Forschungsschiff Otto Hahn

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Die Otto Hahn war das einzige deutsche Schiff mit Kernenergieantrieb.

Am 15. September 1959 wurde das erste zivil genutzte Schiff mit einem Kernenergieantrieb, der sowjetische Atomeisbrecher Lenin, in Dienst gestellt. Als weitere Erprobungsträger für die Nutzung der Kernenergie als Antrieb von Handelsschiffen folgten 1962 die US-amerikanische Savannah, 1968 die deutsche Otto Hahn und 1970 die japanische Mutsu. Die Savannah und die Otto Hahn wurden nach acht bzw. elf Jahren wieder reaktiviert. Die Erprobung der japanischen Mutsu wurde nicht abgeschlossen und das Schiff wurde 1973 wieder außer Dienst gestellt.

Das zivile Erprobungsschiff Otto Hahn wurde als drittes ziviles Schiff nach dem sowjetischen Eisbrecher Lenin und der US-amerikanischen Savannah von einem Kernreaktor angetrieben. Das Schiff wurde nach dem Kernchemiker und Nobelpreisträger Otto Hahn benannt, der beim Stapellauf 1964 anwesend war. Das Schiff, ein Pilotprojekt für die maritime Nutzung der Kernenergie, blieb aber das einzige deutsche Schiff mit Kernenergieantrieb, im Volksmund auch das „Atomschiff“ genannt.[1]

Entwicklung

Seit Beginn der 50er Jahre wurde die Entwicklung der Kernenergie als Schiffsantrieb vorangetrieben. Am 22. April 1955 stellte die US Navy das erste durch Kernenergie angetriebene Unterseeboot, die USS Nautilus in Dienst. Die Sowjetunion folgte dieser Entwicklung 1958 und stellte im September 1958 das erste sowjetische Atom-U-Boot, die Leninski Komsomol in Fahrt. Die Entwicklung die Kernenergie für den Antrieb von militärischen Einheiten zu nutzen, hält bis heute an.

Aber man stellte auch Überlegungen an die Kernenergie auch für Schiffe im zivilen Bereich zu nutzen. Die Einführung des Kernenergieantriebes hing wesentlich von der Wirtschaftlichkeit dieser Antriebsalternative ab. Sowohl in den USA als auch in den Niederlanden wurden ab 1959 Überlegungen angestellt Tanker für den Kernenergieantrieb umzurüsten. Mit dieser Vorgehensweise wollte man die Entwicklungskosten für Bau und Erprobung eines neuen Reaktors minimieren.[2]

Die Entwicklung in Deutschland

In der Bundesrepublik wurde 1956 für die weitere Entwicklung eines Kernenergieantriebes für den Handelsschiffbau die Gesellschaft für Kernenergieverwertung in Schiffbau und Schiffahrt mbH (GKSS) in Geesthacht an der Elbe gegründet. Von 1958 bis 2010 betrieb die GKSS auch für Untersuchungen zur Thematik Reaktorsicherheit den Forschungsreaktor FRG-1.

Im Forschungsbereich der GKSS wurden damals Überlegungen für ein sicheres und wirtschaftliches Schiff angestellt, das von einem Atomreaktor angetrieben wird. Ähnlich wie in den USA und den Niederlanden wurden Pläne ausgearbeitet, in einen vorhandenen Tanker einen Atomreaktor einzubauen.

Die GKSS plante im Jahre 1959, die aufgelegte ESSO BOLIVAR als Versuchsschiff für diese neue Antriebsart einzusetzen. Fast wäre dieser damals schon 20 Jahre alte Tanker noch einmal reaktiviert worden, doch wurden die Pläne zugunsten eines Neubaus, der OTTO HAHN dann doch verworfen. Daraufhin wurde dieser Veteran der ESSO Tankschiff Reederei dann 1960 endgültig zum Abwracken verkauft.

Das Hauptprojekt der GKSS war bis zur Stilllegung 1979 der nuklear betriebene Stückgutfrachter Otto Hahn, der 1964 vom Stapel lief und bis zum Jahr seiner Stilllegung 1979 Forschungszwecken diente. Seitdem spielte der Schiffbau keine Rolle mehr in der Arbeit der GKSS. Der Kernenergieantrieb konnte sich außer als Antrieb von Eisbrechern in der zivilen Schifffahrt nicht durchsetzen.

Weblinks

 Commons: Otto Hahn (ship, 1968) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Wikipedia: „Otto Hahn (Schiff)“
  2. Siehe auch HANSA Schifffahrt-Schiffbau-Hafen, 96. Jahrgang-1959-Nr33/34-Seite 1761/62)