Kieler Umschlag

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Darstellung des Kieler Umschlages auf einem Kieler Notgeldschein von 1921

Der Kieler Umschlag ist ein Volksfest in Kiel.[1]

Die Fahne Asmus Büx an der Nikolaikirche
Asmus Bremer und Frau Katharina nach dem Wecken im Warleberger Hof

Historischer Kieler Umschlag[Bearbeiten]

Der Kieler Umschlag geht auf einen gleichnamigen spätmittelalterlichen Freimarkt zurück, der seit 1431 jährlich stattfand. Anfangs wurde er im November (in der Woche nach St. Martin) veranstaltet, ab 1473 dann im Januar.

Termin und Ablauf[Bearbeiten]

Der Kieler Umschlag wurde jedes Jahr mit dem Hissen der Stadtflagge am Turm der Nikolaikirche eröffnet. Die „Fahne“ war damals noch ein rot gestrichenes Eisenschild, welches das Wappen der Stadt trug. Sie war Zeichen der Marktfreiheit, hieß offiziell die "Leyde"[2], wurde im norddeutschen Volksmund aber auch wegen ihrer Form leicht respektlos als „den Börgermeester sin Büx“ bezeichnet.

Schnell entwickelte sich der Kieler Umschlag zu einer der wichtigsten Einrichtungen des Landes. In Kiel, der damals sehr bedeutenden Stadt der Herzogtümer Schleswig und Holstein, trafen sich zu diesem einen Termin im Jahr die adeligen Grundbesitzer sowie Kaufleute aus Hamburg und Lübeck, um alle fälligen Geldgeschäfte abzuwickeln. Es wurden Schulden zurückgezahlt und neue Kredite aufgenommen. Verhandelt wurde auf dem Alten Markt, in den öffentlichen Räumlichkeiten des Rathauses sowie in der Kirche selbst.

Anfänglich wurde der Umschlag nach Martini (11. November) abgehalten. Spätestens seit dem Beginn des 16. Jahrhunderts wurde er in der Dreikönigsoktave abgehalten, also in den acht Tagen, die mit dem 6. Januar beginnen und mit dem selben Wochentag in der Woche darauf enden. Das Hissen des "Börgermeesters Büx" geschah am 6. Januar um vier Uhr nachmittags. Diese acht Tage galten als ein Tag, was die Zahlungstermine betraf; daher enthalten Verträge aus jener Zeit häufig kein konkretes Fälligkeitsdatum, sondern als Zahlungsfrist die Festlegung "oct. tr. reg." (octavae trium regum - die Oktave der drei Könige).

Im Anschluss an die Geldverkehrstage begannen die Markttage des Umschlagsmarktes. Neben dem Warenhandel, lockten dazu zahlreiche Vergnügungsangebote das Volk in die Stadt. Gaukler, Seiltänzer, Schausteller und Komödianten sorgten für Belustigung. Aber auch diejenigen, die ihre Schulden nicht begleichen konnten, trugen zur allgemeinen Erheiterung bei, denn dem Gläubiger war es erlaubt, sogenannte „Schandgemälde“ - Karikaturen des Schuldners – anfertigen zu lassen und öffentlich auszuhändigen.

Der Umschlagsmarkt dauerte bis Lichtmess (2. Februar) und wurde durch das Einholen der Leyde an jenem Tag um vier Uhr Nachmittags beendet.[3]

Zahlungsverkehr[Bearbeiten]

Bis 1864 wurden Zahlungen auf dem Umschlag ausschließlich bar abgewickelt. Das bedeutete damals: In Silber. Damals war eine Vielzahl an Währungen in Umlauf (preußische Taler, Banktaler, Speziestaler, schleswig-holsteinische Mark u. a.) und Papiergeld war noch nicht üblich. Der Aufwand für den Transport des Silbergeldes von und nach Kiel sowie für das das Zählen und Umrechnen während des Umschlags war beträchtlich. Daher wurden viele Zahlungen auch mit vorab gezählten Münzen in verschlossenen und gesiegelten Beuteln geleistet, wenn derjenige, der sich auf dem angehängten Zettel und durch sein Siegel für den Inhalt verbürgte, vertrauenswürdig und hinlänglich bekannt war.

Ab 1813 war gesetzlich die Zahlung in Speziestalern vorgeschrieben. Das förderte das Wechselgeschäft, weil andere Münzsorten zunächst bei Wechselstuben gegen ein übliches Aufgeld von 2 % umgetauscht und häufig anschließend zurückgetauscht werden mussten. Hier liegt die Wurzel des Bankhauses Wilhelm Ahlmann, das 1852 als erste Kieler Bank eröffnet wurde.

An die Oktavtage schloss sich eine Schonfrist von drei "Respittagen" (Respekttagen) an, bevor ein Gläubiger gegen einen säumigen Schuldner tätig werden konnte. Zu den Zwangsmitteln gehörte unter anderem das "Einlager": Die Verträge enthielten üblicherweise die Regelung, dass der Gläubiger den Schuldner auffordern konnte, sich in eine vom Gläubiger bestimmte Herberge zu begeben und diese nicht zu verlassen, bevor nicht Schulden, Zinsen und Folgekosten bezahlt seien.[3]

Ende des historischen Umschlags[Bearbeiten]

Im 16. Jahrhundert hatte der Kieler Umschlag seinen Höhepunkt erreicht und auch internationale Bedeutung. Diese nahm im 17. Jahrhundert jedoch langsam wieder ab und 1911 wurde der Kieler Umschlag vollends eingestellt.

Der Kieler Umschlag heute[Bearbeiten]

Seit 1975 findet der Kieler Umschlag als Volksfest wieder jährlich am letzten Februarwochenende in der Holstenstraße, auf dem Alten Markt und dem Rathausplatz statt.

Am 31. Januar 1975 wurde der erste Kieler Umschlag der Neuzeit eröffnet. Die 1973 gegründete Fördergesellschaft „Lebendiges Kiel“ nahm sich des neuen Volksfests an, um sowohl die wirtschaftliche Entwicklung Kiels zu unterstützen, als auch um das gesellige Stadtleben zu fördern. Der neue Kieler Umschlag sollte das winterliche Gegenstück zur Kieler Woche werden und wie diese mit einem bunten, kulturellen und traditionellen Programm vor allem die Kieler Bürger begeistern. Die erste Veranstaltung wurde ein voller Erfolg; vom Holstenplatz bis zum Alten Markt lockten unterschiedlichste Darbietungen, Buden und Musik.

Seitdem findet der Kieler Umschlag alljährlich nach einem festgelegten Ritual statt. Am Donnerstag versammelt sich eine fröhliche Menschenmenge vor dem Stadtmuseum Warleberger Hof in der Dänischen Straße, um mit viel Krach und Musik die Symbolfigur des Umschlags, Altbürgermeister Asmus Bremer, und dessen Frau Katharina zu wecken. Diese werden von ehrenamtlichen Schauspielern dargestellt und präsentieren zum Zeichen des Erwachens ihre Nachttöpfe. Anschließend wird am Turm der Nikolaikirche am Alten Markt die Umschlagsfahne Asmus Bremer sin Büx gehisst, womit der Umschlag als offiziell eröffnet gilt. Asmus Bremer und seine Frau wandeln mit Gefolge die ganze Festzeit durch die Stadt. Nach vier Tagen, am Sonntag, legen sich Asmus Bremer und seine Frau wieder schlafen, um im nächsten Jahr wieder geweckt zu werden.

Der Kieler Umschlag findet in der Kieler Fußgängerzone und auf dem Rathausplatz statt. Neben Fahrgeschäften und Gastronomieständen gibt es einen mittelalterlichen Markt (auf dem Alten Markt), das "Handwerkerzelt", wo sich das regionale Handwerk vorstellt und das "Laboer Zelt" mit maritimen Mahlzeiten und Shantychören.

Einer der Höhepunkte des Kieler Umschlags ist wohl die „Umschlagshochzeit“, bei der ein richtiges Brautpaar getraut wird.

Asmus-Bremer-Umschlag-Bahn[Bearbeiten]

Von 1976 bis 1984 befuhr während des Kieler Umschlags die Asmus-Bremer-Umschlag-Bahn, eine Garnitur aus zwei dafür besonders hergerichteten historischen Straßenbahnwagen, zum Sonderpreis die sog. Katastrophenschleife.

Hörspiel[Bearbeiten]

  • In den Fängen der Hanse – Von den Kieler Burspraken. 120 Min., Hörspiel von Hilke Wilhelmsen (Hrsg.), u. a. über die Besonderheiten des Kieler Umschlags im Mittelalter, basierend auf historischen Gegebenheiten, Kiel 2009.

Bilder[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kieler Umschlag – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wikipedia: „Kieler Umschlag“
  2. Tillmann/Rosenplänter in: Kiel Lexikon, Wachholtz Verlag, 2. Auflage, 2010, Stichwort: Umschlag, ISBN 978-3-529-02556-3
  3. 3,0 3,1 Ahlmann, Ludwig: "Der Kieler Umschlag" in: Gloy, Arthur: "Aus Kiels Vergangenheit", Kiel (Robert Cordes), 1925, S. 66-74