß (SPD), Lintzel (SPD), Wiese (USPD), Eduard Wolke (SPD).&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Wolke stiftete später zusammen mit Karl Edler den Gedenkstein für die Revolutionsopfer auf dem Eichhof-Friedhof; vgl. Johannes Rosenplänter: &#039;&#039;Zur Entstehung der ‚Ruhestätte der Opfer der Revolution‘ auf dem Kieler Eichhoffriedhof 1918–1924. Ein Werk des Landschaftsarchitekten Leberecht Migge&#039;&#039;. In: Rolf Fischer (Hrsg.): Revolution und Revolutionsforschung – Beiträge aus dem Kieler Initiativkreis 1918/19. Kiel 2011, S. 101−110, hier S. 105.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Vorstandsmitglieder der SPD (7): Balleng, Beckmann, Bindemann, August Biskupek,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Autoren der SPD Geschichtswerkstatt: August Biskupek. SPD-Geschichtswerkstatt. Online zugänglich (Permanentlink aufgerufen am 16. September 2024) unter: [https://www.spd-geschichtswerkstatt.de/index.php?title=August_Biskupek&amp;amp;oldid=55089].&amp;lt;/ref&amp;gt; [[Zeitzeugen_Matrosen%E2%80%93_und_Arbeiteraufstand_1918/1919#Karl_Edler|Karl Edler]], Fröhlich, Peter Hillbrecht.&lt;br /&gt;
* Vorstandsmitglieder der USPD (7): J. Classen (auch Claßen), Cords, Krogmann, Max Spretke, Springer, Wiechert, Zinser.&lt;br /&gt;
* Vorsitzender des Gewerkschaftskartells: [[Zeitzeugen_Matrosen–_und_Arbeiteraufstand_1918/1919#Gustav_Garbe|Gustav Garbe]] (SPD). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem sich die Macht der Räte im Laufe des 5. November konsolidierte, richtete sich der Blick auch auf weitere drängende Fragen, wie Sicherung der Nahrungsmittelversorgung und Zahlung der Löhnung. Hier bot Gustav Noske, der sich seit dem Vorabend in Kiel befand und an den Verhandlungen teilgenommen hatte, Unterstützung für die Bewegung an, allerdings in der unausgesprochenen Absicht, ihre Ausbreitung zu verhindern. In einer Absprache mit den USPD-dominierten Aktivisten wurde Noskes Angebot angenommen. Dies geschah unter der Bedingung, dass es sich um eine vorläufige Maßnahme handele und dass erst dann weitere politische Entscheidungen getroffen würden, wenn ein mit Noske vergleichbares politisches Schwergewicht der USPD aus Berlin, etwa Hugo Haase&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Hugo Haase (1863–1919), Jurist, war von 1911 bis 1916 einer der beiden Vorsitzenden der SPD, und von 1912 bis 1916 einer der beiden Fraktionsvorsitzenden der SPD im Reichstag. Als Gegner der Kriegspolitik der Mehrheit des SPD-Vorstands aus Fraktion und Partei ausgeschlossen, gründete er 1917 die USPD und war deren Vorsitzender bis 1919. Im November/Dezember 1918 war er gleichberechtigter Vorsitzender mit Friedrich Ebert im Rat der Volksbeauftragten. Er starb im November 1919 an den Folgen eines Attentats.&amp;lt;/ref&amp;gt; eingetroffen wäre. Noske wurde dann per Akklamation auf einer großen Versammlung auf dem Wilhelmplatz zum vorläufigen Vorsitzen der Soldatenräte bestimmt. Seine Aufrufe wurden von Karl Artelt mitunterzeichnet. Anordnungen mussten neben Noskes Unterschrift auch die eines weiteren Soldatenrats-Mitglieds tragen. &lt;br /&gt;
[[Datei:Beschlüsse Soldatenrat Kiel 1918.jpg|mini|Beschlüsse des Soldatenrats vom 5. November 1918]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei wurde inzwischen auch vom Großen Soldatenrat gesprochen, die Zusammenfassung der Räte hatte Fortschritte gemacht, hatte allerdings nach wie vor keine autorisierte Basis, denn Noske wählte hier nach seinem Bekunden im Stationsgebäude nach Gutdünken einen sieben- oder neuenköpfigen Aktionsausschuss aus einer Schar von 50–60 Anwesenden von verschiedenen Schiffen oder Formationen. Von diesen hätte sich ein Großteil als „Versager“ entpuppt.&amp;lt;ref&amp;gt;Gustav Noske: &#039;&#039;Von Kiel bis Kapp. Zur Geschichte der deutschen Revolution.&#039;&#039; Berlin 1920, S. 19 ([https://portal.dnb.de/bookviewer/view/1131562372#page/n6/mode/1up Digitalisat]).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Arbeiterrat ging sofort daran, mittels so genannter Beigeordneter die Zivilverwaltung zu kontrollieren. Den Beigeordneten mussten alle wichtigen Vorgänge vorgelegt werden, und sie konnten in die Entscheidungen eingreifen.&amp;lt;ref&amp;gt;Eine Liste der Beigeordneten findet sich in der Schleswig-HolsteinischenVolks-Zeitung (SHVZ) vom 12. Dezember 1918 (hier nach einer handschriftlichen Aufzeichnung von Dirk Dähnhardt „Beigeordnete für amtliche Stellen“, in seinem wissenschaftlichen Nachlass (Akte 3, Hefter 1), StAK Sign. 65496.&amp;lt;/ref&amp;gt; Als erstes fertigte Garbe eine handgeschriebene Ernennungsurkunde für [[Eduard Adler]] aus. Adler wurde abgestellt, den erzkonservativen Oberbürgermeister [[Paul Lindemann]], der später auch den Kapp-Putsch unterstützte, zu kontrollieren. [[Datei:Garbe ernennung-beigeordneter-adler 1918.jpg|thumb|Ernennungsurkunde für den Beigeordneten Eduard Adler (Vorder- und Rückseite), Stadtarchiv Kiel, Sign. 21392.]] Am 11. November 1918 wurde Adler durch den Stadtverordneten August Biskupek (ebenfalls SPD) ersetzt (Letzterer wiederum wurde aufgrund von Krankheit am 13. Februar 1919 durch den Stadtverordneten Hermann Adam abgelöst).&amp;lt;ref&amp;gt;Rackwitz, Kiel 1918, S. 279 f. Zu Adam vgl.: Autoren der SPD Geschichtswerkstatt: Hermann Adam. In: SPD-Geschichtswerkstatt wiki. Online zugänglich (aufgerufen am 16. September 2024) unter: [https://www.spd-geschichtswerkstatt.de/wiki/Hermann_Adam]. &amp;lt;/ref&amp;gt; Adler wurde zusammen mit Paul Greß (auch Gress)&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Autoren der SPD-Geschichtswerkstatt: Paul Gress. In: SPD-Geschichtswerkstatt-Wiki. Online zugänglich (aufgerufen am 2. September 2024) unter: [https://www.spd-geschichtswerkstatt.de/wiki/Paul_Gress].&amp;lt;/ref&amp;gt; Beigeordneter beim Regierungspräsidenten in Schleswig. Auch der Oberpräsident für Schleswig-Holstein, der damals seinen Sitz in Kiel hatte, erhielt einen Beigeordneten des Arbeiterrats. Eingesetzt wurde Heinrich Kürbis (SPD).&amp;lt;ref&amp;gt;Wikipedia-AutorInnen: Heinrich Kürbis. In: Wikipedia – Die freie Enzyklopädie. Online zugänglich (aufgerufen am 3. September 2024) unter: [https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Heinrich_K%C3%BCrbis&amp;amp;oldid=215560106].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Polizeipräsidenten übernahmen Friedrich Brodthuhn (SPD)&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Autoren der SPD Geschichtswerkstatt: Sozialdemokratischer Verein Groß-Kiel - Stadtverordnete. In: SPD-Geschichtswerkstatt wiki. Online zugänglich (aufgerufen am 16. September 2024) unter: [https://www.spd-geschichtswerkstatt.de/wiki/Sozialdemokratischer_Verein_Gro%C3%9F-Kiel_-_Stadtverordnete].&amp;lt;/ref&amp;gt; und Wilhelm Schweizer (USPD, später SPD)&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Autoren der SPD Geschichtswerkstatt: Wilhelm Schweizer. In: SPD-Geschichtswerkstatt wiki. Online zugänglich (aufgerufen am 16. September 2024) unter: [https://www.spd-geschichtswerkstatt.de/wiki/Wilhelm_Schweizer].&amp;lt;/ref&amp;gt; die Kontrolle; bei der städtischen Polizei Wilhelm Leopold (SPD). Zum Post- und Telegraphenamt wurde der später von der SPD zur USPD übergetretene Postinspektor Bertold Brandt&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Rolf Fischer: &#039;&#039;Mit uns die neue Zeit! Kiels Sozialdemokratie im Kaiserreich und in der Revolution.&#039;&#039; Kiel 2013 (Geschichte der Kieler Sozialdemokratie Band 2), S. 187–190. Zum Übertritt zur USPD vgl. die USPD-Zeitung „Republik“ vom 3. April 1920.&amp;lt;/ref&amp;gt; abgeordnet. Das Provinzial-Schulkollegium wurde von Dr. Hermann Weller kontrolliert.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Studienrat Hermann Weller, später Stadtverordneter SPD, spielte eine herausgehobene Rolle neben Dr. Hermann Heller und Professor Gustav Radbruch beim Kapp-Putsch in Kiel. Vgl. Dirk Dähnhardt und Gerhard Granier (Hrsg.): &#039;&#039;Der Kapp-Putsch in Kiel. Eine Dokumentation zum 60. Jahrestag der Märzereignisse von 1920.&#039;&#039; Kiel 1980 (Mitteilungen der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Band 66), S. 148.&amp;lt;/ref&amp;gt; Weitere Beigeordnete waren für die Gewerbe-Inspektion: Jatow, und für den Landeshauptmann: Albert Billian.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Autoren der SPD Geschichtswerkstatt: Albert Billian. In: SPD-Geschichtswerkstatt wiki. Online zugänglich (aufgerufen am 16. September 2024) unter: [https://www.spd-geschichtswerkstatt.de/wiki/Albert_Billian]. In Preußen war der Landeshauptmann der vom Provinziallandtag gewählte höchste Beamte eines Provinzialverbands. Er leitete die provinziale Selbstverwaltung, während der vom König ernannte Oberpräsident die Vorbehaltsrechte der Zentralregierung wahrnahm.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Peter Hillbrecht (SPD), Metallarbeiter und nach Garbe Vorsitzender des Kieler Arbeiterrats und später des Volksrats für Schleswig-Holstein, sah in einer Rückschau einen großen Mangel darin, dass man es versäumt habe, Beigeordnete für die Justiz zu stellen. Dadurch hätte man „unendlich viel an reaktionären Bestrebungen [hintanhalten]“ können.&amp;lt;ref&amp;gt;Peter Hillbrecht: Der Volksrat von Schleswig-Holstein. In: Schleswig-Holsteinische Volks-Zeitung (SHVZ), 5. November 1918, S. 2 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Über Hillbrecht ist nur wenig bekannt. Sabine Roß schreibt in ihrem biografischen Handbuch der Reichsrätekongresse 1918/19 (Hillbrecht war ebenfalls Delegierter für Schleswig-Holstein): Hillbrecht wurde am 23. April 1884 in Spliedtsdorf bei Grimmen (Prov. Pommern) geboren, war von Beruf Torpedoschlosser und seit Juni 1921 Angestellter im Eisenbahnerverband. Im selben Jahr meldete er sich nach Köln ab. Sabine Roß (spätere Kuder): &#039;&#039;Biographisches Handbuch der Reichsrätekongresse 1918/19&#039;&#039;. Düsseldorf 2000 (Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien Bd. 11). Andreas Zimmer erwähnt einen Peter Hillbrecht (SPD) als Mitglied der Landesleitung des Kulturbunds zur demokratischen Erneuerung Deutschlands in der SBZ/DDR, bei dem es sich evtl. um den hier besprochenen Kieler Vertreter handeln könnte: Andreas Zimmer: Der Kulturbund in der SBZ und in der DDR. Eine Ostdeutsche Kulturvereinigung im Wandel der Zeit zwischen 1945 und 1990. 2013 an der Fakultät für Sozialwissenschaften und Philosophie der Universität Leipzig als Dissertation angenommen. Online zugänglich (aufgerufen am 14. Januar 2023) unter: [https://vdoc.pub/documents/der-kulturbund-in-der-sbz-und-in-der-ddr-eine-ostdeutsche-kulturvereinigung-im-wandel-der-zeit-zwischen-1945-und-1990-3n3pm0s03hdg].&amp;lt;/ref&amp;gt; Nach einer Meldung in der Schleswig-Holsteinischen Volks-Zeitung (SHVZ) vom 12. Dezember 1918 war jedoch Professor Otto Opet (1866–1941)&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Otto Opet lehrte seit 1900 als Privatdozent an der Kieler Universität, wo er 1930 zum Ordinarius berufen wurde. Er zählte zu den Wissenschaftlern, deren Abberufung die Kieler Studentenschaft 1933 kategorisch fordert, da er als Jude galt. Als Mitglied des Reichsbanners, der Liga für Menschenrechte und dem republikanischen Klub und der demokratischen (beziehungsweise radikaldemokratischen) Partei war er außerdem politisch engagiert. Unter dem massiven Druck der nationalsozialistischen Anfeindung lässt Opet sich im April 1933 auf &amp;quot;eigenen Antrag&amp;quot; im Alter von 67 Jahren in den Ruhestand versetzen. Vgl. Christian-Albrechts-Universität zu Kiel: Vertriebene Gelehrte. Online zugänglich (aufgerufen am 14. Juli 2024) unter: [https://www.uni-kiel.de/de/universitaet/profil/geschichte-der-universitaet/ns-aufarbeitung/vertriebene-gelehrte].&amp;lt;/ref&amp;gt; der Justiz als Beigeordneter vorgesetzt. Vielleicht lässt sich dieser Widerspruch dadurch erklären, dass Opet als Einzelperson gegenüber der Phalanx der reaktionären Beamtenschaft keinen Effekt erzielen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Ernährungsamt wurde wegen der herausragenden Bedeutung vom Arbeiterrat durch Fiebig und Richter selbst übernommen. Seit den Hungerprotesten 1917 waren die Arbeiter bereits mit einer größeren Gruppe in der städtischen Lebensmittelkommission vertreten und hatten viel Erfahrung sammeln können.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;In der Frühphase der Arbeit im Ernährungsamt erklärte der Dreher Wilhelm Schulz, zu der Zeit (6. November 1918) Vorsitzender des gemeinsamen Ernährungsausschusses von Arbeiter- und Soldatenrat und später als Ernährungskommissar (er war auch Beigeordneter für das Lebensmittellabor) bezeichnet: „Der Arbeiterrat hat einen Ernährungsausschuß in Gemeinschaft mit dem Soldatenrat eingesetzt, […]. Die Regelung der Lebensmittelversorgung der Zivilbevölkerung der Stadt Kiel verbleibt nach wie vor dem Magistrat. Der Ernährungsausschuß wird nur auf Ansuchen des Magistrats eingreifen.“ StAK Sign. 21392. Der „Ernährungskommissar Schulz – Kiel“ gab auf der Konferenz der schleswig-holsteinischen Arbeiter- Soldaten- und Bauern-Räte am 30. März 1919 in Neumünster einen Bericht über seine Tätigkeit; vgl. Anonym: Konferenz der schleswig-holsteinischen Arbeiter- Soldaten- und Bauern-Räte. In: SHVZ, 13. März 1919, S. 1 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur generellen Arbeit der Beigeordneten schreibt Dähnhardt: „Allein im Bereich der Lebensmittelversorgung, die von Anfang an im Mittelpunkt der Tätigkeit des Arbeiterrats stand, konnte dieser eine für die Bevölkerung sichtbare Bedeutung erlangen. Seit Anfang November bot die Lebensmittelversorgung in Kiel keinen Anlaß mehr zu Kritik. Auch Oberbürgermeister Lindemann […] bezeichnete die dem Lebensmittelamt zur Seite gestellten Beigeordneten [im Mai 1919] sogar als &#039;brauchbare Mitarbeiter&#039;, sicherlich ein hohes Lob, wenn man berücksichtigt, dass Lindemann […] ein konsequenter Gegner der Sozialdemokratie war.“&amp;lt;ref&amp;gt;Dähnhardt, Revolution, S. 149.&amp;lt;/ref&amp;gt; Martin Rackwitz kam in seiner umfassenden Darstellung des Kieler Aufstands zu dem Ergebnis, dass die erfahrenen sozialdemokratischen Politiker „ein hohes Maß an kommunalpolitischem Sachverstand“ einbrachten.&amp;lt;ref&amp;gt;Rackwitz, Kiel 1918, S. 190.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz der Konsolidierung des Aufstands in Kiel breitete sich jedoch am 6. November eine große Unsicherheit aus, denn Kiel schien isoliert zu bleiben. Noske unternahm jetzt einen gründlich vorbereiteten Versuch, den Kieler Aufstand zu beenden und damit die alten Verhältnisse wiederherzustellen. Nachmittags fand eine große Massenversammlung von etwa tausend Matrosen, an der auch Vertreter der Arbeiterschaft teilnahmen, im „Schloßhof“ statt, dem heutigen [[Metro-Kino im Schloßhof|metro-Kino]]. Noske hielt seine sorgfältig vorbereitete Rede und beschrieb die großen Schwierigkeiten, vor der die Bewegung stehe. Die Heranschaffung von Lebensmitteln und Geld mache große Probleme, denn Kiel sei isoliert und der Eisenbahnverkehr eingestellt. Er malte ein düsteres Bild und gab dann bekannt, was die Regierung anbieten würde, wenn der Aufstand abgebrochen würde: Straffreiheit für alle Aufständischen, Amnestie für die anlässlich der Marineunruhen 1917 Verurteilten, beschleunigte Herbeiführung des Waffenstillstandes, Beschleunigung der Abdankungsfrage sowie weitere Reformen und Demokratisierung des Staates. Der Vorsitzende des Arbeiterrats Garbe (SPD) und Popp (USPD) sprachen sich dagegen aus. Auch der Redakteur der SHVZ, Bernhard Rausch (SPD)&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Rausch (1887–1981) war Artillerieleutnant an der Westfront und wurde am 1. Oktober 1918 Redakteur der SHVZ in Kiel. Er folgte Noske nach Berlin und wurde dessen politischer Privatsekretär und Referent im Reichswehrministerium, schied 1920 kurz nach Noskes Rücktritt aus und wechselte später zur deutschnationalen Frontsoldaten-Organsation Stahlhelm; vgl. Wolfram Wette: &#039;&#039;Gustav Noske. Eine politische Biographie.&#039;&#039; Düsseldorf 1988, S. 865; sowie Christian Lübcke: &#039;&#039;Ein Versuch zur Demokratisierung der Reichswehr. Bernhard Rauschs Vorschläge für eine Staatsbürgerliche Unterrichtung, 1919-1920. &#039;&#039; In: Andreas Braune, Sebastian Elsbach, Ronny Noak, (Hrsg.): Bildung und Demokratie in der Weimarer Republik. Stuttgart 2022, S. 95-109.&amp;lt;/ref&amp;gt; argumentierte dagegen: Die Bewegung dürfte „… nie in dem Sinne abgebaut werden […], daß etwas von dem aufgegeben würde, was durch sie politisch erreichbar war.“&amp;lt;ref&amp;gt;Bernhard Rausch: &#039;&#039;Am Springquell der Revolution. Die Kieler Matrosenerhebung.&#039;&#039; Kiel 1918 (Reprint als Sonderveröffentlichung der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Bd. 15), S. II 1–31, hier S. II-25.&amp;lt;/ref&amp;gt; In dem Bericht der SHVZ über die Versammlung wurde dies näher erläutert: „Die gegenwärtige schicksalsschwere politische Situation gebietet, dass die entstandenen Machtverhältnisse restlos ausgenützt werden für den politischen und sozialen Fortschritt des Deutschen Reiches. Es gilt das, was im glorreichen Ansturm errungen ist, dauernd zu befestigen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Anonym: Die Lawine im Rollen. In: Schleswig-Holsteinische Volks-Zeitung vom 7. November 1918, S. 1.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noskes Vorschlag wurde nach Angaben Popps einstimmig abgelehnt. Außerdem wurde Popp auf der Versammlung, nachdem der von Berlin entsandte USPD-Vorsitzende Haase Schwierigkeiten hatte, nach Kiel zu gelangen, zum gleichberechtigten Vorsitzenden des Soldatenrats neben Noske bestimmt.&amp;lt;ref&amp;gt;Klaus Kuhl: &#039;&#039;Gustav Garbe – bedeutender Kieler Gewerkschaftsfunktionär, Vorsitzender des Kieler Arbeiterrats und zweimaliger Gouverneur. Mit Vorworten von Frank Hornschu, Geschäftsführer und Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes Kiel Region, und von Stephanie Schmoliner, 1. Bevollmächtigte der IG Metall Kiel-Neumünster.&#039;&#039; Kiel 2023, S. 29–32.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Versammlung verlief teilweise chaotisch, was offenbar mit einer immer noch bestehenden mangelnden Legitimation der Teilnehmer, aufgrund der spontan entstandenen Soldatenräte, zusammen hing. Popp organisierte daraufhin Wahlen von Vertrauensmännern in allen Einheiten, die dann den „Großen Soldatenrat“ wählten, der dann wiederum als Aktionsausschuss am folgenden Tag den Obersten Soldatenrat (OSR) bestimmte. Der OSR, dem auch Karl Artelt angehörte, wählte Lothar Popp zum Vorsitzenden. Weitere Mitglieder waren Maschinistenmaat Ullrich (auch Ulrich), Obermaat Schrader (vom Friedrichsorter Soldatenrat)&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Dirk Dähnhardt gibt eine Äußerung Lothar Popps über Schrader in einem 1975 geführten Gespräch wie folgt wider: „Über die Zusammensetzung des Soldatenrates erinnerte sich Herr Popp nur noch an einen Mann namens Schrader, den er selbst vorgeschlagen hatte, der aber ein &amp;quot;Vollidiot&amp;quot; gewesen sei.“ Kuhl, Popp, S. 44 f. Dähnhardt weist dabei auf eine ähnliche Schilderung Noskes hin. Noske nennt allerdings keine Namen und bezieht sich auf einen Tag vorher. Vgl. Noske, Kiel bis Kapp, S. 19.&amp;lt;/ref&amp;gt; und Obermaat Koch.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Martin Rackwitz erwähnt einen Obermatrosen Koch vom Soldatenrat in Holtenau, der dort die Befehlsgewalt ausgeübt habe. Vgl. Rackwitz, Kiel 1918, S. 181 f. Es bleibt unklar, ob es sich um dieselbe Person handelt.&amp;lt;/ref&amp;gt; Gemäß einer vorher getroffenen Absprache zwischen SPD und USPD übernahm Noske daraufhin das Gouverneursamt von Admiral Wilhelm Souchon.&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhl, Garbe, S. 32.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bereits eine Woche später werden zwei neue Mitglieder des OSR erwähnt, nämlich Robert Pfaff (SPD)&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Pfaff (1881–1940) war außerdem Delegierter auf dem 1. Reichsrätekongress für den Wahlbezirk Schleswig-Holstein und wurde dort als Marinevertreter in den Zentralrat gewählt. Ab 1919 war er kommissarischer Landrat für Rendsburg und dort aktiv an der Niederschlagung des Kapp-Putsches beteiligt, dann Entbindung von diesem Amt. Ab 1924 Inhaber eines Immobiliengeschäfts in Neckargemünd. Vgl. Roß, Reichsrätekongresse. Zur Rolle Pfaffs während des Kapp-Putsches vgl. Klaus Kuhl: &#039;&#039;Abzug des Bataillons Claassen/Detachement Kiel nach dem Kapp-Putsch in Kiel 1920.&#039;&#039; In: Zeitschrift der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte, Band 146 (2021), S. 241–256.&amp;lt;/ref&amp;gt; und Max Hartig,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Hartig, geboren 1887, war Delegierter für den Wahlbezirk Marinestation zum 1. Reichsrätekongress und gehörte zur SPD-Fraktion. Als Wohnort gab er Chemnitz an, und als dortige bisherige Tätigkeit: Sektionsleitung der Modelltischler in Chemnitz. Vgl. Roß, Reichsrätekongresse.&amp;lt;/ref&amp;gt; während Schrader vermutlich ausgeschieden war.&amp;lt;ref&amp;gt;Dähnhardt, Revolution, S. 114 und 136. Schrader wird nur noch einmal von Stabschef Küsel als Teilnehmer bei den Verhandlungen über die Rolle der Offiziere am 8. November erwähnt. Vgl. Klaus Kuhl: &#039;&#039;Gefangen in Überheblichkeit und Engstirnigkeit: Die führenden Seeoffiziere und der Matrosen- und Arbeiteraufstand in Kiel 1918. Die Berichte der Chefs der Marinestation und Gouverneure von Kiel, Admiral Gustav Bachmann und Admiral Wilhelm Souchon sowie ihres Stabschefs Konteradmiral Hans Küsel.&#039;&#039; Kiel 2023, S. 180.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über die Mitglieder des Großen Soldatenrats, die den OSR zu wählen hatten, gibt es bisher nur wenige Informationen: Der Kapitänleutnant Peter Köhler schreibt einem zeitnahen Bericht, dass er selbst zum Soldatenrat auf seinem Wohnschiff &#039;&#039;Nixe&#039;&#039; gewählt wurde und damit Mitglied im Großen Soldatenrat war. Köhler diente bis September 1918 auf dem zum III. Geschwader gehörenden &#039;&#039;Großer Kurfürst&#039;&#039; und war dann dem Artillerieschulschiff &#039;&#039;Kaiserin Augusta&#039;&#039; in Kiel zugeteilt. Er trat für eine Sozialisierung ein, war aber kein Demokrat. Köhler erwähnt auch einen Oberschreiber Haas, der eine bestimmende Rolle im Soldatenrat der I. Werft-Division gespielt hätte.&amp;lt;ref&amp;gt;Kapitänleutnant Peter Köhler: Revolutionsereignisse in Kiel. Typoskript im Nachlass Carl/Karl Hollweg, BArch RM 3/11682, Bl. 198–226. Transkript online zugänglich (aufgerufen am 25. September 2024) unter: [http://www.kurkuhl.de/docs/ereignisse_06-11-1918.pdf].&amp;lt;/ref&amp;gt; Weitere, von Karl Artelt in späteren Berichten erwähnte Mitglieder des Großen Soldatenrats: Torpedobootmatrose Fritz Steinhoff, späterer Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen sowie der U-Bootfahrer Ernst Wollweber, der von 1953 bis 1957 das Staatssekretariat bzw. das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) in der DDR leitete.&amp;lt;ref&amp;gt;Karl Artelt: Zwei Briefe an das Institut für Marxismus-Leninismus beim Zentralkomitee der SED – Abteilung Geschichte der Partei und der deutschen Arbeiterbewegung. Nebra, 15. Dezember 1957 und 12. Februar 1957. Bundesarchiv, SAPMO, SGY 30/0022, Bl. 14–19, hier Bl. 15, 17 und 19.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Regierung in Berlin (bis zum 9. November 1918 noch vom letzten Reichskanzler des Kaiserreichs, Max von Baden, geführt) bestätigte Noske als neuen Gouverneur. Während Popp den Gouverneur als ausführendes Organ des Soldatenrats ansah, mit dem dieser „den Verwaltungsapparat in Bewegung bringen“ könne, betrachtete Noske den Soldatenrat eher als ein Kontrollgremium. In seinem ersten Tagesbefehl, den er zusammen mit dem OSR noch am selben Abend erstellte, hieß es: „Ich bin […] zum Gouverneur gewählt worden […]. Mir zur Seite steht der ‚Oberste Soldatenrat des Befehlsbereichs der Ostseestation’“ &amp;lt;ref&amp;gt;Popp/Artelt, Ursprung, S. III-27 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der OSR schickte dann jeweils einen Vertrauensmann in alle wichtigen militärischen Stellen. Hierbei handelte es sich meistens um Feldwebel.&amp;lt;ref&amp;gt;Rackwitz, Kiel 2018, S. 139 f. Der so genannte Etatmäßige Feldwebel war in der Regel mit dem inneren Dienst und Verwaltungsaufgaben betraut.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die zukünftige Rolle der Offiziere blieb in der Schwebe. Nachdem sich in deren Reihen zunächst eine tiefe Resignation breit gemacht hatte, schöpften die Offiziere wieder Hoffnung, weil Noske signalisiert hatte, dass er auf sie nicht verzichten wollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Inzwischen trafen auch Nachrichten von der raschen Ausbreitung der Revolution ein. Noske kam nun zu der Überzeugung, dass „ein Lavieren nicht mehr am Platze sei, sondern es hieß die Zügel fest in die Hand zu nehmen.“ In einer kleinen Runde vereinbarte er mit einigen Kieler SPD-Führern die Ausrufung des Arbeiterrats als provisorische Regierung Schleswig-Holsteins. Der ebenfalls gewünschten Ausrufung der Republik Schleswig-Holstein widersetzte er sich.&amp;lt;ref&amp;gt;Noske, Kiel bis Kapp, S. 25.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Aufruf Kieler Arbeiter und Soldatenrat.jpg|mini|Gemeinsamer Aufruf des Arbeiter- und des Soldatenrats am 7. November 1918.]] Der OSR und der Arbeiterrat einigten sich auf einen gemeinsamen Aufruf, der als Flugblatt verteilt wurde. Die ersten drei Absätze lauteten: „Die politische Macht ist in unserer Hand. Es wird eine provisorische Provinzialregierung gebildet, die in Zusammenarbeit mit den bestehenden Behörden eine neue Ordnung aufrichtet. Unser Ziel ist die freie, soziale Volksrepublik.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bewegung stieß auch auf große Zustimmung in der Bevölkerung. Dies zeigte sich nicht nur in der überwältigenden Anteilnahme bei der Beerdigung der Revolutionsopfer am 10. November 1918, sondern auch in der raschen Verbreitung der Räteidee: In weiten Kreisen der Bevölkerung bis ins Bürgertum hinein wurden Räte gegründet. Es gab Beamten- und Angestelltenräte,&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. dazu etwa Klaus Kuhl: &#039;&#039;Kiel und die Revolution von 1918. Das Tagebuch eines Werftingenieurs, verfasst in den Jahren 1917–1919. Edition und Textanalyse.&#039;&#039; Berlin 2018, S. 57.&amp;lt;/ref&amp;gt; Studentenräte,&amp;lt;ref&amp;gt;Über Alfred Meusel wird berichtet, dass er Vorsitzender des ersten Studentenrats in Deutschland wurde. Alfred Meusel (1896-1960) besuchte die Oberrealschule in Kiel. Mit Beginn des Ersten Weltkriegs meldete er sich als Freiwilliger, ging an der Front aber bald auf Distanz zum Kaiserreich und kam dort erstmals mit sozialistischen Ideen in Berührung. Im Dezember 1917 wurde er an der Aisne verschüttet, schwer verletzt und behielt zeitlebens ein Nervenleiden als Spätfolge. Von 1918 bis 1922 studierte er in Kiel u. a. Nationalökonomie, Soziologie und Geschichtswissenschaft. Vgl. Mario Kesser und Detlef Siegfried: &#039;&#039;Alfred Meusel im Spannungsfeld von Wissenschaft und Politik&#039;&#039;. In: JahrBuch für Forschungen zur Geschichte der Arbeiterbewegung, Heft III/2010, S. 65–80, hier S. 66 f. Vgl. auch die von Jörg Becker veröffentlichten Berichte von Richard Sorge, der eine sozialistische Studentenorganisation aufbaute.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bauernräte&amp;lt;ref&amp;gt;Nach Gerhard Stoltenberg soll es bereits im Januar 1919 1700 örtliche Auschüsse [Bauernräte] in Schleswig-Holstein gegeben haben; vgl. Gerhard Stoltenberg: &#039;&#039;Politische Strömungen im schleswig-holsteinischen Landvolk 1918-1933.&#039;&#039; Düsseldorf 1962, S.29, Fußnote 4. Stoltenberg beruft sich auf eine Meldung der SHVZ vom 15. Januar 1919. Die Zeitung der USPD „Republik“ meldete am 19. Januar 1919, dass in Schleswig-Holstein ein provisorischer Oberster Bauernrat aus sechs Mitgliedern gebildet worden sei. Beigeordnet seien der Ernährungskommissar für Schleswig-Holstein sowie ein Beauftragter der Landwirtschaftskammer. Geschäftsführer sei vorläufig Max Mißfeld, Suchsdorf bei Kiel.&amp;lt;/ref&amp;gt; und sogar einen Rat des Kirchenchors der [[Nikolaikirche]].&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. den Bericht eines damals 13-jährigen Chorknabens in dem NDR-Film „Matrosen, Räte, Republiken“ von Hartmut Idzko und Jörg Knickrehm, der am 1. November 1978 ausgestrahlt wurde. Progressive Teile der evangelischen Kirche, darunter der Kieler Professor Otto Baumgarten, forderten die Einführung von &amp;quot;Volkskirchenräten&amp;quot;; vgl.: Rolf Fischer: &#039;&#039;Kiel, die Kirchen und die Revolution – Eine Standortbestimmung.&#039;&#039; In: Rolf Fischer (Hrsg.): &#039;&#039;Sehnsucht nach Demokratie.&#039;&#039; Kiel 2020, S. 57–72, hier S. 67.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In mehreren Verhandlungen wurde zwischen Vertretern der Offiziere und dem OSR eine Absprache über die Rolle der Offiziere getroffen. Diese sah vor, dass diejenigen Offiziere, die sich dem Soldatenrat unterstellten, im Amt bleiben durften. Wenn sie jedoch ein Kommando ausüben wollten, mussten sie das Vertrauen ihrer Untergebenen haben. Von den Mannschaften abgelehnte Offiziere mussten sich in der Marinestation zur Verfügung halten. Die große Mehrheit der Offiziere ließ sich darauf ein, wobei die Mitteilung, der Kaiser habe sie von ihrem Eid entbunden, eine wichtige Rolle gespielt haben dürfte. Die Ansätze für eine Militärreform wurden jedoch, wie Wolfram Wette schrieb, von Noske im Keim erstickt.&amp;lt;ref&amp;gt;Wolfram Wette: Als bei der Torpedo-Division der erste Soldatenrat gebildet wurde. In: Frankfurter Rundschau, 12. Dezember 1988.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Niedergang der Rätebewegung in Kiel ==&lt;br /&gt;
In Kiel begann dieses „Ersticken“ einer möglichen Militärreform damit, dass Noske den Räten gegenüber die Kompetenz der Seeoffiziere, besonders mit Blick auf die Überführung der Flotte nach England, als unverzichtbar darstellte. Kuhl schrieb, dies sei in der neueren Literatur ohne nähere Diskussion akzeptiert worden, aber ein genauerer Blick auf die Aufgaben der verschiedenen Dienstränge zeige, dass Deckoffiziere, Unteroffiziere und Mannschaften ohne größere Probleme in der Lage gewesen wären, ein Schiff zu manövrieren; Steuerleute, Navigationsoffiziere, Maschineningenieure, Funkentelegrafiemeister etc. konnten in ihren Bereichen selbstständig handeln. Die Seeoffiziere waren hauptsächlich dazu da, ein Schiff in der Schlacht zu befehligen. Für andere Aufgaben waren sie nicht unbedingt notwendig. Allerdings war ihre Autorität wichtig für die einigermaßen reibungslose Abfolge aller Arbeiten an Bord und an Land. Diese Autorität aber war stark erschüttert. Eine Auswahl nach demokratischen und republikanischen Kriterien wäre möglich gewesen. Ein entstehender Gruppendruck hätte dann eventuell auch eine Reihe der ehemals kaiserlichen Seeoffiziere zum Einlenken bewegen können. Immerhin war nach der Wahrnehmung des Stabschefs der Marinestation, Küsel, noch Mitte November 1918 „die Stimmung, was das jüngere Seeoffizierkorps anbetrifft, ganz links gerichtet“.&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhl, Überheblichkeit, S. 186.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dies wird auch bestätigt von Admiral Gustav Bachmann, dem Vorgänger Souchons als Gouverneur und Chef der Marinestation, der den Kapitänleutnant Thorwald v. Bothmer als einen der radikalsten bezeichnete („… pries die Republik, machte die Monarchie herunter …“).&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Klaus Franken (Hg.): &#039;&#039;Admiral Gustav Bachmann: Lebenserinnerungen und Tagebuch 1915.&#039;&#039; Paderborn 2022 (Schriften zur Marinegeschichte Band 3), S. 911 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Unter dem Einfluss des Korvettenkapitäns Wilfried von Loewenfeld (s.&amp;amp;nbsp;u.) schlug dies aber schnell wieder um.&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhl, Garbe, S. 38 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zuge der kurz nach dem Umsturz einsetzenden Demobilisierung wuchs der Einfluss der zurückbleibenden Berufssoldaten und hier besonders derjenige der Deckoffiziere. Diese hatten durchaus einen wichtigen Anteil an der erfolgreichen Durchsetzung des Aufstands, denn die standen in deutlicher Opposition zu den Seeoffizieren, von denen sie ebenfalls, wie die Mannschaften, als gesellschaftlich inakzeptable Parias behandelt wurden.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Holger H. Herwig: &#039;&#039;Das Elitekorps des Kaisers. Die Marineoffiziere im Wilhelminischen Deutschland.&#039;&#039; Hamburg 1977, S. 86.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Deckoffizierbund erkannte die neuen Verhältnisse an und erteilte Bestrebungen, diese zurückzudrehen, eine Absage. Die Seeoffiziere müssten dies ebenfalls anerkennen und es müsse eine Auswahl geben, um reaktionäre Absichten von Seiten der Offiziere auszuschließen. Allerdings wurde nicht erkennbar, welche Mechanismen und Garantien der Bund für eine effektive Auswahl anstrebte.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Klaus Kuhl: &#039;&#039;Analyse und Edition von: Paul Kässner, Oberdeckoffizier a. D.: Zur Geschichte der Deckoffizierbewegung, des Deckoffizierbundes und des Bundes der Deckoffiziere.&#039;&#039; Kiel 2022, 6 f. und 22. Online zugänglich (aufgerufen am 4. September 2024) unter: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Kuhl_analyse-edition-kaessner-deckoffizierbewegung_2022.pdf].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei: Kieler_Matrosenaufstand_(Kiel_68.297).jpg|mini|Das Foto zeigt eine Demonstration von Deck- und Unteroffizieren am 22. Dezember 1918 gegen den Beschluss des Reichsrätekongresses und für die Beibehaltung der Rangabzeichen. Dies kennzeichnet den gestiegenen Einfluss der Deckoffiziere.]] Ein Großteil der Deckoffiziere erwies sich auch später im Kapp-Putsch als Stütze der Weimarer Republik, sie hatten jedoch deutliche Vorbehalte gegenüber den Soldatenräten, vermutlich weil sie deren totalen Umsturz der militärischen Hierarchien ablehnten. Die Deckoffiziere bekamen einen großen Einfluss in der Sicherheitswehr des Soldatenrats und auch im OSR selbst. Ihre Vorbehalte führten dann vermutlich auch dazu, dass Lothar Popp am 10. Dezember 1918 als Vorsitzender des OSR zurücktrat; zumindest behauptet dies Noske in seiner 1920 erschienen und stark von Rechtfertigungen geprägten Schrift „Von Kiel bis Kapp“.&amp;lt;ref&amp;gt;Noske, Kiel bis Kapp, S. 52.&amp;lt;/ref&amp;gt; Popp selbst gab später an, er habe nach der Entscheidung für die Nationalversammlung keinen Sinn mehr in seiner Arbeit für den OSR gesehen. Allerdings fiel diese Entscheidung erst später auf der Reichsrätekonferenz 16.–21. Dezember 1918,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Auf dem ersten Reichsrätekongress wurde Kiel durch die folgenden Delegierten vertreten: Gustav Garbe und Peter Hillbrecht für den Arbeiterrat (Kurt Kaulfers, USPD und Bevollmächtigter des DMV Kiel, fiel bei der Mandatsprüfung durch), sowie Max Hartig und Robert Pfaff für den Soldatenrat. Alle bis auf Kaulfers gehörten der SPD an. Vgl. Dieter Braeg und Ralf Hoffrogge (Hrsg.): &#039;&#039;Allgemeiner Kongress der Arbeiter- und Soldatenräte Deutschlands. 16.–20. Dezember 1918 Berlin – Stenografische Berichte, Neuausgabe zum 100. Jahrestag&#039;&#039;. Berlin 2018, S. 561–602. Vgl. auch Roß, Reichsrätekongresse.&amp;lt;/ref&amp;gt; was eher Noskes Darstellung unterstützen würde. Es wäre aber auch denkbar, dass Popps Rücktritt bereits davon bestimmt war, dass keine USPD-Mitglieder aus Kiel zum Reichsrätekongress delegiert wurden. Karl Artelt übernahm nun den Vorsitz des inzwischen auf 14 Mitglieder erweiterten Gremiums, Stellvertreter wurde Robert Pfaff, Schriftführer wurde der Signalmeister und Deckoffizier Franz Riefstahl (SPD). Popp wurde nur noch als politischer Berater des Gremiums aufgeführt. Zum damaligen Zeitpunkt gehörten dem OSR, neben den Genannten, noch die folgenden Personen an: Rudolf Rannow, Erich Thümmel, Schmidtke, Max Hartig, Gräfenstein (auch Grävenstein), Rath, Klaus, Eggers, Rudolph, Widmaier (auch Widmeier) und Feill (insgesamt 14).&amp;lt;ref&amp;gt;Anonym: Sitzung des obersten Soldatenrates. In: Republik, 11. Dezember 1918.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Hartig und Thümmel wurden bereits oben beschrieben, Riefstahl und Rannow werden weiter unten als Vorsitzende des OSR beschrieben, zu den anderen Personen ist bisher nichts weiter bekannt.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die provisorische Regierung Schleswig-Holsteins hatte zunächst der Kieler Arbeiterrat übernommen. Auf einer Konferenz am 12. Dezember 1918 in Neumünster wurden nun auch die anderen Räte in der Provinz einbezogen. Die Konferenz wurde von Garbe eröffnet und zusammen mit Richter aus Neumünster und Schlüter aus Flensburg geleitet. Es herrschte Einigkeit darüber, dass in „nächster Zukunft […] Räterat und National-Versammlung nebeneinander bestehen bleiben und zusammen arbeiten [müssen].“&amp;lt;ref&amp;gt;Einleitendes Referat des Beigeordneten der Regierung in Schleswig Eduard Adlers auf der Konferenz. Protokoll der Konferenz der Arbeiter- und Soldatenräte Neumünster am 12. Dezember 1918. Manuskript. Archiv des Zentralrats der Deutschen Sozialistischen Republik; Sign. B-58. Online zugänglich (aufgerufen am 9. Januar 2023) unter: [https://search.iisg.amsterdam/Record/ARCH01676].&amp;lt;/ref&amp;gt; Die provisorische Regierung setzte sich nun aus Vertretern der Räte verschiedener Regionen zusammen. Sie bezeichnete sich später als „Volksrat“.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Kuhl, Garbe, S. 34.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 27. Dezember 1918, mit Beginn der Unruhen in Berlin, kehrte Noske dorthin zurück und übernahm im Rat der Volksbeauftragten, nach dem Rücktritt der USPD-Beauftragten, den Bereich „Heer und Marine“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit verstärkte sich der schleichende und im Laufe der Entwicklung immer offenere Prozess, in dem Noske – inzwischen Reichswehrminister – die Soldatenräte im Juni 1919 schließlich abschaffen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wichtige Stationen waren dabei:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Verkleinerung des 53er-Ausschusses, dem Zentralrat der Marine im Berliner Reichsmarineamt,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Dem Rat gehörten die folgenden Kieler Personen an: Bock, Hohmann, Klenke, Lebeck, Manschke, Rösler, Stock, Block und Schumann; vgl. Kriegsakten betreff Revolution 1918 und Märzwirren 1920. BArch RM 8/1013, Bl. 73 f. Im Mai 1919 wurde auch ein Verbandssoldatenrat, in dem die Soldatenräte sich überregional organisiert hatten, der aber offensichtlich keinen größere Bedeutung erlangt hat, erwähnt; vgl. Akten des Reichsmarineamts betreffend Arbeiter und Soldatenrat, Juni 1919–März 1922. BArch RM 20/13 Bl. 27.&amp;lt;/ref&amp;gt; auf sechs Personen. Der Rat wollte die neue Marine auf Völkerverständigung und eine reine Verteidigung festlegen. Dies stieß jedoch bei den weiter nach „Weltgeltung“ strebenden „Tirpitzianern“, zu denen die vorgesehenen Führer der Marine (insbesondere v. Trotha)&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Konteradmiral Adolf von Trotha (1868–1940), ab März 1919 Chef der Admiralität, im Oktober 1919 zum Vizeadmiral befördert, unterstützte den Kapp-Putsch und wurde später Propagandist für die NSDAP.&amp;lt;/ref&amp;gt; gehörten, sowie auch bei Noske selbst, auf großen Widerstand. Aufgrund von Noskes Kritik, der auf dem Reichsrätekongress eine Verschleppung von Entscheidungen bemängelte, wurde der Rat auf sechs Mitglieder verkleinert und damit in seinen Wirkungsmöglichkeiten (bei einem Amt mit etwa 1000 Beschäftigten) stark eingeschränkt. Der stellvertretende Vorsitzende des Kieler OSR, Robert Pfaff (SPD), der auch am Reichsrätekongress teilnahm, unterstützte Noske bei seinem Vorgehen. Wette vermutet, dass Noskes Beanstandungen eher auf die inzwischen USPD-nahe Programmatik des 53er Rats zurückgingen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Wette, Noske, S. 272–280.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Der Aufbau der 1. Marine-Brigade (inoffizielle Bezeichnung: Eiserne Brigade oder Eiserne Division) durch die Deckoffiziere auf Anforderung Noskes Anfang Januar 1919. Im OSR argumentierten die Deckoffiziere damit, dass die Truppe für die Grenzsicherung im Osten gebraucht würde. Sie wurde dann aber bei den Kämpfen in Berlin und danach auch in weiteren Städten, u.&amp;amp;nbsp;a. in Bremen eingesetzt. Dies führte am 6. Januar 1919 zum Rückzug Karl Artelts aus dem OSR. Den Vorsitz übernahm zunächst Max Hartig für 10 Tage dann der Signalmeister und Deckoffizier Franz Riefstahl,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Über Riefstahl ist ebenfalls nur wenig bekannt, obwohl er neben Popp und Artelt eine besonders wichtige Rolle in der Soldatenratsbewegung spielte: Riefstahl war zunächst wohl die zentrale Figur in dem nur bis zum 3. Dezember 1918 existierenden Generalobmannbüro. Neben Riefstahl waren hier noch der Oberheizer Klaus, der Ubootsmaschinistenmaat Tscharutke, der Schreiber Au und der Oberschreiber Rothenbacher tätig. Das Büro wurde parallel zum OSR eingerichtet und diente den Obmännern, wie die von den einzelnen Soldatenräten in den Großen Soldatenrat entsandten Delegierten genannt wurden, als Ansprechstelle. Mit Riefstahls Wahl in den OSR wurde es offenbar aufgelöst. Vgl. Dähnhardt, Revolution, S. 131. Riefstahl gehörte dem OSR von Anfang Dezember 1918 bis Ende März 1919 ununterbrochen an, und war mit 2 ½ Monaten der am längsten auf diesem Posten dienende Vorsitzende. Obwohl Riefstahl der SPD angehörte und deutlich moderater war  als Popp und Artelt, verfolgten ihn die Seeoffiziere mit großem Hass. So bezeichnete v. Loewenfeld ihn als „widerlichen, aufgeblasenen roten Gesellen und Offiziershasser“. Der Stabschef Konteradmiral Küsel schrieb über ihn, er habe sich dann besonders hervorgetan, wenn es galt die Seeoffiziere zu bekämpfen. Riefstahl war später Amtmann in Berlin und wird im „Vorwärts“ vom 15. Oktober 1919 (S. 4) unter den „Groß-Berliner Parteinachrichten“ erwähnt. In einer Versammlung für „Sozialdemokratische Beamte, Angestellte und Hülfskräfte der Gemeindebehörden Groß-Berlins“ referierte Riefstahl über „Revolution und Beamtenschaft.“ Das preußische Innenministerium unter Göring ließ 1934 Erkundigungen über Riefstahl einziehen, um ihn aus dem Beamtendienst zu entfernen. Dabei übermittelte Küsel die genannte Denunziation. Wette vermutet, dies habe ausgereicht, um den Stadtamtmann Riefstahl aus dem Beamtendienst zu entfernen. Vgl. Wette, Noske, S. 261 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; während Hartig sein Stellvertreter wurde. Hartig schied am 7. Februar aus, auf ihn folgte Bublat als Stellvertreter.&amp;lt;ref&amp;gt;Klaus Kuhl: &#039;&#039;Die Kieler Eiserne Division – ein besonderer Fall in der militärischen Landschaft der Weimarer Republik.&#039;&#039; In: Rolf Fischer (Hrsg.): Brennpunkte 1918. Orte der Revolution in Schleswig-Holstein. Kiel 2023, S. 113–132.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Neuordnung der Kommandogewalt. Diese hatte bisher weitgehend in den Händen der Soldatenräte gelegen. Gegen einen bekannt gewordenen Entwurf legte der Kieler OSR Protest ein. Dieser Protest wurde auch am 1. Februar 1919 von der Kieler SPD-Zeitung unterstützt. Man sah in Noskes Planungen den Versuch, die Zustände vor der Revolution wieder einzuführen.&amp;lt;ref&amp;gt;Anonym: Neuregelung der Kommandogewalt. In: SHVZ, 1. Februar 1919, S. 1.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Entwurf war Mitte Januar vom neuen Kriegsminister Oberst Walther Reinhardt vorgelegt, vom Zentralrat der Deutschen Sozialistischen Republik&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Ein vom Reichsrätekongress im Dezember 1918 eingerichtetes Gremium zur Überwachung und zur Kontrolle des Rats der Volksbeauftragten.&amp;lt;/ref&amp;gt; geringfügig geändert und dann von der Regierung angenommen worden. Das Verordnungswerk wurde am 19. Januar verabschiedet, gab die Kommandogewalt zurück an die Offiziere und schränkte die Befugnisse der Soldatenräte stark ein. Fronttruppen und Freikorps waren ausgenommen, dort hatten Soldatenräte sowieso einen schweren Stand oder wurden gar nicht geduldet.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Wette, Noske, S. 333–339.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Rahmen verschiedentlicher Proteste der Kieler Räte bei Noske fühlten sich die Delegationsmitglieder Riefstahl, Klaus, Rannow und Thümmel von Noske „wie Handwerksburschen“ behandelt.&amp;lt;ref&amp;gt;Wette, Noske, S. 260.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Der große Protest der Kieler Arbeiterschaft gegen Noskes kompromissloses militärisches Vorgehen gegen die Bremer Räterepublik Anfang Februar 1919; aufgrund der begeleitenden militanten Aktionen der KPD auch als Kieler „Spartakus-Putsch“ bezeichnet. Im Verlauf der bewaffneten Auseinandersetzungen erlaubte Noske dann die Aufstellung der 3. Marine-Brigade durch Wilfried von Loewenfeld, die dann die Sicherheitstruppe des Soldatenrats dominierte.&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhl, Garbe, S. 47 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Am 25. Februar erfolgte dann eine Neuwahl des OSR und der erneut zum Vorsitzenden gewählte Riefstahl verkleinerte den bereits auf 12 Mitglieder reduzierten OSR auf nunmehr neun Personen. Dabei handelte es sich neben Riefstahl um Bublat (Stellvertreter), Schlüter (Schriftführer), Klaus, Rannow, Rath, Widmaier, Thümmel und Dräger.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Rackwitz, Kiel 1918, S. 183; sowie Anonym: Neuwahl des Obersten Soldatenrates. In: Kieler Zeitung vom 1. März 1919, Morgenausgabe.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Einsetzung eines Seeoffiziers als Stationschef wurde von Noske gegen den Widerstand von OSR und Arbeiterrat nach verschiedenen Anläufen durchgesetzt. Dabei verlor Garbe als Noskes Nachfolger auf dem Posten des Kieler Gouverneurs seine militärische Befehlsgewalt und wurde zum „Zivilgouverneur“ herabgestuft. Der OSR wurde nun nur noch als Stationssoldatenrat bezeichnet. Am 10. März 1919 wurde Konteradmiral Meurer als Stationschef eingesetzt. Wenig später verlor Garbe auch seinen Titel als Zivilgouverneur. Am 31. März 1919 schieden Riefstahl, Klaus, Bublat und Thümmel aus dem OSR/Stationssoldatenrat aus. Neuer Vorsitzender wurde der Oberfeuerwerkermaat Rudolf Rannow (SPD),&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Rannow, geb. 25. Januar 1887 in Oramburg (Pommern), wird in dem Bericht des Kapitänleutnants Peter Köhler am 7. November 1918 als Obmann des Soldatenrats erwähnt; Köhler: Revolutionsereignisse, S. 14. Rannow war im April 1919 Delegierter für den 2. Reichsrätekongress, wo er den Wahlbezirk Ostseestation vertrat. Er organisierte im April 1919 den Zusammenschluss von Berufssoldaten, die sich zur SPD bekannten (im Hinblick auf eine zu gründende republikanische Volkswehr), beteiligte sich an der Abwehr des Kapp-Putsches in Kiel und wurde Kommandeur der gegen den Putsch aufgebauten Arbeiterwehr. In der Personalamtsakte „Wahlen von Stadträten und Bürgermeistern“ im Stadtarchiv Kiel (Sign. 31980) wird er ab 1920 als Stadtsekretär geführt. Im Jahr 1926 meldete er sich nach Lägerdorf ab. Vgl. Wette, Noske, S. 260 und 865; Roß, Reichsrätekongresse, S. 202; Dähnhardt/Granier, Kapp-Putsch in Kiel, S. 110 ff.; BArch 8/1022, Bl. 61 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt; sein Stellvertreter wurde der Feldwebel Paul Dräger.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Dräger war 1920 Führer im Reichswirtschaftsverband deutscher derzeitiger und ehemaliger Berufssoldaten (RdB, Vorläufer des Deutschen Bundeswehr Verbands) in Kiel. Er spielte eine aktive Rolle bei der Niederschlagung des Kapp-Putsches. Vgl. Dähnhardt/Granier, Kapp-Putsch in Kiel, S. 41, 72, 140.&amp;lt;/ref&amp;gt; Außerdem gehörte nach wie vor der Feldwebel Schlüter&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Nachdem Marinewaffen heimlich auf das Gut des Prinzen Heinrich in Hemmelmark verbracht worden waren, wurden dort im April 1919 Durchsuchungen vorgenommen, an denen Schlüter (stellvertretend für Rath) vom OSR, und Otto Eggerstedt vom Volksrat beteiligt waren. Es wurden 30 Gewehre mit Munition gefunden, die Heinrich von einem Seeoffizier geliefert worden waren. Bald darauf beschwerte sich der neue Stationschef Meurer in Berlin bei v. Trotha, dass der Soldatenrat wiederum gegen Vorschriften verstoßen habe, als er sich nach diesen Vorfällen bei weiteren Hausdurchsuchungen des Volksrats in Kitzeberg (Villenviertel auf dem Ostufer der Kieler Förde) beteiligte. Nach Aussagen des Stationssoldatenrats hatte Meurer die Beschwerde auf Anweisung Noskes verfasst. Vgl. Akten des Reichsmarineamts betreffend Arbeiter und Soldatenrat, Juni 1919–März 1922. BArch RM 20/13 Bl. 30–47.&amp;lt;/ref&amp;gt; dem Rat an. Am 12. Mai 1919 wurde das Mitglied im Stationsssoldatenrat, Rath, durch den Feldwebel und Marinefeuerwerker Adolf Schmalix&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Schmalix (1890–1956) gehörte zur 1. Marine-Division und beteiligte sich am Aufbau des Reichswirtschaftsverbands derzeitiger und ehemaliger Berufssoldaten und des Republikanischen Führerbunds. Er engagierte sich im Kampf gegen den Kapp-Putsch, setzte sich dabei für die Bewaffnung der Arbeiterschaft ein und wurde für mehrere Tage verhaftet. Zu einem von ihm zu verantwortenden Unterschlagungsfall in seiner Abteilung erklärte er, „infolge seines Kampfes mit den höchsten Behörden“ sei es ihm nicht möglich gewesen, den Fall zur Anzeige zu bringen. Er verließ Kiel, entwickelte sich zum „völkisch-antisemitischen Extremnationalisten“ und beteiligte sich am Hitler-Putsch. Ab 1924 lebte er in Erfurt, wo er Schriftleiter und Herausgeber des Wochenblattes &amp;quot;Echo Germania&amp;quot; wurde. In dem Blatt pöbelte er gegen prominente Bürger, mit Vorliebe gegen Juden, Ausländer oder Demokraten, denen er dann anbot, sich freizukaufen, um weiteren Schmähungen zu entgehen. Im Frühjahr 1928 rief er den &amp;quot;Großdeutschen Freiheitsbund&amp;quot; ins Leben, dessen Programm aus einem Sammelsurium gängiger nationalistisch-völkischer Ansichten und Feindbilder bestand. Bei der Kommunalwahl in Erfurt errang er in einer reichsweiten Sensation 10 von 52 Mandaten. Später trat der der NSDAP bei. Nach dem Zweiten Weltkrieg saß Schmalix noch 1956 im Kreistag im Landkreis Roding (Oberpfalz). Vgl. Dähnhardt/Granier, Kapp-Putsch in Kiel, S. 24 f. und 41; Anonym: Ein rehabilitierter Berufssoldat. In: Republik, 26. März 1920; Steffen Raßloff: &#039;&#039;Erfurt begeht moralischen Selbstmord. Adolf Schmalix und die Großdeutsche Freiheitsbewegung.&#039;&#039; In: Stadt und Geschichte. Zeitschrift für Erfurt. 13 (2001). S 28 f. Online zugänglich (aufgerufen am 25. Septrember 2024) unter: [http://www.erfurt-web.de/Adolf_Schmalix].&amp;lt;/ref&amp;gt; ersetzt. Zu diesem Zeitpunkt gehörten dem Rat neben den genannten Rannow, Dräger, Schmalix und Schlüter noch Widmaier und Arnold (Minensuchflottille) an.&amp;lt;ref&amp;gt;Station O: Akta betr. XI a (Soldatenrat). BArch RM 31/2375 Bl. 22.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits einige Tage vorher, am 6. März 1919, war das Gesetz über die vorläufige Reichswehr verkündet worden. Es war unter Führung des Kriegsministers von Offizieren erarbeitet worden. In der parlamentarischen Debatte machte Noske deutlich, dass sozialdemokratische Vorstellungen zurzeit zurückgestellt werden müssten, um Deutschland wieder wehrhaft zu machen. Mit dem verabschiedeten Gesetz wurden die Freikorps sanktioniert, republikanische Verbände und Soldatenräte wurden abgeschafft.&amp;lt;ref&amp;gt;Wette, Noske, S. 358–368.&amp;lt;/ref&amp;gt; Am 5. Juni 1919 wurde auch der Kieler Soldatenrat abgeschafft. Es gab jetzt nur noch Vertrauensleute mit Beschwerderechten, die ohne gesetzliche Fixierung lediglich gemäß Marine-Verordnungsblatt MVBl 17, S. 208 und 209 zu wählen waren.&amp;lt;ref&amp;gt;Wette, Noske, S. 368.&amp;lt;/ref&amp;gt; Schmalix und Widmaier werden noch im September 1919 als Vertrauensleute erwähnt, wobei sie sich über die ständig weiter eingeengte Bewegungsfreiheit beschweren.&amp;lt;ref&amp;gt;Akte Reichsmarineamt Juni 1919–März 1922. BArch RM 20/13 Bl. 129 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein weiterer Vertrauensmann war der, als bewährter Deckoffizier von Noske zum Leutnant zur See beförderte, Carl von Seydlitz. Seydlitz wurde nach dem Kapp-Putsch kurzzeitig Stationschef in Kiel, weil die Seeoffiziere wegen Putschbeteiligung suspendiert worden waren oder aus Solidarität den Dienst verlassen hatten.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Klaus Kuhl: &#039;&#039;Leutnant zur See Carl von Seydlitz. Der Kampf für die Demokratisierung der Reichsmarine.&#039;&#039; In: Rolf Fischer (Hrsg.): Sehnsucht nach Demokratie. Neue Aspekte der Kieler Revolution 1918. Kiel 2020, S. 23-35.&amp;lt;/ref&amp;gt; Demokratisch und republikanisch orientierte Soldaten und Offiziere wurden jetzt langsam aber stetig aus dem Militär gedrängt.&amp;lt;ref&amp;gt;Wette, Noske, S. 560, 697.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch Seydlitz gab 1923 auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Räteidee lebte aber im zivilen Bereich weiter. Garbe hatte den Vorsitz im Arbeiterrat mit seiner Ernennung zum Gouverneur abgegeben. Nachfolger wurde Peter Hillbrecht (SPD), zweiter oder gleichberechtigter Vorsitzender J. Claßen (auch Classen geschrieben) von der USPD. Der Rat gab seinen Anspruch, als provisorische Regierung der Provinz Schleswig-Holstein zu fungieren, an den neu gebildeten Volksrat ab. Diesem gehörten auch Vertreter anderer Räte aus Schleswig-Holstein sowie kurzzeitig ein Mitglied des OSR an.&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhl, Garbe, S. 48 f. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während der Soldatenrat als wichtigstes Ziel eine Demokratisierung des Militärs verfolgte, stand bei dem Arbeiterrat die Demokratisierung der Wirtschaft im Zentrum. Besonders die Führer der Werften gehörten meist der rechtsradikalen Deutschen Vaterlandspartei an. Sie besaßen einen großen politischen Einfluss. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitte März wurden Neuwahlen zu den Arbeiterräten durchgeführt. Die Parität mit der USPD wurde aufgegeben, damit konnte diese nur noch eine marginale Rolle in den Räten spielen. Die Beteiligung an den Wahlen war gering, was zu einem weiteren Bedeutungsverlust führte. Im neu konstituierten Arbeiterrat wurden Peter Hillbrecht zum ersten und Otto Eggerstedt&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Eggerstedt (1886–1933 im KZ Esterwegen ermordet) erlernte den Beruf des Bäckers und war Soldat im Ersten Weltkrieg. Er berichtete, wie er dazu beitrug, dass sich auf dem Rückmarsch von der Front Soldatenräte bildeten (Otto Eggerstedt: Die Revolution im Felde! In: SHVZ, 5. November 1919). Zurück in Kiel engagierte Eggerstedt sich stark bei Versuchen eine demokratische Einwohnerwehr aufzubauen und war während des Kapp-Putsches an führender Stelle am Aufbau der Arbeiterwehr beteiligt. Ab Juli 1919 war er Parteisekretär der SPD in Kiel und von 1919 bis 1924 Stadtverordneter von Kiel. Im März 1921 rückte er für Albert Billian in den Reichstag nach, dem er durchgehend bis 1933 angehörter. Ab 1927 war er in der preußischen Verwaltung tätig, ab April 1928 als Regierungsrat und Leiter des Polizeiamtes Wandsbek. Ab 1929 wurde er, das erste halbe Jahr kommissarisch, Polizeipräsident von Altona-Wandsbek mit Sitz in Altona. In seine Dienstzeit fiel der so genannte Altonaer Blutsonntag, der als Anlass für die Beseitigung der sozialdemokratischen preußischen Regierung, eines der letzten Bollwerke gegen die Machtübernahme durch die Nazis, herhalten musste. Vgl. Autoren der SPD-Geschichtswerkstatt: Otto Eggerstedt. Online zugänglich (aufgerufen am 25. September 2024) unter: [https://www.spd-geschichtswerkstatt.de/wiki/Otto_Eggerstedt].&amp;lt;/ref&amp;gt; zum zweiten Vorsitzenden gewählt. Weitere Mitglieder waren der Redakteur der SHVZ Bernhard Rausch und J. Classen (oder Claßen) für die USPD. Als Aufgaben des Rats wurde benannt: Den Räten sollte nicht die ganze politische Macht übertragen werden, sondern sie sollten „die denkbar wichtigsten wirtschaftlichen Aufgaben“ erhalten: die „Mitleitung der Fabrikbetriebe und die Sozialisierung“. Sie sollten politisch fortwirken, solange der Beamtenkörper nicht hinreichend demokratisch erneuert sei.&amp;lt;ref&amp;gt;Anonym: Der Kieler Arbeiterrat. In: SHVZ, 24. März 1919.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich musste der Arbeiterrat im September seine Arbeit einstellen, weil keine Gelder mehr bewilligt wurden. Im Zuge des reformierten – nunmehr demokratischen – Wahlrechts waren jedoch viele seiner Mitglieder und Beigeordneten in die entsprechenden Gremien gewählt worden und konnten so – anders als bei den Soldatenräten – weiter Einfluss ausüben. Für Garbe war diese Entwicklung folgerichtig. Er sagte in seiner Wahlkampfrede anlässlich seiner Kandidatur für die Kommunalwahl Anfang März in Kiel: „Ich bin kein großer Freund der Arbeiterräte, deren Zeit bald vorbei sein dürfte. […] Die Räte sollen im Rathaus sitzen. […] wo sie besser arbeiten können wie heute als Beiräte.“&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhl, Garbe, S. 49 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Räteidee war auch von der Nationalversammlung aufgenommen worden, insbesondere, um der in der Arbeiterbewegung weit verbreiteten, immer wieder vorgetragenen Forderung nach Sozialisierung und Demokratisierung der Wirtschaft entgegenzukommen. Eine Kombination von Parlamentarismus und Rätesystem war also durchaus denkbar.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. dazu Peter von Oertzen: &#039;&#039;Betriebsräte in der Novemberrevolution. Eine politikwissenschaftliche Untersuchung über Ideengehalt und Struktur der betrieblichen und wirtschaftlichen Arbeiterräte in der deutschen Revolution 1918/19.&#039;&#039; Düsseldorf 1963 (Beiträge zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien, Band 25), S. 57–67.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Gespräch waren etwa Wirtschaftsräte, doch erst 1930 wurde ein Entwurf für die Ausgestaltung des Reichswirtschaftsrats vorgelegt, der jedoch zu der Zeit keine Aussichten mehr auf Umsetzung hatte und nicht die notwendige Zweidrittelmehrheit erhielt. Übrig blieben schließlich nur noch die Betriebsräte. Im Februar 1920 wurde das Betriebsrätegesetz verabschiedet, das allerdings die Mitwirkungsmöglichkeiten nach ursprünglichen Forderungen einer weitgehenden Kontrollfunktion  nur noch auf soziale Belange beschränkte. Garbe, der vermutlich hinter der Aussage in der SHVZ stand, dass man den Arbeiterräten die „Mitleitung der Fabrikbetriebe“ übertragen wollte, äußerte sich in seinem Bericht im Jahr 1920 entsprechend enttäuscht über das Betriebsrätegesetz.&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhl, Garbe, S. 50.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
Damit war die Rätebewegung in Kiel, die die politische Demokratie erkämpft hatte, mit ihren weitergehenden Vorstellungen einer Demokratisierung von Militär und Wirtschaft gescheitert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellen und Literatur ==&lt;br /&gt;
* Lothar Popp, Karl Artelt: &#039;&#039;Ursprung und Entwicklung der November-Revolution 1918. Wie die deutsche Republik entstand.&#039;&#039; Kiel 1918. Reprint als Sonderveröffentlichung der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Band 15, S. III 1–30. Im Jahr 2020 leicht gekürzt und kommentiert veröffentlicht in: IG Metall Bezirksleitung Küste (Hrsg.): &#039;&#039;Matrosenaufstand und Novemberrevolution 1918.&#039;&#039; Hamburg 2020, S. 96–115, ISBN 978-3-96488-063-5.&lt;br /&gt;
* Gustav Noske: &#039;&#039;Von Kiel bis Kapp. Zur Geschichte der deutschen Revolution.&#039;&#039; Berlin 1920 ([https://portal.dnb.de/bookviewer/view/1131562372#page/n6/mode/1up Digitalisat]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Klaus Kuhl: &#039;&#039;Gustav Garbe – bedeutender Kieler Gewerkschaftsfunktionär, Vorsitzender des Kieler Arbeiterrats und zweimaliger Gouverneur. Mit Vorworten von Frank Hornschu, Geschäftsführer und Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes Kiel Region, und von Stephanie Schmoliner, 1. Bevollmächtigte der IG Metall Kiel-Neumünster.&#039;&#039; Kiel 2023.&lt;br /&gt;
* Martin Rackwitz: &#039;&#039;Kiel 1918. Revolution, Aufbruch zu Demokratie und Republik.&#039;&#039; Kiel 2018, ISBN 978-3-529-05174-6.&lt;br /&gt;
* Dirk Dähnhardt: &#039;&#039;Revolution in Kiel. Der Übergang vom Kaiserreich zur Weimarer Republik 1918/19.&#039;&#039; Karl Wachholtz, Neumünster 1978, ISBN 3-529-02636-0.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
* Wikipedia: Arbeiter- und Soldatenrat [https://de.wikipedia.org/wiki/Arbeiter-_und_Soldatenrat].&lt;br /&gt;
* [[Zeitzeugen_Matrosen%E2%80%93_und_Arbeiteraufstand_1918/1919|Zeitzeugen]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references group=&amp;quot;A&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:1911-1920]] [[Kategorie:Erster Weltkrieg]] [[Kategorie:Kieler Arbeiter- und Matrosenaufstand]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Klaus Kuhl</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://kiel-wiki.de/index.php?title=Zeitzeugen_Matrosen%E2%80%93_und_Arbeiteraufstand_1918/1919&amp;diff=65494</id>
		<title>Zeitzeugen Matrosen– und Arbeiteraufstand 1918/1919</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://kiel-wiki.de/index.php?title=Zeitzeugen_Matrosen%E2%80%93_und_Arbeiteraufstand_1918/1919&amp;diff=65494"/>
		<updated>2024-11-27T12:58:42Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Klaus Kuhl: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Die folgende Zusammenstellung basiert auf der Sammlung von Klaus Kuhl und wurde von ihm von seiner Webseite kurkuhl.de hierher übertragen. Dabei wurden Ergänzungen vorgenommen und die Interviews, Manuskripte, Auszüge aus der Literatur etc. wurden übersichtlicher präsentiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusätzlich zu den auf dieser Seite vorgestellten Berichten verfügt Kuhl über eine Reihe weiterer, die er als weniger bedeutend und/oder belastbar einschätzt. Ein kompletter Überblick, z.&amp;amp;nbsp;T. mit Auszügen oder Zusammenfassungen, wird in dieser Datei geboten: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Kuhl_zeitzeugenliste-matrosen-und-arbeiteraufstand.pdf PDF-Datei]. Das Dokument ist noch nicht komplett fertiggestellt und befindet sich noch in Bearbeitung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdem wird in den folgenden Unterabschnitten über verlinkte Personenseiten auf deren jeweilige Berichte aus der Zeit des Matrosen- und Arbeiteraufstands eingegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anführer des Aufstands ==&lt;br /&gt;
=== Lothar Popp ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Lothar popp mid-1920s.jpg|thumb|Passfoto Lothar Popps aus dem [[Hamburger Staatsarchiv]], aufgenommen vermutlich Mitte der 1920er Jahre.]] &lt;br /&gt;
[[Lothar Popp]] (1887–1980) war als Schlosser dienstverpflichtet auf der Germania-Werft. Er schrieb seine Erlebnisse zusammen mit Karl Artelt bereits im Dezember 1918 auf.&amp;lt;ref&amp;gt;Lothar Popp unter Mitarbeit von Karl Artelt: &#039;&#039;Ursprung und Entwicklung der November-Revolution 1918. Wie die deutsche Republik entstand.&#039;&#039; Behrens, Kiel 1919, Reprint als Sonderveröffentlichung 15 der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Kiel 1983. Im Jahr 2020 leicht gekürzt und von Klaus Kuhl kommentiert veröffentlicht in: IG Metall Bezirksleitung Küste (Hrsg.): Matrosenaufstand und Novemberrevolution 1918. Hamburg 2020, S. 96-115, ISBN 978-3-96488-063-5.&amp;lt;/ref&amp;gt; Unter den Nazis musste er das Land verlassen. Nach seiner Rückkehr aus den USA stellte er sich bereitwillig für Gespräche und Interviews zur Verfügung: Gespräche mit Volker Ullrich (1970 und 1972), Gespräch mit [[Dirk Dähnhardt]] (1975), Interviews vom WDR und NDR, Interview von Ute Kohrs (1976), Interview geführt von Klaus Kuhl (1978), Gespräch mit Bernd Michels für das „Sozialdemokrat Magazin“ (1978), Interview geführt von Christian Blöss (1978). Alle bisher bekannten Gespräche, Berichte und Interviews sind im Anhang des Mitschnitts des von Klaus Kuhl geführten Interviews („Streitgespräch mit einem 68er“) wiedergegeben (Link siehe unten). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszüge aus dem von Klaus Kuhl geführten Interview:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Am 28. Oktober 1918 erhielt die Hochseeflotte den Befehl zum Auslaufen. Die Matrosen nahmen gewiss zu recht an, dass die Flotte in einem letzten Verzweiflungskampf lieber untergehen sollte als in den Waffenstillstandsverhandlungen mit den Alliierten ausgeliefert zu werden. Die Heizer rissen die Feuer heraus und verhinderten so das Auslaufen der Schiffe. Abordnungen der Matrosen erklärten, sie seien bereit, die Küste gegen einen Angriff zu verteidigen, aber sich sinnlos einem sicheren Untergang preiszugeben, dazu seien sie nicht bereit. Cirka 800 Mann wurden festgenommen ....&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Popp merkte an, dass die Gefangenen nach Kiel gebracht worden seien. Nach den Recherchen Dähnhardts (Revolution in Kiel, 1978, S. 109) waren die vor Wilhelmshaven Verhafteten in eine Haftanstalt in Bremen-Oslebshausen gebracht worden und waren nach dem Matrosenaufstand von Kieler Matrosen befreit worden. Dabei stützt er sich auf Veröffentlichungen von Peter Kuckuk und Ulrich Kluge. Nach Kiel wurden die während der Fahrt durch den Nord-Ostsee-Kanal verhafteten 48 „Rädelsführer“ gebracht, sowie am Morgen des 3. November weitere 57 Verhaftete der „Markgraf“.&amp;lt;/ref&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Da den Matrosen [in Kiel] jede Versammlung verboten wurde, begannen sie zu demonstrieren. Um fünf Uhr nachmittags (am 3. November 1918) versammelten sich etwa zehntausend Matrosen und einige tausend Arbeiter, zogen zunächst zur &amp;quot;Waldwiese&amp;quot; und holten die dort Gefangenen heraus; wobei sich eine erhebliche Anzahl bewaffnete.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Der Zug bewegte sich dann zur Militärstrafanstalt in der Feldstraße. Marineinfanterie, die den Zug aufhalten sollte, weigerte sich. Jedoch an der Feldstraße gab es einen Zusammenstoß mit einer Gruppe, die als Applikanten und Maaten extra zusammengestellt war. Es gab acht Tote und zwanzig Verwundete.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Nach den Untersuchungen Dähnhardts gab es 7 Tote bei der Schießerei. Es waren keine Frauen und Kinder unter den Opfern. Eine Frau war kurze Zeit vorher im Verlauf des Demonstrationszuges unter eine Straßenbahn geraten und gestorben. Zwei verwundete Personen starben später. Damit kamen insgesamt 10 Personen im Rahmen der Ereignisse des 3. November ums Leben.&amp;lt;/ref&amp;gt; Doch die Bewegung war nicht mehr aufzuhalten. Immer mehr Einheiten schlossen sich der Bewegung an. Es wurden Soldatenräte gegründet.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In jeder Kaserne wurde extra Revolution gemacht, auf jedem Schiff extra. Auf einem Schiff haben sie mich geholt. Die kamen an, ich soll mit an Bord kommen. Wenn ich mir das heute so überlege, ich steige in so ein Boot, kommt der nächste Offizier und knallt dich über den Haufen. Ist ja toll, dass das damals nicht passiert ist. Sie müssen sich vorstellen, ich klettere nun an Bord, haben ein paar mich geholt, und dann sage ich zu dem Kommandanten, er soll alles antreten lassen, und der macht das! War auf der &amp;quot;Bayern&amp;quot;, war ein großes Schiff. Ich halte einen Speech, die ziehen die Rote Fahne hoch und damit hat sich das. (In einem anderen Interview bemerkte Popp dazu: ... ich habe hinterher noch mit dem Kommandanten gesprochen, der hatte selber die „Schnauze voll“).&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Kuhl: Der Noske ist doch gekommen, um die Revolution praktisch abzuwürgen. (Popp: Ja das ist ihm nicht gelungen.), aber wieso wird er dann in den Vorsitz des Soldatenrats gewählt?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Popp: Ja, wer war denn der Soldatenrat, die kannten einander ja kaum. Das waren doch keine von vornherein politisch ausgerichteten Leute. Ich habe dann noch den Fehler gemacht, da war ein Soldat dabei, den ich persönlich kannte. Den habe ich gerufen, den haben sie dann mitgewählt. Das war mit die grösste Dummheit, die es gab. das war ein schauerliches Mannsbild. Wir kannten einander ja kaum. Da war doch keine Rede davon. Ich weiß gar nicht, wie viele Soldatenräte es damals gab. Da in der Ecke wählten sie einen, da einen, da einen. Die richtigen Soldatenräte, das organisatorische, das gab’s doch erst, nachdem ich das organisiert hatte. Das waren doch wilde Geschichten. Kuhl: Haben Sie nicht versucht, zu verhindern, dass Noske gewählt wurde? Popp: Ja, warum denn? Ja, ich konnte doch die SPD nicht ausschalten! Hören Sie doch mal zu! Nun gehen Sie mal, wenn Sie einer sind, und die anderen sind zehn, wollen Sie die ausschalten die zehn? Wie machen Sie das? Kuhl: Man kann es doch auf alle Fälle versuchen. Popp: Nee, das ist ja putschen Menschenskind!&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum vollständigen Dokument mit allen weiteren bisher bekannten Aussagen im Anhang: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:kuhl_streitgespraech-m-l-popp_1978_plus-weitere-interv-u-gespraeche.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Karl Artelt ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Artelt and comrades Kiel-Wik 1914.jpg|200px|thumb|Karl Artelt, I. Werftdivision, links, (Ausschnittsvergrößerung rechts), gemeinsam mit Kameraden der I. Torpedo-Division in Kiel-Wik, September 1914]]&lt;br /&gt;
[[Karl Artelt]] (1890–1981) kam aus einem Dorf in der Nähe von Magdeburg. Er war Maschinenschlosser und diente zunächst in der I. Werft-Division und dann in der I. Torpedo-Division in Kiel Wik. Er war wie Popp Mitglied der USPD. Zusammen mit ihm schrieb er die o. g. Broschüre, wozu er hauptsächlich die Ereignisse in der Wik, sowie die erste Verhandlungsrunde beim Gouverneur beitrug. Er war ein ausgesprochen mutiger Mensch und hatte maßgeblich Anteil daran, dass die Marineangehörigen in der Wik die Offiziere entmachteten. Er wurde zum Vorsitzenden des ersten Soldatenrats in der Wik gewählt. Während Popp auch später in etwa bei den in ihrer Broschüre niedergelegten Darstellungen blieb, stellte Artelt die Ereignisse in der Folgezeit immer dramatischer und seine eigene Rolle als immer wichtiger dar. Im Jahr 1958 veröffentlichte er einen Artikel&amp;lt;ref&amp;gt;Karl Artelt: Mit der roten Fahne zum Vizeadmiral Souchon [Souchon war im August 1918 bereits zum Admiral befördert worden]. In: Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED: Vorwärts und nicht vergessen – Erlebnisberichte aktiver Teilnehmer der Novemberrevolution 1918/1919. Berlin 1958, S. 89–100.&amp;lt;/ref&amp;gt; in einem Sammelband mit Erlebnisberichten aktiver Teilnehmer der Novemberrevolution.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszüge:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Vor dem Kaiser-Cafe empfing uns plötzlich MG-Feuer.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Nach zeitnahen Berichten und Aktennotizen ist hier kein MG eingesetzt worden.&amp;lt;/ref&amp;gt; Unser Demonstrationszug stoppte. Als wir feststellten, daß niemand getroffen worden war, gingen wir weiter. Daraufhin schossen die MG-Schützen direkt in unseren Zug hinein. Vierzig bis fünfzig Demonstranten, darunter auch Frauen und Kinder, brachen unter den Kugeln zusammen. Acht von ihnen wurden getötet und 29 schwer verletzt.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Es gab sieben Tote und 29 Verletzte, darunter waren keine Frauen oder Kinder.&amp;lt;/ref&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Durch die Massen ging ein Schrei der Entrüstung und des Protestes. Nachdem die Mörder, die unter dem Kommando des Leutnants Steinhäuser standen, ... nicht bereit waren, das Feuer einzustellen, sprang ein Matrose ... vor und schlug den Leutnant Steinhäuser mit dem Gewehrkolben nieder. ...Junge Matrosen und Arbeiter stürmten die Stellung der Maschinengewehrschützen und schlugen sie in die Flucht.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Am anderen Morgen (4.11.1918, Klaus Kuhl) mußten alle Truppenteile in Kiel zum Appell antreten. ... Nach den üblichen Meldungen bestieg der Divisionskommandeur, Kapitän zur See Bartels, einen bereitgestellten Tisch und hielt eine Ansprache ... Er schilderte die gestrigen Vorkommnisse, sagte auch, dass die Luft mit Hochspannung geladen sei, dass aber ein Soldat sich nicht mit Politik zu befassen habe, da er von Politik nichts verstünde. Nachdem er den Tisch verlassen hatte, ... Kurz entschlossen sprang ich hinauf, hielt ebenfalls eine kurze Ansprache und forderte die Matrosen zur Wahl von Soldatenräten auf. Offiziere, die mich vom Tisch herunterzuschiessen versuchten, wurden von Matrosenfäusten rücksichtslos entwaffnet.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Auch hier handelt es sich um eine spätere Ausschmückung Artelts.&amp;lt;/ref&amp;gt; Anschliessend stürmten wir unsere Waffenkammern und wählten in allen Kompanien Soldatenräte. Ich wurde zum Vorsitzenden des Soldatenrates gewählt.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Nach kurzer Zeit erhielten wir die Meldung, dass ich sofort zum Gouverneur kommen möchte. Wir machten ein Auto klar, holten von einem Torpedoboot eine große rote Fahne, die größer als das Auto war, und bereiteten die Abfahrt vor. Als wir das Zimmer des Gouverneurs betraten, merkte ich, wie dieser sich förmlich zwingen mußte, mit uns zu unterhandeln. ... Er kam uns entgegen und sagte: &amp;quot;Ich danke Ihnen, dass sie die Courage aufgebracht haben, herzukommen.&amp;quot; Bevor wir in Verhandlungen mit ihm eintraten, fragte ich ihn, ob er uns als die von den Soldaten gewählten Vertrauensleute anerkenne und auf gleichberechtigter Basis mit uns verhandeln würde. Angesichts der realen Tatsachen antwortete er gezwungenermaßen mit &amp;quot;Ja&amp;quot;. Ich erklärte ihm nunmehr, dass wir zunächst die Fragen klären müßten, die in seinem Machtbereich liegen. Gleichzeitig warnte ich ihn jedoch .... Landtruppen gegen die revolutionären Matrosen einzusetzen. In diesem Falle hätte das III. Geschwader die Anweisung, das Offiziersvillenviertel Düsternbrook unter Feuer zu nehmen und alles in Schutt und Asche zu legen. ... gab er sofort in meiner Gegenwart die Erklärung ab, keine auswärtigen Truppen heranzuziehen und die schon auf dem Transport befindlichen ... zurückzuschicken. Außerdem teilte er uns noch mit, dass der Abgeordnete Noske und Staatssekretär Haußmann nach Kiel kommen würden, um mit uns weiter zu verhandeln.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Zur Frage warum Noske in Kiel relativ freie Hand erhielt, nahm Artelt in den 1960er Jahren auf Fragen von Angehörigen der Volksmarine wie folgt Stellung (nach Robert Rosentreter, &amp;quot;Blaujacken im Novembersturm&amp;quot;, Dietz Verlag, 1988, S. 250 f.): Karl Artelt hat auf diesbezügliche Fragen von Angehörigen der Volksmarine immer wieder betont, dass ihm und anderen Genossen die Rolle Noskes durch dessen Verhalten erst nach und nach bewußt geworden wäre. Artelt selbst und andere ... hätten zwar gewußt, dass Noske zu den rechten Kräften in der Partei gehörte, ihn aber doch immerhin als sozialistischen Parteifunktionär angesehen und gehofft, dass er in der Revolution eine den Arbeitern nützliche Politik machen würde, keineswegs hätte jemals jemand gedacht, dass er bereit sein könnte, auf Arbeiter schießen zu lassen ....&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gustav Garbe ===&lt;br /&gt;
[[Datei:gustav_garbe.jpg|150px|thumb|right|Foto Gustav Garbes aus dem Kieler Gewerkschaftshaus, aufgenommen vermutlich in den 1920er Jahren.]]&lt;br /&gt;
Der bekannte Kieler Gewerkschaftsfunktionär, Gustav Garbe (SPD, 1865–1935), wurde am 5. November 1918 zum Vorsitzenden des neu gebildeten Kieler Arbeiterrats gewählt. Er wurde zunächst als zögerlich wahrgenommen, weil er vergeblich die Marineangehörigen aufforderte mit der Bewegung noch „ein bis zwei Tage zu warten, da von den Werftarbeitern etwas ähnliches geplant sei.“ Er zeigte sich jedoch als tatkräftige Person und widersetzte sich mit Lothar Popp zusammen Gustav Noskes Vorstoß, den Aufstand abzubrechen. Der Schulterschluss zwischen Matrosen und Arbeitern wurde damit eindrucksvoll dokumentiert und es ist somit völlig berechtigt von einem Matrosen- und Arbeiteraufstand zu sprechen. Auf diesen Vorfall bezog sich Garbe, wenn er 1919 auf einer Konferenz der Metallarbeitergewerkschaft in Stuttgart sagte:&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Erst dadurch, dass die Soldaten und Arbeiter Hand in Hand gingen, erst dadurch, dass man sich seinerzeit, obgleich man den Haußmann und den Noske hat nach Kiel kommen lassen, wo wir sie damals eingewickelt haben, nicht hat beeinflussen lassen, erst dadurch ist es möglich geworden … &amp;lt;ref&amp;gt;Deutscher Metallarbeiter-Verband (Hrsg.): Protokoll der Konferenz der Bevollmächtigten des D.M.-V., abgehalten vom 16. bis 18. Juni 1919 im Saale des Stadtgartens in Stuttgart. Stuttgart 1919. Garbes Rede ist auf den Seiten 61. ff. wiedergegeben.&amp;lt;/ref&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Die im Folgenden angegebene PDF-Datei enthält Hinweise auf ausführliche Artikel über Garbe sowie eine kurze Biografie, Redebeiträge und schriftliche Zeugnisse Garbes: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Kuhl_gustav-garbe_2023.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mannschaftsangehörige Marine, untere Dienstgrade ==&lt;br /&gt;
=== Karl Bock ===&lt;br /&gt;
Karl&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Im SED-Parteiarchiv wird sein Vorname in zwei Fällen auch mit „C“ geschrieben. Dies basiert aber offensichtlich auf einem Übertragungsfehler.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bock (* 1896) kam aus Berlin und war Torpedoheizer bzw. Torpedomaschinist auf „Markgraf“. Er schrieb im November 1918 einen Brief an seine Schwester. Im Jahr 2024 wurde eine ausführliche Quellenanalyse vorgenommen, da von Seiten des Deutschen Historischen Museums (wo weitere Dokumente von Bock vorliegen) von einer Fälschung ausgegangen wurde. Die Analyse ergab jedoch, dass die Dokumente verschiedentlich überarbeitet worden waren, ohne dies in den SED-Archiv-Dokumenten kenntlich zu machen, dass aber keine Fälschung vorliegt. Die Analyse wird in dem unten verlinkten PDF-Dokument detailliert beschrieben. Im Jahr 1957 erstellte Bock außerdem einen schriftlichen Bericht über seine Erlebnisse auf Anforderung der SED.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszüge aus dem Brief an seine Schwester nach der vermuteten frühesten Abschrift:&lt;br /&gt;
:’’Jedenfalls war einstimmig beschlossen, daß wir nicht rausfahren und daß hatten wir durchgesetzt. Am anderen mittag fuhren wir nach Kiel, auf der Fahrt hatten wir die vollsten Beweise, daß doch etwas geplant war, also ist es doch in dieser Hinsicht gut gewesen, wer weiß ob ich heut noch lebte! So liegen wir im Kieler Hafen. Übrigens hatten wir noch eine Verfügung vom Flottenchef, die besagte, daß unsere Beunruhigung jeder Grundlage entbehre, (Wir haben Beweise). […] Heute haben sie nämlich in aller Heimlichkeit mindestens 60 Mann zu schweren Arrest verurteilt, in aller Heimlichkeit wie die schwersten Verbrecher an Land gebracht. Sodaß wir es erst zu spät wussten. Einige, die sich zu weit geäußert haben, sitzen in Untersuchung. Das wird ja nun nicht so vorübergehen, zweitens wird die Sache auch im Reichstag kommen. Jedenfalls kann man allerhand erwarten hier. Also wundere Dich nicht, wenn mir etwas gleichartiges passiert. Jedenfalls wir kämpfen für unser Leben, aber wollen es nicht einsetzen für Heldentod und gleichartiges. Die Zeiten sind vorbei, die Zeiten sind reif, zur Zertrümmerung von Götzenbildern, jetzt.’’&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den vollständigen Dokumenten, die auch die Diskussionen unter den Mannschaften und mit den Offizieren enthält, als das III. Geschwader nach Travemünde weiterfuhr und dort vor Anker ging, sowie einen Vergleich mit den Aussagen des Wachoffiziers Karl von Kunowski und des 1. Offiziers Wilfried von Loewenfeld (PDF): [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Bock-kunowski-loewenfeld_markgraf_1918.pdf].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wilhelm Kleineweber ===&lt;br /&gt;
Kleineweber (*1900) war Rekrut bei der I. Torpedo-Division in Kiel Wik. Er gehörte der Patrouille an, die unter Führung von Leutnant Steinhäuser am 3. November auf die Demonstranten schoss. Er war dann für viele Jahre bei der Polizei, lebte in Eckernförde und wurde als Polizeihauptmann pensioniert. Er gab der Eckernförder Zeitung 1969 ein Interview, ebenso dem NDR (vermutlich Ende der 1970er Jahre) und es fanden zwei Gespräche mit Dirk Dähnhardt statt (Mitte und Ende der 1970er Jahre).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszüge:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Und so marschierten wir in die Feldstraße und zwar bis zum langen Segen, ... Und da war eine Kette gezogen von Schutzleuten, Schutzleuten von der blauen Schutzmannschaft in Kiel. ... Wie der Zug nun kam, wurden die Schutzleute sofort blitzartig aufgerieben und die türmten in den Langen See hinein. Und dann ging der Leutnant Steinhäuser vor uns vorweg zu der Spitze des Zuges, das war ein unheimlich langer Zug gewesen, man sprach von 20.000 Mann. ... Und dann ging der Leutnant Steinhäuser vorweg und mahnte, sie sollten vorsichtig sein, sie sollten zurückgehen und sofort und so weiter und dann ist ein Schuss gefallen. Woher der Schuss gekommen ist, kann ich Ihnen nicht sagen, man hat einmal festgestellt, der Schuss soll von uns aus gekommen sein. Ich kann es nicht bestreiten, ich glaube es aber nicht. Ich glaube eher, dass er aus der Menge gekommen ist, die waren ja alle bewaffnet schon.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Nach der detaillierten Analyse der Vorgänge gab Steinhäuser Feuerbefehl, wobei die Rekruten fast alle in die Luft schossen. Nach nochmaligem Feuerbefehl schossen sie in Panik auf die erneut anstürmenden Demonstranten und flohen dann, wobei Steinhäuser allein zurückblieb. Ein Polizeimeister und der in der Nähe weilende Marineoffizier Karl Weiß kamen ihm zu Hilfe. Alle drei wurden schwer verletzt.&amp;lt;/ref&amp;gt; Jedenfalls wurden wir überrumpelt. Der Leutnant Steinhäuser kriegte, soweit ich das mitbekommen habe, einen mit dem Kolben über den Schädel und er wurde dann in dieses Lokal neben dem Stadtcafe hineingeschleppt und wir waren der Meinung, sie hätten ihn totgeschlagen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum vollständigen Dokument, mit den genannten Interviews und Berichten inklusive eines Kommentars von Klaus Kuhl: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:kleineweber_interviews_1960er-und-70er-jahre.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Alfred Schwabe ===&lt;br /&gt;
[[Datei: alfred-schwabe_1923.jpg|150px|thumb|Alfred Schwabe 1923, zur Verfügung gestellt von Gerd Kassner, der Alfred Schwabe noch persönlich gekannt hatte.]]&lt;br /&gt;
Alfred Schwabe (1892–1973) war U-Boot Fahrer und nahm im November 1918 an einem U-Bootslehrgang in der Uboot-Division in Kiel-Wik teil. Er wurde von Offizieren mit seinen Kameraden herangezogen, die Aufständischen in der Wik zu bekämpfen. Er verfasste darüber vermutlich in den 1950er/60er Jahren einen schriftlichen Bericht, wahrscheinlich auf Anforderung der SED. Er wurde jedoch nicht veröffentlicht oder archiviert und gelangte über die Familie Artelt (Schwabe hatte ihn Karl Artelt zur Verfügung gestellt) an Klaus Kuhl.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszüge:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Als ich mit Matrosen der grossen Schlachtschiffe, der Kreuzer und der immer in See stehenden Torpedoboote bekannt wurde, spürte ich dass dort ein anderer Wind wehte, als auf unserem U-Boot. Bei uns war des ganze Boot auf jeden Einzelnen angewiesen, von Offiziersdrill war nichts zu spüren. Aber das furchtbare Völkermorden hatten wir trotzdem satt, die Sehnsucht nach Frieden war vorherrschend. Als ich auf Urlaub kam, kannte ich meine Eltern kaum noch, so abgemagert und verbissen waren sie, und wir versenkten im Mittelmeer Schiffe und wieder Schiffe, gefüllt mit Lebensmitteln aus Amerika. ... Am Morgen ... erhielt unser Lehrgang, es waren gegen 40 Maate und 10 Obermatrosen, Pistolen und Munition ausgehändigt. Wir marschierten nach der Werftdivision Kiel - Wik. ... Wir marschierten diagonal über den Exerzierplatz. An der rechten Ecke am Hafen standen 150 - 200 Matrosen bei einer Versammlung. Wir wurden in die Turnhalle geführt. Ein junger Leutnant hatte das Kommando und hielt eine Ansprache. Heldentum und Treue zu den Offizieren, Kampf gegen die Meuterer war der Inhalt. ... Minuten war es kirchenstill. Plötzlich ein Gebrüll von weit her, aber es kam näher und näher. &amp;quot;Achtung, Ächtung! Pistolen laden und sichern!“ Im Flüsterton bei den Obermatrosen: &amp;quot;wir schiessen nicht, wir schiessen nicht“. Gegenzug rechts! Marsch! Zur Turnhalle hinaus!“ Wir Obermatrosen waren am Schluss des Zuges und somit den anstürmenden teils bewaffneten Matrosen am nächsten. Es waren die, welche die Versammlung auf dem Exerzierplatz durchführten. Etwa 10 mtr vor der Menge liefen 2 Matrosen und riefen uns zu: &amp;quot;Kameraden werft die Waffen weg oder kommt mit den Waffen zu uns, schiesst nicht auf Eure Kameraden. Nieder mit dem Krieg! Nieder mit den Kriegsphantasten!“ Achtung! Achtung! Feuer, brüllte unser Leutnant. Eine Anzahl Schüsse fielen, aber ich habe nicht gesehen, dass einer getroffen war. Ich war nicht einen Moment unschlüssig; schon zogen wir die anderen zu uns herüber bezw. hinüber. „Los rüber, Schiet op den Krieg! Ein Teil der Maate schloss sich an. Es fielen wieder Schüsse von unserem linken Flügel der Maate oder dem Leutnant; denn 2 übergelaufene Maate waren getroffen und wurden fortgetragen. Der Leutnant war aber plötzlich spurlos von der Bildfläche verschwunden und hat nie wieder in Kiel unseren Bug gekreuzt. Wir, der verstärkte Haufen, rannten nun in die Kasernenblocks, riefen den Matrosen unsere Parolen zu und forderten sie auf, uns zu folgen. Viele schlossen sich an, ein Teil verhielt sich passiv. Offiziere waren eigentlich wenig da und die anwesenden wurden teils mit Güte, teils mit Gewalt, abgetakelt, d. h. die Epauletten und die Kokarden abgemacht. Und so ging es etwa 15 Häuserblocks durch, der Haufen wurde immer grösser und grösser. Leider waren aber auch schon die Räuber am Werk; denn aus den Kleiderkammern und Magazinen stürzten gefüllte Seesäcke aus den oberen Etagen und wurden fortgeschleppt. Aber das liess uns z.Z. kalt. Wir stürmten weiter. Nachdem alle Kasernenbauten abgekämmt waren, eilten wir an die Hafenmole. Zwei Torpedoboote wurden durch Schüsse und Zurufe aufgefordert die rote Flagge zu hissen. Es waren die ersten Schiffe, welche in Kiel die rote Flagge am Mast hochzogen. Leider sind mir die Nummern entfallen. Viele Boote folgten; Pinassen fuhren mit roter Heckflagge zu den dicken Kasten und forderten sie auf sich uns anzuschliessen. Starkbesetzte Boote brachten immer mehr revolutionäre Truppen an Land. Mein Wohnschiff, der älteste Kasten der Marine SMS &amp;quot;Mars“ (Bordwände aus Holz) hatte 1866 gegen die Dänen mitgekämpft, setzte sich lange zur Wehr. 2 rote Matrosen mit weisser Parlamentärflagge wurden zum Verhandeln an Bord geschickt und erreichten, dass doch eindrucksvoll die Kriegsflagge gestrichen wurde und die rote Flagge am Mast hochging. Ein grosser Teil der Matrosen zog durch die Strassen von Kiel und es erfolgte eine systematische Entwaffnung der Offiziere. Das Abtackeln war manchen Matrosen eine wahre Wollust, konnten sie sich doch für Drill und Erniedrigungen rächen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum vollständigen übertragenen und kommentierten Dokument: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:schwabe_manuskript_1950-60.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Fritz Fischer ===&lt;br /&gt;
Fritz Fischer fuhr als Obermatrose auf Torpedobooten und Zerstörern. Er war verschiedentlich widersetzlich und überzog seinen Urlaub. Er erhielt deshalb Strafen und wurde zum Matrosen degradiert. Im Oktober 1918 gehörte er der I. Torpedo-Divison in Kiel-Wik an. Später wurde er ein bekannter Intendant und verfasste 1970 seine unveröffentlichten Memoiren. Darin widmet Fischer mehrere Seiten seiner Zeit in der Kaiserlichen Marine und seiner Rolle beim Kieler Matrosenaufstand. Er wurde mit Karl Artelt in den ersten Soldatenrat gewählt und gehörte auch der Delegation an, die vom Gouverneur Souchon ins Stationsgebäude gebeten wurde. Fischer nahm auch an den folgenden zwei Verhandlungen (an der dritten waren auch Noske und Haußmann beteiligt) am selben Tag teil.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auszüge aus den Memoiren:&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Und dann wie ich dort ankam, in Kiel, also wo waren Sie die ganze Zeit, sage ich, ich weiß es nicht. Also kam ich vor das Kriegsgericht und dieser Kriegsrichter ...... also ich kam dauernd zu Vernehmungen, wurde vorgeführt, und inzwischen gärte es natürlich schon bereits. Und eines Tages kam der Moment, … Also wir bekamen die Waffen ausgehändigt mit Munition, dann wurden sie uns wieder weggenommen. … wurde also von Mittags, wurde die ganze Werftdivision und [Torpedo-] Division zusammen auf dem Riesenplatz, den es ja heute noch gibt, zusammengetrommelt und der Kapitän Bartels hielt uns also eine Rede und sagte, was ist eigentlich los mit euch. Und so und so. Und alles fing an zu murren und wir … [gingen] auseinander. Daraufhin wollte er vier, zwei Leute von der Werftdivision und zwei Leute von der Torpedo-Division sprechen. Ich wurde von den Kameraden dazu abgeteilt. Der eine war ein Matrose Artelt und wir haben also gesagt, was wir wollten. Der A. sagte sofortige Abdankung vom Kaiser und ich sagte sofort die Gefängnisse auf, ja von allen Politischen. Währenddem … kam ein Telefunk-Gespräch und es wurde gesagt, wir sollten zum Gouverneur vorgeführt werden. Er wolle uns sprechen in Kiel. Auf einem kleinen Lastwagen fuhren wir also zum Gouverneur, saßen dem gegenüber am grünen Tisch und haben also unsere Anliegen vorgebracht. Der Kriegsgerichtsrat, der mich verhörte, der saß mir gegenüber. Dies sei nebenbei gesagt, es ist ein Stuttgarter gewesen, den ich später im Theater im Foyer getroffen habe.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Zum vollständigen Abschnitt über seine Erlebnisse während des Aufstands: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Fritz-fischer_memoiren-revzeit_1970.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Frederik Matzen, dänisch gesinnter Matrose ===&lt;br /&gt;
Matzen kam aus Gråsten/Gravenstein, das vor dem ersten Weltkrieg zum deutschen Kaiserreich gehörte. Er berichtet in zwei Artikeln des Jahrbuchs dänisch gesinnter ehemaliger Kriegsteilnehmer (DSK) 1963 und 1967 über seine Erlebnisse während des Matrosenaufstands in Kiel. Zu der Zeit erhielt er eine Ausbildung zum U-Bootfahrer und war auf der in der Wik liegenden SMS „Mars“ untergebracht. Seine Einheit wurde in die Stadt geführt, um den Aufstand niederzuschlagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszug aus seinen Berichten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wir wurden von einem Kapitänleutnant geführt. Meine Gruppe wurde von einem Leutnant geleitet, der während des Eilmarsches nach Kiel versuchte, unsere Gunst zu gewinnen, indem er uns auf Plattdeutsch ansprach. Wahrlich, das große Vaterland musste am Rande des Abgrunds stehen! Es war ein dunkler und trüber Regentag, als wir mit vielen anderen Truppenteilen auf dem Kasernenhof der Matrosendivision aufgestellt wurden. […] Der Kommandeur der Marinestation, […] kam mit seinem Stab auf den Platz. Der Admiral war ein kleiner, älterer Mann. Mein bleibender Eindruck von ihm war, dass er kurz davor war, von der großen, mit Gold überladenen Mütze, von den schweren Epauletten auf seinen Schultern und vom Ernst der Lage zu Boden gedrückt zu werden ... &#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den vollständige Artikeln in Deutsch und Dänisch, und weiteren Kiel betreffenden Artikeln aus den Jahrbüchern: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Matzen_DSK_aarbog_1963_1967.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Josef Gerding ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Josef-gerding ca-1917.jpg|150px|thumb|Josef Gerding ca. 1917, Familienbesitz.]]&lt;br /&gt;
Josef Gerding kam aus Metelen, einer kleinen Stadt im heutigen NRW und diente als Matrose auf der SMS &#039;&#039;Westfalen&#039;&#039;. Er beschreibt seine Erlebnisse in einem Dienstjahres-Tagebuch und in Briefen, die von der Familie verwahrt werden. Die Gegenüberstellung mit dem Bericht seines Kommandanten Max Loesch zeigt, dass die Seeoffiziere vor der wirklichen Stimmung ihrer Mannschaften die Augen verschlossen. Während Gerding am 4. November 1918 notiert, dass man sich nach langer Knechtschaft frei gemacht habe, hat Loesch noch am selben Tag „den Eindruck […], daß an Bord noch alles in bester Ordnung sei…“ Gerding erwähnt besonders die drakonischen Maßnahmen der Flottenleitung im Sommer 1917, die von den Besatzungen als großes Unrecht empfunden wurden. Die Seeoffiziere ignorierten die entsprechenden Anzeichen und wurden dann durch Ausmaß und Schnelligkeit des Aufstands im November 1918 überrascht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Am Montag [4. November 1918] Fortsetzung der Unruhen. Abends ging es bei uns an Bord auch los. Nachts um 2 Uhr wurden alle geweckt. Ein Obermatrose der an Land gewesen, berichtete die Zustände an Land auch das ein Arbeiter und Soldatenrat gebildet sei. Wir haben uns dann gleich angeschlossen. Am Dienstag morgen wurde unter Jubel die rote Flagge gehisst. Und sämtliche Schiffe im Kieler Hafen folgten unserem Beispiel soweit sie nicht voran gegangen waren.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwei Briefe, die Gerding nach Hause schickte und Auszüge aus seinem Tagebuch sowie im Anhang der Bericht von Kapitän zur See Max Loesch: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Gerding_tagebuch-briefe_1917-1918.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Marine, mittlere Dienstgrade ==&lt;br /&gt;
=== Fritz Fabian ===&lt;br /&gt;
Fritz Fabian (geb. 1887) kam aus Oberschlesien und diente während des Ersten Weltkriegs als Unteroffizier auf SMS „Kronprinz Wilhelm“. In seinen Revolutionserinnerungen, verfasst vermutlich in den 1920er Jahren, beschreibt er die Ereignisse von Ende 1918 bis etwa 1920. Das Dokument wurde von einem Nachfahren in EUROPEANA eingestellt und von Klaus Kuhl transkribiert (ein Teil wurde auch von Axel Klekers transkribiert) und kommentiert. Der Schreiber hatte ein konservatives und nationalistisches Werteverständnis. Viele der berichteten Details halten einer Überprüfung nicht stand. Fabian versuchte – auch wenn er den Seeoffizieren (eher indirekt) mangelndes Durchgreifen vorwarf, ein positives Bild von ihnen zu zeichnen. In einer mehr nebensächlichen Anmerkung kommt jedoch ganz grundsätzliche Kritik zum Vorschein:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Bei dieser Gelegenheit [Überführung des III. Geschwaders nach Kiel ohne dass die Offiziere sich an der Schiffsführung beteiligen durften] mag wohl manchem jungen Offizier die Erkenntnis gekommen sein, daß es nicht allein nur tüchtige Offiziere, sondern auch hervorragend tüchtige U.O. [Unteroffiziere] gab, deren Tüchtigkeit und Fähigkeit aber nie in gerechter Weise eingeschätzt wurden. […] Wäre dieser Dünkel nicht vorhanden gewesen und wäre die Selbstüberhebung der jüngeren Offiziere nicht systematisch genährt worden, ich glaube, das Seeoffizierkorps und überhaupt die ganze Marine hätte sich vielleicht besser dabei gestanden. Ich erwähne das nur so nebenher.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum vollständigen übertragenen und kommentierten Dokument: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Fabian_revolutionserinnerungen_1924_kommentiert.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Paul Kässner, Oberdeckoffizier ===&lt;br /&gt;
Kässner (geb. vermutlich ca. 1880) schrieb 1932 die Geschichte der Deckoffizierbewegung (Selbstverlag Altona), weitgehend gestützt auf zeitnah verfasste Berichte. Seine Schilderungen zu wichtigen Ereignissen wurden bisher in der Geschichtsschreibung kaum berücksichtigt. Dies betrifft besonders: Bildung der Sicherheitstruppe des Soldatenrats, Aufbau der Eisernen Brigade/Division, die Februarunruhen 1919 in Kiel, die Ernennung von Volksoffizieren.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auszug bzgl. des Aufbaus der Eisernen Division (I. Marine-Brigade):&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In der Versammlung wurde natürlich auch die Führerfrage besprochen. Selbstverständlich war von der Regierung von vornherein zugestanden worden, daß diese Truppe selbst ihre Führer und ihr inneres Leben bestimmen könne. Aus der Versammlung heraus wurde allgemein zum Ausdruck gebracht: Wir wollen nicht daran denken, wie wir früher behandelt worden sind und deshalb sollen ruhig Offiziere alle oberen Stellen in der Truppe besetzen; aber es müssen Offiziere sein, die unser Vertrauen besitzen und die auch etwas vom Landkrieg verstehen. In diesem Sinne ließ Kamerad Alboldt noch am selben Abend die verschiedenen Offiziersgruppen und im besonderen die Seeoffiziere informieren und ihnen sagen, daß die Formation der Truppe am andern Vormittag in der Waldwiese erfolgen werde. Es mag hier gleich erwähnt werden, daß sich außer Kapitänleutnant v. Werner kein einziger Offizier dort einfand.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Analyse und Edition: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Kuhl_analyse-edition-kaessner-deckoffizierbewegung_2022.pdf PDF-Datei.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Louis Streichert ===&lt;br /&gt;
Louis Streichert (geb. 1890) diente im ersten Weltkrieg auf SMS &amp;quot;Straßburg&amp;quot; vermutlich als Unter- oder Deckoffizier. Er wurde im Jahr 1975 von Karl-Reinhard Titzek und Tilmann Weiherich interviewt.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auszüge:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Zum Beispiel habe ich meinen Eltern geschrieben, dass ich gerne fürs Vaterland sterben würde, und wir den Kaiser an Bord nehmen und mit der ganzen Flotte ruhmreich untergehen. Manchmal hat der einfache Heizer weiter gedacht als der Herr Admiral. Wir fuhren nicht raus und gaben die Minen in Cuxhaven wieder ab. Dann fuhren wir durch den Kanal in die Ostsee. Als wir nach Kiel kamen, sahen wir die ganze deutsche Flotte. […] Da sind wir ausgewichen nach Saßnitz (Rügen). Da wurde ein Telegramm an den Kaiser geschickt: „Wir halten treu zu unserem Kaiser, und wenn er es wünscht, nehmen wir ihn an Bord und fahren mit ihm irgendwohin ins Ausland.“ Der Kommandant stand da und weinte beinahe. Er sagte, dass der Kaiser sie alle aus ihrem Eid entbunden hätte. Er ging dann weinend weg. Da holten wir die Kriegsflagge nieder.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Das vollständige Interview mit einem Bericht des I. Offiziers über die Ereignisse im Anhang ist hier zugänglich: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Interview-streichert-brosch-weddigen-strassburg.pdf PDF-Datei.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Marineoffiziere ==&lt;br /&gt;
=== Admiral Bachmann, Admiral Souchon, Konteradmiral Küsel ===&lt;br /&gt;
Gustav Bachmann war bis zum 30. Oktober 1918 Gouverneur von Kiel und hatte damit die militärische und zivile Gewalt inne. Er wurde abgelöst von Wilhelm Souchon. Hans Küsel war Stabschef in der Marinestation in Kiel. Alle drei hinterließen schriftliche Aufzeichnungen über die Ereignisse. Insbesondere Küsel verfasste einen detaillierten Bericht, den er bereits 1919 begann und 1935 abschloss. In den Aufzeichnungen wird auch thematisiert, warum man das III. Geschwader in das „Pulverfass“ Kiel schickte. Dies trug entscheidend zur weiteren Eskalation bei, die schließlich zum Kieler Matrosen- und Arbeiteraufstand führte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Küsel schrieb u.&amp;amp;nbsp;a.:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Der Stationschef sieht sich in eine ungeheuer schwierige Lage […] versetzt, in der die Entscheidung ihm schon aus der Hand genommen ist. Es ist vollendete Tatsache, daß die Schiffe des III. Geschwaders, auf denen nach eigner Meldung des Geschwaderchefs [Kraft], Meutereien im größten Umfange vorgekommen sind, im Hafen von Kiel liegen. Beurlaubungen im größten Umfang haben von den Schiffen bereits stattgefunden. Admiral Souchon setzt Vizeadmiral Kraft die Lage in Kiel auseinander. Im Festungsbereich befinden sich über 100.000 Arbeiter, unter denen es gärt. Für den 5. oder 7. November wird ein Streik der Rüstungsarbeiter erwartet. […] Die Hauptgefahr sah Admiral Souchon ebenso wie ich darin, daß streikende Arbeiter und meuternde Soldaten sich zusammenfinden könnten.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Aus diesen Erwägungen heraus stellte Admiral Souchon erneut die Forderung an Vizeadmiral Kraft, Kiel sofort mit seinen Schiffen zu verlassen. Den Hafen sofort mit seinen Schiffen wieder zu verlassen erklärte sich jetzt Vizeadmiral Kraft außerstande. Von einer weitgehenden Beurlaubung erwarte er aber mit Zuversicht eine durchgreifende Beruhigung.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Berichte der Seeoffiziere werden in einer 2023 erschienen Veröffentlichung vorgestellt und analysiert: Klaus Kuhl: Gefangen in Überheblichkeit und Engstirnigkeit: Die führenden Seeoffiziere und der Matrosen- und Arbeiteraufstand in Kiel 1918. Die Berichte der Chefs der Marinestation und Gouverneure von Kiel, Admiral Gustav Bachmann und Admiral Wilhelm Souchon sowie ihres Stabschefs Konteradmiral Hans Küsel. Kiel 2023. Herausgegeben vom Verein Maritimes Viertel – Kultur am Kanal e.V. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Karl von Kunowski ===&lt;br /&gt;
Karl von Kunowski (1897–1991) war Fähnrich und Wachoffizier (WO) auf der „Markgraf“. Er schrieb seine Erlebnisse vermutlich noch 1918 auf. Später wohnte er in Flintbek bei Kiel und war Professor an der Kieler Universität. Er übergab sein Typoskript, das er betitelte: “Erinnerungen an: Die letzten Tage der Kaiserlichen Marine1918, beim III. Geschwader auf SMS Markgraf als wachhabender Offizier“, 1978 an [[Dirk Dähnhardt]], siehe Nachlass im [[Stadtarchiv]]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszüge:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Freitag, 8. Nov. 1918 [zu der Zeit befand sich das III. Geschwader vor Travemünde]: Morgenwache gegangen, aber nichts veranlaßt, die Routine wird noch eingehalten. Leute fragen WO, machen aber auch alles mögliche selbständig. Am Nachmittag gegen 4 Uhr wurde gepfiffen, alle Mann achter raus, auch Offiziere. ... Ein Maschinistenmaat sprach über den Soldaten- und Arbeiterrat, der sich über die ganze deutsche Küste erstrecken und die sogen. Radikalen d.&amp;amp;nbsp;h. geläuterten Sozialisten umfassen soll. Der Soldatenrat verfolgt zwei Ziele: 1. Die Abschaffung des preußischen Militarismus, 2. Die beschleunigte Einleitung von Friedensverhandlungen. Die jetzige Regierung könnte dieses nicht, sie ist bestochen. Die Männer der Regierung sind dazu nicht geeignet, denn wir wollen keinen Kapitalistenfrieden, sondern einen Arbeiter- und Soldatenfrieden.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Alle Macht liegt in den Händen des Sold.rates. ... Den Offizieren ist es freigestellt, auszusteigen oder achtern mit an Bord zu bleiben. Fahren oder sonst sich beteiligen sollen sie nicht.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Um neun Uhr abends findet in der Messe eine Sitzung statt. Kapitän Heizing sagt, daß es nach seiner Aussprache mit dem Kommandanten u. Admiral unbedingt nötig sei, an Bord zu bleiben, so schwer dieses auch fiele, und zwar um einmal in jedem Falle für die Sicherheit des Schiffes zu sorgen und ev. die Leitung zu übernehmen, sowie zweitens um bei Änderung der Verhältnisse entsprechend eingreifen zu können, z.&amp;amp;nbsp;B. bei Außerdienst Stellung der Flotte. Außerdem dankte voraussichtlich S.M. der Kaiser ab, so daß wir unseres Treueides entbunden würden.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Der Arb.-u.Sold.-rat befahl, daß sich die Offiziere an der Fahrt nach Kiel nicht beteiligen sollten, .... Markgraf führte das dritte Geschwader in Kiellinie 25 Sm. Der Steuermann wurde gewzungen[!], die Schiffsführung zu übernehmen auf Anweisung des Sold.-rats. Der Signalmeister mußte die Wache an Deck gehen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In die Offiziersmesse kommen zwei Unteroffiziere des Sold.-rates und verkündigen, daß jetzt alle Mahlzeiten ohne Unterschied für verschiedene Dienstgrade zubereitet werden. Außerdem teilen sie mit, daß die Offiziere sich bis morgen früh um 10 Uhr sich entscheiden sollen, ob sie zu dem Soldatenrat gehören wollen oder nicht. Im ersteren Fall soll der Dienst unter den bereits genannten vorläufigen Bedingungen im Einvernehmen mit dem Herrschenden Soldatenrat weitergehen. Werden dagegen die Forderungen des Sold.-rats nicht unterschrieben, sind sie frei, d.&amp;amp;nbsp;h. ihr Dienst ist dann quittiert.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vollständiges Dokument, das auch einen Vergleich mit den Aussagen des Besatzungsmitglieds Karl Bock (s.&amp;amp;nbsp;o.) und denen des 1. Offiziers Wilfried von Loewenfeld enthält: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Bock-kunowski-loewenfeld_markgraf_1918.pdf PDF-Datei.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kapitänleutnant Max Wittmer ===&lt;br /&gt;
Max Wittmer (*1884 in Kiel, +1979) war Torpedobootskommandant und im ersten Weltkrieg Lehrer an der Ingenieur und Deckoffizierschule in Kiel-Wik, später wurde er Handelsagent. Er wurde im Jahr 1975 von Karl-Reinhard Titzek und Tilmann Weiherich interviewt. Drei Jahre später wurde er von Dirk Dähnhardt befragt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszüge:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Im Eilmarsch zog er mit seiner Patrouille dem Demonstrationszug hinterher. Bevor er die Kreuzung Karl-, Brunswickerstr. erreicht hatte, hörte er Schüsse. Ein großes Durcheinander erblickte er am Ort des Geschehens. Da seine Leute überrannt zu werden drohten, ließ er Warnschüsse abfeuern. Als auch diese keine Wirkung zeigten, ließ er auf die Beine zielen. Das sei der schwerste Befehl seines Lebens gewesen, berichtete Herr Wittmer. Nach den Schüssen war aber die Straße wie leergefegt. Nur einige Frauen schimpften auf die Männer, was für Feiglinge sie seien. Noch einmal ließ Herr Wittmer einen Warnschuß feuern, dann endlich herrschte Ruhe.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Anmerkung Kuhl: Eine genauere Analyse ergab, dass Wittmer wohl hauptsächlich die Erlebnisse anderer Offiziere wiedergibt. In einigen Fällen offenbaren die archivierten Berichte anderer Offiziere und die Lazarettlisten einen wahren Kern in Wittmers Schilderungen. Insofern gibt es gewisse gegenseitige Bestätigungen, die immerhin ein wenig zur Erhellung der Vorgänge beitragen. Insbesondere könnte am 3. November 1918 abends tatsächlich eine nachrückende Einheit der Deckoffizierschule auf die Füße und Beine der Demonstranten geschossen haben, um diese auseinanderzutreiben.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den vollständigen übertragenen und kommentierten Dokumenten einschließlich einer Quellenanalyse: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Wittmer_interviews_1975-78_analyse.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Heeressoldaten ==&lt;br /&gt;
=== Jonny Pump ===&lt;br /&gt;
[[Datei:jonny-pump_1980.jpg|150px|thumb|Jonny Pump 1980 in seiner Kieler Wohnung. Foto: Kuhl.]]&lt;br /&gt;
Jonny Pump sollte als Rekrut von Schleswig aus gegen den Matrosenaufstand in Kiel eingesetzt werden. Er war deutsch-national eingestellt und unterstützte 1920 mit den Zeitfreiwilligen den Kapp-Putsch in Kiel. Später führte er einen Elektroladen. Er wurde 1978 und 1987 von Klaus Kuhl (und teilweise Peter Cornils) interviewt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszug:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ich persönlich jedenfalls war damals in Schleswig, in Schloss Gottorf. Erst bei unserem Abmarsch aus Schleswig wurde uns gesagt, dass in Kiel ein Aufstand sei. Und nun sollten wir, woll&#039;n mal sagen da als ... ... den Aufstand (niederwerfen). Wir konnten uns auch nicht vorstellen, ob das nun Arbeiter sind oder Soldaten sind, wussten wir ja nicht. Wir sind losgefahren, verladen und haben Munition und Gewehre empfangen. Und wenn das nun tatsächlich hart auf hart gekommen wäre, dann wäre das ja so gekommen, wir hätten ein Kommando gekriegt: &amp;quot;Ausschwärmen!&amp;quot; und müssen schießen auf unsere eigenen Leute. ... kamen wir mit dem Zug nicht mehr in Kiel rein. Der Bahnhof war besetzt von Matrosen – soweit ich gehört habe – und die hielten den Zug an, so bei der Lübecker Chaussee. Jedenfalls kamen Verschiedene nicht wieder. Aber das waren ältere Soldaten. Ob die nun orientiert waren? [Nikolaus Andersen beschreibt in seinem Tagebuch, wie Soldaten des Schleswiger Infanterieregiments im Bahnhof ankamen und sich dort mit den Aufständischen verbrüderten; siehe unten.]  Wir waren ja meistens junge Rekruten. Die Ausbilder waren alte verwundete Frontsoldaten. Die scheinen mehr gewusst zu haben. Jedenfalls waren Verschiedene, die gar nicht wieder mit zurückfuhren. Wir kamen nicht raus. Wir konnten natürlich aus dem Zug aussteigen, aber was wollten wir machen. Es wurde nicht irgendwie kommandiert &amp;quot;Sammeln!&amp;quot; und &amp;quot;Marschieren!&amp;quot; oder so, das wurde nicht getan. Der Zug fuhr wieder zurück. Wir sind nachts wieder in Schleswig angekommen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den vollständigen Interviews: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:kuhl_interviews-j-pump_1978-1987.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Heeresoffiziere ==&lt;br /&gt;
Als die Lage in Kiel sich zuspitzte, forderte die Marineführung in Kiel Infanterie von außerhalb an. Am 4. November 1918 erschienen verschiedene Einheiten in Kiel. Dabei liegen von den folgenden führend beteiligten Heeresoffizieren schriftliche Zeugnisse vor.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Adalbert von Falk, kommandierender General des stellvertretenden Generalkommandos des IX. Armee-Korps in Altona ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Adalbert von Falk circa 1915.jpg|150px|thumb|Adalbert von Falk, nach März 1915]]&lt;br /&gt;
Der Gouverneur und Chef der Marinestation der Ostsee in Kiel, Admiral Wilhelm Souchon forderte am 3. November abends bei dem benachbarten Armeekorpsbezirk Infanterie an. Nach den Schüssen auf die Demonstranten und der Auflösung der Demonstration wurde dies zunächst zurückgenommen, am frühen Morgen des nächsten Tages aber erneuert. v. Falk berichtete darüber in einem Brief vom 12. November 1936 an den damaligen Hauptmann Erich Trowitz (Major a. D.).&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auszug:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ich selbst war seit dem Sonntag, den 3. November, an dessen Abend mich der Hilfeschrei des ratlosen Gouvernements Kiel in Altona erreichte, hier unabkömmlich; im Versuch zusammenzuraffen, was noch an Truppenbrocken im Korpsbezirk und dessen Nachbarschaft zu sammeln war; im Dauerverkehr mit dem Kriegsministerium; mobile Truppen (1 Korps) heischend, um damit die Aufrührer zu Paaren zu treiben. Der schnelle Entschluss – vom Kriegsministerium [Scheüch] genehmigt – der verheissenen Truppe entgegen zu eilen, blieb ohne Erfolg. Die Ereignisse waren schneller als ich.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Bundesarchiv BArch RM 8/1025 Bl. 53.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Der hier zugängliche Artikel von Klaus Kuhl enthält u.&amp;amp;nbsp;a. eine Einordnung, Diskussion und Einschätzung des Briefs: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Kuhl_einschaetzung-e-h-schmidt-u-quellenkritik-trowitz_2017.pdf PDF-Datei.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Hauptmann Erich Trowitz ===&lt;br /&gt;
Bei der ersten Infanterieanforderung aus Kiel am 3. November 1918 abends beauftragte das Kommando des IX. Armeekorps in Altona den Generalleutnant Harry von Wright in Lübeck, Kommandeur der stellvertretenden 81. Infanterie-Brigade, mit den zu treffenden Maßnahmen. Dieser wiederum bestimmte den Hauptmann Erich Trowitz vom (Ersatz) Infanterie-Regiment 163 in Neumünster zum Befehlshaber der aufgebotenen Einheiten aus Neumünster, Schleswig und Lübeck. Die Anforderung wurde kurz darauf zurückgenommen, aber am nächsten Tag erneuert. Diesmal war zusätzlich eine Einheit (ca. 180 Mann) aus Rendsburg dabei, die Kiel bereits am späten Vormittag erreichte und in die Wik geschickt wurde, weil sich dort die Ereignisse zuspitzten. Bei allen anderen Einheiten kam es zu Verzögerungen, die wohl in erster Linie v. Wright zu verantworten hatte, weil dieser sich auf Inspektionsreise begeben hatte. Trowitz erreichte Kiel erst um 15 Uhr, als die Marineführung aufgrund der nicht erwarteten schnellen Ausbreitung des Aufstands bereits mit den Aufständischen unterhandeln musste und einen Schusswaffeneinsatz nunmehr untersagte. Die anderen Einheiten kamen erst abends an; insgesamt handelte es sich um ca. 1200 Mann. Trowitz fuhr in der Nacht wieder zurück nach Neumünster, allerdings ohne die von ihm zum Schutz der Station abgestellte Gruppe unter von Treyden. Von diesen waren Teile vermutlich übergelaufen. Trowitz schweigt sich in seinem späteren Bericht darüber aus.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Im Jahr 1935 verfasste er (inzwischen Major a.&amp;amp;nbsp;D.) diesen für die Zeitschrift &amp;quot;Bundeszeitung der Vereinigungen ehemaliger 163er&amp;quot;,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt; Das Reichskriegsministerium in Berlin verlangte die Zurückziehung und Vernichtung der Ausgabe &amp;quot;da [Trowitz&#039; Artikel] geeignet ist, anstelle der heute angestrebten vertrauensvollen Einheit der Nation Gegensätze in der Wehrmacht hervorzurufen.&amp;quot; Falls er dieser Aufforderung nicht zufriedenstellend nachkomme, würde die Geheime Staatspolizei mit der Beschlagnahme beauftragt. Bundesarchiv BArch RM 8/1025 Bl. 22.&amp;lt;/ref&amp;gt; in dem er seine Erlebnisse schilderte.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auszug: &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ich habe das unerschütterliche Bewusstsein, daß es auch mit den zur Verfügung stehenden Kräften ohne Mühe gelungen wäre am 4. November 1918 die Meuterei in Kiel zu unterdrücken, nicht zum wenigsten aus dem Grunde, weil die Matrosen nur aus gemeiner Feigheit sich zu ihrem verbrecherischen Treiben hatten verleiten lassen.&amp;lt;ref&amp;gt;Erich Trowitz: Revolution in Kiel – E./163. In: Bundeszeitung der Vereinigungen ehemaliger 163er, Nr. 11 1936. Bundesarchiv BArch RM 8/1025 fol. 32-36.&amp;lt;/ref&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Die Demonstranten in Kiel hatten trotz mehrmaligem Schusswaffeneinsatzes der Patrouille diese in die Flucht geschlagen; sicherlich kein Zeichen von Feigheit. Auch weitere von Trowitz angeführte Gründe können nicht überzeugen. Siehe dazu den Artikel von Klaus Kuhl, der eine ausführliche Vorstellung, Diskussion und Einschätzung von Trowitz’ Arbeit enthält: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Kuhl_einschaetzung-e-h-schmidt-u-quellenkritik-trowitz_2017.pdf PDF-Datei.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ArbeiterInnen ==&lt;br /&gt;
Neben den in diesem Abschnitt vorgestellten Zeitzeugenberichten, werden weitere auf den folgenden Personenseiten präsentiert: Oskar Dietrich, Otto Eggerstedt, [[Ernst Busch]], Reinhold Jung, Karl Rickers, … (in Bearbeitung).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gertrud Völcker ===&lt;br /&gt;
[[Datei:gertrud-voelcker_1950.jpg|150px|thumb|Gertrud Völcker 1950, Foto StAK/Nafzger.]]&lt;br /&gt;
[[Gertrud Völcker]] (1896–1979) war damals Angestellte im Arbeiter-Sekretariat der Freien Gewerkschaften in Kiel. Sie war seit 1915 Mitglied der Sozialistischen Arbeiterjugend. Später wurde sie Vorsitzende der Arbeiter Wohlfahrt (AWO) in Schleswig-Holstein. Im Jahr 1975 gab sie Karl-Reinhard Titzek und Tilmann Weiherich ein Interview, und vermutlich im selben Jahr wurde sich auch von Ute Kohrs interviewt. Dabei gewährte sie auch Einblick in ihr Tagebuch und es wurden Abschriften vorgenommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszüge:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die USPD hatte ganz bedeutende Führer – die SPD auch – aber die (USPD) waren konsequenter. Ich bin nie USPD gewesen. Die waren – wenn man heute zurückdenkt – haben sie doch sehr viel recht gehabt. Man hätte sich in Verhandlungen anders verhalten müssen. Aber es ist ja leicht gesagt: Im Augenblick musste gehandelt werden und das Gebot der Rettung des Vaterlandes stand im Vordergrund. Das war das Leitmotiv der Sozialdemokraten. Und die USPD, der Lothar [Popp] war USPD-Mann, das waren gute Männer, das waren keine Radauleute.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Es war eine mutige Tat von ordentlichen Deutschen, die das Land nicht in einer noch größeren Krise haben wollten. Es waren ruhige Leute, es waren außerordentlich nette, bewusste und kluge Leute, die nachgedacht hatten. So seh ich die Jungens heute. Es war eine mutige Tat, die Zivilcourage erforderte, eine Revolte, keine Meuterei, und auch keine Revolution.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum vollständigen Dokument mit den Interviews, Auszügen aus ihrem Tagebuch und einer kurzen Biografie: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Voelcker_interviews_1970er_tagebuch.pdf PDF].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Julius Bredenbeck ===&lt;br /&gt;
[[Datei:julius-bredenbeck_1989.jpg|150px|thumb|Julius Bredenbeck 1989, Video-Standbild: Gerdes/Kuhl.]]&lt;br /&gt;
[[Julius Bredenbeck]] (1907–1990) war damals Mitglied der Arbeiterjugend. Später wurde er ein bekannter Gewerkschafter und Sozialdemokrat sowie persönlicher Referent von Lauritz Lauritzen, der u.&amp;amp;nbsp;a. verschiedene Ministerposten bekleidete. Er wurde 1983 und 1989 von Klaus Kuhl interviewt. Das erste Interview wurde per Tonbandgerät, das zweite per Video von Kay Gerdes aufgezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszüge:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Allgemein darf man wohl sagen, es war eine Stimmung, die der Verzweiflung sehr nahe war. Man spürte das Ende des Krieges. Man wusste aber nicht aus noch ein, und es gab nun verschiedene Gruppen. In einzelnen Betrieben gab es schon Arbeiterräte, die sich selbst gebildet hatten, ohne Rechtsgrundlage, einfach aufgrund der Stärke der Organisation. Die zum Teil also auch mit sehr großem revolutionärem Pathos an die Arbeit gingen. In anderen Betrieben waren auch Arbeiterräte, die aber mehr daran interessiert waren, notwendige Dinge, Schwierigkeiten in der Versorgung mit Lebensmitteln usw. weitgehend mit zu steuern. Man kann nicht sagen, dass es eine einheitliche Stimmung gab. Das wurde anders als damals die Matrosen Befehlsverweigerung machten. Das führte ja denn zum Zusammenbruch. Da war eine allgemeine Solidarität in der gesamte Kieler Arbeiterschaft feststellbar: in den größeren Betrieben wurde zunächst die Arbeit niedergelegt. Es wurde sich solidarisiert. Die Arbeiter- und die Soldatenräte fanden sich zu Sitzungen zu Gesprächen zusammen im Gewerkschaftshaus.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den vollständigen Interviews: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Kuhl_interviews-bredenbeck_1983-1989.pdf PDF-Datei.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Martha Riedl (geb. Ehlers) ===&lt;br /&gt;
[[Datei:martha-riedl_1990.jpg|150px|thumb|Martha Riedl 1990 in ihrer Kieler Wohnung. Foto: Kuhl.]]&lt;br /&gt;
Martha Riedl (1903–1992) war in den Jahren um 1918 Mitglied der Arbeiterjugend und besuchte die öffentliche Handelsschule. Von 1946 bis 1948 war sie Mitglied der Kieler Ratsversammlung für die SPD. Sie wurde 1990 zweimal, sowie ein weiteres Mal 1991 von Klaus Kuhl interviewt. Das erste Interview wurde per Tonband aufgezeichnet, das zweite Interview fand an den entsprechenden Orten statt und wurde von Kay Gerdes per Video aufgenommen. Das letzte Interview wurde von Klaus Kuhl selbst per Video aufgezeichnet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszüge:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Bei allen Sachen: man ging ins Gewerkschaftshaus, da traf man sich. Und ich ging ins Gewerkschaftshaus. Damals wohnte Eggerstedt im Nebenhaus und den traf ich. Der sagte: Wo kommst du denn her! Ich sagte: Ist Vater hier? Hast du Vater gesehen? Vater ist hier, es ist alles in Ordnung. Und dann sagt er: Bleib man hier, wir können dich gebrauchen. Du weißt ja wo der Peerstall ist? Ich sage: Ja. Der war früher in der Langen Reihe, so ungefähr Höhe Muhls Hotel, war eine Gastwirtschaft. Tatsächlich Peerstall hieß es, weil die Pferde da ausgespannt wurden und die da ins Restaurant, in die Kneipe gingen. Ja, sagt er, denn bringen wir dich dahin, zu dem und dem, kennst du den? Ja kenne ich. Ja denn ist gut, denn kommst nachher wieder, wir können dich gut gebrauchen. In der Zwischenzeit kam aber alles von der Werft rein, rüber, alles was einen Dampfer zu fassen kriegte, war auf dem Dampfer, die fuhren einfach hin und her. Da war kein Fahrplan mehr. Und die Marine kam von der Wik, Düsternbrook runter. Und die Marine, die strebten nach dem Bahnhof, die wollten nach Hause.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den vollständigen Interviews: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Kuhl_interviews-riedl_1990-1991.pdf PDF-Datei.]&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Karl Edler ===&lt;br /&gt;
Karl Edler war Mitglied des Arbeiterrats in Kiel und später Stadtverordneter der SPD. Im Namen der Gewerkschaften stiftete er, zusammen mit Eduard Wolke (SPD) 1920 den zentralen Findling auf dem Kieler Eichhof-Friedhof mit der Aufschrift &amp;quot;Ruhestätte der Opfer der Revolution&amp;quot;. Edler erstattete am 26. November 1918 in Berlin auf einer Sitzung des Vollzugsrats einen Bericht über die Vorgänge in Kiel.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auszüge:&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Der wichtigste Punkt war bei uns das Ernährungswesen. Wir haben aber auch diese Frage zur vollsten Zufriedenheit der ganzen Bevölkerung bei uns gelöst. Auch die Zivilpersonen stellten sich hierbei hindernd in den Weg. Durch unsere Macht haben wir sie aber gezwungen, uns nachzugeben. Wir waren durch die entgegengesetzte Tätigkeit von Zivilpersonen in die Enge getrieben, daß wir tagelang keine Lebensmittel bekamen und vor allen Dingen die Milch für die Kinder fehlte. Die Lebensmittel lagen in Plön und Eckernförde, und Kiel bekam nichts. Schließlich hatten wir unseren Fuhrpark so in Bewegung gebracht, daß wir uns Milch und anderes durch Autos herbeiholten, und so bekommen wir jetzt ausreichend Lebensmittel heran.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Zum kommentierten Protokollauszug: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Edler_bericht-in-berlin-26-nov-1918.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Otto Preßler ===&lt;br /&gt;
[[Datei:otto-pressler_1979.jpg|150px|thumb|right|Otto Preßler 1979 in seiner Wohnung in Kiel-Mettenhof während des Interviews. Foto: K. Kuhl.]]&lt;br /&gt;
Der Metallfacharbeiter Otto Preßler (1895–1981) war SPD- und Gewerkschaftsmitglied. Von 1915 bis Kriegsende musste er in Russland und später an der Westfront als Waffenmeister kämpfen. Er kam über Braunschweig am 10. Dezember 1918 nach Kiel zurück. Er gehörte zu den Gründungsmitgliedern der KPD in Kiel und wurde später Vorsitzender. Weil er sich der linksradikalen Entwicklung der KPD widersetzte, wurde er 1929 ausgeschlossen und trat der KPD-Opposition (KPD-O) bei. Nach 1945 wurde er erneut Vorsitzender der KPD in Kiel. Er wurde zum Bevollmächtigten der IG Metall gewählt. Im Jahr 1946 wurde er in den Rat der Stadt Kiel gewählt und war Mitglied der beiden ersten ernannten schleswig-holsteinischen Landtage. 1968 wurde er Mitglied der DKP. Er wurde 1979 von Klaus Kuhl zu seiner Rolle und seinen Einschätzungen der Entwicklung in den ersten Revolutionsmonaten 1918/1919 interviewt.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auszüge bezüglich der Februarunruhen 1919 in Kiel (so genannter Spartakusaufstand):&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ja, das war dann im Februar 1919. Da war Bremen Räterepublik und dann kamen die Nachrichten, Noske will die Räterepublik beseitigen und die Division Gerstenberger von Berlin wird in Bewegung gesetzt. Da haben wir … aufgerufen zur öffentlichen Versammlung, um die Bremer Arbeiterschaft in der Verteidigung ihrer Räterepublik zu unterstützen. Und diese Versammlung war in der „Concordia“ an der Lübecker Chaussee; das war so ein Tanzlokal, brechend voll. … Der Plan war, und das wurde auch nach der Versammlung … in der Besprechung gesagt, Aktionen hier in Kiel zu organisieren, um Truppen hier an Kiel zu fesseln, die nicht nach Bremen konnten.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Mit einer Kolonne sind wir rausgefahren, …  und haben auf der Levensauer Hochbrücke die zwei Maschinengewehre weggeholt. Da waren dann die „Noskiten“, die da Wache hielten. Die sagten: “Wir sind auch nicht für Noske. Nehmt’se man mit.“ … Dann haben wir noch einen Lastwagen angehalten von Eckernförde, wir wollten doch die Maschinengewehre nicht reinschleppen. Und der Fahrer der war ganz verlegen …, da lagen unter der Persenning so geschlachtete Kühe oder was. Wir haben uns nachher nicht mehr um das Fleisch gekümmert, Hauptsache, dass wir die Maschinengewehre nach Kiel rein kriegten. Vorher habe ich sie noch ausprobiert an der Böschung bei der Eisenbahn. Die sagten: „Otto, du kannst doch hier neet scheeten.“ Ich sage: „Ich muss erst mal sehen, ob sie auch funktionieren.“ … [in der] Schule in der Legienstraße gegenüber vom Gewerkschaftshaus wurden die postiert.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Und ich weiß noch ganz genau, dass wir mit einer kleinen Truppe in der Kommandantur, Marinestation Ostsee, da sind wir hin und haben da zwei Admiräle – weiß der Teufel mit den Streifen – gefangen gesetzt; eingeschlossen, die Waffen weggenommen. Wir haben gesagt: “Da bleibt ihr erstmal drin!“ Das waren alles Feldsoldaten, die hatten alle noch so ein bisschen „Rosch“. Und denn auf einmal … kamen welche angelaufen, wir sollten die Kommandantur aufgeben. … Da war die Knallerei da schon im Gange an der Kaserne, und dann sollten wir dorthin. … Und dann wurde diese militärische Organisation der Deckoffiziere eingesetzt, dann ging die Schießerei los. Der Fritz Schulz da, der hat auf dem Bauch gelegen unter den Toten, auf der Treppe. … Und dann wurde gefeuert aus allen Rohren. Mit Maschinengewehren kamen die Brüder an und knatterten dazu. Da war ein Haufen Tote.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Insgesamt kamen bei dieser Aktion sechs der KPD nahe stehende Männer ums Leben, von denen fünf auf der Revolutionsanlage auf dem Eichhof beerdigt wurden, das sechste Opfer wurde nach Lichtenberg überführt; vgl. Klaus Kuhl: Opfer von Matrosen-/Arbeiteraufstand 1918, Februarereignissen 1919 und Kapp-Putsch 1920. Kiel 2021. Online zugänglich (aufgerufen am 18. Juni 2022) unter: [http://www.kurkuhl.de/docs/liste_opfer.pdf].&amp;lt;/ref&amp;gt; Wir haben uns, um nicht noch das letzte runter schießen zu lassen, zurückgezogen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;All so’n Krom hebt wi mokt, damals. Aber es war doch so, dass eben die große organisierte Masse der Kieler Arbeiter nicht dabei war. … Das ging ja alles so impulsiv und spontan, hier und dort sammelten sich die Gruppen und machten das. Da war keine Zusammenfassung.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Zum vollständigen Interview: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Kuhl_interview-pressler-novrev_1979.pdf PDF-Datei.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mittelschicht ==&lt;br /&gt;
=== Tagebuch des Ingenieurs Nikolaus Andersen ===&lt;br /&gt;
[[Datei:nikolaus-andersen_undatiert.jpg|150px|thumb|Andersen als junger Mann. Foto: Familienbesitz.]]&lt;br /&gt;
Der Tagebuchschreiber Nicolaus oder Nikolaus Andersen war Beamter des &amp;quot;Bureaus M.K. der Fried. Krupp A.–G., Germaniawerft&amp;quot;. Er war dort hauptsächlich mit dem Ändern technischer Zeichnungen befasst. Die Eltern des Schreibers besaßen damals einen Hof in Rinkenis (heute Rinkenæs, Dänemark), welches 1918 zum Deutschen Reich gehörte. Das in deutscher Schrift verfasste Tagebuch wurde 1980 von Karl Altewolf auf einem Flohmarkt entdeckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszug aus dem Eintrag vom 4. November 1918:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Mittags 3 Uhr waren etwa 200 Mann Infanterie aus Neumünster mit Masch.Gewehr am Bahnhof eingetroffen, sie hielten um 6 [18] Uhr die Eingänge besetzt. Um 9 [21] Uhr waren die Matrosen Herren des Bahnhofes. Die Soldaten aus Neumünster sind jedenfalls abgezogen. Später kommen plötzlich nach lauten Hurrahs die Infant. Rgmt. Nr. 84 [aus Schleswig, siehe auch oben den Bericht von Jonny Pump, der dieser Einheit angehörte] einzeln ohne Waffen aus dem Bahnhof und machten mit den Matrosen gemeinsame Sache. Sie lieferten Gewehre, Munition und Maschinengewehre an die Marine ab. Große Verbrüderung und Hochs auf die Infanterie. Feldgraue Helme wurden weggeworfen, Mützen aufgesetzt und Klamauk gemacht. Später gegen 11 Uhr … Unheimliches Gedränge vor dem Nordportal u. Begeisterung. Hunderte Infanteristen zwischen tausenden Arbeitern, Marines, Zivilisten und – Mädchen und Jungs. Wildes durcheinander befehlen und Klamauk. Alle Marine ist nach und nach bewaffnet.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Um 1 Uhr nach Hause, denn es war kalt. Kaum im Bett, erhebt sich ein mörderliches Schießen. Ich raus. Am Bahnhof menschenleer. Man schießt (angeblich aus dem Hansa-Hotel und zwar von Offizieren) auf die Soldaten. Das Hotel wird erheblich beschossen, desgl. mehre Häuser am Sophienblatt, so Uhrmacher Blunck u. Ecke Lerchenstraße gegenüber auch noch. Als es ruhig, gehe ich durch den Tunnel südl. am Bahnhof entlang. Ein Lastauto kommt Ringstr. u. wird mächtig beschossen von allen Seiten. Leider sind Matrosen die Insassen. Als das Schießen eingestellt ist, findet man einen Obermaat mit Beinschuß und einen Matrosen mit Brustschuß.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Auszüge und Hintergrundinformationen: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Andersen_tagebuch-auszuege_1917-1919.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
Das vollständige Tagebuch mit einer Textanalyse wurde im Peter Lang Verlag veröffentlicht: Klaus Kuhl: Kiel und die Revolution von 1918. Das Tagebuch eines Werftingenieurs, verfasst in den Jahren 1917-1919. Edition und Textanalyse. Berlin 2018 (Kieler Werkstücke Bd. 51). ISBN 978-3-631-75857-1.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Erh. Müller, Beamter einer Kieler Werft ===&lt;br /&gt;
Im Kieler Stadtarchiv ist ein Brief von Erh. Müller, Beamter (damals synonym für Angestellter) einer Kieler Werft an Dora in Zeilitzheim (Ortsteil der Gemeinde Kolitzheim im südlichen Landkreis Schweinfurt in Unterfranken). Zu beiden Personen liegen leider keine weiteren Informationen vor. Müller beschreibt eigene Erlebnisse während der Revolutionszeit.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auszüge:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Diese ersten Schüsse [am Sonntag, 3. November 1918 abends] hörte ich von der Jungmannstraße her deutlich, wie ich auf dem Wege zu Güttlers war. 10 Minuten später wollte ich auch zum Tatplatz eilen, fand aber sämtliche Straßen militärisch besetzt.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Am Montagabend saß ich gerade beim Abendbrot, als ich vom [[Wilhelmplatz|Wilhelmsplatze]] her einen tosenden Lärm vernahm. Ich eilte sofort hin um zu sehen, was es gab, und fand den großen Platz gedrängt voll von Matrosen die dort unter Mitführung von roten Fahnen, die Befreiung von 80 Meuterern feierten und Ansprachen hielten, die meistens in Lärm untergingen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Zum vollständigen Dokument: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Mueller_brief-an-dora_1919.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Auszug aus dem Tagebuch einer 18-jährigen Kielerin ===&lt;br /&gt;
Im Stadtarchiv Kiel liegt ein Tagebuchauszug vor, der von einem vermuteten Nachfahren aus Hamburg zur Verfügung gestellt wurde. Zu den Personen liegen leider keine weiteren Informationen vor. Die 18-jährige beschreibt ihre Erlebnisse während der Revolutionszeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Dann kam die Nacht von Montag auf Dienstag. Da war es schrecklich. Dauernd wurde geschossen. Viele Menschen haben wohl kaum geschlafen. Der darauf folgende Tag war noch ebenso schlimm. Besonders nachmittags wurde unheimlich viel geschossen. Das heisst, das lag zum Teil daran, dass die Leute alte französische Gewehre hatten, die keine Sicherung haben und sehr leicht, oft sogar bei der geringsten Berührung von selbst losgehen. Ausserdem macht es wohl vielen jungen Matrosen Spass, recht viel zu knallen, Löcher in die Luft zu schiessen und die Menschen bange zu machen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum vollständigen Dokument: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Tagebuch_18-jaehrige-kielerin_1918.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Überregionale Persönlichkeiten ==&lt;br /&gt;
===Gustav Noske ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Noske gustav before 1918.png|150px|thumb|right|Gustav Noske vor 1918.]]&lt;br /&gt;
Gustav Noske (1868–1946) war ein bekannter SPD-Reichstagsabgeordneter, der sich auf Militärfragen spezialisiert hatte. Er wurde am 4. November 1918 zusammen mit dem Regierungsmitglied Conrad Haußmann nach Kiel geschickt, um die Lage unter Kontrolle zu bringen. Noske schrieb nach dem Kapp-Putsch 1920 seine Erinnerungen an diese Zeit in dem Buch „Von Kiel bis Kapp“ nieder.&amp;lt;ref&amp;gt;Gustav Noske: Von Kiel bis Kapp. Zur Geschichte der deutschen Revolution. Berlin 1920. Online zugänglich (aufgerufen am 31. Juli 2022) unter: [https://portal.dnb.de/bookviewer/view/1131562372#page/n6/mode/1up].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auszüge (S. 23 f.):&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Als mittags die Vertrauensleute der verschiedenen Formationen sich im Saal der Station einfanden, um mit mir die Lage zu besprechen, […] musste der Versuch gemacht werden, sobald wie möglich wieder zu einem ordnungsmäßigen Zustand zurückzugelangen. Ich schilderte den Leuten die Sachlage, so wie sie mir erschien und besprach […] den entsetzlichen Zustand, in dem sich unser Volk […] befinde und leitete dann […] dazu über, unter welchen etwaigen Voraussetzungen der Kieler Meuterei, die ich persönlich aufs schärfste verurteilte, ein Ende zu machen sei. Daß politische Reformen, für die man sich erhoben habe, erfüllt würden, sei selbstverständlich. Über eine Amnestie werde die Regierung mit sich reden lassen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Meine Darlegungen machten auf die Leute sichtlich tiefen Eindruck. Artelt, der dazwischen fahren wollte, erhielt von mir einen Dämpfer. Die Reichstagsabgeordneten Hoff und Dr. Struwe, […] haben mir später wiederholt versichert, daß sie niemals eindrucksvollere Darlegungen gehört hätten. Eine Diskussion ließ ich nicht zu, sondern riet den Leuten, mit ihren Kameraden das Gehörte durchzusprechen und dann die Schlußfolgerung in einer großen Vertrauensmännerversammlung zu ziehen, die gegen Abend stattfinden sollte. &#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In der Versammlung im Schloßhof am späten Nachmittag […] es waren an tausend Mann anwesend. […] Redner wurden mitten in ihren Ausführungen […] unterbrochen und [es] redete ein anderer [...] drauf los. [...] Nach ein paar Stunden bekam ein beträchtlicher Teil die Sache satt und ging davon. Schließlich wurde die Versammlung ohne Resultat geschlossen. &#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Zeitnahe Berichte in der SPD-Zeitung und von Lothar Popp zeichnen jedoch ein anderes Bild. Popp schreibt: „ […] gab Abgeordneter Noske die Bedingungen der Regierung [für den Abbruch des Aufstands] bekannt. […] Noske gab zu bedenken, dass die Bewegung zwar in Kiel gesiegt habe, dass aber, da sie isoliert sei, ihr doch große Gefahren drohen, […] Der Vorsitzende des Arbeiterrats Garbe [SPD] und ich führten aus, dass wir doch noch Zeit haben zu warten […] Nicht die Regierung hat Bedingungen zu stellen, sondern wir. Es wurde dann einstimmig beschlossen, das Angebot abzulehnen. Es wurde dann der Antrag gestellt, da anscheinend Haase oder Dr. Cohn verhindert würden, nach hier zu kommen, einen anderen Vertreter der Unabhängigen [Popp] an die Seite Noskes [dem vorläufigem Vorsitzenden der Soldatenräte] zu stellen, um die Parität zu wahren. Dem wurde zugestimmt und die Wahl vollzogen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Popp/Arterlt, Ursprung, S. III-25.&amp;lt;/ref&amp;gt; Am folgenden Tag hatte Popp die Soldatenräte neu organisiert. Es wurde der Oberste Soldatenrat gebildet, zu dessen Vorsitzenden Popp gewählt wurde. Noske ersetzte den Gouverneur Admiral Souchon.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references group=&amp;quot;A&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:1911-1920]] [[Kategorie:Erster Weltkrieg]] [[Kategorie:Kieler Arbeiter- und Matrosenaufstand]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Klaus Kuhl</name></author>
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	<entry>
		<id>https://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Kuhl_zeitzeugenliste-matrosen-und-arbeiteraufstand.pdf&amp;diff=65485</id>
		<title>Datei:Kuhl zeitzeugenliste-matrosen-und-arbeiteraufstand.pdf</title>
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		<updated>2024-11-26T15:45:49Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Klaus Kuhl: Seitenzuordnung ergänzt&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Die Seite [[Zeitzeugen Matrosen– und Arbeiteraufstand 1918/1919]] verwendet die Datei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=={{int:filedesc}}==&lt;br /&gt;
{{Information&lt;br /&gt;
|description={{de|1=Liste sämtlicher mir bisher bekannter Zeitzeugen zum Kieler Matrosen- und Arbeiteraufstand.}}&lt;br /&gt;
|date=2024-07-29&lt;br /&gt;
|source={{own}}&lt;br /&gt;
|author=[[User:Klaus Kuhl|Klaus Kuhl]]&lt;br /&gt;
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}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=={{int:license-header}}==&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
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		<author><name>Klaus Kuhl</name></author>
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		<title>Datei:Kuhl zeitzeugenliste-matrosen-und-arbeiteraufstand.pdf</title>
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		<updated>2024-11-26T13:17:55Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Klaus Kuhl: Klaus Kuhl lud eine neue Version von Datei:Kuhl zeitzeugenliste-matrosen-und-arbeiteraufstand.pdf hoch&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;=={{int:filedesc}}==&lt;br /&gt;
{{Information&lt;br /&gt;
|description={{de|1=Liste sämtlicher mir bisher bekannter Zeitzeugen zum Kieler Matrosen- und Arbeiteraufstand.}}&lt;br /&gt;
|date=2024-07-29&lt;br /&gt;
|source={{own}}&lt;br /&gt;
|author=[[User:Klaus Kuhl|Klaus Kuhl]]&lt;br /&gt;
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}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=={{int:license-header}}==&lt;br /&gt;
{{self|cc-by-sa-4.0}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Datei wurde mit dem UploadWizard hochgeladen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:UploadWizard]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Klaus Kuhl</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Kuhl_streitgespraech-m-l-popp_1978_plus-weitere-interv-u-gespraeche.pdf&amp;diff=65477</id>
		<title>Datei:Kuhl streitgespraech-m-l-popp 1978 plus-weitere-interv-u-gespraeche.pdf</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Kuhl_streitgespraech-m-l-popp_1978_plus-weitere-interv-u-gespraeche.pdf&amp;diff=65477"/>
		<updated>2024-11-26T13:09:21Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Klaus Kuhl: Klaus Kuhl lud eine neue Version von Datei:Kuhl streitgespraech-m-l-popp 1978 plus-weitere-interv-u-gespraeche.pdf hoch&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Die Seite [[Zeitzeugen Matrosen– und Arbeiteraufstand 1918/1919]] verwendet die Datei.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Klaus Kuhl</name></author>
	</entry>
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		<id>https://kiel-wiki.de/index.php?title=Zeitzeugen_Matrosen%E2%80%93_und_Arbeiteraufstand_1918/1919&amp;diff=65476</id>
		<title>Zeitzeugen Matrosen– und Arbeiteraufstand 1918/1919</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://kiel-wiki.de/index.php?title=Zeitzeugen_Matrosen%E2%80%93_und_Arbeiteraufstand_1918/1919&amp;diff=65476"/>
		<updated>2024-11-26T13:07:31Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Klaus Kuhl: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Die folgende Zusammenstellung basiert auf der Sammlung von Klaus Kuhl und wurde von ihm von seiner Webseite kurkuhl.de hierher übertragen. Dabei wurden Ergänzungen vorgenommen und die Interviews, Manuskripte, Auszüge aus der Literatur etc. wurden übersichtlicher präsentiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusätzlich zu den auf dieser Seite vorgestellten Berichten verfügt Kuhl über eine Reihe weiterer, die er als weniger bedeutend und/oder belastbar einschätzt. Ein kompletter Überblick, z.&amp;amp;nbsp;T. mit Auszügen oder Zusammenfassungen, wird in dieser Datei geboten: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Kuhl_zeitzeugenliste-matrosen-und-arbeiteraufstand.pdf PDF-Datei]. Das Dokument ist noch nicht komplett fertiggestllt und befindet sich noch in Bearbeitung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdem wird in den folgenden Unterabschnitten über verlinkte Personenseiten auf deren jeweilige Berichte aus der Zeit des Matrosen- und Arbeiteraufstands eingegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anführer des Aufstands ==&lt;br /&gt;
=== Lothar Popp ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Lothar popp mid-1920s.jpg|thumb|Passfoto Lothar Popps aus dem [[Hamburger Staatsarchiv]], aufgenommen vermutlich Mitte der 1920er Jahre.]] &lt;br /&gt;
[[Lothar Popp]] (1887–1980) war als Schlosser dienstverpflichtet auf der Germania-Werft. Er schrieb seine Erlebnisse zusammen mit Karl Artelt bereits im Dezember 1918 auf.&amp;lt;ref&amp;gt;Lothar Popp unter Mitarbeit von Karl Artelt: &#039;&#039;Ursprung und Entwicklung der November-Revolution 1918. Wie die deutsche Republik entstand.&#039;&#039; Behrens, Kiel 1919, Reprint als Sonderveröffentlichung 15 der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Kiel 1983. Im Jahr 2020 leicht gekürzt und von Klaus Kuhl kommentiert veröffentlicht in: IG Metall Bezirksleitung Küste (Hrsg.): Matrosenaufstand und Novemberrevolution 1918. Hamburg 2020, S. 96-115, ISBN 978-3-96488-063-5.&amp;lt;/ref&amp;gt; Unter den Nazis musste er das Land verlassen. Nach seiner Rückkehr aus den USA stellte er sich bereitwillig für Gespräche und Interviews zur Verfügung: Gespräche mit Volker Ullrich (1970 und 1972), Gespräch mit [[Dirk Dähnhardt]] (1975), Interviews vom WDR und NDR, Interview von Ute Kohrs (1976), Interview geführt von Klaus Kuhl (1978), Gespräch mit Bernd Michels für das „Sozialdemokrat Magazin“ (1978), Interview geführt von Christian Blöss (1978). Alle bisher bekannten Gespräche, Berichte und Interviews sind im Anhang des Mitschnitts des von Klaus Kuhl geführten Interviews („Streitgespräch mit einem 68er“) wiedergegeben (Link siehe unten). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszüge aus dem von Klaus Kuhl geführten Interview:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Am 28. Oktober 1918 erhielt die Hochseeflotte den Befehl zum Auslaufen. Die Matrosen nahmen gewiss zu recht an, dass die Flotte in einem letzten Verzweiflungskampf lieber untergehen sollte als in den Waffenstillstandsverhandlungen mit den Alliierten ausgeliefert zu werden. Die Heizer rissen die Feuer heraus und verhinderten so das Auslaufen der Schiffe. Abordnungen der Matrosen erklärten, sie seien bereit, die Küste gegen einen Angriff zu verteidigen, aber sich sinnlos einem sicheren Untergang preiszugeben, dazu seien sie nicht bereit. Cirka 800 Mann wurden festgenommen ....&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Popp merkte an, dass die Gefangenen nach Kiel gebracht worden seien. Nach den Recherchen Dähnhardts (Revolution in Kiel, 1978, S. 109) waren die vor Wilhelmshaven Verhafteten in eine Haftanstalt in Bremen-Oslebshausen gebracht worden und waren nach dem Matrosenaufstand von Kieler Matrosen befreit worden. Dabei stützt er sich auf Veröffentlichungen von Peter Kuckuk und Ulrich Kluge. Nach Kiel wurden die während der Fahrt durch den Nord-Ostsee-Kanal verhafteten 48 „Rädelsführer“ gebracht, sowie am Morgen des 3. November weitere 57 Verhaftete der „Markgraf“.&amp;lt;/ref&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Da den Matrosen [in Kiel] jede Versammlung verboten wurde, begannen sie zu demonstrieren. Um fünf Uhr nachmittags (am 3. November 1918) versammelten sich etwa zehntausend Matrosen und einige tausend Arbeiter, zogen zunächst zur &amp;quot;Waldwiese&amp;quot; und holten die dort Gefangenen heraus; wobei sich eine erhebliche Anzahl bewaffnete.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Der Zug bewegte sich dann zur Militärstrafanstalt in der Feldstraße. Marineinfanterie, die den Zug aufhalten sollte, weigerte sich. Jedoch an der Feldstraße gab es einen Zusammenstoß mit einer Gruppe, die als Applikanten und Maaten extra zusammengestellt war. Es gab acht Tote und zwanzig Verwundete.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Nach den Untersuchungen Dähnhardts gab es 7 Tote bei der Schießerei. Es waren keine Frauen und Kinder unter den Opfern. Eine Frau war kurze Zeit vorher im Verlauf des Demonstrationszuges unter eine Straßenbahn geraten und gestorben. Zwei verwundete Personen starben später. Damit kamen insgesamt 10 Personen im Rahmen der Ereignisse des 3. November ums Leben.&amp;lt;/ref&amp;gt; Doch die Bewegung war nicht mehr aufzuhalten. Immer mehr Einheiten schlossen sich der Bewegung an. Es wurden Soldatenräte gegründet.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In jeder Kaserne wurde extra Revolution gemacht, auf jedem Schiff extra. Auf einem Schiff haben sie mich geholt. Die kamen an, ich soll mit an Bord kommen. Wenn ich mir das heute so überlege, ich steige in so ein Boot, kommt der nächste Offizier und knallt dich über den Haufen. Ist ja toll, dass das damals nicht passiert ist. Sie müssen sich vorstellen, ich klettere nun an Bord, haben ein paar mich geholt, und dann sage ich zu dem Kommandanten, er soll alles antreten lassen, und der macht das! War auf der &amp;quot;Bayern&amp;quot;, war ein großes Schiff. Ich halte einen Speech, die ziehen die Rote Fahne hoch und damit hat sich das. (In einem anderen Interview bemerkte Popp dazu: ... ich habe hinterher noch mit dem Kommandanten gesprochen, der hatte selber die „Schnauze voll“).&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Kuhl: Der Noske ist doch gekommen, um die Revolution praktisch abzuwürgen. (Popp: Ja das ist ihm nicht gelungen.), aber wieso wird er dann in den Vorsitz des Soldatenrats gewählt?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Popp: Ja, wer war denn der Soldatenrat, die kannten einander ja kaum. Das waren doch keine von vornherein politisch ausgerichteten Leute. Ich habe dann noch den Fehler gemacht, da war ein Soldat dabei, den ich persönlich kannte. Den habe ich gerufen, den haben sie dann mitgewählt. Das war mit die grösste Dummheit, die es gab. das war ein schauerliches Mannsbild. Wir kannten einander ja kaum. Da war doch keine Rede davon. Ich weiß gar nicht, wie viele Soldatenräte es damals gab. Da in der Ecke wählten sie einen, da einen, da einen. Die richtigen Soldatenräte, das organisatorische, das gab’s doch erst, nachdem ich das organisiert hatte. Das waren doch wilde Geschichten. Kuhl: Haben Sie nicht versucht, zu verhindern, dass Noske gewählt wurde? Popp: Ja, warum denn? Ja, ich konnte doch die SPD nicht ausschalten! Hören Sie doch mal zu! Nun gehen Sie mal, wenn Sie einer sind, und die anderen sind zehn, wollen Sie die ausschalten die zehn? Wie machen Sie das? Kuhl: Man kann es doch auf alle Fälle versuchen. Popp: Nee, das ist ja putschen Menschenskind!&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum vollständigen Dokument mit allen weiteren bisher bekannten Aussagen im Anhang: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:kuhl_streitgespraech-m-l-popp_1978_plus-weitere-interv-u-gespraeche.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Karl Artelt ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Artelt and comrades Kiel-Wik 1914.jpg|200px|thumb|Karl Artelt, I. Werftdivision, links, (Ausschnittsvergrößerung rechts), gemeinsam mit Kameraden der I. Torpedo-Division in Kiel-Wik, September 1914]]&lt;br /&gt;
[[Karl Artelt]] (1890–1981) kam aus einem Dorf in der Nähe von Magdeburg. Er war Maschinenschlosser und diente zunächst in der I. Werft-Division und dann in der I. Torpedo-Division in Kiel Wik. Er war wie Popp Mitglied der USPD. Zusammen mit ihm schrieb er die o. g. Broschüre, wozu er hauptsächlich die Ereignisse in der Wik, sowie die erste Verhandlungsrunde beim Gouverneur beitrug. Er war ein ausgesprochen mutiger Mensch und hatte maßgeblich Anteil daran, dass die Marineangehörigen in der Wik die Offiziere entmachteten. Er wurde zum Vorsitzenden des ersten Soldatenrats in der Wik gewählt. Während Popp auch später in etwa bei den in ihrer Broschüre niedergelegten Darstellungen blieb, stellte Artelt die Ereignisse in der Folgezeit immer dramatischer und seine eigene Rolle als immer wichtiger dar. Im Jahr 1958 veröffentlichte er einen Artikel&amp;lt;ref&amp;gt;Karl Artelt: Mit der roten Fahne zum Vizeadmiral Souchon [Souchon war im August 1918 bereits zum Admiral befördert worden]. In: Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED: Vorwärts und nicht vergessen – Erlebnisberichte aktiver Teilnehmer der Novemberrevolution 1918/1919. Berlin 1958, S. 89–100.&amp;lt;/ref&amp;gt; in einem Sammelband mit Erlebnisberichten aktiver Teilnehmer der Novemberrevolution.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszüge:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Vor dem Kaiser-Cafe empfing uns plötzlich MG-Feuer.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Nach zeitnahen Berichten und Aktennotizen ist hier kein MG eingesetzt worden.&amp;lt;/ref&amp;gt; Unser Demonstrationszug stoppte. Als wir feststellten, daß niemand getroffen worden war, gingen wir weiter. Daraufhin schossen die MG-Schützen direkt in unseren Zug hinein. Vierzig bis fünfzig Demonstranten, darunter auch Frauen und Kinder, brachen unter den Kugeln zusammen. Acht von ihnen wurden getötet und 29 schwer verletzt.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Es gab sieben Tote und 29 Verletzte, darunter waren keine Frauen oder Kinder.&amp;lt;/ref&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Durch die Massen ging ein Schrei der Entrüstung und des Protestes. Nachdem die Mörder, die unter dem Kommando des Leutnants Steinhäuser standen, ... nicht bereit waren, das Feuer einzustellen, sprang ein Matrose ... vor und schlug den Leutnant Steinhäuser mit dem Gewehrkolben nieder. ...Junge Matrosen und Arbeiter stürmten die Stellung der Maschinengewehrschützen und schlugen sie in die Flucht.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Am anderen Morgen (4.11.1918, Klaus Kuhl) mußten alle Truppenteile in Kiel zum Appell antreten. ... Nach den üblichen Meldungen bestieg der Divisionskommandeur, Kapitän zur See Bartels, einen bereitgestellten Tisch und hielt eine Ansprache ... Er schilderte die gestrigen Vorkommnisse, sagte auch, dass die Luft mit Hochspannung geladen sei, dass aber ein Soldat sich nicht mit Politik zu befassen habe, da er von Politik nichts verstünde. Nachdem er den Tisch verlassen hatte, ... Kurz entschlossen sprang ich hinauf, hielt ebenfalls eine kurze Ansprache und forderte die Matrosen zur Wahl von Soldatenräten auf. Offiziere, die mich vom Tisch herunterzuschiessen versuchten, wurden von Matrosenfäusten rücksichtslos entwaffnet.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Auch hier handelt es sich um eine spätere Ausschmückung Artelts.&amp;lt;/ref&amp;gt; Anschliessend stürmten wir unsere Waffenkammern und wählten in allen Kompanien Soldatenräte. Ich wurde zum Vorsitzenden des Soldatenrates gewählt.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Nach kurzer Zeit erhielten wir die Meldung, dass ich sofort zum Gouverneur kommen möchte. Wir machten ein Auto klar, holten von einem Torpedoboot eine große rote Fahne, die größer als das Auto war, und bereiteten die Abfahrt vor. Als wir das Zimmer des Gouverneurs betraten, merkte ich, wie dieser sich förmlich zwingen mußte, mit uns zu unterhandeln. ... Er kam uns entgegen und sagte: &amp;quot;Ich danke Ihnen, dass sie die Courage aufgebracht haben, herzukommen.&amp;quot; Bevor wir in Verhandlungen mit ihm eintraten, fragte ich ihn, ob er uns als die von den Soldaten gewählten Vertrauensleute anerkenne und auf gleichberechtigter Basis mit uns verhandeln würde. Angesichts der realen Tatsachen antwortete er gezwungenermaßen mit &amp;quot;Ja&amp;quot;. Ich erklärte ihm nunmehr, dass wir zunächst die Fragen klären müßten, die in seinem Machtbereich liegen. Gleichzeitig warnte ich ihn jedoch .... Landtruppen gegen die revolutionären Matrosen einzusetzen. In diesem Falle hätte das III. Geschwader die Anweisung, das Offiziersvillenviertel Düsternbrook unter Feuer zu nehmen und alles in Schutt und Asche zu legen. ... gab er sofort in meiner Gegenwart die Erklärung ab, keine auswärtigen Truppen heranzuziehen und die schon auf dem Transport befindlichen ... zurückzuschicken. Außerdem teilte er uns noch mit, dass der Abgeordnete Noske und Staatssekretär Haußmann nach Kiel kommen würden, um mit uns weiter zu verhandeln.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Zur Frage warum Noske in Kiel relativ freie Hand erhielt, nahm Artelt in den 1960er Jahren auf Fragen von Angehörigen der Volksmarine wie folgt Stellung (nach Robert Rosentreter, &amp;quot;Blaujacken im Novembersturm&amp;quot;, Dietz Verlag, 1988, S. 250 f.): Karl Artelt hat auf diesbezügliche Fragen von Angehörigen der Volksmarine immer wieder betont, dass ihm und anderen Genossen die Rolle Noskes durch dessen Verhalten erst nach und nach bewußt geworden wäre. Artelt selbst und andere ... hätten zwar gewußt, dass Noske zu den rechten Kräften in der Partei gehörte, ihn aber doch immerhin als sozialistischen Parteifunktionär angesehen und gehofft, dass er in der Revolution eine den Arbeitern nützliche Politik machen würde, keineswegs hätte jemals jemand gedacht, dass er bereit sein könnte, auf Arbeiter schießen zu lassen ....&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gustav Garbe ===&lt;br /&gt;
[[Datei:gustav_garbe.jpg|150px|thumb|right|Foto Gustav Garbes aus dem Kieler Gewerkschaftshaus, aufgenommen vermutlich in den 1920er Jahren.]]&lt;br /&gt;
Der bekannte Kieler Gewerkschaftsfunktionär, Gustav Garbe (SPD, 1865–1935), wurde am 5. November 1918 zum Vorsitzenden des neu gebildeten Kieler Arbeiterrats gewählt. Er wurde zunächst als zögerlich wahrgenommen, weil er vergeblich die Marineangehörigen aufforderte mit der Bewegung noch „ein bis zwei Tage zu warten, da von den Werftarbeitern etwas ähnliches geplant sei.“ Er zeigte sich jedoch als tatkräftige Person und widersetzte sich mit Lothar Popp zusammen Gustav Noskes Vorstoß, den Aufstand abzubrechen. Der Schulterschluss zwischen Matrosen und Arbeitern wurde damit eindrucksvoll dokumentiert und es ist somit völlig berechtigt von einem Matrosen- und Arbeiteraufstand zu sprechen. Auf diesen Vorfall bezog sich Garbe, wenn er 1919 auf einer Konferenz der Metallarbeitergewerkschaft in Stuttgart sagte:&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Erst dadurch, dass die Soldaten und Arbeiter Hand in Hand gingen, erst dadurch, dass man sich seinerzeit, obgleich man den Haußmann und den Noske hat nach Kiel kommen lassen, wo wir sie damals eingewickelt haben, nicht hat beeinflussen lassen, erst dadurch ist es möglich geworden … &amp;lt;ref&amp;gt;Deutscher Metallarbeiter-Verband (Hrsg.): Protokoll der Konferenz der Bevollmächtigten des D.M.-V., abgehalten vom 16. bis 18. Juni 1919 im Saale des Stadtgartens in Stuttgart. Stuttgart 1919. Garbes Rede ist auf den Seiten 61. ff. wiedergegeben.&amp;lt;/ref&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Die im Folgenden angegebene PDF-Datei enthält Hinweise auf ausführliche Artikel über Garbe sowie eine kurze Biografie, Redebeiträge und schriftliche Zeugnisse Garbes: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Kuhl_gustav-garbe_2023.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mannschaftsangehörige Marine, untere Dienstgrade ==&lt;br /&gt;
=== Karl Bock ===&lt;br /&gt;
Karl&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Im SED-Parteiarchiv wird sein Vorname in zwei Fällen auch mit „C“ geschrieben. Dies basiert aber offensichtlich auf einem Übertragungsfehler.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bock (* 1896) kam aus Berlin und war Torpedoheizer bzw. Torpedomaschinist auf „Markgraf“. Er schrieb im November 1918 einen Brief an seine Schwester. Im Jahr 2024 wurde eine ausführliche Quellenanalyse vorgenommen, da von Seiten des Deutschen Historischen Museums (wo weitere Dokumente von Bock vorliegen) von einer Fälschung ausgegangen wurde. Die Analyse ergab jedoch, dass die Dokumente verschiedentlich überarbeitet worden waren, ohne dies in den SED-Archiv-Dokumenten kenntlich zu machen, dass aber keine Fälschung vorliegt. Die Analyse wird in dem unten verlinkten PDF-Dokument detailliert beschrieben. Im Jahr 1957 erstellte Bock außerdem einen schriftlichen Bericht über seine Erlebnisse auf Anforderung der SED.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszüge aus dem Brief an seine Schwester nach der vermuteten frühesten Abschrift:&lt;br /&gt;
:’’Jedenfalls war einstimmig beschlossen, daß wir nicht rausfahren und daß hatten wir durchgesetzt. Am anderen mittag fuhren wir nach Kiel, auf der Fahrt hatten wir die vollsten Beweise, daß doch etwas geplant war, also ist es doch in dieser Hinsicht gut gewesen, wer weiß ob ich heut noch lebte! So liegen wir im Kieler Hafen. Übrigens hatten wir noch eine Verfügung vom Flottenchef, die besagte, daß unsere Beunruhigung jeder Grundlage entbehre, (Wir haben Beweise). […] Heute haben sie nämlich in aller Heimlichkeit mindestens 60 Mann zu schweren Arrest verurteilt, in aller Heimlichkeit wie die schwersten Verbrecher an Land gebracht. Sodaß wir es erst zu spät wussten. Einige, die sich zu weit geäußert haben, sitzen in Untersuchung. Das wird ja nun nicht so vorübergehen, zweitens wird die Sache auch im Reichstag kommen. Jedenfalls kann man allerhand erwarten hier. Also wundere Dich nicht, wenn mir etwas gleichartiges passiert. Jedenfalls wir kämpfen für unser Leben, aber wollen es nicht einsetzen für Heldentod und gleichartiges. Die Zeiten sind vorbei, die Zeiten sind reif, zur Zertrümmerung von Götzenbildern, jetzt.’’&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den vollständigen Dokumenten, die auch die Diskussionen unter den Mannschaften und mit den Offizieren enthält, als das III. Geschwader nach Travemünde weiterfuhr und dort vor Anker ging, sowie einen Vergleich mit den Aussagen des Wachoffiziers Karl von Kunowski und des 1. Offiziers Wilfried von Loewenfeld (PDF): [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Bock-kunowski-loewenfeld_markgraf_1918.pdf].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wilhelm Kleineweber ===&lt;br /&gt;
Kleineweber (*1900) war Rekrut bei der I. Torpedo-Division in Kiel Wik. Er gehörte der Patrouille an, die unter Führung von Leutnant Steinhäuser am 3. November auf die Demonstranten schoss. Er war dann für viele Jahre bei der Polizei, lebte in Eckernförde und wurde als Polizeihauptmann pensioniert. Er gab der Eckernförder Zeitung 1969 ein Interview, ebenso dem NDR (vermutlich Ende der 1970er Jahre) und es fanden zwei Gespräche mit Dirk Dähnhardt statt (Mitte und Ende der 1970er Jahre).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszüge:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Und so marschierten wir in die Feldstraße und zwar bis zum langen Segen, ... Und da war eine Kette gezogen von Schutzleuten, Schutzleuten von der blauen Schutzmannschaft in Kiel. ... Wie der Zug nun kam, wurden die Schutzleute sofort blitzartig aufgerieben und die türmten in den Langen See hinein. Und dann ging der Leutnant Steinhäuser vor uns vorweg zu der Spitze des Zuges, das war ein unheimlich langer Zug gewesen, man sprach von 20.000 Mann. ... Und dann ging der Leutnant Steinhäuser vorweg und mahnte, sie sollten vorsichtig sein, sie sollten zurückgehen und sofort und so weiter und dann ist ein Schuss gefallen. Woher der Schuss gekommen ist, kann ich Ihnen nicht sagen, man hat einmal festgestellt, der Schuss soll von uns aus gekommen sein. Ich kann es nicht bestreiten, ich glaube es aber nicht. Ich glaube eher, dass er aus der Menge gekommen ist, die waren ja alle bewaffnet schon.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Nach der detaillierten Analyse der Vorgänge gab Steinhäuser Feuerbefehl, wobei die Rekruten fast alle in die Luft schossen. Nach nochmaligem Feuerbefehl schossen sie in Panik auf die erneut anstürmenden Demonstranten und flohen dann, wobei Steinhäuser allein zurückblieb. Ein Polizeimeister und der in der Nähe weilende Marineoffizier Karl Weiß kamen ihm zu Hilfe. Alle drei wurden schwer verletzt.&amp;lt;/ref&amp;gt; Jedenfalls wurden wir überrumpelt. Der Leutnant Steinhäuser kriegte, soweit ich das mitbekommen habe, einen mit dem Kolben über den Schädel und er wurde dann in dieses Lokal neben dem Stadtcafe hineingeschleppt und wir waren der Meinung, sie hätten ihn totgeschlagen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum vollständigen Dokument, mit den genannten Interviews und Berichten inklusive eines Kommentars von Klaus Kuhl: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:kleineweber_interviews_1960er-und-70er-jahre.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Alfred Schwabe ===&lt;br /&gt;
[[Datei: alfred-schwabe_1923.jpg|150px|thumb|Alfred Schwabe 1923, zur Verfügung gestellt von Gerd Kassner, der Alfred Schwabe noch persönlich gekannt hatte.]]&lt;br /&gt;
Alfred Schwabe (1892–1973) war U-Boot Fahrer und nahm im November 1918 an einem U-Bootslehrgang in der Uboot-Division in Kiel-Wik teil. Er wurde von Offizieren mit seinen Kameraden herangezogen, die Aufständischen in der Wik zu bekämpfen. Er verfasste darüber vermutlich in den 1950er/60er Jahren einen schriftlichen Bericht, wahrscheinlich auf Anforderung der SED. Er wurde jedoch nicht veröffentlicht oder archiviert und gelangte über die Familie Artelt (Schwabe hatte ihn Karl Artelt zur Verfügung gestellt) an Klaus Kuhl.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszüge:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Als ich mit Matrosen der grossen Schlachtschiffe, der Kreuzer und der immer in See stehenden Torpedoboote bekannt wurde, spürte ich dass dort ein anderer Wind wehte, als auf unserem U-Boot. Bei uns war des ganze Boot auf jeden Einzelnen angewiesen, von Offiziersdrill war nichts zu spüren. Aber das furchtbare Völkermorden hatten wir trotzdem satt, die Sehnsucht nach Frieden war vorherrschend. Als ich auf Urlaub kam, kannte ich meine Eltern kaum noch, so abgemagert und verbissen waren sie, und wir versenkten im Mittelmeer Schiffe und wieder Schiffe, gefüllt mit Lebensmitteln aus Amerika. ... Am Morgen ... erhielt unser Lehrgang, es waren gegen 40 Maate und 10 Obermatrosen, Pistolen und Munition ausgehändigt. Wir marschierten nach der Werftdivision Kiel - Wik. ... Wir marschierten diagonal über den Exerzierplatz. An der rechten Ecke am Hafen standen 150 - 200 Matrosen bei einer Versammlung. Wir wurden in die Turnhalle geführt. Ein junger Leutnant hatte das Kommando und hielt eine Ansprache. Heldentum und Treue zu den Offizieren, Kampf gegen die Meuterer war der Inhalt. ... Minuten war es kirchenstill. Plötzlich ein Gebrüll von weit her, aber es kam näher und näher. &amp;quot;Achtung, Ächtung! Pistolen laden und sichern!“ Im Flüsterton bei den Obermatrosen: &amp;quot;wir schiessen nicht, wir schiessen nicht“. Gegenzug rechts! Marsch! Zur Turnhalle hinaus!“ Wir Obermatrosen waren am Schluss des Zuges und somit den anstürmenden teils bewaffneten Matrosen am nächsten. Es waren die, welche die Versammlung auf dem Exerzierplatz durchführten. Etwa 10 mtr vor der Menge liefen 2 Matrosen und riefen uns zu: &amp;quot;Kameraden werft die Waffen weg oder kommt mit den Waffen zu uns, schiesst nicht auf Eure Kameraden. Nieder mit dem Krieg! Nieder mit den Kriegsphantasten!“ Achtung! Achtung! Feuer, brüllte unser Leutnant. Eine Anzahl Schüsse fielen, aber ich habe nicht gesehen, dass einer getroffen war. Ich war nicht einen Moment unschlüssig; schon zogen wir die anderen zu uns herüber bezw. hinüber. „Los rüber, Schiet op den Krieg! Ein Teil der Maate schloss sich an. Es fielen wieder Schüsse von unserem linken Flügel der Maate oder dem Leutnant; denn 2 übergelaufene Maate waren getroffen und wurden fortgetragen. Der Leutnant war aber plötzlich spurlos von der Bildfläche verschwunden und hat nie wieder in Kiel unseren Bug gekreuzt. Wir, der verstärkte Haufen, rannten nun in die Kasernenblocks, riefen den Matrosen unsere Parolen zu und forderten sie auf, uns zu folgen. Viele schlossen sich an, ein Teil verhielt sich passiv. Offiziere waren eigentlich wenig da und die anwesenden wurden teils mit Güte, teils mit Gewalt, abgetakelt, d. h. die Epauletten und die Kokarden abgemacht. Und so ging es etwa 15 Häuserblocks durch, der Haufen wurde immer grösser und grösser. Leider waren aber auch schon die Räuber am Werk; denn aus den Kleiderkammern und Magazinen stürzten gefüllte Seesäcke aus den oberen Etagen und wurden fortgeschleppt. Aber das liess uns z.Z. kalt. Wir stürmten weiter. Nachdem alle Kasernenbauten abgekämmt waren, eilten wir an die Hafenmole. Zwei Torpedoboote wurden durch Schüsse und Zurufe aufgefordert die rote Flagge zu hissen. Es waren die ersten Schiffe, welche in Kiel die rote Flagge am Mast hochzogen. Leider sind mir die Nummern entfallen. Viele Boote folgten; Pinassen fuhren mit roter Heckflagge zu den dicken Kasten und forderten sie auf sich uns anzuschliessen. Starkbesetzte Boote brachten immer mehr revolutionäre Truppen an Land. Mein Wohnschiff, der älteste Kasten der Marine SMS &amp;quot;Mars“ (Bordwände aus Holz) hatte 1866 gegen die Dänen mitgekämpft, setzte sich lange zur Wehr. 2 rote Matrosen mit weisser Parlamentärflagge wurden zum Verhandeln an Bord geschickt und erreichten, dass doch eindrucksvoll die Kriegsflagge gestrichen wurde und die rote Flagge am Mast hochging. Ein grosser Teil der Matrosen zog durch die Strassen von Kiel und es erfolgte eine systematische Entwaffnung der Offiziere. Das Abtackeln war manchen Matrosen eine wahre Wollust, konnten sie sich doch für Drill und Erniedrigungen rächen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum vollständigen übertragenen und kommentierten Dokument: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:schwabe_manuskript_1950-60.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Fritz Fischer ===&lt;br /&gt;
Fritz Fischer fuhr als Obermatrose auf Torpedobooten und Zerstörern. Er war verschiedentlich widersetzlich und überzog seinen Urlaub. Er erhielt deshalb Strafen und wurde zum Matrosen degradiert. Im Oktober 1918 gehörte er der I. Torpedo-Divison in Kiel-Wik an. Später wurde er ein bekannter Intendant und verfasste 1970 seine unveröffentlichten Memoiren. Darin widmet Fischer mehrere Seiten seiner Zeit in der Kaiserlichen Marine und seiner Rolle beim Kieler Matrosenaufstand. Er wurde mit Karl Artelt in den ersten Soldatenrat gewählt und gehörte auch der Delegation an, die vom Gouverneur Souchon ins Stationsgebäude gebeten wurde. Fischer nahm auch an den folgenden zwei Verhandlungen (an der dritten waren auch Noske und Haußmann beteiligt) am selben Tag teil.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auszüge aus den Memoiren:&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Und dann wie ich dort ankam, in Kiel, also wo waren Sie die ganze Zeit, sage ich, ich weiß es nicht. Also kam ich vor das Kriegsgericht und dieser Kriegsrichter ...... also ich kam dauernd zu Vernehmungen, wurde vorgeführt, und inzwischen gärte es natürlich schon bereits. Und eines Tages kam der Moment, … Also wir bekamen die Waffen ausgehändigt mit Munition, dann wurden sie uns wieder weggenommen. … wurde also von Mittags, wurde die ganze Werftdivision und [Torpedo-] Division zusammen auf dem Riesenplatz, den es ja heute noch gibt, zusammengetrommelt und der Kapitän Bartels hielt uns also eine Rede und sagte, was ist eigentlich los mit euch. Und so und so. Und alles fing an zu murren und wir … [gingen] auseinander. Daraufhin wollte er vier, zwei Leute von der Werftdivision und zwei Leute von der Torpedo-Division sprechen. Ich wurde von den Kameraden dazu abgeteilt. Der eine war ein Matrose Artelt und wir haben also gesagt, was wir wollten. Der A. sagte sofortige Abdankung vom Kaiser und ich sagte sofort die Gefängnisse auf, ja von allen Politischen. Währenddem … kam ein Telefunk-Gespräch und es wurde gesagt, wir sollten zum Gouverneur vorgeführt werden. Er wolle uns sprechen in Kiel. Auf einem kleinen Lastwagen fuhren wir also zum Gouverneur, saßen dem gegenüber am grünen Tisch und haben also unsere Anliegen vorgebracht. Der Kriegsgerichtsrat, der mich verhörte, der saß mir gegenüber. Dies sei nebenbei gesagt, es ist ein Stuttgarter gewesen, den ich später im Theater im Foyer getroffen habe.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Zum vollständigen Abschnitt über seine Erlebnisse während des Aufstands: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Fritz-fischer_memoiren-revzeit_1970.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Frederik Matzen, dänisch gesinnter Matrose ===&lt;br /&gt;
Matzen kam aus Gråsten/Gravenstein, das vor dem ersten Weltkrieg zum deutschen Kaiserreich gehörte. Er berichtet in zwei Artikeln des Jahrbuchs dänisch gesinnter ehemaliger Kriegsteilnehmer (DSK) 1963 und 1967 über seine Erlebnisse während des Matrosenaufstands in Kiel. Zu der Zeit erhielt er eine Ausbildung zum U-Bootfahrer und war auf der in der Wik liegenden SMS „Mars“ untergebracht. Seine Einheit wurde in die Stadt geführt, um den Aufstand niederzuschlagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszug aus seinen Berichten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wir wurden von einem Kapitänleutnant geführt. Meine Gruppe wurde von einem Leutnant geleitet, der während des Eilmarsches nach Kiel versuchte, unsere Gunst zu gewinnen, indem er uns auf Plattdeutsch ansprach. Wahrlich, das große Vaterland musste am Rande des Abgrunds stehen! Es war ein dunkler und trüber Regentag, als wir mit vielen anderen Truppenteilen auf dem Kasernenhof der Matrosendivision aufgestellt wurden. […] Der Kommandeur der Marinestation, […] kam mit seinem Stab auf den Platz. Der Admiral war ein kleiner, älterer Mann. Mein bleibender Eindruck von ihm war, dass er kurz davor war, von der großen, mit Gold überladenen Mütze, von den schweren Epauletten auf seinen Schultern und vom Ernst der Lage zu Boden gedrückt zu werden ... &#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den vollständige Artikeln in Deutsch und Dänisch, und weiteren Kiel betreffenden Artikeln aus den Jahrbüchern: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Matzen_DSK_aarbog_1963_1967.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Josef Gerding ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Josef-gerding ca-1917.jpg|150px|thumb|Josef Gerding ca. 1917, Familienbesitz.]]&lt;br /&gt;
Josef Gerding kam aus Metelen, einer kleinen Stadt im heutigen NRW und diente als Matrose auf der SMS &#039;&#039;Westfalen&#039;&#039;. Er beschreibt seine Erlebnisse in einem Dienstjahres-Tagebuch und in Briefen, die von der Familie verwahrt werden. Die Gegenüberstellung mit dem Bericht seines Kommandanten Max Loesch zeigt, dass die Seeoffiziere vor der wirklichen Stimmung ihrer Mannschaften die Augen verschlossen. Während Gerding am 4. November 1918 notiert, dass man sich nach langer Knechtschaft frei gemacht habe, hat Loesch noch am selben Tag „den Eindruck […], daß an Bord noch alles in bester Ordnung sei…“ Gerding erwähnt besonders die drakonischen Maßnahmen der Flottenleitung im Sommer 1917, die von den Besatzungen als großes Unrecht empfunden wurden. Die Seeoffiziere ignorierten die entsprechenden Anzeichen und wurden dann durch Ausmaß und Schnelligkeit des Aufstands im November 1918 überrascht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Am Montag [4. November 1918] Fortsetzung der Unruhen. Abends ging es bei uns an Bord auch los. Nachts um 2 Uhr wurden alle geweckt. Ein Obermatrose der an Land gewesen, berichtete die Zustände an Land auch das ein Arbeiter und Soldatenrat gebildet sei. Wir haben uns dann gleich angeschlossen. Am Dienstag morgen wurde unter Jubel die rote Flagge gehisst. Und sämtliche Schiffe im Kieler Hafen folgten unserem Beispiel soweit sie nicht voran gegangen waren.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwei Briefe, die Gerding nach Hause schickte und Auszüge aus seinem Tagebuch sowie im Anhang der Bericht von Kapitän zur See Max Loesch: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Gerding_tagebuch-briefe_1917-1918.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Marine, mittlere Dienstgrade ==&lt;br /&gt;
=== Fritz Fabian ===&lt;br /&gt;
Fritz Fabian (geb. 1887) kam aus Oberschlesien und diente während des Ersten Weltkriegs als Unteroffizier auf SMS „Kronprinz Wilhelm“. In seinen Revolutionserinnerungen, verfasst vermutlich in den 1920er Jahren, beschreibt er die Ereignisse von Ende 1918 bis etwa 1920. Das Dokument wurde von einem Nachfahren in EUROPEANA eingestellt und von Klaus Kuhl transkribiert (ein Teil wurde auch von Axel Klekers transkribiert) und kommentiert. Der Schreiber hatte ein konservatives und nationalistisches Werteverständnis. Viele der berichteten Details halten einer Überprüfung nicht stand. Fabian versuchte – auch wenn er den Seeoffizieren (eher indirekt) mangelndes Durchgreifen vorwarf, ein positives Bild von ihnen zu zeichnen. In einer mehr nebensächlichen Anmerkung kommt jedoch ganz grundsätzliche Kritik zum Vorschein:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Bei dieser Gelegenheit [Überführung des III. Geschwaders nach Kiel ohne dass die Offiziere sich an der Schiffsführung beteiligen durften] mag wohl manchem jungen Offizier die Erkenntnis gekommen sein, daß es nicht allein nur tüchtige Offiziere, sondern auch hervorragend tüchtige U.O. [Unteroffiziere] gab, deren Tüchtigkeit und Fähigkeit aber nie in gerechter Weise eingeschätzt wurden. […] Wäre dieser Dünkel nicht vorhanden gewesen und wäre die Selbstüberhebung der jüngeren Offiziere nicht systematisch genährt worden, ich glaube, das Seeoffizierkorps und überhaupt die ganze Marine hätte sich vielleicht besser dabei gestanden. Ich erwähne das nur so nebenher.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum vollständigen übertragenen und kommentierten Dokument: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Fabian_revolutionserinnerungen_1924_kommentiert.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Paul Kässner, Oberdeckoffizier ===&lt;br /&gt;
Kässner (geb. vermutlich ca. 1880) schrieb 1932 die Geschichte der Deckoffizierbewegung (Selbstverlag Altona), weitgehend gestützt auf zeitnah verfasste Berichte. Seine Schilderungen zu wichtigen Ereignissen wurden bisher in der Geschichtsschreibung kaum berücksichtigt. Dies betrifft besonders: Bildung der Sicherheitstruppe des Soldatenrats, Aufbau der Eisernen Brigade/Division, die Februarunruhen 1919 in Kiel, die Ernennung von Volksoffizieren.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auszug bzgl. des Aufbaus der Eisernen Division (I. Marine-Brigade):&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In der Versammlung wurde natürlich auch die Führerfrage besprochen. Selbstverständlich war von der Regierung von vornherein zugestanden worden, daß diese Truppe selbst ihre Führer und ihr inneres Leben bestimmen könne. Aus der Versammlung heraus wurde allgemein zum Ausdruck gebracht: Wir wollen nicht daran denken, wie wir früher behandelt worden sind und deshalb sollen ruhig Offiziere alle oberen Stellen in der Truppe besetzen; aber es müssen Offiziere sein, die unser Vertrauen besitzen und die auch etwas vom Landkrieg verstehen. In diesem Sinne ließ Kamerad Alboldt noch am selben Abend die verschiedenen Offiziersgruppen und im besonderen die Seeoffiziere informieren und ihnen sagen, daß die Formation der Truppe am andern Vormittag in der Waldwiese erfolgen werde. Es mag hier gleich erwähnt werden, daß sich außer Kapitänleutnant v. Werner kein einziger Offizier dort einfand.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Analyse und Edition: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Kuhl_analyse-edition-kaessner-deckoffizierbewegung_2022.pdf PDF-Datei.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Louis Streichert ===&lt;br /&gt;
Louis Streichert (geb. 1890) diente im ersten Weltkrieg auf SMS &amp;quot;Straßburg&amp;quot; vermutlich als Unter- oder Deckoffizier. Er wurde im Jahr 1975 von Karl-Reinhard Titzek und Tilmann Weiherich interviewt.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auszüge:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Zum Beispiel habe ich meinen Eltern geschrieben, dass ich gerne fürs Vaterland sterben würde, und wir den Kaiser an Bord nehmen und mit der ganzen Flotte ruhmreich untergehen. Manchmal hat der einfache Heizer weiter gedacht als der Herr Admiral. Wir fuhren nicht raus und gaben die Minen in Cuxhaven wieder ab. Dann fuhren wir durch den Kanal in die Ostsee. Als wir nach Kiel kamen, sahen wir die ganze deutsche Flotte. […] Da sind wir ausgewichen nach Saßnitz (Rügen). Da wurde ein Telegramm an den Kaiser geschickt: „Wir halten treu zu unserem Kaiser, und wenn er es wünscht, nehmen wir ihn an Bord und fahren mit ihm irgendwohin ins Ausland.“ Der Kommandant stand da und weinte beinahe. Er sagte, dass der Kaiser sie alle aus ihrem Eid entbunden hätte. Er ging dann weinend weg. Da holten wir die Kriegsflagge nieder.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Das vollständige Interview mit einem Bericht des I. Offiziers über die Ereignisse im Anhang ist hier zugänglich: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Interview-streichert-brosch-weddigen-strassburg.pdf PDF-Datei.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Marineoffiziere ==&lt;br /&gt;
=== Admiral Bachmann, Admiral Souchon, Konteradmiral Küsel ===&lt;br /&gt;
Gustav Bachmann war bis zum 30. Oktober 1918 Gouverneur von Kiel und hatte damit die militärische und zivile Gewalt inne. Er wurde abgelöst von Wilhelm Souchon. Hans Küsel war Stabschef in der Marinestation in Kiel. Alle drei hinterließen schriftliche Aufzeichnungen über die Ereignisse. Insbesondere Küsel verfasste einen detaillierten Bericht, den er bereits 1919 begann und 1935 abschloss. In den Aufzeichnungen wird auch thematisiert, warum man das III. Geschwader in das „Pulverfass“ Kiel schickte. Dies trug entscheidend zur weiteren Eskalation bei, die schließlich zum Kieler Matrosen- und Arbeiteraufstand führte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Küsel schrieb u.&amp;amp;nbsp;a.:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Der Stationschef sieht sich in eine ungeheuer schwierige Lage […] versetzt, in der die Entscheidung ihm schon aus der Hand genommen ist. Es ist vollendete Tatsache, daß die Schiffe des III. Geschwaders, auf denen nach eigner Meldung des Geschwaderchefs [Kraft], Meutereien im größten Umfange vorgekommen sind, im Hafen von Kiel liegen. Beurlaubungen im größten Umfang haben von den Schiffen bereits stattgefunden. Admiral Souchon setzt Vizeadmiral Kraft die Lage in Kiel auseinander. Im Festungsbereich befinden sich über 100.000 Arbeiter, unter denen es gärt. Für den 5. oder 7. November wird ein Streik der Rüstungsarbeiter erwartet. […] Die Hauptgefahr sah Admiral Souchon ebenso wie ich darin, daß streikende Arbeiter und meuternde Soldaten sich zusammenfinden könnten.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Aus diesen Erwägungen heraus stellte Admiral Souchon erneut die Forderung an Vizeadmiral Kraft, Kiel sofort mit seinen Schiffen zu verlassen. Den Hafen sofort mit seinen Schiffen wieder zu verlassen erklärte sich jetzt Vizeadmiral Kraft außerstande. Von einer weitgehenden Beurlaubung erwarte er aber mit Zuversicht eine durchgreifende Beruhigung.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Berichte der Seeoffiziere werden in einer 2023 erschienen Veröffentlichung vorgestellt und analysiert: Klaus Kuhl: Gefangen in Überheblichkeit und Engstirnigkeit: Die führenden Seeoffiziere und der Matrosen- und Arbeiteraufstand in Kiel 1918. Die Berichte der Chefs der Marinestation und Gouverneure von Kiel, Admiral Gustav Bachmann und Admiral Wilhelm Souchon sowie ihres Stabschefs Konteradmiral Hans Küsel. Kiel 2023. Herausgegeben vom Verein Maritimes Viertel – Kultur am Kanal e.V. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Karl von Kunowski ===&lt;br /&gt;
Karl von Kunowski (1897–1991) war Fähnrich und Wachoffizier (WO) auf der „Markgraf“. Er schrieb seine Erlebnisse vermutlich noch 1918 auf. Später wohnte er in Flintbek bei Kiel und war Professor an der Kieler Universität. Er übergab sein Typoskript, das er betitelte: “Erinnerungen an: Die letzten Tage der Kaiserlichen Marine1918, beim III. Geschwader auf SMS Markgraf als wachhabender Offizier“, 1978 an [[Dirk Dähnhardt]], siehe Nachlass im [[Stadtarchiv]]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszüge:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Freitag, 8. Nov. 1918 [zu der Zeit befand sich das III. Geschwader vor Travemünde]: Morgenwache gegangen, aber nichts veranlaßt, die Routine wird noch eingehalten. Leute fragen WO, machen aber auch alles mögliche selbständig. Am Nachmittag gegen 4 Uhr wurde gepfiffen, alle Mann achter raus, auch Offiziere. ... Ein Maschinistenmaat sprach über den Soldaten- und Arbeiterrat, der sich über die ganze deutsche Küste erstrecken und die sogen. Radikalen d.&amp;amp;nbsp;h. geläuterten Sozialisten umfassen soll. Der Soldatenrat verfolgt zwei Ziele: 1. Die Abschaffung des preußischen Militarismus, 2. Die beschleunigte Einleitung von Friedensverhandlungen. Die jetzige Regierung könnte dieses nicht, sie ist bestochen. Die Männer der Regierung sind dazu nicht geeignet, denn wir wollen keinen Kapitalistenfrieden, sondern einen Arbeiter- und Soldatenfrieden.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Alle Macht liegt in den Händen des Sold.rates. ... Den Offizieren ist es freigestellt, auszusteigen oder achtern mit an Bord zu bleiben. Fahren oder sonst sich beteiligen sollen sie nicht.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Um neun Uhr abends findet in der Messe eine Sitzung statt. Kapitän Heizing sagt, daß es nach seiner Aussprache mit dem Kommandanten u. Admiral unbedingt nötig sei, an Bord zu bleiben, so schwer dieses auch fiele, und zwar um einmal in jedem Falle für die Sicherheit des Schiffes zu sorgen und ev. die Leitung zu übernehmen, sowie zweitens um bei Änderung der Verhältnisse entsprechend eingreifen zu können, z.&amp;amp;nbsp;B. bei Außerdienst Stellung der Flotte. Außerdem dankte voraussichtlich S.M. der Kaiser ab, so daß wir unseres Treueides entbunden würden.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Der Arb.-u.Sold.-rat befahl, daß sich die Offiziere an der Fahrt nach Kiel nicht beteiligen sollten, .... Markgraf führte das dritte Geschwader in Kiellinie 25 Sm. Der Steuermann wurde gewzungen[!], die Schiffsführung zu übernehmen auf Anweisung des Sold.-rats. Der Signalmeister mußte die Wache an Deck gehen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In die Offiziersmesse kommen zwei Unteroffiziere des Sold.-rates und verkündigen, daß jetzt alle Mahlzeiten ohne Unterschied für verschiedene Dienstgrade zubereitet werden. Außerdem teilen sie mit, daß die Offiziere sich bis morgen früh um 10 Uhr sich entscheiden sollen, ob sie zu dem Soldatenrat gehören wollen oder nicht. Im ersteren Fall soll der Dienst unter den bereits genannten vorläufigen Bedingungen im Einvernehmen mit dem Herrschenden Soldatenrat weitergehen. Werden dagegen die Forderungen des Sold.-rats nicht unterschrieben, sind sie frei, d.&amp;amp;nbsp;h. ihr Dienst ist dann quittiert.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vollständiges Dokument, das auch einen Vergleich mit den Aussagen des Besatzungsmitglieds Karl Bock (s.&amp;amp;nbsp;o.) und denen des 1. Offiziers Wilfried von Loewenfeld enthält: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Bock-kunowski-loewenfeld_markgraf_1918.pdf PDF-Datei.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kapitänleutnant Max Wittmer ===&lt;br /&gt;
Max Wittmer (*1884 in Kiel, +1979) war Torpedobootskommandant und im ersten Weltkrieg Lehrer an der Ingenieur und Deckoffizierschule in Kiel-Wik, später wurde er Handelsagent. Er wurde im Jahr 1975 von Karl-Reinhard Titzek und Tilmann Weiherich interviewt. Drei Jahre später wurde er von Dirk Dähnhardt befragt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszüge:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Im Eilmarsch zog er mit seiner Patrouille dem Demonstrationszug hinterher. Bevor er die Kreuzung Karl-, Brunswickerstr. erreicht hatte, hörte er Schüsse. Ein großes Durcheinander erblickte er am Ort des Geschehens. Da seine Leute überrannt zu werden drohten, ließ er Warnschüsse abfeuern. Als auch diese keine Wirkung zeigten, ließ er auf die Beine zielen. Das sei der schwerste Befehl seines Lebens gewesen, berichtete Herr Wittmer. Nach den Schüssen war aber die Straße wie leergefegt. Nur einige Frauen schimpften auf die Männer, was für Feiglinge sie seien. Noch einmal ließ Herr Wittmer einen Warnschuß feuern, dann endlich herrschte Ruhe.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Anmerkung Kuhl: Eine genauere Analyse ergab, dass Wittmer wohl hauptsächlich die Erlebnisse anderer Offiziere wiedergibt. In einigen Fällen offenbaren die archivierten Berichte anderer Offiziere und die Lazarettlisten einen wahren Kern in Wittmers Schilderungen. Insofern gibt es gewisse gegenseitige Bestätigungen, die immerhin ein wenig zur Erhellung der Vorgänge beitragen. Insbesondere könnte am 3. November 1918 abends tatsächlich eine nachrückende Einheit der Deckoffizierschule auf die Füße und Beine der Demonstranten geschossen haben, um diese auseinanderzutreiben.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den vollständigen übertragenen und kommentierten Dokumenten einschließlich einer Quellenanalyse: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Wittmer_interviews_1975-78_analyse.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Heeressoldaten ==&lt;br /&gt;
=== Jonny Pump ===&lt;br /&gt;
[[Datei:jonny-pump_1980.jpg|150px|thumb|Jonny Pump 1980 in seiner Kieler Wohnung. Foto: Kuhl.]]&lt;br /&gt;
Jonny Pump sollte als Rekrut von Schleswig aus gegen den Matrosenaufstand in Kiel eingesetzt werden. Er war deutsch-national eingestellt und unterstützte 1920 mit den Zeitfreiwilligen den Kapp-Putsch in Kiel. Später führte er einen Elektroladen. Er wurde 1978 und 1987 von Klaus Kuhl (und teilweise Peter Cornils) interviewt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszug:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ich persönlich jedenfalls war damals in Schleswig, in Schloss Gottorf. Erst bei unserem Abmarsch aus Schleswig wurde uns gesagt, dass in Kiel ein Aufstand sei. Und nun sollten wir, woll&#039;n mal sagen da als ... ... den Aufstand (niederwerfen). Wir konnten uns auch nicht vorstellen, ob das nun Arbeiter sind oder Soldaten sind, wussten wir ja nicht. Wir sind losgefahren, verladen und haben Munition und Gewehre empfangen. Und wenn das nun tatsächlich hart auf hart gekommen wäre, dann wäre das ja so gekommen, wir hätten ein Kommando gekriegt: &amp;quot;Ausschwärmen!&amp;quot; und müssen schießen auf unsere eigenen Leute. ... kamen wir mit dem Zug nicht mehr in Kiel rein. Der Bahnhof war besetzt von Matrosen – soweit ich gehört habe – und die hielten den Zug an, so bei der Lübecker Chaussee. Jedenfalls kamen Verschiedene nicht wieder. Aber das waren ältere Soldaten. Ob die nun orientiert waren? [Nikolaus Andersen beschreibt in seinem Tagebuch, wie Soldaten des Schleswiger Infanterieregiments im Bahnhof ankamen und sich dort mit den Aufständischen verbrüderten; siehe unten.]  Wir waren ja meistens junge Rekruten. Die Ausbilder waren alte verwundete Frontsoldaten. Die scheinen mehr gewusst zu haben. Jedenfalls waren Verschiedene, die gar nicht wieder mit zurückfuhren. Wir kamen nicht raus. Wir konnten natürlich aus dem Zug aussteigen, aber was wollten wir machen. Es wurde nicht irgendwie kommandiert &amp;quot;Sammeln!&amp;quot; und &amp;quot;Marschieren!&amp;quot; oder so, das wurde nicht getan. Der Zug fuhr wieder zurück. Wir sind nachts wieder in Schleswig angekommen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den vollständigen Interviews: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:kuhl_interviews-j-pump_1978-1987.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Heeresoffiziere ==&lt;br /&gt;
Als die Lage in Kiel sich zuspitzte, forderte die Marineführung in Kiel Infanterie von außerhalb an. Am 4. November 1918 erschienen verschiedene Einheiten in Kiel. Dabei liegen von den folgenden führend beteiligten Heeresoffizieren schriftliche Zeugnisse vor.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Adalbert von Falk, kommandierender General des stellvertretenden Generalkommandos des IX. Armee-Korps in Altona ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Adalbert von Falk circa 1915.jpg|150px|thumb|Adalbert von Falk, nach März 1915]]&lt;br /&gt;
Der Gouverneur und Chef der Marinestation der Ostsee in Kiel, Admiral Wilhelm Souchon forderte am 3. November abends bei dem benachbarten Armeekorpsbezirk Infanterie an. Nach den Schüssen auf die Demonstranten und der Auflösung der Demonstration wurde dies zunächst zurückgenommen, am frühen Morgen des nächsten Tages aber erneuert. v. Falk berichtete darüber in einem Brief vom 12. November 1936 an den damaligen Hauptmann Erich Trowitz (Major a. D.).&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auszug:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ich selbst war seit dem Sonntag, den 3. November, an dessen Abend mich der Hilfeschrei des ratlosen Gouvernements Kiel in Altona erreichte, hier unabkömmlich; im Versuch zusammenzuraffen, was noch an Truppenbrocken im Korpsbezirk und dessen Nachbarschaft zu sammeln war; im Dauerverkehr mit dem Kriegsministerium; mobile Truppen (1 Korps) heischend, um damit die Aufrührer zu Paaren zu treiben. Der schnelle Entschluss – vom Kriegsministerium [Scheüch] genehmigt – der verheissenen Truppe entgegen zu eilen, blieb ohne Erfolg. Die Ereignisse waren schneller als ich.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Bundesarchiv BArch RM 8/1025 Bl. 53.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Der hier zugängliche Artikel von Klaus Kuhl enthält u.&amp;amp;nbsp;a. eine Einordnung, Diskussion und Einschätzung des Briefs: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Kuhl_einschaetzung-e-h-schmidt-u-quellenkritik-trowitz_2017.pdf PDF-Datei.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Hauptmann Erich Trowitz ===&lt;br /&gt;
Bei der ersten Infanterieanforderung aus Kiel am 3. November 1918 abends beauftragte das Kommando des IX. Armeekorps in Altona den Generalleutnant Harry von Wright in Lübeck, Kommandeur der stellvertretenden 81. Infanterie-Brigade, mit den zu treffenden Maßnahmen. Dieser wiederum bestimmte den Hauptmann Erich Trowitz vom (Ersatz) Infanterie-Regiment 163 in Neumünster zum Befehlshaber der aufgebotenen Einheiten aus Neumünster, Schleswig und Lübeck. Die Anforderung wurde kurz darauf zurückgenommen, aber am nächsten Tag erneuert. Diesmal war zusätzlich eine Einheit (ca. 180 Mann) aus Rendsburg dabei, die Kiel bereits am späten Vormittag erreichte und in die Wik geschickt wurde, weil sich dort die Ereignisse zuspitzten. Bei allen anderen Einheiten kam es zu Verzögerungen, die wohl in erster Linie v. Wright zu verantworten hatte, weil dieser sich auf Inspektionsreise begeben hatte. Trowitz erreichte Kiel erst um 15 Uhr, als die Marineführung aufgrund der nicht erwarteten schnellen Ausbreitung des Aufstands bereits mit den Aufständischen unterhandeln musste und einen Schusswaffeneinsatz nunmehr untersagte. Die anderen Einheiten kamen erst abends an; insgesamt handelte es sich um ca. 1200 Mann. Trowitz fuhr in der Nacht wieder zurück nach Neumünster, allerdings ohne die von ihm zum Schutz der Station abgestellte Gruppe unter von Treyden. Von diesen waren Teile vermutlich übergelaufen. Trowitz schweigt sich in seinem späteren Bericht darüber aus.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Im Jahr 1935 verfasste er (inzwischen Major a.&amp;amp;nbsp;D.) diesen für die Zeitschrift &amp;quot;Bundeszeitung der Vereinigungen ehemaliger 163er&amp;quot;,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt; Das Reichskriegsministerium in Berlin verlangte die Zurückziehung und Vernichtung der Ausgabe &amp;quot;da [Trowitz&#039; Artikel] geeignet ist, anstelle der heute angestrebten vertrauensvollen Einheit der Nation Gegensätze in der Wehrmacht hervorzurufen.&amp;quot; Falls er dieser Aufforderung nicht zufriedenstellend nachkomme, würde die Geheime Staatspolizei mit der Beschlagnahme beauftragt. Bundesarchiv BArch RM 8/1025 Bl. 22.&amp;lt;/ref&amp;gt; in dem er seine Erlebnisse schilderte.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auszug: &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ich habe das unerschütterliche Bewusstsein, daß es auch mit den zur Verfügung stehenden Kräften ohne Mühe gelungen wäre am 4. November 1918 die Meuterei in Kiel zu unterdrücken, nicht zum wenigsten aus dem Grunde, weil die Matrosen nur aus gemeiner Feigheit sich zu ihrem verbrecherischen Treiben hatten verleiten lassen.&amp;lt;ref&amp;gt;Erich Trowitz: Revolution in Kiel – E./163. In: Bundeszeitung der Vereinigungen ehemaliger 163er, Nr. 11 1936. Bundesarchiv BArch RM 8/1025 fol. 32-36.&amp;lt;/ref&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Die Demonstranten in Kiel hatten trotz mehrmaligem Schusswaffeneinsatzes der Patrouille diese in die Flucht geschlagen; sicherlich kein Zeichen von Feigheit. Auch weitere von Trowitz angeführte Gründe können nicht überzeugen. Siehe dazu den Artikel von Klaus Kuhl, der eine ausführliche Vorstellung, Diskussion und Einschätzung von Trowitz’ Arbeit enthält: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Kuhl_einschaetzung-e-h-schmidt-u-quellenkritik-trowitz_2017.pdf PDF-Datei.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ArbeiterInnen ==&lt;br /&gt;
Neben den in diesem Abschnitt vorgestellten Zeitzeugenberichten, werden weitere auf den folgenden Personenseiten präsentiert: Oskar Dietrich, Otto Eggerstedt, [[Ernst Busch]], Reinhold Jung, Karl Rickers, … (in Bearbeitung).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gertrud Völcker ===&lt;br /&gt;
[[Datei:gertrud-voelcker_1950.jpg|150px|thumb|Gertrud Völcker 1950, Foto StAK/Nafzger.]]&lt;br /&gt;
[[Gertrud Völcker]] (1896–1979) war damals Angestellte im Arbeiter-Sekretariat der Freien Gewerkschaften in Kiel. Sie war seit 1915 Mitglied der Sozialistischen Arbeiterjugend. Später wurde sie Vorsitzende der Arbeiter Wohlfahrt (AWO) in Schleswig-Holstein. Im Jahr 1975 gab sie Karl-Reinhard Titzek und Tilmann Weiherich ein Interview, und vermutlich im selben Jahr wurde sich auch von Ute Kohrs interviewt. Dabei gewährte sie auch Einblick in ihr Tagebuch und es wurden Abschriften vorgenommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszüge:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die USPD hatte ganz bedeutende Führer – die SPD auch – aber die (USPD) waren konsequenter. Ich bin nie USPD gewesen. Die waren – wenn man heute zurückdenkt – haben sie doch sehr viel recht gehabt. Man hätte sich in Verhandlungen anders verhalten müssen. Aber es ist ja leicht gesagt: Im Augenblick musste gehandelt werden und das Gebot der Rettung des Vaterlandes stand im Vordergrund. Das war das Leitmotiv der Sozialdemokraten. Und die USPD, der Lothar [Popp] war USPD-Mann, das waren gute Männer, das waren keine Radauleute.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Es war eine mutige Tat von ordentlichen Deutschen, die das Land nicht in einer noch größeren Krise haben wollten. Es waren ruhige Leute, es waren außerordentlich nette, bewusste und kluge Leute, die nachgedacht hatten. So seh ich die Jungens heute. Es war eine mutige Tat, die Zivilcourage erforderte, eine Revolte, keine Meuterei, und auch keine Revolution.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum vollständigen Dokument mit den Interviews, Auszügen aus ihrem Tagebuch und einer kurzen Biografie: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Voelcker_interviews_1970er_tagebuch.pdf PDF].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Julius Bredenbeck ===&lt;br /&gt;
[[Datei:julius-bredenbeck_1989.jpg|150px|thumb|Julius Bredenbeck 1989, Video-Standbild: Gerdes/Kuhl.]]&lt;br /&gt;
[[Julius Bredenbeck]] (1907–1990) war damals Mitglied der Arbeiterjugend. Später wurde er ein bekannter Gewerkschafter und Sozialdemokrat sowie persönlicher Referent von Lauritz Lauritzen, der u.&amp;amp;nbsp;a. verschiedene Ministerposten bekleidete. Er wurde 1983 und 1989 von Klaus Kuhl interviewt. Das erste Interview wurde per Tonbandgerät, das zweite per Video von Kay Gerdes aufgezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszüge:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Allgemein darf man wohl sagen, es war eine Stimmung, die der Verzweiflung sehr nahe war. Man spürte das Ende des Krieges. Man wusste aber nicht aus noch ein, und es gab nun verschiedene Gruppen. In einzelnen Betrieben gab es schon Arbeiterräte, die sich selbst gebildet hatten, ohne Rechtsgrundlage, einfach aufgrund der Stärke der Organisation. Die zum Teil also auch mit sehr großem revolutionärem Pathos an die Arbeit gingen. In anderen Betrieben waren auch Arbeiterräte, die aber mehr daran interessiert waren, notwendige Dinge, Schwierigkeiten in der Versorgung mit Lebensmitteln usw. weitgehend mit zu steuern. Man kann nicht sagen, dass es eine einheitliche Stimmung gab. Das wurde anders als damals die Matrosen Befehlsverweigerung machten. Das führte ja denn zum Zusammenbruch. Da war eine allgemeine Solidarität in der gesamte Kieler Arbeiterschaft feststellbar: in den größeren Betrieben wurde zunächst die Arbeit niedergelegt. Es wurde sich solidarisiert. Die Arbeiter- und die Soldatenräte fanden sich zu Sitzungen zu Gesprächen zusammen im Gewerkschaftshaus.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den vollständigen Interviews: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Kuhl_interviews-bredenbeck_1983-1989.pdf PDF-Datei.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Martha Riedl (geb. Ehlers) ===&lt;br /&gt;
[[Datei:martha-riedl_1990.jpg|150px|thumb|Martha Riedl 1990 in ihrer Kieler Wohnung. Foto: Kuhl.]]&lt;br /&gt;
Martha Riedl (1903–1992) war in den Jahren um 1918 Mitglied der Arbeiterjugend und besuchte die öffentliche Handelsschule. Von 1946 bis 1948 war sie Mitglied der Kieler Ratsversammlung für die SPD. Sie wurde 1990 zweimal, sowie ein weiteres Mal 1991 von Klaus Kuhl interviewt. Das erste Interview wurde per Tonband aufgezeichnet, das zweite Interview fand an den entsprechenden Orten statt und wurde von Kay Gerdes per Video aufgenommen. Das letzte Interview wurde von Klaus Kuhl selbst per Video aufgezeichnet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszüge:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Bei allen Sachen: man ging ins Gewerkschaftshaus, da traf man sich. Und ich ging ins Gewerkschaftshaus. Damals wohnte Eggerstedt im Nebenhaus und den traf ich. Der sagte: Wo kommst du denn her! Ich sagte: Ist Vater hier? Hast du Vater gesehen? Vater ist hier, es ist alles in Ordnung. Und dann sagt er: Bleib man hier, wir können dich gebrauchen. Du weißt ja wo der Peerstall ist? Ich sage: Ja. Der war früher in der Langen Reihe, so ungefähr Höhe Muhls Hotel, war eine Gastwirtschaft. Tatsächlich Peerstall hieß es, weil die Pferde da ausgespannt wurden und die da ins Restaurant, in die Kneipe gingen. Ja, sagt er, denn bringen wir dich dahin, zu dem und dem, kennst du den? Ja kenne ich. Ja denn ist gut, denn kommst nachher wieder, wir können dich gut gebrauchen. In der Zwischenzeit kam aber alles von der Werft rein, rüber, alles was einen Dampfer zu fassen kriegte, war auf dem Dampfer, die fuhren einfach hin und her. Da war kein Fahrplan mehr. Und die Marine kam von der Wik, Düsternbrook runter. Und die Marine, die strebten nach dem Bahnhof, die wollten nach Hause.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den vollständigen Interviews: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Kuhl_interviews-riedl_1990-1991.pdf PDF-Datei.]&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Karl Edler ===&lt;br /&gt;
Karl Edler war Mitglied des Arbeiterrats in Kiel und später Stadtverordneter der SPD. Im Namen der Gewerkschaften stiftete er, zusammen mit Eduard Wolke (SPD) 1920 den zentralen Findling auf dem Kieler Eichhof-Friedhof mit der Aufschrift &amp;quot;Ruhestätte der Opfer der Revolution&amp;quot;. Edler erstattete am 26. November 1918 in Berlin auf einer Sitzung des Vollzugsrats einen Bericht über die Vorgänge in Kiel.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auszüge:&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Der wichtigste Punkt war bei uns das Ernährungswesen. Wir haben aber auch diese Frage zur vollsten Zufriedenheit der ganzen Bevölkerung bei uns gelöst. Auch die Zivilpersonen stellten sich hierbei hindernd in den Weg. Durch unsere Macht haben wir sie aber gezwungen, uns nachzugeben. Wir waren durch die entgegengesetzte Tätigkeit von Zivilpersonen in die Enge getrieben, daß wir tagelang keine Lebensmittel bekamen und vor allen Dingen die Milch für die Kinder fehlte. Die Lebensmittel lagen in Plön und Eckernförde, und Kiel bekam nichts. Schließlich hatten wir unseren Fuhrpark so in Bewegung gebracht, daß wir uns Milch und anderes durch Autos herbeiholten, und so bekommen wir jetzt ausreichend Lebensmittel heran.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Zum kommentierten Protokollauszug: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Edler_bericht-in-berlin-26-nov-1918.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Otto Preßler ===&lt;br /&gt;
[[Datei:otto-pressler_1979.jpg|150px|thumb|right|Otto Preßler 1979 in seiner Wohnung in Kiel-Mettenhof während des Interviews. Foto: K. Kuhl.]]&lt;br /&gt;
Der Metallfacharbeiter Otto Preßler (1895–1981) war SPD- und Gewerkschaftsmitglied. Von 1915 bis Kriegsende musste er in Russland und später an der Westfront als Waffenmeister kämpfen. Er kam über Braunschweig am 10. Dezember 1918 nach Kiel zurück. Er gehörte zu den Gründungsmitgliedern der KPD in Kiel und wurde später Vorsitzender. Weil er sich der linksradikalen Entwicklung der KPD widersetzte, wurde er 1929 ausgeschlossen und trat der KPD-Opposition (KPD-O) bei. Nach 1945 wurde er erneut Vorsitzender der KPD in Kiel. Er wurde zum Bevollmächtigten der IG Metall gewählt. Im Jahr 1946 wurde er in den Rat der Stadt Kiel gewählt und war Mitglied der beiden ersten ernannten schleswig-holsteinischen Landtage. 1968 wurde er Mitglied der DKP. Er wurde 1979 von Klaus Kuhl zu seiner Rolle und seinen Einschätzungen der Entwicklung in den ersten Revolutionsmonaten 1918/1919 interviewt.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auszüge bezüglich der Februarunruhen 1919 in Kiel (so genannter Spartakusaufstand):&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ja, das war dann im Februar 1919. Da war Bremen Räterepublik und dann kamen die Nachrichten, Noske will die Räterepublik beseitigen und die Division Gerstenberger von Berlin wird in Bewegung gesetzt. Da haben wir … aufgerufen zur öffentlichen Versammlung, um die Bremer Arbeiterschaft in der Verteidigung ihrer Räterepublik zu unterstützen. Und diese Versammlung war in der „Concordia“ an der Lübecker Chaussee; das war so ein Tanzlokal, brechend voll. … Der Plan war, und das wurde auch nach der Versammlung … in der Besprechung gesagt, Aktionen hier in Kiel zu organisieren, um Truppen hier an Kiel zu fesseln, die nicht nach Bremen konnten.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Mit einer Kolonne sind wir rausgefahren, …  und haben auf der Levensauer Hochbrücke die zwei Maschinengewehre weggeholt. Da waren dann die „Noskiten“, die da Wache hielten. Die sagten: “Wir sind auch nicht für Noske. Nehmt’se man mit.“ … Dann haben wir noch einen Lastwagen angehalten von Eckernförde, wir wollten doch die Maschinengewehre nicht reinschleppen. Und der Fahrer der war ganz verlegen …, da lagen unter der Persenning so geschlachtete Kühe oder was. Wir haben uns nachher nicht mehr um das Fleisch gekümmert, Hauptsache, dass wir die Maschinengewehre nach Kiel rein kriegten. Vorher habe ich sie noch ausprobiert an der Böschung bei der Eisenbahn. Die sagten: „Otto, du kannst doch hier neet scheeten.“ Ich sage: „Ich muss erst mal sehen, ob sie auch funktionieren.“ … [in der] Schule in der Legienstraße gegenüber vom Gewerkschaftshaus wurden die postiert.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Und ich weiß noch ganz genau, dass wir mit einer kleinen Truppe in der Kommandantur, Marinestation Ostsee, da sind wir hin und haben da zwei Admiräle – weiß der Teufel mit den Streifen – gefangen gesetzt; eingeschlossen, die Waffen weggenommen. Wir haben gesagt: “Da bleibt ihr erstmal drin!“ Das waren alles Feldsoldaten, die hatten alle noch so ein bisschen „Rosch“. Und denn auf einmal … kamen welche angelaufen, wir sollten die Kommandantur aufgeben. … Da war die Knallerei da schon im Gange an der Kaserne, und dann sollten wir dorthin. … Und dann wurde diese militärische Organisation der Deckoffiziere eingesetzt, dann ging die Schießerei los. Der Fritz Schulz da, der hat auf dem Bauch gelegen unter den Toten, auf der Treppe. … Und dann wurde gefeuert aus allen Rohren. Mit Maschinengewehren kamen die Brüder an und knatterten dazu. Da war ein Haufen Tote.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Insgesamt kamen bei dieser Aktion sechs der KPD nahe stehende Männer ums Leben, von denen fünf auf der Revolutionsanlage auf dem Eichhof beerdigt wurden, das sechste Opfer wurde nach Lichtenberg überführt; vgl. Klaus Kuhl: Opfer von Matrosen-/Arbeiteraufstand 1918, Februarereignissen 1919 und Kapp-Putsch 1920. Kiel 2021. Online zugänglich (aufgerufen am 18. Juni 2022) unter: [http://www.kurkuhl.de/docs/liste_opfer.pdf].&amp;lt;/ref&amp;gt; Wir haben uns, um nicht noch das letzte runter schießen zu lassen, zurückgezogen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;All so’n Krom hebt wi mokt, damals. Aber es war doch so, dass eben die große organisierte Masse der Kieler Arbeiter nicht dabei war. … Das ging ja alles so impulsiv und spontan, hier und dort sammelten sich die Gruppen und machten das. Da war keine Zusammenfassung.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Zum vollständigen Interview: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Kuhl_interview-pressler-novrev_1979.pdf PDF-Datei.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mittelschicht ==&lt;br /&gt;
=== Tagebuch des Ingenieurs Nikolaus Andersen ===&lt;br /&gt;
[[Datei:nikolaus-andersen_undatiert.jpg|150px|thumb|Andersen als junger Mann. Foto: Familienbesitz.]]&lt;br /&gt;
Der Tagebuchschreiber Nicolaus oder Nikolaus Andersen war Beamter des &amp;quot;Bureaus M.K. der Fried. Krupp A.–G., Germaniawerft&amp;quot;. Er war dort hauptsächlich mit dem Ändern technischer Zeichnungen befasst. Die Eltern des Schreibers besaßen damals einen Hof in Rinkenis (heute Rinkenæs, Dänemark), welches 1918 zum Deutschen Reich gehörte. Das in deutscher Schrift verfasste Tagebuch wurde 1980 von Karl Altewolf auf einem Flohmarkt entdeckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszug aus dem Eintrag vom 4. November 1918:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Mittags 3 Uhr waren etwa 200 Mann Infanterie aus Neumünster mit Masch.Gewehr am Bahnhof eingetroffen, sie hielten um 6 [18] Uhr die Eingänge besetzt. Um 9 [21] Uhr waren die Matrosen Herren des Bahnhofes. Die Soldaten aus Neumünster sind jedenfalls abgezogen. Später kommen plötzlich nach lauten Hurrahs die Infant. Rgmt. Nr. 84 [aus Schleswig, siehe auch oben den Bericht von Jonny Pump, der dieser Einheit angehörte] einzeln ohne Waffen aus dem Bahnhof und machten mit den Matrosen gemeinsame Sache. Sie lieferten Gewehre, Munition und Maschinengewehre an die Marine ab. Große Verbrüderung und Hochs auf die Infanterie. Feldgraue Helme wurden weggeworfen, Mützen aufgesetzt und Klamauk gemacht. Später gegen 11 Uhr … Unheimliches Gedränge vor dem Nordportal u. Begeisterung. Hunderte Infanteristen zwischen tausenden Arbeitern, Marines, Zivilisten und – Mädchen und Jungs. Wildes durcheinander befehlen und Klamauk. Alle Marine ist nach und nach bewaffnet.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Um 1 Uhr nach Hause, denn es war kalt. Kaum im Bett, erhebt sich ein mörderliches Schießen. Ich raus. Am Bahnhof menschenleer. Man schießt (angeblich aus dem Hansa-Hotel und zwar von Offizieren) auf die Soldaten. Das Hotel wird erheblich beschossen, desgl. mehre Häuser am Sophienblatt, so Uhrmacher Blunck u. Ecke Lerchenstraße gegenüber auch noch. Als es ruhig, gehe ich durch den Tunnel südl. am Bahnhof entlang. Ein Lastauto kommt Ringstr. u. wird mächtig beschossen von allen Seiten. Leider sind Matrosen die Insassen. Als das Schießen eingestellt ist, findet man einen Obermaat mit Beinschuß und einen Matrosen mit Brustschuß.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Auszüge und Hintergrundinformationen: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Andersen_tagebuch-auszuege_1917-1919.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
Das vollständige Tagebuch mit einer Textanalyse wurde im Peter Lang Verlag veröffentlicht: Klaus Kuhl: Kiel und die Revolution von 1918. Das Tagebuch eines Werftingenieurs, verfasst in den Jahren 1917-1919. Edition und Textanalyse. Berlin 2018 (Kieler Werkstücke Bd. 51). ISBN 978-3-631-75857-1.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Erh. Müller, Beamter einer Kieler Werft ===&lt;br /&gt;
Im Kieler Stadtarchiv ist ein Brief von Erh. Müller, Beamter (damals synonym für Angestellter) einer Kieler Werft an Dora in Zeilitzheim (Ortsteil der Gemeinde Kolitzheim im südlichen Landkreis Schweinfurt in Unterfranken). Zu beiden Personen liegen leider keine weiteren Informationen vor. Müller beschreibt eigene Erlebnisse während der Revolutionszeit.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auszüge:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Diese ersten Schüsse [am Sonntag, 3. November 1918 abends] hörte ich von der Jungmannstraße her deutlich, wie ich auf dem Wege zu Güttlers war. 10 Minuten später wollte ich auch zum Tatplatz eilen, fand aber sämtliche Straßen militärisch besetzt.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Am Montagabend saß ich gerade beim Abendbrot, als ich vom [[Wilhelmplatz|Wilhelmsplatze]] her einen tosenden Lärm vernahm. Ich eilte sofort hin um zu sehen, was es gab, und fand den großen Platz gedrängt voll von Matrosen die dort unter Mitführung von roten Fahnen, die Befreiung von 80 Meuterern feierten und Ansprachen hielten, die meistens in Lärm untergingen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Zum vollständigen Dokument: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Mueller_brief-an-dora_1919.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Auszug aus dem Tagebuch einer 18-jährigen Kielerin ===&lt;br /&gt;
Im Stadtarchiv Kiel liegt ein Tagebuchauszug vor, der von einem vermuteten Nachfahren aus Hamburg zur Verfügung gestellt wurde. Zu den Personen liegen leider keine weiteren Informationen vor. Die 18-jährige beschreibt ihre Erlebnisse während der Revolutionszeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Dann kam die Nacht von Montag auf Dienstag. Da war es schrecklich. Dauernd wurde geschossen. Viele Menschen haben wohl kaum geschlafen. Der darauf folgende Tag war noch ebenso schlimm. Besonders nachmittags wurde unheimlich viel geschossen. Das heisst, das lag zum Teil daran, dass die Leute alte französische Gewehre hatten, die keine Sicherung haben und sehr leicht, oft sogar bei der geringsten Berührung von selbst losgehen. Ausserdem macht es wohl vielen jungen Matrosen Spass, recht viel zu knallen, Löcher in die Luft zu schiessen und die Menschen bange zu machen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum vollständigen Dokument: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Tagebuch_18-jaehrige-kielerin_1918.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Überregionale Persönlichkeiten ==&lt;br /&gt;
===Gustav Noske ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Noske gustav before 1918.png|150px|thumb|right|Gustav Noske vor 1918.]]&lt;br /&gt;
Gustav Noske (1868–1946) war ein bekannter SPD-Reichstagsabgeordneter, der sich auf Militärfragen spezialisiert hatte. Er wurde am 4. November 1918 zusammen mit dem Regierungsmitglied Conrad Haußmann nach Kiel geschickt, um die Lage unter Kontrolle zu bringen. Noske schrieb nach dem Kapp-Putsch 1920 seine Erinnerungen an diese Zeit in dem Buch „Von Kiel bis Kapp“ nieder.&amp;lt;ref&amp;gt;Gustav Noske: Von Kiel bis Kapp. Zur Geschichte der deutschen Revolution. Berlin 1920. Online zugänglich (aufgerufen am 31. Juli 2022) unter: [https://portal.dnb.de/bookviewer/view/1131562372#page/n6/mode/1up].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auszüge (S. 23 f.):&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Als mittags die Vertrauensleute der verschiedenen Formationen sich im Saal der Station einfanden, um mit mir die Lage zu besprechen, […] musste der Versuch gemacht werden, sobald wie möglich wieder zu einem ordnungsmäßigen Zustand zurückzugelangen. Ich schilderte den Leuten die Sachlage, so wie sie mir erschien und besprach […] den entsetzlichen Zustand, in dem sich unser Volk […] befinde und leitete dann […] dazu über, unter welchen etwaigen Voraussetzungen der Kieler Meuterei, die ich persönlich aufs schärfste verurteilte, ein Ende zu machen sei. Daß politische Reformen, für die man sich erhoben habe, erfüllt würden, sei selbstverständlich. Über eine Amnestie werde die Regierung mit sich reden lassen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Meine Darlegungen machten auf die Leute sichtlich tiefen Eindruck. Artelt, der dazwischen fahren wollte, erhielt von mir einen Dämpfer. Die Reichstagsabgeordneten Hoff und Dr. Struwe, […] haben mir später wiederholt versichert, daß sie niemals eindrucksvollere Darlegungen gehört hätten. Eine Diskussion ließ ich nicht zu, sondern riet den Leuten, mit ihren Kameraden das Gehörte durchzusprechen und dann die Schlußfolgerung in einer großen Vertrauensmännerversammlung zu ziehen, die gegen Abend stattfinden sollte. &#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In der Versammlung im Schloßhof am späten Nachmittag […] es waren an tausend Mann anwesend. […] Redner wurden mitten in ihren Ausführungen […] unterbrochen und [es] redete ein anderer [...] drauf los. [...] Nach ein paar Stunden bekam ein beträchtlicher Teil die Sache satt und ging davon. Schließlich wurde die Versammlung ohne Resultat geschlossen. &#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Zeitnahe Berichte in der SPD-Zeitung und von Lothar Popp zeichnen jedoch ein anderes Bild. Popp schreibt: „ […] gab Abgeordneter Noske die Bedingungen der Regierung [für den Abbruch des Aufstands] bekannt. […] Noske gab zu bedenken, dass die Bewegung zwar in Kiel gesiegt habe, dass aber, da sie isoliert sei, ihr doch große Gefahren drohen, […] Der Vorsitzende des Arbeiterrats Garbe [SPD] und ich führten aus, dass wir doch noch Zeit haben zu warten […] Nicht die Regierung hat Bedingungen zu stellen, sondern wir. Es wurde dann einstimmig beschlossen, das Angebot abzulehnen. Es wurde dann der Antrag gestellt, da anscheinend Haase oder Dr. Cohn verhindert würden, nach hier zu kommen, einen anderen Vertreter der Unabhängigen [Popp] an die Seite Noskes [dem vorläufigem Vorsitzenden der Soldatenräte] zu stellen, um die Parität zu wahren. Dem wurde zugestimmt und die Wahl vollzogen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Popp/Arterlt, Ursprung, S. III-25.&amp;lt;/ref&amp;gt; Am folgenden Tag hatte Popp die Soldatenräte neu organisiert. Es wurde der Oberste Soldatenrat gebildet, zu dessen Vorsitzenden Popp gewählt wurde. Noske ersetzte den Gouverneur Admiral Souchon.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references group=&amp;quot;A&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:1911-1920]] [[Kategorie:Erster Weltkrieg]] [[Kategorie:Kieler Arbeiter- und Matrosenaufstand]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Klaus Kuhl</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://kiel-wiki.de/index.php?title=Kieler_Arbeiter-_und_Soldatenr%C3%A4te&amp;diff=64690</id>
		<title>Kieler Arbeiter- und Soldatenräte</title>
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		<updated>2024-10-12T15:15:23Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Klaus Kuhl: /* Niedergang der Rätebewegung in Kiel */ Korrekte Bezeichnung&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Obwohl der Begriff &#039;&#039;&#039;Arbeiter- und Soldatenrat&#039;&#039;&#039; auch in Kiel benutzt wurde, gab es hier streng genommen keine gemeinsame Räteorganisation der Arbeiterschaft und der Soldaten. Im Folgenden wird die Entwicklung der Kieler Räte beschrieben und – soweit bekannt – werden die Mitglieder vorgestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Arbeiterrat im Januar 1918 ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Lothar_popp_mid-1920s.jpg|thumb|Passfoto Lothar Popp, aufgenommen vermutlich Mitte der 1920er-Jahre, Hamburger Staasarchiv.]] Ein erster Arbeiterrat wurde anlässlich der reichsweiten Januarstreiks 1918 gegründet, die in Kiel ihren Anfang nahmen und auf die österreichischen Jännerstreiks folgten. [[Zeitzeugen_Matrosen%E2%80%93_und_Arbeiteraufstand_1918/1919#Lothar_Popp|Lothar Popp]] (USPD) wurde per Akklamation auf dem [[Wilhelmplatz]] in einer Versammlung der Streikenden zum Vorsitzenden bestimmt. Ziel war es, die deutsche Oberste Heeresleitung daran zu hindern, von Russland, das aus dem Krieg ausschied, große territoriale und finanzielle Zugeständnisse zu erpressen. Die Streikenden sahen dadurch den Friedensschluss gefährdet. In Kiel wurde eine entsprechende Resolution verabschiedet, die an die deutsche Regierung geschickt wurde. Popp schrieb: „Wir hatten auf dem Wilhelmplatz zunächst einmal als Grundstock des Arbeiterrates 10 Kollegen der Germania-Werft gewählt, die übrigen Betriebe sollten (was nachher auch geschah), die weiteren Wahlen unter sich vornehmen. Uns leitete der Gedanke, daß der Arbeiterrat […] geeignet erscheine, die Interessen der Arbeiter zu vertreten, ohne durch den Parteienstreit in seiner Tätigkeit beengt zu sein.“&amp;lt;ref&amp;gt;Lothar Popp unter Mitarbeit von Karl Artelt: &#039;&#039;Ursprung und Entwicklung der November-Revolution 1918. Wie die deutsche Republik entstand.&#039;&#039; Kiel 1918 (Reprint als Sonderveröffentlichung der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Band 15), S. III 1–30, hier S. III 7. Im Jahr 2020 leicht gekürzt und kommentiert veröffentlicht in: IG Metall Bezirksleitung Küste (Hrsg.): &#039;&#039;Matrosenaufstand und Novemberrevolution 1918.&#039;&#039; Hamburg 2020, S. 96–115.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist unklar, ob die Organisation längerfristig existierte, weil Popp und zwei weitere USPD-Führer (Heinrich Strunk und Emil Theil) verhaftet und zu teils mehrjährigen Gefängnisstrafen verurteilt wurden. Popp musste zwei Monate in Neumünster einsitzen.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Es gibt nur einen weiteren Hinweis, dass diese Räte länger Bestand gehabt haben könnten: Julius Bredenbeck, damals 11 Jahre alt, aber durch Vater und Onkel bereits gut über die Arbeiterbewegung orientiert, sagte in einem 1989 geführten Interview: „In einzelnen Betrieben gab es schon Arbeiterräte, die sich selbst gebildet hatten, ohne Rechtsgrundlage, einfach aufgrund der Stärke der Organisation. Die zum Teil also auch mit sehr großem revolutionärem Pathos an die Arbeit gingen. In anderen Betrieben waren auch Arbeiterräte, die aber mehr daran interessiert waren, notwendige Dinge, Schwierigkeiten in der Versorgung mit Lebensmitteln usw. weitgehend mit zu steuern. Man kann nicht sagen, dass es eine einheitliche Stimmung gab. Das wurde anders als damals die Matrosen Befehlsverweigerung machten. […] Da war eine allgemeine Solidarität in der gesamte Kieler Arbeiterschaft feststellbar“. Popp selbst gibt in einem Interview mit Dirk Dähnhardt an, der erste Arbeiterrat habe sich aufgelöst (vgl. Klaus Kuhl: &#039;&#039;Lothar Popp – Führer des Kieler Matrosenaufstands 1918 im Streitgespräch mit einem 68er. Interviews mit Lothar Popp.&#039;&#039; Kiel/Hamburg 1970–1978, S. 42. Online zugänglich (aufgerufen am 26. September 2024) unter: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:kuhl_streitgespraech-m-l-popp_1978_plus-weitere-interv-u-gespraeche.pdf]). Eventuell liegt bei Bredenbeck eine Verwechselung mit den Arbeiterausschüssen nach dem Hilfsdienstgesetz vom Dezember 1916 vor.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Im November 1918 übernehmen die Räte die Kontrolle ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Artelt and comrades Kiel-Wik 1914.jpg|mini|Karl Artelt ganz links als Angehöriger der I. Werft-Division, (Ausschnittsvergrößerung rechts), gemeinsam mit Kameraden der I. Torpedo-Division in Kiel-Wik, September 1914]]. Im Verlauf des Kieler Matrosenaufstands entstand dann zuerst im Kasernengelände der Wik am 4. November 1918 ein Soldatenrat, zu dessen Vorsitzenden Oberheizer [[Zeitzeugen_Matrosen%E2%80%93_und_Arbeiteraufstand_1918/1919#Karl_Artelt|Karl Artelt]] (USPD) gewählt wurde. In der Popp/Artelt Broschüre heißt es dazu: „Nachdem Kamerad Artelt und T[h]ümmel zur Wahl von Soldatenräten aufgefordert hatte, vollzog sich die Wahl kompagnieweise. Jede Kompagnie wählte vier Soldatenräte. […] Die erste Soldatenratssitzung in ganz Deutschland tagte im Speisesaal am Montag, den 4 November. Kamerad Artelt wurde als erster, Kamerad Ehle als zweiter Vorsitzender gewählt.“&amp;lt;ref&amp;gt;Popp/Artelt, Ursprung, S. III 16.&amp;lt;/ref&amp;gt; Als weitere Mitglieder konnten bisher festgestellt werden: [[Zeitzeugen_Matrosen%E2%80%93_und_Arbeiteraufstand_1918/1919#Fritz_Fischer|Matrose Fritz Fischer]], Heizer Schaaf – diese gehörten zur ersten Verhandlungsdelegation beim Gouverneur – und vermutlich noch Matrose Erich Thümmel&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;In der SHVZ Jahrgang 1957 (genaues Datum unbekannt) wurde ein Nachruf auf Thümmel veröffentlicht, nachdem dieser im Alter von 64 Jahren verstorben war. Dort heißt es u.&amp;amp;nbsp;a., dass beim Kieler Aufstand „…ein riesiger, schwarzhaariger Torpedobootmatrose mit buschigen Augenbrauen eine führende Rolle [spielte]. Oftmals stand er auf dem großen Kandelaber auf dem Wilhelmplatz und sprach zu den zahlreich versammelten. Schon bald bekam er den Spitznamen ‚Der rote Matrose’. … Bereits lange vor 1918 stand er im Vordergrund der revolutionären Bewegung und auch nach 1945 sah man ihn alljährlich bei der Kranzniederlegung an den Gräbern seiner gefallenen Kameraden der Revolution und des Abwehrkampfes gegen den Kapp-Putsch.“ Thümmel wurde Mitglied des Obersten Soldatenrats. Im Januar 1919 übte er vorsichtige Kritik am Verhalten der inzwischen von den Deckoffizieren dominierten Sicherheitstruppe des Soldatenrats gegenüber einer Arbeitslosenaktion vor und im Rathaus (vgl. OSR: Bekanntmachung. In: Republik, 17. Januar 1919). Im Jahr 1920 war er vermutlich bei der Sicherheitspolizei, wo er sich gegen den Kapp-Putsch engagierte (vgl. Bericht des Sipo-Leutnants Kemsies: Das Verhalten der Sicherheitspolizei Kiel gegenüber der Militärrevolte. 9. April 1920. LAS 301 4458. Online zugänglich (aufgerufen am 26. September 2024) unter: [http://www.kurkuhl.de/docs/sipo_kemsies_arbeiterwehr.pdf]). Von 1938 bis kurz vor seinem Tod war Thümmel Lagermeister des Hansa-Speichers der Schleswig-Holsteinischen landwirtschaftlichen Hauptgenossenschaft.&amp;lt;/ref&amp;gt;(SPD). Zu ihren Forderungen gehörte u.&amp;amp;nbsp;a.: Abdankung des Hohenzollernhauses und die Einführung des allgemeinen, gleichen und geheimen Wahlrechts für beide Geschlechter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kurz darauf entstanden in fast allen militärischen Einheiten ebenfalls Soldatenräte, ohne dass jedoch eine klare Struktur erkennbar gewesen wäre. Sie etablierten sich als direkte Machtorgane der Soldaten anstelle der Offiziere.&amp;lt;ref&amp;gt;Wolfram Wette: Interview von Klaus Kuhl und Kay Gerdes. Freiburg 2016. In: Klaus Kuhl und Kay Gerdes: Begleitheft für den Dokumentarfilm „In Kiel ist Revolution!“ Kiel 2018, S. 52–60, hier S. 54. Online zugänglich (aufgerufen am 31. August 2024) unter: [http://www.kurkuhl.de/docs/begleitheft_dokufilm-in-kiel-ist-revolution_gerdes-kuhl_2018.pdf].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur wenig später fanden sich Aktivisten der Soldaten im Gewerkschaftshaus zusammen und berieten über die weiteren Schritte. Dabei entstanden festere Gruppen, die sich insbesondere um eine Verteidigung der Stadt gegen von auswärts, zur Niederschlagung des Aufstands, entsandte Truppen kümmerten. So berichtete Popp, als er am frühen Morgen des 5. November von der Verhandlung beim Gouverneur ins Gewerkschaftshaus zurückkam, dass „… es schnell [gelang] eine gewisse Einteilung und ein bestimmtes Kommando zu schaffen. In einigen der Zimmer und Bureaus hatte sich der Soldatenrat niedergelassen, der unverzüglich seine Arbeit begann.“&amp;lt;ref&amp;gt;Popp/Artelt, Ursprung, S. III 19.&amp;lt;/ref&amp;gt; Es wurden Passierscheine ausgegeben, um die Bewegungsfreiheit der Offiziere einzuschränken. Flug-Obermaat Nikolaus Goßrau&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Goßrau entwickelte in den Folgetagen die ehrgeizige Idee, sich als rechte Hand Noskes über den Soldatenrat zu stellen. Er setzte sich damit zwischen alle Stühle und ließ sich am 14. November 1918 in ein Lazarett einweisen. Vgl. Klaus Kuhl: Die Ereignisse am 6. November 1918 in Kiel. Kiel 2010. Online zugänglich (aufgerufen am 14. September 2024) unter: [http://www.kurkuhl.de/docs/ereignisse_06-11-1918.pdf].&amp;lt;/ref&amp;gt; begann im Auftrag der Räte mit dem Aufbau eines zentral organisierten Sicherheitsdienstes.&amp;lt;ref&amp;gt;Martin Rackwitz: &#039;&#039;Kiel 1918. Revolution, Aufbruch zu Demokratie und Republik.&#039;&#039; Kiel 2018, S. 114.&amp;lt;/ref&amp;gt; In den Reihen dieser locker strukturierten Soldatenräte genoss Karl Artelt, wie Goßrau andeutet, eine besondere Autorität, weil er die Entwicklung im Militär maßgeblich und mutig vorangetrieben hatte.&amp;lt;ref&amp;gt;Flug-Obermaat Nikolaus Goßrau: Privatakten betr. Revolution 1918. BArch RM 8/1024, Bl. 22.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als weitere Mitglieder dieser frühen, sich im Gewerkschaftshaus zusammenfindenden Soldatenräte, nennt Goßrau sich selbst sowie die Kameraden Braune,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Auch Lothar Popp erwähnt Braune in späteren Interviews: In der entscheidenden Nacht hätten er und „ein gewisser Braune …, (der Braune lebt bei Kiel irgendwo)“ nachts im Stationsgebäude gesessen und Telefonanrufe beantwortet. „Da waren noch welche, wo ich geschwitzt habe dabei.“ Klaus Kuhl: Interviews mit Lothar Popp. Kiel/Hamburg 1970–1978, S. 20, 44 und 60. Online zugänglich (aufgerufen am 15. September 2024) unter: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:kuhl_streitgespraech-m-l-popp_1978_plus-weitere-interv-u-gespraeche.pdf PDF].&amp;lt;/ref&amp;gt; Starke, Hackmann, Falk (Hackmann und Falk konnten nach Aussagen Goßraus über die I., V. und XVII. Halbflottille verfügen), Oberheizer Ruffert,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;In den Popp-Interviews wird, ohne nähere Informationen, der Name Düffert mit Fragezeichen erwähnt. Eventuell handelt es sich hier um dieselbe Person. Vgl. Kuhl, Interviews Popp, S. 42.&amp;lt;/ref&amp;gt; Barghahn und den Matrosen Petersen (Theodor).&amp;lt;ref&amp;gt;Goßrau, Bericht, Bl. 22.&amp;lt;/ref&amp;gt; In einem Bericht des Kommandanten der &#039;&#039;Westfalen&#039;&#039;, Kapitän zur See Max Loesch, wird ein Obermaat Brandt erwähnt, der im Gewerkschaftshaus als Ansprechpartner für Schiffsbesatzungen fungiert habe.&amp;lt;ref&amp;gt;Max Loesch, Kapitän zur See: Vorgänge an Bord (Kiel). Handschriftlicher Bericht 4. und 5. November 1918. BArch RM 31/2373, Bl. 130–133.&amp;lt;/ref&amp;gt; In einem 1958 vermutlich auf Anforderung der SED erstellten Bericht, beschreibt der damalige Unteroffizier Paul Sahnwaldt, dass er dem Soldatenrat der Matrosen-Division angehört hätte.&amp;lt;ref&amp;gt;Paul Sahnwaldt: Der Matrosenaufstand in Kiel 1918. Typoskript 1957. Bundesarchiv, SAPMO, SgY 30/0797, S. 4–8.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Etwa zwei Stunden nach den Soldaten trafen sich auch die Obleute und Vertrauensleute der Betriebe in demselben Saal im Gewerkschaftshaus und beschlossen den Generalstreik zur Unterstützung der Bewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:14 Kieler Punkte.jpg|mini|Die 14 Kieler Punkte in der &#039;&#039;Schleswig-Holsteinischen Volkszeitung (SHVZ)&#039;&#039;]]&lt;br /&gt;
Um 22 Uhr fand eine nochmalige Beratung im Gewerkschaftshaus statt. Circa 40 Vertrauensleute verschiedener Schiffe und Formationen sowie sechs Arbeiter kamen zusammen und verabschiedeten schließlich die bekannten Kieler 14 Punkte, die vielen Räten in ganz Deutschland als Richtschnur dienten.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Popp/Artelt, Ursprung, S. III-21.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dänhardt sieht in der politischen Kurzsichtigkeit, die in diesem Katalog zum Ausdruck kommt, eine wesentliche Ursache, dass die Soldatenräte nach ca. sechs Monaten wieder abgeschafft werden konnten.&amp;lt;ref&amp;gt;Dirk Dähnhardt: &#039;&#039;Revolution in Kiel. Der Übergang vom Kaiserreich zur Weimarer Republik 1918/19.&#039;&#039; Neumünster 1978, S. 89–93.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:gustav_garbe.jpg|150px|mini|Foto Gustav Garbes aus dem Kieler Gewerkschaftshaus, aufgenommen vermutlich in den 1920er-Jahren.]] Am frühen Morgen des folgenden Tages (5. November 1918) bildete sich ein Arbeiterrat aus den Obleuten der Großbetriebe, vierzehn Vorstandsmitgliedern beider sozialdemokratischer Parteien und dem Vorsitzenden des Kieler Gewerkschaftskartells Garbe. Letzterer wurde zum Vorsitzenden gewählt.&amp;lt;ref&amp;gt;Popp/Artelt, Ursprung, S. III-21–23.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Untersuchungen Dirk Dähnhardts bestand der Arbeiterrat aus den folgenden Personen:&amp;lt;ref&amp;gt;Dirk Dähnhardt: Brief an Gundula. Freiburg, 18. Oktober 1975. Wissenschaftlicher Nachlass, StAK Sign. 65496. Die Charakterisierung als „Obleute“ wurde nicht von Dähnhardt vorgenommen, ergibt sich aber daraus, dass SPD und USPD nur jeweils sieben Personen entsandten. Bei der Feststellung der Parteizugehörigkeit wurde Dähnhardt von Gertrud Völcker und Heinrich Bohnsack unterstützt; vgl. Dähnhardt, Revolution, S. 92 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Obleute der Großbetriebe (15, von den meisten ist die Parteizugehörigkeit nicht bekannt, jedoch dürfte die Mehrheit der SPD zuzurechnen sein): Heinrich Bohnsack,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Bohnsack wurde 1893 geboren, war im Ersten Weltkrieg Soldat, war später DMV-Sekretär, kam während der Nazi-Zeit in das Vorläufer KZ Lichtenberg und emigrierte anschließend nach Schweden. Nach seiner Rückkehr war er 1950–1954 Bezirksleiter der IG-Metall Küste. Vgl. Thomas Pusch: &#039;&#039;Politisches Exil als Migrationsgeschichte. Schleswig-Holsteiner EmigrantInnen und das skandinavische Exil 1933–1960.&#039;&#039; Dissertation vorgelegt an der Universität Flensburg 2003. Online zugänglich (aufgerufen am 16. September 2024) unter: [https://www.zhb-flensburg.de/?id=16381].&amp;lt;/ref&amp;gt; Fiebig, Glup, Jatow, Kazda, Krause, Künzel, Küpel, Wilhelm Leopold,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Von 1920 bis 1933 Erster Bevollmächtigter des Kieler Metallarbeiterverbands (DMV).&amp;lt;/ref&amp;gt; Neumann, Rehle, Huß (SPD), Lintzel (SPD), Wiese (USPD), Eduard Wolke (SPD).&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Wolke stiftete später zusammen mit Karl Edler den Gedenkstein für die Revolutionsopfer auf dem Eichhof-Friedhof; vgl. Johannes Rosenplänter: &#039;&#039;Zur Entstehung der ‚Ruhestätte der Opfer der Revolution‘ auf dem Kieler Eichhoffriedhof 1918–1924. Ein Werk des Landschaftsarchitekten Leberecht Migge&#039;&#039;. In: Rolf Fischer (Hrsg.): Revolution und Revolutionsforschung – Beiträge aus dem Kieler Initiativkreis 1918/19. Kiel 2011, S. 101−110, hier S. 105.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Vorstandsmitglieder der SPD (7): Balleng, Beckmann, Bindemann, August Biskupek,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Autoren der SPD Geschichtswerkstatt: August Biskupek. SPD-Geschichtswerkstatt. Online zugänglich (Permanentlink aufgerufen am 16. September 2024) unter: [https://www.spd-geschichtswerkstatt.de/index.php?title=August_Biskupek&amp;amp;oldid=55089].&amp;lt;/ref&amp;gt; [[Zeitzeugen_Matrosen%E2%80%93_und_Arbeiteraufstand_1918/1919#Karl_Edler|Karl Edler]], Fröhlich, Peter Hillbrecht.&lt;br /&gt;
* Vorstandsmitglieder der USPD (7): J. Classen (auch Claßen), Cords, Krogmann, Max Spretke, Springer, Wiechert, Zinser.&lt;br /&gt;
* Vorsitzender des Gewerkschaftskartells: [[Zeitzeugen_Matrosen–_und_Arbeiteraufstand_1918/1919#Gustav_Garbe|Gustav Garbe]] (SPD). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem sich die Macht der Räte im Laufe des 5. November konsolidierte, richtete sich der Blick auch auf weitere drängende Fragen, wie Sicherung der Nahrungsmittelversorgung und Zahlung der Löhnung. Hier bot Gustav Noske, der sich seit dem Vorabend in Kiel befand und an den Verhandlungen teilgenommen hatte, Unterstützung für die Bewegung an, allerdings in der unausgesprochenen Absicht, ihre Ausbreitung zu verhindern. In einer Absprache mit den USPD-dominierten Aktivisten wurde Noskes Angebot angenommen. Dies geschah unter der Bedingung, dass es sich um eine vorläufige Maßnahme handele und dass erst dann weitere politische Entscheidungen getroffen würden, wenn ein mit Noske vergleichbares politisches Schwergewicht der USPD aus Berlin, etwa Hugo Haase&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Hugo Haase (1863–1919), Jurist, war von 1911 bis 1916 einer der beiden Vorsitzenden der SPD, und von 1912 bis 1916 einer der beiden Fraktionsvorsitzenden der SPD im Reichstag. Als Gegner der Kriegspolitik der Mehrheit des SPD-Vorstands aus Fraktion und Partei ausgeschlossen, gründete er 1917 die USPD und war deren Vorsitzender bis 1919. Im November/Dezember 1918 war er gleichberechtigter Vorsitzender mit Friedrich Ebert im Rat der Volksbeauftragten. Er starb im November 1919 an den Folgen eines Attentats.&amp;lt;/ref&amp;gt; eingetroffen wäre. Noske wurde dann per Akklamation auf einer großen Versammlung auf dem Wilhelmplatz zum vorläufigen Vorsitzen der Soldatenräte bestimmt. Seine Aufrufe wurden von Karl Artelt mitunterzeichnet. Anordnungen mussten neben Noskes Unterschrift auch die eines weiteren Soldatenrats-Mitglieds tragen. &lt;br /&gt;
[[Datei:Beschlüsse Soldatenrat Kiel 1918.jpg|mini|Beschlüsse des Soldatenrats vom 5. November 1918]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei wurde inzwischen auch vom Großen Soldatenrat gesprochen, die Zusammenfassung der Räte hatte Fortschritte gemacht, hatte allerdings nach wie vor keine autorisierte Basis, denn Noske wählte hier nach seinem Bekunden im Stationsgebäude nach Gutdünken einen sieben- oder neuenköpfigen Aktionsausschuss aus einer Schar von 50–60 Anwesenden von verschiedenen Schiffen oder Formationen. Von diesen hätte sich ein Großteil als „Versager“ entpuppt.&amp;lt;ref&amp;gt;Gustav Noske: &#039;&#039;Von Kiel bis Kapp. Zur Geschichte der deutschen Revolution.&#039;&#039; Berlin 1920, S. 19 ([https://portal.dnb.de/bookviewer/view/1131562372#page/n6/mode/1up Digitalisat]).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Arbeiterrat ging sofort daran, mittels so genannter Beigeordneter die Zivilverwaltung zu kontrollieren. Den Beigeordneten mussten alle wichtigen Vorgänge vorgelegt werden, und sie konnten in die Entscheidungen eingreifen.&amp;lt;ref&amp;gt;Eine Liste der Beigeordneten findet sich in der Schleswig-HolsteinischenVolks-Zeitung (SHVZ) vom 12. Dezember 1918 (hier nach einer handschriftlichen Aufzeichnung von Dirk Dähnhardt „Beigeordnete für amtliche Stellen“, in seinem wissenschaftlichen Nachlass (Akte 3, Hefter 1), StAK Sign. 65496.&amp;lt;/ref&amp;gt; Als erstes fertigte Garbe eine handgeschriebene Ernennungsurkunde für [[Eduard Adler]] aus. Adler wurde abgestellt, den erzkonservativen Oberbürgermeister [[Paul Lindemann]], der später auch den Kapp-Putsch unterstützte, zu kontrollieren. [[Datei:Garbe ernennung-beigeordneter-adler 1918.jpg|thumb|Ernennungsurkunde für den Beigeordneten Eduard Adler (Vorder- und Rückseite), Stadtarchiv Kiel, Sign. 21392.]] Am 11. November 1918 wurde Adler durch den Stadtverordneten August Biskupek (ebenfalls SPD) ersetzt (Letzterer wiederum wurde aufgrund von Krankheit am 13. Februar 1919 durch den Stadtverordneten Hermann Adam abgelöst).&amp;lt;ref&amp;gt;Rackwitz, Kiel 1918, S. 279 f. Zu Adam vgl.: Autoren der SPD Geschichtswerkstatt: Hermann Adam. In: SPD-Geschichtswerkstatt wiki. Online zugänglich (aufgerufen am 16. September 2024) unter: [https://www.spd-geschichtswerkstatt.de/wiki/Hermann_Adam]. &amp;lt;/ref&amp;gt; Adler wurde zusammen mit Paul Greß (auch Gress)&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Autoren der SPD-Geschichtswerkstatt: Paul Gress. In: SPD-Geschichtswerkstatt-Wiki. Online zugänglich (aufgerufen am 2. September 2024) unter: [https://www.spd-geschichtswerkstatt.de/wiki/Paul_Gress].&amp;lt;/ref&amp;gt; Beigeordneter beim Regierungspräsidenten in Schleswig. Auch der Oberpräsident für Schleswig-Holstein, der damals seinen Sitz in Kiel hatte, erhielt einen Beigeordneten des Arbeiterrats. Eingesetzt wurde Heinrich Kürbis (SPD).&amp;lt;ref&amp;gt;Wikipedia-AutorInnen: Heinrich Kürbis. In: Wikipedia – Die freie Enzyklopädie. Online zugänglich (aufgerufen am 3. September 2024) unter: [https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Heinrich_K%C3%BCrbis&amp;amp;oldid=215560106].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Polizeipräsidenten übernahmen Friedrich Brodthuhn (SPD)&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Autoren der SPD Geschichtswerkstatt: Sozialdemokratischer Verein Groß-Kiel - Stadtverordnete. In: SPD-Geschichtswerkstatt wiki. Online zugänglich (aufgerufen am 16. September 2024) unter: [https://www.spd-geschichtswerkstatt.de/wiki/Sozialdemokratischer_Verein_Gro%C3%9F-Kiel_-_Stadtverordnete].&amp;lt;/ref&amp;gt; und Wilhelm Schweizer (USPD, später SPD)&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Autoren der SPD Geschichtswerkstatt: Wilhelm Schweizer. In: SPD-Geschichtswerkstatt wiki. Online zugänglich (aufgerufen am 16. September 2024) unter: [https://www.spd-geschichtswerkstatt.de/wiki/Wilhelm_Schweizer].&amp;lt;/ref&amp;gt; die Kontrolle; bei der städtischen Polizei Wilhelm Leopold (SPD). Zum Post- und Telegraphenamt wurde der später von der SPD zur USPD übergetretene Postinspektor Bertold Brandt&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Rolf Fischer: &#039;&#039;Mit uns die neue Zeit! Kiels Sozialdemokratie im Kaiserreich und in der Revolution.&#039;&#039; Kiel 2013 (Geschichte der Kieler Sozialdemokratie Band 2), S. 187–190. Zum Übertritt zur USPD vgl. die USPD-Zeitung „Republik“ vom 3. April 1920.&amp;lt;/ref&amp;gt; abgeordnet. Das Provinzial-Schulkollegium wurde von Dr. Hermann Weller kontrolliert.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Studienrat Hermann Weller, später Stadtverordneter SPD, spielte eine herausgehobene Rolle neben Dr. Hermann Heller und Professor Gustav Radbruch beim Kapp-Putsch in Kiel. Vgl. Dirk Dähnhardt und Gerhard Granier (Hrsg.): &#039;&#039;Der Kapp-Putsch in Kiel. Eine Dokumentation zum 60. Jahrestag der Märzereignisse von 1920.&#039;&#039; Kiel 1980 (Mitteilungen der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Band 66), S. 148.&amp;lt;/ref&amp;gt; Weitere Beigeordnete waren für die Gewerbe-Inspektion: Jatow, und für den Landeshauptmann: Albert Billian.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Autoren der SPD Geschichtswerkstatt: Albert Billian. In: SPD-Geschichtswerkstatt wiki. Online zugänglich (aufgerufen am 16. September 2024) unter: [https://www.spd-geschichtswerkstatt.de/wiki/Albert_Billian]. In Preußen war der Landeshauptmann der vom Provinziallandtag gewählte höchste Beamte eines Provinzialverbands. Er leitete die provinziale Selbstverwaltung, während der vom König ernannte Oberpräsident die Vorbehaltsrechte der Zentralregierung wahrnahm.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Peter Hillbrecht (SPD), Metallarbeiter und nach Garbe Vorsitzender des Kieler Arbeiterrats und später des Volksrats für Schleswig-Holstein, sah in einer Rückschau einen großen Mangel darin, dass man es versäumt habe, Beigeordnete für die Justiz zu stellen. Dadurch hätte man „unendlich viel an reaktionären Bestrebungen [hintanhalten]“ können.&amp;lt;ref&amp;gt;Peter Hillbrecht: Der Volksrat von Schleswig-Holstein. In: Schleswig-Holsteinische Volks-Zeitung (SHVZ), 5. November 1918, S. 2 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Über Hillbrecht ist nur wenig bekannt. Sabine Roß schreibt in ihrem biografischen Handbuch der Reichsrätekongresse 1918/19 (Hillbrecht war ebenfalls Delegierter für Schleswig-Holstein): Hillbrecht wurde am 23. April 1884 in Spliedtsdorf bei Grimmen (Prov. Pommern) geboren, war von Beruf Torpedoschlosser und seit Juni 1921 Angestellter im Eisenbahnerverband. Im selben Jahr meldete er sich nach Köln ab. Sabine Roß (spätere Kuder): &#039;&#039;Biographisches Handbuch der Reichsrätekongresse 1918/19&#039;&#039;. Düsseldorf 2000 (Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien Bd. 11). Andreas Zimmer erwähnt einen Peter Hillbrecht (SPD) als Mitglied der Landesleitung des Kulturbunds zur demokratischen Erneuerung Deutschlands in der SBZ/DDR, bei dem es sich evtl. um den hier besprochenen Kieler Vertreter handeln könnte: Andreas Zimmer: Der Kulturbund in der SBZ und in der DDR. Eine Ostdeutsche Kulturvereinigung im Wandel der Zeit zwischen 1945 und 1990. 2013 an der Fakultät für Sozialwissenschaften und Philosophie der Universität Leipzig als Dissertation angenommen. Online zugänglich (aufgerufen am 14. Januar 2023) unter: [https://vdoc.pub/documents/der-kulturbund-in-der-sbz-und-in-der-ddr-eine-ostdeutsche-kulturvereinigung-im-wandel-der-zeit-zwischen-1945-und-1990-3n3pm0s03hdg].&amp;lt;/ref&amp;gt; Nach einer Meldung in der Schleswig-Holsteinischen Volks-Zeitung (SHVZ) vom 12. Dezember 1918 war jedoch Professor Otto Opet (1866–1941)&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Otto Opet lehrte seit 1900 als Privatdozent an der Kieler Universität, wo er 1930 zum Ordinarius berufen wurde. Er zählte zu den Wissenschaftlern, deren Abberufung die Kieler Studentenschaft 1933 kategorisch fordert, da er als Jude galt. Als Mitglied des Reichsbanners, der Liga für Menschenrechte und dem republikanischen Klub und der demokratischen (beziehungsweise radikaldemokratischen) Partei war er außerdem politisch engagiert. Unter dem massiven Druck der nationalsozialistischen Anfeindung lässt Opet sich im April 1933 auf &amp;quot;eigenen Antrag&amp;quot; im Alter von 67 Jahren in den Ruhestand versetzen. Vgl. Christian-Albrechts-Universität zu Kiel: Vertriebene Gelehrte. Online zugänglich (aufgerufen am 14. Juli 2024) unter: [https://www.uni-kiel.de/de/universitaet/profil/geschichte-der-universitaet/ns-aufarbeitung/vertriebene-gelehrte].&amp;lt;/ref&amp;gt; der Justiz als Beigeordneter vorgesetzt. Vielleicht lässt sich dieser Widerspruch dadurch erklären, dass Opet als Einzelperson gegenüber der Phalanx der reaktionären Beamtenschaft keinen Effekt erzielen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Ernährungsamt wurde wegen der herausragenden Bedeutung vom Arbeiterrat durch Fiebig und Richter selbst übernommen. Seit den Hungerprotesten 1917 waren die Arbeiter bereits mit einer größeren Gruppe in der städtischen Lebensmittelkommission vertreten und hatten viel Erfahrung sammeln können.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;In der Frühphase der Arbeit im Ernährungsamt erklärte der Dreher Wilhelm Schulz, zu der Zeit (6. November 1918) Vorsitzender des gemeinsamen Ernährungsausschusses von Arbeiter- und Soldatenrat und später als Ernährungskommissar (er war auch Beigeordneter für das Lebensmittellabor) bezeichnet: „Der Arbeiterrat hat einen Ernährungsausschuß in Gemeinschaft mit dem Soldatenrat eingesetzt, […]. Die Regelung der Lebensmittelversorgung der Zivilbevölkerung der Stadt Kiel verbleibt nach wie vor dem Magistrat. Der Ernährungsausschuß wird nur auf Ansuchen des Magistrats eingreifen.“ StAK Sign. 21392. Der „Ernährungskommissar Schulz – Kiel“ gab auf der Konferenz der schleswig-holsteinischen Arbeiter- Soldaten- und Bauern-Räte am 30. März 1919 in Neumünster einen Bericht über seine Tätigkeit; vgl. Anonym: Konferenz der schleswig-holsteinischen Arbeiter- Soldaten- und Bauern-Räte. In: SHVZ, 13. März 1919, S. 1 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur generellen Arbeit der Beigeordneten schreibt Dähnhardt: „Allein im Bereich der Lebensmittelversorgung, die von Anfang an im Mittelpunkt der Tätigkeit des Arbeiterrats stand, konnte dieser eine für die Bevölkerung sichtbare Bedeutung erlangen. Seit Anfang November bot die Lebensmittelversorgung in Kiel keinen Anlaß mehr zu Kritik. Auch Oberbürgermeister Lindemann […] bezeichnete die dem Lebensmittelamt zur Seite gestellten Beigeordneten [im Mai 1919] sogar als &#039;brauchbare Mitarbeiter&#039;, sicherlich ein hohes Lob, wenn man berücksichtigt, dass Lindemann […] ein konsequenter Gegner der Sozialdemokratie war.“&amp;lt;ref&amp;gt;Dähnhardt, Revolution, S. 149.&amp;lt;/ref&amp;gt; Martin Rackwitz kam in seiner umfassenden Darstellung des Kieler Aufstands zu dem Ergebnis, dass die erfahrenen sozialdemokratischen Politiker „ein hohes Maß an kommunalpolitischem Sachverstand“ einbrachten.&amp;lt;ref&amp;gt;Rackwitz, Kiel 1918, S. 190.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz der Konsolidierung des Aufstands in Kiel breitete sich jedoch am 6. November eine große Unsicherheit aus, denn Kiel schien isoliert zu bleiben. Noske unternahm jetzt einen gründlich vorbereiteten Versuch, den Kieler Aufstand zu beenden und damit die alten Verhältnisse wiederherzustellen. Nachmittags fand eine große Massenversammlung von etwa tausend Matrosen, an der auch Vertreter der Arbeiterschaft teilnahmen, im „Schloßhof“ statt, dem heutigen [[Metro-Kino im Schloßhof|metro-Kino]]. Noske hielt seine sorgfältig vorbereitete Rede und beschrieb die großen Schwierigkeiten, vor der die Bewegung stehe. Die Heranschaffung von Lebensmitteln und Geld mache große Probleme, denn Kiel sei isoliert und der Eisenbahnverkehr eingestellt. Er malte ein düsteres Bild und gab dann bekannt, was die Regierung anbieten würde, wenn der Aufstand abgebrochen würde: Straffreiheit für alle Aufständischen, Amnestie für die anlässlich der Marineunruhen 1917 Verurteilten, beschleunigte Herbeiführung des Waffenstillstandes, Beschleunigung der Abdankungsfrage sowie weitere Reformen und Demokratisierung des Staates. Der Vorsitzende des Arbeiterrats Garbe (SPD) und Popp (USPD) sprachen sich dagegen aus. Auch der Redakteur der SHVZ, Bernhard Rausch (SPD)&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Rausch (1887–1981) war Artillerieleutnant an der Westfront und wurde am 1. Oktober 1918 Redakteur der SHVZ in Kiel. Er folgte Noske nach Berlin und wurde dessen politischer Privatsekretär und Referent im Reichswehrministerium, schied 1920 kurz nach Noskes Rücktritt aus und wechselte später zur deutschnationalen Frontsoldaten-Organsation Stahlhelm; vgl. Wolfram Wette: &#039;&#039;Gustav Noske. Eine politische Biographie.&#039;&#039; Düsseldorf 1988, S. 865; sowie Christian Lübcke: &#039;&#039;Ein Versuch zur Demokratisierung der Reichswehr. Bernhard Rauschs Vorschläge für eine Staatsbürgerliche Unterrichtung, 1919-1920. &#039;&#039; In: Andreas Braune, Sebastian Elsbach, Ronny Noak, (Hrsg.): Bildung und Demokratie in der Weimarer Republik. Stuttgart 2022, S. 95-109.&amp;lt;/ref&amp;gt; argumentierte dagegen: Die Bewegung dürfte „… nie in dem Sinne abgebaut werden […], daß etwas von dem aufgegeben würde, was durch sie politisch erreichbar war.“&amp;lt;ref&amp;gt;Bernhard Rausch: &#039;&#039;Am Springquell der Revolution. Die Kieler Matrosenerhebung.&#039;&#039; Kiel 1918 (Reprint als Sonderveröffentlichung der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Bd. 15), S. II 1–31, hier S. II-25.&amp;lt;/ref&amp;gt; In dem Bericht der SHVZ über die Versammlung wurde dies näher erläutert: „Die gegenwärtige schicksalsschwere politische Situation gebietet, dass die entstandenen Machtverhältnisse restlos ausgenützt werden für den politischen und sozialen Fortschritt des Deutschen Reiches. Es gilt das, was im glorreichen Ansturm errungen ist, dauernd zu befestigen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Anonym: Die Lawine im Rollen. In: Schleswig-Holsteinische Volks-Zeitung vom 7. November 1918, S. 1.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noskes Vorschlag wurde nach Angaben Popps einstimmig abgelehnt. Außerdem wurde Popp auf der Versammlung, nachdem der von Berlin entsandte USPD-Vorsitzende Haase Schwierigkeiten hatte, nach Kiel zu gelangen, zum gleichberechtigten Vorsitzenden des Soldatenrats neben Noske bestimmt.&amp;lt;ref&amp;gt;Klaus Kuhl: &#039;&#039;Gustav Garbe – bedeutender Kieler Gewerkschaftsfunktionär, Vorsitzender des Kieler Arbeiterrats und zweimaliger Gouverneur. Mit Vorworten von Frank Hornschu, Geschäftsführer und Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes Kiel Region, und von Stephanie Schmoliner, 1. Bevollmächtigte der IG Metall Kiel-Neumünster.&#039;&#039; Kiel 2023, S. 29–32.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Versammlung verlief teilweise chaotisch, was offenbar mit einer immer noch bestehenden mangelnden Legitimation der Teilnehmer, aufgrund der spontan entstandenen Soldatenräte, zusammen hing. Popp organisierte daraufhin Wahlen von Vertrauensmännern in allen Einheiten, die dann den „Großen Soldatenrat“ wählten, der dann wiederum als Aktionsausschuss am folgenden Tag den Obersten Soldatenrat (OSR) bestimmte. Der OSR, dem auch Karl Artelt angehörte, wählte Lothar Popp zum Vorsitzenden. Weitere Mitglieder waren Maschinistenmaat Ullrich (auch Ulrich), Obermaat Schrader (vom Friedrichsorter Soldatenrat)&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Dirk Dähnhardt gibt eine Äußerung Lothar Popps über Schrader in einem 1975 geführten Gespräch wie folgt wider: „Über die Zusammensetzung des Soldatenrates erinnerte sich Herr Popp nur noch an einen Mann namens Schrader, den er selbst vorgeschlagen hatte, der aber ein &amp;quot;Vollidiot&amp;quot; gewesen sei.“ Kuhl, Popp, S. 44 f. Dähnhardt weist dabei auf eine ähnliche Schilderung Noskes hin. Noske nennt allerdings keine Namen und bezieht sich auf einen Tag vorher. Vgl. Noske, Kiel bis Kapp, S. 19.&amp;lt;/ref&amp;gt; und Obermaat Koch.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Martin Rackwitz erwähnt einen Obermatrosen Koch vom Soldatenrat in Holtenau, der dort die Befehlsgewalt ausgeübt habe. Vgl. Rackwitz, Kiel 1918, S. 181 f. Es bleibt unklar, ob es sich um dieselbe Person handelt.&amp;lt;/ref&amp;gt; Gemäß einer vorher getroffenen Absprache zwischen SPD und USPD übernahm Noske daraufhin das Gouverneursamt von Admiral Wilhelm Souchon.&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhl, Garbe, S. 32.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bereits eine Woche später werden zwei neue Mitglieder des OSR erwähnt, nämlich Robert Pfaff (SPD)&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Pfaff (1881–1940) war außerdem Delegierter auf dem 1. Reichsrätekongress für den Wahlbezirk Schleswig-Holstein und wurde dort als Marinevertreter in den Zentralrat gewählt. Ab 1919 war er kommissarischer Landrat für Rendsburg und dort aktiv an der Niederschlagung des Kapp-Putsches beteiligt, dann Entbindung von diesem Amt. Ab 1924 Inhaber eines Immobiliengeschäfts in Neckargemünd. Vgl. Roß, Reichsrätekongresse. Zur Rolle Pfaffs während des Kapp-Putsches vgl. Klaus Kuhl: &#039;&#039;Abzug des Bataillons Claassen/Detachement Kiel nach dem Kapp-Putsch in Kiel 1920.&#039;&#039; In: Zeitschrift der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte, Band 146 (2021), S. 241–256.&amp;lt;/ref&amp;gt; und Max Hartig,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Hartig, geboren 1887, war Delegierter für den Wahlbezirk Marinestation zum 1. Reichsrätekongress und gehörte zur SPD-Fraktion. Als Wohnort gab er Chemnitz an, und als dortige bisherige Tätigkeit: Sektionsleitung der Modelltischler in Chemnitz. Vgl. Roß, Reichsrätekongresse.&amp;lt;/ref&amp;gt; während Schrader vermutlich ausgeschieden war.&amp;lt;ref&amp;gt;Dähnhardt, Revolution, S. 114 und 136. Schrader wird nur noch einmal von Stabschef Küsel als Teilnehmer bei den Verhandlungen über die Rolle der Offiziere am 8. November erwähnt. Vgl. Klaus Kuhl: &#039;&#039;Gefangen in Überheblichkeit und Engstirnigkeit: Die führenden Seeoffiziere und der Matrosen- und Arbeiteraufstand in Kiel 1918. Die Berichte der Chefs der Marinestation und Gouverneure von Kiel, Admiral Gustav Bachmann und Admiral Wilhelm Souchon sowie ihres Stabschefs Konteradmiral Hans Küsel.&#039;&#039; Kiel 2023, S. 180.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über die Mitglieder des Großen Soldatenrats, die den OSR zu wählen hatten, gibt es bisher nur wenige Informationen: Der Kapitänleutnant Peter Köhler schreibt einem zeitnahen Bericht, dass er selbst zum Soldatenrat auf seinem Wohnschiff &#039;&#039;Nixe&#039;&#039; gewählt wurde und damit Mitglied im Großen Soldatenrat war. Köhler diente bis September 1918 auf dem zum III. Geschwader gehörenden &#039;&#039;Großer Kurfürst&#039;&#039; und war dann dem Artillerieschulschiff &#039;&#039;Kaiserin Augusta&#039;&#039; in Kiel zugeteilt. Er trat für eine Sozialisierung ein, war aber kein Demokrat. Köhler erwähnt auch einen Oberschreiber Haas, der eine bestimmende Rolle im Soldatenrat der I. Werft-Division gespielt hätte.&amp;lt;ref&amp;gt;Kapitänleutnant Peter Köhler: Revolutionsereignisse in Kiel. Typoskript im Nachlass Carl/Karl Hollweg, BArch RM 3/11682, Bl. 198–226. Transkript online zugänglich (aufgerufen am 25. September 2024) unter: [http://www.kurkuhl.de/docs/ereignisse_06-11-1918.pdf].&amp;lt;/ref&amp;gt; Weitere, von Karl Artelt in späteren Berichten erwähnte Mitglieder des Großen Soldatenrats: Torpedobootmatrose Fritz Steinhoff, späterer Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen sowie der U-Bootfahrer Ernst Wollweber, der von 1953 bis 1957 das Staatssekretariat bzw. das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) in der DDR leitete.&amp;lt;ref&amp;gt;Karl Artelt: Zwei Briefe an das Institut für Marxismus-Leninismus beim Zentralkomitee der SED – Abteilung Geschichte der Partei und der deutschen Arbeiterbewegung. Nebra, 15. Dezember 1957 und 12. Februar 1957. Bundesarchiv, SAPMO, SGY 30/0022, Bl. 14–19, hier Bl. 15, 17 und 19.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Regierung in Berlin (bis zum 9. November 1918 noch vom letzten Reichskanzler des Kaiserreichs, Max von Baden, geführt) bestätigte Noske als neuen Gouverneur. Während Popp den Gouverneur als ausführendes Organ des Soldatenrats ansah, mit dem dieser „den Verwaltungsapparat in Bewegung bringen“ könne, betrachtete Noske den Soldatenrat eher als ein Kontrollgremium. In seinem ersten Tagesbefehl, den er zusammen mit dem OSR noch am selben Abend erstellte, hieß es: „Ich bin […] zum Gouverneur gewählt worden […]. Mir zur Seite steht der ‚Oberste Soldatenrat des Befehlsbereichs der Ostseestation’“ &amp;lt;ref&amp;gt;Popp/Artelt, Ursprung, S. III-27 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der OSR schickte dann jeweils einen Vertrauensmann in alle wichtigen militärischen Stellen. Hierbei handelte es sich meistens um Feldwebel.&amp;lt;ref&amp;gt;Rackwitz, Kiel 2018, S. 139 f. Der so genannte Etatmäßige Feldwebel war in der Regel mit dem inneren Dienst und Verwaltungsaufgaben betraut.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die zukünftige Rolle der Offiziere blieb in der Schwebe. Nachdem sich in deren Reihen zunächst eine tiefe Resignation breit gemacht hatte, schöpften die Offiziere wieder Hoffnung, weil Noske signalisiert hatte, dass er auf sie nicht verzichten wollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Inzwischen trafen auch Nachrichten von der raschen Ausbreitung der Revolution ein. Noske kam nun zu der Überzeugung, dass „ein Lavieren nicht mehr am Platze sei, sondern es hieß die Zügel fest in die Hand zu nehmen.“ In einer kleinen Runde vereinbarte er mit einigen Kieler SPD-Führern die Ausrufung des Arbeiterrats als provisorische Regierung Schleswig-Holsteins. Der ebenfalls gewünschten Ausrufung der Republik Schleswig-Holstein widersetzte er sich.&amp;lt;ref&amp;gt;Noske, Kiel bis Kapp, S. 25.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Aufruf Kieler Arbeiter und Soldatenrat.jpg|mini|Gemeinsamer Aufruf des Arbeiter- und des Soldatenrats am 7. November 1918.]] Der OSR und der Arbeiterrat einigten sich auf einen gemeinsamen Aufruf, der als Flugblatt verteilt wurde. Die ersten drei Absätze lauteten: „Die politische Macht ist in unserer Hand. Es wird eine provisorische Provinzialregierung gebildet, die in Zusammenarbeit mit den bestehenden Behörden eine neue Ordnung aufrichtet. Unser Ziel ist die freie, soziale Volksrepublik.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bewegung stieß auch auf große Zustimmung in der Bevölkerung. Dies zeigte sich nicht nur in der überwältigenden Anteilnahme bei der Beerdigung der Revolutionsopfer am 10. November 1918, sondern auch in der raschen Verbreitung der Räteidee: In weiten Kreisen der Bevölkerung bis ins Bürgertum hinein wurden Räte gegründet. Es gab Beamten- und Angestelltenräte,&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. dazu etwa Klaus Kuhl: &#039;&#039;Kiel und die Revolution von 1918. Das Tagebuch eines Werftingenieurs, verfasst in den Jahren 1917–1919. Edition und Textanalyse.&#039;&#039; Berlin 2018, S. 57.&amp;lt;/ref&amp;gt; Studentenräte,&amp;lt;ref&amp;gt;Über Alfred Meusel wird berichtet, dass er Vorsitzender des ersten Studentenrats in Deutschland wurde. Alfred Meusel (1896-1960) besuchte die Oberrealschule in Kiel. Mit Beginn des Ersten Weltkriegs meldete er sich als Freiwilliger, ging an der Front aber bald auf Distanz zum Kaiserreich und kam dort erstmals mit sozialistischen Ideen in Berührung. Im Dezember 1917 wurde er an der Aisne verschüttet, schwer verletzt und behielt zeitlebens ein Nervenleiden als Spätfolge. Von 1918 bis 1922 studierte er in Kiel u. a. Nationalökonomie, Soziologie und Geschichtswissenschaft. Vgl. Mario Kesser und Detlef Siegfried: &#039;&#039;Alfred Meusel im Spannungsfeld von Wissenschaft und Politik&#039;&#039;. In: JahrBuch für Forschungen zur Geschichte der Arbeiterbewegung, Heft III/2010, S. 65–80, hier S. 66 f. Vgl. auch die von Jörg Becker veröffentlichten Berichte von Richard Sorge, der eine sozialistische Studentenorganisation aufbaute.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bauernräte&amp;lt;ref&amp;gt;Nach Gerhard Stoltenberg soll es bereits im Januar 1919 1700 örtliche Auschüsse [Bauernräte] in Schleswig-Holstein gegeben haben; vgl. Gerhard Stoltenberg: &#039;&#039;Politische Strömungen im schleswig-holsteinischen Landvolk 1918-1933.&#039;&#039; Düsseldorf 1962, S.29, Fußnote 4. Stoltenberg beruft sich auf eine Meldung der SHVZ vom 15. Januar 1919. Die Zeitung der USPD „Republik“ meldete am 19. Januar 1919, dass in Schleswig-Holstein ein provisorischer Oberster Bauernrat aus sechs Mitgliedern gebildet worden sei. Beigeordnet seien der Ernährungskommissar für Schleswig-Holstein sowie ein Beauftragter der Landwirtschaftskammer. Geschäftsführer sei vorläufig Max Mißfeld, Suchsdorf bei Kiel.&amp;lt;/ref&amp;gt; und sogar einen Rat des Kirchenchors der [[Nikolaikirche]].&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. den Bericht eines damals 13-jährigen Chorknabens in dem NDR-Film „Matrosen, Räte, Republiken“ von Hartmut Idzko und Jörg Knickrehm, der am 1. November 1978 ausgestrahlt wurde.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In mehreren Verhandlungen wurde zwischen Vertretern der Offiziere und dem OSR eine Absprache über die Rolle der Offiziere getroffen. Diese sah vor, dass diejenigen Offiziere, die sich dem Soldatenrat unterstellten, im Amt bleiben durften. Wenn sie jedoch ein Kommando ausüben wollten, mussten sie das Vertrauen ihrer Untergebenen haben. Von den Mannschaften abgelehnte Offiziere mussten sich in der Marinestation zur Verfügung halten. Die große Mehrheit der Offiziere ließ sich darauf ein, wobei die Mitteilung, der Kaiser habe sie von ihrem Eid entbunden, eine wichtige Rolle gespielt haben dürfte. Die Ansätze für eine Militärreform wurden jedoch, wie Wolfram Wette schrieb, von Noske im Keim erstickt.&amp;lt;ref&amp;gt;Wolfram Wette: Als bei der Torpedo-Division der erste Soldatenrat gebildet wurde. In: Frankfurter Rundschau, 12. Dezember 1988.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Niedergang der Rätebewegung in Kiel ==&lt;br /&gt;
In Kiel begann dieses „Ersticken“ einer möglichen Militärreform damit, dass Noske den Räten gegenüber die Kompetenz der Seeoffiziere, besonders mit Blick auf die Überführung der Flotte nach England, als unverzichtbar darstellte. Kuhl schrieb, dies sei in der neueren Literatur ohne nähere Diskussion akzeptiert worden, aber ein genauerer Blick auf die Aufgaben der verschiedenen Dienstränge zeige, dass Deckoffiziere, Unteroffiziere und Mannschaften ohne größere Probleme in der Lage gewesen wären, ein Schiff zu manövrieren; Steuerleute, Navigationsoffiziere, Maschineningenieure, Funkentelegrafiemeister etc. konnten in ihren Bereichen selbstständig handeln. Die Seeoffiziere waren hauptsächlich dazu da, ein Schiff in der Schlacht zu befehligen. Für andere Aufgaben waren sie nicht unbedingt notwendig. Allerdings war ihre Autorität wichtig für die einigermaßen reibungslose Abfolge aller Arbeiten an Bord und an Land. Diese Autorität aber war stark erschüttert. Eine Auswahl nach demokratischen und republikanischen Kriterien wäre möglich gewesen. Ein entstehender Gruppendruck hätte dann eventuell auch eine Reihe der ehemals kaiserlichen Seeoffiziere zum Einlenken bewegen können. Immerhin war nach der Wahrnehmung des Stabschefs der Marinestation, Küsel, noch Mitte November 1918 „die Stimmung, was das jüngere Seeoffizierkorps anbetrifft, ganz links gerichtet“.&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhl, Überheblichkeit, S. 186.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dies wird auch bestätigt von Admiral Gustav Bachmann, dem Vorgänger Souchons als Gouverneur und Chef der Marinestation, der den Kapitänleutnant Thorwald v. Bothmer als einen der radikalsten bezeichnete („… pries die Republik, machte die Monarchie herunter …“).&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Klaus Franken (Hg.): &#039;&#039;Admiral Gustav Bachmann: Lebenserinnerungen und Tagebuch 1915.&#039;&#039; Paderborn 2022 (Schriften zur Marinegeschichte Band 3), S. 911 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Unter dem Einfluss des Korvettenkapitäns Wilfried von Loewenfeld (s.&amp;amp;nbsp;u.) schlug dies aber schnell wieder um.&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhl, Garbe, S. 38 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zuge der kurz nach dem Umsturz einsetzenden Demobilisierung wuchs der Einfluss der zurückbleibenden Berufssoldaten und hier besonders derjenige der Deckoffiziere. Diese hatten durchaus einen wichtigen Anteil an der erfolgreichen Durchsetzung des Aufstands, denn die standen in deutlicher Opposition zu den Seeoffizieren, von denen sie ebenfalls, wie die Mannschaften, als gesellschaftlich inakzeptable Parias behandelt wurden.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Holger H. Herwig: &#039;&#039;Das Elitekorps des Kaisers. Die Marineoffiziere im Wilhelminischen Deutschland.&#039;&#039; Hamburg 1977, S. 86.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Deckoffizierbund erkannte die neuen Verhältnisse an und erteilte Bestrebungen, diese zurückzudrehen, eine Absage. Die Seeoffiziere müssten dies ebenfalls anerkennen und es müsse eine Auswahl geben, um reaktionäre Absichten von Seiten der Offiziere auszuschließen. Allerdings wurde nicht erkennbar, welche Mechanismen und Garantien der Bund für eine effektive Auswahl anstrebte.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Klaus Kuhl: &#039;&#039;Analyse und Edition von: Paul Kässner, Oberdeckoffizier a. D.: Zur Geschichte der Deckoffizierbewegung, des Deckoffizierbundes und des Bundes der Deckoffiziere.&#039;&#039; Kiel 2022, 6 f. und 22. Online zugänglich (aufgerufen am 4. September 2024) unter: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Kuhl_analyse-edition-kaessner-deckoffizierbewegung_2022.pdf].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei: Kieler_Matrosenaufstand_(Kiel_68.297).jpg|mini|Das Foto zeigt eine Demonstration von Deck- und Unteroffizieren am 22. Dezember 1918 gegen den Beschluss des Reichsrätekongresses und für die Beibehaltung der Rangabzeichen. Dies kennzeichnet den gestiegenen Einfluss der Deckoffiziere.]] Ein Großteil der Deckoffiziere erwies sich auch später im Kapp-Putsch als Stütze der Weimarer Republik, sie hatten jedoch deutliche Vorbehalte gegenüber den Soldatenräten, vermutlich weil sie deren totalen Umsturz der militärischen Hierarchien ablehnten. Die Deckoffiziere bekamen einen großen Einfluss in der Sicherheitswehr des Soldatenrats und auch im OSR selbst. Ihre Vorbehalte führten dann vermutlich auch dazu, dass Lothar Popp am 10. Dezember 1918 als Vorsitzender des OSR zurücktrat; zumindest behauptet dies Noske in seiner 1920 erschienen und stark von Rechtfertigungen geprägten Schrift „Von Kiel bis Kapp“.&amp;lt;ref&amp;gt;Noske, Kiel bis Kapp, S. 52.&amp;lt;/ref&amp;gt; Popp selbst gab später an, er habe nach der Entscheidung für die Nationalversammlung keinen Sinn mehr in seiner Arbeit für den OSR gesehen. Allerdings fiel diese Entscheidung erst später auf der Reichsrätekonferenz 16.–21. Dezember 1918,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Auf dem ersten Reichsrätekongress wurde Kiel durch die folgenden Delegierten vertreten: Gustav Garbe und Peter Hillbrecht für den Arbeiterrat (Kurt Kaulfers, USPD und Bevollmächtigter des DMV Kiel, fiel bei der Mandatsprüfung durch), sowie Max Hartig und Robert Pfaff für den Soldatenrat. Alle bis auf Kaulfers gehörten der SPD an. Vgl. Dieter Braeg und Ralf Hoffrogge (Hrsg.): &#039;&#039;Allgemeiner Kongress der Arbeiter- und Soldatenräte Deutschlands. 16.–20. Dezember 1918 Berlin – Stenografische Berichte, Neuausgabe zum 100. Jahrestag&#039;&#039;. Berlin 2018, S. 561–602. Vgl. auch Roß, Reichsrätekongresse.&amp;lt;/ref&amp;gt; was eher Noskes Darstellung unterstützen würde. Es wäre aber auch denkbar, dass Popps Rücktritt bereits davon bestimmt war, dass keine USPD-Mitglieder aus Kiel zum Reichsrätekongress delegiert wurden. Karl Artelt übernahm nun den Vorsitz des inzwischen auf 14 Mitglieder erweiterten Gremiums, Stellvertreter wurde Robert Pfaff, Schriftführer wurde der Signalmeister und Deckoffizier Franz Riefstahl (SPD). Popp wurde nur noch als politischer Berater des Gremiums aufgeführt. Zum damaligen Zeitpunkt gehörten dem OSR, neben den Genannten, noch die folgenden Personen an: Rudolf Rannow, Erich Thümmel, Schmidtke, Max Hartig, Gräfenstein (auch Grävenstein), Rath, Klaus, Eggers, Rudolph, Widmaier (auch Widmeier) und Feill (insgesamt 14).&amp;lt;ref&amp;gt;Anonym: Sitzung des obersten Soldatenrates. In: Republik, 11. Dezember 1918.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Hartig und Thümmel wurden bereits oben beschrieben, Riefstahl und Rannow werden weiter unten als Vorsitzende des OSR beschrieben, zu den anderen Personen ist bisher nichts weiter bekannt.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die provisorische Regierung Schleswig-Holsteins hatte zunächst der Kieler Arbeiterrat übernommen. Auf einer Konferenz am 12. Dezember 1918 in Neumünster wurden nun auch die anderen Räte in der Provinz einbezogen. Die Konferenz wurde von Garbe eröffnet und zusammen mit Richter aus Neumünster und Schlüter aus Flensburg geleitet. Es herrschte Einigkeit darüber, dass in „nächster Zukunft […] Räterat und National-Versammlung nebeneinander bestehen bleiben und zusammen arbeiten [müssen].“&amp;lt;ref&amp;gt;Einleitendes Referat des Beigeordneten der Regierung in Schleswig Eduard Adlers auf der Konferenz. Protokoll der Konferenz der Arbeiter- und Soldatenräte Neumünster am 12. Dezember 1918. Manuskript. Archiv des Zentralrats der Deutschen Sozialistischen Republik; Sign. B-58. Online zugänglich (aufgerufen am 9. Januar 2023) unter: [https://search.iisg.amsterdam/Record/ARCH01676].&amp;lt;/ref&amp;gt; Die provisorische Regierung setzte sich nun aus Vertretern der Räte verschiedener Regionen zusammen. Sie bezeichnete sich später als „Volksrat“.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Kuhl, Garbe, S. 34.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 27. Dezember 1918, mit Beginn der Unruhen in Berlin, kehrte Noske dorthin zurück und übernahm im Rat der Volksbeauftragten, nach dem Rücktritt der USPD-Beauftragten, den Bereich „Heer und Marine“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit verstärkte sich der schleichende und im Laufe der Entwicklung immer offenere Prozess, in dem Noske – inzwischen Reichswehrminister – die Soldatenräte im Juni 1919 schließlich abschaffen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wichtige Stationen waren dabei:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Verkleinerung des 53er-Ausschusses, dem Zentralrat der Marine im Berliner Reichsmarineamt,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Dem Rat gehörten die folgenden Kieler Personen an: Bock, Hohmann, Klenke, Lebeck, Manschke, Rösler, Stock, Block und Schumann; vgl. Kriegsakten betreff Revolution 1918 und Märzwirren 1920. BArch RM 8/1013, Bl. 73 f. Im Mai 1919 wurde auch ein Verbandssoldatenrat, in dem die Soldatenräte sich überregional organisiert hatten, der aber offensichtlich keinen größere Bedeutung erlangt hat, erwähnt; vgl. Akten des Reichsmarineamts betreffend Arbeiter und Soldatenrat, Juni 1919–März 1922. BArch RM 20/13 Bl. 27.&amp;lt;/ref&amp;gt; auf sechs Personen. Der Rat wollte die neue Marine auf Völkerverständigung und eine reine Verteidigung festlegen. Dies stieß jedoch bei den weiter nach „Weltgeltung“ strebenden „Tirpitzianern“, zu denen die vorgesehenen Führer der Marine (insbesondere v. Trotha)&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Konteradmiral Adolf von Trotha (1868–1940), ab März 1919 Chef der Admiralität, im Oktober 1919 zum Vizeadmiral befördert, unterstützte den Kapp-Putsch und wurde später Propagandist für die NSDAP.&amp;lt;/ref&amp;gt; gehörten, sowie auch bei Noske selbst, auf großen Widerstand. Aufgrund von Noskes Kritik, der auf dem Reichsrätekongress eine Verschleppung von Entscheidungen bemängelte, wurde der Rat auf sechs Mitglieder verkleinert und damit in seinen Wirkungsmöglichkeiten (bei einem Amt mit etwa 1000 Beschäftigten) stark eingeschränkt. Der stellvertretende Vorsitzende des Kieler OSR, Robert Pfaff (SPD), der auch am Reichsrätekongress teilnahm, unterstützte Noske bei seinem Vorgehen. Wette vermutet, dass Noskes Beanstandungen eher auf die inzwischen USPD-nahe Programmatik des 53er Rats zurückgingen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Wette, Noske, S. 272–280.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Der Aufbau der 1. Marine-Brigade (inoffizielle Bezeichnung: Eiserne Brigade oder Eiserne Division) durch die Deckoffiziere auf Anforderung Noskes Anfang Januar 1919. Im OSR argumentierten die Deckoffiziere damit, dass die Truppe für die Grenzsicherung im Osten gebraucht würde. Sie wurde dann aber bei den Kämpfen in Berlin und danach auch in weiteren Städten, u.&amp;amp;nbsp;a. in Bremen eingesetzt. Dies führte am 6. Januar 1919 zum Rückzug Karl Artelts aus dem OSR. Den Vorsitz übernahm zunächst Max Hartig für 10 Tage dann der Signalmeister und Deckoffizier Franz Riefstahl,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Über Riefstahl ist ebenfalls nur wenig bekannt, obwohl er neben Popp und Artelt eine besonders wichtige Rolle in der Soldatenratsbewegung spielte: Riefstahl war zunächst wohl die zentrale Figur in dem nur bis zum 3. Dezember 1918 existierenden Generalobmannbüro. Neben Riefstahl waren hier noch der Oberheizer Klaus, der Ubootsmaschinistenmaat Tscharutke, der Schreiber Au und der Oberschreiber Rothenbacher tätig. Das Büro wurde parallel zum OSR eingerichtet und diente den Obmännern, wie die von den einzelnen Soldatenräten in den Großen Soldatenrat entsandten Delegierten genannt wurden, als Ansprechstelle. Mit Riefstahls Wahl in den OSR wurde es offenbar aufgelöst. Vgl. Dähnhardt, Revolution, S. 131. Riefstahl gehörte dem OSR von Anfang Dezember 1918 bis Ende März 1919 ununterbrochen an, und war mit 2 ½ Monaten der am längsten auf diesem Posten dienende Vorsitzende. Obwohl Riefstahl der SPD angehörte und deutlich moderater war  als Popp und Artelt, verfolgten ihn die Seeoffiziere mit großem Hass. So bezeichnete v. Loewenfeld ihn als „widerlichen, aufgeblasenen roten Gesellen und Offiziershasser“. Der Stabschef Konteradmiral Küsel schrieb über ihn, er habe sich dann besonders hervorgetan, wenn es galt die Seeoffiziere zu bekämpfen. Riefstahl war später Amtmann in Berlin und wird im „Vorwärts“ vom 15. Oktober 1919 (S. 4) unter den „Groß-Berliner Parteinachrichten“ erwähnt. In einer Versammlung für „Sozialdemokratische Beamte, Angestellte und Hülfskräfte der Gemeindebehörden Groß-Berlins“ referierte Riefstahl über „Revolution und Beamtenschaft.“ Das preußische Innenministerium unter Göring ließ 1934 Erkundigungen über Riefstahl einziehen, um ihn aus dem Beamtendienst zu entfernen. Dabei übermittelte Küsel die genannte Denunziation. Wette vermutet, dies habe ausgereicht, um den Stadtamtmann Riefstahl aus dem Beamtendienst zu entfernen. Vgl. Wette, Noske, S. 261 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; während Hartig sein Stellvertreter wurde. Hartig schied am 7. Februar aus, auf ihn folgte Bublat als Stellvertreter.&amp;lt;ref&amp;gt;Klaus Kuhl: &#039;&#039;Die Kieler Eiserne Division – ein besonderer Fall in der militärischen Landschaft der Weimarer Republik.&#039;&#039; In: Rolf Fischer (Hrsg.): Brennpunkte 1918. Orte der Revolution in Schleswig-Holstein. Kiel 2023, S. 113–132.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Neuordnung der Kommandogewalt. Diese hatte bisher weitgehend in den Händen der Soldatenräte gelegen. Gegen einen bekannt gewordenen Entwurf legte der Kieler OSR Protest ein. Dieser Protest wurde auch am 1. Februar 1919 von der Kieler SPD-Zeitung unterstützt. Man sah in Noskes Planungen den Versuch, die Zustände vor der Revolution wieder einzuführen.&amp;lt;ref&amp;gt;Anonym: Neuregelung der Kommandogewalt. In: SHVZ, 1. Februar 1919, S. 1.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Entwurf war Mitte Januar vom neuen Kriegsminister Oberst Walther Reinhardt vorgelegt, vom Zentralrat der Deutschen Sozialistischen Republik&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Ein vom Reichsrätekongress im Dezember 1918 eingerichtetes Gremium zur Überwachung und zur Kontrolle des Rats der Volksbeauftragten.&amp;lt;/ref&amp;gt; geringfügig geändert und dann von der Regierung angenommen worden. Das Verordnungswerk wurde am 19. Januar verabschiedet, gab die Kommandogewalt zurück an die Offiziere und schränkte die Befugnisse der Soldatenräte stark ein. Fronttruppen und Freikorps waren ausgenommen, dort hatten Soldatenräte sowieso einen schweren Stand oder wurden gar nicht geduldet.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Wette, Noske, S. 333–339.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Rahmen verschiedentlicher Proteste der Kieler Räte bei Noske fühlten sich die Delegationsmitglieder Riefstahl, Klaus, Rannow und Thümmel von Noske „wie Handwerksburschen“ behandelt.&amp;lt;ref&amp;gt;Wette, Noske, S. 260.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Der große Protest der Kieler Arbeiterschaft gegen Noskes kompromissloses militärisches Vorgehen gegen die Bremer Räterepublik Anfang Februar 1919; aufgrund der begeleitenden militanten Aktionen der KPD auch als Kieler „Spartakus-Putsch“ bezeichnet. Im Verlauf der bewaffneten Auseinandersetzungen erlaubte Noske dann die Aufstellung der 3. Marine-Brigade durch Wilfried von Loewenfeld, die dann die Sicherheitstruppe des Soldatenrats dominierte.&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhl, Garbe, S. 47 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Am 25. Februar erfolgte dann eine Neuwahl des OSR und der erneut zum Vorsitzenden gewählte Riefstahl verkleinerte den bereits auf 12 Mitglieder reduzierten OSR auf nunmehr neun Personen. Dabei handelte es sich neben Riefstahl um Bublat (Stellvertreter), Schlüter (Schriftführer), Klaus, Rannow, Rath, Widmaier, Thümmel und Dräger.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Rackwitz, Kiel 1918, S. 183; sowie Anonym: Neuwahl des Obersten Soldatenrates. In: Kieler Zeitung vom 1. März 1919, Morgenausgabe.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Einsetzung eines Seeoffiziers als Stationschef wurde von Noske gegen den Widerstand von OSR und Arbeiterrat nach verschiedenen Anläufen durchgesetzt. Dabei verlor Garbe als Noskes Nachfolger auf dem Posten des Kieler Gouverneurs seine militärische Befehlsgewalt und wurde zum „Zivilgouverneur“ herabgestuft. Der OSR wurde nun nur noch als Stationssoldatenrat bezeichnet. Am 10. März 1919 wurde Konteradmiral Meurer als Stationschef eingesetzt. Wenig später verlor Garbe auch seinen Titel als Zivilgouverneur. Am 31. März 1919 schieden Riefstahl, Klaus, Bublat und Thümmel aus dem OSR/Stationssoldatenrat aus. Neuer Vorsitzender wurde der Oberfeuerwerkermaat Rudolf Rannow (SPD),&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Rannow, geb. 25. Januar 1887 in Oramburg (Pommern), wird in dem Bericht des Kapitänleutnants Peter Köhler am 7. November 1918 als Obmann des Soldatenrats erwähnt; Köhler: Revolutionsereignisse, S. 14. Rannow war im April 1919 Delegierter für den 2. Reichsrätekongress, wo er den Wahlbezirk Ostseestation vertrat. Er organisierte im April 1919 den Zusammenschluss von Berufssoldaten, die sich zur SPD bekannten (im Hinblick auf eine zu gründende republikanische Volkswehr), beteiligte sich an der Abwehr des Kapp-Putsches in Kiel und wurde Kommandeur der gegen den Putsch aufgebauten Arbeiterwehr. In der Personalamtsakte „Wahlen von Stadträten und Bürgermeistern“ im Stadtarchiv Kiel (Sign. 31980) wird er ab 1920 als Stadtsekretär geführt. Im Jahr 1926 meldete er sich nach Lägerdorf ab. Vgl. Wette, Noske, S. 260 und 865; Roß, Reichsrätekongresse, S. 202; Dähnhardt/Granier, Kapp-Putsch in Kiel, S. 110 ff.; BArch 8/1022, Bl. 61 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt; sein Stellvertreter wurde der Feldwebel Paul Dräger.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Dräger war 1920 Führer im Reichswirtschaftsverband deutscher derzeitiger und ehemaliger Berufssoldaten (RdB, Vorläufer des Deutschen Bundeswehr Verbands) in Kiel. Er spielte eine aktive Rolle bei der Niederschlagung des Kapp-Putsches. Vgl. Dähnhardt/Granier, Kapp-Putsch in Kiel, S. 41, 72, 140.&amp;lt;/ref&amp;gt; Außerdem gehörte nach wie vor der Feldwebel Schlüter&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Nachdem Marinewaffen heimlich auf das Gut des Prinzen Heinrich in Hemmelmark verbracht worden waren, wurden dort im April 1919 Durchsuchungen vorgenommen, an denen Schlüter (stellvertretend für Rath) vom OSR, und Otto Eggerstedt vom Volksrat beteiligt waren. Es wurden 30 Gewehre mit Munition gefunden, die Heinrich von einem Seeoffizier geliefert worden waren. Bald darauf beschwerte sich der neue Stationschef Meurer in Berlin bei v. Trotha, dass der Soldatenrat wiederum gegen Vorschriften verstoßen habe, als er sich nach diesen Vorfällen bei weiteren Hausdurchsuchungen des Volksrats in Kitzeberg (Villenviertel auf dem Ostufer der Kieler Förde) beteiligte. Nach Aussagen des Stationssoldatenrats hatte Meurer die Beschwerde auf Anweisung Noskes verfasst. Vgl. Akten des Reichsmarineamts betreffend Arbeiter und Soldatenrat, Juni 1919–März 1922. BArch RM 20/13 Bl. 30–47.&amp;lt;/ref&amp;gt; dem Rat an. Am 12. Mai 1919 wurde das Mitglied im Stationsssoldatenrat, Rath, durch den Feldwebel und Marinefeuerwerker Adolf Schmalix&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Schmalix (1890–1956) gehörte zur 1. Marine-Division und beteiligte sich am Aufbau des Reichswirtschaftsverbands derzeitiger und ehemaliger Berufssoldaten und des Republikanischen Führerbunds. Er engagierte sich im Kampf gegen den Kapp-Putsch, setzte sich dabei für die Bewaffnung der Arbeiterschaft ein und wurde für mehrere Tage verhaftet. Zu einem von ihm zu verantwortenden Unterschlagungsfall in seiner Abteilung erklärte er, „infolge seines Kampfes mit den höchsten Behörden“ sei es ihm nicht möglich gewesen, den Fall zur Anzeige zu bringen. Er verließ Kiel, entwickelte sich zum „völkisch-antisemitischen Extremnationalisten“ und beteiligte sich am Hitler-Putsch. Ab 1924 lebte er in Erfurt, wo er Schriftleiter und Herausgeber des Wochenblattes &amp;quot;Echo Germania&amp;quot; wurde. In dem Blatt pöbelte er gegen prominente Bürger, mit Vorliebe gegen Juden, Ausländer oder Demokraten, denen er dann anbot, sich freizukaufen, um weiteren Schmähungen zu entgehen. Im Frühjahr 1928 rief er den &amp;quot;Großdeutschen Freiheitsbund&amp;quot; ins Leben, dessen Programm aus einem Sammelsurium gängiger nationalistisch-völkischer Ansichten und Feindbilder bestand. Bei der Kommunalwahl in Erfurt errang er in einer reichsweiten Sensation 10 von 52 Mandaten. Später trat der der NSDAP bei. Nach dem Zweiten Weltkrieg saß Schmalix noch 1956 im Kreistag im Landkreis Roding (Oberpfalz). Vgl. Dähnhardt/Granier, Kapp-Putsch in Kiel, S. 24 f. und 41; Anonym: Ein rehabilitierter Berufssoldat. In: Republik, 26. März 1920; Steffen Raßloff: &#039;&#039;Erfurt begeht moralischen Selbstmord. Adolf Schmalix und die Großdeutsche Freiheitsbewegung.&#039;&#039; In: Stadt und Geschichte. Zeitschrift für Erfurt. 13 (2001). S 28 f. Online zugänglich (aufgerufen am 25. Septrember 2024) unter: [http://www.erfurt-web.de/Adolf_Schmalix].&amp;lt;/ref&amp;gt; ersetzt. Zu diesem Zeitpunkt gehörten dem Rat neben den genannten Rannow, Dräger, Schmalix und Schlüter noch Widmaier und Arnold (Minensuchflottille) an.&amp;lt;ref&amp;gt;Station O: Akta betr. XI a (Soldatenrat). BArch RM 31/2375 Bl. 22.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits einige Tage vorher, am 6. März 1919, war das Gesetz über die vorläufige Reichswehr verkündet worden. Es war unter Führung des Kriegsministers von Offizieren erarbeitet worden. In der parlamentarischen Debatte machte Noske deutlich, dass sozialdemokratische Vorstellungen zurzeit zurückgestellt werden müssten, um Deutschland wieder wehrhaft zu machen. Mit dem verabschiedeten Gesetz wurden die Freikorps sanktioniert, republikanische Verbände und Soldatenräte wurden abgeschafft.&amp;lt;ref&amp;gt;Wette, Noske, S. 358–368.&amp;lt;/ref&amp;gt; Am 5. Juni 1919 wurde auch der Kieler Soldatenrat abgeschafft. Es gab jetzt nur noch Vertrauensleute mit Beschwerderechten, die ohne gesetzliche Fixierung lediglich gemäß Marine-Verordnungsblatt MVBl 17, S. 208 und 209 zu wählen waren.&amp;lt;ref&amp;gt;Wette, Noske, S. 368.&amp;lt;/ref&amp;gt; Schmalix und Widmaier werden noch im September 1919 als Vertrauensleute erwähnt, wobei sie sich über die ständig weiter eingeengte Bewegungsfreiheit beschweren.&amp;lt;ref&amp;gt;Akte Reichsmarineamt Juni 1919–März 1922. BArch RM 20/13 Bl. 129 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein weiterer Vertrauensmann war der, als bewährter Deckoffizier von Noske zum Leutnant zur See beförderte, Carl von Seydlitz. Seydlitz wurde nach dem Kapp-Putsch kurzzeitig Stationschef in Kiel, weil die Seeoffiziere wegen Putschbeteiligung suspendiert worden waren oder aus Solidarität den Dienst verlassen hatten.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Klaus Kuhl: &#039;&#039;Leutnant zur See Carl von Seydlitz. Der Kampf für die Demokratisierung der Reichsmarine.&#039;&#039; In: Rolf Fischer (Hrsg.): Sehnsucht nach Demokratie. Neue Aspekte der Kieler Revolution 1918. Kiel 2020, S. 23-35.&amp;lt;/ref&amp;gt; Demokratisch und republikanisch orientierte Soldaten und Offiziere wurden jetzt langsam aber stetig aus dem Militär gedrängt.&amp;lt;ref&amp;gt;Wette, Noske, S. 560, 697.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch Seydlitz gab 1923 auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Räteidee lebte aber im zivilen Bereich weiter. Garbe hatte den Vorsitz im Arbeiterrat mit seiner Ernennung zum Gouverneur abgegeben. Nachfolger wurde Peter Hillbrecht (SPD), zweiter oder gleichberechtigter Vorsitzender J. Claßen (auch Classen geschrieben) von der USPD. Der Rat gab seinen Anspruch, als provisorische Regierung der Provinz Schleswig-Holstein zu fungieren, an den neu gebildeten Volksrat ab. Diesem gehörten auch Vertreter anderer Räte aus Schleswig-Holstein sowie kurzzeitig ein Mitglied des OSR an.&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhl, Garbe, S. 48 f. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während der Soldatenrat als wichtigstes Ziel eine Demokratisierung des Militärs verfolgte, stand bei dem Arbeiterrat die Demokratisierung der Wirtschaft im Zentrum. Besonders die Führer der Werften gehörten meist der rechtsradikalen Deutschen Vaterlandspartei an. Sie besaßen einen großen politischen Einfluss. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitte März wurden Neuwahlen zu den Arbeiterräten durchgeführt. Die Parität mit der USPD wurde aufgegeben, damit konnte diese nur noch eine marginale Rolle in den Räten spielen. Die Beteiligung an den Wahlen war gering, was zu einem weiteren Bedeutungsverlust führte. Im neu konstituierten Arbeiterrat wurden Peter Hillbrecht zum ersten und Otto Eggerstedt&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Eggerstedt (1886–1933 im KZ Esterwegen ermordet) erlernte den Beruf des Bäckers und war Soldat im Ersten Weltkrieg. Er berichtete, wie er dazu beitrug, dass sich auf dem Rückmarsch von der Front Soldatenräte bildeten (Otto Eggerstedt: Die Revolution im Felde! In: SHVZ, 5. November 1919). Zurück in Kiel engagierte Eggerstedt sich stark bei Versuchen eine demokratische Einwohnerwehr aufzubauen und war während des Kapp-Putsches an führender Stelle am Aufbau der Arbeiterwehr beteiligt. Ab Juli 1919 war er Parteisekretär der SPD in Kiel und von 1919 bis 1924 Stadtverordneter von Kiel. Im März 1921 rückte er für Albert Billian in den Reichstag nach, dem er durchgehend bis 1933 angehörter. Ab 1927 war er in der preußischen Verwaltung tätig, ab April 1928 als Regierungsrat und Leiter des Polizeiamtes Wandsbek. Ab 1929 wurde er, das erste halbe Jahr kommissarisch, Polizeipräsident von Altona-Wandsbek mit Sitz in Altona. In seine Dienstzeit fiel der so genannte Altonaer Blutsonntag, der als Anlass für die Beseitigung der sozialdemokratischen preußischen Regierung, eines der letzten Bollwerke gegen die Machtübernahme durch die Nazis, herhalten musste. Vgl. Autoren der SPD-Geschichtswerkstatt: Otto Eggerstedt. Online zugänglich (aufgerufen am 25. September 2024) unter: [https://www.spd-geschichtswerkstatt.de/wiki/Otto_Eggerstedt].&amp;lt;/ref&amp;gt; zum zweiten Vorsitzenden gewählt. Weitere Mitglieder waren der Redakteur der SHVZ Bernhard Rausch und J. Classen (oder Claßen) für die USPD. Als Aufgaben des Rats wurde benannt: Den Räten sollte nicht die ganze politische Macht übertragen werden, sondern sie sollten „die denkbar wichtigsten wirtschaftlichen Aufgaben“ erhalten: die „Mitleitung der Fabrikbetriebe und die Sozialisierung“. Sie sollten politisch fortwirken, solange der Beamtenkörper nicht hinreichend demokratisch erneuert sei.&amp;lt;ref&amp;gt;Anonym: Der Kieler Arbeiterrat. In: SHVZ, 24. März 1919.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich musste der Arbeiterrat im September seine Arbeit einstellen, weil keine Gelder mehr bewilligt wurden. Im Zuge des reformierten – nunmehr demokratischen – Wahlrechts waren jedoch viele seiner Mitglieder und Beigeordneten in die entsprechenden Gremien gewählt worden und konnten so – anders als bei den Soldatenräten – weiter Einfluss ausüben. Für Garbe war diese Entwicklung folgerichtig. Er sagte in seiner Wahlkampfrede anlässlich seiner Kandidatur für die Kommunalwahl Anfang März in Kiel: „Ich bin kein großer Freund der Arbeiterräte, deren Zeit bald vorbei sein dürfte. […] Die Räte sollen im Rathaus sitzen. […] wo sie besser arbeiten können wie heute als Beiräte.“&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhl, Garbe, S. 49 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Räteidee war auch von der Nationalversammlung aufgenommen worden, insbesondere, um der in der Arbeiterbewegung weit verbreiteten, immer wieder vorgetragenen Forderung nach Sozialisierung und Demokratisierung der Wirtschaft entgegenzukommen. Eine Kombination von Parlamentarismus und Rätesystem war also durchaus denkbar.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. dazu Peter von Oertzen: &#039;&#039;Betriebsräte in der Novemberrevolution. Eine politikwissenschaftliche Untersuchung über Ideengehalt und Struktur der betrieblichen und wirtschaftlichen Arbeiterräte in der deutschen Revolution 1918/19.&#039;&#039; Düsseldorf 1963 (Beiträge zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien, Band 25), S. 57–67.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Gespräch waren etwa Wirtschaftsräte, doch erst 1930 wurde ein Entwurf für die Ausgestaltung des Reichswirtschaftsrats vorgelegt, der jedoch zu der Zeit keine Aussichten mehr auf Umsetzung hatte und nicht die notwendige Zweidrittelmehrheit erhielt. Übrig blieben schließlich nur noch die Betriebsräte. Im Februar 1920 wurde das Betriebsrätegesetz verabschiedet, das allerdings die Mitwirkungsmöglichkeiten nach ursprünglichen Forderungen einer weitgehenden Kontrollfunktion  nur noch auf soziale Belange beschränkte. Garbe, der vermutlich hinter der Aussage in der SHVZ stand, dass man den Arbeiterräten die „Mitleitung der Fabrikbetriebe“ übertragen wollte, äußerte sich in seinem Bericht im Jahr 1920 entsprechend enttäuscht über das Betriebsrätegesetz.&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhl, Garbe, S. 50.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
Damit war die Rätebewegung in Kiel, die die politische Demokratie erkämpft hatte, mit ihren weitergehenden Vorstellungen einer Demokratisierung von Militär und Wirtschaft gescheitert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellen und Literatur ==&lt;br /&gt;
* Lothar Popp, Karl Artelt: &#039;&#039;Ursprung und Entwicklung der November-Revolution 1918. Wie die deutsche Republik entstand.&#039;&#039; Kiel 1918. Reprint als Sonderveröffentlichung der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Band 15, S. III 1–30. Im Jahr 2020 leicht gekürzt und kommentiert veröffentlicht in: IG Metall Bezirksleitung Küste (Hrsg.): &#039;&#039;Matrosenaufstand und Novemberrevolution 1918.&#039;&#039; Hamburg 2020, S. 96–115, ISBN 978-3-96488-063-5.&lt;br /&gt;
* Gustav Noske: &#039;&#039;Von Kiel bis Kapp. Zur Geschichte der deutschen Revolution.&#039;&#039; Berlin 1920 ([https://portal.dnb.de/bookviewer/view/1131562372#page/n6/mode/1up Digitalisat]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Klaus Kuhl: &#039;&#039;Gustav Garbe – bedeutender Kieler Gewerkschaftsfunktionär, Vorsitzender des Kieler Arbeiterrats und zweimaliger Gouverneur. Mit Vorworten von Frank Hornschu, Geschäftsführer und Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes Kiel Region, und von Stephanie Schmoliner, 1. Bevollmächtigte der IG Metall Kiel-Neumünster.&#039;&#039; Kiel 2023.&lt;br /&gt;
* Martin Rackwitz: &#039;&#039;Kiel 1918. Revolution, Aufbruch zu Demokratie und Republik.&#039;&#039; Kiel 2018, ISBN 978-3-529-05174-6.&lt;br /&gt;
* Dirk Dähnhardt: &#039;&#039;Revolution in Kiel. Der Übergang vom Kaiserreich zur Weimarer Republik 1918/19.&#039;&#039; Karl Wachholtz, Neumünster 1978, ISBN 3-529-02636-0.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
* Wikipedia: Arbeiter- und Soldatenrat [https://de.wikipedia.org/wiki/Arbeiter-_und_Soldatenrat].&lt;br /&gt;
* [[Zeitzeugen_Matrosen%E2%80%93_und_Arbeiteraufstand_1918/1919|Zeitzeugen]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references group=&amp;quot;A&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:1911-1920]] [[Kategorie:Erster Weltkrieg]] [[Kategorie:Kieler Arbeiter- und Matrosenaufstand]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Klaus Kuhl</name></author>
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		<id>https://kiel-wiki.de/index.php?title=Kieler_Arbeiter-_und_Matrosenaufstand&amp;diff=64530</id>
		<title>Kieler Arbeiter- und Matrosenaufstand</title>
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		<updated>2024-10-09T09:11:53Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Klaus Kuhl: /* Siehe auch */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Der &#039;&#039;&#039;Kieler Arbeiter- und Matrosenaufstand&#039;&#039;&#039; fand Anfang November 1918 – unmittelbar vor dem Ende des [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkrieges]] – statt. Auslösende Momente waren Befehlsverweigerungen auf einzelnen Schiffen der vor Wilhelmshaven ankernden Flotte gegen den Befehl, zu einer Entscheidungsschlacht gegen die britische Marine auszulaufen. Dies mündete in einem offenen Widerstand mehrerer Schlachtschiff-Besatzungen gegen den illegalen Befehl der Seekriegsleitung, der den politischen Friedenszielen der Reichsregierung eindeutig widersprach.&amp;lt;ref&amp;gt;Zur historisch-rechtlichen Einschätzung des Sachverhaltes vgl. Martin Rackwitz: &amp;quot;Kiel 1918&amp;quot;, Kiel (Wachholtz) 2018, ISBN: 978-3-529-051746; Fußnote auf S. 275&amp;lt;/ref&amp;gt; Das III. Geschwader wurde daraufhin nach Kiel zurückbeordert. In Kiel trat die Arbeiterschaft an die Seite der Matrosen. Es kam zu einem allgemeinen Aufstand. Von Kiel aus wurde der Impuls zur Ausbreitung der Unruhen gegeben, die dann zur reichsweiten Novemberrevolution, zum Sturz der Monarchie in Deutschland und zur Errichtung der Weimarer Republik führten.&amp;lt;ref&amp;gt;{{WP}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Novemberrevolution ==&lt;br /&gt;
Ihren Ausgang hatte die Revolution mit der Gehorsamsverweigerung der Matrosen in [[Kiel]] genommen. Soldatenräte sollten ihren Forderungen Ausdruck verleihen. Eine spontane Bewegung erfasste weitere Hafenstädte und auch Mittel- und Süddeutschland. Beauftragte der Arbeiterparteien und Gewerkschaften übernahmen als Arbeiterräte vor Ort die politischen Funktionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beendigung der Aufstandsbewegung in Kiel gelang nicht zuletzt deshalb, weil die meisten Matrosen ohnehin die Stadt verließen. Sie marschierten, da die Bahnlinie außer Betrieb war, nach Neumünster und schwärmten von dort in alle größeren Städte des Deutschen Reichs aus, um auch dort Arbeiter- und Soldatenräte nach Kieler Vorbild zu gründen. Damit erfasste die Novemberrevolution ganz Deutschland.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Dokumentation zum 100. Jahrestag ==&lt;br /&gt;
Mit Unterstützung der &#039;&#039;Filmförderung Hamburg Schleswig Holstein&#039;&#039; und der Stadt Kiel entstand ein einstündiger Dokumentarfilm über die Ereignisse des Kieler Matrosenaufstands. Der Film wurde von den Kieler Dokumentar-Filmemachern Klaus Kuhl (Konzept und Text) und Kay Gerdes (filmische Bearbeitung) produziert und von der [[Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte e.V.|Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte]] herausgegeben. Er wurde am [[24. April]] [[2018]] im [[Metro-Kino im Schloßhof]] vorgestellt.&amp;lt;ref&amp;gt;[http://www.kurkuhl.de/de/novrev/filme.html Videofilm über den Kieler Matrosenaufstand 1918], abgerufen 30. Dezember 2019&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gedenken in Kiel ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Wik Breuste Kiel.jpg|miniatur|Hans-Jürgen Breustes Plastik „Wik“ erinnert im &#039;&#039;Ratsdienergarten&#039;&#039; seit 1982 an den Kieler Matrosenaufstand]]&lt;br /&gt;
[[Datei:Gedenkafel Gewerkschaftshaus Kiel zur Novemberrevolution 1918.jpg|miniatur|Gedenktafel am Kieler &#039;&#039;Gewerkschaftshaus&#039;&#039; in der Legienstraße]]&lt;br /&gt;
* Ein [[1982]] errichtetes Denkmal im &#039;&#039;Ratsdienergarten&#039;&#039; erinnert an den Matrosenaufstand. &lt;br /&gt;
* An der DGB-Zentrale in der [[Legienstraße]] weist eine Tafel auf den Arbeiter- und Soldatenrat hin, der in jenem Gebäude seinen Sitz hatte. &lt;br /&gt;
* In der [[Feldstraße]] und im [[Marinegang]] finden sich Gedenktafeln, welche auf die Ereignisse hinweisen. &lt;br /&gt;
* Die Gefallenen des Matrosenaufstands sind auf dem [[Parkfriedhof Eichhof]] und dem [[Nordfriedhof]] beigesetzt.&lt;br /&gt;
* Dokumentiert sind die Ereignisse auch im Kieler [[Schifffahrtsmuseum]].&lt;br /&gt;
* Am [[16. September]] [[1999]] wurde der [[Max-Reichpietsch-Platz]] nach einem der Organisatoren der Antikriegsbewegung benannt.&lt;br /&gt;
* Am [[7. November]] [[2009]] fand zum ersten Mal ein Gedenkmarsch statt, der von der Stadt Kiel selbst organisiert wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;[http://www.kn-online.de/News/Nachrichten-aus-Kiel/Gedenkmarsch-startet-an-der-Waldwiese &#039;&#039;Gedenkmarsch startet an der Waldwiese&#039;&#039;] auf kn-online.de, zuletzt abgerufen am 22. Juli 2016, verschollen zum 1. Mai 2024&amp;lt;/ref&amp;gt; Es wurde geplant, dem Bahnhofsvorplatz einen Namen zu geben, der an die Geschehnisse von damals erinnert.&amp;lt;ref&amp;gt;Quelle: Stadtpräsidentin Cathy Kietzer in ihrer Rede auf dem Bahnhofsvorplatz am 7. November 2009&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Am [[17. Juni]] [[2011]], während der [[Kieler Woche]], wurde der Bahnhofsvorplatz offiziell durch Oberbürgermeister [[Torsten Albig]] in „[[Platz der Kieler Matrosen]]“ umbenannt.&amp;lt;ref&amp;gt;[http://foerdefluesterer.de/Artikel/News/%22Platz-der-Kieler-Matrosen%22-wird-eingeweiht.3510.html &#039;&#039;„Platz der Kieler Matrosen“ wird eingeweiht&#039;&#039;] auf foerdefluesterer.de, zuletzt abgerufen am 22. Juli 2016, verschollen zum 1. Mai 2024&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Siehe auch ==&lt;br /&gt;
*[[Zeitzeugen Matrosen– und Arbeiteraufstand 1918/1919]]&lt;br /&gt;
*[[Kieler Arbeiter- und Soldatenräte]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks == &lt;br /&gt;
{{Commonscat}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Vorlage:20. Jahrhundert}}&lt;br /&gt;
[[Kategorie:1911-1920]] [[Kategorie:Erster Weltkrieg]] [[Kategorie:Ereignis]] [[Kategorie:Kieler Arbeiter- und Matrosenaufstand]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Klaus Kuhl</name></author>
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		<id>https://kiel-wiki.de/index.php?title=Kieler_Arbeiter-_und_Matrosenaufstand&amp;diff=64529</id>
		<title>Kieler Arbeiter- und Matrosenaufstand</title>
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		<updated>2024-10-09T09:11:25Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Klaus Kuhl: /* Siehe auch */ Internen Link ergänzt&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Der &#039;&#039;&#039;Kieler Arbeiter- und Matrosenaufstand&#039;&#039;&#039; fand Anfang November 1918 – unmittelbar vor dem Ende des [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkrieges]] – statt. Auslösende Momente waren Befehlsverweigerungen auf einzelnen Schiffen der vor Wilhelmshaven ankernden Flotte gegen den Befehl, zu einer Entscheidungsschlacht gegen die britische Marine auszulaufen. Dies mündete in einem offenen Widerstand mehrerer Schlachtschiff-Besatzungen gegen den illegalen Befehl der Seekriegsleitung, der den politischen Friedenszielen der Reichsregierung eindeutig widersprach.&amp;lt;ref&amp;gt;Zur historisch-rechtlichen Einschätzung des Sachverhaltes vgl. Martin Rackwitz: &amp;quot;Kiel 1918&amp;quot;, Kiel (Wachholtz) 2018, ISBN: 978-3-529-051746; Fußnote auf S. 275&amp;lt;/ref&amp;gt; Das III. Geschwader wurde daraufhin nach Kiel zurückbeordert. In Kiel trat die Arbeiterschaft an die Seite der Matrosen. Es kam zu einem allgemeinen Aufstand. Von Kiel aus wurde der Impuls zur Ausbreitung der Unruhen gegeben, die dann zur reichsweiten Novemberrevolution, zum Sturz der Monarchie in Deutschland und zur Errichtung der Weimarer Republik führten.&amp;lt;ref&amp;gt;{{WP}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Novemberrevolution ==&lt;br /&gt;
Ihren Ausgang hatte die Revolution mit der Gehorsamsverweigerung der Matrosen in [[Kiel]] genommen. Soldatenräte sollten ihren Forderungen Ausdruck verleihen. Eine spontane Bewegung erfasste weitere Hafenstädte und auch Mittel- und Süddeutschland. Beauftragte der Arbeiterparteien und Gewerkschaften übernahmen als Arbeiterräte vor Ort die politischen Funktionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beendigung der Aufstandsbewegung in Kiel gelang nicht zuletzt deshalb, weil die meisten Matrosen ohnehin die Stadt verließen. Sie marschierten, da die Bahnlinie außer Betrieb war, nach Neumünster und schwärmten von dort in alle größeren Städte des Deutschen Reichs aus, um auch dort Arbeiter- und Soldatenräte nach Kieler Vorbild zu gründen. Damit erfasste die Novemberrevolution ganz Deutschland.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Dokumentation zum 100. Jahrestag ==&lt;br /&gt;
Mit Unterstützung der &#039;&#039;Filmförderung Hamburg Schleswig Holstein&#039;&#039; und der Stadt Kiel entstand ein einstündiger Dokumentarfilm über die Ereignisse des Kieler Matrosenaufstands. Der Film wurde von den Kieler Dokumentar-Filmemachern Klaus Kuhl (Konzept und Text) und Kay Gerdes (filmische Bearbeitung) produziert und von der [[Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte e.V.|Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte]] herausgegeben. Er wurde am [[24. April]] [[2018]] im [[Metro-Kino im Schloßhof]] vorgestellt.&amp;lt;ref&amp;gt;[http://www.kurkuhl.de/de/novrev/filme.html Videofilm über den Kieler Matrosenaufstand 1918], abgerufen 30. Dezember 2019&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gedenken in Kiel ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Wik Breuste Kiel.jpg|miniatur|Hans-Jürgen Breustes Plastik „Wik“ erinnert im &#039;&#039;Ratsdienergarten&#039;&#039; seit 1982 an den Kieler Matrosenaufstand]]&lt;br /&gt;
[[Datei:Gedenkafel Gewerkschaftshaus Kiel zur Novemberrevolution 1918.jpg|miniatur|Gedenktafel am Kieler &#039;&#039;Gewerkschaftshaus&#039;&#039; in der Legienstraße]]&lt;br /&gt;
* Ein [[1982]] errichtetes Denkmal im &#039;&#039;Ratsdienergarten&#039;&#039; erinnert an den Matrosenaufstand. &lt;br /&gt;
* An der DGB-Zentrale in der [[Legienstraße]] weist eine Tafel auf den Arbeiter- und Soldatenrat hin, der in jenem Gebäude seinen Sitz hatte. &lt;br /&gt;
* In der [[Feldstraße]] und im [[Marinegang]] finden sich Gedenktafeln, welche auf die Ereignisse hinweisen. &lt;br /&gt;
* Die Gefallenen des Matrosenaufstands sind auf dem [[Parkfriedhof Eichhof]] und dem [[Nordfriedhof]] beigesetzt.&lt;br /&gt;
* Dokumentiert sind die Ereignisse auch im Kieler [[Schifffahrtsmuseum]].&lt;br /&gt;
* Am [[16. September]] [[1999]] wurde der [[Max-Reichpietsch-Platz]] nach einem der Organisatoren der Antikriegsbewegung benannt.&lt;br /&gt;
* Am [[7. November]] [[2009]] fand zum ersten Mal ein Gedenkmarsch statt, der von der Stadt Kiel selbst organisiert wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;[http://www.kn-online.de/News/Nachrichten-aus-Kiel/Gedenkmarsch-startet-an-der-Waldwiese &#039;&#039;Gedenkmarsch startet an der Waldwiese&#039;&#039;] auf kn-online.de, zuletzt abgerufen am 22. Juli 2016, verschollen zum 1. Mai 2024&amp;lt;/ref&amp;gt; Es wurde geplant, dem Bahnhofsvorplatz einen Namen zu geben, der an die Geschehnisse von damals erinnert.&amp;lt;ref&amp;gt;Quelle: Stadtpräsidentin Cathy Kietzer in ihrer Rede auf dem Bahnhofsvorplatz am 7. November 2009&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Am [[17. Juni]] [[2011]], während der [[Kieler Woche]], wurde der Bahnhofsvorplatz offiziell durch Oberbürgermeister [[Torsten Albig]] in „[[Platz der Kieler Matrosen]]“ umbenannt.&amp;lt;ref&amp;gt;[http://foerdefluesterer.de/Artikel/News/%22Platz-der-Kieler-Matrosen%22-wird-eingeweiht.3510.html &#039;&#039;„Platz der Kieler Matrosen“ wird eingeweiht&#039;&#039;] auf foerdefluesterer.de, zuletzt abgerufen am 22. Juli 2016, verschollen zum 1. Mai 2024&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Siehe auch ==&lt;br /&gt;
[[Zeitzeugen Matrosen– und Arbeiteraufstand 1918/1919]]&lt;br /&gt;
[[Kieler Arbeiter- und Soldatenräte]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks == &lt;br /&gt;
{{Commonscat}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Vorlage:20. Jahrhundert}}&lt;br /&gt;
[[Kategorie:1911-1920]] [[Kategorie:Erster Weltkrieg]] [[Kategorie:Ereignis]] [[Kategorie:Kieler Arbeiter- und Matrosenaufstand]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Klaus Kuhl</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://kiel-wiki.de/index.php?title=Zeitzeugen_Matrosen%E2%80%93_und_Arbeiteraufstand_1918/1919&amp;diff=64423</id>
		<title>Zeitzeugen Matrosen– und Arbeiteraufstand 1918/1919</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://kiel-wiki.de/index.php?title=Zeitzeugen_Matrosen%E2%80%93_und_Arbeiteraufstand_1918/1919&amp;diff=64423"/>
		<updated>2024-10-01T14:30:56Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Klaus Kuhl: /* Josef Gerding */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Die folgende Zusammenstellung basiert auf der Sammlung von Klaus Kuhl und wurde von ihm von seiner Webseite kurkuhl.de hierher übertragen. Dabei wurden Ergänzungen vorgenommen und die Interviews, Manuskripte, Auszüge aus der Literatur etc. wurden übersichtlicher präsentiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusätzlich zu den auf dieser Seite vorgestellten Berichten verfügt Kuhl über eine Reihe weiterer, die er als weniger bedeutend und/oder belastbar einschätzt. Ein kompletter Überblick, z.&amp;amp;nbsp;T. mit Auszügen oder Zusammenfassungen, wird in dieser Datei geboten: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Kuhl_zeitzeugenliste-matrosen-und-arbeiteraufstand.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdem wird in den folgenden Unterabschnitten über verlinkte Personenseiten auf deren jeweilige Berichte aus der Zeit des Matrosen- und Arbeiteraufstands eingegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anführer des Aufstands ==&lt;br /&gt;
=== Lothar Popp ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Lothar popp mid-1920s.jpg|thumb|Passfoto Lothar Popps aus dem [[Hamburger Staatsarchiv]], aufgenommen vermutlich Mitte der 1920er Jahre.]] &lt;br /&gt;
[[Lothar Popp]] (1887–1980) war als Schlosser dienstverpflichtet auf der Germania-Werft. Er schrieb seine Erlebnisse zusammen mit Karl Artelt bereits im Dezember 1918 auf.&amp;lt;ref&amp;gt;Lothar Popp unter Mitarbeit von Karl Artelt: &#039;&#039;Ursprung und Entwicklung der November-Revolution 1918. Wie die deutsche Republik entstand.&#039;&#039; Behrens, Kiel 1919, Reprint als Sonderveröffentlichung 15 der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Kiel 1983. Im Jahr 2020 leicht gekürzt und von Klaus Kuhl kommentiert veröffentlicht in: IG Metall Bezirksleitung Küste (Hrsg.): Matrosenaufstand und Novemberrevolution 1918. Hamburg 2020, S. 96-115, ISBN 978-3-96488-063-5.&amp;lt;/ref&amp;gt; Unter den Nazis musste er das Land verlassen. Nach seiner Rückkehr aus den USA stellte er sich bereitwillig für Gespräche und Interviews zur Verfügung: Gespräche mit Volker Ullrich (1970 und 1972), Gespräch mit [[Dirk Dähnhardt]] (1975), Interviews vom WDR und NDR, Interview von Ute Kohrs (1976), Interview geführt von Klaus Kuhl (1978), Gespräch mit Bernd Michels für das „Sozialdemokrat Magazin“ (1978), Interview geführt von Christian Blöss (1978). Alle bisher bekannten Gespräche, Berichte und Interviews sind im Anhang des Mitschnitts des von Klaus Kuhl geführten Interviews („Streitgespräch mit einem 68er“) wiedergegeben (Link siehe unten). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszüge aus dem von Klaus Kuhl geführten Interview:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Am 28. Oktober 1918 erhielt die Hochseeflotte den Befehl zum Auslaufen. Die Matrosen nahmen gewiss zu recht an, dass die Flotte in einem letzten Verzweiflungskampf lieber untergehen sollte als in den Waffenstillstandsverhandlungen mit den Alliierten ausgeliefert zu werden. Die Heizer rissen die Feuer heraus und verhinderten so das Auslaufen der Schiffe. Abordnungen der Matrosen erklärten, sie seien bereit, die Küste gegen einen Angriff zu verteidigen, aber sich sinnlos einem sicheren Untergang preiszugeben, dazu seien sie nicht bereit. Cirka 800 Mann wurden festgenommen ....&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Popp merkte an, dass die Gefangenen nach Kiel gebracht worden seien. Nach den Recherchen Dähnhardts (Revolution in Kiel, 1978, S. 109) waren die vor Wilhelmshaven Verhafteten in eine Haftanstalt in Bremen-Oslebshausen gebracht worden und waren nach dem Matrosenaufstand von Kieler Matrosen befreit worden. Dabei stützt er sich auf Veröffentlichungen von Peter Kuckuk und Ulrich Kluge. Nach Kiel wurden die während der Fahrt durch den Nord-Ostsee-Kanal verhafteten 48 „Rädelsführer“ gebracht, sowie am Morgen des 3. November weitere 57 Verhaftete der „Markgraf“.&amp;lt;/ref&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Da den Matrosen [in Kiel] jede Versammlung verboten wurde, begannen sie zu demonstrieren. Um fünf Uhr nachmittags (am 3. November 1918) versammelten sich etwa zehntausend Matrosen und einige tausend Arbeiter, zogen zunächst zur &amp;quot;Waldwiese&amp;quot; und holten die dort Gefangenen heraus; wobei sich eine erhebliche Anzahl bewaffnete.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Der Zug bewegte sich dann zur Militärstrafanstalt in der Feldstraße. Marineinfanterie, die den Zug aufhalten sollte, weigerte sich. Jedoch an der Feldstraße gab es einen Zusammenstoß mit einer Gruppe, die als Applikanten und Maaten extra zusammengestellt war. Es gab acht Tote und zwanzig Verwundete.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Nach den Untersuchungen Dähnhardts gab es 7 Tote bei der Schießerei. Es waren keine Frauen und Kinder unter den Opfern. Eine Frau war kurze Zeit vorher im Verlauf des Demonstrationszuges unter eine Straßenbahn geraten und gestorben. Zwei verwundete Personen starben später. Damit kamen insgesamt 10 Personen im Rahmen der Ereignisse des 3. November ums Leben.&amp;lt;/ref&amp;gt; Doch die Bewegung war nicht mehr aufzuhalten. Immer mehr Einheiten schlossen sich der Bewegung an. Es wurden Soldatenräte gegründet.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In jeder Kaserne wurde extra Revolution gemacht, auf jedem Schiff extra. Auf einem Schiff haben sie mich geholt. Die kamen an, ich soll mit an Bord kommen. Wenn ich mir das heute so überlege, ich steige in so ein Boot, kommt der nächste Offizier und knallt dich über den Haufen. Ist ja toll, dass das damals nicht passiert ist. Sie müssen sich vorstellen, ich klettere nun an Bord, haben ein paar mich geholt, und dann sage ich zu dem Kommandanten, er soll alles antreten lassen, und der macht das! War auf der &amp;quot;Bayern&amp;quot;, war ein großes Schiff. Ich halte einen Speech, die ziehen die Rote Fahne hoch und damit hat sich das. (In einem anderen Interview bemerkte Popp dazu: ... ich habe hinterher noch mit dem Kommandanten gesprochen, der hatte selber die „Schnauze voll“).&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Kuhl: Der Noske ist doch gekommen, um die Revolution praktisch abzuwürgen. (Popp: Ja das ist ihm nicht gelungen.), aber wieso wird er dann in den Vorsitz des Soldatenrats gewählt?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Popp: Ja, wer war denn der Soldatenrat, die kannten einander ja kaum. Das waren doch keine von vornherein politisch ausgerichteten Leute. Ich habe dann noch den Fehler gemacht, da war ein Soldat dabei, den ich persönlich kannte. Den habe ich gerufen, den haben sie dann mitgewählt. Das war mit die grösste Dummheit, die es gab. das war ein schauerliches Mannsbild. Wir kannten einander ja kaum. Da war doch keine Rede davon. Ich weiß gar nicht, wie viele Soldatenräte es damals gab. Da in der Ecke wählten sie einen, da einen, da einen. Die richtigen Soldatenräte, das organisatorische, das gab’s doch erst, nachdem ich das organisiert hatte. Das waren doch wilde Geschichten. Kuhl: Haben Sie nicht versucht, zu verhindern, dass Noske gewählt wurde? Popp: Ja, warum denn? Ja, ich konnte doch die SPD nicht ausschalten! Hören Sie doch mal zu! Nun gehen Sie mal, wenn Sie einer sind, und die anderen sind zehn, wollen Sie die ausschalten die zehn? Wie machen Sie das? Kuhl: Man kann es doch auf alle Fälle versuchen. Popp: Nee, das ist ja putschen Menschenskind!&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum vollständigen Dokument mit allen weiteren bisher bekannten Aussagen im Anhang: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:kuhl_streitgespraech-m-l-popp_1978_plus-weitere-interv-u-gespraeche.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Karl Artelt ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Artelt and comrades Kiel-Wik 1914.jpg|200px|thumb|Karl Artelt, I. Werftdivision, links, (Ausschnittsvergrößerung rechts), gemeinsam mit Kameraden der I. Torpedo-Division in Kiel-Wik, September 1914]]&lt;br /&gt;
[[Karl Artelt]] (1890–1981) kam aus einem Dorf in der Nähe von Magdeburg. Er war Maschinenschlosser und diente zunächst in der I. Werft-Division und dann in der I. Torpedo-Division in Kiel Wik. Er war wie Popp Mitglied der USPD. Zusammen mit ihm schrieb er die o. g. Broschüre, wozu er hauptsächlich die Ereignisse in der Wik, sowie die erste Verhandlungsrunde beim Gouverneur beitrug. Er war ein ausgesprochen mutiger Mensch und hatte maßgeblich Anteil daran, dass die Marineangehörigen in der Wik die Offiziere entmachteten. Er wurde zum Vorsitzenden des ersten Soldatenrats in der Wik gewählt. Während Popp auch später in etwa bei den in ihrer Broschüre niedergelegten Darstellungen blieb, stellte Artelt die Ereignisse in der Folgezeit immer dramatischer und seine eigene Rolle als immer wichtiger dar. Im Jahr 1958 veröffentlichte er einen Artikel&amp;lt;ref&amp;gt;Karl Artelt: Mit der roten Fahne zum Vizeadmiral Souchon [Souchon war im August 1918 bereits zum Admiral befördert worden]. In: Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED: Vorwärts und nicht vergessen – Erlebnisberichte aktiver Teilnehmer der Novemberrevolution 1918/1919. Berlin 1958, S. 89–100.&amp;lt;/ref&amp;gt; in einem Sammelband mit Erlebnisberichten aktiver Teilnehmer der Novemberrevolution.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszüge:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Vor dem Kaiser-Cafe empfing uns plötzlich MG-Feuer.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Nach zeitnahen Berichten und Aktennotizen ist hier kein MG eingesetzt worden.&amp;lt;/ref&amp;gt; Unser Demonstrationszug stoppte. Als wir feststellten, daß niemand getroffen worden war, gingen wir weiter. Daraufhin schossen die MG-Schützen direkt in unseren Zug hinein. Vierzig bis fünfzig Demonstranten, darunter auch Frauen und Kinder, brachen unter den Kugeln zusammen. Acht von ihnen wurden getötet und 29 schwer verletzt.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Es gab sieben Tote und 29 Verletzte, darunter waren keine Frauen oder Kinder.&amp;lt;/ref&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Durch die Massen ging ein Schrei der Entrüstung und des Protestes. Nachdem die Mörder, die unter dem Kommando des Leutnants Steinhäuser standen, ... nicht bereit waren, das Feuer einzustellen, sprang ein Matrose ... vor und schlug den Leutnant Steinhäuser mit dem Gewehrkolben nieder. ...Junge Matrosen und Arbeiter stürmten die Stellung der Maschinengewehrschützen und schlugen sie in die Flucht.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Am anderen Morgen (4.11.1918, Klaus Kuhl) mußten alle Truppenteile in Kiel zum Appell antreten. ... Nach den üblichen Meldungen bestieg der Divisionskommandeur, Kapitän zur See Bartels, einen bereitgestellten Tisch und hielt eine Ansprache ... Er schilderte die gestrigen Vorkommnisse, sagte auch, dass die Luft mit Hochspannung geladen sei, dass aber ein Soldat sich nicht mit Politik zu befassen habe, da er von Politik nichts verstünde. Nachdem er den Tisch verlassen hatte, ... Kurz entschlossen sprang ich hinauf, hielt ebenfalls eine kurze Ansprache und forderte die Matrosen zur Wahl von Soldatenräten auf. Offiziere, die mich vom Tisch herunterzuschiessen versuchten, wurden von Matrosenfäusten rücksichtslos entwaffnet.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Auch hier handelt es sich um eine spätere Ausschmückung Artelts.&amp;lt;/ref&amp;gt; Anschliessend stürmten wir unsere Waffenkammern und wählten in allen Kompanien Soldatenräte. Ich wurde zum Vorsitzenden des Soldatenrates gewählt.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Nach kurzer Zeit erhielten wir die Meldung, dass ich sofort zum Gouverneur kommen möchte. Wir machten ein Auto klar, holten von einem Torpedoboot eine große rote Fahne, die größer als das Auto war, und bereiteten die Abfahrt vor. Als wir das Zimmer des Gouverneurs betraten, merkte ich, wie dieser sich förmlich zwingen mußte, mit uns zu unterhandeln. ... Er kam uns entgegen und sagte: &amp;quot;Ich danke Ihnen, dass sie die Courage aufgebracht haben, herzukommen.&amp;quot; Bevor wir in Verhandlungen mit ihm eintraten, fragte ich ihn, ob er uns als die von den Soldaten gewählten Vertrauensleute anerkenne und auf gleichberechtigter Basis mit uns verhandeln würde. Angesichts der realen Tatsachen antwortete er gezwungenermaßen mit &amp;quot;Ja&amp;quot;. Ich erklärte ihm nunmehr, dass wir zunächst die Fragen klären müßten, die in seinem Machtbereich liegen. Gleichzeitig warnte ich ihn jedoch .... Landtruppen gegen die revolutionären Matrosen einzusetzen. In diesem Falle hätte das III. Geschwader die Anweisung, das Offiziersvillenviertel Düsternbrook unter Feuer zu nehmen und alles in Schutt und Asche zu legen. ... gab er sofort in meiner Gegenwart die Erklärung ab, keine auswärtigen Truppen heranzuziehen und die schon auf dem Transport befindlichen ... zurückzuschicken. Außerdem teilte er uns noch mit, dass der Abgeordnete Noske und Staatssekretär Haußmann nach Kiel kommen würden, um mit uns weiter zu verhandeln.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Zur Frage warum Noske in Kiel relativ freie Hand erhielt, nahm Artelt in den 1960er Jahren auf Fragen von Angehörigen der Volksmarine wie folgt Stellung (nach Robert Rosentreter, &amp;quot;Blaujacken im Novembersturm&amp;quot;, Dietz Verlag, 1988, S. 250 f.): Karl Artelt hat auf diesbezügliche Fragen von Angehörigen der Volksmarine immer wieder betont, dass ihm und anderen Genossen die Rolle Noskes durch dessen Verhalten erst nach und nach bewußt geworden wäre. Artelt selbst und andere ... hätten zwar gewußt, dass Noske zu den rechten Kräften in der Partei gehörte, ihn aber doch immerhin als sozialistischen Parteifunktionär angesehen und gehofft, dass er in der Revolution eine den Arbeitern nützliche Politik machen würde, keineswegs hätte jemals jemand gedacht, dass er bereit sein könnte, auf Arbeiter schießen zu lassen ....&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gustav Garbe ===&lt;br /&gt;
[[Datei:gustav_garbe.jpg|150px|thumb|right|Foto Gustav Garbes aus dem Kieler Gewerkschaftshaus, aufgenommen vermutlich in den 1920er Jahren.]]&lt;br /&gt;
Der bekannte Kieler Gewerkschaftsfunktionär, Gustav Garbe (SPD, 1865–1935), wurde am 5. November 1918 zum Vorsitzenden des neu gebildeten Kieler Arbeiterrats gewählt. Er wurde zunächst als zögerlich wahrgenommen, weil er vergeblich die Marineangehörigen aufforderte mit der Bewegung noch „ein bis zwei Tage zu warten, da von den Werftarbeitern etwas ähnliches geplant sei.“ Er zeigte sich jedoch als tatkräftige Person und widersetzte sich mit Lothar Popp zusammen Gustav Noskes Vorstoß, den Aufstand abzubrechen. Der Schulterschluss zwischen Matrosen und Arbeitern wurde damit eindrucksvoll dokumentiert und es ist somit völlig berechtigt von einem Matrosen- und Arbeiteraufstand zu sprechen. Auf diesen Vorfall bezog sich Garbe, wenn er 1919 auf einer Konferenz der Metallarbeitergewerkschaft in Stuttgart sagte:&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Erst dadurch, dass die Soldaten und Arbeiter Hand in Hand gingen, erst dadurch, dass man sich seinerzeit, obgleich man den Haußmann und den Noske hat nach Kiel kommen lassen, wo wir sie damals eingewickelt haben, nicht hat beeinflussen lassen, erst dadurch ist es möglich geworden … &amp;lt;ref&amp;gt;Deutscher Metallarbeiter-Verband (Hrsg.): Protokoll der Konferenz der Bevollmächtigten des D.M.-V., abgehalten vom 16. bis 18. Juni 1919 im Saale des Stadtgartens in Stuttgart. Stuttgart 1919. Garbes Rede ist auf den Seiten 61. ff. wiedergegeben.&amp;lt;/ref&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Die im Folgenden angegebene PDF-Datei enthält Hinweise auf ausführliche Artikel über Garbe sowie eine kurze Biografie, Redebeiträge und schriftliche Zeugnisse Garbes: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Kuhl_gustav-garbe_2023.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mannschaftsangehörige Marine, untere Dienstgrade ==&lt;br /&gt;
=== Karl Bock ===&lt;br /&gt;
Karl&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Im SED-Parteiarchiv wird sein Vorname in zwei Fällen auch mit „C“ geschrieben. Dies basiert aber offensichtlich auf einem Übertragungsfehler.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bock (* 1896) kam aus Berlin und war Torpedoheizer bzw. Torpedomaschinist auf „Markgraf“. Er schrieb im November 1918 einen Brief an seine Schwester. Im Jahr 2024 wurde eine ausführliche Quellenanalyse vorgenommen, da von Seiten des Deutschen Historischen Museums (wo weitere Dokumente von Bock vorliegen) von einer Fälschung ausgegangen wurde. Die Analyse ergab jedoch, dass die Dokumente verschiedentlich überarbeitet worden waren, ohne dies in den SED-Archiv-Dokumenten kenntlich zu machen, dass aber keine Fälschung vorliegt. Die Analyse wird in dem unten verlinkten PDF-Dokument detailliert beschrieben. Im Jahr 1957 erstellte Bock außerdem einen schriftlichen Bericht über seine Erlebnisse auf Anforderung der SED.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszüge aus dem Brief an seine Schwester nach der vermuteten frühesten Abschrift:&lt;br /&gt;
:’’Jedenfalls war einstimmig beschlossen, daß wir nicht rausfahren und daß hatten wir durchgesetzt. Am anderen mittag fuhren wir nach Kiel, auf der Fahrt hatten wir die vollsten Beweise, daß doch etwas geplant war, also ist es doch in dieser Hinsicht gut gewesen, wer weiß ob ich heut noch lebte! So liegen wir im Kieler Hafen. Übrigens hatten wir noch eine Verfügung vom Flottenchef, die besagte, daß unsere Beunruhigung jeder Grundlage entbehre, (Wir haben Beweise). […] Heute haben sie nämlich in aller Heimlichkeit mindestens 60 Mann zu schweren Arrest verurteilt, in aller Heimlichkeit wie die schwersten Verbrecher an Land gebracht. Sodaß wir es erst zu spät wussten. Einige, die sich zu weit geäußert haben, sitzen in Untersuchung. Das wird ja nun nicht so vorübergehen, zweitens wird die Sache auch im Reichstag kommen. Jedenfalls kann man allerhand erwarten hier. Also wundere Dich nicht, wenn mir etwas gleichartiges passiert. Jedenfalls wir kämpfen für unser Leben, aber wollen es nicht einsetzen für Heldentod und gleichartiges. Die Zeiten sind vorbei, die Zeiten sind reif, zur Zertrümmerung von Götzenbildern, jetzt.’’&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den vollständigen Dokumenten, die auch die Diskussionen unter den Mannschaften und mit den Offizieren enthält, als das III. Geschwader nach Travemünde weiterfuhr und dort vor Anker ging, sowie einen Vergleich mit den Aussagen des Wachoffiziers Karl von Kunowski und des 1. Offiziers Wilfried von Loewenfeld (PDF): [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Bock-kunowski-loewenfeld_markgraf_1918.pdf].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wilhelm Kleineweber ===&lt;br /&gt;
Kleineweber (*1900) war Rekrut bei der I. Torpedo-Division in Kiel Wik. Er gehörte der Patrouille an, die unter Führung von Leutnant Steinhäuser am 3. November auf die Demonstranten schoss. Er war dann für viele Jahre bei der Polizei, lebte in Eckernförde und wurde als Polizeihauptmann pensioniert. Er gab der Eckernförder Zeitung 1969 ein Interview, ebenso dem NDR (vermutlich Ende der 1970er Jahre) und es fanden zwei Gespräche mit Dirk Dähnhardt statt (Mitte und Ende der 1970er Jahre).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszüge:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Und so marschierten wir in die Feldstraße und zwar bis zum langen Segen, ... Und da war eine Kette gezogen von Schutzleuten, Schutzleuten von der blauen Schutzmannschaft in Kiel. ... Wie der Zug nun kam, wurden die Schutzleute sofort blitzartig aufgerieben und die türmten in den Langen See hinein. Und dann ging der Leutnant Steinhäuser vor uns vorweg zu der Spitze des Zuges, das war ein unheimlich langer Zug gewesen, man sprach von 20.000 Mann. ... Und dann ging der Leutnant Steinhäuser vorweg und mahnte, sie sollten vorsichtig sein, sie sollten zurückgehen und sofort und so weiter und dann ist ein Schuss gefallen. Woher der Schuss gekommen ist, kann ich Ihnen nicht sagen, man hat einmal festgestellt, der Schuss soll von uns aus gekommen sein. Ich kann es nicht bestreiten, ich glaube es aber nicht. Ich glaube eher, dass er aus der Menge gekommen ist, die waren ja alle bewaffnet schon.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Nach der detaillierten Analyse der Vorgänge gab Steinhäuser Feuerbefehl, wobei die Rekruten fast alle in die Luft schossen. Nach nochmaligem Feuerbefehl schossen sie in Panik auf die erneut anstürmenden Demonstranten und flohen dann, wobei Steinhäuser allein zurückblieb. Ein Polizeimeister und der in der Nähe weilende Marineoffizier Karl Weiß kamen ihm zu Hilfe. Alle drei wurden schwer verletzt.&amp;lt;/ref&amp;gt; Jedenfalls wurden wir überrumpelt. Der Leutnant Steinhäuser kriegte, soweit ich das mitbekommen habe, einen mit dem Kolben über den Schädel und er wurde dann in dieses Lokal neben dem Stadtcafe hineingeschleppt und wir waren der Meinung, sie hätten ihn totgeschlagen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum vollständigen Dokument, mit den genannten Interviews und Berichten inklusive eines Kommentars von Klaus Kuhl: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:kleineweber_interviews_1960er-und-70er-jahre.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Alfred Schwabe ===&lt;br /&gt;
[[Datei: alfred-schwabe_1923.jpg|150px|thumb|Alfred Schwabe 1923, zur Verfügung gestellt von Gerd Kassner, der Alfred Schwabe noch persönlich gekannt hatte.]]&lt;br /&gt;
Alfred Schwabe (1892–1973) war U-Boot Fahrer und nahm im November 1918 an einem U-Bootslehrgang in der Uboot-Division in Kiel-Wik teil. Er wurde von Offizieren mit seinen Kameraden herangezogen, die Aufständischen in der Wik zu bekämpfen. Er verfasste darüber vermutlich in den 1950er/60er Jahren einen schriftlichen Bericht, wahrscheinlich auf Anforderung der SED. Er wurde jedoch nicht veröffentlicht oder archiviert und gelangte über die Familie Artelt (Schwabe hatte ihn Karl Artelt zur Verfügung gestellt) an Klaus Kuhl.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszüge:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Als ich mit Matrosen der grossen Schlachtschiffe, der Kreuzer und der immer in See stehenden Torpedoboote bekannt wurde, spürte ich dass dort ein anderer Wind wehte, als auf unserem U-Boot. Bei uns war des ganze Boot auf jeden Einzelnen angewiesen, von Offiziersdrill war nichts zu spüren. Aber das furchtbare Völkermorden hatten wir trotzdem satt, die Sehnsucht nach Frieden war vorherrschend. Als ich auf Urlaub kam, kannte ich meine Eltern kaum noch, so abgemagert und verbissen waren sie, und wir versenkten im Mittelmeer Schiffe und wieder Schiffe, gefüllt mit Lebensmitteln aus Amerika. ... Am Morgen ... erhielt unser Lehrgang, es waren gegen 40 Maate und 10 Obermatrosen, Pistolen und Munition ausgehändigt. Wir marschierten nach der Werftdivision Kiel - Wik. ... Wir marschierten diagonal über den Exerzierplatz. An der rechten Ecke am Hafen standen 150 - 200 Matrosen bei einer Versammlung. Wir wurden in die Turnhalle geführt. Ein junger Leutnant hatte das Kommando und hielt eine Ansprache. Heldentum und Treue zu den Offizieren, Kampf gegen die Meuterer war der Inhalt. ... Minuten war es kirchenstill. Plötzlich ein Gebrüll von weit her, aber es kam näher und näher. &amp;quot;Achtung, Ächtung! Pistolen laden und sichern!“ Im Flüsterton bei den Obermatrosen: &amp;quot;wir schiessen nicht, wir schiessen nicht“. Gegenzug rechts! Marsch! Zur Turnhalle hinaus!“ Wir Obermatrosen waren am Schluss des Zuges und somit den anstürmenden teils bewaffneten Matrosen am nächsten. Es waren die, welche die Versammlung auf dem Exerzierplatz durchführten. Etwa 10 mtr vor der Menge liefen 2 Matrosen und riefen uns zu: &amp;quot;Kameraden werft die Waffen weg oder kommt mit den Waffen zu uns, schiesst nicht auf Eure Kameraden. Nieder mit dem Krieg! Nieder mit den Kriegsphantasten!“ Achtung! Achtung! Feuer, brüllte unser Leutnant. Eine Anzahl Schüsse fielen, aber ich habe nicht gesehen, dass einer getroffen war. Ich war nicht einen Moment unschlüssig; schon zogen wir die anderen zu uns herüber bezw. hinüber. „Los rüber, Schiet op den Krieg! Ein Teil der Maate schloss sich an. Es fielen wieder Schüsse von unserem linken Flügel der Maate oder dem Leutnant; denn 2 übergelaufene Maate waren getroffen und wurden fortgetragen. Der Leutnant war aber plötzlich spurlos von der Bildfläche verschwunden und hat nie wieder in Kiel unseren Bug gekreuzt. Wir, der verstärkte Haufen, rannten nun in die Kasernenblocks, riefen den Matrosen unsere Parolen zu und forderten sie auf, uns zu folgen. Viele schlossen sich an, ein Teil verhielt sich passiv. Offiziere waren eigentlich wenig da und die anwesenden wurden teils mit Güte, teils mit Gewalt, abgetakelt, d. h. die Epauletten und die Kokarden abgemacht. Und so ging es etwa 15 Häuserblocks durch, der Haufen wurde immer grösser und grösser. Leider waren aber auch schon die Räuber am Werk; denn aus den Kleiderkammern und Magazinen stürzten gefüllte Seesäcke aus den oberen Etagen und wurden fortgeschleppt. Aber das liess uns z.Z. kalt. Wir stürmten weiter. Nachdem alle Kasernenbauten abgekämmt waren, eilten wir an die Hafenmole. Zwei Torpedoboote wurden durch Schüsse und Zurufe aufgefordert die rote Flagge zu hissen. Es waren die ersten Schiffe, welche in Kiel die rote Flagge am Mast hochzogen. Leider sind mir die Nummern entfallen. Viele Boote folgten; Pinassen fuhren mit roter Heckflagge zu den dicken Kasten und forderten sie auf sich uns anzuschliessen. Starkbesetzte Boote brachten immer mehr revolutionäre Truppen an Land. Mein Wohnschiff, der älteste Kasten der Marine SMS &amp;quot;Mars“ (Bordwände aus Holz) hatte 1866 gegen die Dänen mitgekämpft, setzte sich lange zur Wehr. 2 rote Matrosen mit weisser Parlamentärflagge wurden zum Verhandeln an Bord geschickt und erreichten, dass doch eindrucksvoll die Kriegsflagge gestrichen wurde und die rote Flagge am Mast hochging. Ein grosser Teil der Matrosen zog durch die Strassen von Kiel und es erfolgte eine systematische Entwaffnung der Offiziere. Das Abtackeln war manchen Matrosen eine wahre Wollust, konnten sie sich doch für Drill und Erniedrigungen rächen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum vollständigen übertragenen und kommentierten Dokument: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:schwabe_manuskript_1950-60.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Fritz Fischer ===&lt;br /&gt;
Fritz Fischer fuhr als Obermatrose auf Torpedobooten und Zerstörern. Er war verschiedentlich widersetzlich und überzog seinen Urlaub. Er erhielt deshalb Strafen und wurde zum Matrosen degradiert. Im Oktober 1918 gehörte er der I. Torpedo-Divison in Kiel-Wik an. Später wurde er ein bekannter Intendant und verfasste 1970 seine unveröffentlichten Memoiren. Darin widmet Fischer mehrere Seiten seiner Zeit in der Kaiserlichen Marine und seiner Rolle beim Kieler Matrosenaufstand. Er wurde mit Karl Artelt in den ersten Soldatenrat gewählt und gehörte auch der Delegation an, die vom Gouverneur Souchon ins Stationsgebäude gebeten wurde. Fischer nahm auch an den folgenden zwei Verhandlungen (an der dritten waren auch Noske und Haußmann beteiligt) am selben Tag teil.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auszüge aus den Memoiren:&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Und dann wie ich dort ankam, in Kiel, also wo waren Sie die ganze Zeit, sage ich, ich weiß es nicht. Also kam ich vor das Kriegsgericht und dieser Kriegsrichter ...... also ich kam dauernd zu Vernehmungen, wurde vorgeführt, und inzwischen gärte es natürlich schon bereits. Und eines Tages kam der Moment, … Also wir bekamen die Waffen ausgehändigt mit Munition, dann wurden sie uns wieder weggenommen. … wurde also von Mittags, wurde die ganze Werftdivision und [Torpedo-] Division zusammen auf dem Riesenplatz, den es ja heute noch gibt, zusammengetrommelt und der Kapitän Bartels hielt uns also eine Rede und sagte, was ist eigentlich los mit euch. Und so und so. Und alles fing an zu murren und wir … [gingen] auseinander. Daraufhin wollte er vier, zwei Leute von der Werftdivision und zwei Leute von der Torpedo-Division sprechen. Ich wurde von den Kameraden dazu abgeteilt. Der eine war ein Matrose Artelt und wir haben also gesagt, was wir wollten. Der A. sagte sofortige Abdankung vom Kaiser und ich sagte sofort die Gefängnisse auf, ja von allen Politischen. Währenddem … kam ein Telefunk-Gespräch und es wurde gesagt, wir sollten zum Gouverneur vorgeführt werden. Er wolle uns sprechen in Kiel. Auf einem kleinen Lastwagen fuhren wir also zum Gouverneur, saßen dem gegenüber am grünen Tisch und haben also unsere Anliegen vorgebracht. Der Kriegsgerichtsrat, der mich verhörte, der saß mir gegenüber. Dies sei nebenbei gesagt, es ist ein Stuttgarter gewesen, den ich später im Theater im Foyer getroffen habe.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Zum vollständigen Abschnitt über seine Erlebnisse während des Aufstands: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Fritz-fischer_memoiren-revzeit_1970.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Frederik Matzen, dänisch gesinnter Matrose ===&lt;br /&gt;
Matzen kam aus Gråsten/Gravenstein, das vor dem ersten Weltkrieg zum deutschen Kaiserreich gehörte. Er berichtet in zwei Artikeln des Jahrbuchs dänisch gesinnter ehemaliger Kriegsteilnehmer (DSK) 1963 und 1967 über seine Erlebnisse während des Matrosenaufstands in Kiel. Zu der Zeit erhielt er eine Ausbildung zum U-Bootfahrer und war auf der in der Wik liegenden SMS „Mars“ untergebracht. Seine Einheit wurde in die Stadt geführt, um den Aufstand niederzuschlagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszug aus seinen Berichten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wir wurden von einem Kapitänleutnant geführt. Meine Gruppe wurde von einem Leutnant geleitet, der während des Eilmarsches nach Kiel versuchte, unsere Gunst zu gewinnen, indem er uns auf Plattdeutsch ansprach. Wahrlich, das große Vaterland musste am Rande des Abgrunds stehen! Es war ein dunkler und trüber Regentag, als wir mit vielen anderen Truppenteilen auf dem Kasernenhof der Matrosendivision aufgestellt wurden. […] Der Kommandeur der Marinestation, […] kam mit seinem Stab auf den Platz. Der Admiral war ein kleiner, älterer Mann. Mein bleibender Eindruck von ihm war, dass er kurz davor war, von der großen, mit Gold überladenen Mütze, von den schweren Epauletten auf seinen Schultern und vom Ernst der Lage zu Boden gedrückt zu werden ... &#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den vollständige Artikeln in Deutsch und Dänisch, und weiteren Kiel betreffenden Artikeln aus den Jahrbüchern: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Matzen_DSK_aarbog_1963_1967.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Josef Gerding ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Josef-gerding ca-1917.jpg|150px|thumb|Josef Gerding ca. 1917, Familienbesitz.]]&lt;br /&gt;
Josef Gerding kam aus Metelen, einer kleinen Stadt im heutigen NRW und diente als Matrose auf der SMS &#039;&#039;Westfalen&#039;&#039;. Er beschreibt seine Erlebnisse in einem Dienstjahres-Tagebuch und in Briefen, die von der Familie verwahrt werden. Die Gegenüberstellung mit dem Bericht seines Kommandanten Max Loesch zeigt, dass die Seeoffiziere vor der wirklichen Stimmung ihrer Mannschaften die Augen verschlossen. Während Gerding am 4. November 1918 notiert, dass man sich nach langer Knechtschaft frei gemacht habe, hat Loesch noch am selben Tag „den Eindruck […], daß an Bord noch alles in bester Ordnung sei…“ Gerding erwähnt besonders die drakonischen Maßnahmen der Flottenleitung im Sommer 1917, die von den Besatzungen als großes Unrecht empfunden wurden. Die Seeoffiziere ignorierten die entsprechenden Anzeichen und wurden dann durch Ausmaß und Schnelligkeit des Aufstands im November 1918 überrascht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Am Montag [4. November 1918] Fortsetzung der Unruhen. Abends ging es bei uns an Bord auch los. Nachts um 2 Uhr wurden alle geweckt. Ein Obermatrose der an Land gewesen, berichtete die Zustände an Land auch das ein Arbeiter und Soldatenrat gebildet sei. Wir haben uns dann gleich angeschlossen. Am Dienstag morgen wurde unter Jubel die rote Flagge gehisst. Und sämtliche Schiffe im Kieler Hafen folgten unserem Beispiel soweit sie nicht voran gegangen waren.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwei Briefe, die Gerding nach Hause schickte und Auszüge aus seinem Tagebuch sowie im Anhang der Bericht von Kapitän zur See Max Loesch: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Gerding_tagebuch-briefe_1917-1918.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Marine, mittlere Dienstgrade ==&lt;br /&gt;
=== Fritz Fabian ===&lt;br /&gt;
Fritz Fabian (geb. 1887) kam aus Oberschlesien und diente während des Ersten Weltkriegs als Unteroffizier auf SMS „Kronprinz Wilhelm“. In seinen Revolutionserinnerungen, verfasst vermutlich in den 1920er Jahren, beschreibt er die Ereignisse von Ende 1918 bis etwa 1920. Das Dokument wurde von einem Nachfahren in EUROPEANA eingestellt und von Klaus Kuhl transkribiert (ein Teil wurde auch von Axel Klekers transkribiert) und kommentiert. Der Schreiber hatte ein konservatives und nationalistisches Werteverständnis. Viele der berichteten Details halten einer Überprüfung nicht stand. Fabian versuchte – auch wenn er den Seeoffizieren (eher indirekt) mangelndes Durchgreifen vorwarf, ein positives Bild von ihnen zu zeichnen. In einer mehr nebensächlichen Anmerkung kommt jedoch ganz grundsätzliche Kritik zum Vorschein:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Bei dieser Gelegenheit [Überführung des III. Geschwaders nach Kiel ohne dass die Offiziere sich an der Schiffsführung beteiligen durften] mag wohl manchem jungen Offizier die Erkenntnis gekommen sein, daß es nicht allein nur tüchtige Offiziere, sondern auch hervorragend tüchtige U.O. [Unteroffiziere] gab, deren Tüchtigkeit und Fähigkeit aber nie in gerechter Weise eingeschätzt wurden. […] Wäre dieser Dünkel nicht vorhanden gewesen und wäre die Selbstüberhebung der jüngeren Offiziere nicht systematisch genährt worden, ich glaube, das Seeoffizierkorps und überhaupt die ganze Marine hätte sich vielleicht besser dabei gestanden. Ich erwähne das nur so nebenher.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum vollständigen übertragenen und kommentierten Dokument: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Fabian_revolutionserinnerungen_1924_kommentiert.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Paul Kässner, Oberdeckoffizier ===&lt;br /&gt;
Kässner (geb. vermutlich ca. 1880) schrieb 1932 die Geschichte der Deckoffizierbewegung (Selbstverlag Altona), weitgehend gestützt auf zeitnah verfasste Berichte. Seine Schilderungen zu wichtigen Ereignissen wurden bisher in der Geschichtsschreibung kaum berücksichtigt. Dies betrifft besonders: Bildung der Sicherheitstruppe des Soldatenrats, Aufbau der Eisernen Brigade/Division, die Februarunruhen 1919 in Kiel, die Ernennung von Volksoffizieren.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auszug bzgl. des Aufbaus der Eisernen Division (I. Marine-Brigade):&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In der Versammlung wurde natürlich auch die Führerfrage besprochen. Selbstverständlich war von der Regierung von vornherein zugestanden worden, daß diese Truppe selbst ihre Führer und ihr inneres Leben bestimmen könne. Aus der Versammlung heraus wurde allgemein zum Ausdruck gebracht: Wir wollen nicht daran denken, wie wir früher behandelt worden sind und deshalb sollen ruhig Offiziere alle oberen Stellen in der Truppe besetzen; aber es müssen Offiziere sein, die unser Vertrauen besitzen und die auch etwas vom Landkrieg verstehen. In diesem Sinne ließ Kamerad Alboldt noch am selben Abend die verschiedenen Offiziersgruppen und im besonderen die Seeoffiziere informieren und ihnen sagen, daß die Formation der Truppe am andern Vormittag in der Waldwiese erfolgen werde. Es mag hier gleich erwähnt werden, daß sich außer Kapitänleutnant v. Werner kein einziger Offizier dort einfand.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Analyse und Edition: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Kuhl_analyse-edition-kaessner-deckoffizierbewegung_2022.pdf PDF-Datei.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Louis Streichert ===&lt;br /&gt;
Louis Streichert (geb. 1890) diente im ersten Weltkrieg auf SMS &amp;quot;Straßburg&amp;quot; vermutlich als Unter- oder Deckoffizier. Er wurde im Jahr 1975 von Karl-Reinhard Titzek und Tilmann Weiherich interviewt.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auszüge:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Zum Beispiel habe ich meinen Eltern geschrieben, dass ich gerne fürs Vaterland sterben würde, und wir den Kaiser an Bord nehmen und mit der ganzen Flotte ruhmreich untergehen. Manchmal hat der einfache Heizer weiter gedacht als der Herr Admiral. Wir fuhren nicht raus und gaben die Minen in Cuxhaven wieder ab. Dann fuhren wir durch den Kanal in die Ostsee. Als wir nach Kiel kamen, sahen wir die ganze deutsche Flotte. […] Da sind wir ausgewichen nach Saßnitz (Rügen). Da wurde ein Telegramm an den Kaiser geschickt: „Wir halten treu zu unserem Kaiser, und wenn er es wünscht, nehmen wir ihn an Bord und fahren mit ihm irgendwohin ins Ausland.“ Der Kommandant stand da und weinte beinahe. Er sagte, dass der Kaiser sie alle aus ihrem Eid entbunden hätte. Er ging dann weinend weg. Da holten wir die Kriegsflagge nieder.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Das vollständige Interview mit einem Bericht des I. Offiziers über die Ereignisse im Anhang ist hier zugänglich: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Interview-streichert-brosch-weddigen-strassburg.pdf PDF-Datei.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Marineoffiziere ==&lt;br /&gt;
=== Admiral Bachmann, Admiral Souchon, Konteradmiral Küsel ===&lt;br /&gt;
Gustav Bachmann war bis zum 30. Oktober 1918 Gouverneur von Kiel und hatte damit die militärische und zivile Gewalt inne. Er wurde abgelöst von Wilhelm Souchon. Hans Küsel war Stabschef in der Marinestation in Kiel. Alle drei hinterließen schriftliche Aufzeichnungen über die Ereignisse. Insbesondere Küsel verfasste einen detaillierten Bericht, den er bereits 1919 begann und 1935 abschloss. In den Aufzeichnungen wird auch thematisiert, warum man das III. Geschwader in das „Pulverfass“ Kiel schickte. Dies trug entscheidend zur weiteren Eskalation bei, die schließlich zum Kieler Matrosen- und Arbeiteraufstand führte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Küsel schrieb u.&amp;amp;nbsp;a.:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Der Stationschef sieht sich in eine ungeheuer schwierige Lage […] versetzt, in der die Entscheidung ihm schon aus der Hand genommen ist. Es ist vollendete Tatsache, daß die Schiffe des III. Geschwaders, auf denen nach eigner Meldung des Geschwaderchefs [Kraft], Meutereien im größten Umfange vorgekommen sind, im Hafen von Kiel liegen. Beurlaubungen im größten Umfang haben von den Schiffen bereits stattgefunden. Admiral Souchon setzt Vizeadmiral Kraft die Lage in Kiel auseinander. Im Festungsbereich befinden sich über 100.000 Arbeiter, unter denen es gärt. Für den 5. oder 7. November wird ein Streik der Rüstungsarbeiter erwartet. […] Die Hauptgefahr sah Admiral Souchon ebenso wie ich darin, daß streikende Arbeiter und meuternde Soldaten sich zusammenfinden könnten.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Aus diesen Erwägungen heraus stellte Admiral Souchon erneut die Forderung an Vizeadmiral Kraft, Kiel sofort mit seinen Schiffen zu verlassen. Den Hafen sofort mit seinen Schiffen wieder zu verlassen erklärte sich jetzt Vizeadmiral Kraft außerstande. Von einer weitgehenden Beurlaubung erwarte er aber mit Zuversicht eine durchgreifende Beruhigung.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Berichte der Seeoffiziere werden in einer 2023 erschienen Veröffentlichung vorgestellt und analysiert: Klaus Kuhl: Gefangen in Überheblichkeit und Engstirnigkeit: Die führenden Seeoffiziere und der Matrosen- und Arbeiteraufstand in Kiel 1918. Die Berichte der Chefs der Marinestation und Gouverneure von Kiel, Admiral Gustav Bachmann und Admiral Wilhelm Souchon sowie ihres Stabschefs Konteradmiral Hans Küsel. Kiel 2023. Herausgegeben vom Verein Maritimes Viertel – Kultur am Kanal e.V. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Karl von Kunowski ===&lt;br /&gt;
Karl von Kunowski (1897–1991) war Fähnrich und Wachoffizier (WO) auf der „Markgraf“. Er schrieb seine Erlebnisse vermutlich noch 1918 auf. Später wohnte er in Flintbek bei Kiel und war Professor an der Kieler Universität. Er übergab sein Typoskript, das er betitelte: “Erinnerungen an: Die letzten Tage der Kaiserlichen Marine1918, beim III. Geschwader auf SMS Markgraf als wachhabender Offizier“, 1978 an [[Dirk Dähnhardt]], siehe Nachlass im [[Stadtarchiv]]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszüge:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Freitag, 8. Nov. 1918 [zu der Zeit befand sich das III. Geschwader vor Travemünde]: Morgenwache gegangen, aber nichts veranlaßt, die Routine wird noch eingehalten. Leute fragen WO, machen aber auch alles mögliche selbständig. Am Nachmittag gegen 4 Uhr wurde gepfiffen, alle Mann achter raus, auch Offiziere. ... Ein Maschinistenmaat sprach über den Soldaten- und Arbeiterrat, der sich über die ganze deutsche Küste erstrecken und die sogen. Radikalen d.&amp;amp;nbsp;h. geläuterten Sozialisten umfassen soll. Der Soldatenrat verfolgt zwei Ziele: 1. Die Abschaffung des preußischen Militarismus, 2. Die beschleunigte Einleitung von Friedensverhandlungen. Die jetzige Regierung könnte dieses nicht, sie ist bestochen. Die Männer der Regierung sind dazu nicht geeignet, denn wir wollen keinen Kapitalistenfrieden, sondern einen Arbeiter- und Soldatenfrieden.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Alle Macht liegt in den Händen des Sold.rates. ... Den Offizieren ist es freigestellt, auszusteigen oder achtern mit an Bord zu bleiben. Fahren oder sonst sich beteiligen sollen sie nicht.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Um neun Uhr abends findet in der Messe eine Sitzung statt. Kapitän Heizing sagt, daß es nach seiner Aussprache mit dem Kommandanten u. Admiral unbedingt nötig sei, an Bord zu bleiben, so schwer dieses auch fiele, und zwar um einmal in jedem Falle für die Sicherheit des Schiffes zu sorgen und ev. die Leitung zu übernehmen, sowie zweitens um bei Änderung der Verhältnisse entsprechend eingreifen zu können, z.&amp;amp;nbsp;B. bei Außerdienst Stellung der Flotte. Außerdem dankte voraussichtlich S.M. der Kaiser ab, so daß wir unseres Treueides entbunden würden.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Der Arb.-u.Sold.-rat befahl, daß sich die Offiziere an der Fahrt nach Kiel nicht beteiligen sollten, .... Markgraf führte das dritte Geschwader in Kiellinie 25 Sm. Der Steuermann wurde gewzungen[!], die Schiffsführung zu übernehmen auf Anweisung des Sold.-rats. Der Signalmeister mußte die Wache an Deck gehen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In die Offiziersmesse kommen zwei Unteroffiziere des Sold.-rates und verkündigen, daß jetzt alle Mahlzeiten ohne Unterschied für verschiedene Dienstgrade zubereitet werden. Außerdem teilen sie mit, daß die Offiziere sich bis morgen früh um 10 Uhr sich entscheiden sollen, ob sie zu dem Soldatenrat gehören wollen oder nicht. Im ersteren Fall soll der Dienst unter den bereits genannten vorläufigen Bedingungen im Einvernehmen mit dem Herrschenden Soldatenrat weitergehen. Werden dagegen die Forderungen des Sold.-rats nicht unterschrieben, sind sie frei, d.&amp;amp;nbsp;h. ihr Dienst ist dann quittiert.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vollständiges Dokument, das auch einen Vergleich mit den Aussagen des Besatzungsmitglieds Karl Bock (s.&amp;amp;nbsp;o.) und denen des 1. Offiziers Wilfried von Loewenfeld enthält: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Bock-kunowski-loewenfeld_markgraf_1918.pdf PDF-Datei.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kapitänleutnant Max Wittmer ===&lt;br /&gt;
Max Wittmer (*1884 in Kiel, +1979) war Torpedobootskommandant und im ersten Weltkrieg Lehrer an der Ingenieur und Deckoffizierschule in Kiel-Wik, später wurde er Handelsagent. Er wurde im Jahr 1975 von Karl-Reinhard Titzek und Tilmann Weiherich interviewt. Drei Jahre später wurde er von Dirk Dähnhardt befragt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszüge:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Im Eilmarsch zog er mit seiner Patrouille dem Demonstrationszug hinterher. Bevor er die Kreuzung Karl-, Brunswickerstr. erreicht hatte, hörte er Schüsse. Ein großes Durcheinander erblickte er am Ort des Geschehens. Da seine Leute überrannt zu werden drohten, ließ er Warnschüsse abfeuern. Als auch diese keine Wirkung zeigten, ließ er auf die Beine zielen. Das sei der schwerste Befehl seines Lebens gewesen, berichtete Herr Wittmer. Nach den Schüssen war aber die Straße wie leergefegt. Nur einige Frauen schimpften auf die Männer, was für Feiglinge sie seien. Noch einmal ließ Herr Wittmer einen Warnschuß feuern, dann endlich herrschte Ruhe.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Anmerkung Kuhl: Eine genauere Analyse ergab, dass Wittmer wohl hauptsächlich die Erlebnisse anderer Offiziere wiedergibt. In einigen Fällen offenbaren die archivierten Berichte anderer Offiziere und die Lazarettlisten einen wahren Kern in Wittmers Schilderungen. Insofern gibt es gewisse gegenseitige Bestätigungen, die immerhin ein wenig zur Erhellung der Vorgänge beitragen. Insbesondere könnte am 3. November 1918 abends tatsächlich eine nachrückende Einheit der Deckoffizierschule auf die Füße und Beine der Demonstranten geschossen haben, um diese auseinanderzutreiben.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den vollständigen übertragenen und kommentierten Dokumenten einschließlich einer Quellenanalyse: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Wittmer_interviews_1975-78_analyse.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Heeressoldaten ==&lt;br /&gt;
=== Jonny Pump ===&lt;br /&gt;
[[Datei:jonny-pump_1980.jpg|150px|thumb|Jonny Pump 1980 in seiner Kieler Wohnung. Foto: Kuhl.]]&lt;br /&gt;
Jonny Pump sollte als Rekrut von Schleswig aus gegen den Matrosenaufstand in Kiel eingesetzt werden. Er war deutsch-national eingestellt und unterstützte 1920 mit den Zeitfreiwilligen den Kapp-Putsch in Kiel. Später führte er einen Elektroladen. Er wurde 1978 und 1987 von Klaus Kuhl (und teilweise Peter Cornils) interviewt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszug:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ich persönlich jedenfalls war damals in Schleswig, in Schloss Gottorf. Erst bei unserem Abmarsch aus Schleswig wurde uns gesagt, dass in Kiel ein Aufstand sei. Und nun sollten wir, woll&#039;n mal sagen da als ... ... den Aufstand (niederwerfen). Wir konnten uns auch nicht vorstellen, ob das nun Arbeiter sind oder Soldaten sind, wussten wir ja nicht. Wir sind losgefahren, verladen und haben Munition und Gewehre empfangen. Und wenn das nun tatsächlich hart auf hart gekommen wäre, dann wäre das ja so gekommen, wir hätten ein Kommando gekriegt: &amp;quot;Ausschwärmen!&amp;quot; und müssen schießen auf unsere eigenen Leute. ... kamen wir mit dem Zug nicht mehr in Kiel rein. Der Bahnhof war besetzt von Matrosen – soweit ich gehört habe – und die hielten den Zug an, so bei der Lübecker Chaussee. Jedenfalls kamen Verschiedene nicht wieder. Aber das waren ältere Soldaten. Ob die nun orientiert waren? [Nikolaus Andersen beschreibt in seinem Tagebuch, wie Soldaten des Schleswiger Infanterieregiments im Bahnhof ankamen und sich dort mit den Aufständischen verbrüderten; siehe unten.]  Wir waren ja meistens junge Rekruten. Die Ausbilder waren alte verwundete Frontsoldaten. Die scheinen mehr gewusst zu haben. Jedenfalls waren Verschiedene, die gar nicht wieder mit zurückfuhren. Wir kamen nicht raus. Wir konnten natürlich aus dem Zug aussteigen, aber was wollten wir machen. Es wurde nicht irgendwie kommandiert &amp;quot;Sammeln!&amp;quot; und &amp;quot;Marschieren!&amp;quot; oder so, das wurde nicht getan. Der Zug fuhr wieder zurück. Wir sind nachts wieder in Schleswig angekommen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den vollständigen Interviews: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:kuhl_interviews-j-pump_1978-1987.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Heeresoffiziere ==&lt;br /&gt;
Als die Lage in Kiel sich zuspitzte, forderte die Marineführung in Kiel Infanterie von außerhalb an. Am 4. November 1918 erschienen verschiedene Einheiten in Kiel. Dabei liegen von den folgenden führend beteiligten Heeresoffizieren schriftliche Zeugnisse vor.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Adalbert von Falk, kommandierender General des stellvertretenden Generalkommandos des IX. Armee-Korps in Altona ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Adalbert von Falk circa 1915.jpg|150px|thumb|Adalbert von Falk, nach März 1915]]&lt;br /&gt;
Der Gouverneur und Chef der Marinestation der Ostsee in Kiel, Admiral Wilhelm Souchon forderte am 3. November abends bei dem benachbarten Armeekorpsbezirk Infanterie an. Nach den Schüssen auf die Demonstranten und der Auflösung der Demonstration wurde dies zunächst zurückgenommen, am frühen Morgen des nächsten Tages aber erneuert. v. Falk berichtete darüber in einem Brief vom 12. November 1936 an den damaligen Hauptmann Erich Trowitz (Major a. D.).&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auszug:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ich selbst war seit dem Sonntag, den 3. November, an dessen Abend mich der Hilfeschrei des ratlosen Gouvernements Kiel in Altona erreichte, hier unabkömmlich; im Versuch zusammenzuraffen, was noch an Truppenbrocken im Korpsbezirk und dessen Nachbarschaft zu sammeln war; im Dauerverkehr mit dem Kriegsministerium; mobile Truppen (1 Korps) heischend, um damit die Aufrührer zu Paaren zu treiben. Der schnelle Entschluss – vom Kriegsministerium [Scheüch] genehmigt – der verheissenen Truppe entgegen zu eilen, blieb ohne Erfolg. Die Ereignisse waren schneller als ich.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Bundesarchiv BArch RM 8/1025 Bl. 53.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Der hier zugängliche Artikel von Klaus Kuhl enthält u.&amp;amp;nbsp;a. eine Einordnung, Diskussion und Einschätzung des Briefs: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Kuhl_einschaetzung-e-h-schmidt-u-quellenkritik-trowitz_2017.pdf PDF-Datei.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Hauptmann Erich Trowitz ===&lt;br /&gt;
Bei der ersten Infanterieanforderung aus Kiel am 3. November 1918 abends beauftragte das Kommando des IX. Armeekorps in Altona den Generalleutnant Harry von Wright in Lübeck, Kommandeur der stellvertretenden 81. Infanterie-Brigade, mit den zu treffenden Maßnahmen. Dieser wiederum bestimmte den Hauptmann Erich Trowitz vom (Ersatz) Infanterie-Regiment 163 in Neumünster zum Befehlshaber der aufgebotenen Einheiten aus Neumünster, Schleswig und Lübeck. Die Anforderung wurde kurz darauf zurückgenommen, aber am nächsten Tag erneuert. Diesmal war zusätzlich eine Einheit (ca. 180 Mann) aus Rendsburg dabei, die Kiel bereits am späten Vormittag erreichte und in die Wik geschickt wurde, weil sich dort die Ereignisse zuspitzten. Bei allen anderen Einheiten kam es zu Verzögerungen, die wohl in erster Linie v. Wright zu verantworten hatte, weil dieser sich auf Inspektionsreise begeben hatte. Trowitz erreichte Kiel erst um 15 Uhr, als die Marineführung aufgrund der nicht erwarteten schnellen Ausbreitung des Aufstands bereits mit den Aufständischen unterhandeln musste und einen Schusswaffeneinsatz nunmehr untersagte. Die anderen Einheiten kamen erst abends an; insgesamt handelte es sich um ca. 1200 Mann. Trowitz fuhr in der Nacht wieder zurück nach Neumünster, allerdings ohne die von ihm zum Schutz der Station abgestellte Gruppe unter von Treyden. Von diesen waren Teile vermutlich übergelaufen. Trowitz schweigt sich in seinem späteren Bericht darüber aus.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Im Jahr 1935 verfasste er (inzwischen Major a.&amp;amp;nbsp;D.) diesen für die Zeitschrift &amp;quot;Bundeszeitung der Vereinigungen ehemaliger 163er&amp;quot;,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt; Das Reichskriegsministerium in Berlin verlangte die Zurückziehung und Vernichtung der Ausgabe &amp;quot;da [Trowitz&#039; Artikel] geeignet ist, anstelle der heute angestrebten vertrauensvollen Einheit der Nation Gegensätze in der Wehrmacht hervorzurufen.&amp;quot; Falls er dieser Aufforderung nicht zufriedenstellend nachkomme, würde die Geheime Staatspolizei mit der Beschlagnahme beauftragt. Bundesarchiv BArch RM 8/1025 Bl. 22.&amp;lt;/ref&amp;gt; in dem er seine Erlebnisse schilderte.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auszug: &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ich habe das unerschütterliche Bewusstsein, daß es auch mit den zur Verfügung stehenden Kräften ohne Mühe gelungen wäre am 4. November 1918 die Meuterei in Kiel zu unterdrücken, nicht zum wenigsten aus dem Grunde, weil die Matrosen nur aus gemeiner Feigheit sich zu ihrem verbrecherischen Treiben hatten verleiten lassen.&amp;lt;ref&amp;gt;Erich Trowitz: Revolution in Kiel – E./163. In: Bundeszeitung der Vereinigungen ehemaliger 163er, Nr. 11 1936. Bundesarchiv BArch RM 8/1025 fol. 32-36.&amp;lt;/ref&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Die Demonstranten in Kiel hatten trotz mehrmaligem Schusswaffeneinsatzes der Patrouille diese in die Flucht geschlagen; sicherlich kein Zeichen von Feigheit. Auch weitere von Trowitz angeführte Gründe können nicht überzeugen. Siehe dazu den Artikel von Klaus Kuhl, der eine ausführliche Vorstellung, Diskussion und Einschätzung von Trowitz’ Arbeit enthält: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Kuhl_einschaetzung-e-h-schmidt-u-quellenkritik-trowitz_2017.pdf PDF-Datei.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ArbeiterInnen ==&lt;br /&gt;
Neben den in diesem Abschnitt vorgestellten Zeitzeugenberichten, werden weitere auf den folgenden Personenseiten präsentiert: Oskar Dietrich, Otto Eggerstedt, [[Ernst Busch]], Reinhold Jung, Karl Rickers, … (in Bearbeitung).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gertrud Völcker ===&lt;br /&gt;
[[Datei:gertrud-voelcker_1950.jpg|150px|thumb|Gertrud Völcker 1950, Foto StAK/Nafzger.]]&lt;br /&gt;
[[Gertrud Völcker]] (1896–1979) war damals Angestellte im Arbeiter-Sekretariat der Freien Gewerkschaften in Kiel. Sie war seit 1915 Mitglied der Sozialistischen Arbeiterjugend. Später wurde sie Vorsitzende der Arbeiter Wohlfahrt (AWO) in Schleswig-Holstein. Im Jahr 1975 gab sie Karl-Reinhard Titzek und Tilmann Weiherich ein Interview, und vermutlich im selben Jahr wurde sich auch von Ute Kohrs interviewt. Dabei gewährte sie auch Einblick in ihr Tagebuch und es wurden Abschriften vorgenommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszüge:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die USPD hatte ganz bedeutende Führer – die SPD auch – aber die (USPD) waren konsequenter. Ich bin nie USPD gewesen. Die waren – wenn man heute zurückdenkt – haben sie doch sehr viel recht gehabt. Man hätte sich in Verhandlungen anders verhalten müssen. Aber es ist ja leicht gesagt: Im Augenblick musste gehandelt werden und das Gebot der Rettung des Vaterlandes stand im Vordergrund. Das war das Leitmotiv der Sozialdemokraten. Und die USPD, der Lothar [Popp] war USPD-Mann, das waren gute Männer, das waren keine Radauleute.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Es war eine mutige Tat von ordentlichen Deutschen, die das Land nicht in einer noch größeren Krise haben wollten. Es waren ruhige Leute, es waren außerordentlich nette, bewusste und kluge Leute, die nachgedacht hatten. So seh ich die Jungens heute. Es war eine mutige Tat, die Zivilcourage erforderte, eine Revolte, keine Meuterei, und auch keine Revolution.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum vollständigen Dokument mit den Interviews, Auszügen aus ihrem Tagebuch und einer kurzen Biografie: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Voelcker_interviews_1970er_tagebuch.pdf PDF].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Julius Bredenbeck ===&lt;br /&gt;
[[Datei:julius-bredenbeck_1989.jpg|150px|thumb|Julius Bredenbeck 1989, Video-Standbild: Gerdes/Kuhl.]]&lt;br /&gt;
[[Julius Bredenbeck]] (1907–1990) war damals Mitglied der Arbeiterjugend. Später wurde er ein bekannter Gewerkschafter und Sozialdemokrat sowie persönlicher Referent von Lauritz Lauritzen, der u.&amp;amp;nbsp;a. verschiedene Ministerposten bekleidete. Er wurde 1983 und 1989 von Klaus Kuhl interviewt. Das erste Interview wurde per Tonbandgerät, das zweite per Video von Kay Gerdes aufgezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszüge:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Allgemein darf man wohl sagen, es war eine Stimmung, die der Verzweiflung sehr nahe war. Man spürte das Ende des Krieges. Man wusste aber nicht aus noch ein, und es gab nun verschiedene Gruppen. In einzelnen Betrieben gab es schon Arbeiterräte, die sich selbst gebildet hatten, ohne Rechtsgrundlage, einfach aufgrund der Stärke der Organisation. Die zum Teil also auch mit sehr großem revolutionärem Pathos an die Arbeit gingen. In anderen Betrieben waren auch Arbeiterräte, die aber mehr daran interessiert waren, notwendige Dinge, Schwierigkeiten in der Versorgung mit Lebensmitteln usw. weitgehend mit zu steuern. Man kann nicht sagen, dass es eine einheitliche Stimmung gab. Das wurde anders als damals die Matrosen Befehlsverweigerung machten. Das führte ja denn zum Zusammenbruch. Da war eine allgemeine Solidarität in der gesamte Kieler Arbeiterschaft feststellbar: in den größeren Betrieben wurde zunächst die Arbeit niedergelegt. Es wurde sich solidarisiert. Die Arbeiter- und die Soldatenräte fanden sich zu Sitzungen zu Gesprächen zusammen im Gewerkschaftshaus.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den vollständigen Interviews: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Kuhl_interviews-bredenbeck_1983-1989.pdf PDF-Datei.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Martha Riedl (geb. Ehlers) ===&lt;br /&gt;
[[Datei:martha-riedl_1990.jpg|150px|thumb|Martha Riedl 1990 in ihrer Kieler Wohnung. Foto: Kuhl.]]&lt;br /&gt;
Martha Riedl (1903–1992) war in den Jahren um 1918 Mitglied der Arbeiterjugend und besuchte die öffentliche Handelsschule. Von 1946 bis 1948 war sie Mitglied der Kieler Ratsversammlung für die SPD. Sie wurde 1990 zweimal, sowie ein weiteres Mal 1991 von Klaus Kuhl interviewt. Das erste Interview wurde per Tonband aufgezeichnet, das zweite Interview fand an den entsprechenden Orten statt und wurde von Kay Gerdes per Video aufgenommen. Das letzte Interview wurde von Klaus Kuhl selbst per Video aufgezeichnet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszüge:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Bei allen Sachen: man ging ins Gewerkschaftshaus, da traf man sich. Und ich ging ins Gewerkschaftshaus. Damals wohnte Eggerstedt im Nebenhaus und den traf ich. Der sagte: Wo kommst du denn her! Ich sagte: Ist Vater hier? Hast du Vater gesehen? Vater ist hier, es ist alles in Ordnung. Und dann sagt er: Bleib man hier, wir können dich gebrauchen. Du weißt ja wo der Peerstall ist? Ich sage: Ja. Der war früher in der Langen Reihe, so ungefähr Höhe Muhls Hotel, war eine Gastwirtschaft. Tatsächlich Peerstall hieß es, weil die Pferde da ausgespannt wurden und die da ins Restaurant, in die Kneipe gingen. Ja, sagt er, denn bringen wir dich dahin, zu dem und dem, kennst du den? Ja kenne ich. Ja denn ist gut, denn kommst nachher wieder, wir können dich gut gebrauchen. In der Zwischenzeit kam aber alles von der Werft rein, rüber, alles was einen Dampfer zu fassen kriegte, war auf dem Dampfer, die fuhren einfach hin und her. Da war kein Fahrplan mehr. Und die Marine kam von der Wik, Düsternbrook runter. Und die Marine, die strebten nach dem Bahnhof, die wollten nach Hause.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den vollständigen Interviews: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Kuhl_interviews-riedl_1990-1991.pdf PDF-Datei.]&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Karl Edler ===&lt;br /&gt;
Karl Edler war Mitglied des Arbeiterrats in Kiel und später Stadtverordneter der SPD. Im Namen der Gewerkschaften stiftete er, zusammen mit Eduard Wolke (SPD) 1920 den zentralen Findling auf dem Kieler Eichhof-Friedhof mit der Aufschrift &amp;quot;Ruhestätte der Opfer der Revolution&amp;quot;. Edler erstattete am 26. November 1918 in Berlin auf einer Sitzung des Vollzugsrats einen Bericht über die Vorgänge in Kiel.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auszüge:&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Der wichtigste Punkt war bei uns das Ernährungswesen. Wir haben aber auch diese Frage zur vollsten Zufriedenheit der ganzen Bevölkerung bei uns gelöst. Auch die Zivilpersonen stellten sich hierbei hindernd in den Weg. Durch unsere Macht haben wir sie aber gezwungen, uns nachzugeben. Wir waren durch die entgegengesetzte Tätigkeit von Zivilpersonen in die Enge getrieben, daß wir tagelang keine Lebensmittel bekamen und vor allen Dingen die Milch für die Kinder fehlte. Die Lebensmittel lagen in Plön und Eckernförde, und Kiel bekam nichts. Schließlich hatten wir unseren Fuhrpark so in Bewegung gebracht, daß wir uns Milch und anderes durch Autos herbeiholten, und so bekommen wir jetzt ausreichend Lebensmittel heran.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Zum kommentierten Protokollauszug: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Edler_bericht-in-berlin-26-nov-1918.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Otto Preßler ===&lt;br /&gt;
[[Datei:otto-pressler_1979.jpg|150px|thumb|right|Otto Preßler 1979 in seiner Wohnung in Kiel-Mettenhof während des Interviews. Foto: K. Kuhl.]]&lt;br /&gt;
Der Metallfacharbeiter Otto Preßler (1895–1981) war SPD- und Gewerkschaftsmitglied. Von 1915 bis Kriegsende musste er in Russland und später an der Westfront als Waffenmeister kämpfen. Er kam über Braunschweig am 10. Dezember 1918 nach Kiel zurück. Er gehörte zu den Gründungsmitgliedern der KPD in Kiel und wurde später Vorsitzender. Weil er sich der linksradikalen Entwicklung der KPD widersetzte, wurde er 1929 ausgeschlossen und trat der KPD-Opposition (KPD-O) bei. Nach 1945 wurde er erneut Vorsitzender der KPD in Kiel. Er wurde zum Bevollmächtigten der IG Metall gewählt. Im Jahr 1946 wurde er in den Rat der Stadt Kiel gewählt und war Mitglied der beiden ersten ernannten schleswig-holsteinischen Landtage. 1968 wurde er Mitglied der DKP. Er wurde 1979 von Klaus Kuhl zu seiner Rolle und seinen Einschätzungen der Entwicklung in den ersten Revolutionsmonaten 1918/1919 interviewt.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auszüge bezüglich der Februarunruhen 1919 in Kiel (so genannter Spartakusaufstand):&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ja, das war dann im Februar 1919. Da war Bremen Räterepublik und dann kamen die Nachrichten, Noske will die Räterepublik beseitigen und die Division Gerstenberger von Berlin wird in Bewegung gesetzt. Da haben wir … aufgerufen zur öffentlichen Versammlung, um die Bremer Arbeiterschaft in der Verteidigung ihrer Räterepublik zu unterstützen. Und diese Versammlung war in der „Concordia“ an der Lübecker Chaussee; das war so ein Tanzlokal, brechend voll. … Der Plan war, und das wurde auch nach der Versammlung … in der Besprechung gesagt, Aktionen hier in Kiel zu organisieren, um Truppen hier an Kiel zu fesseln, die nicht nach Bremen konnten.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Mit einer Kolonne sind wir rausgefahren, …  und haben auf der Levensauer Hochbrücke die zwei Maschinengewehre weggeholt. Da waren dann die „Noskiten“, die da Wache hielten. Die sagten: “Wir sind auch nicht für Noske. Nehmt’se man mit.“ … Dann haben wir noch einen Lastwagen angehalten von Eckernförde, wir wollten doch die Maschinengewehre nicht reinschleppen. Und der Fahrer der war ganz verlegen …, da lagen unter der Persenning so geschlachtete Kühe oder was. Wir haben uns nachher nicht mehr um das Fleisch gekümmert, Hauptsache, dass wir die Maschinengewehre nach Kiel rein kriegten. Vorher habe ich sie noch ausprobiert an der Böschung bei der Eisenbahn. Die sagten: „Otto, du kannst doch hier neet scheeten.“ Ich sage: „Ich muss erst mal sehen, ob sie auch funktionieren.“ … [in der] Schule in der Legienstraße gegenüber vom Gewerkschaftshaus wurden die postiert.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Und ich weiß noch ganz genau, dass wir mit einer kleinen Truppe in der Kommandantur, Marinestation Ostsee, da sind wir hin und haben da zwei Admiräle – weiß der Teufel mit den Streifen – gefangen gesetzt; eingeschlossen, die Waffen weggenommen. Wir haben gesagt: “Da bleibt ihr erstmal drin!“ Das waren alles Feldsoldaten, die hatten alle noch so ein bisschen „Rosch“. Und denn auf einmal … kamen welche angelaufen, wir sollten die Kommandantur aufgeben. … Da war die Knallerei da schon im Gange an der Kaserne, und dann sollten wir dorthin. … Und dann wurde diese militärische Organisation der Deckoffiziere eingesetzt, dann ging die Schießerei los. Der Fritz Schulz da, der hat auf dem Bauch gelegen unter den Toten, auf der Treppe. … Und dann wurde gefeuert aus allen Rohren. Mit Maschinengewehren kamen die Brüder an und knatterten dazu. Da war ein Haufen Tote.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Insgesamt kamen bei dieser Aktion sechs der KPD nahe stehende Männer ums Leben, von denen fünf auf der Revolutionsanlage auf dem Eichhof beerdigt wurden, das sechste Opfer wurde nach Lichtenberg überführt; vgl. Klaus Kuhl: Opfer von Matrosen-/Arbeiteraufstand 1918, Februarereignissen 1919 und Kapp-Putsch 1920. Kiel 2021. Online zugänglich (aufgerufen am 18. Juni 2022) unter: [http://www.kurkuhl.de/docs/liste_opfer.pdf].&amp;lt;/ref&amp;gt; Wir haben uns, um nicht noch das letzte runter schießen zu lassen, zurückgezogen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;All so’n Krom hebt wi mokt, damals. Aber es war doch so, dass eben die große organisierte Masse der Kieler Arbeiter nicht dabei war. … Das ging ja alles so impulsiv und spontan, hier und dort sammelten sich die Gruppen und machten das. Da war keine Zusammenfassung.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Zum vollständigen Interview: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Kuhl_interview-pressler-novrev_1979.pdf PDF-Datei.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mittelschicht ==&lt;br /&gt;
=== Tagebuch des Ingenieurs Nikolaus Andersen ===&lt;br /&gt;
[[Datei:nikolaus-andersen_undatiert.jpg|150px|thumb|Andersen als junger Mann. Foto: Familienbesitz.]]&lt;br /&gt;
Der Tagebuchschreiber Nicolaus oder Nikolaus Andersen war Beamter des &amp;quot;Bureaus M.K. der Fried. Krupp A.–G., Germaniawerft&amp;quot;. Er war dort hauptsächlich mit dem Ändern technischer Zeichnungen befasst. Die Eltern des Schreibers besaßen damals einen Hof in Rinkenis (heute Rinkenæs, Dänemark), welches 1918 zum Deutschen Reich gehörte. Das in deutscher Schrift verfasste Tagebuch wurde 1980 von Karl Altewolf auf einem Flohmarkt entdeckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszug aus dem Eintrag vom 4. November 1918:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Mittags 3 Uhr waren etwa 200 Mann Infanterie aus Neumünster mit Masch.Gewehr am Bahnhof eingetroffen, sie hielten um 6 [18] Uhr die Eingänge besetzt. Um 9 [21] Uhr waren die Matrosen Herren des Bahnhofes. Die Soldaten aus Neumünster sind jedenfalls abgezogen. Später kommen plötzlich nach lauten Hurrahs die Infant. Rgmt. Nr. 84 [aus Schleswig, siehe auch oben den Bericht von Jonny Pump, der dieser Einheit angehörte] einzeln ohne Waffen aus dem Bahnhof und machten mit den Matrosen gemeinsame Sache. Sie lieferten Gewehre, Munition und Maschinengewehre an die Marine ab. Große Verbrüderung und Hochs auf die Infanterie. Feldgraue Helme wurden weggeworfen, Mützen aufgesetzt und Klamauk gemacht. Später gegen 11 Uhr … Unheimliches Gedränge vor dem Nordportal u. Begeisterung. Hunderte Infanteristen zwischen tausenden Arbeitern, Marines, Zivilisten und – Mädchen und Jungs. Wildes durcheinander befehlen und Klamauk. Alle Marine ist nach und nach bewaffnet.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Um 1 Uhr nach Hause, denn es war kalt. Kaum im Bett, erhebt sich ein mörderliches Schießen. Ich raus. Am Bahnhof menschenleer. Man schießt (angeblich aus dem Hansa-Hotel und zwar von Offizieren) auf die Soldaten. Das Hotel wird erheblich beschossen, desgl. mehre Häuser am Sophienblatt, so Uhrmacher Blunck u. Ecke Lerchenstraße gegenüber auch noch. Als es ruhig, gehe ich durch den Tunnel südl. am Bahnhof entlang. Ein Lastauto kommt Ringstr. u. wird mächtig beschossen von allen Seiten. Leider sind Matrosen die Insassen. Als das Schießen eingestellt ist, findet man einen Obermaat mit Beinschuß und einen Matrosen mit Brustschuß.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Auszüge und Hintergrundinformationen: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Andersen_tagebuch-auszuege_1917-1919.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
Das vollständige Tagebuch mit einer Textanalyse wurde im Peter Lang Verlag veröffentlicht: Klaus Kuhl: Kiel und die Revolution von 1918. Das Tagebuch eines Werftingenieurs, verfasst in den Jahren 1917-1919. Edition und Textanalyse. Berlin 2018 (Kieler Werkstücke Bd. 51). ISBN 978-3-631-75857-1.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Erh. Müller, Beamter einer Kieler Werft ===&lt;br /&gt;
Im Kieler Stadtarchiv ist ein Brief von Erh. Müller, Beamter (damals synonym für Angestellter) einer Kieler Werft an Dora in Zeilitzheim (Ortsteil der Gemeinde Kolitzheim im südlichen Landkreis Schweinfurt in Unterfranken). Zu beiden Personen liegen leider keine weiteren Informationen vor. Müller beschreibt eigene Erlebnisse während der Revolutionszeit.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auszüge:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Diese ersten Schüsse [am Sonntag, 3. November 1918 abends] hörte ich von der Jungmannstraße her deutlich, wie ich auf dem Wege zu Güttlers war. 10 Minuten später wollte ich auch zum Tatplatz eilen, fand aber sämtliche Straßen militärisch besetzt.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Am Montagabend saß ich gerade beim Abendbrot, als ich vom [[Wilhelmplatz|Wilhelmsplatze]] her einen tosenden Lärm vernahm. Ich eilte sofort hin um zu sehen, was es gab, und fand den großen Platz gedrängt voll von Matrosen die dort unter Mitführung von roten Fahnen, die Befreiung von 80 Meuterern feierten und Ansprachen hielten, die meistens in Lärm untergingen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Zum vollständigen Dokument: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Mueller_brief-an-dora_1919.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Auszug aus dem Tagebuch einer 18-jährigen Kielerin ===&lt;br /&gt;
Im Stadtarchiv Kiel liegt ein Tagebuchauszug vor, der von einem vermuteten Nachfahren aus Hamburg zur Verfügung gestellt wurde. Zu den Personen liegen leider keine weiteren Informationen vor. Die 18-jährige beschreibt ihre Erlebnisse während der Revolutionszeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Dann kam die Nacht von Montag auf Dienstag. Da war es schrecklich. Dauernd wurde geschossen. Viele Menschen haben wohl kaum geschlafen. Der darauf folgende Tag war noch ebenso schlimm. Besonders nachmittags wurde unheimlich viel geschossen. Das heisst, das lag zum Teil daran, dass die Leute alte französische Gewehre hatten, die keine Sicherung haben und sehr leicht, oft sogar bei der geringsten Berührung von selbst losgehen. Ausserdem macht es wohl vielen jungen Matrosen Spass, recht viel zu knallen, Löcher in die Luft zu schiessen und die Menschen bange zu machen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum vollständigen Dokument: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Tagebuch_18-jaehrige-kielerin_1918.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Überregionale Persönlichkeiten ==&lt;br /&gt;
===Gustav Noske ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Noske gustav before 1918.png|150px|thumb|right|Gustav Noske vor 1918.]]&lt;br /&gt;
Gustav Noske (1868–1946) war ein bekannter SPD-Reichstagsabgeordneter, der sich auf Militärfragen spezialisiert hatte. Er wurde am 4. November 1918 zusammen mit dem Regierungsmitglied Conrad Haußmann nach Kiel geschickt, um die Lage unter Kontrolle zu bringen. Noske schrieb nach dem Kapp-Putsch 1920 seine Erinnerungen an diese Zeit in dem Buch „Von Kiel bis Kapp“ nieder.&amp;lt;ref&amp;gt;Gustav Noske: Von Kiel bis Kapp. Zur Geschichte der deutschen Revolution. Berlin 1920. Online zugänglich (aufgerufen am 31. Juli 2022) unter: [https://portal.dnb.de/bookviewer/view/1131562372#page/n6/mode/1up].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auszüge (S. 23 f.):&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Als mittags die Vertrauensleute der verschiedenen Formationen sich im Saal der Station einfanden, um mit mir die Lage zu besprechen, […] musste der Versuch gemacht werden, sobald wie möglich wieder zu einem ordnungsmäßigen Zustand zurückzugelangen. Ich schilderte den Leuten die Sachlage, so wie sie mir erschien und besprach […] den entsetzlichen Zustand, in dem sich unser Volk […] befinde und leitete dann […] dazu über, unter welchen etwaigen Voraussetzungen der Kieler Meuterei, die ich persönlich aufs schärfste verurteilte, ein Ende zu machen sei. Daß politische Reformen, für die man sich erhoben habe, erfüllt würden, sei selbstverständlich. Über eine Amnestie werde die Regierung mit sich reden lassen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Meine Darlegungen machten auf die Leute sichtlich tiefen Eindruck. Artelt, der dazwischen fahren wollte, erhielt von mir einen Dämpfer. Die Reichstagsabgeordneten Hoff und Dr. Struwe, […] haben mir später wiederholt versichert, daß sie niemals eindrucksvollere Darlegungen gehört hätten. Eine Diskussion ließ ich nicht zu, sondern riet den Leuten, mit ihren Kameraden das Gehörte durchzusprechen und dann die Schlußfolgerung in einer großen Vertrauensmännerversammlung zu ziehen, die gegen Abend stattfinden sollte. &#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In der Versammlung im Schloßhof am späten Nachmittag […] es waren an tausend Mann anwesend. […] Redner wurden mitten in ihren Ausführungen […] unterbrochen und [es] redete ein anderer [...] drauf los. [...] Nach ein paar Stunden bekam ein beträchtlicher Teil die Sache satt und ging davon. Schließlich wurde die Versammlung ohne Resultat geschlossen. &#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Zeitnahe Berichte in der SPD-Zeitung und von Lothar Popp zeichnen jedoch ein anderes Bild. Popp schreibt: „ […] gab Abgeordneter Noske die Bedingungen der Regierung [für den Abbruch des Aufstands] bekannt. […] Noske gab zu bedenken, dass die Bewegung zwar in Kiel gesiegt habe, dass aber, da sie isoliert sei, ihr doch große Gefahren drohen, […] Der Vorsitzende des Arbeiterrats Garbe [SPD] und ich führten aus, dass wir doch noch Zeit haben zu warten […] Nicht die Regierung hat Bedingungen zu stellen, sondern wir. Es wurde dann einstimmig beschlossen, das Angebot abzulehnen. Es wurde dann der Antrag gestellt, da anscheinend Haase oder Dr. Cohn verhindert würden, nach hier zu kommen, einen anderen Vertreter der Unabhängigen [Popp] an die Seite Noskes [dem vorläufigem Vorsitzenden der Soldatenräte] zu stellen, um die Parität zu wahren. Dem wurde zugestimmt und die Wahl vollzogen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Popp/Arterlt, Ursprung, S. III-25.&amp;lt;/ref&amp;gt; Am folgenden Tag hatte Popp die Soldatenräte neu organisiert. Es wurde der Oberste Soldatenrat gebildet, zu dessen Vorsitzenden Popp gewählt wurde. Noske ersetzte den Gouverneur Admiral Souchon.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references group=&amp;quot;A&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:1911-1920]] [[Kategorie:Erster Weltkrieg]] [[Kategorie:Kieler Arbeiter- und Matrosenaufstand]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Klaus Kuhl</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://kiel-wiki.de/index.php?title=Zeitzeugen_Matrosen%E2%80%93_und_Arbeiteraufstand_1918/1919&amp;diff=64422</id>
		<title>Zeitzeugen Matrosen– und Arbeiteraufstand 1918/1919</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://kiel-wiki.de/index.php?title=Zeitzeugen_Matrosen%E2%80%93_und_Arbeiteraufstand_1918/1919&amp;diff=64422"/>
		<updated>2024-10-01T14:28:24Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Klaus Kuhl: /* Mannschaftsangehörige Marine, untere Dienstgrade */Josef Gerding ergänzt&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Die folgende Zusammenstellung basiert auf der Sammlung von Klaus Kuhl und wurde von ihm von seiner Webseite kurkuhl.de hierher übertragen. Dabei wurden Ergänzungen vorgenommen und die Interviews, Manuskripte, Auszüge aus der Literatur etc. wurden übersichtlicher präsentiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusätzlich zu den auf dieser Seite vorgestellten Berichten verfügt Kuhl über eine Reihe weiterer, die er als weniger bedeutend und/oder belastbar einschätzt. Ein kompletter Überblick, z.&amp;amp;nbsp;T. mit Auszügen oder Zusammenfassungen, wird in dieser Datei geboten: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Kuhl_zeitzeugenliste-matrosen-und-arbeiteraufstand.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdem wird in den folgenden Unterabschnitten über verlinkte Personenseiten auf deren jeweilige Berichte aus der Zeit des Matrosen- und Arbeiteraufstands eingegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anführer des Aufstands ==&lt;br /&gt;
=== Lothar Popp ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Lothar popp mid-1920s.jpg|thumb|Passfoto Lothar Popps aus dem [[Hamburger Staatsarchiv]], aufgenommen vermutlich Mitte der 1920er Jahre.]] &lt;br /&gt;
[[Lothar Popp]] (1887–1980) war als Schlosser dienstverpflichtet auf der Germania-Werft. Er schrieb seine Erlebnisse zusammen mit Karl Artelt bereits im Dezember 1918 auf.&amp;lt;ref&amp;gt;Lothar Popp unter Mitarbeit von Karl Artelt: &#039;&#039;Ursprung und Entwicklung der November-Revolution 1918. Wie die deutsche Republik entstand.&#039;&#039; Behrens, Kiel 1919, Reprint als Sonderveröffentlichung 15 der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Kiel 1983. Im Jahr 2020 leicht gekürzt und von Klaus Kuhl kommentiert veröffentlicht in: IG Metall Bezirksleitung Küste (Hrsg.): Matrosenaufstand und Novemberrevolution 1918. Hamburg 2020, S. 96-115, ISBN 978-3-96488-063-5.&amp;lt;/ref&amp;gt; Unter den Nazis musste er das Land verlassen. Nach seiner Rückkehr aus den USA stellte er sich bereitwillig für Gespräche und Interviews zur Verfügung: Gespräche mit Volker Ullrich (1970 und 1972), Gespräch mit [[Dirk Dähnhardt]] (1975), Interviews vom WDR und NDR, Interview von Ute Kohrs (1976), Interview geführt von Klaus Kuhl (1978), Gespräch mit Bernd Michels für das „Sozialdemokrat Magazin“ (1978), Interview geführt von Christian Blöss (1978). Alle bisher bekannten Gespräche, Berichte und Interviews sind im Anhang des Mitschnitts des von Klaus Kuhl geführten Interviews („Streitgespräch mit einem 68er“) wiedergegeben (Link siehe unten). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszüge aus dem von Klaus Kuhl geführten Interview:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Am 28. Oktober 1918 erhielt die Hochseeflotte den Befehl zum Auslaufen. Die Matrosen nahmen gewiss zu recht an, dass die Flotte in einem letzten Verzweiflungskampf lieber untergehen sollte als in den Waffenstillstandsverhandlungen mit den Alliierten ausgeliefert zu werden. Die Heizer rissen die Feuer heraus und verhinderten so das Auslaufen der Schiffe. Abordnungen der Matrosen erklärten, sie seien bereit, die Küste gegen einen Angriff zu verteidigen, aber sich sinnlos einem sicheren Untergang preiszugeben, dazu seien sie nicht bereit. Cirka 800 Mann wurden festgenommen ....&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Popp merkte an, dass die Gefangenen nach Kiel gebracht worden seien. Nach den Recherchen Dähnhardts (Revolution in Kiel, 1978, S. 109) waren die vor Wilhelmshaven Verhafteten in eine Haftanstalt in Bremen-Oslebshausen gebracht worden und waren nach dem Matrosenaufstand von Kieler Matrosen befreit worden. Dabei stützt er sich auf Veröffentlichungen von Peter Kuckuk und Ulrich Kluge. Nach Kiel wurden die während der Fahrt durch den Nord-Ostsee-Kanal verhafteten 48 „Rädelsführer“ gebracht, sowie am Morgen des 3. November weitere 57 Verhaftete der „Markgraf“.&amp;lt;/ref&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Da den Matrosen [in Kiel] jede Versammlung verboten wurde, begannen sie zu demonstrieren. Um fünf Uhr nachmittags (am 3. November 1918) versammelten sich etwa zehntausend Matrosen und einige tausend Arbeiter, zogen zunächst zur &amp;quot;Waldwiese&amp;quot; und holten die dort Gefangenen heraus; wobei sich eine erhebliche Anzahl bewaffnete.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Der Zug bewegte sich dann zur Militärstrafanstalt in der Feldstraße. Marineinfanterie, die den Zug aufhalten sollte, weigerte sich. Jedoch an der Feldstraße gab es einen Zusammenstoß mit einer Gruppe, die als Applikanten und Maaten extra zusammengestellt war. Es gab acht Tote und zwanzig Verwundete.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Nach den Untersuchungen Dähnhardts gab es 7 Tote bei der Schießerei. Es waren keine Frauen und Kinder unter den Opfern. Eine Frau war kurze Zeit vorher im Verlauf des Demonstrationszuges unter eine Straßenbahn geraten und gestorben. Zwei verwundete Personen starben später. Damit kamen insgesamt 10 Personen im Rahmen der Ereignisse des 3. November ums Leben.&amp;lt;/ref&amp;gt; Doch die Bewegung war nicht mehr aufzuhalten. Immer mehr Einheiten schlossen sich der Bewegung an. Es wurden Soldatenräte gegründet.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In jeder Kaserne wurde extra Revolution gemacht, auf jedem Schiff extra. Auf einem Schiff haben sie mich geholt. Die kamen an, ich soll mit an Bord kommen. Wenn ich mir das heute so überlege, ich steige in so ein Boot, kommt der nächste Offizier und knallt dich über den Haufen. Ist ja toll, dass das damals nicht passiert ist. Sie müssen sich vorstellen, ich klettere nun an Bord, haben ein paar mich geholt, und dann sage ich zu dem Kommandanten, er soll alles antreten lassen, und der macht das! War auf der &amp;quot;Bayern&amp;quot;, war ein großes Schiff. Ich halte einen Speech, die ziehen die Rote Fahne hoch und damit hat sich das. (In einem anderen Interview bemerkte Popp dazu: ... ich habe hinterher noch mit dem Kommandanten gesprochen, der hatte selber die „Schnauze voll“).&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Kuhl: Der Noske ist doch gekommen, um die Revolution praktisch abzuwürgen. (Popp: Ja das ist ihm nicht gelungen.), aber wieso wird er dann in den Vorsitz des Soldatenrats gewählt?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Popp: Ja, wer war denn der Soldatenrat, die kannten einander ja kaum. Das waren doch keine von vornherein politisch ausgerichteten Leute. Ich habe dann noch den Fehler gemacht, da war ein Soldat dabei, den ich persönlich kannte. Den habe ich gerufen, den haben sie dann mitgewählt. Das war mit die grösste Dummheit, die es gab. das war ein schauerliches Mannsbild. Wir kannten einander ja kaum. Da war doch keine Rede davon. Ich weiß gar nicht, wie viele Soldatenräte es damals gab. Da in der Ecke wählten sie einen, da einen, da einen. Die richtigen Soldatenräte, das organisatorische, das gab’s doch erst, nachdem ich das organisiert hatte. Das waren doch wilde Geschichten. Kuhl: Haben Sie nicht versucht, zu verhindern, dass Noske gewählt wurde? Popp: Ja, warum denn? Ja, ich konnte doch die SPD nicht ausschalten! Hören Sie doch mal zu! Nun gehen Sie mal, wenn Sie einer sind, und die anderen sind zehn, wollen Sie die ausschalten die zehn? Wie machen Sie das? Kuhl: Man kann es doch auf alle Fälle versuchen. Popp: Nee, das ist ja putschen Menschenskind!&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum vollständigen Dokument mit allen weiteren bisher bekannten Aussagen im Anhang: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:kuhl_streitgespraech-m-l-popp_1978_plus-weitere-interv-u-gespraeche.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Karl Artelt ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Artelt and comrades Kiel-Wik 1914.jpg|200px|thumb|Karl Artelt, I. Werftdivision, links, (Ausschnittsvergrößerung rechts), gemeinsam mit Kameraden der I. Torpedo-Division in Kiel-Wik, September 1914]]&lt;br /&gt;
[[Karl Artelt]] (1890–1981) kam aus einem Dorf in der Nähe von Magdeburg. Er war Maschinenschlosser und diente zunächst in der I. Werft-Division und dann in der I. Torpedo-Division in Kiel Wik. Er war wie Popp Mitglied der USPD. Zusammen mit ihm schrieb er die o. g. Broschüre, wozu er hauptsächlich die Ereignisse in der Wik, sowie die erste Verhandlungsrunde beim Gouverneur beitrug. Er war ein ausgesprochen mutiger Mensch und hatte maßgeblich Anteil daran, dass die Marineangehörigen in der Wik die Offiziere entmachteten. Er wurde zum Vorsitzenden des ersten Soldatenrats in der Wik gewählt. Während Popp auch später in etwa bei den in ihrer Broschüre niedergelegten Darstellungen blieb, stellte Artelt die Ereignisse in der Folgezeit immer dramatischer und seine eigene Rolle als immer wichtiger dar. Im Jahr 1958 veröffentlichte er einen Artikel&amp;lt;ref&amp;gt;Karl Artelt: Mit der roten Fahne zum Vizeadmiral Souchon [Souchon war im August 1918 bereits zum Admiral befördert worden]. In: Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED: Vorwärts und nicht vergessen – Erlebnisberichte aktiver Teilnehmer der Novemberrevolution 1918/1919. Berlin 1958, S. 89–100.&amp;lt;/ref&amp;gt; in einem Sammelband mit Erlebnisberichten aktiver Teilnehmer der Novemberrevolution.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszüge:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Vor dem Kaiser-Cafe empfing uns plötzlich MG-Feuer.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Nach zeitnahen Berichten und Aktennotizen ist hier kein MG eingesetzt worden.&amp;lt;/ref&amp;gt; Unser Demonstrationszug stoppte. Als wir feststellten, daß niemand getroffen worden war, gingen wir weiter. Daraufhin schossen die MG-Schützen direkt in unseren Zug hinein. Vierzig bis fünfzig Demonstranten, darunter auch Frauen und Kinder, brachen unter den Kugeln zusammen. Acht von ihnen wurden getötet und 29 schwer verletzt.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Es gab sieben Tote und 29 Verletzte, darunter waren keine Frauen oder Kinder.&amp;lt;/ref&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Durch die Massen ging ein Schrei der Entrüstung und des Protestes. Nachdem die Mörder, die unter dem Kommando des Leutnants Steinhäuser standen, ... nicht bereit waren, das Feuer einzustellen, sprang ein Matrose ... vor und schlug den Leutnant Steinhäuser mit dem Gewehrkolben nieder. ...Junge Matrosen und Arbeiter stürmten die Stellung der Maschinengewehrschützen und schlugen sie in die Flucht.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Am anderen Morgen (4.11.1918, Klaus Kuhl) mußten alle Truppenteile in Kiel zum Appell antreten. ... Nach den üblichen Meldungen bestieg der Divisionskommandeur, Kapitän zur See Bartels, einen bereitgestellten Tisch und hielt eine Ansprache ... Er schilderte die gestrigen Vorkommnisse, sagte auch, dass die Luft mit Hochspannung geladen sei, dass aber ein Soldat sich nicht mit Politik zu befassen habe, da er von Politik nichts verstünde. Nachdem er den Tisch verlassen hatte, ... Kurz entschlossen sprang ich hinauf, hielt ebenfalls eine kurze Ansprache und forderte die Matrosen zur Wahl von Soldatenräten auf. Offiziere, die mich vom Tisch herunterzuschiessen versuchten, wurden von Matrosenfäusten rücksichtslos entwaffnet.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Auch hier handelt es sich um eine spätere Ausschmückung Artelts.&amp;lt;/ref&amp;gt; Anschliessend stürmten wir unsere Waffenkammern und wählten in allen Kompanien Soldatenräte. Ich wurde zum Vorsitzenden des Soldatenrates gewählt.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Nach kurzer Zeit erhielten wir die Meldung, dass ich sofort zum Gouverneur kommen möchte. Wir machten ein Auto klar, holten von einem Torpedoboot eine große rote Fahne, die größer als das Auto war, und bereiteten die Abfahrt vor. Als wir das Zimmer des Gouverneurs betraten, merkte ich, wie dieser sich förmlich zwingen mußte, mit uns zu unterhandeln. ... Er kam uns entgegen und sagte: &amp;quot;Ich danke Ihnen, dass sie die Courage aufgebracht haben, herzukommen.&amp;quot; Bevor wir in Verhandlungen mit ihm eintraten, fragte ich ihn, ob er uns als die von den Soldaten gewählten Vertrauensleute anerkenne und auf gleichberechtigter Basis mit uns verhandeln würde. Angesichts der realen Tatsachen antwortete er gezwungenermaßen mit &amp;quot;Ja&amp;quot;. Ich erklärte ihm nunmehr, dass wir zunächst die Fragen klären müßten, die in seinem Machtbereich liegen. Gleichzeitig warnte ich ihn jedoch .... Landtruppen gegen die revolutionären Matrosen einzusetzen. In diesem Falle hätte das III. Geschwader die Anweisung, das Offiziersvillenviertel Düsternbrook unter Feuer zu nehmen und alles in Schutt und Asche zu legen. ... gab er sofort in meiner Gegenwart die Erklärung ab, keine auswärtigen Truppen heranzuziehen und die schon auf dem Transport befindlichen ... zurückzuschicken. Außerdem teilte er uns noch mit, dass der Abgeordnete Noske und Staatssekretär Haußmann nach Kiel kommen würden, um mit uns weiter zu verhandeln.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Zur Frage warum Noske in Kiel relativ freie Hand erhielt, nahm Artelt in den 1960er Jahren auf Fragen von Angehörigen der Volksmarine wie folgt Stellung (nach Robert Rosentreter, &amp;quot;Blaujacken im Novembersturm&amp;quot;, Dietz Verlag, 1988, S. 250 f.): Karl Artelt hat auf diesbezügliche Fragen von Angehörigen der Volksmarine immer wieder betont, dass ihm und anderen Genossen die Rolle Noskes durch dessen Verhalten erst nach und nach bewußt geworden wäre. Artelt selbst und andere ... hätten zwar gewußt, dass Noske zu den rechten Kräften in der Partei gehörte, ihn aber doch immerhin als sozialistischen Parteifunktionär angesehen und gehofft, dass er in der Revolution eine den Arbeitern nützliche Politik machen würde, keineswegs hätte jemals jemand gedacht, dass er bereit sein könnte, auf Arbeiter schießen zu lassen ....&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gustav Garbe ===&lt;br /&gt;
[[Datei:gustav_garbe.jpg|150px|thumb|right|Foto Gustav Garbes aus dem Kieler Gewerkschaftshaus, aufgenommen vermutlich in den 1920er Jahren.]]&lt;br /&gt;
Der bekannte Kieler Gewerkschaftsfunktionär, Gustav Garbe (SPD, 1865–1935), wurde am 5. November 1918 zum Vorsitzenden des neu gebildeten Kieler Arbeiterrats gewählt. Er wurde zunächst als zögerlich wahrgenommen, weil er vergeblich die Marineangehörigen aufforderte mit der Bewegung noch „ein bis zwei Tage zu warten, da von den Werftarbeitern etwas ähnliches geplant sei.“ Er zeigte sich jedoch als tatkräftige Person und widersetzte sich mit Lothar Popp zusammen Gustav Noskes Vorstoß, den Aufstand abzubrechen. Der Schulterschluss zwischen Matrosen und Arbeitern wurde damit eindrucksvoll dokumentiert und es ist somit völlig berechtigt von einem Matrosen- und Arbeiteraufstand zu sprechen. Auf diesen Vorfall bezog sich Garbe, wenn er 1919 auf einer Konferenz der Metallarbeitergewerkschaft in Stuttgart sagte:&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Erst dadurch, dass die Soldaten und Arbeiter Hand in Hand gingen, erst dadurch, dass man sich seinerzeit, obgleich man den Haußmann und den Noske hat nach Kiel kommen lassen, wo wir sie damals eingewickelt haben, nicht hat beeinflussen lassen, erst dadurch ist es möglich geworden … &amp;lt;ref&amp;gt;Deutscher Metallarbeiter-Verband (Hrsg.): Protokoll der Konferenz der Bevollmächtigten des D.M.-V., abgehalten vom 16. bis 18. Juni 1919 im Saale des Stadtgartens in Stuttgart. Stuttgart 1919. Garbes Rede ist auf den Seiten 61. ff. wiedergegeben.&amp;lt;/ref&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Die im Folgenden angegebene PDF-Datei enthält Hinweise auf ausführliche Artikel über Garbe sowie eine kurze Biografie, Redebeiträge und schriftliche Zeugnisse Garbes: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Kuhl_gustav-garbe_2023.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mannschaftsangehörige Marine, untere Dienstgrade ==&lt;br /&gt;
=== Karl Bock ===&lt;br /&gt;
Karl&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Im SED-Parteiarchiv wird sein Vorname in zwei Fällen auch mit „C“ geschrieben. Dies basiert aber offensichtlich auf einem Übertragungsfehler.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bock (* 1896) kam aus Berlin und war Torpedoheizer bzw. Torpedomaschinist auf „Markgraf“. Er schrieb im November 1918 einen Brief an seine Schwester. Im Jahr 2024 wurde eine ausführliche Quellenanalyse vorgenommen, da von Seiten des Deutschen Historischen Museums (wo weitere Dokumente von Bock vorliegen) von einer Fälschung ausgegangen wurde. Die Analyse ergab jedoch, dass die Dokumente verschiedentlich überarbeitet worden waren, ohne dies in den SED-Archiv-Dokumenten kenntlich zu machen, dass aber keine Fälschung vorliegt. Die Analyse wird in dem unten verlinkten PDF-Dokument detailliert beschrieben. Im Jahr 1957 erstellte Bock außerdem einen schriftlichen Bericht über seine Erlebnisse auf Anforderung der SED.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszüge aus dem Brief an seine Schwester nach der vermuteten frühesten Abschrift:&lt;br /&gt;
:’’Jedenfalls war einstimmig beschlossen, daß wir nicht rausfahren und daß hatten wir durchgesetzt. Am anderen mittag fuhren wir nach Kiel, auf der Fahrt hatten wir die vollsten Beweise, daß doch etwas geplant war, also ist es doch in dieser Hinsicht gut gewesen, wer weiß ob ich heut noch lebte! So liegen wir im Kieler Hafen. Übrigens hatten wir noch eine Verfügung vom Flottenchef, die besagte, daß unsere Beunruhigung jeder Grundlage entbehre, (Wir haben Beweise). […] Heute haben sie nämlich in aller Heimlichkeit mindestens 60 Mann zu schweren Arrest verurteilt, in aller Heimlichkeit wie die schwersten Verbrecher an Land gebracht. Sodaß wir es erst zu spät wussten. Einige, die sich zu weit geäußert haben, sitzen in Untersuchung. Das wird ja nun nicht so vorübergehen, zweitens wird die Sache auch im Reichstag kommen. Jedenfalls kann man allerhand erwarten hier. Also wundere Dich nicht, wenn mir etwas gleichartiges passiert. Jedenfalls wir kämpfen für unser Leben, aber wollen es nicht einsetzen für Heldentod und gleichartiges. Die Zeiten sind vorbei, die Zeiten sind reif, zur Zertrümmerung von Götzenbildern, jetzt.’’&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den vollständigen Dokumenten, die auch die Diskussionen unter den Mannschaften und mit den Offizieren enthält, als das III. Geschwader nach Travemünde weiterfuhr und dort vor Anker ging, sowie einen Vergleich mit den Aussagen des Wachoffiziers Karl von Kunowski und des 1. Offiziers Wilfried von Loewenfeld (PDF): [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Bock-kunowski-loewenfeld_markgraf_1918.pdf].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wilhelm Kleineweber ===&lt;br /&gt;
Kleineweber (*1900) war Rekrut bei der I. Torpedo-Division in Kiel Wik. Er gehörte der Patrouille an, die unter Führung von Leutnant Steinhäuser am 3. November auf die Demonstranten schoss. Er war dann für viele Jahre bei der Polizei, lebte in Eckernförde und wurde als Polizeihauptmann pensioniert. Er gab der Eckernförder Zeitung 1969 ein Interview, ebenso dem NDR (vermutlich Ende der 1970er Jahre) und es fanden zwei Gespräche mit Dirk Dähnhardt statt (Mitte und Ende der 1970er Jahre).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszüge:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Und so marschierten wir in die Feldstraße und zwar bis zum langen Segen, ... Und da war eine Kette gezogen von Schutzleuten, Schutzleuten von der blauen Schutzmannschaft in Kiel. ... Wie der Zug nun kam, wurden die Schutzleute sofort blitzartig aufgerieben und die türmten in den Langen See hinein. Und dann ging der Leutnant Steinhäuser vor uns vorweg zu der Spitze des Zuges, das war ein unheimlich langer Zug gewesen, man sprach von 20.000 Mann. ... Und dann ging der Leutnant Steinhäuser vorweg und mahnte, sie sollten vorsichtig sein, sie sollten zurückgehen und sofort und so weiter und dann ist ein Schuss gefallen. Woher der Schuss gekommen ist, kann ich Ihnen nicht sagen, man hat einmal festgestellt, der Schuss soll von uns aus gekommen sein. Ich kann es nicht bestreiten, ich glaube es aber nicht. Ich glaube eher, dass er aus der Menge gekommen ist, die waren ja alle bewaffnet schon.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Nach der detaillierten Analyse der Vorgänge gab Steinhäuser Feuerbefehl, wobei die Rekruten fast alle in die Luft schossen. Nach nochmaligem Feuerbefehl schossen sie in Panik auf die erneut anstürmenden Demonstranten und flohen dann, wobei Steinhäuser allein zurückblieb. Ein Polizeimeister und der in der Nähe weilende Marineoffizier Karl Weiß kamen ihm zu Hilfe. Alle drei wurden schwer verletzt.&amp;lt;/ref&amp;gt; Jedenfalls wurden wir überrumpelt. Der Leutnant Steinhäuser kriegte, soweit ich das mitbekommen habe, einen mit dem Kolben über den Schädel und er wurde dann in dieses Lokal neben dem Stadtcafe hineingeschleppt und wir waren der Meinung, sie hätten ihn totgeschlagen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum vollständigen Dokument, mit den genannten Interviews und Berichten inklusive eines Kommentars von Klaus Kuhl: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:kleineweber_interviews_1960er-und-70er-jahre.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Alfred Schwabe ===&lt;br /&gt;
[[Datei: alfred-schwabe_1923.jpg|150px|thumb|Alfred Schwabe 1923, zur Verfügung gestellt von Gerd Kassner, der Alfred Schwabe noch persönlich gekannt hatte.]]&lt;br /&gt;
Alfred Schwabe (1892–1973) war U-Boot Fahrer und nahm im November 1918 an einem U-Bootslehrgang in der Uboot-Division in Kiel-Wik teil. Er wurde von Offizieren mit seinen Kameraden herangezogen, die Aufständischen in der Wik zu bekämpfen. Er verfasste darüber vermutlich in den 1950er/60er Jahren einen schriftlichen Bericht, wahrscheinlich auf Anforderung der SED. Er wurde jedoch nicht veröffentlicht oder archiviert und gelangte über die Familie Artelt (Schwabe hatte ihn Karl Artelt zur Verfügung gestellt) an Klaus Kuhl.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszüge:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Als ich mit Matrosen der grossen Schlachtschiffe, der Kreuzer und der immer in See stehenden Torpedoboote bekannt wurde, spürte ich dass dort ein anderer Wind wehte, als auf unserem U-Boot. Bei uns war des ganze Boot auf jeden Einzelnen angewiesen, von Offiziersdrill war nichts zu spüren. Aber das furchtbare Völkermorden hatten wir trotzdem satt, die Sehnsucht nach Frieden war vorherrschend. Als ich auf Urlaub kam, kannte ich meine Eltern kaum noch, so abgemagert und verbissen waren sie, und wir versenkten im Mittelmeer Schiffe und wieder Schiffe, gefüllt mit Lebensmitteln aus Amerika. ... Am Morgen ... erhielt unser Lehrgang, es waren gegen 40 Maate und 10 Obermatrosen, Pistolen und Munition ausgehändigt. Wir marschierten nach der Werftdivision Kiel - Wik. ... Wir marschierten diagonal über den Exerzierplatz. An der rechten Ecke am Hafen standen 150 - 200 Matrosen bei einer Versammlung. Wir wurden in die Turnhalle geführt. Ein junger Leutnant hatte das Kommando und hielt eine Ansprache. Heldentum und Treue zu den Offizieren, Kampf gegen die Meuterer war der Inhalt. ... Minuten war es kirchenstill. Plötzlich ein Gebrüll von weit her, aber es kam näher und näher. &amp;quot;Achtung, Ächtung! Pistolen laden und sichern!“ Im Flüsterton bei den Obermatrosen: &amp;quot;wir schiessen nicht, wir schiessen nicht“. Gegenzug rechts! Marsch! Zur Turnhalle hinaus!“ Wir Obermatrosen waren am Schluss des Zuges und somit den anstürmenden teils bewaffneten Matrosen am nächsten. Es waren die, welche die Versammlung auf dem Exerzierplatz durchführten. Etwa 10 mtr vor der Menge liefen 2 Matrosen und riefen uns zu: &amp;quot;Kameraden werft die Waffen weg oder kommt mit den Waffen zu uns, schiesst nicht auf Eure Kameraden. Nieder mit dem Krieg! Nieder mit den Kriegsphantasten!“ Achtung! Achtung! Feuer, brüllte unser Leutnant. Eine Anzahl Schüsse fielen, aber ich habe nicht gesehen, dass einer getroffen war. Ich war nicht einen Moment unschlüssig; schon zogen wir die anderen zu uns herüber bezw. hinüber. „Los rüber, Schiet op den Krieg! Ein Teil der Maate schloss sich an. Es fielen wieder Schüsse von unserem linken Flügel der Maate oder dem Leutnant; denn 2 übergelaufene Maate waren getroffen und wurden fortgetragen. Der Leutnant war aber plötzlich spurlos von der Bildfläche verschwunden und hat nie wieder in Kiel unseren Bug gekreuzt. Wir, der verstärkte Haufen, rannten nun in die Kasernenblocks, riefen den Matrosen unsere Parolen zu und forderten sie auf, uns zu folgen. Viele schlossen sich an, ein Teil verhielt sich passiv. Offiziere waren eigentlich wenig da und die anwesenden wurden teils mit Güte, teils mit Gewalt, abgetakelt, d. h. die Epauletten und die Kokarden abgemacht. Und so ging es etwa 15 Häuserblocks durch, der Haufen wurde immer grösser und grösser. Leider waren aber auch schon die Räuber am Werk; denn aus den Kleiderkammern und Magazinen stürzten gefüllte Seesäcke aus den oberen Etagen und wurden fortgeschleppt. Aber das liess uns z.Z. kalt. Wir stürmten weiter. Nachdem alle Kasernenbauten abgekämmt waren, eilten wir an die Hafenmole. Zwei Torpedoboote wurden durch Schüsse und Zurufe aufgefordert die rote Flagge zu hissen. Es waren die ersten Schiffe, welche in Kiel die rote Flagge am Mast hochzogen. Leider sind mir die Nummern entfallen. Viele Boote folgten; Pinassen fuhren mit roter Heckflagge zu den dicken Kasten und forderten sie auf sich uns anzuschliessen. Starkbesetzte Boote brachten immer mehr revolutionäre Truppen an Land. Mein Wohnschiff, der älteste Kasten der Marine SMS &amp;quot;Mars“ (Bordwände aus Holz) hatte 1866 gegen die Dänen mitgekämpft, setzte sich lange zur Wehr. 2 rote Matrosen mit weisser Parlamentärflagge wurden zum Verhandeln an Bord geschickt und erreichten, dass doch eindrucksvoll die Kriegsflagge gestrichen wurde und die rote Flagge am Mast hochging. Ein grosser Teil der Matrosen zog durch die Strassen von Kiel und es erfolgte eine systematische Entwaffnung der Offiziere. Das Abtackeln war manchen Matrosen eine wahre Wollust, konnten sie sich doch für Drill und Erniedrigungen rächen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum vollständigen übertragenen und kommentierten Dokument: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:schwabe_manuskript_1950-60.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Fritz Fischer ===&lt;br /&gt;
Fritz Fischer fuhr als Obermatrose auf Torpedobooten und Zerstörern. Er war verschiedentlich widersetzlich und überzog seinen Urlaub. Er erhielt deshalb Strafen und wurde zum Matrosen degradiert. Im Oktober 1918 gehörte er der I. Torpedo-Divison in Kiel-Wik an. Später wurde er ein bekannter Intendant und verfasste 1970 seine unveröffentlichten Memoiren. Darin widmet Fischer mehrere Seiten seiner Zeit in der Kaiserlichen Marine und seiner Rolle beim Kieler Matrosenaufstand. Er wurde mit Karl Artelt in den ersten Soldatenrat gewählt und gehörte auch der Delegation an, die vom Gouverneur Souchon ins Stationsgebäude gebeten wurde. Fischer nahm auch an den folgenden zwei Verhandlungen (an der dritten waren auch Noske und Haußmann beteiligt) am selben Tag teil.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auszüge aus den Memoiren:&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Und dann wie ich dort ankam, in Kiel, also wo waren Sie die ganze Zeit, sage ich, ich weiß es nicht. Also kam ich vor das Kriegsgericht und dieser Kriegsrichter ...... also ich kam dauernd zu Vernehmungen, wurde vorgeführt, und inzwischen gärte es natürlich schon bereits. Und eines Tages kam der Moment, … Also wir bekamen die Waffen ausgehändigt mit Munition, dann wurden sie uns wieder weggenommen. … wurde also von Mittags, wurde die ganze Werftdivision und [Torpedo-] Division zusammen auf dem Riesenplatz, den es ja heute noch gibt, zusammengetrommelt und der Kapitän Bartels hielt uns also eine Rede und sagte, was ist eigentlich los mit euch. Und so und so. Und alles fing an zu murren und wir … [gingen] auseinander. Daraufhin wollte er vier, zwei Leute von der Werftdivision und zwei Leute von der Torpedo-Division sprechen. Ich wurde von den Kameraden dazu abgeteilt. Der eine war ein Matrose Artelt und wir haben also gesagt, was wir wollten. Der A. sagte sofortige Abdankung vom Kaiser und ich sagte sofort die Gefängnisse auf, ja von allen Politischen. Währenddem … kam ein Telefunk-Gespräch und es wurde gesagt, wir sollten zum Gouverneur vorgeführt werden. Er wolle uns sprechen in Kiel. Auf einem kleinen Lastwagen fuhren wir also zum Gouverneur, saßen dem gegenüber am grünen Tisch und haben also unsere Anliegen vorgebracht. Der Kriegsgerichtsrat, der mich verhörte, der saß mir gegenüber. Dies sei nebenbei gesagt, es ist ein Stuttgarter gewesen, den ich später im Theater im Foyer getroffen habe.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Zum vollständigen Abschnitt über seine Erlebnisse während des Aufstands: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Fritz-fischer_memoiren-revzeit_1970.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Frederik Matzen, dänisch gesinnter Matrose ===&lt;br /&gt;
Matzen kam aus Gråsten/Gravenstein, das vor dem ersten Weltkrieg zum deutschen Kaiserreich gehörte. Er berichtet in zwei Artikeln des Jahrbuchs dänisch gesinnter ehemaliger Kriegsteilnehmer (DSK) 1963 und 1967 über seine Erlebnisse während des Matrosenaufstands in Kiel. Zu der Zeit erhielt er eine Ausbildung zum U-Bootfahrer und war auf der in der Wik liegenden SMS „Mars“ untergebracht. Seine Einheit wurde in die Stadt geführt, um den Aufstand niederzuschlagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszug aus seinen Berichten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wir wurden von einem Kapitänleutnant geführt. Meine Gruppe wurde von einem Leutnant geleitet, der während des Eilmarsches nach Kiel versuchte, unsere Gunst zu gewinnen, indem er uns auf Plattdeutsch ansprach. Wahrlich, das große Vaterland musste am Rande des Abgrunds stehen! Es war ein dunkler und trüber Regentag, als wir mit vielen anderen Truppenteilen auf dem Kasernenhof der Matrosendivision aufgestellt wurden. […] Der Kommandeur der Marinestation, […] kam mit seinem Stab auf den Platz. Der Admiral war ein kleiner, älterer Mann. Mein bleibender Eindruck von ihm war, dass er kurz davor war, von der großen, mit Gold überladenen Mütze, von den schweren Epauletten auf seinen Schultern und vom Ernst der Lage zu Boden gedrückt zu werden ... &#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den vollständige Artikeln in Deutsch und Dänisch, und weiteren Kiel betreffenden Artikeln aus den Jahrbüchern: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Matzen_DSK_aarbog_1963_1967.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Josef Gerding ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Josef-gerding ca-1917.jpg|thumb|Josef Gerding ca. 1917, Familienbesitz.]]&lt;br /&gt;
Josef Gerding kam aus Metelen, einer kleinen Stadt im heutigen NRW und diente als Matrose auf der SMS &#039;&#039;Westfalen&#039;&#039;. Er beschreibt seine Erlebnisse in einem Dienstjahres-Tagebuch und in Briefen, die von der Familie verwahrt werden. Die Gegenüberstellung mit dem Bericht seines Kommandanten Max Loesch zeigt, dass die Seeoffiziere vor der wirklichen Stimmung ihrer Mannschaften die Augen verschlossen. Während Gerding am 4. November 1918 notiert, dass man sich nach langer Knechtschaft frei gemacht habe, hat Loesch noch am selben Tag „den Eindruck […], daß an Bord noch alles in bester Ordnung sei…“ Gerding erwähnt besonders die drakonischen Maßnahmen der Flottenleitung im Sommer 1917, die von den Besatzungen als großes Unrecht empfunden wurden. Die Seeoffiziere ignorierten die entsprechenden Anzeichen und wurden dann durch Ausmaß und Schnelligkeit des Aufstands im November 1918 überrascht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Am Montag [4. November 1918] Fortsetzung der Unruhen. Abends ging es bei uns an Bord auch los. Nachts um 2 Uhr wurden alle geweckt. Ein Obermatrose der an Land gewesen, berichtete die Zustände an Land auch das ein Arbeiter und Soldatenrat gebildet sei. Wir haben uns dann gleich angeschlossen. Am Dienstag morgen wurde unter Jubel die rote Flagge gehisst. Und sämtliche Schiffe im Kieler Hafen folgten unserem Beispiel soweit sie nicht voran gegangen waren.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwei Briefe, die Gerding nach Hause schickte und Auszüge aus seinem Tagebuch sowie im Anhang der Bericht von Kapitän zur See Max Loesch: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Gerding_tagebuch-briefe_1917-1918.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Marine, mittlere Dienstgrade ==&lt;br /&gt;
=== Fritz Fabian ===&lt;br /&gt;
Fritz Fabian (geb. 1887) kam aus Oberschlesien und diente während des Ersten Weltkriegs als Unteroffizier auf SMS „Kronprinz Wilhelm“. In seinen Revolutionserinnerungen, verfasst vermutlich in den 1920er Jahren, beschreibt er die Ereignisse von Ende 1918 bis etwa 1920. Das Dokument wurde von einem Nachfahren in EUROPEANA eingestellt und von Klaus Kuhl transkribiert (ein Teil wurde auch von Axel Klekers transkribiert) und kommentiert. Der Schreiber hatte ein konservatives und nationalistisches Werteverständnis. Viele der berichteten Details halten einer Überprüfung nicht stand. Fabian versuchte – auch wenn er den Seeoffizieren (eher indirekt) mangelndes Durchgreifen vorwarf, ein positives Bild von ihnen zu zeichnen. In einer mehr nebensächlichen Anmerkung kommt jedoch ganz grundsätzliche Kritik zum Vorschein:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Bei dieser Gelegenheit [Überführung des III. Geschwaders nach Kiel ohne dass die Offiziere sich an der Schiffsführung beteiligen durften] mag wohl manchem jungen Offizier die Erkenntnis gekommen sein, daß es nicht allein nur tüchtige Offiziere, sondern auch hervorragend tüchtige U.O. [Unteroffiziere] gab, deren Tüchtigkeit und Fähigkeit aber nie in gerechter Weise eingeschätzt wurden. […] Wäre dieser Dünkel nicht vorhanden gewesen und wäre die Selbstüberhebung der jüngeren Offiziere nicht systematisch genährt worden, ich glaube, das Seeoffizierkorps und überhaupt die ganze Marine hätte sich vielleicht besser dabei gestanden. Ich erwähne das nur so nebenher.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum vollständigen übertragenen und kommentierten Dokument: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Fabian_revolutionserinnerungen_1924_kommentiert.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Paul Kässner, Oberdeckoffizier ===&lt;br /&gt;
Kässner (geb. vermutlich ca. 1880) schrieb 1932 die Geschichte der Deckoffizierbewegung (Selbstverlag Altona), weitgehend gestützt auf zeitnah verfasste Berichte. Seine Schilderungen zu wichtigen Ereignissen wurden bisher in der Geschichtsschreibung kaum berücksichtigt. Dies betrifft besonders: Bildung der Sicherheitstruppe des Soldatenrats, Aufbau der Eisernen Brigade/Division, die Februarunruhen 1919 in Kiel, die Ernennung von Volksoffizieren.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auszug bzgl. des Aufbaus der Eisernen Division (I. Marine-Brigade):&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In der Versammlung wurde natürlich auch die Führerfrage besprochen. Selbstverständlich war von der Regierung von vornherein zugestanden worden, daß diese Truppe selbst ihre Führer und ihr inneres Leben bestimmen könne. Aus der Versammlung heraus wurde allgemein zum Ausdruck gebracht: Wir wollen nicht daran denken, wie wir früher behandelt worden sind und deshalb sollen ruhig Offiziere alle oberen Stellen in der Truppe besetzen; aber es müssen Offiziere sein, die unser Vertrauen besitzen und die auch etwas vom Landkrieg verstehen. In diesem Sinne ließ Kamerad Alboldt noch am selben Abend die verschiedenen Offiziersgruppen und im besonderen die Seeoffiziere informieren und ihnen sagen, daß die Formation der Truppe am andern Vormittag in der Waldwiese erfolgen werde. Es mag hier gleich erwähnt werden, daß sich außer Kapitänleutnant v. Werner kein einziger Offizier dort einfand.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Analyse und Edition: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Kuhl_analyse-edition-kaessner-deckoffizierbewegung_2022.pdf PDF-Datei.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Louis Streichert ===&lt;br /&gt;
Louis Streichert (geb. 1890) diente im ersten Weltkrieg auf SMS &amp;quot;Straßburg&amp;quot; vermutlich als Unter- oder Deckoffizier. Er wurde im Jahr 1975 von Karl-Reinhard Titzek und Tilmann Weiherich interviewt.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auszüge:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Zum Beispiel habe ich meinen Eltern geschrieben, dass ich gerne fürs Vaterland sterben würde, und wir den Kaiser an Bord nehmen und mit der ganzen Flotte ruhmreich untergehen. Manchmal hat der einfache Heizer weiter gedacht als der Herr Admiral. Wir fuhren nicht raus und gaben die Minen in Cuxhaven wieder ab. Dann fuhren wir durch den Kanal in die Ostsee. Als wir nach Kiel kamen, sahen wir die ganze deutsche Flotte. […] Da sind wir ausgewichen nach Saßnitz (Rügen). Da wurde ein Telegramm an den Kaiser geschickt: „Wir halten treu zu unserem Kaiser, und wenn er es wünscht, nehmen wir ihn an Bord und fahren mit ihm irgendwohin ins Ausland.“ Der Kommandant stand da und weinte beinahe. Er sagte, dass der Kaiser sie alle aus ihrem Eid entbunden hätte. Er ging dann weinend weg. Da holten wir die Kriegsflagge nieder.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Das vollständige Interview mit einem Bericht des I. Offiziers über die Ereignisse im Anhang ist hier zugänglich: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Interview-streichert-brosch-weddigen-strassburg.pdf PDF-Datei.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Marineoffiziere ==&lt;br /&gt;
=== Admiral Bachmann, Admiral Souchon, Konteradmiral Küsel ===&lt;br /&gt;
Gustav Bachmann war bis zum 30. Oktober 1918 Gouverneur von Kiel und hatte damit die militärische und zivile Gewalt inne. Er wurde abgelöst von Wilhelm Souchon. Hans Küsel war Stabschef in der Marinestation in Kiel. Alle drei hinterließen schriftliche Aufzeichnungen über die Ereignisse. Insbesondere Küsel verfasste einen detaillierten Bericht, den er bereits 1919 begann und 1935 abschloss. In den Aufzeichnungen wird auch thematisiert, warum man das III. Geschwader in das „Pulverfass“ Kiel schickte. Dies trug entscheidend zur weiteren Eskalation bei, die schließlich zum Kieler Matrosen- und Arbeiteraufstand führte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Küsel schrieb u.&amp;amp;nbsp;a.:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Der Stationschef sieht sich in eine ungeheuer schwierige Lage […] versetzt, in der die Entscheidung ihm schon aus der Hand genommen ist. Es ist vollendete Tatsache, daß die Schiffe des III. Geschwaders, auf denen nach eigner Meldung des Geschwaderchefs [Kraft], Meutereien im größten Umfange vorgekommen sind, im Hafen von Kiel liegen. Beurlaubungen im größten Umfang haben von den Schiffen bereits stattgefunden. Admiral Souchon setzt Vizeadmiral Kraft die Lage in Kiel auseinander. Im Festungsbereich befinden sich über 100.000 Arbeiter, unter denen es gärt. Für den 5. oder 7. November wird ein Streik der Rüstungsarbeiter erwartet. […] Die Hauptgefahr sah Admiral Souchon ebenso wie ich darin, daß streikende Arbeiter und meuternde Soldaten sich zusammenfinden könnten.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Aus diesen Erwägungen heraus stellte Admiral Souchon erneut die Forderung an Vizeadmiral Kraft, Kiel sofort mit seinen Schiffen zu verlassen. Den Hafen sofort mit seinen Schiffen wieder zu verlassen erklärte sich jetzt Vizeadmiral Kraft außerstande. Von einer weitgehenden Beurlaubung erwarte er aber mit Zuversicht eine durchgreifende Beruhigung.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Berichte der Seeoffiziere werden in einer 2023 erschienen Veröffentlichung vorgestellt und analysiert: Klaus Kuhl: Gefangen in Überheblichkeit und Engstirnigkeit: Die führenden Seeoffiziere und der Matrosen- und Arbeiteraufstand in Kiel 1918. Die Berichte der Chefs der Marinestation und Gouverneure von Kiel, Admiral Gustav Bachmann und Admiral Wilhelm Souchon sowie ihres Stabschefs Konteradmiral Hans Küsel. Kiel 2023. Herausgegeben vom Verein Maritimes Viertel – Kultur am Kanal e.V. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Karl von Kunowski ===&lt;br /&gt;
Karl von Kunowski (1897–1991) war Fähnrich und Wachoffizier (WO) auf der „Markgraf“. Er schrieb seine Erlebnisse vermutlich noch 1918 auf. Später wohnte er in Flintbek bei Kiel und war Professor an der Kieler Universität. Er übergab sein Typoskript, das er betitelte: “Erinnerungen an: Die letzten Tage der Kaiserlichen Marine1918, beim III. Geschwader auf SMS Markgraf als wachhabender Offizier“, 1978 an [[Dirk Dähnhardt]], siehe Nachlass im [[Stadtarchiv]]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszüge:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Freitag, 8. Nov. 1918 [zu der Zeit befand sich das III. Geschwader vor Travemünde]: Morgenwache gegangen, aber nichts veranlaßt, die Routine wird noch eingehalten. Leute fragen WO, machen aber auch alles mögliche selbständig. Am Nachmittag gegen 4 Uhr wurde gepfiffen, alle Mann achter raus, auch Offiziere. ... Ein Maschinistenmaat sprach über den Soldaten- und Arbeiterrat, der sich über die ganze deutsche Küste erstrecken und die sogen. Radikalen d.&amp;amp;nbsp;h. geläuterten Sozialisten umfassen soll. Der Soldatenrat verfolgt zwei Ziele: 1. Die Abschaffung des preußischen Militarismus, 2. Die beschleunigte Einleitung von Friedensverhandlungen. Die jetzige Regierung könnte dieses nicht, sie ist bestochen. Die Männer der Regierung sind dazu nicht geeignet, denn wir wollen keinen Kapitalistenfrieden, sondern einen Arbeiter- und Soldatenfrieden.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Alle Macht liegt in den Händen des Sold.rates. ... Den Offizieren ist es freigestellt, auszusteigen oder achtern mit an Bord zu bleiben. Fahren oder sonst sich beteiligen sollen sie nicht.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Um neun Uhr abends findet in der Messe eine Sitzung statt. Kapitän Heizing sagt, daß es nach seiner Aussprache mit dem Kommandanten u. Admiral unbedingt nötig sei, an Bord zu bleiben, so schwer dieses auch fiele, und zwar um einmal in jedem Falle für die Sicherheit des Schiffes zu sorgen und ev. die Leitung zu übernehmen, sowie zweitens um bei Änderung der Verhältnisse entsprechend eingreifen zu können, z.&amp;amp;nbsp;B. bei Außerdienst Stellung der Flotte. Außerdem dankte voraussichtlich S.M. der Kaiser ab, so daß wir unseres Treueides entbunden würden.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Der Arb.-u.Sold.-rat befahl, daß sich die Offiziere an der Fahrt nach Kiel nicht beteiligen sollten, .... Markgraf führte das dritte Geschwader in Kiellinie 25 Sm. Der Steuermann wurde gewzungen[!], die Schiffsführung zu übernehmen auf Anweisung des Sold.-rats. Der Signalmeister mußte die Wache an Deck gehen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In die Offiziersmesse kommen zwei Unteroffiziere des Sold.-rates und verkündigen, daß jetzt alle Mahlzeiten ohne Unterschied für verschiedene Dienstgrade zubereitet werden. Außerdem teilen sie mit, daß die Offiziere sich bis morgen früh um 10 Uhr sich entscheiden sollen, ob sie zu dem Soldatenrat gehören wollen oder nicht. Im ersteren Fall soll der Dienst unter den bereits genannten vorläufigen Bedingungen im Einvernehmen mit dem Herrschenden Soldatenrat weitergehen. Werden dagegen die Forderungen des Sold.-rats nicht unterschrieben, sind sie frei, d.&amp;amp;nbsp;h. ihr Dienst ist dann quittiert.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vollständiges Dokument, das auch einen Vergleich mit den Aussagen des Besatzungsmitglieds Karl Bock (s.&amp;amp;nbsp;o.) und denen des 1. Offiziers Wilfried von Loewenfeld enthält: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Bock-kunowski-loewenfeld_markgraf_1918.pdf PDF-Datei.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kapitänleutnant Max Wittmer ===&lt;br /&gt;
Max Wittmer (*1884 in Kiel, +1979) war Torpedobootskommandant und im ersten Weltkrieg Lehrer an der Ingenieur und Deckoffizierschule in Kiel-Wik, später wurde er Handelsagent. Er wurde im Jahr 1975 von Karl-Reinhard Titzek und Tilmann Weiherich interviewt. Drei Jahre später wurde er von Dirk Dähnhardt befragt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszüge:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Im Eilmarsch zog er mit seiner Patrouille dem Demonstrationszug hinterher. Bevor er die Kreuzung Karl-, Brunswickerstr. erreicht hatte, hörte er Schüsse. Ein großes Durcheinander erblickte er am Ort des Geschehens. Da seine Leute überrannt zu werden drohten, ließ er Warnschüsse abfeuern. Als auch diese keine Wirkung zeigten, ließ er auf die Beine zielen. Das sei der schwerste Befehl seines Lebens gewesen, berichtete Herr Wittmer. Nach den Schüssen war aber die Straße wie leergefegt. Nur einige Frauen schimpften auf die Männer, was für Feiglinge sie seien. Noch einmal ließ Herr Wittmer einen Warnschuß feuern, dann endlich herrschte Ruhe.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Anmerkung Kuhl: Eine genauere Analyse ergab, dass Wittmer wohl hauptsächlich die Erlebnisse anderer Offiziere wiedergibt. In einigen Fällen offenbaren die archivierten Berichte anderer Offiziere und die Lazarettlisten einen wahren Kern in Wittmers Schilderungen. Insofern gibt es gewisse gegenseitige Bestätigungen, die immerhin ein wenig zur Erhellung der Vorgänge beitragen. Insbesondere könnte am 3. November 1918 abends tatsächlich eine nachrückende Einheit der Deckoffizierschule auf die Füße und Beine der Demonstranten geschossen haben, um diese auseinanderzutreiben.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den vollständigen übertragenen und kommentierten Dokumenten einschließlich einer Quellenanalyse: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Wittmer_interviews_1975-78_analyse.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Heeressoldaten ==&lt;br /&gt;
=== Jonny Pump ===&lt;br /&gt;
[[Datei:jonny-pump_1980.jpg|150px|thumb|Jonny Pump 1980 in seiner Kieler Wohnung. Foto: Kuhl.]]&lt;br /&gt;
Jonny Pump sollte als Rekrut von Schleswig aus gegen den Matrosenaufstand in Kiel eingesetzt werden. Er war deutsch-national eingestellt und unterstützte 1920 mit den Zeitfreiwilligen den Kapp-Putsch in Kiel. Später führte er einen Elektroladen. Er wurde 1978 und 1987 von Klaus Kuhl (und teilweise Peter Cornils) interviewt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszug:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ich persönlich jedenfalls war damals in Schleswig, in Schloss Gottorf. Erst bei unserem Abmarsch aus Schleswig wurde uns gesagt, dass in Kiel ein Aufstand sei. Und nun sollten wir, woll&#039;n mal sagen da als ... ... den Aufstand (niederwerfen). Wir konnten uns auch nicht vorstellen, ob das nun Arbeiter sind oder Soldaten sind, wussten wir ja nicht. Wir sind losgefahren, verladen und haben Munition und Gewehre empfangen. Und wenn das nun tatsächlich hart auf hart gekommen wäre, dann wäre das ja so gekommen, wir hätten ein Kommando gekriegt: &amp;quot;Ausschwärmen!&amp;quot; und müssen schießen auf unsere eigenen Leute. ... kamen wir mit dem Zug nicht mehr in Kiel rein. Der Bahnhof war besetzt von Matrosen – soweit ich gehört habe – und die hielten den Zug an, so bei der Lübecker Chaussee. Jedenfalls kamen Verschiedene nicht wieder. Aber das waren ältere Soldaten. Ob die nun orientiert waren? [Nikolaus Andersen beschreibt in seinem Tagebuch, wie Soldaten des Schleswiger Infanterieregiments im Bahnhof ankamen und sich dort mit den Aufständischen verbrüderten; siehe unten.]  Wir waren ja meistens junge Rekruten. Die Ausbilder waren alte verwundete Frontsoldaten. Die scheinen mehr gewusst zu haben. Jedenfalls waren Verschiedene, die gar nicht wieder mit zurückfuhren. Wir kamen nicht raus. Wir konnten natürlich aus dem Zug aussteigen, aber was wollten wir machen. Es wurde nicht irgendwie kommandiert &amp;quot;Sammeln!&amp;quot; und &amp;quot;Marschieren!&amp;quot; oder so, das wurde nicht getan. Der Zug fuhr wieder zurück. Wir sind nachts wieder in Schleswig angekommen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den vollständigen Interviews: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:kuhl_interviews-j-pump_1978-1987.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Heeresoffiziere ==&lt;br /&gt;
Als die Lage in Kiel sich zuspitzte, forderte die Marineführung in Kiel Infanterie von außerhalb an. Am 4. November 1918 erschienen verschiedene Einheiten in Kiel. Dabei liegen von den folgenden führend beteiligten Heeresoffizieren schriftliche Zeugnisse vor.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Adalbert von Falk, kommandierender General des stellvertretenden Generalkommandos des IX. Armee-Korps in Altona ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Adalbert von Falk circa 1915.jpg|150px|thumb|Adalbert von Falk, nach März 1915]]&lt;br /&gt;
Der Gouverneur und Chef der Marinestation der Ostsee in Kiel, Admiral Wilhelm Souchon forderte am 3. November abends bei dem benachbarten Armeekorpsbezirk Infanterie an. Nach den Schüssen auf die Demonstranten und der Auflösung der Demonstration wurde dies zunächst zurückgenommen, am frühen Morgen des nächsten Tages aber erneuert. v. Falk berichtete darüber in einem Brief vom 12. November 1936 an den damaligen Hauptmann Erich Trowitz (Major a. D.).&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auszug:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ich selbst war seit dem Sonntag, den 3. November, an dessen Abend mich der Hilfeschrei des ratlosen Gouvernements Kiel in Altona erreichte, hier unabkömmlich; im Versuch zusammenzuraffen, was noch an Truppenbrocken im Korpsbezirk und dessen Nachbarschaft zu sammeln war; im Dauerverkehr mit dem Kriegsministerium; mobile Truppen (1 Korps) heischend, um damit die Aufrührer zu Paaren zu treiben. Der schnelle Entschluss – vom Kriegsministerium [Scheüch] genehmigt – der verheissenen Truppe entgegen zu eilen, blieb ohne Erfolg. Die Ereignisse waren schneller als ich.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Bundesarchiv BArch RM 8/1025 Bl. 53.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Der hier zugängliche Artikel von Klaus Kuhl enthält u.&amp;amp;nbsp;a. eine Einordnung, Diskussion und Einschätzung des Briefs: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Kuhl_einschaetzung-e-h-schmidt-u-quellenkritik-trowitz_2017.pdf PDF-Datei.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Hauptmann Erich Trowitz ===&lt;br /&gt;
Bei der ersten Infanterieanforderung aus Kiel am 3. November 1918 abends beauftragte das Kommando des IX. Armeekorps in Altona den Generalleutnant Harry von Wright in Lübeck, Kommandeur der stellvertretenden 81. Infanterie-Brigade, mit den zu treffenden Maßnahmen. Dieser wiederum bestimmte den Hauptmann Erich Trowitz vom (Ersatz) Infanterie-Regiment 163 in Neumünster zum Befehlshaber der aufgebotenen Einheiten aus Neumünster, Schleswig und Lübeck. Die Anforderung wurde kurz darauf zurückgenommen, aber am nächsten Tag erneuert. Diesmal war zusätzlich eine Einheit (ca. 180 Mann) aus Rendsburg dabei, die Kiel bereits am späten Vormittag erreichte und in die Wik geschickt wurde, weil sich dort die Ereignisse zuspitzten. Bei allen anderen Einheiten kam es zu Verzögerungen, die wohl in erster Linie v. Wright zu verantworten hatte, weil dieser sich auf Inspektionsreise begeben hatte. Trowitz erreichte Kiel erst um 15 Uhr, als die Marineführung aufgrund der nicht erwarteten schnellen Ausbreitung des Aufstands bereits mit den Aufständischen unterhandeln musste und einen Schusswaffeneinsatz nunmehr untersagte. Die anderen Einheiten kamen erst abends an; insgesamt handelte es sich um ca. 1200 Mann. Trowitz fuhr in der Nacht wieder zurück nach Neumünster, allerdings ohne die von ihm zum Schutz der Station abgestellte Gruppe unter von Treyden. Von diesen waren Teile vermutlich übergelaufen. Trowitz schweigt sich in seinem späteren Bericht darüber aus.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Im Jahr 1935 verfasste er (inzwischen Major a.&amp;amp;nbsp;D.) diesen für die Zeitschrift &amp;quot;Bundeszeitung der Vereinigungen ehemaliger 163er&amp;quot;,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt; Das Reichskriegsministerium in Berlin verlangte die Zurückziehung und Vernichtung der Ausgabe &amp;quot;da [Trowitz&#039; Artikel] geeignet ist, anstelle der heute angestrebten vertrauensvollen Einheit der Nation Gegensätze in der Wehrmacht hervorzurufen.&amp;quot; Falls er dieser Aufforderung nicht zufriedenstellend nachkomme, würde die Geheime Staatspolizei mit der Beschlagnahme beauftragt. Bundesarchiv BArch RM 8/1025 Bl. 22.&amp;lt;/ref&amp;gt; in dem er seine Erlebnisse schilderte.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auszug: &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ich habe das unerschütterliche Bewusstsein, daß es auch mit den zur Verfügung stehenden Kräften ohne Mühe gelungen wäre am 4. November 1918 die Meuterei in Kiel zu unterdrücken, nicht zum wenigsten aus dem Grunde, weil die Matrosen nur aus gemeiner Feigheit sich zu ihrem verbrecherischen Treiben hatten verleiten lassen.&amp;lt;ref&amp;gt;Erich Trowitz: Revolution in Kiel – E./163. In: Bundeszeitung der Vereinigungen ehemaliger 163er, Nr. 11 1936. Bundesarchiv BArch RM 8/1025 fol. 32-36.&amp;lt;/ref&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Die Demonstranten in Kiel hatten trotz mehrmaligem Schusswaffeneinsatzes der Patrouille diese in die Flucht geschlagen; sicherlich kein Zeichen von Feigheit. Auch weitere von Trowitz angeführte Gründe können nicht überzeugen. Siehe dazu den Artikel von Klaus Kuhl, der eine ausführliche Vorstellung, Diskussion und Einschätzung von Trowitz’ Arbeit enthält: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Kuhl_einschaetzung-e-h-schmidt-u-quellenkritik-trowitz_2017.pdf PDF-Datei.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ArbeiterInnen ==&lt;br /&gt;
Neben den in diesem Abschnitt vorgestellten Zeitzeugenberichten, werden weitere auf den folgenden Personenseiten präsentiert: Oskar Dietrich, Otto Eggerstedt, [[Ernst Busch]], Reinhold Jung, Karl Rickers, … (in Bearbeitung).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gertrud Völcker ===&lt;br /&gt;
[[Datei:gertrud-voelcker_1950.jpg|150px|thumb|Gertrud Völcker 1950, Foto StAK/Nafzger.]]&lt;br /&gt;
[[Gertrud Völcker]] (1896–1979) war damals Angestellte im Arbeiter-Sekretariat der Freien Gewerkschaften in Kiel. Sie war seit 1915 Mitglied der Sozialistischen Arbeiterjugend. Später wurde sie Vorsitzende der Arbeiter Wohlfahrt (AWO) in Schleswig-Holstein. Im Jahr 1975 gab sie Karl-Reinhard Titzek und Tilmann Weiherich ein Interview, und vermutlich im selben Jahr wurde sich auch von Ute Kohrs interviewt. Dabei gewährte sie auch Einblick in ihr Tagebuch und es wurden Abschriften vorgenommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszüge:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die USPD hatte ganz bedeutende Führer – die SPD auch – aber die (USPD) waren konsequenter. Ich bin nie USPD gewesen. Die waren – wenn man heute zurückdenkt – haben sie doch sehr viel recht gehabt. Man hätte sich in Verhandlungen anders verhalten müssen. Aber es ist ja leicht gesagt: Im Augenblick musste gehandelt werden und das Gebot der Rettung des Vaterlandes stand im Vordergrund. Das war das Leitmotiv der Sozialdemokraten. Und die USPD, der Lothar [Popp] war USPD-Mann, das waren gute Männer, das waren keine Radauleute.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Es war eine mutige Tat von ordentlichen Deutschen, die das Land nicht in einer noch größeren Krise haben wollten. Es waren ruhige Leute, es waren außerordentlich nette, bewusste und kluge Leute, die nachgedacht hatten. So seh ich die Jungens heute. Es war eine mutige Tat, die Zivilcourage erforderte, eine Revolte, keine Meuterei, und auch keine Revolution.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum vollständigen Dokument mit den Interviews, Auszügen aus ihrem Tagebuch und einer kurzen Biografie: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Voelcker_interviews_1970er_tagebuch.pdf PDF].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Julius Bredenbeck ===&lt;br /&gt;
[[Datei:julius-bredenbeck_1989.jpg|150px|thumb|Julius Bredenbeck 1989, Video-Standbild: Gerdes/Kuhl.]]&lt;br /&gt;
[[Julius Bredenbeck]] (1907–1990) war damals Mitglied der Arbeiterjugend. Später wurde er ein bekannter Gewerkschafter und Sozialdemokrat sowie persönlicher Referent von Lauritz Lauritzen, der u.&amp;amp;nbsp;a. verschiedene Ministerposten bekleidete. Er wurde 1983 und 1989 von Klaus Kuhl interviewt. Das erste Interview wurde per Tonbandgerät, das zweite per Video von Kay Gerdes aufgezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszüge:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Allgemein darf man wohl sagen, es war eine Stimmung, die der Verzweiflung sehr nahe war. Man spürte das Ende des Krieges. Man wusste aber nicht aus noch ein, und es gab nun verschiedene Gruppen. In einzelnen Betrieben gab es schon Arbeiterräte, die sich selbst gebildet hatten, ohne Rechtsgrundlage, einfach aufgrund der Stärke der Organisation. Die zum Teil also auch mit sehr großem revolutionärem Pathos an die Arbeit gingen. In anderen Betrieben waren auch Arbeiterräte, die aber mehr daran interessiert waren, notwendige Dinge, Schwierigkeiten in der Versorgung mit Lebensmitteln usw. weitgehend mit zu steuern. Man kann nicht sagen, dass es eine einheitliche Stimmung gab. Das wurde anders als damals die Matrosen Befehlsverweigerung machten. Das führte ja denn zum Zusammenbruch. Da war eine allgemeine Solidarität in der gesamte Kieler Arbeiterschaft feststellbar: in den größeren Betrieben wurde zunächst die Arbeit niedergelegt. Es wurde sich solidarisiert. Die Arbeiter- und die Soldatenräte fanden sich zu Sitzungen zu Gesprächen zusammen im Gewerkschaftshaus.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den vollständigen Interviews: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Kuhl_interviews-bredenbeck_1983-1989.pdf PDF-Datei.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Martha Riedl (geb. Ehlers) ===&lt;br /&gt;
[[Datei:martha-riedl_1990.jpg|150px|thumb|Martha Riedl 1990 in ihrer Kieler Wohnung. Foto: Kuhl.]]&lt;br /&gt;
Martha Riedl (1903–1992) war in den Jahren um 1918 Mitglied der Arbeiterjugend und besuchte die öffentliche Handelsschule. Von 1946 bis 1948 war sie Mitglied der Kieler Ratsversammlung für die SPD. Sie wurde 1990 zweimal, sowie ein weiteres Mal 1991 von Klaus Kuhl interviewt. Das erste Interview wurde per Tonband aufgezeichnet, das zweite Interview fand an den entsprechenden Orten statt und wurde von Kay Gerdes per Video aufgenommen. Das letzte Interview wurde von Klaus Kuhl selbst per Video aufgezeichnet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszüge:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Bei allen Sachen: man ging ins Gewerkschaftshaus, da traf man sich. Und ich ging ins Gewerkschaftshaus. Damals wohnte Eggerstedt im Nebenhaus und den traf ich. Der sagte: Wo kommst du denn her! Ich sagte: Ist Vater hier? Hast du Vater gesehen? Vater ist hier, es ist alles in Ordnung. Und dann sagt er: Bleib man hier, wir können dich gebrauchen. Du weißt ja wo der Peerstall ist? Ich sage: Ja. Der war früher in der Langen Reihe, so ungefähr Höhe Muhls Hotel, war eine Gastwirtschaft. Tatsächlich Peerstall hieß es, weil die Pferde da ausgespannt wurden und die da ins Restaurant, in die Kneipe gingen. Ja, sagt er, denn bringen wir dich dahin, zu dem und dem, kennst du den? Ja kenne ich. Ja denn ist gut, denn kommst nachher wieder, wir können dich gut gebrauchen. In der Zwischenzeit kam aber alles von der Werft rein, rüber, alles was einen Dampfer zu fassen kriegte, war auf dem Dampfer, die fuhren einfach hin und her. Da war kein Fahrplan mehr. Und die Marine kam von der Wik, Düsternbrook runter. Und die Marine, die strebten nach dem Bahnhof, die wollten nach Hause.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den vollständigen Interviews: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Kuhl_interviews-riedl_1990-1991.pdf PDF-Datei.]&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Karl Edler ===&lt;br /&gt;
Karl Edler war Mitglied des Arbeiterrats in Kiel und später Stadtverordneter der SPD. Im Namen der Gewerkschaften stiftete er, zusammen mit Eduard Wolke (SPD) 1920 den zentralen Findling auf dem Kieler Eichhof-Friedhof mit der Aufschrift &amp;quot;Ruhestätte der Opfer der Revolution&amp;quot;. Edler erstattete am 26. November 1918 in Berlin auf einer Sitzung des Vollzugsrats einen Bericht über die Vorgänge in Kiel.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auszüge:&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Der wichtigste Punkt war bei uns das Ernährungswesen. Wir haben aber auch diese Frage zur vollsten Zufriedenheit der ganzen Bevölkerung bei uns gelöst. Auch die Zivilpersonen stellten sich hierbei hindernd in den Weg. Durch unsere Macht haben wir sie aber gezwungen, uns nachzugeben. Wir waren durch die entgegengesetzte Tätigkeit von Zivilpersonen in die Enge getrieben, daß wir tagelang keine Lebensmittel bekamen und vor allen Dingen die Milch für die Kinder fehlte. Die Lebensmittel lagen in Plön und Eckernförde, und Kiel bekam nichts. Schließlich hatten wir unseren Fuhrpark so in Bewegung gebracht, daß wir uns Milch und anderes durch Autos herbeiholten, und so bekommen wir jetzt ausreichend Lebensmittel heran.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Zum kommentierten Protokollauszug: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Edler_bericht-in-berlin-26-nov-1918.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Otto Preßler ===&lt;br /&gt;
[[Datei:otto-pressler_1979.jpg|150px|thumb|right|Otto Preßler 1979 in seiner Wohnung in Kiel-Mettenhof während des Interviews. Foto: K. Kuhl.]]&lt;br /&gt;
Der Metallfacharbeiter Otto Preßler (1895–1981) war SPD- und Gewerkschaftsmitglied. Von 1915 bis Kriegsende musste er in Russland und später an der Westfront als Waffenmeister kämpfen. Er kam über Braunschweig am 10. Dezember 1918 nach Kiel zurück. Er gehörte zu den Gründungsmitgliedern der KPD in Kiel und wurde später Vorsitzender. Weil er sich der linksradikalen Entwicklung der KPD widersetzte, wurde er 1929 ausgeschlossen und trat der KPD-Opposition (KPD-O) bei. Nach 1945 wurde er erneut Vorsitzender der KPD in Kiel. Er wurde zum Bevollmächtigten der IG Metall gewählt. Im Jahr 1946 wurde er in den Rat der Stadt Kiel gewählt und war Mitglied der beiden ersten ernannten schleswig-holsteinischen Landtage. 1968 wurde er Mitglied der DKP. Er wurde 1979 von Klaus Kuhl zu seiner Rolle und seinen Einschätzungen der Entwicklung in den ersten Revolutionsmonaten 1918/1919 interviewt.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auszüge bezüglich der Februarunruhen 1919 in Kiel (so genannter Spartakusaufstand):&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ja, das war dann im Februar 1919. Da war Bremen Räterepublik und dann kamen die Nachrichten, Noske will die Räterepublik beseitigen und die Division Gerstenberger von Berlin wird in Bewegung gesetzt. Da haben wir … aufgerufen zur öffentlichen Versammlung, um die Bremer Arbeiterschaft in der Verteidigung ihrer Räterepublik zu unterstützen. Und diese Versammlung war in der „Concordia“ an der Lübecker Chaussee; das war so ein Tanzlokal, brechend voll. … Der Plan war, und das wurde auch nach der Versammlung … in der Besprechung gesagt, Aktionen hier in Kiel zu organisieren, um Truppen hier an Kiel zu fesseln, die nicht nach Bremen konnten.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Mit einer Kolonne sind wir rausgefahren, …  und haben auf der Levensauer Hochbrücke die zwei Maschinengewehre weggeholt. Da waren dann die „Noskiten“, die da Wache hielten. Die sagten: “Wir sind auch nicht für Noske. Nehmt’se man mit.“ … Dann haben wir noch einen Lastwagen angehalten von Eckernförde, wir wollten doch die Maschinengewehre nicht reinschleppen. Und der Fahrer der war ganz verlegen …, da lagen unter der Persenning so geschlachtete Kühe oder was. Wir haben uns nachher nicht mehr um das Fleisch gekümmert, Hauptsache, dass wir die Maschinengewehre nach Kiel rein kriegten. Vorher habe ich sie noch ausprobiert an der Böschung bei der Eisenbahn. Die sagten: „Otto, du kannst doch hier neet scheeten.“ Ich sage: „Ich muss erst mal sehen, ob sie auch funktionieren.“ … [in der] Schule in der Legienstraße gegenüber vom Gewerkschaftshaus wurden die postiert.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Und ich weiß noch ganz genau, dass wir mit einer kleinen Truppe in der Kommandantur, Marinestation Ostsee, da sind wir hin und haben da zwei Admiräle – weiß der Teufel mit den Streifen – gefangen gesetzt; eingeschlossen, die Waffen weggenommen. Wir haben gesagt: “Da bleibt ihr erstmal drin!“ Das waren alles Feldsoldaten, die hatten alle noch so ein bisschen „Rosch“. Und denn auf einmal … kamen welche angelaufen, wir sollten die Kommandantur aufgeben. … Da war die Knallerei da schon im Gange an der Kaserne, und dann sollten wir dorthin. … Und dann wurde diese militärische Organisation der Deckoffiziere eingesetzt, dann ging die Schießerei los. Der Fritz Schulz da, der hat auf dem Bauch gelegen unter den Toten, auf der Treppe. … Und dann wurde gefeuert aus allen Rohren. Mit Maschinengewehren kamen die Brüder an und knatterten dazu. Da war ein Haufen Tote.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Insgesamt kamen bei dieser Aktion sechs der KPD nahe stehende Männer ums Leben, von denen fünf auf der Revolutionsanlage auf dem Eichhof beerdigt wurden, das sechste Opfer wurde nach Lichtenberg überführt; vgl. Klaus Kuhl: Opfer von Matrosen-/Arbeiteraufstand 1918, Februarereignissen 1919 und Kapp-Putsch 1920. Kiel 2021. Online zugänglich (aufgerufen am 18. Juni 2022) unter: [http://www.kurkuhl.de/docs/liste_opfer.pdf].&amp;lt;/ref&amp;gt; Wir haben uns, um nicht noch das letzte runter schießen zu lassen, zurückgezogen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;All so’n Krom hebt wi mokt, damals. Aber es war doch so, dass eben die große organisierte Masse der Kieler Arbeiter nicht dabei war. … Das ging ja alles so impulsiv und spontan, hier und dort sammelten sich die Gruppen und machten das. Da war keine Zusammenfassung.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Zum vollständigen Interview: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Kuhl_interview-pressler-novrev_1979.pdf PDF-Datei.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mittelschicht ==&lt;br /&gt;
=== Tagebuch des Ingenieurs Nikolaus Andersen ===&lt;br /&gt;
[[Datei:nikolaus-andersen_undatiert.jpg|150px|thumb|Andersen als junger Mann. Foto: Familienbesitz.]]&lt;br /&gt;
Der Tagebuchschreiber Nicolaus oder Nikolaus Andersen war Beamter des &amp;quot;Bureaus M.K. der Fried. Krupp A.–G., Germaniawerft&amp;quot;. Er war dort hauptsächlich mit dem Ändern technischer Zeichnungen befasst. Die Eltern des Schreibers besaßen damals einen Hof in Rinkenis (heute Rinkenæs, Dänemark), welches 1918 zum Deutschen Reich gehörte. Das in deutscher Schrift verfasste Tagebuch wurde 1980 von Karl Altewolf auf einem Flohmarkt entdeckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszug aus dem Eintrag vom 4. November 1918:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Mittags 3 Uhr waren etwa 200 Mann Infanterie aus Neumünster mit Masch.Gewehr am Bahnhof eingetroffen, sie hielten um 6 [18] Uhr die Eingänge besetzt. Um 9 [21] Uhr waren die Matrosen Herren des Bahnhofes. Die Soldaten aus Neumünster sind jedenfalls abgezogen. Später kommen plötzlich nach lauten Hurrahs die Infant. Rgmt. Nr. 84 [aus Schleswig, siehe auch oben den Bericht von Jonny Pump, der dieser Einheit angehörte] einzeln ohne Waffen aus dem Bahnhof und machten mit den Matrosen gemeinsame Sache. Sie lieferten Gewehre, Munition und Maschinengewehre an die Marine ab. Große Verbrüderung und Hochs auf die Infanterie. Feldgraue Helme wurden weggeworfen, Mützen aufgesetzt und Klamauk gemacht. Später gegen 11 Uhr … Unheimliches Gedränge vor dem Nordportal u. Begeisterung. Hunderte Infanteristen zwischen tausenden Arbeitern, Marines, Zivilisten und – Mädchen und Jungs. Wildes durcheinander befehlen und Klamauk. Alle Marine ist nach und nach bewaffnet.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Um 1 Uhr nach Hause, denn es war kalt. Kaum im Bett, erhebt sich ein mörderliches Schießen. Ich raus. Am Bahnhof menschenleer. Man schießt (angeblich aus dem Hansa-Hotel und zwar von Offizieren) auf die Soldaten. Das Hotel wird erheblich beschossen, desgl. mehre Häuser am Sophienblatt, so Uhrmacher Blunck u. Ecke Lerchenstraße gegenüber auch noch. Als es ruhig, gehe ich durch den Tunnel südl. am Bahnhof entlang. Ein Lastauto kommt Ringstr. u. wird mächtig beschossen von allen Seiten. Leider sind Matrosen die Insassen. Als das Schießen eingestellt ist, findet man einen Obermaat mit Beinschuß und einen Matrosen mit Brustschuß.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Auszüge und Hintergrundinformationen: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Andersen_tagebuch-auszuege_1917-1919.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
Das vollständige Tagebuch mit einer Textanalyse wurde im Peter Lang Verlag veröffentlicht: Klaus Kuhl: Kiel und die Revolution von 1918. Das Tagebuch eines Werftingenieurs, verfasst in den Jahren 1917-1919. Edition und Textanalyse. Berlin 2018 (Kieler Werkstücke Bd. 51). ISBN 978-3-631-75857-1.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Erh. Müller, Beamter einer Kieler Werft ===&lt;br /&gt;
Im Kieler Stadtarchiv ist ein Brief von Erh. Müller, Beamter (damals synonym für Angestellter) einer Kieler Werft an Dora in Zeilitzheim (Ortsteil der Gemeinde Kolitzheim im südlichen Landkreis Schweinfurt in Unterfranken). Zu beiden Personen liegen leider keine weiteren Informationen vor. Müller beschreibt eigene Erlebnisse während der Revolutionszeit.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auszüge:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Diese ersten Schüsse [am Sonntag, 3. November 1918 abends] hörte ich von der Jungmannstraße her deutlich, wie ich auf dem Wege zu Güttlers war. 10 Minuten später wollte ich auch zum Tatplatz eilen, fand aber sämtliche Straßen militärisch besetzt.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Am Montagabend saß ich gerade beim Abendbrot, als ich vom [[Wilhelmplatz|Wilhelmsplatze]] her einen tosenden Lärm vernahm. Ich eilte sofort hin um zu sehen, was es gab, und fand den großen Platz gedrängt voll von Matrosen die dort unter Mitführung von roten Fahnen, die Befreiung von 80 Meuterern feierten und Ansprachen hielten, die meistens in Lärm untergingen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Zum vollständigen Dokument: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Mueller_brief-an-dora_1919.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Auszug aus dem Tagebuch einer 18-jährigen Kielerin ===&lt;br /&gt;
Im Stadtarchiv Kiel liegt ein Tagebuchauszug vor, der von einem vermuteten Nachfahren aus Hamburg zur Verfügung gestellt wurde. Zu den Personen liegen leider keine weiteren Informationen vor. Die 18-jährige beschreibt ihre Erlebnisse während der Revolutionszeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Dann kam die Nacht von Montag auf Dienstag. Da war es schrecklich. Dauernd wurde geschossen. Viele Menschen haben wohl kaum geschlafen. Der darauf folgende Tag war noch ebenso schlimm. Besonders nachmittags wurde unheimlich viel geschossen. Das heisst, das lag zum Teil daran, dass die Leute alte französische Gewehre hatten, die keine Sicherung haben und sehr leicht, oft sogar bei der geringsten Berührung von selbst losgehen. Ausserdem macht es wohl vielen jungen Matrosen Spass, recht viel zu knallen, Löcher in die Luft zu schiessen und die Menschen bange zu machen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum vollständigen Dokument: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Tagebuch_18-jaehrige-kielerin_1918.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Überregionale Persönlichkeiten ==&lt;br /&gt;
===Gustav Noske ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Noske gustav before 1918.png|150px|thumb|right|Gustav Noske vor 1918.]]&lt;br /&gt;
Gustav Noske (1868–1946) war ein bekannter SPD-Reichstagsabgeordneter, der sich auf Militärfragen spezialisiert hatte. Er wurde am 4. November 1918 zusammen mit dem Regierungsmitglied Conrad Haußmann nach Kiel geschickt, um die Lage unter Kontrolle zu bringen. Noske schrieb nach dem Kapp-Putsch 1920 seine Erinnerungen an diese Zeit in dem Buch „Von Kiel bis Kapp“ nieder.&amp;lt;ref&amp;gt;Gustav Noske: Von Kiel bis Kapp. Zur Geschichte der deutschen Revolution. Berlin 1920. Online zugänglich (aufgerufen am 31. Juli 2022) unter: [https://portal.dnb.de/bookviewer/view/1131562372#page/n6/mode/1up].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auszüge (S. 23 f.):&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Als mittags die Vertrauensleute der verschiedenen Formationen sich im Saal der Station einfanden, um mit mir die Lage zu besprechen, […] musste der Versuch gemacht werden, sobald wie möglich wieder zu einem ordnungsmäßigen Zustand zurückzugelangen. Ich schilderte den Leuten die Sachlage, so wie sie mir erschien und besprach […] den entsetzlichen Zustand, in dem sich unser Volk […] befinde und leitete dann […] dazu über, unter welchen etwaigen Voraussetzungen der Kieler Meuterei, die ich persönlich aufs schärfste verurteilte, ein Ende zu machen sei. Daß politische Reformen, für die man sich erhoben habe, erfüllt würden, sei selbstverständlich. Über eine Amnestie werde die Regierung mit sich reden lassen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Meine Darlegungen machten auf die Leute sichtlich tiefen Eindruck. Artelt, der dazwischen fahren wollte, erhielt von mir einen Dämpfer. Die Reichstagsabgeordneten Hoff und Dr. Struwe, […] haben mir später wiederholt versichert, daß sie niemals eindrucksvollere Darlegungen gehört hätten. Eine Diskussion ließ ich nicht zu, sondern riet den Leuten, mit ihren Kameraden das Gehörte durchzusprechen und dann die Schlußfolgerung in einer großen Vertrauensmännerversammlung zu ziehen, die gegen Abend stattfinden sollte. &#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In der Versammlung im Schloßhof am späten Nachmittag […] es waren an tausend Mann anwesend. […] Redner wurden mitten in ihren Ausführungen […] unterbrochen und [es] redete ein anderer [...] drauf los. [...] Nach ein paar Stunden bekam ein beträchtlicher Teil die Sache satt und ging davon. Schließlich wurde die Versammlung ohne Resultat geschlossen. &#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Zeitnahe Berichte in der SPD-Zeitung und von Lothar Popp zeichnen jedoch ein anderes Bild. Popp schreibt: „ […] gab Abgeordneter Noske die Bedingungen der Regierung [für den Abbruch des Aufstands] bekannt. […] Noske gab zu bedenken, dass die Bewegung zwar in Kiel gesiegt habe, dass aber, da sie isoliert sei, ihr doch große Gefahren drohen, […] Der Vorsitzende des Arbeiterrats Garbe [SPD] und ich führten aus, dass wir doch noch Zeit haben zu warten […] Nicht die Regierung hat Bedingungen zu stellen, sondern wir. Es wurde dann einstimmig beschlossen, das Angebot abzulehnen. Es wurde dann der Antrag gestellt, da anscheinend Haase oder Dr. Cohn verhindert würden, nach hier zu kommen, einen anderen Vertreter der Unabhängigen [Popp] an die Seite Noskes [dem vorläufigem Vorsitzenden der Soldatenräte] zu stellen, um die Parität zu wahren. Dem wurde zugestimmt und die Wahl vollzogen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Popp/Arterlt, Ursprung, S. III-25.&amp;lt;/ref&amp;gt; Am folgenden Tag hatte Popp die Soldatenräte neu organisiert. Es wurde der Oberste Soldatenrat gebildet, zu dessen Vorsitzenden Popp gewählt wurde. Noske ersetzte den Gouverneur Admiral Souchon.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references group=&amp;quot;A&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:1911-1920]] [[Kategorie:Erster Weltkrieg]] [[Kategorie:Kieler Arbeiter- und Matrosenaufstand]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Klaus Kuhl</name></author>
	</entry>
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		<updated>2024-10-01T14:24:33Z</updated>

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&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;=={{int:filedesc}}==&lt;br /&gt;
{{Information&lt;br /&gt;
|description={{de|1=Tagebuch und Briefe des Matrosen Josef Gerding 1917-1918.}}&lt;br /&gt;
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=={{int:license-header}}==&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
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		<author><name>Klaus Kuhl</name></author>
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&lt;div&gt;=={{int:filedesc}}==&lt;br /&gt;
{{Information&lt;br /&gt;
|description={{de|1=Josef Gerding, Matrose auf SMS &amp;quot;Westfalen&amp;quot; ca. 1917. Fotograf unbekannt, Familienbesitz. Familie hat der Veröffentlichung zugestimmt.}}&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
=={{int:license-header}}==&lt;br /&gt;
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		<author><name>Klaus Kuhl</name></author>
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		<id>https://kiel-wiki.de/index.php?title=Kieler_Arbeiter-_und_Soldatenr%C3%A4te&amp;diff=64399</id>
		<title>Kieler Arbeiter- und Soldatenräte</title>
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		<updated>2024-09-29T12:37:03Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Klaus Kuhl: Ernennungsurkunde&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Obwohl der Begriff &#039;&#039;&#039;Arbeiter- und Soldatenrat&#039;&#039;&#039; auch in Kiel benutzt wurde, gab es hier streng genommen keine gemeinsame Räteorganisation der Arbeiterschaft und der Soldaten. Im Folgenden wird die Entwicklung der Kieler Räte beschrieben und – soweit bekannt – werden die Mitglieder vorgestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Arbeiterrat im Januar 1918 ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Lothar_popp_mid-1920s.jpg|thumb|Passfoto Lothar Popp, aufgenommen vermutlich Mitte der 1920er-Jahre, Hamburger Staasarchiv.]] Ein erster Arbeiterrat wurde anlässlich der reichsweiten Januarstreiks 1918 gegründet, die in Kiel ihren Anfang nahmen und auf die österreichischen Jännerstreiks folgten. [[Zeitzeugen_Matrosen%E2%80%93_und_Arbeiteraufstand_1918/1919#Lothar_Popp|Lothar Popp]] (USPD) wurde per Akklamation auf dem [[Wilhelmplatz]] in einer Versammlung der Streikenden zum Vorsitzenden bestimmt. Ziel war es, die deutsche Oberste Heeresleitung daran zu hindern, von Russland, das aus dem Krieg ausschied, große territoriale und finanzielle Zugeständnisse zu erpressen. Die Streikenden sahen dadurch den Friedensschluss gefährdet. In Kiel wurde eine entsprechende Resolution verabschiedet, die an die deutsche Regierung geschickt wurde. Popp schrieb: „Wir hatten auf dem Wilhelmplatz zunächst einmal als Grundstock des Arbeiterrates 10 Kollegen der Germania-Werft gewählt, die übrigen Betriebe sollten (was nachher auch geschah), die weiteren Wahlen unter sich vornehmen. Uns leitete der Gedanke, daß der Arbeiterrat […] geeignet erscheine, die Interessen der Arbeiter zu vertreten, ohne durch den Parteienstreit in seiner Tätigkeit beengt zu sein.“&amp;lt;ref&amp;gt;Lothar Popp unter Mitarbeit von Karl Artelt: &#039;&#039;Ursprung und Entwicklung der November-Revolution 1918. Wie die deutsche Republik entstand.&#039;&#039; Kiel 1918 (Reprint als Sonderveröffentlichung der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Band 15), S. III 1–30, hier S. III 7. Im Jahr 2020 leicht gekürzt und kommentiert veröffentlicht in: IG Metall Bezirksleitung Küste (Hrsg.): &#039;&#039;Matrosenaufstand und Novemberrevolution 1918.&#039;&#039; Hamburg 2020, S. 96–115.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist unklar, ob die Organisation längerfristig existierte, weil Popp und zwei weitere USPD-Führer (Heinrich Strunk und Emil Theil) verhaftet und zu teils mehrjährigen Gefängnisstrafen verurteilt wurden. Popp musste zwei Monate in Neumünster einsitzen.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Es gibt nur einen weiteren Hinweis, dass diese Räte länger Bestand gehabt haben könnten: Julius Bredenbeck, damals 11 Jahre alt, aber durch Vater und Onkel bereits gut über die Arbeiterbewegung orientiert, sagte in einem 1989 geführten Interview: „In einzelnen Betrieben gab es schon Arbeiterräte, die sich selbst gebildet hatten, ohne Rechtsgrundlage, einfach aufgrund der Stärke der Organisation. Die zum Teil also auch mit sehr großem revolutionärem Pathos an die Arbeit gingen. In anderen Betrieben waren auch Arbeiterräte, die aber mehr daran interessiert waren, notwendige Dinge, Schwierigkeiten in der Versorgung mit Lebensmitteln usw. weitgehend mit zu steuern. Man kann nicht sagen, dass es eine einheitliche Stimmung gab. Das wurde anders als damals die Matrosen Befehlsverweigerung machten. […] Da war eine allgemeine Solidarität in der gesamte Kieler Arbeiterschaft feststellbar“. Popp selbst gibt in einem Interview mit Dirk Dähnhardt an, der erste Arbeiterrat habe sich aufgelöst (vgl. Klaus Kuhl: &#039;&#039;Lothar Popp – Führer des Kieler Matrosenaufstands 1918 im Streitgespräch mit einem 68er. Interviews mit Lothar Popp.&#039;&#039; Kiel/Hamburg 1970–1978, S. 42. Online zugänglich (aufgerufen am 26. September 2024) unter: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:kuhl_streitgespraech-m-l-popp_1978_plus-weitere-interv-u-gespraeche.pdf]). Eventuell liegt bei Bredenbeck eine Verwechselung mit den Arbeiterausschüssen nach dem Hilfsdienstgesetz vom Dezember 1916 vor.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Im November 1918 übernehmen die Räte die Kontrolle ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Artelt and comrades Kiel-Wik 1914.jpg|mini|Karl Artelt ganz links als Angehöriger der I. Werft-Division, (Ausschnittsvergrößerung rechts), gemeinsam mit Kameraden der I. Torpedo-Division in Kiel-Wik, September 1914]]. Im Verlauf des Kieler Matrosenaufstands entstand dann zuerst im Kasernengelände der Wik am 4. November 1918 ein Soldatenrat, zu dessen Vorsitzenden Oberheizer [[Zeitzeugen_Matrosen%E2%80%93_und_Arbeiteraufstand_1918/1919#Karl_Artelt|Karl Artelt]] (USPD) gewählt wurde. In der Popp/Artelt Broschüre heißt es dazu: „Nachdem Kamerad Artelt und T[h]ümmel zur Wahl von Soldatenräten aufgefordert hatte, vollzog sich die Wahl kompagnieweise. Jede Kompagnie wählte vier Soldatenräte. […] Die erste Soldatenratssitzung in ganz Deutschland tagte im Speisesaal am Montag, den 4 November. Kamerad Artelt wurde als erster, Kamerad Ehle als zweiter Vorsitzender gewählt.“&amp;lt;ref&amp;gt;Popp/Artelt, Ursprung, S. III 16.&amp;lt;/ref&amp;gt; Als weitere Mitglieder konnten bisher festgestellt werden: [[Zeitzeugen_Matrosen%E2%80%93_und_Arbeiteraufstand_1918/1919#Fritz_Fischer|Matrose Fritz Fischer]], Heizer Schaaf – diese gehörten zur ersten Verhandlungsdelegation beim Gouverneur – und vermutlich noch Matrose Erich Thümmel&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;In der SHVZ Jahrgang 1957 (genaues Datum unbekannt) wurde ein Nachruf auf Thümmel veröffentlicht, nachdem dieser im Alter von 64 Jahren verstorben war. Dort heißt es u.&amp;amp;nbsp;a., dass beim Kieler Aufstand „…ein riesiger, schwarzhaariger Torpedobootmatrose mit buschigen Augenbrauen eine führende Rolle [spielte]. Oftmals stand er auf dem großen Kandelaber auf dem Wilhelmplatz und sprach zu den zahlreich versammelten. Schon bald bekam er den Spitznamen ‚Der rote Matrose’. … Bereits lange vor 1918 stand er im Vordergrund der revolutionären Bewegung und auch nach 1945 sah man ihn alljährlich bei der Kranzniederlegung an den Gräbern seiner gefallenen Kameraden der Revolution und des Abwehrkampfes gegen den Kapp-Putsch.“ Thümmel wurde Mitglied des Obersten Soldatenrats. Im Januar 1919 übte er vorsichtige Kritik am Verhalten der inzwischen von den Deckoffizieren dominierten Sicherheitstruppe des Soldatenrats gegenüber einer Arbeitslosenaktion vor und im Rathaus (vgl. OSR: Bekanntmachung. In: Republik, 17. Januar 1919). Im Jahr 1920 war er vermutlich bei der Sicherheitspolizei, wo er sich gegen den Kapp-Putsch engagierte (vgl. Bericht des Sipo-Leutnants Kemsies: Das Verhalten der Sicherheitspolizei Kiel gegenüber der Militärrevolte. 9. April 1920. LAS 301 4458. Online zugänglich (aufgerufen am 26. September 2024) unter: [http://www.kurkuhl.de/docs/sipo_kemsies_arbeiterwehr.pdf]). Von 1938 bis kurz vor seinem Tod war Thümmel Lagermeister des Hansa-Speichers der Schleswig-Holsteinischen landwirtschaftlichen Hauptgenossenschaft.&amp;lt;/ref&amp;gt;(SPD). Zu ihren Forderungen gehörte u.&amp;amp;nbsp;a.: Abdankung des Hohenzollernhauses und die Einführung des allgemeinen, gleichen und geheimen Wahlrechts für beide Geschlechter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kurz darauf entstanden in fast allen militärischen Einheiten ebenfalls Soldatenräte, ohne dass jedoch eine klare Struktur erkennbar gewesen wäre. Sie etablierten sich als direkte Machtorgane der Soldaten anstelle der Offiziere.&amp;lt;ref&amp;gt;Wolfram Wette: Interview von Klaus Kuhl und Kay Gerdes. Freiburg 2016. In: Klaus Kuhl und Kay Gerdes: Begleitheft für den Dokumentarfilm „In Kiel ist Revolution!“ Kiel 2018, S. 52–60, hier S. 54. Online zugänglich (aufgerufen am 31. August 2024) unter: [http://www.kurkuhl.de/docs/begleitheft_dokufilm-in-kiel-ist-revolution_gerdes-kuhl_2018.pdf].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur wenig später fanden sich Aktivisten der Soldaten im Gewerkschaftshaus zusammen und berieten über die weiteren Schritte. Dabei entstanden festere Gruppen, die sich insbesondere um eine Verteidigung der Stadt gegen von auswärts, zur Niederschlagung des Aufstands, entsandte Truppen kümmerten. So berichtete Popp, als er am frühen Morgen des 5. November von der Verhandlung beim Gouverneur ins Gewerkschaftshaus zurückkam, dass „… es schnell [gelang] eine gewisse Einteilung und ein bestimmtes Kommando zu schaffen. In einigen der Zimmer und Bureaus hatte sich der Soldatenrat niedergelassen, der unverzüglich seine Arbeit begann.“&amp;lt;ref&amp;gt;Popp/Artelt, Ursprung, S. III 19.&amp;lt;/ref&amp;gt; Es wurden Passierscheine ausgegeben, um die Bewegungsfreiheit der Offiziere einzuschränken. Flug-Obermaat Nikolaus Goßrau&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Goßrau entwickelte in den Folgetagen die ehrgeizige Idee, sich als rechte Hand Noskes über den Soldatenrat zu stellen. Er setzte sich damit zwischen alle Stühle und ließ sich am 14. November 1918 in ein Lazarett einweisen. Vgl. Klaus Kuhl: Die Ereignisse am 6. November 1918 in Kiel. Kiel 2010. Online zugänglich (aufgerufen am 14. September 2024) unter: [http://www.kurkuhl.de/docs/ereignisse_06-11-1918.pdf].&amp;lt;/ref&amp;gt; begann im Auftrag der Räte mit dem Aufbau eines zentral organisierten Sicherheitsdienstes.&amp;lt;ref&amp;gt;Martin Rackwitz: &#039;&#039;Kiel 1918. Revolution, Aufbruch zu Demokratie und Republik.&#039;&#039; Kiel 2018, S. 114.&amp;lt;/ref&amp;gt; In den Reihen dieser locker strukturierten Soldatenräte genoss Karl Artelt, wie Goßrau andeutet, eine besondere Autorität, weil er die Entwicklung im Militär maßgeblich und mutig vorangetrieben hatte.&amp;lt;ref&amp;gt;Flug-Obermaat Nikolaus Goßrau: Privatakten betr. Revolution 1918. BArch RM 8/1024, Bl. 22.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als weitere Mitglieder dieser frühen, sich im Gewerkschaftshaus zusammenfindenden Soldatenräte, nennt Goßrau sich selbst sowie die Kameraden Braune,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Auch Lothar Popp erwähnt Braune in späteren Interviews: In der entscheidenden Nacht hätten er und „ein gewisser Braune …, (der Braune lebt bei Kiel irgendwo)“ nachts im Stationsgebäude gesessen und Telefonanrufe beantwortet. „Da waren noch welche, wo ich geschwitzt habe dabei.“ Klaus Kuhl: Interviews mit Lothar Popp. Kiel/Hamburg 1970–1978, S. 20, 44 und 60. Online zugänglich (aufgerufen am 15. September 2024) unter: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:kuhl_streitgespraech-m-l-popp_1978_plus-weitere-interv-u-gespraeche.pdf PDF].&amp;lt;/ref&amp;gt; Starke, Hackmann, Falk (Hackmann und Falk konnten nach Aussagen Goßraus über die I., V. und XVII. Halbflottille verfügen), Oberheizer Ruffert,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;In den Popp-Interviews wird, ohne nähere Informationen, der Name Düffert mit Fragezeichen erwähnt. Eventuell handelt es sich hier um dieselbe Person. Vgl. Kuhl, Interviews Popp, S. 42.&amp;lt;/ref&amp;gt; Barghahn und den Matrosen Petersen (Theodor).&amp;lt;ref&amp;gt;Goßrau, Bericht, Bl. 22.&amp;lt;/ref&amp;gt; In einem Bericht des Kommandanten der &#039;&#039;Westfalen&#039;&#039;, Kapitän zur See Max Loesch, wird ein Obermaat Brandt erwähnt, der im Gewerkschaftshaus als Ansprechpartner für Schiffsbesatzungen fungiert habe.&amp;lt;ref&amp;gt;Max Loesch, Kapitän zur See: Vorgänge an Bord (Kiel). Handschriftlicher Bericht 4. und 5. November 1918. BArch RM 31/2373, Bl. 130–133.&amp;lt;/ref&amp;gt; In einem 1958 vermutlich auf Anforderung der SED erstellten Bericht, beschreibt der damalige Unteroffizier Paul Sahnwaldt, dass er dem Soldatenrat der Matrosen-Division angehört hätte.&amp;lt;ref&amp;gt;Paul Sahnwaldt: Der Matrosenaufstand in Kiel 1918. Typoskript 1957. Bundesarchiv, SAPMO, SgY 30/0797, S. 4–8.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Etwa zwei Stunden nach den Soldaten trafen sich auch die Obleute und Vertrauensleute der Betriebe in demselben Saal im Gewerkschaftshaus und beschlossen den Generalstreik zur Unterstützung der Bewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:14 Kieler Punkte.jpg|mini|Die 14 Kieler Punkte in der &#039;&#039;Schleswig-Holsteinischen Volkszeitung (SHVZ)&#039;&#039;]]&lt;br /&gt;
Um 22 Uhr fand eine nochmalige Beratung im Gewerkschaftshaus statt. Circa 40 Vertrauensleute verschiedener Schiffe und Formationen sowie sechs Arbeiter kamen zusammen und verabschiedeten schließlich die bekannten Kieler 14 Punkte, die vielen Räten in ganz Deutschland als Richtschnur dienten.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Popp/Artelt, Ursprung, S. III-21.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dänhardt sieht in der politischen Kurzsichtigkeit, die in diesem Katalog zum Ausdruck kommt, eine wesentliche Ursache, dass die Soldatenräte nach ca. sechs Monaten wieder abgeschafft werden konnten.&amp;lt;ref&amp;gt;Dirk Dähnhardt: &#039;&#039;Revolution in Kiel. Der Übergang vom Kaiserreich zur Weimarer Republik 1918/19.&#039;&#039; Neumünster 1978, S. 89–93.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:gustav_garbe.jpg|150px|mini|Foto Gustav Garbes aus dem Kieler Gewerkschaftshaus, aufgenommen vermutlich in den 1920er-Jahren.]] Am frühen Morgen des folgenden Tages (5. November 1918) bildete sich ein Arbeiterrat aus den Obleuten der Großbetriebe, vierzehn Vorstandsmitgliedern beider sozialdemokratischer Parteien und dem Vorsitzenden des Kieler Gewerkschaftskartells Garbe. Letzterer wurde zum Vorsitzenden gewählt.&amp;lt;ref&amp;gt;Popp/Artelt, Ursprung, S. III-21–23.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Untersuchungen Dirk Dähnhardts bestand der Arbeiterrat aus den folgenden Personen:&amp;lt;ref&amp;gt;Dirk Dähnhardt: Brief an Gundula. Freiburg, 18. Oktober 1975. Wissenschaftlicher Nachlass, StAK Sign. 65496. Die Charakterisierung als „Obleute“ wurde nicht von Dähnhardt vorgenommen, ergibt sich aber daraus, dass SPD und USPD nur jeweils sieben Personen entsandten. Bei der Feststellung der Parteizugehörigkeit wurde Dähnhardt von Gertrud Völcker und Heinrich Bohnsack unterstützt; vgl. Dähnhardt, Revolution, S. 92 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Obleute der Großbetriebe (15, von den meisten ist die Parteizugehörigkeit nicht bekannt, jedoch dürfte die Mehrheit der SPD zuzurechnen sein): Heinrich Bohnsack,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Bohnsack wurde 1893 geboren, war im Ersten Weltkrieg Soldat, war später DMV-Sekretär, kam während der Nazi-Zeit in das Vorläufer KZ Lichtenberg und emigrierte anschließend nach Schweden. Nach seiner Rückkehr war er 1950–1954 Bezirksleiter der IG-Metall Küste. Vgl. Thomas Pusch: &#039;&#039;Politisches Exil als Migrationsgeschichte. Schleswig-Holsteiner EmigrantInnen und das skandinavische Exil 1933–1960.&#039;&#039; Dissertation vorgelegt an der Universität Flensburg 2003. Online zugänglich (aufgerufen am 16. September 2024) unter: [https://www.zhb-flensburg.de/?id=16381].&amp;lt;/ref&amp;gt; Fiebig, Glup, Jatow, Kazda, Krause, Künzel, Küpel, Wilhelm Leopold,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Von 1920 bis 1933 Erster Bevollmächtigter des Kieler Metallarbeiterverbands (DMV).&amp;lt;/ref&amp;gt; Neumann, Rehle, Huß (SPD), Lintzel (SPD), Wiese (USPD), Eduard Wolke (SPD).&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Wolke stiftete später zusammen mit Karl Edler den Gedenkstein für die Revolutionsopfer auf dem Eichhof-Friedhof; vgl. Johannes Rosenplänter: &#039;&#039;Zur Entstehung der ‚Ruhestätte der Opfer der Revolution‘ auf dem Kieler Eichhoffriedhof 1918–1924. Ein Werk des Landschaftsarchitekten Leberecht Migge&#039;&#039;. In: Rolf Fischer (Hrsg.): Revolution und Revolutionsforschung – Beiträge aus dem Kieler Initiativkreis 1918/19. Kiel 2011, S. 101−110, hier S. 105.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Vorstandsmitglieder der SPD (7): Balleng, Beckmann, Bindemann, August Biskupek,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Autoren der SPD Geschichtswerkstatt: August Biskupek. SPD-Geschichtswerkstatt. Online zugänglich (Permanentlink aufgerufen am 16. September 2024) unter: [https://www.spd-geschichtswerkstatt.de/index.php?title=August_Biskupek&amp;amp;oldid=55089].&amp;lt;/ref&amp;gt; [[Zeitzeugen_Matrosen%E2%80%93_und_Arbeiteraufstand_1918/1919#Karl_Edler|Karl Edler]], Fröhlich, Peter Hillbrecht.&lt;br /&gt;
* Vorstandsmitglieder der USPD (7): J. Classen (auch Claßen), Cords, Krogmann, Max Spretke, Springer, Wiechert, Zinser.&lt;br /&gt;
* Vorsitzender des Gewerkschaftskartells: [[Zeitzeugen_Matrosen–_und_Arbeiteraufstand_1918/1919#Gustav_Garbe|Gustav Garbe]] (SPD). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem sich die Macht der Räte im Laufe des 5. November konsolidierte, richtete sich der Blick auch auf weitere drängende Fragen, wie Sicherung der Nahrungsmittelversorgung und Zahlung der Löhnung. Hier bot Gustav Noske, der sich seit dem Vorabend in Kiel befand und an den Verhandlungen teilgenommen hatte, Unterstützung für die Bewegung an, allerdings in der unausgesprochenen Absicht, ihre Ausbreitung zu verhindern. In einer Absprache mit den USPD-dominierten Aktivisten wurde Noskes Angebot angenommen. Dies geschah unter der Bedingung, dass es sich um eine vorläufige Maßnahme handele und dass erst dann weitere politische Entscheidungen getroffen würden, wenn ein mit Noske vergleichbares politisches Schwergewicht der USPD aus Berlin, etwa Hugo Haase&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Hugo Haase (1863–1919), Jurist, war von 1911 bis 1916 einer der beiden Vorsitzenden der SPD, und von 1912 bis 1916 einer der beiden Fraktionsvorsitzenden der SPD im Reichstag. Als Gegner der Kriegspolitik der Mehrheit des SPD-Vorstands aus Fraktion und Partei ausgeschlossen, gründete er 1917 die USPD und war deren Vorsitzender bis 1919. Im November/Dezember 1918 war er gleichberechtigter Vorsitzender mit Friedrich Ebert im Rat der Volksbeauftragten. Er starb im November 1919 an den Folgen eines Attentats.&amp;lt;/ref&amp;gt; eingetroffen wäre. Noske wurde dann per Akklamation auf einer großen Versammlung auf dem Wilhelmplatz zum vorläufigen Vorsitzen der Soldatenräte bestimmt. Seine Aufrufe wurden von Karl Artelt mitunterzeichnet. Anordnungen mussten neben Noskes Unterschrift auch die eines weiteren Soldatenrats-Mitglieds tragen. &lt;br /&gt;
[[Datei:Beschlüsse Soldatenrat Kiel 1918.jpg|mini|Beschlüsse des Soldatenrats vom 5. November 1918]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei wurde inzwischen auch vom Großen Soldatenrat gesprochen, die Zusammenfassung der Räte hatte Fortschritte gemacht, hatte allerdings nach wie vor keine autorisierte Basis, denn Noske wählte hier nach seinem Bekunden im Stationsgebäude nach Gutdünken einen sieben- oder neuenköpfigen Aktionsausschuss aus einer Schar von 50–60 Anwesenden von verschiedenen Schiffen oder Formationen. Von diesen hätte sich ein Großteil als „Versager“ entpuppt.&amp;lt;ref&amp;gt;Gustav Noske: &#039;&#039;Von Kiel bis Kapp. Zur Geschichte der deutschen Revolution.&#039;&#039; Berlin 1920, S. 19 ([https://portal.dnb.de/bookviewer/view/1131562372#page/n6/mode/1up Digitalisat]).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Arbeiterrat ging sofort daran, mittels so genannter Beigeordneter die Zivilverwaltung zu kontrollieren. Den Beigeordneten mussten alle wichtigen Vorgänge vorgelegt werden, und sie konnten in die Entscheidungen eingreifen.&amp;lt;ref&amp;gt;Eine Liste der Beigeordneten findet sich in der Schleswig-HolsteinischenVolks-Zeitung (SHVZ) vom 12. Dezember 1918 (hier nach einer handschriftlichen Aufzeichnung von Dirk Dähnhardt „Beigeordnete für amtliche Stellen“, in seinem wissenschaftlichen Nachlass (Akte 3, Hefter 1), StAK Sign. 65496.&amp;lt;/ref&amp;gt; Als erstes fertigte Garbe eine handgeschriebene Ernennungsurkunde für [[Eduard Adler]] aus. Adler wurde abgestellt, den erzkonservativen Oberbürgermeister [[Paul Lindemann]], der später auch den Kapp-Putsch unterstützte, zu kontrollieren. [[Datei:Garbe ernennung-beigeordneter-adler 1918.jpg|thumb|Ernennungsurkunde für den Beigeordneten Eduard Adler (Vorder- und Rückseite), Stadtarchiv Kiel, Sign. 21392.]] Am 11. November 1918 wurde Adler durch den Stadtverordneten August Biskupek (ebenfalls SPD) ersetzt (Letzterer wiederum wurde aufgrund von Krankheit am 13. Februar 1919 durch den Stadtverordneten Hermann Adam abgelöst).&amp;lt;ref&amp;gt;Rackwitz, Kiel 1918, S. 279 f. Zu Adam vgl.: Autoren der SPD Geschichtswerkstatt: Hermann Adam. In: SPD-Geschichtswerkstatt wiki. Online zugänglich (aufgerufen am 16. September 2024) unter: [https://www.spd-geschichtswerkstatt.de/wiki/Hermann_Adam]. &amp;lt;/ref&amp;gt; Adler wurde zusammen mit Paul Greß (auch Gress)&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Autoren der SPD-Geschichtswerkstatt: Paul Gress. In: SPD-Geschichtswerkstatt-Wiki. Online zugänglich (aufgerufen am 2. September 2024) unter: [https://www.spd-geschichtswerkstatt.de/wiki/Paul_Gress].&amp;lt;/ref&amp;gt; Beigeordneter beim Regierungspräsidenten in Schleswig. Auch der Oberpräsident für Schleswig-Holstein, der damals seinen Sitz in Kiel hatte, erhielt einen Beigeordneten des Arbeiterrats. Eingesetzt wurde Heinrich Kürbis (SPD).&amp;lt;ref&amp;gt;Wikipedia-AutorInnen: Heinrich Kürbis. In: Wikipedia – Die freie Enzyklopädie. Online zugänglich (aufgerufen am 3. September 2024) unter: [https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Heinrich_K%C3%BCrbis&amp;amp;oldid=215560106].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Polizeipräsidenten übernahmen Friedrich Brodthuhn (SPD)&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Autoren der SPD Geschichtswerkstatt: Sozialdemokratischer Verein Groß-Kiel - Stadtverordnete. In: SPD-Geschichtswerkstatt wiki. Online zugänglich (aufgerufen am 16. September 2024) unter: [https://www.spd-geschichtswerkstatt.de/wiki/Sozialdemokratischer_Verein_Gro%C3%9F-Kiel_-_Stadtverordnete].&amp;lt;/ref&amp;gt; und Wilhelm Schweizer (USPD, später SPD)&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Autoren der SPD Geschichtswerkstatt: Wilhelm Schweizer. In: SPD-Geschichtswerkstatt wiki. Online zugänglich (aufgerufen am 16. September 2024) unter: [https://www.spd-geschichtswerkstatt.de/wiki/Wilhelm_Schweizer].&amp;lt;/ref&amp;gt; die Kontrolle; bei der städtischen Polizei Wilhelm Leopold (SPD). Zum Post- und Telegraphenamt wurde der später von der SPD zur USPD übergetretene Postinspektor Bertold Brandt&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Rolf Fischer: &#039;&#039;Mit uns die neue Zeit! Kiels Sozialdemokratie im Kaiserreich und in der Revolution.&#039;&#039; Kiel 2013 (Geschichte der Kieler Sozialdemokratie Band 2), S. 187–190. Zum Übertritt zur USPD vgl. die USPD-Zeitung „Republik“ vom 3. April 1920.&amp;lt;/ref&amp;gt; abgeordnet. Das Provinzial-Schulkollegium wurde von Dr. Hermann Weller kontrolliert.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Studienrat Hermann Weller, später Stadtverordneter SPD, spielte eine herausgehobene Rolle neben Dr. Hermann Heller und Professor Gustav Radbruch beim Kapp-Putsch in Kiel. Vgl. Dirk Dähnhardt und Gerhard Granier (Hrsg.): &#039;&#039;Der Kapp-Putsch in Kiel. Eine Dokumentation zum 60. Jahrestag der Märzereignisse von 1920.&#039;&#039; Kiel 1980 (Mitteilungen der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Band 66), S. 148.&amp;lt;/ref&amp;gt; Weitere Beigeordnete waren für die Gewerbe-Inspektion: Jatow, und für den Landeshauptmann: Albert Billian.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Autoren der SPD Geschichtswerkstatt: Albert Billian. In: SPD-Geschichtswerkstatt wiki. Online zugänglich (aufgerufen am 16. September 2024) unter: [https://www.spd-geschichtswerkstatt.de/wiki/Albert_Billian]. In Preußen war der Landeshauptmann der vom Provinziallandtag gewählte höchste Beamte eines Provinzialverbands. Er leitete die provinziale Selbstverwaltung, während der vom König ernannte Oberpräsident die Vorbehaltsrechte der Zentralregierung wahrnahm.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Peter Hillbrecht (SPD), Metallarbeiter und nach Garbe Vorsitzender des Kieler Arbeiterrats und später des Volksrats für Schleswig-Holstein, sah in einer Rückschau einen großen Mangel darin, dass man es versäumt habe, Beigeordnete für die Justiz zu stellen. Dadurch hätte man „unendlich viel an reaktionären Bestrebungen [hintanhalten]“ können.&amp;lt;ref&amp;gt;Peter Hillbrecht: Der Volksrat von Schleswig-Holstein. In: Schleswig-Holsteinische Volks-Zeitung (SHVZ), 5. November 1918, S. 2 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Über Hillbrecht ist nur wenig bekannt. Sabine Roß schreibt in ihrem biografischen Handbuch der Reichsrätekongresse 1918/19 (Hillbrecht war ebenfalls Delegierter für Schleswig-Holstein): Hillbrecht wurde am 23. April 1884 in Spliedtsdorf bei Grimmen (Prov. Pommern) geboren, war von Beruf Torpedoschlosser und seit Juni 1921 Angestellter im Eisenbahnerverband. Im selben Jahr meldete er sich nach Köln ab. Sabine Roß (spätere Kuder): &#039;&#039;Biographisches Handbuch der Reichsrätekongresse 1918/19&#039;&#039;. Düsseldorf 2000 (Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien Bd. 11). Andreas Zimmer erwähnt einen Peter Hillbrecht (SPD) als Mitglied der Landesleitung des Kulturbunds zur demokratischen Erneuerung Deutschlands in der SBZ/DDR, bei dem es sich evtl. um den hier besprochenen Kieler Vertreter handeln könnte: Andreas Zimmer: Der Kulturbund in der SBZ und in der DDR. Eine Ostdeutsche Kulturvereinigung im Wandel der Zeit zwischen 1945 und 1990. 2013 an der Fakultät für Sozialwissenschaften und Philosophie der Universität Leipzig als Dissertation angenommen. Online zugänglich (aufgerufen am 14. Januar 2023) unter: [https://vdoc.pub/documents/der-kulturbund-in-der-sbz-und-in-der-ddr-eine-ostdeutsche-kulturvereinigung-im-wandel-der-zeit-zwischen-1945-und-1990-3n3pm0s03hdg].&amp;lt;/ref&amp;gt; Nach einer Meldung in der Schleswig-Holsteinischen Volks-Zeitung (SHVZ) vom 12. Dezember 1918 war jedoch Professor Otto Opet (1866–1941)&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Otto Opet lehrte seit 1900 als Privatdozent an der Kieler Universität, wo er 1930 zum Ordinarius berufen wurde. Er zählte zu den Wissenschaftlern, deren Abberufung die Kieler Studentenschaft 1933 kategorisch fordert, da er als Jude galt. Als Mitglied des Reichsbanners, der Liga für Menschenrechte und dem republikanischen Klub und der demokratischen (beziehungsweise radikaldemokratischen) Partei war er außerdem politisch engagiert. Unter dem massiven Druck der nationalsozialistischen Anfeindung lässt Opet sich im April 1933 auf &amp;quot;eigenen Antrag&amp;quot; im Alter von 67 Jahren in den Ruhestand versetzen. Vgl. Christian-Albrechts-Universität zu Kiel: Vertriebene Gelehrte. Online zugänglich (aufgerufen am 14. Juli 2024) unter: [https://www.uni-kiel.de/de/universitaet/profil/geschichte-der-universitaet/ns-aufarbeitung/vertriebene-gelehrte].&amp;lt;/ref&amp;gt; der Justiz als Beigeordneter vorgesetzt. Vielleicht lässt sich dieser Widerspruch dadurch erklären, dass Opet als Einzelperson gegenüber der Phalanx der reaktionären Beamtenschaft keinen Effekt erzielen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Ernährungsamt wurde wegen der herausragenden Bedeutung vom Arbeiterrat durch Fiebig und Richter selbst übernommen. Seit den Hungerprotesten 1917 waren die Arbeiter bereits mit einer größeren Gruppe in der städtischen Lebensmittelkommission vertreten und hatten viel Erfahrung sammeln können.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;In der Frühphase der Arbeit im Ernährungsamt erklärte der Dreher Wilhelm Schulz, zu der Zeit (6. November 1918) Vorsitzender des gemeinsamen Ernährungsausschusses von Arbeiter- und Soldatenrat und später als Ernährungskommissar (er war auch Beigeordneter für das Lebensmittellabor) bezeichnet: „Der Arbeiterrat hat einen Ernährungsausschuß in Gemeinschaft mit dem Soldatenrat eingesetzt, […]. Die Regelung der Lebensmittelversorgung der Zivilbevölkerung der Stadt Kiel verbleibt nach wie vor dem Magistrat. Der Ernährungsausschuß wird nur auf Ansuchen des Magistrats eingreifen.“ StAK Sign. 21392. Der „Ernährungskommissar Schulz – Kiel“ gab auf der Konferenz der schleswig-holsteinischen Arbeiter- Soldaten- und Bauern-Räte am 30. März 1919 in Neumünster einen Bericht über seine Tätigkeit; vgl. Anonym: Konferenz der schleswig-holsteinischen Arbeiter- Soldaten- und Bauern-Räte. In: SHVZ, 13. März 1919, S. 1 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur generellen Arbeit der Beigeordneten schreibt Dähnhardt: „Allein im Bereich der Lebensmittelversorgung, die von Anfang an im Mittelpunkt der Tätigkeit des Arbeiterrats stand, konnte dieser eine für die Bevölkerung sichtbare Bedeutung erlangen. Seit Anfang November bot die Lebensmittelversorgung in Kiel keinen Anlaß mehr zu Kritik. Auch Oberbürgermeister Lindemann […] bezeichnete die dem Lebensmittelamt zur Seite gestellten Beigeordneten [im Mai 1919] sogar als &#039;brauchbare Mitarbeiter&#039;, sicherlich ein hohes Lob, wenn man berücksichtigt, dass Lindemann […] ein konsequenter Gegner der Sozialdemokratie war.“&amp;lt;ref&amp;gt;Dähnhardt, Revolution, S. 149.&amp;lt;/ref&amp;gt; Martin Rackwitz kam in seiner umfassenden Darstellung des Kieler Aufstands zu dem Ergebnis, dass die erfahrenen sozialdemokratischen Politiker „ein hohes Maß an kommunalpolitischem Sachverstand“ einbrachten.&amp;lt;ref&amp;gt;Rackwitz, Kiel 1918, S. 190.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz der Konsolidierung des Aufstands in Kiel breitete sich jedoch am 6. November eine große Unsicherheit aus, denn Kiel schien isoliert zu bleiben. Noske unternahm jetzt einen gründlich vorbereiteten Versuch, den Kieler Aufstand zu beenden und damit die alten Verhältnisse wiederherzustellen. Nachmittags fand eine große Massenversammlung von etwa tausend Matrosen, an der auch Vertreter der Arbeiterschaft teilnahmen, im „Schloßhof“ statt, dem heutigen [[Metro-Kino im Schloßhof|metro-Kino]]. Noske hielt seine sorgfältig vorbereitete Rede und beschrieb die großen Schwierigkeiten, vor der die Bewegung stehe. Die Heranschaffung von Lebensmitteln und Geld mache große Probleme, denn Kiel sei isoliert und der Eisenbahnverkehr eingestellt. Er malte ein düsteres Bild und gab dann bekannt, was die Regierung anbieten würde, wenn der Aufstand abgebrochen würde: Straffreiheit für alle Aufständischen, Amnestie für die anlässlich der Marineunruhen 1917 Verurteilten, beschleunigte Herbeiführung des Waffenstillstandes, Beschleunigung der Abdankungsfrage sowie weitere Reformen und Demokratisierung des Staates. Der Vorsitzende des Arbeiterrats Garbe (SPD) und Popp (USPD) sprachen sich dagegen aus. Auch der Redakteur der SHVZ, Bernhard Rausch (SPD)&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Rausch (1887–1981) war Artillerieleutnant an der Westfront und wurde am 1. Oktober 1918 Redakteur der SHVZ in Kiel. Er folgte Noske nach Berlin und wurde dessen politischer Privatsekretär und Referent im Reichswehrministerium, schied 1920 kurz nach Noskes Rücktritt aus und wechselte später zur deutschnationalen Frontsoldaten-Organsation Stahlhelm; vgl. Wolfram Wette: &#039;&#039;Gustav Noske. Eine politische Biographie.&#039;&#039; Düsseldorf 1988, S. 865; sowie Christian Lübcke: &#039;&#039;Ein Versuch zur Demokratisierung der Reichswehr. Bernhard Rauschs Vorschläge für eine Staatsbürgerliche Unterrichtung, 1919-1920. &#039;&#039; In: Andreas Braune, Sebastian Elsbach, Ronny Noak, (Hrsg.): Bildung und Demokratie in der Weimarer Republik. Stuttgart 2022, S. 95-109.&amp;lt;/ref&amp;gt; argumentierte dagegen: Die Bewegung dürfte „… nie in dem Sinne abgebaut werden […], daß etwas von dem aufgegeben würde, was durch sie politisch erreichbar war.“&amp;lt;ref&amp;gt;Bernhard Rausch: &#039;&#039;Am Springquell der Revolution. Die Kieler Matrosenerhebung.&#039;&#039; Kiel 1918 (Reprint als Sonderveröffentlichung der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Bd. 15), S. II 1–31, hier S. II-25.&amp;lt;/ref&amp;gt; In dem Bericht der SHVZ über die Versammlung wurde dies näher erläutert: „Die gegenwärtige schicksalsschwere politische Situation gebietet, dass die entstandenen Machtverhältnisse restlos ausgenützt werden für den politischen und sozialen Fortschritt des Deutschen Reiches. Es gilt das, was im glorreichen Ansturm errungen ist, dauernd zu befestigen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Anonym: Die Lawine im Rollen. In: Schleswig-Holsteinische Volks-Zeitung vom 7. November 1918, S. 1.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noskes Vorschlag wurde nach Angaben Popps einstimmig abgelehnt. Außerdem wurde Popp auf der Versammlung, nachdem der von Berlin entsandte USPD-Vorsitzende Haase Schwierigkeiten hatte, nach Kiel zu gelangen, zum gleichberechtigten Vorsitzenden des Soldatenrats neben Noske bestimmt.&amp;lt;ref&amp;gt;Klaus Kuhl: &#039;&#039;Gustav Garbe – bedeutender Kieler Gewerkschaftsfunktionär, Vorsitzender des Kieler Arbeiterrats und zweimaliger Gouverneur. Mit Vorworten von Frank Hornschu, Geschäftsführer und Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes Kiel Region, und von Stephanie Schmoliner, 1. Bevollmächtigte der IG Metall Kiel-Neumünster.&#039;&#039; Kiel 2023, S. 29–32.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Versammlung verlief teilweise chaotisch, was offenbar mit einer immer noch bestehenden mangelnden Legitimation der Teilnehmer, aufgrund der spontan entstandenen Soldatenräte, zusammen hing. Popp organisierte daraufhin Wahlen von Vertrauensmännern in allen Einheiten, die dann den „Großen Soldatenrat“ wählten, der dann wiederum als Aktionsausschuss am folgenden Tag den Obersten Soldatenrat (OSR) bestimmte. Der OSR, dem auch Karl Artelt angehörte, wählte Lothar Popp zum Vorsitzenden. Weitere Mitglieder waren Maschinistenmaat Ullrich (auch Ulrich), Obermaat Schrader (vom Friedrichsorter Soldatenrat)&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Dirk Dähnhardt gibt eine Äußerung Lothar Popps über Schrader in einem 1975 geführten Gespräch wie folgt wider: „Über die Zusammensetzung des Soldatenrates erinnerte sich Herr Popp nur noch an einen Mann namens Schrader, den er selbst vorgeschlagen hatte, der aber ein &amp;quot;Vollidiot&amp;quot; gewesen sei.“ Kuhl, Popp, S. 44 f. Dähnhardt weist dabei auf eine ähnliche Schilderung Noskes hin. Noske nennt allerdings keine Namen und bezieht sich auf einen Tag vorher. Vgl. Noske, Kiel bis Kapp, S. 19.&amp;lt;/ref&amp;gt; und Obermaat Koch.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Martin Rackwitz erwähnt einen Obermatrosen Koch vom Soldatenrat in Holtenau, der dort die Befehlsgewalt ausgeübt habe. Vgl. Rackwitz, Kiel 1918, S. 181 f. Es bleibt unklar, ob es sich um dieselbe Person handelt.&amp;lt;/ref&amp;gt; Gemäß einer vorher getroffenen Absprache zwischen SPD und USPD übernahm Noske daraufhin das Gouverneursamt von Admiral Wilhelm Souchon.&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhl, Garbe, S. 32.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bereits eine Woche später werden zwei neue Mitglieder des OSR erwähnt, nämlich Robert Pfaff (SPD)&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Pfaff (1881–1940) war außerdem Delegierter auf dem 1. Reichsrätekongress für den Wahlbezirk Schleswig-Holstein und wurde dort als Marinevertreter in den Zentralrat gewählt. Ab 1919 war er kommissarischer Landrat für Rendsburg und dort aktiv an der Niederschlagung des Kapp-Putsches beteiligt, dann Entbindung von diesem Amt. Ab 1924 Inhaber eines Immobiliengeschäfts in Neckargemünd. Vgl. Roß, Reichsrätekongresse. Zur Rolle Pfaffs während des Kapp-Putsches vgl. Klaus Kuhl: &#039;&#039;Abzug des Bataillons Claassen/Detachement Kiel nach dem Kapp-Putsch in Kiel 1920.&#039;&#039; In: Zeitschrift der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte, Band 146 (2021), S. 241–256.&amp;lt;/ref&amp;gt; und Max Hartig,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Hartig, geboren 1887, war Delegierter für den Wahlbezirk Marinestation zum 1. Reichsrätekongress und gehörte zur SPD-Fraktion. Als Wohnort gab er Chemnitz an, und als dortige bisherige Tätigkeit: Sektionsleitung der Modelltischler in Chemnitz. Vgl. Roß, Reichsrätekongresse.&amp;lt;/ref&amp;gt; während Schrader vermutlich ausgeschieden war.&amp;lt;ref&amp;gt;Dähnhardt, Revolution, S. 114 und 136. Schrader wird nur noch einmal von Stabschef Küsel als Teilnehmer bei den Verhandlungen über die Rolle der Offiziere am 8. November erwähnt. Vgl. Klaus Kuhl: &#039;&#039;Gefangen in Überheblichkeit und Engstirnigkeit: Die führenden Seeoffiziere und der Matrosen- und Arbeiteraufstand in Kiel 1918. Die Berichte der Chefs der Marinestation und Gouverneure von Kiel, Admiral Gustav Bachmann und Admiral Wilhelm Souchon sowie ihres Stabschefs Konteradmiral Hans Küsel.&#039;&#039; Kiel 2023, S. 180.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über die Mitglieder des Großen Soldatenrats, die den OSR zu wählen hatten, gibt es bisher nur wenige Informationen: Der Kapitänleutnant Peter Köhler schreibt einem zeitnahen Bericht, dass er selbst zum Soldatenrat auf seinem Wohnschiff &#039;&#039;Nixe&#039;&#039; gewählt wurde und damit Mitglied im Großen Soldatenrat war. Köhler diente bis September 1918 auf dem zum III. Geschwader gehörenden &#039;&#039;Großer Kurfürst&#039;&#039; und war dann dem Artillerieschulschiff &#039;&#039;Kaiserin Augusta&#039;&#039; in Kiel zugeteilt. Er trat für eine Sozialisierung ein, war aber kein Demokrat. Köhler erwähnt auch einen Oberschreiber Haas, der eine bestimmende Rolle im Soldatenrat der I. Werft-Division gespielt hätte.&amp;lt;ref&amp;gt;Kapitänleutnant Peter Köhler: Revolutionsereignisse in Kiel. Typoskript im Nachlass Carl/Karl Hollweg, BArch RM 3/11682, Bl. 198–226. Transkript online zugänglich (aufgerufen am 25. September 2024) unter: [http://www.kurkuhl.de/docs/ereignisse_06-11-1918.pdf].&amp;lt;/ref&amp;gt; Weitere, von Karl Artelt in späteren Berichten erwähnte Mitglieder des Großen Soldatenrats: Torpedobootmatrose Fritz Steinhoff, späterer Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen sowie der U-Bootfahrer Ernst Wollweber, der von 1953 bis 1957 das Staatssekretariat bzw. das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) in der DDR leitete.&amp;lt;ref&amp;gt;Karl Artelt: Zwei Briefe an das Institut für Marxismus-Leninismus beim Zentralkomitee der SED – Abteilung Geschichte der Partei und der deutschen Arbeiterbewegung. Nebra, 15. Dezember 1957 und 12. Februar 1957. Bundesarchiv, SAPMO, SGY 30/0022, Bl. 14–19, hier Bl. 15, 17 und 19.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Regierung in Berlin (bis zum 9. November 1918 noch vom letzten Reichskanzler des Kaiserreichs, Max von Baden, geführt) bestätigte Noske als neuen Gouverneur. Während Popp den Gouverneur als ausführendes Organ des Soldatenrats ansah, mit dem dieser „den Verwaltungsapparat in Bewegung bringen“ könne, betrachtete Noske den Soldatenrat eher als ein Kontrollgremium. In seinem ersten Tagesbefehl, den er zusammen mit dem OSR noch am selben Abend erstellte, hieß es: „Ich bin […] zum Gouverneur gewählt worden […]. Mir zur Seite steht der ‚Oberste Soldatenrat des Befehlsbereichs der Ostseestation’“ &amp;lt;ref&amp;gt;Popp/Artelt, Ursprung, S. III-27 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der OSR schickte dann jeweils einen Vertrauensmann in alle wichtigen militärischen Stellen. Hierbei handelte es sich meistens um Feldwebel.&amp;lt;ref&amp;gt;Rackwitz, Kiel 2018, S. 139 f. Der so genannte Etatmäßige Feldwebel war in der Regel mit dem inneren Dienst und Verwaltungsaufgaben betraut.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die zukünftige Rolle der Offiziere blieb in der Schwebe. Nachdem sich in deren Reihen zunächst eine tiefe Resignation breit gemacht hatte, schöpften die Offiziere wieder Hoffnung, weil Noske signalisiert hatte, dass er auf sie nicht verzichten wollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Inzwischen trafen auch Nachrichten von der raschen Ausbreitung der Revolution ein. Noske kam nun zu der Überzeugung, dass „ein Lavieren nicht mehr am Platze sei, sondern es hieß die Zügel fest in die Hand zu nehmen.“ In einer kleinen Runde vereinbarte er mit einigen Kieler SPD-Führern die Ausrufung des Arbeiterrats als provisorische Regierung Schleswig-Holsteins. Der ebenfalls gewünschten Ausrufung der Republik Schleswig-Holstein widersetzte er sich.&amp;lt;ref&amp;gt;Noske, Kiel bis Kapp, S. 25.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Aufruf Kieler Arbeiter und Soldatenrat.jpg|mini|Gemeinsamer Aufruf des Arbeiter- und des Soldatenrats am 7. November 1918.]] Der OSR und der Arbeiterrat einigten sich auf einen gemeinsamen Aufruf, der als Flugblatt verteilt wurde. Die ersten drei Absätze lauteten: „Die politische Macht ist in unserer Hand. Es wird eine provisorische Provinzialregierung gebildet, die in Zusammenarbeit mit den bestehenden Behörden eine neue Ordnung aufrichtet. Unser Ziel ist die freie, soziale Volksrepublik.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bewegung stieß auch auf große Zustimmung in der Bevölkerung. Dies zeigte sich nicht nur in der überwältigenden Anteilnahme bei der Beerdigung der Revolutionsopfer am 10. November 1918, sondern auch in der raschen Verbreitung der Räteidee: In weiten Kreisen der Bevölkerung bis ins Bürgertum hinein wurden Räte gegründet. Es gab Beamten- und Angestelltenräte,&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. dazu etwa Klaus Kuhl: &#039;&#039;Kiel und die Revolution von 1918. Das Tagebuch eines Werftingenieurs, verfasst in den Jahren 1917–1919. Edition und Textanalyse.&#039;&#039; Berlin 2018, S. 57.&amp;lt;/ref&amp;gt; Studentenräte,&amp;lt;ref&amp;gt;Über Alfred Meusel wird berichtet, dass er Vorsitzender des ersten Studentenrats in Deutschland wurde. Alfred Meusel (1896-1960) besuchte die Oberrealschule in Kiel. Mit Beginn des Ersten Weltkriegs meldete er sich als Freiwilliger, ging an der Front aber bald auf Distanz zum Kaiserreich und kam dort erstmals mit sozialistischen Ideen in Berührung. Im Dezember 1917 wurde er an der Aisne verschüttet, schwer verletzt und behielt zeitlebens ein Nervenleiden als Spätfolge. Von 1918 bis 1922 studierte er in Kiel u. a. Nationalökonomie, Soziologie und Geschichtswissenschaft. Vgl. Mario Kesser und Detlef Siegfried: &#039;&#039;Alfred Meusel im Spannungsfeld von Wissenschaft und Politik&#039;&#039;. In: JahrBuch für Forschungen zur Geschichte der Arbeiterbewegung, Heft III/2010, S. 65–80, hier S. 66 f. Vgl. auch die von Jörg Becker veröffentlichten Berichte von Richard Sorge, der eine sozialistische Studentenorganisation aufbaute.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bauernräte&amp;lt;ref&amp;gt;Nach Gerhard Stoltenberg soll es bereits im Januar 1919 1700 örtliche Auschüsse [Bauernräte] in Schleswig-Holstein gegeben haben; vgl. Gerhard Stoltenberg: &#039;&#039;Politische Strömungen im schleswig-holsteinischen Landvolk 1918-1933.&#039;&#039; Düsseldorf 1962, S.29, Fußnote 4. Stoltenberg beruft sich auf eine Meldung der SHVZ vom 15. Januar 1919. Die Zeitung der USPD „Republik“ meldete am 19. Januar 1919, dass in Schleswig-Holstein ein provisorischer Oberster Bauernrat aus sechs Mitgliedern gebildet worden sei. Beigeordnet seien der Ernährungskommissar für Schleswig-Holstein sowie ein Beauftragter der Landwirtschaftskammer. Geschäftsführer sei vorläufig Max Mißfeld, Suchsdorf bei Kiel.&amp;lt;/ref&amp;gt; und sogar einen Rat des Kirchenchors der [[Nikolaikirche]].&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. den Bericht eines damals 13-jährigen Chorknabens in dem NDR-Film „Matrosen, Räte, Republiken“ von Hartmut Idzko und Jörg Knickrehm, der am 1. November 1978 ausgestrahlt wurde.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In mehreren Verhandlungen wurde zwischen Vertretern der Offiziere und dem OSR eine Absprache über die Rolle der Offiziere getroffen. Diese sah vor, dass diejenigen Offiziere, die sich dem Soldatenrat unterstellten, im Amt bleiben durften. Wenn sie jedoch ein Kommando ausüben wollten, mussten sie das Vertrauen ihrer Untergebenen haben. Von den Mannschaften abgelehnte Offiziere mussten sich in der Marinestation zur Verfügung halten. Die große Mehrheit der Offiziere ließ sich darauf ein, wobei die Mitteilung, der Kaiser habe sie von ihrem Eid entbunden, eine wichtige Rolle gespielt haben dürfte. Die Ansätze für eine Militärreform wurden jedoch, wie Wolfram Wette schrieb, von Noske im Keim erstickt.&amp;lt;ref&amp;gt;Wolfram Wette: Als bei der Torpedo-Division der erste Soldatenrat gebildet wurde. In: Frankfurter Rundschau, 12. Dezember 1988.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Niedergang der Rätebewegung in Kiel ==&lt;br /&gt;
In Kiel begann dieses „Ersticken“ einer möglichen Militärreform damit, dass Noske den Räten gegenüber die Kompetenz der Seeoffiziere, besonders mit Blick auf die Überführung der Flotte nach England, als unverzichtbar darstellte. Kuhl schrieb, dies sei in der neueren Literatur ohne nähere Diskussion akzeptiert worden, aber ein genauerer Blick auf die Aufgaben der verschiedenen Dienstränge zeige, dass Deckoffiziere, Unteroffiziere und Mannschaften ohne größere Probleme in der Lage gewesen wären, ein Schiff zu manövrieren; Steuerleute, Navigationsoffiziere, Maschineningenieure, Funkentelegrafiemeister etc. konnten in ihren Bereichen selbstständig handeln. Die Seeoffiziere waren hauptsächlich dazu da, ein Schiff in der Schlacht zu befehligen. Für andere Aufgaben waren sie nicht unbedingt notwendig. Allerdings war ihre Autorität wichtig für die einigermaßen reibungslose Abfolge aller Arbeiten an Bord und an Land. Diese Autorität aber war stark erschüttert. Eine Auswahl nach demokratischen und republikanischen Kriterien wäre möglich gewesen. Ein entstehender Gruppendruck hätte dann eventuell auch eine Reihe der ehemals kaiserlichen Seeoffiziere zum Einlenken bewegen können. Immerhin war nach der Wahrnehmung des Stabschefs der Marinestation, Küsel, noch Mitte November 1918 „die Stimmung, was das jüngere Seeoffizierkorps anbetrifft, ganz links gerichtet“.&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhl, Überheblichkeit, S. 186.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dies wird auch bestätigt von Admiral Gustav Bachmann, dem Vorgänger Souchons als Gouverneur und Chef der Marinestation, der den Kapitänleutnant Thorwald v. Bothmer als einen der radikalsten bezeichnete („… pries die Republik, machte die Monarchie herunter …“).&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Klaus Franken (Hg.): &#039;&#039;Admiral Gustav Bachmann: Lebenserinnerungen und Tagebuch 1915.&#039;&#039; Paderborn 2022 (Schriften zur Marinegeschichte Band 3), S. 911 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Unter dem Einfluss des Korvettenkapitäns Wilfried von Loewenfeld (s.&amp;amp;nbsp;u.) schlug dies aber schnell wieder um.&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhl, Garbe, S. 38 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zuge der kurz nach dem Umsturz einsetzenden Demobilisierung wuchs der Einfluss der zurückbleibenden Berufssoldaten und hier besonders derjenige der Deckoffiziere. Diese hatten durchaus einen wichtigen Anteil an der erfolgreichen Durchsetzung des Aufstands, denn die standen in deutlicher Opposition zu den Seeoffizieren, von denen sie ebenfalls, wie die Mannschaften, als gesellschaftlich inakzeptable Parias behandelt wurden.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Holger H. Herwig: &#039;&#039;Das Elitekorps des Kaisers. Die Marineoffiziere im Wilhelminischen Deutschland.&#039;&#039; Hamburg 1977, S. 86.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Deckoffizierbund erkannte die neuen Verhältnisse an und erteilte Bestrebungen, diese zurückzudrehen, eine Absage. Die Seeoffiziere müssten dies ebenfalls anerkennen und es müsse eine Auswahl geben, um reaktionäre Absichten von Seiten der Offiziere auszuschließen. Allerdings wurde nicht erkennbar, welche Mechanismen und Garantien der Bund für eine effektive Auswahl anstrebte.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Klaus Kuhl: &#039;&#039;Analyse und Edition von: Paul Kässner, Oberdeckoffizier a. D.: Zur Geschichte der Deckoffizierbewegung, des Deckoffizierbundes und des Bundes der Deckoffiziere.&#039;&#039; Kiel 2022, 6 f. und 22. Online zugänglich (aufgerufen am 4. September 2024) unter: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Kuhl_analyse-edition-kaessner-deckoffizierbewegung_2022.pdf].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei: Kieler_Matrosenaufstand_(Kiel_68.297).jpg|mini|Das Foto zeigt eine Demonstration von Deck- und Unteroffizieren am 22. Dezember 1918 gegen den Beschluss des Reichsrätekongresses und für die Beibehaltung der Rangabzeichen. Dies kennzeichnet den gestiegenen Einfluss der Deckoffiziere.]] Ein Großteil der Deckoffiziere erwies sich auch später im Kapp-Putsch als Stütze der Weimarer Republik, sie hatten jedoch deutliche Vorbehalte gegenüber den Soldatenräten, vermutlich weil sie deren totalen Umsturz der militärischen Hierarchien ablehnten. Die Deckoffiziere bekamen einen großen Einfluss in der Sicherheitswehr des Soldatenrats und auch im OSR selbst. Ihre Vorbehalte führten dann vermutlich auch dazu, dass Lothar Popp am 10. Dezember 1918 als Vorsitzender des OSR zurücktrat; zumindest behauptet dies Noske in seiner 1920 erschienen und stark von Rechtfertigungen geprägten Schrift „Von Kiel bis Kapp“.&amp;lt;ref&amp;gt;Noske, Kiel bis Kapp, S. 52.&amp;lt;/ref&amp;gt; Popp selbst gab später an, er habe nach der Entscheidung für die Nationalversammlung keinen Sinn mehr in seiner Arbeit für den OSR gesehen. Allerdings fiel diese Entscheidung erst später auf der Reichsrätekonferenz 16.–21. Dezember 1918,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Auf dem ersten Reichsrätekongress wurde Kiel durch die folgenden Delegierten vertreten: Gustav Garbe und Peter Hillbrecht für den Arbeiterrat (Kurt Kaulfers, USPD und Bevollmächtigter des DMV Kiel, fiel bei der Mandatsprüfung durch), sowie Max Hartig und Robert Pfaff für den Soldatenrat. Alle bis auf Kaulfers gehörten der SPD an. Vgl. Dieter Braeg und Ralf Hoffrogge (Hrsg.): &#039;&#039;Allgemeiner Kongress der Arbeiter- und Soldatenräte Deutschlands. 16.–20. Dezember 1918 Berlin – Stenografische Berichte, Neuausgabe zum 100. Jahrestag&#039;&#039;. Berlin 2018, S. 561–602. Vgl. auch Roß, Reichsrätekongresse.&amp;lt;/ref&amp;gt; was eher Noskes Darstellung unterstützen würde. Es wäre aber auch denkbar, dass Popps Rücktritt bereits davon bestimmt war, dass keine USPD-Mitglieder aus Kiel zum Reichsrätekongress delegiert wurden. Karl Artelt übernahm nun den Vorsitz des inzwischen auf 14 Mitglieder erweiterten Gremiums, Stellvertreter wurde Robert Pfaff, Schriftführer wurde der Signalmeister und Deckoffizier Franz Riefstahl (SPD). Popp wurde nur noch als politischer Berater des Gremiums aufgeführt. Zum damaligen Zeitpunkt gehörten dem OSR, neben den Genannten, noch die folgenden Personen an: Rudolf Rannow, Erich Thümmel, Schmidtke, Max Hartig, Gräfenstein (auch Grävenstein), Rath, Klaus, Eggers, Rudolph, Widmaier (auch Widmeier) und Feill (insgesamt 14).&amp;lt;ref&amp;gt;Anonym: Sitzung des obersten Soldatenrates. In: Republik, 11. Dezember 1918.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Hartig und Thümmel wurden bereits oben beschrieben, Riefstahl und Rannow werden weiter unten als Vorsitzende des OSR beschrieben, zu den anderen Personen ist bisher nichts weiter bekannt.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die provisorische Regierung Schleswig-Holsteins hatte zunächst der Kieler Arbeiterrat übernommen. Auf einer Konferenz am 12. Dezember 1918 in Neumünster wurden nun auch die anderen Räte in der Provinz einbezogen. Die Konferenz wurde von Garbe eröffnet und zusammen mit Richter aus Neumünster und Schlüter aus Flensburg geleitet. Es herrschte Einigkeit darüber, dass in „nächster Zukunft […] Räterat und National-Versammlung nebeneinander bestehen bleiben und zusammen arbeiten [müssen].“&amp;lt;ref&amp;gt;Einleitendes Referat des Beigeordneten der Regierung in Schleswig Eduard Adlers auf der Konferenz. Protokoll der Konferenz der Arbeiter- und Soldatenräte Neumünster am 12. Dezember 1918. Manuskript. Archiv des Zentralrats der Deutschen Sozialistischen Republik; Sign. B-58. Online zugänglich (aufgerufen am 9. Januar 2023) unter: [https://search.iisg.amsterdam/Record/ARCH01676].&amp;lt;/ref&amp;gt; Die provisorische Regierung setzte sich nun aus Vertretern der Räte verschiedener Regionen zusammen. Sie bezeichnete sich später als „Volksrat“.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Kuhl, Garbe, S. 34.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 27. Dezember 1918, mit Beginn der Unruhen in Berlin, kehrte Noske dorthin zurück und übernahm im Rat der Volksbeauftragten, nach dem Rücktritt der USPD-Beauftragten, den Bereich „Heer und Marine“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit verstärkte sich der schleichende und im Laufe der Entwicklung immer offenere Prozess, in dem Noske – inzwischen Reichswehrminister – die Soldatenräte im Juni 1919 schließlich abschaffen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wichtige Stationen waren dabei:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Verkleinerung des 53er Rats, dem Zentralrat der Marine im Berliner Reichsmarineamt,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Dem Rat gehörten die folgenden Kieler Personen an: Bock, Hohmann, Klenke, Lebeck, Manschke, Rösler, Stock, Block und Schumann; vgl. Kriegsakten betreff Revolution 1918 und Märzwirren 1920. BArch RM 8/1013, Bl. 73 f. Im Mai 1919 wurde auch ein Verbandssoldatenrat, in dem die Soldatenräte sich überregional organisiert hatten, der aber offensichtlich keinen größere Bedeutung erlangt hat, erwähnt; vgl. Akten des Reichsmarineamts betreffend Arbeiter und Soldatenrat, Juni 1919–März 1922. BArch RM 20/13 Bl. 27.&amp;lt;/ref&amp;gt; auf sechs Personen. Der Rat wollte die neue Marine auf Völkerverständigung und eine reine Verteidigung festlegen. Dies stieß jedoch bei den weiter nach „Weltgeltung“ strebenden „Tirpitzianern“, zu denen die vorgesehenen Führer der Marine (insbesondere v. Trotha)&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Konteradmiral Adolf von Trotha (1868–1940), ab März 1919 Chef der Admiralität, im Oktober 1919 zum Vizeadmiral befördert, unterstützte den Kapp-Putsch und wurde später Propagandist für die NSDAP.&amp;lt;/ref&amp;gt; gehörten, sowie auch bei Noske selbst, auf großen Widerstand. Aufgrund von Noskes Kritik, der auf dem Reichsrätekongress eine Verschleppung von Entscheidungen bemängelte, wurde der Rat auf sechs Mitglieder verkleinert und damit in seinen Wirkungsmöglichkeiten (bei einem Amt mit etwa 1000 Beschäftigten) stark eingeschränkt. Der stellvertretende Vorsitzende des Kieler OSR, Robert Pfaff (SPD), der auch am Reichsrätekongress teilnahm, unterstützte Noske bei seinem Vorgehen. Wette vermutet, dass Noskes Beanstandungen eher auf die inzwischen USPD-nahe Programmatik des 53er Rats zurückgingen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Wette, Noske, S. 272–280.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Der Aufbau der 1. Marine-Brigade (inoffizielle Bezeichnung: Eiserne Brigade oder Eiserne Division) durch die Deckoffiziere auf Anforderung Noskes Anfang Januar 1919. Im OSR argumentierten die Deckoffiziere damit, dass die Truppe für die Grenzsicherung im Osten gebraucht würde. Sie wurde dann aber bei den Kämpfen in Berlin und danach auch in weiteren Städten, u.&amp;amp;nbsp;a. in Bremen eingesetzt. Dies führte am 6. Januar 1919 zum Rückzug Karl Artelts aus dem OSR. Den Vorsitz übernahm zunächst Max Hartig für 10 Tage dann der Signalmeister und Deckoffizier Franz Riefstahl,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Über Riefstahl ist ebenfalls nur wenig bekannt, obwohl er neben Popp und Artelt eine besonders wichtige Rolle in der Soldatenratsbewegung spielte: Riefstahl war zunächst wohl die zentrale Figur in dem nur bis zum 3. Dezember 1918 existierenden Generalobmannbüro. Neben Riefstahl waren hier noch der Oberheizer Klaus, der Ubootsmaschinistenmaat Tscharutke, der Schreiber Au und der Oberschreiber Rothenbacher tätig. Das Büro wurde parallel zum OSR eingerichtet und diente den Obmännern, wie die von den einzelnen Soldatenräten in den Großen Soldatenrat entsandten Delegierten genannt wurden, als Ansprechstelle. Mit Riefstahls Wahl in den OSR wurde es offenbar aufgelöst. Vgl. Dähnhardt, Revolution, S. 131. Riefstahl gehörte dem OSR von Anfang Dezember 1918 bis Ende März 1919 ununterbrochen an, und war mit 2 ½ Monaten der am längsten auf diesem Posten dienende Vorsitzende. Obwohl Riefstahl der SPD angehörte und deutlich moderater war  als Popp und Artelt, verfolgten ihn die Seeoffiziere mit großem Hass. So bezeichnete v. Loewenfeld ihn als „widerlichen, aufgeblasenen roten Gesellen und Offiziershasser“. Der Stabschef Konteradmiral Küsel schrieb über ihn, er habe sich dann besonders hervorgetan, wenn es galt die Seeoffiziere zu bekämpfen. Riefstahl war später Amtmann in Berlin und wird im „Vorwärts“ vom 15. Oktober 1919 (S. 4) unter den „Groß-Berliner Parteinachrichten“ erwähnt. In einer Versammlung für „Sozialdemokratische Beamte, Angestellte und Hülfskräfte der Gemeindebehörden Groß-Berlins“ referierte Riefstahl über „Revolution und Beamtenschaft.“ Das preußische Innenministerium unter Göring ließ 1934 Erkundigungen über Riefstahl einziehen, um ihn aus dem Beamtendienst zu entfernen. Dabei übermittelte Küsel die genannte Denunziation. Wette vermutet, dies habe ausgereicht, um den Stadtamtmann Riefstahl aus dem Beamtendienst zu entfernen. Vgl. Wette, Noske, S. 261 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; während Hartig sein Stellvertreter wurde. Hartig schied am 7. Februar aus, auf ihn folgte Bublat als Stellvertreter.&amp;lt;ref&amp;gt;Klaus Kuhl: &#039;&#039;Die Kieler Eiserne Division – ein besonderer Fall in der militärischen Landschaft der Weimarer Republik.&#039;&#039; In: Rolf Fischer (Hrsg.): Brennpunkte 1918. Orte der Revolution in Schleswig-Holstein. Kiel 2023, S. 113–132.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Neuordnung der Kommandogewalt. Diese hatte bisher weitgehend in den Händen der Soldatenräte gelegen. Gegen einen bekannt gewordenen Entwurf legte der Kieler OSR Protest ein. Dieser Protest wurde auch am 1. Februar 1919 von der Kieler SPD-Zeitung unterstützt. Man sah in Noskes Planungen den Versuch, die Zustände vor der Revolution wieder einzuführen.&amp;lt;ref&amp;gt;Anonym: Neuregelung der Kommandogewalt. In: SHVZ, 1. Februar 1919, S. 1.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Entwurf war Mitte Januar vom neuen Kriegsminister Oberst Walther Reinhardt vorgelegt, vom Zentralrat der Deutschen Sozialistischen Republik&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Ein vom Reichsrätekongress im Dezember 1918 eingerichtetes Gremium zur Überwachung und zur Kontrolle des Rats der Volksbeauftragten.&amp;lt;/ref&amp;gt; geringfügig geändert und dann von der Regierung angenommen worden. Das Verordnungswerk wurde am 19. Januar verabschiedet, gab die Kommandogewalt zurück an die Offiziere und schränkte die Befugnisse der Soldatenräte stark ein. Fronttruppen und Freikorps waren ausgenommen, dort hatten Soldatenräte sowieso einen schweren Stand oder wurden gar nicht geduldet.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Wette, Noske, S. 333–339.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Rahmen verschiedentlicher Proteste der Kieler Räte bei Noske fühlten sich die Delegationsmitglieder Riefstahl, Klaus, Rannow und Thümmel von Noske „wie Handwerksburschen“ behandelt.&amp;lt;ref&amp;gt;Wette, Noske, S. 260.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Der große Protest der Kieler Arbeiterschaft gegen Noskes kompromissloses militärisches Vorgehen gegen die Bremer Räterepublik Anfang Februar 1919; aufgrund der begeleitenden militanten Aktionen der KPD auch als Kieler „Spartakus-Putsch“ bezeichnet. Im Verlauf der bewaffneten Auseinandersetzungen erlaubte Noske dann die Aufstellung der 3. Marine-Brigade durch Wilfried von Loewenfeld, die dann die Sicherheitstruppe des Soldatenrats dominierte.&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhl, Garbe, S. 47 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Am 25. Februar erfolgte dann eine Neuwahl des OSR und der erneut zum Vorsitzenden gewählte Riefstahl verkleinerte den bereits auf 12 Mitglieder reduzierten OSR auf nunmehr neun Personen. Dabei handelte es sich neben Riefstahl um Bublat (Stellvertreter), Schlüter (Schriftführer), Klaus, Rannow, Rath, Widmaier, Thümmel und Dräger.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Rackwitz, Kiel 1918, S. 183; sowie Anonym: Neuwahl des Obersten Soldatenrates. In: Kieler Zeitung vom 1. März 1919, Morgenausgabe.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Einsetzung eines Seeoffiziers als Stationschef wurde von Noske gegen den Widerstand von OSR und Arbeiterrat nach verschiedenen Anläufen durchgesetzt. Dabei verlor Garbe als Noskes Nachfolger auf dem Posten des Kieler Gouverneurs seine militärische Befehlsgewalt und wurde zum „Zivilgouverneur“ herabgestuft. Der OSR wurde nun nur noch als Stationssoldatenrat bezeichnet. Am 10. März 1919 wurde Konteradmiral Meurer als Stationschef eingesetzt. Wenig später verlor Garbe auch seinen Titel als Zivilgouverneur. Am 31. März 1919 schieden Riefstahl, Klaus, Bublat und Thümmel aus dem OSR/Stationssoldatenrat aus. Neuer Vorsitzender wurde der Oberfeuerwerkermaat Rudolf Rannow (SPD),&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Rannow, geb. 25. Januar 1887 in Oramburg (Pommern), wird in dem Bericht des Kapitänleutnants Peter Köhler am 7. November 1918 als Obmann des Soldatenrats erwähnt; Köhler: Revolutionsereignisse, S. 14. Rannow war im April 1919 Delegierter für den 2. Reichsrätekongress, wo er den Wahlbezirk Ostseestation vertrat. Er organisierte im April 1919 den Zusammenschluss von Berufssoldaten, die sich zur SPD bekannten (im Hinblick auf eine zu gründende republikanische Volkswehr), beteiligte sich an der Abwehr des Kapp-Putsches in Kiel und wurde Kommandeur der gegen den Putsch aufgebauten Arbeiterwehr. In der Personalamtsakte „Wahlen von Stadträten und Bürgermeistern“ im Stadtarchiv Kiel (Sign. 31980) wird er ab 1920 als Stadtsekretär geführt. Im Jahr 1926 meldete er sich nach Lägerdorf ab. Vgl. Wette, Noske, S. 260 und 865; Roß, Reichsrätekongresse, S. 202; Dähnhardt/Granier, Kapp-Putsch in Kiel, S. 110 ff.; BArch 8/1022, Bl. 61 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt; sein Stellvertreter wurde der Feldwebel Paul Dräger.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Dräger war 1920 Führer im Reichswirtschaftsverband deutscher derzeitiger und ehemaliger Berufssoldaten (RdB, Vorläufer des Deutschen Bundeswehr Verbands) in Kiel. Er spielte eine aktive Rolle bei der Niederschlagung des Kapp-Putsches. Vgl. Dähnhardt/Granier, Kapp-Putsch in Kiel, S. 41, 72, 140.&amp;lt;/ref&amp;gt; Außerdem gehörte nach wie vor der Feldwebel Schlüter&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Nachdem Marinewaffen heimlich auf das Gut des Prinzen Heinrich in Hemmelmark verbracht worden waren, wurden dort im April 1919 Durchsuchungen vorgenommen, an denen Schlüter (stellvertretend für Rath) vom OSR, und Otto Eggerstedt vom Volksrat beteiligt waren. Es wurden 30 Gewehre mit Munition gefunden, die Heinrich von einem Seeoffizier geliefert worden waren. Bald darauf beschwerte sich der neue Stationschef Meurer in Berlin bei v. Trotha, dass der Soldatenrat wiederum gegen Vorschriften verstoßen habe, als er sich nach diesen Vorfällen bei weiteren Hausdurchsuchungen des Volksrats in Kitzeberg (Villenviertel auf dem Ostufer der Kieler Förde) beteiligte. Nach Aussagen des Stationssoldatenrats hatte Meurer die Beschwerde auf Anweisung Noskes verfasst. Vgl. Akten des Reichsmarineamts betreffend Arbeiter und Soldatenrat, Juni 1919–März 1922. BArch RM 20/13 Bl. 30–47.&amp;lt;/ref&amp;gt; dem Rat an. Am 12. Mai 1919 wurde das Mitglied im Stationsssoldatenrat, Rath, durch den Feldwebel und Marinefeuerwerker Adolf Schmalix&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Schmalix (1890–1956) gehörte zur 1. Marine-Division und beteiligte sich am Aufbau des Reichswirtschaftsverbands derzeitiger und ehemaliger Berufssoldaten und des Republikanischen Führerbunds. Er engagierte sich im Kampf gegen den Kapp-Putsch, setzte sich dabei für die Bewaffnung der Arbeiterschaft ein und wurde für mehrere Tage verhaftet. Zu einem von ihm zu verantwortenden Unterschlagungsfall in seiner Abteilung erklärte er, „infolge seines Kampfes mit den höchsten Behörden“ sei es ihm nicht möglich gewesen, den Fall zur Anzeige zu bringen. Er verließ Kiel, entwickelte sich zum „völkisch-antisemitischen Extremnationalisten“ und beteiligte sich am Hitler-Putsch. Ab 1924 lebte er in Erfurt, wo er Schriftleiter und Herausgeber des Wochenblattes &amp;quot;Echo Germania&amp;quot; wurde. In dem Blatt pöbelte er gegen prominente Bürger, mit Vorliebe gegen Juden, Ausländer oder Demokraten, denen er dann anbot, sich freizukaufen, um weiteren Schmähungen zu entgehen. Im Frühjahr 1928 rief er den &amp;quot;Großdeutschen Freiheitsbund&amp;quot; ins Leben, dessen Programm aus einem Sammelsurium gängiger nationalistisch-völkischer Ansichten und Feindbilder bestand. Bei der Kommunalwahl in Erfurt errang er in einer reichsweiten Sensation 10 von 52 Mandaten. Später trat der der NSDAP bei. Nach dem Zweiten Weltkrieg saß Schmalix noch 1956 im Kreistag im Landkreis Roding (Oberpfalz). Vgl. Dähnhardt/Granier, Kapp-Putsch in Kiel, S. 24 f. und 41; Anonym: Ein rehabilitierter Berufssoldat. In: Republik, 26. März 1920; Steffen Raßloff: &#039;&#039;Erfurt begeht moralischen Selbstmord. Adolf Schmalix und die Großdeutsche Freiheitsbewegung.&#039;&#039; In: Stadt und Geschichte. Zeitschrift für Erfurt. 13 (2001). S 28 f. Online zugänglich (aufgerufen am 25. Septrember 2024) unter: [http://www.erfurt-web.de/Adolf_Schmalix].&amp;lt;/ref&amp;gt; ersetzt. Zu diesem Zeitpunkt gehörten dem Rat neben den genannten Rannow, Dräger, Schmalix und Schlüter noch Widmaier und Arnold (Minensuchflottille) an.&amp;lt;ref&amp;gt;Station O: Akta betr. XI a (Soldatenrat). BArch RM 31/2375 Bl. 22.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits einige Tage vorher, am 6. März 1919, war das Gesetz über die vorläufige Reichswehr verkündet worden. Es war unter Führung des Kriegsministers von Offizieren erarbeitet worden. In der parlamentarischen Debatte machte Noske deutlich, dass sozialdemokratische Vorstellungen zurzeit zurückgestellt werden müssten, um Deutschland wieder wehrhaft zu machen. Mit dem verabschiedeten Gesetz wurden die Freikorps sanktioniert, republikanische Verbände und Soldatenräte wurden abgeschafft.&amp;lt;ref&amp;gt;Wette, Noske, S. 358–368.&amp;lt;/ref&amp;gt; Am 5. Juni 1919 wurde auch der Kieler Soldatenrat abgeschafft. Es gab jetzt nur noch Vertrauensleute mit Beschwerderechten, die ohne gesetzliche Fixierung lediglich gemäß Marine-Verordnungsblatt MVBl 17, S. 208 und 209 zu wählen waren.&amp;lt;ref&amp;gt;Wette, Noske, S. 368.&amp;lt;/ref&amp;gt; Schmalix und Widmaier werden noch im September 1919 als Vertrauensleute erwähnt, wobei sie sich über die ständig weiter eingeengte Bewegungsfreiheit beschweren.&amp;lt;ref&amp;gt;Akte Reichsmarineamt Juni 1919–März 1922. BArch RM 20/13 Bl. 129 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein weiterer Vertrauensmann war der, als bewährter Deckoffizier von Noske zum Leutnant zur See beförderte, Carl von Seydlitz. Seydlitz wurde nach dem Kapp-Putsch kurzzeitig Stationschef in Kiel, weil die Seeoffiziere wegen Putschbeteiligung suspendiert worden waren oder aus Solidarität den Dienst verlassen hatten.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Klaus Kuhl: &#039;&#039;Leutnant zur See Carl von Seydlitz. Der Kampf für die Demokratisierung der Reichsmarine.&#039;&#039; In: Rolf Fischer (Hrsg.): Sehnsucht nach Demokratie. Neue Aspekte der Kieler Revolution 1918. Kiel 2020, S. 23-35.&amp;lt;/ref&amp;gt; Demokratisch und republikanisch orientierte Soldaten und Offiziere wurden jetzt langsam aber stetig aus dem Militär gedrängt.&amp;lt;ref&amp;gt;Wette, Noske, S. 560, 697.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch Seydlitz gab 1923 auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Räteidee lebte aber im zivilen Bereich weiter. Garbe hatte den Vorsitz im Arbeiterrat mit seiner Ernennung zum Gouverneur abgegeben. Nachfolger wurde Peter Hillbrecht (SPD), zweiter oder gleichberechtigter Vorsitzender J. Claßen (auch Classen geschrieben) von der USPD. Der Rat gab seinen Anspruch, als provisorische Regierung der Provinz Schleswig-Holstein zu fungieren, an den neu gebildeten Volksrat ab. Diesem gehörten auch Vertreter anderer Räte aus Schleswig-Holstein sowie kurzzeitig ein Mitglied des OSR an.&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhl, Garbe, S. 48 f. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während der Soldatenrat als wichtigstes Ziel eine Demokratisierung des Militärs verfolgte, stand bei dem Arbeiterrat die Demokratisierung der Wirtschaft im Zentrum. Besonders die Führer der Werften gehörten meist der rechtsradikalen Deutschen Vaterlandspartei an. Sie besaßen einen großen politischen Einfluss. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitte März wurden Neuwahlen zu den Arbeiterräten durchgeführt. Die Parität mit der USPD wurde aufgegeben, damit konnte diese nur noch eine marginale Rolle in den Räten spielen. Die Beteiligung an den Wahlen war gering, was zu einem weiteren Bedeutungsverlust führte. Im neu konstituierten Arbeiterrat wurden Peter Hillbrecht zum ersten und Otto Eggerstedt&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Eggerstedt (1886–1933 im KZ Esterwegen ermordet) erlernte den Beruf des Bäckers und war Soldat im Ersten Weltkrieg. Er berichtete, wie er dazu beitrug, dass sich auf dem Rückmarsch von der Front Soldatenräte bildeten (Otto Eggerstedt: Die Revolution im Felde! In: SHVZ, 5. November 1919). Zurück in Kiel engagierte Eggerstedt sich stark bei Versuchen eine demokratische Einwohnerwehr aufzubauen und war während des Kapp-Putsches an führender Stelle am Aufbau der Arbeiterwehr beteiligt. Ab Juli 1919 war er Parteisekretär der SPD in Kiel und von 1919 bis 1924 Stadtverordneter von Kiel. Im März 1921 rückte er für Albert Billian in den Reichstag nach, dem er durchgehend bis 1933 angehörter. Ab 1927 war er in der preußischen Verwaltung tätig, ab April 1928 als Regierungsrat und Leiter des Polizeiamtes Wandsbek. Ab 1929 wurde er, das erste halbe Jahr kommissarisch, Polizeipräsident von Altona-Wandsbek mit Sitz in Altona. In seine Dienstzeit fiel der so genannte Altonaer Blutsonntag, der als Anlass für die Beseitigung der sozialdemokratischen preußischen Regierung, eines der letzten Bollwerke gegen die Machtübernahme durch die Nazis, herhalten musste. Vgl. Autoren der SPD-Geschichtswerkstatt: Otto Eggerstedt. Online zugänglich (aufgerufen am 25. September 2024) unter: [https://www.spd-geschichtswerkstatt.de/wiki/Otto_Eggerstedt].&amp;lt;/ref&amp;gt; zum zweiten Vorsitzenden gewählt. Weitere Mitglieder waren der Redakteur der SHVZ Bernhard Rausch und J. Classen (oder Claßen) für die USPD. Als Aufgaben des Rats wurde benannt: Den Räten sollte nicht die ganze politische Macht übertragen werden, sondern sie sollten „die denkbar wichtigsten wirtschaftlichen Aufgaben“ erhalten: die „Mitleitung der Fabrikbetriebe und die Sozialisierung“. Sie sollten politisch fortwirken, solange der Beamtenkörper nicht hinreichend demokratisch erneuert sei.&amp;lt;ref&amp;gt;Anonym: Der Kieler Arbeiterrat. In: SHVZ, 24. März 1919.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich musste der Arbeiterrat im September seine Arbeit einstellen, weil keine Gelder mehr bewilligt wurden. Im Zuge des reformierten – nunmehr demokratischen – Wahlrechts waren jedoch viele seiner Mitglieder und Beigeordneten in die entsprechenden Gremien gewählt worden und konnten so – anders als bei den Soldatenräten – weiter Einfluss ausüben. Für Garbe war diese Entwicklung folgerichtig. Er sagte in seiner Wahlkampfrede anlässlich seiner Kandidatur für die Kommunalwahl Anfang März in Kiel: „Ich bin kein großer Freund der Arbeiterräte, deren Zeit bald vorbei sein dürfte. […] Die Räte sollen im Rathaus sitzen. […] wo sie besser arbeiten können wie heute als Beiräte.“&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhl, Garbe, S. 49 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Räteidee war auch von der Nationalversammlung aufgenommen worden, insbesondere, um der in der Arbeiterbewegung weit verbreiteten, immer wieder vorgetragenen Forderung nach Sozialisierung und Demokratisierung der Wirtschaft entgegenzukommen. Eine Kombination von Parlamentarismus und Rätesystem war also durchaus denkbar.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. dazu Peter von Oertzen: &#039;&#039;Betriebsräte in der Novemberrevolution. Eine politikwissenschaftliche Untersuchung über Ideengehalt und Struktur der betrieblichen und wirtschaftlichen Arbeiterräte in der deutschen Revolution 1918/19.&#039;&#039; Düsseldorf 1963 (Beiträge zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien, Band 25), S. 57–67.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Gespräch waren etwa Wirtschaftsräte, doch erst 1930 wurde ein Entwurf für die Ausgestaltung des Reichswirtschaftsrats vorgelegt, der jedoch zu der Zeit keine Aussichten mehr auf Umsetzung hatte und nicht die notwendige Zweidrittelmehrheit erhielt. Übrig blieben schließlich nur noch die Betriebsräte. Im Februar 1920 wurde das Betriebsrätegesetz verabschiedet, das allerdings die Mitwirkungsmöglichkeiten nach ursprünglichen Forderungen einer weitgehenden Kontrollfunktion  nur noch auf soziale Belange beschränkte. Garbe, der vermutlich hinter der Aussage in der SHVZ stand, dass man den Arbeiterräten die „Mitleitung der Fabrikbetriebe“ übertragen wollte, äußerte sich in seinem Bericht im Jahr 1920 entsprechend enttäuscht über das Betriebsrätegesetz.&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhl, Garbe, S. 50.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
Damit war die Rätebewegung in Kiel, die die politische Demokratie erkämpft hatte, mit ihren weitergehenden Vorstellungen einer Demokratisierung von Militär und Wirtschaft gescheitert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellen und Literatur ==&lt;br /&gt;
* Lothar Popp, Karl Artelt: &#039;&#039;Ursprung und Entwicklung der November-Revolution 1918. Wie die deutsche Republik entstand.&#039;&#039; Kiel 1918. Reprint als Sonderveröffentlichung der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Band 15, S. III 1–30. Im Jahr 2020 leicht gekürzt und kommentiert veröffentlicht in: IG Metall Bezirksleitung Küste (Hrsg.): &#039;&#039;Matrosenaufstand und Novemberrevolution 1918.&#039;&#039; Hamburg 2020, S. 96–115, ISBN 978-3-96488-063-5.&lt;br /&gt;
* Gustav Noske: &#039;&#039;Von Kiel bis Kapp. Zur Geschichte der deutschen Revolution.&#039;&#039; Berlin 1920 ([https://portal.dnb.de/bookviewer/view/1131562372#page/n6/mode/1up Digitalisat]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Klaus Kuhl: &#039;&#039;Gustav Garbe – bedeutender Kieler Gewerkschaftsfunktionär, Vorsitzender des Kieler Arbeiterrats und zweimaliger Gouverneur. Mit Vorworten von Frank Hornschu, Geschäftsführer und Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes Kiel Region, und von Stephanie Schmoliner, 1. Bevollmächtigte der IG Metall Kiel-Neumünster.&#039;&#039; Kiel 2023.&lt;br /&gt;
* Martin Rackwitz: &#039;&#039;Kiel 1918. Revolution, Aufbruch zu Demokratie und Republik.&#039;&#039; Kiel 2018, ISBN 978-3-529-05174-6.&lt;br /&gt;
* Dirk Dähnhardt: &#039;&#039;Revolution in Kiel. Der Übergang vom Kaiserreich zur Weimarer Republik 1918/19.&#039;&#039; Karl Wachholtz, Neumünster 1978, ISBN 3-529-02636-0.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
* Wikipedia: Arbeiter- und Soldatenrat [https://de.wikipedia.org/wiki/Arbeiter-_und_Soldatenrat].&lt;br /&gt;
* [[Zeitzeugen_Matrosen%E2%80%93_und_Arbeiteraufstand_1918/1919|Zeitzeugen]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references group=&amp;quot;A&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Geschichte]] [[Kategorie:20. Jahrhundert]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Klaus Kuhl</name></author>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Klaus Kuhl: eigenes Werk mit dem Hochlade-Assistenten hochgeladen&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;=={{int:filedesc}}==&lt;br /&gt;
{{Information&lt;br /&gt;
|description={{de|1=Ernennungsurkunde für den Beigeordneten Eduard Adler (Vorder- und Rückseite), 5. November 1918, durch den Vorsitzenden des Kieler Arbeiterrats, Stadtarchiv Kiel, Sign. 21392.}}&lt;br /&gt;
|date=1918-11-05&lt;br /&gt;
|source={{own}}&lt;br /&gt;
|author=[[User:Klaus Kuhl|Klaus Kuhl]]&lt;br /&gt;
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|other versions=&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=={{int:license-header}}==&lt;br /&gt;
{{self|cc-by-sa-4.0}}&lt;br /&gt;
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		<author><name>Klaus Kuhl</name></author>
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	<entry>
		<id>https://kiel-wiki.de/index.php?title=Kieler_Arbeiter-_und_Soldatenr%C3%A4te&amp;diff=64392</id>
		<title>Kieler Arbeiter- und Soldatenräte</title>
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		<updated>2024-09-29T09:15:02Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Klaus Kuhl: /* Niedergang der Rätebewegung in Kiel */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Obwohl der Begriff &#039;&#039;&#039;Arbeiter- und Soldatenrat&#039;&#039;&#039; auch in Kiel benutzt wurde, gab es hier streng genommen keine gemeinsame Räteorganisation der Arbeiterschaft und der Soldaten. Im Folgenden wird die Entwicklung der Kieler Räte beschrieben und – soweit bekannt – werden die Mitglieder vorgestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Arbeiterrat im Januar 1918 ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Lothar_popp_mid-1920s.jpg|thumb|Passfoto Lothar Popp, aufgenommen vermutlich Mitte der 1920er-Jahre, Hamburger Staasarchiv.]] Ein erster Arbeiterrat wurde anlässlich der reichsweiten Januarstreiks 1918 gegründet, die in Kiel ihren Anfang nahmen und auf die österreichischen Jännerstreiks folgten. [[Zeitzeugen_Matrosen%E2%80%93_und_Arbeiteraufstand_1918/1919#Lothar_Popp|Lothar Popp]] (USPD) wurde per Akklamation auf dem [[Wilhelmplatz]] in einer Versammlung der Streikenden zum Vorsitzenden bestimmt. Ziel war es, die deutsche Oberste Heeresleitung daran zu hindern, von Russland, das aus dem Krieg ausschied, große territoriale und finanzielle Zugeständnisse zu erpressen. Die Streikenden sahen dadurch den Friedensschluss gefährdet. In Kiel wurde eine entsprechende Resolution verabschiedet, die an die deutsche Regierung geschickt wurde. Popp schrieb: „Wir hatten auf dem Wilhelmplatz zunächst einmal als Grundstock des Arbeiterrates 10 Kollegen der Germania-Werft gewählt, die übrigen Betriebe sollten (was nachher auch geschah), die weiteren Wahlen unter sich vornehmen. Uns leitete der Gedanke, daß der Arbeiterrat […] geeignet erscheine, die Interessen der Arbeiter zu vertreten, ohne durch den Parteienstreit in seiner Tätigkeit beengt zu sein.“&amp;lt;ref&amp;gt;Lothar Popp unter Mitarbeit von Karl Artelt: &#039;&#039;Ursprung und Entwicklung der November-Revolution 1918. Wie die deutsche Republik entstand.&#039;&#039; Kiel 1918 (Reprint als Sonderveröffentlichung der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Band 15), S. III 1–30, hier S. III 7. Im Jahr 2020 leicht gekürzt und kommentiert veröffentlicht in: IG Metall Bezirksleitung Küste (Hrsg.): &#039;&#039;Matrosenaufstand und Novemberrevolution 1918.&#039;&#039; Hamburg 2020, S. 96–115.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist unklar, ob die Organisation längerfristig existierte, weil Popp und zwei weitere USPD-Führer (Heinrich Strunk und Emil Theil) verhaftet und zu teils mehrjährigen Gefängnisstrafen verurteilt wurden. Popp musste zwei Monate in Neumünster einsitzen.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Es gibt nur einen weiteren Hinweis, dass diese Räte länger Bestand gehabt haben könnten: Julius Bredenbeck, damals 11 Jahre alt, aber durch Vater und Onkel bereits gut über die Arbeiterbewegung orientiert, sagte in einem 1989 geführten Interview: „In einzelnen Betrieben gab es schon Arbeiterräte, die sich selbst gebildet hatten, ohne Rechtsgrundlage, einfach aufgrund der Stärke der Organisation. Die zum Teil also auch mit sehr großem revolutionärem Pathos an die Arbeit gingen. In anderen Betrieben waren auch Arbeiterräte, die aber mehr daran interessiert waren, notwendige Dinge, Schwierigkeiten in der Versorgung mit Lebensmitteln usw. weitgehend mit zu steuern. Man kann nicht sagen, dass es eine einheitliche Stimmung gab. Das wurde anders als damals die Matrosen Befehlsverweigerung machten. […] Da war eine allgemeine Solidarität in der gesamte Kieler Arbeiterschaft feststellbar“. Popp selbst gibt in einem Interview mit Dirk Dähnhardt an, der erste Arbeiterrat habe sich aufgelöst (vgl. Klaus Kuhl: &#039;&#039;Lothar Popp – Führer des Kieler Matrosenaufstands 1918 im Streitgespräch mit einem 68er. Interviews mit Lothar Popp.&#039;&#039; Kiel/Hamburg 1970–1978, S. 42. Online zugänglich (aufgerufen am 26. September 2024) unter: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:kuhl_streitgespraech-m-l-popp_1978_plus-weitere-interv-u-gespraeche.pdf]). Eventuell liegt bei Bredenbeck eine Verwechselung mit den Arbeiterausschüssen nach dem Hilfsdienstgesetz vom Dezember 1916 vor.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Im November 1918 übernehmen die Räte die Kontrolle ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Artelt and comrades Kiel-Wik 1914.jpg|mini|Karl Artelt ganz links als Angehöriger der I. Werft-Division, (Ausschnittsvergrößerung rechts), gemeinsam mit Kameraden der I. Torpedo-Division in Kiel-Wik, September 1914]]. Im Verlauf des Kieler Matrosenaufstands entstand dann zuerst im Kasernengelände der Wik am 4. November 1918 ein Soldatenrat, zu dessen Vorsitzenden Oberheizer [[Zeitzeugen_Matrosen%E2%80%93_und_Arbeiteraufstand_1918/1919#Karl_Artelt|Karl Artelt]] (USPD) gewählt wurde. In der Popp/Artelt Broschüre heißt es dazu: „Nachdem Kamerad Artelt und T[h]ümmel zur Wahl von Soldatenräten aufgefordert hatte, vollzog sich die Wahl kompagnieweise. Jede Kompagnie wählte vier Soldatenräte. […] Die erste Soldatenratssitzung in ganz Deutschland tagte im Speisesaal am Montag, den 4 November. Kamerad Artelt wurde als erster, Kamerad Ehle als zweiter Vorsitzender gewählt.“&amp;lt;ref&amp;gt;Popp/Artelt, Ursprung, S. III 16.&amp;lt;/ref&amp;gt; Als weitere Mitglieder konnten bisher festgestellt werden: [[Zeitzeugen_Matrosen%E2%80%93_und_Arbeiteraufstand_1918/1919#Fritz_Fischer|Matrose Fritz Fischer]], Heizer Schaaf – diese gehörten zur ersten Verhandlungsdelegation beim Gouverneur – und vermutlich noch Matrose Erich Thümmel&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;In der SHVZ Jahrgang 1957 (genaues Datum unbekannt) wurde ein Nachruf auf Thümmel veröffentlicht, nachdem dieser im Alter von 64 Jahren verstorben war. Dort heißt es u.&amp;amp;nbsp;a., dass beim Kieler Aufstand „…ein riesiger, schwarzhaariger Torpedobootmatrose mit buschigen Augenbrauen eine führende Rolle [spielte]. Oftmals stand er auf dem großen Kandelaber auf dem Wilhelmplatz und sprach zu den zahlreich versammelten. Schon bald bekam er den Spitznamen ‚Der rote Matrose’. … Bereits lange vor 1918 stand er im Vordergrund der revolutionären Bewegung und auch nach 1945 sah man ihn alljährlich bei der Kranzniederlegung an den Gräbern seiner gefallenen Kameraden der Revolution und des Abwehrkampfes gegen den Kapp-Putsch.“ Thümmel wurde Mitglied des Obersten Soldatenrats. Im Januar 1919 übte er vorsichtige Kritik am Verhalten der inzwischen von den Deckoffizieren dominierten Sicherheitstruppe des Soldatenrats gegenüber einer Arbeitslosenaktion vor und im Rathaus (vgl. OSR: Bekanntmachung. In: Republik, 17. Januar 1919). Im Jahr 1920 war er vermutlich bei der Sicherheitspolizei, wo er sich gegen den Kapp-Putsch engagierte (vgl. Bericht des Sipo-Leutnants Kemsies: Das Verhalten der Sicherheitspolizei Kiel gegenüber der Militärrevolte. 9. April 1920. LAS 301 4458. Online zugänglich (aufgerufen am 26. September 2024) unter: [http://www.kurkuhl.de/docs/sipo_kemsies_arbeiterwehr.pdf]). Von 1938 bis kurz vor seinem Tod war Thümmel Lagermeister des Hansa-Speichers der Schleswig-Holsteinischen landwirtschaftlichen Hauptgenossenschaft.&amp;lt;/ref&amp;gt;(SPD). Zu ihren Forderungen gehörte u.&amp;amp;nbsp;a.: Abdankung des Hohenzollernhauses und die Einführung des allgemeinen, gleichen und geheimen Wahlrechts für beide Geschlechter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kurz darauf entstanden in fast allen militärischen Einheiten ebenfalls Soldatenräte, ohne dass jedoch eine klare Struktur erkennbar gewesen wäre. Sie etablierten sich als direkte Machtorgane der Soldaten anstelle der Offiziere.&amp;lt;ref&amp;gt;Wolfram Wette: Interview von Klaus Kuhl und Kay Gerdes. Freiburg 2016. In: Klaus Kuhl und Kay Gerdes: Begleitheft für den Dokumentarfilm „In Kiel ist Revolution!“ Kiel 2018, S. 52–60, hier S. 54. Online zugänglich (aufgerufen am 31. August 2024) unter: [http://www.kurkuhl.de/docs/begleitheft_dokufilm-in-kiel-ist-revolution_gerdes-kuhl_2018.pdf].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur wenig später fanden sich Aktivisten der Soldaten im Gewerkschaftshaus zusammen und berieten über die weiteren Schritte. Dabei entstanden festere Gruppen, die sich insbesondere um eine Verteidigung der Stadt gegen von auswärts, zur Niederschlagung des Aufstands, entsandte Truppen kümmerten. So berichtete Popp, als er am frühen Morgen des 5. November von der Verhandlung beim Gouverneur ins Gewerkschaftshaus zurückkam, dass „… es schnell [gelang] eine gewisse Einteilung und ein bestimmtes Kommando zu schaffen. In einigen der Zimmer und Bureaus hatte sich der Soldatenrat niedergelassen, der unverzüglich seine Arbeit begann.“&amp;lt;ref&amp;gt;Popp/Artelt, Ursprung, S. III 19.&amp;lt;/ref&amp;gt; Es wurden Passierscheine ausgegeben, um die Bewegungsfreiheit der Offiziere einzuschränken. Flug-Obermaat Nikolaus Goßrau&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Goßrau entwickelte in den Folgetagen die ehrgeizige Idee, sich als rechte Hand Noskes über den Soldatenrat zu stellen. Er setzte sich damit zwischen alle Stühle und ließ sich am 14. November 1918 in ein Lazarett einweisen. Vgl. Klaus Kuhl: Die Ereignisse am 6. November 1918 in Kiel. Kiel 2010. Online zugänglich (aufgerufen am 14. September 2024) unter: [http://www.kurkuhl.de/docs/ereignisse_06-11-1918.pdf].&amp;lt;/ref&amp;gt; begann im Auftrag der Räte mit dem Aufbau eines zentral organisierten Sicherheitsdienstes.&amp;lt;ref&amp;gt;Martin Rackwitz: &#039;&#039;Kiel 1918. Revolution, Aufbruch zu Demokratie und Republik.&#039;&#039; Kiel 2018, S. 114.&amp;lt;/ref&amp;gt; In den Reihen dieser locker strukturierten Soldatenräte genoss Karl Artelt, wie Goßrau andeutet, eine besondere Autorität, weil er die Entwicklung im Militär maßgeblich und mutig vorangetrieben hatte.&amp;lt;ref&amp;gt;Flug-Obermaat Nikolaus Goßrau: Privatakten betr. Revolution 1918. BArch RM 8/1024, Bl. 22.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als weitere Mitglieder dieser frühen, sich im Gewerkschaftshaus zusammenfindenden Soldatenräte, nennt Goßrau sich selbst sowie die Kameraden Braune,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Auch Lothar Popp erwähnt Braune in späteren Interviews: In der entscheidenden Nacht hätten er und „ein gewisser Braune …, (der Braune lebt bei Kiel irgendwo)“ nachts im Stationsgebäude gesessen und Telefonanrufe beantwortet. „Da waren noch welche, wo ich geschwitzt habe dabei.“ Klaus Kuhl: Interviews mit Lothar Popp. Kiel/Hamburg 1970–1978, S. 20, 44 und 60. Online zugänglich (aufgerufen am 15. September 2024) unter: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:kuhl_streitgespraech-m-l-popp_1978_plus-weitere-interv-u-gespraeche.pdf PDF].&amp;lt;/ref&amp;gt; Starke, Hackmann, Falk (Hackmann und Falk konnten nach Aussagen Goßraus über die I., V. und XVII. Halbflottille verfügen), Oberheizer Ruffert,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;In den Popp-Interviews wird, ohne nähere Informationen, der Name Düffert mit Fragezeichen erwähnt. Eventuell handelt es sich hier um dieselbe Person. Vgl. Kuhl, Interviews Popp, S. 42.&amp;lt;/ref&amp;gt; Barghahn und den Matrosen Petersen (Theodor).&amp;lt;ref&amp;gt;Goßrau, Bericht, Bl. 22.&amp;lt;/ref&amp;gt; In einem Bericht des Kommandanten der &#039;&#039;Westfalen&#039;&#039;, Kapitän zur See Max Loesch, wird ein Obermaat Brandt erwähnt, der im Gewerkschaftshaus als Ansprechpartner für Schiffsbesatzungen fungiert habe.&amp;lt;ref&amp;gt;Max Loesch, Kapitän zur See: Vorgänge an Bord (Kiel). Handschriftlicher Bericht 4. und 5. November 1918. BArch RM 31/2373, Bl. 130–133.&amp;lt;/ref&amp;gt; In einem 1958 vermutlich auf Anforderung der SED erstellten Bericht, beschreibt der damalige Unteroffizier Paul Sahnwaldt, dass er dem Soldatenrat der Matrosen-Division angehört hätte.&amp;lt;ref&amp;gt;Paul Sahnwaldt: Der Matrosenaufstand in Kiel 1918. Typoskript 1957. Bundesarchiv, SAPMO, SgY 30/0797, S. 4–8.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Etwa zwei Stunden nach den Soldaten trafen sich auch die Obleute und Vertrauensleute der Betriebe in demselben Saal im Gewerkschaftshaus und beschlossen den Generalstreik zur Unterstützung der Bewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:14 Kieler Punkte.jpg|mini|Die 14 Kieler Punkte in der &#039;&#039;Schleswig-Holsteinischen Volkszeitung (SHVZ)&#039;&#039;]]&lt;br /&gt;
Um 22 Uhr fand eine nochmalige Beratung im Gewerkschaftshaus statt. Circa 40 Vertrauensleute verschiedener Schiffe und Formationen sowie sechs Arbeiter kamen zusammen und verabschiedeten schließlich die bekannten Kieler 14 Punkte, die vielen Räten in ganz Deutschland als Richtschnur dienten.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Popp/Artelt, Ursprung, S. III-21.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dänhardt sieht in der politischen Kurzsichtigkeit, die in diesem Katalog zum Ausdruck kommt, eine wesentliche Ursache, dass die Soldatenräte nach ca. sechs Monaten wieder abgeschafft werden konnten.&amp;lt;ref&amp;gt;Dirk Dähnhardt: &#039;&#039;Revolution in Kiel. Der Übergang vom Kaiserreich zur Weimarer Republik 1918/19.&#039;&#039; Neumünster 1978, S. 89–93.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:gustav_garbe.jpg|150px|mini|Foto Gustav Garbes aus dem Kieler Gewerkschaftshaus, aufgenommen vermutlich in den 1920er-Jahren.]] Am frühen Morgen des folgenden Tages (5. November 1918) bildete sich ein Arbeiterrat aus den Obleuten der Großbetriebe, vierzehn Vorstandsmitgliedern beider sozialdemokratischer Parteien und dem Vorsitzenden des Kieler Gewerkschaftskartells Garbe. Letzterer wurde zum Vorsitzenden gewählt.&amp;lt;ref&amp;gt;Popp/Artelt, Ursprung, S. III-21–23.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Untersuchungen Dirk Dähnhardts bestand der Arbeiterrat aus den folgenden Personen:&amp;lt;ref&amp;gt;Dirk Dähnhardt: Brief an Gundula. Freiburg, 18. Oktober 1975. Wissenschaftlicher Nachlass, StAK Sign. 65496. Die Charakterisierung als „Obleute“ wurde nicht von Dähnhardt vorgenommen, ergibt sich aber daraus, dass SPD und USPD nur jeweils sieben Personen entsandten. Bei der Feststellung der Parteizugehörigkeit wurde Dähnhardt von Gertrud Völcker und Heinrich Bohnsack unterstützt; vgl. Dähnhardt, Revolution, S. 92 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Obleute der Großbetriebe (15, von den meisten ist die Parteizugehörigkeit nicht bekannt, jedoch dürfte die Mehrheit der SPD zuzurechnen sein): Heinrich Bohnsack,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Bohnsack wurde 1893 geboren, war im Ersten Weltkrieg Soldat, war später DMV-Sekretär, kam während der Nazi-Zeit in das Vorläufer KZ Lichtenberg und emigrierte anschließend nach Schweden. Nach seiner Rückkehr war er 1950–1954 Bezirksleiter der IG-Metall Küste. Vgl. Thomas Pusch: &#039;&#039;Politisches Exil als Migrationsgeschichte. Schleswig-Holsteiner EmigrantInnen und das skandinavische Exil 1933–1960.&#039;&#039; Dissertation vorgelegt an der Universität Flensburg 2003. Online zugänglich (aufgerufen am 16. September 2024) unter: [https://www.zhb-flensburg.de/?id=16381].&amp;lt;/ref&amp;gt; Fiebig, Glup, Jatow, Kazda, Krause, Künzel, Küpel, Wilhelm Leopold,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Von 1920 bis 1933 Erster Bevollmächtigter des Kieler Metallarbeiterverbands (DMV).&amp;lt;/ref&amp;gt; Neumann, Rehle, Huß (SPD), Lintzel (SPD), Wiese (USPD), Eduard Wolke (SPD).&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Wolke stiftete später zusammen mit Karl Edler den Gedenkstein für die Revolutionsopfer auf dem Eichhof-Friedhof; vgl. Johannes Rosenplänter: &#039;&#039;Zur Entstehung der ‚Ruhestätte der Opfer der Revolution‘ auf dem Kieler Eichhoffriedhof 1918–1924. Ein Werk des Landschaftsarchitekten Leberecht Migge&#039;&#039;. In: Rolf Fischer (Hrsg.): Revolution und Revolutionsforschung – Beiträge aus dem Kieler Initiativkreis 1918/19. Kiel 2011, S. 101−110, hier S. 105.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Vorstandsmitglieder der SPD (7): Balleng, Beckmann, Bindemann, August Biskupek,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Autoren der SPD Geschichtswerkstatt: August Biskupek. SPD-Geschichtswerkstatt. Online zugänglich (Permanentlink aufgerufen am 16. September 2024) unter: [https://www.spd-geschichtswerkstatt.de/index.php?title=August_Biskupek&amp;amp;oldid=55089].&amp;lt;/ref&amp;gt; [[Zeitzeugen_Matrosen%E2%80%93_und_Arbeiteraufstand_1918/1919#Karl_Edler|Karl Edler]], Fröhlich, Peter Hillbrecht.&lt;br /&gt;
* Vorstandsmitglieder der USPD (7): J. Classen (auch Claßen), Cords, Krogmann, Max Spretke, Springer, Wiechert, Zinser.&lt;br /&gt;
* Vorsitzender des Gewerkschaftskartells: [[Zeitzeugen_Matrosen–_und_Arbeiteraufstand_1918/1919#Gustav_Garbe|Gustav Garbe]] (SPD). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem sich die Macht der Räte im Laufe des 5. November konsolidierte, richtete sich der Blick auch auf weitere drängende Fragen, wie Sicherung der Nahrungsmittelversorgung und Zahlung der Löhnung. Hier bot Gustav Noske, der sich seit dem Vorabend in Kiel befand und an den Verhandlungen teilgenommen hatte, Unterstützung für die Bewegung an, allerdings in der unausgesprochenen Absicht, ihre Ausbreitung zu verhindern. In einer Absprache mit den USPD-dominierten Aktivisten wurde Noskes Angebot angenommen. Dies geschah unter der Bedingung, dass es sich um eine vorläufige Maßnahme handele und dass erst dann weitere politische Entscheidungen getroffen würden, wenn ein mit Noske vergleichbares politisches Schwergewicht der USPD aus Berlin, etwa Hugo Haase&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Hugo Haase (1863–1919), Jurist, war von 1911 bis 1916 einer der beiden Vorsitzenden der SPD, und von 1912 bis 1916 einer der beiden Fraktionsvorsitzenden der SPD im Reichstag. Als Gegner der Kriegspolitik der Mehrheit des SPD-Vorstands aus Fraktion und Partei ausgeschlossen, gründete er 1917 die USPD und war deren Vorsitzender bis 1919. Im November/Dezember 1918 war er gleichberechtigter Vorsitzender mit Friedrich Ebert im Rat der Volksbeauftragten. Er starb im November 1919 an den Folgen eines Attentats.&amp;lt;/ref&amp;gt; eingetroffen wäre. Noske wurde dann per Akklamation auf einer großen Versammlung auf dem Wilhelmplatz zum vorläufigen Vorsitzen der Soldatenräte bestimmt. Seine Aufrufe wurden von Karl Artelt mitunterzeichnet. Anordnungen mussten neben Noskes Unterschrift auch die eines weiteren Soldatenrats-Mitglieds tragen. &lt;br /&gt;
[[Datei:Beschlüsse Soldatenrat Kiel 1918.jpg|mini|Beschlüsse des Soldatenrats vom 5. November 1918]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei wurde inzwischen auch vom Großen Soldatenrat gesprochen, die Zusammenfassung der Räte hatte Fortschritte gemacht, hatte allerdings nach wie vor keine autorisierte Basis, denn Noske wählte hier nach seinem Bekunden im Stationsgebäude nach Gutdünken einen sieben- oder neuenköpfigen Aktionsausschuss aus einer Schar von 50–60 Anwesenden von verschiedenen Schiffen oder Formationen. Von diesen hätte sich ein Großteil als „Versager“ entpuppt.&amp;lt;ref&amp;gt;Gustav Noske: &#039;&#039;Von Kiel bis Kapp. Zur Geschichte der deutschen Revolution.&#039;&#039; Berlin 1920, S. 19 ([https://portal.dnb.de/bookviewer/view/1131562372#page/n6/mode/1up Digitalisat]).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Arbeiterrat ging sofort daran, mittels so genannter Beigeordneter die Zivilverwaltung zu kontrollieren. Den Beigeordneten mussten alle wichtigen Vorgänge vorgelegt werden, und sie konnten in die Entscheidungen eingreifen.&amp;lt;ref&amp;gt;Eine Liste der Beigeordneten findet sich in der Schleswig-HolsteinischenVolks-Zeitung (SHVZ) vom 12. Dezember 1918 (hier nach einer handschriftlichen Aufzeichnung von Dirk Dähnhardt „Beigeordnete für amtliche Stellen“, in seinem wissenschaftlichen Nachlass (Akte 3, Hefter 1), StAK Sign. 65496.&amp;lt;/ref&amp;gt; Als erstes fertigte Garbe eine handgeschriebene Ernennungsurkunde für [[Eduard Adler]] aus. Adler wurde abgestellt, den erzkonservativen Oberbürgermeister [[Paul Lindemann]], der später auch den Kapp-Putsch unterstützte, zu kontrollieren. &amp;lt;!--[[Datei:Garbe_ernennung-beigeordneter-adler_1918.jpg|mini|Ernennungsurkunde für den Beigeordneten Eduard Adler (Vorder- und Rückseite), Stadtarchiv Kiel, Sign. 21392.]]--&amp;gt; Am 11. November 1918 wurde Adler durch den Stadtverordneten August Biskupek (ebenfalls SPD) ersetzt (Letzterer wiederum wurde aufgrund von Krankheit am 13. Februar 1919 durch den Stadtverordneten Hermann Adam abgelöst).&amp;lt;ref&amp;gt;Rackwitz, Kiel 1918, S. 279 f. Zu Adam vgl.: Autoren der SPD Geschichtswerkstatt: Hermann Adam. In: SPD-Geschichtswerkstatt wiki. Online zugänglich (aufgerufen am 16. September 2024) unter: [https://www.spd-geschichtswerkstatt.de/wiki/Hermann_Adam]. &amp;lt;/ref&amp;gt; Adler wurde zusammen mit Paul Greß (auch Gress)&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Autoren der SPD-Geschichtswerkstatt: Paul Gress. In: SPD-Geschichtswerkstatt-Wiki. Online zugänglich (aufgerufen am 2. September 2024) unter: [https://www.spd-geschichtswerkstatt.de/wiki/Paul_Gress].&amp;lt;/ref&amp;gt; Beigeordneter beim Regierungspräsidenten in Schleswig. Auch der Oberpräsident für Schleswig-Holstein, der damals seinen Sitz in Kiel hatte, erhielt einen Beigeordneten des Arbeiterrats. Eingesetzt wurde Heinrich Kürbis (SPD).&amp;lt;ref&amp;gt;Wikipedia-AutorInnen: Heinrich Kürbis. In: Wikipedia – Die freie Enzyklopädie. Online zugänglich (aufgerufen am 3. September 2024) unter: [https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Heinrich_K%C3%BCrbis&amp;amp;oldid=215560106].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Polizeipräsidenten übernahmen Friedrich Brodthuhn (SPD)&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Autoren der SPD Geschichtswerkstatt: Sozialdemokratischer Verein Groß-Kiel - Stadtverordnete. In: SPD-Geschichtswerkstatt wiki. Online zugänglich (aufgerufen am 16. September 2024) unter: [https://www.spd-geschichtswerkstatt.de/wiki/Sozialdemokratischer_Verein_Gro%C3%9F-Kiel_-_Stadtverordnete].&amp;lt;/ref&amp;gt; und Wilhelm Schweizer (USPD, später SPD)&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Autoren der SPD Geschichtswerkstatt: Wilhelm Schweizer. In: SPD-Geschichtswerkstatt wiki. Online zugänglich (aufgerufen am 16. September 2024) unter: [https://www.spd-geschichtswerkstatt.de/wiki/Wilhelm_Schweizer].&amp;lt;/ref&amp;gt; die Kontrolle; bei der städtischen Polizei Wilhelm Leopold (SPD). Zum Post- und Telegraphenamt wurde der später von der SPD zur USPD übergetretene Postinspektor Bertold Brandt&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Rolf Fischer: &#039;&#039;Mit uns die neue Zeit! Kiels Sozialdemokratie im Kaiserreich und in der Revolution.&#039;&#039; Kiel 2013 (Geschichte der Kieler Sozialdemokratie Band 2), S. 187–190. Zum Übertritt zur USPD vgl. die USPD-Zeitung „Republik“ vom 3. April 1920.&amp;lt;/ref&amp;gt; abgeordnet. Das Provinzial-Schulkollegium wurde von Dr. Hermann Weller kontrolliert.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Studienrat Hermann Weller, später Stadtverordneter SPD, spielte eine herausgehobene Rolle neben Dr. Hermann Heller und Professor Gustav Radbruch beim Kapp-Putsch in Kiel. Vgl. Dirk Dähnhardt und Gerhard Granier (Hrsg.): &#039;&#039;Der Kapp-Putsch in Kiel. Eine Dokumentation zum 60. Jahrestag der Märzereignisse von 1920.&#039;&#039; Kiel 1980 (Mitteilungen der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Band 66), S. 148.&amp;lt;/ref&amp;gt; Weitere Beigeordnete waren für die Gewerbe-Inspektion: Jatow, und für den Landeshauptmann: Albert Billian.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Autoren der SPD Geschichtswerkstatt: Albert Billian. In: SPD-Geschichtswerkstatt wiki. Online zugänglich (aufgerufen am 16. September 2024) unter: [https://www.spd-geschichtswerkstatt.de/wiki/Albert_Billian]. In Preußen war der Landeshauptmann der vom Provinziallandtag gewählte höchste Beamte eines Provinzialverbands. Er leitete die provinziale Selbstverwaltung, während der vom König ernannte Oberpräsident die Vorbehaltsrechte der Zentralregierung wahrnahm.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Peter Hillbrecht (SPD), Metallarbeiter und nach Garbe Vorsitzender des Kieler Arbeiterrats und später des Volksrats für Schleswig-Holstein, sah in einer Rückschau einen großen Mangel darin, dass man es versäumt habe, Beigeordnete für die Justiz zu stellen. Dadurch hätte man „unendlich viel an reaktionären Bestrebungen [hintanhalten]“ können.&amp;lt;ref&amp;gt;Peter Hillbrecht: Der Volksrat von Schleswig-Holstein. In: Schleswig-Holsteinische Volks-Zeitung (SHVZ), 5. November 1918, S. 2 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Über Hillbrecht ist nur wenig bekannt. Sabine Roß schreibt in ihrem biografischen Handbuch der Reichsrätekongresse 1918/19 (Hillbrecht war ebenfalls Delegierter für Schleswig-Holstein): Hillbrecht wurde am 23. April 1884 in Spliedtsdorf bei Grimmen (Prov. Pommern) geboren, war von Beruf Torpedoschlosser und seit Juni 1921 Angestellter im Eisenbahnerverband. Im selben Jahr meldete er sich nach Köln ab. Sabine Roß (spätere Kuder): &#039;&#039;Biographisches Handbuch der Reichsrätekongresse 1918/19&#039;&#039;. Düsseldorf 2000 (Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien Bd. 11). Andreas Zimmer erwähnt einen Peter Hillbrecht (SPD) als Mitglied der Landesleitung des Kulturbunds zur demokratischen Erneuerung Deutschlands in der SBZ/DDR, bei dem es sich evtl. um den hier besprochenen Kieler Vertreter handeln könnte: Andreas Zimmer: Der Kulturbund in der SBZ und in der DDR. Eine Ostdeutsche Kulturvereinigung im Wandel der Zeit zwischen 1945 und 1990. 2013 an der Fakultät für Sozialwissenschaften und Philosophie der Universität Leipzig als Dissertation angenommen. Online zugänglich (aufgerufen am 14. Januar 2023) unter: [https://vdoc.pub/documents/der-kulturbund-in-der-sbz-und-in-der-ddr-eine-ostdeutsche-kulturvereinigung-im-wandel-der-zeit-zwischen-1945-und-1990-3n3pm0s03hdg].&amp;lt;/ref&amp;gt; Nach einer Meldung in der Schleswig-Holsteinischen Volks-Zeitung (SHVZ) vom 12. Dezember 1918 war jedoch Professor Otto Opet (1866–1941)&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Otto Opet lehrte seit 1900 als Privatdozent an der Kieler Universität, wo er 1930 zum Ordinarius berufen wurde. Er zählte zu den Wissenschaftlern, deren Abberufung die Kieler Studentenschaft 1933 kategorisch fordert, da er als Jude galt. Als Mitglied des Reichsbanners, der Liga für Menschenrechte und dem republikanischen Klub und der demokratischen (beziehungsweise radikaldemokratischen) Partei war er außerdem politisch engagiert. Unter dem massiven Druck der nationalsozialistischen Anfeindung lässt Opet sich im April 1933 auf &amp;quot;eigenen Antrag&amp;quot; im Alter von 67 Jahren in den Ruhestand versetzen. Vgl. Christian-Albrechts-Universität zu Kiel: Vertriebene Gelehrte. Online zugänglich (aufgerufen am 14. Juli 2024) unter: [https://www.uni-kiel.de/de/universitaet/profil/geschichte-der-universitaet/ns-aufarbeitung/vertriebene-gelehrte].&amp;lt;/ref&amp;gt; der Justiz als Beigeordneter vorgesetzt. Vielleicht lässt sich dieser Widerspruch dadurch erklären, dass Opet als Einzelperson gegenüber der Phalanx der reaktionären Beamtenschaft keinen Effekt erzielen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Ernährungsamt wurde wegen der herausragenden Bedeutung vom Arbeiterrat durch Fiebig und Richter selbst übernommen. Seit den Hungerprotesten 1917 waren die Arbeiter bereits mit einer größeren Gruppe in der städtischen Lebensmittelkommission vertreten und hatten viel Erfahrung sammeln können.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;In der Frühphase der Arbeit im Ernährungsamt erklärte der Dreher Wilhelm Schulz, zu der Zeit (6. November 1918) Vorsitzender des gemeinsamen Ernährungsausschusses von Arbeiter- und Soldatenrat und später als Ernährungskommissar (er war auch Beigeordneter für das Lebensmittellabor) bezeichnet: „Der Arbeiterrat hat einen Ernährungsausschuß in Gemeinschaft mit dem Soldatenrat eingesetzt, […]. Die Regelung der Lebensmittelversorgung der Zivilbevölkerung der Stadt Kiel verbleibt nach wie vor dem Magistrat. Der Ernährungsausschuß wird nur auf Ansuchen des Magistrats eingreifen.“ StAK Sign. 21392. Der „Ernährungskommissar Schulz – Kiel“ gab auf der Konferenz der schleswig-holsteinischen Arbeiter- Soldaten- und Bauern-Räte am 30. März 1919 in Neumünster einen Bericht über seine Tätigkeit; vgl. Anonym: Konferenz der schleswig-holsteinischen Arbeiter- Soldaten- und Bauern-Räte. In: SHVZ, 13. März 1919, S. 1 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur generellen Arbeit der Beigeordneten schreibt Dähnhardt: „Allein im Bereich der Lebensmittelversorgung, die von Anfang an im Mittelpunkt der Tätigkeit des Arbeiterrats stand, konnte dieser eine für die Bevölkerung sichtbare Bedeutung erlangen. Seit Anfang November bot die Lebensmittelversorgung in Kiel keinen Anlaß mehr zu Kritik. Auch Oberbürgermeister Lindemann […] bezeichnete die dem Lebensmittelamt zur Seite gestellten Beigeordneten [im Mai 1919] sogar als &#039;brauchbare Mitarbeiter&#039;, sicherlich ein hohes Lob, wenn man berücksichtigt, dass Lindemann […] ein konsequenter Gegner der Sozialdemokratie war.“&amp;lt;ref&amp;gt;Dähnhardt, Revolution, S. 149.&amp;lt;/ref&amp;gt; Martin Rackwitz kam in seiner umfassenden Darstellung des Kieler Aufstands zu dem Ergebnis, dass die erfahrenen sozialdemokratischen Politiker „ein hohes Maß an kommunalpolitischem Sachverstand“ einbrachten.&amp;lt;ref&amp;gt;Rackwitz, Kiel 1918, S. 190.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz der Konsolidierung des Aufstands in Kiel breitete sich jedoch am 6. November eine große Unsicherheit aus, denn Kiel schien isoliert zu bleiben. Noske unternahm jetzt einen gründlich vorbereiteten Versuch, den Kieler Aufstand zu beenden und damit die alten Verhältnisse wiederherzustellen. Nachmittags fand eine große Massenversammlung von etwa tausend Matrosen, an der auch Vertreter der Arbeiterschaft teilnahmen, im „Schloßhof“ statt, dem heutigen [[Metro-Kino im Schloßhof|metro-Kino]]. Noske hielt seine sorgfältig vorbereitete Rede und beschrieb die großen Schwierigkeiten, vor der die Bewegung stehe. Die Heranschaffung von Lebensmitteln und Geld mache große Probleme, denn Kiel sei isoliert und der Eisenbahnverkehr eingestellt. Er malte ein düsteres Bild und gab dann bekannt, was die Regierung anbieten würde, wenn der Aufstand abgebrochen würde: Straffreiheit für alle Aufständischen, Amnestie für die anlässlich der Marineunruhen 1917 Verurteilten, beschleunigte Herbeiführung des Waffenstillstandes, Beschleunigung der Abdankungsfrage sowie weitere Reformen und Demokratisierung des Staates. Der Vorsitzende des Arbeiterrats Garbe (SPD) und Popp (USPD) sprachen sich dagegen aus. Auch der Redakteur der SHVZ, Bernhard Rausch (SPD)&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Rausch (1887–1981) war Artillerieleutnant an der Westfront und wurde am 1. Oktober 1918 Redakteur der SHVZ in Kiel. Er folgte Noske nach Berlin und wurde dessen politischer Privatsekretär und Referent im Reichswehrministerium, schied 1920 kurz nach Noskes Rücktritt aus und wechselte später zur deutschnationalen Frontsoldaten-Organsation Stahlhelm; vgl. Wolfram Wette: &#039;&#039;Gustav Noske. Eine politische Biographie.&#039;&#039; Düsseldorf 1988, S. 865; sowie Christian Lübcke: &#039;&#039;Ein Versuch zur Demokratisierung der Reichswehr. Bernhard Rauschs Vorschläge für eine Staatsbürgerliche Unterrichtung, 1919-1920. &#039;&#039; In: Andreas Braune, Sebastian Elsbach, Ronny Noak, (Hrsg.): Bildung und Demokratie in der Weimarer Republik. Stuttgart 2022, S. 95-109.&amp;lt;/ref&amp;gt; argumentierte dagegen: Die Bewegung dürfte „… nie in dem Sinne abgebaut werden […], daß etwas von dem aufgegeben würde, was durch sie politisch erreichbar war.“&amp;lt;ref&amp;gt;Bernhard Rausch: &#039;&#039;Am Springquell der Revolution. Die Kieler Matrosenerhebung.&#039;&#039; Kiel 1918 (Reprint als Sonderveröffentlichung der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Bd. 15), S. II 1–31, hier S. II-25.&amp;lt;/ref&amp;gt; In dem Bericht der SHVZ über die Versammlung wurde dies näher erläutert: „Die gegenwärtige schicksalsschwere politische Situation gebietet, dass die entstandenen Machtverhältnisse restlos ausgenützt werden für den politischen und sozialen Fortschritt des Deutschen Reiches. Es gilt das, was im glorreichen Ansturm errungen ist, dauernd zu befestigen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Anonym: Die Lawine im Rollen. In: Schleswig-Holsteinische Volks-Zeitung vom 7. November 1918, S. 1.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noskes Vorschlag wurde nach Angaben Popps einstimmig abgelehnt. Außerdem wurde Popp auf der Versammlung, nachdem der von Berlin entsandte USPD-Vorsitzende Haase Schwierigkeiten hatte, nach Kiel zu gelangen, zum gleichberechtigten Vorsitzenden des Soldatenrats neben Noske bestimmt.&amp;lt;ref&amp;gt;Klaus Kuhl: &#039;&#039;Gustav Garbe – bedeutender Kieler Gewerkschaftsfunktionär, Vorsitzender des Kieler Arbeiterrats und zweimaliger Gouverneur. Mit Vorworten von Frank Hornschu, Geschäftsführer und Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes Kiel Region, und von Stephanie Schmoliner, 1. Bevollmächtigte der IG Metall Kiel-Neumünster.&#039;&#039; Kiel 2023, S. 29–32.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Versammlung verlief teilweise chaotisch, was offenbar mit einer immer noch bestehenden mangelnden Legitimation der Teilnehmer, aufgrund der spontan entstandenen Soldatenräte, zusammen hing. Popp organisierte daraufhin Wahlen von Vertrauensmännern in allen Einheiten, die dann den „Großen Soldatenrat“ wählten, der dann wiederum als Aktionsausschuss am folgenden Tag den Obersten Soldatenrat (OSR) bestimmte. Der OSR, dem auch Karl Artelt angehörte, wählte Lothar Popp zum Vorsitzenden. Weitere Mitglieder waren Maschinistenmaat Ullrich (auch Ulrich), Obermaat Schrader (vom Friedrichsorter Soldatenrat)&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Dirk Dähnhardt gibt eine Äußerung Lothar Popps über Schrader in einem 1975 geführten Gespräch wie folgt wider: „Über die Zusammensetzung des Soldatenrates erinnerte sich Herr Popp nur noch an einen Mann namens Schrader, den er selbst vorgeschlagen hatte, der aber ein &amp;quot;Vollidiot&amp;quot; gewesen sei.“ Kuhl, Popp, S. 44 f. Dähnhardt weist dabei auf eine ähnliche Schilderung Noskes hin. Noske nennt allerdings keine Namen und bezieht sich auf einen Tag vorher. Vgl. Noske, Kiel bis Kapp, S. 19.&amp;lt;/ref&amp;gt; und Obermaat Koch.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Martin Rackwitz erwähnt einen Obermatrosen Koch vom Soldatenrat in Holtenau, der dort die Befehlsgewalt ausgeübt habe. Vgl. Rackwitz, Kiel 1918, S. 181 f. Es bleibt unklar, ob es sich um dieselbe Person handelt.&amp;lt;/ref&amp;gt; Gemäß einer vorher getroffenen Absprache zwischen SPD und USPD übernahm Noske daraufhin das Gouverneursamt von Admiral Wilhelm Souchon.&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhl, Garbe, S. 32.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bereits eine Woche später werden zwei neue Mitglieder des OSR erwähnt, nämlich Robert Pfaff (SPD)&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Pfaff (1881–1940) war außerdem Delegierter auf dem 1. Reichsrätekongress für den Wahlbezirk Schleswig-Holstein und wurde dort als Marinevertreter in den Zentralrat gewählt. Ab 1919 war er kommissarischer Landrat für Rendsburg und dort aktiv an der Niederschlagung des Kapp-Putsches beteiligt, dann Entbindung von diesem Amt. Ab 1924 Inhaber eines Immobiliengeschäfts in Neckargemünd. Vgl. Roß, Reichsrätekongresse. Zur Rolle Pfaffs während des Kapp-Putsches vgl. Klaus Kuhl: &#039;&#039;Abzug des Bataillons Claassen/Detachement Kiel nach dem Kapp-Putsch in Kiel 1920.&#039;&#039; In: Zeitschrift der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte, Band 146 (2021), S. 241–256.&amp;lt;/ref&amp;gt; und Max Hartig,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Hartig, geboren 1887, war Delegierter für den Wahlbezirk Marinestation zum 1. Reichsrätekongress und gehörte zur SPD-Fraktion. Als Wohnort gab er Chemnitz an, und als dortige bisherige Tätigkeit: Sektionsleitung der Modelltischler in Chemnitz. Vgl. Roß, Reichsrätekongresse.&amp;lt;/ref&amp;gt; während Schrader vermutlich ausgeschieden war.&amp;lt;ref&amp;gt;Dähnhardt, Revolution, S. 114 und 136. Schrader wird nur noch einmal von Stabschef Küsel als Teilnehmer bei den Verhandlungen über die Rolle der Offiziere am 8. November erwähnt. Vgl. Klaus Kuhl: &#039;&#039;Gefangen in Überheblichkeit und Engstirnigkeit: Die führenden Seeoffiziere und der Matrosen- und Arbeiteraufstand in Kiel 1918. Die Berichte der Chefs der Marinestation und Gouverneure von Kiel, Admiral Gustav Bachmann und Admiral Wilhelm Souchon sowie ihres Stabschefs Konteradmiral Hans Küsel.&#039;&#039; Kiel 2023, S. 180.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über die Mitglieder des Großen Soldatenrats, die den OSR zu wählen hatten, gibt es bisher nur wenige Informationen: Der Kapitänleutnant Peter Köhler schreibt einem zeitnahen Bericht, dass er selbst zum Soldatenrat auf seinem Wohnschiff &#039;&#039;Nixe&#039;&#039; gewählt wurde und damit Mitglied im Großen Soldatenrat war. Köhler diente bis September 1918 auf dem zum III. Geschwader gehörenden &#039;&#039;Großer Kurfürst&#039;&#039; und war dann dem Artillerieschulschiff &#039;&#039;Kaiserin Augusta&#039;&#039; in Kiel zugeteilt. Er trat für eine Sozialisierung ein, war aber kein Demokrat. Köhler erwähnt auch einen Oberschreiber Haas, der eine bestimmende Rolle im Soldatenrat der I. Werft-Division gespielt hätte.&amp;lt;ref&amp;gt;Kapitänleutnant Peter Köhler: Revolutionsereignisse in Kiel. Typoskript im Nachlass Carl/Karl Hollweg, BArch RM 3/11682, Bl. 198–226. Transkript online zugänglich (aufgerufen am 25. September 2024) unter: [http://www.kurkuhl.de/docs/ereignisse_06-11-1918.pdf].&amp;lt;/ref&amp;gt; Weitere, von Karl Artelt in späteren Berichten erwähnte Mitglieder des Großen Soldatenrats: Torpedobootmatrose Fritz Steinhoff, späterer Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen sowie der U-Bootfahrer Ernst Wollweber, der von 1953 bis 1957 das Staatssekretariat bzw. das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) in der DDR leitete.&amp;lt;ref&amp;gt;Karl Artelt: Zwei Briefe an das Institut für Marxismus-Leninismus beim Zentralkomitee der SED – Abteilung Geschichte der Partei und der deutschen Arbeiterbewegung. Nebra, 15. Dezember 1957 und 12. Februar 1957. Bundesarchiv, SAPMO, SGY 30/0022, Bl. 14–19, hier Bl. 15, 17 und 19.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Regierung in Berlin (bis zum 9. November 1918 noch vom letzten Reichskanzler des Kaiserreichs, Max von Baden, geführt) bestätigte Noske als neuen Gouverneur. Während Popp den Gouverneur als ausführendes Organ des Soldatenrats ansah, mit dem dieser „den Verwaltungsapparat in Bewegung bringen“ könne, betrachtete Noske den Soldatenrat eher als ein Kontrollgremium. In seinem ersten Tagesbefehl, den er zusammen mit dem OSR noch am selben Abend erstellte, hieß es: „Ich bin […] zum Gouverneur gewählt worden […]. Mir zur Seite steht der ‚Oberste Soldatenrat des Befehlsbereichs der Ostseestation’“ &amp;lt;ref&amp;gt;Popp/Artelt, Ursprung, S. III-27 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der OSR schickte dann jeweils einen Vertrauensmann in alle wichtigen militärischen Stellen. Hierbei handelte es sich meistens um Feldwebel.&amp;lt;ref&amp;gt;Rackwitz, Kiel 2018, S. 139 f. Der so genannte Etatmäßige Feldwebel war in der Regel mit dem inneren Dienst und Verwaltungsaufgaben betraut.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die zukünftige Rolle der Offiziere blieb in der Schwebe. Nachdem sich in deren Reihen zunächst eine tiefe Resignation breit gemacht hatte, schöpften die Offiziere wieder Hoffnung, weil Noske signalisiert hatte, dass er auf sie nicht verzichten wollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Inzwischen trafen auch Nachrichten von der raschen Ausbreitung der Revolution ein. Noske kam nun zu der Überzeugung, dass „ein Lavieren nicht mehr am Platze sei, sondern es hieß die Zügel fest in die Hand zu nehmen.“ In einer kleinen Runde vereinbarte er mit einigen Kieler SPD-Führern die Ausrufung des Arbeiterrats als provisorische Regierung Schleswig-Holsteins. Der ebenfalls gewünschten Ausrufung der Republik Schleswig-Holstein widersetzte er sich.&amp;lt;ref&amp;gt;Noske, Kiel bis Kapp, S. 25.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Aufruf Kieler Arbeiter und Soldatenrat.jpg|mini|Gemeinsamer Aufruf des Arbeiter- und des Soldatenrats am 7. November 1918.]] Der OSR und der Arbeiterrat einigten sich auf einen gemeinsamen Aufruf, der als Flugblatt verteilt wurde. Die ersten drei Absätze lauteten: „Die politische Macht ist in unserer Hand. Es wird eine provisorische Provinzialregierung gebildet, die in Zusammenarbeit mit den bestehenden Behörden eine neue Ordnung aufrichtet. Unser Ziel ist die freie, soziale Volksrepublik.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bewegung stieß auch auf große Zustimmung in der Bevölkerung. Dies zeigte sich nicht nur in der überwältigenden Anteilnahme bei der Beerdigung der Revolutionsopfer am 10. November 1918, sondern auch in der raschen Verbreitung der Räteidee: In weiten Kreisen der Bevölkerung bis ins Bürgertum hinein wurden Räte gegründet. Es gab Beamten- und Angestelltenräte,&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. dazu etwa Klaus Kuhl: &#039;&#039;Kiel und die Revolution von 1918. Das Tagebuch eines Werftingenieurs, verfasst in den Jahren 1917–1919. Edition und Textanalyse.&#039;&#039; Berlin 2018, S. 57.&amp;lt;/ref&amp;gt; Studentenräte,&amp;lt;ref&amp;gt;Über Alfred Meusel wird berichtet, dass er Vorsitzender des ersten Studentenrats in Deutschland wurde. Alfred Meusel (1896-1960) besuchte die Oberrealschule in Kiel. Mit Beginn des Ersten Weltkriegs meldete er sich als Freiwilliger, ging an der Front aber bald auf Distanz zum Kaiserreich und kam dort erstmals mit sozialistischen Ideen in Berührung. Im Dezember 1917 wurde er an der Aisne verschüttet, schwer verletzt und behielt zeitlebens ein Nervenleiden als Spätfolge. Von 1918 bis 1922 studierte er in Kiel u. a. Nationalökonomie, Soziologie und Geschichtswissenschaft. Vgl. Mario Kesser und Detlef Siegfried: &#039;&#039;Alfred Meusel im Spannungsfeld von Wissenschaft und Politik&#039;&#039;. In: JahrBuch für Forschungen zur Geschichte der Arbeiterbewegung, Heft III/2010, S. 65–80, hier S. 66 f. Vgl. auch die von Jörg Becker veröffentlichten Berichte von Richard Sorge, der eine sozialistische Studentenorganisation aufbaute.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bauernräte&amp;lt;ref&amp;gt;Nach Gerhard Stoltenberg soll es bereits im Januar 1919 1700 örtliche Auschüsse [Bauernräte] in Schleswig-Holstein gegeben haben; vgl. Gerhard Stoltenberg: &#039;&#039;Politische Strömungen im schleswig-holsteinischen Landvolk 1918-1933.&#039;&#039; Düsseldorf 1962, S.29, Fußnote 4. Stoltenberg beruft sich auf eine Meldung der SHVZ vom 15. Januar 1919. Die Zeitung der USPD „Republik“ meldete am 19. Januar 1919, dass in Schleswig-Holstein ein provisorischer Oberster Bauernrat aus sechs Mitgliedern gebildet worden sei. Beigeordnet seien der Ernährungskommissar für Schleswig-Holstein sowie ein Beauftragter der Landwirtschaftskammer. Geschäftsführer sei vorläufig Max Mißfeld, Suchsdorf bei Kiel.&amp;lt;/ref&amp;gt; und sogar einen Rat des Kirchenchors der [[Nikolaikirche]].&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. den Bericht eines damals 13-jährigen Chorknabens in dem NDR-Film „Matrosen, Räte, Republiken“ von Hartmut Idzko und Jörg Knickrehm, der am 1. November 1978 ausgestrahlt wurde.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In mehreren Verhandlungen wurde zwischen Vertretern der Offiziere und dem OSR eine Absprache über die Rolle der Offiziere getroffen. Diese sah vor, dass diejenigen Offiziere, die sich dem Soldatenrat unterstellten, im Amt bleiben durften. Wenn sie jedoch ein Kommando ausüben wollten, mussten sie das Vertrauen ihrer Untergebenen haben. Von den Mannschaften abgelehnte Offiziere mussten sich in der Marinestation zur Verfügung halten. Die große Mehrheit der Offiziere ließ sich darauf ein, wobei die Mitteilung, der Kaiser habe sie von ihrem Eid entbunden, eine wichtige Rolle gespielt haben dürfte. Die Ansätze für eine Militärreform wurden jedoch, wie Wolfram Wette schrieb, von Noske im Keim erstickt.&amp;lt;ref&amp;gt;Wolfram Wette: Als bei der Torpedo-Division der erste Soldatenrat gebildet wurde. In: Frankfurter Rundschau, 12. Dezember 1988.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Niedergang der Rätebewegung in Kiel ==&lt;br /&gt;
In Kiel begann dieses „Ersticken“ einer möglichen Militärreform damit, dass Noske den Räten gegenüber die Kompetenz der Seeoffiziere, besonders mit Blick auf die Überführung der Flotte nach England, als unverzichtbar darstellte. Kuhl schrieb, dies sei in der neueren Literatur ohne nähere Diskussion akzeptiert worden, aber ein genauerer Blick auf die Aufgaben der verschiedenen Dienstränge zeige, dass Deckoffiziere, Unteroffiziere und Mannschaften ohne größere Probleme in der Lage gewesen wären, ein Schiff zu manövrieren; Steuerleute, Navigationsoffiziere, Maschineningenieure, Funkentelegrafiemeister etc. konnten in ihren Bereichen selbstständig handeln. Die Seeoffiziere waren hauptsächlich dazu da, ein Schiff in der Schlacht zu befehligen. Für andere Aufgaben waren sie nicht unbedingt notwendig. Allerdings war ihre Autorität wichtig für die einigermaßen reibungslose Abfolge aller Arbeiten an Bord und an Land. Diese Autorität aber war stark erschüttert. Eine Auswahl nach demokratischen und republikanischen Kriterien wäre möglich gewesen. Ein entstehender Gruppendruck hätte dann eventuell auch eine Reihe der ehemals kaiserlichen Seeoffiziere zum Einlenken bewegen können. Immerhin war nach der Wahrnehmung des Stabschefs der Marinestation, Küsel, noch Mitte November 1918 „die Stimmung, was das jüngere Seeoffizierkorps anbetrifft, ganz links gerichtet“.&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhl, Überheblichkeit, S. 186.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dies wird auch bestätigt von Admiral Gustav Bachmann, dem Vorgänger Souchons als Gouverneur und Chef der Marinestation, der den Kapitänleutnant Thorwald v. Bothmer als einen der radikalsten bezeichnete („… pries die Republik, machte die Monarchie herunter …“).&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Klaus Franken (Hg.): &#039;&#039;Admiral Gustav Bachmann: Lebenserinnerungen und Tagebuch 1915.&#039;&#039; Paderborn 2022 (Schriften zur Marinegeschichte Band 3), S. 911 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Unter dem Einfluss des Korvettenkapitäns Wilfried von Loewenfeld (s.&amp;amp;nbsp;u.) schlug dies aber schnell wieder um.&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhl, Garbe, S. 38 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zuge der kurz nach dem Umsturz einsetzenden Demobilisierung wuchs der Einfluss der zurückbleibenden Berufssoldaten und hier besonders derjenige der Deckoffiziere. Diese hatten durchaus einen wichtigen Anteil an der erfolgreichen Durchsetzung des Aufstands, denn die standen in deutlicher Opposition zu den Seeoffizieren, von denen sie ebenfalls, wie die Mannschaften, als gesellschaftlich inakzeptable Parias behandelt wurden.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Holger H. Herwig: &#039;&#039;Das Elitekorps des Kaisers. Die Marineoffiziere im Wilhelminischen Deutschland.&#039;&#039; Hamburg 1977, S. 86.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Deckoffizierbund erkannte die neuen Verhältnisse an und erteilte Bestrebungen, diese zurückzudrehen, eine Absage. Die Seeoffiziere müssten dies ebenfalls anerkennen und es müsse eine Auswahl geben, um reaktionäre Absichten von Seiten der Offiziere auszuschließen. Allerdings wurde nicht erkennbar, welche Mechanismen und Garantien der Bund für eine effektive Auswahl anstrebte.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Klaus Kuhl: &#039;&#039;Analyse und Edition von: Paul Kässner, Oberdeckoffizier a. D.: Zur Geschichte der Deckoffizierbewegung, des Deckoffizierbundes und des Bundes der Deckoffiziere.&#039;&#039; Kiel 2022, 6 f. und 22. Online zugänglich (aufgerufen am 4. September 2024) unter: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Kuhl_analyse-edition-kaessner-deckoffizierbewegung_2022.pdf].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei: Kieler_Matrosenaufstand_(Kiel_68.297).jpg|mini|Das Foto zeigt eine Demonstration von Deck- und Unteroffizieren am 22. Dezember 1918 gegen den Beschluss des Reichsrätekongresses und für die Beibehaltung der Rangabzeichen. Dies kennzeichnet den gestiegenen Einfluss der Deckoffiziere.]] Ein Großteil der Deckoffiziere erwies sich auch später im Kapp-Putsch als Stütze der Weimarer Republik, sie hatten jedoch deutliche Vorbehalte gegenüber den Soldatenräten, vermutlich weil sie deren totalen Umsturz der militärischen Hierarchien ablehnten. Die Deckoffiziere bekamen einen großen Einfluss in der Sicherheitswehr des Soldatenrats und auch im OSR selbst. Ihre Vorbehalte führten dann vermutlich auch dazu, dass Lothar Popp am 10. Dezember 1918 als Vorsitzender des OSR zurücktrat; zumindest behauptet dies Noske in seiner 1920 erschienen und stark von Rechtfertigungen geprägten Schrift „Von Kiel bis Kapp“.&amp;lt;ref&amp;gt;Noske, Kiel bis Kapp, S. 52.&amp;lt;/ref&amp;gt; Popp selbst gab später an, er habe nach der Entscheidung für die Nationalversammlung keinen Sinn mehr in seiner Arbeit für den OSR gesehen. Allerdings fiel diese Entscheidung erst später auf der Reichsrätekonferenz 16.–21. Dezember 1918,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Auf dem ersten Reichsrätekongress wurde Kiel durch die folgenden Delegierten vertreten: Gustav Garbe und Peter Hillbrecht für den Arbeiterrat (Kurt Kaulfers, USPD und Bevollmächtigter des DMV Kiel, fiel bei der Mandatsprüfung durch), sowie Max Hartig und Robert Pfaff für den Soldatenrat. Alle bis auf Kaulfers gehörten der SPD an. Vgl. Dieter Braeg und Ralf Hoffrogge (Hrsg.): &#039;&#039;Allgemeiner Kongress der Arbeiter- und Soldatenräte Deutschlands. 16.–20. Dezember 1918 Berlin – Stenografische Berichte, Neuausgabe zum 100. Jahrestag&#039;&#039;. Berlin 2018, S. 561–602. Vgl. auch Roß, Reichsrätekongresse.&amp;lt;/ref&amp;gt; was eher Noskes Darstellung unterstützen würde. Es wäre aber auch denkbar, dass Popps Rücktritt bereits davon bestimmt war, dass keine USPD-Mitglieder aus Kiel zum Reichsrätekongress delegiert wurden. Karl Artelt übernahm nun den Vorsitz des inzwischen auf 14 Mitglieder erweiterten Gremiums, Stellvertreter wurde Robert Pfaff, Schriftführer wurde der Signalmeister und Deckoffizier Franz Riefstahl (SPD). Popp wurde nur noch als politischer Berater des Gremiums aufgeführt. Zum damaligen Zeitpunkt gehörten dem OSR, neben den Genannten, noch die folgenden Personen an: Rudolf Rannow, Erich Thümmel, Schmidtke, Max Hartig, Gräfenstein (auch Grävenstein), Rath, Klaus, Eggers, Rudolph, Widmaier (auch Widmeier) und Feill (insgesamt 14).&amp;lt;ref&amp;gt;Anonym: Sitzung des obersten Soldatenrates. In: Republik, 11. Dezember 1918.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Hartig und Thümmel wurden bereits oben beschrieben, Riefstahl und Rannow werden weiter unten als Vorsitzende des OSR beschrieben, zu den anderen Personen ist bisher nichts weiter bekannt.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die provisorische Regierung Schleswig-Holsteins hatte zunächst der Kieler Arbeiterrat übernommen. Auf einer Konferenz am 12. Dezember 1918 in Neumünster wurden nun auch die anderen Räte in der Provinz einbezogen. Die Konferenz wurde von Garbe eröffnet und zusammen mit Richter aus Neumünster und Schlüter aus Flensburg geleitet. Es herrschte Einigkeit darüber, dass in „nächster Zukunft […] Räterat und National-Versammlung nebeneinander bestehen bleiben und zusammen arbeiten [müssen].“&amp;lt;ref&amp;gt;Einleitendes Referat des Beigeordneten der Regierung in Schleswig Eduard Adlers auf der Konferenz. Protokoll der Konferenz der Arbeiter- und Soldatenräte Neumünster am 12. Dezember 1918. Manuskript. Archiv des Zentralrats der Deutschen Sozialistischen Republik; Sign. B-58. Online zugänglich (aufgerufen am 9. Januar 2023) unter: [https://search.iisg.amsterdam/Record/ARCH01676].&amp;lt;/ref&amp;gt; Die provisorische Regierung setzte sich nun aus Vertretern der Räte verschiedener Regionen zusammen. Sie bezeichnete sich später als „Volksrat“.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Kuhl, Garbe, S. 34.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 27. Dezember 1918, mit Beginn der Unruhen in Berlin, kehrte Noske dorthin zurück und übernahm im Rat der Volksbeauftragten, nach dem Rücktritt der USPD-Beauftragten, den Bereich „Heer und Marine“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit verstärkte sich der schleichende und im Laufe der Entwicklung immer offenere Prozess, in dem Noske – inzwischen Reichswehrminister – die Soldatenräte im Juni 1919 schließlich abschaffen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wichtige Stationen waren dabei:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Verkleinerung des 53er Rats, dem Zentralrat der Marine im Berliner Reichsmarineamt,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Dem Rat gehörten die folgenden Kieler Personen an: Bock, Hohmann, Klenke, Lebeck, Manschke, Rösler, Stock, Block und Schumann; vgl. Kriegsakten betreff Revolution 1918 und Märzwirren 1920. BArch RM 8/1013, Bl. 73 f. Im Mai 1919 wurde auch ein Verbandssoldatenrat, in dem die Soldatenräte sich überregional organisiert hatten, der aber offensichtlich keinen größere Bedeutung erlangt hat, erwähnt; vgl. Akten des Reichsmarineamts betreffend Arbeiter und Soldatenrat, Juni 1919–März 1922. BArch RM 20/13 Bl. 27.&amp;lt;/ref&amp;gt; auf sechs Personen. Der Rat wollte die neue Marine auf Völkerverständigung und eine reine Verteidigung festlegen. Dies stieß jedoch bei den weiter nach „Weltgeltung“ strebenden „Tirpitzianern“, zu denen die vorgesehenen Führer der Marine (insbesondere v. Trotha)&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Konteradmiral Adolf von Trotha (1868–1940), ab März 1919 Chef der Admiralität, im Oktober 1919 zum Vizeadmiral befördert, unterstützte den Kapp-Putsch und wurde später Propagandist für die NSDAP.&amp;lt;/ref&amp;gt; gehörten, sowie auch bei Noske selbst, auf großen Widerstand. Aufgrund von Noskes Kritik, der auf dem Reichsrätekongress eine Verschleppung von Entscheidungen bemängelte, wurde der Rat auf sechs Mitglieder verkleinert und damit in seinen Wirkungsmöglichkeiten (bei einem Amt mit etwa 1000 Beschäftigten) stark eingeschränkt. Der stellvertretende Vorsitzende des Kieler OSR, Robert Pfaff (SPD), der auch am Reichsrätekongress teilnahm, unterstützte Noske bei seinem Vorgehen. Wette vermutet, dass Noskes Beanstandungen eher auf die inzwischen USPD-nahe Programmatik des 53er Rats zurückgingen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Wette, Noske, S. 272–280.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Der Aufbau der 1. Marine-Brigade (inoffizielle Bezeichnung: Eiserne Brigade oder Eiserne Division) durch die Deckoffiziere auf Anforderung Noskes Anfang Januar 1919. Im OSR argumentierten die Deckoffiziere damit, dass die Truppe für die Grenzsicherung im Osten gebraucht würde. Sie wurde dann aber bei den Kämpfen in Berlin und danach auch in weiteren Städten, u.&amp;amp;nbsp;a. in Bremen eingesetzt. Dies führte am 6. Januar 1919 zum Rückzug Karl Artelts aus dem OSR. Den Vorsitz übernahm zunächst Max Hartig für 10 Tage dann der Signalmeister und Deckoffizier Franz Riefstahl,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Über Riefstahl ist ebenfalls nur wenig bekannt, obwohl er neben Popp und Artelt eine besonders wichtige Rolle in der Soldatenratsbewegung spielte: Riefstahl war zunächst wohl die zentrale Figur in dem nur bis zum 3. Dezember 1918 existierenden Generalobmannbüro. Neben Riefstahl waren hier noch der Oberheizer Klaus, der Ubootsmaschinistenmaat Tscharutke, der Schreiber Au und der Oberschreiber Rothenbacher tätig. Das Büro wurde parallel zum OSR eingerichtet und diente den Obmännern, wie die von den einzelnen Soldatenräten in den Großen Soldatenrat entsandten Delegierten genannt wurden, als Ansprechstelle. Mit Riefstahls Wahl in den OSR wurde es offenbar aufgelöst. Vgl. Dähnhardt, Revolution, S. 131. Riefstahl gehörte dem OSR von Anfang Dezember 1918 bis Ende März 1919 ununterbrochen an, und war mit 2 ½ Monaten der am längsten auf diesem Posten dienende Vorsitzende. Obwohl Riefstahl der SPD angehörte und deutlich moderater war  als Popp und Artelt, verfolgten ihn die Seeoffiziere mit großem Hass. So bezeichnete v. Loewenfeld ihn als „widerlichen, aufgeblasenen roten Gesellen und Offiziershasser“. Der Stabschef Konteradmiral Küsel schrieb über ihn, er habe sich dann besonders hervorgetan, wenn es galt die Seeoffiziere zu bekämpfen. Riefstahl war später Amtmann in Berlin und wird im „Vorwärts“ vom 15. Oktober 1919 (S. 4) unter den „Groß-Berliner Parteinachrichten“ erwähnt. In einer Versammlung für „Sozialdemokratische Beamte, Angestellte und Hülfskräfte der Gemeindebehörden Groß-Berlins“ referierte Riefstahl über „Revolution und Beamtenschaft.“ Das preußische Innenministerium unter Göring ließ 1934 Erkundigungen über Riefstahl einziehen, um ihn aus dem Beamtendienst zu entfernen. Dabei übermittelte Küsel die genannte Denunziation. Wette vermutet, dies habe ausgereicht, um den Stadtamtmann Riefstahl aus dem Beamtendienst zu entfernen. Vgl. Wette, Noske, S. 261 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; während Hartig sein Stellvertreter wurde. Hartig schied am 7. Februar aus, auf ihn folgte Bublat als Stellvertreter.&amp;lt;ref&amp;gt;Klaus Kuhl: &#039;&#039;Die Kieler Eiserne Division – ein besonderer Fall in der militärischen Landschaft der Weimarer Republik.&#039;&#039; In: Rolf Fischer (Hrsg.): Brennpunkte 1918. Orte der Revolution in Schleswig-Holstein. Kiel 2023, S. 113–132.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Neuordnung der Kommandogewalt. Diese hatte bisher weitgehend in den Händen der Soldatenräte gelegen. Gegen einen bekannt gewordenen Entwurf legte der Kieler OSR Protest ein. Dieser Protest wurde auch am 1. Februar 1919 von der Kieler SPD-Zeitung unterstützt. Man sah in Noskes Planungen den Versuch, die Zustände vor der Revolution wieder einzuführen.&amp;lt;ref&amp;gt;Anonym: Neuregelung der Kommandogewalt. In: SHVZ, 1. Februar 1919, S. 1.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Entwurf war Mitte Januar vom neuen Kriegsminister Oberst Walther Reinhardt vorgelegt, vom Zentralrat der Deutschen Sozialistischen Republik&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Ein vom Reichsrätekongress im Dezember 1918 eingerichtetes Gremium zur Überwachung und zur Kontrolle des Rats der Volksbeauftragten.&amp;lt;/ref&amp;gt; geringfügig geändert und dann von der Regierung angenommen worden. Das Verordnungswerk wurde am 19. Januar verabschiedet, gab die Kommandogewalt zurück an die Offiziere und schränkte die Befugnisse der Soldatenräte stark ein. Fronttruppen und Freikorps waren ausgenommen, dort hatten Soldatenräte sowieso einen schweren Stand oder wurden gar nicht geduldet.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Wette, Noske, S. 333–339.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Rahmen verschiedentlicher Proteste der Kieler Räte bei Noske fühlten sich die Delegationsmitglieder Riefstahl, Klaus, Rannow und Thümmel von Noske „wie Handwerksburschen“ behandelt.&amp;lt;ref&amp;gt;Wette, Noske, S. 260.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Der große Protest der Kieler Arbeiterschaft gegen Noskes kompromissloses militärisches Vorgehen gegen die Bremer Räterepublik Anfang Februar 1919; aufgrund der begeleitenden militanten Aktionen der KPD auch als Kieler „Spartakus-Putsch“ bezeichnet. Im Verlauf der bewaffneten Auseinandersetzungen erlaubte Noske dann die Aufstellung der 3. Marine-Brigade durch Wilfried von Loewenfeld, die dann die Sicherheitstruppe des Soldatenrats dominierte.&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhl, Garbe, S. 47 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Am 25. Februar erfolgte dann eine Neuwahl des OSR und der erneut zum Vorsitzenden gewählte Riefstahl verkleinerte den bereits auf 12 Mitglieder reduzierten OSR auf nunmehr neun Personen. Dabei handelte es sich neben Riefstahl um Bublat (Stellvertreter), Schlüter (Schriftführer), Klaus, Rannow, Rath, Widmaier, Thümmel und Dräger.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Rackwitz, Kiel 1918, S. 183; sowie Anonym: Neuwahl des Obersten Soldatenrates. In: Kieler Zeitung vom 1. März 1919, Morgenausgabe.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Einsetzung eines Seeoffiziers als Stationschef wurde von Noske gegen den Widerstand von OSR und Arbeiterrat nach verschiedenen Anläufen durchgesetzt. Dabei verlor Garbe als Noskes Nachfolger auf dem Posten des Kieler Gouverneurs seine militärische Befehlsgewalt und wurde zum „Zivilgouverneur“ herabgestuft. Der OSR wurde nun nur noch als Stationssoldatenrat bezeichnet. Am 10. März 1919 wurde Konteradmiral Meurer als Stationschef eingesetzt. Wenig später verlor Garbe auch seinen Titel als Zivilgouverneur. Am 31. März 1919 schieden Riefstahl, Klaus, Bublat und Thümmel aus dem OSR/Stationssoldatenrat aus. Neuer Vorsitzender wurde der Oberfeuerwerkermaat Rudolf Rannow (SPD),&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Rannow, geb. 25. Januar 1887 in Oramburg (Pommern), wird in dem Bericht des Kapitänleutnants Peter Köhler am 7. November 1918 als Obmann des Soldatenrats erwähnt; Köhler: Revolutionsereignisse, S. 14. Rannow war im April 1919 Delegierter für den 2. Reichsrätekongress, wo er den Wahlbezirk Ostseestation vertrat. Er organisierte im April 1919 den Zusammenschluss von Berufssoldaten, die sich zur SPD bekannten (im Hinblick auf eine zu gründende republikanische Volkswehr), beteiligte sich an der Abwehr des Kapp-Putsches in Kiel und wurde Kommandeur der gegen den Putsch aufgebauten Arbeiterwehr. In der Personalamtsakte „Wahlen von Stadträten und Bürgermeistern“ im Stadtarchiv Kiel (Sign. 31980) wird er ab 1920 als Stadtsekretär geführt. Im Jahr 1926 meldete er sich nach Lägerdorf ab. Vgl. Wette, Noske, S. 260 und 865; Roß, Reichsrätekongresse, S. 202; Dähnhardt/Granier, Kapp-Putsch in Kiel, S. 110 ff.; BArch 8/1022, Bl. 61 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt; sein Stellvertreter wurde der Feldwebel Paul Dräger.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Dräger war 1920 Führer im Reichswirtschaftsverband deutscher derzeitiger und ehemaliger Berufssoldaten (RdB, Vorläufer des Deutschen Bundeswehr Verbands) in Kiel. Er spielte eine aktive Rolle bei der Niederschlagung des Kapp-Putsches. Vgl. Dähnhardt/Granier, Kapp-Putsch in Kiel, S. 41, 72, 140.&amp;lt;/ref&amp;gt; Außerdem gehörte nach wie vor der Feldwebel Schlüter&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Nachdem Marinewaffen heimlich auf das Gut des Prinzen Heinrich in Hemmelmark verbracht worden waren, wurden dort im April 1919 Durchsuchungen vorgenommen, an denen Schlüter (stellvertretend für Rath) vom OSR, und Otto Eggerstedt vom Volksrat beteiligt waren. Es wurden 30 Gewehre mit Munition gefunden, die Heinrich von einem Seeoffizier geliefert worden waren. Bald darauf beschwerte sich der neue Stationschef Meurer in Berlin bei v. Trotha, dass der Soldatenrat wiederum gegen Vorschriften verstoßen habe, als er sich nach diesen Vorfällen bei weiteren Hausdurchsuchungen des Volksrats in Kitzeberg (Villenviertel auf dem Ostufer der Kieler Förde) beteiligte. Nach Aussagen des Stationssoldatenrats hatte Meurer die Beschwerde auf Anweisung Noskes verfasst. Vgl. Akten des Reichsmarineamts betreffend Arbeiter und Soldatenrat, Juni 1919–März 1922. BArch RM 20/13 Bl. 30–47.&amp;lt;/ref&amp;gt; dem Rat an. Am 12. Mai 1919 wurde das Mitglied im Stationsssoldatenrat, Rath, durch den Feldwebel und Marinefeuerwerker Adolf Schmalix&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Schmalix (1890–1956) gehörte zur 1. Marine-Division und beteiligte sich am Aufbau des Reichswirtschaftsverbands derzeitiger und ehemaliger Berufssoldaten und des Republikanischen Führerbunds. Er engagierte sich im Kampf gegen den Kapp-Putsch, setzte sich dabei für die Bewaffnung der Arbeiterschaft ein und wurde für mehrere Tage verhaftet. Zu einem von ihm zu verantwortenden Unterschlagungsfall in seiner Abteilung erklärte er, „infolge seines Kampfes mit den höchsten Behörden“ sei es ihm nicht möglich gewesen, den Fall zur Anzeige zu bringen. Er verließ Kiel, entwickelte sich zum „völkisch-antisemitischen Extremnationalisten“ und beteiligte sich am Hitler-Putsch. Ab 1924 lebte er in Erfurt, wo er Schriftleiter und Herausgeber des Wochenblattes &amp;quot;Echo Germania&amp;quot; wurde. In dem Blatt pöbelte er gegen prominente Bürger, mit Vorliebe gegen Juden, Ausländer oder Demokraten, denen er dann anbot, sich freizukaufen, um weiteren Schmähungen zu entgehen. Im Frühjahr 1928 rief er den &amp;quot;Großdeutschen Freiheitsbund&amp;quot; ins Leben, dessen Programm aus einem Sammelsurium gängiger nationalistisch-völkischer Ansichten und Feindbilder bestand. Bei der Kommunalwahl in Erfurt errang er in einer reichsweiten Sensation 10 von 52 Mandaten. Später trat der der NSDAP bei. Nach dem Zweiten Weltkrieg saß Schmalix noch 1956 im Kreistag im Landkreis Roding (Oberpfalz). Vgl. Dähnhardt/Granier, Kapp-Putsch in Kiel, S. 24 f. und 41; Anonym: Ein rehabilitierter Berufssoldat. In: Republik, 26. März 1920; Steffen Raßloff: &#039;&#039;Erfurt begeht moralischen Selbstmord. Adolf Schmalix und die Großdeutsche Freiheitsbewegung.&#039;&#039; In: Stadt und Geschichte. Zeitschrift für Erfurt. 13 (2001). S 28 f. Online zugänglich (aufgerufen am 25. Septrember 2024) unter: [http://www.erfurt-web.de/Adolf_Schmalix].&amp;lt;/ref&amp;gt; ersetzt. Zu diesem Zeitpunkt gehörten dem Rat neben den genannten Rannow, Dräger, Schmalix und Schlüter noch Widmaier und Arnold (Minensuchflottille) an.&amp;lt;ref&amp;gt;Station O: Akta betr. XI a (Soldatenrat). BArch RM 31/2375 Bl. 22.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits einige Tage vorher, am 6. März 1919, war das Gesetz über die vorläufige Reichswehr verkündet worden. Es war unter Führung des Kriegsministers von Offizieren erarbeitet worden. In der parlamentarischen Debatte machte Noske deutlich, dass sozialdemokratische Vorstellungen zurzeit zurückgestellt werden müssten, um Deutschland wieder wehrhaft zu machen. Mit dem verabschiedeten Gesetz wurden die Freikorps sanktioniert, republikanische Verbände und Soldatenräte wurden abgeschafft.&amp;lt;ref&amp;gt;Wette, Noske, S. 358–368.&amp;lt;/ref&amp;gt; Am 5. Juni 1919 wurde auch der Kieler Soldatenrat abgeschafft. Es gab jetzt nur noch Vertrauensleute mit Beschwerderechten, die ohne gesetzliche Fixierung lediglich gemäß Marine-Verordnungsblatt MVBl 17, S. 208 und 209 zu wählen waren.&amp;lt;ref&amp;gt;Wette, Noske, S. 368.&amp;lt;/ref&amp;gt; Schmalix und Widmaier werden noch im September 1919 als Vertrauensleute erwähnt, wobei sie sich über die ständig weiter eingeengte Bewegungsfreiheit beschweren.&amp;lt;ref&amp;gt;Akte Reichsmarineamt Juni 1919–März 1922. BArch RM 20/13 Bl. 129 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein weiterer Vertrauensmann war der, als bewährter Deckoffizier von Noske zum Leutnant zur See beförderte, Carl von Seydlitz. Seydlitz wurde nach dem Kapp-Putsch kurzzeitig Stationschef in Kiel, weil die Seeoffiziere wegen Putschbeteiligung suspendiert worden waren oder aus Solidarität den Dienst verlassen hatten.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Klaus Kuhl: &#039;&#039;Leutnant zur See Carl von Seydlitz. Der Kampf für die Demokratisierung der Reichsmarine.&#039;&#039; In: Rolf Fischer (Hrsg.): Sehnsucht nach Demokratie. Neue Aspekte der Kieler Revolution 1918. Kiel 2020, S. 23-35.&amp;lt;/ref&amp;gt; Demokratisch und republikanisch orientierte Soldaten und Offiziere wurden jetzt langsam aber stetig aus dem Militär gedrängt.&amp;lt;ref&amp;gt;Wette, Noske, S. 560, 697.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch Seydlitz gab 1923 auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Räteidee lebte aber im zivilen Bereich weiter. Garbe hatte den Vorsitz im Arbeiterrat mit seiner Ernennung zum Gouverneur abgegeben. Nachfolger wurde Peter Hillbrecht (SPD), zweiter oder gleichberechtigter Vorsitzender J. Claßen (auch Classen geschrieben) von der USPD. Der Rat gab seinen Anspruch, als provisorische Regierung der Provinz Schleswig-Holstein zu fungieren, an den neu gebildeten Volksrat ab. Diesem gehörten auch Vertreter anderer Räte aus Schleswig-Holstein sowie kurzzeitig ein Mitglied des OSR an.&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhl, Garbe, S. 48 f. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während der Soldatenrat als wichtigstes Ziel eine Demokratisierung des Militärs verfolgte, stand bei dem Arbeiterrat die Demokratisierung der Wirtschaft im Zentrum. Besonders die Führer der Werften gehörten meist der rechtsradikalen Deutschen Vaterlandspartei an. Sie besaßen einen großen politischen Einfluss. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitte März wurden Neuwahlen zu den Arbeiterräten durchgeführt. Die Parität mit der USPD wurde aufgegeben, damit konnte diese nur noch eine marginale Rolle in den Räten spielen. Die Beteiligung an den Wahlen war gering, was zu einem weiteren Bedeutungsverlust führte. Im neu konstituierten Arbeiterrat wurden Peter Hillbrecht zum ersten und Otto Eggerstedt&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Eggerstedt (1886–1933 im KZ Esterwegen ermordet) erlernte den Beruf des Bäckers und war Soldat im Ersten Weltkrieg. Er berichtete, wie er dazu beitrug, dass sich auf dem Rückmarsch von der Front Soldatenräte bildeten (Otto Eggerstedt: Die Revolution im Felde! In: SHVZ, 5. November 1919). Zurück in Kiel engagierte Eggerstedt sich stark bei Versuchen eine demokratische Einwohnerwehr aufzubauen und war während des Kapp-Putsches an führender Stelle am Aufbau der Arbeiterwehr beteiligt. Ab Juli 1919 war er Parteisekretär der SPD in Kiel und von 1919 bis 1924 Stadtverordneter von Kiel. Im März 1921 rückte er für Albert Billian in den Reichstag nach, dem er durchgehend bis 1933 angehörter. Ab 1927 war er in der preußischen Verwaltung tätig, ab April 1928 als Regierungsrat und Leiter des Polizeiamtes Wandsbek. Ab 1929 wurde er, das erste halbe Jahr kommissarisch, Polizeipräsident von Altona-Wandsbek mit Sitz in Altona. In seine Dienstzeit fiel der so genannte Altonaer Blutsonntag, der als Anlass für die Beseitigung der sozialdemokratischen preußischen Regierung, eines der letzten Bollwerke gegen die Machtübernahme durch die Nazis, herhalten musste. Vgl. Autoren der SPD-Geschichtswerkstatt: Otto Eggerstedt. Online zugänglich (aufgerufen am 25. September 2024) unter: [https://www.spd-geschichtswerkstatt.de/wiki/Otto_Eggerstedt].&amp;lt;/ref&amp;gt; zum zweiten Vorsitzenden gewählt. Weitere Mitglieder waren der Redakteur der SHVZ Bernhard Rausch und J. Classen (oder Claßen) für die USPD. Als Aufgaben des Rats wurde benannt: Den Räten sollte nicht die ganze politische Macht übertragen werden, sondern sie sollten „die denkbar wichtigsten wirtschaftlichen Aufgaben“ erhalten: die „Mitleitung der Fabrikbetriebe und die Sozialisierung“. Sie sollten politisch fortwirken, solange der Beamtenkörper nicht hinreichend demokratisch erneuert sei.&amp;lt;ref&amp;gt;Anonym: Der Kieler Arbeiterrat. In: SHVZ, 24. März 1919.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich musste der Arbeiterrat im September seine Arbeit einstellen, weil keine Gelder mehr bewilligt wurden. Im Zuge des reformierten – nunmehr demokratischen – Wahlrechts waren jedoch viele seiner Mitglieder und Beigeordneten in die entsprechenden Gremien gewählt worden und konnten so – anders als bei den Soldatenräten – weiter Einfluss ausüben. Für Garbe war diese Entwicklung folgerichtig. Er sagte in seiner Wahlkampfrede anlässlich seiner Kandidatur für die Kommunalwahl Anfang März in Kiel: „Ich bin kein großer Freund der Arbeiterräte, deren Zeit bald vorbei sein dürfte. […] Die Räte sollen im Rathaus sitzen. […] wo sie besser arbeiten können wie heute als Beiräte.“&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhl, Garbe, S. 49 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Räteidee war auch von der Nationalversammlung aufgenommen worden, insbesondere, um der in der Arbeiterbewegung weit verbreiteten, immer wieder vorgetragenen Forderung nach Sozialisierung und Demokratisierung der Wirtschaft entgegenzukommen. Eine Kombination von Parlamentarismus und Rätesystem war also durchaus denkbar.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. dazu Peter von Oertzen: &#039;&#039;Betriebsräte in der Novemberrevolution. Eine politikwissenschaftliche Untersuchung über Ideengehalt und Struktur der betrieblichen und wirtschaftlichen Arbeiterräte in der deutschen Revolution 1918/19.&#039;&#039; Düsseldorf 1963 (Beiträge zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien, Band 25), S. 57–67.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Gespräch waren etwa Wirtschaftsräte, doch erst 1930 wurde ein Entwurf für die Ausgestaltung des Reichswirtschaftsrats vorgelegt, der jedoch zu der Zeit keine Aussichten mehr auf Umsetzung hatte und nicht die notwendige Zweidrittelmehrheit erhielt. Übrig blieben schließlich nur noch die Betriebsräte. Im Februar 1920 wurde das Betriebsrätegesetz verabschiedet, das allerdings die Mitwirkungsmöglichkeiten nach ursprünglichen Forderungen einer weitgehenden Kontrollfunktion  nur noch auf soziale Belange beschränkte. Garbe, der vermutlich hinter der Aussage in der SHVZ stand, dass man den Arbeiterräten die „Mitleitung der Fabrikbetriebe“ übertragen wollte, äußerte sich in seinem Bericht im Jahr 1920 entsprechend enttäuscht über das Betriebsrätegesetz.&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhl, Garbe, S. 50.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
Damit war die Rätebewegung in Kiel, die die politische Demokratie erkämpft hatte, mit ihren weitergehenden Vorstellungen einer Demokratisierung von Militär und Wirtschaft gescheitert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellen und Literatur ==&lt;br /&gt;
* Lothar Popp, Karl Artelt: &#039;&#039;Ursprung und Entwicklung der November-Revolution 1918. Wie die deutsche Republik entstand.&#039;&#039; Kiel 1918. Reprint als Sonderveröffentlichung der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Band 15, S. III 1–30. Im Jahr 2020 leicht gekürzt und kommentiert veröffentlicht in: IG Metall Bezirksleitung Küste (Hrsg.): &#039;&#039;Matrosenaufstand und Novemberrevolution 1918.&#039;&#039; Hamburg 2020, S. 96–115, ISBN 978-3-96488-063-5.&lt;br /&gt;
* Gustav Noske: &#039;&#039;Von Kiel bis Kapp. Zur Geschichte der deutschen Revolution.&#039;&#039; Berlin 1920 ([https://portal.dnb.de/bookviewer/view/1131562372#page/n6/mode/1up Digitalisat]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Klaus Kuhl: &#039;&#039;Gustav Garbe – bedeutender Kieler Gewerkschaftsfunktionär, Vorsitzender des Kieler Arbeiterrats und zweimaliger Gouverneur. Mit Vorworten von Frank Hornschu, Geschäftsführer und Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes Kiel Region, und von Stephanie Schmoliner, 1. Bevollmächtigte der IG Metall Kiel-Neumünster.&#039;&#039; Kiel 2023.&lt;br /&gt;
* Martin Rackwitz: &#039;&#039;Kiel 1918. Revolution, Aufbruch zu Demokratie und Republik.&#039;&#039; Kiel 2018, ISBN 978-3-529-05174-6.&lt;br /&gt;
* Dirk Dähnhardt: &#039;&#039;Revolution in Kiel. Der Übergang vom Kaiserreich zur Weimarer Republik 1918/19.&#039;&#039; Karl Wachholtz, Neumünster 1978, ISBN 3-529-02636-0.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
* Wikipedia: Arbeiter- und Soldatenrat [https://de.wikipedia.org/wiki/Arbeiter-_und_Soldatenrat].&lt;br /&gt;
* [[Zeitzeugen_Matrosen%E2%80%93_und_Arbeiteraufstand_1918/1919|Zeitzeugen]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references group=&amp;quot;A&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Geschichte]] [[Kategorie:20. Jahrhundert]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Klaus Kuhl</name></author>
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		<updated>2024-09-28T10:29:33Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Klaus Kuhl: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Die Seite [[Zeitzeugen Matrosen– und Arbeiteraufstand 1918/1919]] verwendet die Datei.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Klaus Kuhl</name></author>
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		<title>Datei:Kuhl streitgespraech-m-l-popp 1978 plus-weitere-interv-u-gespraeche.pdf</title>
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		<updated>2024-09-28T10:26:21Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Klaus Kuhl: Klaus Kuhl lud eine neue Version von Datei:Kuhl streitgespraech-m-l-popp 1978 plus-weitere-interv-u-gespraeche.pdf hoch&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Klaus Kuhl</name></author>
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		<title>Der Kieler Arbeiter- und Soldatenrat</title>
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		<updated>2024-09-28T09:46:45Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Klaus Kuhl: Weiterleitung nach Die Kieler Arbeiter- und Soldatenräte erstellt&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;#WEITERLEITUNG [[Die Kieler Arbeiter- und Soldatenräte]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Klaus Kuhl</name></author>
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		<title>Kieler Arbeiter- und Soldatenräte</title>
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		<updated>2024-09-28T09:43:10Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Klaus Kuhl: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Obwohl der Begriff &#039;&#039;&#039;Arbeiter- und Soldatenrat&#039;&#039;&#039; auch in Kiel benutzt wurde, gab es hier streng genommen keine gemeinsame Räteorganisation der Arbeiterschaft und der Soldaten. Im Folgenden wird die Entwicklung der Kieler Räte beschrieben und – soweit bekannt – werden die Mitglieder vorgestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Arbeiterrat im Januar 1918 ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Lothar_popp_mid-1920s.jpg|thumb|Passfoto Lothar Popp, aufgenommen vermutlich Mitte der 1920er Jahre, Hamburger Staasarchiv.]] Ein erster Arbeiterrat wurde anlässlich der reichsweiten Januarstreiks 1918 gegründet, die in Kiel ihren Anfang nahmen und auf die österreichischen Jännerstreiks folgten. [[Zeitzeugen_Matrosen%E2%80%93_und_Arbeiteraufstand_1918/1919#Lothar_Popp|Lothar Popp]] (USPD) wurde per Akklamation auf dem [[Wilhelmplatz]] in einer Versammlung der Streikenden zum Vorsitzenden bestimmt. Ziel war es, die deutsche Oberste Heeresleitung daran zu hindern, von Russland, das aus dem Krieg ausschied, große territoriale und finanzielle Zugeständnisse zu erpressen. Die Streikenden sahen dadurch den Friedensschluss gefährdet. In Kiel wurde eine entsprechende Resolution verabschiedet, die an die deutsche Regierung geschickt wurde. Popp schrieb: „Wir hatten auf dem Wilhelmplatz zunächst einmal als Grundstock des Arbeiterrates 10 Kollegen der Germania-Werft gewählt, die übrigen Betriebe sollten (was nachher auch geschah), die weiteren Wahlen unter sich vornehmen. Uns leitete der Gedanke, daß der Arbeiterrat […] geeignet erscheine, die Interessen der Arbeiter zu vertreten, ohne durch den Parteienstreit in seiner Tätigkeit beengt zu sein.“&amp;lt;ref&amp;gt;Lothar Popp unter Mitarbeit von Karl Artelt: &#039;&#039;Ursprung und Entwicklung der November-Revolution 1918. Wie die deutsche Republik entstand.&#039;&#039; Kiel 1918 (Reprint als Sonderveröffentlichung der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Band 15), S. III 1–30, hier S. III 7. Im Jahr 2020 leicht gekürzt und kommentiert veröffentlicht in: IG Metall Bezirksleitung Küste (Hrsg.): &#039;&#039;Matrosenaufstand und Novemberrevolution 1918.&#039;&#039; Hamburg 2020, S. 96–115.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist unklar, ob die Organisation längerfristig existierte, weil Popp und zwei weitere USPD-Führer (Heinrich Strunk und Emil Theil) verhaftet und zu teils mehrjährigen Gefängnisstrafen verurteilt wurden. Popp musste zwei Monate in Neumünster einsitzen.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Es gibt nur einen weiteren Hinweis, dass diese Räte länger Bestand gehabt haben könnten: Julius Bredenbeck, damals 11 Jahre alt, aber durch Vater und Onkel bereits gut über die Arbeiterbewegung orientiert, sagte in einem 1989 geführten Interview: „In einzelnen Betrieben gab es schon Arbeiterräte, die sich selbst gebildet hatten, ohne Rechtsgrundlage, einfach aufgrund der Stärke der Organisation. Die zum Teil also auch mit sehr großem revolutionärem Pathos an die Arbeit gingen. In anderen Betrieben waren auch Arbeiterräte, die aber mehr daran interessiert waren, notwendige Dinge, Schwierigkeiten in der Versorgung mit Lebensmitteln usw. weitgehend mit zu steuern. Man kann nicht sagen, dass es eine einheitliche Stimmung gab. Das wurde anders als damals die Matrosen Befehlsverweigerung machten. […] Da war eine allgemeine Solidarität in der gesamte Kieler Arbeiterschaft feststellbar“. Popp selbst gibt in einem Interview mit Dirk Dähnhardt an, der erste Arbeiterrat habe sich aufgelöst (vgl. Klaus Kuhl: &#039;&#039;Lothar Popp – Führer des Kieler Matrosenaufstands 1918 im Streitgespräch mit einem 68er. Interviews mit Lothar Popp.&#039;&#039; Kiel/Hamburg 1970–1978, S. 42. Online zugänglich (aufgerufen am 26. September 2024) unter: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:kuhl_streitgespraech-m-l-popp_1978_plus-weitere-interv-u-gespraeche.pdf]). Eventuell liegt bei Bredenbeck eine Verwechselung mit den Arbeiterausschüssen nach dem Hilfsdienstgesetz vom Dezember 1916 vor.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Im November 1918 übernehmen die Räte die Kontrolle ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Artelt and comrades Kiel-Wik 1914.jpg|mini|Karl Artelt ganz links als Angehöriger der I. Werft-Division, (Ausschnittsvergrößerung rechts), gemeinsam mit Kameraden der I. Torpedo-Division in Kiel-Wik, September 1914]]. Im Verlauf des Kieler Matrosenaufstands entstand dann zuerst im Kasernengelände der Wik am 4. November 1918 ein Soldatenrat, zu dessen Vorsitzenden Oberheizer [[Zeitzeugen_Matrosen%E2%80%93_und_Arbeiteraufstand_1918/1919#Karl_Artelt|Karl Artelt]] (USPD) gewählt wurde. In der Popp/Artelt Broschüre heißt es dazu: „Nachdem Kamerad Artelt und T[h]ümmel zur Wahl von Soldatenräten aufgefordert hatte, vollzog sich die Wahl kompagnieweise. Jede Kompagnie wählte vier Soldatenräte. […] Die erste Soldatenratssitzung in ganz Deutschland tagte im Speisesaal am Montag, den 4 November. Kamerad Artelt wurde als erster, Kamerad Ehle als zweiter Vorsitzender gewählt.“&amp;lt;ref&amp;gt;Popp/Artelt, Ursprung, S. III 16.&amp;lt;/ref&amp;gt; Als weitere Mitglieder konnten bisher festgestellt werden: [[Zeitzeugen_Matrosen%E2%80%93_und_Arbeiteraufstand_1918/1919#Fritz_Fischer|Matrose Fritz Fischer]], Heizer Schaaf – diese gehörten zur ersten Verhandlungsdelegation beim Gouverneur – und vermutlich noch Matrose Erich Thümmel&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;In der SHVZ Jahrgang 1957 (genaues Datum unbekannt) wurde ein Nachruf auf Thümmel veröffentlicht, nachdem dieser im Alter von 64 Jahren verstorben war. Dort heißt es u.&amp;amp;nbsp;a., dass beim Kieler Aufstand „…ein riesiger, schwarzhaariger Torpedobootmatrose mit buschigen Augenbrauen eine führende Rolle [spielte]. Oftmals stand er auf dem großen Kandelaber auf dem Wilhelmplatz und sprach zu den zahlreich versammelten. Schon bald bekam er den Spitznamen ‚Der rote Matrose’. … Bereits lange vor 1918 stand er im Vordergrund der revolutionären Bewegung und auch nach 1945 sah man ihn alljährlich bei der Kranzniederlegung an den Gräbern seiner gefallenen Kameraden der Revolution und des Abwehrkampfes gegen den Kapp-Putsch.“ Thümmel wurde Mitglied des Obersten Soldatenrats. Im Januar 1919 übte er vorsichtige Kritik am Verhalten der inzwischen von den Deckoffizieren dominierten Sicherheitstruppe des Soldatenrats gegenüber einer Arbeitslosenaktion vor und im Rathaus (vgl. OSR: Bekanntmachung. In: Republik, 17. Januar 1919). Im Jahr 1920 war er vermutlich bei der Sicherheitspolizei, wo er sich gegen den Kapp-Putsch engagierte (vgl. Bericht des Sipo-Leutnants Kemsies: Das Verhalten der Sicherheitspolizei Kiel gegenüber der Militärrevolte. 9. April 1920. LAS 301 4458. Online zugänglich (aufgerufen am 26. September 2024) unter: [http://www.kurkuhl.de/docs/sipo_kemsies_arbeiterwehr.pdf]). Von 1938 bis kurz vor seinem Tod war Thümmel Lagermeister des Hansa-Speichers der Schleswig-Holsteinischen landwirtschaftlichen Hauptgenossenschaft.&amp;lt;/ref&amp;gt;(SPD). Zu ihren Forderungen gehörte u.&amp;amp;nbsp;a.: Abdankung des Hohenzollernhauses und die Einführung des allgemeinen, gleichen und geheimen Wahlrechts für beide Geschlechter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kurz darauf entstanden in fast allen militärischen Einheiten ebenfalls Soldatenräte, ohne dass jedoch eine klare Struktur erkennbar gewesen wäre. Sie etablierten sich als direkte Machtorgane der Soldaten anstelle der Offiziere.&amp;lt;ref&amp;gt;Wolfram Wette: Interview von Klaus Kuhl und Kay Gerdes. Freiburg 2016. In: Klaus Kuhl und Kay Gerdes: Begleitheft für den Dokumentarfilm „In Kiel ist Revolution!“ Kiel 2018, S. 52–60, hier S. 54. Online zugänglich (aufgerufen am 31. August 2024) unter: [http://www.kurkuhl.de/docs/begleitheft_dokufilm-in-kiel-ist-revolution_gerdes-kuhl_2018.pdf].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur wenig später fanden sich Aktivisten der Soldaten im Gewerkschaftshaus zusammen und berieten über die weiteren Schritte. Dabei entstanden festere Gruppen, die sich insbesondere um eine Verteidigung der Stadt gegen von auswärts, zur Niederschlagung des Aufstands, entsandte Truppen kümmerten. So berichtete Popp, als er am frühen Morgen des 5. November von der Verhandlung beim Gouverneur ins Gewerkschaftshaus zurückkam, dass „… es schnell [gelang] eine gewisse Einteilung und ein bestimmtes Kommando zu schaffen. In einigen der Zimmer und Bureaus hatte sich der Soldatenrat niedergelassen, der unverzüglich seine Arbeit begann.“&amp;lt;ref&amp;gt;Popp/Artelt, Ursprung, S. III 19.&amp;lt;/ref&amp;gt; Es wurden Passierscheine ausgegeben, um die Bewegungsfreiheit der Offiziere einzuschränken. Flug-Obermaat Nikolaus Goßrau&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Goßrau entwickelte in den Folgetagen die ehrgeizige Idee, sich als rechte Hand Noskes über den Soldatenrat zu stellen. Er setzte sich damit zwischen alle Stühle und ließ sich am 14. November 1918 in ein Lazarett einweisen. Vgl. Klaus Kuhl: Die Ereignisse am 6. November 1918 in Kiel. Kiel 2010. Online zugänglich (aufgerufen am 14. September 2024) unter: [http://www.kurkuhl.de/docs/ereignisse_06-11-1918.pdf].&amp;lt;/ref&amp;gt; begann im Auftrag der Räte mit dem Aufbau eines zentral organisierten Sicherheitsdienstes.&amp;lt;ref&amp;gt;Martin Rackwitz: &#039;&#039;Kiel 1918. Revolution, Aufbruch zu Demokratie und Republik.&#039;&#039; Kiel 2018, S. 114.&amp;lt;/ref&amp;gt; In den Reihen dieser locker strukturierten Soldatenräte genoss Karl Artelt, wie Goßrau andeutet, eine besondere Autorität, weil er die Entwicklung im Militär maßgeblich und mutig vorangetrieben hatte.&amp;lt;ref&amp;gt;Flug-Obermaat Nikolaus Goßrau: Privatakten betr. Revolution 1918. BArch RM 8/1024, Bl. 22.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als weitere Mitglieder dieser frühen, sich im Gewerkschaftshaus zusammenfindenden Soldatenräte, nennt Goßrau sich selbst sowie die Kameraden Braune,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Auch Lothar Popp erwähnt Braune in späteren Interviews: In der entscheidenden Nacht hätten er und „ein gewisser Braune …, (der Braune lebt bei Kiel irgendwo)“ nachts im Stationsgebäude gesessen und Telefonanrufe beantwortet. „Da waren noch welche, wo ich geschwitzt habe dabei.“ Klaus Kuhl: Interviews mit Lothar Popp. Kiel/Hamburg 1970–1978, S. 20, 44 und 60. Online zugänglich (aufgerufen am 15. September 2024) unter: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:kuhl_streitgespraech-m-l-popp_1978_plus-weitere-interv-u-gespraeche.pdf PDF].&amp;lt;/ref&amp;gt; Starke, Hackmann, Falk (Hackmann und Falk konnten nach Aussagen Goßraus über die I., V. und XVII. Halbflottille verfügen), Oberheizer Ruffert,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;In den Popp-Interviews wird, ohne nähere Informationen, der Name Düffert mit Fragezeichen erwähnt. Eventuell handelt es sich hier um dieselbe Person. Vgl. Kuhl, Interviews Popp, S. 42.&amp;lt;/ref&amp;gt; Barghahn und den Matrosen Petersen (Theodor).&amp;lt;ref&amp;gt;Goßrau, Bericht, Bl. 22.&amp;lt;/ref&amp;gt; In einem Bericht des Kommandanten der &#039;&#039;Westfalen&#039;&#039;, Kapitän zur See Max Loesch, wird ein Obermaat Brandt erwähnt, der im Gewerkschaftshaus als Ansprechpartner für Schiffsbesatzungen fungiert habe.&amp;lt;ref&amp;gt;Max Loesch, Kapitän zur See: Vorgänge an Bord (Kiel). Handschriftlicher Bericht 4. und 5. November 1918. BArch RM 31/2373, Bl. 130–133.&amp;lt;/ref&amp;gt; In einem 1958 vermutlich auf Anforderung der SED erstellten Bericht, beschreibt der damalige Unteroffizier Paul Sahnwaldt, dass er dem Soldatenrat der Matrosen-Division angehört hätte.&amp;lt;ref&amp;gt;Paul Sahnwaldt: Der Matrosenaufstand in Kiel 1918. Typoskript 1957. Bundesarchiv, SAPMO, SgY 30/0797, S. 4–8.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Etwa Zwei Stunden nach den Soldaten trafen sich auch die Obleute und Vertrauensleute der Betriebe in demselben Saal im Gewerkschaftshaus und beschlossen den Generalstreik zur Unterstützung der Bewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:14 Kieler Punkte.jpg|mini|Die 14 Kieler Punkte in der &#039;&#039;Schleswig-Holsteinischen Volkszeitung (SHVZ)&#039;&#039;]]&lt;br /&gt;
Um 22 Uhr fand eine nochmalige Beratung im Gewerkschaftshaus statt. Ca. 40 Vertrauensleute verschiedener Schiffe und Formationen sowie sechs Arbeiter kamen zusammen und verabschiedeten schließlich die bekannten Kieler 14 Punkte, die vielen Räten in ganz Deutschland als Richtschnur dienten.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Popp/Artelt, Ursprung, S. III-21.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dänhardt sieht in der politischen Kurzsichtigkeit, die in diesem Katalog zum Ausdruck kommt, eine wesentliche Ursache, dass die Soldatenräte nach ca. sechs Monaten wieder abgeschafft werden konnten.&amp;lt;ref&amp;gt;Dirk Dähnhardt: &#039;&#039;Revolution in Kiel. Der Übergang vom Kaiserreich zur Weimarer Republik 1918/19.&#039;&#039; Neumünster 1978, S. 89–93.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:gustav_garbe.jpg|150px|mini|Foto Gustav Garbes aus dem Kieler Gewerkschaftshaus, aufgenommen vermutlich in den 1920er Jahren.]] Am frühen Morgen des folgenden Tages (5. November 1918) bildete sich ein Arbeiterrat aus den Obleuten der Großbetriebe, vierzehn Vorstandsmitgliedern beider sozialdemokratischer Parteien und dem Vorsitzenden des Kieler Gewerkschaftskartells Garbe. Letzterer wurde zum Vorsitzenden gewählt.&amp;lt;ref&amp;gt;Popp/Artelt, Ursprung, S. III-21–23.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Untersuchungen Dirk Dähnhardts bestand der Arbeiterrat aus den folgenden Personen:&amp;lt;ref&amp;gt;Dirk Dähnhardt: Brief an Gundula. Freiburg, 18. Oktober 1975. Wissenschaftlicher Nachlass, StAK Sign. 65496. Die Charakterisierung als „Obleute“ wurde nicht von Dähnhardt vorgenommen, ergibt sich aber daraus, dass SPD und USPD nur jeweils sieben Personen entsandten. Bei der Feststellung der Parteizugehörigkeit wurde Dähnhardt von Gertrud Völcker und Heinrich Bohnsack unterstützt; vgl. Dähnhardt, Revolution, S. 92 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Obleute der Großbetriebe (15, von den meisten ist die Parteizugehörigkeit nicht bekannt, jedoch dürfte die Mehrheit der SPD zuzurechnen sein): Heinrich Bohnsack,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Bohnsack wurde 1893 geboren, war im Ersten Weltkrieg Soldat, war später DMV-Sekretär, kam während der Nazi-Zeit in das Vorläufer KZ Lichtenberg und emigrierte anschließend nach Schweden. Nach seiner Rückkehr war er 1950–1954 Bezirksleiter der IG-Metall Küste. Vgl. Thomas Pusch: &#039;&#039;Politisches Exil als Migrationsgeschichte. Schleswig-Holsteiner EmigrantInnen und das skandinavische Exil 1933–1960.&#039;&#039; Dissertation vorgelegt an der Universität Flensburg 2003. Online zugänglich (aufgerufen am 16. September 2024) unter: [https://www.zhb-flensburg.de/?id=16381].&amp;lt;/ref&amp;gt; Fiebig, Glup, Jatow, Kazda, Krause, Künzel, Küpel, Wilhelm Leopold,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Von 1920 bis 1933 Erster Bevollmächtigter des Kieler Metallarbeiterverbands (DMV).&amp;lt;/ref&amp;gt; Neumann, Rehle, Huß (SPD), Lintzel (SPD), Wiese (USPD), Eduard Wolke (SPD).&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Wolke stiftete später zusammen mit Karl Edler den Gedenkstein für die Revolutionsopfer auf dem Eichhof-Friedhof; vgl. Johannes Rosenplänter: &#039;&#039;Zur Entstehung der ‚Ruhestätte der Opfer der Revolution‘ auf dem Kieler Eichhoffriedhof 1918–1924. Ein Werk des Landschaftsarchitekten Leberecht Migge&#039;&#039;. In: Rolf Fischer (Hrsg.): Revolution und Revolutionsforschung – Beiträge aus dem Kieler Initiativkreis 1918/19. Kiel 2011, S. 101−110, hier S. 105.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Vorstandsmitglieder der SPD (7): Balleng, Beckmann, Bindemann, August Biskupek,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Autoren der SPD Geschichtswerkstatt: August Biskupek. SPD-Geschichtswerkstatt. Online zugänglich (Permanentlink aufgerufen am 16. September 2024) unter: [https://www.spd-geschichtswerkstatt.de/index.php?title=August_Biskupek&amp;amp;oldid=55089].&amp;lt;/ref&amp;gt; [[Zeitzeugen_Matrosen%E2%80%93_und_Arbeiteraufstand_1918/1919#Karl_Edler|Karl Edler]], Fröhlich, Peter Hillbrecht.&lt;br /&gt;
* Vorstandsmitglieder der USPD (7): J. Classen (auch Claßen), Cords, Krogmann, Max Spretke, Springer, Wiechert, Zinser.&lt;br /&gt;
* Vorsitzender des Gewerkschaftskartells: [[Zeitzeugen_Matrosen–_und_Arbeiteraufstand_1918/1919#Gustav_Garbe|Gustav Garbe]] (SPD). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem sich die Macht der Räte im Laufe des 5. November konsolidierte, richtete sich der Blick auch auf weitere drängende Fragen, wie Sicherung der Nahrungsmittelversorgung und Zahlung der Löhnung. Hier bot Gustav Noske, der sich seit dem Vorabend in Kiel befand und an den Verhandlungen teilgenommen hatte, Unterstützung für die Bewegung an, allerdings in der unausgesprochenen Absicht, ihre Ausbreitung zu verhindern. In einer Absprache mit den USPD-dominierten Aktivisten wurde Noskes Angebot angenommen. Dies geschah unter der Bedingung, dass es sich um eine vorläufige Maßnahme handele und dass erst dann weitere politische Entscheidungen getroffen würden, wenn ein mit Noske vergleichbares politisches Schwergewicht der USPD aus Berlin, etwa Hugo Haase&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Hugo Haase (1863–1919), Jurist, war von 1911 bis 1916 einer der beiden Vorsitzenden der SPD, und von 1912 bis 1916 einer der beiden Fraktionsvorsitzenden der SPD im Reichstag. Als Gegner der Kriegspolitik der Mehrheit des SPD-Vorstands aus Fraktion und Partei ausgeschlossen, gründete er 1917 die USPD und war deren Vorsitzender bis 1919. Im November/Dezember 1918 war er gleichberechtigter Vorsitzender mit Friedrich Ebert im Rat der Volksbeauftragten. Er starb im November 1919 an den Folgen eines Attentats.&amp;lt;/ref&amp;gt; eingetroffen wäre. Noske wurde dann per Akklamation auf einer großen Versammlung auf dem Wilhelmplatz zum vorläufigen Vorsitzen der Soldatenräte bestimmt. Seine Aufrufe wurden von Karl Artelt mitunterzeichnet. Anordnungen mussten neben Noskes Unterschrift auch die eines weiteren Soldatenrats-Mitglieds tragen. &lt;br /&gt;
[[Datei:Beschlüsse Soldatenrat Kiel 1918.jpg|mini|Beschlüsse des Soldatenrats vom 5. November 1918]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei wurde inzwischen auch vom Großen Soldatenrat gesprochen, die Zusammenfassung der Räte hatte Fortschritte gemacht, hatte allerdings nach wie vor keine autorisierte Basis, denn Noske wählte hier nach seinem Bekunden im Stationsgebäude nach Gutdünken einen sieben- oder neuenköpfigen Aktionsausschuss aus einer Schar von 50–60 Anwesenden von verschiedenen Schiffen oder Formationen. Von diesen hätte sich ein Großteil als „Versager“ entpuppt.&amp;lt;ref&amp;gt;Gustav Noske: &#039;&#039;Von Kiel bis Kapp. Zur Geschichte der deutschen Revolution.&#039;&#039; Berlin 1920, S. 19 ([https://portal.dnb.de/bookviewer/view/1131562372#page/n6/mode/1up Digitalisat]).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Arbeiterrat ging sofort daran, mittels so genannter Beigeordneter die Zivilverwaltung zu kontrollieren. Den Beigeordneten mussten alle wichtigen Vorgänge vorgelegt werden, und sie konnten in die Entscheidungen eingreifen.&amp;lt;ref&amp;gt;Eine Liste der Beigeordneten findet sich in der Schleswig-HolsteinischenVolks-Zeitung (SHVZ) vom 12. Dezember 1918 (hier nach einer handschriftlichen Aufzeichnung von Dirk Dähnhardt „Beigeordnete für amtliche Stellen“, in seinem wissenschaftlichen Nachlass (Akte 3, Hefter 1), StAK Sign. 65496.&amp;lt;/ref&amp;gt; Als erstes fertigte Garbe eine handgeschriebene Ernennungsurkunde für [[Eduard Adler]] aus. Adler wurde abgestellt, den erzkonservativen Oberbürgermeister [[Paul Lindemann]], der später auch den Kapp-Putsch unterstützte, zu kontrollieren. &amp;lt;!--[[Datei:Garbe_ernennung-beigeordneter-adler_1918.jpg|mini|Ernennungsurkunde für den Beigeordneten Eduard Adler (Vorder- und Rückseite), Stadtarchiv Kiel, Sign. 21392.]]--&amp;gt; Am 11. November 1918 wurde Adler durch den Stadtverordneten August Biskupek (ebenfalls SPD) ersetzt (Letzterer wiederum wurde aufgrund von Krankheit am 13. Februar 1919 durch den Stadtverordneten Hermann Adam abgelöst).&amp;lt;ref&amp;gt;Rackwitz, Kiel 1918, S. 279 f. Zu Adam vgl.: Autoren der SPD Geschichtswerkstatt: Hermann Adam. In: SPD-Geschichtswerkstatt wiki. Online zugänglich (aufgerufen am 16. September 2024) unter: [https://www.spd-geschichtswerkstatt.de/wiki/Hermann_Adam]. &amp;lt;/ref&amp;gt; Adler wurde zusammen mit Paul Greß (auch Gress)&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Autoren der SPD-Geschichtswerkstatt: Paul Gress. In: SPD-Geschichtswerkstatt-Wiki. Online zugänglich (aufgerufen am 2. September 2024) unter: [https://www.spd-geschichtswerkstatt.de/wiki/Paul_Gress].&amp;lt;/ref&amp;gt; Beigeordneter beim Regierungspräsidenten in Schleswig. Auch der Oberpräsident für Schleswig-Holstein, der damals seinen Sitz in Kiel hatte, erhielt einen Beigeordneten des Arbeiterrats. Eingesetzt wurde Heinrich Kürbis (SPD).&amp;lt;ref&amp;gt;Wikipedia-AutorInnen: Heinrich Kürbis. In: Wikipedia – Die freie Enzyklopädie. Online zugänglich (aufgerufen am 3. September 2024) unter: [https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Heinrich_K%C3%BCrbis&amp;amp;oldid=215560106].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Polizeipräsidenten übernahmen Friedrich Brodthuhn (SPD)&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Autoren der SPD Geschichtswerkstatt: Sozialdemokratischer Verein Groß-Kiel - Stadtverordnete. In: SPD-Geschichtswerkstatt wiki. Online zugänglich (aufgerufen am 16. September 2024) unter: [https://www.spd-geschichtswerkstatt.de/wiki/Sozialdemokratischer_Verein_Gro%C3%9F-Kiel_-_Stadtverordnete].&amp;lt;/ref&amp;gt; und Wilhelm Schweizer (USPD, später SPD)&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Autoren der SPD Geschichtswerkstatt: Wilhelm Schweizer. In: SPD-Geschichtswerkstatt wiki. Online zugänglich (aufgerufen am 16. September 2024) unter: [https://www.spd-geschichtswerkstatt.de/wiki/Wilhelm_Schweizer].&amp;lt;/ref&amp;gt; die Kontrolle; bei der städtischen Polizei Wilhelm Leopold (SPD). Zum Post- und Telegraphenamt wurde der später von der SPD zur USPD übergetretene Postinspektor Bertold Brandt&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Rolf Fischer: &#039;&#039;Mit uns die neue Zeit! Kiels Sozialdemokratie im Kaiserreich und in der Revolution.&#039;&#039; Kiel 2013 (Geschichte der Kieler Sozialdemokratie Band 2), S. 187–190. Zum Übertritt zur USPD vgl. die USPD-Zeitung „Republik“ vom 3. April 1920.&amp;lt;/ref&amp;gt; abgeordnet. Das Provinzial-Schulkollegium wurde von Dr. Hermann Weller kontrolliert.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Studienrat Hermann Weller, später Stadtverordneter SPD, spielte eine herausgehobene Rolle neben Dr. Hermann Heller und Professor Gustav Radbruch beim Kapp-Putsch in Kiel. Vgl. Dirk Dähnhardt und Gerhard Granier (Hrsg.): &#039;&#039;Der Kapp-Putsch in Kiel. Eine Dokumentation zum 60. Jahrestag der Märzereignisse von 1920.&#039;&#039; Kiel 1980 (Mitteilungen der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Band 66), S. 148.&amp;lt;/ref&amp;gt; Weitere Beigeordnete waren für die Gewerbe-Inspektion: Jatow, und für den Landeshauptmann: Albert Billian.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Autoren der SPD Geschichtswerkstatt: Albert Billian. In: SPD-Geschichtswerkstatt wiki. Online zugänglich (aufgerufen am 16. September 2024) unter: [https://www.spd-geschichtswerkstatt.de/wiki/Albert_Billian]. In Preußen war der Landeshauptmann der vom Provinziallandtag gewählte höchste Beamte eines Provinzialverbands. Er leitete die provinziale Selbstverwaltung, während der vom König ernannte Oberpräsident die Vorbehaltsrechte der Zentralregierung wahrnahm.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Peter Hillbrecht (SPD), Metallarbeiter und nach Garbe Vorsitzender des Kieler Arbeiterrats und später des Volksrats für Schleswig-Holstein, sah in einer Rückschau einen großen Mangel darin, dass man es versäumt habe, Beigeordnete für die Justiz zu stellen. Dadurch hätte man „unendlich viel an reaktionären Bestrebungen [hintanhalten]“ können.&amp;lt;ref&amp;gt;Peter Hillbrecht: Der Volksrat von Schleswig-Holstein. In: Schleswig-Holsteinische Volks-Zeitung (SHVZ), 5. November 1918, S. 2 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Über Hillbrecht ist nur wenig bekannt. Sabine Roß schreibt in ihrem biografischen Handbuch der Reichsrätekongresse 1918/19 (Hillbrecht war ebenfalls Delegierter für Schleswig-Holstein): Hillbrecht wurde am 23. April 1884 in Spliedtsdorf bei Grimmen (Prov. Pommern) geboren, war von Beruf Torpedoschlosser und seit Juni 1921 Angestellter im Eisenbahnerverband. Im selben Jahr meldete er sich nach Köln ab. Sabine Roß (spätere Kuder): &#039;&#039;Biographisches Handbuch der Reichsrätekongresse 1918/19&#039;&#039;. Düsseldorf 2000 (Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien Bd. 11). Andreas Zimmer erwähnt einen Peter Hillbrecht (SPD) als Mitglied der Landesleitung des Kulturbunds zur demokratischen Erneuerung Deutschlands in der SBZ/DDR, bei dem es sich evtl. um den hier besprochenen Kieler Vertreter handeln könnte: Andreas Zimmer: Der Kulturbund in der SBZ und in der DDR. Eine Ostdeutsche Kulturvereinigung im Wandel der Zeit zwischen 1945 und 1990. 2013 an der Fakultät für Sozialwissenschaften und Philosophie der Universität Leipzig als Dissertation angenommen. Online zugänglich (aufgerufen am 14. Januar 2023) unter: [https://vdoc.pub/documents/der-kulturbund-in-der-sbz-und-in-der-ddr-eine-ostdeutsche-kulturvereinigung-im-wandel-der-zeit-zwischen-1945-und-1990-3n3pm0s03hdg].&amp;lt;/ref&amp;gt; Nach einer Meldung in der Schleswig-Holsteinischen Volks-Zeitung (SHVZ) vom 12. Dezember 1918 war jedoch Professor Otto Opet (1866–1941)&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Otto Opet lehrte seit 1900 als Privatdozent an der Kieler Universität, wo er 1930 zum Ordinarius berufen wurde. Er zählte zu den Wissenschaftlern, deren Abberufung die Kieler Studentenschaft 1933 kategorisch fordert, da er als Jude galt. Als Mitglied des Reichsbanners, der Liga für Menschenrechte und dem republikanischen Klub und der demokratischen (beziehungsweise radikaldemokratischen) Partei war er außerdem politisch engagiert. Unter dem massiven Druck der nationalsozialistischen Anfeindung lässt Opet sich im April 1933 auf &amp;quot;eigenen Antrag&amp;quot; im Alter von 67 Jahren in den Ruhestand versetzen. Vgl. Christian-Albrechts-Universität zu Kiel: Vertriebene Gelehrte. Online zugänglich (aufgerufen am 14. Juli 2024) unter: [https://www.uni-kiel.de/de/universitaet/profil/geschichte-der-universitaet/ns-aufarbeitung/vertriebene-gelehrte].&amp;lt;/ref&amp;gt; der Justiz als Beigeordneter vorgesetzt. Vielleicht lässt sich dieser Widerspruch dadurch erklären, dass Opet als Einzelperson gegenüber der Phalanx der reaktionären Beamtenschaft keinen Effekt erzielen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Ernährungsamt wurde wegen der herausragenden Bedeutung vom Arbeiterrat durch Fiebig und Richter selbst übernommen. Seit den Hungerprotesten 1917 waren die Arbeiter bereits mit einer größeren Gruppe in der städtischen Lebensmittelkommission vertreten und hatten viel Erfahrung sammeln können.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;In der Frühphase der Arbeit im Ernährungsamt erklärte der Dreher Wilhelm Schulz, zu der Zeit (6. November 1918) Vorsitzender des gemeinsamen Ernährungsausschusses von Arbeiter- und Soldatenrat und später als Ernährungskommissar (er war auch Beigeordneter für das Lebensmittellabor) bezeichnet: „Der Arbeiterrat hat einen Ernährungsausschuß in Gemeinschaft mit dem Soldatenrat eingesetzt, […]. Die Regelung der Lebensmittelversorgung der Zivilbevölkerung der Stadt Kiel verbleibt nach wie vor dem Magistrat. Der Ernährungsausschuß wird nur auf Ansuchen des Magistrats eingreifen.“ StAK Sign. 21392. Der „Ernährungskommissar Schulz – Kiel“ gab auf der Konferenz der schleswig-holsteinischen Arbeiter- Soldaten- und Bauern-Räte am 30. März 1919 in Neumünster einen Bericht über seine Tätigkeit; vgl. Anonym: Konferenz der schleswig-holsteinischen Arbeiter- Soldaten- und Bauern-Räte. In: SHVZ, 13. März 1919, S. 1 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur generellen Arbeit der Beigeordneten schreibt Dähnhardt: „Allein im Bereich der Lebensmittelversorgung, die von Anfang an im Mittelpunkt der Tätigkeit des Arbeiterrats stand, konnte dieser eine für die Bevölkerung sichtbare Bedeutung erlangen. Seit Anfang November bot die Lebensmittelversorgung in Kiel keinen Anlaß mehr zu Kritik. Auch Oberbürgermeister Lindemann [...] bezeichnete die dem Lebensmittelamt zur Seite gestellten Beigeordneten [im Mai 1919] sogar als &#039;brauchbare Mitarbeiter&#039;, sicherlich ein hohes Lob, wenn man berücksichtigt, dass Lindemann [...] ein konsequenter Gegner der Sozialdemokratie war.“&amp;lt;ref&amp;gt;Dähnhardt, Revolution, S. 149.&amp;lt;/ref&amp;gt; Martin Rackwitz kam in seiner umfassenden Darstellung des Kieler Aufstands zu dem Ergebnis, dass die erfahrenen sozialdemokratischen Politiker „ein hohes Maß an kommunalpolitischem Sachverstand“ einbrachten.&amp;lt;ref&amp;gt;Rackwitz, Kiel 1918, S. 190.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz der Konsolidierung des Aufstands in Kiel breitete sich jedoch am 6. November eine große Unsicherheit aus, denn Kiel schien isoliert zu bleiben. Noske unternahm jetzt einen gründlich vorbereiteten Versuch, den Kieler Aufstand zu beenden und damit die alten Verhältnisse wiederherzustellen. Nachmittags fand eine große Massenversammlung von etwa tausend Matrosen, an der auch Vertreter der Arbeiterschaft teilnahmen, im „Schloßhof“ statt, dem heutigen [[Metro-Kino im Schloßhof|metro-Kino]]. Noske hielt seine sorgfältig vorbereitete Rede und beschrieb die großen Schwierigkeiten, vor der die Bewegung stehe. Die Heranschaffung von Lebensmitteln und Geld mache große Probleme, denn Kiel sei isoliert und der Eisenbahnverkehr eingestellt. Er malte ein düsteres Bild und gab dann bekannt, was die Regierung anbieten würde, wenn der Aufstand abgebrochen würde: Straffreiheit für alle Aufständischen, Amnestie für die anlässlich der Marineunruhen 1917 Verurteilten, beschleunigte Herbeiführung des Waffenstillstandes, Beschleunigung der Abdankungsfrage sowie weitere Reformen und Demokratisierung des Staates. Der Vorsitzende des Arbeiterrats Garbe (SPD) und Popp (USPD) sprachen sich dagegen aus. Auch der Redakteur der SHVZ, Bernhard Rausch (SPD)&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Rausch (1887–1981) war Artillerieleutnant an der Westfront und wurde am 1. Oktober 1918 Redakteur der SHVZ in Kiel. Er folgte Noske nach Berlin und wurde dessen politischer Privatsekretär und Referent im Reichswehrministerium, schied 1920 kurz nach Noskes Rücktritt aus und wechselte später zur deutschnationalen Frontsoldaten-Organsation Stahlhelm; vgl. Wolfram Wette: &#039;&#039;Gustav Noske. Eine politische Biographie.&#039;&#039; Düsseldorf 1988, S. 865; sowie Christian Lübcke: &#039;&#039;Ein Versuch zur Demokratisierung der Reichswehr. Bernhard Rauschs Vorschläge für eine Staatsbürgerliche Unterrichtung, 1919-1920. &#039;&#039; In: Andreas Braune, Sebastian Elsbach, Ronny Noak, (Hrsg.): Bildung und Demokratie in der Weimarer Republik. Stuttgart 2022, S. 95-109.&amp;lt;/ref&amp;gt; argumentierte dagegen: Die Bewegung dürfte „… nie in dem Sinne abgebaut werden […], daß etwas von dem aufgegeben würde, was durch sie politisch erreichbar war.“&amp;lt;ref&amp;gt;Bernhard Rausch: &#039;&#039;Am Springquell der Revolution. Die Kieler Matrosenerhebung.&#039;&#039; Kiel 1918 (Reprint als Sonderveröffentlichung der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Bd. 15), S. II 1–31, hier S. II-25.&amp;lt;/ref&amp;gt; In dem Bericht der SHVZ über die Versammlung wurde dies näher erläutert: „Die gegenwärtige schicksalsschwere politische Situation gebietet, dass die entstandenen Machtverhältnisse restlos ausgenützt werden für den politischen und sozialen Fortschritt des Deutschen Reiches. Es gilt das, was im glorreichen Ansturm errungen ist, dauernd zu befestigen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Anonym: Die Lawine im Rollen. In: Schleswig-Holsteinische Volks-Zeitung vom 7. November 1918, S. 1.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noskes Vorschlag wurde nach Angaben Popps einstimmig abgelehnt. Außerdem wurde Popp auf der Versammlung, nachdem der von Berlin entsandte USPD-Vorsitzende Haase Schwierigkeiten hatte, nach Kiel zu gelangen, zum gleichberechtigten Vorsitzenden des Soldatenrats neben Noske bestimmt.&amp;lt;ref&amp;gt;Klaus Kuhl: &#039;&#039;Gustav Garbe – bedeutender Kieler Gewerkschaftsfunktionär, Vorsitzender des Kieler Arbeiterrats und zweimaliger Gouverneur. Mit Vorworten von Frank Hornschu, Geschäftsführer und Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes Kiel Region, und von Stephanie Schmoliner, 1. Bevollmächtigte der IG Metall Kiel-Neumünster.&#039;&#039; Kiel 2023, S. 29–32.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Versammlung verlief teilweise chaotisch, was offenbar mit einer immer noch bestehenden mangelnden Legitimation der Teilnehmer, aufgrund der spontan entstandenen Soldatenräte, zusammen hing. Popp organisierte daraufhin Wahlen von Vertrauensmännern in allen Einheiten, die dann den „Großen Soldatenrat“ wählten, der dann wiederum als Aktionsausschuss am folgenden Tag den Obersten Soldatenrat (OSR) bestimmte. Der OSR, dem auch Karl Artelt angehörte, wählte Lothar Popp zum Vorsitzenden. Weitere Mitglieder waren Maschinistenmaat Ullrich (auch Ulrich), Obermaat Schrader (vom Friedrichsorter Soldatenrat)&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Dirk Dähnhardt gibt eine Äußerung Lothar Popps über Schrader in einem 1975 geführten Gespräch wie folgt wider: „Über die Zusammensetzung des Soldatenrates erinnerte sich Herr Popp nur noch an einen Mann namens Schrader, den er selbst vorgeschlagen hatte, der aber ein &amp;quot;Vollidiot&amp;quot; gewesen sei.“ Kuhl, Popp, S. 44 f. Dähnhardt weist dabei auf eine ähnliche Schilderung Noskes hin. Noske nennt allerdings keine Namen und bezieht sich auf einen Tag vorher. Vgl. Noske, Kiel bis Kapp, S. 19.&amp;lt;/ref&amp;gt; und Obermaat Koch.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Martin Rackwitz erwähnt einen Obermatrosen Koch vom Soldatenrat in Holtenau, der dort die Befehlsgewalt ausgeübt habe. Vgl. Rackwitz, Kiel 1918, S. 181 f. Es bleibt unklar, ob es sich um dieselbe Person handelt.&amp;lt;/ref&amp;gt; Gemäß einer vorher getroffenen Absprache zwischen SPD und USPD übernahm Noske daraufhin das Gouverneursamt von Admiral Wilhelm Souchon.&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhl, Garbe, S. 32.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bereits eine Woche später werden zwei neue Mitglieder des OSR erwähnt, nämlich Robert Pfaff (SPD)&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Pfaff (1881–1940) war außerdem Delegierter auf dem 1. Reichsrätekongress für den Wahlbezirk Schleswig-Holstein und wurde dort als Marinevertreter in den Zentralrat gewählt. Ab 1919 war er kommissarischer Landrat für Rendsburg und dort aktiv an der Niederschlagung des Kapp-Putsches beteiligt, dann Entbindung von diesem Amt. Ab 1924 Inhaber eines Immobiliengeschäfts in Neckargemünd. Vgl. Roß, Reichsrätekongresse. Zur Rolle Pfaffs während des Kapp-Putsches vgl. Klaus Kuhl: &#039;&#039;Abzug des Bataillons Claassen/Detachement Kiel nach dem Kapp-Putsch in Kiel 1920.&#039;&#039; In: Zeitschrift der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte, Band 146 (2021), S. 241–256.&amp;lt;/ref&amp;gt; und Max Hartig,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Hartig, geboren 1887, war Delegierter für den Wahlbezirk Marinestation zum 1. Reichsrätekongress und gehörte zur SPD-Fraktion. Als Wohnort gab er Chemnitz an, und als dortige bisherige Tätigkeit: Sektionsleitung der Modelltischler in Chemnitz. Vgl. Roß, Reichsrätekongresse.&amp;lt;/ref&amp;gt; während Schrader vermutlich ausgeschieden war.&amp;lt;ref&amp;gt;Dähnhardt, Revolution, S. 114 und 136. Schrader wird nur noch einmal von Stabschef Küsel als Teilnehmer bei den Verhandlungen über die Rolle der Offiziere am 8. November erwähnt. Vgl. Klaus Kuhl: &#039;&#039;Gefangen in Überheblichkeit und Engstirnigkeit: Die führenden Seeoffiziere und der Matrosen- und Arbeiteraufstand in Kiel 1918. Die Berichte der Chefs der Marinestation und Gouverneure von Kiel, Admiral Gustav Bachmann und Admiral Wilhelm Souchon sowie ihres Stabschefs Konteradmiral Hans Küsel.&#039;&#039; Kiel 2023, S. 180.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über die Mitglieder des Großen Soldatenrats, die den OSR zu wählen hatten, gibt es bisher nur wenige Informationen: Der Kapitänleutnant Peter Köhler schreibt einem zeitnahen Bericht, dass er selbst zum Soldatenrat auf seinem Wohnschiff &#039;&#039;Nixe&#039;&#039; gewählt wurde und damit Mitglied im Großen Soldatenrat war. Köhler diente bis September 1918 auf dem zum III. Geschwader gehörenden &#039;&#039;Großer Kurfürst&#039;&#039; und war dann dem Artillerieschulschiff &#039;&#039;Kaiserin Augusta&#039;&#039; in Kiel zugeteilt. Er trat für eine Sozialisierung ein, war aber kein Demokrat. Köhler erwähnt auch einen Oberschreiber Haas, der eine bestimmende Rolle im Soldatenrat der I. Werft-Division gespielt hätte.&amp;lt;ref&amp;gt;Kapitänleutnant Peter Köhler: Revolutionsereignisse in Kiel. Typoskript im Nachlass Carl/Karl Hollweg, BArch RM 3/11682, Bl. 198–226. Transkript online zugänglich (aufgerufen am 25. September 2024) unter: [http://www.kurkuhl.de/docs/ereignisse_06-11-1918.pdf].&amp;lt;/ref&amp;gt; Weitere, von Karl Artelt in späteren Berichten erwähnte Mitglieder des Großen Soldatenrats: Torpedobootmatrose Fritz Steinhoff, späterer Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen sowie der U-Bootfahrer Ernst Wollweber, der von 1953 bis 1957 das Staatssekretariat bzw. das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) in der DDR leitete.&amp;lt;ref&amp;gt;Karl Artelt: Zwei Briefe an das Institut für Marxismus-Leninismus beim Zentralkomitee der SED – Abteilung Geschichte der Partei und der deutschen Arbeiterbewegung. Nebra, 15. Dezember 1957 und 12. Februar 1957. Bundesarchiv, SAPMO, SGY 30/0022, Bl. 14–19, hier Bl. 15, 17 und 19.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Regierung in Berlin (bis zum 9. November 1918 noch vom letzten Reichskanzler des Kaiserreichs, Max von Baden, geführt) bestätigte Noske als neuen Gouverneur. Während Popp den Gouverneur als ausführendes Organ des Soldatenrats ansah, mit dem dieser „den Verwaltungsapparat in Bewegung bringen“ könne, betrachtete Noske den Soldatenrat eher als ein Kontrollgremium. In seinem ersten Tagesbefehl, den er zusammen mit dem OSR noch am selben Abend erstellte, hieß es: „Ich bin […] zum Gouverneur gewählt worden […]. Mir zur Seite steht der ‚Oberste Soldatenrat des Befehlsbereichs der Ostseestation’“ &amp;lt;ref&amp;gt;Popp/Artelt, Ursprung, S. III-27 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der OSR schickte dann jeweils einen Vertrauensmann in alle wichtigen militärischen Stellen. Hierbei handelte es sich meistens um Feldwebel.&amp;lt;ref&amp;gt;Rackwitz, Kiel 2018, S. 139 f. Der so genannte Etatmäßige Feldwebel war in der Regel mit dem inneren Dienst und Verwaltungsaufgaben betraut.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die zukünftige Rolle der Offiziere blieb in der Schwebe. Nachdem sich in deren Reihen zunächst eine tiefe Resignation breit gemacht hatte, schöpften die Offiziere wieder Hoffnung, weil Noske signalisiert hatte, dass er auf sie nicht verzichten wollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Inzwischen trafen auch Nachrichten von der raschen Ausbreitung der Revolution ein. Noske kam nun zu der Überzeugung, dass „ein Lavieren nicht mehr am Platze sei, sondern es hieß die Zügel fest in die Hand zu nehmen.“ In einer kleinen Runde vereinbarte er mit einigen Kieler SPD-Führern die Ausrufung des Arbeiterrats als provisorische Regierung Schleswig-Holsteins. Der ebenfalls gewünschten Ausrufung der Republik Schleswig-Holstein widersetzte er sich.&amp;lt;ref&amp;gt;Noske, Kiel bis Kapp, S. 25.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Aufruf Kieler Arbeiter und Soldatenrat.jpg|mini|Gemeinsamer Aufruf des Arbeiter- und des Soldatenrats am 7. November 1918.]] Der OSR und der Arbeiterrat einigten sich auf einen gemeinsamen Aufruf, der als Flugblatt verteilt wurde. Die ersten drei Absätze lauteten: „Die politische Macht ist in unserer Hand. Es wird eine provisorische Provinzialregierung gebildet, die in Zusammenarbeit mit den bestehenden Behörden eine neue Ordnung aufrichtet. Unser Ziel ist die freie, soziale Volksrepublik.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bewegung stieß auch auf große Zustimmung in der Bevölkerung. Dies zeigte sich nicht nur in der überwältigenden Anteilnahme bei der Beerdigung der Revolutionsopfer am 10. November 1918, sondern auch in der raschen Verbreitung der Räteidee: In weiten Kreisen der Bevölkerung bis ins Bürgertum hinein wurden Räte gegründet. Es gab Beamten- und Angestelltenräte,&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. dazu etwa Klaus Kuhl: &#039;&#039;Kiel und die Revolution von 1918. Das Tagebuch eines Werftingenieurs, verfasst in den Jahren 1917–1919. Edition und Textanalyse.&#039;&#039; Berlin 2018, S. 57.&amp;lt;/ref&amp;gt; Studentenräte,&amp;lt;ref&amp;gt;Über Alfred Meusel wird berichtet, dass er Vorsitzender des ersten Studentenrats in Deutschland wurde. Alfred Meusel (1896-1960) besuchte die Oberrealschule in Kiel. Mit Beginn des Ersten Weltkriegs meldete er sich als Freiwilliger, ging an der Front aber bald auf Distanz zum Kaiserreich und kam dort erstmals mit sozialistischen Ideen in Berührung. Im Dezember 1917 wurde er an der Aisne verschüttet, schwer verletzt und behielt zeitlebens ein Nervenleiden als Spätfolge. Von 1918 bis 1922 studierte er in Kiel u. a. Nationalökonomie, Soziologie und Geschichtswissenschaft. Vgl. Mario Kesser und Detlef Siegfried: &#039;&#039;Alfred Meusel im Spannungsfeld von Wissenschaft und Politik&#039;&#039;. In: JahrBuch für Forschungen zur Geschichte der Arbeiterbewegung, Heft III/2010, S. 65–80, hier S. 66 f. Vgl. auch die von Jörg Becker veröffentlichten Berichte von Richard Sorge, der eine sozialistische Studentenorganisation aufbaute.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bauernräte&amp;lt;ref&amp;gt;Nach Gerhard Stoltenberg soll es bereits im Januar 1919 1700 örtliche Auschüsse [Bauernräte] in Schleswig-Holstein gegeben haben; vgl. Gerhard Stoltenberg: &#039;&#039;Politische Strömungen im schleswig-holsteinischen Landvolk 1918-1933.&#039;&#039; Düsseldorf 1962, S.29, Fußnote 4. Stoltenberg beruft sich auf eine Meldung der SHVZ vom 15. Januar 1919. Die Zeitung der USPD „Republik“ meldete am 19. Januar 1919, dass in Schleswig-Holstein ein provisorischer Oberster Bauernrat aus sechs Mitgliedern gebildet worden sei. Beigeordnet seien der Ernährungskommissar für Schleswig-Holstein sowie ein Beauftragter der Landwirtschaftskammer. Geschäftsführer sei vorläufig Max Mißfeld, Suchsdorf bei Kiel.&amp;lt;/ref&amp;gt; und sogar einen Rat des Kirchenchors der [[Nikolaikirche]].&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. den Bericht eines damals 13-jährigen Chorknabens in dem NDR-Film „Matrosen, Räte, Republiken“ von Hartmut Idzko und Jörg Knickrehm, der am 1. November 1978 ausgestrahlt wurde.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In mehreren Verhandlungen wurde zwischen Vertretern der Offiziere und dem OSR eine Absprache über die Rolle der Offiziere getroffen. Diese sah vor, dass diejenigen Offiziere, die sich dem Soldatenrat unterstellten, im Amt bleiben durften. Wenn sie jedoch ein Kommando ausüben wollten, mussten sie das Vertrauen ihrer Untergebenen haben. Von den Mannschaften abgelehnte Offiziere mussten sich in der Marinestation zur Verfügung halten. Die große Mehrheit der Offiziere ließ sich darauf ein, wobei die Mitteilung, der Kaiser habe sie von ihrem Eid entbunden, eine wichtige Rolle gespielt haben dürfte. Die Ansätze für eine Militärreform wurden jedoch, wie Wolfram Wette schrieb, von Noske im Keim erstickt.&amp;lt;ref&amp;gt;Wolfram Wette: Als bei der Torpedo-Division der erste Soldatenrat gebildet wurde. In: Frankfurter Rundschau, 12. Dezember 1988.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Niedergang der Rätebewegung in Kiel ==&lt;br /&gt;
In Kiel begann dieses „Ersticken“ einer möglichen Militärreform damit, dass Noske den Räten gegenüber die Kompetenz der Seeoffiziere, besonders mit Blick auf die Überführung der Flotte nach England, als unverzichtbar darstellte. Kuhl schrieb, dies sei in der neueren Literatur ohne nähere Diskussion akzeptiert worden, aber ein genauerer Blick auf die Aufgaben der verschiedenen Dienstränge zeige, dass Deckoffiziere, Unteroffiziere und Mannschaften ohne größere Probleme in der Lage gewesen wären, ein Schiff zu manövrieren; Steuerleute, Navigationsoffiziere, Maschineningenieure, Funkentelegrafiemeister etc. konnten in ihren Bereichen selbstständig handeln. Die Seeoffiziere waren hauptsächlich dazu da, ein Schiff in der Schlacht zu befehligen. Für andere Aufgaben waren sie nicht unbedingt notwendig. Allerdings war ihre Autorität wichtig für die einigermaßen reibungslose Abfolge aller Arbeiten an Bord und an Land. Diese Autorität aber war stark erschüttert. Eine Auswahl nach demokratischen und republikanischen Kriterien wäre möglich gewesen. Ein entstehender Gruppendruck hätte dann eventuell auch eine Reihe der ehemals kaiserlichen Seeoffiziere zum Einlenken bewegen können. Immerhin war nach der Wahrnehmung des Stabschefs der Marinestation, Küsel, noch Mitte November 1918 „die Stimmung, was das jüngere Seeoffizierkorps anbetrifft, ganz links gerichtet“.&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhl, Überheblichkeit, S. 186.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dies wird auch bestätigt von Admiral Gustav Bachmann, dem Vorgänger Souchons als Gouverneur und Chef der Marinestation, der den Kapitänleutnant Thorwald v. Bothmer als einen der radikalsten bezeichnete („… pries die Republik, machte die Monarchie herunter …“).&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Klaus Franken (Hg.): &#039;&#039;Admiral Gustav Bachmann: Lebenserinnerungen und Tagebuch 1915.&#039;&#039; Paderborn 2022 (Schriften zur Marinegeschichte Band 3), S. 911 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Unter dem Einfluss des Korvettenkapitäns Wilfried von Loewenfeld (s.&amp;amp;nbsp;u.) schlug dies aber schnell wieder um.&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhl, Garbe, S. 38 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zuge der kurz nach dem Umsturz einsetzenden Demobilisierung wuchs der Einfluss der zurückbleibenden Berufssoldaten und hier besonders derjenige der Deckoffiziere. Diese hatten durchaus einen wichtigen Anteil an der erfolgreichen Durchsetzung des Aufstands, denn die standen in deutlicher Opposition zu den Seeoffizieren, von denen sie ebenfalls, wie die Mannschaften, als gesellschaftlich inakzeptable Parias behandelt wurden.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Holger H. Herwig: &#039;&#039;Das Elitekorps des Kaisers. Die Marineoffiziere im Wilhelminischen Deutschland.&#039;&#039; Hamburg 1977, S. 86.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Deckoffizierbund erkannte die neuen Verhältnisse an und erteilte Bestrebungen, diese zurückzudrehen, eine Absage. Die Seeoffiziere müssten dies ebenfalls anerkennen und es müsse eine Auswahl geben, um reaktionäre Absichten von Seiten der Offiziere auszuschließen. Allerdings wurde nicht erkennbar, welche Mechanismen und Garantien der Bund für eine effektive Auswahl anstrebte.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Klaus Kuhl: &#039;&#039;Analyse und Edition von: Paul Kässner, Oberdeckoffizier a. D.: Zur Geschichte der Deckoffizierbewegung, des Deckoffizierbundes und des Bundes der Deckoffiziere.&#039;&#039; Kiel 2022, 6 f. und 22. Online zugänglich (aufgerufen am 4. September 2024) unter: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Kuhl_analyse-edition-kaessner-deckoffizierbewegung_2022.pdf].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei: Kieler_Matrosenaufstand_(Kiel_68.297).jpg|mini|Das Foto zeigt eine Demonstration von Deck- und Unteroffizieren am 22. Dezember 1918 gegen den Beschluss des Reichsrätekongresses und für die Beibehaltung der Rangabzeichen. Dies kennzeichnet den gestiegenen Einfluss der Deckoffiziere.]] Ein Großteil der Deckoffiziere erwies sich auch später im Kapp-Putsch als Stütze der Weimarer Republik, sie hatten jedoch deutliche Vorbehalte gegenüber den Soldatenräten, vermutlich weil sie deren totalen Umsturz der militärischen Hierarchien ablehnten. Die Deckoffiziere bekamen einen großen Einfluss in der Sicherheitswehr des Soldatenrats und auch im OSR selbst. Ihre Vorbehalte führten dann vermutlich auch dazu, dass Lothar Popp am 10. Dezember 1918 als Vorsitzender des OSR zurücktrat; zumindest behauptet dies Noske in seiner 1920 erschienen und stark von Rechtfertigungen geprägten Schrift „Von Kiel bis Kapp“.&amp;lt;ref&amp;gt;Noske, Kiel bis Kapp, S. 52.&amp;lt;/ref&amp;gt; Popp selbst gab später an, er habe nach der Entscheidung für die Nationalversammlung keinen Sinn mehr in seiner Arbeit für den OSR gesehen. Allerdings fiel diese Entscheidung erst später auf der Reichsrätekonferenz 16.–21. Dezember 1918,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Auf dem ersten Reichsrätekongress wurde Kiel durch die folgenden Delegierten vertreten: Gustav Garbe und Peter Hillbrecht für den Arbeiterrat (Kurt Kaulfers, USPD und Bevollmächtigter des DMV Kiel, fiel bei der Mandatsprüfung durch), sowie Max Hartig und Robert Pfaff für den Soldatenrat. Alle bis auf Kaulfers gehörten der SPD an. Vgl. Dieter Braeg und Ralf Hoffrogge (Hrsg.): &#039;&#039;Allgemeiner Kongress der Arbeiter- und Soldatenräte Deutschlands. 16.–20. Dezember 1918 Berlin – Stenografische Berichte, Neuausgabe zum 100. Jahrestag&#039;&#039;. Berlin 2018, S. 561–602. Vgl. auch Roß, Reichsrätekongresse.&amp;lt;/ref&amp;gt; was eher Noskes Darstellung unterstützen würde. Es wäre aber auch denkbar, dass Popps Rücktritt bereits davon bestimmt war, dass keine USPD-Mitglieder aus Kiel zum Reichsrätekongress delegiert wurden. Karl Artelt übernahm nun den Vorsitz des inzwischen auf 14 Mitglieder erweiterten Gremiums, Stellvertreter wurde Robert Pfaff, Schriftführer wurde der Signalmeister und Deckoffizier Franz Riefstahl (SPD). Popp wurde nur noch als politischer Berater des Gremiums aufgeführt. Zum damaligen Zeitpunkt gehörten dem OSR, neben den Genannten, noch die folgenden Personen an: Rudolf Rannow, Erich Thümmel, Schmidtke, Max Hartig, Gräfenstein (auch Grävenstein), Rath, Klaus, Eggers, Rudolph, Widmaier (auch Widmeier) und Feill (insgesamt 14).&amp;lt;ref&amp;gt;Anonym: Sitzung des obersten Soldatenrates. In: Republik, 11. Dezember 1918.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Hartig und Thümmel wurden bereits oben beschrieben, Riefstahl und Rannow werden weiter unten als Vorsitzende des OSR beschrieben, zu den anderen Personen ist bisher nichts weiter bekannt.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die provisorische Regierung Schleswig-Holsteins hatte zunächst der Kieler Arbeiterrat übernommen. Auf einer Konferenz am 12. Dezember 1918 in Neumünster wurden nun auch die anderen Räte in der Provinz einbezogen. Die Konferenz wurde von Garbe eröffnet und zusammen mit Richter aus Neumünster und Schlüter aus Flensburg geleitet. Es herrschte Einigkeit darüber, dass in „nächster Zukunft […] Räterat und National-Versammlung nebeneinander bestehen bleiben und zusammen arbeiten [müssen].“&amp;lt;ref&amp;gt;Einleitendes Referat des Beigeordneten der Regierung in Schleswig Eduard Adlers auf der Konferenz. Protokoll der Konferenz der Arbeiter- und Soldatenräte Neumünster am 12. Dezember 1918. Manuskript. Archiv des Zentralrats der Deutschen Sozialistischen Republik; Sign. B-58. Online zugänglich (aufgerufen am 9. Januar 2023) unter: [https://search.iisg.amsterdam/Record/ARCH01676].&amp;lt;/ref&amp;gt; Die provisorische Regierung setzte sich nun aus Vertretern der Räte verschiedener Regionen zusammen. Sie bezeichnete sich später als „Volksrat“.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Kuhl, Garbe, S. 34.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 27. Dezember 1918, mit Beginn der Unruhen in Berlin, kehrte Noske dorthin zurück und übernahm im Rat der Volksbeauftragten, nach dem Rücktritt der USPD-Beauftragten, den Bereich „Heer und Marine“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit verstärkte sich der schleichende und im Laufe der Entwicklung immer offenere Prozess, in dem Noske – inzwischen Reichswehrminister – die Soldatenräte im Juni 1919 schließlich abschaffen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wichtige Stationen waren dabei:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Verkleinerung des 53er Rats, dem Zentralrat der Marine im Berliner Reichsmarineamt,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Dem Rat gehörten die folgenden Kieler Personen an: Bock, Hohmann, Klenke, Lebeck, Manschke, Rösler, Stock, Block und Schumann; vgl. Kriegsakten betreff Revolution 1918 und Märzwirren 1920. BArch RM 8/1013, Bl. 73 f. Im Mai 1919 wurde auch ein Verbandssoldatenrat, in dem die Soldatenräte sich überregional organisiert hatten, der aber offensichtlich keinen größere Bedeutung erlangt hat, erwähnt; vgl. Akten des Reichsmarineamts betreffend Arbeiter und Soldatenrat, Juni 1919–März 1922. BArch RM 20/13 Bl. 27.&amp;lt;/ref&amp;gt; auf sechs Personen. Der Rat wollte die neue Marine auf Völkerverständigung und eine reine Verteidigung festlegen. Dies stieß jedoch bei den weiter nach „Weltgeltung“ strebenden „Tirpitzianern“, zu denen die vorgesehenen Führer der Marine (insbesondere v. Trotha)&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Konteradmiral Adolf von Trotha (1868–1940), ab März 1919 Chef der Admiralität, im Oktober 1919 zum Vizeadmiral befördert, unterstützte den Kapp-Putsch und wurde später Propagandist für die NSDAP.&amp;lt;/ref&amp;gt; gehörten, sowie auch bei Noske selbst, auf großen Widerstand. Aufgrund von Noskes Kritik, der auf dem Reichsrätekongress eine Verschleppung von Entscheidungen bemängelte, wurde der Rat auf sechs Mitglieder verkleinert und damit in seinen Wirkungsmöglichkeiten (bei einem Amt mit etwa 1000 Beschäftigten) stark eingeschränkt. Der stellvertretende Vorsitzende des Kieler OSR, Robert Pfaff (SPD), der auch am Reichsrätekongress teilnahm, unterstützte Noske bei seinem Vorgehen. Wette vermutet, dass Noskes Beanstandungen eher auf die inzwischen USPD-nahe Programmatik des 53er Rats zurückgingen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Wette, Noske, S. 272–280.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Der Aufbau der 1. Marine-Brigade (inoffizielle Bezeichnung: Eiserne Brigade oder Eiserne Division) durch die Deckoffiziere auf Anforderung Noskes Anfang Januar 1919. Im OSR argumentierten die Deckoffiziere damit, dass die Truppe für die Grenzsicherung im Osten gebraucht würde. Sie wurde dann aber bei den Kämpfen in Berlin und danach auch in weiteren Städten, u.&amp;amp;nbsp;a. in Bremen eingesetzt. Dies führte am 6. Januar 1919 zum Rückzug Karl Artelts aus dem OSR. Den Vorsitz übernahm zunächst Max Hartig für 10 Tage dann der Signalmeister und Deckoffizier Franz Riefstahl,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Über Riefstahl ist ebenfalls nur wenig bekannt, obwohl er neben Popp und Artelt eine besonders wichtige Rolle in der Soldatenratsbewegung spielte: Riefstahl war zunächst wohl die zentrale Figur in dem nur bis zum 3. Dezember 1918 existierenden Generalobmannbüro. Neben Riefstahl waren hier noch der Oberheizer Klaus, der Ubootsmaschinistenmaat Tscharutke, der Schreiber Au und der Oberschreiber Rothenbacher tätig. Das Büro wurde parallel zum OSR eingerichtet und diente den Obmännern, wie die von den einzelnen Soldatenräten in den Großen Soldatenrat entsandten Delegierten genannt wurden, als Ansprechstelle. Mit Riefstahls Wahl in den OSR wurde es offenbar aufgelöst. Vgl. Dähnhardt, Revolution, S. 131. Riefstahl gehörte dem OSR von Anfang Dezember 1918 bis Ende März 1919 ununterbrochen an, und war mit 2 ½ Monaten der am längsten auf diesem Posten dienende Vorsitzende. Obwohl Riefstahl der SPD angehörte und deutlich moderater war  als Popp und Artelt, verfolgten ihn die Seeoffiziere mit großem Hass. So bezeichnete v. Loewenfeld ihn als „widerlichen, aufgeblasenen roten Gesellen und Offiziershasser“. Der Stabschef Konteradmiral Küsel schrieb über ihn, er habe sich dann besonders hervorgetan, wenn es galt die Seeoffiziere zu bekämpfen. Riefstahl war später Amtmann in Berlin und wird im „Vorwärts“ vom 15. Oktober 1919 (S. 4) unter den „Groß-Berliner Parteinachrichten“ erwähnt. In einer Versammlung für „Sozialdemokratische Beamte, Angestellte und Hülfskräfte der Gemeindebehörden Groß-Berlins“ referierte Riefstahl über „Revolution und Beamtenschaft.“ Das preußische Innenministerium unter Göring ließ 1934 Erkundigungen über Riefstahl einziehen, um ihn aus dem Beamtendienst zu entfernen. Dabei übermittelte Küsel die genannte Denunziation. Wette vermutet, dies habe ausgereicht, um den Stadtamtmann Riefstahl aus dem Beamtendienst zu entfernen. Vgl. Wette, Noske, S. 261 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; während Hartig sein Stellvertreter wurde. Hartig schied am 7. Februar aus, auf ihn folgte Bublat als Stellvertreter.&amp;lt;ref&amp;gt;Klaus Kuhl: &#039;&#039;Die Kieler Eiserne Division – ein besonderer Fall in der militärischen Landschaft der Weimarer Republik.&#039;&#039; In: Rolf Fischer (Hrsg.): Brennpunkte 1918. Orte der Revolution in Schleswig-Holstein. Kiel 2023, S. 113–132.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Neuordnung der Kommandogewalt. Diese hatte bisher weitgehend in den Händen der Soldatenräte gelegen. Gegen einen bekannt gewordenen Entwurf legte der Kieler OSR Protest ein. Dieser Protest wurde auch am 1. Februar 1919 von der Kieler SPD-Zeitung unterstützt. Man sah in Noskes Planungen den Versuch, die Zustände vor der Revolution wieder einzuführen.&amp;lt;ref&amp;gt;Anonym: Neuregelung der Kommandogewalt. In: SHVZ, 1. Februar 1919, S. 1.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Entwurf war Mitte Januar vom neuen Kriegsminister Oberst Walther Reinhardt vorgelegt, vom Zentralrat der Deutschen Sozialistischen Republik&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Ein vom Reichsrätekongress im Dezember 1918 eingerichtetes Gremium zur Überwachung und zur Kontrolle des Rats der Volksbeauftragten.&amp;lt;/ref&amp;gt; geringfügig geändert und dann von der Regierung angenommen worden. Das Verordnungswerk wurde am 19. Januar verabschiedet, gab die Kommandogewalt zurück an die Offiziere und schränkte die Befugnisse der Soldatenräte stark ein. Fronttruppen und Freikorps waren ausgenommen, dort hatten Soldatenräte sowieso einen schweren Stand oder wurden gar nicht geduldet.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Wette, Noske, S. 333–339.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Rahmen verschiedentlicher Proteste der Kieler Räte bei Noske fühlten sich die Delegationsmitglieder Riefstahl, Klaus, Rannow und Thümmel von Noske „wie Handwerksburschen“ behandelt.&amp;lt;ref&amp;gt;Wette, Noske, S. 260.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Der große Protest der Kieler Arbeiterschaft gegen Noskes kompromissloses militärisches Vorgehen gegen die Bremer Räterepublik Anfang Februar 1919; aufgrund der begeleitenden militanten Aktionen der KPD auch als Kieler „Spartakus-Putsch“ bezeichnet. Im Verlauf der bewaffneten Auseinandersetzungen erlaubte Noske dann die Aufstellung der 3. Marine-Brigade durch Wilfried von Loewenfeld, die dann die Sicherheitstruppe des Soldatenrats dominierte.&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhl, Garbe, S. 47 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Am 25. Februar erfolgte dann eine Neuwahl des OSR und der erneut zum Vorsitzenden gewählte Riefstahl verkleinerte den bereits auf 12 Mitglieder reduzierten OSR auf nunmehr neun Personen. Dabei handelte es sich neben Riefstahl um Bublat (Stellvertreter), Schlüter (Schriftführer), Klaus, Rannow, Rath, Widmaier, Thümmel und Dräger.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Rackwitz, Kiel 1918, S. 183; sowie Anonym: Neuwahl des Obersten Soldatenrates. In: Kieler Zeitung vom 1. März 1919, Morgenausgabe.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Einsetzung eines Seeoffiziers als Stationschef wurde von Noske gegen den Widerstand von OSR und Arbeiterrat nach verschiedenen Anläufen durchgesetzt. Dabei verlor Garbe als Noskes Nachfolger auf dem Posten des Kieler Gouverneurs seine militärische Befehlsgewalt und wurde zum „Zivilgouverneur“ herabgestuft. Der OSR wurde nun nur noch als Stationssoldatenrat bezeichnet. Am 10. März 1919 wurde Konteradmiral Meurer als Stationschef eingesetzt. Wenig später verlor Garbe auch seinen Titel als Zivilgouverneur. Am 31. März 1919 schieden Riefstahl, Klaus, Bublat und Thümmel aus dem OSR/Stationssoldatenrat aus. Neuer Vorsitzender wurde der Oberfeuerwerkermaat Rudolf Rannow (SPD),&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Rannow, geb. 25. Januar 1887 in Oramburg (Pommern), wird in dem Bericht des Kapitänleutnants Peter Köhler am 7. November 1918 als Obmann des Soldatenrats erwähnt; Köhler: Revolutionsereignisse, S. 14. Rannow war im April 1919 Delegierter für den 2. Reichsrätekongress, wo er den Wahlbezirk Ostseestation vertrat. Er organisierte im April 1919 den Zusammenschluss von Berufssoldaten, die sich zur SPD bekannten (im Hinblick auf eine zu gründende republikanische Volkswehr), beteiligte sich an der Abwehr des Kapp-Putsches in Kiel und wurde Kommandeur der gegen den Putsch aufgebauten Arbeiterwehr. In der Personalamtsakte „Wahlen von Stadträten und Bürgermeistern“ im Stadtarchiv Kiel (Sign. 31980) wird er ab 1920 als Stadtsekretär geführt. Im Jahr 1926 meldete er sich nach Lägerdorf ab. Vgl. Wette, Noske, S. 260 und 865; Roß, Reichsrätekongresse, S. 202; Dähnhardt/Granier, Kapp-Putsch in Kiel, S. 110 ff.; BArch 8/1022, Bl. 61 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt; sein Stellvertreter wurde der Feldwebel Paul Dräger.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Dräger war 1920 Führer im Reichswirtschaftsverband deutscher derzeitiger und ehemaliger Berufssoldaten (RdB, Vorläufer des Deutschen Bundeswehr Verbands) in Kiel. Er spielte eine aktive Rolle bei der Niederschlagung des Kapp-Putsches. Vgl. Dähnhardt/Granier, Kapp-Putsch in Kiel, S. 41, 72, 140.&amp;lt;/ref&amp;gt; Außerdem gehörte nach wie vor der Feldwebel Schlüter&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Nachdem Marinewaffen heimlich auf das Gut des Prinzen Heinrich in Hemmelmark verbracht worden waren, wurden dort im April 1919 Durchsuchungen vorgenommen, an denen Schlüter (stellvertretend für Rath) vom OSR, und Otto Eggerstedt vom Volksrat beteiligt waren. Es wurden 30 Gewehre mit Munition gefunden, die Heinrich von einem Seeoffizier geliefert worden waren. Bald darauf beschwerte sich der neue Stationschef Meurer in Berlin bei v. Trotha, dass der Soldatenrat wiederum gegen Vorschriften verstoßen habe, als er sich nach diesen Vorfällen bei weiteren Hausdurchsuchungen des Volksrats in Kitzeberg (Villenviertel auf dem Ostufer der Kieler Förde) beteiligte. Nach Aussagen des Stationssoldatenrats hatte Meurer die Beschwerde auf Anweisung Noskes verfasst. Vgl. Akten des Reichsmarineamts betreffend Arbeiter und Soldatenrat, Juni 1919–März 1922. BArch RM 20/13 Bl. 30–47.&amp;lt;/ref&amp;gt; dem Rat an. Am 12. Mai 1919 wurde das Mitglied im Stationsssoldatenrat, Rath, durch den Feldwebel und Marinefeuerwerker Adolf Schmalix&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Schmalix (1890–1956) gehörte zur 1. Marine-Division und beteiligte sich am Aufbau des Reichswirtschaftsverbands derzeitiger und ehemaliger Berufssoldaten und des Republikanischen Führerbunds. Er engagierte sich im Kampf gegen den Kapp-Putsch, setzte sich dabei für die Bewaffnung der Arbeiterschaft ein und wurde für mehrere Tage verhaftet. Zu einem von ihm zu verantwortenden Unterschlagungsfall in seiner Abteilung erklärte er, „infolge seines Kampfes mit den höchsten Behörden“ sei es ihm nicht möglich gewesen, den Fall zur Anzeige zu bringen. Er verließ Kiel, entwickelte sich zum „völkisch-antisemitischen Extremnationalisten“ und beteiligte sich am Hitler-Putsch. Ab 1924 lebte er in Erfurt, wo er Schriftleiter und Herausgeber des Wochenblattes &amp;quot;Echo Germania&amp;quot; wurde. In dem Blatt pöbelte er gegen prominente Bürger, mit Vorliebe gegen Juden, Ausländer oder Demokraten, denen er dann anbot, sich freizukaufen, um weiteren Schmähungen zu entgehen. Im Frühjahr 1928 rief er den &amp;quot;Großdeutschen Freiheitsbund&amp;quot; ins Leben, dessen Programm aus einem Sammelsurium gängiger nationalistisch-völkischer Ansichten und Feindbilder bestand. Bei der Kommunalwahl in Erfurt errang er in einer reichsweiten Sensation 10 von 52 Mandaten. Später trat der der NSDAP bei. Nach dem Zweiten Weltkrieg saß Schmalix noch 1956 im Kreistag im Landkreis Roding (Oberpfalz). Vgl. Dähnhardt/Granier, Kapp-Putsch in Kiel, S. 24 f. und 41; Anonym: Ein rehabilitierter Berufssoldat. In: Republik, 26. März 1920; Steffen Raßloff: &#039;&#039;Erfurt begeht moralischen Selbstmord. Adolf Schmalix und die Großdeutsche Freiheitsbewegung.&#039;&#039; In: Stadt und Geschichte. Zeitschrift für Erfurt. 13 (2001). S 28 f. Online zugänglich (aufgerufen am 25. Septrember 2024) unter: [http://www.erfurt-web.de/Adolf_Schmalix].&amp;lt;/ref&amp;gt; ersetzt. Zu diesem Zeitpunkt gehörten dem Rat neben den genannten Rannow, Dräger, Schmalix und Schlüter noch Widmaier und Arnold (Minensuchflottille) an.&amp;lt;ref&amp;gt;Station O: Akta betr. XI a (Soldatenrat). BArch RM 31/2375 Bl. 22.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits einige Tage vorher, am 6. März 1919, war das Gesetz über die vorläufige Reichswehr verkündet worden. Es war unter Führung des Kriegsministers von Offizieren erarbeitet worden. In der parlamentarischen Debatte machte Noske deutlich, dass sozialdemokratische Vorstellungen zurzeit zurückgestellt werden müssten, um Deutschland wieder wehrhaft zu machen. Mit dem verabschiedeten Gesetz wurden die Freikorps sanktioniert, republikanische Verbände und Soldatenräte wurden abgeschafft.&amp;lt;ref&amp;gt;Wette, Noske, S. 358–368.&amp;lt;/ref&amp;gt; Am 5. Juni 1919 wurde auch der Kieler Soldatenrat abgeschafft. Es gab jetzt nur noch Vertrauensleute mit Beschwerderechten, die ohne gesetzliche Fixierung lediglich gemäß Marine-Verordnungsblatt MVBl 17, S. 208 und 209 zu wählen waren.&amp;lt;ref&amp;gt;Wette, Noske, S. 368.&amp;lt;/ref&amp;gt; Schmalix und Widmaier werden noch im September 1919 als Vertrauensleute erwähnt, wobei sie sich über die ständig weiter eingeengte Bewegungsfreiheit beschweren.&amp;lt;ref&amp;gt;Akte Reichsmarineamt Juni 1919–März 1922. BArch RM 20/13 Bl. 129 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein weiterer Vertrauensmann war der, als bewährter Deckoffizier von Noske zum Leutnant zur See beförderte, Carl von Seydlitz. Seydlitz wurde nach dem Kapp-Putsch kurzzeitig Stationschef in Kiel, weil die Seeoffiziere wegen Putschbeteiligung suspendiert worden waren oder aus Solidarität den Dienst verlassen hatten.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Klaus Kuhl: &#039;&#039;Leutnant zur See Carl von Seydlitz. Der Kampf für die Demokratisierung der Reichsmarine.&#039;&#039; In: Rolf Fischer (Hrsg.): Sehnsucht nach Demokratie. Neue Aspekte der Kieler Revolution 1918. Kiel 2020, S. 23-35.&amp;lt;/ref&amp;gt; Demokratisch und republikanisch orientierte Soldaten und Offiziere wurden jetzt langsam aber stetig aus dem Militär gedrängt.&amp;lt;ref&amp;gt;Wette, Noske, S. 560, 697.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch Seydlitz gab 1923 auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Räteidee lebte aber im zivilen Bereich weiter. Garbe hatte den Vorsitz im Arbeiterrat mit seiner Ernennung zum Gouverneur abgegeben. Nachfolger wurde Peter Hillbrecht (SPD), zweiter oder gleichberechtigter Vorsitzender J. Claßen (auch Classen geschrieben) von der USPD. Der Rat gab seinen Anspruch, als provisorische Regierung der Provinz Schleswig-Holstein zu fungieren, an den neu gebildeten Volksrat ab. Diesem gehörten auch Vertreter anderer Räte aus Schleswig-Holstein sowie kurzzeitig ein Mitglied des OSR an.&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhl, Garbe, S. 48 f. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während der Soldatenrat als wichtigstes Ziel eine Demokratisierung des Militärs verfolgte, stand bei dem Arbeiterrat die Demokratisierung der Wirtschaft im Zentrum. Besonders die Führer der Werften gehörten meist der rechtsradikalen Deutschen Vaterlandspartei an. Sie besaßen einen großen politischen Einfluss. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitte März wurden Neuwahlen zu den Arbeiterräten durchgeführt. Die Parität mit der USPD wurde aufgegeben, damit konnte diese nur noch eine marginale Rolle in den Räten spielen. Die Beteiligung an den Wahlen war gering, was zu einem weiteren Bedeutungsverlust führte. Im neu konstituierten Arbeiterrat wurden Peter Hillbrecht zum ersten und Otto Eggerstedt&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Eggerstedt (1886–1933 im KZ Esterwegen ermordet) erlernte den Beruf des Bäckers und war Soldat im Ersten Weltkrieg. Er berichtete, wie er dazu beitrug, dass sich auf dem Rückmarsch von der Front Soldatenräte bildeten (Otto Eggerstedt: Die Revolution im Felde! In: SHVZ, 5. November 1919). Zurück in Kiel engagierte Eggerstedt sich stark bei Versuchen eine demokratische Einwohnerwehr aufzubauen und war während des Kapp-Putsches an führender Stelle am Aufbau der Arbeiterwehr beteiligt. Ab Juli 1919 war er Parteisekretär der SPD in Kiel und von 1919 bis 1924 Stadtverordneter von Kiel. Im März 1921 rückte er für Albert Billian in den Reichstag nach, dem er durchgehend bis 1933 angehörter. Ab 1927 war er in der preußischen Verwaltung tätig, ab April 1928 als Regierungsrat und Leiter des Polizeiamtes Wandsbek. Ab 1929 wurde er, das erste halbe Jahr kommissarisch, Polizeipräsident von Altona-Wandsbek mit Sitz in Altona. In seine Dienstzeit fiel der so genannte Altonaer Blutsonntag, der als Anlass für die Beseitigung der sozialdemokratischen preußischen Regierung, eines der letzten Bollwerke gegen die Machtübernahme durch die Nazis, herhalten musste. Vgl. Autoren der SPD-Geschichtswerkstatt: Otto Eggerstedt. Online zugänglich (aufgerufen am 25. September 2024) unter: [https://www.spd-geschichtswerkstatt.de/wiki/Otto_Eggerstedt].&amp;lt;/ref&amp;gt; zum zweiten Vorsitzenden gewählt. Weitere Mitglieder waren der Redakteur der SHVZ Bernhard Rausch und J. Classen (oder Claßen) für die USPD. Als Aufgaben des Rats wurde benannt: Den Räten sollte nicht die ganze politische Macht übertragen werden, sondern sie sollten „die denkbar wichtigsten wirtschaftlichen Aufgaben“ erhalten: die Mitleitung der Fabrikbetriebe und die Sozialisierung“. Sie sollten politisch fortwirken, solange der Beamtenkörper nicht hinreichend demokratisch erneuert sei.&amp;lt;ref&amp;gt;Anonym: Der Kieler Arbeiterrat. In: SHVZ, 24. März 1919.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich musste der Arbeiterrat im September seine Arbeit einstellen, weil keine Gelder mehr bewilligt wurden. Im Zuge des reformierten – nunmehr demokratischen – Wahlrechts waren jedoch viele seiner Mitglieder und Beigeordneten in die entsprechenden Gremien gewählt worden und konnten so – anders als bei den Soldatenräten – weiter Einfluss ausüben. Für Garbe war diese Entwicklung folgerichtig. Er sagte in seiner Wahlkampfrede anlässlich seiner Kandidatur für die Kommunalwahl Anfang März in Kiel: „Ich bin kein großer Freund der Arbeiterräte, deren Zeit bald vorbei sein dürfte. […] Die Räte sollen im Rathaus sitzen. […] wo sie besser arbeiten können wie heute als Beiräte.“&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhl, Garbe, S. 49 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Räteidee war auch von der Nationalversammlung aufgenommen worden, insbesondere, um der in der Arbeiterbewegung weit verbreiteten, immer wieder vorgetragenen Forderung nach Sozialisierung und Demokratisierung der Wirtschaft entgegenzukommen. Eine Kombination von Parlamentarismus und Rätesystem war also durchaus denkbar.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. dazu Peter von Oertzen: &#039;&#039;Betriebsräte in der Novemberrevolution. Eine politikwissenschaftliche Untersuchung über Ideengehalt und Struktur der betrieblichen und wirtschaftlichen Arbeiterräte in der deutschen Revolution 1918/19.&#039;&#039; Düsseldorf 1963 (Beiträge zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien, Band 25), S. 57–67.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Gespräch waren etwa Wirtschaftsräte, doch erst 1930 wurde ein Entwurf für die Ausgestaltung des Reichswirtschaftsrats vorgelegt, der jedoch zu der Zeit keine Aussichten mehr auf Umsetzung hatte und nicht die notwendige Zweidrittelmehrheit erhielt. Übrig blieben schließlich nur noch die Betriebsräte. Im Februar 1920 wurde das Betriebsrätegesetz verabschiedet, das allerdings die Mitwirkungsmöglichkeiten nach ursprünglichen Forderungen einer weitgehenden Kontrollfunktion  nur noch auf soziale Belange beschränkte. Garbe, der vermutlich hinter der Aussage in der SHVZ stand, dass man den Arbeiterräten die „Mitleitung der Fabrikbetriebe“ übertragen wollte, äußerte sich in seinem Bericht im Jahr 1920 entsprechend enttäuscht über das Betriebsrätegesetz.&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhl, Garbe, S. 50.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
Damit war die Rätebewegung in Kiel, die die politische Demokratie erkämpft hatte, mit ihren weitergehenden Vorstellungen einer Demokratisierung von Militär und Wirtschaft gescheitert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellen und Literatur ==&lt;br /&gt;
* Lothar Popp, Karl Artelt: &#039;&#039;Ursprung und Entwicklung der November-Revolution 1918. Wie die deutsche Republik entstand.&#039;&#039; Kiel 1918. Reprint als Sonderveröffentlichung der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Band 15, S. III 1–30. Im Jahr 2020 leicht gekürzt und kommentiert veröffentlicht in: IG Metall Bezirksleitung Küste (Hrsg.): &#039;&#039;Matrosenaufstand und Novemberrevolution 1918.&#039;&#039; Hamburg 2020, S. 96–115, ISBN 978-3-96488-063-5.&lt;br /&gt;
* Gustav Noske: &#039;&#039;Von Kiel bis Kapp. Zur Geschichte der deutschen Revolution.&#039;&#039; Berlin 1920 ([https://portal.dnb.de/bookviewer/view/1131562372#page/n6/mode/1up Digitalisat]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Klaus Kuhl: &#039;&#039;Gustav Garbe – bedeutender Kieler Gewerkschaftsfunktionär, Vorsitzender des Kieler Arbeiterrats und zweimaliger Gouverneur. Mit Vorworten von Frank Hornschu, Geschäftsführer und Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes Kiel Region, und von Stephanie Schmoliner, 1. Bevollmächtigte der IG Metall Kiel-Neumünster.&#039;&#039; Kiel 2023.&lt;br /&gt;
* Martin Rackwitz: &#039;&#039;Kiel 1918. Revolution, Aufbruch zu Demokratie und Republik.&#039;&#039; Kiel 2018, ISBN 978-3-529-05174-6.&lt;br /&gt;
* Dirk Dähnhardt: &#039;&#039;Revolution in Kiel. Der Übergang vom Kaiserreich zur Weimarer Republik 1918/19.&#039;&#039; Karl Wachholtz, Neumünster 1978, ISBN 3-529-02636-0.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
* Wikipedia: Arbeiter- und Soldatenrat [https://de.wikipedia.org/wiki/Arbeiter-_und_Soldatenrat].&lt;br /&gt;
* [[Zeitzeugen_Matrosen%E2%80%93_und_Arbeiteraufstand_1918/1919|Zeitzeugen]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references group=&amp;quot;A&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Klaus Kuhl</name></author>
	</entry>
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		<id>https://kiel-wiki.de/index.php?title=Kieler_Arbeiter-_und_Soldatenr%C3%A4te&amp;diff=64379</id>
		<title>Kieler Arbeiter- und Soldatenräte</title>
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		<updated>2024-09-28T09:29:16Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Klaus Kuhl: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Obwohl der Begriff &#039;&#039;&#039;Arbeiter- und Soldatenrat&#039;&#039;&#039; auch in Kiel benutzt wurde, gab es hier streng genommen keine gemeinsame Räteorganisation der Arbeiterschaft und der Soldaten. Im Folgenden wird die Entwicklung der Kieler Räte beschrieben und – soweit bekannt – werden die Mitglieder vorgestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Arbeiterrat im Januar 1918 ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Lothar_popp_mid-1920s.jpg|thumb|Passfoto Lothar Popp, aufgenommen vermutlich Mitte der 1920er Jahre, Hamburger Staasarchiv.]] Ein erster Arbeiterrat wurde anlässlich der reichsweiten Januarstreiks 1918 gegründet, die in Kiel ihren Anfang nahmen und auf die österreichischen Jännerstreiks folgten. [[Zeitzeugen_Matrosen%E2%80%93_und_Arbeiteraufstand_1918/1919#Lothar_Popp|Lothar Popp]] (USPD) wurde per Akklamation auf dem [[Wilhelmplatz]] in einer Versammlung der Streikenden zum Vorsitzenden bestimmt. Ziel war es, die deutsche Oberste Heeresleitung daran zu hindern, von Russland, das aus dem Krieg ausschied, große territoriale und finanzielle Zugeständnisse zu erpressen. Die Streikenden sahen dadurch den Friedensschluss gefährdet. In Kiel wurde eine entsprechende Resolution verabschiedet, die an die deutsche Regierung geschickt wurde. Popp schrieb: „Wir hatten auf dem Wilhelmplatz zunächst einmal als Grundstock des Arbeiterrates 10 Kollegen der Germania-Werft gewählt, die übrigen Betriebe sollten (was nachher auch geschah), die weiteren Wahlen unter sich vornehmen. Uns leitete der Gedanke, daß der Arbeiterrat […] geeignet erscheine, die Interessen der Arbeiter zu vertreten, ohne durch den Parteienstreit in seiner Tätigkeit beengt zu sein.“&amp;lt;ref&amp;gt;Lothar Popp unter Mitarbeit von Karl Artelt: &#039;&#039;Ursprung und Entwicklung der November-Revolution 1918. Wie die deutsche Republik entstand.&#039;&#039; Kiel 1918 (Reprint als Sonderveröffentlichung der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Band 15), S. III 1–30, hier S. III 7. Im Jahr 2020 leicht gekürzt und kommentiert veröffentlicht in: IG Metall Bezirksleitung Küste (Hrsg.): &#039;&#039;Matrosenaufstand und Novemberrevolution 1918.&#039;&#039; Hamburg 2020, S. 96–115.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist unklar, ob die Organisation längerfristig existierte, weil Popp und zwei weitere USPD-Führer (Heinrich Strunk und Emil Theil) verhaftet und zu teils mehrjährigen Gefängnisstrafen verurteilt wurden. Popp musste zwei Monate in Neumünster einsitzen.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Es gibt nur einen weiteren Hinweis, dass diese Räte länger Bestand gehabt haben könnten: Julius Bredenbeck, damals 11 Jahre alt, aber durch Vater und Onkel bereits gut über die Arbeiterbewegung orientiert, sagte in einem 1989 geführten Interview: „In einzelnen Betrieben gab es schon Arbeiterräte, die sich selbst gebildet hatten, ohne Rechtsgrundlage, einfach aufgrund der Stärke der Organisation. Die zum Teil also auch mit sehr großem revolutionärem Pathos an die Arbeit gingen. In anderen Betrieben waren auch Arbeiterräte, die aber mehr daran interessiert waren, notwendige Dinge, Schwierigkeiten in der Versorgung mit Lebensmitteln usw. weitgehend mit zu steuern. Man kann nicht sagen, dass es eine einheitliche Stimmung gab. Das wurde anders als damals die Matrosen Befehlsverweigerung machten. […] Da war eine allgemeine Solidarität in der gesamte Kieler Arbeiterschaft feststellbar“. Popp selbst gibt in einem Interview mit Dirk Dähnhardt an, der erste Arbeiterrat habe sich aufgelöst (vgl. Klaus Kuhl: &#039;&#039;Lothar Popp – Führer des Kieler Matrosenaufstands 1918 im Streitgespräch mit einem 68er. Interviews mit Lothar Popp.&#039;&#039; Kiel/Hamburg 1970–1978, S. 42. Online zugänglich (aufgerufen am 26. September 2024) unter: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:kuhl_streitgespraech-m-l-popp_1978_plus-weitere-interv-u-gespraeche.pdf]). Eventuell liegt bei Bredenbeck eine Verwechselung mit den Arbeiterausschüssen nach dem Hilfsdienstgesetz vom Dezember 1916 vor.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Im November 1918 übernehmen die Räte die Kontrolle ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Artelt and comrades Kiel-Wik 1914.jpg|mini|Karl Artelt ganz links als Angehöriger der I. Werft-Division, (Ausschnittsvergrößerung rechts), gemeinsam mit Kameraden der I. Torpedo-Division in Kiel-Wik, September 1914]]. Im Verlauf des Kieler Matrosenaufstands entstand dann zuerst im Kasernengelände der Wik am 4. November 1918 ein Soldatenrat, zu dessen Vorsitzenden Oberheizer [[Zeitzeugen_Matrosen%E2%80%93_und_Arbeiteraufstand_1918/1919#Karl_Artelt|Karl Artelt]] (USPD) gewählt wurde. In der Popp/Artelt Broschüre heißt es dazu: „Nachdem Kamerad Artelt und T[h]ümmel zur Wahl von Soldatenräten aufgefordert hatte, vollzog sich die Wahl kompagnieweise. Jede Kompagnie wählte vier Soldatenräte. […] Die erste Soldatenratssitzung in ganz Deutschland tagte im Speisesaal am Montag, den 4 November. Kamerad Artelt wurde als erster, Kamerad Ehle als zweiter Vorsitzender gewählt.“&amp;lt;ref&amp;gt;Popp/Artelt, Ursprung, S. III 16.&amp;lt;/ref&amp;gt; Als weitere Mitglieder konnten bisher festgestellt werden: [[Zeitzeugen_Matrosen%E2%80%93_und_Arbeiteraufstand_1918/1919#Fritz_Fischer|Matrose Fritz Fischer]], Heizer Schaaf – diese gehörten zur ersten Verhandlungsdelegation beim Gouverneur – und vermutlich noch Matrose Erich Thümmel&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;In der SHVZ Jahrgang 1957 (genaues Datum unbekannt) wurde ein Nachruf auf Thümmel veröffentlicht, nachdem dieser im Alter von 64 Jahren verstorben war. Dort heißt es u.&amp;amp;nbsp;a., dass beim Kieler Aufstand „…ein riesiger, schwarzhaariger Torpedobootmatrose mit buschigen Augenbrauen eine führende Rolle [spielte]. Oftmals stand er auf dem großen Kandelaber auf dem Wilhelmplatz und sprach zu den zahlreich versammelten. Schon bald bekam er den Spitznamen ‚Der rote Matrose’. … Bereits lange vor 1918 stand er im Vordergrund der revolutionären Bewegung und auch nach 1945 sah man ihn alljährlich bei der Kranzniederlegung an den Gräbern seiner gefallenen Kameraden der Revolution und des Abwehrkampfes gegen den Kapp-Putsch.“ Thümmel wurde Mitglied des Obersten Soldatenrats. Im Januar 1919 übte er vorsichtige Kritik am Verhalten der inzwischen von den Deckoffizieren dominierten Sicherheitstruppe des Soldatenrats gegenüber einer Arbeitslosenaktion vor und im Rathaus (vgl. OSR: Bekanntmachung. In: Republik, 17. Januar 1919). Im Jahr 1920 war er vermutlich bei der Sicherheitspolizei, wo er sich gegen den Kapp-Putsch engagierte (vgl. Bericht des Sipo-Leutnants Kemsies: Das Verhalten der Sicherheitspolizei Kiel gegenüber der Militärrevolte. 9. April 1920. LAS 301 4458. Online zugänglich (aufgerufen am 26. September 2024) unter: [http://www.kurkuhl.de/docs/sipo_kemsies_arbeiterwehr.pdf]). Von 1938 bis kurz vor seinem Tod war Thümmel Lagermeister des Hansa-Speichers der Schleswig-Holsteinischen landwirtschaftlichen Hauptgenossenschaft.&amp;lt;/ref&amp;gt;(SPD). Zu ihren Forderungen gehörte u.&amp;amp;nbsp;a.: Abdankung des Hohenzollernhauses und die Einführung des allgemeinen, gleichen und geheimen Wahlrechts für beide Geschlechter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kurz darauf entstanden in fast allen militärischen Einheiten ebenfalls Soldatenräte, ohne dass jedoch eine klare Struktur erkennbar gewesen wäre. Sie etablierten sich als direkte Machtorgane der Soldaten anstelle der Offiziere.&amp;lt;ref&amp;gt;Wolfram Wette: Interview von Klaus Kuhl und Kay Gerdes. Freiburg 2016. In: Klaus Kuhl und Kay Gerdes: Begleitheft für den Dokumentarfilm „In Kiel ist Revolution!“ Kiel 2018, S. 52–60, hier S. 54. Online zugänglich (aufgerufen am 31. August 2024) unter: [http://www.kurkuhl.de/docs/begleitheft_dokufilm-in-kiel-ist-revolution_gerdes-kuhl_2018.pdf].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur wenig später fanden sich Aktivisten der Soldaten im Gewerkschaftshaus zusammen und berieten über die weiteren Schritte. Dabei entstanden festere Gruppen, die sich insbesondere um eine Verteidigung der Stadt gegen von auswärts, zur Niederschlagung des Aufstands, entsandte Truppen kümmerten. So berichtete Popp, als er am frühen Morgen des 5. November von der Verhandlung beim Gouverneur ins Gewerkschaftshaus zurückkam, dass „… es schnell [gelang] eine gewisse Einteilung und ein bestimmtes Kommando zu schaffen. In einigen der Zimmer und Bureaus hatte sich der Soldatenrat niedergelassen, der unverzüglich seine Arbeit begann.“&amp;lt;ref&amp;gt;Popp/Artelt, Ursprung, S. III 19.&amp;lt;/ref&amp;gt; Es wurden Passierscheine ausgegeben, um die Bewegungsfreiheit der Offiziere einzuschränken. Flug-Obermaat Nikolaus Goßrau&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Goßrau entwickelte in den Folgetagen die ehrgeizige Idee, sich als rechte Hand Noskes über den Soldatenrat zu stellen. Er setzte sich damit zwischen alle Stühle und ließ sich am 14. November 1918 in ein Lazarett einweisen. Vgl. Klaus Kuhl: Die Ereignisse am 6. November 1918 in Kiel. Kiel 2010. Online zugänglich (aufgerufen am 14. September 2024) unter: [http://www.kurkuhl.de/docs/ereignisse_06-11-1918.pdf].&amp;lt;/ref&amp;gt; begann im Auftrag der Räte mit dem Aufbau eines zentral organisierten Sicherheitsdienstes.&amp;lt;ref&amp;gt;Martin Rackwitz: &#039;&#039;Kiel 1918. Revolution, Aufbruch zu Demokratie und Republik.&#039;&#039; Kiel 2018, S. 114.&amp;lt;/ref&amp;gt; In den Reihen dieser locker strukturierten Soldatenräte genoss Karl Artelt, wie Goßrau andeutet, eine besondere Autorität, weil er die Entwicklung im Militär maßgeblich und mutig vorangetrieben hatte.&amp;lt;ref&amp;gt;Flug-Obermaat Nikolaus Goßrau: Privatakten betr. Revolution 1918. BArch RM 8/1024, Bl. 22.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als weitere Mitglieder dieser frühen, sich im Gewerkschaftshaus zusammenfindenden Soldatenräte, nennt Goßrau sich selbst sowie die Kameraden Braune,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Auch Lothar Popp erwähnt Braune in späteren Interviews: In der entscheidenden Nacht hätten er und „ein gewisser Braune …, (der Braune lebt bei Kiel irgendwo)“ nachts im Stationsgebäude gesessen und Telefonanrufe beantwortet. „Da waren noch welche, wo ich geschwitzt habe dabei.“ Klaus Kuhl: Interviews mit Lothar Popp. Kiel/Hamburg 1970–1978, S. 20, 44 und 60. Online zugänglich (aufgerufen am 15. September 2024) unter: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:kuhl_streitgespraech-m-l-popp_1978_plus-weitere-interv-u-gespraeche.pdf PDF].&amp;lt;/ref&amp;gt; Starke, Hackmann, Falk (Hackmann und Falk konnten nach Aussagen Goßraus über die I., V. und XVII. Halbflottille verfügen), Oberheizer Ruffert,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;In den Popp-Interviews wird, ohne nähere Informationen, der Name Düffert mit Fragezeichen erwähnt. Eventuell handelt es sich hier um dieselbe Person. Vgl. Kuhl, Interviews Popp, S. 42.&amp;lt;/ref&amp;gt; Barghahn und den Matrosen Petersen (Theodor).&amp;lt;ref&amp;gt;Goßrau, Bericht, Bl. 22.&amp;lt;/ref&amp;gt; In einem Bericht des Kommandanten der &#039;&#039;Westfalen&#039;&#039;, Kapitän zur See Max Loesch, wird ein Obermaat Brandt erwähnt, der im Gewerkschaftshaus als Ansprechpartner für Schiffsbesatzungen fungiert habe.&amp;lt;ref&amp;gt;Max Loesch, Kapitän zur See: Vorgänge an Bord (Kiel). Handschriftlicher Bericht 4. und 5. November 1918. BArch RM 31/2373, Bl. 130–133.&amp;lt;/ref&amp;gt; In einem 1958 vermutlich auf Anforderung der SED erstellten Bericht, beschreibt der damalige Unteroffizier Paul Sahnwaldt, dass er dem Soldatenrat der Matrosen-Division angehört hätte.&amp;lt;ref&amp;gt;Paul Sahnwaldt: Der Matrosenaufstand in Kiel 1918. Typoskript 1957. Bundesarchiv, SAPMO, SgY 30/0797, S. 4–8.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Etwa Zwei Stunden nach den Soldaten trafen sich auch die Obleute und Vertrauensleute der Betriebe in demselben Saal im Gewerkschaftshaus und beschlossen den Generalstreik zur Unterstützung der Bewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:14 Kieler Punkte.jpg|mini|Die 14 Kieler Punkte in der &#039;&#039;Schleswig-Holsteinischen Volkszeitung (SHVZ)&#039;&#039;]]&lt;br /&gt;
Um 22 Uhr fand eine nochmalige Beratung im Gewerkschaftshaus statt. Ca. 40 Vertrauensleute verschiedener Schiffe und Formationen sowie sechs Arbeiter kamen zusammen und verabschiedeten schließlich die bekannten Kieler 14 Punkte, die vielen Räten in ganz Deutschland als Richtschnur dienten.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Popp/Artelt, Ursprung, S. III-21.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dänhardt sieht in der politischen Kurzsichtigkeit, die in diesem Katalog zum Ausdruck kommt, eine wesentliche Ursache, dass die Soldatenräte nach ca. sechs Monaten wieder abgeschafft werden konnten.&amp;lt;ref&amp;gt;Dirk Dähnhardt: &#039;&#039;Revolution in Kiel. Der Übergang vom Kaiserreich zur Weimarer Republik 1918/19.&#039;&#039; Neumünster 1978, S. 89–93.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:gustav_garbe.jpg|150px|mini|Foto Gustav Garbes aus dem Kieler Gewerkschaftshaus, aufgenommen vermutlich in den 1920er Jahren.]] Am frühen Morgen des folgenden Tages (5. November 1918) bildete sich ein Arbeiterrat aus den Obleuten der Großbetriebe, vierzehn Vorstandsmitgliedern beider sozialdemokratischer Parteien und dem Vorsitzenden des Kieler Gewerkschaftskartells Garbe. Letzterer wurde zum Vorsitzenden gewählt.&amp;lt;ref&amp;gt;Popp/Artelt, Ursprung, S. III-21–23.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Untersuchungen Dirk Dähnhardts bestand der Arbeiterrat aus den folgenden Personen:&amp;lt;ref&amp;gt;Dirk Dähnhardt: Brief an Gundula. Freiburg, 18. Oktober 1975. Wissenschaftlicher Nachlass, StAK Sign. 65496. Die Charakterisierung als „Obleute“ wurde nicht von Dähnhardt vorgenommen, ergibt sich aber daraus, dass SPD und USPD nur jeweils sieben Personen entsandten. Bei der Feststellung der Parteizugehörigkeit wurde Dähnhardt von Gertrud Völcker und Heinrich Bohnsack unterstützt; vgl. Dähnhardt, Revolution, S. 92 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Obleute der Großbetriebe (15, von den meisten ist die Parteizugehörigkeit nicht bekannt, jedoch dürfte die Mehrheit der SPD zuzurechnen sein): Heinrich Bohnsack,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Bohnsack wurde 1893 geboren, war im Ersten Weltkrieg Soldat, war später DMV-Sekretär, kam während der Nazi-Zeit in das Vorläufer KZ Lichtenberg und emigrierte anschließend nach Schweden. Nach seiner Rückkehr war er 1950–1954 Bezirksleiter der IG-Metall Küste. Vgl. Thomas Pusch: &#039;&#039;Politisches Exil als Migrationsgeschichte. Schleswig-Holsteiner EmigrantInnen und das skandinavische Exil 1933–1960.&#039;&#039; Dissertation vorgelegt an der Universität Flensburg 2003. Online zugänglich (aufgerufen am 16. September 2024) unter: [https://www.zhb-flensburg.de/?id=16381].&amp;lt;/ref&amp;gt; Fiebig, Glup, Jatow, Kazda, Krause, Künzel, Küpel, Wilhelm Leopold,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Von 1920 bis 1933 Erster Bevollmächtigter des Kieler Metallarbeiterverbands (DMV).&amp;lt;/ref&amp;gt; Neumann, Rehle, Huß (SPD), Lintzel (SPD), Wiese (USPD), Eduard Wolke (SPD).&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Wolke stiftete später zusammen mit Karl Edler den Gedenkstein für die Revolutionsopfer auf dem Eichhof-Friedhof; vgl. Johannes Rosenplänter: &#039;&#039;Zur Entstehung der ‚Ruhestätte der Opfer der Revolution‘ auf dem Kieler Eichhoffriedhof 1918–1924. Ein Werk des Landschaftsarchitekten Leberecht Migge&#039;&#039;. In: Rolf Fischer (Hrsg.): Revolution und Revolutionsforschung – Beiträge aus dem Kieler Initiativkreis 1918/19. Kiel 2011, S. 101−110, hier S. 105.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Vorstandsmitglieder der SPD (7): Balleng, Beckmann, Bindemann, August Biskupek,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Autoren der SPD Geschichtswerkstatt: August Biskupek. SPD-Geschichtswerkstatt. Online zugänglich (Permanentlink aufgerufen am 16. September 2024) unter: [https://www.spd-geschichtswerkstatt.de/index.php?title=August_Biskupek&amp;amp;oldid=55089].&amp;lt;/ref&amp;gt; [[Zeitzeugen_Matrosen%E2%80%93_und_Arbeiteraufstand_1918/1919#Karl_Edler|Karl Edler]], Fröhlich, Peter Hillbrecht.&lt;br /&gt;
* Vorstandsmitglieder der USPD (7): J. Classen (auch Claßen), Cords, Krogmann, Max Spretke, Springer, Wiechert, Zinser.&lt;br /&gt;
* Vorsitzender des Gewerkschaftskartells: [[Zeitzeugen_Matrosen–_und_Arbeiteraufstand_1918/1919#Gustav_Garbe|Gustav Garbe]] (SPD). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem sich die Macht der Räte im Laufe des 5. November konsolidierte, richtete sich der Blick auch auf weitere drängende Fragen, wie Sicherung der Nahrungsmittelversorgung und Zahlung der Löhnung. Hier bot Gustav Noske, der sich seit dem Vorabend in Kiel befand und an den Verhandlungen teilgenommen hatte, Unterstützung für die Bewegung an, allerdings in der unausgesprochenen Absicht, ihre Ausbreitung zu verhindern. In einer Absprache mit den USPD-dominierten Aktivisten wurde Noskes Angebot angenommen. Dies geschah unter der Bedingung, dass es sich um eine vorläufige Maßnahme handele und dass erst dann weitere politische Entscheidungen getroffen würden, wenn ein mit Noske vergleichbares politisches Schwergewicht der USPD aus Berlin, etwa Hugo Haase&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Hugo Haase (1863–1919), Jurist, war von 1911 bis 1916 einer der beiden Vorsitzenden der SPD, und von 1912 bis 1916 einer der beiden Fraktionsvorsitzenden der SPD im Reichstag. Als Gegner der Kriegspolitik der Mehrheit des SPD-Vorstands aus Fraktion und Partei ausgeschlossen, gründete er 1917 die USPD und war deren Vorsitzender bis 1919. Im November/Dezember 1918 war er gleichberechtigter Vorsitzender mit Friedrich Ebert im Rat der Volksbeauftragten. Er starb im November 1919 an den Folgen eines Attentats.&amp;lt;/ref&amp;gt; eingetroffen wäre. Noske wurde dann per Akklamation auf einer großen Versammlung auf dem Wilhelmplatz zum vorläufigen Vorsitzen der Soldatenräte bestimmt. Seine Aufrufe wurden von Karl Artelt mitunterzeichnet. Anordnungen mussten neben Noskes Unterschrift auch die eines weiteren Soldatenrats-Mitglieds tragen. &lt;br /&gt;
[[Datei:Beschlüsse Soldatenrat Kiel 1918.jpg|mini|Beschlüsse des Soldatenrats vom 5. November 1918]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei wurde inzwischen auch vom Großen Soldatenrat gesprochen, die Zusammenfassung der Räte hatte Fortschritte gemacht, hatte allerdings nach wie vor keine autorisierte Basis, denn Noske wählte hier nach seinem Bekunden im Stationsgebäude nach Gutdünken einen sieben- oder neuenköpfigen Aktionsausschuss aus einer Schar von 50–60 Anwesenden von verschiedenen Schiffen oder Formationen. Von diesen hätte sich ein Großteil als „Versager“ entpuppt.&amp;lt;ref&amp;gt;Gustav Noske: &#039;&#039;Von Kiel bis Kapp. Zur Geschichte der deutschen Revolution.&#039;&#039; Berlin 1920, S. 19 ([https://portal.dnb.de/bookviewer/view/1131562372#page/n6/mode/1up Digitalisat]).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Arbeiterrat ging sofort daran, mittels so genannter Beigeordneter die Zivilverwaltung zu kontrollieren. Den Beigeordneten mussten alle wichtigen Vorgänge vorgelegt werden, und sie konnten in die Entscheidungen eingreifen.&amp;lt;ref&amp;gt;Eine Liste der Beigeordneten findet sich in der Schleswig-HolsteinischenVolks-Zeitung (SHVZ) vom 12. Dezember 1918 (hier nach einer handschriftlichen Aufzeichnung von Dirk Dähnhardt „Beigeordnete für amtliche Stellen“, in seinem wissenschaftlichen Nachlass (Akte 3, Hefter 1), StAK Sign. 65496.&amp;lt;/ref&amp;gt; Als erstes fertigte Garbe eine handgeschriebene Ernennungsurkunde für [[Eduard Adler]] aus. Adler wurde abgestellt, den erzkonservativen Oberbürgermeister [[Paul Lindemann]], der später auch den Kapp-Putsch unterstützte, zu kontrollieren. &amp;lt;!--[[Datei:Garbe_ernennung-beigeordneter-adler_1918.jpg|mini|Ernennungsurkunde für den Beigeordneten Eduard Adler (Vorder- und Rückseite), Stadtarchiv Kiel, Sign. 21392.]]--&amp;gt; Am 11. November 1918 wurde Adler durch den Stadtverordneten August Biskupek (ebenfalls SPD) ersetzt (Letzterer wiederum wurde aufgrund von Krankheit am 13. Februar 1919 durch den Stadtverordneten Hermann Adam abgelöst).&amp;lt;ref&amp;gt;Rackwitz, Kiel 1918, S. 279 f. Zu Adam vgl.: Autoren der SPD Geschichtswerkstatt: Hermann Adam. In: SPD-Geschichtswerkstatt wiki. Online zugänglich (aufgerufen am 16. September 2024) unter: [https://www.spd-geschichtswerkstatt.de/wiki/Hermann_Adam]. &amp;lt;/ref&amp;gt; Adler wurde zusammen mit Paul Greß (auch Gress)&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Autoren der SPD-Geschichtswerkstatt: Paul Gress. In: SPD-Geschichtswerkstatt-Wiki. Online zugänglich (aufgerufen am 2. September 2024) unter: [https://www.spd-geschichtswerkstatt.de/wiki/Paul_Gress].&amp;lt;/ref&amp;gt; Beigeordneter beim Regierungspräsidenten in Schleswig. Auch der Oberpräsident für Schleswig-Holstein, der damals seinen Sitz in Kiel hatte, erhielt einen Beigeordneten des Arbeiterrats. Eingesetzt wurde Heinrich Kürbis (SPD).&amp;lt;ref&amp;gt;Wikipedia-AutorInnen: Heinrich Kürbis. In: Wikipedia – Die freie Enzyklopädie. Online zugänglich (aufgerufen am 3. September 2024) unter: [https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Heinrich_K%C3%BCrbis&amp;amp;oldid=215560106].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Polizeipräsidenten übernahmen Friedrich Brodthuhn (SPD)&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Autoren der SPD Geschichtswerkstatt: Sozialdemokratischer Verein Groß-Kiel - Stadtverordnete. In: SPD-Geschichtswerkstatt wiki. Online zugänglich (aufgerufen am 16. September 2024) unter: [https://www.spd-geschichtswerkstatt.de/wiki/Sozialdemokratischer_Verein_Gro%C3%9F-Kiel_-_Stadtverordnete].&amp;lt;/ref&amp;gt; und Wilhelm Schweizer (USPD, später SPD)&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Autoren der SPD Geschichtswerkstatt: Wilhelm Schweizer. In: SPD-Geschichtswerkstatt wiki. Online zugänglich (aufgerufen am 16. September 2024) unter: [https://www.spd-geschichtswerkstatt.de/wiki/Wilhelm_Schweizer].&amp;lt;/ref&amp;gt; die Kontrolle; bei der städtischen Polizei Wilhelm Leopold (SPD). Zum Post- und Telegraphenamt wurde der später von der SPD zur USPD übergetretene Postinspektor Bertold Brandt&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Rolf Fischer: &#039;&#039;Mit uns die neue Zeit! Kiels Sozialdemokratie im Kaiserreich und in der Revolution.&#039;&#039; Kiel 2013 (Geschichte der Kieler Sozialdemokratie Band 2), S. 187–190. Zum Übertritt zur USPD vgl. die USPD-Zeitung „Republik“ vom 3. April 1920.&amp;lt;/ref&amp;gt; abgeordnet. Das Provinzial-Schulkollegium wurde von Dr. Hermann Weller kontrolliert.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Studienrat Hermann Weller, später Stadtverordneter SPD, spielte eine herausgehobene Rolle neben Dr. Hermann Heller und Professor Gustav Radbruch beim Kapp-Putsch in Kiel. Vgl. Dirk Dähnhardt und Gerhard Granier (Hrsg.): &#039;&#039;Der Kapp-Putsch in Kiel. Eine Dokumentation zum 60. Jahrestag der Märzereignisse von 1920.&#039;&#039; Kiel 1980 (Mitteilungen der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Band 66), S. 148.&amp;lt;/ref&amp;gt; Weitere Beigeordnete waren für die Gewerbe-Inspektion: Jatow, und für den Landeshauptmann: Albert Billian.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Autoren der SPD Geschichtswerkstatt: Albert Billian. In: SPD-Geschichtswerkstatt wiki. Online zugänglich (aufgerufen am 16. September 2024) unter: [https://www.spd-geschichtswerkstatt.de/wiki/Albert_Billian]. In Preußen war der Landeshauptmann der vom Provinziallandtag gewählte höchste Beamte eines Provinzialverbands. Er leitete die provinziale Selbstverwaltung, während der vom König ernannte Oberpräsident die Vorbehaltsrechte der Zentralregierung wahrnahm.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Peter Hillbrecht (SPD), Metallarbeiter und nach Garbe Vorsitzender des Kieler Arbeiterrats und später des Volksrats für Schleswig-Holstein, sah in einer Rückschau einen großen Mangel darin, dass man es versäumt habe, Beigeordnete für die Justiz zu stellen. Dadurch hätte man „unendlich viel an reaktionären Bestrebungen [hintanhalten]“ können.&amp;lt;ref&amp;gt;Peter Hillbrecht: Der Volksrat von Schleswig-Holstein. In: Schleswig-Holsteinische Volks-Zeitung (SHVZ), 5. November 1918, S. 2 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Über Hillbrecht ist nur wenig bekannt. Sabine Roß schreibt in ihrem biografischen Handbuch der Reichsrätekongresse 1918/19 (Hillbrecht war ebenfalls Delegierter für Schleswig-Holstein): Hillbrecht wurde am 23. April 1884 in Spliedtsdorf bei Grimmen (Prov. Pommern) geboren, war von Beruf Torpedoschlosser und seit Juni 1921 Angestellter im Eisenbahnerverband. Im selben Jahr meldete er sich nach Köln ab. Sabine Roß (spätere Kuder): &#039;&#039;Biographisches Handbuch der Reichsrätekongresse 1918/19&#039;&#039;. Düsseldorf 2000 (Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien Bd. 11). Andreas Zimmer erwähnt einen Peter Hillbrecht (SPD) als Mitglied der Landesleitung des Kulturbunds zur demokratischen Erneuerung Deutschlands in der SBZ/DDR, bei dem es sich evtl. um den hier besprochenen Kieler Vertreter handeln könnte: Andreas Zimmer: Der Kulturbund in der SBZ und in der DDR. Eine Ostdeutsche Kulturvereinigung im Wandel der Zeit zwischen 1945 und 1990. 2013 an der Fakultät für Sozialwissenschaften und Philosophie der Universität Leipzig als Dissertation angenommen. Online zugänglich (aufgerufen am 14. Januar 2023) unter: [https://vdoc.pub/documents/der-kulturbund-in-der-sbz-und-in-der-ddr-eine-ostdeutsche-kulturvereinigung-im-wandel-der-zeit-zwischen-1945-und-1990-3n3pm0s03hdg].&amp;lt;/ref&amp;gt; Nach einer Meldung in der Schleswig-Holsteinischen Volks-Zeitung (SHVZ) vom 12. Dezember 1918 war jedoch Professor Otto Opet (1866–1941)&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Otto Opet lehrte seit 1900 als Privatdozent an der Kieler Universität, wo er 1930 zum Ordinarius berufen wurde. Er zählte zu den Wissenschaftlern, deren Abberufung die Kieler Studentenschaft 1933 kategorisch fordert, da er als Jude galt. Als Mitglied des Reichsbanners, der Liga für Menschenrechte und dem republikanischen Klub und der demokratischen (beziehungsweise radikaldemokratischen) Partei war er außerdem politisch engagiert. Unter dem massiven Druck der nationalsozialistischen Anfeindung lässt Opet sich im April 1933 auf &amp;quot;eigenen Antrag&amp;quot; im Alter von 67 Jahren in den Ruhestand versetzen. Vgl. Christian-Albrechts-Universität zu Kiel: Vertriebene Gelehrte. Online zugänglich (aufgerufen am 14. Juli 2024) unter: [https://www.uni-kiel.de/de/universitaet/profil/geschichte-der-universitaet/ns-aufarbeitung/vertriebene-gelehrte].&amp;lt;/ref&amp;gt; der Justiz als Beigeordneter vorgesetzt. Vielleicht lässt sich dieser Widerspruch dadurch erklären, dass Opet als Einzelperson gegenüber der Phalanx der reaktionären Beamtenschaft keinen Effekt erzielen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Ernährungsamt wurde wegen der herausragenden Bedeutung vom Arbeiterrat durch Fiebig und Richter selbst übernommen. Seit den Hungerprotesten 1917 waren die Arbeiter bereits mit einer größeren Gruppe in der städtischen Lebensmittelkommission vertreten und hatten viel Erfahrung sammeln können.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;In der Frühphase der Arbeit im Ernährungsamt erklärte der Dreher Wilhelm Schulz, zu der Zeit (6. November 1918) Vorsitzender des gemeinsamen Ernährungsausschusses von Arbeiter- und Soldatenrat und später als Ernährungskommissar (er war auch Beigeordneter für das Lebensmittellabor) bezeichnet: „Der Arbeiterrat hat einen Ernährungsausschuß in Gemeinschaft mit dem Soldatenrat eingesetzt, […]. Die Regelung der Lebensmittelversorgung der Zivilbevölkerung der Stadt Kiel verbleibt nach wie vor dem Magistrat. Der Ernährungsausschuß wird nur auf Ansuchen des Magistrats eingreifen.“ StAK Sign. 21392. Der „Ernährungskommissar Schulz – Kiel“ gab auf der Konferenz der schleswig-holsteinischen Arbeiter- Soldaten- und Bauern-Räte am 30. März 1919 in Neumünster einen Bericht über seine Tätigkeit; vgl. Anonym: Konferenz der schleswig-holsteinischen Arbeiter- Soldaten- und Bauern-Räte. In: SHVZ, 13. März 1919, S. 1 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur generellen Arbeit der Beigeordneten schreibt Dähnhardt: „Allein im Bereich der Lebensmittelversorgung, die von Anfang an im Mittelpunkt der Tätigkeit des Arbeiterrats stand, konnte dieser eine für die Bevölkerung sichtbare Bedeutung erlangen. Seit Anfang November bot die Lebensmittelversorgung in Kiel keinen Anlaß mehr zu Kritik. Auch Oberbürgermeister Lindemann [...] bezeichnete die dem Lebensmittelamt zur Seite gestellten Beigeordneten [im Mai 1919] sogar als &#039;brauchbare Mitarbeiter&#039;, sicherlich ein hohes Lob, wenn man berücksichtigt, dass Lindemann [...] ein konsequenter Gegner der Sozialdemokratie war.“&amp;lt;ref&amp;gt;Dähnhardt, Revolution, S. 149.&amp;lt;/ref&amp;gt; Martin Rackwitz kam in seiner umfassenden Darstellung des Kieler Aufstands zu dem Ergebnis, dass die erfahrenen sozialdemokratischen Politiker „ein hohes Maß an kommunalpolitischem Sachverstand“ einbrachten.&amp;lt;ref&amp;gt;Rackwitz, Kiel 1918, S. 190.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz der Konsolidierung des Aufstands in Kiel breitete sich jedoch am 6. November eine große Unsicherheit aus, denn Kiel schien isoliert zu bleiben. Noske unternahm jetzt einen gründlich vorbereiteten Versuch, den Kieler Aufstand zu beenden und damit die alten Verhältnisse wiederherzustellen. Nachmittags fand eine große Massenversammlung von etwa tausend Matrosen, an der auch Vertreter der Arbeiterschaft teilnahmen, im „Schloßhof“ statt, dem heutigen [[Metro-Kino im Schloßhof|metro-Kino]]. Noske hielt seine sorgfältig vorbereitete Rede und beschrieb die großen Schwierigkeiten, vor der die Bewegung stehe. Die Heranschaffung von Lebensmitteln und Geld mache große Probleme, denn Kiel sei isoliert und der Eisenbahnverkehr eingestellt. Er malte ein düsteres Bild und gab dann bekannt, was die Regierung anbieten würde, wenn der Aufstand abgebrochen würde: Straffreiheit für alle Aufständischen, Amnestie für die anlässlich der Marineunruhen 1917 Verurteilten, beschleunigte Herbeiführung des Waffenstillstandes, Beschleunigung der Abdankungsfrage sowie weitere Reformen und Demokratisierung des Staates. Der Vorsitzende des Arbeiterrats Garbe (SPD) und Popp (USPD) sprachen sich dagegen aus. Auch der Redakteur der SHVZ, Bernhard Rausch (SPD)&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Rausch (1887–1981) war Artillerieleutnant an der Westfront und wurde am 1. Oktober 1918 Redakteur der SHVZ in Kiel. Er folgte Noske nach Berlin und wurde dessen politischer Privatsekretär und Referent im Reichswehrministerium, schied 1920 kurz nach Noskes Rücktritt aus und wechselte später zur deutschnationalen Frontsoldaten-Organsation Stahlhelm; vgl. Wolfram Wette: &#039;&#039;Gustav Noske. Eine politische Biographie.&#039;&#039; Düsseldorf 1988, S. 865; sowie Christian Lübcke: &#039;&#039;Ein Versuch zur Demokratisierung der Reichswehr. Bernhard Rauschs Vorschläge für eine Staatsbürgerliche Unterrichtung, 1919-1920. &#039;&#039; In: Andreas Braune, Sebastian Elsbach, Ronny Noak, (Hrsg.): Bildung und Demokratie in der Weimarer Republik. Stuttgart 2022, S. 95-109.&amp;lt;/ref&amp;gt; argumentierte dagegen: Die Bewegung dürfte „… nie in dem Sinne abgebaut werden […], daß etwas von dem aufgegeben würde, was durch sie politisch erreichbar war.“&amp;lt;ref&amp;gt;Bernhard Rausch: &#039;&#039;Am Springquell der Revolution. Die Kieler Matrosenerhebung.&#039;&#039; Kiel 1918 (Reprint als Sonderveröffentlichung der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Bd. 15), S. II 1–31, hier S. II-25.&amp;lt;/ref&amp;gt; In dem Bericht der SHVZ über die Versammlung wurde dies näher erläutert: „Die gegenwärtige schicksalsschwere politische Situation gebietet, dass die entstandenen Machtverhältnisse restlos ausgenützt werden für den politischen und sozialen Fortschritt des Deutschen Reiches. Es gilt das, was im glorreichen Ansturm errungen ist, dauernd zu befestigen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Anonym: Die Lawine im Rollen. In: Schleswig-Holsteinische Volks-Zeitung vom 7. November 1918, S. 1.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noskes Vorschlag wurde nach Angaben Popps einstimmig abgelehnt. Außerdem wurde Popp auf der Versammlung, nachdem der von Berlin entsandte USPD-Vorsitzende Haase Schwierigkeiten hatte, nach Kiel zu gelangen, zum gleichberechtigten Vorsitzenden des Soldatenrats neben Noske bestimmt.&amp;lt;ref&amp;gt;Klaus Kuhl: &#039;&#039;Gustav Garbe – bedeutender Kieler Gewerkschaftsfunktionär, Vorsitzender des Kieler Arbeiterrats und zweimaliger Gouverneur. Mit Vorworten von Frank Hornschu, Geschäftsführer und Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes Kiel Region, und von Stephanie Schmoliner, 1. Bevollmächtigte der IG Metall Kiel-Neumünster.&#039;&#039; Kiel 2023, S. 29–32.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Versammlung verlief teilweise chaotisch, was offenbar mit einer immer noch bestehenden mangelnden Legitimation der Teilnehmer, aufgrund der spontan entstandenen Soldatenräte, zusammen hing. Popp organisierte daraufhin Wahlen von Vertrauensmännern in allen Einheiten, die dann den „Großen Soldatenrat“ wählten, der dann wiederum als Aktionsausschuss am folgenden Tag den Obersten Soldatenrat (OSR) bestimmte. Der OSR, dem auch Karl Artelt angehörte, wählte Lothar Popp zum Vorsitzenden. Weitere Mitglieder waren Maschinistenmaat Ullrich (auch Ulrich), Obermaat Schrader (vom Friedrichsorter Soldatenrat)&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Dirk Dähnhardt gibt eine Äußerung Lothar Popps über Schrader in einem 1975 geführten Gespräch wie folgt wider: „Über die Zusammensetzung des Soldatenrates erinnerte sich Herr Popp nur noch an einen Mann namens Schrader, den er selbst vorgeschlagen hatte, der aber ein &amp;quot;Vollidiot&amp;quot; gewesen sei.“ Kuhl, Popp, S. 44 f. Dähnhardt weist dabei auf eine ähnliche Schilderung Noskes hin. Noske nennt allerdings keine Namen und bezieht sich auf einen Tag vorher. Vgl. Noske, Kiel bis Kapp, S. 19.&amp;lt;/ref&amp;gt; und Obermaat Koch.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Martin Rackwitz erwähnt einen Obermatrosen Koch vom Soldatenrat in Holtenau, der dort die Befehlsgewalt ausgeübt habe. Vgl. Rackwitz, Kiel 1918, S. 181 f. Es bleibt unklar, ob es sich um dieselbe Person handelt.&amp;lt;/ref&amp;gt; Gemäß einer vorher getroffenen Absprache zwischen SPD und USPD übernahm Noske daraufhin das Gouverneursamt von Admiral Wilhelm Souchon.&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhl, Garbe, S. 32.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bereits eine Woche später werden zwei neue Mitglieder des OSR erwähnt, nämlich Robert Pfaff (SPD)&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Pfaff (1881–1940) war außerdem Delegierter auf dem 1. Reichsrätekongress für den Wahlbezirk Schleswig-Holstein und wurde dort als Marinevertreter in den Zentralrat gewählt. Ab 1919 war er kommissarischer Landrat für Rendsburg und dort aktiv an der Niederschlagung des Kapp-Putsches beteiligt, dann Entbindung von diesem Amt. Ab 1924 Inhaber eines Immobiliengeschäfts in Neckargemünd. Vgl. Roß, Reichsrätekongresse. Zur Rolle Pfaffs während des Kapp-Putsches vgl. Klaus Kuhl: &#039;&#039;Abzug des Bataillons Claassen/Detachement Kiel nach dem Kapp-Putsch in Kiel 1920.&#039;&#039; In: Zeitschrift der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte, Band 146 (2021), S. 241–256.&amp;lt;/ref&amp;gt; und Max Hartig,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Hartig, geboren 1887, war Delegierter für den Wahlbezirk Marinestation zum 1. Reichsrätekongress und gehörte zur SPD-Fraktion. Als Wohnort gab er Chemnitz an, und als dortige bisherige Tätigkeit: Sektionsleitung der Modelltischler in Chemnitz. Vgl. Roß, Reichsrätekongresse.&amp;lt;/ref&amp;gt; während Schrader vermutlich ausgeschieden war.&amp;lt;ref&amp;gt;Dähnhardt, Revolution, S. 114 und 136. Schrader wird nur noch einmal von Stabschef Küsel als Teilnehmer bei den Verhandlungen über die Rolle der Offiziere am 8. November erwähnt. Vgl. Klaus Kuhl: &#039;&#039;Gefangen in Überheblichkeit und Engstirnigkeit: Die führenden Seeoffiziere und der Matrosen- und Arbeiteraufstand in Kiel 1918. Die Berichte der Chefs der Marinestation und Gouverneure von Kiel, Admiral Gustav Bachmann und Admiral Wilhelm Souchon sowie ihres Stabschefs Konteradmiral Hans Küsel.&#039;&#039; Kiel 2023, S. 180.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über die Mitglieder des Großen Soldatenrats, die den OSR zu wählen hatten, gibt es bisher nur wenige Informationen: Der Kapitänleutnant Peter Köhler schreibt einem zeitnahen Bericht, dass er selbst zum Soldatenrat auf seinem Wohnschiff &#039;&#039;Nixe&#039;&#039; gewählt wurde und damit Mitglied im Großen Soldatenrat war. Köhler diente bis September 1918 auf dem zum III. Geschwader gehörenden &#039;&#039;Großer Kurfürst&#039;&#039; und war dann dem Artillerieschulschiff &#039;&#039;Kaiserin Augusta&#039;&#039; in Kiel zugeteilt. Er trat für eine Sozialisierung ein, war aber kein Demokrat. Köhler erwähnt auch einen Oberschreiber Haas, der eine bestimmende Rolle im Soldatenrat der I. Werft-Division gespielt hätte.&amp;lt;ref&amp;gt;Kapitänleutnant Peter Köhler: Revolutionsereignisse in Kiel. Typoskript im Nachlass Carl/Karl Hollweg, BArch RM 3/11682, Bl. 198–226. Transkript online zugänglich (aufgerufen am 25. September 2024) unter: [http://www.kurkuhl.de/docs/ereignisse_06-11-1918.pdf].&amp;lt;/ref&amp;gt; Weitere, von Karl Artelt in späteren Berichten erwähnte Mitglieder des Großen Soldatenrats: Torpedobootmatrose Fritz Steinhoff, späterer Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen sowie der U-Bootfahrer Ernst Wollweber, der von 1953 bis 1957 das Staatssekretariat bzw. das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) in der DDR leitete.&amp;lt;ref&amp;gt;Karl Artelt: Zwei Briefe an das Institut für Marxismus-Leninismus beim Zentralkomitee der SED – Abteilung Geschichte der Partei und der deutschen Arbeiterbewegung. Nebra, 15. Dezember 1957 und 12. Februar 1957. Bundesarchiv, SAPMO, SGY 30/0022, Bl. 14–19, hier Bl. 15, 17 und 19.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Regierung in Berlin (bis zum 9. November 1918 noch vom letzten Reichskanzler des Kaiserreichs, Max von Baden, geführt) bestätigte Noske als neuen Gouverneur. Während Popp den Gouverneur als ausführendes Organ des Soldatenrats ansah, mit dem dieser „den Verwaltungsapparat in Bewegung bringen“ könne, betrachtete Noske den Soldatenrat eher als ein Kontrollgremium. In seinem ersten Tagesbefehl, den er zusammen mit dem OSR noch am selben Abend erstellte, hieß es: „Ich bin […] zum Gouverneur gewählt worden […]. Mir zur Seite steht der ‚Oberste Soldatenrat des Befehlsbereichs der Ostseestation’“ &amp;lt;ref&amp;gt;Popp/Artelt, Ursprung, S. III-27 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der OSR schickte dann jeweils einen Vertrauensmann in alle wichtigen militärischen Stellen. Hierbei handelte es sich meistens um Feldwebel.&amp;lt;ref&amp;gt;Rackwitz, Kiel 2018, S. 139 f. Der so genannte Etatmäßige Feldwebel war in der Regel mit dem inneren Dienst und Verwaltungsaufgaben betraut.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die zukünftige Rolle der Offiziere blieb in der Schwebe. Nachdem sich in deren Reihen zunächst eine tiefe Resignation breit gemacht hatte, schöpften die Offiziere wieder Hoffnung, weil Noske signalisiert hatte, dass er auf sie nicht verzichten wollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Inzwischen trafen auch Nachrichten von der raschen Ausbreitung der Revolution ein. Noske kam nun zu der Überzeugung, dass „ein Lavieren nicht mehr am Platze sei, sondern es hieß die Zügel fest in die Hand zu nehmen.“ In einer kleinen Runde vereinbarte er mit einigen Kieler SPD-Führern die Ausrufung des Arbeiterrats als provisorische Regierung Schleswig-Holsteins. Der ebenfalls gewünschten Ausrufung der Republik Schleswig-Holstein widersetzte er sich.&amp;lt;ref&amp;gt;Noske, Kiel bis Kapp, S. 25.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Aufruf Kieler Arbeiter und Soldatenrat.jpg|mini|Gemeinsamer Aufruf des Arbeiter- und des Soldatenrats am 7. November 1918.]] Der OSR und der Arbeiterrat einigten sich auf einen gemeinsamen Aufruf, der als Flugblatt verteilt wurde. Die ersten drei Absätze lauteten: „Die politische Macht ist in unserer Hand. Es wird eine provisorische Provinzialregierung gebildet, die in Zusammenarbeit mit den bestehenden Behörden eine neue Ordnung aufrichtet. Unser Ziel ist die freie, soziale Volksrepublik.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bewegung stieß auch auf große Zustimmung in der Bevölkerung. Dies zeigte sich nicht nur in der überwältigenden Anteilnahme bei der Beerdigung der Revolutionsopfer am 10. November 1918, sondern auch in der raschen Verbreitung der Räteidee: In weiten Kreisen der Bevölkerung bis ins Bürgertum hinein wurden Räte gegründet. Es gab Beamten- und Angestelltenräte,&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. dazu etwa Klaus Kuhl: &#039;&#039;Kiel und die Revolution von 1918. Das Tagebuch eines Werftingenieurs, verfasst in den Jahren 1917–1919. Edition und Textanalyse.&#039;&#039; Berlin 2018, S. 57.&amp;lt;/ref&amp;gt; Studentenräte,&amp;lt;ref&amp;gt;Über Alfred Meusel wird berichtet, dass er Vorsitzender des ersten Studentenrats in Deutschland wurde. Alfred Meusel (1896-1960) besuchte die Oberrealschule in Kiel. Mit Beginn des Ersten Weltkriegs meldete er sich als Freiwilliger, ging an der Front aber bald auf Distanz zum Kaiserreich und kam dort erstmals mit sozialistischen Ideen in Berührung. Im Dezember 1917 wurde er an der Aisne verschüttet, schwer verletzt und behielt zeitlebens ein Nervenleiden als Spätfolge. Von 1918 bis 1922 studierte er in Kiel u. a. Nationalökonomie, Soziologie und Geschichtswissenschaft. Vgl. Mario Kesser und Detlef Siegfried: &#039;&#039;Alfred Meusel im Spannungsfeld von Wissenschaft und Politik&#039;&#039;. In: JahrBuch für Forschungen zur Geschichte der Arbeiterbewegung, Heft III/2010, S. 65–80, hier S. 66 f. Vgl. auch die von Jörg Becker veröffentlichten Berichte von Richard Sorge, der eine sozialistische Studentenorganisation aufbaute.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bauernräte&amp;lt;ref&amp;gt;Nach Gerhard Stoltenberg soll es bereits im Januar 1919 1700 örtliche Auschüsse [Bauernräte] in Schleswig-Holstein gegeben haben; vgl. Gerhard Stoltenberg: &#039;&#039;Politische Strömungen im schleswig-holsteinischen Landvolk 1918-1933.&#039;&#039; Düsseldorf 1962, S.29, Fußnote 4. Stoltenberg beruft sich auf eine Meldung der SHVZ vom 15. Januar 1919. Die Zeitung der USPD „Republik“ meldete am 19. Januar 1919, dass in Schleswig-Holstein ein provisorischer Oberster Bauernrat aus sechs Mitgliedern gebildet worden sei. Beigeordnet seien der Ernährungskommissar für Schleswig-Holstein sowie ein Beauftragter der Landwirtschaftskammer. Geschäftsführer sei vorläufig Max Mißfeld, Suchsdorf bei Kiel.&amp;lt;/ref&amp;gt; und sogar einen Rat des Kirchenchors der [[Nikolaikirche]].&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. den Bericht eines damals 13-jährigen Chorknabens in dem NDR-Film „Matrosen, Räte, Republiken“ von Hartmut Idzko und Jörg Knickrehm, der am 1. November 1978 ausgestrahlt wurde.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In mehreren Verhandlungen wurde zwischen Vertretern der Offiziere und dem OSR eine Absprache über die Rolle der Offiziere getroffen. Diese sah vor, dass diejenigen Offiziere, die sich dem Soldatenrat unterstellten, im Amt bleiben durften. Wenn sie jedoch ein Kommando ausüben wollten, mussten sie das Vertrauen ihrer Untergebenen haben. Von den Mannschaften abgelehnte Offiziere mussten sich in der Marinestation zur Verfügung halten. Die große Mehrheit der Offiziere ließ sich darauf ein, wobei die Mitteilung, der Kaiser habe sie von ihrem Eid entbunden, eine wichtige Rolle gespielt haben dürfte. Die Ansätze für eine Militärreform wurden jedoch, wie Wolfram Wette schrieb, von Noske im Keim erstickt.&amp;lt;ref&amp;gt;Wolfram Wette: Als bei der Torpedo-Division der erste Soldatenrat gebildet wurde. In: Frankfurter Rundschau, 12. Dezember 1988.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Niedergang der Rätebewegung in Kiel ==&lt;br /&gt;
In Kiel begann dieses „Ersticken“ einer möglichen Militärreform damit, dass Noske den Räten gegenüber die Kompetenz der Seeoffiziere, besonders mit Blick auf die Überführung der Flotte nach England, als unverzichtbar darstellte. Kuhl schrieb, dies sei in der neueren Literatur ohne nähere Diskussion akzeptiert worden, aber ein genauerer Blick auf die Aufgaben der verschiedenen Dienstränge zeige, dass Deckoffiziere, Unteroffiziere und Mannschaften ohne größere Probleme in der Lage gewesen wären, ein Schiff zu manövrieren; Steuerleute, Navigationsoffiziere, Maschineningenieure, Funkentelegrafiemeister etc. konnten in ihren Bereichen selbstständig handeln. Die Seeoffiziere waren hauptsächlich dazu da, ein Schiff in der Schlacht zu befehligen. Für andere Aufgaben waren sie nicht unbedingt notwendig. Allerdings war ihre Autorität wichtig für die einigermaßen reibungslose Abfolge aller Arbeiten an Bord und an Land. Diese Autorität aber war stark erschüttert. Eine Auswahl nach demokratischen und republikanischen Kriterien wäre möglich gewesen. Ein entstehender Gruppendruck hätte dann eventuell auch eine Reihe der ehemals kaiserlichen Seeoffiziere zum Einlenken bewegen können. Immerhin war nach der Wahrnehmung des Stabschefs der Marinestation, Küsel, noch Mitte November 1918 „die Stimmung, was das jüngere Seeoffizierkorps anbetrifft, ganz links gerichtet“.&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhl, Überheblichkeit, S. 186.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dies wird auch bestätigt von Admiral Gustav Bachmann, dem Vorgänger Souchons als Gouverneur und Chef der Marinestation, der den Kapitänleutnant Thorwald v. Bothmer als einen der radikalsten bezeichnete („… pries die Republik, machte die Monarchie herunter …“).&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Klaus Franken (Hg.): &#039;&#039;Admiral Gustav Bachmann: Lebenserinnerungen und Tagebuch 1915.&#039;&#039; Paderborn 2022 (Schriften zur Marinegeschichte Band 3), S. 911 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Unter dem Einfluss des Korvettenkapitäns Wilfried von Loewenfeld (s.&amp;amp;nbsp;u.) schlug dies aber schnell wieder um.&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhl, Garbe, S. 38 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zuge der kurz nach dem Umsturz einsetzenden Demobilisierung wuchs der Einfluss der zurückbleibenden Berufssoldaten und hier besonders derjenige der Deckoffiziere. Diese hatten durchaus einen wichtigen Anteil an der erfolgreichen Durchsetzung des Aufstands, denn die standen in deutlicher Opposition zu den Seeoffizieren, von denen sie ebenfalls, wie die Mannschaften, als gesellschaftlich inakzeptable Parias behandelt wurden.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Holger H. Herwig: &#039;&#039;Das Elitekorps des Kaisers. Die Marineoffiziere im Wilhelminischen Deutschland.&#039;&#039; Hamburg 1977, S. 86.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Deckoffizierbund erkannte die neuen Verhältnisse an und erteilte Bestrebungen, diese zurückzudrehen, eine Absage. Die Seeoffiziere müssten dies ebenfalls anerkennen und es müsse eine Auswahl geben, um reaktionäre Absichten von Seiten der Offiziere auszuschließen. Allerdings wurde nicht erkennbar, welche Mechanismen und Garantien der Bund für eine effektive Auswahl anstrebte.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Klaus Kuhl: &#039;&#039;Analyse und Edition von: Paul Kässner, Oberdeckoffizier a. D.: Zur Geschichte der Deckoffizierbewegung, des Deckoffizierbundes und des Bundes der Deckoffiziere.&#039;&#039; Kiel 2022, 6 f. und 22. Online zugänglich (aufgerufen am 4. September 2024) unter: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Kuhl_analyse-edition-kaessner-deckoffizierbewegung_2022.pdf].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei: Kieler_Matrosenaufstand_(Kiel_68.297).jpg|mini|Das Foto zeigt eine Demonstration von Deck- und Unteroffizieren am 22. Dezember 1918 gegen den Beschluss des Reichsrätekongresses und für die Beibehaltung der Rangabzeichen. Dies kennzeichnet den gestiegenen Einfluss der Deckoffiziere.]] Ein Großteil der Deckoffiziere erwies sich auch später im Kapp-Putsch als Stütze der Weimarer Republik, sie hatten jedoch deutliche Vorbehalte gegenüber den Soldatenräten, vermutlich weil sie deren totalen Umsturz der militärischen Hierarchien ablehnten. Die Deckoffiziere bekamen einen großen Einfluss in der Sicherheitswehr des Soldatenrats und auch im OSR selbst. Ihre Vorbehalte führten dann vermutlich auch dazu, dass Lothar Popp am 10. Dezember 1918 als Vorsitzender des OSR zurücktrat; zumindest behauptet dies Noske in seiner 1920 erschienen und stark von Rechtfertigungen geprägten Schrift „Von Kiel bis Kapp“.&amp;lt;ref&amp;gt;Noske, Kiel bis Kapp, S. 52.&amp;lt;/ref&amp;gt; Popp selbst gab später an, er habe nach der Entscheidung für die Nationalversammlung keinen Sinn mehr in seiner Arbeit für den OSR gesehen. Allerdings fiel diese Entscheidung erst später auf der Reichsrätekonferenz 16.–21. Dezember 1918,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Auf dem ersten Reichsrätekongress wurde Kiel durch die folgenden Delegierten vertreten: Gustav Garbe und Peter Hillbrecht für den Arbeiterrat (Kurt Kaulfers, USPD und Bevollmächtigter des DMV Kiel, fiel bei der Mandatsprüfung durch), sowie Max Hartig und Robert Pfaff für den Soldatenrat. Alle bis auf Kaulfers gehörten der SPD an. Vgl. Dieter Braeg und Ralf Hoffrogge (Hrsg.): &#039;&#039;Allgemeiner Kongress der Arbeiter- und Soldatenräte Deutschlands. 16.–20. Dezember 1918 Berlin – Stenografische Berichte, Neuausgabe zum 100. Jahrestag&#039;&#039;. Berlin 2018, S. 561–602. Vgl. auch Roß, Reichsrätekongresse.&amp;lt;/ref&amp;gt; was eher Noskes Darstellung unterstützen würde. Es wäre aber auch denkbar, dass Popps Rücktritt bereits davon bestimmt war, dass keine USPD-Mitglieder aus Kiel zum Reichsrätekongress delegiert wurden. Karl Artelt übernahm nun den Vorsitz des inzwischen auf 14 Mitglieder erweiterten Gremiums, Stellvertreter wurde Robert Pfaff, Schriftführer wurde der Signalmeister und Deckoffizier Franz Riefstahl (SPD). Popp wurde nur noch als politischer Berater des Gremiums aufgeführt. Zum damaligen Zeitpunkt gehörten dem OSR, neben den Genannten, noch die folgenden Personen an: Rudolf Rannow, Erich Thümmel, Schmidtke, Max Hartig, Gräfenstein (auch Grävenstein), Rath, Klaus, Eggers, Rudolph, Widmaier (auch Widmeier) und Feill (insgesamt 14).&amp;lt;ref&amp;gt;Anonym: Sitzung des obersten Soldatenrates. In: Republik, 11. Dezember 1918.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Hartig und Thümmel wurden bereits oben beschrieben, Riefstahl und Rannow werden weiter unten als Vorsitzende des OSR beschrieben, zu den anderen Personen ist bisher nichts weiter bekannt.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die provisorische Regierung Schleswig-Holsteins hatte zunächst der Kieler Arbeiterrat übernommen. Auf einer Konferenz am 12. Dezember 1918 in Neumünster wurden nun auch die anderen Räte in der Provinz einbezogen. Die Konferenz wurde von Garbe eröffnet und zusammen mit Richter aus Neumünster und Schlüter aus Flensburg geleitet. Es herrschte Einigkeit darüber, dass in „nächster Zukunft […] Räterat und National-Versammlung nebeneinander bestehen bleiben und zusammen arbeiten [müssen].“&amp;lt;ref&amp;gt;Einleitendes Referat des Beigeordneten der Regierung in Schleswig Eduard Adlers auf der Konferenz. Protokoll der Konferenz der Arbeiter- und Soldatenräte Neumünster am 12. Dezember 1918. Manuskript. Archiv des Zentralrats der Deutschen Sozialistischen Republik; Sign. B-58. Online zugänglich (aufgerufen am 9. Januar 2023) unter: [https://search.iisg.amsterdam/Record/ARCH01676].&amp;lt;/ref&amp;gt; Die provisorische Regierung setzte sich nun aus Vertretern der Räte verschiedener Regionen zusammen. Sie bezeichnete sich später als „Volksrat“.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Kuhl, Garbe, S. 34.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 27. Dezember 1918, mit Beginn der Unruhen in Berlin, kehrte Noske dorthin zurück und übernahm im Rat der Volksbeauftragten, nach dem Rücktritt der USPD-Beauftragten, den Bereich „Heer und Marine“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit verstärkte sich der schleichende und im Laufe der Entwicklung immer offenere Prozess, in dem Noske – inzwischen Reichswehrminister – die Soldatenräte im Juni 1919 schließlich abschaffen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wichtige Stationen waren dabei:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Verkleinerung des 53er Rats, dem Zentralrat der Marine im Berliner Reichsmarineamt,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Dem Rat gehörten die folgenden Kieler Personen an: Bock, Hohmann, Klenke, Lebeck, Manschke, Rösler, Stock, Block und Schumann; vgl. Kriegsakten betreff Revolution 1918 und Märzwirren 1920. BArch RM 8/1013, Bl. 73 f. Im Mai 1919 wurde auch ein Verbandssoldatenrat, in dem die Soldatenräte sich überregional organisiert hatten, der aber offensichtlich keinen größere Bedeutung erlangt hat, erwähnt; vgl. Akten des Reichsmarineamts betreffend Arbeiter und Soldatenrat, Juni 1919–März 1922. BArch RM 20/13 Bl. 27.&amp;lt;/ref&amp;gt; auf sechs Personen. Der Rat wollte die neue Marine auf Völkerverständigung und eine reine Verteidigung festlegen. Dies stieß jedoch bei den weiter nach „Weltgeltung“ strebenden „Tirpitzianern“, zu denen die vorgesehenen Führer der Marine (insbesondere v. Trotha)&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Konteradmiral Adolf von Trotha (1868–1940), ab März 1919 Chef der Admiralität, im Oktober 1919 zum Vizeadmiral befördert, unterstützte den Kapp-Putsch und wurde später Propagandist für die NSDAP.&amp;lt;/ref&amp;gt; gehörten, sowie auch bei Noske selbst, auf großen Widerstand. Aufgrund von Noskes Kritik, der auf dem Reichsrätekongress eine Verschleppung von Entscheidungen bemängelte, wurde der Rat auf sechs Mitglieder verkleinert und damit in seinen Wirkungsmöglichkeiten (bei einem Amt mit etwa 1000 Beschäftigten) stark eingeschränkt. Der stellvertretende Vorsitzende des Kieler OSR, Robert Pfaff (SPD), der auch am Reichsrätekongress teilnahm, unterstützte Noske bei seinem Vorgehen. Wette vermutet, dass Noskes Beanstandungen eher auf die inzwischen USPD-nahe Programmatik des 53er Rats zurückging.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Wette, Noske, S. 272–280.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Der Aufbau der 1. Marine-Brigade (inoffizielle Bezeichnung: Eiserne Brigade oder Eiserne Division) durch die Deckoffiziere auf Anforderung Noskes Anfang Januar 1919. Im OSR argumentierten die Deckoffiziere damit, dass die Truppe für die Grenzsicherung im Osten gebraucht würde. Sie wurde dann aber bei den Kämpfen in Berlin und danach auch in weiteren Städten, u.&amp;amp;nbsp;a. in Bremen eingesetzt. Dies führte am 6. Januar 1919 zum Rückzug Karl Artelts aus dem OSR. Den Vorsitz übernahm zunächst Max Hartig für 10 Tage dann der Signalmeister und Deckoffizier Franz Riefstahl,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Über Riefstahl ist ebenfalls nur wenig bekannt, obwohl er neben Popp und Artelt eine besonders wichtige Rolle in der Soldatenratsbewegung spielte: Riefstahl war zunächst wohl die zentrale Figur in dem nur bis zum 3. Dezember 1918 existierenden Generalobmannbüro. Neben Riefstahl waren hier noch der Oberheizer Klaus, der Ubootsmaschinistenmaat Tscharutke, der Schreiber Au und der Oberschreiber Rothenbacher tätig. Das Büro wurde parallel zum OSR eingerichtet und diente den Obmännern, wie die von den einzelnen Soldatenräten in den Großen Soldatenrat entsandten Delegierten genannt wurden, als Ansprechstelle. Mit Riefstahls Wahl in den OSR wurde es offenbar aufgelöst. Vgl. Dähnhardt, Revolution, S. 131. Riefstahl gehörte dem OSR von Anfang Dezember 1918 bis Ende März 1919 ununterbrochen an, und war mit 2 ½ Monaten der am längsten auf diesem Posten dienende Vorsitzende. Obwohl Riefstahl der SPD angehörte und deutlich moderater war  als Popp und Artelt, verfolgten ihn die Seeoffiziere mit großem Hass. So bezeichnete v. Loewenfeld ihn als „widerlichen, aufgeblasenen roten Gesellen und Offiziershasser“. Der Stabschef Konteradmiral Küsel schrieb über ihn, er habe sich dann besonders hervorgetan, wenn es galt die Seeoffiziere zu bekämpfen. Riefstahl war später Amtmann in Berlin und wird im „Vorwärts“ vom 15. Oktober 1919 (S. 4) unter den „Groß-Berliner Parteinachrichten“ erwähnt. In einer Versammlung für „Sozialdemokratische Beamte, Angestellte und Hülfskräfte der Gemeindebehörden Groß-Berlins“ referierte Riefstahl über „Revolution und Beamtenschaft.“ Das preußische Innenministerium unter Göring ließ 1934 Erkundigungen über Riefstahl einziehen, um ihn aus dem Beamtendienst zu entfernen. Dabei übermittelte Küsel die genannte Denunziation. Wette vermutet, dies habe ausgereicht, um den Stadtamtmann Riefstahl aus dem Beamtendienst zu entfernen. Vgl. Wette, Noske, S. 261 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; während Hartig sein Stellvertreter wurde. Hartig schied am 7. Februar aus, auf ihn folgte Bublat als Stellvertreter.&amp;lt;ref&amp;gt;Klaus Kuhl: &#039;&#039;Die Kieler Eiserne Division – ein besonderer Fall in der militärischen Landschaft der Weimarer Republik.&#039;&#039; In: Rolf Fischer (Hrsg.): Brennpunkte 1918. Orte der Revolution in Schleswig-Holstein. Kiel 2023, S. 113–132.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Neuordnung der Kommandogewalt. Diese hatte bisher weitgehend in den Händen der Soldatenräte gelegen. Gegen einen bekannt gewordenen Entwurf legte der Kieler OSR Protest ein. Dieser Protest wurde auch am 1. Februar 1919 von der Kieler SPD-Zeitung unterstützt. Man sah in Noskes Planungen den Versuch, die Zustände vor der Revolution wieder einzuführen.&amp;lt;ref&amp;gt;Anonym: Neuregelung der Kommandogewalt. In: SHVZ, 1. Februar 1919, S. 1.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Entwurf war Mitte Januar vom neuen Kriegsminister Oberst Walther Reinhardt vorgelegt, vom Zentralrat der Deutschen Sozialistischen Republik&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Ein vom Reichsrätekongress im Dezember 1918 eingerichtetes Gremium zur Überwachung und zur Kontrolle des Rats der Volksbeauftragten.&amp;lt;/ref&amp;gt; geringfügig geändert und dann von der Regierung angenommen worden. Das Verordnungswerk wurde am 19. Januar verabschiedet, gab die Kommandogewalt zurück an die Offiziere und schränkte die Befugnisse der Soldatenräte stark ein. Fronttruppen und Freikorps waren ausgenommen, dort hatten Soldatenräte sowieso einen schweren Stand oder wurden gar nicht geduldet.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Wette, Noske, S. 333–339.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Rahmen verschiedentlicher Proteste der Kieler Räte bei Noske fühlten sich die Delegationsmitglieder Riefstahl, Klaus, Rannow und Thümmel von Noske „wie Handwerksburschen“ behandelt.&amp;lt;ref&amp;gt;Wette, Noske, S. 260.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Der große Protest der Kieler Arbeiterschaft gegen Noskes kompromissloses militärisches Vorgehen gegen die Bremer Räterepublik Anfang Februar 1919; aufgrund der begeleitenden militanten Aktionen der KPD auch als Kieler „Spartakus-Putsch“ bezeichnet. Im Verlauf der bewaffneten Auseinandersetzungen erlaubte Noske dann die Aufstellung der 3. Marine-Brigade durch Wilfried von Loewenfeld, die dann die Sicherheitstruppe des Soldatenrats dominierte.&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhl, Garbe, S. 47 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Am 25. Februar erfolgte dann eine Neuwahl des OSR und der erneut zum Vorsitzenden gewählte Riefstahl verkleinerte den bereits auf 12 Mitglieder reduzierten OSR auf nunmehr neun Personen. Dabei handelte es sich neben Riefstahl um Bublat (Stellvertreter), Schlüter (Schriftführer), Klaus, Rannow, Rath, Widmaier, Thümmel und Dräger.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Rackwitz, Kiel 1918, S. 183; sowie Anonym: Neuwahl des Obersten Soldatenrates. In: Kieler Zeitung vom 1. März 1919, Morgenausgabe.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Einsetzung eines Seeoffiziers als Stationschef wurde von Noske gegen den Widerstand von OSR und Arbeiterrat nach verschiedenen Anläufen durchgesetzt. Dabei verlor Garbe als Noskes Nachfolger auf dem Posten des Kieler Gouverneurs seine militärische Befehlsgewalt und wurde zum „Zivilgouverneur“ herabgestuft. Der OSR wurde nun nur noch als Stationssoldatenrat bezeichnet. Am 10. März 1919 wurde Konteradmiral Meurer als Stationschef eingesetzt. Wenig später verlor Garbe auch seinen Titel als Zivilgouverneur. Am 31. März 1919 schieden Riefstahl, Klaus, Bublat und Thümmel aus dem OSR/Stationssoldatenrat aus. Neuer Vorsitzender wurde der Oberfeuerwerkermaat Rudolf Rannow (SPD),&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Rannow, geb. 25. Januar 1887 in Oramburg (Pommern), wird in dem Bericht des Kapitänleutnants Peter Köhler am 7. November 1918 als Obmann des Soldatenrats erwähnt; Köhler: Revolutionsereignisse, S. 14. Rannow war im April 1919 Delegierter für den 2. Reichsrätekongress, wo er den Wahlbezirk Ostseestation vertrat. Er organisierte im April 1919 den Zusammenschluss von Berufssoldaten, die sich zur SPD bekannten (im Hinblick auf eine zu gründende republikanische Volkswehr), beteiligte sich an der Abwehr des Kapp-Putsches in Kiel und wurde Kommandeur der gegen den Putsch aufgebauten Arbeiterwehr. In der Personalamtsakte „Wahlen von Stadträten und Bürgermeistern“ im Stadtarchiv Kiel (Sign. 31980) wird er ab 1920 als Stadtsekretär geführt. Im Jahr 1926 meldete er sich nach Lägerdorf ab. Vgl. Wette, Noske, S. 260 und 865; Roß, Reichsrätekongresse, S. 202; Dähnhardt/Granier, Kapp-Putsch in Kiel, S. 110 ff.; BArch 8/1022, Bl. 61 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt; sein Stellvertreter wurde der Feldwebel Paul Dräger.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Dräger war 1920 Führer im Reichswirtschaftsverband deutscher derzeitiger und ehemaliger Berufssoldaten (RdB, Vorläufer des Deutschen Bundeswehr Verbands) in Kiel. Er spielte eine aktive Rolle bei der Niederschlagung des Kapp-Putsches. Vgl. Dähnhardt/Granier, Kapp-Putsch in Kiel, S. 41, 72, 140.&amp;lt;/ref&amp;gt; Außerdem gehörte nach wie vor der Feldwebel Schlüter&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Nachdem Marinewaffen heimlich auf das Gut des Prinzen Heinrich in Hemmelmark verbracht worden waren, wurden dort im April 1919 Durchsuchungen vorgenommen, an denen Schlüter (stellvertretend für Rath) vom OSR, und Otto Eggerstedt vom Volksrat beteiligt waren. Es wurden 30 Gewehre mit Munition gefunden, die Heinrich von einem Seeoffizier geliefert worden waren. Bald darauf beschwerte sich der neue Stationschef Meurer in Berlin bei v. Trotha, dass der Soldatenrat wiederum gegen Vorschriften verstoßen habe, als er sich nach diesen Vorfällen bei weiteren Hausdurchsuchungen des Volksrats in Kitzeberg (Villenviertel auf dem Ostufer der Kieler Förde) beteiligte. Nach Aussagen des Stationssoldatenrats hatte Meurer die Beschwerde auf Anweisung Noskes verfasst. Vgl. Akten des Reichsmarineamts betreffend Arbeiter und Soldatenrat, Juni 1919–März 1922. BArch RM 20/13 Bl. 30–47.&amp;lt;/ref&amp;gt; dem Rat an. Am 12. Mai 1919 wurde das Mitglied im Stationsssoldatenrat, Rath, durch den Feldwebel und Marinefeuerwerker Adolf Schmalix&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Schmalix (1890–1956) gehörte zur 1. Marine-Division und beteiligte sich am Aufbau des Reichswirtschaftsverbands derzeitiger und ehemaliger Berufssoldaten und des Republikanischen Führerbunds. Er engagierte sich im Kampf gegen den Kapp-Putsch, setzte sich dabei für die Bewaffnung der Arbeiterschaft ein und wurde für mehrere Tage verhaftet. Zu einem von ihm zu verantwortenden Unterschlagungsfall in seiner Abteilung erklärte er, „infolge seines Kampfes mit den höchsten Behörden“ sei es ihm nicht möglich gewesen, den Fall zur Anzeige zu bringen. Er verließ Kiel, entwickelte sich zum „völkisch-antisemitischen Extremnationalisten“ und beteiligte sich am Hitler-Putsch. Ab 1924 lebte er in Erfurt, wo er Schriftleiter und Herausgeber des Wochenblattes &amp;quot;Echo Germania&amp;quot; wurde. In dem Blatt pöbelte er gegen prominente Bürger, mit Vorliebe gegen Juden, Ausländer oder Demokraten, denen er dann anbot, sich freizukaufen, um weiteren Schmähungen zu entgehen. Im Frühjahr 1928 rief er den &amp;quot;Großdeutschen Freiheitsbund&amp;quot; ins Leben, dessen Programm aus einem Sammelsurium gängiger nationalistisch-völkischer Ansichten und Feindbilder bestand. Bei der Kommunalwahl in Erfurt errang er in einer reichsweiten Sensation 10 von 52 Mandaten. Später trat der der NSDAP bei. Nach dem Zweiten Weltkrieg saß Schmalix noch 1956 im Kreistag im Landkreis Roding (Oberpfalz). Vgl. Dähnhardt/Granier, Kapp-Putsch in Kiel, S. 24 f. und 41; Anonym: Ein rehabilitierter Berufssoldat. In: Republik, 26. März 1920; Steffen Raßloff: &#039;&#039;Erfurt begeht moralischen Selbstmord. Adolf Schmalix und die Großdeutsche Freiheitsbewegung.&#039;&#039; In: Stadt und Geschichte. Zeitschrift für Erfurt. 13 (2001). S 28 f. Online zugänglich (aufgerufen am 25. Septrember 2024) unter: [http://www.erfurt-web.de/Adolf_Schmalix].&amp;lt;/ref&amp;gt; ersetzt. Zu diesem Zeitpunkt gehörten dem Rat neben den genannten Rannow, Dräger, Schmalix und Schlüter noch Widmaier und Arnold (Minensuchflottille) an. (BArch RM 31/2375 Bl. 22)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits einige Tage vorher, am 6. März 1919, war das Gesetz über die vorläufige Reichswehr verkündet worden. Es war unter Führung des Kriegsministers von Offizieren erarbeitet worden. In der parlamentarischen Debatte machte Noske deutlich, dass sozialdemokratische Vorstellungen zurzeit zurückgestellt werden müssten, um Deutschland wieder wehrhaft zu machen. Mit dem verabschiedeten Gesetz wurden die Freikorps sanktioniert, republikanische Verbände und Soldatenräte wurden abgeschafft.&amp;lt;ref&amp;gt;Wette, Noske, S. 358–368.&amp;lt;/ref&amp;gt; Am 5. Juni 1919 wurde auch der Kieler Soldatenrat abgeschafft. Es gab jetzt nur noch Vertrauensleute mit Beschwerderechten, die ohne gesetzliche Fixierung lediglich gemäß Marine-Verordnungsblatt MVBl 17, S. 208 und 209 zu wählen waren.&amp;lt;ref&amp;gt;Wette, Noske, S. 368.&amp;lt;/ref&amp;gt; Schmalix und Widmaier werden noch im September 1919 als Vertrauensleute erwähnt, wobei sie sich über die ständig weiter eingeengte Bewegungsfreiheit beschweren.&amp;lt;ref&amp;gt;Akte Reichsmarineamt Juni 1919–März 1922. BArch RM 20/13 Bl. 129 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein weiterer Vertrauensmann war der, als bewährter Deckoffizier von Noske zum Leutnant zur See beförderte, Carl von Seydlitz. Seydlitz wurde nach dem Kapp-Putsch kurzzeitig Stationschef in Kiel, weil die Seeoffiziere wegen Putschbeteiligung suspendiert worden waren oder aus Solidarität den Dienst verlassen hatten.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Klaus Kuhl: &#039;&#039;Leutnant zur See Carl von Seydlitz. Der Kampf für die Demokratisierung der Reichsmarine.&#039;&#039; In: Rolf Fischer (Hrsg.): Sehnsucht nach Demokratie. Neue Aspekte der Kieler Revolution 1918. Kiel 2020, S. 23-35.&amp;lt;/ref&amp;gt; Demokratisch und republikanisch orientierte Soldaten und Offiziere wurden jetzt langsam aber stetig aus dem Militär gedrängt.&amp;lt;ref&amp;gt;Wette, Noske, S. 560, 697.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch Seydlitz gab 1923 auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Räteidee lebte aber im zivilen Bereich weiter. Garbe hatte den Vorsitz im Arbeiterrat mit seiner Ernennung zum Gouverneur abgegeben. Nachfolger wurde Peter Hillbrecht (SPD), zweiter oder gleichberechtigter Vorsitzender J. Claßen (auch Classen geschrieben) von der USPD. Der Rat gab seinen Anspruch, als provisorische Regierung der Provinz Schleswig-Holstein zu fungieren, an den neu gebildeten Volksrat ab. Diesem gehörten auch Vertreter anderer Räte aus Schleswig-Holstein sowie kurzzeitig ein Mitglied des OSR an.&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhl, Garbe, S. 48 f. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während der Soldatenrat als wichtigstes Ziel eine Demokratisierung des Militärs verfolgte, stand bei dem Arbeiterrat die Demokratisierung der Wirtschaft im Zentrum. Besonders die Führer der Werften gehörten meist der rechtsradikalen Deutschen Vaterlandspartei an. Sie besaßen einen großen politischen Einfluss. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitte März wurden Neuwahlen zu den Arbeiterräten durchgeführt. Die Parität mit der USPD wurde aufgegeben, damit konnte diese nur noch eine marginale Rolle in den Räten spielen. Die Beteiligung an den Wahlen war gering, was zu einem weiteren Bedeutungsverlust führte. Im neu konstituierten Arbeiterrat wurden Peter Hillbrecht zum ersten und Otto Eggerstedt&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Eggerstedt (1886–1933 im KZ Esterwegen ermordet) erlernte den Beruf des Bäckers und war Soldat im Ersten Weltkrieg. Er berichtete, wie er dazu beitrug, dass sich auf dem Rückmarsch von der Front Soldatenräte bildeten (Otto Eggerstedt: Die Revolution im Felde! In: SHVZ, 5. November 1919). Zurück in Kiel engagierte Eggerstedt sich stark bei Versuchen eine demokratische Einwohnerwehr aufzubauen und war während des Kapp-Putsches an führender Stelle am Aufbau der Arbeiterwehr beteiligt. Ab Juli 1919 war er Parteisekretär der SPD in Kiel und von 1919 bis 1924 Stadtverordneter von Kiel. Im März 1921 rückte er für Albert Billian in den Reichstag nach, dem er durchgehend bis 1933 angehörter. Ab 1927 war er in der preußischen Verwaltung tätig, ab April 1928 als Regierungsrat und Leiter des Polizeiamtes Wandsbek. Ab 1929 wurde er, das erste halbe Jahr kommissarisch, Polizeipräsident von Altona-Wandsbek mit Sitz in Altona. In seine Dienstzeit fiel der so genannte Altonaer Blutsonntag, der als Anlass für die Beseitigung der sozialdemokratischen preußischen Regierung, eines der letzten Bollwerke gegen die Machtübernahme durch die Nazis, herhalten musste. Vgl. Autoren der SPD-Geschichtswerkstatt: Otto Eggerstedt. Online zugänglich (aufgerufen am 25. September 2024) unter: [https://www.spd-geschichtswerkstatt.de/wiki/Otto_Eggerstedt].&amp;lt;/ref&amp;gt; zum zweiten Vorsitzenden gewählt. Weitere Mitglieder waren der Redakteur der SHVZ Bernhard Rausch und J. Classen (oder Claßen) für die USPD. Als Aufgaben des Rats wurde benannt: Den Räten sollte nicht die ganze politische Macht übertragen werden, sondern sie sollten „die denkbar wichtigsten wirtschaftlichen Aufgaben“ erhalten: die Mitleitung der Fabrikbetriebe und die Sozialisierung“. Sie sollten politisch fortwirken, solange der Beamtenkörper nicht hinreichend demokratisch erneuert sei.&amp;lt;ref&amp;gt;Anonym: Der Kieler Arbeiterrat. In: SHVZ, 24. März 1919.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich musste der Arbeiterrat im September seine Arbeit einstellen, weil keine Gelder mehr bewilligt wurden. Im Zuge des reformierten – nunmehr demokratischen – Wahlrechts waren jedoch viele seiner Mitglieder und Beigeordneten in die entsprechenden Gremien gewählt worden und konnten so – anders als bei den Soldatenräten – weiter Einfluss ausüben. Für Garbe war diese Entwicklung folgerichtig. Er sagte in seiner Wahlkampfrede anlässlich seiner Kandidatur für die Kommunalwahl Anfang März in Kiel: „Ich bin kein großer Freund der Arbeiterräte, deren Zeit bald vorbei sein dürfte. […] Die Räte sollen im Rathaus sitzen. […] wo sie besser arbeiten können wie heute als Beiräte.“&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhl, Garbe, S. 49 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Räteidee war auch von der Nationalversammlung aufgenommen worden, insbesondere, um der in der Arbeiterbewegung weit verbreiteten, immer wieder vorgetragenen Forderung nach Sozialisierung und Demokratisierung der Wirtschaft entgegenzukommen. Eine Kombination von Parlamentarismus und Rätesystem war also durchaus denkbar.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. dazu Peter von Oertzen: &#039;&#039;Betriebsräte in der Novemberrevolution. Eine politikwissenschaftliche Untersuchung über Ideengehalt und Struktur der betrieblichen und wirtschaftlichen Arbeiterräte in der deutschen Revolution 1918/19.&#039;&#039; Düsseldorf 1963 (Beiträge zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien, Band 25), S. 57–67.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Gespräch waren etwa Wirtschaftsräte, doch erst 1930 wurde ein Entwurf für die Ausgestaltung des Reichswirtschaftsrats vorgelegt, der jedoch zu der Zeit keine Aussichten mehr auf Umsetzung hatte und nicht die notwendige Zweidrittelmehrheit erhielt. Übrig blieben schließlich nur noch die Betriebsräte. Im Februar 1920 wurde das Betriebsrätegesetz verabschiedet, das allerdings die Mitwirkungsmöglichkeiten nach ursprünglichen Forderungen einer weitgehenden Kontrollfunktion  nur noch auf soziale Belange beschränkte. Garbe, der vermutlich hinter der Aussage in der SHVZ stand, dass man den Arbeiterräten die „Mitleitung der Fabrikbetriebe“ übertragen wollte, äußerte sich in seinem Bericht im Jahr 1920 entsprechend enttäuscht über das Betriebsrätegesetz.&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhl, Garbe, S. 50.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
Damit war die Rätebewegung in Kiel, die die politische Demokratie erkämpft hatte, mit ihren weitergehenden Vorstellungen einer Demokratisierung von Militär und Wirtschaft gescheitert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellen und Literatur ==&lt;br /&gt;
* Lothar Popp, Karl Artelt: &#039;&#039;Ursprung und Entwicklung der November-Revolution 1918. Wie die deutsche Republik entstand.&#039;&#039; Kiel 1918. Reprint als Sonderveröffentlichung der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Band 15, S. III 1–30. Im Jahr 2020 leicht gekürzt und kommentiert veröffentlicht in: IG Metall Bezirksleitung Küste (Hrsg.): &#039;&#039;Matrosenaufstand und Novemberrevolution 1918.&#039;&#039; Hamburg 2020, S. 96–115, ISBN 978-3-96488-063-5.&lt;br /&gt;
* Gustav Noske: &#039;&#039;Von Kiel bis Kapp. Zur Geschichte der deutschen Revolution.&#039;&#039; Berlin 1920 ([https://portal.dnb.de/bookviewer/view/1131562372#page/n6/mode/1up Digitalisat]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Klaus Kuhl: &#039;&#039;Gustav Garbe – bedeutender Kieler Gewerkschaftsfunktionär, Vorsitzender des Kieler Arbeiterrats und zweimaliger Gouverneur. Mit Vorworten von Frank Hornschu, Geschäftsführer und Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes Kiel Region, und von Stephanie Schmoliner, 1. Bevollmächtigte der IG Metall Kiel-Neumünster.&#039;&#039; Kiel 2023.&lt;br /&gt;
* Martin Rackwitz: &#039;&#039;Kiel 1918. Revolution, Aufbruch zu Demokratie und Republik.&#039;&#039; Kiel 2018, ISBN 978-3-529-05174-6.&lt;br /&gt;
* Dirk Dähnhardt: &#039;&#039;Revolution in Kiel. Der Übergang vom Kaiserreich zur Weimarer Republik 1918/19.&#039;&#039; Karl Wachholtz, Neumünster 1978, ISBN 3-529-02636-0.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
* Wikipedia: Arbeiter- und Soldatenrat [https://de.wikipedia.org/wiki/Arbeiter-_und_Soldatenrat].&lt;br /&gt;
* [[Zeitzeugen_Matrosen%E2%80%93_und_Arbeiteraufstand_1918/1919|Zeitzeugen]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references group=&amp;quot;A&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Klaus Kuhl</name></author>
	</entry>
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		<id>https://kiel-wiki.de/index.php?title=Kieler_Arbeiter-_und_Soldatenr%C3%A4te&amp;diff=64371</id>
		<title>Kieler Arbeiter- und Soldatenräte</title>
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		<updated>2024-09-27T12:40:27Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Klaus Kuhl: Artikel angelegt&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Obwohl der Begriff &#039;&#039;&#039;Arbeiter- und Soldatenrat&#039;&#039;&#039; auch in Kiel benutzt wurde, gab es hier streng genommen keine gemeinsame Räteorganisation der Arbeiterschaft und der Soldaten. Im Folgenden wird die Entwicklung der Kieler Räte beschrieben und – soweit bekannt – werden die Mitglieder vorgestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Arbeiterrat im Januar 1918 ==&lt;br /&gt;
Ein erster Arbeiterrat wurde anlässlich der reichsweiten Januarstreiks 1918 gegründet, die in Kiel ihren Anfang nahmen und auf die österreichischen Jännerstreiks folgten. [[Zeitzeugen_Matrosen%E2%80%93_und_Arbeiteraufstand_1918/1919#Lothar_Popp|Lothar Popp]] (USPD) wurde per Akklamation auf dem [[Wilhelmplatz]] in einer Versammlung der Streikenden zum Vorsitzenden bestimmt. Ziel war es, die deutsche Oberste Heeresleitung daran zu hindern, von Russland, das aus dem Krieg ausschied, große territoriale und finanzielle Zugeständnisse zu erpressen. Die Streikenden sahen dadurch den Friedensschluss gefährdet. In Kiel wurde eine entsprechende Resolution verabschiedet, die an die deutsche Regierung geschickt wurde. Popp schrieb: „Wir hatten auf dem Wilhelmplatz zunächst einmal als Grundstock des Arbeiterrates 10 Kollegen der Germania-Werft gewählt, die übrigen Betriebe sollten (was nachher auch geschah), die weiteren Wahlen unter sich vornehmen. Uns leitete der Gedanke, daß der Arbeiterrat […] geeignet erscheine, die Interessen der Arbeiter zu vertreten, ohne durch den Parteienstreit in seiner Tätigkeit beengt zu sein.“&amp;lt;ref&amp;gt;Lothar Popp unter Mitarbeit von Karl Artelt: &#039;&#039;Ursprung und Entwicklung der November-Revolution 1918. Wie die deutsche Republik entstand.&#039;&#039; Kiel 1918 (Reprint als Sonderveröffentlichung der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Band 15), S. III 1–30, hier S. III 7. Im Jahr 2020 leicht gekürzt und kommentiert veröffentlicht in: IG Metall Bezirksleitung Küste (Hrsg.): &#039;&#039;Matrosenaufstand und Novemberrevolution 1918.&#039;&#039; Hamburg 2020, S. 96–115.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Lothar popp mid-1920s.jpg|thumb|Passfoto Lothar Popp, aufgenommen vermutlich Mitte der 1920er Jahre, Hamburger Staasarchiv.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist unklar, ob die Organisation längerfristig existierte, weil Popp und zwei weitere USPD-Führer (Heinrich Strunk und Emil Theil) verhaftet und zu teils mehrjährigen Gefängnisstrafen verurteilt wurden. Popp musste zwei Monate in Neumünster einsitzen.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Es gibt nur einen weiteren Hinweis, dass diese Räte länger Bestand gehabt haben könnten: Julius Bredenbeck, damals 11 Jahre alt, aber durch Vater und Onkel bereits gut über die Arbeiterbewegung orientiert, sagte in einem 1989 geführten Interview: „In einzelnen Betrieben gab es schon Arbeiterräte, die sich selbst gebildet hatten, ohne Rechtsgrundlage, einfach aufgrund der Stärke der Organisation. Die zum Teil also auch mit sehr großem revolutionärem Pathos an die Arbeit gingen. In anderen Betrieben waren auch Arbeiterräte, die aber mehr daran interessiert waren, notwendige Dinge, Schwierigkeiten in der Versorgung mit Lebensmitteln usw. weitgehend mit zu steuern. Man kann nicht sagen, dass es eine einheitliche Stimmung gab. Das wurde anders als damals die Matrosen Befehlsverweigerung machten. […] Da war eine allgemeine Solidarität in der gesamte Kieler Arbeiterschaft feststellbar“. Popp selbst gibt in einem Interview mit Dirk Dähnhardt an, der erste Arbeiterrat habe sich aufgelöst (vgl. Klaus Kuhl: &#039;&#039;Lothar Popp – Führer des Kieler Matrosenaufstands 1918 im Streitgespräch mit einem 68er. Interviews mit Lothar Popp.&#039;&#039; Kiel/Hamburg 1970–1978, S. 42. Online zugänglich (aufgerufen am 26. September 2024) unter: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:kuhl_streitgespraech-m-l-popp_1978_plus-weitere-interv-u-gespraeche.pdf]). Eventuell liegt bei Bredenbeck eine Verwechselung mit den Arbeiterausschüssen nach dem Hilfsdienstgesetz vom Dezember 1916 vor.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Im November 1918 übernehmen die Räte die Kontrolle ==&lt;br /&gt;
Im Verlauf des Kieler Matrosenaufstands entstand dann zuerst im Kasernengelände der Wik am 4. November 1918 ein Soldatenrat, zu dessen Vorsitzenden Oberheizer [[Zeitzeugen_Matrosen%E2%80%93_und_Arbeiteraufstand_1918/1919#Karl_Artelt|Karl Artelt]] (USPD) gewählt wurde. In der Popp/Artelt Broschüre heißt es dazu: „Nachdem Kamerad Artelt und T[h]ümmel zur Wahl von Soldatenräten aufgefordert hatte, vollzog sich die Wahl kompagnieweise. Jede Kompagnie wählte vier Soldatenräte. […] Die erste Soldatenratssitzung in ganz Deutschland tagte im Speisesaal am Montag, den 4 November. Kamerad Artelt wurde als erster, Kamerad Ehle als zweiter Vorsitzender gewählt.“&amp;lt;ref&amp;gt;Popp/Artelt, Ursprung, S. III 16.&amp;lt;/ref&amp;gt; Als weitere Mitglieder konnten bisher festgestellt werden: [[Zeitzeugen_Matrosen%E2%80%93_und_Arbeiteraufstand_1918/1919#Fritz_Fischer|Matrose Fritz Fischer]], Heizer Schaaf – diese gehörten zur ersten Verhandlungsdelegation beim Gouverneur – und vermutlich noch Matrose Erich Thümmel&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;In der SHVZ Jahrgang 1957 (genaues Datum unbekannt) wurde ein Nachruf auf Thümmel veröffentlicht, nachdem dieser im Alter von 64 Jahren verstorben war. Dort heißt es u.&amp;amp;nbsp;a., dass beim Kieler Aufstand „…ein riesiger, schwarzhaariger Torpedobootmatrose mit buschigen Augenbrauen eine führende Rolle [spielte]. Oftmals stand er auf dem großen Kandelaber auf dem Wilhelmplatz und sprach zu den zahlreich versammelten. Schon bald bekam er den Spitznamen ‚Der rote Matrose’. … Bereits lange vor 1918 stand er im Vordergrund der revolutionären Bewegung und auch nach 1945 sah man ihn alljährlich bei der Kranzniederlegung an den Gräbern seiner gefallenen Kameraden der Revolution und des Abwehrkampfes gegen den Kapp-Putsch.“ Thümmel wurde Mitglied des Obersten Soldatenrats. Im Januar 1919 übte er vorsichtige Kritik am Verhalten der inzwischen von den Deckoffizieren dominierten Sicherheitstruppe des Soldatenrats gegenüber einer Arbeitslosenaktion vor und im Rathaus (vgl. OSR: Bekanntmachung. In: Republik, 17. Januar 1919). Im Jahr 1920 war er vermutlich bei der Sicherheitspolizei, wo er sich gegen den Kapp-Putsch engagierte (vgl. Bericht des Sipo-Leutnants Kemsies: Das Verhalten der Sicherheitspolizei Kiel gegenüber der Militärrevolte. 9. April 1920. LAS 301 4458. Online zugänglich (aufgerufen am 26. September 2024) unter: [http://www.kurkuhl.de/docs/sipo_kemsies_arbeiterwehr.pdf]). Von 1938 bis kurz vor seinem Tod war Thümmel Lagermeister des Hansa-Speichers der Schleswig-Holsteinischen landwirtschaftlichen Hauptgenossenschaft.&amp;lt;/ref&amp;gt;(SPD). Zu ihren Forderungen gehörte u.&amp;amp;nbsp;a.: Abdankung des Hohenzollernhauses und die Einführung des allgemeinen, gleichen und geheimen Wahlrechts für beide Geschlechter.&lt;br /&gt;
[[Datei:Artelt and comrades Kiel-Wik 1914.jpg|mini|Karl Artelt ganz links als Angehöriger der I. Werft-Division, (Ausschnittsvergrößerung rechts), gemeinsam mit Kameraden der I. Torpedo-Division in Kiel-Wik, September 1914]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kurz darauf entstanden in fast allen militärischen Einheiten ebenfalls Soldatenräte, ohne dass jedoch eine klare Struktur erkennbar gewesen wäre. Sie etablierten sich als direkte Machtorgane der Soldaten anstelle der Offiziere.&amp;lt;ref&amp;gt;Wolfram Wette: Interview von Klaus Kuhl und Kay Gerdes. Freiburg 2016. In: Klaus Kuhl und Kay Gerdes: Begleitheft für den Dokumentarfilm „In Kiel ist Revolution!“ Kiel 2018, S. 52–60, hier S. 54. Online zugänglich (aufgerufen am 31. August 2024) unter: [http://www.kurkuhl.de/docs/begleitheft_dokufilm-in-kiel-ist-revolution_gerdes-kuhl_2018.pdf].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur wenig später fanden sich Aktivisten der Soldaten im Gewerkschaftshaus zusammen und berieten über die weiteren Schritte. Dabei entstanden festere Gruppen, die sich insbesondere um eine Verteidigung der Stadt gegen von auswärts, zur Niederschlagung des Aufstands, entsandte Truppen kümmerten. So berichtete Popp, als er am frühen Morgen des 5. November von der Verhandlung beim Gouverneur ins Gewerkschaftshaus zurückkam, dass „… es schnell [gelang] eine gewisse Einteilung und ein bestimmtes Kommando zu schaffen. In einigen der Zimmer und Bureaus hatte sich der Soldatenrat niedergelassen, der unverzüglich seine Arbeit begann.“&amp;lt;ref&amp;gt;Popp/Artelt, Ursprung, S. III 19.&amp;lt;/ref&amp;gt; Es wurden Passierscheine ausgegeben, um die Bewegungsfreiheit der Offiziere einzuschränken. Flug-Obermaat Nikolaus Goßrau&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Goßrau entwickelte in den Folgetagen die ehrgeizige Idee, sich als rechte Hand Noskes über den Soldatenrat zu stellen. Er setzte sich damit zwischen alle Stühle und ließ sich am 14. November 1918 in ein Lazarett einweisen. Vgl. Klaus Kuhl: Die Ereignisse am 6. November 1918 in Kiel. Kiel 2010. Online zugänglich (aufgerufen am 14. September 2024) unter: [http://www.kurkuhl.de/docs/ereignisse_06-11-1918.pdf].&amp;lt;/ref&amp;gt; begann im Auftrag der Räte mit dem Aufbau eines zentral organisierten Sicherheitsdienstes.&amp;lt;ref&amp;gt;Martin Rackwitz: &#039;&#039;Kiel 1918. Revolution, Aufbruch zu Demokratie und Republik.&#039;&#039; Kiel 2018, S. 114.&amp;lt;/ref&amp;gt; In den Reihen dieser locker strukturierten Soldatenräte genoss Karl Artelt, wie Goßrau andeutet, eine besondere Autorität, weil er die Entwicklung im Militär maßgeblich und mutig vorangetrieben hatte.&amp;lt;ref&amp;gt;Flug-Obermaat Nikolaus Goßrau: Privatakten betr. Revolution 1918. BArch RM 8/1024, Bl. 22.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als weitere Mitglieder dieser frühen, sich im Gewerkschaftshaus zusammenfindenden Soldatenräte, nennt Goßrau sich selbst sowie die Kameraden Braune,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Auch Lothar Popp erwähnt Braune in späteren Interviews: In der entscheidenden Nacht hätten er und „ein gewisser Braune …, (der Braune lebt bei Kiel irgendwo)“ nachts im Stationsgebäude gesessen und Telefonanrufe beantwortet. „Da waren noch welche, wo ich geschwitzt habe dabei.“ Klaus Kuhl: Interviews mit Lothar Popp. Kiel/Hamburg 1970–1978, S. 20, 44 und 60. Online zugänglich (aufgerufen am 15. September 2024) unter: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:kuhl_streitgespraech-m-l-popp_1978_plus-weitere-interv-u-gespraeche.pdf PDF].&amp;lt;/ref&amp;gt; Starke, Hackmann, Falk (Hackmann und Falk konnten nach Aussagen Goßraus über die I., V. und XVII. Halbflottille verfügen), Oberheizer Ruffert,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;In den Popp-Interviews wird, ohne nähere Informationen, der Name Düffert mit Fragezeichen erwähnt. Eventuell handelt es sich hier um dieselbe Person. Vgl. Kuhl, Interviews Popp, S. 42.&amp;lt;/ref&amp;gt; Barghahn und den Matrosen Petersen (Theodor).&amp;lt;ref&amp;gt;Goßrau, Bericht, Bl. 22.&amp;lt;/ref&amp;gt; In einem Bericht des Kommandanten der &#039;&#039;Westfalen&#039;&#039;, Kapitän zur See Max Loesch, wird ein Obermaat Brandt erwähnt, der im Gewerkschaftshaus als Ansprechpartner für Schiffsbesatzungen fungiert habe.&amp;lt;ref&amp;gt;Max Loesch, Kapitän zur See: Vorgänge an Bord (Kiel). Handschriftlicher Bericht 4. und 5. November 1918. BArch RM 31/2373, Bl. 130–133.&amp;lt;/ref&amp;gt; In einem 1958 vermutlich auf Anforderung der SED erstellten Bericht, beschreibt der damalige Unteroffizier Paul Sahnwaldt, dass er dem Soldatenrat der Matrosen-Division angehört hätte.&amp;lt;ref&amp;gt;Paul Sahnwaldt: Der Matrosenaufstand in Kiel 1918. Typoskript 1957. Bundesarchiv, SAPMO, SgY 30/0797, S. 4–8.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Etwa Zwei Stunden nach den Soldaten trafen sich auch die Obleute und Vertrauensleute der Betriebe in demselben Saal im Gewerkschaftshaus und beschlossen den Generalstreik zur Unterstützung der Bewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:14 Kieler Punkte.jpg|mini|Die 14 Kieler Punkte in der &#039;&#039;Schleswig-Holsteinischen Volkszeitung (SHVZ)&#039;&#039;]]&lt;br /&gt;
Um 22 Uhr fand eine nochmalige Beratung im Gewerkschaftshaus statt. Ca. 40 Vertrauensleute verschiedener Schiffe und Formationen sowie sechs Arbeiter kamen zusammen und verabschiedeten schließlich die bekannten Kieler 14 Punkte, die vielen Räten in ganz Deutschland als Richtschnur dienten.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Popp/Artelt, Ursprung, S. III-21.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dänhardt sieht in der politischen Kurzsichtigkeit, die in diesem Katalog zum Ausdruck kommt, eine wesentliche Ursache, dass die Soldatenräte nach ca. sechs Monaten wieder abgeschafft werden konnten.&amp;lt;ref&amp;gt;Dirk Dähnhardt: &#039;&#039;Revolution in Kiel. Der Übergang vom Kaiserreich zur Weimarer Republik 1918/19.&#039;&#039; Neumünster 1978, S. 89–93.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am frühen Morgen des folgenden Tages (5. November 1918) bildete sich ein Arbeiterrat aus den Obleuten der Großbetriebe, vierzehn Vorstandsmitgliedern beider sozialdemokratischer Parteien und dem Vorsitzenden des Kieler Gewerkschaftskartells Garbe. Letzterer wurde zum Vorsitzenden gewählt.&amp;lt;ref&amp;gt;Popp/Artelt, Ursprung, S. III-21–23.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:gustav_garbe.jpg|150px|mini|Foto Gustav Garbes aus dem Kieler Gewerkschaftshaus, aufgenommen vermutlich in den 1920er Jahren.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Untersuchungen Dirk Dähnhardts bestand der Arbeiterrat aus den folgenden Personen:&amp;lt;ref&amp;gt;Dirk Dähnhardt: Brief an Gundula. Freiburg, 18. Oktober 1975. Wissenschaftlicher Nachlass, StAK Sign. 65496. Die Charakterisierung als „Obleute“ wurde nicht von Dähnhardt vorgenommen, ergibt sich aber daraus, dass SPD und USPD nur jeweils sieben Personen entsandten. Bei der Feststellung der Parteizugehörigkeit wurde Dähnhardt von Gertrud Völcker und Heinrich Bohnsack unterstützt; vgl. Dähnhardt, Revolution, S. 92 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Obleute der Großbetriebe (15, von den meisten ist die Parteizugehörigkeit nicht bekannt, jedoch dürfte die Mehrheit der SPD zuzurechnen sein): Heinrich Bohnsack,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Bohnsack wurde 1893 geboren, war im Ersten Weltkrieg Soldat, war später DMV-Sekretär, kam während der Nazi-Zeit in das Vorläufer KZ Lichtenberg und emigrierte anschließend nach Schweden. Nach seiner Rückkehr war er 1950–1954 Bezirksleiter der IG-Metall Küste. Vgl. Thomas Pusch: &#039;&#039;Politisches Exil als Migrationsgeschichte. Schleswig-Holsteiner EmigrantInnen und das skandinavische Exil 1933–1960.&#039;&#039; Dissertation vorgelegt an der Universität Flensburg 2003. Online zugänglich (aufgerufen am 16. September 2024) unter: [https://www.zhb-flensburg.de/?id=16381].&amp;lt;/ref&amp;gt; Fiebig, Glup, Jatow, Kazda, Krause, Künzel, Küpel, Wilhelm Leopold,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Von 1920 bis 1933 Erster Bevollmächtigter des Kieler Metallarbeiterverbands (DMV).&amp;lt;/ref&amp;gt; Neumann, Rehle, Huß (SPD), Lintzel (SPD), Wiese (USPD), Eduard Wolke (SPD).&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Wolke stiftete später zusammen mit Karl Edler den Gedenkstein für die Revolutionsopfer auf dem Eichhof-Friedhof; vgl. Johannes Rosenplänter: &#039;&#039;Zur Entstehung der ‚Ruhestätte der Opfer der Revolution‘ auf dem Kieler Eichhoffriedhof 1918–1924. Ein Werk des Landschaftsarchitekten Leberecht Migge&#039;&#039;. In: Rolf Fischer (Hrsg.): Revolution und Revolutionsforschung – Beiträge aus dem Kieler Initiativkreis 1918/19. Kiel 2011, S. 101−110, hier S. 105.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Vorstandsmitglieder der SPD (7): Balleng, Beckmann, Bindemann, August Biskupek,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Autoren der SPD Geschichtswerkstatt: August Biskupek. SPD-Geschichtswerkstatt. Online zugänglich (Permanentlink aufgerufen am 16. September 2024) unter: [https://www.spd-geschichtswerkstatt.de/index.php?title=August_Biskupek&amp;amp;oldid=55089].&amp;lt;/ref&amp;gt; [[Zeitzeugen_Matrosen%E2%80%93_und_Arbeiteraufstand_1918/1919#Karl_Edler|Karl Edler]], Fröhlich, Peter Hillbrecht.&lt;br /&gt;
* Vorstandsmitglieder der USPD (7): J. Classen (auch Claßen), Cords, Krogmann, Max Spretke, Springer, Wiechert, Zinser.&lt;br /&gt;
* Vorsitzender des Gewerkschaftskartells: [[Zeitzeugen_Matrosen–_und_Arbeiteraufstand_1918/1919#Gustav_Garbe|Gustav Garbe]] (SPD). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem sich die Macht der Räte im Laufe des 5. November konsolidierte, richtete sich der Blick auch auf weitere drängende Fragen, wie Sicherung der Nahrungsmittelversorgung und Zahlung der Löhnung. Hier bot Gustav Noske, der sich seit dem Vorabend in Kiel befand und an den Verhandlungen teilgenommen hatte, Unterstützung für die Bewegung an, allerdings in der unausgesprochenen Absicht, ihre Ausbreitung zu verhindern. In einer Absprache mit den USPD-dominierten Aktivisten wurde Noskes Angebot angenommen. Dies geschah unter der Bedingung, dass es sich um eine vorläufige Maßnahme handele und dass erst dann weitere politische Entscheidungen getroffen würden, wenn ein mit Noske vergleichbares politisches Schwergewicht der USPD aus Berlin, etwa Hugo Haase&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Hugo Haase (1863–1919), Jurist, war von 1911 bis 1916 einer der beiden Vorsitzenden der SPD, und von 1912 bis 1916 einer der beiden Fraktionsvorsitzenden der SPD im Reichstag. Als Gegner der Kriegspolitik der Mehrheit des SPD-Vorstands aus Fraktion und Partei ausgeschlossen, gründete er 1917 die USPD und war deren Vorsitzender bis 1919. Im November/Dezember 1918 war er gleichberechtigter Vorsitzender mit Friedrich Ebert im Rat der Volksbeauftragten. Er starb im November 1919 an den Folgen eines Attentats.&amp;lt;/ref&amp;gt; eingetroffen wäre. Noske wurde dann per Akklamation auf einer großen Versammlung auf dem Wilhelmplatz zum vorläufigen Vorsitzen der Soldatenräte bestimmt. Seine Aufrufe wurden von Karl Artelt mitunterzeichnet. Anordnungen mussten neben Noskes Unterschrift auch die eines weiteren Soldatenrats-Mitglieds tragen. &lt;br /&gt;
[[Datei:Beschlüsse Soldatenrat Kiel 1918.jpg|mini|Beschlüsse des Soldatenrats vom 5. November 1918]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei wurde inzwischen auch vom Großen Soldatenrat gesprochen, die Zusammenfassung der Räte hatte Fortschritte gemacht, hatte allerdings nach wie vor keine autorisierte Basis, denn Noske wählte hier nach seinem Bekunden im Stationsgebäude nach Gutdünken einen sieben- oder neuenköpfigen Aktionsausschuss aus einer Schar von 50–60 Anwesenden von verschiedenen Schiffen oder Formationen. Von diesen hätte sich ein Großteil als „Versager“ entpuppt.&amp;lt;ref&amp;gt;Gustav Noske: &#039;&#039;Von Kiel bis Kapp. Zur Geschichte der deutschen Revolution.&#039;&#039; Berlin 1920, S. 19 ([https://portal.dnb.de/bookviewer/view/1131562372#page/n6/mode/1up Digitalisat]).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Arbeiterrat ging sofort daran, mittels so genannter Beigeordneter die Zivilverwaltung zu kontrollieren. Den Beigeordneten mussten alle wichtigen Vorgänge vorgelegt werden, und sie konnten in die Entscheidungen eingreifen.&amp;lt;ref&amp;gt;Eine Liste der Beigeordneten findet sich in der Schleswig-HolsteinischenVolks-Zeitung (SHVZ) vom 12. Dezember 1918 (hier nach einer handschriftlichen Aufzeichnung von Dirk Dähnhardt „Beigeordnete für amtliche Stellen“, in seinem wissenschaftlichen Nachlass (Akte 3, Hefter 1), StAK Sign. 65496.&amp;lt;/ref&amp;gt; Als erstes fertigte Garbe eine handgeschriebene Ernennungsurkunde für [[Eduard Adler]] aus. Adler wurde abgestellt, den erzkonservativen Oberbürgermeister [[Paul Lindemann]], der später auch den Kapp-Putsch unterstützte, zu kontrollieren. [[Datei:Garbe_ernennung-beigeordneter-adler_1918.jpg|mini|Ernennungsurkunde für den Beigeordneten Eduard Adler (Vorder- und Rückseite), Stadtarchiv Kiel, Sign. 21392.]] Am 11. November 1918 wurde Adler durch den Stadtverordneten August Biskupek (ebenfalls SPD) ersetzt (Letzterer wiederum wurde aufgrund von Krankheit am 13. Februar 1919 durch den Stadtverordneten Hermann Adam abgelöst).&amp;lt;ref&amp;gt;Rackwitz, Kiel 1918, S. 279 f. Zu Adam vgl.: Autoren der SPD Geschichtswerkstatt: Hermann Adam. In: SPD-Geschichtswerkstatt wiki. Online zugänglich (aufgerufen am 16. September 2024) unter: [https://www.spd-geschichtswerkstatt.de/wiki/Hermann_Adam]. &amp;lt;/ref&amp;gt; Adler wurde zusammen mit Paul Greß (auch Gress)&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Autoren der SPD-Geschichtswerkstatt: Paul Gress. In: SPD-Geschichtswerkstatt-Wiki. Online zugänglich (aufgerufen am 2. September 2024) unter: [https://www.spd-geschichtswerkstatt.de/wiki/Paul_Gress].&amp;lt;/ref&amp;gt; Beigeordneter beim Regierungspräsidenten in Schleswig. Auch der Oberpräsident für Schleswig-Holstein, der damals seinen Sitz in Kiel hatte, erhielt einen Beigeordneten des Arbeiterrats. Eingesetzt wurde Heinrich Kürbis (SPD).&amp;lt;ref&amp;gt;Wikipedia-AutorInnen: Heinrich Kürbis. In: Wikipedia – Die freie Enzyklopädie. Online zugänglich (aufgerufen am 3. September 2024) unter: [https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Heinrich_K%C3%BCrbis&amp;amp;oldid=215560106].&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Polizeipräsidenten übernahmen Friedrich Brodthuhn (SPD)&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Autoren der SPD Geschichtswerkstatt: Sozialdemokratischer Verein Groß-Kiel - Stadtverordnete. In: SPD-Geschichtswerkstatt wiki. Online zugänglich (aufgerufen am 16. September 2024) unter: [https://www.spd-geschichtswerkstatt.de/wiki/Sozialdemokratischer_Verein_Gro%C3%9F-Kiel_-_Stadtverordnete].&amp;lt;/ref&amp;gt; und Wilhelm Schweizer (USPD, später SPD)&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Autoren der SPD Geschichtswerkstatt: Wilhelm Schweizer. In: SPD-Geschichtswerkstatt wiki. Online zugänglich (aufgerufen am 16. September 2024) unter: [https://www.spd-geschichtswerkstatt.de/wiki/Wilhelm_Schweizer].&amp;lt;/ref&amp;gt; die Kontrolle; bei der städtischen Polizei Wilhelm Leopold (SPD). Zum Post- und Telegraphenamt wurde der später von der SPD zur USPD übergetretene Postinspektor Bertold Brandt&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Rolf Fischer: &#039;&#039;Mit uns die neue Zeit! Kiels Sozialdemokratie im Kaiserreich und in der Revolution.&#039;&#039; Kiel 2013 (Geschichte der Kieler Sozialdemokratie Band 2), S. 187–190. Zum Übertritt zur USPD vgl. die USPD-Zeitung „Republik“ vom 3. April 1920.&amp;lt;/ref&amp;gt; abgeordnet. Das Provinzial-Schulkollegium wurde von Dr. Hermann Weller kontrolliert.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Studienrat Hermann Weller, später Stadtverordneter SPD, spielte eine herausgehobene Rolle neben Dr. Hermann Heller und Professor Gustav Radbruch beim Kapp-Putsch in Kiel. Vgl. Dirk Dähnhardt und Gerhard Granier (Hrsg.): &#039;&#039;Der Kapp-Putsch in Kiel. Eine Dokumentation zum 60. Jahrestag der Märzereignisse von 1920.&#039;&#039; Kiel 1980 (Mitteilungen der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Band 66), S. 148.&amp;lt;/ref&amp;gt; Weitere Beigeordnete waren für die Gewerbe-Inspektion: Jatow, und für den Landeshauptmann: Albert Billian.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Autoren der SPD Geschichtswerkstatt: Albert Billian. In: SPD-Geschichtswerkstatt wiki. Online zugänglich (aufgerufen am 16. September 2024) unter: [https://www.spd-geschichtswerkstatt.de/wiki/Albert_Billian]. In Preußen war der Landeshauptmann der vom Provinziallandtag gewählte höchste Beamte eines Provinzialverbands. Er leitete die provinziale Selbstverwaltung, während der vom König ernannte Oberpräsident die Vorbehaltsrechte der Zentralregierung wahrnahm.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Peter Hillbrecht (SPD), Metallarbeiter und nach Garbe Vorsitzender des Kieler Arbeiterrats und später des Volksrats für Schleswig-Holstein, sah in einer Rückschau einen großen Mangel darin, dass man es versäumt habe, Beigeordnete für die Justiz zu stellen. Dadurch hätte man „unendlich viel an reaktionären Bestrebungen [hintanhalten]“ können.&amp;lt;ref&amp;gt;Peter Hillbrecht: Der Volksrat von Schleswig-Holstein. In: Schleswig-Holsteinische Volks-Zeitung (SHVZ), 5. November 1918, S. 2 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Über Hillbrecht ist nur wenig bekannt. Sabine Roß schreibt in ihrem biografischen Handbuch der Reichsrätekongresse 1918/19 (Hillbrecht war ebenfalls Delegierter für Schleswig-Holstein): Hillbrecht wurde am 23. April 1884 in Spliedtsdorf bei Grimmen (Prov. Pommern) geboren, war von Beruf Torpedoschlosser und seit Juni 1921 Angestellter im Eisenbahnerverband. Im selben Jahr meldete er sich nach Köln ab. Sabine Roß (spätere Kuder): &#039;&#039;Biographisches Handbuch der Reichsrätekongresse 1918/19&#039;&#039;. Düsseldorf 2000 (Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien Bd. 11). Andreas Zimmer erwähnt einen Peter Hillbrecht (SPD) als Mitglied der Landesleitung des Kulturbunds zur demokratischen Erneuerung Deutschlands in der SBZ/DDR, bei dem es sich evtl. um den hier besprochenen Kieler Vertreter handeln könnte: Andreas Zimmer: Der Kulturbund in der SBZ und in der DDR. Eine Ostdeutsche Kulturvereinigung im Wandel der Zeit zwischen 1945 und 1990. 2013 an der Fakultät für Sozialwissenschaften und Philosophie der Universität Leipzig als Dissertation angenommen. Online zugänglich (aufgerufen am 14. Januar 2023) unter: [https://vdoc.pub/documents/der-kulturbund-in-der-sbz-und-in-der-ddr-eine-ostdeutsche-kulturvereinigung-im-wandel-der-zeit-zwischen-1945-und-1990-3n3pm0s03hdg].&amp;lt;/ref&amp;gt; Nach einer Meldung in der Schleswig-Holsteinischen Volks-Zeitung (SHVZ) vom 12. Dezember 1918 war jedoch Professor Otto Opet (1866–1941)&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Otto Opet lehrte seit 1900 als Privatdozent an der Kieler Universität, wo er 1930 zum Ordinarius berufen wurde. Er zählte zu den Wissenschaftlern, deren Abberufung die Kieler Studentenschaft 1933 kategorisch fordert, da er als Jude galt. Als Mitglied des Reichsbanners, der Liga für Menschenrechte und dem republikanischen Klub und der demokratischen (beziehungsweise radikaldemokratischen) Partei war er außerdem politisch engagiert. Unter dem massiven Druck der nationalsozialistischen Anfeindung lässt Opet sich im April 1933 auf &amp;quot;eigenen Antrag&amp;quot; im Alter von 67 Jahren in den Ruhestand versetzen. Vgl. Christian-Albrechts-Universität zu Kiel: Vertriebene Gelehrte. Online zugänglich (aufgerufen am 14. Juli 2024) unter: [https://www.uni-kiel.de/de/universitaet/profil/geschichte-der-universitaet/ns-aufarbeitung/vertriebene-gelehrte].&amp;lt;/ref&amp;gt; der Justiz als Beigeordneter vorgesetzt. Vielleicht lässt sich dieser Widerspruch dadurch erklären, dass Opet als Einzelperson gegenüber der Phalanx der reaktionären Beamtenschaft keinen Effekt erzielen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Ernährungsamt wurde wegen der herausragenden Bedeutung vom Arbeiterrat durch Fiebig und Richter selbst übernommen. Seit den Hungerprotesten 1917 waren die Arbeiter bereits mit einer größeren Gruppe in der städtischen Lebensmittelkommission vertreten und hatten viel Erfahrung sammeln können.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;In der Frühphase der Arbeit im Ernährungsamt erklärte der Dreher Wilhelm Schulz, zu der Zeit (6. November 1918) Vorsitzender des gemeinsamen Ernährungsausschusses von Arbeiter- und Soldatenrat und später als Ernährungskommissar (er war auch Beigeordneter für das Lebensmittellabor) bezeichnet: „Der Arbeiterrat hat einen Ernährungsausschuß in Gemeinschaft mit dem Soldatenrat eingesetzt, […]. Die Regelung der Lebensmittelversorgung der Zivilbevölkerung der Stadt Kiel verbleibt nach wie vor dem Magistrat. Der Ernährungsausschuß wird nur auf Ansuchen des Magistrats eingreifen.“ StAK Sign. 21392. Der „Ernährungskommissar Schulz – Kiel“ gab auf der Konferenz der schleswig-holsteinischen Arbeiter- Soldaten- und Bauern-Räte am 30. März 1919 in Neumünster einen Bericht über seine Tätigkeit; vgl. Anonym: Konferenz der schleswig-holsteinischen Arbeiter- Soldaten- und Bauern-Räte. In: SHVZ, 13. März 1919, S. 1 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur generellen Arbeit der Beigeordneten schreibt Dähnhardt: „Allein im Bereich der Lebensmittelversorgung, die von Anfang an im Mittelpunkt der Tätigkeit des Arbeiterrats stand, konnte dieser eine für die Bevölkerung sichtbare Bedeutung erlangen. Seit Anfang November bot die Lebensmittelversorgung in Kiel keinen Anlaß mehr zu Kritik. Auch Oberbürgermeister Lindemann [...] bezeichnete die dem Lebensmittelamt zur Seite gestellten Beigeordneten [im Mai 1919] sogar als &#039;brauchbare Mitarbeiter&#039;, sicherlich ein hohes Lob, wenn man berücksichtigt, dass Lindemann [...] ein konsequenter Gegner der Sozialdemokratie war.“&amp;lt;ref&amp;gt;Dähnhardt, Revolution, S. 149.&amp;lt;/ref&amp;gt; Martin Rackwitz kam in seiner umfassenden Darstellung des Kieler Aufstands zu dem Ergebnis, dass die erfahrenen sozialdemokratischen Politiker „ein hohes Maß an kommunalpolitischem Sachverstand“ einbrachten.&amp;lt;ref&amp;gt;Rackwitz, Kiel 1918, S. 190.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz der Konsolidierung des Aufstands in Kiel breitete sich jedoch am 6. November eine große Unsicherheit aus, denn Kiel schien isoliert zu bleiben. Noske unternahm jetzt einen gründlich vorbereiteten Versuch, den Kieler Aufstand zu beenden und damit die alten Verhältnisse wiederherzustellen. Nachmittags fand eine große Massenversammlung von etwa tausend Matrosen, an der auch Vertreter der Arbeiterschaft teilnahmen, im „Schloßhof“ statt, dem heutigen [[Metro-Kino im Schloßhof|metro-Kino]]. Noske hielt seine sorgfältig vorbereitete Rede und beschrieb die großen Schwierigkeiten, vor der die Bewegung stehe. Die Heranschaffung von Lebensmitteln und Geld mache große Probleme, denn Kiel sei isoliert und der Eisenbahnverkehr eingestellt. Er malte ein düsteres Bild und gab dann bekannt, was die Regierung anbieten würde, wenn der Aufstand abgebrochen würde: Straffreiheit für alle Aufständischen, Amnestie für die anlässlich der Marineunruhen 1917 Verurteilten, beschleunigte Herbeiführung des Waffenstillstandes, Beschleunigung der Abdankungsfrage sowie weitere Reformen und Demokratisierung des Staates. Der Vorsitzende des Arbeiterrats Garbe (SPD) und Popp (USPD) sprachen sich dagegen aus. Auch der Redakteur der SHVZ, Bernhard Rausch (SPD)&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Rausch (1887–1981) war Artillerieleutnant an der Westfront und wurde am 1. Oktober 1918 Redakteur der SHVZ in Kiel. Er folgte Noske nach Berlin und wurde dessen politischer Privatsekretär und Referent im Reichswehrministerium, schied 1920 kurz nach Noskes Rücktritt aus und wechselte später zur deutschnationalen Frontsoldaten-Organsation Stahlhelm; vgl. Wolfram Wette: &#039;&#039;Gustav Noske. Eine politische Biographie.&#039;&#039; Düsseldorf 1988, S. 865; sowie Christian Lübcke: &#039;&#039;Ein Versuch zur Demokratisierung der Reichswehr. Bernhard Rauschs Vorschläge für eine Staatsbürgerliche Unterrichtung, 1919-1920. &#039;&#039; In: Andreas Braune, Sebastian Elsbach, Ronny Noak, (Hrsg.): Bildung und Demokratie in der Weimarer Republik. Stuttgart 2022, S. 95-109.&amp;lt;/ref&amp;gt; argumentierte dagegen: Die Bewegung dürfte „… nie in dem Sinne abgebaut werden […], daß etwas von dem aufgegeben würde, was durch sie politisch erreichbar war.“&amp;lt;ref&amp;gt;Bernhard Rausch: &#039;&#039;Am Springquell der Revolution. Die Kieler Matrosenerhebung.&#039;&#039; Kiel 1918 (Reprint als Sonderveröffentlichung der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Bd. 15), S. II 1–31, hier S. II-25.&amp;lt;/ref&amp;gt; In dem Bericht der SHVZ über die Versammlung wurde dies näher erläutert: „Die gegenwärtige schicksalsschwere politische Situation gebietet, dass die entstandenen Machtverhältnisse restlos ausgenützt werden für den politischen und sozialen Fortschritt des Deutschen Reiches. Es gilt das, was im glorreichen Ansturm errungen ist, dauernd zu befestigen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Anonym: Die Lawine im Rollen. In: Schleswig-Holsteinische Volks-Zeitung vom 7. November 1918, S. 1.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noskes Vorschlag wurde nach Angaben Popps einstimmig abgelehnt. Außerdem wurde Popp auf der Versammlung, nachdem der von Berlin entsandte USPD-Vorsitzende Haase Schwierigkeiten hatte, nach Kiel zu gelangen, zum gleichberechtigten Vorsitzenden des Soldatenrats neben Noske bestimmt.&amp;lt;ref&amp;gt;Klaus Kuhl: &#039;&#039;Gustav Garbe – bedeutender Kieler Gewerkschaftsfunktionär, Vorsitzender des Kieler Arbeiterrats und zweimaliger Gouverneur. Mit Vorworten von Frank Hornschu, Geschäftsführer und Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes Kiel Region, und von Stephanie Schmoliner, 1. Bevollmächtigte der IG Metall Kiel-Neumünster.&#039;&#039; Kiel 2023, S. 29–32.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Versammlung verlief teilweise chaotisch, was offenbar mit einer immer noch bestehenden mangelnden Legitimation der Teilnehmer, aufgrund der spontan entstandenen Soldatenräte, zusammen hing. Popp organisierte daraufhin Wahlen von Vertrauensmännern in allen Einheiten, die dann den „Großen Soldatenrat“ wählten, der dann wiederum als Aktionsausschuss am folgenden Tag den Obersten Soldatenrat (OSR) bestimmte. Der OSR, dem auch Karl Artelt angehörte, wählte Lothar Popp zum Vorsitzenden. Weitere Mitglieder waren Maschinistenmaat Ullrich (auch Ulrich), Obermaat Schrader (vom Friedrichsorter Soldatenrat)&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Dirk Dähnhardt gibt eine Äußerung Lothar Popps über Schrader in einem 1975 geführten Gespräch wie folgt wider: „Über die Zusammensetzung des Soldatenrates erinnerte sich Herr Popp nur noch an einen Mann namens Schrader, den er selbst vorgeschlagen hatte, der aber ein &amp;quot;Vollidiot&amp;quot; gewesen sei.“ Kuhl, Popp, S. 44 f. Dähnhardt weist dabei auf eine ähnliche Schilderung Noskes hin. Noske nennt allerdings keine Namen und bezieht sich auf einen Tag vorher. Vgl. Noske, Kiel bis Kapp, S. 19.&amp;lt;/ref&amp;gt; und Obermaat Koch.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Martin Rackwitz erwähnt einen Obermatrosen Koch vom Soldatenrat in Holtenau, der dort die Befehlsgewalt ausgeübt habe. Vgl. Rackwitz, Kiel 1918, S. 181 f. Es bleibt unklar, ob es sich um dieselbe Person handelt.&amp;lt;/ref&amp;gt; Gemäß einer vorher getroffenen Absprache zwischen SPD und USPD übernahm Noske daraufhin das Gouverneursamt von Admiral Wilhelm Souchon.&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhl, Garbe, S. 32.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bereits eine Woche später werden zwei neue Mitglieder des OSR erwähnt, nämlich Robert Pfaff (SPD)&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Pfaff (1881–1940) war außerdem Delegierter auf dem 1. Reichsrätekongress für den Wahlbezirk Schleswig-Holstein und wurde dort als Marinevertreter in den Zentralrat gewählt. Ab 1919 war er kommissarischer Landrat für Rendsburg und dort aktiv an der Niederschlagung des Kapp-Putsches beteiligt, dann Entbindung von diesem Amt. Ab 1924 Inhaber eines Immobiliengeschäfts in Neckargemünd. Vgl. Roß, Reichsrätekongresse. Zur Rolle Pfaffs während des Kapp-Putsches vgl. Klaus Kuhl: &#039;&#039;Abzug des Bataillons Claassen/Detachement Kiel nach dem Kapp-Putsch in Kiel 1920.&#039;&#039; In: Zeitschrift der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte, Band 146 (2021), S. 241–256.&amp;lt;/ref&amp;gt; und Max Hartig,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Hartig, geboren 1887, war Delegierter für den Wahlbezirk Marinestation zum 1. Reichsrätekongress und gehörte zur SPD-Fraktion. Als Wohnort gab er Chemnitz an, und als dortige bisherige Tätigkeit: Sektionsleitung der Modelltischler in Chemnitz. Vgl. Roß, Reichsrätekongresse.&amp;lt;/ref&amp;gt; während Schrader vermutlich ausgeschieden war.&amp;lt;ref&amp;gt;Dähnhardt, Revolution, S. 114 und 136. Schrader wird nur noch einmal von Stabschef Küsel als Teilnehmer bei den Verhandlungen über die Rolle der Offiziere am 8. November erwähnt. Vgl. Klaus Kuhl: &#039;&#039;Gefangen in Überheblichkeit und Engstirnigkeit: Die führenden Seeoffiziere und der Matrosen- und Arbeiteraufstand in Kiel 1918. Die Berichte der Chefs der Marinestation und Gouverneure von Kiel, Admiral Gustav Bachmann und Admiral Wilhelm Souchon sowie ihres Stabschefs Konteradmiral Hans Küsel.&#039;&#039; Kiel 2023, S. 180.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über die Mitglieder des Großen Soldatenrats, die den OSR zu wählen hatten, gibt es bisher nur wenige Informationen: Der Kapitänleutnant Peter Köhler schreibt einem zeitnahen Bericht, dass er selbst zum Soldatenrat auf seinem Wohnschiff &#039;&#039;Nixe&#039;&#039; gewählt wurde und damit Mitglied im Großen Soldatenrat war. Köhler diente bis September 1918 auf dem zum III. Geschwader gehörenden &#039;&#039;Großer Kurfürst&#039;&#039; und war dann dem Artillerieschulschiff &#039;&#039;Kaiserin Augusta&#039;&#039; in Kiel zugeteilt. Er trat für eine Sozialisierung ein, war aber kein Demokrat. Köhler erwähnt auch einen Oberschreiber Haas, der eine bestimmende Rolle im Soldatenrat der I. Werft-Division gespielt hätte.&amp;lt;ref&amp;gt;Kapitänleutnant Peter Köhler: Revolutionsereignisse in Kiel. Typoskript im Nachlass Carl/Karl Hollweg, BArch RM 3/11682, Bl. 198–226. Transkript online zugänglich (aufgerufen am 25. September 2024) unter: [http://www.kurkuhl.de/docs/ereignisse_06-11-1918.pdf].&amp;lt;/ref&amp;gt; Weitere, von Karl Artelt in späteren Berichten erwähnte Mitglieder des Großen Soldatenrats: Torpedobootmatrose Fritz Steinhoff, späterer Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen sowie der U-Bootfahrer Ernst Wollweber, der von 1953 bis 1957 das Staatssekretariat bzw. das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) in der DDR leitete.&amp;lt;ref&amp;gt;Karl Artelt: Zwei Briefe an das Institut für Marxismus-Leninismus beim Zentralkomitee der SED – Abteilung Geschichte der Partei und der deutschen Arbeiterbewegung. Nebra, 15. Dezember 1957 und 12. Februar 1957. Bundesarchiv, SAPMO, SGY 30/0022, Bl. 14–19, hier Bl. 15, 17 und 19.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Regierung in Berlin (bis zum 9. November 1918 noch vom letzten Reichskanzler des Kaiserreichs, Max von Baden, geführt) bestätigte Noske als neuen Gouverneur. Während Popp den Gouverneur als ausführendes Organ des Soldatenrats ansah, mit dem dieser „den Verwaltungsapparat in Bewegung bringen“ könne, betrachtete Noske den Soldatenrat eher als ein Kontrollgremium. In seinem ersten Tagesbefehl, den er zusammen mit dem OSR noch am selben Abend erstellte, hieß es: „Ich bin […] zum Gouverneur gewählt worden […]. Mir zur Seite steht der ‚Oberste Soldatenrat des Befehlsbereichs der Ostseestation’“ &amp;lt;ref&amp;gt;Popp/Artelt, Ursprung, S. III-27 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der OSR schickte dann jeweils einen Vertrauensmann in alle wichtigen militärischen Stellen. Hierbei handelte es sich meistens um Feldwebel.&amp;lt;ref&amp;gt;Rackwitz, Kiel 2018, S. 139 f. Der so genannte Etatmäßige Feldwebel war in der Regel mit dem inneren Dienst und Verwaltungsaufgaben betraut.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die zukünftige Rolle der Offiziere blieb in der Schwebe. Nachdem sich in deren Reihen zunächst eine tiefe Resignation breit gemacht hatte, schöpften die Offiziere wieder Hoffnung, weil Noske signalisiert hatte, dass er auf sie nicht verzichten wollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Inzwischen trafen auch Nachrichten von der raschen Ausbreitung der Revolution ein. Noske kam nun zu der Überzeugung, dass „ein Lavieren nicht mehr am Platze sei, sondern es hieß die Zügel fest in die Hand zu nehmen.“ In einer kleinen Runde vereinbarte er mit einigen Kieler SPD-Führern die Ausrufung des Arbeiterrats als provisorische Regierung Schleswig-Holsteins. Der ebenfalls gewünschten Ausrufung der Republik Schleswig-Holstein widersetzte er sich.&amp;lt;ref&amp;gt;Noske, Kiel bis Kapp, S. 25.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der OSR und der Arbeiterrat einigten sich auf einen gemeinsamen Aufruf, der als Flugblatt verteilt wurde. Die ersten drei Absätze lauteten: „Die politische Macht ist in unserer Hand. Es wird eine provisorische Provinzialregierung gebildet, die in Zusammenarbeit mit den bestehenden Behörden eine neue Ordnung aufrichtet. Unser Ziel ist die freie, soziale Volksrepublik.“&lt;br /&gt;
[[Datei:Aufruf Kieler Arbeiter und Soldatenrat.jpg|mini|Gemeinsamer Aufruf des Arbeiter- und des Soldatenrats am 7. November 1918.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bewegung stieß auch auf große Zustimmung in der Bevölkerung. Dies zeigte sich nicht nur in der überwältigenden Anteilnahme bei der Beerdigung der Revolutionsopfer am 10. November 1918, sondern auch in der raschen Verbreitung der Räteidee: In weiten Kreisen der Bevölkerung bis ins Bürgertum hinein wurden Räte gegründet. Es gab Beamten- und Angestelltenräte,&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. dazu etwa Klaus Kuhl: &#039;&#039;Kiel und die Revolution von 1918. Das Tagebuch eines Werftingenieurs, verfasst in den Jahren 1917–1919. Edition und Textanalyse.&#039;&#039; Berlin 2018, S. 57.&amp;lt;/ref&amp;gt; Studentenräte,&amp;lt;ref&amp;gt;Über Alfred Meusel wird berichtet, dass er Vorsitzender des ersten Studentenrats in Deutschland wurde. Alfred Meusel (1896-1960) besuchte die Oberrealschule in Kiel. Mit Beginn des Ersten Weltkriegs meldete er sich als Freiwilliger, ging an der Front aber bald auf Distanz zum Kaiserreich und kam dort erstmals mit sozialistischen Ideen in Berührung. Im Dezember 1917 wurde er an der Aisne verschüttet, schwer verletzt und behielt zeitlebens ein Nervenleiden als Spätfolge. Von 1918 bis 1922 studierte er in Kiel u. a. Nationalökonomie, Soziologie und Geschichtswissenschaft. Vgl. Mario Kesser und Detlef Siegfried: &#039;&#039;Alfred Meusel im Spannungsfeld von Wissenschaft und Politik&#039;&#039;. In: JahrBuch für Forschungen zur Geschichte der Arbeiterbewegung, Heft III/2010, S. 65–80, hier S. 66 f. Vgl. auch die von Jörg Becker veröffentlichten Berichte von Richard Sorge, der eine sozialistische Studentenorganisation aufbaute.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bauernräte&amp;lt;ref&amp;gt;Nach Gerhard Stoltenberg soll es bereits im Januar 1919 1700 örtliche Auschüsse [Bauernräte] in Schleswig-Holstein gegeben haben; vgl. Gerhard Stoltenberg: &#039;&#039;Politische Strömungen im schleswig-holsteinischen Landvolk 1918-1933.&#039;&#039; Düsseldorf 1962, S.29, Fußnote 4. Stoltenberg beruft sich auf eine Meldung der SHVZ vom 15. Januar 1919. Die Zeitung der USPD „Republik“ meldete am 19. Januar 1919, dass in Schleswig-Holstein ein provisorischer Oberster Bauernrat aus sechs Mitgliedern gebildet worden sei. Beigeordnet seien der Ernährungskommissar für Schleswig-Holstein sowie ein Beauftragter der Landwirtschaftskammer. Geschäftsführer sei vorläufig Max Mißfeld, Suchsdorf bei Kiel.&amp;lt;/ref&amp;gt; und sogar einen Rat des Kirchenchors der [[Nikolaikirche]].&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. den Bericht eines damals 13-jährigen Chorknabens in dem NDR-Film „Matrosen, Räte, Republiken“ von Hartmut Idzko und Jörg Knickrehm, der am 1. November 1978 ausgestrahlt wurde.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In mehreren Verhandlungen wurde zwischen Vertretern der Offiziere und dem OSR eine Absprache über die Rolle der Offiziere getroffen. Diese sah vor, dass diejenigen Offiziere, die sich dem Soldatenrat unterstellten, im Amt bleiben durften. Wenn sie jedoch ein Kommando ausüben wollten, mussten sie das Vertrauen ihrer Untergebenen haben. Von den Mannschaften abgelehnte Offiziere mussten sich in der Marinestation zur Verfügung halten. Die große Mehrheit der Offiziere ließ sich darauf ein, wobei die Mitteilung, der Kaiser habe sie von ihrem Eid entbunden, eine wichtige Rolle gespielt haben dürfte. Die Ansätze für eine Militärreform wurden jedoch, wie Wolfram Wette schrieb, von Noske im Keim erstickt.&amp;lt;ref&amp;gt;Wolfram Wette: Als bei der Torpedo-Division der erste Soldatenrat gebildet wurde. In: Frankfurter Rundschau, 12. Dezember 1988.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Niedergang der Rätebewegung in Kiel ==&lt;br /&gt;
In Kiel begann dieses „Ersticken“ einer möglichen Militärreform damit, dass Noske den Räten gegenüber die Kompetenz der Seeoffiziere, besonders mit Blick auf die Überführung der Flotte nach England, als unverzichtbar darstellte. Kuhl schrieb, dies sei in der neueren Literatur ohne nähere Diskussion akzeptiert worden, aber ein genauerer Blick auf die Aufgaben der verschiedenen Dienstränge zeige, dass Deckoffiziere, Unteroffiziere und Mannschaften ohne größere Probleme in der Lage gewesen wären, ein Schiff zu manövrieren; Steuerleute, Navigationsoffiziere, Maschineningenieure, Funkentelegrafiemeister etc. konnten in ihren Bereichen selbstständig handeln. Die Seeoffiziere waren hauptsächlich dazu da, ein Schiff in der Schlacht zu befehligen. Für andere Aufgaben waren sie nicht unbedingt notwendig. Allerdings war ihre Autorität wichtig für die einigermaßen reibungslose Abfolge aller Arbeiten an Bord und an Land. Diese Autorität aber war stark erschüttert. Eine Auswahl nach demokratischen und republikanischen Kriterien wäre möglich gewesen. Ein entstehender Gruppendruck hätte dann eventuell auch eine Reihe der ehemals kaiserlichen Seeoffiziere zum Einlenken bewegen können. Immerhin war nach der Wahrnehmung des Stabschefs der Marinestation, Küsel, noch Mitte November 1918 „die Stimmung, was das jüngere Seeoffizierkorps anbetrifft, ganz links gerichtet“.&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhl, Überheblichkeit, S. 186.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dies wird auch bestätigt von Admiral Gustav Bachmann, dem Vorgänger Souchons als Gouverneur und Chef der Marinestation, der den Kapitänleutnant Thorwald v. Bothmer als einen der radikalsten bezeichnete („… pries die Republik, machte die Monarchie herunter …“).&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Klaus Franken (Hg.): &#039;&#039;Admiral Gustav Bachmann: Lebenserinnerungen und Tagebuch 1915.&#039;&#039; Paderborn 2022 (Schriften zur Marinegeschichte Band 3), S. 911 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Unter dem Einfluss des Korvettenkapitäns Wilfried von Loewenfeld (s.&amp;amp;nbsp;u.) schlug dies aber schnell wieder um.&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhl, Garbe, S. 38 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zuge der kurz nach dem Umsturz einsetzenden Demobilisierung wuchs der Einfluss der zurückbleibenden Berufssoldaten und hier besonders derjenige der Deckoffiziere. Diese hatten durchaus einen wichtigen Anteil an der erfolgreichen Durchsetzung des Aufstands, denn die standen in deutlicher Opposition zu den Seeoffizieren, von denen sie ebenfalls, wie die Mannschaften, als gesellschaftlich inakzeptable Parias behandelt wurden.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Holger H. Herwig: &#039;&#039;Das Elitekorps des Kaisers. Die Marineoffiziere im Wilhelminischen Deutschland.&#039;&#039; Hamburg 1977, S. 86.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Deckoffizierbund erkannte die neuen Verhältnisse an und erteilte Bestrebungen, diese zurückzudrehen, eine Absage. Die Seeoffiziere müssten dies ebenfalls anerkennen und es müsse eine Auswahl geben, um reaktionäre Absichten von Seiten der Offiziere auszuschließen. Allerdings wurde nicht erkennbar, welche Mechanismen und Garantien der Bund für eine effektive Auswahl anstrebte.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Klaus Kuhl: &#039;&#039;Analyse und Edition von: Paul Kässner, Oberdeckoffizier a. D.: Zur Geschichte der Deckoffizierbewegung, des Deckoffizierbundes und des Bundes der Deckoffiziere.&#039;&#039; Kiel 2022, 6 f. und 22. Online zugänglich (aufgerufen am 4. September 2024) unter: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Kuhl_analyse-edition-kaessner-deckoffizierbewegung_2022.pdf].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Großteil der Deckoffiziere erwies sich auch später im Kapp-Putsch als Stütze der Weimarer Republik, sie hatten jedoch deutliche Vorbehalte gegenüber den Soldatenräten, vermutlich weil sie deren totalen Umsturz der militärischen Hierarchien ablehnten. Die Deckoffiziere bekamen einen großen Einfluss in der Sicherheitswehr des Soldatenrats und auch im OSR selbst. Ihre Vorbehalte führten dann vermutlich auch dazu, dass Lothar Popp am 10. Dezember 1918 als Vorsitzender des OSR zurücktrat; zumindest behauptet dies Noske in seiner 1920 erschienen und stark von Rechtfertigungen geprägten Schrift „Von Kiel bis Kapp“.&amp;lt;ref&amp;gt;Noske, Kiel bis Kapp, S. 52.&amp;lt;/ref&amp;gt; Popp selbst gab später an, er habe nach der Entscheidung für die Nationalversammlung keinen Sinn mehr in seiner Arbeit für den OSR gesehen. Allerdings fiel diese Entscheidung erst später auf der Reichsrätekonferenz 16.–21. Dezember 1918,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Auf dem ersten Reichsrätekongress wurde Kiel durch die folgenden Delegierten vertreten: Gustav Garbe und Peter Hillbrecht für den Arbeiterrat (Kurt Kaulfers, USPD und Bevollmächtigter des DMV Kiel, fiel bei der Mandatsprüfung durch), sowie Max Hartig und Robert Pfaff für den Soldatenrat. Alle bis auf Kaulfers gehörten der SPD an. Vgl. Dieter Braeg und Ralf Hoffrogge (Hrsg.): &#039;&#039;Allgemeiner Kongress der Arbeiter- und Soldatenräte Deutschlands. 16.–20. Dezember 1918 Berlin – Stenografische Berichte, Neuausgabe zum 100. Jahrestag&#039;&#039;. Berlin 2018, S. 561–602. Vgl. auch Roß, Reichsrätekongresse.&amp;lt;/ref&amp;gt; was eher Noskes Darstellung unterstützen würde. Es wäre aber auch denkbar, dass Popps Rücktritt bereits davon bestimmt war, dass keine USPD-Mitglieder aus Kiel zum Reichsrätekongress delegiert wurden. Karl Artelt übernahm nun den Vorsitz des inzwischen auf 14 Mitglieder erweiterten Gremiums, Stellvertreter wurde Robert Pfaff, Schriftführer wurde der Signalmeister und Deckoffizier Franz Riefstahl (SPD). Popp wurde nur noch als politischer Berater des Gremiums aufgeführt. Zum damaligen Zeitpunkt gehörten dem OSR, neben den Genannten, noch die folgenden Personen an: Rudolf Rannow, Erich Thümmel, Schmidtke, Max Hartig, Gräfenstein (auch Grävenstein), Rath, Klaus, Eggers, Rudolph, Widmaier (auch Widmeier) und Feill (insgesamt 14).&amp;lt;ref&amp;gt;Anonym: Sitzung des obersten Soldatenrates. In: Republik, 11. Dezember 1918.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Hartig und Thümmel wurden bereits oben beschrieben, Riefstahl und Rannow werden weiter unten als Vorsitzende des OSR beschrieben, zu den anderen Personen ist bisher nichts weiter bekannt.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei: Kieler_Matrosenaufstand_(Kiel_68.297).jpg|mini|Das Foto zeigt eine Demonstration von Deck- und Unteroffizieren am 22. Dezember 1918 gegen den Beschluss des Reichsrätekongresses und für die Beibehaltung der Rangabzeichen. Dies kennzeichnet den gestiegenen Einfluss der Deckoffiziere.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die provisorische Regierung Schleswig-Holsteins hatte zunächst der Kieler Arbeiterrat übernommen. Auf einer Konferenz am 12. Dezember 1918 in Neumünster wurden nun auch die anderen Räte in der Provinz einbezogen. Die Konferenz wurde von Garbe eröffnet und zusammen mit Richter aus Neumünster und Schlüter aus Flensburg geleitet. Es herrschte Einigkeit darüber, dass in „nächster Zukunft […] Räterat und National-Versammlung nebeneinander bestehen bleiben und zusammen arbeiten [müssen].“&amp;lt;ref&amp;gt;Einleitendes Referat des Beigeordneten der Regierung in Schleswig Eduard Adlers auf der Konferenz. Protokoll der Konferenz der Arbeiter- und Soldatenräte Neumünster am 12. Dezember 1918. Manuskript. Archiv des Zentralrats der Deutschen Sozialistischen Republik; Sign. B-58. Online zugänglich (aufgerufen am 9. Januar 2023) unter: [https://search.iisg.amsterdam/Record/ARCH01676].&amp;lt;/ref&amp;gt; Die provisorische Regierung setzte sich nun aus Vertretern der Räte verschiedener Regionen zusammen. Sie bezeichnete sich später als „Volksrat“.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Kuhl, Garbe, S. 34.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 27. Dezember 1918, mit Beginn der Unruhen in Berlin, kehrte Noske dorthin zurück und übernahm im Rat der Volksbeauftragten, nach dem Rücktritt der USPD-Beauftragten, den Bereich „Heer und Marine“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit verstärkte sich der schleichende und im Laufe der Entwicklung immer offenere Prozess, in dem Noske – inzwischen Reichswehrminister – die Soldatenräte im Juni 1919 schließlich abschaffen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wichtige Stationen waren dabei:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Verkleinerung des 53er Rats, dem Zentralrat der Marine im Berliner Reichsmarineamt,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Dem Rat gehörten die folgenden Kieler Personen an: Bock, Hohmann, Klenke, Lebeck, Manschke, Rösler, Stock, Block und Schumann; vgl. Kriegsakten betreff Revolution 1918 und Märzwirren 1920. BArch RM 8/1013, Bl. 73 f. Im Mai 1919 wurde auch ein Verbandssoldatenrat, in dem die Soldatenräte sich überregional organisiert hatten, der aber offensichtlich keinen größere Bedeutung erlangt hat, erwähnt; vgl. Akten des Reichsmarineamts betreffend Arbeiter und Soldatenrat, Juni 1919–März 1922. BArch RM 20/13 Bl. 27.&amp;lt;/ref&amp;gt; auf sechs Personen. Der Rat wollte die neue Marine auf Völkerverständigung und eine reine Verteidigung festlegen. Dies stieß jedoch bei den weiter nach „Weltgeltung“ strebenden „Tirpitzianern“, zu denen die vorgesehenen Führer der Marine (insbesondere v. Trotha)&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Konteradmiral Adolf von Trotha (1868–1940), ab März 1919 Chef der Admiralität, im Oktober 1919 zum Vizeadmiral befördert, unterstützte den Kapp-Putsch und wurde später Propagandist für die NSDAP.&amp;lt;/ref&amp;gt; gehörten, sowie auch bei Noske selbst, auf großen Widerstand. Aufgrund von Noskes Kritik, der auf dem Reichsrätekongress eine Verschleppung von Entscheidungen bemängelte, wurde der Rat auf sechs Mitglieder verkleinert und damit in seinen Wirkungsmöglichkeiten (bei einem Amt mit etwa 1000 Beschäftigten) stark eingeschränkt. Der stellvertretende Vorsitzende des Kieler OSR, Robert Pfaff (SPD), der auch am Reichsrätekongress teilnahm, unterstützte Noske bei seinem Vorgehen. Wette vermutet, dass Noskes Beanstandungen eher auf die inzwischen USPD-nahe Programmatik des 53er Rats zurückging.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Wette, Noske, S. 272–280.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Der Aufbau der 1. Marine-Brigade (inoffizielle Bezeichnung: Eiserne Brigade oder Eiserne Division) durch die Deckoffiziere auf Anforderung Noskes Anfang Januar 1919. Im OSR argumentierten die Deckoffiziere damit, dass die Truppe für die Grenzsicherung im Osten gebraucht würde. Sie wurde dann aber bei den Kämpfen in Berlin und danach auch in weiteren Städten, u.&amp;amp;nbsp;a. in Bremen eingesetzt. Dies führte am 6. Januar 1919 zum Rückzug Karl Artelts aus dem OSR. Den Vorsitz übernahm zunächst Max Hartig für 10 Tage dann der Signalmeister und Deckoffizier Franz Riefstahl,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Über Riefstahl ist ebenfalls nur wenig bekannt, obwohl er neben Popp und Artelt eine besonders wichtige Rolle in der Soldatenratsbewegung spielte: Riefstahl war zunächst wohl die zentrale Figur in dem nur bis zum 3. Dezember 1918 existierenden Generalobmannbüro. Neben Riefstahl waren hier noch der Oberheizer Klaus, der Ubootsmaschinistenmaat Tscharutke, der Schreiber Au und der Oberschreiber Rothenbacher tätig. Das Büro wurde parallel zum OSR eingerichtet und diente den Obmännern, wie die von den einzelnen Soldatenräten in den Großen Soldatenrat entsandten Delegierten genannt wurden, als Ansprechstelle. Mit Riefstahls Wahl in den OSR wurde es offenbar aufgelöst. Vgl. Dähnhardt, Revolution, S. 131. Riefstahl gehörte dem OSR von Anfang Dezember 1918 bis Ende März 1919 ununterbrochen an, und war mit 2 ½ Monaten der am längsten auf diesem Posten dienende Vorsitzende. Obwohl Riefstahl der SPD angehörte und deutlich moderater war  als Popp und Artelt, verfolgten ihn die Seeoffiziere mit großem Hass. So bezeichnete v. Loewenfeld ihn als „widerlichen, aufgeblasenen roten Gesellen und Offiziershasser“. Der Stabschef Konteradmiral Küsel schrieb über ihn, er habe sich dann besonders hervorgetan, wenn es galt die Seeoffiziere zu bekämpfen. Riefstahl war später Amtmann in Berlin und wird im „Vorwärts“ vom 15. Oktober 1919 (S. 4) unter den „Groß-Berliner Parteinachrichten“ erwähnt. In einer Versammlung für „Sozialdemokratische Beamte, Angestellte und Hülfskräfte der Gemeindebehörden Groß-Berlins“ referierte Riefstahl über „Revolution und Beamtenschaft.“ Das preußische Innenministerium unter Göring ließ 1934 Erkundigungen über Riefstahl einziehen, um ihn aus dem Beamtendienst zu entfernen. Dabei übermittelte Küsel die genannte Denunziation. Wette vermutet, dies habe ausgereicht, um den Stadtamtmann Riefstahl aus dem Beamtendienst zu entfernen. Vgl. Wette, Noske, S. 261 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; während Hartig sein Stellvertreter wurde. Hartig schied am 7. Februar aus, auf ihn folgte Bublat als Stellvertreter.&amp;lt;ref&amp;gt;Klaus Kuhl: &#039;&#039;Die Kieler Eiserne Division – ein besonderer Fall in der militärischen Landschaft der Weimarer Republik.&#039;&#039; In: Rolf Fischer (Hrsg.): Brennpunkte 1918. Orte der Revolution in Schleswig-Holstein. Kiel 2023, S. 113–132.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Neuordnung der Kommandogewalt. Diese hatte bisher weitgehend in den Händen der Soldatenräte gelegen. Gegen einen bekannt gewordenen Entwurf legte der Kieler OSR Protest ein. Dieser Protest wurde auch am 1. Februar 1919 von der Kieler SPD-Zeitung unterstützt. Man sah in Noskes Planungen den Versuch, die Zustände vor der Revolution wieder einzuführen.&amp;lt;ref&amp;gt;Anonym: Neuregelung der Kommandogewalt. In: SHVZ, 1. Februar 1919, S. 1.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Entwurf war Mitte Januar vom neuen Kriegsminister Oberst Walther Reinhardt vorgelegt, vom Zentralrat der Deutschen Sozialistischen Republik&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Ein vom Reichsrätekongress im Dezember 1918 eingerichtetes Gremium zur Überwachung und zur Kontrolle des Rats der Volksbeauftragten.&amp;lt;/ref&amp;gt; geringfügig geändert und dann von der Regierung angenommen worden. Das Verordnungswerk wurde am 19. Januar verabschiedet, gab die Kommandogewalt zurück an die Offiziere und schränkte die Befugnisse der Soldatenräte stark ein. Fronttruppen und Freikorps waren ausgenommen, dort hatten Soldatenräte sowieso einen schweren Stand oder wurden gar nicht geduldet.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Wette, Noske, S. 333–339.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Rahmen verschiedentlicher Proteste der Kieler Räte bei Noske fühlten sich die Delegationsmitglieder Riefstahl, Klaus, Rannow und Thümmel von Noske „wie Handwerksburschen“ behandelt.&amp;lt;ref&amp;gt;Wette, Noske, S. 260.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Der große Protest der Kieler Arbeiterschaft gegen Noskes kompromissloses militärisches Vorgehen gegen die Bremer Räterepublik Anfang Februar 1919; aufgrund der begeleitenden militanten Aktionen der KPD auch als Kieler „Spartakus-Putsch“ bezeichnet. Im Verlauf der bewaffneten Auseinandersetzungen erlaubte Noske dann die Aufstellung der 3. Marine-Brigade durch Wilfried von Loewenfeld, die dann die Sicherheitstruppe des Soldatenrats dominierte.&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhl, Garbe, S. 47 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Am 25. Februar erfolgte dann eine Neuwahl des OSR und der erneut zum Vorsitzenden gewählte Riefstahl verkleinerte den bereits auf 12 Mitglieder reduzierten OSR auf nunmehr neun Personen. Dabei handelte es sich neben Riefstahl um Bublat (Stellvertreter), Schlüter (Schriftführer), Klaus, Rannow, Rath, Widmaier, Thümmel und Dräger.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Rackwitz, Kiel 1918, S. 183; sowie Anonym: Neuwahl des Obersten Soldatenrates. In: Kieler Zeitung vom 1. März 1919, Morgenausgabe.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Einsetzung eines Seeoffiziers als Stationschef wurde von Noske gegen den Widerstand von OSR und Arbeiterrat nach verschiedenen Anläufen durchgesetzt. Dabei verlor Garbe als Noskes Nachfolger auf dem Posten des Kieler Gouverneurs seine militärische Befehlsgewalt und wurde zum „Zivilgouverneur“ herabgestuft. Der OSR wurde nun nur noch als Stationssoldatenrat bezeichnet. Am 10. März 1919 wurde Konteradmiral Meurer als Stationschef eingesetzt. Wenig später verlor Garbe auch seinen Titel als Zivilgouverneur. Am 31. März 1919 schieden Riefstahl, Klaus, Bublat und Thümmel aus dem OSR aus. Neuer Vorsitzender wurde der Oberfeuerwerkermaat Rudolf Rannow (SPD),&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Rannow, geb. 25. Januar 1887 in Oramburg (Pommern), wird in dem Bericht des Kapitänleutnants Peter Köhler am 7. November 1918 als Obmann des Soldatenrats erwähnt; Köhler: Revolutionsereignisse, S. 14. Rannow war im April 1919 Delegierter für den 2. Reichsrätekongress, wo er den Wahlbezirk Ostseestation vertrat. Er organisierte im April 1919 den Zusammenschluss von Berufssoldaten, die sich zur SPD bekannten (im Hinblick auf eine zu gründende republikanische Volkswehr), beteiligte sich an der Abwehr des Kapp-Putsches in Kiel und wurde Kommandeur der gegen den Putsch aufgebauten Arbeiterwehr. In der Personalamtsakte „Wahlen von Stadträten und Bürgermeistern“ im Stadtarchiv Kiel (Sign. 31980) wird er ab 1920 als Stadtsekretär geführt. Im Jahr 1926 meldete er sich nach Lägerdorf ab. Vgl. Wette, Noske, S. 260 und 865; Roß, Reichsrätekongresse, S. 202; Dähnhardt/Granier, Kapp-Putsch in Kiel, S. 110 ff.; BArch 8/1022, Bl. 61 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt; sein Stellvertreter wurde der Feldwebel Paul Dräger.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Dräger war 1920 Führer im Reichswirtschaftsverband deutscher derzeitiger und ehemaliger Berufssoldaten (RdB, Vorläufer des Deutschen Bundeswehr Verbands) in Kiel. Er spielte eine aktive Rolle bei der Niederschlagung des Kapp-Putsches. Vgl. Dähnhardt/Granier, Kapp-Putsch in Kiel, S. 41, 72, 140.&amp;lt;/ref&amp;gt; Außerdem gehörte nach wie vor der Feldwebel Schlüter&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Nachdem Marinewaffen heimlich auf das Gut des Prinzen Heinrich in Hemmelmark verbracht worden waren, wurden dort im April 1919 Durchsuchungen vorgenommen, an denen Schlüter (stellvertretend für Rath) vom OSR, und Otto Eggerstedt vom Volksrat beteiligt waren. Es wurden 30 Gewehre mit Munition gefunden, die Heinrich von einem Seeoffizier geliefert worden waren. Bald darauf beschwerte sich der neue Stationschef Meurer in Berlin bei v. Trotha, dass der Soldatenrat wiederum gegen Vorschriften verstoßen habe, als er sich nach diesen Vorfällen bei weiteren Hausdurchsuchungen des Volksrats in Kitzeberg (Villenviertel auf dem Ostufer der Kieler Förde) beteiligte. Nach Aussagen des Stationssoldatenrats hatte Meurer die Beschwerde auf Anweisung Noskes verfasst. Vgl. Akten des Reichsmarineamts betreffend Arbeiter und Soldatenrat, Juni 1919–März 1922. BArch RM 20/13 Bl. 30–47.&amp;lt;/ref&amp;gt; dem Rat an. Am 12. Mai 1919 wurde das Mitglied im Stationsssoldatenrat, Rath, durch den Feldwebel und Marinefeuerwerker Adolf Schmalix&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Schmalix (1890–1956) gehörte zur 1. Marine-Division und beteiligte sich am Aufbau des Reichswirtschaftsverbands derzeitiger und ehemaliger Berufssoldaten und des Republikanischen Führerbunds. Er engagierte sich im Kampf gegen den Kapp-Putsch, setzte sich dabei für die Bewaffnung der Arbeiterschaft ein und wurde für mehrere Tage verhaftet. Zu einem von ihm zu verantwortenden Unterschlagungsfall in seiner Abteilung erklärte er, „infolge seines Kampfes mit den höchsten Behörden“ sei es ihm nicht möglich gewesen, den Fall zur Anzeige zu bringen. Er verließ Kiel, entwickelte sich zum „völkisch-antisemitischen Extremnationalisten“ und beteiligte sich am Hitler-Putsch. Ab 1924 lebte er in Erfurt, wo er Schriftleiter und Herausgeber des Wochenblattes &amp;quot;Echo Germania&amp;quot; wurde. In dem Blatt pöbelte er gegen prominente Bürger, mit Vorliebe gegen Juden, Ausländer oder Demokraten, denen er dann anbot, sich freizukaufen, um weiteren Schmähungen zu entgehen. Im Frühjahr 1928 rief er den &amp;quot;Großdeutschen Freiheitsbund&amp;quot; ins Leben, dessen Programm aus einem Sammelsurium gängiger nationalistisch-völkischer Ansichten und Feindbilder bestand. Bei der Kommunalwahl in Erfurt errang er in einer reichsweiten Sensation 10 von 52 Mandaten. Später trat der der NSDAP bei. Nach dem Zweiten Weltkrieg saß Schmalix noch 1956 im Kreistag im Landkreis Roding (Oberpfalz). Vgl. Dähnhardt/Granier, Kapp-Putsch in Kiel, S. 24 f. und 41; Anonym: Ein rehabilitierter Berufssoldat. In: Republik, 26. März 1920; Steffen Raßloff: &#039;&#039;Erfurt begeht moralischen Selbstmord. Adolf Schmalix und die Großdeutsche Freiheitsbewegung.&#039;&#039; In: Stadt und Geschichte. Zeitschrift für Erfurt. 13 (2001). S 28 f. Online zugänglich (aufgerufen am 25. Septrember 2024) unter: [http://www.erfurt-web.de/Adolf_Schmalix].&amp;lt;/ref&amp;gt; ersetzt. Zu diesem Zeitpunkt gehörten dem Rat neben den genannten Rannow, Dräger, Schmalix und Schlüter noch Widmaier und Arnold (Minensuchflottille) an. (BArch RM 31/2375 Bl. 22)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits einige Tage vorher, am 6. März 1919, war das Gesetz über die vorläufige Reichswehr verkündet worden. Es war unter Führung des Kriegsministers von Offizieren erarbeitet worden. In der parlamentarischen Debatte machte Noske deutlich, dass sozialdemokratische Vorstellungen zurzeit zurückgestellt werden müssten, um Deutschland wieder wehrhaft zu machen. Mit dem verabschiedeten Gesetz wurden die Freikorps sanktioniert, republikanische Verbände und Soldatenräte wurden abgeschafft.&amp;lt;ref&amp;gt;Wette, Noske, S. 358–368.&amp;lt;/ref&amp;gt; Am 5. Juni 1919 wurde auch der Kieler Soldatenrat abgeschafft. Es gab jetzt nur noch Vertrauensleute mit Beschwerderechten, die ohne gesetzliche Fixierung lediglich gemäß Marine-Verordnungsblatt MVBl 17, S. 208 und 209 zu wählen waren.&amp;lt;ref&amp;gt;Wette, Noske, S. 368.&amp;lt;/ref&amp;gt; Schmalix und Widmaier werden noch im September 1919 als Vertrauensleute erwähnt, wobei sie sich über die ständig weiter eingeengte Bewegungsfreiheit beschweren.&amp;lt;ref&amp;gt;Akte Reichsmarineamt Juni 1919–März 1922. BArch RM 20/13 Bl. 129 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein weiterer Vertrauensmann war der, als bewährter Deckoffizier von Noske zum Leutnant zur See beförderte, Carl von Seydlitz. Seydlitz wurde nach dem Kapp-Putsch kurzzeitig Stationschef in Kiel, weil die Seeoffiziere wegen Putschbeteiligung suspendiert worden waren oder aus Solidarität den Dienst verlassen hatten.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Klaus Kuhl: &#039;&#039;Leutnant zur See Carl von Seydlitz. Der Kampf für die Demokratisierung der Reichsmarine.&#039;&#039; In: Rolf Fischer (Hrsg.): Sehnsucht nach Demokratie. Neue Aspekte der Kieler Revolution 1918. Kiel 2020, S. 23-35.&amp;lt;/ref&amp;gt; Demokratisch und republikanisch orientierte Soldaten und Offiziere wurden jetzt langsam aber stetig aus dem Militär gedrängt.&amp;lt;ref&amp;gt;Wette, Noske, S. 560, 697.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch Seydlitz gab 1923 auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Räteidee lebte aber im zivilen Bereich weiter. Garbe hatte den Vorsitz im Arbeiterrat mit seiner Ernennung zum Gouverneur abgegeben. Nachfolger wurde Peter Hillbrecht (SPD), zweiter oder gleichberechtigter Vorsitzender J. Claßen (auch Classen geschrieben) von der USPD. Der Rat gab seinen Anspruch, als provisorische Regierung der Provinz Schleswig-Holstein zu fungieren, an den neu gebildeten Volksrat ab. Diesem gehörten auch Vertreter anderer Räte aus Schleswig-Holstein sowie kurzzeitig ein Mitglied des OSR an.&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhl, Garbe, S. 48 f. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während der Soldatenrat als wichtigstes Ziel eine Demokratisierung des Militärs verfolgte, stand bei dem Arbeiterrat die Demokratisierung der Wirtschaft im Zentrum. Besonders die Führer der Werften gehörten meist der rechtsradikalen Deutschen Vaterlandspartei an. Sie besaßen einen großen politischen Einfluss. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitte März wurden Neuwahlen zu den Arbeiterräten durchgeführt. Die Parität mit der USPD wurde aufgegeben, damit konnte diese nur noch eine marginale Rolle in den Räten spielen. Die Beteiligung an den Wahlen war gering, was zu einem weiteren Bedeutungsverlust führte. Im neu konstituierten Arbeiterrat wurden Peter Hillbrecht zum ersten und Otto Eggerstedt&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Eggerstedt (1886–1933 im KZ Esterwegen ermordet) erlernte den Beruf des Bäckers und war Soldat im Ersten Weltkrieg. Er berichtete, wie er dazu beitrug, dass sich auf dem Rückmarsch von der Front Soldatenräte bildeten (Otto Eggerstedt: Die Revolution im Felde! In: SHVZ, 5. November 1919). Zurück in Kiel engagierte Eggerstedt sich stark bei Versuchen eine demokratische Einwohnerwehr aufzubauen und war während des Kapp-Putsches an führender Stelle am Aufbau der Arbeiterwehr beteiligt. Ab Juli 1919 war er Parteisekretär der SPD in Kiel und von 1919 bis 1924 Stadtverordneter von Kiel. Im März 1921 rückte er für Albert Billian in den Reichstag nach, dem er durchgehend bis 1933 angehörter. Ab 1927 war er in der preußischen Verwaltung tätig, ab April 1928 als Regierungsrat und Leiter des Polizeiamtes Wandsbek. Ab 1929 wurde er, das erste halbe Jahr kommissarisch, Polizeipräsident von Altona-Wandsbek mit Sitz in Altona. In seine Dienstzeit fiel der so genannte Altonaer Blutsonntag, der als Anlass für die Beseitigung der sozialdemokratischen preußischen Regierung, eines der letzten Bollwerke gegen die Machtübernahme durch die Nazis, herhalten musste. Vgl. Autoren der SPD-Geschichtswerkstatt: Otto Eggerstedt. Online zugänglich (aufgerufen am 25. September 2024) unter: [https://www.spd-geschichtswerkstatt.de/wiki/Otto_Eggerstedt].&amp;lt;/ref&amp;gt; zum zweiten Vorsitzenden gewählt. Weitere Mitglieder waren der Redakteur der SHVZ Bernhard Rausch und J. Classen (oder Claßen) für die USPD. Als Aufgaben des Rats wurde benannt: Den Räten sollte nicht die ganze politische Macht übertragen werden, sondern sie sollten „die denkbar wichtigsten wirtschaftlichen Aufgaben“ erhalten: die Mitleitung der Fabrikbetriebe und die Sozialisierung“. Sie sollten politisch fortwirken, solange der Beamtenkörper nicht hinreichend demokratisch erneuert sei.&amp;lt;ref&amp;gt;Anonym: Der Kieler Arbeiterrat. In: SHVZ, 24. März 1919.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich musste der Arbeiterrat im September seine Arbeit einstellen, weil keine Gelder mehr bewilligt wurden. Im Zuge des reformierten – nunmehr demokratischen – Wahlrechts waren jedoch viele seiner Mitglieder und Beigeordneten in die entsprechenden Gremien gewählt worden und konnten so – anders als bei den Soldatenräten – weiter Einfluss ausüben. Für Garbe war diese Entwicklung folgerichtig. Er sagte in seiner Wahlkampfrede anlässlich seiner Kandidatur für die Kommunalwahl Anfang März in Kiel: „Ich bin kein großer Freund der Arbeiterräte, deren Zeit bald vorbei sein dürfte. […] Die Räte sollen im Rathaus sitzen. […] wo sie besser arbeiten können wie heute als Beiräte.“&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhl, Garbe, S. 49 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Räteidee war auch von der Nationalversammlung aufgenommen worden, insbesondere, um der in der Arbeiterbewegung weit verbreiteten, immer wieder vorgetragenen Forderung nach Sozialisierung und Demokratisierung der Wirtschaft entgegenzukommen. Eine Kombination von Parlamentarismus und Rätesystem war also durchaus denkbar.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. dazu Peter von Oertzen: &#039;&#039;Betriebsräte in der Novemberrevolution. Eine politikwissenschaftliche Untersuchung über Ideengehalt und Struktur der betrieblichen und wirtschaftlichen Arbeiterräte in der deutschen Revolution 1918/19.&#039;&#039; Düsseldorf 1963 (Beiträge zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien, Band 25), S. 57–67.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Gespräch waren etwa Wirtschaftsräte, doch erst 1930 wurde ein Entwurf für die Ausgestaltung des Reichswirtschaftsrats vorgelegt, der jedoch zu der Zeit keine Aussichten mehr auf Umsetzung hatte und nicht die notwendige Zweidrittelmehrheit erhielt. Übrig blieben schließlich nur noch die Betriebsräte. Im Februar 1920 wurde das Betriebsrätegesetz verabschiedet, das allerdings die Mitwirkungsmöglichkeiten nach ursprünglichen Forderungen einer weitgehenden Kontrollfunktion  nur noch auf soziale Belange beschränkte. Garbe, der vermutlich hinter der Aussage in der SHVZ stand, dass man den Arbeiterräten die „Mitleitung der Fabrikbetriebe“ übertragen wollte, äußerte sich in seinem Bericht im Jahr 1920 entsprechend enttäuscht über das Betriebsrätegesetz.&amp;lt;ref&amp;gt;Kuhl, Garbe, S. 50.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
Damit war die Rätebewegung in Kiel, die die politische Demokratie erkämpft hatte, mit ihren weitergehenden Vorstellungen einer Demokratisierung von Militär und Wirtschaft gescheitert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellen und Literatur ==&lt;br /&gt;
* Lothar Popp, Karl Artelt: &#039;&#039;Ursprung und Entwicklung der November-Revolution 1918. Wie die deutsche Republik entstand.&#039;&#039; Kiel 1918. Reprint als Sonderveröffentlichung der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Band 15, S. III 1–30. Im Jahr 2020 leicht gekürzt und kommentiert veröffentlicht in: IG Metall Bezirksleitung Küste (Hrsg.): &#039;&#039;Matrosenaufstand und Novemberrevolution 1918.&#039;&#039; Hamburg 2020, S. 96–115, ISBN 978-3-96488-063-5.&lt;br /&gt;
* Gustav Noske: &#039;&#039;Von Kiel bis Kapp. Zur Geschichte der deutschen Revolution.&#039;&#039; Berlin 1920 ([https://portal.dnb.de/bookviewer/view/1131562372#page/n6/mode/1up Digitalisat]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Klaus Kuhl: &#039;&#039;Gustav Garbe – bedeutender Kieler Gewerkschaftsfunktionär, Vorsitzender des Kieler Arbeiterrats und zweimaliger Gouverneur. Mit Vorworten von Frank Hornschu, Geschäftsführer und Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes Kiel Region, und von Stephanie Schmoliner, 1. Bevollmächtigte der IG Metall Kiel-Neumünster.&#039;&#039; Kiel 2023.&lt;br /&gt;
* Martin Rackwitz: &#039;&#039;Kiel 1918. Revolution, Aufbruch zu Demokratie und Republik.&#039;&#039; Kiel 2018, ISBN 978-3-529-05174-6.&lt;br /&gt;
* Dirk Dähnhardt: &#039;&#039;Revolution in Kiel. Der Übergang vom Kaiserreich zur Weimarer Republik 1918/19.&#039;&#039; Karl Wachholtz, Neumünster 1978, ISBN 3-529-02636-0.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
* Wikipedia: Arbeiter- und Soldatenrat [https://de.wikipedia.org/wiki/Arbeiter-_und_Soldatenrat].&lt;br /&gt;
* [[Zeitzeugen_Matrosen%E2%80%93_und_Arbeiteraufstand_1918/1919|Zeitzeugen]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references group=&amp;quot;A&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Klaus Kuhl</name></author>
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		<title>Schleswig-Holsteinische Volkszeitung</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Klaus Kuhl: /* Literatur */ Lit. ergänzt&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Die &#039;&#039;&#039;Schleswig-Holsteinische Volks-Zeitung&#039;&#039;&#039; (Originaltitel und -schreibweise: &#039;&#039;Schleswig-Holsteinische Volks-Zeitung - Organ für das arbeitende Volk&#039;&#039;) war eine sozialdemokratisch orientierte Tageszeitung der Landeshauptstadt Kiel in Schleswig-Holstein von 1877 bis 1968.&amp;lt;ref&amp;gt;{{WP|Schleswig-Holsteinische_Volkszeitung}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geschichte ==&lt;br /&gt;
Die Volks-Zeitung wurde 1877 in Kiel gegründet, aufgrund der Sozialistengesetze im Jahr darauf verboten. Sie erschien ab dem [[2. April]] [[1893]] wieder. [[1920]] hatte sie eine Auflage von etwa 24.000 Exemplaren und bezeichnete sich als &amp;quot;führendes politisches Blatt der Provinz Schleswig-Holstein&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[1932]] führte die Schleswig-Holsteinische Volkszeitung einen Prozess gegen Adolf Hitler und die NSDAP, den sie verlor. Am [[15. Februar]] [[1933]] verbot der Oberpräsident der Provinz Schleswig-Holstein das Erscheinen der Zeitung bis zum 1. März 1933. Nach der einmaligen Montagsausgabe am [[27. Februar]] [[1933]] wurde die Zeitung unbefristet verboten, am [[8. August]] [[1933]] ihr Vermögen offiziell enteignet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In ihren Räumen und der Druckerei in der [[Bergstraße]] wurde anschließend bis 1942 durch den NS-Gauverlag die [[Nordische Rundschau]] produziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Kriegsende 1945 bekam die Volks-Zeitung als parteigebundenes Blatt früher als andere regionale Zeitungen eine Lizenz der britischen Besatzungsmacht. Persönlicher Lizenzträger war der Sozialdemokrat und künftige Verlagsleiter [[Karl Ratz]]. Fortan führte die Zeitung, die am [[3. April]] [[1946]] zum ersten Mal wieder erschien, im Titel die Zeile: &amp;quot;Veröffentlicht unter Zulassungsnummer 24 der Militär-Regierung&amp;quot;. Von 1946 bis 1954 war [[Karl Rickers]] als Lokalredakteur, danach bis zur Einstellung der VZ als deren Chefredakteur tätig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Schleswig-Holsteinische Volkszeitung wurde in erster Linie von sozialdemokratischen Haushalten gelesen und von ihren Lesern kurz VZ (vauzett) genannt. Die Zeitung wurde am [[31. Dezember]] [[1968]] aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit 1968 ist der Zeitungstitel [[Kieler Nachrichten]] die alleinige in Kiel produzierte Tageszeitung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bekannte Mitarbeiter ==&lt;br /&gt;
* [[Eduard Adler]] war von 1900 bis 1918 Redakteur und Chefredakteur.&lt;br /&gt;
* [[Wilhelm Brecour]] war von 1893 bis 1931 Mitarbeiter der Zeitung, meist als Redakteur.&lt;br /&gt;
* [[Andreas Gayk]] war ab 1926 als Redakteur tätig.&lt;br /&gt;
* [[Hans Ralfs]] war von März 1919 bis Dezember 1921 freier Feuilleton-Mitarbeiter.&lt;br /&gt;
* Karl Otto Rickers (1905−1999) war ab 1926 Mitarbeiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Archiv ==&lt;br /&gt;
Die [[Schleswig-Holsteinische Landesbibliothek]] in Kiel hat die Jahrgänge von 1903 bis 1968 archiviert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
* Regine Bigga, Uwe Danker: &#039;&#039;Die Schleswig-Holsteinische Volkszeitung 1892 bis 1968. Facetten aus ihrer Geschichte.&#039;&#039; In: &#039;&#039;Demokratische Geschichte&#039;&#039; Band 3, S. 427-436. ([http://www.beirat-fuer-geschichte.de/fileadmin/pdf/band_03/Demokratische_Geschichte_Band_03_Essay33.pdf Online]; PDF; 1,6&amp;amp;nbsp;MB), enthält die Abbildung der Verfügung vom 15. Februar 1933.&lt;br /&gt;
* Karl Rickers: &#039;&#039;Unterdrückungsmassnahmen kamen in kleinen Schritten&#039;&#039;. In: Christa Geckeler (Hg.): &#039;&#039;Erinnerungen an Kiel zwischen den Weltkriegen 1918/1939&#039;&#039;. Husum Verlag, Husum 2007 (Bd. 58 der Ges. für Kieler Stadtgeschichte), ISBN 978-3-89876-342-4.&lt;br /&gt;
* Karl Rickers: &#039;&#039;Erinnerungen eines Kieler Journalisten 1920–1970&#039;&#039;. Kiel 1992 (Bd. 24 der Sonderveröffentlichungen der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte), ISBN 3-529-02723-5.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
* Christa Geckeler: &#039;&#039;Kieler  Erinnerungstag: [http://www.kiel.de/kultur/stadtarchiv/erinnerungstage/index.php?id=84 15. Februar 1933. Verbot der in Kiel erscheinenden Schleswig-Holsteinischen Volkszeitung.]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* SPD-Geschichtswerkstatt: [http://www.spd-geschichtswerkstatt.de/wiki/Schleswig-Holsteinische_Volkszeitung Schleswig-Holsteinische Volkszeitung]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Historisches Unternehmen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Zeitung]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Klaus Kuhl</name></author>
	</entry>
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		<title>Ernst-Busch-Platz</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Klaus Kuhl: /* Geschichte */ Link&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Infobox Straße&lt;br /&gt;
|Name=Ernst-Busch-Platz&lt;br /&gt;
|Alternativnamen=&lt;br /&gt;
|Stadtwappen=&lt;br /&gt;
|Kategorie=Straße&lt;br /&gt;
|Bild= Ernst-Busch-Platz.jpg&lt;br /&gt;
|Bild zeigt= Ernst-Busch-Platz, Blickrichtung nach Norden, im Hintergrund die Skulptur &#039;&#039;Adam und Eva&#039;&#039;&lt;br /&gt;
|Ort=Kiel&lt;br /&gt;
|Ortsteil= Gaarden-Ost&lt;br /&gt;
|PLZ= 24143&lt;br /&gt;
|lat=&lt;br /&gt;
|lon=&lt;br /&gt;
|Angelegt= &lt;br /&gt;
|Neugestaltet=&lt;br /&gt;
|HistNamen=&lt;br /&gt;
|Straßen= &lt;br /&gt;
|Querstraßen= Am Germaniahafen, Gaardener Ring, Zur Helling&lt;br /&gt;
|Plätze= &lt;br /&gt;
|Bauwerke= &lt;br /&gt;
|Nutzergruppen= Fußverkehr, Radverkehr, Autoverkehr&lt;br /&gt;
|Straßengestaltung=&lt;br /&gt;
|Straßenlänge= &lt;br /&gt;
|Baukosten=&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
Der &#039;&#039;&#039;Ernst-Busch-Platz&#039;&#039;&#039; ist eine Freifläche östlich des [[Germaniahafen]]s im Stadtteil Gaarden-Ost.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geschichte ==&lt;br /&gt;
Der Name wurde am [[16. September]] [[2010]] von der Kieler [[Ratsversammlung]] festgelegt.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Kieler Straßenlexikon}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits 2003 hatte es Bestrebungen gegeben, Heinz Busch durch eine Straßenbenennung in Gaarden zu ehren. Bei der damals vorgesehenen Benennung fiel die Entscheidung letztendlich zugunsten des ehemaligen Gaardener Pastors [[Pastor-Gosch-Weg|Gustav Gosch]].&amp;lt;ref&amp;gt;Protokoll der Ratsversammlung vom 11. Bezember 2003&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er erinnert an den Sänger und Schauspieler &#039;&#039;Friedrich Wilhelm [[Ernst Busch]]&#039;&#039; (* [[22. Januar]] [[1900]] in Kiel; † [[8. Juni]] [[1980]] offiziell in Berlin, tatsächlich in Bernburg).&amp;lt;ref&amp;gt;{{WP|Ernst_Busch_(Schauspieler)|Ernst Busch}}&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;ref&amp;gt;Korrekter Sterbeort gemäß [https://www.mz-web.de/kultur/ernst-busch-schnell-auf-der-barrikade-7599198 Artikel] bei mz-web.de, gelesen am 12. April 2018&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Anlegung des Platzes wurde die Skulptur [[Adam und Eva]] des dänischen Künstlers Bjørn Nørgaard vom [[Heinrich-Ehmsen-Platz]] vor dem [[Sophienhof]] auf den Ernst-Busch-Platz umgesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bilder ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Adam und Eva.jpg|Skulptur &#039;&#039;„Adam und Eva“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks == &lt;br /&gt;
{{Plan}}&lt;br /&gt;
{{Commonscat|Ernst-Busch-Platz (Kiel)|3=s}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Benannt nach Person]] [[Kategorie:Platz]] [[Kategorie:Kai-City]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Klaus Kuhl</name></author>
	</entry>
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		<id>https://kiel-wiki.de/index.php?title=Ernst_Busch&amp;diff=63358</id>
		<title>Ernst Busch</title>
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		<updated>2024-07-29T16:23:34Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Klaus Kuhl: Weiterleitung auf Ernst-Busch-Platz entfernt und Artikel über Busch angelegt&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Friedrich Wilhelm Ernst Busch&#039;&#039;&#039; (* 22. Januar 1900 in Kiel; † 8. Juni 1980 in Bernburg (Saale) in Sachsen-Anhalt) war ein Werftarbeiter und Aktivist in der Kieler Arbeiterjugend. Er entwickelte sich zu einem international renommierten Sänger, Schauspieler und Regisseur.&lt;br /&gt;
[[Datei:Fotothek df pk 0000249 051.jpg|mini|Ernst Busch, 1946]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Werdegang ==&lt;br /&gt;
Seine Eltern waren der Maurer Friedrich Busch und dessen Ehefrau Emma, geborene Haß. Ernst Busch begann im Jahr 1915 eine Ausbildung zum Werkzeugmacher auf der [[Germaniawerft]]. Er trat 1916 der Sozialistischen Arbeiterjugend bei und zwei Jahre später, im Alter von 18 Jahren, der SPD. Im selben Jahr wurde er auch Mitglied des Deutschen Metallarbeiter Verbands. Im Jahr 1920 schloss er die Lehre ab und wurde anschließend als Spezialist für U-Bootventile weiter auf der Werft beschäftigt.&amp;lt;ref&amp;gt; Jochen Voit: Er rührte an den Schlaf der Welt. Ernst Busch – Die Biographie. Berlin 2010, S. 290–301.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;Karl Siebig und Ludwig Hoffmann: Ernst Busch. Eine Biographie in Texten, Bildern und Dokumenten. Berlin 1987, S. 16–20.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Busch spielte eine außerordentlich aktive Rolle in der Kieler Arbeiterjugend. Er war eine energiegeladene und charismatische, manchmal cholerische Persönlichkeit. Ab 1917 übernahm er für drei Jahre die Distriktleitung und war für das Jugendheim [[Jägersberg]] Nr. 18 zuständig. Er organisierte viele Veranstaltungen, in denen auch versucht wurde, den Hunger nach Bildung der Jugendlichen zu stillen. So gab es viele Vorträge (u.&amp;amp;nbsp;a. auch von [[Ferdinand Tönnies]]), Buchdiskussionen, Diskussionen über Alkohol- und Nikotinabstinenz, Besuche im Stadttheater etc. Busch tat sich mit Rezitationen hervor. Zum Teil wurden ganze Bücher auswendig gelernt.&amp;lt;ref&amp;gt;Voit, Busch, S. 303 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;Siebig/Hoffmann, Busch, S. 20 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Der Kieler Matrosen- und Arbeiteraufstand ==&lt;br /&gt;
Busch führte ab September 1916 ein Notizheft, in dem er sporadisch Zusammenfassungen der Vorträge aber auch wichtige Ereignisse eintrug. Am Tag des Kieler Matrosen- und Arbeiteraufstands, dem 3. November 1918, kam Busch mittags von einer Wanderung der Arbeiterjugend zurück und notierte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:12 Uhr mittags&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Die Angabe „12 Uhr mittags“ bezieht sich wahrscheinlich auf die Versammlung im Gewerkschaftshaus zu dieser Uhrzeit. Diese wurde von mehr als 5.000 Personen besucht. Das Gewerkschaftshaus war völlig überfüllt. Hauptredner war Heinrich Stubbe, Reichtagsabgeordneter der SPD aus Hamburg. Nach einer Kritik des Diskussionsredners Lothar Popp, einigte sich die Versammlung auf eine Resolution, dass man sich mit aller Kraft einer Fortsetzung des Krieges widersetzen müsse. Vgl. Anonym: Für Friede, für Freiheit! In: Schleswig-Holsteinische Volks-Zeitung (SHVZ), Montag, den 4. November 1918, S. 2.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
:Das ist die Revolution &lt;br /&gt;
:Versammlung im Gewerkschaftshaus. Die schon vorhandene Stimmung der Matrosen brachte die Bevölkerung noch mehr aus dem Häuschen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Die Matrosen sollten die von den Offizieren beschlossene Todesfahrt gegen England mitmachen, um mit ihnen den sog. Heldentod zu sterben. Damit waren die Matrosen nicht einverstanden. Verweigerten den Dienst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:80 Mann werden verhaftet. Ihre alten Machtmittel nützen aber nichts mehr. Die Kameraden wollen sie wieder befreien. Große Versammlung auf dem großen Exerzierplatz (das Rad ist nicht mehr zu halten). […] Demonstration durch die Stadt. Treffe Rose und Pfeiffer. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Brunswiker Straße kamen die vorderen Reihen mit dem Militär in Berührung. Eine Salve läßt die ganze Masse wie den Sturmwind die Straße hinunterfluten. Gleich darauf kam die hochlöbliche Feuerwehr mit einem Automobil durch die dichtgefüllte Menschenmenge hindurchgerast. Alles flüchtete zur Seite, ein Glück nur war es, daß keiner zu Schaden kam.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Geht doch vor, sie schießen ja nur mit Platzpatronen, so schreien einzelne Marinesoldaten, gehen aber selbst nicht vor. Da bringen sie schon die ersten Verwundeten. Arm in Arm gehen Pfeiffer, G. und ich die Straße weiter. Da sahen wir quer über die Karlstraße eine Reihe Polizei kniend, eine Reihe dahinter Soldaten stehend, und vor ihnen der Leutnant. Ich weiß nicht, wie mir zumute war, aber kein Gedanke darüber, daß auch uns die Kugeln in die Rippen gehen könnten. Noch weiter vor, der Leutnant erhebt den Säbel und drängt die Vorwitzigsten zurück. Unaufhaltsam schiebt sich die Masse vor. Da – Salven. Zwei Opfer fallen; aber die Straße ist frei. Alles drängt mit Todesangst die Brunswiker Straße hinauf.&amp;lt;ref&amp;gt;Siebig/Hoffmann, Busch, S. 26.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Später berichtete Busch verschiedentlich über die Ereignisse, u.&amp;amp;nbsp;a. äußerte er sich 1958 in einem ausführlichen Zeitungsartikel für die Berliner Zeitung und 1976 in einem Interview für den Dokumentarfilm von [[Karl Siebig]].“ Ich bin kein Herr – Ernst Busch in Kiel“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Klaus Kuhl kommt in einer Analyse der Aussagen zu folgender Bewertung:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am zuverlässigsten dürfte die Tagebucheintragung Buschs sein, die offenbar mit nur wenig Zeitverzug erfolgt ist. Die späteren Aussagen Buschs weichen in wichtigen Details von den Aussagen im Tagebuch ab (Zeitpunkt des Feuerwehreinsatzes, kniende Polizisten werden nicht mehr erwähnt, stattdessen kniet jetzt die erste Reihe der Patrouille, in der Darstellung von 1978 wird sogar eine Barrikade erwähnt, die die Patrouille errichtet habe).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Max Lingner, Maler und Grafiker, der damals Flugzeugmaat in Kiel war, bestätigte in späteren Äußerungen Buschs Bericht: „Ich lag beim Sturm auf das Marinegefängnis, Deckung suchend hinter einer Plakatsäule, neben mir lag ein hellblonder Bursche … Über 30 Jahre später sah ich ihn wieder, es war Ernst Busch.“&amp;lt;ref&amp;gt;Siebig/Hoffmann, Busch, S. 27.&amp;lt;/ref&amp;gt; Doch diese Erzählung muss man eher in das Reich revolutions-romantischer Erinnerungen verbannen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Busch traf in den 1960er Jahren in einem Krankenhaus auch den in Kiel geborenen Alfred Meusel, und beide steigerten sich im Austausch ihrer Erlebnisse bis dahin, dass jeder mit einem Maschinengewehr hinter der Litfaßsäule in der Karlstraße gekauert habe.&amp;lt;ref&amp;gt;Voit, Busch, S. 287 f. und S. 464.&amp;lt;/ref&amp;gt; Meusel selbst hat ein Typoskript über seine Erlebnisse bei den Kieler Auseinandersetzungen verfasst, das in der berlin-brandenburgischen Akademie der Wissenschaften aufbewahrt wird (Signatur: dem NL Meusel, Nr. 4) und das vermutlich in den 1950er oder 60er Jahren verfasst wurde. Sein Bericht legt eine Beteiligung an den Auseinandersetzungen nahe. Aber die Details, die er beschreibt, widersprechen in fast allen Aspekten zeitnahen Berichten. Die Plakatsäule sowie Ernst Busch werden nicht erwähnt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch muss die Tagebucheintragung sicherlich getrennt von Buschs späteren Aussagen, bei denen er zu deutlichen Übertreibungen und Ausschmückungen neigte, gesehen werden. Aber auch wenn man nur von diesen ausgeht, ergeben sich im zweiten Teil deutliche Widersprüche zu relativ gut belegten Details der Auseinandersetzung:&lt;br /&gt;
* Nach Busch kam die Feuerwehr bereits nach der ersten Salve; nach Popp und Artelt kam sie erst nach den Salven von Steinhäusers Einheit. &lt;br /&gt;
*Vor der Patrouille befand sich nach Busch eine Kette aus knienden Polizisten. Nach anderen Quellen wurde die Postenkette der Polizei sofort nachdem die Demonstranten sie erreicht hatte, durchbrochen und die Polizisten flohen in die Straße Langer Segen (vgl. etwa Steinhäuser oder Kleineweber).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist wahrscheinlich, dass Busch tatsächlich an der Demonstration teilnahm. Dies legen sein großes Interesse für die Arbeiterbewegung und sein Temperament nahe. Er dürfte dabei die nach den Salven zurückflutenden Massen erlebt haben. Da seine Aussagen ab dann ungenauer werden, ist anzunehmen, dass Busch die weitere Auseinandersetzung mit Steinhäusers Einheit nicht mehr direkt mitbekam und nun ebenfalls den Rückzug antrat. In seiner Notiz stellte er es dann so dar, als habe er selbst gesehen, wie die Patrouille die zweite Salve abgab, was jedoch vor dem Feuerwehreinsatz passiert sein muss.&amp;lt;ref&amp;gt;Klaus Kuhl: Zeitzeugen zum Kieler Matrosen- und Arbeiteraufstand 1918/19. Kiel 2018. Online zugänglich (aufgerufen am 30. Juli 2024) unter: [[Datei:Kuhl_zeitzeugenliste-matrosen-und-arbeiteraufstand.pdf|thumb|PDF]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter dem Eindruck des Kieler Matrosenaufstands ließ Busch sein Parteibuch Anfang 1919 auf die Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands (USPD) umschreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Künstlerkarriere ==&lt;br /&gt;
Busch hatte schon früher jede freie Minute für sprachliche Übungen genutzt. Ab September 1919 nahm er Schauspiel- und ab Oktober 1920 Gesangsunterricht. Ein Jahr später – Busch war, wie viele andere, wegen Arbeitsmangel von der Werft entlassen worden – besuchte der Dramaturg des Kieler Stadttheaters das Jugendheim. Busch bat ihn, sich einmal einen Blick hinter die Kulissen werfen zu dürfen. Zum vereinbarten Termin brachte ihn der Dramaturg zum Intendanten Max Poensgen-Alberty, der ihn, zu Buschs Überraschung, vorsprechen ließ. Daraufhin wurde Busch als Volontär engagiert. Er debütierte am 8. Oktober 1921 im [[Stadttheater]] als Ministrant in „Cavalleria rusticana“.&amp;lt;ref&amp;gt;Siebig/Hoffmann, Busch, S. 21–31.&amp;lt;/ref&amp;gt; Schon bald gehörte Busch zum Ensemble des Theaters und erntete gute Kritiken. Mitglied des Ensembles war auch der spätere UFA-Star [[Hans Söhnker]], dem Busch lebenslang verbunden blieb.&amp;lt;ref&amp;gt;Voit, Busch, S. 315–319.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1924 verließ er Kiel und machte wenige Jahre später Karriere in Berlin, wo er etwa in Stücken von Brecht und in vielen Filmen, darunter einer Verfilmung der Dreigroschenoper und „Kuhle Wampe“ auftrat.&lt;br /&gt;
[[Datei:Kuhle Wampe Poster.jpg|mini|Film-Poster für &#039;&#039;Kuhle Wampe&#039;&#039;]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach 1933 floh Busch über die Niederlande in die Sowjetunion und trat 1937 als Sänger bei den Internationalen Brigaden in Spanien auf. Nach einem Aufenthalt in Belgien wurde Busch in Südfrankreich interniert und später an die Nazis ausgeliefert. Er wurde wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ angeklagt. Durch die Intervention von Anwälten über Gustaf Gründgens entging er der Todesstrafe und erhielt 1944 eine mehrjährige Zuchthausstrafe.&amp;lt;ref&amp;gt;Voit, Busch, S. 156 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Busch siedelte dann nach Ostberlin über und trat in die KPD/SED ein. Er übernahm viele Rollen am Berliner Ensemble, dem Deutschen Theater und der Volksbühne. Außerdem wurde er international bekannt als Interpret von Liedern von Hans Eisler. Im Jahr 1961 zog er sich aus gesundheitlichen Gründen zurück. Busch machte vielfach seinem Unmut über den Umgang der SED mit ihm Luft – die Kulturfunktionäre versuchten Busch aufs Abstellgleis zu schieben (Voit vermutet, dass Buschs „Prominentenstatus nicht ins Weltbild strammer Funktionäre“ passte)&amp;lt;ref&amp;gt;Voit, Busch, S. 221.&amp;lt;/ref&amp;gt; – übte aber keine öffentliche Kritik.&amp;lt;ref&amp;gt;Voit, Busch, S. 210–286.&amp;lt;/ref&amp;gt; Er starb im Juni 1980 im Alter von 80 Jahren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Nachlass wird im Archiv der Akademie der Künste in Berlin verwahrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ehrungen ==&lt;br /&gt;
In der DDR wurde Busch vielfach geehrt, u.&amp;amp;nbsp;a. wurde 1981 die renommierte Ost-Berliner Schauspielschule zu seinen Ehren in Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ umbenannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum 100. Geburtstag wurde sein Grab auf dem Friedhof Berlin-Pankow&amp;amp;nbsp;III zum Ehrengrab des Senats von Berlin erklärt. Vor dem Eingang dieses Friedhofs in der Leonhardt-Frank-Straße, unweit seiner letzten Wohnung, wurde eine Stele mit dem Relief Ernst Buschs enthüllt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seiner Geburtsstadt Kiel wurde 2010 eine Ausstellung des Theatermuseums Kiel mit dem Titel „Ernst Busch – Jahrhundert-Künstler aus Kiel“ gezeigt. Die Ausstellung wurde durch eine Reihe von Vorträgen und Filmaufführungen begleitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Reihe von Chören, darunter auch der &#039;&#039;Ernst-Busch-Chor Kiel&#039;&#039; tragen seinen Namen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Ernst Busch sind außerdem Straßen und Plätze benannt. Anlässlich der Umbenennung eines Platzes zwischen dem Kieler Germaniahafen und dem Gaardener Ring in [[Ernst-Busch-Platz]] titelten die Kieler Nachrichten am 3. September 2011: „Ende eines langen Kampfes“. Nach vielen politischen Debatten erklärte der damalige Oberbürgermeister Thorsten Albig: Es gäbe Dinge in Buschs Leben, die er nicht teilen könne, aber man „würdige einen brillanten Sänger und Schauspieler, aber auch einen engagierte Menschen, der gegen Faschismus und für die Rechte der Arbeiter eintrat.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
* Ben Leenders, Bernd Meyer-Rähnitz (Hrsg.): &#039;&#039;Der Phonographische Ernst Busch. Eine Discographie seiner Sprach- und Gesangsaufnahmen.&#039;&#039; Albis International Bibliophilenverlag, Dresden 2005, ISBN 80-86067-39-4.&lt;br /&gt;
* Bernd Meyer-Rähnitz, Frank Oehme, Joachim Schütte: &#039;&#039;Die „Ewige Freundin“ – Eterna und Amiga; Die Discographie der Schellackplatten (1947–1961)&#039;&#039;, Albis International Bibliophilen-Verlag, Dresden-Ústí 2006, ISBN 80-86971-10-4&lt;br /&gt;
* Carola Schramm, Jürgen Elsner (Hrsg.): &#039;&#039;Dichtung und Wahrheit. Die Legendenbildung um Ernst Busch.&#039;&#039; Trafo Verlag, Berlin 2006, ISBN 3-89626-640-3.&lt;br /&gt;
* [[Karl Siebig]]: &#039;&#039;„Ich geh’ mit dem Jahrhundert mit“. Ernst Busch. Eine Dokumentation.&#039;&#039; Rowohlt, Reinbek 1980, ISBN 3-499-25149-3.&lt;br /&gt;
* Karl Siebig, Ludwig Hoffmann: &#039;&#039;Ernst Busch. Eine Biographie in Texten, Bildern und Dokumenten.&#039;&#039; Henschelverlag, Berlin 1987, ISBN 3-362-00103-3 (Lizenzausgabe: das europäische buch, Westberlin 1987).&lt;br /&gt;
* Michel Stermann: &#039;&#039;Maman Grete. Eine Erzieherin aus Deutschland für KZ-Opfer-Waisenkinder in Frankreich und weitere Familien-Porträts&#039;&#039;. Twentysix Verlag, Norderstedt 2016, 2. Auflage 2018, ISBN 978-3-7407-4985-9.&lt;br /&gt;
* Michel Stermann: &#039;&#039;„Dienstag geh ich ins Theater“ – Ernst Busch – Von der Werft zur Bühne 1917–1920&#039;&#039;. Twentysix Verlag, Norderstedt 2017, ISBN 978-3-7407-2668-3.&lt;br /&gt;
* Jochen Voit: &#039;&#039;Er rührte an den Schlaf der Welt. Ernst Busch – Die Biographie.&#039;&#039; Aufbau Verlag, Berlin 2010, ISBN 978-3-351-02716-2.&amp;lt;ref&amp;gt;Rezension „Perlentaucher“: Online zugänglich (aufgerufen am 30. Juli 2024) unter: [http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=14370&amp;amp;ausgabe=201006].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Kay Weniger: &#039;&#039;Das große Personenlexikon des Films. Die Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, Produzenten, Komponisten, Drehbuchautoren, Filmarchitekten, Ausstatter, Kostümbildner, Cutter, Tontechniker, Maskenbildner und Special Effects Designer des 20. Jahrhunderts.&#039;&#039; Band 1: &#039;&#039;A –– C. Erik Aaes – Jack Carson.&#039;&#039; Schwarzkopf &amp;amp; Schwarzkopf, Berlin 2001, ISBN 3-89602-340-3, S.&amp;amp;nbsp;620 f.&lt;br /&gt;
* Kay Weniger: &#039;&#039;‚Es wird im Leben dir mehr genommen als gegeben&amp;amp;nbsp;…‘. Lexikon der aus Deutschland und Österreich emigrierten Filmschaffenden 1933 bis 1945. Eine Gesamtübersicht.&#039;&#039; ACABUS-Verlag, Hamburg 2011, ISBN 978-3-86282-049-8, S.&amp;amp;nbsp;118&amp;amp;nbsp;f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
{{Commonscat|Ernst Busch (actor)|Ernst Busch (Schauspieler)|audio=0|video=0}}&lt;br /&gt;
* Wikipedia: [https://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Busch_(Schauspieler)]&lt;br /&gt;
* {{Webarchiv |url=http://www.ernst-busch.com/ |text=Holger Münzer über Ernst Busch |wayback=20131005035812}}&lt;br /&gt;
* [http://www.ernst-busch.net/ Ernst Busch-Gesellschaft e.&amp;amp;nbsp;V.] mit aktuellen Veranstaltungshinweisen zu Leben und künstlerischem Schaffen Ernst Buschs und vielen Informationen&lt;br /&gt;
* Jochen Voit: [https://erinnerungsort.de/ &#039;&#039;Kunst und Propaganda bei Ernst Busch (1900–1980): Eine politik- und kulturhistorische Biografie.&#039;&#039;] Erinnerungsort.de, August 2005&lt;br /&gt;
* Deutsches Rundfunkarchiv: [http://www.dra.de/publikationen/cds/wort_dra/cd-wo03.html Ernst Busch.] &lt;br /&gt;
* [http://web.archive.org/web/20160307070354/http://www.kampflieder.de/ernst-busch-lieder.php Große Liedersammlung.] kampflieder.de (Songtexte, Tonaufnahmen, teilweise Noten und Akkorde)&lt;br /&gt;
* [https://archiv.adk.de/bigobjekt/3926 Ernst-Busch-Archiv] im Archiv der Akademie der Künste (Berlin)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references group=&amp;quot;A&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Mann]] [[Kategorie:Künstler]] [[Kategorie:Geboren 1900]] [[Kategorie:Gestorben 1980]] [[Kategorie:Ernst-Busch-Platz]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SORTIERUNG:Busch, Ernst}}&lt;br /&gt;
{{Personendaten&lt;br /&gt;
|NAME=Busch, Ernst&lt;br /&gt;
|ALTERNATIVNAMEN=Busch, Friedrich Wilhelm Ernst (vollständiger Name)&lt;br /&gt;
|KURZBESCHREIBUNG=deutscher Sänger, Schauspieler und Regisseur&lt;br /&gt;
|GEBURTSDATUM=22. Januar 1900&lt;br /&gt;
|GEBURTSORT=Kiel&lt;br /&gt;
|STERBEDATUM=8. Juni 1980&lt;br /&gt;
|STERBEORT=Ost-Berlin&lt;br /&gt;
}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Klaus Kuhl</name></author>
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		<title>Datei:Kuhl zeitzeugenliste-matrosen-und-arbeiteraufstand.pdf</title>
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		<updated>2024-07-29T16:00:00Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Klaus Kuhl: eigenes Werk mit dem Hochlade-Assistenten hochgeladen&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;=={{int:filedesc}}==&lt;br /&gt;
{{Information&lt;br /&gt;
|description={{de|1=Liste sämtlicher mir bisher bekannter Zeitzeugen zum Kieler Matrosen- und Arbeiteraufstand.}}&lt;br /&gt;
|date=2024-07-29&lt;br /&gt;
|source={{own}}&lt;br /&gt;
|author=[[User:Klaus Kuhl|Klaus Kuhl]]&lt;br /&gt;
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}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=={{int:license-header}}==&lt;br /&gt;
{{self|cc-by-sa-4.0}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Datei wurde mit dem UploadWizard hochgeladen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:UploadWizard]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Klaus Kuhl</name></author>
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		<id>https://kiel-wiki.de/index.php?title=Zeitzeugen_Matrosen%E2%80%93_und_Arbeiteraufstand_1918/1919&amp;diff=63356</id>
		<title>Zeitzeugen Matrosen– und Arbeiteraufstand 1918/1919</title>
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		<updated>2024-07-29T15:57:48Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Klaus Kuhl: Wie angekündigt&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Die folgende Zusammenstellung basiert auf der Sammlung von Klaus Kuhl und wurde von ihm von seiner Webseite kurkuhl.de hierher übertragen. Dabei wurden Ergänzungen vorgenommen und die Interviews, Manuskripte, Auszüge aus der Literatur etc. wurden übersichtlicher präsentiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusätzlich zu den auf dieser Seite vorgestellten Berichten verfügt Kuhl über eine Reihe weiterer, die er als weniger bedeutend und/oder belastbar einschätzt. Ein kompletter Überblick, z.&amp;amp;nbsp;T. mit Auszügen oder Zusammenfassungen, wird in dieser Datei geboten: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Kuhl_zeitzeugenliste-matrosen-und-arbeiteraufstand.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdem wird in den folgenden Unterabschnitten über verlinkte Personenseiten auf deren jeweilige Berichte aus der Zeit des Matrosen- und Arbeiteraufstands eingegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anführer des Aufstands ==&lt;br /&gt;
=== Lothar Popp ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Lothar popp mid-1920s.jpg|thumb|Passfoto Lothar Popps aus dem [[Hamburger Staatsarchiv]], aufgenommen vermutlich Mitte der 1920er Jahre.]] &lt;br /&gt;
[[Lothar Popp]] (1887–1980) war als Schlosser dienstverpflichtet auf der Germania-Werft. Er schrieb seine Erlebnisse zusammen mit Karl Artelt bereits im Dezember 1918 auf.&amp;lt;ref&amp;gt;Lothar Popp unter Mitarbeit von Karl Artelt: &#039;&#039;Ursprung und Entwicklung der November-Revolution 1918. Wie die deutsche Republik entstand.&#039;&#039; Behrens, Kiel 1919, Reprint als Sonderveröffentlichung 15 der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Kiel 1983. Im Jahr 2020 leicht gekürzt und von Klaus Kuhl kommentiert veröffentlicht in: IG Metall Bezirksleitung Küste (Hrsg.): Matrosenaufstand und Novemberrevolution 1918. Hamburg 2020, S. 96-115, ISBN 978-3-96488-063-5.&amp;lt;/ref&amp;gt; Unter den Nazis musste er das Land verlassen. Nach seiner Rückkehr aus den USA stellte er sich bereitwillig für Gespräche und Interviews zur Verfügung: Gespräche mit Volker Ullrich (1970 und 1972), Gespräch mit [[Dirk Dähnhardt]] (1975), Interviews vom WDR und NDR, Interview von Ute Kohrs (1976), Interview geführt von Klaus Kuhl (1978), Gespräch mit Bernd Michels für das „Sozialdemokrat Magazin“ (1978), Interview geführt von Christian Blöss (1978). Alle bisher bekannten Gespräche, Berichte und Interviews sind im Anhang des Mitschnitts des von Klaus Kuhl geführten Interviews („Streitgespräch mit einem 68er“) wiedergegeben (Link siehe unten). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszüge aus dem von Klaus Kuhl geführten Interview:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Am 28. Oktober 1918 erhielt die Hochseeflotte den Befehl zum Auslaufen. Die Matrosen nahmen gewiss zu recht an, dass die Flotte in einem letzten Verzweiflungskampf lieber untergehen sollte als in den Waffenstillstandsverhandlungen mit den Alliierten ausgeliefert zu werden. Die Heizer rissen die Feuer heraus und verhinderten so das Auslaufen der Schiffe. Abordnungen der Matrosen erklärten, sie seien bereit, die Küste gegen einen Angriff zu verteidigen, aber sich sinnlos einem sicheren Untergang preiszugeben, dazu seien sie nicht bereit. Cirka 800 Mann wurden festgenommen ....&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Popp merkte an, dass die Gefangenen nach Kiel gebracht worden seien. Nach den Recherchen Dähnhardts (Revolution in Kiel, 1978, S. 109) waren die vor Wilhelmshaven Verhafteten in eine Haftanstalt in Bremen-Oslebshausen gebracht worden und waren nach dem Matrosenaufstand von Kieler Matrosen befreit worden. Dabei stützt er sich auf Veröffentlichungen von Peter Kuckuk und Ulrich Kluge. Nach Kiel wurden die während der Fahrt durch den Nord-Ostsee-Kanal verhafteten 48 „Rädelsführer“ gebracht, sowie am Morgen des 3. November weitere 57 Verhaftete der „Markgraf“.&amp;lt;/ref&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Da den Matrosen [in Kiel] jede Versammlung verboten wurde, begannen sie zu demonstrieren. Um fünf Uhr nachmittags (am 3. November 1918) versammelten sich etwa zehntausend Matrosen und einige tausend Arbeiter, zogen zunächst zur &amp;quot;Waldwiese&amp;quot; und holten die dort Gefangenen heraus; wobei sich eine erhebliche Anzahl bewaffnete.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Der Zug bewegte sich dann zur Militärstrafanstalt in der Feldstraße. Marineinfanterie, die den Zug aufhalten sollte, weigerte sich. Jedoch an der Feldstraße gab es einen Zusammenstoß mit einer Gruppe, die als Applikanten und Maaten extra zusammengestellt war. Es gab acht Tote und zwanzig Verwundete.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Nach den Untersuchungen Dähnhardts gab es 7 Tote bei der Schießerei. Es waren keine Frauen und Kinder unter den Opfern. Eine Frau war kurze Zeit vorher im Verlauf des Demonstrationszuges unter eine Straßenbahn geraten und gestorben. Zwei verwundete Personen starben später. Damit kamen insgesamt 10 Personen im Rahmen der Ereignisse des 3. November ums Leben.&amp;lt;/ref&amp;gt; Doch die Bewegung war nicht mehr aufzuhalten. Immer mehr Einheiten schlossen sich der Bewegung an. Es wurden Soldatenräte gegründet.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In jeder Kaserne wurde extra Revolution gemacht, auf jedem Schiff extra. Auf einem Schiff haben sie mich geholt. Die kamen an, ich soll mit an Bord kommen. Wenn ich mir das heute so überlege, ich steige in so ein Boot, kommt der nächste Offizier und knallt dich über den Haufen. Ist ja toll, dass das damals nicht passiert ist. Sie müssen sich vorstellen, ich klettere nun an Bord, haben ein paar mich geholt, und dann sage ich zu dem Kommandanten, er soll alles antreten lassen, und der macht das! War auf der &amp;quot;Bayern&amp;quot;, war ein großes Schiff. Ich halte einen Speech, die ziehen die Rote Fahne hoch und damit hat sich das. (In einem anderen Interview bemerkte Popp dazu: ... ich habe hinterher noch mit dem Kommandanten gesprochen, der hatte selber die „Schnauze voll“).&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Kuhl: Der Noske ist doch gekommen, um die Revolution praktisch abzuwürgen. (Popp: Ja das ist ihm nicht gelungen.), aber wieso wird er dann in den Vorsitz des Soldatenrats gewählt?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Popp: Ja, wer war denn der Soldatenrat, die kannten einander ja kaum. Das waren doch keine von vornherein politisch ausgerichteten Leute. Ich habe dann noch den Fehler gemacht, da war ein Soldat dabei, den ich persönlich kannte. Den habe ich gerufen, den haben sie dann mitgewählt. Das war mit die grösste Dummheit, die es gab. das war ein schauerliches Mannsbild. Wir kannten einander ja kaum. Da war doch keine Rede davon. Ich weiß gar nicht, wie viele Soldatenräte es damals gab. Da in der Ecke wählten sie einen, da einen, da einen. Die richtigen Soldatenräte, das organisatorische, das gab’s doch erst, nachdem ich das organisiert hatte. Das waren doch wilde Geschichten. Kuhl: Haben Sie nicht versucht, zu verhindern, dass Noske gewählt wurde? Popp: Ja, warum denn? Ja, ich konnte doch die SPD nicht ausschalten! Hören Sie doch mal zu! Nun gehen Sie mal, wenn Sie einer sind, und die anderen sind zehn, wollen Sie die ausschalten die zehn? Wie machen Sie das? Kuhl: Man kann es doch auf alle Fälle versuchen. Popp: Nee, das ist ja putschen Menschenskind!&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum vollständigen Dokument mit allen weiteren bisher bekannten Aussagen im Anhang: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:kuhl_streitgespraech-m-l-popp_1978_plus-weitere-interv-u-gespraeche.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Karl Artelt ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Artelt and comrades Kiel-Wik 1914.jpg|200px|thumb|Karl Artelt, I. Werftdivision, links, (Ausschnittsvergrößerung rechts), gemeinsam mit Kameraden der I. Torpedo-Division in Kiel-Wik, September 1914]]&lt;br /&gt;
[[Karl Artelt]] (1890–1981) kam aus einem Dorf in der Nähe von Magdeburg. Er war Maschinenschlosser und diente zunächst in der I. Werft-Division und dann in der I. Torpedo-Division in Kiel Wik. Er war wie Popp Mitglied der USPD. Zusammen mit ihm schrieb er die o. g. Broschüre, wozu er hauptsächlich die Ereignisse in der Wik, sowie die erste Verhandlungsrunde beim Gouverneur beitrug. Er war ein ausgesprochen mutiger Mensch und hatte maßgeblich Anteil daran, dass die Marineangehörigen in der Wik die Offiziere entmachteten. Er wurde zum Vorsitzenden des ersten Soldatenrats in der Wik gewählt. Während Popp auch später in etwa bei den in ihrer Broschüre niedergelegten Darstellungen blieb, stellte Artelt die Ereignisse in der Folgezeit immer dramatischer und seine eigene Rolle als immer wichtiger dar. Im Jahr 1958 veröffentlichte er einen Artikel&amp;lt;ref&amp;gt;Karl Artelt: Mit der roten Fahne zum Vizeadmiral Souchon [Souchon war im August 1918 bereits zum Admiral befördert worden]. In: Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED: Vorwärts und nicht vergessen – Erlebnisberichte aktiver Teilnehmer der Novemberrevolution 1918/1919. Berlin 1958, S. 89–100.&amp;lt;/ref&amp;gt; in einem Sammelband mit Erlebnisberichten aktiver Teilnehmer der Novemberrevolution.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszüge:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Vor dem Kaiser-Cafe empfing uns plötzlich MG-Feuer.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Nach zeitnahen Berichten und Aktennotizen ist hier kein MG eingesetzt worden.&amp;lt;/ref&amp;gt; Unser Demonstrationszug stoppte. Als wir feststellten, daß niemand getroffen worden war, gingen wir weiter. Daraufhin schossen die MG-Schützen direkt in unseren Zug hinein. Vierzig bis fünfzig Demonstranten, darunter auch Frauen und Kinder, brachen unter den Kugeln zusammen. Acht von ihnen wurden getötet und 29 schwer verletzt.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Es gab sieben Tote und 29 Verletzte, darunter waren keine Frauen oder Kinder.&amp;lt;/ref&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Durch die Massen ging ein Schrei der Entrüstung und des Protestes. Nachdem die Mörder, die unter dem Kommando des Leutnants Steinhäuser standen, ... nicht bereit waren, das Feuer einzustellen, sprang ein Matrose ... vor und schlug den Leutnant Steinhäuser mit dem Gewehrkolben nieder. ...Junge Matrosen und Arbeiter stürmten die Stellung der Maschinengewehrschützen und schlugen sie in die Flucht.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Am anderen Morgen (4.11.1918, Klaus Kuhl) mußten alle Truppenteile in Kiel zum Appell antreten. ... Nach den üblichen Meldungen bestieg der Divisionskommandeur, Kapitän zur See Bartels, einen bereitgestellten Tisch und hielt eine Ansprache ... Er schilderte die gestrigen Vorkommnisse, sagte auch, dass die Luft mit Hochspannung geladen sei, dass aber ein Soldat sich nicht mit Politik zu befassen habe, da er von Politik nichts verstünde. Nachdem er den Tisch verlassen hatte, ... Kurz entschlossen sprang ich hinauf, hielt ebenfalls eine kurze Ansprache und forderte die Matrosen zur Wahl von Soldatenräten auf. Offiziere, die mich vom Tisch herunterzuschiessen versuchten, wurden von Matrosenfäusten rücksichtslos entwaffnet.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Auch hier handelt es sich um eine spätere Ausschmückung Artelts.&amp;lt;/ref&amp;gt; Anschliessend stürmten wir unsere Waffenkammern und wählten in allen Kompanien Soldatenräte. Ich wurde zum Vorsitzenden des Soldatenrates gewählt.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Nach kurzer Zeit erhielten wir die Meldung, dass ich sofort zum Gouverneur kommen möchte. Wir machten ein Auto klar, holten von einem Torpedoboot eine große rote Fahne, die größer als das Auto war, und bereiteten die Abfahrt vor. Als wir das Zimmer des Gouverneurs betraten, merkte ich, wie dieser sich förmlich zwingen mußte, mit uns zu unterhandeln. ... Er kam uns entgegen und sagte: &amp;quot;Ich danke Ihnen, dass sie die Courage aufgebracht haben, herzukommen.&amp;quot; Bevor wir in Verhandlungen mit ihm eintraten, fragte ich ihn, ob er uns als die von den Soldaten gewählten Vertrauensleute anerkenne und auf gleichberechtigter Basis mit uns verhandeln würde. Angesichts der realen Tatsachen antwortete er gezwungenermaßen mit &amp;quot;Ja&amp;quot;. Ich erklärte ihm nunmehr, dass wir zunächst die Fragen klären müßten, die in seinem Machtbereich liegen. Gleichzeitig warnte ich ihn jedoch .... Landtruppen gegen die revolutionären Matrosen einzusetzen. In diesem Falle hätte das III. Geschwader die Anweisung, das Offiziersvillenviertel Düsternbrook unter Feuer zu nehmen und alles in Schutt und Asche zu legen. ... gab er sofort in meiner Gegenwart die Erklärung ab, keine auswärtigen Truppen heranzuziehen und die schon auf dem Transport befindlichen ... zurückzuschicken. Außerdem teilte er uns noch mit, dass der Abgeordnete Noske und Staatssekretär Haußmann nach Kiel kommen würden, um mit uns weiter zu verhandeln.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Zur Frage warum Noske in Kiel relativ freie Hand erhielt, nahm Artelt in den 1960er Jahren auf Fragen von Angehörigen der Volksmarine wie folgt Stellung (nach Robert Rosentreter, &amp;quot;Blaujacken im Novembersturm&amp;quot;, Dietz Verlag, 1988, S. 250 f.): Karl Artelt hat auf diesbezügliche Fragen von Angehörigen der Volksmarine immer wieder betont, dass ihm und anderen Genossen die Rolle Noskes durch dessen Verhalten erst nach und nach bewußt geworden wäre. Artelt selbst und andere ... hätten zwar gewußt, dass Noske zu den rechten Kräften in der Partei gehörte, ihn aber doch immerhin als sozialistischen Parteifunktionär angesehen und gehofft, dass er in der Revolution eine den Arbeitern nützliche Politik machen würde, keineswegs hätte jemals jemand gedacht, dass er bereit sein könnte, auf Arbeiter schießen zu lassen ....&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gustav Garbe ===&lt;br /&gt;
[[Datei:gustav_garbe.jpg|150px|thumb|right|Foto Gustav Garbes aus dem Kieler Gewerkschaftshaus, aufgenommen vermutlich in den 1920er Jahren.]]&lt;br /&gt;
Der bekannte Kieler Gewerkschaftsfunktionär, Gustav Garbe (SPD, 1865–1935), wurde am 5. November 1918 zum Vorsitzenden des neu gebildeten Kieler Arbeiterrats gewählt. Er wurde zunächst als zögerlich wahrgenommen, weil er vergeblich die Marineangehörigen aufforderte mit der Bewegung noch „ein bis zwei Tage zu warten, da von den Werftarbeitern etwas ähnliches geplant sei.“ Er zeigte sich jedoch als tatkräftige Person und widersetzte sich mit Lothar Popp zusammen Gustav Noskes Vorstoß, den Aufstand abzubrechen. Der Schulterschluss zwischen Matrosen und Arbeitern wurde damit eindrucksvoll dokumentiert und es ist somit völlig berechtigt von einem Matrosen- und Arbeiteraufstand zu sprechen. Auf diesen Vorfall bezog sich Garbe, wenn er 1919 auf einer Konferenz der Metallarbeitergewerkschaft in Stuttgart sagte:&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Erst dadurch, dass die Soldaten und Arbeiter Hand in Hand gingen, erst dadurch, dass man sich seinerzeit, obgleich man den Haußmann und den Noske hat nach Kiel kommen lassen, wo wir sie damals eingewickelt haben, nicht hat beeinflussen lassen, erst dadurch ist es möglich geworden … &amp;lt;ref&amp;gt;Deutscher Metallarbeiter-Verband (Hrsg.): Protokoll der Konferenz der Bevollmächtigten des D.M.-V., abgehalten vom 16. bis 18. Juni 1919 im Saale des Stadtgartens in Stuttgart. Stuttgart 1919. Garbes Rede ist auf den Seiten 61. ff. wiedergegeben.&amp;lt;/ref&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Die im Folgenden angegebene PDF-Datei enthält Hinweise auf ausführliche Artikel über Garbe sowie eine kurze Biografie, Redebeiträge und schriftliche Zeugnisse Garbes: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Kuhl_gustav-garbe_2023.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mannschaftsangehörige Marine, untere Dienstgrade ==&lt;br /&gt;
=== Karl Bock ===&lt;br /&gt;
Karl&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Im SED-Parteiarchiv wird sein Vorname in zwei Fällen auch mit „C“ geschrieben. Dies basiert aber offensichtlich auf einem Übertragungsfehler.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bock (* 1896) kam aus Berlin und war Torpedoheizer bzw. Torpedomaschinist auf „Markgraf“. Er schrieb im November 1918 einen Brief an seine Schwester. Im Jahr 2024 wurde eine ausführliche Quellenanalyse vorgenommen, da von Seiten des Deutschen Historischen Museums (wo weitere Dokumente von Bock vorliegen) von einer Fälschung ausgegangen wurde. Die Analyse ergab jedoch, dass die Dokumente verschiedentlich überarbeitet worden waren, ohne dies in den SED-Archiv-Dokumenten kenntlich zu machen, dass aber keine Fälschung vorliegt. Die Analyse wird in dem unten verlinkten PDF-Dokument detailliert beschrieben. Im Jahr 1957 erstellte Bock außerdem einen schriftlichen Bericht über seine Erlebnisse auf Anforderung der SED.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszüge aus dem Brief an seine Schwester nach der vermuteten frühesten Abschrift:&lt;br /&gt;
:’’Jedenfalls war einstimmig beschlossen, daß wir nicht rausfahren und daß hatten wir durchgesetzt. Am anderen mittag fuhren wir nach Kiel, auf der Fahrt hatten wir die vollsten Beweise, daß doch etwas geplant war, also ist es doch in dieser Hinsicht gut gewesen, wer weiß ob ich heut noch lebte! So liegen wir im Kieler Hafen. Übrigens hatten wir noch eine Verfügung vom Flottenchef, die besagte, daß unsere Beunruhigung jeder Grundlage entbehre, (Wir haben Beweise). […] Heute haben sie nämlich in aller Heimlichkeit mindestens 60 Mann zu schweren Arrest verurteilt, in aller Heimlichkeit wie die schwersten Verbrecher an Land gebracht. Sodaß wir es erst zu spät wussten. Einige, die sich zu weit geäußert haben, sitzen in Untersuchung. Das wird ja nun nicht so vorübergehen, zweitens wird die Sache auch im Reichstag kommen. Jedenfalls kann man allerhand erwarten hier. Also wundere Dich nicht, wenn mir etwas gleichartiges passiert. Jedenfalls wir kämpfen für unser Leben, aber wollen es nicht einsetzen für Heldentod und gleichartiges. Die Zeiten sind vorbei, die Zeiten sind reif, zur Zertrümmerung von Götzenbildern, jetzt.’’&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den vollständigen Dokumenten, die auch die Diskussionen unter den Mannschaften und mit den Offizieren enthält, als das III. Geschwader nach Travemünde weiterfuhr und dort vor Anker ging, sowie einen Vergleich mit den Aussagen des Wachoffiziers Karl von Kunowski und des 1. Offiziers Wilfried von Loewenfeld (PDF): [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Bock-kunowski-loewenfeld_markgraf_1918.pdf].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wilhelm Kleineweber ===&lt;br /&gt;
Kleineweber (*1900) war Rekrut bei der I. Torpedo-Division in Kiel Wik. Er gehörte der Patrouille an, die unter Führung von Leutnant Steinhäuser am 3. November auf die Demonstranten schoss. Er war dann für viele Jahre bei der Polizei, lebte in Eckernförde und wurde als Polizeihauptmann pensioniert. Er gab der Eckernförder Zeitung 1969 ein Interview, ebenso dem NDR (vermutlich Ende der 1970er Jahre) und es fanden zwei Gespräche mit Dirk Dähnhardt statt (Mitte und Ende der 1970er Jahre).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszüge:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Und so marschierten wir in die Feldstraße und zwar bis zum langen Segen, ... Und da war eine Kette gezogen von Schutzleuten, Schutzleuten von der blauen Schutzmannschaft in Kiel. ... Wie der Zug nun kam, wurden die Schutzleute sofort blitzartig aufgerieben und die türmten in den Langen See hinein. Und dann ging der Leutnant Steinhäuser vor uns vorweg zu der Spitze des Zuges, das war ein unheimlich langer Zug gewesen, man sprach von 20.000 Mann. ... Und dann ging der Leutnant Steinhäuser vorweg und mahnte, sie sollten vorsichtig sein, sie sollten zurückgehen und sofort und so weiter und dann ist ein Schuss gefallen. Woher der Schuss gekommen ist, kann ich Ihnen nicht sagen, man hat einmal festgestellt, der Schuss soll von uns aus gekommen sein. Ich kann es nicht bestreiten, ich glaube es aber nicht. Ich glaube eher, dass er aus der Menge gekommen ist, die waren ja alle bewaffnet schon.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Nach der detaillierten Analyse der Vorgänge gab Steinhäuser Feuerbefehl, wobei die Rekruten fast alle in die Luft schossen. Nach nochmaligem Feuerbefehl schossen sie in Panik auf die erneut anstürmenden Demonstranten und flohen dann, wobei Steinhäuser allein zurückblieb. Ein Polizeimeister und der in der Nähe weilende Marineoffizier Karl Weiß kamen ihm zu Hilfe. Alle drei wurden schwer verletzt.&amp;lt;/ref&amp;gt; Jedenfalls wurden wir überrumpelt. Der Leutnant Steinhäuser kriegte, soweit ich das mitbekommen habe, einen mit dem Kolben über den Schädel und er wurde dann in dieses Lokal neben dem Stadtcafe hineingeschleppt und wir waren der Meinung, sie hätten ihn totgeschlagen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum vollständigen Dokument, mit den genannten Interviews und Berichten inklusive eines Kommentars von Klaus Kuhl: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:kleineweber_interviews_1960er-und-70er-jahre.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Alfred Schwabe ===&lt;br /&gt;
[[Datei: alfred-schwabe_1923.jpg|150px|thumb|Alfred Schwabe 1923, zur Verfügung gestellt von Gerd Kassner, der Alfred Schwabe noch persönlich gekannt hatte.]]&lt;br /&gt;
Alfred Schwabe (1892–1973) war U-Boot Fahrer und nahm im November 1918 an einem U-Bootslehrgang in der Uboot-Division in Kiel-Wik teil. Er wurde von Offizieren mit seinen Kameraden herangezogen, die Aufständischen in der Wik zu bekämpfen. Er verfasste darüber vermutlich in den 1950er/60er Jahren einen schriftlichen Bericht, wahrscheinlich auf Anforderung der SED. Er wurde jedoch nicht veröffentlicht oder archiviert und gelangte über die Familie Artelt (Schwabe hatte ihn Karl Artelt zur Verfügung gestellt) an Klaus Kuhl.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszüge:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Als ich mit Matrosen der grossen Schlachtschiffe, der Kreuzer und der immer in See stehenden Torpedoboote bekannt wurde, spürte ich dass dort ein anderer Wind wehte, als auf unserem U-Boot. Bei uns war des ganze Boot auf jeden Einzelnen angewiesen, von Offiziersdrill war nichts zu spüren. Aber das furchtbare Völkermorden hatten wir trotzdem satt, die Sehnsucht nach Frieden war vorherrschend. Als ich auf Urlaub kam, kannte ich meine Eltern kaum noch, so abgemagert und verbissen waren sie, und wir versenkten im Mittelmeer Schiffe und wieder Schiffe, gefüllt mit Lebensmitteln aus Amerika. ... Am Morgen ... erhielt unser Lehrgang, es waren gegen 40 Maate und 10 Obermatrosen, Pistolen und Munition ausgehändigt. Wir marschierten nach der Werftdivision Kiel - Wik. ... Wir marschierten diagonal über den Exerzierplatz. An der rechten Ecke am Hafen standen 150 - 200 Matrosen bei einer Versammlung. Wir wurden in die Turnhalle geführt. Ein junger Leutnant hatte das Kommando und hielt eine Ansprache. Heldentum und Treue zu den Offizieren, Kampf gegen die Meuterer war der Inhalt. ... Minuten war es kirchenstill. Plötzlich ein Gebrüll von weit her, aber es kam näher und näher. &amp;quot;Achtung, Ächtung! Pistolen laden und sichern!“ Im Flüsterton bei den Obermatrosen: &amp;quot;wir schiessen nicht, wir schiessen nicht“. Gegenzug rechts! Marsch! Zur Turnhalle hinaus!“ Wir Obermatrosen waren am Schluss des Zuges und somit den anstürmenden teils bewaffneten Matrosen am nächsten. Es waren die, welche die Versammlung auf dem Exerzierplatz durchführten. Etwa 10 mtr vor der Menge liefen 2 Matrosen und riefen uns zu: &amp;quot;Kameraden werft die Waffen weg oder kommt mit den Waffen zu uns, schiesst nicht auf Eure Kameraden. Nieder mit dem Krieg! Nieder mit den Kriegsphantasten!“ Achtung! Achtung! Feuer, brüllte unser Leutnant. Eine Anzahl Schüsse fielen, aber ich habe nicht gesehen, dass einer getroffen war. Ich war nicht einen Moment unschlüssig; schon zogen wir die anderen zu uns herüber bezw. hinüber. „Los rüber, Schiet op den Krieg! Ein Teil der Maate schloss sich an. Es fielen wieder Schüsse von unserem linken Flügel der Maate oder dem Leutnant; denn 2 übergelaufene Maate waren getroffen und wurden fortgetragen. Der Leutnant war aber plötzlich spurlos von der Bildfläche verschwunden und hat nie wieder in Kiel unseren Bug gekreuzt. Wir, der verstärkte Haufen, rannten nun in die Kasernenblocks, riefen den Matrosen unsere Parolen zu und forderten sie auf, uns zu folgen. Viele schlossen sich an, ein Teil verhielt sich passiv. Offiziere waren eigentlich wenig da und die anwesenden wurden teils mit Güte, teils mit Gewalt, abgetakelt, d. h. die Epauletten und die Kokarden abgemacht. Und so ging es etwa 15 Häuserblocks durch, der Haufen wurde immer grösser und grösser. Leider waren aber auch schon die Räuber am Werk; denn aus den Kleiderkammern und Magazinen stürzten gefüllte Seesäcke aus den oberen Etagen und wurden fortgeschleppt. Aber das liess uns z.Z. kalt. Wir stürmten weiter. Nachdem alle Kasernenbauten abgekämmt waren, eilten wir an die Hafenmole. Zwei Torpedoboote wurden durch Schüsse und Zurufe aufgefordert die rote Flagge zu hissen. Es waren die ersten Schiffe, welche in Kiel die rote Flagge am Mast hochzogen. Leider sind mir die Nummern entfallen. Viele Boote folgten; Pinassen fuhren mit roter Heckflagge zu den dicken Kasten und forderten sie auf sich uns anzuschliessen. Starkbesetzte Boote brachten immer mehr revolutionäre Truppen an Land. Mein Wohnschiff, der älteste Kasten der Marine SMS &amp;quot;Mars“ (Bordwände aus Holz) hatte 1866 gegen die Dänen mitgekämpft, setzte sich lange zur Wehr. 2 rote Matrosen mit weisser Parlamentärflagge wurden zum Verhandeln an Bord geschickt und erreichten, dass doch eindrucksvoll die Kriegsflagge gestrichen wurde und die rote Flagge am Mast hochging. Ein grosser Teil der Matrosen zog durch die Strassen von Kiel und es erfolgte eine systematische Entwaffnung der Offiziere. Das Abtackeln war manchen Matrosen eine wahre Wollust, konnten sie sich doch für Drill und Erniedrigungen rächen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum vollständigen übertragenen und kommentierten Dokument: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:schwabe_manuskript_1950-60.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Fritz Fischer ===&lt;br /&gt;
Fritz Fischer fuhr als Obermatrose auf Torpedobooten und Zerstörern. Er war verschiedentlich widersetzlich und überzog seinen Urlaub. Er erhielt deshalb Strafen und wurde zum Matrosen degradiert. Im Oktober 1918 gehörte er der I. Torpedo-Divison in Kiel-Wik an. Später wurde er ein bekannter Intendant und verfasste 1970 seine unveröffentlichten Memoiren. Darin widmet Fischer mehrere Seiten seiner Zeit in der Kaiserlichen Marine und seiner Rolle beim Kieler Matrosenaufstand. Er wurde mit Karl Artelt in den ersten Soldatenrat gewählt und gehörte auch der Delegation an, die vom Gouverneur Souchon ins Stationsgebäude gebeten wurde. Fischer nahm auch an den folgenden zwei Verhandlungen (an der dritten waren auch Noske und Haußmann beteiligt) am selben Tag teil.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auszüge aus den Memoiren:&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Und dann wie ich dort ankam, in Kiel, also wo waren Sie die ganze Zeit, sage ich, ich weiß es nicht. Also kam ich vor das Kriegsgericht und dieser Kriegsrichter ...... also ich kam dauernd zu Vernehmungen, wurde vorgeführt, und inzwischen gärte es natürlich schon bereits. Und eines Tages kam der Moment, … Also wir bekamen die Waffen ausgehändigt mit Munition, dann wurden sie uns wieder weggenommen. … wurde also von Mittags, wurde die ganze Werftdivision und [Torpedo-] Division zusammen auf dem Riesenplatz, den es ja heute noch gibt, zusammengetrommelt und der Kapitän Bartels hielt uns also eine Rede und sagte, was ist eigentlich los mit euch. Und so und so. Und alles fing an zu murren und wir … [gingen] auseinander. Daraufhin wollte er vier, zwei Leute von der Werftdivision und zwei Leute von der Torpedo-Division sprechen. Ich wurde von den Kameraden dazu abgeteilt. Der eine war ein Matrose Artelt und wir haben also gesagt, was wir wollten. Der A. sagte sofortige Abdankung vom Kaiser und ich sagte sofort die Gefängnisse auf, ja von allen Politischen. Währenddem … kam ein Telefunk-Gespräch und es wurde gesagt, wir sollten zum Gouverneur vorgeführt werden. Er wolle uns sprechen in Kiel. Auf einem kleinen Lastwagen fuhren wir also zum Gouverneur, saßen dem gegenüber am grünen Tisch und haben also unsere Anliegen vorgebracht. Der Kriegsgerichtsrat, der mich verhörte, der saß mir gegenüber. Dies sei nebenbei gesagt, es ist ein Stuttgarter gewesen, den ich später im Theater im Foyer getroffen habe.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Zum vollständigen Abschnitt über seine Erlebnisse während des Aufstands: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Fritz-fischer_memoiren-revzeit_1970.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Frederik Matzen, dänisch gesinnter Matrose ===&lt;br /&gt;
Matzen kam aus Gråsten/Gravenstein, das vor dem ersten Weltkrieg zum deutschen Kaiserreich gehörte. Er berichtet in zwei Artikeln des Jahrbuchs dänisch gesinnter ehemaliger Kriegsteilnehmer (DSK) 1963 und 1967 über seine Erlebnisse während des Matrosenaufstands in Kiel. Zu der Zeit erhielt er eine Ausbildung zum U-Bootfahrer und war auf der in der Wik liegenden SMS „Mars“ untergebracht. Seine Einheit wurde in die Stadt geführt, um den Aufstand niederzuschlagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszug aus seinen Berichten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wir wurden von einem Kapitänleutnant geführt. Meine Gruppe wurde von einem Leutnant geleitet, der während des Eilmarsches nach Kiel versuchte, unsere Gunst zu gewinnen, indem er uns auf Plattdeutsch ansprach. Wahrlich, das große Vaterland musste am Rande des Abgrunds stehen! Es war ein dunkler und trüber Regentag, als wir mit vielen anderen Truppenteilen auf dem Kasernenhof der Matrosendivision aufgestellt wurden. […] Der Kommandeur der Marinestation, […] kam mit seinem Stab auf den Platz. Der Admiral war ein kleiner, älterer Mann. Mein bleibender Eindruck von ihm war, dass er kurz davor war, von der großen, mit Gold überladenen Mütze, von den schweren Epauletten auf seinen Schultern und vom Ernst der Lage zu Boden gedrückt zu werden ... &#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den vollständige Artikeln in Deutsch und Dänisch, und weiteren Kiel betreffenden Artikeln aus den Jahrbüchern: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Matzen_DSK_aarbog_1963_1967.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Marine, mittlere Dienstgrade ==&lt;br /&gt;
=== Fritz Fabian ===&lt;br /&gt;
Fritz Fabian (geb. 1887) kam aus Oberschlesien und diente während des Ersten Weltkriegs als Unteroffizier auf SMS „Kronprinz Wilhelm“. In seinen Revolutionserinnerungen, verfasst vermutlich in den 1920er Jahren, beschreibt er die Ereignisse von Ende 1918 bis etwa 1920. Das Dokument wurde von einem Nachfahren in EUROPEANA eingestellt und von Klaus Kuhl transkribiert (ein Teil wurde auch von Axel Klekers transkribiert) und kommentiert. Der Schreiber hatte ein konservatives und nationalistisches Werteverständnis. Viele der berichteten Details halten einer Überprüfung nicht stand. Fabian versuchte – auch wenn er den Seeoffizieren (eher indirekt) mangelndes Durchgreifen vorwarf, ein positives Bild von ihnen zu zeichnen. In einer mehr nebensächlichen Anmerkung kommt jedoch ganz grundsätzliche Kritik zum Vorschein:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Bei dieser Gelegenheit [Überführung des III. Geschwaders nach Kiel ohne dass die Offiziere sich an der Schiffsführung beteiligen durften] mag wohl manchem jungen Offizier die Erkenntnis gekommen sein, daß es nicht allein nur tüchtige Offiziere, sondern auch hervorragend tüchtige U.O. [Unteroffiziere] gab, deren Tüchtigkeit und Fähigkeit aber nie in gerechter Weise eingeschätzt wurden. […] Wäre dieser Dünkel nicht vorhanden gewesen und wäre die Selbstüberhebung der jüngeren Offiziere nicht systematisch genährt worden, ich glaube, das Seeoffizierkorps und überhaupt die ganze Marine hätte sich vielleicht besser dabei gestanden. Ich erwähne das nur so nebenher.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum vollständigen übertragenen und kommentierten Dokument: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Fabian_revolutionserinnerungen_1924_kommentiert.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Paul Kässner, Oberdeckoffizier ===&lt;br /&gt;
Kässner (geb. vermutlich ca. 1880) schrieb 1932 die Geschichte der Deckoffizierbewegung (Selbstverlag Altona), weitgehend gestützt auf zeitnah verfasste Berichte. Seine Schilderungen zu wichtigen Ereignissen wurden bisher in der Geschichtsschreibung kaum berücksichtigt. Dies betrifft besonders: Bildung der Sicherheitstruppe des Soldatenrats, Aufbau der Eisernen Brigade/Division, die Februarunruhen 1919 in Kiel, die Ernennung von Volksoffizieren.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auszug bzgl. des Aufbaus der Eisernen Division (I. Marine-Brigade):&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In der Versammlung wurde natürlich auch die Führerfrage besprochen. Selbstverständlich war von der Regierung von vornherein zugestanden worden, daß diese Truppe selbst ihre Führer und ihr inneres Leben bestimmen könne. Aus der Versammlung heraus wurde allgemein zum Ausdruck gebracht: Wir wollen nicht daran denken, wie wir früher behandelt worden sind und deshalb sollen ruhig Offiziere alle oberen Stellen in der Truppe besetzen; aber es müssen Offiziere sein, die unser Vertrauen besitzen und die auch etwas vom Landkrieg verstehen. In diesem Sinne ließ Kamerad Alboldt noch am selben Abend die verschiedenen Offiziersgruppen und im besonderen die Seeoffiziere informieren und ihnen sagen, daß die Formation der Truppe am andern Vormittag in der Waldwiese erfolgen werde. Es mag hier gleich erwähnt werden, daß sich außer Kapitänleutnant v. Werner kein einziger Offizier dort einfand.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Analyse und Edition: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Kuhl_analyse-edition-kaessner-deckoffizierbewegung_2022.pdf PDF-Datei.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Louis Streichert ===&lt;br /&gt;
Louis Streichert (geb. 1890) diente im ersten Weltkrieg auf SMS &amp;quot;Straßburg&amp;quot; vermutlich als Unter- oder Deckoffizier. Er wurde im Jahr 1975 von Karl-Reinhard Titzek und Tilmann Weiherich interviewt.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auszüge:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Zum Beispiel habe ich meinen Eltern geschrieben, dass ich gerne fürs Vaterland sterben würde, und wir den Kaiser an Bord nehmen und mit der ganzen Flotte ruhmreich untergehen. Manchmal hat der einfache Heizer weiter gedacht als der Herr Admiral. Wir fuhren nicht raus und gaben die Minen in Cuxhaven wieder ab. Dann fuhren wir durch den Kanal in die Ostsee. Als wir nach Kiel kamen, sahen wir die ganze deutsche Flotte. […] Da sind wir ausgewichen nach Saßnitz (Rügen). Da wurde ein Telegramm an den Kaiser geschickt: „Wir halten treu zu unserem Kaiser, und wenn er es wünscht, nehmen wir ihn an Bord und fahren mit ihm irgendwohin ins Ausland.“ Der Kommandant stand da und weinte beinahe. Er sagte, dass der Kaiser sie alle aus ihrem Eid entbunden hätte. Er ging dann weinend weg. Da holten wir die Kriegsflagge nieder.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Das vollständige Interview mit einem Bericht des I. Offiziers über die Ereignisse im Anhang ist hier zugänglich: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Interview-streichert-brosch-weddigen-strassburg.pdf PDF-Datei.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Marineoffiziere ==&lt;br /&gt;
=== Admiral Bachmann, Admiral Souchon, Konteradmiral Küsel ===&lt;br /&gt;
Gustav Bachmann war bis zum 30. Oktober 1918 Gouverneur von Kiel und hatte damit die militärische und zivile Gewalt inne. Er wurde abgelöst von Wilhelm Souchon. Hans Küsel war Stabschef in der Marinestation in Kiel. Alle drei hinterließen schriftliche Aufzeichnungen über die Ereignisse. Insbesondere Küsel verfasste einen detaillierten Bericht, den er bereits 1919 begann und 1935 abschloss. In den Aufzeichnungen wird auch thematisiert, warum man das III. Geschwader in das „Pulverfass“ Kiel schickte. Dies trug entscheidend zur weiteren Eskalation bei, die schließlich zum Kieler Matrosen- und Arbeiteraufstand führte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Küsel schrieb u.&amp;amp;nbsp;a.:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Der Stationschef sieht sich in eine ungeheuer schwierige Lage […] versetzt, in der die Entscheidung ihm schon aus der Hand genommen ist. Es ist vollendete Tatsache, daß die Schiffe des III. Geschwaders, auf denen nach eigner Meldung des Geschwaderchefs [Kraft], Meutereien im größten Umfange vorgekommen sind, im Hafen von Kiel liegen. Beurlaubungen im größten Umfang haben von den Schiffen bereits stattgefunden. Admiral Souchon setzt Vizeadmiral Kraft die Lage in Kiel auseinander. Im Festungsbereich befinden sich über 100.000 Arbeiter, unter denen es gärt. Für den 5. oder 7. November wird ein Streik der Rüstungsarbeiter erwartet. […] Die Hauptgefahr sah Admiral Souchon ebenso wie ich darin, daß streikende Arbeiter und meuternde Soldaten sich zusammenfinden könnten.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Aus diesen Erwägungen heraus stellte Admiral Souchon erneut die Forderung an Vizeadmiral Kraft, Kiel sofort mit seinen Schiffen zu verlassen. Den Hafen sofort mit seinen Schiffen wieder zu verlassen erklärte sich jetzt Vizeadmiral Kraft außerstande. Von einer weitgehenden Beurlaubung erwarte er aber mit Zuversicht eine durchgreifende Beruhigung.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Berichte der Seeoffiziere werden in einer 2023 erschienen Veröffentlichung vorgestellt und analysiert: Klaus Kuhl: Gefangen in Überheblichkeit und Engstirnigkeit: Die führenden Seeoffiziere und der Matrosen- und Arbeiteraufstand in Kiel 1918. Die Berichte der Chefs der Marinestation und Gouverneure von Kiel, Admiral Gustav Bachmann und Admiral Wilhelm Souchon sowie ihres Stabschefs Konteradmiral Hans Küsel. Kiel 2023. Herausgegeben vom Verein Maritimes Viertel – Kultur am Kanal e.V. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Karl von Kunowski ===&lt;br /&gt;
Karl von Kunowski (1897–1991) war Fähnrich und Wachoffizier (WO) auf der „Markgraf“. Er schrieb seine Erlebnisse vermutlich noch 1918 auf. Später wohnte er in Flintbek bei Kiel und war Professor an der Kieler Universität. Er übergab sein Typoskript, das er betitelte: “Erinnerungen an: Die letzten Tage der Kaiserlichen Marine1918, beim III. Geschwader auf SMS Markgraf als wachhabender Offizier“, 1978 an [[Dirk Dähnhardt]], siehe Nachlass im [[Stadtarchiv]]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszüge:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Freitag, 8. Nov. 1918 [zu der Zeit befand sich das III. Geschwader vor Travemünde]: Morgenwache gegangen, aber nichts veranlaßt, die Routine wird noch eingehalten. Leute fragen WO, machen aber auch alles mögliche selbständig. Am Nachmittag gegen 4 Uhr wurde gepfiffen, alle Mann achter raus, auch Offiziere. ... Ein Maschinistenmaat sprach über den Soldaten- und Arbeiterrat, der sich über die ganze deutsche Küste erstrecken und die sogen. Radikalen d.&amp;amp;nbsp;h. geläuterten Sozialisten umfassen soll. Der Soldatenrat verfolgt zwei Ziele: 1. Die Abschaffung des preußischen Militarismus, 2. Die beschleunigte Einleitung von Friedensverhandlungen. Die jetzige Regierung könnte dieses nicht, sie ist bestochen. Die Männer der Regierung sind dazu nicht geeignet, denn wir wollen keinen Kapitalistenfrieden, sondern einen Arbeiter- und Soldatenfrieden.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Alle Macht liegt in den Händen des Sold.rates. ... Den Offizieren ist es freigestellt, auszusteigen oder achtern mit an Bord zu bleiben. Fahren oder sonst sich beteiligen sollen sie nicht.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Um neun Uhr abends findet in der Messe eine Sitzung statt. Kapitän Heizing sagt, daß es nach seiner Aussprache mit dem Kommandanten u. Admiral unbedingt nötig sei, an Bord zu bleiben, so schwer dieses auch fiele, und zwar um einmal in jedem Falle für die Sicherheit des Schiffes zu sorgen und ev. die Leitung zu übernehmen, sowie zweitens um bei Änderung der Verhältnisse entsprechend eingreifen zu können, z.&amp;amp;nbsp;B. bei Außerdienst Stellung der Flotte. Außerdem dankte voraussichtlich S.M. der Kaiser ab, so daß wir unseres Treueides entbunden würden.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Der Arb.-u.Sold.-rat befahl, daß sich die Offiziere an der Fahrt nach Kiel nicht beteiligen sollten, .... Markgraf führte das dritte Geschwader in Kiellinie 25 Sm. Der Steuermann wurde gewzungen[!], die Schiffsführung zu übernehmen auf Anweisung des Sold.-rats. Der Signalmeister mußte die Wache an Deck gehen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In die Offiziersmesse kommen zwei Unteroffiziere des Sold.-rates und verkündigen, daß jetzt alle Mahlzeiten ohne Unterschied für verschiedene Dienstgrade zubereitet werden. Außerdem teilen sie mit, daß die Offiziere sich bis morgen früh um 10 Uhr sich entscheiden sollen, ob sie zu dem Soldatenrat gehören wollen oder nicht. Im ersteren Fall soll der Dienst unter den bereits genannten vorläufigen Bedingungen im Einvernehmen mit dem Herrschenden Soldatenrat weitergehen. Werden dagegen die Forderungen des Sold.-rats nicht unterschrieben, sind sie frei, d.&amp;amp;nbsp;h. ihr Dienst ist dann quittiert.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vollständiges Dokument, das auch einen Vergleich mit den Aussagen des Besatzungsmitglieds Karl Bock (s.&amp;amp;nbsp;o.) und denen des 1. Offiziers Wilfried von Loewenfeld enthält: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Bock-kunowski-loewenfeld_markgraf_1918.pdf PDF-Datei.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kapitänleutnant Max Wittmer ===&lt;br /&gt;
Max Wittmer (*1884 in Kiel, +1979) war Torpedobootskommandant und im ersten Weltkrieg Lehrer an der Ingenieur und Deckoffizierschule in Kiel-Wik, später wurde er Handelsagent. Er wurde im Jahr 1975 von Karl-Reinhard Titzek und Tilmann Weiherich interviewt. Drei Jahre später wurde er von Dirk Dähnhardt befragt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszüge:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Im Eilmarsch zog er mit seiner Patrouille dem Demonstrationszug hinterher. Bevor er die Kreuzung Karl-, Brunswickerstr. erreicht hatte, hörte er Schüsse. Ein großes Durcheinander erblickte er am Ort des Geschehens. Da seine Leute überrannt zu werden drohten, ließ er Warnschüsse abfeuern. Als auch diese keine Wirkung zeigten, ließ er auf die Beine zielen. Das sei der schwerste Befehl seines Lebens gewesen, berichtete Herr Wittmer. Nach den Schüssen war aber die Straße wie leergefegt. Nur einige Frauen schimpften auf die Männer, was für Feiglinge sie seien. Noch einmal ließ Herr Wittmer einen Warnschuß feuern, dann endlich herrschte Ruhe.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Anmerkung Kuhl: Eine genauere Analyse ergab, dass Wittmer wohl hauptsächlich die Erlebnisse anderer Offiziere wiedergibt. In einigen Fällen offenbaren die archivierten Berichte anderer Offiziere und die Lazarettlisten einen wahren Kern in Wittmers Schilderungen. Insofern gibt es gewisse gegenseitige Bestätigungen, die immerhin ein wenig zur Erhellung der Vorgänge beitragen. Insbesondere könnte am 3. November 1918 abends tatsächlich eine nachrückende Einheit der Deckoffizierschule auf die Füße und Beine der Demonstranten geschossen haben, um diese auseinanderzutreiben.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den vollständigen übertragenen und kommentierten Dokumenten einschließlich einer Quellenanalyse: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Wittmer_interviews_1975-78_analyse.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Heeressoldaten ==&lt;br /&gt;
=== Jonny Pump ===&lt;br /&gt;
[[Datei:jonny-pump_1980.jpg|150px|thumb|Jonny Pump 1980 in seiner Kieler Wohnung. Foto: Kuhl.]]&lt;br /&gt;
Jonny Pump sollte als Rekrut von Schleswig aus gegen den Matrosenaufstand in Kiel eingesetzt werden. Er war deutsch-national eingestellt und unterstützte 1920 mit den Zeitfreiwilligen den Kapp-Putsch in Kiel. Später führte er einen Elektroladen. Er wurde 1978 und 1987 von Klaus Kuhl (und teilweise Peter Cornils) interviewt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszug:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ich persönlich jedenfalls war damals in Schleswig, in Schloss Gottorf. Erst bei unserem Abmarsch aus Schleswig wurde uns gesagt, dass in Kiel ein Aufstand sei. Und nun sollten wir, woll&#039;n mal sagen da als ... ... den Aufstand (niederwerfen). Wir konnten uns auch nicht vorstellen, ob das nun Arbeiter sind oder Soldaten sind, wussten wir ja nicht. Wir sind losgefahren, verladen und haben Munition und Gewehre empfangen. Und wenn das nun tatsächlich hart auf hart gekommen wäre, dann wäre das ja so gekommen, wir hätten ein Kommando gekriegt: &amp;quot;Ausschwärmen!&amp;quot; und müssen schießen auf unsere eigenen Leute. ... kamen wir mit dem Zug nicht mehr in Kiel rein. Der Bahnhof war besetzt von Matrosen – soweit ich gehört habe – und die hielten den Zug an, so bei der Lübecker Chaussee. Jedenfalls kamen Verschiedene nicht wieder. Aber das waren ältere Soldaten. Ob die nun orientiert waren? [Nikolaus Andersen beschreibt in seinem Tagebuch, wie Soldaten des Schleswiger Infanterieregiments im Bahnhof ankamen und sich dort mit den Aufständischen verbrüderten; siehe unten.]  Wir waren ja meistens junge Rekruten. Die Ausbilder waren alte verwundete Frontsoldaten. Die scheinen mehr gewusst zu haben. Jedenfalls waren Verschiedene, die gar nicht wieder mit zurückfuhren. Wir kamen nicht raus. Wir konnten natürlich aus dem Zug aussteigen, aber was wollten wir machen. Es wurde nicht irgendwie kommandiert &amp;quot;Sammeln!&amp;quot; und &amp;quot;Marschieren!&amp;quot; oder so, das wurde nicht getan. Der Zug fuhr wieder zurück. Wir sind nachts wieder in Schleswig angekommen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den vollständigen Interviews: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:kuhl_interviews-j-pump_1978-1987.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Heeresoffiziere ==&lt;br /&gt;
Als die Lage in Kiel sich zuspitzte, forderte die Marineführung in Kiel Infanterie von außerhalb an. Am 4. November 1918 erschienen verschiedene Einheiten in Kiel. Dabei liegen von den folgenden führend beteiligten Heeresoffizieren schriftliche Zeugnisse vor.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Adalbert von Falk, kommandierender General des stellvertretenden Generalkommandos des IX. Armee-Korps in Altona ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Adalbert von Falk circa 1915.jpg|150px|thumb|Adalbert von Falk, nach März 1915]]&lt;br /&gt;
Der Gouverneur und Chef der Marinestation der Ostsee in Kiel, Admiral Wilhelm Souchon forderte am 3. November abends bei dem benachbarten Armeekorpsbezirk Infanterie an. Nach den Schüssen auf die Demonstranten und der Auflösung der Demonstration wurde dies zunächst zurückgenommen, am frühen Morgen des nächsten Tages aber erneuert. v. Falk berichtete darüber in einem Brief vom 12. November 1936 an den damaligen Hauptmann Erich Trowitz (Major a. D.).&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auszug:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ich selbst war seit dem Sonntag, den 3. November, an dessen Abend mich der Hilfeschrei des ratlosen Gouvernements Kiel in Altona erreichte, hier unabkömmlich; im Versuch zusammenzuraffen, was noch an Truppenbrocken im Korpsbezirk und dessen Nachbarschaft zu sammeln war; im Dauerverkehr mit dem Kriegsministerium; mobile Truppen (1 Korps) heischend, um damit die Aufrührer zu Paaren zu treiben. Der schnelle Entschluss – vom Kriegsministerium [Scheüch] genehmigt – der verheissenen Truppe entgegen zu eilen, blieb ohne Erfolg. Die Ereignisse waren schneller als ich.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Bundesarchiv BArch RM 8/1025 Bl. 53.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Der hier zugängliche Artikel von Klaus Kuhl enthält u.&amp;amp;nbsp;a. eine Einordnung, Diskussion und Einschätzung des Briefs: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Kuhl_einschaetzung-e-h-schmidt-u-quellenkritik-trowitz_2017.pdf PDF-Datei.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Hauptmann Erich Trowitz ===&lt;br /&gt;
Bei der ersten Infanterieanforderung aus Kiel am 3. November 1918 abends beauftragte das Kommando des IX. Armeekorps in Altona den Generalleutnant Harry von Wright in Lübeck, Kommandeur der stellvertretenden 81. Infanterie-Brigade, mit den zu treffenden Maßnahmen. Dieser wiederum bestimmte den Hauptmann Erich Trowitz vom (Ersatz) Infanterie-Regiment 163 in Neumünster zum Befehlshaber der aufgebotenen Einheiten aus Neumünster, Schleswig und Lübeck. Die Anforderung wurde kurz darauf zurückgenommen, aber am nächsten Tag erneuert. Diesmal war zusätzlich eine Einheit (ca. 180 Mann) aus Rendsburg dabei, die Kiel bereits am späten Vormittag erreichte und in die Wik geschickt wurde, weil sich dort die Ereignisse zuspitzten. Bei allen anderen Einheiten kam es zu Verzögerungen, die wohl in erster Linie v. Wright zu verantworten hatte, weil dieser sich auf Inspektionsreise begeben hatte. Trowitz erreichte Kiel erst um 15 Uhr, als die Marineführung aufgrund der nicht erwarteten schnellen Ausbreitung des Aufstands bereits mit den Aufständischen unterhandeln musste und einen Schusswaffeneinsatz nunmehr untersagte. Die anderen Einheiten kamen erst abends an; insgesamt handelte es sich um ca. 1200 Mann. Trowitz fuhr in der Nacht wieder zurück nach Neumünster, allerdings ohne die von ihm zum Schutz der Station abgestellte Gruppe unter von Treyden. Von diesen waren Teile vermutlich übergelaufen. Trowitz schweigt sich in seinem späteren Bericht darüber aus.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Im Jahr 1935 verfasste er (inzwischen Major a.&amp;amp;nbsp;D.) diesen für die Zeitschrift &amp;quot;Bundeszeitung der Vereinigungen ehemaliger 163er&amp;quot;,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt; Das Reichskriegsministerium in Berlin verlangte die Zurückziehung und Vernichtung der Ausgabe &amp;quot;da [Trowitz&#039; Artikel] geeignet ist, anstelle der heute angestrebten vertrauensvollen Einheit der Nation Gegensätze in der Wehrmacht hervorzurufen.&amp;quot; Falls er dieser Aufforderung nicht zufriedenstellend nachkomme, würde die Geheime Staatspolizei mit der Beschlagnahme beauftragt. Bundesarchiv BArch RM 8/1025 Bl. 22.&amp;lt;/ref&amp;gt; in dem er seine Erlebnisse schilderte.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auszug: &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ich habe das unerschütterliche Bewusstsein, daß es auch mit den zur Verfügung stehenden Kräften ohne Mühe gelungen wäre am 4. November 1918 die Meuterei in Kiel zu unterdrücken, nicht zum wenigsten aus dem Grunde, weil die Matrosen nur aus gemeiner Feigheit sich zu ihrem verbrecherischen Treiben hatten verleiten lassen.&amp;lt;ref&amp;gt;Erich Trowitz: Revolution in Kiel – E./163. In: Bundeszeitung der Vereinigungen ehemaliger 163er, Nr. 11 1936. Bundesarchiv BArch RM 8/1025 fol. 32-36.&amp;lt;/ref&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Die Demonstranten in Kiel hatten trotz mehrmaligem Schusswaffeneinsatzes der Patrouille diese in die Flucht geschlagen; sicherlich kein Zeichen von Feigheit. Auch weitere von Trowitz angeführte Gründe können nicht überzeugen. Siehe dazu den Artikel von Klaus Kuhl, der eine ausführliche Vorstellung, Diskussion und Einschätzung von Trowitz’ Arbeit enthält: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Kuhl_einschaetzung-e-h-schmidt-u-quellenkritik-trowitz_2017.pdf PDF-Datei.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ArbeiterInnen ==&lt;br /&gt;
Neben den in diesem Abschnitt vorgestellten Zeitzeugenberichten, werden weitere auf den folgenden Personenseiten präsentiert: Oskar Dietrich, Otto Eggerstedt, [[Ernst Busch]], Reinhold Jung, Karl Rickers, … (in Bearbeitung).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gertrud Völcker ===&lt;br /&gt;
[[Datei:gertrud-voelcker_1950.jpg|150px|thumb|Gertrud Völcker 1950, Foto StAK/Nafzger.]]&lt;br /&gt;
[[Gertrud Völcker]] (1896–1979) war damals Angestellte im Arbeiter-Sekretariat der Freien Gewerkschaften in Kiel. Sie war seit 1915 Mitglied der Sozialistischen Arbeiterjugend. Später wurde sie Vorsitzende der Arbeiter Wohlfahrt (AWO) in Schleswig-Holstein. Im Jahr 1975 gab sie Karl-Reinhard Titzek und Tilmann Weiherich ein Interview, und vermutlich im selben Jahr wurde sich auch von Ute Kohrs interviewt. Dabei gewährte sie auch Einblick in ihr Tagebuch und es wurden Abschriften vorgenommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszüge:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die USPD hatte ganz bedeutende Führer – die SPD auch – aber die (USPD) waren konsequenter. Ich bin nie USPD gewesen. Die waren – wenn man heute zurückdenkt – haben sie doch sehr viel recht gehabt. Man hätte sich in Verhandlungen anders verhalten müssen. Aber es ist ja leicht gesagt: Im Augenblick musste gehandelt werden und das Gebot der Rettung des Vaterlandes stand im Vordergrund. Das war das Leitmotiv der Sozialdemokraten. Und die USPD, der Lothar [Popp] war USPD-Mann, das waren gute Männer, das waren keine Radauleute.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Es war eine mutige Tat von ordentlichen Deutschen, die das Land nicht in einer noch größeren Krise haben wollten. Es waren ruhige Leute, es waren außerordentlich nette, bewusste und kluge Leute, die nachgedacht hatten. So seh ich die Jungens heute. Es war eine mutige Tat, die Zivilcourage erforderte, eine Revolte, keine Meuterei, und auch keine Revolution.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum vollständigen Dokument mit den Interviews, Auszügen aus ihrem Tagebuch und einer kurzen Biografie: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Voelcker_interviews_1970er_tagebuch.pdf PDF].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Julius Bredenbeck ===&lt;br /&gt;
[[Datei:julius-bredenbeck_1989.jpg|150px|thumb|Julius Bredenbeck 1989, Video-Standbild: Gerdes/Kuhl.]]&lt;br /&gt;
[[Julius Bredenbeck]] (1907–1990) war damals Mitglied der Arbeiterjugend. Später wurde er ein bekannter Gewerkschafter und Sozialdemokrat sowie persönlicher Referent von Lauritz Lauritzen, der u.&amp;amp;nbsp;a. verschiedene Ministerposten bekleidete. Er wurde 1983 und 1989 von Klaus Kuhl interviewt. Das erste Interview wurde per Tonbandgerät, das zweite per Video von Kay Gerdes aufgezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszüge:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Allgemein darf man wohl sagen, es war eine Stimmung, die der Verzweiflung sehr nahe war. Man spürte das Ende des Krieges. Man wusste aber nicht aus noch ein, und es gab nun verschiedene Gruppen. In einzelnen Betrieben gab es schon Arbeiterräte, die sich selbst gebildet hatten, ohne Rechtsgrundlage, einfach aufgrund der Stärke der Organisation. Die zum Teil also auch mit sehr großem revolutionärem Pathos an die Arbeit gingen. In anderen Betrieben waren auch Arbeiterräte, die aber mehr daran interessiert waren, notwendige Dinge, Schwierigkeiten in der Versorgung mit Lebensmitteln usw. weitgehend mit zu steuern. Man kann nicht sagen, dass es eine einheitliche Stimmung gab. Das wurde anders als damals die Matrosen Befehlsverweigerung machten. Das führte ja denn zum Zusammenbruch. Da war eine allgemeine Solidarität in der gesamte Kieler Arbeiterschaft feststellbar: in den größeren Betrieben wurde zunächst die Arbeit niedergelegt. Es wurde sich solidarisiert. Die Arbeiter- und die Soldatenräte fanden sich zu Sitzungen zu Gesprächen zusammen im Gewerkschaftshaus.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den vollständigen Interviews: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Kuhl_interviews-bredenbeck_1983-1989.pdf PDF-Datei.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Martha Riedl (geb. Ehlers) ===&lt;br /&gt;
[[Datei:martha-riedl_1990.jpg|150px|thumb|Martha Riedl 1990 in ihrer Kieler Wohnung. Foto: Kuhl.]]&lt;br /&gt;
Martha Riedl (1903–1992) war in den Jahren um 1918 Mitglied der Arbeiterjugend und besuchte die öffentliche Handelsschule. Von 1946 bis 1948 war sie Mitglied der Kieler Ratsversammlung für die SPD. Sie wurde 1990 zweimal, sowie ein weiteres Mal 1991 von Klaus Kuhl interviewt. Das erste Interview wurde per Tonband aufgezeichnet, das zweite Interview fand an den entsprechenden Orten statt und wurde von Kay Gerdes per Video aufgenommen. Das letzte Interview wurde von Klaus Kuhl selbst per Video aufgezeichnet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszüge:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Bei allen Sachen: man ging ins Gewerkschaftshaus, da traf man sich. Und ich ging ins Gewerkschaftshaus. Damals wohnte Eggerstedt im Nebenhaus und den traf ich. Der sagte: Wo kommst du denn her! Ich sagte: Ist Vater hier? Hast du Vater gesehen? Vater ist hier, es ist alles in Ordnung. Und dann sagt er: Bleib man hier, wir können dich gebrauchen. Du weißt ja wo der Peerstall ist? Ich sage: Ja. Der war früher in der Langen Reihe, so ungefähr Höhe Muhls Hotel, war eine Gastwirtschaft. Tatsächlich Peerstall hieß es, weil die Pferde da ausgespannt wurden und die da ins Restaurant, in die Kneipe gingen. Ja, sagt er, denn bringen wir dich dahin, zu dem und dem, kennst du den? Ja kenne ich. Ja denn ist gut, denn kommst nachher wieder, wir können dich gut gebrauchen. In der Zwischenzeit kam aber alles von der Werft rein, rüber, alles was einen Dampfer zu fassen kriegte, war auf dem Dampfer, die fuhren einfach hin und her. Da war kein Fahrplan mehr. Und die Marine kam von der Wik, Düsternbrook runter. Und die Marine, die strebten nach dem Bahnhof, die wollten nach Hause.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den vollständigen Interviews: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Kuhl_interviews-riedl_1990-1991.pdf PDF-Datei.]&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Karl Edler ===&lt;br /&gt;
Karl Edler war Mitglied des Arbeiterrats in Kiel und später Stadtverordneter der SPD. Im Namen der Gewerkschaften stiftete er, zusammen mit Eduard Wolke (SPD) 1920 den zentralen Findling auf dem Kieler Eichhof-Friedhof mit der Aufschrift &amp;quot;Ruhestätte der Opfer der Revolution&amp;quot;. Edler erstattete am 26. November 1918 in Berlin auf einer Sitzung des Vollzugsrats einen Bericht über die Vorgänge in Kiel.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auszüge:&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Der wichtigste Punkt war bei uns das Ernährungswesen. Wir haben aber auch diese Frage zur vollsten Zufriedenheit der ganzen Bevölkerung bei uns gelöst. Auch die Zivilpersonen stellten sich hierbei hindernd in den Weg. Durch unsere Macht haben wir sie aber gezwungen, uns nachzugeben. Wir waren durch die entgegengesetzte Tätigkeit von Zivilpersonen in die Enge getrieben, daß wir tagelang keine Lebensmittel bekamen und vor allen Dingen die Milch für die Kinder fehlte. Die Lebensmittel lagen in Plön und Eckernförde, und Kiel bekam nichts. Schließlich hatten wir unseren Fuhrpark so in Bewegung gebracht, daß wir uns Milch und anderes durch Autos herbeiholten, und so bekommen wir jetzt ausreichend Lebensmittel heran.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Zum kommentierten Protokollauszug: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Edler_bericht-in-berlin-26-nov-1918.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Otto Preßler ===&lt;br /&gt;
[[Datei:otto-pressler_1979.jpg|150px|thumb|right|Otto Preßler 1979 in seiner Wohnung in Kiel-Mettenhof während des Interviews. Foto: K. Kuhl.]]&lt;br /&gt;
Der Metallfacharbeiter Otto Preßler (1895–1981) war SPD- und Gewerkschaftsmitglied. Von 1915 bis Kriegsende musste er in Russland und später an der Westfront als Waffenmeister kämpfen. Er kam über Braunschweig am 10. Dezember 1918 nach Kiel zurück. Er gehörte zu den Gründungsmitgliedern der KPD in Kiel und wurde später Vorsitzender. Weil er sich der linksradikalen Entwicklung der KPD widersetzte, wurde er 1929 ausgeschlossen und trat der KPD-Opposition (KPD-O) bei. Nach 1945 wurde er erneut Vorsitzender der KPD in Kiel. Er wurde zum Bevollmächtigten der IG Metall gewählt. Im Jahr 1946 wurde er in den Rat der Stadt Kiel gewählt und war Mitglied der beiden ersten ernannten schleswig-holsteinischen Landtage. 1968 wurde er Mitglied der DKP. Er wurde 1979 von Klaus Kuhl zu seiner Rolle und seinen Einschätzungen der Entwicklung in den ersten Revolutionsmonaten 1918/1919 interviewt.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auszüge bezüglich der Februarunruhen 1919 in Kiel (so genannter Spartakusaufstand):&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ja, das war dann im Februar 1919. Da war Bremen Räterepublik und dann kamen die Nachrichten, Noske will die Räterepublik beseitigen und die Division Gerstenberger von Berlin wird in Bewegung gesetzt. Da haben wir … aufgerufen zur öffentlichen Versammlung, um die Bremer Arbeiterschaft in der Verteidigung ihrer Räterepublik zu unterstützen. Und diese Versammlung war in der „Concordia“ an der Lübecker Chaussee; das war so ein Tanzlokal, brechend voll. … Der Plan war, und das wurde auch nach der Versammlung … in der Besprechung gesagt, Aktionen hier in Kiel zu organisieren, um Truppen hier an Kiel zu fesseln, die nicht nach Bremen konnten.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Mit einer Kolonne sind wir rausgefahren, …  und haben auf der Levensauer Hochbrücke die zwei Maschinengewehre weggeholt. Da waren dann die „Noskiten“, die da Wache hielten. Die sagten: “Wir sind auch nicht für Noske. Nehmt’se man mit.“ … Dann haben wir noch einen Lastwagen angehalten von Eckernförde, wir wollten doch die Maschinengewehre nicht reinschleppen. Und der Fahrer der war ganz verlegen …, da lagen unter der Persenning so geschlachtete Kühe oder was. Wir haben uns nachher nicht mehr um das Fleisch gekümmert, Hauptsache, dass wir die Maschinengewehre nach Kiel rein kriegten. Vorher habe ich sie noch ausprobiert an der Böschung bei der Eisenbahn. Die sagten: „Otto, du kannst doch hier neet scheeten.“ Ich sage: „Ich muss erst mal sehen, ob sie auch funktionieren.“ … [in der] Schule in der Legienstraße gegenüber vom Gewerkschaftshaus wurden die postiert.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Und ich weiß noch ganz genau, dass wir mit einer kleinen Truppe in der Kommandantur, Marinestation Ostsee, da sind wir hin und haben da zwei Admiräle – weiß der Teufel mit den Streifen – gefangen gesetzt; eingeschlossen, die Waffen weggenommen. Wir haben gesagt: “Da bleibt ihr erstmal drin!“ Das waren alles Feldsoldaten, die hatten alle noch so ein bisschen „Rosch“. Und denn auf einmal … kamen welche angelaufen, wir sollten die Kommandantur aufgeben. … Da war die Knallerei da schon im Gange an der Kaserne, und dann sollten wir dorthin. … Und dann wurde diese militärische Organisation der Deckoffiziere eingesetzt, dann ging die Schießerei los. Der Fritz Schulz da, der hat auf dem Bauch gelegen unter den Toten, auf der Treppe. … Und dann wurde gefeuert aus allen Rohren. Mit Maschinengewehren kamen die Brüder an und knatterten dazu. Da war ein Haufen Tote.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Insgesamt kamen bei dieser Aktion sechs der KPD nahe stehende Männer ums Leben, von denen fünf auf der Revolutionsanlage auf dem Eichhof beerdigt wurden, das sechste Opfer wurde nach Lichtenberg überführt; vgl. Klaus Kuhl: Opfer von Matrosen-/Arbeiteraufstand 1918, Februarereignissen 1919 und Kapp-Putsch 1920. Kiel 2021. Online zugänglich (aufgerufen am 18. Juni 2022) unter: [http://www.kurkuhl.de/docs/liste_opfer.pdf].&amp;lt;/ref&amp;gt; Wir haben uns, um nicht noch das letzte runter schießen zu lassen, zurückgezogen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;All so’n Krom hebt wi mokt, damals. Aber es war doch so, dass eben die große organisierte Masse der Kieler Arbeiter nicht dabei war. … Das ging ja alles so impulsiv und spontan, hier und dort sammelten sich die Gruppen und machten das. Da war keine Zusammenfassung.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Zum vollständigen Interview: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Kuhl_interview-pressler-novrev_1979.pdf PDF-Datei.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mittelschicht ==&lt;br /&gt;
=== Tagebuch des Ingenieurs Nikolaus Andersen ===&lt;br /&gt;
[[Datei:nikolaus-andersen_undatiert.jpg|150px|thumb|Andersen als junger Mann. Foto: Familienbesitz.]]&lt;br /&gt;
Der Tagebuchschreiber Nicolaus oder Nikolaus Andersen war Beamter des &amp;quot;Bureaus M.K. der Fried. Krupp A.–G., Germaniawerft&amp;quot;. Er war dort hauptsächlich mit dem Ändern technischer Zeichnungen befasst. Die Eltern des Schreibers besaßen damals einen Hof in Rinkenis (heute Rinkenæs, Dänemark), welches 1918 zum Deutschen Reich gehörte. Das in deutscher Schrift verfasste Tagebuch wurde 1980 von Karl Altewolf auf einem Flohmarkt entdeckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszug aus dem Eintrag vom 4. November 1918:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Mittags 3 Uhr waren etwa 200 Mann Infanterie aus Neumünster mit Masch.Gewehr am Bahnhof eingetroffen, sie hielten um 6 [18] Uhr die Eingänge besetzt. Um 9 [21] Uhr waren die Matrosen Herren des Bahnhofes. Die Soldaten aus Neumünster sind jedenfalls abgezogen. Später kommen plötzlich nach lauten Hurrahs die Infant. Rgmt. Nr. 84 [aus Schleswig, siehe auch oben den Bericht von Jonny Pump, der dieser Einheit angehörte] einzeln ohne Waffen aus dem Bahnhof und machten mit den Matrosen gemeinsame Sache. Sie lieferten Gewehre, Munition und Maschinengewehre an die Marine ab. Große Verbrüderung und Hochs auf die Infanterie. Feldgraue Helme wurden weggeworfen, Mützen aufgesetzt und Klamauk gemacht. Später gegen 11 Uhr … Unheimliches Gedränge vor dem Nordportal u. Begeisterung. Hunderte Infanteristen zwischen tausenden Arbeitern, Marines, Zivilisten und – Mädchen und Jungs. Wildes durcheinander befehlen und Klamauk. Alle Marine ist nach und nach bewaffnet.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Um 1 Uhr nach Hause, denn es war kalt. Kaum im Bett, erhebt sich ein mörderliches Schießen. Ich raus. Am Bahnhof menschenleer. Man schießt (angeblich aus dem Hansa-Hotel und zwar von Offizieren) auf die Soldaten. Das Hotel wird erheblich beschossen, desgl. mehre Häuser am Sophienblatt, so Uhrmacher Blunck u. Ecke Lerchenstraße gegenüber auch noch. Als es ruhig, gehe ich durch den Tunnel südl. am Bahnhof entlang. Ein Lastauto kommt Ringstr. u. wird mächtig beschossen von allen Seiten. Leider sind Matrosen die Insassen. Als das Schießen eingestellt ist, findet man einen Obermaat mit Beinschuß und einen Matrosen mit Brustschuß.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Auszüge und Hintergrundinformationen: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Andersen_tagebuch-auszuege_1917-1919.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
Das vollständige Tagebuch mit einer Textanalyse wurde im Peter Lang Verlag veröffentlicht: Klaus Kuhl: Kiel und die Revolution von 1918. Das Tagebuch eines Werftingenieurs, verfasst in den Jahren 1917-1919. Edition und Textanalyse. Berlin 2018 (Kieler Werkstücke Bd. 51). ISBN 978-3-631-75857-1.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Erh. Müller, Beamter einer Kieler Werft ===&lt;br /&gt;
Im Kieler Stadtarchiv ist ein Brief von Erh. Müller, Beamter (damals synonym für Angestellter) einer Kieler Werft an Dora in Zeilitzheim (Ortsteil der Gemeinde Kolitzheim im südlichen Landkreis Schweinfurt in Unterfranken). Zu beiden Personen liegen leider keine weiteren Informationen vor. Müller beschreibt eigene Erlebnisse während der Revolutionszeit.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auszüge:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Diese ersten Schüsse [am Sonntag, 3. November 1918 abends] hörte ich von der Jungmannstraße her deutlich, wie ich auf dem Wege zu Güttlers war. 10 Minuten später wollte ich auch zum Tatplatz eilen, fand aber sämtliche Straßen militärisch besetzt.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Am Montagabend saß ich gerade beim Abendbrot, als ich vom [[Wilhelmplatz|Wilhelmsplatze]] her einen tosenden Lärm vernahm. Ich eilte sofort hin um zu sehen, was es gab, und fand den großen Platz gedrängt voll von Matrosen die dort unter Mitführung von roten Fahnen, die Befreiung von 80 Meuterern feierten und Ansprachen hielten, die meistens in Lärm untergingen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Zum vollständigen Dokument: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Mueller_brief-an-dora_1919.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Auszug aus dem Tagebuch einer 18-jährigen Kielerin ===&lt;br /&gt;
Im Stadtarchiv Kiel liegt ein Tagebuchauszug vor, der von einem vermuteten Nachfahren aus Hamburg zur Verfügung gestellt wurde. Zu den Personen liegen leider keine weiteren Informationen vor. Die 18-jährige beschreibt ihre Erlebnisse während der Revolutionszeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Dann kam die Nacht von Montag auf Dienstag. Da war es schrecklich. Dauernd wurde geschossen. Viele Menschen haben wohl kaum geschlafen. Der darauf folgende Tag war noch ebenso schlimm. Besonders nachmittags wurde unheimlich viel geschossen. Das heisst, das lag zum Teil daran, dass die Leute alte französische Gewehre hatten, die keine Sicherung haben und sehr leicht, oft sogar bei der geringsten Berührung von selbst losgehen. Ausserdem macht es wohl vielen jungen Matrosen Spass, recht viel zu knallen, Löcher in die Luft zu schiessen und die Menschen bange zu machen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum vollständigen Dokument: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Tagebuch_18-jaehrige-kielerin_1918.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Überregionale Persönlichkeiten ==&lt;br /&gt;
===Gustav Noske ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Noske gustav before 1918.png|150px|thumb|right|Gustav Noske vor 1918.]]&lt;br /&gt;
Gustav Noske (1868–1946) war ein bekannter SPD-Reichstagsabgeordneter, der sich auf Militärfragen spezialisiert hatte. Er wurde am 4. November 1918 zusammen mit dem Regierungsmitglied Conrad Haußmann nach Kiel geschickt, um die Lage unter Kontrolle zu bringen. Noske schrieb nach dem Kapp-Putsch 1920 seine Erinnerungen an diese Zeit in dem Buch „Von Kiel bis Kapp“ nieder.&amp;lt;ref&amp;gt;Gustav Noske: Von Kiel bis Kapp. Zur Geschichte der deutschen Revolution. Berlin 1920. Online zugänglich (aufgerufen am 31. Juli 2022) unter: [https://portal.dnb.de/bookviewer/view/1131562372#page/n6/mode/1up].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auszüge (S. 23 f.):&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Als mittags die Vertrauensleute der verschiedenen Formationen sich im Saal der Station einfanden, um mit mir die Lage zu besprechen, […] musste der Versuch gemacht werden, sobald wie möglich wieder zu einem ordnungsmäßigen Zustand zurückzugelangen. Ich schilderte den Leuten die Sachlage, so wie sie mir erschien und besprach […] den entsetzlichen Zustand, in dem sich unser Volk […] befinde und leitete dann […] dazu über, unter welchen etwaigen Voraussetzungen der Kieler Meuterei, die ich persönlich aufs schärfste verurteilte, ein Ende zu machen sei. Daß politische Reformen, für die man sich erhoben habe, erfüllt würden, sei selbstverständlich. Über eine Amnestie werde die Regierung mit sich reden lassen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Meine Darlegungen machten auf die Leute sichtlich tiefen Eindruck. Artelt, der dazwischen fahren wollte, erhielt von mir einen Dämpfer. Die Reichstagsabgeordneten Hoff und Dr. Struwe, […] haben mir später wiederholt versichert, daß sie niemals eindrucksvollere Darlegungen gehört hätten. Eine Diskussion ließ ich nicht zu, sondern riet den Leuten, mit ihren Kameraden das Gehörte durchzusprechen und dann die Schlußfolgerung in einer großen Vertrauensmännerversammlung zu ziehen, die gegen Abend stattfinden sollte. &#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In der Versammlung im Schloßhof am späten Nachmittag […] es waren an tausend Mann anwesend. […] Redner wurden mitten in ihren Ausführungen […] unterbrochen und [es] redete ein anderer [...] drauf los. [...] Nach ein paar Stunden bekam ein beträchtlicher Teil die Sache satt und ging davon. Schließlich wurde die Versammlung ohne Resultat geschlossen. &#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Zeitnahe Berichte in der SPD-Zeitung und von Lothar Popp zeichnen jedoch ein anderes Bild. Popp schreibt: „ […] gab Abgeordneter Noske die Bedingungen der Regierung [für den Abbruch des Aufstands] bekannt. […] Noske gab zu bedenken, dass die Bewegung zwar in Kiel gesiegt habe, dass aber, da sie isoliert sei, ihr doch große Gefahren drohen, […] Der Vorsitzende des Arbeiterrats Garbe [SPD] und ich führten aus, dass wir doch noch Zeit haben zu warten […] Nicht die Regierung hat Bedingungen zu stellen, sondern wir. Es wurde dann einstimmig beschlossen, das Angebot abzulehnen. Es wurde dann der Antrag gestellt, da anscheinend Haase oder Dr. Cohn verhindert würden, nach hier zu kommen, einen anderen Vertreter der Unabhängigen [Popp] an die Seite Noskes [dem vorläufigem Vorsitzenden der Soldatenräte] zu stellen, um die Parität zu wahren. Dem wurde zugestimmt und die Wahl vollzogen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Popp/Arterlt, Ursprung, S. III-25.&amp;lt;/ref&amp;gt; Am folgenden Tag hatte Popp die Soldatenräte neu organisiert. Es wurde der Oberste Soldatenrat gebildet, zu dessen Vorsitzenden Popp gewählt wurde. Noske ersetzte den Gouverneur Admiral Souchon.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references group=&amp;quot;A&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:1911-1920]] [[Kategorie:Erster Weltkrieg]] [[Kategorie:Kieler Arbeiter- und Matrosenaufstand]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Klaus Kuhl</name></author>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Klaus Kuhl: Klaus Kuhl lud eine neue Version von Datei:Fabian revolutionserinnerungen 1924 kommentiert.pdf hoch&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
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		<author><name>Klaus Kuhl</name></author>
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		<author><name>Klaus Kuhl</name></author>
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&lt;div&gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Klaus Kuhl</name></author>
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		<id>https://kiel-wiki.de/index.php?title=Zeitzeugen_Matrosen%E2%80%93_und_Arbeiteraufstand_1918/1919&amp;diff=62330</id>
		<title>Zeitzeugen Matrosen– und Arbeiteraufstand 1918/1919</title>
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		<updated>2024-05-21T12:49:12Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Klaus Kuhl: /* Mittelschicht */Tagebuchauszug 18-jährige Kielerin&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Die folgende Zusammenstellung basiert auf der Sammlung von Klaus Kuhl und wird in nächster Zeit von ihm von seiner Webseite kurkuhl.de hierher übertragen. Dabei werden Ergänzungen vorgenommen und die Interviews, Manuskripte, Auszüge aus der Literatur etc. werden übersichtlicher präsentiert.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Stand 26. Januar 2022 wurden neun Berichte/Interviews von insgesamt 37 übertragen. Die anderen Zeitzeugnisse werden in den nächsten Wochen übertragen, aber können nach wie vor unter [http://www.kurkuhl.de/de/novrev/zeitzeugen.html] angesehen werden.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anführer des Aufstands ==&lt;br /&gt;
=== Lothar Popp ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Lothar popp mid-1920s.jpg|thumb|Passfoto Lothar Popps aus dem [[Hamburger Staatsarchiv]], aufgenommen vermutlich Mitte der 1920er Jahre.]] &lt;br /&gt;
[[Lothar Popp]] (1887–1980) war als Schlosser dienstverpflichtet auf der Germania-Werft. Er schrieb seine Erlebnisse zusammen mit Karl Artelt bereits im Dezember 1918 auf.&amp;lt;ref&amp;gt;Lothar Popp unter Mitarbeit von Karl Artelt: &#039;&#039;Ursprung und Entwicklung der November-Revolution 1918. Wie die deutsche Republik entstand.&#039;&#039; Behrens, Kiel 1919, Reprint als Sonderveröffentlichung 15 der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Kiel 1983. Im Jahr 2020 leicht gekürzt und von Klaus Kuhl kommentiert veröffentlicht in: IG Metall Bezirksleitung Küste (Hrsg.): Matrosenaufstand und Novemberrevolution 1918. Hamburg 2020, S. 96-115, ISBN 978-3-96488-063-5.&amp;lt;/ref&amp;gt; Unter den Nazis musste er das Land verlassen. Nach seiner Rückkehr aus den USA stellte er sich bereitwillig für Gespräche und Interviews zur Verfügung: Gespräche mit Volker Ullrich (1970 und 1972), Gespräch mit [[Dirk Dähnhardt]] (1975), Interviews vom WDR und NDR, Interview von Ute Kohrs (1976), Interview geführt von Klaus Kuhl (1978), Gespräch mit Bernd Michels für das „Sozialdemokrat Magazin“ (1978), Interview geführt von Christian Blöss (1978). Alle bisher bekannten Gespräche, Berichte und Interviews sind im Anhang des Mitschnitts des von Klaus Kuhl geführten Interviews („Streitgespräch mit einem 68er“) wiedergegeben (Link siehe unten). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszüge aus dem von Klaus Kuhl geführten Interview:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Am 28. Oktober 1918 erhielt die Hochseeflotte den Befehl zum Auslaufen. Die Matrosen nahmen gewiss zu recht an, dass die Flotte in einem letzten Verzweiflungskampf lieber untergehen sollte als in den Waffenstillstandsverhandlungen mit den Alliierten ausgeliefert zu werden. Die Heizer rissen die Feuer heraus und verhinderten so das Auslaufen der Schiffe. Abordnungen der Matrosen erklärten, sie seien bereit, die Küste gegen einen Angriff zu verteidigen, aber sich sinnlos einem sicheren Untergang preiszugeben, dazu seien sie nicht bereit. Cirka 800 Mann wurden festgenommen ....&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Popp merkte an, dass die Gefangenen nach Kiel gebracht worden seien. Nach den Recherchen Dähnhardts (Revolution in Kiel, 1978, S. 109) waren die vor Wilhelmshaven Verhafteten in eine Haftanstalt in Bremen-Oslebshausen gebracht worden und waren nach dem Matrosenaufstand von Kieler Matrosen befreit worden. Dabei stützt er sich auf Veröffentlichungen von Peter Kuckuk und Ulrich Kluge. Nach Kiel wurden die während der Fahrt durch den Nord-Ostsee-Kanal verhafteten 48 „Rädelsführer“ gebracht, sowie am Morgen des 3. November weitere 57 Verhaftete der „Markgraf“.&amp;lt;/ref&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Da den Matrosen [in Kiel] jede Versammlung verboten wurde, begannen sie zu demonstrieren. Um fünf Uhr nachmittags (am 3. November 1918) versammelten sich etwa zehntausend Matrosen und einige tausend Arbeiter, zogen zunächst zur &amp;quot;Waldwiese&amp;quot; und holten die dort Gefangenen heraus; wobei sich eine erhebliche Anzahl bewaffnete.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Der Zug bewegte sich dann zur Militärstrafanstalt in der Feldstraße. Marineinfanterie, die den Zug aufhalten sollte, weigerte sich. Jedoch an der Feldstraße gab es einen Zusammenstoß mit einer Gruppe, die als Applikanten und Maaten extra zusammengestellt war. Es gab acht Tote und zwanzig Verwundete.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Nach den Untersuchungen Dähnhardts gab es 7 Tote bei der Schießerei. Es waren keine Frauen und Kinder unter den Opfern. Eine Frau war kurze Zeit vorher im Verlauf des Demonstrationszuges unter eine Straßenbahn geraten und gestorben. Zwei verwundete Personen starben später. Damit kamen insgesamt 10 Personen im Rahmen der Ereignisse des 3. November ums Leben.&amp;lt;/ref&amp;gt; Doch die Bewegung war nicht mehr aufzuhalten. Immer mehr Einheiten schlossen sich der Bewegung an. Es wurden Soldatenräte gegründet.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In jeder Kaserne wurde extra Revolution gemacht, auf jedem Schiff extra. Auf einem Schiff haben sie mich geholt. Die kamen an, ich soll mit an Bord kommen. Wenn ich mir das heute so überlege, ich steige in so ein Boot, kommt der nächste Offizier und knallt dich über den Haufen. Ist ja toll, dass das damals nicht passiert ist. Sie müssen sich vorstellen, ich klettere nun an Bord, haben ein paar mich geholt, und dann sage ich zu dem Kommandanten, er soll alles antreten lassen, und der macht das! War auf der &amp;quot;Bayern&amp;quot;, war ein großes Schiff. Ich halte einen Speech, die ziehen die Rote Fahne hoch und damit hat sich das. (In einem anderen Interview bemerkte Popp dazu: ... ich habe hinterher noch mit dem Kommandanten gesprochen, der hatte selber die „Schnauze voll“).&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Kuhl: Der Noske ist doch gekommen, um die Revolution praktisch abzuwürgen. (Popp: Ja das ist ihm nicht gelungen.), aber wieso wird er dann in den Vorsitz des Soldatenrats gewählt?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Popp: Ja, wer war denn der Soldatenrat, die kannten einander ja kaum. Das waren doch keine von vornherein politisch ausgerichteten Leute. Ich habe dann noch den Fehler gemacht, da war ein Soldat dabei, den ich persönlich kannte. Den habe ich gerufen, den haben sie dann mitgewählt. Das war mit die grösste Dummheit, die es gab. das war ein schauerliches Mannsbild. Wir kannten einander ja kaum. Da war doch keine Rede davon. Ich weiß gar nicht, wie viele Soldatenräte es damals gab. Da in der Ecke wählten sie einen, da einen, da einen. Die richtigen Soldatenräte, das organisatorische, das gab’s doch erst, nachdem ich das organisiert hatte. Das waren doch wilde Geschichten. Kuhl: Haben Sie nicht versucht, zu verhindern, dass Noske gewählt wurde? Popp: Ja, warum denn? Ja, ich konnte doch die SPD nicht ausschalten! Hören Sie doch mal zu! Nun gehen Sie mal, wenn Sie einer sind, und die anderen sind zehn, wollen Sie die ausschalten die zehn? Wie machen Sie das? Kuhl: Man kann es doch auf alle Fälle versuchen. Popp: Nee, das ist ja putschen Menschenskind!&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum vollständigen Dokument mit allen weiteren bisher bekannten Aussagen im Anhang: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:kuhl_streitgespraech-m-l-popp_1978_plus-weitere-interv-u-gespraeche.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Karl Artelt ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Artelt and comrades Kiel-Wik 1914.jpg|200px|thumb|Karl Artelt, I. Werftdivision, links, (Ausschnittsvergrößerung rechts), gemeinsam mit Kameraden der I. Torpedo-Division in Kiel-Wik, September 1914]]&lt;br /&gt;
[[Karl Artelt]] (1890–1981) kam aus einem Dorf in der Nähe von Magdeburg. Er war Maschinenschlosser und diente zunächst in der I. Werft-Division und dann in der I. Torpedo-Division in Kiel Wik. Er war wie Popp Mitglied der USPD. Zusammen mit ihm schrieb er die o. g. Broschüre, wozu er hauptsächlich die Ereignisse in der Wik, sowie die erste Verhandlungsrunde beim Gouverneur beitrug. Er war ein ausgesprochen mutiger Mensch und hatte maßgeblich Anteil daran, dass die Marineangehörigen in der Wik die Offiziere entmachteten. Er wurde zum Vorsitzenden des ersten Soldatenrats in der Wik gewählt. Während Popp auch später in etwa bei den in ihrer Broschüre niedergelegten Darstellungen blieb, stellte Artelt die Ereignisse in der Folgezeit immer dramatischer und seine eigene Rolle als immer wichtiger dar. Im Jahr 1958 veröffentlichte er einen Artikel&amp;lt;ref&amp;gt;Karl Artelt: Mit der roten Fahne zum Vizeadmiral Souchon [Souchon war im August 1918 bereits zum Admiral befördert worden]. In: Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED: Vorwärts und nicht vergessen – Erlebnisberichte aktiver Teilnehmer der Novemberrevolution 1918/1919. Berlin 1958, S. 89–100.&amp;lt;/ref&amp;gt; in einem Sammelband mit Erlebnisberichten aktiver Teilnehmer der Novemberrevolution.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszüge:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Vor dem Kaiser-Cafe empfing uns plötzlich MG-Feuer.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Nach zeitnahen Berichten und Aktennotizen ist hier kein MG eingesetzt worden.&amp;lt;/ref&amp;gt; Unser Demonstrationszug stoppte. Als wir feststellten, daß niemand getroffen worden war, gingen wir weiter. Daraufhin schossen die MG-Schützen direkt in unseren Zug hinein. Vierzig bis fünfzig Demonstranten, darunter auch Frauen und Kinder, brachen unter den Kugeln zusammen. Acht von ihnen wurden getötet und 29 schwer verletzt.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Es gab sieben Tote und 29 Verletzte, darunter waren keine Frauen oder Kinder.&amp;lt;/ref&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Durch die Massen ging ein Schrei der Entrüstung und des Protestes. Nachdem die Mörder, die unter dem Kommando des Leutnants Steinhäuser standen, ... nicht bereit waren, das Feuer einzustellen, sprang ein Matrose ... vor und schlug den Leutnant Steinhäuser mit dem Gewehrkolben nieder. ...Junge Matrosen und Arbeiter stürmten die Stellung der Maschinengewehrschützen und schlugen sie in die Flucht.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Am anderen Morgen (4.11.1918, Klaus Kuhl) mußten alle Truppenteile in Kiel zum Appell antreten. ... Nach den üblichen Meldungen bestieg der Divisionskommandeur, Kapitän zur See Bartels, einen bereitgestellten Tisch und hielt eine Ansprache ... Er schilderte die gestrigen Vorkommnisse, sagte auch, dass die Luft mit Hochspannung geladen sei, dass aber ein Soldat sich nicht mit Politik zu befassen habe, da er von Politik nichts verstünde. Nachdem er den Tisch verlassen hatte, ... Kurz entschlossen sprang ich hinauf, hielt ebenfalls eine kurze Ansprache und forderte die Matrosen zur Wahl von Soldatenräten auf. Offiziere, die mich vom Tisch herunterzuschiessen versuchten, wurden von Matrosenfäusten rücksichtslos entwaffnet.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Auch hier handelt es sich um eine spätere Ausschmückung Artelts.&amp;lt;/ref&amp;gt; Anschliessend stürmten wir unsere Waffenkammern und wählten in allen Kompanien Soldatenräte. Ich wurde zum Vorsitzenden des Soldatenrates gewählt.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Nach kurzer Zeit erhielten wir die Meldung, dass ich sofort zum Gouverneur kommen möchte. Wir machten ein Auto klar, holten von einem Torpedoboot eine große rote Fahne, die größer als das Auto war, und bereiteten die Abfahrt vor. Als wir das Zimmer des Gouverneurs betraten, merkte ich, wie dieser sich förmlich zwingen mußte, mit uns zu unterhandeln. ... Er kam uns entgegen und sagte: &amp;quot;Ich danke Ihnen, dass sie die Courage aufgebracht haben, herzukommen.&amp;quot; Bevor wir in Verhandlungen mit ihm eintraten, fragte ich ihn, ob er uns als die von den Soldaten gewählten Vertrauensleute anerkenne und auf gleichberechtigter Basis mit uns verhandeln würde. Angesichts der realen Tatsachen antwortete er gezwungenermaßen mit &amp;quot;Ja&amp;quot;. Ich erklärte ihm nunmehr, dass wir zunächst die Fragen klären müßten, die in seinem Machtbereich liegen. Gleichzeitig warnte ich ihn jedoch .... Landtruppen gegen die revolutionären Matrosen einzusetzen. In diesem Falle hätte das III. Geschwader die Anweisung, das Offiziersvillenviertel Düsternbrook unter Feuer zu nehmen und alles in Schutt und Asche zu legen. ... gab er sofort in meiner Gegenwart die Erklärung ab, keine auswärtigen Truppen heranzuziehen und die schon auf dem Transport befindlichen ... zurückzuschicken. Außerdem teilte er uns noch mit, dass der Abgeordnete Noske und Staatssekretär Haußmann nach Kiel kommen würden, um mit uns weiter zu verhandeln.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Zur Frage warum Noske in Kiel relativ freie Hand erhielt, nahm Artelt in den 1960er Jahren auf Fragen von Angehörigen der Volksmarine wie folgt Stellung (nach Robert Rosentreter, &amp;quot;Blaujacken im Novembersturm&amp;quot;, Dietz Verlag, 1988, S. 250 f.): Karl Artelt hat auf diesbezügliche Fragen von Angehörigen der Volksmarine immer wieder betont, dass ihm und anderen Genossen die Rolle Noskes durch dessen Verhalten erst nach und nach bewußt geworden wäre. Artelt selbst und andere ... hätten zwar gewußt, dass Noske zu den rechten Kräften in der Partei gehörte, ihn aber doch immerhin als sozialistischen Parteifunktionär angesehen und gehofft, dass er in der Revolution eine den Arbeitern nützliche Politik machen würde, keineswegs hätte jemals jemand gedacht, dass er bereit sein könnte, auf Arbeiter schießen zu lassen ....&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gustav Garbe ===&lt;br /&gt;
[[Datei:gustav_garbe.jpg|150px|thumb|right|Foto Gustav Garbes aus dem Kieler Gewerkschaftshaus, aufgenommen vermutlich in den 1920er Jahren.]]&lt;br /&gt;
Der bekannte Kieler Gewerkschaftsfunktionär, Gustav Garbe (SPD, 1865–1935), wurde am 5. November 1918 zum Vorsitzenden des neu gebildeten Kieler Arbeiterrats gewählt. Er wurde zunächst als zögerlich wahrgenommen, weil er vergeblich die Marineangehörigen aufforderte mit der Bewegung noch „ein bis zwei Tage zu warten, da von den Werftarbeitern etwas ähnliches geplant sei.“ Er zeigte sich jedoch als tatkräftige Person und widersetzte sich mit Lothar Popp zusammen Gustav Noskes Vorstoß, den Aufstand abzubrechen. Der Schulterschluss zwischen Matrosen und Arbeitern wurde damit eindrucksvoll dokumentiert und es ist somit völlig berechtigt von einem Matrosen- und Arbeiteraufstand zu sprechen. Auf diesen Vorfall bezog sich Garbe, wenn er 1919 auf einer Konferenz der Metallarbeitergewerkschaft in Stuttgart sagte:&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Erst dadurch, dass die Soldaten und Arbeiter Hand in Hand gingen, erst dadurch, dass man sich seinerzeit, obgleich man den Haußmann und den Noske hat nach Kiel kommen lassen, wo wir sie damals eingewickelt haben, nicht hat beeinflussen lassen, erst dadurch ist es möglich geworden … &amp;lt;ref&amp;gt;Deutscher Metallarbeiter-Verband (Hrsg.): Protokoll der Konferenz der Bevollmächtigten des D.M.-V., abgehalten vom 16. bis 18. Juni 1919 im Saale des Stadtgartens in Stuttgart. Stuttgart 1919. Garbes Rede ist auf den Seiten 61. ff. wiedergegeben.&amp;lt;/ref&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Die im Folgenden angegebene PDF-Datei enthält Hinweise auf ausführliche Artikel über Garbe sowie eine kurze Biografie, Redebeiträge und schriftliche Zeugnisse Garbes: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Kuhl_gustav-garbe_2023.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mannschaftsangehörige Marine, untere Dienstgrade ==&lt;br /&gt;
=== Karl Bock ===&lt;br /&gt;
Karl&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Im SED-Parteiarchiv wird sein Vorname in zwei Fällen auch mit „C“ geschrieben. Dies basiert aber offensichtlich auf einem Übertragungsfehler.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bock (* 1896) kam aus Berlin und war Torpedoheizer bzw. Torpedomaschinist auf „Markgraf“. Er schrieb im November 1918 einen Brief an seine Schwester. Im Jahr 2024 wurde eine ausführliche Quellenanalyse vorgenommen, da von Seiten des Deutschen Historischen Museums (wo weitere Dokumente von Bock vorliegen) von einer Fälschung ausgegangen wurde. Die Analyse ergab jedoch, dass die Dokumente verschiedentlich überarbeitet worden waren, ohne dies in den SED-Archiv-Dokumenten kenntlich zu machen, dass aber keine Fälschung vorliegt. Die Analyse wird in dem unten verlinkten PDF-Dokument detailliert beschrieben. Im Jahr 1957 erstellte Bock außerdem einen schriftlichen Bericht über seine Erlebnisse auf Anforderung der SED.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszüge aus dem Brief an seine Schwester nach der vermuteten frühesten Abschrift:&lt;br /&gt;
:’’Jedenfalls war einstimmig beschlossen, daß wir nicht rausfahren und daß hatten wir durchgesetzt. Am anderen mittag fuhren wir nach Kiel, auf der Fahrt hatten wir die vollsten Beweise, daß doch etwas geplant war, also ist es doch in dieser Hinsicht gut gewesen, wer weiß ob ich heut noch lebte! So liegen wir im Kieler Hafen. Übrigens hatten wir noch eine Verfügung vom Flottenchef, die besagte, daß unsere Beunruhigung jeder Grundlage entbehre, (Wir haben Beweise). […] Heute haben sie nämlich in aller Heimlichkeit mindestens 60 Mann zu schweren Arrest verurteilt, in aller Heimlichkeit wie die schwersten Verbrecher an Land gebracht. Sodaß wir es erst zu spät wussten. Einige, die sich zu weit geäußert haben, sitzen in Untersuchung. Das wird ja nun nicht so vorübergehen, zweitens wird die Sache auch im Reichstag kommen. Jedenfalls kann man allerhand erwarten hier. Also wundere Dich nicht, wenn mir etwas gleichartiges passiert. Jedenfalls wir kämpfen für unser Leben, aber wollen es nicht einsetzen für Heldentod und gleichartiges. Die Zeiten sind vorbei, die Zeiten sind reif, zur Zertrümmerung von Götzenbildern, jetzt.’’&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den vollständigen Dokumenten, die auch die Diskussionen unter den Mannschaften und mit den Offizieren enthält, als das III. Geschwader nach Travemünde weiterfuhr und dort vor Anker ging, sowie einen Vergleich mit den Aussagen des Wachoffiziers Karl von Kunowski und des 1. Offiziers Wilfried von Loewenfeld (PDF): [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Bock-kunowski-loewenfeld_markgraf_1918.pdf].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wilhelm Kleineweber ===&lt;br /&gt;
Kleineweber (*1900) war Rekrut bei der I. Torpedo-Division in Kiel Wik. Er gehörte der Patrouille an, die unter Führung von Leutnant Steinhäuser am 3. November auf die Demonstranten schoss. Er war dann für viele Jahre bei der Polizei, lebte in Eckernförde und wurde als Polizeihauptmann pensioniert. Er gab der Eckernförder Zeitung 1969 ein Interview, ebenso dem NDR (vermutlich Ende der 1970er Jahre) und es fanden zwei Gespräche mit Dirk Dähnhardt statt (Mitte und Ende der 1970er Jahre).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszüge:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Und so marschierten wir in die Feldstraße und zwar bis zum langen Segen, ... Und da war eine Kette gezogen von Schutzleuten, Schutzleuten von der blauen Schutzmannschaft in Kiel. ... Wie der Zug nun kam, wurden die Schutzleute sofort blitzartig aufgerieben und die türmten in den Langen See hinein. Und dann ging der Leutnant Steinhäuser vor uns vorweg zu der Spitze des Zuges, das war ein unheimlich langer Zug gewesen, man sprach von 20.000 Mann. ... Und dann ging der Leutnant Steinhäuser vorweg und mahnte, sie sollten vorsichtig sein, sie sollten zurückgehen und sofort und so weiter und dann ist ein Schuss gefallen. Woher der Schuss gekommen ist, kann ich Ihnen nicht sagen, man hat einmal festgestellt, der Schuss soll von uns aus gekommen sein. Ich kann es nicht bestreiten, ich glaube es aber nicht. Ich glaube eher, dass er aus der Menge gekommen ist, die waren ja alle bewaffnet schon.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Nach der detaillierten Analyse der Vorgänge gab Steinhäuser Feuerbefehl, wobei die Rekruten fast alle in die Luft schossen. Nach nochmaligem Feuerbefehl schossen sie in Panik auf die erneut anstürmenden Demonstranten und flohen dann, wobei Steinhäuser allein zurückblieb. Ein Polizeimeister und der in der Nähe weilende Marineoffizier Karl Weiß kamen ihm zu Hilfe. Alle drei wurden schwer verletzt.&amp;lt;/ref&amp;gt; Jedenfalls wurden wir überrumpelt. Der Leutnant Steinhäuser kriegte, soweit ich das mitbekommen habe, einen mit dem Kolben über den Schädel und er wurde dann in dieses Lokal neben dem Stadtcafe hineingeschleppt und wir waren der Meinung, sie hätten ihn totgeschlagen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum vollständigen Dokument, mit den genannten Interviews und Berichten inklusive eines Kommentars von Klaus Kuhl: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:kleineweber_interviews_1960er-und-70er-jahre.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Alfred Schwabe ===&lt;br /&gt;
[[Datei: alfred-schwabe_1923.jpg|150px|thumb|Alfred Schwabe 1923, zur Verfügung gestellt von Gerd Kassner, der Alfred Schwabe noch persönlich gekannt hatte.]]&lt;br /&gt;
Alfred Schwabe (1892–1973) war U-Boot Fahrer und nahm im November 1918 an einem U-Bootslehrgang in der Uboot-Division in Kiel-Wik teil. Er wurde von Offizieren mit seinen Kameraden herangezogen, die Aufständischen in der Wik zu bekämpfen. Er verfasste darüber vermutlich in den 1950er/60er Jahren einen schriftlichen Bericht, wahrscheinlich auf Anforderung der SED. Er wurde jedoch nicht veröffentlicht oder archiviert und gelangte über die Familie Artelt (Schwabe hatte ihn Karl Artelt zur Verfügung gestellt) an Klaus Kuhl.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszüge:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Als ich mit Matrosen der grossen Schlachtschiffe, der Kreuzer und der immer in See stehenden Torpedoboote bekannt wurde, spürte ich dass dort ein anderer Wind wehte, als auf unserem U-Boot. Bei uns war des ganze Boot auf jeden Einzelnen angewiesen, von Offiziersdrill war nichts zu spüren. Aber das furchtbare Völkermorden hatten wir trotzdem satt, die Sehnsucht nach Frieden war vorherrschend. Als ich auf Urlaub kam, kannte ich meine Eltern kaum noch, so abgemagert und verbissen waren sie, und wir versenkten im Mittelmeer Schiffe und wieder Schiffe, gefüllt mit Lebensmitteln aus Amerika. ... Am Morgen ... erhielt unser Lehrgang, es waren gegen 40 Maate und 10 Obermatrosen, Pistolen und Munition ausgehändigt. Wir marschierten nach der Werftdivision Kiel - Wik. ... Wir marschierten diagonal über den Exerzierplatz. An der rechten Ecke am Hafen standen 150 - 200 Matrosen bei einer Versammlung. Wir wurden in die Turnhalle geführt. Ein junger Leutnant hatte das Kommando und hielt eine Ansprache. Heldentum und Treue zu den Offizieren, Kampf gegen die Meuterer war der Inhalt. ... Minuten war es kirchenstill. Plötzlich ein Gebrüll von weit her, aber es kam näher und näher. &amp;quot;Achtung, Ächtung! Pistolen laden und sichern!“ Im Flüsterton bei den Obermatrosen: &amp;quot;wir schiessen nicht, wir schiessen nicht“. Gegenzug rechts! Marsch! Zur Turnhalle hinaus!“ Wir Obermatrosen waren am Schluss des Zuges und somit den anstürmenden teils bewaffneten Matrosen am nächsten. Es waren die, welche die Versammlung auf dem Exerzierplatz durchführten. Etwa 10 mtr vor der Menge liefen 2 Matrosen und riefen uns zu: &amp;quot;Kameraden werft die Waffen weg oder kommt mit den Waffen zu uns, schiesst nicht auf Eure Kameraden. Nieder mit dem Krieg! Nieder mit den Kriegsphantasten!“ Achtung! Achtung! Feuer, brüllte unser Leutnant. Eine Anzahl Schüsse fielen, aber ich habe nicht gesehen, dass einer getroffen war. Ich war nicht einen Moment unschlüssig; schon zogen wir die anderen zu uns herüber bezw. hinüber. „Los rüber, Schiet op den Krieg! Ein Teil der Maate schloss sich an. Es fielen wieder Schüsse von unserem linken Flügel der Maate oder dem Leutnant; denn 2 übergelaufene Maate waren getroffen und wurden fortgetragen. Der Leutnant war aber plötzlich spurlos von der Bildfläche verschwunden und hat nie wieder in Kiel unseren Bug gekreuzt. Wir, der verstärkte Haufen, rannten nun in die Kasernenblocks, riefen den Matrosen unsere Parolen zu und forderten sie auf, uns zu folgen. Viele schlossen sich an, ein Teil verhielt sich passiv. Offiziere waren eigentlich wenig da und die anwesenden wurden teils mit Güte, teils mit Gewalt, abgetakelt, d. h. die Epauletten und die Kokarden abgemacht. Und so ging es etwa 15 Häuserblocks durch, der Haufen wurde immer grösser und grösser. Leider waren aber auch schon die Räuber am Werk; denn aus den Kleiderkammern und Magazinen stürzten gefüllte Seesäcke aus den oberen Etagen und wurden fortgeschleppt. Aber das liess uns z.Z. kalt. Wir stürmten weiter. Nachdem alle Kasernenbauten abgekämmt waren, eilten wir an die Hafenmole. Zwei Torpedoboote wurden durch Schüsse und Zurufe aufgefordert die rote Flagge zu hissen. Es waren die ersten Schiffe, welche in Kiel die rote Flagge am Mast hochzogen. Leider sind mir die Nummern entfallen. Viele Boote folgten; Pinassen fuhren mit roter Heckflagge zu den dicken Kasten und forderten sie auf sich uns anzuschliessen. Starkbesetzte Boote brachten immer mehr revolutionäre Truppen an Land. Mein Wohnschiff, der älteste Kasten der Marine SMS &amp;quot;Mars“ (Bordwände aus Holz) hatte 1866 gegen die Dänen mitgekämpft, setzte sich lange zur Wehr. 2 rote Matrosen mit weisser Parlamentärflagge wurden zum Verhandeln an Bord geschickt und erreichten, dass doch eindrucksvoll die Kriegsflagge gestrichen wurde und die rote Flagge am Mast hochging. Ein grosser Teil der Matrosen zog durch die Strassen von Kiel und es erfolgte eine systematische Entwaffnung der Offiziere. Das Abtackeln war manchen Matrosen eine wahre Wollust, konnten sie sich doch für Drill und Erniedrigungen rächen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum vollständigen übertragenen und kommentierten Dokument: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:schwabe_manuskript_1950-60.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Fritz Fischer ===&lt;br /&gt;
Fritz Fischer fuhr als Obermatrose auf Torpedobooten und Zerstörern. Er war verschiedentlich widersetzlich und überzog seinen Urlaub. Er erhielt deshalb Strafen und wurde zum Matrosen degradiert. Im Oktober 1918 gehörte er der I. Torpedo-Divison in Kiel-Wik an. Später wurde er ein bekannter Intendant und verfasste 1970 seine unveröffentlichten Memoiren. Darin widmet Fischer mehrere Seiten seiner Zeit in der Kaiserlichen Marine und seiner Rolle beim Kieler Matrosenaufstand. Er wurde mit Karl Artelt in den ersten Soldatenrat gewählt und gehörte auch der Delegation an, die vom Gouverneur Souchon ins Stationsgebäude gebeten wurde. Fischer nahm auch an den folgenden zwei Verhandlungen (an der dritten waren auch Noske und Haußmann beteiligt) am selben Tag teil.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auszüge aus den Memoiren:&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Und dann wie ich dort ankam, in Kiel, also wo waren Sie die ganze Zeit, sage ich, ich weiß es nicht. Also kam ich vor das Kriegsgericht und dieser Kriegsrichter ...... also ich kam dauernd zu Vernehmungen, wurde vorgeführt, und inzwischen gärte es natürlich schon bereits. Und eines Tages kam der Moment, … Also wir bekamen die Waffen ausgehändigt mit Munition, dann wurden sie uns wieder weggenommen. … wurde also von Mittags, wurde die ganze Werftdivision und [Torpedo-] Division zusammen auf dem Riesenplatz, den es ja heute noch gibt, zusammengetrommelt und der Kapitän Bartels hielt uns also eine Rede und sagte, was ist eigentlich los mit euch. Und so und so. Und alles fing an zu murren und wir … [gingen] auseinander. Daraufhin wollte er vier, zwei Leute von der Werftdivision und zwei Leute von der Torpedo-Division sprechen. Ich wurde von den Kameraden dazu abgeteilt. Der eine war ein Matrose Artelt und wir haben also gesagt, was wir wollten. Der A. sagte sofortige Abdankung vom Kaiser und ich sagte sofort die Gefängnisse auf, ja von allen Politischen. Währenddem … kam ein Telefunk-Gespräch und es wurde gesagt, wir sollten zum Gouverneur vorgeführt werden. Er wolle uns sprechen in Kiel. Auf einem kleinen Lastwagen fuhren wir also zum Gouverneur, saßen dem gegenüber am grünen Tisch und haben also unsere Anliegen vorgebracht. Der Kriegsgerichtsrat, der mich verhörte, der saß mir gegenüber. Dies sei nebenbei gesagt, es ist ein Stuttgarter gewesen, den ich später im Theater im Foyer getroffen habe.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Zum vollständigen Abschnitt über seine Erlebnisse während des Aufstands: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Fritz-fischer_memoiren-revzeit_1970.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Frederik Matzen, dänisch gesinnter Matrose ===&lt;br /&gt;
Matzen kam aus Gråsten/Gravenstein, das vor dem ersten Weltkrieg zum deutschen Kaiserreich gehörte. Er berichtet in zwei Artikeln des Jahrbuchs dänisch gesinnter ehemaliger Kriegsteilnehmer (DSK) 1963 und 1967 über seine Erlebnisse während des Matrosenaufstands in Kiel. Zu der Zeit erhielt er eine Ausbildung zum U-Bootfahrer und war auf der in der Wik liegenden SMS „Mars“ untergebracht. Seine Einheit wurde in die Stadt geführt, um den Aufstand niederzuschlagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszug aus seinen Berichten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wir wurden von einem Kapitänleutnant geführt. Meine Gruppe wurde von einem Leutnant geleitet, der während des Eilmarsches nach Kiel versuchte, unsere Gunst zu gewinnen, indem er uns auf Plattdeutsch ansprach. Wahrlich, das große Vaterland musste am Rande des Abgrunds stehen! Es war ein dunkler und trüber Regentag, als wir mit vielen anderen Truppenteilen auf dem Kasernenhof der Matrosendivision aufgestellt wurden. […] Der Kommandeur der Marinestation, […] kam mit seinem Stab auf den Platz. Der Admiral war ein kleiner, älterer Mann. Mein bleibender Eindruck von ihm war, dass er kurz davor war, von der großen, mit Gold überladenen Mütze, von den schweren Epauletten auf seinen Schultern und vom Ernst der Lage zu Boden gedrückt zu werden ... &#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den vollständige Artikeln in Deutsch und Dänisch, und weiteren Kiel betreffenden Artikeln aus den Jahrbüchern: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Matzen_DSK_aarbog_1963_1967.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Marine, mittlere Dienstgrade ==&lt;br /&gt;
=== Fritz Fabian ===&lt;br /&gt;
Fritz Fabian (geb. 1887) kam aus Oberschlesien und diente während des Ersten Weltkriegs als Unteroffizier auf SMS „Kronprinz Wilhelm“. In seinen Revolutionserinnerungen, verfasst vermutlich in den 1920er Jahren, beschreibt er die Ereignisse von Ende 1918 bis etwa 1920. Das Dokument wurde von einem Nachfahren in EUROPEANA eingestellt und von Klaus Kuhl transkribiert (ein Teil wurde auch von Axel Klekers transkribiert) und kommentiert. Der Schreiber hatte ein konservatives und nationalistisches Werteverständnis. Viele der berichteten Details halten einer Überprüfung nicht stand. Fabian versuchte – auch wenn er den Seeoffizieren (eher indirekt) mangelndes Durchgreifen vorwarf, ein positives Bild von ihnen zu zeichnen. In einer mehr nebensächlichen Anmerkung kommt jedoch ganz grundsätzliche Kritik zum Vorschein:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Bei dieser Gelegenheit [Überführung des III. Geschwaders nach Kiel ohne dass die Offiziere sich an der Schiffsführung beteiligen durften] mag wohl manchem jungen Offizier die Erkenntnis gekommen sein, daß es nicht allein nur tüchtige Offiziere, sondern auch hervorragend tüchtige U.O. [Unteroffiziere] gab, deren Tüchtigkeit und Fähigkeit aber nie in gerechter Weise eingeschätzt wurden. […] Wäre dieser Dünkel nicht vorhanden gewesen und wäre die Selbstüberhebung der jüngeren Offiziere nicht systematisch genährt worden, ich glaube, das Seeoffizierkorps und überhaupt die ganze Marine hätte sich vielleicht besser dabei gestanden. Ich erwähne das nur so nebenher.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum vollständigen übertragenen und kommentierten Dokument: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Fabian_revolutionserinnerungen_1924_kommentiert.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Paul Kässner, Oberdeckoffizier ===&lt;br /&gt;
Kässner (geb. vermutlich ca. 1880) schrieb 1932 die Geschichte der Deckoffizierbewegung (Selbstverlag Altona), weitgehend gestützt auf zeitnah verfasste Berichte. Seine Schilderungen zu wichtigen Ereignissen wurden bisher in der Geschichtsschreibung kaum berücksichtigt. Dies betrifft besonders: Bildung der Sicherheitstruppe des Soldatenrats, Aufbau der Eisernen Brigade/Division, die Februarunruhen 1919 in Kiel, die Ernennung von Volksoffizieren.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auszug bzgl. des Aufbaus der Eisernen Division (I. Marine-Brigade):&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In der Versammlung wurde natürlich auch die Führerfrage besprochen. Selbstverständlich war von der Regierung von vornherein zugestanden worden, daß diese Truppe selbst ihre Führer und ihr inneres Leben bestimmen könne. Aus der Versammlung heraus wurde allgemein zum Ausdruck gebracht: Wir wollen nicht daran denken, wie wir früher behandelt worden sind und deshalb sollen ruhig Offiziere alle oberen Stellen in der Truppe besetzen; aber es müssen Offiziere sein, die unser Vertrauen besitzen und die auch etwas vom Landkrieg verstehen. In diesem Sinne ließ Kamerad Alboldt noch am selben Abend die verschiedenen Offiziersgruppen und im besonderen die Seeoffiziere informieren und ihnen sagen, daß die Formation der Truppe am andern Vormittag in der Waldwiese erfolgen werde. Es mag hier gleich erwähnt werden, daß sich außer Kapitänleutnant v. Werner kein einziger Offizier dort einfand.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Analyse und Edition: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Kuhl_analyse-edition-kaessner-deckoffizierbewegung_2022.pdf PDF-Datei.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Louis Streichert ===&lt;br /&gt;
Louis Streichert (geb. 1890) diente im ersten Weltkrieg auf SMS &amp;quot;Straßburg&amp;quot; vermutlich als Unter- oder Deckoffizier. Er wurde im Jahr 1975 von Karl-Reinhard Titzek und Tilmann Weiherich interviewt.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auszüge:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Zum Beispiel habe ich meinen Eltern geschrieben, dass ich gerne fürs Vaterland sterben würde, und wir den Kaiser an Bord nehmen und mit der ganzen Flotte ruhmreich untergehen. Manchmal hat der einfache Heizer weiter gedacht als der Herr Admiral. Wir fuhren nicht raus und gaben die Minen in Cuxhaven wieder ab. Dann fuhren wir durch den Kanal in die Ostsee. Als wir nach Kiel kamen, sahen wir die ganze deutsche Flotte. […] Da sind wir ausgewichen nach Saßnitz (Rügen). Da wurde ein Telegramm an den Kaiser geschickt: „Wir halten treu zu unserem Kaiser, und wenn er es wünscht, nehmen wir ihn an Bord und fahren mit ihm irgendwohin ins Ausland.“ Der Kommandant stand da und weinte beinahe. Er sagte, dass der Kaiser sie alle aus ihrem Eid entbunden hätte. Er ging dann weinend weg. Da holten wir die Kriegsflagge nieder.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Das vollständige Interview mit einem Bericht des I. Offiziers über die Ereignisse im Anhang ist hier zugänglich: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Interview-streichert-brosch-weddigen-strassburg.pdf PDF-Datei.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Marineoffiziere ==&lt;br /&gt;
=== Admiral Bachmann, Admiral Souchon, Konteradmiral Küsel ===&lt;br /&gt;
Gustav Bachmann war bis zum 30. Oktober 1918 Gouverneur von Kiel und hatte damit die militärische und zivile Gewalt inne. Er wurde abgelöst von Wilhelm Souchon. Hans Küsel war Stabschef in der Marinestation in Kiel. Alle drei hinterließen schriftliche Aufzeichnungen über die Ereignisse. Insbesondere Küsel verfasste einen detaillierten Bericht, den er bereits 1919 begann und 1935 abschloss. In den Aufzeichnungen wird auch thematisiert, warum man das III. Geschwader in das „Pulverfass“ Kiel schickte. Dies trug entscheidend zur weiteren Eskalation bei, die schließlich zum Kieler Matrosen- und Arbeiteraufstand führte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Küsel schrieb u.&amp;amp;nbsp;a.:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Der Stationschef sieht sich in eine ungeheuer schwierige Lage […] versetzt, in der die Entscheidung ihm schon aus der Hand genommen ist. Es ist vollendete Tatsache, daß die Schiffe des III. Geschwaders, auf denen nach eigner Meldung des Geschwaderchefs [Kraft], Meutereien im größten Umfange vorgekommen sind, im Hafen von Kiel liegen. Beurlaubungen im größten Umfang haben von den Schiffen bereits stattgefunden. Admiral Souchon setzt Vizeadmiral Kraft die Lage in Kiel auseinander. Im Festungsbereich befinden sich über 100.000 Arbeiter, unter denen es gärt. Für den 5. oder 7. November wird ein Streik der Rüstungsarbeiter erwartet. […] Die Hauptgefahr sah Admiral Souchon ebenso wie ich darin, daß streikende Arbeiter und meuternde Soldaten sich zusammenfinden könnten.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Aus diesen Erwägungen heraus stellte Admiral Souchon erneut die Forderung an Vizeadmiral Kraft, Kiel sofort mit seinen Schiffen zu verlassen. Den Hafen sofort mit seinen Schiffen wieder zu verlassen erklärte sich jetzt Vizeadmiral Kraft außerstande. Von einer weitgehenden Beurlaubung erwarte er aber mit Zuversicht eine durchgreifende Beruhigung.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Berichte der Seeoffiziere werden in einer 2023 erschienen Veröffentlichung vorgestellt und analysiert: Klaus Kuhl: Gefangen in Überheblichkeit und Engstirnigkeit: Die führenden Seeoffiziere und der Matrosen- und Arbeiteraufstand in Kiel 1918. Die Berichte der Chefs der Marinestation und Gouverneure von Kiel, Admiral Gustav Bachmann und Admiral Wilhelm Souchon sowie ihres Stabschefs Konteradmiral Hans Küsel. Kiel 2023. Herausgegeben vom Verein Maritimes Viertel – Kultur am Kanal e.V. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Karl von Kunowski ===&lt;br /&gt;
Karl von Kunowski (1897–1991) war Fähnrich und Wachoffizier (WO) auf der „Markgraf“. Er schrieb seine Erlebnisse vermutlich noch 1918 auf. Später wohnte er in Flintbek bei Kiel und war Professor an der Kieler Universität. Er übergab sein Typoskript, das er betitelte: “Erinnerungen an: Die letzten Tage der Kaiserlichen Marine1918, beim III. Geschwader auf SMS Markgraf als wachhabender Offizier“, 1978 an [[Dirk Dähnhardt]], siehe Nachlass im [[Stadtarchiv]]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszüge:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Freitag, 8. Nov. 1918 [zu der Zeit befand sich das III. Geschwader vor Travemünde]: Morgenwache gegangen, aber nichts veranlaßt, die Routine wird noch eingehalten. Leute fragen WO, machen aber auch alles mögliche selbständig. Am Nachmittag gegen 4 Uhr wurde gepfiffen, alle Mann achter raus, auch Offiziere. ... Ein Maschinistenmaat sprach über den Soldaten- und Arbeiterrat, der sich über die ganze deutsche Küste erstrecken und die sogen. Radikalen d.&amp;amp;nbsp;h. geläuterten Sozialisten umfassen soll. Der Soldatenrat verfolgt zwei Ziele: 1. Die Abschaffung des preußischen Militarismus, 2. Die beschleunigte Einleitung von Friedensverhandlungen. Die jetzige Regierung könnte dieses nicht, sie ist bestochen. Die Männer der Regierung sind dazu nicht geeignet, denn wir wollen keinen Kapitalistenfrieden, sondern einen Arbeiter- und Soldatenfrieden.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Alle Macht liegt in den Händen des Sold.rates. ... Den Offizieren ist es freigestellt, auszusteigen oder achtern mit an Bord zu bleiben. Fahren oder sonst sich beteiligen sollen sie nicht.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Um neun Uhr abends findet in der Messe eine Sitzung statt. Kapitän Heizing sagt, daß es nach seiner Aussprache mit dem Kommandanten u. Admiral unbedingt nötig sei, an Bord zu bleiben, so schwer dieses auch fiele, und zwar um einmal in jedem Falle für die Sicherheit des Schiffes zu sorgen und ev. die Leitung zu übernehmen, sowie zweitens um bei Änderung der Verhältnisse entsprechend eingreifen zu können, z.&amp;amp;nbsp;B. bei Außerdienst Stellung der Flotte. Außerdem dankte voraussichtlich S.M. der Kaiser ab, so daß wir unseres Treueides entbunden würden.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Der Arb.-u.Sold.-rat befahl, daß sich die Offiziere an der Fahrt nach Kiel nicht beteiligen sollten, .... Markgraf führte das dritte Geschwader in Kiellinie 25 Sm. Der Steuermann wurde gewzungen[!], die Schiffsführung zu übernehmen auf Anweisung des Sold.-rats. Der Signalmeister mußte die Wache an Deck gehen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In die Offiziersmesse kommen zwei Unteroffiziere des Sold.-rates und verkündigen, daß jetzt alle Mahlzeiten ohne Unterschied für verschiedene Dienstgrade zubereitet werden. Außerdem teilen sie mit, daß die Offiziere sich bis morgen früh um 10 Uhr sich entscheiden sollen, ob sie zu dem Soldatenrat gehören wollen oder nicht. Im ersteren Fall soll der Dienst unter den bereits genannten vorläufigen Bedingungen im Einvernehmen mit dem Herrschenden Soldatenrat weitergehen. Werden dagegen die Forderungen des Sold.-rats nicht unterschrieben, sind sie frei, d.&amp;amp;nbsp;h. ihr Dienst ist dann quittiert.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vollständiges Dokument, das auch einen Vergleich mit den Aussagen des Besatzungsmitglieds Karl Bock (s.&amp;amp;nbsp;o.) und denen des 1. Offiziers Wilfried von Loewenfeld enthält: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Bock-kunowski-loewenfeld_markgraf_1918.pdf PDF-Datei.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kapitänleutnant Max Wittmer ===&lt;br /&gt;
Max Wittmer (*1884 in Kiel, +1979) war Torpedobootskommandant und im ersten Weltkrieg Lehrer an der Ingenieur und Deckoffizierschule in Kiel-Wik, später wurde er Handelsagent. Er wurde im Jahr 1975 von Karl-Reinhard Titzek und Tilmann Weiherich interviewt. Drei Jahre später wurde er von Dirk Dähnhardt befragt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszüge:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Im Eilmarsch zog er mit seiner Patrouille dem Demonstrationszug hinterher. Bevor er die Kreuzung Karl-, Brunswickerstr. erreicht hatte, hörte er Schüsse. Ein großes Durcheinander erblickte er am Ort des Geschehens. Da seine Leute überrannt zu werden drohten, ließ er Warnschüsse abfeuern. Als auch diese keine Wirkung zeigten, ließ er auf die Beine zielen. Das sei der schwerste Befehl seines Lebens gewesen, berichtete Herr Wittmer. Nach den Schüssen war aber die Straße wie leergefegt. Nur einige Frauen schimpften auf die Männer, was für Feiglinge sie seien. Noch einmal ließ Herr Wittmer einen Warnschuß feuern, dann endlich herrschte Ruhe.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Anmerkung Kuhl: Eine genauere Analyse ergab, dass Wittmer wohl hauptsächlich die Erlebnisse anderer Offiziere wiedergibt. In einigen Fällen offenbaren die archivierten Berichte anderer Offiziere und die Lazarettlisten einen wahren Kern in Wittmers Schilderungen. Insofern gibt es gewisse gegenseitige Bestätigungen, die immerhin ein wenig zur Erhellung der Vorgänge beitragen. Insbesondere könnte am 3. November 1918 abends tatsächlich eine nachrückende Einheit der Deckoffizierschule auf die Füße und Beine der Demonstranten geschossen haben, um diese auseinanderzutreiben.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den vollständigen übertragenen und kommentierten Dokumenten einschließlich einer Quellenanalyse: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Wittmer_interviews_1975-78_analyse.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Heeressoldaten ==&lt;br /&gt;
=== Jonny Pump ===&lt;br /&gt;
[[Datei:jonny-pump_1980.jpg|150px|thumb|Jonny Pump 1980 in seiner Kieler Wohnung. Foto: Kuhl.]]&lt;br /&gt;
Jonny Pump sollte als Rekrut von Schleswig aus gegen den Matrosenaufstand in Kiel eingesetzt werden. Er war deutsch-national eingestellt und unterstützte 1920 mit den Zeitfreiwilligen den Kapp-Putsch in Kiel. Später führte er einen Elektroladen. Er wurde 1978 und 1987 von Klaus Kuhl (und teilweise Peter Cornils) interviewt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszug:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ich persönlich jedenfalls war damals in Schleswig, in Schloss Gottorf. Erst bei unserem Abmarsch aus Schleswig wurde uns gesagt, dass in Kiel ein Aufstand sei. Und nun sollten wir, woll&#039;n mal sagen da als ... ... den Aufstand (niederwerfen). Wir konnten uns auch nicht vorstellen, ob das nun Arbeiter sind oder Soldaten sind, wussten wir ja nicht. Wir sind losgefahren, verladen und haben Munition und Gewehre empfangen. Und wenn das nun tatsächlich hart auf hart gekommen wäre, dann wäre das ja so gekommen, wir hätten ein Kommando gekriegt: &amp;quot;Ausschwärmen!&amp;quot; und müssen schießen auf unsere eigenen Leute. ... kamen wir mit dem Zug nicht mehr in Kiel rein. Der Bahnhof war besetzt von Matrosen – soweit ich gehört habe – und die hielten den Zug an, so bei der Lübecker Chaussee. Jedenfalls kamen Verschiedene nicht wieder. Aber das waren ältere Soldaten. Ob die nun orientiert waren? [Nikolaus Andersen beschreibt in seinem Tagebuch, wie Soldaten des Schleswiger Infanterieregiments im Bahnhof ankamen und sich dort mit den Aufständischen verbrüderten; siehe unten.]  Wir waren ja meistens junge Rekruten. Die Ausbilder waren alte verwundete Frontsoldaten. Die scheinen mehr gewusst zu haben. Jedenfalls waren Verschiedene, die gar nicht wieder mit zurückfuhren. Wir kamen nicht raus. Wir konnten natürlich aus dem Zug aussteigen, aber was wollten wir machen. Es wurde nicht irgendwie kommandiert &amp;quot;Sammeln!&amp;quot; und &amp;quot;Marschieren!&amp;quot; oder so, das wurde nicht getan. Der Zug fuhr wieder zurück. Wir sind nachts wieder in Schleswig angekommen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den vollständigen Interviews: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:kuhl_interviews-j-pump_1978-1987.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Heeresoffiziere ==&lt;br /&gt;
Als die Lage in Kiel sich zuspitzte, forderte die Marineführung in Kiel Infanterie von außerhalb an. Am 4. November 1918 erschienen verschiedene Einheiten in Kiel. Dabei liegen von den folgenden führend beteiligten Heeresoffizieren schriftliche Zeugnisse vor.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Adalbert von Falk, kommandierender General des stellvertretenden Generalkommandos des IX. Armee-Korps in Altona ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Adalbert von Falk circa 1915.jpg|150px|thumb|Adalbert von Falk, nach März 1915]]&lt;br /&gt;
Der Gouverneur und Chef der Marinestation der Ostsee in Kiel, Admiral Wilhelm Souchon forderte am 3. November abends bei dem benachbarten Armeekorpsbezirk Infanterie an. Nach den Schüssen auf die Demonstranten und der Auflösung der Demonstration wurde dies zunächst zurückgenommen, am frühen Morgen des nächsten Tages aber erneuert. v. Falk berichtete darüber in einem Brief vom 12. November 1936 an den damaligen Hauptmann Erich Trowitz (Major a. D.).&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auszug:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ich selbst war seit dem Sonntag, den 3. November, an dessen Abend mich der Hilfeschrei des ratlosen Gouvernements Kiel in Altona erreichte, hier unabkömmlich; im Versuch zusammenzuraffen, was noch an Truppenbrocken im Korpsbezirk und dessen Nachbarschaft zu sammeln war; im Dauerverkehr mit dem Kriegsministerium; mobile Truppen (1 Korps) heischend, um damit die Aufrührer zu Paaren zu treiben. Der schnelle Entschluss – vom Kriegsministerium [Scheüch] genehmigt – der verheissenen Truppe entgegen zu eilen, blieb ohne Erfolg. Die Ereignisse waren schneller als ich.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Bundesarchiv BArch RM 8/1025 Bl. 53.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Der hier zugängliche Artikel von Klaus Kuhl enthält u.&amp;amp;nbsp;a. eine Einordnung, Diskussion und Einschätzung des Briefs: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Kuhl_einschaetzung-e-h-schmidt-u-quellenkritik-trowitz_2017.pdf PDF-Datei.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Hauptmann Erich Trowitz ===&lt;br /&gt;
Bei der ersten Infanterieanforderung aus Kiel am 3. November 1918 abends beauftragte das Kommando des IX. Armeekorps in Altona den Generalleutnant Harry von Wright in Lübeck, Kommandeur der stellvertretenden 81. Infanterie-Brigade, mit den zu treffenden Maßnahmen. Dieser wiederum bestimmte den Hauptmann Erich Trowitz vom (Ersatz) Infanterie-Regiment 163 in Neumünster zum Befehlshaber der aufgebotenen Einheiten aus Neumünster, Schleswig und Lübeck. Die Anforderung wurde kurz darauf zurückgenommen, aber am nächsten Tag erneuert. Diesmal war zusätzlich eine Einheit (ca. 180 Mann) aus Rendsburg dabei, die Kiel bereits am späten Vormittag erreichte und in die Wik geschickt wurde, weil sich dort die Ereignisse zuspitzten. Bei allen anderen Einheiten kam es zu Verzögerungen, die wohl in erster Linie v. Wright zu verantworten hatte, weil dieser sich auf Inspektionsreise begeben hatte. Trowitz erreichte Kiel erst um 15 Uhr, als die Marineführung aufgrund der nicht erwarteten schnellen Ausbreitung des Aufstands bereits mit den Aufständischen unterhandeln musste und einen Schusswaffeneinsatz nunmehr untersagte. Die anderen Einheiten kamen erst abends an; insgesamt handelte es sich um ca. 1200 Mann. Trowitz fuhr in der Nacht wieder zurück nach Neumünster, allerdings ohne die von ihm zum Schutz der Station abgestellte Gruppe unter von Treyden. Von diesen waren Teile vermutlich übergelaufen. Trowitz schweigt sich in seinem späteren Bericht darüber aus.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Im Jahr 1935 verfasste er (inzwischen Major a.&amp;amp;nbsp;D.) diesen für die Zeitschrift &amp;quot;Bundeszeitung der Vereinigungen ehemaliger 163er&amp;quot;,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt; Das Reichskriegsministerium in Berlin verlangte die Zurückziehung und Vernichtung der Ausgabe &amp;quot;da [Trowitz&#039; Artikel] geeignet ist, anstelle der heute angestrebten vertrauensvollen Einheit der Nation Gegensätze in der Wehrmacht hervorzurufen.&amp;quot; Falls er dieser Aufforderung nicht zufriedenstellend nachkomme, würde die Geheime Staatspolizei mit der Beschlagnahme beauftragt. Bundesarchiv BArch RM 8/1025 Bl. 22.&amp;lt;/ref&amp;gt; in dem er seine Erlebnisse schilderte.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auszug: &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ich habe das unerschütterliche Bewusstsein, daß es auch mit den zur Verfügung stehenden Kräften ohne Mühe gelungen wäre am 4. November 1918 die Meuterei in Kiel zu unterdrücken, nicht zum wenigsten aus dem Grunde, weil die Matrosen nur aus gemeiner Feigheit sich zu ihrem verbrecherischen Treiben hatten verleiten lassen.&amp;lt;ref&amp;gt;Erich Trowitz: Revolution in Kiel – E./163. In: Bundeszeitung der Vereinigungen ehemaliger 163er, Nr. 11 1936. Bundesarchiv BArch RM 8/1025 fol. 32-36.&amp;lt;/ref&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Die Demonstranten in Kiel hatten trotz mehrmaligem Schusswaffeneinsatzes der Patrouille diese in die Flucht geschlagen; sicherlich kein Zeichen von Feigheit. Auch weitere von Trowitz angeführte Gründe können nicht überzeugen. Siehe dazu den Artikel von Klaus Kuhl, der eine ausführliche Vorstellung, Diskussion und Einschätzung von Trowitz’ Arbeit enthält: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Kuhl_einschaetzung-e-h-schmidt-u-quellenkritik-trowitz_2017.pdf PDF-Datei.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ArbeiterInnen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gertrud Völcker ===&lt;br /&gt;
[[Datei:gertrud-voelcker_1950.jpg|150px|thumb|Gertrud Völcker 1950, Foto StAK/Nafzger.]]&lt;br /&gt;
[[Gertrud Völcker]] (1896–1979) war damals Angestellte im Arbeiter-Sekretariat der Freien Gewerkschaften in Kiel. Sie war seit 1915 Mitglied der Sozialistischen Arbeiterjugend. Später wurde sie Vorsitzende der Arbeiter Wohlfahrt (AWO) in Schleswig-Holstein. Im Jahr 1975 gab sie Karl-Reinhard Titzek und Tilmann Weiherich ein Interview, und vermutlich im selben Jahr wurde sich auch von Ute Kohrs interviewt. Dabei gewährte sie auch Einblick in ihr Tagebuch und es wurden Abschriften vorgenommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszüge:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die USPD hatte ganz bedeutende Führer – die SPD auch – aber die (USPD) waren konsequenter. Ich bin nie USPD gewesen. Die waren – wenn man heute zurückdenkt – haben sie doch sehr viel recht gehabt. Man hätte sich in Verhandlungen anders verhalten müssen. Aber es ist ja leicht gesagt: Im Augenblick musste gehandelt werden und das Gebot der Rettung des Vaterlandes stand im Vordergrund. Das war das Leitmotiv der Sozialdemokraten. Und die USPD, der Lothar [Popp] war USPD-Mann, das waren gute Männer, das waren keine Radauleute.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Es war eine mutige Tat von ordentlichen Deutschen, die das Land nicht in einer noch größeren Krise haben wollten. Es waren ruhige Leute, es waren außerordentlich nette, bewusste und kluge Leute, die nachgedacht hatten. So seh ich die Jungens heute. Es war eine mutige Tat, die Zivilcourage erforderte, eine Revolte, keine Meuterei, und auch keine Revolution.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum vollständigen Dokument mit den Interviews, Auszügen aus ihrem Tagebuch und einer kurzen Biografie: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Voelcker_interviews_1970er_tagebuch.pdf PDF].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Julius Bredenbeck ===&lt;br /&gt;
[[Datei:julius-bredenbeck_1989.jpg|150px|thumb|Julius Bredenbeck 1989, Video-Standbild: Gerdes/Kuhl.]]&lt;br /&gt;
[[Julius Bredenbeck]] (1907–1990) war damals Mitglied der Arbeiterjugend. Später wurde er ein bekannter Gewerkschafter und Sozialdemokrat sowie persönlicher Referent von Lauritz Lauritzen, der u.&amp;amp;nbsp;a. verschiedene Ministerposten bekleidete. Er wurde 1983 und 1989 von Klaus Kuhl interviewt. Das erste Interview wurde per Tonbandgerät, das zweite per Video von Kay Gerdes aufgezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszüge:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Allgemein darf man wohl sagen, es war eine Stimmung, die der Verzweiflung sehr nahe war. Man spürte das Ende des Krieges. Man wusste aber nicht aus noch ein, und es gab nun verschiedene Gruppen. In einzelnen Betrieben gab es schon Arbeiterräte, die sich selbst gebildet hatten, ohne Rechtsgrundlage, einfach aufgrund der Stärke der Organisation. Die zum Teil also auch mit sehr großem revolutionärem Pathos an die Arbeit gingen. In anderen Betrieben waren auch Arbeiterräte, die aber mehr daran interessiert waren, notwendige Dinge, Schwierigkeiten in der Versorgung mit Lebensmitteln usw. weitgehend mit zu steuern. Man kann nicht sagen, dass es eine einheitliche Stimmung gab. Das wurde anders als damals die Matrosen Befehlsverweigerung machten. Das führte ja denn zum Zusammenbruch. Da war eine allgemeine Solidarität in der gesamte Kieler Arbeiterschaft feststellbar: in den größeren Betrieben wurde zunächst die Arbeit niedergelegt. Es wurde sich solidarisiert. Die Arbeiter- und die Soldatenräte fanden sich zu Sitzungen zu Gesprächen zusammen im Gewerkschaftshaus.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den vollständigen Interviews: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Kuhl_interviews-bredenbeck_1983-1989.pdf PDF-Datei.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Martha Riedl (geb. Ehlers) ===&lt;br /&gt;
[[Datei:martha-riedl_1990.jpg|150px|thumb|Martha Riedl 1990 in ihrer Kieler Wohnung. Foto: Kuhl.]]&lt;br /&gt;
Martha Riedl (1903–1992) war in den Jahren um 1918 Mitglied der Arbeiterjugend und besuchte die öffentliche Handelsschule. Von 1946 bis 1948 war sie Mitglied der Kieler Ratsversammlung für die SPD. Sie wurde 1990 zweimal, sowie ein weiteres Mal 1991 von Klaus Kuhl interviewt. Das erste Interview wurde per Tonband aufgezeichnet, das zweite Interview fand an den entsprechenden Orten statt und wurde von Kay Gerdes per Video aufgenommen. Das letzte Interview wurde von Klaus Kuhl selbst per Video aufgezeichnet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszüge:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Bei allen Sachen: man ging ins Gewerkschaftshaus, da traf man sich. Und ich ging ins Gewerkschaftshaus. Damals wohnte Eggerstedt im Nebenhaus und den traf ich. Der sagte: Wo kommst du denn her! Ich sagte: Ist Vater hier? Hast du Vater gesehen? Vater ist hier, es ist alles in Ordnung. Und dann sagt er: Bleib man hier, wir können dich gebrauchen. Du weißt ja wo der Peerstall ist? Ich sage: Ja. Der war früher in der Langen Reihe, so ungefähr Höhe Muhls Hotel, war eine Gastwirtschaft. Tatsächlich Peerstall hieß es, weil die Pferde da ausgespannt wurden und die da ins Restaurant, in die Kneipe gingen. Ja, sagt er, denn bringen wir dich dahin, zu dem und dem, kennst du den? Ja kenne ich. Ja denn ist gut, denn kommst nachher wieder, wir können dich gut gebrauchen. In der Zwischenzeit kam aber alles von der Werft rein, rüber, alles was einen Dampfer zu fassen kriegte, war auf dem Dampfer, die fuhren einfach hin und her. Da war kein Fahrplan mehr. Und die Marine kam von der Wik, Düsternbrook runter. Und die Marine, die strebten nach dem Bahnhof, die wollten nach Hause.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den vollständigen Interviews: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Kuhl_interviews-riedl_1990-1991.pdf PDF-Datei.]&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Karl Edler ===&lt;br /&gt;
Karl Edler war Mitglied des Arbeiterrats in Kiel und später Stadtverordneter der SPD. Im Namen der Gewerkschaften stiftete er, zusammen mit Eduard Wolke (SPD) 1920 den zentralen Findling auf dem Kieler Eichhof-Friedhof mit der Aufschrift &amp;quot;Ruhestätte der Opfer der Revolution&amp;quot;. Edler erstattete am 26. November 1918 in Berlin auf einer Sitzung des Vollzugsrats einen Bericht über die Vorgänge in Kiel.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auszüge:&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Der wichtigste Punkt war bei uns das Ernährungswesen. Wir haben aber auch diese Frage zur vollsten Zufriedenheit der ganzen Bevölkerung bei uns gelöst. Auch die Zivilpersonen stellten sich hierbei hindernd in den Weg. Durch unsere Macht haben wir sie aber gezwungen, uns nachzugeben. Wir waren durch die entgegengesetzte Tätigkeit von Zivilpersonen in die Enge getrieben, daß wir tagelang keine Lebensmittel bekamen und vor allen Dingen die Milch für die Kinder fehlte. Die Lebensmittel lagen in Plön und Eckernförde, und Kiel bekam nichts. Schließlich hatten wir unseren Fuhrpark so in Bewegung gebracht, daß wir uns Milch und anderes durch Autos herbeiholten, und so bekommen wir jetzt ausreichend Lebensmittel heran.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Zum kommentierten Protokollauszug: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Edler_bericht-in-berlin-26-nov-1918.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Otto Preßler ===&lt;br /&gt;
[[Datei:otto-pressler_1979.jpg|150px|thumb|right|Otto Preßler 1979 in seiner Wohnung in Kiel-Mettenhof während des Interviews. Foto: K. Kuhl.]]&lt;br /&gt;
Der Metallfacharbeiter Otto Preßler (1895–1981) war SPD- und Gewerkschaftsmitglied. Von 1915 bis Kriegsende musste er in Russland und später an der Westfront als Waffenmeister kämpfen. Er kam über Braunschweig am 10. Dezember 1918 nach Kiel zurück. Er gehörte zu den Gründungsmitgliedern der KPD in Kiel und wurde später Vorsitzender. Weil er sich der linksradikalen Entwicklung der KPD widersetzte, wurde er 1929 ausgeschlossen und trat der KPD-Opposition (KPD-O) bei. Nach 1945 wurde er erneut Vorsitzender der KPD in Kiel. Er wurde zum Bevollmächtigten der IG Metall gewählt. Im Jahr 1946 wurde er in den Rat der Stadt Kiel gewählt und war Mitglied der beiden ersten ernannten schleswig-holsteinischen Landtage. 1968 wurde er Mitglied der DKP. Er wurde 1979 von Klaus Kuhl zu seiner Rolle und seinen Einschätzungen der Entwicklung in den ersten Revolutionsmonaten 1918/1919 interviewt.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auszüge bezüglich der Februarunruhen 1919 in Kiel (so genannter Spartakusaufstand):&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ja, das war dann im Februar 1919. Da war Bremen Räterepublik und dann kamen die Nachrichten, Noske will die Räterepublik beseitigen und die Division Gerstenberger von Berlin wird in Bewegung gesetzt. Da haben wir … aufgerufen zur öffentlichen Versammlung, um die Bremer Arbeiterschaft in der Verteidigung ihrer Räterepublik zu unterstützen. Und diese Versammlung war in der „Concordia“ an der Lübecker Chaussee; das war so ein Tanzlokal, brechend voll. … Der Plan war, und das wurde auch nach der Versammlung … in der Besprechung gesagt, Aktionen hier in Kiel zu organisieren, um Truppen hier an Kiel zu fesseln, die nicht nach Bremen konnten.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Mit einer Kolonne sind wir rausgefahren, …  und haben auf der Levensauer Hochbrücke die zwei Maschinengewehre weggeholt. Da waren dann die „Noskiten“, die da Wache hielten. Die sagten: “Wir sind auch nicht für Noske. Nehmt’se man mit.“ … Dann haben wir noch einen Lastwagen angehalten von Eckernförde, wir wollten doch die Maschinengewehre nicht reinschleppen. Und der Fahrer der war ganz verlegen …, da lagen unter der Persenning so geschlachtete Kühe oder was. Wir haben uns nachher nicht mehr um das Fleisch gekümmert, Hauptsache, dass wir die Maschinengewehre nach Kiel rein kriegten. Vorher habe ich sie noch ausprobiert an der Böschung bei der Eisenbahn. Die sagten: „Otto, du kannst doch hier neet scheeten.“ Ich sage: „Ich muss erst mal sehen, ob sie auch funktionieren.“ … [in der] Schule in der Legienstraße gegenüber vom Gewerkschaftshaus wurden die postiert.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Und ich weiß noch ganz genau, dass wir mit einer kleinen Truppe in der Kommandantur, Marinestation Ostsee, da sind wir hin und haben da zwei Admiräle – weiß der Teufel mit den Streifen – gefangen gesetzt; eingeschlossen, die Waffen weggenommen. Wir haben gesagt: “Da bleibt ihr erstmal drin!“ Das waren alles Feldsoldaten, die hatten alle noch so ein bisschen „Rosch“. Und denn auf einmal … kamen welche angelaufen, wir sollten die Kommandantur aufgeben. … Da war die Knallerei da schon im Gange an der Kaserne, und dann sollten wir dorthin. … Und dann wurde diese militärische Organisation der Deckoffiziere eingesetzt, dann ging die Schießerei los. Der Fritz Schulz da, der hat auf dem Bauch gelegen unter den Toten, auf der Treppe. … Und dann wurde gefeuert aus allen Rohren. Mit Maschinengewehren kamen die Brüder an und knatterten dazu. Da war ein Haufen Tote.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Insgesamt kamen bei dieser Aktion sechs der KPD nahe stehende Männer ums Leben, von denen fünf auf der Revolutionsanlage auf dem Eichhof beerdigt wurden, das sechste Opfer wurde nach Lichtenberg überführt; vgl. Klaus Kuhl: Opfer von Matrosen-/Arbeiteraufstand 1918, Februarereignissen 1919 und Kapp-Putsch 1920. Kiel 2021. Online zugänglich (aufgerufen am 18. Juni 2022) unter: [http://www.kurkuhl.de/docs/liste_opfer.pdf].&amp;lt;/ref&amp;gt; Wir haben uns, um nicht noch das letzte runter schießen zu lassen, zurückgezogen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;All so’n Krom hebt wi mokt, damals. Aber es war doch so, dass eben die große organisierte Masse der Kieler Arbeiter nicht dabei war. … Das ging ja alles so impulsiv und spontan, hier und dort sammelten sich die Gruppen und machten das. Da war keine Zusammenfassung.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Zum vollständigen Interview: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Kuhl_interview-pressler-novrev_1979.pdf PDF-Datei.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mittelschicht ==&lt;br /&gt;
=== Tagebuch des Ingenieurs Nikolaus Andersen ===&lt;br /&gt;
[[Datei:nikolaus-andersen_undatiert.jpg|150px|thumb|Andersen als junger Mann. Foto: Familienbesitz.]]&lt;br /&gt;
Der Tagebuchschreiber Nicolaus oder Nikolaus Andersen war Beamter des &amp;quot;Bureaus M.K. der Fried. Krupp A.–G., Germaniawerft&amp;quot;. Er war dort hauptsächlich mit dem Ändern technischer Zeichnungen befasst. Die Eltern des Schreibers besaßen damals einen Hof in Rinkenis (heute Rinkenæs, Dänemark), welches 1918 zum Deutschen Reich gehörte. Das in deutscher Schrift verfasste Tagebuch wurde 1980 von Karl Altewolf auf einem Flohmarkt entdeckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszug aus dem Eintrag vom 4. November 1918:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Mittags 3 Uhr waren etwa 200 Mann Infanterie aus Neumünster mit Masch.Gewehr am Bahnhof eingetroffen, sie hielten um 6 [18] Uhr die Eingänge besetzt. Um 9 [21] Uhr waren die Matrosen Herren des Bahnhofes. Die Soldaten aus Neumünster sind jedenfalls abgezogen. Später kommen plötzlich nach lauten Hurrahs die Infant. Rgmt. Nr. 84 [aus Schleswig, siehe auch oben den Bericht von Jonny Pump, der dieser Einheit angehörte] einzeln ohne Waffen aus dem Bahnhof und machten mit den Matrosen gemeinsame Sache. Sie lieferten Gewehre, Munition und Maschinengewehre an die Marine ab. Große Verbrüderung und Hochs auf die Infanterie. Feldgraue Helme wurden weggeworfen, Mützen aufgesetzt und Klamauk gemacht. Später gegen 11 Uhr … Unheimliches Gedränge vor dem Nordportal u. Begeisterung. Hunderte Infanteristen zwischen tausenden Arbeitern, Marines, Zivilisten und – Mädchen und Jungs. Wildes durcheinander befehlen und Klamauk. Alle Marine ist nach und nach bewaffnet.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Um 1 Uhr nach Hause, denn es war kalt. Kaum im Bett, erhebt sich ein mörderliches Schießen. Ich raus. Am Bahnhof menschenleer. Man schießt (angeblich aus dem Hansa-Hotel und zwar von Offizieren) auf die Soldaten. Das Hotel wird erheblich beschossen, desgl. mehre Häuser am Sophienblatt, so Uhrmacher Blunck u. Ecke Lerchenstraße gegenüber auch noch. Als es ruhig, gehe ich durch den Tunnel südl. am Bahnhof entlang. Ein Lastauto kommt Ringstr. u. wird mächtig beschossen von allen Seiten. Leider sind Matrosen die Insassen. Als das Schießen eingestellt ist, findet man einen Obermaat mit Beinschuß und einen Matrosen mit Brustschuß.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Auszüge und Hintergrundinformationen: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Andersen_tagebuch-auszuege_1917-1919.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
Das vollständige Tagebuch mit einer Textanalyse wurde im Peter Lang Verlag veröffentlicht: Klaus Kuhl: Kiel und die Revolution von 1918. Das Tagebuch eines Werftingenieurs, verfasst in den Jahren 1917-1919. Edition und Textanalyse. Berlin 2018 (Kieler Werkstücke Bd. 51). ISBN 978-3-631-75857-1.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Erh. Müller, Beamter einer Kieler Werft ===&lt;br /&gt;
Im Kieler Stadtarchiv ist ein Brief von Erh. Müller, Beamter (damals synonym für Angestellter) einer Kieler Werft an Dora in Zeilitzheim (Ortsteil der Gemeinde Kolitzheim im südlichen Landkreis Schweinfurt in Unterfranken). Zu beiden Personen liegen leider keine weiteren Informationen vor. Müller beschreibt eigene Erlebnisse während der Revolutionszeit.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auszüge:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Diese ersten Schüsse [am Sonntag, 3. November 1918 abends] hörte ich von der Jungmannstraße her deutlich, wie ich auf dem Wege zu Güttlers war. 10 Minuten später wollte ich auch zum Tatplatz eilen, fand aber sämtliche Straßen militärisch besetzt.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Am Montagabend saß ich gerade beim Abendbrot, als ich vom [[Wilhelmplatz|Wilhelmsplatze]] her einen tosenden Lärm vernahm. Ich eilte sofort hin um zu sehen, was es gab, und fand den großen Platz gedrängt voll von Matrosen die dort unter Mitführung von roten Fahnen, die Befreiung von 80 Meuterern feierten und Ansprachen hielten, die meistens in Lärm untergingen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Zum vollständigen Dokument: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Mueller_brief-an-dora_1919.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Auszug aus dem Tagebuch einer 18-jährigen Kielerin ===&lt;br /&gt;
Im Stadtarchiv Kiel liegt ein Tagebuchauszug vor, der von einem vermuteten Nachfahren aus Hamburg zur Verfügung gestellt wurde. Zu den Personen liegen leider keine weiteren Informationen vor. Die 18-jährige beschreibt ihre Erlebnisse während der Revolutionszeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Dann kam die Nacht von Montag auf Dienstag. Da war es schrecklich. Dauernd wurde geschossen. Viele Menschen haben wohl kaum geschlafen. Der darauf folgende Tag war noch ebenso schlimm. Besonders nachmittags wurde unheimlich viel geschossen. Das heisst, das lag zum Teil daran, dass die Leute alte französische Gewehre hatten, die keine Sicherung haben und sehr leicht, oft sogar bei der geringsten Berührung von selbst losgehen. Ausserdem macht es wohl vielen jungen Matrosen Spass, recht viel zu knallen, Löcher in die Luft zu schiessen und die Menschen bange zu machen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum vollständigen Dokument: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Tagebuch_18-jaehrige-kielerin_1918.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Überregionale Persönlichkeiten ==&lt;br /&gt;
===Gustav Noske ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Noske gustav before 1918.png|150px|thumb|right|Gustav Noske vor 1918.]]&lt;br /&gt;
Gustav Noske (1868–1946) war ein bekannter SPD-Reichstagsabgeordneter, der sich auf Militärfragen spezialisiert hatte. Er wurde am 4. November 1918 zusammen mit dem Regierungsmitglied Conrad Haußmann nach Kiel geschickt, um die Lage unter Kontrolle zu bringen. Noske schrieb nach dem Kapp-Putsch 1920 seine Erinnerungen an diese Zeit in dem Buch „Von Kiel bis Kapp“ nieder.&amp;lt;ref&amp;gt;Gustav Noske: Von Kiel bis Kapp. Zur Geschichte der deutschen Revolution. Berlin 1920. Online zugänglich (aufgerufen am 31. Juli 2022) unter: [https://portal.dnb.de/bookviewer/view/1131562372#page/n6/mode/1up].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auszüge (S. 23 f.):&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Als mittags die Vertrauensleute der verschiedenen Formationen sich im Saal der Station einfanden, um mit mir die Lage zu besprechen, […] musste der Versuch gemacht werden, sobald wie möglich wieder zu einem ordnungsmäßigen Zustand zurückzugelangen. Ich schilderte den Leuten die Sachlage, so wie sie mir erschien und besprach […] den entsetzlichen Zustand, in dem sich unser Volk […] befinde und leitete dann […] dazu über, unter welchen etwaigen Voraussetzungen der Kieler Meuterei, die ich persönlich aufs schärfste verurteilte, ein Ende zu machen sei. Daß politische Reformen, für die man sich erhoben habe, erfüllt würden, sei selbstverständlich. Über eine Amnestie werde die Regierung mit sich reden lassen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Meine Darlegungen machten auf die Leute sichtlich tiefen Eindruck. Artelt, der dazwischen fahren wollte, erhielt von mir einen Dämpfer. Die Reichstagsabgeordneten Hoff und Dr. Struwe, […] haben mir später wiederholt versichert, daß sie niemals eindrucksvollere Darlegungen gehört hätten. Eine Diskussion ließ ich nicht zu, sondern riet den Leuten, mit ihren Kameraden das Gehörte durchzusprechen und dann die Schlußfolgerung in einer großen Vertrauensmännerversammlung zu ziehen, die gegen Abend stattfinden sollte. &#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In der Versammlung im Schloßhof am späten Nachmittag […] es waren an tausend Mann anwesend. […] Redner wurden mitten in ihren Ausführungen […] unterbrochen und [es] redete ein anderer [...] drauf los. [...] Nach ein paar Stunden bekam ein beträchtlicher Teil die Sache satt und ging davon. Schließlich wurde die Versammlung ohne Resultat geschlossen. &#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Zeitnahe Berichte in der SPD-Zeitung und von Lothar Popp zeichnen jedoch ein anderes Bild. Popp schreibt: „ […] gab Abgeordneter Noske die Bedingungen der Regierung [für den Abbruch des Aufstands] bekannt. […] Noske gab zu bedenken, dass die Bewegung zwar in Kiel gesiegt habe, dass aber, da sie isoliert sei, ihr doch große Gefahren drohen, […] Der Vorsitzende des Arbeiterrats Garbe [SPD] und ich führten aus, dass wir doch noch Zeit haben zu warten […] Nicht die Regierung hat Bedingungen zu stellen, sondern wir. Es wurde dann einstimmig beschlossen, das Angebot abzulehnen. Es wurde dann der Antrag gestellt, da anscheinend Haase oder Dr. Cohn verhindert würden, nach hier zu kommen, einen anderen Vertreter der Unabhängigen [Popp] an die Seite Noskes [dem vorläufigem Vorsitzenden der Soldatenräte] zu stellen, um die Parität zu wahren. Dem wurde zugestimmt und die Wahl vollzogen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Popp/Arterlt, Ursprung, S. III-25.&amp;lt;/ref&amp;gt; Am folgenden Tag hatte Popp die Soldatenräte neu organisiert. Es wurde der Oberste Soldatenrat gebildet, zu dessen Vorsitzenden Popp gewählt wurde. Noske ersetzte den Gouverneur Admiral Souchon.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references group=&amp;quot;A&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:1911-1920]] [[Kategorie:Erster Weltkrieg]] [[Kategorie:Kieler Arbeiter- und Matrosenaufstand]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Klaus Kuhl</name></author>
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&lt;div&gt;=={{int:filedesc}}==&lt;br /&gt;
{{Information&lt;br /&gt;
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{{Information&lt;br /&gt;
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Die folgende Seite verwendet die Datei: [[Zeitzeugen Matrosen– und Arbeiteraufstand 1918/1919]]&lt;br /&gt;
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		<id>https://kiel-wiki.de/index.php?title=Zeitzeugen_Matrosen%E2%80%93_und_Arbeiteraufstand_1918/1919&amp;diff=62287</id>
		<title>Zeitzeugen Matrosen– und Arbeiteraufstand 1918/1919</title>
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		<updated>2024-05-18T11:16:43Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Klaus Kuhl: /* Karl von Kunowski */ Aktualisiertes PDF-Dokument&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Die folgende Zusammenstellung basiert auf der Sammlung von Klaus Kuhl und wird in nächster Zeit von ihm von seiner Webseite kurkuhl.de hierher übertragen. Dabei werden Ergänzungen vorgenommen und die Interviews, Manuskripte, Auszüge aus der Literatur etc. werden übersichtlicher präsentiert.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Stand 26. Januar 2022 wurden neun Berichte/Interviews von insgesamt 37 übertragen. Die anderen Zeitzeugnisse werden in den nächsten Wochen übertragen, aber können nach wie vor unter [http://www.kurkuhl.de/de/novrev/zeitzeugen.html] angesehen werden.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anführer des Aufstands ==&lt;br /&gt;
=== Lothar Popp ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Lothar popp mid-1920s.jpg|thumb|Passfoto Lothar Popps aus dem [[Hamburger Staatsarchiv]], aufgenommen vermutlich Mitte der 1920er Jahre.]] &lt;br /&gt;
[[Lothar Popp]] (1887–1980) war als Schlosser dienstverpflichtet auf der Germania-Werft. Er schrieb seine Erlebnisse zusammen mit Karl Artelt bereits im Dezember 1918 auf.&amp;lt;ref&amp;gt;Lothar Popp unter Mitarbeit von Karl Artelt: &#039;&#039;Ursprung und Entwicklung der November-Revolution 1918. Wie die deutsche Republik entstand.&#039;&#039; Behrens, Kiel 1919, Reprint als Sonderveröffentlichung 15 der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Kiel 1983. Im Jahr 2020 leicht gekürzt und von Klaus Kuhl kommentiert veröffentlicht in: IG Metall Bezirksleitung Küste (Hrsg.): Matrosenaufstand und Novemberrevolution 1918. Hamburg 2020, S. 96-115, ISBN 978-3-96488-063-5.&amp;lt;/ref&amp;gt; Unter den Nazis musste er das Land verlassen. Nach seiner Rückkehr aus den USA stellte er sich bereitwillig für Gespräche und Interviews zur Verfügung: Gespräche mit Volker Ullrich (1970 und 1972), Gespräch mit [[Dirk Dähnhardt]] (1975), Interviews vom WDR und NDR, Interview von Ute Kohrs (1976), Interview geführt von Klaus Kuhl (1978), Gespräch mit Bernd Michels für das „Sozialdemokrat Magazin“ (1978), Interview geführt von Christian Blöss (1978). Alle bisher bekannten Gespräche, Berichte und Interviews sind im Anhang des Mitschnitts des von Klaus Kuhl geführten Interviews („Streitgespräch mit einem 68er“) wiedergegeben (Link siehe unten). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszüge aus dem von Klaus Kuhl geführten Interview:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Am 28. Oktober 1918 erhielt die Hochseeflotte den Befehl zum Auslaufen. Die Matrosen nahmen gewiss zu recht an, dass die Flotte in einem letzten Verzweiflungskampf lieber untergehen sollte als in den Waffenstillstandsverhandlungen mit den Alliierten ausgeliefert zu werden. Die Heizer rissen die Feuer heraus und verhinderten so das Auslaufen der Schiffe. Abordnungen der Matrosen erklärten, sie seien bereit, die Küste gegen einen Angriff zu verteidigen, aber sich sinnlos einem sicheren Untergang preiszugeben, dazu seien sie nicht bereit. Cirka 800 Mann wurden festgenommen ....&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Popp merkte an, dass die Gefangenen nach Kiel gebracht worden seien. Nach den Recherchen Dähnhardts (Revolution in Kiel, 1978, S. 109) waren die vor Wilhelmshaven Verhafteten in eine Haftanstalt in Bremen-Oslebshausen gebracht worden und waren nach dem Matrosenaufstand von Kieler Matrosen befreit worden. Dabei stützt er sich auf Veröffentlichungen von Peter Kuckuk und Ulrich Kluge. Nach Kiel wurden die während der Fahrt durch den Nord-Ostsee-Kanal verhafteten 48 „Rädelsführer“ gebracht, sowie am Morgen des 3. November weitere 57 Verhaftete der „Markgraf“.&amp;lt;/ref&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Da den Matrosen [in Kiel] jede Versammlung verboten wurde, begannen sie zu demonstrieren. Um fünf Uhr nachmittags (am 3. November 1918) versammelten sich etwa zehntausend Matrosen und einige tausend Arbeiter, zogen zunächst zur &amp;quot;Waldwiese&amp;quot; und holten die dort Gefangenen heraus; wobei sich eine erhebliche Anzahl bewaffnete.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Der Zug bewegte sich dann zur Militärstrafanstalt in der Feldstraße. Marineinfanterie, die den Zug aufhalten sollte, weigerte sich. Jedoch an der Feldstraße gab es einen Zusammenstoß mit einer Gruppe, die als Applikanten und Maaten extra zusammengestellt war. Es gab acht Tote und zwanzig Verwundete.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Nach den Untersuchungen Dähnhardts gab es 7 Tote bei der Schießerei. Es waren keine Frauen und Kinder unter den Opfern. Eine Frau war kurze Zeit vorher im Verlauf des Demonstrationszuges unter eine Straßenbahn geraten und gestorben. Zwei verwundete Personen starben später. Damit kamen insgesamt 10 Personen im Rahmen der Ereignisse des 3. November ums Leben.&amp;lt;/ref&amp;gt; Doch die Bewegung war nicht mehr aufzuhalten. Immer mehr Einheiten schlossen sich der Bewegung an. Es wurden Soldatenräte gegründet.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In jeder Kaserne wurde extra Revolution gemacht, auf jedem Schiff extra. Auf einem Schiff haben sie mich geholt. Die kamen an, ich soll mit an Bord kommen. Wenn ich mir das heute so überlege, ich steige in so ein Boot, kommt der nächste Offizier und knallt dich über den Haufen. Ist ja toll, dass das damals nicht passiert ist. Sie müssen sich vorstellen, ich klettere nun an Bord, haben ein paar mich geholt, und dann sage ich zu dem Kommandanten, er soll alles antreten lassen, und der macht das! War auf der &amp;quot;Bayern&amp;quot;, war ein großes Schiff. Ich halte einen Speech, die ziehen die Rote Fahne hoch und damit hat sich das. (In einem anderen Interview bemerkte Popp dazu: ... ich habe hinterher noch mit dem Kommandanten gesprochen, der hatte selber die „Schnauze voll“).&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Kuhl: Der Noske ist doch gekommen, um die Revolution praktisch abzuwürgen. (Popp: Ja das ist ihm nicht gelungen.), aber wieso wird er dann in den Vorsitz des Soldatenrats gewählt?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Popp: Ja, wer war denn der Soldatenrat, die kannten einander ja kaum. Das waren doch keine von vornherein politisch ausgerichteten Leute. Ich habe dann noch den Fehler gemacht, da war ein Soldat dabei, den ich persönlich kannte. Den habe ich gerufen, den haben sie dann mitgewählt. Das war mit die grösste Dummheit, die es gab. das war ein schauerliches Mannsbild. Wir kannten einander ja kaum. Da war doch keine Rede davon. Ich weiß gar nicht, wie viele Soldatenräte es damals gab. Da in der Ecke wählten sie einen, da einen, da einen. Die richtigen Soldatenräte, das organisatorische, das gab’s doch erst, nachdem ich das organisiert hatte. Das waren doch wilde Geschichten. Kuhl: Haben Sie nicht versucht, zu verhindern, dass Noske gewählt wurde? Popp: Ja, warum denn? Ja, ich konnte doch die SPD nicht ausschalten! Hören Sie doch mal zu! Nun gehen Sie mal, wenn Sie einer sind, und die anderen sind zehn, wollen Sie die ausschalten die zehn? Wie machen Sie das? Kuhl: Man kann es doch auf alle Fälle versuchen. Popp: Nee, das ist ja putschen Menschenskind!&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum vollständigen Dokument mit allen weiteren bisher bekannten Aussagen im Anhang: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:kuhl_streitgespraech-m-l-popp_1978_plus-weitere-interv-u-gespraeche.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Karl Artelt ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Artelt and comrades Kiel-Wik 1914.jpg|200px|thumb|Karl Artelt, I. Werftdivision, links, (Ausschnittsvergrößerung rechts), gemeinsam mit Kameraden der I. Torpedo-Division in Kiel-Wik, September 1914]]&lt;br /&gt;
[[Karl Artelt]] (1890–1981) kam aus einem Dorf in der Nähe von Magdeburg. Er war Maschinenschlosser und diente zunächst in der I. Werft-Division und dann in der I. Torpedo-Division in Kiel Wik. Er war wie Popp Mitglied der USPD. Zusammen mit ihm schrieb er die o. g. Broschüre, wozu er hauptsächlich die Ereignisse in der Wik, sowie die erste Verhandlungsrunde beim Gouverneur beitrug. Er war ein ausgesprochen mutiger Mensch und hatte maßgeblich Anteil daran, dass die Marineangehörigen in der Wik die Offiziere entmachteten. Er wurde zum Vorsitzenden des ersten Soldatenrats in der Wik gewählt. Während Popp auch später in etwa bei den in ihrer Broschüre niedergelegten Darstellungen blieb, stellte Artelt die Ereignisse in der Folgezeit immer dramatischer und seine eigene Rolle als immer wichtiger dar. Im Jahr 1958 veröffentlichte er einen Artikel&amp;lt;ref&amp;gt;Karl Artelt: Mit der roten Fahne zum Vizeadmiral Souchon [Souchon war im August 1918 bereits zum Admiral befördert worden]. In: Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED: Vorwärts und nicht vergessen – Erlebnisberichte aktiver Teilnehmer der Novemberrevolution 1918/1919. Berlin 1958, S. 89–100.&amp;lt;/ref&amp;gt; in einem Sammelband mit Erlebnisberichten aktiver Teilnehmer der Novemberrevolution.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszüge:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Vor dem Kaiser-Cafe empfing uns plötzlich MG-Feuer.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Nach zeitnahen Berichten und Aktennotizen ist hier kein MG eingesetzt worden.&amp;lt;/ref&amp;gt; Unser Demonstrationszug stoppte. Als wir feststellten, daß niemand getroffen worden war, gingen wir weiter. Daraufhin schossen die MG-Schützen direkt in unseren Zug hinein. Vierzig bis fünfzig Demonstranten, darunter auch Frauen und Kinder, brachen unter den Kugeln zusammen. Acht von ihnen wurden getötet und 29 schwer verletzt.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Es gab sieben Tote und 29 Verletzte, darunter waren keine Frauen oder Kinder.&amp;lt;/ref&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Durch die Massen ging ein Schrei der Entrüstung und des Protestes. Nachdem die Mörder, die unter dem Kommando des Leutnants Steinhäuser standen, ... nicht bereit waren, das Feuer einzustellen, sprang ein Matrose ... vor und schlug den Leutnant Steinhäuser mit dem Gewehrkolben nieder. ...Junge Matrosen und Arbeiter stürmten die Stellung der Maschinengewehrschützen und schlugen sie in die Flucht.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Am anderen Morgen (4.11.1918, Klaus Kuhl) mußten alle Truppenteile in Kiel zum Appell antreten. ... Nach den üblichen Meldungen bestieg der Divisionskommandeur, Kapitän zur See Bartels, einen bereitgestellten Tisch und hielt eine Ansprache ... Er schilderte die gestrigen Vorkommnisse, sagte auch, dass die Luft mit Hochspannung geladen sei, dass aber ein Soldat sich nicht mit Politik zu befassen habe, da er von Politik nichts verstünde. Nachdem er den Tisch verlassen hatte, ... Kurz entschlossen sprang ich hinauf, hielt ebenfalls eine kurze Ansprache und forderte die Matrosen zur Wahl von Soldatenräten auf. Offiziere, die mich vom Tisch herunterzuschiessen versuchten, wurden von Matrosenfäusten rücksichtslos entwaffnet.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Auch hier handelt es sich um eine spätere Ausschmückung Artelts.&amp;lt;/ref&amp;gt; Anschliessend stürmten wir unsere Waffenkammern und wählten in allen Kompanien Soldatenräte. Ich wurde zum Vorsitzenden des Soldatenrates gewählt.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Nach kurzer Zeit erhielten wir die Meldung, dass ich sofort zum Gouverneur kommen möchte. Wir machten ein Auto klar, holten von einem Torpedoboot eine große rote Fahne, die größer als das Auto war, und bereiteten die Abfahrt vor. Als wir das Zimmer des Gouverneurs betraten, merkte ich, wie dieser sich förmlich zwingen mußte, mit uns zu unterhandeln. ... Er kam uns entgegen und sagte: &amp;quot;Ich danke Ihnen, dass sie die Courage aufgebracht haben, herzukommen.&amp;quot; Bevor wir in Verhandlungen mit ihm eintraten, fragte ich ihn, ob er uns als die von den Soldaten gewählten Vertrauensleute anerkenne und auf gleichberechtigter Basis mit uns verhandeln würde. Angesichts der realen Tatsachen antwortete er gezwungenermaßen mit &amp;quot;Ja&amp;quot;. Ich erklärte ihm nunmehr, dass wir zunächst die Fragen klären müßten, die in seinem Machtbereich liegen. Gleichzeitig warnte ich ihn jedoch .... Landtruppen gegen die revolutionären Matrosen einzusetzen. In diesem Falle hätte das III. Geschwader die Anweisung, das Offiziersvillenviertel Düsternbrook unter Feuer zu nehmen und alles in Schutt und Asche zu legen. ... gab er sofort in meiner Gegenwart die Erklärung ab, keine auswärtigen Truppen heranzuziehen und die schon auf dem Transport befindlichen ... zurückzuschicken. Außerdem teilte er uns noch mit, dass der Abgeordnete Noske und Staatssekretär Haußmann nach Kiel kommen würden, um mit uns weiter zu verhandeln.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Zur Frage warum Noske in Kiel relativ freie Hand erhielt, nahm Artelt in den 1960er Jahren auf Fragen von Angehörigen der Volksmarine wie folgt Stellung (nach Robert Rosentreter, &amp;quot;Blaujacken im Novembersturm&amp;quot;, Dietz Verlag, 1988, S. 250 f.): Karl Artelt hat auf diesbezügliche Fragen von Angehörigen der Volksmarine immer wieder betont, dass ihm und anderen Genossen die Rolle Noskes durch dessen Verhalten erst nach und nach bewußt geworden wäre. Artelt selbst und andere ... hätten zwar gewußt, dass Noske zu den rechten Kräften in der Partei gehörte, ihn aber doch immerhin als sozialistischen Parteifunktionär angesehen und gehofft, dass er in der Revolution eine den Arbeitern nützliche Politik machen würde, keineswegs hätte jemals jemand gedacht, dass er bereit sein könnte, auf Arbeiter schießen zu lassen ....&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gustav Garbe ===&lt;br /&gt;
[[Datei:gustav_garbe.jpg|150px|thumb|right|Foto Gustav Garbes aus dem Kieler Gewerkschaftshaus, aufgenommen vermutlich in den 1920er Jahren.]]&lt;br /&gt;
Der bekannte Kieler Gewerkschaftsfunktionär, Gustav Garbe (SPD, 1865–1935), wurde am 5. November 1918 zum Vorsitzenden des neu gebildeten Kieler Arbeiterrats gewählt. Er wurde zunächst als zögerlich wahrgenommen, weil er vergeblich die Marineangehörigen aufforderte mit der Bewegung noch „ein bis zwei Tage zu warten, da von den Werftarbeitern etwas ähnliches geplant sei.“ Er zeigte sich jedoch als tatkräftige Person und widersetzte sich mit Lothar Popp zusammen Gustav Noskes Vorstoß, den Aufstand abzubrechen. Der Schulterschluss zwischen Matrosen und Arbeitern wurde damit eindrucksvoll dokumentiert und es ist somit völlig berechtigt von einem Matrosen- und Arbeiteraufstand zu sprechen. Auf diesen Vorfall bezog sich Garbe, wenn er 1919 auf einer Konferenz der Metallarbeitergewerkschaft in Stuttgart sagte:&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Erst dadurch, dass die Soldaten und Arbeiter Hand in Hand gingen, erst dadurch, dass man sich seinerzeit, obgleich man den Haußmann und den Noske hat nach Kiel kommen lassen, wo wir sie damals eingewickelt haben, nicht hat beeinflussen lassen, erst dadurch ist es möglich geworden … &amp;lt;ref&amp;gt;Deutscher Metallarbeiter-Verband (Hrsg.): Protokoll der Konferenz der Bevollmächtigten des D.M.-V., abgehalten vom 16. bis 18. Juni 1919 im Saale des Stadtgartens in Stuttgart. Stuttgart 1919. Garbes Rede ist auf den Seiten 61. ff. wiedergegeben.&amp;lt;/ref&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Die im Folgenden angegebene PDF-Datei enthält Hinweise auf ausführliche Artikel über Garbe sowie eine kurze Biografie, Redebeiträge und schriftliche Zeugnisse Garbes: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Kuhl_gustav-garbe_2023.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mannschaftsangehörige Marine, untere Dienstgrade ==&lt;br /&gt;
=== Karl Bock ===&lt;br /&gt;
Karl&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Im SED-Parteiarchiv wird sein Vorname in zwei Fällen auch mit „C“ geschrieben. Dies basiert aber offensichtlich auf einem Übertragungsfehler.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bock (* 1896) kam aus Berlin und war Torpedoheizer bzw. Torpedomaschinist auf „Markgraf“. Er schrieb im November 1918 einen Brief an seine Schwester. Im Jahr 2024 wurde eine ausführliche Quellenanalyse vorgenommen, da von Seiten des Deutschen Historischen Museums (wo weitere Dokumente von Bock vorliegen) von einer Fälschung ausgegangen wurde. Die Analyse ergab jedoch, dass die Dokumente verschiedentlich überarbeitet worden waren, ohne dies in den SED-Archiv-Dokumenten kenntlich zu machen, dass aber keine Fälschung vorliegt. Die Analyse wird in dem unten verlinkten PDF-Dokument detailliert beschrieben. Im Jahr 1957 erstellte Bock außerdem einen schriftlichen Bericht über seine Erlebnisse auf Anforderung der SED.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszüge aus dem Brief an seine Schwester nach der vermuteten frühesten Abschrift:&lt;br /&gt;
:’’Jedenfalls war einstimmig beschlossen, daß wir nicht rausfahren und daß hatten wir durchgesetzt. Am anderen mittag fuhren wir nach Kiel, auf der Fahrt hatten wir die vollsten Beweise, daß doch etwas geplant war, also ist es doch in dieser Hinsicht gut gewesen, wer weiß ob ich heut noch lebte! So liegen wir im Kieler Hafen. Übrigens hatten wir noch eine Verfügung vom Flottenchef, die besagte, daß unsere Beunruhigung jeder Grundlage entbehre, (Wir haben Beweise). […] Heute haben sie nämlich in aller Heimlichkeit mindestens 60 Mann zu schweren Arrest verurteilt, in aller Heimlichkeit wie die schwersten Verbrecher an Land gebracht. Sodaß wir es erst zu spät wussten. Einige, die sich zu weit geäußert haben, sitzen in Untersuchung. Das wird ja nun nicht so vorübergehen, zweitens wird die Sache auch im Reichstag kommen. Jedenfalls kann man allerhand erwarten hier. Also wundere Dich nicht, wenn mir etwas gleichartiges passiert. Jedenfalls wir kämpfen für unser Leben, aber wollen es nicht einsetzen für Heldentod und gleichartiges. Die Zeiten sind vorbei, die Zeiten sind reif, zur Zertrümmerung von Götzenbildern, jetzt.’’&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den vollständigen Dokumenten, die auch die Diskussionen unter den Mannschaften und mit den Offizieren enthält, als das III. Geschwader nach Travemünde weiterfuhr und dort vor Anker ging, sowie einen Vergleich mit den Aussagen des Wachoffiziers Karl von Kunowski und des 1. Offiziers Wilfried von Loewenfeld (PDF): [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Bock-kunowski-loewenfeld_markgraf_1918.pdf].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wilhelm Kleineweber ===&lt;br /&gt;
Kleineweber (*1900) war Rekrut bei der I. Torpedo-Division in Kiel Wik. Er gehörte der Patrouille an, die unter Führung von Leutnant Steinhäuser am 3. November auf die Demonstranten schoss. Er war dann für viele Jahre bei der Polizei, lebte in Eckernförde und wurde als Polizeihauptmann pensioniert. Er gab der Eckernförder Zeitung 1969 ein Interview, ebenso dem NDR (vermutlich Ende der 1970er Jahre) und es fanden zwei Gespräche mit Dirk Dähnhardt statt (Mitte und Ende der 1970er Jahre).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszüge:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Und so marschierten wir in die Feldstraße und zwar bis zum langen Segen, ... Und da war eine Kette gezogen von Schutzleuten, Schutzleuten von der blauen Schutzmannschaft in Kiel. ... Wie der Zug nun kam, wurden die Schutzleute sofort blitzartig aufgerieben und die türmten in den Langen See hinein. Und dann ging der Leutnant Steinhäuser vor uns vorweg zu der Spitze des Zuges, das war ein unheimlich langer Zug gewesen, man sprach von 20.000 Mann. ... Und dann ging der Leutnant Steinhäuser vorweg und mahnte, sie sollten vorsichtig sein, sie sollten zurückgehen und sofort und so weiter und dann ist ein Schuss gefallen. Woher der Schuss gekommen ist, kann ich Ihnen nicht sagen, man hat einmal festgestellt, der Schuss soll von uns aus gekommen sein. Ich kann es nicht bestreiten, ich glaube es aber nicht. Ich glaube eher, dass er aus der Menge gekommen ist, die waren ja alle bewaffnet schon.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Nach der detaillierten Analyse der Vorgänge gab Steinhäuser Feuerbefehl, wobei die Rekruten fast alle in die Luft schossen. Nach nochmaligem Feuerbefehl schossen sie in Panik auf die erneut anstürmenden Demonstranten und flohen dann, wobei Steinhäuser allein zurückblieb. Ein Polizeimeister und der in der Nähe weilende Marineoffizier Karl Weiß kamen ihm zu Hilfe. Alle drei wurden schwer verletzt.&amp;lt;/ref&amp;gt; Jedenfalls wurden wir überrumpelt. Der Leutnant Steinhäuser kriegte, soweit ich das mitbekommen habe, einen mit dem Kolben über den Schädel und er wurde dann in dieses Lokal neben dem Stadtcafe hineingeschleppt und wir waren der Meinung, sie hätten ihn totgeschlagen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum vollständigen Dokument, mit den genannten Interviews und Berichten inklusive eines Kommentars von Klaus Kuhl: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:kleineweber_interviews_1960er-und-70er-jahre.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Alfred Schwabe ===&lt;br /&gt;
[[Datei: alfred-schwabe_1923.jpg|150px|thumb|Alfred Schwabe 1923, zur Verfügung gestellt von Gerd Kassner, der Alfred Schwabe noch persönlich gekannt hatte.]]&lt;br /&gt;
Alfred Schwabe (1892–1973) war U-Boot Fahrer und nahm im November 1918 an einem U-Bootslehrgang in der Uboot-Division in Kiel-Wik teil. Er wurde von Offizieren mit seinen Kameraden herangezogen, die Aufständischen in der Wik zu bekämpfen. Er verfasste darüber vermutlich in den 1950er/60er Jahren einen schriftlichen Bericht, wahrscheinlich auf Anforderung der SED. Er wurde jedoch nicht veröffentlicht oder archiviert und gelangte über die Familie Artelt (Schwabe hatte ihn Karl Artelt zur Verfügung gestellt) an Klaus Kuhl.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszüge:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Als ich mit Matrosen der grossen Schlachtschiffe, der Kreuzer und der immer in See stehenden Torpedoboote bekannt wurde, spürte ich dass dort ein anderer Wind wehte, als auf unserem U-Boot. Bei uns war des ganze Boot auf jeden Einzelnen angewiesen, von Offiziersdrill war nichts zu spüren. Aber das furchtbare Völkermorden hatten wir trotzdem satt, die Sehnsucht nach Frieden war vorherrschend. Als ich auf Urlaub kam, kannte ich meine Eltern kaum noch, so abgemagert und verbissen waren sie, und wir versenkten im Mittelmeer Schiffe und wieder Schiffe, gefüllt mit Lebensmitteln aus Amerika. ... Am Morgen ... erhielt unser Lehrgang, es waren gegen 40 Maate und 10 Obermatrosen, Pistolen und Munition ausgehändigt. Wir marschierten nach der Werftdivision Kiel - Wik. ... Wir marschierten diagonal über den Exerzierplatz. An der rechten Ecke am Hafen standen 150 - 200 Matrosen bei einer Versammlung. Wir wurden in die Turnhalle geführt. Ein junger Leutnant hatte das Kommando und hielt eine Ansprache. Heldentum und Treue zu den Offizieren, Kampf gegen die Meuterer war der Inhalt. ... Minuten war es kirchenstill. Plötzlich ein Gebrüll von weit her, aber es kam näher und näher. &amp;quot;Achtung, Ächtung! Pistolen laden und sichern!“ Im Flüsterton bei den Obermatrosen: &amp;quot;wir schiessen nicht, wir schiessen nicht“. Gegenzug rechts! Marsch! Zur Turnhalle hinaus!“ Wir Obermatrosen waren am Schluss des Zuges und somit den anstürmenden teils bewaffneten Matrosen am nächsten. Es waren die, welche die Versammlung auf dem Exerzierplatz durchführten. Etwa 10 mtr vor der Menge liefen 2 Matrosen und riefen uns zu: &amp;quot;Kameraden werft die Waffen weg oder kommt mit den Waffen zu uns, schiesst nicht auf Eure Kameraden. Nieder mit dem Krieg! Nieder mit den Kriegsphantasten!“ Achtung! Achtung! Feuer, brüllte unser Leutnant. Eine Anzahl Schüsse fielen, aber ich habe nicht gesehen, dass einer getroffen war. Ich war nicht einen Moment unschlüssig; schon zogen wir die anderen zu uns herüber bezw. hinüber. „Los rüber, Schiet op den Krieg! Ein Teil der Maate schloss sich an. Es fielen wieder Schüsse von unserem linken Flügel der Maate oder dem Leutnant; denn 2 übergelaufene Maate waren getroffen und wurden fortgetragen. Der Leutnant war aber plötzlich spurlos von der Bildfläche verschwunden und hat nie wieder in Kiel unseren Bug gekreuzt. Wir, der verstärkte Haufen, rannten nun in die Kasernenblocks, riefen den Matrosen unsere Parolen zu und forderten sie auf, uns zu folgen. Viele schlossen sich an, ein Teil verhielt sich passiv. Offiziere waren eigentlich wenig da und die anwesenden wurden teils mit Güte, teils mit Gewalt, abgetakelt, d. h. die Epauletten und die Kokarden abgemacht. Und so ging es etwa 15 Häuserblocks durch, der Haufen wurde immer grösser und grösser. Leider waren aber auch schon die Räuber am Werk; denn aus den Kleiderkammern und Magazinen stürzten gefüllte Seesäcke aus den oberen Etagen und wurden fortgeschleppt. Aber das liess uns z.Z. kalt. Wir stürmten weiter. Nachdem alle Kasernenbauten abgekämmt waren, eilten wir an die Hafenmole. Zwei Torpedoboote wurden durch Schüsse und Zurufe aufgefordert die rote Flagge zu hissen. Es waren die ersten Schiffe, welche in Kiel die rote Flagge am Mast hochzogen. Leider sind mir die Nummern entfallen. Viele Boote folgten; Pinassen fuhren mit roter Heckflagge zu den dicken Kasten und forderten sie auf sich uns anzuschliessen. Starkbesetzte Boote brachten immer mehr revolutionäre Truppen an Land. Mein Wohnschiff, der älteste Kasten der Marine SMS &amp;quot;Mars“ (Bordwände aus Holz) hatte 1866 gegen die Dänen mitgekämpft, setzte sich lange zur Wehr. 2 rote Matrosen mit weisser Parlamentärflagge wurden zum Verhandeln an Bord geschickt und erreichten, dass doch eindrucksvoll die Kriegsflagge gestrichen wurde und die rote Flagge am Mast hochging. Ein grosser Teil der Matrosen zog durch die Strassen von Kiel und es erfolgte eine systematische Entwaffnung der Offiziere. Das Abtackeln war manchen Matrosen eine wahre Wollust, konnten sie sich doch für Drill und Erniedrigungen rächen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum vollständigen übertragenen und kommentierten Dokument: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:schwabe_manuskript_1950-60.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Fritz Fischer ===&lt;br /&gt;
Fritz Fischer fuhr als Obermatrose auf Torpedobooten und Zerstörern. Er war verschiedentlich widersetzlich und überzog seinen Urlaub. Er erhielt deshalb Strafen und wurde zum Matrosen degradiert. Im Oktober 1918 gehörte er der I. Torpedo-Divison in Kiel-Wik an. Später wurde er ein bekannter Intendant und verfasste 1970 seine unveröffentlichten Memoiren. Darin widmet Fischer mehrere Seiten seiner Zeit in der Kaiserlichen Marine und seiner Rolle beim Kieler Matrosenaufstand. Er wurde mit Karl Artelt in den ersten Soldatenrat gewählt und gehörte auch der Delegation an, die vom Gouverneur Souchon ins Stationsgebäude gebeten wurde. Fischer nahm auch an den folgenden zwei Verhandlungen (an der dritten waren auch Noske und Haußmann beteiligt) am selben Tag teil.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auszüge aus den Memoiren:&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Und dann wie ich dort ankam, in Kiel, also wo waren Sie die ganze Zeit, sage ich, ich weiß es nicht. Also kam ich vor das Kriegsgericht und dieser Kriegsrichter ...... also ich kam dauernd zu Vernehmungen, wurde vorgeführt, und inzwischen gärte es natürlich schon bereits. Und eines Tages kam der Moment, … Also wir bekamen die Waffen ausgehändigt mit Munition, dann wurden sie uns wieder weggenommen. … wurde also von Mittags, wurde die ganze Werftdivision und [Torpedo-] Division zusammen auf dem Riesenplatz, den es ja heute noch gibt, zusammengetrommelt und der Kapitän Bartels hielt uns also eine Rede und sagte, was ist eigentlich los mit euch. Und so und so. Und alles fing an zu murren und wir … [gingen] auseinander. Daraufhin wollte er vier, zwei Leute von der Werftdivision und zwei Leute von der Torpedo-Division sprechen. Ich wurde von den Kameraden dazu abgeteilt. Der eine war ein Matrose Artelt und wir haben also gesagt, was wir wollten. Der A. sagte sofortige Abdankung vom Kaiser und ich sagte sofort die Gefängnisse auf, ja von allen Politischen. Währenddem … kam ein Telefunk-Gespräch und es wurde gesagt, wir sollten zum Gouverneur vorgeführt werden. Er wolle uns sprechen in Kiel. Auf einem kleinen Lastwagen fuhren wir also zum Gouverneur, saßen dem gegenüber am grünen Tisch und haben also unsere Anliegen vorgebracht. Der Kriegsgerichtsrat, der mich verhörte, der saß mir gegenüber. Dies sei nebenbei gesagt, es ist ein Stuttgarter gewesen, den ich später im Theater im Foyer getroffen habe.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Zum vollständigen Abschnitt über seine Erlebnisse während des Aufstands: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Fritz-fischer_memoiren-revzeit_1970.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Frederik Matzen, dänisch gesinnter Matrose ===&lt;br /&gt;
Matzen kam aus Gråsten/Gravenstein, das vor dem ersten Weltkrieg zum deutschen Kaiserreich gehörte. Er berichtet in zwei Artikeln des Jahrbuchs dänisch gesinnter ehemaliger Kriegsteilnehmer (DSK) 1963 und 1967 über seine Erlebnisse während des Matrosenaufstands in Kiel. Zu der Zeit erhielt er eine Ausbildung zum U-Bootfahrer und war auf der in der Wik liegenden SMS „Mars“ untergebracht. Seine Einheit wurde in die Stadt geführt, um den Aufstand niederzuschlagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszug aus seinen Berichten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wir wurden von einem Kapitänleutnant geführt. Meine Gruppe wurde von einem Leutnant geleitet, der während des Eilmarsches nach Kiel versuchte, unsere Gunst zu gewinnen, indem er uns auf Plattdeutsch ansprach. Wahrlich, das große Vaterland musste am Rande des Abgrunds stehen! Es war ein dunkler und trüber Regentag, als wir mit vielen anderen Truppenteilen auf dem Kasernenhof der Matrosendivision aufgestellt wurden. […] Der Kommandeur der Marinestation, […] kam mit seinem Stab auf den Platz. Der Admiral war ein kleiner, älterer Mann. Mein bleibender Eindruck von ihm war, dass er kurz davor war, von der großen, mit Gold überladenen Mütze, von den schweren Epauletten auf seinen Schultern und vom Ernst der Lage zu Boden gedrückt zu werden ... &#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den vollständige Artikeln in Deutsch und Dänisch, und weiteren Kiel betreffenden Artikeln aus den Jahrbüchern: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Matzen_DSK_aarbog_1963_1967.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Marine, mittlere Dienstgrade ==&lt;br /&gt;
=== Fritz Fabian ===&lt;br /&gt;
Fritz Fabian (geb. 1887) kam aus Oberschlesien und diente während des Ersten Weltkriegs als Unteroffizier auf SMS „Kronprinz Wilhelm“. In seinen Revolutionserinnerungen, verfasst vermutlich in den 1920er Jahren, beschreibt er die Ereignisse von Ende 1918 bis etwa 1920. Das Dokument wurde von einem Nachfahren in EUROPEANA eingestellt und von Klaus Kuhl transkribiert (ein Teil wurde auch von Axel Klekers transkribiert) und kommentiert. Der Schreiber hatte ein konservatives und nationalistisches Werteverständnis. Viele der berichteten Details halten einer Überprüfung nicht stand. Fabian versuchte – auch wenn er den Seeoffizieren (eher indirekt) mangelndes Durchgreifen vorwarf, ein positives Bild von ihnen zu zeichnen. In einer mehr nebensächlichen Anmerkung kommt jedoch ganz grundsätzliche Kritik zum Vorschein:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Bei dieser Gelegenheit [Überführung des III. Geschwaders nach Kiel ohne dass die Offiziere sich an der Schiffsführung beteiligen durften] mag wohl manchem jungen Offizier die Erkenntnis gekommen sein, daß es nicht allein nur tüchtige Offiziere, sondern auch hervorragend tüchtige U.O. [Unteroffiziere] gab, deren Tüchtigkeit und Fähigkeit aber nie in gerechter Weise eingeschätzt wurden. […] Wäre dieser Dünkel nicht vorhanden gewesen und wäre die Selbstüberhebung der jüngeren Offiziere nicht systematisch genährt worden, ich glaube, das Seeoffizierkorps und überhaupt die ganze Marine hätte sich vielleicht besser dabei gestanden. Ich erwähne das nur so nebenher.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum vollständigen übertragenen und kommentierten Dokument: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Fabian_revolutionserinnerungen_1924_kommentiert.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Paul Kässner, Oberdeckoffizier ===&lt;br /&gt;
Kässner (geb. vermutlich ca. 1880) schrieb 1932 die Geschichte der Deckoffizierbewegung (Selbstverlag Altona), weitgehend gestützt auf zeitnah verfasste Berichte. Seine Schilderungen zu wichtigen Ereignissen wurden bisher in der Geschichtsschreibung kaum berücksichtigt. Dies betrifft besonders: Bildung der Sicherheitstruppe des Soldatenrats, Aufbau der Eisernen Brigade/Division, die Februarunruhen 1919 in Kiel, die Ernennung von Volksoffizieren.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auszug bzgl. des Aufbaus der Eisernen Division (I. Marine-Brigade):&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In der Versammlung wurde natürlich auch die Führerfrage besprochen. Selbstverständlich war von der Regierung von vornherein zugestanden worden, daß diese Truppe selbst ihre Führer und ihr inneres Leben bestimmen könne. Aus der Versammlung heraus wurde allgemein zum Ausdruck gebracht: Wir wollen nicht daran denken, wie wir früher behandelt worden sind und deshalb sollen ruhig Offiziere alle oberen Stellen in der Truppe besetzen; aber es müssen Offiziere sein, die unser Vertrauen besitzen und die auch etwas vom Landkrieg verstehen. In diesem Sinne ließ Kamerad Alboldt noch am selben Abend die verschiedenen Offiziersgruppen und im besonderen die Seeoffiziere informieren und ihnen sagen, daß die Formation der Truppe am andern Vormittag in der Waldwiese erfolgen werde. Es mag hier gleich erwähnt werden, daß sich außer Kapitänleutnant v. Werner kein einziger Offizier dort einfand.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Analyse und Edition: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Kuhl_analyse-edition-kaessner-deckoffizierbewegung_2022.pdf PDF-Datei.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Louis Streichert ===&lt;br /&gt;
Louis Streichert (geb. 1890) diente im ersten Weltkrieg auf SMS &amp;quot;Straßburg&amp;quot; vermutlich als Unter- oder Deckoffizier. Er wurde im Jahr 1975 von Karl-Reinhard Titzek und Tilmann Weiherich interviewt.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auszüge:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Zum Beispiel habe ich meinen Eltern geschrieben, dass ich gerne fürs Vaterland sterben würde, und wir den Kaiser an Bord nehmen und mit der ganzen Flotte ruhmreich untergehen. Manchmal hat der einfache Heizer weiter gedacht als der Herr Admiral. Wir fuhren nicht raus und gaben die Minen in Cuxhaven wieder ab. Dann fuhren wir durch den Kanal in die Ostsee. Als wir nach Kiel kamen, sahen wir die ganze deutsche Flotte. […] Da sind wir ausgewichen nach Saßnitz (Rügen). Da wurde ein Telegramm an den Kaiser geschickt: „Wir halten treu zu unserem Kaiser, und wenn er es wünscht, nehmen wir ihn an Bord und fahren mit ihm irgendwohin ins Ausland.“ Der Kommandant stand da und weinte beinahe. Er sagte, dass der Kaiser sie alle aus ihrem Eid entbunden hätte. Er ging dann weinend weg. Da holten wir die Kriegsflagge nieder.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Das vollständige Interview mit einem Bericht des I. Offiziers über die Ereignisse im Anhang ist hier zugänglich: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Interview-streichert-brosch-weddigen-strassburg.pdf PDF-Datei.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Marineoffiziere ==&lt;br /&gt;
=== Admiral Bachmann, Admiral Souchon, Konteradmiral Küsel ===&lt;br /&gt;
Gustav Bachmann war bis zum 30. Oktober 1918 Gouverneur von Kiel und hatte damit die militärische und zivile Gewalt inne. Er wurde abgelöst von Wilhelm Souchon. Hans Küsel war Stabschef in der Marinestation in Kiel. Alle drei hinterließen schriftliche Aufzeichnungen über die Ereignisse. Insbesondere Küsel verfasste einen detaillierten Bericht, den er bereits 1919 begann und 1935 abschloss. In den Aufzeichnungen wird auch thematisiert, warum man das III. Geschwader in das „Pulverfass“ Kiel schickte. Dies trug entscheidend zur weiteren Eskalation bei, die schließlich zum Kieler Matrosen- und Arbeiteraufstand führte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Küsel schrieb u.&amp;amp;nbsp;a.:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Der Stationschef sieht sich in eine ungeheuer schwierige Lage […] versetzt, in der die Entscheidung ihm schon aus der Hand genommen ist. Es ist vollendete Tatsache, daß die Schiffe des III. Geschwaders, auf denen nach eigner Meldung des Geschwaderchefs [Kraft], Meutereien im größten Umfange vorgekommen sind, im Hafen von Kiel liegen. Beurlaubungen im größten Umfang haben von den Schiffen bereits stattgefunden. Admiral Souchon setzt Vizeadmiral Kraft die Lage in Kiel auseinander. Im Festungsbereich befinden sich über 100.000 Arbeiter, unter denen es gärt. Für den 5. oder 7. November wird ein Streik der Rüstungsarbeiter erwartet. […] Die Hauptgefahr sah Admiral Souchon ebenso wie ich darin, daß streikende Arbeiter und meuternde Soldaten sich zusammenfinden könnten.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Aus diesen Erwägungen heraus stellte Admiral Souchon erneut die Forderung an Vizeadmiral Kraft, Kiel sofort mit seinen Schiffen zu verlassen. Den Hafen sofort mit seinen Schiffen wieder zu verlassen erklärte sich jetzt Vizeadmiral Kraft außerstande. Von einer weitgehenden Beurlaubung erwarte er aber mit Zuversicht eine durchgreifende Beruhigung.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Berichte der Seeoffiziere werden in einer 2023 erschienen Veröffentlichung vorgestellt und analysiert: Klaus Kuhl: Gefangen in Überheblichkeit und Engstirnigkeit: Die führenden Seeoffiziere und der Matrosen- und Arbeiteraufstand in Kiel 1918. Die Berichte der Chefs der Marinestation und Gouverneure von Kiel, Admiral Gustav Bachmann und Admiral Wilhelm Souchon sowie ihres Stabschefs Konteradmiral Hans Küsel. Kiel 2023. Herausgegeben vom Verein Maritimes Viertel – Kultur am Kanal e.V. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Karl von Kunowski ===&lt;br /&gt;
Karl von Kunowski (1897–1991) war Fähnrich und Wachoffizier (WO) auf der „Markgraf“. Er schrieb seine Erlebnisse vermutlich noch 1918 auf. Später wohnte er in Flintbek bei Kiel und war Professor an der Kieler Universität. Er übergab sein Typoskript, das er betitelte: “Erinnerungen an: Die letzten Tage der Kaiserlichen Marine1918, beim III. Geschwader auf SMS Markgraf als wachhabender Offizier“, 1978 an [[Dirk Dähnhardt]], siehe Nachlass im [[Stadtarchiv]]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszüge:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Freitag, 8. Nov. 1918 [zu der Zeit befand sich das III. Geschwader vor Travemünde]: Morgenwache gegangen, aber nichts veranlaßt, die Routine wird noch eingehalten. Leute fragen WO, machen aber auch alles mögliche selbständig. Am Nachmittag gegen 4 Uhr wurde gepfiffen, alle Mann achter raus, auch Offiziere. ... Ein Maschinistenmaat sprach über den Soldaten- und Arbeiterrat, der sich über die ganze deutsche Küste erstrecken und die sogen. Radikalen d.&amp;amp;nbsp;h. geläuterten Sozialisten umfassen soll. Der Soldatenrat verfolgt zwei Ziele: 1. Die Abschaffung des preußischen Militarismus, 2. Die beschleunigte Einleitung von Friedensverhandlungen. Die jetzige Regierung könnte dieses nicht, sie ist bestochen. Die Männer der Regierung sind dazu nicht geeignet, denn wir wollen keinen Kapitalistenfrieden, sondern einen Arbeiter- und Soldatenfrieden.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Alle Macht liegt in den Händen des Sold.rates. ... Den Offizieren ist es freigestellt, auszusteigen oder achtern mit an Bord zu bleiben. Fahren oder sonst sich beteiligen sollen sie nicht.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Um neun Uhr abends findet in der Messe eine Sitzung statt. Kapitän Heizing sagt, daß es nach seiner Aussprache mit dem Kommandanten u. Admiral unbedingt nötig sei, an Bord zu bleiben, so schwer dieses auch fiele, und zwar um einmal in jedem Falle für die Sicherheit des Schiffes zu sorgen und ev. die Leitung zu übernehmen, sowie zweitens um bei Änderung der Verhältnisse entsprechend eingreifen zu können, z.&amp;amp;nbsp;B. bei Außerdienst Stellung der Flotte. Außerdem dankte voraussichtlich S.M. der Kaiser ab, so daß wir unseres Treueides entbunden würden.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Der Arb.-u.Sold.-rat befahl, daß sich die Offiziere an der Fahrt nach Kiel nicht beteiligen sollten, .... Markgraf führte das dritte Geschwader in Kiellinie 25 Sm. Der Steuermann wurde gewzungen[!], die Schiffsführung zu übernehmen auf Anweisung des Sold.-rats. Der Signalmeister mußte die Wache an Deck gehen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In die Offiziersmesse kommen zwei Unteroffiziere des Sold.-rates und verkündigen, daß jetzt alle Mahlzeiten ohne Unterschied für verschiedene Dienstgrade zubereitet werden. Außerdem teilen sie mit, daß die Offiziere sich bis morgen früh um 10 Uhr sich entscheiden sollen, ob sie zu dem Soldatenrat gehören wollen oder nicht. Im ersteren Fall soll der Dienst unter den bereits genannten vorläufigen Bedingungen im Einvernehmen mit dem Herrschenden Soldatenrat weitergehen. Werden dagegen die Forderungen des Sold.-rats nicht unterschrieben, sind sie frei, d.&amp;amp;nbsp;h. ihr Dienst ist dann quittiert.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vollständiges Dokument, das auch einen Vergleich mit den Aussagen des Besatzungsmitglieds Karl Bock (s.&amp;amp;nbsp;o.) und denen des 1. Offiziers Wilfried von Loewenfeld enthält: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Bock-kunowski-loewenfeld_markgraf_1918.pdf PDF-Datei.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kapitänleutnant Max Wittmer ===&lt;br /&gt;
Max Wittmer (*1884 in Kiel, +1979) war Torpedobootskommandant und im ersten Weltkrieg Lehrer an der Ingenieur und Deckoffizierschule in Kiel-Wik, später wurde er Handelsagent. Er wurde im Jahr 1975 von Karl-Reinhard Titzek und Tilmann Weiherich interviewt. Drei Jahre später wurde er von Dirk Dähnhardt befragt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszüge:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Im Eilmarsch zog er mit seiner Patrouille dem Demonstrationszug hinterher. Bevor er die Kreuzung Karl-, Brunswickerstr. erreicht hatte, hörte er Schüsse. Ein großes Durcheinander erblickte er am Ort des Geschehens. Da seine Leute überrannt zu werden drohten, ließ er Warnschüsse abfeuern. Als auch diese keine Wirkung zeigten, ließ er auf die Beine zielen. Das sei der schwerste Befehl seines Lebens gewesen, berichtete Herr Wittmer. Nach den Schüssen war aber die Straße wie leergefegt. Nur einige Frauen schimpften auf die Männer, was für Feiglinge sie seien. Noch einmal ließ Herr Wittmer einen Warnschuß feuern, dann endlich herrschte Ruhe.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Anmerkung Kuhl: Eine genauere Analyse ergab, dass Wittmer wohl hauptsächlich die Erlebnisse anderer Offiziere wiedergibt. In einigen Fällen offenbaren die archivierten Berichte anderer Offiziere und die Lazarettlisten einen wahren Kern in Wittmers Schilderungen. Insofern gibt es gewisse gegenseitige Bestätigungen, die immerhin ein wenig zur Erhellung der Vorgänge beitragen. Insbesondere könnte am 3. November 1918 abends tatsächlich eine nachrückende Einheit der Deckoffizierschule auf die Füße und Beine der Demonstranten geschossen haben, um diese auseinanderzutreiben.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den vollständigen übertragenen und kommentierten Dokumenten einschließlich einer Quellenanalyse: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Wittmer_interviews_1975-78_analyse.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Heeressoldaten ==&lt;br /&gt;
=== Jonny Pump ===&lt;br /&gt;
[[Datei:jonny-pump_1980.jpg|150px|thumb|Jonny Pump 1980 in seiner Kieler Wohnung. Foto: Kuhl.]]&lt;br /&gt;
Jonny Pump sollte als Rekrut von Schleswig aus gegen den Matrosenaufstand in Kiel eingesetzt werden. Er war deutsch-national eingestellt und unterstützte 1920 mit den Zeitfreiwilligen den Kapp-Putsch in Kiel. Später führte er einen Elektroladen. Er wurde 1978 und 1987 von Klaus Kuhl (und teilweise Peter Cornils) interviewt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszug:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ich persönlich jedenfalls war damals in Schleswig, in Schloss Gottorf. Erst bei unserem Abmarsch aus Schleswig wurde uns gesagt, dass in Kiel ein Aufstand sei. Und nun sollten wir, woll&#039;n mal sagen da als ... ... den Aufstand (niederwerfen). Wir konnten uns auch nicht vorstellen, ob das nun Arbeiter sind oder Soldaten sind, wussten wir ja nicht. Wir sind losgefahren, verladen und haben Munition und Gewehre empfangen. Und wenn das nun tatsächlich hart auf hart gekommen wäre, dann wäre das ja so gekommen, wir hätten ein Kommando gekriegt: &amp;quot;Ausschwärmen!&amp;quot; und müssen schießen auf unsere eigenen Leute. ... kamen wir mit dem Zug nicht mehr in Kiel rein. Der Bahnhof war besetzt von Matrosen – soweit ich gehört habe – und die hielten den Zug an, so bei der Lübecker Chaussee. Jedenfalls kamen Verschiedene nicht wieder. Aber das waren ältere Soldaten. Ob die nun orientiert waren? [Nikolaus Andersen beschreibt in seinem Tagebuch, wie Soldaten des Schleswiger Infanterieregiments im Bahnhof ankamen und sich dort mit den Aufständischen verbrüderten; siehe unten.]  Wir waren ja meistens junge Rekruten. Die Ausbilder waren alte verwundete Frontsoldaten. Die scheinen mehr gewusst zu haben. Jedenfalls waren Verschiedene, die gar nicht wieder mit zurückfuhren. Wir kamen nicht raus. Wir konnten natürlich aus dem Zug aussteigen, aber was wollten wir machen. Es wurde nicht irgendwie kommandiert &amp;quot;Sammeln!&amp;quot; und &amp;quot;Marschieren!&amp;quot; oder so, das wurde nicht getan. Der Zug fuhr wieder zurück. Wir sind nachts wieder in Schleswig angekommen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den vollständigen Interviews: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:kuhl_interviews-j-pump_1978-1987.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Heeresoffiziere ==&lt;br /&gt;
Als die Lage in Kiel sich zuspitzte, forderte die Marineführung in Kiel Infanterie von außerhalb an. Am 4. November 1918 erschienen verschiedene Einheiten in Kiel. Dabei liegen von den folgenden führend beteiligten Heeresoffizieren schriftliche Zeugnisse vor.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Adalbert von Falk, kommandierender General des stellvertretenden Generalkommandos des IX. Armee-Korps in Altona ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Adalbert von Falk circa 1915.jpg|150px|thumb|Adalbert von Falk, nach März 1915]]&lt;br /&gt;
Der Gouverneur und Chef der Marinestation der Ostsee in Kiel, Admiral Wilhelm Souchon forderte am 3. November abends bei dem benachbarten Armeekorpsbezirk Infanterie an. Nach den Schüssen auf die Demonstranten und der Auflösung der Demonstration wurde dies zunächst zurückgenommen, am frühen Morgen des nächsten Tages aber erneuert. v. Falk berichtete darüber in einem Brief vom 12. November 1936 an den damaligen Hauptmann Erich Trowitz (Major a. D.).&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auszug:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ich selbst war seit dem Sonntag, den 3. November, an dessen Abend mich der Hilfeschrei des ratlosen Gouvernements Kiel in Altona erreichte, hier unabkömmlich; im Versuch zusammenzuraffen, was noch an Truppenbrocken im Korpsbezirk und dessen Nachbarschaft zu sammeln war; im Dauerverkehr mit dem Kriegsministerium; mobile Truppen (1 Korps) heischend, um damit die Aufrührer zu Paaren zu treiben. Der schnelle Entschluss – vom Kriegsministerium [Scheüch] genehmigt – der verheissenen Truppe entgegen zu eilen, blieb ohne Erfolg. Die Ereignisse waren schneller als ich.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Bundesarchiv BArch RM 8/1025 Bl. 53.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Der hier zugängliche Artikel von Klaus Kuhl enthält u.&amp;amp;nbsp;a. eine Einordnung, Diskussion und Einschätzung des Briefs: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Kuhl_einschaetzung-e-h-schmidt-u-quellenkritik-trowitz_2017.pdf PDF-Datei.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Hauptmann Erich Trowitz ===&lt;br /&gt;
Bei der ersten Infanterieanforderung aus Kiel am 3. November 1918 abends beauftragte das Kommando des IX. Armeekorps in Altona den Generalleutnant Harry von Wright in Lübeck, Kommandeur der stellvertretenden 81. Infanterie-Brigade, mit den zu treffenden Maßnahmen. Dieser wiederum bestimmte den Hauptmann Erich Trowitz vom (Ersatz) Infanterie-Regiment 163 in Neumünster zum Befehlshaber der aufgebotenen Einheiten aus Neumünster, Schleswig und Lübeck. Die Anforderung wurde kurz darauf zurückgenommen, aber am nächsten Tag erneuert. Diesmal war zusätzlich eine Einheit (ca. 180 Mann) aus Rendsburg dabei, die Kiel bereits am späten Vormittag erreichte und in die Wik geschickt wurde, weil sich dort die Ereignisse zuspitzten. Bei allen anderen Einheiten kam es zu Verzögerungen, die wohl in erster Linie v. Wright zu verantworten hatte, weil dieser sich auf Inspektionsreise begeben hatte. Trowitz erreichte Kiel erst um 15 Uhr, als die Marineführung aufgrund der nicht erwarteten schnellen Ausbreitung des Aufstands bereits mit den Aufständischen unterhandeln musste und einen Schusswaffeneinsatz nunmehr untersagte. Die anderen Einheiten kamen erst abends an; insgesamt handelte es sich um ca. 1200 Mann. Trowitz fuhr in der Nacht wieder zurück nach Neumünster, allerdings ohne die von ihm zum Schutz der Station abgestellte Gruppe unter von Treyden. Von diesen waren Teile vermutlich übergelaufen. Trowitz schweigt sich in seinem späteren Bericht darüber aus.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Im Jahr 1935 verfasste er (inzwischen Major a.&amp;amp;nbsp;D.) diesen für die Zeitschrift &amp;quot;Bundeszeitung der Vereinigungen ehemaliger 163er&amp;quot;,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt; Das Reichskriegsministerium in Berlin verlangte die Zurückziehung und Vernichtung der Ausgabe &amp;quot;da [Trowitz&#039; Artikel] geeignet ist, anstelle der heute angestrebten vertrauensvollen Einheit der Nation Gegensätze in der Wehrmacht hervorzurufen.&amp;quot; Falls er dieser Aufforderung nicht zufriedenstellend nachkomme, würde die Geheime Staatspolizei mit der Beschlagnahme beauftragt. Bundesarchiv BArch RM 8/1025 Bl. 22.&amp;lt;/ref&amp;gt; in dem er seine Erlebnisse schilderte.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auszug: &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ich habe das unerschütterliche Bewusstsein, daß es auch mit den zur Verfügung stehenden Kräften ohne Mühe gelungen wäre am 4. November 1918 die Meuterei in Kiel zu unterdrücken, nicht zum wenigsten aus dem Grunde, weil die Matrosen nur aus gemeiner Feigheit sich zu ihrem verbrecherischen Treiben hatten verleiten lassen.&amp;lt;ref&amp;gt;Erich Trowitz: Revolution in Kiel – E./163. In: Bundeszeitung der Vereinigungen ehemaliger 163er, Nr. 11 1936. Bundesarchiv BArch RM 8/1025 fol. 32-36.&amp;lt;/ref&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Die Demonstranten in Kiel hatten trotz mehrmaligem Schusswaffeneinsatzes der Patrouille diese in die Flucht geschlagen; sicherlich kein Zeichen von Feigheit. Auch weitere von Trowitz angeführte Gründe können nicht überzeugen. Siehe dazu den Artikel von Klaus Kuhl, der eine ausführliche Vorstellung, Diskussion und Einschätzung von Trowitz’ Arbeit enthält: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Kuhl_einschaetzung-e-h-schmidt-u-quellenkritik-trowitz_2017.pdf PDF-Datei.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ArbeiterInnen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gertrud Völcker ===&lt;br /&gt;
[[Datei:gertrud-voelcker_1950.jpg|150px|thumb|Gertrud Völcker 1950, Foto StAK/Nafzger.]]&lt;br /&gt;
[[Gertrud Völcker]] (1896–1979) war damals Angestellte im Arbeiter-Sekretariat der Freien Gewerkschaften in Kiel. Sie war seit 1915 Mitglied der Sozialistischen Arbeiterjugend. Später wurde sie Vorsitzende der Arbeiter Wohlfahrt (AWO) in Schleswig-Holstein. Im Jahr 1975 gab sie Karl-Reinhard Titzek und Tilmann Weiherich ein Interview, und vermutlich im selben Jahr wurde sich auch von Ute Kohrs interviewt. Dabei gewährte sie auch Einblick in ihr Tagebuch und es wurden Abschriften vorgenommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszüge:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die USPD hatte ganz bedeutende Führer – die SPD auch – aber die (USPD) waren konsequenter. Ich bin nie USPD gewesen. Die waren – wenn man heute zurückdenkt – haben sie doch sehr viel recht gehabt. Man hätte sich in Verhandlungen anders verhalten müssen. Aber es ist ja leicht gesagt: Im Augenblick musste gehandelt werden und das Gebot der Rettung des Vaterlandes stand im Vordergrund. Das war das Leitmotiv der Sozialdemokraten. Und die USPD, der Lothar [Popp] war USPD-Mann, das waren gute Männer, das waren keine Radauleute.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Es war eine mutige Tat von ordentlichen Deutschen, die das Land nicht in einer noch größeren Krise haben wollten. Es waren ruhige Leute, es waren außerordentlich nette, bewusste und kluge Leute, die nachgedacht hatten. So seh ich die Jungens heute. Es war eine mutige Tat, die Zivilcourage erforderte, eine Revolte, keine Meuterei, und auch keine Revolution.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum vollständigen Dokument mit den Interviews, Auszügen aus ihrem Tagebuch und einer kurzen Biografie: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Voelcker_interviews_1970er_tagebuch.pdf PDF].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Julius Bredenbeck ===&lt;br /&gt;
[[Datei:julius-bredenbeck_1989.jpg|150px|thumb|Julius Bredenbeck 1989, Video-Standbild: Gerdes/Kuhl.]]&lt;br /&gt;
[[Julius Bredenbeck]] (1907–1990) war damals Mitglied der Arbeiterjugend. Später wurde er ein bekannter Gewerkschafter und Sozialdemokrat sowie persönlicher Referent von Lauritz Lauritzen, der u.&amp;amp;nbsp;a. verschiedene Ministerposten bekleidete. Er wurde 1983 und 1989 von Klaus Kuhl interviewt. Das erste Interview wurde per Tonbandgerät, das zweite per Video von Kay Gerdes aufgezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszüge:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Allgemein darf man wohl sagen, es war eine Stimmung, die der Verzweiflung sehr nahe war. Man spürte das Ende des Krieges. Man wusste aber nicht aus noch ein, und es gab nun verschiedene Gruppen. In einzelnen Betrieben gab es schon Arbeiterräte, die sich selbst gebildet hatten, ohne Rechtsgrundlage, einfach aufgrund der Stärke der Organisation. Die zum Teil also auch mit sehr großem revolutionärem Pathos an die Arbeit gingen. In anderen Betrieben waren auch Arbeiterräte, die aber mehr daran interessiert waren, notwendige Dinge, Schwierigkeiten in der Versorgung mit Lebensmitteln usw. weitgehend mit zu steuern. Man kann nicht sagen, dass es eine einheitliche Stimmung gab. Das wurde anders als damals die Matrosen Befehlsverweigerung machten. Das führte ja denn zum Zusammenbruch. Da war eine allgemeine Solidarität in der gesamte Kieler Arbeiterschaft feststellbar: in den größeren Betrieben wurde zunächst die Arbeit niedergelegt. Es wurde sich solidarisiert. Die Arbeiter- und die Soldatenräte fanden sich zu Sitzungen zu Gesprächen zusammen im Gewerkschaftshaus.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den vollständigen Interviews: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Kuhl_interviews-bredenbeck_1983-1989.pdf PDF-Datei.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Martha Riedl (geb. Ehlers) ===&lt;br /&gt;
[[Datei:martha-riedl_1990.jpg|150px|thumb|Martha Riedl 1990 in ihrer Kieler Wohnung. Foto: Kuhl.]]&lt;br /&gt;
Martha Riedl (1903–1992) war in den Jahren um 1918 Mitglied der Arbeiterjugend und besuchte die öffentliche Handelsschule. Von 1946 bis 1948 war sie Mitglied der Kieler Ratsversammlung für die SPD. Sie wurde 1990 zweimal, sowie ein weiteres Mal 1991 von Klaus Kuhl interviewt. Das erste Interview wurde per Tonband aufgezeichnet, das zweite Interview fand an den entsprechenden Orten statt und wurde von Kay Gerdes per Video aufgenommen. Das letzte Interview wurde von Klaus Kuhl selbst per Video aufgezeichnet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszüge:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Bei allen Sachen: man ging ins Gewerkschaftshaus, da traf man sich. Und ich ging ins Gewerkschaftshaus. Damals wohnte Eggerstedt im Nebenhaus und den traf ich. Der sagte: Wo kommst du denn her! Ich sagte: Ist Vater hier? Hast du Vater gesehen? Vater ist hier, es ist alles in Ordnung. Und dann sagt er: Bleib man hier, wir können dich gebrauchen. Du weißt ja wo der Peerstall ist? Ich sage: Ja. Der war früher in der Langen Reihe, so ungefähr Höhe Muhls Hotel, war eine Gastwirtschaft. Tatsächlich Peerstall hieß es, weil die Pferde da ausgespannt wurden und die da ins Restaurant, in die Kneipe gingen. Ja, sagt er, denn bringen wir dich dahin, zu dem und dem, kennst du den? Ja kenne ich. Ja denn ist gut, denn kommst nachher wieder, wir können dich gut gebrauchen. In der Zwischenzeit kam aber alles von der Werft rein, rüber, alles was einen Dampfer zu fassen kriegte, war auf dem Dampfer, die fuhren einfach hin und her. Da war kein Fahrplan mehr. Und die Marine kam von der Wik, Düsternbrook runter. Und die Marine, die strebten nach dem Bahnhof, die wollten nach Hause.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den vollständigen Interviews: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Kuhl_interviews-riedl_1990-1991.pdf PDF-Datei.]&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Karl Edler ===&lt;br /&gt;
Karl Edler war Mitglied des Arbeiterrats in Kiel und später Stadtverordneter der SPD. Im Namen der Gewerkschaften stiftete er, zusammen mit Eduard Wolke (SPD) 1920 den zentralen Findling auf dem Kieler Eichhof-Friedhof mit der Aufschrift &amp;quot;Ruhestätte der Opfer der Revolution&amp;quot;. Edler erstattete am 26. November 1918 in Berlin auf einer Sitzung des Vollzugsrats einen Bericht über die Vorgänge in Kiel.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auszüge:&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Der wichtigste Punkt war bei uns das Ernährungswesen. Wir haben aber auch diese Frage zur vollsten Zufriedenheit der ganzen Bevölkerung bei uns gelöst. Auch die Zivilpersonen stellten sich hierbei hindernd in den Weg. Durch unsere Macht haben wir sie aber gezwungen, uns nachzugeben. Wir waren durch die entgegengesetzte Tätigkeit von Zivilpersonen in die Enge getrieben, daß wir tagelang keine Lebensmittel bekamen und vor allen Dingen die Milch für die Kinder fehlte. Die Lebensmittel lagen in Plön und Eckernförde, und Kiel bekam nichts. Schließlich hatten wir unseren Fuhrpark so in Bewegung gebracht, daß wir uns Milch und anderes durch Autos herbeiholten, und so bekommen wir jetzt ausreichend Lebensmittel heran.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Zum kommentierten Protokollauszug: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Edler_bericht-in-berlin-26-nov-1918.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Otto Preßler ===&lt;br /&gt;
[[Datei:otto-pressler_1979.jpg|150px|thumb|right|Otto Preßler 1979 in seiner Wohnung in Kiel-Mettenhof während des Interviews. Foto: K. Kuhl.]]&lt;br /&gt;
Der Metallfacharbeiter Otto Preßler (1895–1981) war SPD- und Gewerkschaftsmitglied. Von 1915 bis Kriegsende musste er in Russland und später an der Westfront als Waffenmeister kämpfen. Er kam über Braunschweig am 10. Dezember 1918 nach Kiel zurück. Er gehörte zu den Gründungsmitgliedern der KPD in Kiel und wurde später Vorsitzender. Weil er sich der linksradikalen Entwicklung der KPD widersetzte, wurde er 1929 ausgeschlossen und trat der KPD-Opposition (KPD-O) bei. Nach 1945 wurde er erneut Vorsitzender der KPD in Kiel. Er wurde zum Bevollmächtigten der IG Metall gewählt. Im Jahr 1946 wurde er in den Rat der Stadt Kiel gewählt und war Mitglied der beiden ersten ernannten schleswig-holsteinischen Landtage. 1968 wurde er Mitglied der DKP. Er wurde 1979 von Klaus Kuhl zu seiner Rolle und seinen Einschätzungen der Entwicklung in den ersten Revolutionsmonaten 1918/1919 interviewt.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auszüge bezüglich der Februarunruhen 1919 in Kiel (so genannter Spartakusaufstand):&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ja, das war dann im Februar 1919. Da war Bremen Räterepublik und dann kamen die Nachrichten, Noske will die Räterepublik beseitigen und die Division Gerstenberger von Berlin wird in Bewegung gesetzt. Da haben wir … aufgerufen zur öffentlichen Versammlung, um die Bremer Arbeiterschaft in der Verteidigung ihrer Räterepublik zu unterstützen. Und diese Versammlung war in der „Concordia“ an der Lübecker Chaussee; das war so ein Tanzlokal, brechend voll. … Der Plan war, und das wurde auch nach der Versammlung … in der Besprechung gesagt, Aktionen hier in Kiel zu organisieren, um Truppen hier an Kiel zu fesseln, die nicht nach Bremen konnten.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Mit einer Kolonne sind wir rausgefahren, …  und haben auf der Levensauer Hochbrücke die zwei Maschinengewehre weggeholt. Da waren dann die „Noskiten“, die da Wache hielten. Die sagten: “Wir sind auch nicht für Noske. Nehmt’se man mit.“ … Dann haben wir noch einen Lastwagen angehalten von Eckernförde, wir wollten doch die Maschinengewehre nicht reinschleppen. Und der Fahrer der war ganz verlegen …, da lagen unter der Persenning so geschlachtete Kühe oder was. Wir haben uns nachher nicht mehr um das Fleisch gekümmert, Hauptsache, dass wir die Maschinengewehre nach Kiel rein kriegten. Vorher habe ich sie noch ausprobiert an der Böschung bei der Eisenbahn. Die sagten: „Otto, du kannst doch hier neet scheeten.“ Ich sage: „Ich muss erst mal sehen, ob sie auch funktionieren.“ … [in der] Schule in der Legienstraße gegenüber vom Gewerkschaftshaus wurden die postiert.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Und ich weiß noch ganz genau, dass wir mit einer kleinen Truppe in der Kommandantur, Marinestation Ostsee, da sind wir hin und haben da zwei Admiräle – weiß der Teufel mit den Streifen – gefangen gesetzt; eingeschlossen, die Waffen weggenommen. Wir haben gesagt: “Da bleibt ihr erstmal drin!“ Das waren alles Feldsoldaten, die hatten alle noch so ein bisschen „Rosch“. Und denn auf einmal … kamen welche angelaufen, wir sollten die Kommandantur aufgeben. … Da war die Knallerei da schon im Gange an der Kaserne, und dann sollten wir dorthin. … Und dann wurde diese militärische Organisation der Deckoffiziere eingesetzt, dann ging die Schießerei los. Der Fritz Schulz da, der hat auf dem Bauch gelegen unter den Toten, auf der Treppe. … Und dann wurde gefeuert aus allen Rohren. Mit Maschinengewehren kamen die Brüder an und knatterten dazu. Da war ein Haufen Tote.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Insgesamt kamen bei dieser Aktion sechs der KPD nahe stehende Männer ums Leben, von denen fünf auf der Revolutionsanlage auf dem Eichhof beerdigt wurden, das sechste Opfer wurde nach Lichtenberg überführt; vgl. Klaus Kuhl: Opfer von Matrosen-/Arbeiteraufstand 1918, Februarereignissen 1919 und Kapp-Putsch 1920. Kiel 2021. Online zugänglich (aufgerufen am 18. Juni 2022) unter: [http://www.kurkuhl.de/docs/liste_opfer.pdf].&amp;lt;/ref&amp;gt; Wir haben uns, um nicht noch das letzte runter schießen zu lassen, zurückgezogen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;All so’n Krom hebt wi mokt, damals. Aber es war doch so, dass eben die große organisierte Masse der Kieler Arbeiter nicht dabei war. … Das ging ja alles so impulsiv und spontan, hier und dort sammelten sich die Gruppen und machten das. Da war keine Zusammenfassung.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Zum vollständigen Interview: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Kuhl_interview-pressler-novrev_1979.pdf PDF-Datei.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mittelschicht ==&lt;br /&gt;
=== Tagebuch des Ingenieurs Nikolaus Andersen ===&lt;br /&gt;
[[Datei:nikolaus-andersen_undatiert.jpg|150px|thumb|Andersen als junger Mann. Foto: Familienbesitz.]]&lt;br /&gt;
Der Tagebuchschreiber Nicolaus oder Nikolaus Andersen war Beamter des &amp;quot;Bureaus M.K. der Fried. Krupp A.–G., Germaniawerft&amp;quot;. Er war dort hauptsächlich mit dem Ändern technischer Zeichnungen befasst. Die Eltern des Schreibers besaßen damals einen Hof in Rinkenis (heute Rinkenæs, Dänemark), welches 1918 zum Deutschen Reich gehörte. Das in deutscher Schrift verfasste Tagebuch wurde 1980 von Karl Altewolf auf einem Flohmarkt entdeckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszug aus dem Eintrag vom 4. November 1918:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Mittags 3 Uhr waren etwa 200 Mann Infanterie aus Neumünster mit Masch.Gewehr am Bahnhof eingetroffen, sie hielten um 6 [18] Uhr die Eingänge besetzt. Um 9 [21] Uhr waren die Matrosen Herren des Bahnhofes. Die Soldaten aus Neumünster sind jedenfalls abgezogen. Später kommen plötzlich nach lauten Hurrahs die Infant. Rgmt. Nr. 84 [aus Schleswig, siehe auch oben den Bericht von Jonny Pump, der dieser Einheit angehörte] einzeln ohne Waffen aus dem Bahnhof und machten mit den Matrosen gemeinsame Sache. Sie lieferten Gewehre, Munition und Maschinengewehre an die Marine ab. Große Verbrüderung und Hochs auf die Infanterie. Feldgraue Helme wurden weggeworfen, Mützen aufgesetzt und Klamauk gemacht. Später gegen 11 Uhr … Unheimliches Gedränge vor dem Nordportal u. Begeisterung. Hunderte Infanteristen zwischen tausenden Arbeitern, Marines, Zivilisten und – Mädchen und Jungs. Wildes durcheinander befehlen und Klamauk. Alle Marine ist nach und nach bewaffnet.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Um 1 Uhr nach Hause, denn es war kalt. Kaum im Bett, erhebt sich ein mörderliches Schießen. Ich raus. Am Bahnhof menschenleer. Man schießt (angeblich aus dem Hansa-Hotel und zwar von Offizieren) auf die Soldaten. Das Hotel wird erheblich beschossen, desgl. mehre Häuser am Sophienblatt, so Uhrmacher Blunck u. Ecke Lerchenstraße gegenüber auch noch. Als es ruhig, gehe ich durch den Tunnel südl. am Bahnhof entlang. Ein Lastauto kommt Ringstr. u. wird mächtig beschossen von allen Seiten. Leider sind Matrosen die Insassen. Als das Schießen eingestellt ist, findet man einen Obermaat mit Beinschuß und einen Matrosen mit Brustschuß.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Auszüge und Hintergrundinformationen: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Andersen_tagebuch-auszuege_1917-1919.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
Das vollständige Tagebuch mit einer Textanalyse wurde im Peter Lang Verlag veröffentlicht: Klaus Kuhl: Kiel und die Revolution von 1918. Das Tagebuch eines Werftingenieurs, verfasst in den Jahren 1917-1919. Edition und Textanalyse. Berlin 2018 (Kieler Werkstücke Bd. 51). ISBN 978-3-631-75857-1.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Erh. Müller, Beamter einer Kieler Werft ===&lt;br /&gt;
Im Kieler Stadtarchiv ist ein Brief von Erh. Müller, Beamter (damals synonym für Angestellter) einer Kieler Werft an Dora in Zeilitzheim (Ortsteil der Gemeinde Kolitzheim im südlichen Landkreis Schweinfurt in Unterfranken). Zu beiden Personen liegen leider keine weiteren Informationen vor. Müller beschreibt eigene Erlebnisse während der Revolutionszeit.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auszüge:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Diese ersten Schüsse [am Sonntag, 3. November 1918 abends] hörte ich von der Jungmannstraße her deutlich, wie ich auf dem Wege zu Güttlers war. 10 Minuten später wollte ich auch zum Tatplatz eilen, fand aber sämtliche Straßen militärisch besetzt.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Am Montagabend saß ich gerade beim Abendbrot, als ich vom [[Wilhelmplatz|Wilhelmsplatze]] her einen tosenden Lärm vernahm. Ich eilte sofort hin um zu sehen, was es gab, und fand den großen Platz gedrängt voll von Matrosen die dort unter Mitführung von roten Fahnen, die Befreiung von 80 Meuterern feierten und Ansprachen hielten, die meistens in Lärm untergingen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Zum vollständigen Dokument: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Mueller_brief-an-dora_1919.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Überregionale Persönlichkeiten ==&lt;br /&gt;
===Gustav Noske ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Noske gustav before 1918.png|150px|thumb|right|Gustav Noske vor 1918.]]&lt;br /&gt;
Gustav Noske (1868–1946) war ein bekannter SPD-Reichstagsabgeordneter, der sich auf Militärfragen spezialisiert hatte. Er wurde am 4. November 1918 zusammen mit dem Regierungsmitglied Conrad Haußmann nach Kiel geschickt, um die Lage unter Kontrolle zu bringen. Noske schrieb nach dem Kapp-Putsch 1920 seine Erinnerungen an diese Zeit in dem Buch „Von Kiel bis Kapp“ nieder.&amp;lt;ref&amp;gt;Gustav Noske: Von Kiel bis Kapp. Zur Geschichte der deutschen Revolution. Berlin 1920. Online zugänglich (aufgerufen am 31. Juli 2022) unter: [https://portal.dnb.de/bookviewer/view/1131562372#page/n6/mode/1up].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auszüge (S. 23 f.):&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Als mittags die Vertrauensleute der verschiedenen Formationen sich im Saal der Station einfanden, um mit mir die Lage zu besprechen, […] musste der Versuch gemacht werden, sobald wie möglich wieder zu einem ordnungsmäßigen Zustand zurückzugelangen. Ich schilderte den Leuten die Sachlage, so wie sie mir erschien und besprach […] den entsetzlichen Zustand, in dem sich unser Volk […] befinde und leitete dann […] dazu über, unter welchen etwaigen Voraussetzungen der Kieler Meuterei, die ich persönlich aufs schärfste verurteilte, ein Ende zu machen sei. Daß politische Reformen, für die man sich erhoben habe, erfüllt würden, sei selbstverständlich. Über eine Amnestie werde die Regierung mit sich reden lassen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Meine Darlegungen machten auf die Leute sichtlich tiefen Eindruck. Artelt, der dazwischen fahren wollte, erhielt von mir einen Dämpfer. Die Reichstagsabgeordneten Hoff und Dr. Struwe, […] haben mir später wiederholt versichert, daß sie niemals eindrucksvollere Darlegungen gehört hätten. Eine Diskussion ließ ich nicht zu, sondern riet den Leuten, mit ihren Kameraden das Gehörte durchzusprechen und dann die Schlußfolgerung in einer großen Vertrauensmännerversammlung zu ziehen, die gegen Abend stattfinden sollte. &#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In der Versammlung im Schloßhof am späten Nachmittag […] es waren an tausend Mann anwesend. […] Redner wurden mitten in ihren Ausführungen […] unterbrochen und [es] redete ein anderer [...] drauf los. [...] Nach ein paar Stunden bekam ein beträchtlicher Teil die Sache satt und ging davon. Schließlich wurde die Versammlung ohne Resultat geschlossen. &#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Zeitnahe Berichte in der SPD-Zeitung und von Lothar Popp zeichnen jedoch ein anderes Bild. Popp schreibt: „ […] gab Abgeordneter Noske die Bedingungen der Regierung [für den Abbruch des Aufstands] bekannt. […] Noske gab zu bedenken, dass die Bewegung zwar in Kiel gesiegt habe, dass aber, da sie isoliert sei, ihr doch große Gefahren drohen, […] Der Vorsitzende des Arbeiterrats Garbe [SPD] und ich führten aus, dass wir doch noch Zeit haben zu warten […] Nicht die Regierung hat Bedingungen zu stellen, sondern wir. Es wurde dann einstimmig beschlossen, das Angebot abzulehnen. Es wurde dann der Antrag gestellt, da anscheinend Haase oder Dr. Cohn verhindert würden, nach hier zu kommen, einen anderen Vertreter der Unabhängigen [Popp] an die Seite Noskes [dem vorläufigem Vorsitzenden der Soldatenräte] zu stellen, um die Parität zu wahren. Dem wurde zugestimmt und die Wahl vollzogen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Popp/Arterlt, Ursprung, S. III-25.&amp;lt;/ref&amp;gt; Am folgenden Tag hatte Popp die Soldatenräte neu organisiert. Es wurde der Oberste Soldatenrat gebildet, zu dessen Vorsitzenden Popp gewählt wurde. Noske ersetzte den Gouverneur Admiral Souchon.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references group=&amp;quot;A&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:1911-1920]] [[Kategorie:Erster Weltkrieg]] [[Kategorie:Kieler Arbeiter- und Matrosenaufstand]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Klaus Kuhl</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://kiel-wiki.de/index.php?title=Zeitzeugen_Matrosen%E2%80%93_und_Arbeiteraufstand_1918/1919&amp;diff=62286</id>
		<title>Zeitzeugen Matrosen– und Arbeiteraufstand 1918/1919</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://kiel-wiki.de/index.php?title=Zeitzeugen_Matrosen%E2%80%93_und_Arbeiteraufstand_1918/1919&amp;diff=62286"/>
		<updated>2024-05-18T11:14:13Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Klaus Kuhl: /* Karl/Carl Bock */ Aktualisiert&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Die folgende Zusammenstellung basiert auf der Sammlung von Klaus Kuhl und wird in nächster Zeit von ihm von seiner Webseite kurkuhl.de hierher übertragen. Dabei werden Ergänzungen vorgenommen und die Interviews, Manuskripte, Auszüge aus der Literatur etc. werden übersichtlicher präsentiert.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Stand 26. Januar 2022 wurden neun Berichte/Interviews von insgesamt 37 übertragen. Die anderen Zeitzeugnisse werden in den nächsten Wochen übertragen, aber können nach wie vor unter [http://www.kurkuhl.de/de/novrev/zeitzeugen.html] angesehen werden.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anführer des Aufstands ==&lt;br /&gt;
=== Lothar Popp ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Lothar popp mid-1920s.jpg|thumb|Passfoto Lothar Popps aus dem [[Hamburger Staatsarchiv]], aufgenommen vermutlich Mitte der 1920er Jahre.]] &lt;br /&gt;
[[Lothar Popp]] (1887–1980) war als Schlosser dienstverpflichtet auf der Germania-Werft. Er schrieb seine Erlebnisse zusammen mit Karl Artelt bereits im Dezember 1918 auf.&amp;lt;ref&amp;gt;Lothar Popp unter Mitarbeit von Karl Artelt: &#039;&#039;Ursprung und Entwicklung der November-Revolution 1918. Wie die deutsche Republik entstand.&#039;&#039; Behrens, Kiel 1919, Reprint als Sonderveröffentlichung 15 der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Kiel 1983. Im Jahr 2020 leicht gekürzt und von Klaus Kuhl kommentiert veröffentlicht in: IG Metall Bezirksleitung Küste (Hrsg.): Matrosenaufstand und Novemberrevolution 1918. Hamburg 2020, S. 96-115, ISBN 978-3-96488-063-5.&amp;lt;/ref&amp;gt; Unter den Nazis musste er das Land verlassen. Nach seiner Rückkehr aus den USA stellte er sich bereitwillig für Gespräche und Interviews zur Verfügung: Gespräche mit Volker Ullrich (1970 und 1972), Gespräch mit [[Dirk Dähnhardt]] (1975), Interviews vom WDR und NDR, Interview von Ute Kohrs (1976), Interview geführt von Klaus Kuhl (1978), Gespräch mit Bernd Michels für das „Sozialdemokrat Magazin“ (1978), Interview geführt von Christian Blöss (1978). Alle bisher bekannten Gespräche, Berichte und Interviews sind im Anhang des Mitschnitts des von Klaus Kuhl geführten Interviews („Streitgespräch mit einem 68er“) wiedergegeben (Link siehe unten). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszüge aus dem von Klaus Kuhl geführten Interview:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Am 28. Oktober 1918 erhielt die Hochseeflotte den Befehl zum Auslaufen. Die Matrosen nahmen gewiss zu recht an, dass die Flotte in einem letzten Verzweiflungskampf lieber untergehen sollte als in den Waffenstillstandsverhandlungen mit den Alliierten ausgeliefert zu werden. Die Heizer rissen die Feuer heraus und verhinderten so das Auslaufen der Schiffe. Abordnungen der Matrosen erklärten, sie seien bereit, die Küste gegen einen Angriff zu verteidigen, aber sich sinnlos einem sicheren Untergang preiszugeben, dazu seien sie nicht bereit. Cirka 800 Mann wurden festgenommen ....&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Popp merkte an, dass die Gefangenen nach Kiel gebracht worden seien. Nach den Recherchen Dähnhardts (Revolution in Kiel, 1978, S. 109) waren die vor Wilhelmshaven Verhafteten in eine Haftanstalt in Bremen-Oslebshausen gebracht worden und waren nach dem Matrosenaufstand von Kieler Matrosen befreit worden. Dabei stützt er sich auf Veröffentlichungen von Peter Kuckuk und Ulrich Kluge. Nach Kiel wurden die während der Fahrt durch den Nord-Ostsee-Kanal verhafteten 48 „Rädelsführer“ gebracht, sowie am Morgen des 3. November weitere 57 Verhaftete der „Markgraf“.&amp;lt;/ref&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Da den Matrosen [in Kiel] jede Versammlung verboten wurde, begannen sie zu demonstrieren. Um fünf Uhr nachmittags (am 3. November 1918) versammelten sich etwa zehntausend Matrosen und einige tausend Arbeiter, zogen zunächst zur &amp;quot;Waldwiese&amp;quot; und holten die dort Gefangenen heraus; wobei sich eine erhebliche Anzahl bewaffnete.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Der Zug bewegte sich dann zur Militärstrafanstalt in der Feldstraße. Marineinfanterie, die den Zug aufhalten sollte, weigerte sich. Jedoch an der Feldstraße gab es einen Zusammenstoß mit einer Gruppe, die als Applikanten und Maaten extra zusammengestellt war. Es gab acht Tote und zwanzig Verwundete.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Nach den Untersuchungen Dähnhardts gab es 7 Tote bei der Schießerei. Es waren keine Frauen und Kinder unter den Opfern. Eine Frau war kurze Zeit vorher im Verlauf des Demonstrationszuges unter eine Straßenbahn geraten und gestorben. Zwei verwundete Personen starben später. Damit kamen insgesamt 10 Personen im Rahmen der Ereignisse des 3. November ums Leben.&amp;lt;/ref&amp;gt; Doch die Bewegung war nicht mehr aufzuhalten. Immer mehr Einheiten schlossen sich der Bewegung an. Es wurden Soldatenräte gegründet.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In jeder Kaserne wurde extra Revolution gemacht, auf jedem Schiff extra. Auf einem Schiff haben sie mich geholt. Die kamen an, ich soll mit an Bord kommen. Wenn ich mir das heute so überlege, ich steige in so ein Boot, kommt der nächste Offizier und knallt dich über den Haufen. Ist ja toll, dass das damals nicht passiert ist. Sie müssen sich vorstellen, ich klettere nun an Bord, haben ein paar mich geholt, und dann sage ich zu dem Kommandanten, er soll alles antreten lassen, und der macht das! War auf der &amp;quot;Bayern&amp;quot;, war ein großes Schiff. Ich halte einen Speech, die ziehen die Rote Fahne hoch und damit hat sich das. (In einem anderen Interview bemerkte Popp dazu: ... ich habe hinterher noch mit dem Kommandanten gesprochen, der hatte selber die „Schnauze voll“).&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Kuhl: Der Noske ist doch gekommen, um die Revolution praktisch abzuwürgen. (Popp: Ja das ist ihm nicht gelungen.), aber wieso wird er dann in den Vorsitz des Soldatenrats gewählt?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Popp: Ja, wer war denn der Soldatenrat, die kannten einander ja kaum. Das waren doch keine von vornherein politisch ausgerichteten Leute. Ich habe dann noch den Fehler gemacht, da war ein Soldat dabei, den ich persönlich kannte. Den habe ich gerufen, den haben sie dann mitgewählt. Das war mit die grösste Dummheit, die es gab. das war ein schauerliches Mannsbild. Wir kannten einander ja kaum. Da war doch keine Rede davon. Ich weiß gar nicht, wie viele Soldatenräte es damals gab. Da in der Ecke wählten sie einen, da einen, da einen. Die richtigen Soldatenräte, das organisatorische, das gab’s doch erst, nachdem ich das organisiert hatte. Das waren doch wilde Geschichten. Kuhl: Haben Sie nicht versucht, zu verhindern, dass Noske gewählt wurde? Popp: Ja, warum denn? Ja, ich konnte doch die SPD nicht ausschalten! Hören Sie doch mal zu! Nun gehen Sie mal, wenn Sie einer sind, und die anderen sind zehn, wollen Sie die ausschalten die zehn? Wie machen Sie das? Kuhl: Man kann es doch auf alle Fälle versuchen. Popp: Nee, das ist ja putschen Menschenskind!&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum vollständigen Dokument mit allen weiteren bisher bekannten Aussagen im Anhang: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:kuhl_streitgespraech-m-l-popp_1978_plus-weitere-interv-u-gespraeche.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Karl Artelt ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Artelt and comrades Kiel-Wik 1914.jpg|200px|thumb|Karl Artelt, I. Werftdivision, links, (Ausschnittsvergrößerung rechts), gemeinsam mit Kameraden der I. Torpedo-Division in Kiel-Wik, September 1914]]&lt;br /&gt;
[[Karl Artelt]] (1890–1981) kam aus einem Dorf in der Nähe von Magdeburg. Er war Maschinenschlosser und diente zunächst in der I. Werft-Division und dann in der I. Torpedo-Division in Kiel Wik. Er war wie Popp Mitglied der USPD. Zusammen mit ihm schrieb er die o. g. Broschüre, wozu er hauptsächlich die Ereignisse in der Wik, sowie die erste Verhandlungsrunde beim Gouverneur beitrug. Er war ein ausgesprochen mutiger Mensch und hatte maßgeblich Anteil daran, dass die Marineangehörigen in der Wik die Offiziere entmachteten. Er wurde zum Vorsitzenden des ersten Soldatenrats in der Wik gewählt. Während Popp auch später in etwa bei den in ihrer Broschüre niedergelegten Darstellungen blieb, stellte Artelt die Ereignisse in der Folgezeit immer dramatischer und seine eigene Rolle als immer wichtiger dar. Im Jahr 1958 veröffentlichte er einen Artikel&amp;lt;ref&amp;gt;Karl Artelt: Mit der roten Fahne zum Vizeadmiral Souchon [Souchon war im August 1918 bereits zum Admiral befördert worden]. In: Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED: Vorwärts und nicht vergessen – Erlebnisberichte aktiver Teilnehmer der Novemberrevolution 1918/1919. Berlin 1958, S. 89–100.&amp;lt;/ref&amp;gt; in einem Sammelband mit Erlebnisberichten aktiver Teilnehmer der Novemberrevolution.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszüge:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Vor dem Kaiser-Cafe empfing uns plötzlich MG-Feuer.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Nach zeitnahen Berichten und Aktennotizen ist hier kein MG eingesetzt worden.&amp;lt;/ref&amp;gt; Unser Demonstrationszug stoppte. Als wir feststellten, daß niemand getroffen worden war, gingen wir weiter. Daraufhin schossen die MG-Schützen direkt in unseren Zug hinein. Vierzig bis fünfzig Demonstranten, darunter auch Frauen und Kinder, brachen unter den Kugeln zusammen. Acht von ihnen wurden getötet und 29 schwer verletzt.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Es gab sieben Tote und 29 Verletzte, darunter waren keine Frauen oder Kinder.&amp;lt;/ref&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Durch die Massen ging ein Schrei der Entrüstung und des Protestes. Nachdem die Mörder, die unter dem Kommando des Leutnants Steinhäuser standen, ... nicht bereit waren, das Feuer einzustellen, sprang ein Matrose ... vor und schlug den Leutnant Steinhäuser mit dem Gewehrkolben nieder. ...Junge Matrosen und Arbeiter stürmten die Stellung der Maschinengewehrschützen und schlugen sie in die Flucht.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Am anderen Morgen (4.11.1918, Klaus Kuhl) mußten alle Truppenteile in Kiel zum Appell antreten. ... Nach den üblichen Meldungen bestieg der Divisionskommandeur, Kapitän zur See Bartels, einen bereitgestellten Tisch und hielt eine Ansprache ... Er schilderte die gestrigen Vorkommnisse, sagte auch, dass die Luft mit Hochspannung geladen sei, dass aber ein Soldat sich nicht mit Politik zu befassen habe, da er von Politik nichts verstünde. Nachdem er den Tisch verlassen hatte, ... Kurz entschlossen sprang ich hinauf, hielt ebenfalls eine kurze Ansprache und forderte die Matrosen zur Wahl von Soldatenräten auf. Offiziere, die mich vom Tisch herunterzuschiessen versuchten, wurden von Matrosenfäusten rücksichtslos entwaffnet.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Auch hier handelt es sich um eine spätere Ausschmückung Artelts.&amp;lt;/ref&amp;gt; Anschliessend stürmten wir unsere Waffenkammern und wählten in allen Kompanien Soldatenräte. Ich wurde zum Vorsitzenden des Soldatenrates gewählt.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Nach kurzer Zeit erhielten wir die Meldung, dass ich sofort zum Gouverneur kommen möchte. Wir machten ein Auto klar, holten von einem Torpedoboot eine große rote Fahne, die größer als das Auto war, und bereiteten die Abfahrt vor. Als wir das Zimmer des Gouverneurs betraten, merkte ich, wie dieser sich förmlich zwingen mußte, mit uns zu unterhandeln. ... Er kam uns entgegen und sagte: &amp;quot;Ich danke Ihnen, dass sie die Courage aufgebracht haben, herzukommen.&amp;quot; Bevor wir in Verhandlungen mit ihm eintraten, fragte ich ihn, ob er uns als die von den Soldaten gewählten Vertrauensleute anerkenne und auf gleichberechtigter Basis mit uns verhandeln würde. Angesichts der realen Tatsachen antwortete er gezwungenermaßen mit &amp;quot;Ja&amp;quot;. Ich erklärte ihm nunmehr, dass wir zunächst die Fragen klären müßten, die in seinem Machtbereich liegen. Gleichzeitig warnte ich ihn jedoch .... Landtruppen gegen die revolutionären Matrosen einzusetzen. In diesem Falle hätte das III. Geschwader die Anweisung, das Offiziersvillenviertel Düsternbrook unter Feuer zu nehmen und alles in Schutt und Asche zu legen. ... gab er sofort in meiner Gegenwart die Erklärung ab, keine auswärtigen Truppen heranzuziehen und die schon auf dem Transport befindlichen ... zurückzuschicken. Außerdem teilte er uns noch mit, dass der Abgeordnete Noske und Staatssekretär Haußmann nach Kiel kommen würden, um mit uns weiter zu verhandeln.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Zur Frage warum Noske in Kiel relativ freie Hand erhielt, nahm Artelt in den 1960er Jahren auf Fragen von Angehörigen der Volksmarine wie folgt Stellung (nach Robert Rosentreter, &amp;quot;Blaujacken im Novembersturm&amp;quot;, Dietz Verlag, 1988, S. 250 f.): Karl Artelt hat auf diesbezügliche Fragen von Angehörigen der Volksmarine immer wieder betont, dass ihm und anderen Genossen die Rolle Noskes durch dessen Verhalten erst nach und nach bewußt geworden wäre. Artelt selbst und andere ... hätten zwar gewußt, dass Noske zu den rechten Kräften in der Partei gehörte, ihn aber doch immerhin als sozialistischen Parteifunktionär angesehen und gehofft, dass er in der Revolution eine den Arbeitern nützliche Politik machen würde, keineswegs hätte jemals jemand gedacht, dass er bereit sein könnte, auf Arbeiter schießen zu lassen ....&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gustav Garbe ===&lt;br /&gt;
[[Datei:gustav_garbe.jpg|150px|thumb|right|Foto Gustav Garbes aus dem Kieler Gewerkschaftshaus, aufgenommen vermutlich in den 1920er Jahren.]]&lt;br /&gt;
Der bekannte Kieler Gewerkschaftsfunktionär, Gustav Garbe (SPD, 1865–1935), wurde am 5. November 1918 zum Vorsitzenden des neu gebildeten Kieler Arbeiterrats gewählt. Er wurde zunächst als zögerlich wahrgenommen, weil er vergeblich die Marineangehörigen aufforderte mit der Bewegung noch „ein bis zwei Tage zu warten, da von den Werftarbeitern etwas ähnliches geplant sei.“ Er zeigte sich jedoch als tatkräftige Person und widersetzte sich mit Lothar Popp zusammen Gustav Noskes Vorstoß, den Aufstand abzubrechen. Der Schulterschluss zwischen Matrosen und Arbeitern wurde damit eindrucksvoll dokumentiert und es ist somit völlig berechtigt von einem Matrosen- und Arbeiteraufstand zu sprechen. Auf diesen Vorfall bezog sich Garbe, wenn er 1919 auf einer Konferenz der Metallarbeitergewerkschaft in Stuttgart sagte:&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Erst dadurch, dass die Soldaten und Arbeiter Hand in Hand gingen, erst dadurch, dass man sich seinerzeit, obgleich man den Haußmann und den Noske hat nach Kiel kommen lassen, wo wir sie damals eingewickelt haben, nicht hat beeinflussen lassen, erst dadurch ist es möglich geworden … &amp;lt;ref&amp;gt;Deutscher Metallarbeiter-Verband (Hrsg.): Protokoll der Konferenz der Bevollmächtigten des D.M.-V., abgehalten vom 16. bis 18. Juni 1919 im Saale des Stadtgartens in Stuttgart. Stuttgart 1919. Garbes Rede ist auf den Seiten 61. ff. wiedergegeben.&amp;lt;/ref&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Die im Folgenden angegebene PDF-Datei enthält Hinweise auf ausführliche Artikel über Garbe sowie eine kurze Biografie, Redebeiträge und schriftliche Zeugnisse Garbes: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Kuhl_gustav-garbe_2023.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mannschaftsangehörige Marine, untere Dienstgrade ==&lt;br /&gt;
=== Karl Bock ===&lt;br /&gt;
Karl&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Im SED-Parteiarchiv wird sein Vorname in zwei Fällen auch mit „C“ geschrieben. Dies basiert aber offensichtlich auf einem Übertragungsfehler.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bock (* 1896) kam aus Berlin und war Torpedoheizer bzw. Torpedomaschinist auf „Markgraf“. Er schrieb im November 1918 einen Brief an seine Schwester. Im Jahr 2024 wurde eine ausführliche Quellenanalyse vorgenommen, da von Seiten des Deutschen Historischen Museums (wo weitere Dokumente von Bock vorliegen) von einer Fälschung ausgegangen wurde. Die Analyse ergab jedoch, dass die Dokumente verschiedentlich überarbeitet worden waren, ohne dies in den SED-Archiv-Dokumenten kenntlich zu machen, dass aber keine Fälschung vorliegt. Die Analyse wird in dem unten verlinkten PDF-Dokument detailliert beschrieben. Im Jahr 1957 erstellte Bock außerdem einen schriftlichen Bericht über seine Erlebnisse auf Anforderung der SED.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszüge aus dem Brief an seine Schwester nach der vermuteten frühesten Abschrift:&lt;br /&gt;
:’’Jedenfalls war einstimmig beschlossen, daß wir nicht rausfahren und daß hatten wir durchgesetzt. Am anderen mittag fuhren wir nach Kiel, auf der Fahrt hatten wir die vollsten Beweise, daß doch etwas geplant war, also ist es doch in dieser Hinsicht gut gewesen, wer weiß ob ich heut noch lebte! So liegen wir im Kieler Hafen. Übrigens hatten wir noch eine Verfügung vom Flottenchef, die besagte, daß unsere Beunruhigung jeder Grundlage entbehre, (Wir haben Beweise). […] Heute haben sie nämlich in aller Heimlichkeit mindestens 60 Mann zu schweren Arrest verurteilt, in aller Heimlichkeit wie die schwersten Verbrecher an Land gebracht. Sodaß wir es erst zu spät wussten. Einige, die sich zu weit geäußert haben, sitzen in Untersuchung. Das wird ja nun nicht so vorübergehen, zweitens wird die Sache auch im Reichstag kommen. Jedenfalls kann man allerhand erwarten hier. Also wundere Dich nicht, wenn mir etwas gleichartiges passiert. Jedenfalls wir kämpfen für unser Leben, aber wollen es nicht einsetzen für Heldentod und gleichartiges. Die Zeiten sind vorbei, die Zeiten sind reif, zur Zertrümmerung von Götzenbildern, jetzt.’’&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den vollständigen Dokumenten, die auch die Diskussionen unter den Mannschaften und mit den Offizieren enthält, als das III. Geschwader nach Travemünde weiterfuhr und dort vor Anker ging, sowie einen Vergleich mit den Aussagen des Wachoffiziers Karl von Kunowski und des 1. Offiziers Wilfried von Loewenfeld (PDF): [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Bock-kunowski-loewenfeld_markgraf_1918.pdf].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wilhelm Kleineweber ===&lt;br /&gt;
Kleineweber (*1900) war Rekrut bei der I. Torpedo-Division in Kiel Wik. Er gehörte der Patrouille an, die unter Führung von Leutnant Steinhäuser am 3. November auf die Demonstranten schoss. Er war dann für viele Jahre bei der Polizei, lebte in Eckernförde und wurde als Polizeihauptmann pensioniert. Er gab der Eckernförder Zeitung 1969 ein Interview, ebenso dem NDR (vermutlich Ende der 1970er Jahre) und es fanden zwei Gespräche mit Dirk Dähnhardt statt (Mitte und Ende der 1970er Jahre).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszüge:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Und so marschierten wir in die Feldstraße und zwar bis zum langen Segen, ... Und da war eine Kette gezogen von Schutzleuten, Schutzleuten von der blauen Schutzmannschaft in Kiel. ... Wie der Zug nun kam, wurden die Schutzleute sofort blitzartig aufgerieben und die türmten in den Langen See hinein. Und dann ging der Leutnant Steinhäuser vor uns vorweg zu der Spitze des Zuges, das war ein unheimlich langer Zug gewesen, man sprach von 20.000 Mann. ... Und dann ging der Leutnant Steinhäuser vorweg und mahnte, sie sollten vorsichtig sein, sie sollten zurückgehen und sofort und so weiter und dann ist ein Schuss gefallen. Woher der Schuss gekommen ist, kann ich Ihnen nicht sagen, man hat einmal festgestellt, der Schuss soll von uns aus gekommen sein. Ich kann es nicht bestreiten, ich glaube es aber nicht. Ich glaube eher, dass er aus der Menge gekommen ist, die waren ja alle bewaffnet schon.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Nach der detaillierten Analyse der Vorgänge gab Steinhäuser Feuerbefehl, wobei die Rekruten fast alle in die Luft schossen. Nach nochmaligem Feuerbefehl schossen sie in Panik auf die erneut anstürmenden Demonstranten und flohen dann, wobei Steinhäuser allein zurückblieb. Ein Polizeimeister und der in der Nähe weilende Marineoffizier Karl Weiß kamen ihm zu Hilfe. Alle drei wurden schwer verletzt.&amp;lt;/ref&amp;gt; Jedenfalls wurden wir überrumpelt. Der Leutnant Steinhäuser kriegte, soweit ich das mitbekommen habe, einen mit dem Kolben über den Schädel und er wurde dann in dieses Lokal neben dem Stadtcafe hineingeschleppt und wir waren der Meinung, sie hätten ihn totgeschlagen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum vollständigen Dokument, mit den genannten Interviews und Berichten inklusive eines Kommentars von Klaus Kuhl: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:kleineweber_interviews_1960er-und-70er-jahre.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Alfred Schwabe ===&lt;br /&gt;
[[Datei: alfred-schwabe_1923.jpg|150px|thumb|Alfred Schwabe 1923, zur Verfügung gestellt von Gerd Kassner, der Alfred Schwabe noch persönlich gekannt hatte.]]&lt;br /&gt;
Alfred Schwabe (1892–1973) war U-Boot Fahrer und nahm im November 1918 an einem U-Bootslehrgang in der Uboot-Division in Kiel-Wik teil. Er wurde von Offizieren mit seinen Kameraden herangezogen, die Aufständischen in der Wik zu bekämpfen. Er verfasste darüber vermutlich in den 1950er/60er Jahren einen schriftlichen Bericht, wahrscheinlich auf Anforderung der SED. Er wurde jedoch nicht veröffentlicht oder archiviert und gelangte über die Familie Artelt (Schwabe hatte ihn Karl Artelt zur Verfügung gestellt) an Klaus Kuhl.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszüge:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Als ich mit Matrosen der grossen Schlachtschiffe, der Kreuzer und der immer in See stehenden Torpedoboote bekannt wurde, spürte ich dass dort ein anderer Wind wehte, als auf unserem U-Boot. Bei uns war des ganze Boot auf jeden Einzelnen angewiesen, von Offiziersdrill war nichts zu spüren. Aber das furchtbare Völkermorden hatten wir trotzdem satt, die Sehnsucht nach Frieden war vorherrschend. Als ich auf Urlaub kam, kannte ich meine Eltern kaum noch, so abgemagert und verbissen waren sie, und wir versenkten im Mittelmeer Schiffe und wieder Schiffe, gefüllt mit Lebensmitteln aus Amerika. ... Am Morgen ... erhielt unser Lehrgang, es waren gegen 40 Maate und 10 Obermatrosen, Pistolen und Munition ausgehändigt. Wir marschierten nach der Werftdivision Kiel - Wik. ... Wir marschierten diagonal über den Exerzierplatz. An der rechten Ecke am Hafen standen 150 - 200 Matrosen bei einer Versammlung. Wir wurden in die Turnhalle geführt. Ein junger Leutnant hatte das Kommando und hielt eine Ansprache. Heldentum und Treue zu den Offizieren, Kampf gegen die Meuterer war der Inhalt. ... Minuten war es kirchenstill. Plötzlich ein Gebrüll von weit her, aber es kam näher und näher. &amp;quot;Achtung, Ächtung! Pistolen laden und sichern!“ Im Flüsterton bei den Obermatrosen: &amp;quot;wir schiessen nicht, wir schiessen nicht“. Gegenzug rechts! Marsch! Zur Turnhalle hinaus!“ Wir Obermatrosen waren am Schluss des Zuges und somit den anstürmenden teils bewaffneten Matrosen am nächsten. Es waren die, welche die Versammlung auf dem Exerzierplatz durchführten. Etwa 10 mtr vor der Menge liefen 2 Matrosen und riefen uns zu: &amp;quot;Kameraden werft die Waffen weg oder kommt mit den Waffen zu uns, schiesst nicht auf Eure Kameraden. Nieder mit dem Krieg! Nieder mit den Kriegsphantasten!“ Achtung! Achtung! Feuer, brüllte unser Leutnant. Eine Anzahl Schüsse fielen, aber ich habe nicht gesehen, dass einer getroffen war. Ich war nicht einen Moment unschlüssig; schon zogen wir die anderen zu uns herüber bezw. hinüber. „Los rüber, Schiet op den Krieg! Ein Teil der Maate schloss sich an. Es fielen wieder Schüsse von unserem linken Flügel der Maate oder dem Leutnant; denn 2 übergelaufene Maate waren getroffen und wurden fortgetragen. Der Leutnant war aber plötzlich spurlos von der Bildfläche verschwunden und hat nie wieder in Kiel unseren Bug gekreuzt. Wir, der verstärkte Haufen, rannten nun in die Kasernenblocks, riefen den Matrosen unsere Parolen zu und forderten sie auf, uns zu folgen. Viele schlossen sich an, ein Teil verhielt sich passiv. Offiziere waren eigentlich wenig da und die anwesenden wurden teils mit Güte, teils mit Gewalt, abgetakelt, d. h. die Epauletten und die Kokarden abgemacht. Und so ging es etwa 15 Häuserblocks durch, der Haufen wurde immer grösser und grösser. Leider waren aber auch schon die Räuber am Werk; denn aus den Kleiderkammern und Magazinen stürzten gefüllte Seesäcke aus den oberen Etagen und wurden fortgeschleppt. Aber das liess uns z.Z. kalt. Wir stürmten weiter. Nachdem alle Kasernenbauten abgekämmt waren, eilten wir an die Hafenmole. Zwei Torpedoboote wurden durch Schüsse und Zurufe aufgefordert die rote Flagge zu hissen. Es waren die ersten Schiffe, welche in Kiel die rote Flagge am Mast hochzogen. Leider sind mir die Nummern entfallen. Viele Boote folgten; Pinassen fuhren mit roter Heckflagge zu den dicken Kasten und forderten sie auf sich uns anzuschliessen. Starkbesetzte Boote brachten immer mehr revolutionäre Truppen an Land. Mein Wohnschiff, der älteste Kasten der Marine SMS &amp;quot;Mars“ (Bordwände aus Holz) hatte 1866 gegen die Dänen mitgekämpft, setzte sich lange zur Wehr. 2 rote Matrosen mit weisser Parlamentärflagge wurden zum Verhandeln an Bord geschickt und erreichten, dass doch eindrucksvoll die Kriegsflagge gestrichen wurde und die rote Flagge am Mast hochging. Ein grosser Teil der Matrosen zog durch die Strassen von Kiel und es erfolgte eine systematische Entwaffnung der Offiziere. Das Abtackeln war manchen Matrosen eine wahre Wollust, konnten sie sich doch für Drill und Erniedrigungen rächen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum vollständigen übertragenen und kommentierten Dokument: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:schwabe_manuskript_1950-60.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Fritz Fischer ===&lt;br /&gt;
Fritz Fischer fuhr als Obermatrose auf Torpedobooten und Zerstörern. Er war verschiedentlich widersetzlich und überzog seinen Urlaub. Er erhielt deshalb Strafen und wurde zum Matrosen degradiert. Im Oktober 1918 gehörte er der I. Torpedo-Divison in Kiel-Wik an. Später wurde er ein bekannter Intendant und verfasste 1970 seine unveröffentlichten Memoiren. Darin widmet Fischer mehrere Seiten seiner Zeit in der Kaiserlichen Marine und seiner Rolle beim Kieler Matrosenaufstand. Er wurde mit Karl Artelt in den ersten Soldatenrat gewählt und gehörte auch der Delegation an, die vom Gouverneur Souchon ins Stationsgebäude gebeten wurde. Fischer nahm auch an den folgenden zwei Verhandlungen (an der dritten waren auch Noske und Haußmann beteiligt) am selben Tag teil.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auszüge aus den Memoiren:&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Und dann wie ich dort ankam, in Kiel, also wo waren Sie die ganze Zeit, sage ich, ich weiß es nicht. Also kam ich vor das Kriegsgericht und dieser Kriegsrichter ...... also ich kam dauernd zu Vernehmungen, wurde vorgeführt, und inzwischen gärte es natürlich schon bereits. Und eines Tages kam der Moment, … Also wir bekamen die Waffen ausgehändigt mit Munition, dann wurden sie uns wieder weggenommen. … wurde also von Mittags, wurde die ganze Werftdivision und [Torpedo-] Division zusammen auf dem Riesenplatz, den es ja heute noch gibt, zusammengetrommelt und der Kapitän Bartels hielt uns also eine Rede und sagte, was ist eigentlich los mit euch. Und so und so. Und alles fing an zu murren und wir … [gingen] auseinander. Daraufhin wollte er vier, zwei Leute von der Werftdivision und zwei Leute von der Torpedo-Division sprechen. Ich wurde von den Kameraden dazu abgeteilt. Der eine war ein Matrose Artelt und wir haben also gesagt, was wir wollten. Der A. sagte sofortige Abdankung vom Kaiser und ich sagte sofort die Gefängnisse auf, ja von allen Politischen. Währenddem … kam ein Telefunk-Gespräch und es wurde gesagt, wir sollten zum Gouverneur vorgeführt werden. Er wolle uns sprechen in Kiel. Auf einem kleinen Lastwagen fuhren wir also zum Gouverneur, saßen dem gegenüber am grünen Tisch und haben also unsere Anliegen vorgebracht. Der Kriegsgerichtsrat, der mich verhörte, der saß mir gegenüber. Dies sei nebenbei gesagt, es ist ein Stuttgarter gewesen, den ich später im Theater im Foyer getroffen habe.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Zum vollständigen Abschnitt über seine Erlebnisse während des Aufstands: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Fritz-fischer_memoiren-revzeit_1970.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Frederik Matzen, dänisch gesinnter Matrose ===&lt;br /&gt;
Matzen kam aus Gråsten/Gravenstein, das vor dem ersten Weltkrieg zum deutschen Kaiserreich gehörte. Er berichtet in zwei Artikeln des Jahrbuchs dänisch gesinnter ehemaliger Kriegsteilnehmer (DSK) 1963 und 1967 über seine Erlebnisse während des Matrosenaufstands in Kiel. Zu der Zeit erhielt er eine Ausbildung zum U-Bootfahrer und war auf der in der Wik liegenden SMS „Mars“ untergebracht. Seine Einheit wurde in die Stadt geführt, um den Aufstand niederzuschlagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszug aus seinen Berichten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wir wurden von einem Kapitänleutnant geführt. Meine Gruppe wurde von einem Leutnant geleitet, der während des Eilmarsches nach Kiel versuchte, unsere Gunst zu gewinnen, indem er uns auf Plattdeutsch ansprach. Wahrlich, das große Vaterland musste am Rande des Abgrunds stehen! Es war ein dunkler und trüber Regentag, als wir mit vielen anderen Truppenteilen auf dem Kasernenhof der Matrosendivision aufgestellt wurden. […] Der Kommandeur der Marinestation, […] kam mit seinem Stab auf den Platz. Der Admiral war ein kleiner, älterer Mann. Mein bleibender Eindruck von ihm war, dass er kurz davor war, von der großen, mit Gold überladenen Mütze, von den schweren Epauletten auf seinen Schultern und vom Ernst der Lage zu Boden gedrückt zu werden ... &#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den vollständige Artikeln in Deutsch und Dänisch, und weiteren Kiel betreffenden Artikeln aus den Jahrbüchern: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Matzen_DSK_aarbog_1963_1967.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Marine, mittlere Dienstgrade ==&lt;br /&gt;
=== Fritz Fabian ===&lt;br /&gt;
Fritz Fabian (geb. 1887) kam aus Oberschlesien und diente während des Ersten Weltkriegs als Unteroffizier auf SMS „Kronprinz Wilhelm“. In seinen Revolutionserinnerungen, verfasst vermutlich in den 1920er Jahren, beschreibt er die Ereignisse von Ende 1918 bis etwa 1920. Das Dokument wurde von einem Nachfahren in EUROPEANA eingestellt und von Klaus Kuhl transkribiert (ein Teil wurde auch von Axel Klekers transkribiert) und kommentiert. Der Schreiber hatte ein konservatives und nationalistisches Werteverständnis. Viele der berichteten Details halten einer Überprüfung nicht stand. Fabian versuchte – auch wenn er den Seeoffizieren (eher indirekt) mangelndes Durchgreifen vorwarf, ein positives Bild von ihnen zu zeichnen. In einer mehr nebensächlichen Anmerkung kommt jedoch ganz grundsätzliche Kritik zum Vorschein:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Bei dieser Gelegenheit [Überführung des III. Geschwaders nach Kiel ohne dass die Offiziere sich an der Schiffsführung beteiligen durften] mag wohl manchem jungen Offizier die Erkenntnis gekommen sein, daß es nicht allein nur tüchtige Offiziere, sondern auch hervorragend tüchtige U.O. [Unteroffiziere] gab, deren Tüchtigkeit und Fähigkeit aber nie in gerechter Weise eingeschätzt wurden. […] Wäre dieser Dünkel nicht vorhanden gewesen und wäre die Selbstüberhebung der jüngeren Offiziere nicht systematisch genährt worden, ich glaube, das Seeoffizierkorps und überhaupt die ganze Marine hätte sich vielleicht besser dabei gestanden. Ich erwähne das nur so nebenher.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum vollständigen übertragenen und kommentierten Dokument: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Fabian_revolutionserinnerungen_1924_kommentiert.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Paul Kässner, Oberdeckoffizier ===&lt;br /&gt;
Kässner (geb. vermutlich ca. 1880) schrieb 1932 die Geschichte der Deckoffizierbewegung (Selbstverlag Altona), weitgehend gestützt auf zeitnah verfasste Berichte. Seine Schilderungen zu wichtigen Ereignissen wurden bisher in der Geschichtsschreibung kaum berücksichtigt. Dies betrifft besonders: Bildung der Sicherheitstruppe des Soldatenrats, Aufbau der Eisernen Brigade/Division, die Februarunruhen 1919 in Kiel, die Ernennung von Volksoffizieren.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auszug bzgl. des Aufbaus der Eisernen Division (I. Marine-Brigade):&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In der Versammlung wurde natürlich auch die Führerfrage besprochen. Selbstverständlich war von der Regierung von vornherein zugestanden worden, daß diese Truppe selbst ihre Führer und ihr inneres Leben bestimmen könne. Aus der Versammlung heraus wurde allgemein zum Ausdruck gebracht: Wir wollen nicht daran denken, wie wir früher behandelt worden sind und deshalb sollen ruhig Offiziere alle oberen Stellen in der Truppe besetzen; aber es müssen Offiziere sein, die unser Vertrauen besitzen und die auch etwas vom Landkrieg verstehen. In diesem Sinne ließ Kamerad Alboldt noch am selben Abend die verschiedenen Offiziersgruppen und im besonderen die Seeoffiziere informieren und ihnen sagen, daß die Formation der Truppe am andern Vormittag in der Waldwiese erfolgen werde. Es mag hier gleich erwähnt werden, daß sich außer Kapitänleutnant v. Werner kein einziger Offizier dort einfand.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Analyse und Edition: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Kuhl_analyse-edition-kaessner-deckoffizierbewegung_2022.pdf PDF-Datei.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Louis Streichert ===&lt;br /&gt;
Louis Streichert (geb. 1890) diente im ersten Weltkrieg auf SMS &amp;quot;Straßburg&amp;quot; vermutlich als Unter- oder Deckoffizier. Er wurde im Jahr 1975 von Karl-Reinhard Titzek und Tilmann Weiherich interviewt.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auszüge:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Zum Beispiel habe ich meinen Eltern geschrieben, dass ich gerne fürs Vaterland sterben würde, und wir den Kaiser an Bord nehmen und mit der ganzen Flotte ruhmreich untergehen. Manchmal hat der einfache Heizer weiter gedacht als der Herr Admiral. Wir fuhren nicht raus und gaben die Minen in Cuxhaven wieder ab. Dann fuhren wir durch den Kanal in die Ostsee. Als wir nach Kiel kamen, sahen wir die ganze deutsche Flotte. […] Da sind wir ausgewichen nach Saßnitz (Rügen). Da wurde ein Telegramm an den Kaiser geschickt: „Wir halten treu zu unserem Kaiser, und wenn er es wünscht, nehmen wir ihn an Bord und fahren mit ihm irgendwohin ins Ausland.“ Der Kommandant stand da und weinte beinahe. Er sagte, dass der Kaiser sie alle aus ihrem Eid entbunden hätte. Er ging dann weinend weg. Da holten wir die Kriegsflagge nieder.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Das vollständige Interview mit einem Bericht des I. Offiziers über die Ereignisse im Anhang ist hier zugänglich: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Interview-streichert-brosch-weddigen-strassburg.pdf PDF-Datei.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Marineoffiziere ==&lt;br /&gt;
=== Admiral Bachmann, Admiral Souchon, Konteradmiral Küsel ===&lt;br /&gt;
Gustav Bachmann war bis zum 30. Oktober 1918 Gouverneur von Kiel und hatte damit die militärische und zivile Gewalt inne. Er wurde abgelöst von Wilhelm Souchon. Hans Küsel war Stabschef in der Marinestation in Kiel. Alle drei hinterließen schriftliche Aufzeichnungen über die Ereignisse. Insbesondere Küsel verfasste einen detaillierten Bericht, den er bereits 1919 begann und 1935 abschloss. In den Aufzeichnungen wird auch thematisiert, warum man das III. Geschwader in das „Pulverfass“ Kiel schickte. Dies trug entscheidend zur weiteren Eskalation bei, die schließlich zum Kieler Matrosen- und Arbeiteraufstand führte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Küsel schrieb u.&amp;amp;nbsp;a.:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Der Stationschef sieht sich in eine ungeheuer schwierige Lage […] versetzt, in der die Entscheidung ihm schon aus der Hand genommen ist. Es ist vollendete Tatsache, daß die Schiffe des III. Geschwaders, auf denen nach eigner Meldung des Geschwaderchefs [Kraft], Meutereien im größten Umfange vorgekommen sind, im Hafen von Kiel liegen. Beurlaubungen im größten Umfang haben von den Schiffen bereits stattgefunden. Admiral Souchon setzt Vizeadmiral Kraft die Lage in Kiel auseinander. Im Festungsbereich befinden sich über 100.000 Arbeiter, unter denen es gärt. Für den 5. oder 7. November wird ein Streik der Rüstungsarbeiter erwartet. […] Die Hauptgefahr sah Admiral Souchon ebenso wie ich darin, daß streikende Arbeiter und meuternde Soldaten sich zusammenfinden könnten.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Aus diesen Erwägungen heraus stellte Admiral Souchon erneut die Forderung an Vizeadmiral Kraft, Kiel sofort mit seinen Schiffen zu verlassen. Den Hafen sofort mit seinen Schiffen wieder zu verlassen erklärte sich jetzt Vizeadmiral Kraft außerstande. Von einer weitgehenden Beurlaubung erwarte er aber mit Zuversicht eine durchgreifende Beruhigung.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Berichte der Seeoffiziere werden in einer 2023 erschienen Veröffentlichung vorgestellt und analysiert: Klaus Kuhl: Gefangen in Überheblichkeit und Engstirnigkeit: Die führenden Seeoffiziere und der Matrosen- und Arbeiteraufstand in Kiel 1918. Die Berichte der Chefs der Marinestation und Gouverneure von Kiel, Admiral Gustav Bachmann und Admiral Wilhelm Souchon sowie ihres Stabschefs Konteradmiral Hans Küsel. Kiel 2023. Herausgegeben vom Verein Maritimes Viertel – Kultur am Kanal e.V. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Karl von Kunowski ===&lt;br /&gt;
Karl von Kunowski (1897–1991) war Fähnrich und Wachoffizier (WO) auf der „Markgraf“. Er schrieb seine Erlebnisse vermutlich noch 1918 auf. Später wohnte er in Flintbek bei Kiel und war Professor an der Kieler Universität. Er übergab sein Typoskript, das er betitelte: “Erinnerungen an: Die letzten Tage der Kaiserlichen Marine1918, beim III. Geschwader auf SMS Markgraf als wachhabender Offizier“, 1978 an [[Dirk Dähnhardt]], siehe Nachlass im [[Stadtarchiv]]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszüge:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Freitag, 8. Nov. 1918 [zu der Zeit befand sich das III. Geschwader vor Travemünde]: Morgenwache gegangen, aber nichts veranlaßt, die Routine wird noch eingehalten. Leute fragen WO, machen aber auch alles mögliche selbständig. Am Nachmittag gegen 4 Uhr wurde gepfiffen, alle Mann achter raus, auch Offiziere. ... Ein Maschinistenmaat sprach über den Soldaten- und Arbeiterrat, der sich über die ganze deutsche Küste erstrecken und die sogen. Radikalen d.&amp;amp;nbsp;h. geläuterten Sozialisten umfassen soll. Der Soldatenrat verfolgt zwei Ziele: 1. Die Abschaffung des preußischen Militarismus, 2. Die beschleunigte Einleitung von Friedensverhandlungen. Die jetzige Regierung könnte dieses nicht, sie ist bestochen. Die Männer der Regierung sind dazu nicht geeignet, denn wir wollen keinen Kapitalistenfrieden, sondern einen Arbeiter- und Soldatenfrieden.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Alle Macht liegt in den Händen des Sold.rates. ... Den Offizieren ist es freigestellt, auszusteigen oder achtern mit an Bord zu bleiben. Fahren oder sonst sich beteiligen sollen sie nicht.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Um neun Uhr abends findet in der Messe eine Sitzung statt. Kapitän Heizing sagt, daß es nach seiner Aussprache mit dem Kommandanten u. Admiral unbedingt nötig sei, an Bord zu bleiben, so schwer dieses auch fiele, und zwar um einmal in jedem Falle für die Sicherheit des Schiffes zu sorgen und ev. die Leitung zu übernehmen, sowie zweitens um bei Änderung der Verhältnisse entsprechend eingreifen zu können, z.&amp;amp;nbsp;B. bei Außerdienst Stellung der Flotte. Außerdem dankte voraussichtlich S.M. der Kaiser ab, so daß wir unseres Treueides entbunden würden.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Der Arb.-u.Sold.-rat befahl, daß sich die Offiziere an der Fahrt nach Kiel nicht beteiligen sollten, .... Markgraf führte das dritte Geschwader in Kiellinie 25 Sm. Der Steuermann wurde gewzungen[!], die Schiffsführung zu übernehmen auf Anweisung des Sold.-rats. Der Signalmeister mußte die Wache an Deck gehen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In die Offiziersmesse kommen zwei Unteroffiziere des Sold.-rates und verkündigen, daß jetzt alle Mahlzeiten ohne Unterschied für verschiedene Dienstgrade zubereitet werden. Außerdem teilen sie mit, daß die Offiziere sich bis morgen früh um 10 Uhr sich entscheiden sollen, ob sie zu dem Soldatenrat gehören wollen oder nicht. Im ersteren Fall soll der Dienst unter den bereits genannten vorläufigen Bedingungen im Einvernehmen mit dem Herrschenden Soldatenrat weitergehen. Werden dagegen die Forderungen des Sold.-rats nicht unterschrieben, sind sie frei, d.&amp;amp;nbsp;h. ihr Dienst ist dann quittiert.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vollständiges Dokument, das auch einen Vergleich mit den Aussagen des Besatzungsmitglieds Karl Bock (s.&amp;amp;nbsp;o.) und denen des 1. Offiziers Wilfried von Loewenfeld enthält: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Kunowski_manuskript_1918_plus-anhang.pdf PDF-Datei.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kapitänleutnant Max Wittmer ===&lt;br /&gt;
Max Wittmer (*1884 in Kiel, +1979) war Torpedobootskommandant und im ersten Weltkrieg Lehrer an der Ingenieur und Deckoffizierschule in Kiel-Wik, später wurde er Handelsagent. Er wurde im Jahr 1975 von Karl-Reinhard Titzek und Tilmann Weiherich interviewt. Drei Jahre später wurde er von Dirk Dähnhardt befragt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszüge:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Im Eilmarsch zog er mit seiner Patrouille dem Demonstrationszug hinterher. Bevor er die Kreuzung Karl-, Brunswickerstr. erreicht hatte, hörte er Schüsse. Ein großes Durcheinander erblickte er am Ort des Geschehens. Da seine Leute überrannt zu werden drohten, ließ er Warnschüsse abfeuern. Als auch diese keine Wirkung zeigten, ließ er auf die Beine zielen. Das sei der schwerste Befehl seines Lebens gewesen, berichtete Herr Wittmer. Nach den Schüssen war aber die Straße wie leergefegt. Nur einige Frauen schimpften auf die Männer, was für Feiglinge sie seien. Noch einmal ließ Herr Wittmer einen Warnschuß feuern, dann endlich herrschte Ruhe.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Anmerkung Kuhl: Eine genauere Analyse ergab, dass Wittmer wohl hauptsächlich die Erlebnisse anderer Offiziere wiedergibt. In einigen Fällen offenbaren die archivierten Berichte anderer Offiziere und die Lazarettlisten einen wahren Kern in Wittmers Schilderungen. Insofern gibt es gewisse gegenseitige Bestätigungen, die immerhin ein wenig zur Erhellung der Vorgänge beitragen. Insbesondere könnte am 3. November 1918 abends tatsächlich eine nachrückende Einheit der Deckoffizierschule auf die Füße und Beine der Demonstranten geschossen haben, um diese auseinanderzutreiben.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den vollständigen übertragenen und kommentierten Dokumenten einschließlich einer Quellenanalyse: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Wittmer_interviews_1975-78_analyse.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Heeressoldaten ==&lt;br /&gt;
=== Jonny Pump ===&lt;br /&gt;
[[Datei:jonny-pump_1980.jpg|150px|thumb|Jonny Pump 1980 in seiner Kieler Wohnung. Foto: Kuhl.]]&lt;br /&gt;
Jonny Pump sollte als Rekrut von Schleswig aus gegen den Matrosenaufstand in Kiel eingesetzt werden. Er war deutsch-national eingestellt und unterstützte 1920 mit den Zeitfreiwilligen den Kapp-Putsch in Kiel. Später führte er einen Elektroladen. Er wurde 1978 und 1987 von Klaus Kuhl (und teilweise Peter Cornils) interviewt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszug:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ich persönlich jedenfalls war damals in Schleswig, in Schloss Gottorf. Erst bei unserem Abmarsch aus Schleswig wurde uns gesagt, dass in Kiel ein Aufstand sei. Und nun sollten wir, woll&#039;n mal sagen da als ... ... den Aufstand (niederwerfen). Wir konnten uns auch nicht vorstellen, ob das nun Arbeiter sind oder Soldaten sind, wussten wir ja nicht. Wir sind losgefahren, verladen und haben Munition und Gewehre empfangen. Und wenn das nun tatsächlich hart auf hart gekommen wäre, dann wäre das ja so gekommen, wir hätten ein Kommando gekriegt: &amp;quot;Ausschwärmen!&amp;quot; und müssen schießen auf unsere eigenen Leute. ... kamen wir mit dem Zug nicht mehr in Kiel rein. Der Bahnhof war besetzt von Matrosen – soweit ich gehört habe – und die hielten den Zug an, so bei der Lübecker Chaussee. Jedenfalls kamen Verschiedene nicht wieder. Aber das waren ältere Soldaten. Ob die nun orientiert waren? [Nikolaus Andersen beschreibt in seinem Tagebuch, wie Soldaten des Schleswiger Infanterieregiments im Bahnhof ankamen und sich dort mit den Aufständischen verbrüderten; siehe unten.]  Wir waren ja meistens junge Rekruten. Die Ausbilder waren alte verwundete Frontsoldaten. Die scheinen mehr gewusst zu haben. Jedenfalls waren Verschiedene, die gar nicht wieder mit zurückfuhren. Wir kamen nicht raus. Wir konnten natürlich aus dem Zug aussteigen, aber was wollten wir machen. Es wurde nicht irgendwie kommandiert &amp;quot;Sammeln!&amp;quot; und &amp;quot;Marschieren!&amp;quot; oder so, das wurde nicht getan. Der Zug fuhr wieder zurück. Wir sind nachts wieder in Schleswig angekommen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den vollständigen Interviews: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:kuhl_interviews-j-pump_1978-1987.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Heeresoffiziere ==&lt;br /&gt;
Als die Lage in Kiel sich zuspitzte, forderte die Marineführung in Kiel Infanterie von außerhalb an. Am 4. November 1918 erschienen verschiedene Einheiten in Kiel. Dabei liegen von den folgenden führend beteiligten Heeresoffizieren schriftliche Zeugnisse vor.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Adalbert von Falk, kommandierender General des stellvertretenden Generalkommandos des IX. Armee-Korps in Altona ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Adalbert von Falk circa 1915.jpg|150px|thumb|Adalbert von Falk, nach März 1915]]&lt;br /&gt;
Der Gouverneur und Chef der Marinestation der Ostsee in Kiel, Admiral Wilhelm Souchon forderte am 3. November abends bei dem benachbarten Armeekorpsbezirk Infanterie an. Nach den Schüssen auf die Demonstranten und der Auflösung der Demonstration wurde dies zunächst zurückgenommen, am frühen Morgen des nächsten Tages aber erneuert. v. Falk berichtete darüber in einem Brief vom 12. November 1936 an den damaligen Hauptmann Erich Trowitz (Major a. D.).&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auszug:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ich selbst war seit dem Sonntag, den 3. November, an dessen Abend mich der Hilfeschrei des ratlosen Gouvernements Kiel in Altona erreichte, hier unabkömmlich; im Versuch zusammenzuraffen, was noch an Truppenbrocken im Korpsbezirk und dessen Nachbarschaft zu sammeln war; im Dauerverkehr mit dem Kriegsministerium; mobile Truppen (1 Korps) heischend, um damit die Aufrührer zu Paaren zu treiben. Der schnelle Entschluss – vom Kriegsministerium [Scheüch] genehmigt – der verheissenen Truppe entgegen zu eilen, blieb ohne Erfolg. Die Ereignisse waren schneller als ich.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Bundesarchiv BArch RM 8/1025 Bl. 53.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Der hier zugängliche Artikel von Klaus Kuhl enthält u.&amp;amp;nbsp;a. eine Einordnung, Diskussion und Einschätzung des Briefs: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Kuhl_einschaetzung-e-h-schmidt-u-quellenkritik-trowitz_2017.pdf PDF-Datei.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Hauptmann Erich Trowitz ===&lt;br /&gt;
Bei der ersten Infanterieanforderung aus Kiel am 3. November 1918 abends beauftragte das Kommando des IX. Armeekorps in Altona den Generalleutnant Harry von Wright in Lübeck, Kommandeur der stellvertretenden 81. Infanterie-Brigade, mit den zu treffenden Maßnahmen. Dieser wiederum bestimmte den Hauptmann Erich Trowitz vom (Ersatz) Infanterie-Regiment 163 in Neumünster zum Befehlshaber der aufgebotenen Einheiten aus Neumünster, Schleswig und Lübeck. Die Anforderung wurde kurz darauf zurückgenommen, aber am nächsten Tag erneuert. Diesmal war zusätzlich eine Einheit (ca. 180 Mann) aus Rendsburg dabei, die Kiel bereits am späten Vormittag erreichte und in die Wik geschickt wurde, weil sich dort die Ereignisse zuspitzten. Bei allen anderen Einheiten kam es zu Verzögerungen, die wohl in erster Linie v. Wright zu verantworten hatte, weil dieser sich auf Inspektionsreise begeben hatte. Trowitz erreichte Kiel erst um 15 Uhr, als die Marineführung aufgrund der nicht erwarteten schnellen Ausbreitung des Aufstands bereits mit den Aufständischen unterhandeln musste und einen Schusswaffeneinsatz nunmehr untersagte. Die anderen Einheiten kamen erst abends an; insgesamt handelte es sich um ca. 1200 Mann. Trowitz fuhr in der Nacht wieder zurück nach Neumünster, allerdings ohne die von ihm zum Schutz der Station abgestellte Gruppe unter von Treyden. Von diesen waren Teile vermutlich übergelaufen. Trowitz schweigt sich in seinem späteren Bericht darüber aus.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Im Jahr 1935 verfasste er (inzwischen Major a.&amp;amp;nbsp;D.) diesen für die Zeitschrift &amp;quot;Bundeszeitung der Vereinigungen ehemaliger 163er&amp;quot;,&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt; Das Reichskriegsministerium in Berlin verlangte die Zurückziehung und Vernichtung der Ausgabe &amp;quot;da [Trowitz&#039; Artikel] geeignet ist, anstelle der heute angestrebten vertrauensvollen Einheit der Nation Gegensätze in der Wehrmacht hervorzurufen.&amp;quot; Falls er dieser Aufforderung nicht zufriedenstellend nachkomme, würde die Geheime Staatspolizei mit der Beschlagnahme beauftragt. Bundesarchiv BArch RM 8/1025 Bl. 22.&amp;lt;/ref&amp;gt; in dem er seine Erlebnisse schilderte.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auszug: &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ich habe das unerschütterliche Bewusstsein, daß es auch mit den zur Verfügung stehenden Kräften ohne Mühe gelungen wäre am 4. November 1918 die Meuterei in Kiel zu unterdrücken, nicht zum wenigsten aus dem Grunde, weil die Matrosen nur aus gemeiner Feigheit sich zu ihrem verbrecherischen Treiben hatten verleiten lassen.&amp;lt;ref&amp;gt;Erich Trowitz: Revolution in Kiel – E./163. In: Bundeszeitung der Vereinigungen ehemaliger 163er, Nr. 11 1936. Bundesarchiv BArch RM 8/1025 fol. 32-36.&amp;lt;/ref&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Die Demonstranten in Kiel hatten trotz mehrmaligem Schusswaffeneinsatzes der Patrouille diese in die Flucht geschlagen; sicherlich kein Zeichen von Feigheit. Auch weitere von Trowitz angeführte Gründe können nicht überzeugen. Siehe dazu den Artikel von Klaus Kuhl, der eine ausführliche Vorstellung, Diskussion und Einschätzung von Trowitz’ Arbeit enthält: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Kuhl_einschaetzung-e-h-schmidt-u-quellenkritik-trowitz_2017.pdf PDF-Datei.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ArbeiterInnen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gertrud Völcker ===&lt;br /&gt;
[[Datei:gertrud-voelcker_1950.jpg|150px|thumb|Gertrud Völcker 1950, Foto StAK/Nafzger.]]&lt;br /&gt;
[[Gertrud Völcker]] (1896–1979) war damals Angestellte im Arbeiter-Sekretariat der Freien Gewerkschaften in Kiel. Sie war seit 1915 Mitglied der Sozialistischen Arbeiterjugend. Später wurde sie Vorsitzende der Arbeiter Wohlfahrt (AWO) in Schleswig-Holstein. Im Jahr 1975 gab sie Karl-Reinhard Titzek und Tilmann Weiherich ein Interview, und vermutlich im selben Jahr wurde sich auch von Ute Kohrs interviewt. Dabei gewährte sie auch Einblick in ihr Tagebuch und es wurden Abschriften vorgenommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszüge:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die USPD hatte ganz bedeutende Führer – die SPD auch – aber die (USPD) waren konsequenter. Ich bin nie USPD gewesen. Die waren – wenn man heute zurückdenkt – haben sie doch sehr viel recht gehabt. Man hätte sich in Verhandlungen anders verhalten müssen. Aber es ist ja leicht gesagt: Im Augenblick musste gehandelt werden und das Gebot der Rettung des Vaterlandes stand im Vordergrund. Das war das Leitmotiv der Sozialdemokraten. Und die USPD, der Lothar [Popp] war USPD-Mann, das waren gute Männer, das waren keine Radauleute.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Es war eine mutige Tat von ordentlichen Deutschen, die das Land nicht in einer noch größeren Krise haben wollten. Es waren ruhige Leute, es waren außerordentlich nette, bewusste und kluge Leute, die nachgedacht hatten. So seh ich die Jungens heute. Es war eine mutige Tat, die Zivilcourage erforderte, eine Revolte, keine Meuterei, und auch keine Revolution.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum vollständigen Dokument mit den Interviews, Auszügen aus ihrem Tagebuch und einer kurzen Biografie: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Voelcker_interviews_1970er_tagebuch.pdf PDF].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Julius Bredenbeck ===&lt;br /&gt;
[[Datei:julius-bredenbeck_1989.jpg|150px|thumb|Julius Bredenbeck 1989, Video-Standbild: Gerdes/Kuhl.]]&lt;br /&gt;
[[Julius Bredenbeck]] (1907–1990) war damals Mitglied der Arbeiterjugend. Später wurde er ein bekannter Gewerkschafter und Sozialdemokrat sowie persönlicher Referent von Lauritz Lauritzen, der u.&amp;amp;nbsp;a. verschiedene Ministerposten bekleidete. Er wurde 1983 und 1989 von Klaus Kuhl interviewt. Das erste Interview wurde per Tonbandgerät, das zweite per Video von Kay Gerdes aufgezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszüge:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Allgemein darf man wohl sagen, es war eine Stimmung, die der Verzweiflung sehr nahe war. Man spürte das Ende des Krieges. Man wusste aber nicht aus noch ein, und es gab nun verschiedene Gruppen. In einzelnen Betrieben gab es schon Arbeiterräte, die sich selbst gebildet hatten, ohne Rechtsgrundlage, einfach aufgrund der Stärke der Organisation. Die zum Teil also auch mit sehr großem revolutionärem Pathos an die Arbeit gingen. In anderen Betrieben waren auch Arbeiterräte, die aber mehr daran interessiert waren, notwendige Dinge, Schwierigkeiten in der Versorgung mit Lebensmitteln usw. weitgehend mit zu steuern. Man kann nicht sagen, dass es eine einheitliche Stimmung gab. Das wurde anders als damals die Matrosen Befehlsverweigerung machten. Das führte ja denn zum Zusammenbruch. Da war eine allgemeine Solidarität in der gesamte Kieler Arbeiterschaft feststellbar: in den größeren Betrieben wurde zunächst die Arbeit niedergelegt. Es wurde sich solidarisiert. Die Arbeiter- und die Soldatenräte fanden sich zu Sitzungen zu Gesprächen zusammen im Gewerkschaftshaus.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den vollständigen Interviews: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Kuhl_interviews-bredenbeck_1983-1989.pdf PDF-Datei.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Martha Riedl (geb. Ehlers) ===&lt;br /&gt;
[[Datei:martha-riedl_1990.jpg|150px|thumb|Martha Riedl 1990 in ihrer Kieler Wohnung. Foto: Kuhl.]]&lt;br /&gt;
Martha Riedl (1903–1992) war in den Jahren um 1918 Mitglied der Arbeiterjugend und besuchte die öffentliche Handelsschule. Von 1946 bis 1948 war sie Mitglied der Kieler Ratsversammlung für die SPD. Sie wurde 1990 zweimal, sowie ein weiteres Mal 1991 von Klaus Kuhl interviewt. Das erste Interview wurde per Tonband aufgezeichnet, das zweite Interview fand an den entsprechenden Orten statt und wurde von Kay Gerdes per Video aufgenommen. Das letzte Interview wurde von Klaus Kuhl selbst per Video aufgezeichnet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszüge:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Bei allen Sachen: man ging ins Gewerkschaftshaus, da traf man sich. Und ich ging ins Gewerkschaftshaus. Damals wohnte Eggerstedt im Nebenhaus und den traf ich. Der sagte: Wo kommst du denn her! Ich sagte: Ist Vater hier? Hast du Vater gesehen? Vater ist hier, es ist alles in Ordnung. Und dann sagt er: Bleib man hier, wir können dich gebrauchen. Du weißt ja wo der Peerstall ist? Ich sage: Ja. Der war früher in der Langen Reihe, so ungefähr Höhe Muhls Hotel, war eine Gastwirtschaft. Tatsächlich Peerstall hieß es, weil die Pferde da ausgespannt wurden und die da ins Restaurant, in die Kneipe gingen. Ja, sagt er, denn bringen wir dich dahin, zu dem und dem, kennst du den? Ja kenne ich. Ja denn ist gut, denn kommst nachher wieder, wir können dich gut gebrauchen. In der Zwischenzeit kam aber alles von der Werft rein, rüber, alles was einen Dampfer zu fassen kriegte, war auf dem Dampfer, die fuhren einfach hin und her. Da war kein Fahrplan mehr. Und die Marine kam von der Wik, Düsternbrook runter. Und die Marine, die strebten nach dem Bahnhof, die wollten nach Hause.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den vollständigen Interviews: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Kuhl_interviews-riedl_1990-1991.pdf PDF-Datei.]&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Karl Edler ===&lt;br /&gt;
Karl Edler war Mitglied des Arbeiterrats in Kiel und später Stadtverordneter der SPD. Im Namen der Gewerkschaften stiftete er, zusammen mit Eduard Wolke (SPD) 1920 den zentralen Findling auf dem Kieler Eichhof-Friedhof mit der Aufschrift &amp;quot;Ruhestätte der Opfer der Revolution&amp;quot;. Edler erstattete am 26. November 1918 in Berlin auf einer Sitzung des Vollzugsrats einen Bericht über die Vorgänge in Kiel.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auszüge:&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;Der wichtigste Punkt war bei uns das Ernährungswesen. Wir haben aber auch diese Frage zur vollsten Zufriedenheit der ganzen Bevölkerung bei uns gelöst. Auch die Zivilpersonen stellten sich hierbei hindernd in den Weg. Durch unsere Macht haben wir sie aber gezwungen, uns nachzugeben. Wir waren durch die entgegengesetzte Tätigkeit von Zivilpersonen in die Enge getrieben, daß wir tagelang keine Lebensmittel bekamen und vor allen Dingen die Milch für die Kinder fehlte. Die Lebensmittel lagen in Plön und Eckernförde, und Kiel bekam nichts. Schließlich hatten wir unseren Fuhrpark so in Bewegung gebracht, daß wir uns Milch und anderes durch Autos herbeiholten, und so bekommen wir jetzt ausreichend Lebensmittel heran.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Zum kommentierten Protokollauszug: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Edler_bericht-in-berlin-26-nov-1918.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Otto Preßler ===&lt;br /&gt;
[[Datei:otto-pressler_1979.jpg|150px|thumb|right|Otto Preßler 1979 in seiner Wohnung in Kiel-Mettenhof während des Interviews. Foto: K. Kuhl.]]&lt;br /&gt;
Der Metallfacharbeiter Otto Preßler (1895–1981) war SPD- und Gewerkschaftsmitglied. Von 1915 bis Kriegsende musste er in Russland und später an der Westfront als Waffenmeister kämpfen. Er kam über Braunschweig am 10. Dezember 1918 nach Kiel zurück. Er gehörte zu den Gründungsmitgliedern der KPD in Kiel und wurde später Vorsitzender. Weil er sich der linksradikalen Entwicklung der KPD widersetzte, wurde er 1929 ausgeschlossen und trat der KPD-Opposition (KPD-O) bei. Nach 1945 wurde er erneut Vorsitzender der KPD in Kiel. Er wurde zum Bevollmächtigten der IG Metall gewählt. Im Jahr 1946 wurde er in den Rat der Stadt Kiel gewählt und war Mitglied der beiden ersten ernannten schleswig-holsteinischen Landtage. 1968 wurde er Mitglied der DKP. Er wurde 1979 von Klaus Kuhl zu seiner Rolle und seinen Einschätzungen der Entwicklung in den ersten Revolutionsmonaten 1918/1919 interviewt.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auszüge bezüglich der Februarunruhen 1919 in Kiel (so genannter Spartakusaufstand):&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ja, das war dann im Februar 1919. Da war Bremen Räterepublik und dann kamen die Nachrichten, Noske will die Räterepublik beseitigen und die Division Gerstenberger von Berlin wird in Bewegung gesetzt. Da haben wir … aufgerufen zur öffentlichen Versammlung, um die Bremer Arbeiterschaft in der Verteidigung ihrer Räterepublik zu unterstützen. Und diese Versammlung war in der „Concordia“ an der Lübecker Chaussee; das war so ein Tanzlokal, brechend voll. … Der Plan war, und das wurde auch nach der Versammlung … in der Besprechung gesagt, Aktionen hier in Kiel zu organisieren, um Truppen hier an Kiel zu fesseln, die nicht nach Bremen konnten.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Mit einer Kolonne sind wir rausgefahren, …  und haben auf der Levensauer Hochbrücke die zwei Maschinengewehre weggeholt. Da waren dann die „Noskiten“, die da Wache hielten. Die sagten: “Wir sind auch nicht für Noske. Nehmt’se man mit.“ … Dann haben wir noch einen Lastwagen angehalten von Eckernförde, wir wollten doch die Maschinengewehre nicht reinschleppen. Und der Fahrer der war ganz verlegen …, da lagen unter der Persenning so geschlachtete Kühe oder was. Wir haben uns nachher nicht mehr um das Fleisch gekümmert, Hauptsache, dass wir die Maschinengewehre nach Kiel rein kriegten. Vorher habe ich sie noch ausprobiert an der Böschung bei der Eisenbahn. Die sagten: „Otto, du kannst doch hier neet scheeten.“ Ich sage: „Ich muss erst mal sehen, ob sie auch funktionieren.“ … [in der] Schule in der Legienstraße gegenüber vom Gewerkschaftshaus wurden die postiert.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Und ich weiß noch ganz genau, dass wir mit einer kleinen Truppe in der Kommandantur, Marinestation Ostsee, da sind wir hin und haben da zwei Admiräle – weiß der Teufel mit den Streifen – gefangen gesetzt; eingeschlossen, die Waffen weggenommen. Wir haben gesagt: “Da bleibt ihr erstmal drin!“ Das waren alles Feldsoldaten, die hatten alle noch so ein bisschen „Rosch“. Und denn auf einmal … kamen welche angelaufen, wir sollten die Kommandantur aufgeben. … Da war die Knallerei da schon im Gange an der Kaserne, und dann sollten wir dorthin. … Und dann wurde diese militärische Organisation der Deckoffiziere eingesetzt, dann ging die Schießerei los. Der Fritz Schulz da, der hat auf dem Bauch gelegen unter den Toten, auf der Treppe. … Und dann wurde gefeuert aus allen Rohren. Mit Maschinengewehren kamen die Brüder an und knatterten dazu. Da war ein Haufen Tote.&amp;lt;ref group=&amp;quot;A&amp;quot;&amp;gt;Insgesamt kamen bei dieser Aktion sechs der KPD nahe stehende Männer ums Leben, von denen fünf auf der Revolutionsanlage auf dem Eichhof beerdigt wurden, das sechste Opfer wurde nach Lichtenberg überführt; vgl. Klaus Kuhl: Opfer von Matrosen-/Arbeiteraufstand 1918, Februarereignissen 1919 und Kapp-Putsch 1920. Kiel 2021. Online zugänglich (aufgerufen am 18. Juni 2022) unter: [http://www.kurkuhl.de/docs/liste_opfer.pdf].&amp;lt;/ref&amp;gt; Wir haben uns, um nicht noch das letzte runter schießen zu lassen, zurückgezogen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;All so’n Krom hebt wi mokt, damals. Aber es war doch so, dass eben die große organisierte Masse der Kieler Arbeiter nicht dabei war. … Das ging ja alles so impulsiv und spontan, hier und dort sammelten sich die Gruppen und machten das. Da war keine Zusammenfassung.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Zum vollständigen Interview: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Kuhl_interview-pressler-novrev_1979.pdf PDF-Datei.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mittelschicht ==&lt;br /&gt;
=== Tagebuch des Ingenieurs Nikolaus Andersen ===&lt;br /&gt;
[[Datei:nikolaus-andersen_undatiert.jpg|150px|thumb|Andersen als junger Mann. Foto: Familienbesitz.]]&lt;br /&gt;
Der Tagebuchschreiber Nicolaus oder Nikolaus Andersen war Beamter des &amp;quot;Bureaus M.K. der Fried. Krupp A.–G., Germaniawerft&amp;quot;. Er war dort hauptsächlich mit dem Ändern technischer Zeichnungen befasst. Die Eltern des Schreibers besaßen damals einen Hof in Rinkenis (heute Rinkenæs, Dänemark), welches 1918 zum Deutschen Reich gehörte. Das in deutscher Schrift verfasste Tagebuch wurde 1980 von Karl Altewolf auf einem Flohmarkt entdeckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auszug aus dem Eintrag vom 4. November 1918:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Mittags 3 Uhr waren etwa 200 Mann Infanterie aus Neumünster mit Masch.Gewehr am Bahnhof eingetroffen, sie hielten um 6 [18] Uhr die Eingänge besetzt. Um 9 [21] Uhr waren die Matrosen Herren des Bahnhofes. Die Soldaten aus Neumünster sind jedenfalls abgezogen. Später kommen plötzlich nach lauten Hurrahs die Infant. Rgmt. Nr. 84 [aus Schleswig, siehe auch oben den Bericht von Jonny Pump, der dieser Einheit angehörte] einzeln ohne Waffen aus dem Bahnhof und machten mit den Matrosen gemeinsame Sache. Sie lieferten Gewehre, Munition und Maschinengewehre an die Marine ab. Große Verbrüderung und Hochs auf die Infanterie. Feldgraue Helme wurden weggeworfen, Mützen aufgesetzt und Klamauk gemacht. Später gegen 11 Uhr … Unheimliches Gedränge vor dem Nordportal u. Begeisterung. Hunderte Infanteristen zwischen tausenden Arbeitern, Marines, Zivilisten und – Mädchen und Jungs. Wildes durcheinander befehlen und Klamauk. Alle Marine ist nach und nach bewaffnet.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Um 1 Uhr nach Hause, denn es war kalt. Kaum im Bett, erhebt sich ein mörderliches Schießen. Ich raus. Am Bahnhof menschenleer. Man schießt (angeblich aus dem Hansa-Hotel und zwar von Offizieren) auf die Soldaten. Das Hotel wird erheblich beschossen, desgl. mehre Häuser am Sophienblatt, so Uhrmacher Blunck u. Ecke Lerchenstraße gegenüber auch noch. Als es ruhig, gehe ich durch den Tunnel südl. am Bahnhof entlang. Ein Lastauto kommt Ringstr. u. wird mächtig beschossen von allen Seiten. Leider sind Matrosen die Insassen. Als das Schießen eingestellt ist, findet man einen Obermaat mit Beinschuß und einen Matrosen mit Brustschuß.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Auszüge und Hintergrundinformationen: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Andersen_tagebuch-auszuege_1917-1919.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
Das vollständige Tagebuch mit einer Textanalyse wurde im Peter Lang Verlag veröffentlicht: Klaus Kuhl: Kiel und die Revolution von 1918. Das Tagebuch eines Werftingenieurs, verfasst in den Jahren 1917-1919. Edition und Textanalyse. Berlin 2018 (Kieler Werkstücke Bd. 51). ISBN 978-3-631-75857-1.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Erh. Müller, Beamter einer Kieler Werft ===&lt;br /&gt;
Im Kieler Stadtarchiv ist ein Brief von Erh. Müller, Beamter (damals synonym für Angestellter) einer Kieler Werft an Dora in Zeilitzheim (Ortsteil der Gemeinde Kolitzheim im südlichen Landkreis Schweinfurt in Unterfranken). Zu beiden Personen liegen leider keine weiteren Informationen vor. Müller beschreibt eigene Erlebnisse während der Revolutionszeit.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auszüge:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Diese ersten Schüsse [am Sonntag, 3. November 1918 abends] hörte ich von der Jungmannstraße her deutlich, wie ich auf dem Wege zu Güttlers war. 10 Minuten später wollte ich auch zum Tatplatz eilen, fand aber sämtliche Straßen militärisch besetzt.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Am Montagabend saß ich gerade beim Abendbrot, als ich vom [[Wilhelmplatz|Wilhelmsplatze]] her einen tosenden Lärm vernahm. Ich eilte sofort hin um zu sehen, was es gab, und fand den großen Platz gedrängt voll von Matrosen die dort unter Mitführung von roten Fahnen, die Befreiung von 80 Meuterern feierten und Ansprachen hielten, die meistens in Lärm untergingen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Zum vollständigen Dokument: [http://kiel-wiki.de/index.php?title=Datei:Mueller_brief-an-dora_1919.pdf PDF-Datei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Überregionale Persönlichkeiten ==&lt;br /&gt;
===Gustav Noske ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Noske gustav before 1918.png|150px|thumb|right|Gustav Noske vor 1918.]]&lt;br /&gt;
Gustav Noske (1868–1946) war ein bekannter SPD-Reichstagsabgeordneter, der sich auf Militärfragen spezialisiert hatte. Er wurde am 4. November 1918 zusammen mit dem Regierungsmitglied Conrad Haußmann nach Kiel geschickt, um die Lage unter Kontrolle zu bringen. Noske schrieb nach dem Kapp-Putsch 1920 seine Erinnerungen an diese Zeit in dem Buch „Von Kiel bis Kapp“ nieder.&amp;lt;ref&amp;gt;Gustav Noske: Von Kiel bis Kapp. Zur Geschichte der deutschen Revolution. Berlin 1920. Online zugänglich (aufgerufen am 31. Juli 2022) unter: [https://portal.dnb.de/bookviewer/view/1131562372#page/n6/mode/1up].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auszüge (S. 23 f.):&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Als mittags die Vertrauensleute der verschiedenen Formationen sich im Saal der Station einfanden, um mit mir die Lage zu besprechen, […] musste der Versuch gemacht werden, sobald wie möglich wieder zu einem ordnungsmäßigen Zustand zurückzugelangen. Ich schilderte den Leuten die Sachlage, so wie sie mir erschien und besprach […] den entsetzlichen Zustand, in dem sich unser Volk […] befinde und leitete dann […] dazu über, unter welchen etwaigen Voraussetzungen der Kieler Meuterei, die ich persönlich aufs schärfste verurteilte, ein Ende zu machen sei. Daß politische Reformen, für die man sich erhoben habe, erfüllt würden, sei selbstverständlich. Über eine Amnestie werde die Regierung mit sich reden lassen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Meine Darlegungen machten auf die Leute sichtlich tiefen Eindruck. Artelt, der dazwischen fahren wollte, erhielt von mir einen Dämpfer. Die Reichstagsabgeordneten Hoff und Dr. Struwe, […] haben mir später wiederholt versichert, daß sie niemals eindrucksvollere Darlegungen gehört hätten. Eine Diskussion ließ ich nicht zu, sondern riet den Leuten, mit ihren Kameraden das Gehörte durchzusprechen und dann die Schlußfolgerung in einer großen Vertrauensmännerversammlung zu ziehen, die gegen Abend stattfinden sollte. &#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In der Versammlung im Schloßhof am späten Nachmittag […] es waren an tausend Mann anwesend. […] Redner wurden mitten in ihren Ausführungen […] unterbrochen und [es] redete ein anderer [...] drauf los. [...] Nach ein paar Stunden bekam ein beträchtlicher Teil die Sache satt und ging davon. Schließlich wurde die Versammlung ohne Resultat geschlossen. &#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Zeitnahe Berichte in der SPD-Zeitung und von Lothar Popp zeichnen jedoch ein anderes Bild. Popp schreibt: „ […] gab Abgeordneter Noske die Bedingungen der Regierung [für den Abbruch des Aufstands] bekannt. […] Noske gab zu bedenken, dass die Bewegung zwar in Kiel gesiegt habe, dass aber, da sie isoliert sei, ihr doch große Gefahren drohen, […] Der Vorsitzende des Arbeiterrats Garbe [SPD] und ich führten aus, dass wir doch noch Zeit haben zu warten […] Nicht die Regierung hat Bedingungen zu stellen, sondern wir. Es wurde dann einstimmig beschlossen, das Angebot abzulehnen. Es wurde dann der Antrag gestellt, da anscheinend Haase oder Dr. Cohn verhindert würden, nach hier zu kommen, einen anderen Vertreter der Unabhängigen [Popp] an die Seite Noskes [dem vorläufigem Vorsitzenden der Soldatenräte] zu stellen, um die Parität zu wahren. Dem wurde zugestimmt und die Wahl vollzogen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Popp/Arterlt, Ursprung, S. III-25.&amp;lt;/ref&amp;gt; Am folgenden Tag hatte Popp die Soldatenräte neu organisiert. Es wurde der Oberste Soldatenrat gebildet, zu dessen Vorsitzenden Popp gewählt wurde. Noske ersetzte den Gouverneur Admiral Souchon.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references group=&amp;quot;A&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:1911-1920]] [[Kategorie:Erster Weltkrieg]] [[Kategorie:Kieler Arbeiter- und Matrosenaufstand]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Klaus Kuhl</name></author>
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